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Fachbereich Bauwesen

Studienrichtung Bauingenieurwesen

Grundbau 2

FACHGEBIET GRUNDBAU UND BODENMECHANIK


PROF. DR.-ING. H. FRANK ∗ WIESENSTR. 14 ∗ 35390 GIEßEN
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Grundbau 2
FH Gießen - Friedberg

INHALTSVERZEICHNIS

Seite
I. STÜTZBAUWERKE 4
1. Allgemeines 4
2. Schwergewichtsmauern 4
3. Winkelstützmauern 5
4. Mauern mit Spornen 6
5. Verankerte Mauern 8
6. Entwurfsgrundsätze für Stützmauern 8
6.1 Beton 8
6.2 Fugen 8
6.3 Hinterfüllung 9
6.4 Entwässerung 10
7. Sonderkonstruktionen 11
7.1 Raumgitterstützmauern 11
7.2 Bewehrte Erde 12
7.3 Bodenvernagelung 13

II. BAUGRUBEN 16
1. Allgemeines 16
2. Geböschte Baugrube 17
3. Grabenverbau 21
3.1 Allgemeines 21
3.2 Waagrechter Grabenverbau 22
3.3 Senkrechter Grabenverbau 23
3.4 Verbaueinheiten 24
4. Trägerbohlwände 26
5. Spundwände 29
6. Bohrpfahlwände 31
7. Schlitzwände 34
8. Verformungsarmer Verbau 39
9. Abstützung von Baugrubenwänden 40
9.1 Allgemeines 40
9.2 Steifen 42
9.3 Anker 43
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III. BERECHNUNG VON BAUGRUBENWÄNDEN 46


1. Allgemeines 46
2. Berechnung einer Verbauwand 46

IV. PFAHLROSTE 72
1. Allgemeines 72
2. Berechnung von Pfahlrosten 72

V. BAUGRUNDVERBESSERUNG 76
1. Allgemeines 76
2. Baugrundverbesserung durch Verdichtung 82
2.1 Allgemeines 82
2.2 Verdichtung im Erdbau (Oberflächenverdichtung) 82
2.3 Verdichtung durch Vorbelastung 83
2.4 Tiefenverdichtung mit Rütteldruckverfahren 84
2.5 Tiefenrüttlung mit Aufsatzrüttler 86
2.6 Verdichtungspfähle (Spickpfähle) 86
2.7 Stoßverdichtung an der Oberfläche (Dynamische Intensivverdichtung) 86
3. Baugrundverbesserung durch Bodenaustausch 86
3.1 Bodenvoll- und -teilaustausch 86
3.2 Rüttelstopfverdichtung 87
4. Baugrundverbesserung durch Verfestigung (Injektionen) 90
4.1 Allgemeines 90
4.2 Injektionsmittel 90
4.3 Injektionstechnik 93
4.4 Spezielle Injektionsverfahren 94
4.4.1 Soil - fracturing 94
4.4.2 Hochdruckinjektionen (Jet - grouting, Soilcrete) 95
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I. STÜTZBAUWERKE

1. Allgemeines
Stützbauwerke sind Konstruktionen zur vorübergehenden oder langfristigen Sicherung vertikaler
Geländesprünge. Zu den klassischen Stützbauwerken gehört die Stützmauer, eine Konstruktion die
ohne Verankerung die Kräfte des abzufangenden Geländesprungs über ihre Sohle in den Baugrund
überträgt. Man unterscheidet dabei die Schwergewichtsmauer von einer Winkelstützmauer. Bei der
Winkelstützmauer wird über eine Verbreiterung der Aufstandsfläche das darüberliegende Erdreich
zur Tragwirkung mit herangezogen.

Schwergewichtsmauer Winkelstützmauer

Aus der Vielzahl von möglichen Mauerformen wird die passende u.a. nach folgenden Kriterien aus-
gesucht:
− vorhandene Geländeform (Einschnitt oder Auffüllung)
− Scherfestigkeit des zu stützenden Hangs
− Platzbedarf bei der Herstellung
− Art und Größe der Verkehrslasten
− zulässige Verformungen, insbesondere im Hinblick auf Nachbarbebauungen
− verfügbare Bauzeit
− verfügbares Baumaterial
− Kosten
Über die Stützmauern hinaus haben sich im Laufe der Zeit auch andere Stützbauwerke u.a. Raum-
gitterwände, bewehrte Bodensysteme und Bodenvernagelungen durchgesetzt.

2. Schwergewichtsmauern
Die Schwergewichtsmauer ist die ursprünglichste Form
der Stützmauer. Sie wird aus unbewehrtem oder kon-
struktiv bewehrtem Beton, Mauerwerk, Trockenmauer-
G werk oder Betonfertigteilen hergestellt. Die Abmessun-
gen werden so gewählt, daß die resultierende Kraft R
Ea aus Eigengewicht G, der Erddruckkraft Ea und evtl. an-
deren angreifenden Kräften die Sohlfläche in der 1.
Kernweite schneidet (Kippsicherheit). Weil das Gewicht
R G entscheidend ist für die Standsicherheit, führt die Be-
messung zu sehr massiven Bauwerken. Nur bei kleinen
Höhen wird man eine konstante Breite wählen. Bei grö-
ßeren Höhen wird der Querschnitt nach oben verjüngt,
1. Kernweite wobei die Abschrägung i.a. luftseitig erfolgt, damit der
Erddruck nicht unnötig ansteigt.
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Die Idealform der Mauer kann aus der Bedingung, daß keine Biegemomente auftreten, mathema-
tisch abgeleitet werden (Stützlinie). Dies führt zu einer stetig gekrümmten Form, deren Herstellung
nicht praktikabel ist. Man trägt aber diesen Grundlagen bei hohen Stützmauern Rechnung, indem
man den aufgehenden Teil gegen den Geländesprung neigt und bereichsweise die Vertikalneigung
verändert. Häufig ist dabei auch die Anordnung eines Talsporns notwendig, um ausreichende Stabi-
lität zu erreichen. Darüber hinaus gibt es eine Reihe anderer Maßnahmen in der Formgebung, die
die Standsicherheit zusätzlich erhöhen. Ein bergseitiger Sporn vermindert den Erddruck. Eine
schräge Fundamentsohle dient der Verbesserung der Gleitsicherheit. In besonders steilem Gelände
kann zur Vermeidung einer extrem großen Bauhöhe die Stützmauer zur Schaffung zusätzlicher
Verkehrsflächen im Kopfbereich auskragend hergestellt werden.
Die genannten Einflüsse haben zur Folge, daß es zu einer Vielzahl von unterschiedlichen Mauer-
formen kommt.

Mauer mit Talsporn Mauer mit Tal- und Mauer mit luftseitiger Auskragung
Bergsporn

Bemessung von Schwergewichtsmauern


Zur Berechnung der Standsicherheit von Schwergewichtsmauern (i.a. mit aktivem Erddruck) gehö-
ren folgende Nachweise:
− Kippsicherheit
− Gleitsicherheit
− Geländebruchsicherheit
− Grundbruchsicherheit
Auf die stahlbetonmäßige Bemessung wird hier nicht eingegangen.

3. Winkelstützmauern
Winkelstützmauern sind aufgelöste bewehrte
Stützmauern. Ihre Standsicherheit beruht nicht
β allein auf dem Eigengewicht, sondern hauptsäch-
lich auf dem Gewicht des Bodens (GE), das auf
Ersatzwand dem bergseitigen Schenkel der Aufstandsfläche
GE Ea lastet.
β
Der Ansatz des Erddruckes Ea wird in DIN 4085
geregelt. Vereinfachend darf danach Ea auch auf
eine fiktive senkrechte Wandfläche (Ersatzwand)
angesetzt werden, die durch die Hinterkante des
waagrechten Schenkels verläuft. Die Erddruckbe-
rechnung hat dann mit dem Wandreibungswinkel δa
= β zu erfolgen.
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Ähnlich wie bei Schwergewichtsmauern kann durch die Anordnung von Spornen oder durch eine
Neigung der Aufstandsfläche die Gesamtstandsicherheit verbessert werden. Dies führt zu einer
Vielzahl unterschiedlichster Formen.

Grundform Sporn mit Spundwand Mauer mit Querschotten


(zur Erhöhung der (für größere Höhen)
Gleitsicherheit)

Bemessung von Winkelstützmauern


Zur Berechnung der Standsicherheit von Winkelstützmauern (i.a. mit aktivem Erddruck) gehören
folgende Nachweise:
− Kippsicherheit
− Gleitsicherheit
− Geländebruchsicherheit
− Grundbruchsicherheit
Auf die stahlbetonmäßige Bemessung wird hier nicht eingegangen. Es wird lediglich darauf hinge-
wiesen, daß es bei dieser Bemessung wegen geringer oder fehlender Bewegungsmöglichkeiten des
aufgehenden Teils durchaus sinnvoll sein kann, einen erhöhten aktiven Erddruck oder den Erdruhe-
druck anzusetzen.

4. Mauern mit Spornen


GE Sporne werden sowohl bei Schwergewichtsmauern als auch bei
Winkelstützmauern verwendet. Ihre Anordnung führt zu kleineren
Abmessungen der Mauern. So erhöhen senkrechte Sporne in der
Aufstandsfläche die Gleitsicherheit. Wird bergseitig ein Sporn
angeordnet (Bergsporn), hat die entlastende Wirkung zwei Ursa-
Abschirmung chen:
a) Der Erddruck auf die Mauer unterhalb des Sporns wird durch
die Abschirmwirkung geringer.
b) Die Erdauflast GE auf dem Sporn erzeugt ein rückdrehendes
Moment, das die Kippsicherheit der Mauer erhöht.
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Der Erddruck unter Berücksichtigung der Abschirmwirkung kann näherungsweise wie folgt ermittelt
werden:

Beispiel mit einem Schichtwechsel im Übergangsbereich


p

β
A
ϑa ≈ 45 + ϕ′/2
Keine Abschirmung (genau: siehe Kapitel
Erddruck mit δa = β; β ≠ 0 Erddruck im Bo-
denmechanik-Skript)
B
Volle Abschirmung
Erddruck i.a. mit δa = +2/3 ⋅ ϕ′; β = 0
ϕ′1 Boden 1
C

ϑa1
D Übergangsbereich

ϑa2
E
Boden 2
Keine Abschirmung
Erddruck i.a. mit δa = +2/3 ⋅ ϕ′; β ≠ 0
F

A
a a

b b
B
1
e e
C
k f ⇒
f
D
g
g
E
c c
h
2
d
F
d
Erddruckermittlung: Ergebnis

− Berechnung Verlauf 1 mit p ab GOK ( = Erddruck ohne Abschirmung) ergibt a, b, c und d


− Berechnung Verlauf 2 ohne p ab UK Sporn ( = Erddruck mit Abschirmung) ergibt e
− Verlängerung Verlauf 1 von Boden 1 nach unten bis E (Ende des Übergangsbereichs)
ergibt Größe h; Verbindung e mit h ergibt den Erdruckverlauf im Übergangsbereich in Bo-
den 1 (bis f)
− Verlängerung Verlauf 2 von Boden 2 nach oben bis C (Beginn des Übergangsbereichs)
ergibt Größe k; Verbindung k mit c ergibt den Erddruckverlauf im Übergangsbereich in
Boden 2 (ab g)
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5. Verankerte Stützmauern
Bei hohen Geländesprüngen empfiehlt es sich oft, die
Stützmauern einfach oder mehrfach zu verankern. Vorteil
Anker
der Verankerung ist, daß Massen eingespart werden. Im
Gebirgsstraßenbau werden gebohrte und verpresste
Felsanker als Daueranker verwendet. Im Lockergestein
werden Verpreßanker als Daueranker eingesetzt.
Neben verankerten Schwergewichts- und Winkelstütz-
mauern gibt es noch Stützwände, die aus einzelnen ver-
ankerten Platten hergestellt werden (aufgelöste Element-
wand). Die Herstellung der Wände erfolgt abschnittsweise
von oben nach unten, wobei die jeweilige Aushubhöhe von
der Scherfestigkeit des Bodens abhängt. Die Platten kön-
nen aus Ortbeton oder Fertigteilen bestehen.

Aufgelöste Elementwand

Dränagebohrungen
(falls erforderlich)
Urgelände Phase 1

∆h = 1,5 bis
2,5 (3,0)m Phase 2

Filterbeton d ≈ 30 cm
Stahlbetonplat-
(Drainage)
platten d ≈ 30 cm vorgespannte
Phase 3 Dränagelöcher Anker
(falls erforderlich)

Phase 4
Wieder-
auffüllung Dränagerohr
Aushubsohle

6. Entwurfsgrundsätze für Stützmauern


6.1 Beton
Wegen ihrer Massigkeit und ihrer meist nur schwachen (oft ganz fehlenden) Bewehrung sind
Stützmauern einer Rißbildung durch Schwind- und Temperaturwirkung (u.a. durch Abbindewärme)
besonders ausgesetzt. Stützmauerbeton muß deshalb vor allem schwindarm sein und eine hohe
Zugfestigkeit besitzen, Er soll eine glatte und homogene Sichtfläche haben. Nicht erforderlich sind in
den meisten Fällen hohe Druckfestigkeiten und große Anfangsfestigkeiten.
6.2 Fugen
Die Fugen bei Stützmauern haben folgende Aufgabe:
− Verhinderung von Rissen aus Temperatur- und Schwindspannungen
− Verhinderung schädlicher Auswirkungen aus ungleichen Bewegungen
− Unterteilung in Betonierabschnitte
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Folgende Arten von Fugen sind zu unterscheiden:


a) Dehnungsfugen
Dehnungsfugen sind ebene oder verzahnte Fugen mit und ohne Dichtungselemente. Eine Verzah-
nung wird nur dann notwendig, wenn die statische Mitwirkung der Nachbarelemente erforderlich ist.
Dies trifft vor allem bei stark wechselnden Bodenverhältnissen oder beim Auftreten konzentrierter
Lasten zu. Dichtungen sind dort anzuordnen, wo das Durchsickern von Wasser und insbesondere
das Ausschwemmen von feinem Hinterfüllmaterial verhindert werden muß.
Die Fugen werden i.a. lotrecht angeordnet. Sie sind grundsätzlich von der Mauerkrone bis zur Fun-
damentsohle durchzuziehen. Der Abstand liegt normalerweise zwischen 8 und 12 m. Bei massigen
Mauern sind kleinere, bei dünnwandigen und dementsprechend stark bewehrten Mauern sind grö-
ßere Abstände möglich.
b) Arbeitsfugen
Diese Fugen entstehen durch Betonierabschnitte und verlaufen normalerweise horizontal. Sie stel-
len, insbesondere bei unbewehrten Mauern, eine nennenswerte Schwächung dar und sind deshalb
nach Möglichkeit zu vermeiden. So empfiehlt sich bei Betonierunterbrechungen, die 15 Stunden
nicht überschreiten, ein Ausschalten der Arbeitsfuge durch die Beigabe eines Abbindeverzögerers.

Zwischen Fundament und Aufgehendem läßt sich Hangseite


eine Arbeitsfuge kaum vermeiden. Bei unbe-
wehrten Mauern ist zur besseren Verzahnung eine
treppenförmige Ausführung und die Anordnung Verbundbewehrung
einer Verbundbewehrung (Steckeisen) zweckmä-
ßig.

c) Scheinfugen
Scheinfugen werden nur ausnahmsweise ausgeführt. Sie dienen dem Verdecken von Schalungs-
stößen und zur Auflösung großer Ansichtsflächen in betont vertikalen, horizontalen oder rasterarti-
gen Strukturen. Es empfiehlt sich, Scheinfugen mit Arbeitsfugen zusammenzulegen.

6.3 Hinterfüllung
Ein großer Teil der an Stützmauern aufgetretenen Schäden ist auf unsachgemäßes Hinterfüllen
zurückzuführen. Meist wird im Bereich unmittelbar hinter der Mauer zu stark verdichtet. Ist die
Mauer auf gutem Untergrund (z.B. Fels) gegründet, kann sie nicht genügend ausweichen, um den
stark anwachsenden Druck bis auf den aktiven Erddruck abzubauen.
Die DIN 4085 empfiehlt bei einer starken Verdichtung zur Bemessung der Mauer den Ansatz des
folgenden Verdichtungsdruckes ev:
ev: Erddruckordinate infolge Verdichtung
B B
B : lichte Breite des Verfüllraums
ev 1,0 m B ≤ 1,0 m B ≥ 2,5 m
ev
2 2
Stützwand ev [kN/m ] ev [kN/m ]
unverschieblich 40 25
verschieblich 25 25
ea e0 Zwischenwerte geradlinig ermitteln

Verschiebliche Wand Unverschiebliche Wand Der Verdichtungsdruck ist nur insoweit zu


berücksichtigen, wie seine Wirkung nicht
durch den rechnerischen Erddruck infolge
Bodeneigenlasten und Auflasten erfaßt wird.
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I.a. sollten folgende Einbauregeln eingehalten werden:


− Dicke der jeweils eingebauten Schicht höchstens 30 cm
− leichtes Verdichtungsgerät
− die Verdichtung soll erst im Abstand von einem Meter hinter der Rückwand begonnen und von
dieser weg durchgeführt werden; nur der oberste Meter der Hinterfüllung wird bis zur Wand ver-
dichtet
Als Hinterfüllmaterial wird, wenn immer möglich, Aushubmaterial verwendet. Es ist geeignet, wenn
es entsprechend den bestehenden Anforderungen verdichtet werden kann, und sich eine zum Mate-
rial passende Dränageschicht finden läßt.

6.4 Entwässerung
Die Entwässerung der Stützmauern umfaßt die Dränage der Hinterfüllung und die Ableitung des
Oberflächenwassers. Einer zweckmäßigen Anordnung und sorgfältigen Ausführung kommt eine
entscheidende Bedeutung zu, da üblicherweise Stützmauern (außer im Grundwasser) nicht auf
Wasserdruck bemessen werden. Ein Versagen der Dränage kann daher zum Einsturz der Mauer
führen.
Zur Entwässerung der Hinterfüllung werden ein- oder mehrstufige Filter bestehend aus Sand- und
Kiesschichten eingebaut. Alternativ können auch vorgefertigte Filtersteine/Filterplatten oder Ein-
kornbetone (Sickerbeton) unmittelbar an der Wandrückseite als Dränschicht eingesetzt werden.
Wichtig ist, daß im Fußpunkt dieser Schichten eine Dränageleitung verlegt wird, die das anfallende
Wasser abführt.

Kiesfilter Filter 1 Hinter-


Filter 2 füllung

Hinter- Filtersteine
füllung

Einfachfilter Mehrstufenfilter Filtersteine

Neben dem Sickerwasser in der Hinterfüllung muß auch das auf der Böschung anfallende Oberflä-
chenwasser sauber abgeleitet werden. Insbesondere ist darauf zu achten, daß dieses Oberflächen-
wasser nicht in großen Mengen in die Dränageschicht hinein versickert. Das in Mulden, Schalen
oder Rinnen gesammelte Wasser wird über Schlammsammler in die Sickerleitung geführt. Die
Schlammsammler müssen leicht erreichbar und einfach zu entleeren sein.

Grobkies Mutter- Beton- Beton-


boden schale rinne

Filter Filter Filter Filter

Einfache Lösung
bei geringem
Wasseranfall Rasenmulde Schale Rinne Schlammsammler
(Geländeneigung
kleiner 5%)
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7. Sonderkonstruktionen
7.1 Raumgitterstützmauern
Raumgitterstützmauern sind aus Fertigteilen räumlich zusammengesetzte kastenförmige Gerippe,
deren Zellen i.a. mit nichtbindigem Boden gefüllt werden. Sie wurden aus den in den Gebirgsregio-
nen Österreichs üblichen Stützkonstruktionen aus Holz (Krainer Wände) abgeleitet. Heute werden
i.a. Stahlbeton-Fertigteile verwendet. Man braucht in aller Regel nur zwei einfache Fertigteilformen.
Die Querelemente (Binder) halten durch einfache Anschlußkonstruktionen (z.B. verbreiterte Köpfe,
Nut-Feder-Systeme, etc.) die Längselemente (Läufer).

Ansicht

Grundriss

Querschnitt

Prinzip Raumgitterstützwände
L: Läufer; B: Binder; HL: Halbläufer; A: Abstandsteine

Ausgeführte Raumgitterstützwände

Die Raumgitterwand ist erdstatisch eine Schwergewichtsmauer. Es sind die Sicherheitsnachweise


gegen Kippen, Gleiten, Grundbruch und Geländebruch für den Gesamtkörper zu führen (äußere
Sicherheit). Im Gegensatz zur Schwergewichtsmauer ist die Raumgitterkonstruktion in jeder Hori-
zontalfuge verschiebbar. Daher sind zusätzlich in jeder Fuge Nachweise gegen Gleiten, Kippen und
Bruch der Anschlüsse zu erbringen (innere Sicherheit).
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Die Verfüllung mit Boden (in seltenen Fällen auch mit Beton) erhöht die Stabilität des Gesamtsy-
stems. Das Verfüllen mit aus gärtnerischen Gründen nicht verdichtetem Mutterboden ergibt ein
niedrigeres Gesamtgewicht und wirkt der Grundidee der Schwergewichtsmauer entgegen.
Fertigteilmauern werden i.a. auf Fundamentplatten frostsicher gegründet. Bei wenig tragfähigem
Untergrund oder in Rutschgebieten können Raumgitterstützmauern auch über Bohrpfähle, Schlitz-
wände oder Hochdruckinjektionskörper gegründet werden. Raumgitterstützwände werden bis ca. 25
m Höhe gebaut. Da sie größere Verformungen aufnehmen können, eignen sie sich auch in
rutschgefährdetem steilen Gelände. Eine Verstärkung der Stützwirkung wird durch eine Veranke-
rung erzielt.
Die wesentlichen Vorteile der Konstruktion sind:
− rasche, einfache und weitgehend witterungsunabhängige Herstellung auch in unwegsamem Ge-
lände
− gute Anpassungsmöglichkeit an örtlich unregelmäßige Gelände-, Erddruck- und Auflastverhält-
nisse
− hohe Verformungsunempfindlichkeit
− naturnaher Verbau und optisch ansprechende Gestaltung (Begrünbarkeit); manche Wände ver-
wachsen (auch durch natürlichen Samenflug), so daß die Konstruktion nicht mehr sichtbar ist
− Umweltfreundlichkeit (Schallabsorption, Bindung von Emissionen aus Straßenverkehr)

7.2 Bewehrte Erde (La Terre Armée)


Das Stützbauwerk Bewehrte Erde ist ein Verbundkörper aus Boden und Bewehrung zur Abstützung
von Dämmen, Rampen und Böschungen. Bei dieser Bauweise werden Wandelemente
(Betonplatten oder Stahlblechhalbschalen) aufeinandergesetzt, lagenweise hinterfüllt und die Anfül-
lung verdichtet. Die Herstellung erfolgt von unten nach oben. Beim Einbau der Auffüllung werden
lagenweise glatte oder quergerippte Bewehrungsbänder (Stärke: 3 bis 5 mm; Breite: 40 bis 120 mm;
Länge: ca. 0,7 x Bauwerkshöhe; horizontaler Abstand: 30 bis 100 cm; vertikaler Abstand: 30 bis 40
cm) eingebaut und mit den Wandelementen verbunden. Statt der Metallbänder werden auch Kunst-
stoffbänder bzw. -matten eingesetzt. Die Verbundwirkung kommt dadurch zustande, daß die am
Wandanschlußpunkt in die Bewehrung eingeleitete Kraft aus dem Erddruck auf die Wandelemente,
über Reibung in den Boden abgetragen wird.

Außenhaut aus
Stahlblechprofilen
Schnitt mit Betonplatten

Prinzip Bewehrte Erde

Ansicht mit Betonplatten


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Schüttrampe aus Bewehrter Erde

Stützmauer aus Bewehrter Erde

Bei der Berechnung der Standsicherheit wird unterschieden zwischen der äußeren und inneren
Sicherheit. Bei der äußeren Standsicherheit wird der gesamte Stützkörper als massiver Block be-
trachtet. Nachzuweisen sind dafür wie bei einer Schwergewichtsmauer die Kipp-, Gleit-, Grund-
bruch- und Geländebruchsicherheit. Zur inneren Sicherheit zählen die Nachweise gegen Bandbruch
(= Bewehrungsquerschnitt) und gegen Herausziehen der Bänder (= Bewehrungslänge = Bauwerks-
länge).

7.3 Bodenvernagelung
Durch den Einbau von Erdnägeln wird im Böschungsbereich die Scherfestigkeit des anstehenden
Bodens erhöht. Der so entstandene Verbundkörper wirkt als monolithischer Block wie eine Schwer-
gewichtsmauer und kann als statisch wirksames Bauteil herangezogen werden.
Soll im Bauverfahren Bodenvernagelung eine Böschung gesichert werden, wird der Boden je nach
Standfestigkeit in Lagen von 1,0 bis 1,5 m ausgehoben, und die freigelegte Wand wird mit einer mit
Baustahlgewebe bewehrten Spritzbetonhaut gestützt. Die Dicke dieser Spritzbetonhaut beträgt ca.
10 bis 15 cm bei vorübergehenden Baumaßnahmen und 15 bis 25 cm bei bleibenden Bauwerken.
Nach dem Erhärten des Spritzbetons werden die Nägel, bestehend aus Stahl- oder Kunststoffstä-
ben mit Durchmessern von 20 bis 30 mm, etwa senkrecht zur Wandfläche durch Rammen, Bohren,
Spülen oder Vibration eingebracht. Um den notwendigen Verbund zwischen Boden und Nagel her-
zustellen, wird der Ringraum zwischen Boden und Nagel mit Zementmörtel verpreßt. Nach dem
Erhärten des Zementmörtels wird der Nagelkopf kraftschlüssig mit der Spritzbetonhaut verbunden.
Danach kann mit dem Aushub der nächsten Lage begonnen werden. Die Herstellung erfolgt also
von oben nach unten. Die Länge der Nägel beträgt etwa das 0,5 bis 0,6-fache der Wandhöhe, die
2
Nageldichte etwa 0,5 bis 1 Nagel pro m Wandfläche.
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Bewehrungs-
matten

Aushub der ersten Lage: Bewehren und Spritzen:


Der anstehende Boden soll kurzfri- Die Spritzbetonhaut ist nur wenige
stig auf eine Höhe von 1,2 - 1,5 m Zentimeter dick. Der Bewehrungs-
standfest sein. anteil ist gering.

Spritzbeton

Einbau der Bodennägel: Aushub der zweiten Lage:


Die Art der Bodennägel richtet sich Wenn die Bodennägel kraftschlüssig
nach dem Verwendungszweck als mit der Spritzbetonhaut verbunden
vorübergehende oder dauerhafte sind, kann sofort die nächste Lage
Sicherung. Die Bodennägel werden freigelegt werden.
mit Zementmörtel verpreßt.

Herstellung einer Bodenvernagelung

Fertige Wand
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Aufgabe
Für die dargestellte Winkelstützmauer ist folgendes zu berechnen:
a) Kippsicherheit
b) maximale Bodenpressung
c) Gleitsicherheit
d) Grundbruchsicherheit für den Lastfall mit maximaler Bodenpressung (ηgesch. ≈ 5)
e) darf der Boden vor der Stützmauer bis auf -5,0 m abgegraben werden (ohne Beachtung des
Grundbruchnachweises)

0,5m
2
p = 10 kN/m
±0,00
− Die Verkehrslast p tritt nur
während der Bauzeit auf
Boden 1: Sand − Die Verkehrslast p kann auch
3
γ /γr = 19 / 20,5 kN/m bereichsweise wirken (über
Boden 1 ϕ′ = 35° bergseitigem Schenkel oder
nur rechts vom bergseitigen
-3,00 Schenkel)
− Verdichtungsdruck soll nicht
Boden 2 berücksichtigt werden
-4,00 Boden 2: Ton
-4,20 3 − Die Stützmauer soll ein
γ /γr = 19 / 21 kN/m
2 Stahlbetonfertigteil sein
0,8 ϕ′ = 25°; c′ = 15 kN/m
-5,00 − Der passive Erddruck soll nur
zu 50% angesetzt werden
− δp soll 0 sein
0,5m 1,0m 1,5m
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II. BAUGRUBEN

1, Allgemeines
Bauwerke mit Untergeschossen, unterirdische Bauwerke, das Verlegen von Leitungen und Kanälen
und das Bauen im Wasser erfordern Baugruben und damit Maßnahmen für relativ kurzzeitige, vor-
übergehende Zwecke. Bei großen Aushubtiefen und beengten Platzverhältnissen wird die Baugrube
durch senkrechte Wände gesichert. Bei geringen Aushubtiefen und ausreichend Platz ist die Aus-
führung einer geböschten Baugrube möglich.

Geböschte Baugrube Baugrube mit


senkrechtem Verbau

Die Abmessungen und die Ausbildung einer Baugrube werden von dem geplanten Bauwerk und den
örtlichen Gegebenheiten bestimmt. Dies sind u.a.:
− Form und Größe des Gebäudegrundrisses
− erforderlicher Arbeitsraum
− Tiefenlage der Gründungssohle
− vorgesehene Gründungsart
− Nutzung der angrenzenden Flächen
− bodenmechanische Eigenschaften des anstehenden Baugrunds
− Tiefenlage und Eigenschaften des Grundwassers
− Belastung aus Gebäuden und Verkehr
Die Abmessungen von Baugruben haben in den letzten Jahren immer weiter zugenommen, wobei
insbesondere die größeren Tiefen eine Vielzahl von Problemen aufwarfen. Die größeren Tiefen
haben verschiedene Ursachen:
− Die knappe Baulandsituation (insbesondere in den Innenstädten) zwingt dazu, Gebäude mit
mehreren Kellergeschossen auszuführen
− Neuer Parkraum kann häufig nur noch durch Tiefgaragen unter Straßen, Plätzen oder Gebäuden
geschaffen werden
− Die Verkehrsprobleme vieler Städte lassen sich nur noch durch das Anlegen mehrerer Ebenen
(z.B. U-Bahn-Tunnel, S-Bahn-Tunnel oder Straßentunnel) lösen
− Industrielle Anlagen (z.B. kerntechnische Anlagen, Produktionsstätten aber auch Deponien) wer-
den in zunehmendem Maße unterirdisch gebaut
Die Planung und Herstellung von Baugruben ist eine komplexe Aufgabe, die im organisatorischen
und technischen Bereich das enge Zusammenwirken von Fachleuten verschiedenster Fachgebiete
erfordert.
Wesentliche Fragestellungen, die praktisch bei jeder Baugrube auftreten, sind:
− Umleitung des Verkehrs
− Freimachen des Baufeldes (Leitungsverlegung, etc.)
− Bereitstellen von Baustelleneinrichtungsflächen
− Sicherung der Nachbarbebauung
− Kenntnisse zu Boden- und Wasserverhältnissen
− Maßnahmen gegen Lärm und Erschütterungen
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2. Geböschte Baugrube
Soweit die örtlichen Verhältnisse es zulassen, werden flache Baugruben mit geböschten Wänden
hergestellt. Die Größe der Baugrube ergibt sich aus dem Bauwerksgrundriß zuzüglich Arbeitsraum
und dem Platzbedarf für die Böschungen, der durch die erforderliche Böschungsneigung bestimmt
wird. Die Böschungsneigung richtet sich nach dem Baugrund (Eigenschaften des anstehenden Bo-
dens und Wasserverhältnisse), der Nutzung angrenzender Flächen (Verkehrswege, Bebauung), den
zu erwartenden Beanspruchungen durch Baugeräte, der Höhe der Böschung und ihrer Standzeit.
Die Herstellung geböschter Baugruben ist ohne Zusatzmaßnahmen nur oberhalb des Grundwasser-
spiegels möglich. Steht Grundwasser an, muß der Wasserspiegel entweder abgesenkt werden,
oder es muß durch zusätzliche Abdichtungsmaßnahmen verhindert werden, daß Wasser aus Bö-
schungen austreten kann.
Mit zunehmender Tiefe der Baugrube nehmen die Aushubmassen und damit die Kosten für Mehr-
aushub und Wiederverfüllung beträchtlich zu, so daß es ab einer bestimmten Tiefe wirtschaftlicher
wird, senkrechte Baugrubenwände herzustellen.

Vor- und Nachteile geböschter Baugruben


Vorteile Nachteile
− Einfachste Herstellung − Großer Platzbedarf
− Kein Einsatz von Spezialgeräten erforder- − Unter Grundwasser nur mit Zusatzmaß-
lich nahmen möglich
− Kein Verbaumaterial erforderlich − Mit größerer Tiefe stark zunehmende Aus-
− Lärmarme und erschütterungsfreie Bau- hub- und Verfüllmassen
weise − Nicht neben vorhandener Bebauung aus-
− Einsatz von Großgeräten sowohl beim führbar
Aushub als auch beim Herstellen des − Die Materialzufuhr zur Baugrube wird
Bauwerks ungehindert möglich, da keine schwieriger
Aussteifung vorhanden − Krane stehen wegen der Böschung weiter
− Sofortiger Baubeginn möglich, da keine vom zu erstellenden Bauwerk entfernt; es
vorbereitenden Arbeiten erforderlich müssen entweder größere oder mehr
Krane eingesetzt werden

Nach DIN 4124 dürfen folgende Böschungswinkel ohne rechnerischen Nachweis nicht überschritten
werden:

Maximaler Böschungswinkel Definition des


Bodenart
β [°] Böschungswinkel β
nichtbindige und weiche 45°
bindige Böden
steife und halbfeste bindige 60°
Böden β
Fels 80°

Die Böschungen müssen allerdings flacher ausgeführt werden, wenn


− durch Schieferung, Klüftung oder Einfallen der Schichtung Gleitflächenrichtungen zur Aushub-
sohle hin vorgegeben sind
− der umgebende Boden nur locker oder wenig verdichtet aufgefüllt wurde
− die Böschung zusätzlich durch Verkehrs- und Bauwerkslasten beansprucht wird
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Grundbau 2 Seite 18

− dynamische Beanspruchungen (z.B. aus Verkehr, Ramm- und Verdichtungsarbeiten oder


Sprengungen) zu erwarten sind
− eine Grundwasserabsenkung durch eine offene Wasserhaltung durchgeführt wird
− die Dauerstandsicherheit durch den Einfluß der Witterung (Regen, Trockenheit, Frost) gefährdet
ist

Die Standsicherheit von Böschungen muß rechnerisch nachgewiesen werden, wenn


− die in DIN 4124 genannten Böschungswinkel überschritten werden
− die Böschung höher als 5 m ist
− vorhandene Gebäude, Leitungen oder Verkehrswege gefährdet werden können
− das seitliche Gelände stärker als 1 : 10 ansteigt
− bis zu 12 t schwere Fahrzeuge einen Abstand von 1 m und schwerere Fahrzeuge einen Abstand
von 2 m von der Böschungskante unterschreiten
− besondere Einflüsse die Standsicherheit gefährden (z.B. Wasser, Stapellasten)

≥ 0,6m
Bermen sind anzuordnen, wenn
dies zum Auffangen von abrut- Geländeoberfläche
schenden Steinen und Bauwerks-
resten oder zum Einrichten von ≥ 1,5m
≤ 3,0m
Wasserhaltungsanlagen erforder- β Berme
lich ist. Sie müssen für das Auf-
fangen abrutschender Teile min-
destens 1,50 m breit sein und in ≤ 3,0m
β Baugrubensohle
Stufen von höchstens 3,00 m
Höhe angeordnet werden. Auf die
Bermen abgerutschter Boden ist Geböschte Baugrube mit Berme zum Auffangen
unverzüglich zu entfernen. abrutschender Teile

Bei der Sicherung von Böschungen sind folgende Maßnahmen zu unterscheiden:


− Sicherung gegen Oberflächenabtrag durch Witterung
− Sicherung gegen Böschungsbruch
− Entwässerungsmaßnahmen

a) Sicherung gegen Oberflächenabtrag


Je nach Standzeit sind Baugrubenböschungen mehr oder minder lange Witterungseinflüssen aus-
gesetzt. Niederschläge spülen Bestandteile der Böschung ab, und es kann zu Erosionen und zur
Bildung abrutschender Erdschollen kommen.
Zur Sicherung gegen Oberflächenabtrag haben sich folgende Stoffe und Materialien bewährt:
− Kunststoffolien mit Steinen und Bohlen beschwert
− Schilffmatten mit Steinen und Bohlen beschwert
− Spritzbetonschalen (bewehrt oder unbewehrt, verankert oder unverankert)
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Grundbau 2
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b) Sicherung gegen Böschungsbruch


Wird die Scherfestigkeit in der dargestellten Gleitfläche überschritten, kommt es zum Abrutschen
eines Gleitkörpers.

a
M G = Gewicht des Gleitkörpers in
[kN/m]
r
T = Scherfestigkeit des Bodens
in [kN/m]
r G aw
Gleitkörper W = Wasserdruckkraft in [kN/m]
Baugrubensohle
GW

GW
W T⋅r
η=
T G ⋅ a + W ⋅ aw
Gleitfläche

Für das Erreichen einer ausreichenden Standsicherheit gibt es demnach folgende Möglichkeiten:

Vergrößerung der Scherfestigkeit im Boden (T vergrößern)


Dazu gehören Verfahren, bei denen z.B. mögliche Gleitfugen durch Injektionspfähle, Schottersäulen
o.ä. verdübelt werden.
Verminderung der Masse des Rutschkörpers (G verkleinern)
Diese Verfahren beruhen darauf, die Böschungsneigung ausreichend flach zu wählen. Im Falle ei-
ner Gefahr ist die Böschung durch Massenumlagerung abzuflachen.

Verminderung der Wasserdruckkraft (W verkleinern)


Der Wasserdruck, der die Standsicherheit einer Böschung verringert, kann durch Entwässerung der
Böschung vermindert werden.

Einbau von Konstruktionselementen

.
Spritzbeton
Durch den Einbau von Konstruktions- 1. Aushub
Baustahlnägel
elementen können zusätzlich rückhal- 2. Aushub
tende Momente erzeugt werden. Bewehrung
Hierzu zählen u.a. die dargestellten
Lösungen Endaushub

Böschungssicherung mit
Spritzbeton und Bodennägeln
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Querschnitt Querschnitt

Spritzbeton

U-Profile
Bewehrter
Spritzbeton

Ansicht Ansicht

Kopfplatte

Böschungssicherung mit U-Profilen Böschungssicherung mit Spritzbeton,


und Ankern Kopfplatten und Ankern

c) Sicherung gegen Wasserzutritt


Wenn Grundwasser oberhalb der Baugrubensohle ansteht, ist bei der Herstellung der Böschungen
der Einfluß des Wassers auf die Standsicherheit zu beachten. Grundsätzlich vermindert anstehen-
des Wasser die Standsicherheit, da zum einen der Wasserdruck ein zusätzliches, den Böschungs-
bruch förderndes Moment um den Gleitkreismittelpunkt erzeugt, zum anderen durch den Auftrieb
das Korngerüst des Bodens entlastet wird, wodurch die in einer möglichen Gleitfläche vorhandenen
Korn-zu-Korn-Drücke abnehmen und sich damit die mobilisierbare Reibung vermindert.
Folgende Maßnahmen werden angewendet:

Gleitfläche
GW
h Baugrubensohle

Offene Wasserhaltung
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ursprünglicher Grundwasserspiegel
Gleitfläche

h
Baugrubensohle
abgesenkter Grundwasserspiegel
Brunnen

Pumpe

Grundwasserabsenkung mit Brunnen

GW
Gleitfläche
Dichtungswand Baugrubensohle

Schicht mit geringer Durchlässigkeit

Grundwasserabsperrung

3. Grabenverbau
≥ 0,6m
3.1 Allgemeines

Aus Gründen des Arbeitsschutzes dürfen Gräben


nur dann unverbaut hergestellt werden, wenn die ≤ 45°
in den Bildern angegebenen Bedingungen erfüllt
sind: ≤ 1,75m
≤ 1,25m
≥ 0,6m
≥ 5cm
b
Graben mit abgeböschten Kanten
≤ 1,75m
Straßenoberbau
≤ 1,25m ≥ 0,6m
≥ 5cm

b ≥ 0,20cm
Teilweise gesicherter Graben ≤ 1,75m

b
Graben mit Saumbohle
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Die Arbeitsraumbreite hängt vom Rohrdurchmesser und der Art der Grabenwand ab. DIN 4124 gibt
die in den folgenden Tabellen angegebenen lichten Mindestbreiten an:

Lichte Mindestbreiten für Gräben ohne betretbaren Arbeitsraum


über 0,70 m über 0,90 m über 1,00 m
Regelverlegetiefe bis 0,70 m
bis 0,90 m bis 1,00 m bis 1,25 m
Lichte Grabenbreite 0,30 m 0,40 m 0,50 m 0,60 m

Lichte Mindestbreiten für Gräben mit betretbarem Arbeitsraum


Äußerer Leitungs- bzw. Lichte Mindestbreiten b in [m]
Rohrschaftdurchmesser Verbauter Graben Nicht verbauter Graben
d in [m] Regelfall Umsteifung β ≤ 60° β > 60°
bis 0,40 b = d + 0,40 b = d + 0,70 b = d + 0,40
über 0,40 bis 0,80 b = d + 0,70
über 0,80 bis 1,40 b = d + 0,85 b = d + 0,40 b = d + 0,70
über 1,40 b = d + 1,00

Beim Einsatz eines Verbaus wird die Wand mit waagrecht oder lotrecht eingebauten Bohlen ver-
schalt und über Brust- bzw. Gurthölzer und Steifen oder Kanalspindeln zur gegenüberliegenden
Wand ausgesteift.

3.2 Waagrechter Grabenverbau

Beim waagrechten Grabenver-


bau werden Bohlen horizontal
eingezogen und übereinander-
gestellt. Die Aussteifung erfolgt
mit vertikal eingebauten Brust-
hölzern und Steifen. Im Schutze
dieses Verbaus kann tiefer aus-
gehoben und nachfolgend in
gleicher Weise verbaut werden.
Die Voraussetzung für den Ein-
satz ist eine zumindest vorüber-
gehende Standfestigkeit des
Bodens ohne Grundwasser. Waagrechter
Grabenverbau
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Um die erforderlichen Standsicherheitsnachweise für ständig wiederkehrende Fälle überflüssig zu


machen, wurde dieser Verbau in DIN 4124 genormt (Waagrechter Normverbau).

Waagrechter Normverbau

Die Feldweiten und Kragarmlängen der Bohlen, der Durchmesser, senkrechte Abstand und die
zulässige Knicklänge der Steifen richten sich nach der Bohlendicke und der Wandhöhe und sind in
DIN 4124 angegeben.

3.3 Senkrechter Grabenverbau


Ein senkrechter Grabenverbau wird bei nicht standfesten Bodenarten und bei wasserführenden
Schichten notwendig. Die vertikalen Verbauelemente bestehen aus Holzbohlen, Kanaldielen oder
Leichtprofilen. Die Holzbohlen werden mit Fortschreiten der Ausschachtung jeweils soweit wie mög-
lich eingerammt, zwischenzeitlich gegen Gurthölzer verkeilt und zum Nachrammen jeweils kurzfri-
stig wieder gelöst. Die Bohlen müssen in jedem Bauzustand so weit in den Untergrund einbinden,
daß ein Aufbruch unmöglich ist (mindestens 30 cm). Stahlbohlen werden i.a. sofort bis zur erforder-
lichen Endtiefe gerammt und mit fortschreitendem Aushub ausgesteift.

Senkrechter Grabenverbau
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Kanaldielen (Auswahl)

Auch der senkrechte Verbau wurde in DIN 4124 genormt (Senkrechter Normverbau).

Senkrechter Normverbau

3.4 Verbaueinheiten
In zunehmendem Maße werden heute beim Grabenverbau Verbaueinheiten verwendet, die im Ab-
senkverfahren niedergebracht werden. Das Anwendungsgebiet erstreckt sich auf praktisch alle Bo-
denarten über dem Grundwasser.
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Randgestützte Verbaueinheit

Bei standfesten Böden erfolgt der Aushub eines Grabenabschnitts auf volle Tiefe und erst danach
wird zur Sicherung die Verbaueinheit eingestellt. Bei nur vorübergehend standfesten Böden wird
abschnittsweise ausgehoben und abgesenkt (meist durch Eindrücken mit dem Baggerlöffel).
1 2 3 4

≤ 0,50 m

Aushub entspre- Einstellen und Bei Bedarf wei- Absenken, bis


chend örtlichen wechselseitiges tere Verbauein- die Grabentiefe
Verhältnissen Absenken; heiten aufsetzen erreicht ist
Vorauseilen des und mit der
Aushubs max. unteren verbin-
50 cm den

Absenkverfahren bei vorübergehend standfesten Böden


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Bei nicht standfesten Böden müs-


sen die Schneiden der Verbau-
einheit dem Aushub vorauseilen.
Dies bedeutet, daß der Eindring-
widerstand des Bodens überwun-
den werden muß. Um die erfor-
derliche Eindrückkraft klein zu
halten, sind Systeme entwickelt
worden, bei denen abwechselnd
die einzelnen Seitenwände abge-
senkt werden.
Absenkverfahren bei nicht standfesten Böden

Vorteile von Verbaueinheiten:


− geringer Personalaufwand − geringere Bauzeit − kein Freilegen der Wand
− hohe Stabilität − große Sicherheit

4. Trägerbohlwände
Zur Herstellung von senkrechten Baugrubenumschließungen werden am häufigsten Trägerbohl-
wände ausgeführt (ohne Arbeitsraum: Berliner Verbau; mit Arbeitsraum: Hamburger Verbau). Sie
sind die Weiterentwicklung des waagrechten Verbaus für größere Baugrubentiefen. Angewendet
werden sie vor allem im städtischen Tiefbau in nahezu allen Bodenarten über dem Grundwasser-
spiegel. Eventuell vorhandenes Grundwasser muß abgesenkt werden. Wegen der Nachgiebigkeit
des Verbaus ist ein Einsatz unmittelbar neben Bebauungen i.a. nicht möglich.
Trägerbohlwände bestehen aus senkrechten Stahlträgern und einer Ausfachung aus Holz, Stahl
oder Beton.

Holzbohlen
Stahlgurt
Stahlsteifen
Gurt
Steife

Konsole

Baugrubensohle

Einbindetiefe

Ansicht Schnitt

Trägerbohlwand
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Die Herstellung der Trägerbohlwände besteht aus folgenden Schritten:


− Einbau der Träger
− Beginn des Aushubs und Einbau der Ausfachung
− Einbau der Abstützung (Anker oder Steife), sobald der Aushub eine Tiefe von ca. 0,5 bis 0,8 m
unter der geplanten Abstützungslage erreicht hat
− Fortsetzung des Aushubs mit Einbau der Ausfachung und Einbau weiterer Abstützungen (falls
erforderlich) bis zur Baugrubensohle
− Schrittweiser Rückbau der Ausfachung und Abstützung in dem Maße, wie das Bauwerk erstellt
wird; ein vorhandener Arbeitsraum wird verfüllt
− Ziehen der Träger nach der Wiederverfüllung der Baugrube

Einbau der Träger


Die Träger werden in Abhängigkeit vom Untergrund eingerammt oder in vorgebohrte Löcher gestellt.
Im städtischen Bereich scheidet i.a. das Rammen wegen des damit verbundenen Lärms und der
Erschütterungen (Setzungsgefahr für Nachbarbebauung) aus. Werden hohe Anforderungen an die
Maßhaltigkeit des Verbaus gestellt, ist das Rammen ebenfalls wenig geeignet, da mit einem
Verlaufen der Träger gerechnet werden muß.
Als Tragglieder werden HE-B- (IPB), HE-M- (IPBv) und I - Profile verwendet. In vorgebohrte Löcher
können auch mit Blechen verbundene U-Profile eingesetzt werden. Die Stahlträger haben üblicher-
weise Abstände von 2 bis 3,5 m und sind je nach Tiefenlage der Baugrubensohle bis 20 m lang.

Einbau der Ausfachung


Als Ausfachung kommen i.a. Kanthölzer von 12 bis 16 cm Dicke zur Anwendung. Diese müssen
festgekeilt werden, um einen kraftschlüssigen Verbund zum Erdreich sicherzustellen. Weitere Mög-
lichkeiten sind der Einbau von Holzbohlen, Rundhölzern, Ortbeton, Spritzbeton oder Kanaldielen.

Doppel-U-Profil mit Holzausfachung und Doppel-U-Profil mit Betonausfachung und


direkter Ankerung direkter Ankerung

Mit dem Einbau der Ausfachung ist spätestens zu beginnen, wenn eine Tiefe von 1,25 m erreicht ist.
Der Einbau der weiteren Ausfachung darf hinter dem Aushub bei steifen oder halbfesten Böden
höchstens um 1 m, bei vorübergehend standfesten nichtbindigen Böden um 0,5 m zurück sein.

Einbau der Abstützung


Die Abstützung besteht normalerweise aus einem vor den Trägern horizontal verlaufenden Gurt, der
durch Steifen oder Anker gehalten wird. Der Steifen- bzw. Ankerabstand ist damit unabhängig vom
Abstand der Träger. Dies ist nicht so, wenn eine direkte Abstützung ohne Gurt gewählt wird. Bei
Ankern ist dies i.a. aber nur dann möglich, wenn als Träger ein Doppel-U-Profil verwendet wird. Die
Verankerung erfolgt im Zwischenraum zwischen beiden U-Profilen.
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Ausgesteifte Trägerbohlwand Verankerte Trägerbohlwand


(Obere Steifenlage für Fahrbahn)

Rückverankerte Trägerbohlwände längs einer Baugrubeneinfahrt

Trägerbohlwand
Vorteile Nachteile
− anpassungsfähig z.B. bei Leitungen, − verformungsreich (Setzungsgefahr für vor-
Schächten und Fundamenten handene Nachbarbebauung)
− in nahezu allen Bodenarten anwendbar − wasserdurchlässig (ohne Grundwasserab-
− Bauteile können wiedergewonnen werden senkung nicht einsetzbar)
− wirtschaftlich (im Vergleich zu anderen Ver- − beim Rammen: - Lärm und Erschütterungen
bauarten) - ungenaue Lage
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5. Spundwände
Spundwände verwendet man als Baugrubenverbau seit ca. 100 Jahren. Während anfangs Holz-
bohlen gerammt wurden, um Geländesprünge auch bei anstehendem Grundwasser zu sichern,
werden heute ausschließlich Stahlprofile für diese Aufgabe eingesetzt. Die Kosten sind höher als bei
Trägerbohlwänden.
Spundbohlen sind das klassische Wandelement des Wasserbaus, da sie als weitgehend wasser-
dicht anzusehen sind. Ihr Einsatz als Baugrubenverbau bietet sich daher überall dort an, wo im
Grundwasser oder im offenen Wasser trockene Baugruben hergestellt werden müssen. Da sie als
vertikales Verbauelement vor dem Aushub eingebracht werden, ist ihr Einsatz auch dort zweckmä-
ßig, wo Bodenschichten anstehen, die den Bau einer Trägerbohlwand nicht zulassen, weil sie kurz-
zeitig nicht ausreichend standfest sind (z.B.. Fließsandschichten; breiige bis weiche bindige Böden).
Spundwände sind Flächentragwerke, die durch Aneinanderreihen von einzelnen vertikal angeord-
neten Bohlen entstehen. Durch die Form der Bohlen bedingt entsteht eine im Grundriß wellenför-
mige Wand.

B [m]
L [m]

U-Profile Z-Profile

Spundwandprofile mit
Darstellung der Schlösser
(Auswahl)
Grundriß einer Spundwandbaugrube
(ohne Darstellung der Aussteifung)

Spundwandbaugruben werden nach dem Einbringen der Spundbohlen ähnlich hergestellt wie alle
anderen Baugruben. Mit fortschreitendem Aushub werden zur Abstützung Anker oder Steifen in den
planmäßigen Tiefen eingebaut.
Da die Spundwand als nachgiebige Verbauart anzusehen ist, sollte sie wegen der Setzungsgefahr
nicht unmittelbar neben bestehenden Bebauungen eingesetzt werden. Wird sie durch Rammen
eingebracht, entstehen Lärm und Erschütterungen. Dies schränkt die Einsatzmöglichkeiten - haupt-
sächlich im städtischen Bereich - weiter ein.

Einbringen von Spundbohlen


Beim Einbringen von Spundbohlen lassen sich 3 Verfahren unterscheiden:
− Rammen − Rütteln − Einpressen
Das zur Anwendung kommende Verfahren ist abhängig vom Baugrund. Bei locker gelagerten nicht-
bindigen und weichen bindigen Böden eignen sich i.a. alle Verfahren. Mit zunehmender Lagerungs-
dichte bzw. Konsistenz wird der Eindringwiderstand größer, so daß zuerst das Einpreßverfahren
wegen der zu geringen Einpreßkraft nicht mehr geeignet ist. Das Einrütteln ist bei nichtbindigen
Böden mit eckiger Kornform nur noch bedingt geeignet und bei bindigen Böden mit steifer bis halb-
fester Konsistenz ungeeignet. Das Rammen kann in Abhängigkeit von der eingesetzten Ramm-
energie in fast allen Bodenarten durchgeführt werden (leichte bis schwere Rammung) und ist daher
am gebräuchlichsten. Allerdings muß auch dabei mit Schwierigkeiten gerechnet werden, wenn im
Baugrund Hindernisse (z.B. harte Felsbänke) angetroffen werden.
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Rüttler

Einpressen der Bohle

Baggermäkler mit angebautem


Rüttler (Vibrator)
(auch zum Ziehen der Bohlen geeignet)

Verfahren der Presse

Rammbär Spundwandpresse (Krupp)

Wasserdichtigkeit
Wesentlich für die Wasserdichtigkeit der Spundwände ist die Ausbildung des Spundwandschlosses.
Die Wasserdichtigkeit ist aber bei vorübergehenden Baumaßnahmen wie einer Baugrubenum-
schließung von untergeordneter Bedeutung. Das Wasser, das durch die Schlösser tritt und an der
Wand herunterläuft, kann in Dränagegraben vor der Wand gefaßt und abgeleitet werden. Muß aus-
nahmsweise eine undichte Fuge abgedichtet werden, kann dies im Zuge des Aushubs durch Ver-
stemmen mit Holzkeilen, Hanf-, Gummi- oder Kunststoffschnüren geschehen. Das Verschweißen
der Schlösser scheidet immer dann aus, wenn die Bohlen durch Ziehen wiedergewonnen werden
sollen.

Spundwandbaugrube Rückverankerte Spundwand


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Spundwand
Vorteile Nachteile
− Schneller Baufortschritt − verformungsreich (Setzungsgefahr für vor-
− Aushub großräumig sofort nach dem Ein- handene Nachbarbebauung)
bringen der Bohlen möglich − Beim Einbringen der Bohlen sind Lärm und
− Einbau praktisch witterungsunabhängig Erschütterungen unvermeidbar
− Bauteile wiedergewinnbar − Wegen beschränkter Transportlängen nicht
für beliebige Tiefen anwendbar
− Auch in nicht standfesten Böden anwendbar
− Hohe Investitionskosten
− Im Grundwasser anwendbar
− Einsatzgrenzen durch Rammbarkeit des
− Geringer Personalaufwand
Bodens
− Gut überschaubarer Geräteeinsatz
− Wenig flexibel (z.B. müssen Leitungen vor
− Durch die Bodenverdrängung beim Einbau Baubeginn verlegt werden)
entstehen hohe Mantelreibungen, die den
− Beim Ziehen der Bohlen entstehen Hohl-
Abtrag von Vertikallasten ermöglichen
räume (Setzungsgefahr)

6. Bohrpfahlwände
Bohrpfahlwände bestehen aus nebeneinanderstehenden, einzeln hergestellten Bohrpfählen. Sie
zählen wegen ihrer hohen Steifigkeit zu den verformungsarmen Verbauarten und sind eine Alterna-
tive zur zweiten Art der Ortbetonwände, den Schlitzwänden.
Bei der Herstellung einer Baugrubensicherung werden zunächst die Bohrpfahlwände hergestellt.
Anschließend erfolgt der Aushub. Gesichert werden die Wände durch Steifen oder Anker.
Da die Kosten von Bohrpfahlwänden (und auch von Schlitzwänden) im Vergleich zu anderen Ver-
bauarten sehr hoch sind, ist man bemüht, den Verbau mit in das zu erstellende Bauwerk einzube-
ziehen.
Bohrpfahlwände können wegen ihrer Verformungsarmut direkt neben bestehenden Bebauungen
und hochbelasteten Fundamenten hergestellt werden. Da üblicherweise die Bohrung verrohrt ab-
geteuft wird, ist eine Einsturzgefahr auch bei hohen seitlichen Belastungen gering. Die Herstellung
ist als lärm- und erschütterungsarm zu beurteilen. Durch entsprechende Anordnung der Einzelpfähle
kann die Verbauwand beliebigen, auch verwinkelten Grundrißformen von Baugruben angepaßt
werden.
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Nach der Anordnung der Pfähle unterscheidet man folgende Arten von Bohrpfahlwänden:

Überschnittene Bohrpfahlwand
a
a ≈ d - (10 bis 14 cm)
1 bis 10 ....: Reihenfolge der Herstellung
d
Pfähle 1, 3, 5, 7, ...: unbewehrt
Pfähle 2, 4, 6, 8, ....: Tragpfähle (bewehrt)
2 1 4 3 6 5 8 7 10
Verankerungen: durch unbewehrten Pfähle

Tangierende Bohrpfahlwand
a

d a ≈ d + 5 cm

Aufgelöste Bohrpfahlwand
Mit freien Zwischenräumen Mit Spritzbetongewölben

Nur bei standfesten, wasserfreien oder a d + 5 cm < a < 3 ⋅ d


injizierten Böden anwendbar

Eine überschnittene Bohrpfahlwand wird in grundwasserführendem Baugrund eingesetzt, da sie als


wasserdicht einzustufen ist.
Prof. Dr.-Ing. H. Frank Seite 33
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• Anlegen der Bohrschablone aus


Beton
• Eintreiben des Vortreibrohres
und Aushub des Bodens im
Rohrinneren
• Betonieren der Pfähle 1 (im
Grundwasser nach dem Kon-
traktorverfahren)
• Eintreiben des Vortreibrohres
für Pfahl 2 durch Einschneiden
in zwei benachbarte Pfähle 1
und Aushub
• Bewehren
• Betonieren (wie oben) unter
ständigem Ziehen des Vor-
treibrohres

Herstellung einer überschnittenen


Bohrpfahlwand

Aufgelöste Bohrpfahlwand mit


Spritzbetonsicherung

Rückverankerte Bohrpfahlwand längs eines Bauwerks


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Die Vorteile der Bohrpfahlwand im Vergleich zu anderen Verbauarten sind:


• gegenüber Trägerbohlwänden
− wasserdichter Verbau (überschnittene Bohrpfahlwand)
• gegenüber Spundwänden
− Herstellung ohne große Lärmentwicklung und praktisch erschütterungsfrei möglich
− Herstellung auch in nicht oder nur schwer rammbaren Böden möglich
• gegenüber Trägerbohlwänden und Spundwänden
− verformungsarmer Verbau; daher auch unmittelbar neben bestehender Bebauung anwendbar
− die Bodenbewegungen hinter der Wand sind minimal
− praktisch keine Begrenzung der Tiefe
• gegenüber Schlitzwänden
− Der Bohrlochdurchmesser ist kleiner als die Mindestabmessungen der Schlitzwandlamellen. Da
zudem während des Aushubs das Bohrloch durch eine Verrohrung gestützt wird, können Bohr-
pfähle direkt neben hochbelasteten Einzelfundamenten hergestellt werden, wo die Standsicher-
heit suspensionsgestützter Schlitzwandlamellen nicht mehr gegeben ist.
− Bohrarbeiten mit gesteuertem Vortreibrohr können genauer ausgeführt werden als Schlitzwände,
deren Vertikalität nur durch den am Seil geführten Greifer bestimmt wird. Bei Bohrpfählen beträgt
die zu erwartende waagrechte Fußabweichung aus der Lotrechten etwa 0,5 % der Wandhöhe,
bei Schlitzwänden ca. 1 %.
− Die Übertragung von Vertikallasten am Fuß ist mit weniger Setzungen verbunden als bei Schlitz-
wänden, bei denen die Gefahr besteht, daß sich das Gemisch aus Boden und Suspension beim
Betonieren nicht ganz verdrängen läßt.
− Bohrpfähle können bis zu 15° gegen die Vertikale geneigt hergestellt werden.
− Bohrpfähle können durch entsprechende Anordnung der Einzelpfähle einer beliebigen Baulinie
besser angepaßt werden als Schlitzwände mit Lamellenlängen von mindestens 2 m.
− Bohrpfähle können auch in einem Baugrund hergestellt werden, in dem eine Schlitzwandher-
stellung nicht mehr möglich ist (z.B. bei festem Gestein, mächtigen Felsbänken und im Trüm-
merschutt, wo die Stützflüssigkeit im Untergrund versickern würde).
Als Nachteile der Bohrpfahlwand gegenüber anderen Verbauarten sind zu nennen:
• gegenüber Trägerbohlwänden und Spundwänden
− die Bauteile sind nicht wiedergewinnbar
− der Verbau ist teuer; die Wirtschaftlichkeit ist oft nur dann gegeben, wenn der Verbau in das
Bauwerk mit einbezogen werden kann
• gegenüber Schlitzwänden
− die vielen Fugen sind Schwachstellen für mögliche Wasseraustritte
− der Platzbedarf ist bei gleicher Belastbarkeit etwas größer als bei Schlitzwänden

7. Schlitzwände
Schlitzwände sind Wände aus Stahlbeton, die in flüssigkeitsgestützten Erdschlitzen lamellenweise
nach dem Kontraktorbetonverfahren hergestellt werden. Die Stützflüssigkeit hat dabei die Aufgabe,
während des Aushubs der Schlitze den Einsturz zu verhindern. Eingesetzt werden tonige Suspen-
sionen, die plötzlich ihren Aggregatzustand verändern können. In Ruhe befinden sie sich in einem
gallertartigen Zustand und können so eine Stützwirkung ausüben. Werden sie während des Aus-
hubs durch den Greifer in Bewegung versetzt, gehen sie schlagartig in den gewünschten flüssigen
Zustand über. Diese Eigenschaften nennt man Thixotropie.
Prof. Dr.-Ing. H. Frank Seite 35
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Schlitzwände können wie Bohrpfahlwände einen vorübergehenden Zweck (Baugrubenwände) ha-


ben oder Bestandteil einer bleibenden Konstruktion (U-Bahn, Tiefgarage, o.ä.) werden. In beiden
Fällen können sie tragende oder dichtende bzw. tragende und dichtende Funktion haben. Sie gehö-
ren zu den verformungsarmen Verbauarten, die auch in unmittelbarer Nähe von bestehenden Bau-
werken eingesetzt werden können. Ihre Herstellung ist im wesentlichen lärm- und erschütterungs-
arm. Sie sind wasserundurchlässig. Die Kosten sind sehr hoch und liegen über den Kosten einer
Bohrpfahlwand.
Die Herstellung besteht aus folgenden Arbeitsgängen:
• Voraushub ca. 1,0 bis 1,5 m unter Gelände
• Einbau der Leitwände bestehend aus Betonfertigteilen, Stahlfertigteilen oder Ortbeton
Da in Höhe des Flüssigkeitsspiegels die stützende Wirkung der Sus-
pension gleich Null ist, haben die Leitwände, die häufig gegeneinander
ausgesteift sind, die Aufgabe, den Erddruck aufzunehmen und ein
Nachfallen des Bodens zu verhindern. Weiterhin dienen sie dem Grei-
fer als Führung und sind Vorhalteraum für den beim Aushub zwangs-
läufig schwankenden Flüssigkeitsspiegel.
• Aushub einer Lamelle
Der Aushub erfolgt in einzelnen Abschnitten (Lamellen).
Die Lamellenlänge richtet sich nach der Greifergröße
und beträgt üblicherweise bis zu 5 m. Als Aushubgerät
werden spezielle Schlitzwandgreifer mit Gewichten von 5
bis 10 t verwendet. Die auf das Korngerüst des anste-
henden Bodens abgestimmte Stützflüssigkeit (i.a. eine
3
Bentonit-Suspension mit 3 bis 6 kg Bentonit/m ) verhin-
dert ein Nachrutschen des Bodens. Beim Antreffen von
felsigem Untergrund wird der Schlitzwandmeißel einge-
setzt. von der
Mischanlage
• Einbringen der Abschalrohre
Abschalrohre werden nach dem Aushub in die Endbe-
reiche einer Lamelle eingestellt, um so nach dem Beto-
nieren eine senkrecht verlaufende, halbkreisförmig aus-
gebildete Trennfuge sicherzustellen. Dies ist für einen
nahtlosen Anschluß der nächsten Lamelle notwendig. Aushub unter
stützender Flüssigkeit
• Einbringen der Bewehrung
Zwischen die Abschalrohre wird in die Lamelle ein vor-
gefertigter Bewehrungskorb eingehängt.

• Betonieren
Das Betonieren der Lamelle erfolgt im Kontraktorverfah-
ren bei gleichzeitigem Abpumpen der Stützflüssigkeit,
die regeneriert und mehrfach wiederverwendet werden zum Entsander
kann.

• Ziehen der Abschalrohre


Das Ziehen der Abschalrohre erfolgt nach dem Erstarren
des Betons. Die Rohre werden mit hydraulischen Zieh- Einbau des
vorrichtungen wiedergewonnen. Betons
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Grundbau 2 Seite 36

• Aushub der nächsten Schlitzwandlamelle


Die Reihenfolge, in der die einzelnen Schlitzwandlamellen ausgehoben werden ist unterschied-
lich:

1 2 3 4 Fortlaufende Herstellung in
der angegebenen Reihenfolge.
Es wird nur ein Abschalrohr
l benötigt.
l l

2 1 2 1 2 Pilgerschrittverfahren:
Zunächst werden die Lamellen
1 unter Verwendung von zwei
l l Abschalrohren hergestellt.
l Danach werden die Lücken
(Lamellen 2) geschlossen.
Alternativ können anstelle der wiederverwendbaren Abschalrohre im Schlitz verbleibende Stahlbe-
tonfertigteile eingebaut werden. Diese Ausführung hat eine größere Wasserdichtigkeit im Grund-
wasser zum Ziel.

Sonderausführung mit
Stahlbetonfertigteilen

Herstellung einer Schlitzwand


Prof. Dr.-Ing. H. Frank Seite 37
Grundbau 2
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Schlitzwandgreifer

Schlitzwandmeißel
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Rückverankerte
Schlitzwand
(Ankerköpfe
versenkt)

Schlitzwand längs
einer bestehenden
Bebauung
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Grundbau 2 Seite 39

8. Verformungsarmer Verbau

Ein verformungsarmer Verbau wird durch die Vorspannung der Abstützung (Steifen bzw. Anker) und
in noch stärkerem Maße durch eine steife Wand (Schlitzwand bzw. Bohrpfahlwand) erreicht. Not-
wendig wird diese Maßnahme überall dort, wo im Einflußbereich der Baugrube setzungsgefährdete
Bauwerke stehen.
Wird der Verbau verformungsarm ausgebildet, kann der Erdruhedruck wegen der zu geringen Ver-
formungen nicht auf den aktiven Erddruck abfallen. In Berechnungen wird daher i.a. ein erhöhter
aktiver Erddruck angesetzt. Dies ist ein Erddruck, dessen Größe zwischen dem Erdruhedruck und
dem aktiven Erddruck liegt. Zu seiner Ermittlung werden in der Praxis vereinfachend die Berech-
nungsformeln für den aktiven Erddruck verwendet, wobei allerdings der Erddruckbeiwert Kah bzw.
Kahc durch einen erhöhten aktiven ErddruckbeiwertKah bzw.Kahc ersetzt wird. Die erhöhten Bei-
werte werden entsprechend der Einschätzung der Steifigkeit des Verbaus festgelegt. Ist man der
Auffassung, daß 60% aktiver Erddruck und 40% Erdruhedruck für den konkreten Fall angemessen
sind, werden die Beiwerte wie folgt ermittelt:
Kah = 0,6 ⋅ Kah + 0,4 ⋅ K0
Kahc = 0,6 ⋅ Kahc (bei Erdruhedruck wird der Einfluß der Kohäsion nicht angesetzt)
In der Praxis wird häufig der Mittelwert vom aktiven Erddruck und vom Erdruhedruck bei verfor-
mungsarmen Verbauarten verwendet.
Da eine Erddruckumlagerung auch bei einem verformungsarmen Verbau eintritt, wird meist die
Belastungsfläche des erhöhten aktiven Erddrucks genauso wie beim aktiven Erddruck in eine Er-
satzfläche umgelagert (s. Kapitel III).
Die Verformungen und Belastungen gestützter Wände sind nur schwer zu erfassen. Es treten 3
Arten von Verformungen auf:
− Die Wand verschiebt sich mit zunehmendem Aushub zur Baugrube hin. Gleichzeitig biegt sie
sich durch.
− Der Boden hinter der Wand setzt sich.
− Der Boden in der Baugrube hebt sich durch die Entlastung beim Aushub.
Die Verformungen der Wand und die dadurch hervorgerufenen Setzungen hinter der Wand lassen
sich nur dadurch verringern, indem man die Biegesteifigkeit der Wand erhöht (z.B. durch den Ein-
satz von Schlitz- und Bohrpfahlwänden oder durch eine „Überdimensionierung“ anderer Verbauar-
ten), die Anker bzw. Steifen vorspannt und den Erdwiderstand nicht in voller Größe ansetzt (führt zu
einer größeren Einbindetiefe).

E = Erddruck
E
Ea = aktiver Erddruck
Ep = passiver Erddruck Ep
E0 = Erdruhedruck

50% Ep

33% Ep
Der Erddruckverlauf ist +s = Wandbewegung vom Erdreich weg
abhängig von den auftre- -s = Wandbewegung zum Erdreich hin
tenden Verformungen Ea E0
während des Bauablaufs. +s -s
Er wird in den folgenden max sa 0 6% 14% max sp
max sp max sp
Bildern schematisch dar-
gestellt: Erddruckart und -größe in Abhängigkeit von der Wandbewegung
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Grundbau 2
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1 2
1
3

2 1
1 1

Die nahezu störungsfrei eingebrachte Wand Weil links ausgehoben wird, biegt sich die
wird beidseitig mit dem Erdruhedruck 1 bela- ungestützte Wand nach vorn. Der Erddruck
stet. rechts nimmt von 1 auf 3 ab. Der Erddruck links
steigt von 1 auf 2 (passiver Erddruck) an.

3 4

5 7

4 1

1 1 1
6

Die Steifen- bzw. Ankerlage wird eingesetzt und Nach dem Aushub bis zur Sohltiefe biegt sich
vorgespannt. Dadurch wird die Wand etwas die Wand hauptsächlich im Feld unterhalb der
zurückverformt. Der Erddruck rechts steigt von Abstützung durch. Der Wandfuß verschiebt sich
3 auf 5 an. Der Erddruck links nimmt von 2 auf nach links. Der Erddruck rechts nimmt von 5
4 ab. auf 7 ab. Der Erddruck links steigt von 4 (1) auf
6 an.

9. Abstützung von Baugrubenwänden


9.1 Allgemeines
Senkrechte Baugrubenwände ohne Abstützung können je nach anstehendem Boden und Verbauart
nur bis zu Tiefen von etwa 3 bis 4 m ausgeführt werden. Die Gründe sind erstens die mit der Bau-
grubentiefe überproportional zunehmende Beanspruchung der Wand und zweitens die Kopfver-
schiebungen, die zu unerwünschten Setzungen der Geländeoberfläche und damit zu einer Gefähr-
dung von Bebauung, Verkehrswegen und Leitungen führen können.
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Grundbau 2 Seite 41

Um die Verschiebungen des


Wandkopfes und die Quer- Steife
schnitte der Verbauwände
gering zu halten, werden tiefe
Baugruben durch Steifen oder
Anker abgestützt. Bei abge-
stützten Baugrubenwänden ist
die erforderliche Einbindetiefe Baugruben- Injektionsanker
sohle
geringer als bei frei auskra-
genden.

einzubauende Steife
Die Abstützungen werden mit fort-
schreitendem Aushub eingebracht, wo-
bei in den Zwischenzuständen der Bo- ca. 0,5 - 1,0 m
den ca. 0,5 bis 1 m unter den Ansatz-
punkt von Steifen und Ankern ausgeho- 1. Aushubniveau
ben wird.
geplanter Endaushub

Bei Baugrubentiefen von ca. 6 m und mehr sind mehrere Abstützungen erforderlich, wobei der verti-
kale Abstand i.a. zwischen 3 und 5 m liegt.
Während bei schmalen Baugruben in den meisten Fällen der Aussteifung der Vorzug gegeben wird,
sind Verankerungen bei breiten Baugruben oft wirtschaftlicher.

Vor- und Nachteile der Abstützungsarten


Abstützung Vorteile Nachteile
Aussteifung − Die Steifen sind wiedergewinnbar − Behinderung des Bauablaufes
− Durch Vorspannung kann die Verfor- − Aushub ist erschwert
mung der Wand sehr gering gehalten − Kein Einsatz von Großgeräten möglich
werden
− Kein Einsatz von Großschaltafeln, Klet-
− Durch die gegenseitige Abstützung der ter- oder Gleitschalung möglich
Baugrubenwände sind die Kosten gering
− Bei größeren Baugrubenbreiten (ca. 12 -
− Nach dem Einbau einer Steifenlage 15 m) sind zusätzliche Knickverbände,
kann der Aushub sofort fortgesetzt wer- Mittelbohrträger o.ä. erforderlich
den
Verankerung − Die Baugrube ist frei von Einbauten − Im Boden verbleibende Anker erschwe-
− Der Einsatz von Großgeräten bei Aus- ren spätere Bauarbeiten
hub und Herstellung des Gebäudes ist − Einverständnis der Nachbarn, bis in
möglich deren Grundstück die Anker reichen, ist
erforderlich
− Wegen evtl. vorhandener Nachbarbe-
bauung (Keller, Tiefgaragen, Öltanks)
nicht immer anwendbar
− Trotz Vorspannung sind größere Ver-
formungen als bei Steifen zu erwarten
− Nicht in allen Böden mit ausreichender
Tragfähigkeit herstellbar
− Aushub kann erst nach Abbinden des
Verpreßkörpers und Prüfung der Anker
(i.a. 7 Tage nach der Herstellung) fort-
gesetzt werden
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9.2 Steifen
Als Material für Aussteifungen wird je nach Größe, Tiefe und Form der Baugrube Holz, Stahl und
Stahlbeton verwendet. Die üblichen Einsatzgrenzen liegen für Holzsteifen bei ca. 10 m, für HE-B-
Stahlsteifen ohne Knickhaltung bei ca. 12 m, mit Knickverbänden bei ca. 25 m und für Stahlrohre
bzw. Gitterträger bei ca. 30 m. Stahlbetonaussteifungen werden vorwiegend bei annähernd quadra-
tischen oder kreisförmigen Baugruben verwendet.
Ist eine Fahrbahnabdeckung der Baugrube geplant, wird die obere Steifenlage in Höhe der Gelän-
deoberkante angeordnet. Neben den zusätzlichen Vertikallasten aus Verkehr und Fahrbahnplatten
müssen für diese Lage auch Horizontalschübe (z.B. aus Bremskräften) berücksichtigt werden, was
die Anordnung von entsprechenden Horizontalverbänden notwendig macht. Sind die Vertikallasten
zu groß, können Mittelträger (Mittelbohrträger bzw. Mittelrammträger) zur Lastableitung eingebaut
werden. Mittelträger werden auch bei zu großen Steifenlängen eingesetzt, um die Knicklänge zu
verkleinern. Die Steifen werden durch den Anschluß an eine entsprechend ausgebildete Mittelträ-
gerwand am Ausknicken gehindert. Da Mittelträger jedoch den Bauablauf erheblich behindern, wer-
den sie möglichst vermieden.

Knotenpunkt E
Schnitt A - B
(Querschnitt)

Schnitt C - D (Längsschnitt)

Knotenpunkt F

Ausgesteifte Trägerbohlwand
mit Fahrbahnabdeckung und
Mittelträgern
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Ausgesteifte
Trägerbohlwand

9.3 Anker
Verpreßanker sind ein noch recht junges Bauelement des Grundbaus. Die erste rückverankerte
Baugrubenwand im Lockergestein wurde 1958 in München hergestellt. Bei Verpreßankern wird
durch Einpressen von Zementschlämme oder -mörtel um den hinteren Teil eines in den Boden ein-
gebrachten Stahlzuggliedes ein Verpreßkörper hergestellt, der über das Stahlzugglied und den An-
kerkopf mit dem zu verankernden Bauteil kraftschlüssig verbunden wird. Als Stahlzugglied werden
sowohl Einstahlanker als auch Litzenanker eingesetzt. Die vom Verpreßanker aufzunehmende Kraft
wird nicht über die gesamte Ankerlänge, sondern nur im Bereich des Verpreßkörpers in den Boden
eingeleitet. Um dies zu gewährleisten, wird der vordere Teil des Ankers mit einem Hüllrohr umge-
ben. Bei vielen Ankern ist zur Erreichung einer ausreichenden Tragfähigkeit ein Ein- oder Mehr-
fachnachverpressen möglich.

Aufbau eines Verpreßankers


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Die 10 - 20 m langen Stahlzugglieder werden in Bohrungen von 70 bis 150 mm Durchmesser ein-
gebaut. Die Tragkraft beträgt je nach Ankertyp und anstehender Bodenart ca. 250 bis 1300 kN.
Die Bemessung von Ankern besteht aus der Festlegung des erforderlichen Stahlquerschnitts, der
Länge der Verpreßstrecke und der Gesamtlänge des Ankers. Die vom Boden aufnehmbare Kraft
muß entweder aufgrund von Erfahrungswerten abgeschätzt oder durch die Prüfung von Probean-
kern ermittelt werden.

Herstellen eines verrohrten


Bohrloches mit Durchmes-
sern von 70 - 150 mm

Abstoßen der Bohrspitze


und Einführen des Anker-
zuggliedes

Ziehen des Bohrgestänges


unter gleichzeitigem Ver-
pressen der Verankerungs-
länge des Stahls

Prüfen des Ankers ca. 6 - 8


Tage nach dem Verpressen

Festlegen des Ankers auf


die gewünschte Vorspann-
kraft

Herstellung eines Ankers


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Ankerkopfkonstruktionen

Ankerbohrgerät im
Einsatz bei einer
Trägerbohlwand
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III. BERECHNUNG VON BAUGRUBENWÄNDEN

1. Allgemeines
Grundsätzlich muß eine Baugrubensicherung zwei Bedingungen erfüllen. Erstens muß in jedem
Bauzustand die Standsicherheit des Bodenkörpers und damit auch die Standsicherheit der im Ein-
flußbereich liegenden Bauwerke und Verkehrsanlagen gewährleistet sein. Zweitens dürfen beim
Einbau und während der Standzeit nur solche Verformungen auftreten, die für die zu sichernden
Bauwerke bzw. Verkehrsanlagen unschädlich sind.
Zum Nachweis der Standsicherheit muß vor allem die Größe und die Verteilung des Erddrucks rich-
tig erfaßt werden. Der Erdwiderstand vor dem Wandfuß und die Tragfähigkeit der Abstützung dürfen
dabei nur so weit in Ansatz gebracht werden, wie die dabei auftretenden Verformungen noch zuläs-
sig sind.
Beim Nachweis der Standsicherheit ist es schwierig, die tatsächliche Erddruckbelastung auf den
Verbau zu ermitteln, da die Erddruckgröße immer abhängig ist von den auftretenden Verformungen.
Wegen des dadurch komplizierten statischen Systems beim Zusammenwirken von Baugrubenwand
und Baugrund können Berechnungsverfahren auf der Grundlage von Grenzzustandsbetrachtungen
die tatsächlichen Gegebenheiten nur näherungsweise erfassen. So können z.B. die Verformungs-
anteile beim Ein- und Ausbau von Steifen und Ankern nur abgeschätzt werden.
Bei der Berechnung von Baugrubenumschließungen sind die „Empfehlungen des Arbeitskreises
Baugruben“ (EAB) zu beachten.

2. Berechnung einer Verbauwand


Die Berechnung einer Verbauwand besteht aus folgenden Einzelschritten:
a) Ermittlung der auf die Baugrubenwand wirkenden Lasten
b) Näherungsweise Bestimmung der Erddruckumlagerung bei gestützten Baugrubenwänden unter
Berücksichtigung einer möglichst einfachen Lastfigur zur Bestimmung der Schnittgrößen
c) Ermittlung der Schnittgrößen für alle Vor- und Rückbauzustände sowie für den Zustand „Voll-
aushub“
d) Bemessung der einzelnen Konstruktionsglieder (Verbau, Gurte, Steifen, Anker, Verbände) für die
maßgebenden Schnittgrößen
e) Nachweis eines ausreichenden Erdwiderstandes vor dem Wand- bzw. Trägerfuß (Einbindetiefe)
f) Nachweis der Aufnahme der Vertikallasten
g) Nachweis der Standsicherheit in der tiefen Gleitfuge bei verankerten Wänden (Ankerlängenbe-
stimmung)
h) Sicherheit gegen Geländebruch bei verankerten Baugruben
i) Sicherheit gegen hydraulischen Grundbruch und gegen Auftrieb bei Baugruben im Wasser
j) Standsicherheitsnachweise in Sonderfällen:
- Aufbruch der Baugrubensohle
- Grundbruch
- Geländebruch bei ausgesteiften Baugruben
- Hebung der Baugrubensohle
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Grundbau 2 Seite 47

zu a) Belastung der Baugrubenwände


Neben dem Erddruck aus Bodeneigengewicht und Kohäsion sind zu berücksichtigen:
− Erddruck aus Nutzlasten (Straßen-, Schienen- und Baustellenverkehr, Bagger, Hebezeuge,
usw.)
− Erddruck aus Bauwerkslasten
− Wasserdruck
− Eigenlasten der Baugrubenkonstruktion
− Sonderlasten (Bremskräfte, Temperatur)
− Außerplanmäßige Lasten (Anprall von Baugeräten, Ausfall von Betriebs- und Sicherungsein-
richtungen, usw.)

zu b) Erddruckumlagerung
Für die Bemessung von Verbauwänden wird der Erdruck aus Bodeneigengewicht und großflä-
chigen Nutzlasten in eine einfache Lastfigur umgewandelt. Dies gilt nicht für nicht abgestützte
Wände. Dort wird eine lineare Verteilung nach Coulomb angesetzt.
Im folgenden werden für abgestützte Wände Erddruckumlagerungen nach der EAB für verschie-
dene Verbauwände angegeben. Wählt man Umlagerungen, die nur für ausgesteifte Baugruben-
wände anzusetzen sind, sind die angegebenen Regeln für die Veränderung der Schnittgrößen zu
beachten.

Ausgesteifte Trägerbohlwände
Bei Verwendung nachfolgender Lastfiguren ist folgendes zu beachten:
1. Einfach ausgesteifte Trägerbohlwände:
Querkräfte und Auflagerkraft sind im Verhältnis H : hA zu vergrößern, höchstens aber bis zur Größe
des Gesamterddrucks. Das Feldmoment darf im Verhältnis hA : H abgemindert werden.

2. Zweifach ausgesteifte Trägerbohlwände:


Die Querkräfte und Auflagerkräfte der oberen Lage sind im Verhältnis H : hA zu vergrößern, wenn
die untere Lage im unteren Drittel der Baugrubenhöhe angeordnet ist. Liegt die untere Lage im mitt-
leren Drittel der Baugrubenhöhe, dann sind Querkräfte und Auflagerkräfte der unteren Lage um 30
% zu erhöhen. Die Biegemomente dürfen nicht abgemindert werden.

3. Drei oder mehrfach ausgesteifte Trägerbohlwände:


Querkräfte und Auflagerkräfte der Abstützungen die im mittleren Teil der Baugrubenhöhe liegen,
müssen um 30 % erhöht werden. Das Kragmoment am Kopf der Wand darf um 20 % abgemindert
werden.

Auf Rückbauzustände wird hier nicht eingegangen.

Das Erdauflager kann bei allen Trägerbohlwänden i. a. bei 0,6 ⋅ t angenommen werden.
Prof. Dr.-Ing. H. Frank
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Grundbau 2 Seite 48

Lastfiguren bei ausgesteiften Trägerbohlwänden (EB 13)

Sofern
a) die Geländeoberfläche näherungsweise waagrecht ist (ist i.a. der Fall),
b) mitteldicht oder dicht gelagerter nichtbindiger bzw. mindestens steifer bindiger Boden ansteht,
c) eine wenig nachgiebige Stützung entsprechend EB 67, Absatz 3, vorliegt
dürfen folgende Lastfiguren gewählt werden:

a) Einmal ausgesteifte Trägerbohlwand b) Zweimal ausgesteifte Trägerbohlwand

p p

0,3 ⋅ H 1/3 ⋅ H

H 1/3 ⋅ H H
0,7 ⋅ H hA hA

1/3 ⋅ H

0,6 ⋅ t Eph
t 0,6 ⋅ t Eph
eh eh t
0,4 ⋅ t
0,4 ⋅ t

c) Dreimal ausgesteifte Trägerbohlwand

1/4 ⋅ H
! Erddruckansatz bis zur
Aushubsohle !
Mittlerer
1/2 ⋅ H Teil der H
Bau-
grube

1/4 ⋅ H

0,6 ⋅ t Eph eh
t
0,4 ⋅ t
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Grundbau 2
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Lastfiguren für gestützte (z.B. verankerte) Trägerbohlwände (EB 69)

Sofern
a) die Geländeoberfläche annähernd waagrecht ist (ist i.a. der Fall),
b) mitteldicht oder dicht gelagerter nichtbindiger bzw. mindestens steifer bindiger Boden ansteht,
c) eine wenig nachgiebige Stützung entsprechend EB 67, Absatz 3, vorliegt,
dürfen folgende Lastfiguren gewählt werden:

Lastfiguren für einmal gestützte Trägerbohlwände


a) Stützung bei b) Stützung bei c) Stützung bei
hk < 0,1 ⋅ H 0,1 ⋅ H < hk < 0,2 ⋅ H 0,2 ⋅ H < hk < 0,3 ⋅ H

hk eh hk eho hk eho
H/2 H/2
H H H
H/2 H/2
eh ehu ehu

eho / ehu = 1,5 eho / ehu = 2,0

Lastfiguren für zweimal gestützte Trägerbohlwände


a) Stützung in den b) Hoch gelegene c) Tief gelegene
Viertelspunkten untere Stützung untere Stützung

H/4 eh eho
H/2 H/2 H/2
H/2 eh
H/6
eh H/2 H/2
H/4 ehu H/3

eho / ehu = 2,0

Lastfiguren für dreimal oder öfter gestützte Trägerbohlwände

a) Dreimal gestützte Wand b) Viermal gestützte Wand c) Fünfmal gestützte Wand

eh
eh
eh
H H H
eh ze ze eh ze
eh

0,45 ⋅ H ≤ ze ≤ 0,55 ⋅ H
Prof. Dr.-Ing. H. Frank Seite 50
Grundbau 2
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Ausgesteiften Spundwänden und Ortbetonwänden (EB 17)

Sofern
a) die Geländeoberfläche näherungsweise waagrecht ist (ist i.a. der Fall),
b) mitteldicht oder dicht gelagerter nichtbindiger bzw. mindestens steifer bindiger Boden ansteht,
c) eine wenig nachgiebige Stützung entsprechend EB 67, Absatz 3, vorliegt,
dürfen folgende Lastfiguren gewählt werden:

a) Einmal ausgesteifte Wand b) Zweimal ausgesteifte Wand

p p

0,3 * H´ 1/3 * H´

H H
H´ 1/3 * H´ H´
h′A h′A
0,7 * H´

1/3 * H´
u u

t´ t´ t´ t´
Eph Eph
eh eh

c) Dreimal ausgesteifte Wand

¼ * H´

½ * H´
H
H´ ! Erddruckansatz bis zum
Belastungsnullpunkt !
¼ * H´
u

t´ eh t´
Eph
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Grundbau 2 Seite 51

Bei Verwendung vorstehender Lastfiguren ist folgendes zu beachten:

1. Einfach ausgesteifte Spundwände oder Ortbetonwände


Wird bei Spundwänden oder Ortbetonwänden mit nur einer Steifenlage an Stelle einer wirklichkeits-
nahen Lastfigur eine Gleichlast gewählt, dann sind die damit errechneten Querkräfte und die Aufla-

gerkraft an der Stützung im Verhältnis H ' : h 'A zu vergrößern. Das Feldmoment darf im Verhältnis

h 'A : H' abgemindert werden. Die Abminderung eines Kragmomentes am Kopf der Wand ist nicht

zulässig. Die Wahl eines Rechteckes als Lastfigur ist nur zweckmäßig, sofern die Abstützung nicht
tiefer angeordnet ist als bei h′A = 0,70 ⋅ H′ . Liegen die Steifen oberhalb der Geländeoberfläche, dann

ist eine Umrechnung der Querkräfte, der Auflagerkraft und des Biegemomentes nicht vorzunehmen.

2. Zweifach ausgesteifte Spundwände oder Ortbetonwände


Wird bei Spundwänden und Ortbetonwänden mit zwei Steifenlagen an Stelle einer wirklichkeits-
nahen Lastfigur eine Gleichlast gewählt, dann sind die damit errechneten Querkräfte und Auflager-

kräfte der oberen Lage im Verhältnis H′ : h′A zu vergrößern, wenn die untere Lage im unteren Drit-

tel der Höhe H′ zwischen Geländeoberfläche und Belastungsnullpunkt angeordnet ist. Liegt dage-
gen die untere Lage im mittleren Drittel der Höhe H′ , dann sind die mit der Gleichlast ermittelten
Querkräfte und Auflagerkräfte der unteren Lage um 15 % zu erhöhen. Eine Abminderung der Bie-
gemomente ist nicht zulässig.

3. Drei oder mehrfach ausgesteifte Spundwände oder Ortbetonwände


Wird bei Spundwänden und Ortbetonwänden mit drei oder mehr Steifenlagen an Stelle einer wirk-
lichkeitsnahen Lastfigur eine Gleichlast gewählt, so sind die damit ermittelten Querkräfte und Auf-
lagerkräfte an den Abstützungen, die im mittleren Teil der Höhe H′ liegen, um 15 % zu erhöhen. Ein
Kragmoment am Kopf der Wand darf um 20 % abgemindert werden.

Auf Rückbauzustände wird hier nicht eingegangen.

Das Erdauflager kann bei allen Spundwänden oder Ortbetonwänden i.a. bei 0,6 ⋅ t′ angenommen
werden.
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Lastfiguren für gestützte (z.B. verankerte) Spundwände und Ortbetonwände (EB 70)

Sofern
a) die Geländeoberfläche näherungsweise waagrecht ist (ist i.a. der Fall),
b) mitteldicht oder dicht gelagerter nichtbindiger bzw. mindestens steifer bindiger Boden ansteht,
c) eine wenig nachgiebige Stützung entsprechend EB 67, Absatz 3 vorliegt,
dürfen folgende Lastfiguren angenommen werden:

Lastfiguren für einmal gestützte Spundwände und Ortbetonwände


a) Stützung bei b) Stützung bei c) Stützung bei
hk ≤ 0,1 ⋅ H′ 0,1 ⋅ H′ < hk ≤ 0,2 ⋅ H′ 0,2 ⋅ H′ < hk ≤ 0,3 ⋅ H′

hk eho hk eho hk eho


H′/2 H′/2
H H H
H′
H′/2 H′/2
u ehu u ehu u ehu

eho / ehu = 1,0 eho / ehu = 1,2 eho / ehu = 1,5

Lastfiguren für zweimal gestützte Spundwände und Ortbetonwände


a) Stützung in den b) Hoch gelegene c) Tief gelegene
Viertelspunkten untere Stützung untere Stützung

H′/4 eho
H′/2 H′/2 H′/2
eh
H H′/2 H′ H H eho H′
H′/2 H′/2 H′/2
uH′/4 eh u ehu u ehu

eho / ehu = 1,5 eho / ehu = 2,0

Lastfiguren für dreimal oder öfter gestützte Spundwände oder Ortbetonwände


a) Dreimal gestützte Wand b) Viermal gestützte Wand c) Fünfmal gestützte Wand

eho
eho
eho
H H eho H
H′ H′ H′
eho
eho ze ze ze
u ehu u ehu u ehu

eho / ehu = 2,0 und 0,4 ⋅ H′ ≤ ze ≤ 0,5 ⋅ H′


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Grundbau 2 Seite 53

zu c) Ermittlung der Schnittgrößen


Die Ermittlung der Schnittgrößen wird in der Vorlesung nur für im Boden frei aufgelagerte Verbau-
wände im Bauzustand „Vollaushub“ behandelt. Alle anderen Bauzustände müssen in der Praxis
selbstverständlich ebenfalls betrachtet werden. Dabei treten häufig Teil- oder Volleinspannungen
der Wände im Boden auf.
Bei der Berechnung werden die Baugrubenwände i.a. als Durchlaufträger mit starren Stützen an den
Steifen bzw. Ankern angenommen.

1. Bsp.: Zweifach rückverankerte Trägerbohlwand mit hoch gelegener unterer Stützung


a) Berechnung der Belastung b) Statische System
mit Belastung
p
A1

H/2 Erddruck-
umlagerung
A2

aktiver Erddruck Erddruck aus


H/2
aus begrenzter begrenzter
Verkehrslast Verkehrslast
(nicht umlagern)
0,6 ⋅ t
t E umgelagerter Erddruck
aus Bodeneigengewicht
passiver aktiver Erddruck aus
Erddruck Bodeneigengewicht

2.Bsp.: Zweifach ausgesteifte Schlitzwand


a) Berechnung der Belastung b) Ermittlung der c) Statisches
resultierenden System mit
Belastung bis zum Belastung
Belastungsnullpunkt

Berechnung des S1
H′/3
GW Belastungsnull-
punktes u Erddruck-
H (s. nächste Seite) umlagerung S2
H′/3

GW H′/3
u u
t 0,6 ⋅ t′
t′ E
resultierender
Wasser- Erdwider- Erd- Wasser- Wasserdruck
umgelagerter
druck stand druck druck resultierender
resultierender Erddruck
Erddruck
resultierender
Sollte der resultierende Erddruck negativ werden,
Wasserdruck
weil der Erdwiderstand größer ist als der aktive
(nie umlagern)
Erddruck, darf vereinfachend im Negativbereich
der resultierende Erddruck vernachlässigt werden.

Da das untere Steifenauflager S2 im mittleren Drittel der Höhe H′ liegt, muß diese Auflagerkraft nach EB 17 um
15 % erhöht werden. (Die Erhöhung betrifft eigentlich nur den Anteil, der sich aus dem umgelagerten Erddruck
ergibt. Dies wird in der Vorlesung aus Gründen der Vereinfachung nicht berücksichtigt)
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Grundbau 2 Seite 54

Ermittlung des Belastungsnullpunktes u


Der Belastungsnullpunkt liegt in Höhe der Baugrubensohle oder unterhalb der Baugrubensohle. Es
ist die Stelle an der die Summe der Belastungsordinaten links von der Wand gleich der Summe der
Belastungsordinaten rechts von der Wand ist.

u eaph2

wl epgh eagh eaph1 wr

Wasser Erdwiderstand Erddruck aus Wasser Erddruck aus


Bodeneigen- unbegrenzter begrenzter
gewicht Verkehrslast Verkehrslast

Das Maß u ergibt sich im vorstehenden Beispiel aus der Bedingung:


wl + epgh = eagh + eaph1 + wr + eaph2

Das folgende Beispiel zeigt wie u für einfache Fälle rechnerisch ermittelt werden kann:

a b c d

u
γw ⋅ u γ ′ ⋅ u ⋅ Kph γ ′ ⋅ u ⋅ Kah γw ⋅ u
Wasser Erdwiderstand Erddruck aus Wasser Erddruck aus
Bodeneigengewicht unbegrenzter
Verkehrslast
Lastordinaten in Höhe der Baugrubensohle:
a = Erwiderstand (c′ ⋅ Kpch) bzw. (2 ⋅ c′ ⋅ K ph ⋅ cos δp ), falls der Boden Kohäsion hat
b = aktiver oder erhöhter aktiver Erddruck des Bodens in Höhe von a
c = Wasserdruck in Höhe von a
d = aktiver oder erhöhter aktiver Erddruck aus einer unbegrenzten Verkehrslast
Mit vorstehenden Größen läßt sich folgende Gleichung aufstellen:
γ w ⋅ u + a + γ ′ ⋅ u ⋅ K ph = b + γ ′ ⋅ u ⋅ K ah + c + γ w ⋅ u + d
Daraus läßt sich u wie folgt berechnen:
b+ c+ d− a
u=
γ ′ ⋅ (K ph − K ah )

Sollte a größer sein als (b + c + d) wird u negativ. In diesem Fall liegt der Belastungsnullpunkt in
Höhe der Aushubsohle.
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Grundbau 2 Seite 55

zu d) Bemessung der einzelnen Konstruktionsglieder


Die Konstruktionsglieder bestehen aus Holz, Stahl und Beton. Ihre Dimensionierung erfolgt für die
maßgebenden Schnittgrößen nach den Regeln des Holz-, Stahl- und Stahlbetonbaus. Im Rahmen
der Vorlesung Grundbau 2 werden diese Nachweise auf einfache Normalkraft- (σ = F / A) und Bie-
gebemessungen (σ = M / W) beschränkt.
Eine Besonderheit ist bei der Bemessung der Holzausfachung von Trägerbohlwänden zu beachten.
Zur Ermittlung der maßgebenden Schnittgrößen wird die Gesamtbelastung nach der Umlagerung
entsprechend dem nachfolgenden Bild nochmals umgelagert. Die Ursache dafür liegt in der großen
Nachgiebigkeit von Holz. Die Ausfachung biegt sich in Feldmitte so stark durch, daß sich kein
nennenswerter Druck aufbauen kann. Der Druck konzentriert sich dafür im Bereich der Träger, die
wesentlich geringere Durchbiegungen aufweisen. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von
der Bildung eines Druckgewölbes im Boden.

eah

Gewölbebildung

eah
2 ⋅ eah
nach EAB
umgelagerter
Erddruck

zu e) Nachweise der Einbindetiefe


Trägerbohlwände
Bei Trägerbohlwänden sind 3 Nachweise zu erbringen, um eine ausreichende Einbindetiefe nach-
zuweisen.

1. Ausreichender Erdwiderstand vor einer als durchgehend angenommenen Wand


2. Ausreichender Erdwiderstand vor dem einzelnen Trägerfuß (2 Nachweise)

1. Ausreichender Erdwiderstand vor der als durchgehend angenommenen Wand (Ebener


Nachweis)
Für die Ermittlung der Schnittgrößen bei Bohlträgern darf der Erddruck unterhalb der Baugruben-
sohle vernachlässigt werden. Es ist jedoch nachzuweisen, daß der in der Berechnung vernachläs-
sigte Erddruck zusammen mit der Auflagerkraft des Bohlträgers vom Erdwiderstand vor einer als
durchgehend gedachten Wand mit einer Sicherheit von mindestens 1,5 aufgenommen wird.
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Grundbau 2
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S
Ep
η= ≥ 1,5
E + ∆Eah
S

eah
t E
∆Eah
Ep

E = Erdauflagerkraft aus Schnittgrößenermittlung


∆ Eah = bei Schnittgrößenermittlung nicht angesetzter Erddruck unterhalb der Aushubsohle
Ep = Erdwiderstand vor Trägerfuß bei durchgehend angenommener Wand

2. Ausreichender Erdwiderstand vor dem einzelnen Trägerfuß (Räumlicher Nachweis)

Vor dem einzelnen Trägerfuß entsteht aufgrund der widerstehenden Bruchmuschel ein räumlicher
Erdwiderstand.

b0

t
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Grundbau 2 Seite 57

2.a) Annahme: Die Bruchmuscheln benachbarter Träger überschneiden sich nicht

1
E∗ph = ⋅ γ ⋅ ω R ⋅ t 3 + c′ ⋅ ω K ⋅ t 2
2

In vorstehende Formel geht nach der Theorie die Kohäsion 2-fach ( 2 x c´) ein. Nach EB 14 darf die
Kohäsion aber nur zu 50 % angesetzt werden. Dies wurde durch den Ansatz von 1 x c´ in der For-
mel schon berücksichtigt.

E∗ph
η= ≥ 2,0
E

Tabelle für ωR :

ao = ϕ´[°] =
bo / t 15° 17,5° 20° 22,5° 25° 27,5° 30° 32,5° 35° 37,5° 40° 42,5° 45°
0,05 0,40 0,48 0,59 0,72 0,90 1,13 1,44 1,71 2,09 2,57 3,16 3,96 5,00
0,10 0,57 0,67 0,83 1,02 1,28 1,59 2,04 2,42 2,96 3,63 4,47 5,59 7,07
0,15 0,69 0,82 1,02 1,25 1,56 1,95 2,50 2,97 3,63 4,45 5,48 6,85 8,66
0,20 0,80 0,95 1,17 1,45 1,80 2,26 2,88 3,43 4,19 5,14 6,32 7,91 10,0
0,25 0,90 1,06 1,31 1,62 2,02 2,52 3,22 3,83 4,68 5,74 7,07 8,84 11,2
0,30 0,98 1,16 1,44 1,77 2,21 2,76 3,53 4,20 5,13 6,29 7,75 9,69 12,2

Tabelle für ωK :

ao = ϕ´[°] =
bo / t 15 17,5 20 22,5 25 27,5 30 32,5 35 37,5 40 42,5 45
0,05 0,98 1,08 1,20 1,34 1,51 1,70 1,94 2,14 2,41 2,73 3,10 3,55 4,09
0,10 1,39 1,53 1,69 1,90 2,14 2,41 2,75 3,03 3,41 3,86 4,38 5,02 5,78
0,15 1,70 1,88 2,07 2,32 2,62 2,95 3,37 3,71 4,18 4,73 5,36 6,14 7,08
0,20 1,97 2,17 2,40 2,68 3,03 3,41 3,89 4,29 4,83 5,47 6,19 7,09 8,18
0,25 2,20 2,42 2,68 3,00 3,39 3,81 4,35 4,79 5,40 6,11 6,93 7,93 9,15
0,30 2,41 2,66 2,93 3,29 3,71 4,17 4,76 5,25 5,91 6,69 7,59 8,69 10,0

2.b) Annahme: Bruchmuscheln benachbarter Träger überschneiden sich


Bei engstehenden Bohlträgern kann es durch eine Überschneidung der Bruchmuscheln zu einer
Verminderung der Tragfähigkeit im Vergleich zur unbeeinflußten Bruchmuschel kommen. Für die-
sen Fall wird der Erdwiderstand nach folgender Formel berechnet.

~ 1 at = Bohlträgerabstand
Eph = ⋅ γ ⋅ ω ph ⋅ a t ⋅ t 2
2
at

~
Eph bo = Trägerbreite
η= ≥ 2,0 bo
E

~
Ist Eph kleiner als E∗ph (Fall a), liegt eine Überschneidung vor.
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bo a − bo 4 ⋅ c´
ω ph = ⋅ Kph(δ p ≠ 0 ) + t ⋅ Kph( δ p = 0 ) + ⋅ Kph(δ p ≠ 0 )
at at γ ⋅t

Kph für δp = 0 : siehe Tabellen für passiven Erddruck

Kph für δp ≠ 0 : siehe folgende Tabelle ( nach Streck )

ϕ´ [°] 45,0 42,5 40,0 37,5 35,0 32,5 30,0 27,5 25,0 22,5 20,0 17,5 15,0

δp [°] -27,5 -27,5 -27,5 -27,5 -27,5 -27,5 -27,5 -25,0 -22,5 -20,0 -17,5 -15,0 -12,5

Kph(δp≠0) 13,6 11,4 9,64 8,27 7,12 6,15 5,46 4,51 3,81 3,23 2,77 2,38 2,11

Spundwände und Ortbetonwände


Bei allen Verbauwänden mit „durchgehendem“ Wandfuß im Einbindebereich ist nur 1 Nachweis zu
führen. Dabei wird die Erdauflagerkraft E, die sich aus der Schnittgrößenermittlung ergibt, mit der
resultierenden (widerstehenden) Gesamtbelastung E$ p unterhalb des Belastungsnullpunktes vergli-
chen.

E = Erdauflagerkraft aus
Schnittgrößenermittlung
a a
u 1
E$ p = ⋅ t′ ⋅ ( epgh − e agh )
t E$ p 2
t′

epgh eagh epgh - eagh E$ p


η= ≥ 15
,
passiver aktiver resultierende E
Erddruck Erddruck Gesamtbelastung

Wirken zusätzliche Belastungen, sind diese mit in die Betrachtungen einzubeziehen. Das folgende
Beispiel zeigt die Berücksichtigung von beidseitigem Wasserdruck.

a
a b u b
t
E$ p
t′ 1
E$ p = ⋅ t ′ ⋅ ( wl + epgh − e agh − wr )
2
wl epgh eagh wr wl+epgh-eagh-wr
Wasser passiver aktiver Wasser resultierende
links Erddruck Erddruck rechts Gesamtbelastung
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Liegt der Belastungsnullpunkt in Höhe der Aushubsohle (u = 0; t′ = t), weil die widerstehenden
Lastordinaten dort größer sind als die antreibenden Ordinaten, wird E$ wie folgt ermittelt:
p

a b a-b
a >b
b
E$ p
t = t′
( a − b) + ( epgh − e agh )
E$ p = ⋅ t′
2
epgh eagh epgh - eagh
passiver aktiver resultierende
Erddruck Erddruck Belastung

Wird statt des vollen Erdwiderstandes zur Vermeidung größerer Bewegungen nur ein bestimmter
Anteil n in die Berechnung einbezogen, entfällt die vorher erläuterte Sicherheitsüberprüfung.In die-
1
sem Fall ist lediglich zu prüfen, ob E$ p ≥ E ist. Die Sicherheit η beträgt dann . Wird beispielsweise
n
1
nur die Hälfte des Erdwiderstandes angesetzt (n = ), beträgt die Sicherheit gegen Versagen
2
1 2
(Bruch) η = 1 / = 2 . Bei dieser Vorgehensweise darf allerdings höchstens des vollen Erdwider-
2 3
standes angesetzt werden, um die Sicherheitbedingung η ≥ 15 , zu erfüllen.

zu f) Nachweis der Aufnahme der Vertikallasten


Bei allen Verbauwänden ist nachzuweisen, daß die Vertikalkräfte schadlos aufgenommen werden
können. Die Sicherheit ist wie folgt definiert:
ΣVw
η= ≥ 15
,
Σ Va

Die widerstehenden Vertikalkräfte ΣVw sind in Wandlängsrichtung von unten nach oben gerichtet.
Dazu gehört i.a. die Vertikalkomponente des Erdwiderstandes. Die antreibenden Vertikalkräfte ΣVa
sind in Wandlängsrichtung von oben nach unten gerichtet. Dazu gehören neben dem Eigengewicht
und der Vertikalkomponente des aktiven Erddrucks (bei positiver Wandreibung δa) u.a. auch die
Vertikalkomponenten von Ankern und äußere, auf die Wand wirkende Kräfte.
Ist die Sicherheit nicht nachzuweisen, ist die positive aktive Wandreibung im Bereich oberhalb der
Baugrubensohle zu verringern. Gegebenenfalls ist sogar eine negative Wandreibung anzusetzen,
allerdings bei Trägerbohlwänden i.a. bis maximal δa = - 2/3 ⋅ ϕ′ und bei Schlitzwänden i.a. bis ma-
ximal δa = - ½ ⋅ ϕ′ . Da eine Veränderung des Wandreibungswinkels auch die Größe des Erddrucks
beeinflußt, muß in diesem Fall die gesamte Berechnung der Verbauwand mit verändertem Wand-
reibungswinkel wiederholt werden.
Ist die Baugrube maximal 10 m tief und steht günstiger Baugrund (mitteldicht bzw. steif) an, darf der
Nachweis entfallen, wenn als antreibende Vertikalkräfte nur das Eigengewicht und die Vertikalkom-
ponente des aktiven Erddrucks wirken und die Einbindetiefe mindestens 1,5 m beträgt.
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zu g) Nachweis der Standsicherheit in der tiefen Gleitfuge (Ankerlängenbestimmung)


Der Nachweis der Standsicherheit in der tiefen Gleitfuge dient zur Bestimmung der erforderlichen
Ankerlänge. Allgemein ist zu unterscheiden zwischen Geländebruch und Bruch der tiefen Gleitfuge.

Boden im
plastischen
Grenzzustand
Monolith

Geländebruch Bruch in der tiefen Gleitfuge

Im Regelfall wird die Länge der Anker, die erforderlich ist, um die Standsicherheit einer verankerten
Wand zu gewährleisten, nicht durch die Geländebruchuntersuchung sondern durch den Nachweis
der Standsicherheit in der tiefen Gleitfuge bestimmt.
Die Lage der tiefen Gleitfuge richtet sich nach folgenden Regeln:
Unterer Ansatzpunkt: Bei eingespannten Wänden im Querkraftnullpunkt;
Bei frei aufgelagerten Wänden am Fußpunkt der Wand (dieser Fall wird nur in
der Vorlesung behandelt)
Oberer Ansatzpunkt: Immer in der Mitte des Verpreßkörpers
Bei tieferer Einbindung der Wand als rechnerisch erforderlich oder bei fehlender Einbindung sind die
Regeln in EB 44, Absatz 4 zu beachten.
Zur Berechnung der Standsicherheit in der tiefen Gleitfuge wird eine Ankerlänge angenommen und
der sich hinter der Verbauwand bildende Erdkörper, in dem der Anker verankert ist, vereinfacht
entsprechend der Darstellung auf der folgenden Seite konstruiert. Danach müssen alle an diesem
Körper angreifenden Kräfte berechnet werden. Diese werden i.a. zeichnerisch in einem Krafteck so
zusammengefaßt, daß sich daraus die mögliche Ankerkraft (Amögl) ablesen läßt. Dies bedeutet, daß
Amögl gerade die Kraft ist, mit der man an dem Körper ziehen kann, ohne daß Bruch auftritt. Die
Sicherheit für die gewählte Ankerlänge läßt sich aus der Definition
A mögl
η=
A vorh
berechnen und muß größer/gleich 1,5 sein.
Abweichend von vorstehender Sicherheitsdefinition kann die Ankerlänge nach EB 44, Absatz 5 auch
durch Abminderung der Scherfestigkeit entsprechen folgender Ansätze nachgewiesen werden:
tan ϕ ′ c′
tan ϕ ′η = und c ′η =
120
, 160
,
In diesem Fall ist nachzuweisen, daß Amögl ≥ Avorh ist (wird nicht in der Vorlesung behandelt).
Es darf das Verfahren gewählt werden, welches die kleinere Ankerlänge ergibt.
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Frei aufgelagerte Verbauwand mit einem Anker

a Ersatz- Die gedachte Ersatzwand ist


Amögl wand
E1 die senkrechte Verbindung
l zwischen der Mitte des Ver-
α preßkörpers und der Gelände-
lo/2 oberfläche
lo/2
G

Ea Tiefe
Gleitfuge
δa
Ea 90°
Alle Kräfte werden pro m er-
mittelt
Q
C ϕ′
b
ϑa

A mögl
η= ≥ 1,5
A vorh

Ea: aktive Erddruckkraft, die unter dem Wandreibungswin-


E1 kel δa geneigt ist (Ea immer bis zum Wandfuß erfassen);
Amögl α
sollte statt Ea erhöhter aktiver Erddruck oder Ruhe-
druck angesetzt worden sein, sind diese Kräfte trotz
anders lautender Hinweise zu verwenden, falls mit
ϑa-ϕ′
ihnen auch die Ankerkraft Avorh berechnet wurde
G : Gewicht des Erdkörpers;
G Steht im Boden Wasser an, wird der Wasserdruck
alle Kräfte in Q durch den Ansatz der Wichte unter Auftrieb (γ ′) im
[kN / m] Wasserbereich erfaßt
P: Alle Auflasten auf den Erdkörper (im Bild: P = p ⋅ a)
(entgegen vieler Hinweise in der Literatur ist eine Auflast
immer anzusetzen, wenn bei Berechnung der Ankerkraft
die Einflüsse der Auflast auf den Erddruck berücksichtigt
wurden)
C ϑa C: Kohäsionskraft in der Gleitfuge (falls c′ ≠ 0)
P (im Bild: C = c′ ⋅ b)
E1: immer aktive Erddruckkraft (ihre Neigung ist theoretisch
Ea δa parallel zur Geländeoberfläche (δa = β); aus Gründen der
Vereinfachung der Erddruckberechnung wird der Wand-
reibungswinkel in der Praxis genauso groß gewählt wie
der Wandreibungswinkel der Baugrubenwand
Krafteck Q: resultierende Reibungskraft in der Gleitfuge (wird nicht
(2 Unbekannte: Größe von Q und Amögl) berechnet, sondern ergibt sich durch Schließen des
Kraftecks)
Amögl: mögliche Ankerkraft (ergibt sich durch Schließen des
Kraftecks)
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Zwei Bodenschichten in der tiefen Gleitfuge


Stehen in der tiefen Gleitfuge zwei verschiedene Böden an (ϕ′1 ≠ ϕ′2), läßt sich der Nachweis mit
Hilfe von 2 Kraftecken führen.

p
a b c

Amögl
E1

E12 E12 Gbc


Ea Boden 1
Gab Q1
C1 ϕ1′

(Q ist nach rechts oben


geneigt, wenn ϑa < ϕ′)
Q2 Boden 2
ϕ′2
C2 (Q ist nach links oben
geneigt, wenn ϑa > ϕ′)

1. Krafteck 2. Krafteck
(linke Seite) (rechte Seite)

Amögl
E12 E12 aus 1. Krafteck E1
übernehmen Gbc
Q2 Q1
Gab
Pbc C1
E12

C2
2 Unbekannte:
Pab Ea Größe von Q1 und Amögl

2 Unbekannte:
Größe von Q2 und E12

Mehr als zwei Bodenschichten in der tiefen Gleitfuge


Bei mehr als zwei Bodenschichten in der tiefen Gleitfuge wird eine gewichtete Mittelung aller Rei-
bungswinkel z.B. entsprechend der Flächenanteile empfohlen. In der Praxis wird häufig auch bei
zwei Bodenschichten entsprechend vorgegangen. Da in diesen Fällen im Krafteck nur eine Rei-
bungskraft mit dem mittleren Reibungswinkel anzusetzen ist, ist das weitere Vorgehen zur Ermitt-
lung von Amögl identisch mit dem Vorgehen bei einer Bodenschicht.
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Grundbau 2 Seite 63

Frei aufgelagerte Verbauwände mit zwei Ankern


Bei zweifach verankerten Verbauwänden sind entsprechend der Ankerlängen die folgenden 4 Fälle
zu unterscheiden:
Fall 1: Oberer Anker kürzer als unterer Anker (2 Nachweise erforderlich)
Fall 1a: Nachweis für obere Ankerlänge
Amögl
A1 E1
E1
Q
G
A2 G

A2 Ea
Ea
Da A2 nicht am
Q
Bodenkörper zieht:
A mögl
η= ≥ 15
,
A1 vorh

Fall 1b: Nachweis für untere Ankerlänge


Amögl
A1 E1

Q
G
A2 G E1
Ea
Ea
Da A1 und A2 am
Bodenkörper ziehen:
Q A mögl
η= ≥ 15
,
( A1 + A 2 )vorh

Fall 2: Oberer Anker länger als unterer Anker. Allerdings endet oberer Anker im vom
unteren Anker ausgehenden Gleitkeil abc (2 Nachweise erforderlich)

a f b
(Nachweise wie bei Fall 1)
Fall 2a: Nachweis für oberer Anker-
e länge mit tiefer Gleitfuge
d - e:
45°+ ϕ′/ 2 A mögl
η= ≥ 15
,
A1 vorh
Fall 2b: Nachweis für die untere Ankerlänge mit
c tiefer Gleitfuge d - c:
Da beim Versagen dieses Ankers der Gleitkeil
d abc nachrutscht, ist der obere Anker ebenfalls
nicht gehalten. Daher müssen beide Anker
vom Erdkörper a - c - d gehalten werden.
A mögl
η= ≥ 15
,
( A1 + A 2 )vorh
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Grundbau 2 Seite 64

Fall 3: Oberer Anker länger als unterer Anker. Er endet außerhalb des vom unteren
Anker ausgehenden Gleitkeils abc. Allerdings verläuft die tiefe Gleitfuge zum
oberen Anker steiler als diejenige zum unteren Anker (theoretisch sind 3 Nach-
weise erforderlich, praktisch werden nur 2 Nachweise geführt)

a f b

45°+ ϕ′/ 2

Fall 3a: Nachweis für obere Ankerlänge (tiefe Gleitfuge d - e)


Amögl
A1
E1
E1
Q
G G
A2
Ea
Ea A2
Q Da A2 nicht am
Bodenkörper zieht:
A mögl
η= ≥ 15
,
A1 vorh

Fall 3b: Nachweis für beide Ankerlängen (gebrochene tiefe Gleitfuge d - c - e)


[Dieser Nachweis wird i.a. nicht geführt, weil er durch Fall 3c abgedeckt ist]
g a f Amögl Amögl
E1 (a-f) Amögl
(g-a)
A1 E12
E1 Q1
E12 E12 Gaf Gaf
Ea E12 Q2
A2 Gga

Gga
Q1 Ea

Q2 Zur Lösung muß für beide Erdkörper (g - a und


a - f) jeweils ein Krafteck konstruiert werden.
Diese wurden wegen der Anschaulichkeit inein-
ander gezeichnet.
Da am gesamten Erdkörper beide Anker- A mögl
η= ≥ 15
,
kräfte angreifen, lautet die Sicherheit: ( A1 + A 2 )vorh
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Fall 3c: Nachweis für untere Ankerlänge (tiefe Gleitfuge d - c)

Amögl
E1
A1
E1 Q
Ea G
G
A1
A2 Ea

Theoretisch braucht bei der Sicherheitsermittlung ent- A mögl


sprechend der Darstellung nur A2 berücksichtigt zu wer- η= ≥ 15
,
( A1 + A 2 )vorh
den. Da aber der aufwendige Fall 3b entfallen soll, wird
die Sicherheit wie nebenstehend berechnet:

Die gewählte Sicherheitsdefinition liegt im Vergleich mit Fall 3b auf der sicheren Seite,
weil:
a) die angreifenden Kräfte (A1 + A2)vorh gleich groß sind,
und
b) die mögliche Ankerkraft bei Fall 3c eindeutig kleiner ist als bei Fall 3b.
Wie man bei einem Vergleich der Kraftecke leicht erkennen kann, entspricht Amögl bei
3c, nur dem Anteil Amögl(g - a) bei 3b. Somit beinhaltet der Fall 3c, der zur Bestimmung
der unteren Ankerlänge verwendet wird, gleichzeitig die Sicherheit für beide Anker.

Fall 4: Oberer Anker länger als unterer Anker. Die tiefe Gleitfuge zum oberen Anker
verläuft flacher als diejenige zum unteren Anker (2 Nachweise erforderlich)

45°+ ϕ′/ 2
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Fall 4a: Nachweis für obere Ankerlänge

Amögl
A1 E1
E1
Q
A2 G G
Ea
Ea

Q A mögl
η= ≥ 15
,
( A1 + A 2 )vorh

Fall 4b: Nachweis für untere Ankerlänge

Amögl
A1 E1
E1
Q
G
A2 A1 G
Ea
Ea

Da A1 nicht am
Q
Bodenkörper zieht:
A mögl
η= ≥ 15
,
A 2 vorh

Verbauwände mit mehr als zwei Ankern


Bei Verbauwänden mit mehr als zwei Ankern wird sinngemäß entsprechend dem Vorgehen bei
zweifach verankerten Wänden verfahren.
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Grundbau 2 Seite 67

Zu i) Sicherheit gegen hydraulischen Grundbruch und gegen Auftrieb bei Baugruben im Wasser

Hydraulischer Grundbruch
Steht links und rechts von einer dichten Verbauwand ein unterschiedlicher Wasserspiegel an,
kommt es durch den Potentialunterschied zu einer Strömung. Dabei werden auf den durchströmten
Boden mit dem Volumen V Strömungskräfte der Größe S = V ⋅ i ⋅ γw ausgeübt. i ist das hydraulische
Gefälle ∆h / ∆l.
Tritt eine Strömung in gleichmäßig durchlässigem Boden entsprechend dem folgenden Bild auf,
werden auf der rechten Seite nach unten gerichtete und auf der linken Seite nach oben gerichtete
Zusatzkräfte entstehen. Die Strömungskraft rechts entspricht einer zusätzlichen und links einer
vermindernden Wichte um jeweils i ⋅ γw. Dies erhöht rechts durch die größer werdenden Verti-
kalspannungen den aktiven Erddruck (wird in der Vorlesung nicht berücksichtigt) und vermindert vor
dem Wandfuß durch kleiner werdende Vertikalspannungen den Erdwiderstand. Dadurch kann vor
der Wand das Erdauflager versagen oder der Boden angehoben und ausgespült werden. Daher ist
für diesen Bereich die Sicherheit nach EB 61 wie folgt nachzuweisen:
G
η= ≥ 15
,
S
Bei locker gelagerten Sanden und Schluffen sowie bei weichen bindigen Böden ist η ≥ 2 einzuhal-
ten.

GW

hydrostatischer Wasserdruck
∆h (ohne Strömung)
GW ∆l S
tatsächlicher Wasserdruck
S t (mit Strömung)

a a

Vernachlässigt man die Wandstärke, beträgt das hydraulische Gefälle im vor-


stehenden Bild:
∆h ∆h
i= =
∆l ∆h + 2 ⋅ t

t/2
G = γ ′ ⋅ V = γ ′ ⋅ t ⋅ t/2 [kN/m]
Die Sicherheitsberechnung erfolgt nach
G
nebenstehendem Bild. Dabei wird i.a. ein S = i ⋅ γw ⋅ V = i ⋅ γw ⋅ t ⋅ t/2 [kN/m]
Bodenkörper mit der Breite t/2 vor dem
Wandfuß betrachtet. t
S G
η= ≥ 15
,
S
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Grundbau 2 Seite 68

Besteht der Baugrund aus verschiedenen Bodenschichten unterschiedlicher Durchlässigkeit k, darf


vereinfacht angenommen werden, daß sich das hydraulische Gefälle (Druckabbau) immer in der
undurchlässigsten Schicht einstellt.

∆h ∆h
i= =
∆l 2 ⋅ d 2 + b

∆h Boden 1 G = (γ ′1 ⋅ d1 +γ ′2 ⋅ d2) ⋅ t/2

k1 > k2
S = i ⋅ γw ⋅ d2 ⋅ t/2
d1 1
t
d2
Die aufwärts gerichtete Strömungskraft vor
∆l Boden 2 dem Wandfuß wird nur im Bereich des
Bodens 2, wegen dessen geringerer Durch-
b lässigkeit, wirksam.

Steht bei einem geschlossenen Grundwasserspiegel unter dem Wandfuß eine durchlässigere
Schicht an, dann kann durch das einseitige Absenken des Wassers eine direkt vertikal nach oben
gerichtete Strömung zur Baugrube hin in Gang gesetzt werden. Ob diese Strömung oder die Um-
strömung der Verbauwand für den hydraulischen Grundbruch maßgebend ist, kann durch die Er-
mittlung der jeweiligen hydraulischen Gefälle festgestellt werden. Das größere Gefälle ist für die Si-
cherheitsbetrachtung stets zu verwenden.

Unter Vernachlässigung der Wandstärke beträgt


das hydraulische Gefälle:
Boden 1 ∆h ∆h
bei Strömung aus Boden 3: i1 = =
∆l1 t + a
oder
k1 > k2 ∆h ∆h
∆h bei Umströmung der Wand: i2 = =
b ∆l2 2 ⋅ t + b
∆l2 Der größere Wert ist maßgebend!
Boden 2
Dies ergibt folgende Sicherheit:
t
∆l1 t
γ ′2 ⋅ ⋅t
a G 2
k3 > k2 η= =
S t
imax ⋅ γ w ⋅ ⋅ t
2
Boden 3
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Grundbau 2 Seite 69

Auftrieb
Wird die Strömung des Wassers durch eine dichte Schicht verhindert, baut sich auf der „Anström-
seite“ der volle hydrostatische Wasserdruck auf. Dies ist z.B. der Fall, wenn der Wasserzufluß zu
einer Baugrube durch eine Beton- oder Injektionssohle verhindert wird. Die dabei entstehende Auf-
triebskraft A muß mit ausreichender Sicherheit gegen Aufbruch aufgenommen werden. Werden zur
Sicherung zusätzliche Maßnahmen wie z.B. eine Sohlverankerung oder ein seitlicher Anschluß an
die Verbauwände durchgeführt, dürfen die daraus resultierenden Kräfte bei der Sicherheitsermitt-
lung als widerstehend in Ansatz gebracht werden. Allerdings sind für diese Kräfte jeweils spezielle
Sicherheitskoeffizienten zu beachten.

∑ G ∑ Zg ∑ R
A≤ + +
ηG ηZ ηR

R R mit: ΣG = Summe aller Eigenlasten der Konstruktion


hw ΣZg = Summe aller Grenzlasten von Zugpfählen
G oder Verpreßankern
ΣR = Summe aller Reibungskräfte
ηG = Sicherheitsbeiwert für Eigenlast (i.a. 1,1)
Zg Zg ηZ = Sicherheitsbeiwert für Zugkräfte (richtet sich
nach den einschlägigen Normen; für Anker
A i.a. 1,5)
ηR = Sicherheitsbeiwert für Reibungskräfte (i.a. 2,0)

Soll die Injektionssohle im folgenden Beispiel den Aufbruch nur durch ihr Eigengewicht verhindern,
errechnet sich die Sicherheit wie folgt:

∑G
ηG = ≥ 11
,
A
mit:
ΣG = γr ⋅ d1 + γInj ⋅ d2
hw und

Boden d1 A = hw ⋅ γw
Injektionssohle d2
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Steht wie im folgenden Bild unter einer Baugrube eine nur gering durchlässige Bodenschicht an, die
von durchlässigeren Schichten über- und unterlagert wird, kann entsprechend den Erläuterungen im
vorhergehenden Abschnitt ein hydraulischer Grundbruch auftreten. In vielen Fällen kann eine solche
Schicht aber auch als dicht beurteilt werden, so daß die Auftriebssicherheit nachzuweisen ist. Es
wird daher empfohlen, in allen Zweifelsfällen beide Nachweise zu führen.

Hydraulischer Grundbruch:
∆h ∆h ∆h ∆h
i1 = = oder i2 = =
∆l1 a + 2 ⋅ t ∆l 2 t+d
Boden 1 t
∆h γ ′2 ⋅ t ⋅
G 2
η= = ≥ 15
,
a S t
imax ⋅ γ w ⋅ t ⋅
2
Boden 2 ∆l1 t
ΣG ∆l2
d
Auftrieb:
Boden 3 A k1 > k2
ηG =
∑G = γ r 2 ⋅ ( t + d)
≥ 11
,
k3 > k2 A γ w ⋅ ( ∆h + t + d)

1. Aufgabe
Der Bauzustand Vollaushub ist für die dargestellte Trägerbohlwand zu berechnen. Der Bohlträger-
abstand soll 2 m betragen und die Ausfachung aus Kanthölzern bestehen. Im einzelnen ist folgen-
des gefragt:
2
− Stärke der Holzausfachung (σzul = 10 MN/m )
2
− Profil der Träger (HE-B-Profil mit σzul = 160 N/mm ), wenn das Kragmoment an der oberen Steife
zugrunde gelegt wird
− Größe der Steifenkräfte, wenn eine direkte Stützung (ohne Gurt) der Träger angenommen wird.
Zur Steifenkraftermittlung dürfen vereinfachend alle Belastungen von Feldmitte zu Feldmitte des
statischen Systems der jeweiligen Steifenlage zugeschlagen werden
− Sicherheit der Einbindetiefe
− Nachweis der Vertikalkräfte
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P = 250 kN/m
(greift mittig an)
± 0,00
1,0m Streifenfundament für
Kranbahn aus Stahlbeton
-2,50 Steife 1 (nur während Bauzeit)
2,0m 1,0m δa = + 2/3 ⋅ ϕ′
Boden 1 δp = - 1/3 ⋅ ϕ′
Boden 1:
3
-5,00 γ / γr = 20 / 21 kN/m
ϕ′ = 27,5° ; D = 0,42
-7,00 Steife 2 Boden 2
Boden 2:
3
-8,00 γ / γr = 20 / 21 kN/m
2
ϕ′ = 25°; c′ = 5 kN/m ; Ic = 0,83
-10,00 GW GW Boden 3:
Boden 3 3
γ / γr = 18 / 20 kN/m
ϕ′ = 32,5° ; D = 0,58
Boden 3

-14,00

2. Aufgabe
Berechnen Sie die dargestellte Schlitzwand auf erhöhten aktiven Erddruck mit 40% Erdruhedruck
und 60% aktivem Erddruck. Es soll nur 50% des Erdwiderstandes angesetzt werden. Die Schlitz-
wand ist 80 cm dick. Der Ankerabstand beträgt 2,5 m. Im einzelnen ist folgendes zu berechnen:
− Momentenverlauf
− Ankerkraft
− Sicherheit der Einbindetiefe
− Ist der Nachweis der Vertikalkräfte erfüllt?
− Ist die gewählte Ankerlänge ausreichend? (δa darf für Ea gemittelt werden)
− Nachweise zum hydraulischen Grundbruch bzw. Auftrieb

V = 10 kN/m 2
±0,00 p = 20 kN/m

-1,50
Sand, mitteldicht:
15° l=9m 3
γ / γr = 19 / 21 kN/m
GW -3,00
ϕ′ = 32,5°
Sand
-5,00 δa = +1/2 ⋅ ϕ′
-6,00 GW δp = -1/2 ⋅ ϕ′

Ton Ton, steif:


Ton γ / γr = 20 / 22 kN/m
3
2
ϕ′ = 25° ; c′ = 20 kN/m
-10,30
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IV. PFAHLROSTE

1. Allgemeines
Bei Pfahlgründungen werden die Pfahlköpfe in einer verbindenden Platte oder in einer Balkenreihe,
dem sogenannten Pfahlrost, zusammengefaßt. Die Pfahlköpfe werden oft unmittelbar in die Fun-
damente oder Fundamentplatten der zu gründenden Bauwerke eingebunden, so daß diese gleich-
zeitig die Aufgabe der Pfahlplatte übernehmen.
Je nach Höhenlage der Rostplatte unterscheidet man tiefliegende und hochliegende Pfahlroste.

P p P p
G
Ea

G Ea

tiefer Pfahlrost hoher Pfahlrost

Beim tiefliegenden Pfahlrost liegt die Rostplatte nie höher als der tiefste Punkt des Geländebe-
reichs, in dem die Pfähle stehen, und meist unter dem Spiegel des freien Wassers bzw. des
Grundwassers. Die Pfähle binden auf ihrer ganzen Länge in den gewachsenen Boden ein und sind
daher nicht knickgefährdet. Auf tiefliegenden Rosten stehen Docks, Schleusenhäupter, Brücken-
pfeiler, Ufermauern, Unterwassertunnel, Hochbauten, Silos, Türme, usw..
Bei hochliegenden Pfahlrosten ragen die Pfähle über die ursprüngliche Geländeoberfläche hinaus
und/oder liegen über dem freien Wasserspiegel. Soweit sie frei stehen bleiben, sind sie knicksicher
auszubilden. Hochliegende Pfahlroste finden sich bei Kaimauern, überbauten Böschungen, Pieran-
lagen, Anlegebrücken, usw..

2. Berechnung von Pfahlrosten


Im allgemeinen werden folgende vereinfachende Annahmen getroffen:
− Die Pfähle sind linear elastische Federn
− Die tragende Bodenschicht ist setzungsfrei
− Die Pfahlrostplatte ist ein starrer Körper
− Die Pfähle sind an Kopf und Fuß gelenkig angeschlossen
Diese Voraussetzungen stimmen nicht, wenn
− die Pfähle bleibende Verschiebungen (Setzungen) haben
− die Pfahlrostplatte sehr biegeweich ist, wie z.B. bei aufgelösten Konstruktionen, oder die Pfähle
sehr starr sind (Großbohrpfähle)
− die Pfähle äußere Kräfte und Momente durch ihre Biegesteifigkeit in den Baugrund einleiten
müssen (Kopf- und/oder Fußeinspannung), -insbesondere wenn äußere Kräfte wie z.B. Erd-
drücke unmittelbar am Pfahl angreifen
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starre Scheibe

Gelenke
nicht tragfähiger
Baugrund elastische
Stäbe

Gelenke

Statisches System für die Pfahlrostberechnung

Statisch bestimmte Pfahlroste

Ein räumlicher Pfahlrost, dessen Pfähle nur


Normalkräfte aufnehmen, ist statisch be-
y stimmt gelagert, wenn er durch 6 Stäbe
räumlich so gestützt wird, daß
− sich höchstens 3 Pfähle in einem Punkt
x schneiden
z − höchstens 3 Pfähle zueinander parallel
stehen
− die Pfähle in mindestens 3 voneinander
unabhängigen Ebenen stehen
Aus den 6 räumlichen Gleichgewichtsbe-
dingungen lassen sich die 6 Pfahlkräfte
4
bestimmen.
Ein ebener Pfahlrost ist statisch bestimmt,
2
wenn er durch 3 Pfähle so gestützt wird,
1 daß
5
− sich höchstens 2 Pfähle in einem Punkt
6
schneiden
− höchstens 2 Pfähle zueinander parallel
stehen
Alle langgestreckten Bauwerke, wie Stützmauern und Kaianlagen mit sich wiederholenden gleichen
Pfahlstellungen, werden in der Regel als ebene Pfahlroste berechnet. Die Horizontalkräfte in Längs-
richtung des Bauwerks sind meist so klein, daß sie bei der Vielzahl der Pfähle durch eine relativ
kleine Biegebeanspruchung im Pfahl aufgenommen werden können. Man kann auch zur besseren
Stabilisierung eines solchen Bauwerks einige Pfähle z.B. in den Endbereichen, leicht schräg stellen,
ohne daß dies in der Berechnung berücksichtigt wird.
Bei der Berechnung eines Pfahlrostes als ebenes Problem muß man beachten, daß strenggenom-
men die Lasten in der Pfahlebene angreifen müßten. Dies ist allerdings nur selten der Fall. Es wird
deshalb vorausgesetzt, daß die über den Pfählen liegende Konstruktion so steif ist, daß die äußeren
Lasten ohne Zwang auf die Pfähle übertragen werden können.
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Die Pfahlkräfte können analytisch oder grafisch berechnet werden. Im Rahmen dieser Vorlesung
wird das grafische Verfahren von Culmann behandelt. Dazu müssen alle angreifenden Kräfte zu
einer Resultierenden R zusammengefaßt und der Angriffspunkt an der Pfahlrostplatte bestimmt
werden. Das weitere Vorgehen ist im folgenden Bild dargestellt. Die Verlängerung der Wirkungslinie
von R bildet beim Schnitt mit einer beliebigen Pfahlachse den Schnittpunkt I. Die Verbindungslinie
dieses Schnittpunktes mit dem Schnittpunkt der beiden anderen Pfahlrichtungen (Schnittpunkt II)
wird als Culmann′sche Hilfsgerade C bezeichnet. Zu jedem der Schnittpunkte läßt sich im Krafteck
ein in sich geschlossenes Kräftedreieck zeichnen. Man beginnt mit dem Schnittpunkt durch den die
Resultierende geht. In diesem Schnittpunkt stehen R, die zugehörige Pfahlkraft (hier P1) und die
Hilfskraft C im Gleichgewicht. Im anderen Schnittpunkt stehen C und die beiden restlichen Pfahl-
kräfte (hier P2 und P3) im Gleichgewicht.

ΣH = H1 - H2
Pfahlrost
a5 ΣV = V1 + V2 + G
a4 R = (ΣH)2 + (ΣV )2
a3
V1 ΣMx a 2 ⋅ H2 − a1 ⋅ H1 + a 3 ⋅ V2 + a 4 ⋅ G + a 5 ⋅ V1
V2 e= =
H1 R ΣV V1 + V2 + G
G H2
a1 Krafteck
a2
x
II
e P1 P1 = Druck
R
C I
C P2 = Druck
I II
P3 P2 P3 = Zug
P1 P2 P3

Statisch unbestimmte Pfahlroste


Statisch unbestimmte Pfahlroste werden heute mit EDV-Programmen als Rahmen gerechnet. Bei
der elektronischen Berechnung können die Steifigkeit, Verformung, Setzung und Bettung der Pfähle
sowie die Steifigkeit der Pfahlrostplatten berücksichtigt werden.
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Aufgabe
Für den dargestellten Pfahlrost sollen für die 3 Pfähle die Sicherheiten gegen den Bruchzustand
berechnet werden. Der Pfahljochabstand beträgt 3 m. Die Pfahlrostplatte besteht aus Stahlbeton,
die Pfähle aus Stahlprofilen. Für die Pfähle 1 und 3 wurde jeweils ein HE-B 1000 und für Pfahl 2 ein
HE-B 800 verwendet.

11°
R = 800 kN/m
R 4,50 m
±0,00

-1,50 -1,30

5m
1m 2m
2
Boden 1: τmf = 20 kN/m

Pfahl 1 Boden 1
-7,50

2
Boden 2 Boden 2: τmf = 50 kN/m
2
Pfahl 2: Pfahl 3: σsf = 5000 kN/m
Neigung 2,5 : 1 Neigung 1 : 1

-12,50 -12,50

-14,00
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V. BAUGRUNDVERBESSERUNG

1. Allgemeines
Ein Baugrund gilt als schlecht, wenn er sich unter den aufzubringenden Lasten zu stark verformt
oder versagt, d.h. wenn er nicht tragfähig ist. Die Lasten müssen entweder auf eine tiefer liegende
Schicht übertragen werden (Tiefgründung), oder man versucht, die Tragfähigkeit des Baugrunds zu
verbessern, indem
a) das Porenvolumen des nicht tragfähigen Bodens genügend weit vermindert wird (Verdichtung)
b) der für den Gründungszweck ungeeignete Boden ganz oder teilweise durch geeignetes Material
ersetzt wird (Bodenaustausch)
c) die Verschieblichkeit der Körner des nicht tragfähigen Bodens blockiert wird (Bodenverfestigung)
Unter „Verbesserung“ wird die Erhöhung der Scherfestigkeit und die Verminderung der Zusammen-
drückbarkeit verstanden.

Baugrundverbesserung durch Erhöhung der


Scher- und Druckfestigkeit einer oder meh-
rerer Bodenschichten (Bodenverbesserung)

Verdichtung Bodenaustausch Bodenverfestigung

Vorbelastung Bodenvollersatz Chemische Verfahren


- mit Konsolidationshilfe - Trockenbaggern - Bodenvermörtelung
(Dräns, etc.) - Naßbaggern - Bodenverleimung
- ohne Kosolidationshilfe - Planmäßiger Grund-
bruch (Stat. Verdrän-
Thermische Verfahren
gung, Moorsprengung)
Verkehrslast - Bodenvereisung
- zufällig - Bodenverglasung
- gezielt Bodenteilersatz
- Polsterschicht
Horizontalbewehrung
- Schottersäulen
GW - Absenkung - Bandbewehrung
- Kalkzementpfähle
(Bewehrte Erde)
- Mattenbewehrung
Spickpfähle - Vernagelung

Rüttlung
- Rüttelwalzen
- Tiefenrüttlung

Stoßverdichtung
- Fallplatten
- Sprengung
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Max. wirt-
erforder- Spezial- Eigenschaften Besondere Grenzen Kosten
Methode Wirkungsweise Geeignete wirksame schaftl.
liche geräte des verbesserten Vorteile und (1978)
Bodenart Verbess. - Größe
Stoffe Bodens Nachteile
Tiefe d. Fläche
Sprengung Schockwellen und wassergesättigte 20 m kleine Sprengstoff, Bohrmaschi- relative Lagerungsdichte schnell, billig, keine gleichmäßige niedrig
Erschütterung ver- reine Sande, teil- Flächen Verfüllmaterial nen oder von 70 - 80% erreichbar; kleine Flächen können Verbesserung; keine (0,7 - 2,5
ursachen Verflüssi- weise wasserge- können für Spreng- Spüllanzen unterschiedliche behandelt werden oberflächennahe DM / m3)
gung, Verdrängung, sättigte Sande und wirtschaftl. löcher Verdichtungen möglich Verbesserung;
Durchmischung Schluffe nach behandelt gefährlich
Bewässerung werden

Terraprobe Verdichtung durch wassergesättigter 20 m; > 1500 m2 keine Vibrations- relative schnell, einfach; weiche Bodenschichten mittel
(ein Tiefen- Rüttelung; durch oder trockener unwirksam rammgerät und Lagerungsdichten von gut unter Wasser (gut können dämpfend wirken; (4 - 8
rüttelverfahren) Verflüssigung reiner Sand oberhalb 4 m 750 mm ∅ 80% und mehr sind bei hohem harte Überdeckungen DM / m3)
verursachte Setzung Tiefe offenes erreichbar Grundwasserstand) können nur schwer
unter Auflast Stahlrohr durchfahren werden; nicht
geeignet bei teilgesättigten
Böden

Rüttelwalzen Verdichtung durch kohäsionslose 2-3m beliebig keine Rüttelwalze hohe Lagerungsdichten beste Methode zur - niedrig
Rüttelung; durch Böden erzielbar; die oberen Verdichtung dünner
Verflüssigung ver- Dezimeter werden nicht Lagen
ursachte Setzung verdichtet
unter Walzengewicht

Verdichtungs- Verdichtung infolge lockere sandige 20 m kleine bis Pfähle; Rammgerät hohe Lagerungsdichten anwendbar in Böden zeitaufwendig; hoch
pfähle Verdrängung und Böden; teilweise mittlere üblicherweise erzielbar; gute mit Feinanteilen; begrenzte
Rüttelung gesättigte Böden; Größe Sand oder Gleichmäßigkeit gleichmäßige Verdichtungswirkung in
Löß Boden mit Verdichtung; leicht zu den oberen 1 - 2 m
Zement- überprüfen
mischung

Dynamische wiederholte am besten geeignet 15 - 20 m > 5000 m2 keine Bagger oder hohe Lagerungsdichten einfach, schnell; erfordert gutes Personal mittel
Intensivver- Schlagbelastung mit bei grobkörnigen Dreibock; erzielbar; ziemlich geeignet auch für und ständige Kontrollen;
dichtung hoher Energie an der Böden; andere Fallgewicht: gleichmäßig feinkörnige Böden; nicht anwendbar in der
(DYNIV) Oberfläche Bodenarten können 10 - 40 t über und unter Wasser Nähe vorhandener
ebenfalls verdichtet anwendbar Gebäude
werden
2
Tiefen- Verdichtung durch grobkörnige Böden 30 m > 1500 m grobkörniges Tiefenrüttler mit hohe Lagerungsdichte geeignet in (grobkör- ungeeignet bei 30 - 80
rüttlung Rüttelung und mit weniger als 20% Verfüllmaterial Hebegerät; erzielbar; gute nigen) teil- und organischen und DM / m
Verdichtung des Feinkornanteil Wasser Gleichmäßigkeit vollgesättigten Böden feinkörnigen Böden (je
Verfüllmaterials (über und unter Verdichtungs
Wasser); punkt pro
Gleichmäßigkeit Meter)
2
Rüttelstopf- verdichtete weiche bis steife 20 m > 1500 m Kies oder Tiefenrüttler; erhöhte Tragfähigkeit; Boden kann belassen Tragfähigkeit begrenzt; mittel-hoch
verdichtung grobkörnige Säule in feinkörnige Böden; Schotter Wasser, Luft verbessertes werden ungeeignet bei breiigen 50 - 80
feinkörnigem Boden alluviale Setzungsverhalten und organischen Böden DM/m
Ablagerungen Schotters.
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Max. wirt-
erforder- Spezial- Eigenschaften Besondere Grenzen Kosten
Methode Wirkungsweise Geeignete wirksame schaftl.
liche geräte des verbesserten Vorteile und (1978)
Bodenart Verbess. - Größe
Stoffe Bodens Nachteile
Tiefe d. Fläche
Zement- oder die Bodenhohlräu- Grobsand, Kies unbegrenzt klein Einpreßmör- Mischer, Be- hohe Festigkeit bei geringe Kosten für beschränkt auf 150 - 200
Mörtelinjektion me werden mit tel, Wasser hälter,Pum- Zementverpressung; Einpreßmittel; Grobsand und Kies; DM / m3
Bodenmaterial, pen, Lanzen, verhindert Bodenver- große Festigkeit Erfolg ist schwierig zu Bodenverf.;
Zement und/oder Schläuche flüssigung; Verminde- beurteilen geringste
Ton verfüllt rung der Durchlässig- unter den
keit Injekt.-Verf.
Injektion von Lösungen von zwei Mittelschluff bis unbegrenzt klein Einpreßmit- Behälter, geringe bis hohe geringe Viskosität; hohe Kosten; Erfolg ist 250 - 500
Chemikalien oder mehr Chemi- Grobsand tel, Wasser Mischer, Festigkeit; verhindert einstellbare Kipp- schwierig zu beurteilen DM / m3
kalien reagieren im Pumpen, Bodenverflüssigung; zeit; flexibel; gute Bodenver-
Boden und bilden Lanzen, Verminderung der Wasserabdichtung festigung
ein Gel oder einen Schläuche Durchlässigkeit
festen Niederschlag
Bentonit- Abdichtung der geklüftete, harte unbegrenzt beliebig Bentonit, Behälter, verminderte Wasser- schnelle und keine Verfestigung;
verpressung Poren und Risse Bodenarten; Kies- Wasser Kolloidmi- durchlässigkeit wirtschaftliche Bau- anwendbar nur in grob-
im Untergrund mit böden mit großer scher, grundverbesserung körnigen Böden oder
Ton Durchlässigkeit Verpreßgerät bei offenen Klüften
Druckver- Verpressung von quellende Tone unbegrenzt, klein Kalkmehl, Behälter für mit Kalk verkapselte schnelle und wirt- 5-6
pressung mit Kalksuspensionen jedoch üb- Wasser, Suspensio- Bodenzonen durch schaftliche Behand- DM / m2
Kalkmilch in geringen Tiefen lich 2 - 3 m Oberflächen- nen, Spalten-, Riß- oder lung von Grün- Oberfläche
unter hohem Druck entspanner Rührwerk, Wurzellochverpres- dungsböden unter
Verpreßgerät sung, hydraulische leichten Tragwerken
Rißbildung
Verdrängungs- Boden wird unter weiche, feinkör- unbegrenzt; klein Boden, Mischer, Birnen oder Linsen gut zur Korrektur besondere Über- mittel;
injektion hohem Druck mit nige Böden; gewöhnlich Zement, Hochdruck- des erhärteten Injek- bei ungleich- wachung erforderlich geringe
hochviskosem Gründungsböden einige Me- Wasser pumpen, tionsmittels im mäßigen Setzun- Stoffkosten;
Mittel gesprengt mit großen ter Schläuche umgebenden durch gen; Verfüllung hohe
Hohlräumen Druck vorgespannten größerer Hohlräume Injektions-
Boden kosten
Elektrokineti- stabilisierende wassergesättig- unbekannt klein Chemikalien Gleichstrom- Erhöhung der bei Böden und Bau- nicht geeignet bei Bö- hoch
sche Chemikalien wer- ter, schluffiger anschluß, Tragfähigkeit; Ver- werken, die nicht den mit hoher Leit-
Injektionen den mittels Elektro- Ton, Schluff Anoden, minderung der Zu- hohen Drücken fähigkeit
osmose in den Kathoden sammendrückbarkeit ausgesetzt sind
Boden eingebracht
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erforder- Spezial- Eigenschaften Besondere Grenzen Kosten
Methode Wirkungsweise Geeignete wirksame schaftl.
liche geräte des verbesserten Vorteile und (1978)
Bodenart Verbess. - Größe
Stoffe Bodens Nachteile
Tiefe d. Fläche
Vorbelastung Vorbelastung recht- normalkonsolidier- - 1000 m2 Erdauflast; Erdbaugeräte; Verminderung des einfach; theoretisch zeitaufwendig; niedrig
zeitig vor Baube- te weiche Tone, Sand oder Setzungsbol- Wassergehaltes und gut erfaßbar; Sanddräns beschleu- (mittel,
ginn, so daß die Schluffe; Kies zur zen; der Porenzahl; Gleichmäßigkeit nigen den Konsolida- wenn
Vorverdichtung organische Bö- Oberflächen- Grundwasser- Erhöhung der tionsvorgang vertikale
weicher Böden vor den; entwässe- beobach- Festigkeit Dräns
Erschließung ab- Mülldeponien rung tungspegel erforderlich
geklungen ist werden)

Überhöhte es wird mehr Boden normalkonsolidier- - 1000 m2 Auffüllboden Erdbaugeräte; verringerter Wasser- schneller als Vor- mittlere
Schüttung aufgebracht als für te weiche Tone, oder anderes Setzungsbe- gehalt, Porenzahl und belastung ohne Kosten;
die endgültige Schluffe; Belastungs- obachtungs- Zusammendrückbar- überhöhte Schüt- Sanddräns
Schüttung erforder- organische Ab- material; punkte; keit; erhöhte tung; theoretisch Kosten
lich ist, damit die lagerungen; Sand oder Piezometer Festigkeit gut erfaßbar; 6 - 13
Endsetzungen Kippen oder Kies für die Sanddräns sind DM / m3
schneller eintreten; Halden Oberflächen- anwendbar;
der zuviel aufge- dränung
brachte Boden wird
dann wieder ent-
fernt
Elektroosmo- Gleichstrom ver- normalkonsolidier- 10 - 20 m klein Anoden, Kraftanschluß Verminderung des keine Vorbelastung ungleichmäßige Eigen- hoch
se anlaßt Wasser von te Schluffe und Kathoden Wassergehaltes und erforderlich; an- schaften zwischen den
der Anode zur schluffige Tone der Zusammendrück- wendbar in nicht Elektroden; keine
Kathode zu fließen, barkeit; Erhöhung der umschlossenen gleichmäßige Verbes-
wo es abgeführt Festigkeit, elektro- Flächen; relativ serung; nicht wirksam in
wird chemische Erhärtung schnell sehr leitfähigen Böden

Bodenpfähle Kalkzement oder alle weichen oder 20 m klein Zement, Bohrgerät, verfestigte Boden- benützt anstehen- schwierige mittel-hoch
und -wände Bitumen wird durch locker gelagerten Kalk, Bi- drehender pfähle oder Schmal- den Boden Qualitätskontrolle
Bohrer oder anorganischen tumen, che- Schneid- und wände mit relativ
Spezialmischer Böden mische Bo- Mischkopf, hoher Festigkeit
eingebracht denverfestig- Dosieranlage
er für Mischer
Bewehrung horizontale, zug- alle einige klein Metall- oder Erdbaugeräte Erhöhung der Trag- erhöht die erfordert Voraushub mittel
durch Streifen feste Streifen oder Meter Plastikstrei- für Aushub fähigkeit (Grundbruch- Tragfähigkeit und Einbau der Be-
und Membra- Membranen wer- fen; und Verdich- sicherheit); Verminde- wehrung
nen den im Boden Polyathyl.-, tung rung der Setzungen
verlegt Polypropyl- (Verschiebungen)
oder Poly-
ester-Ge-
webe
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Max. wirt-
erforder- Spezial- Eigenschaften Besondere Grenzen Kosten
Methode Wirkungsweise Geeignete wirksame schaftl.
liche geräte des verbesserten Vorteile und (1978)
Bodenart Verbess. - Größe
Stoffe Bodens Nachteile
Tiefe d. Fläche
Bodenaus- Boden wird ausge- anorganische 10 m klein keine, wenn Aushub- und Erhöhung der Trag- gleichmäßiger erfordert gegebenen- hoch
tausch hoben und durch Böden nicht Binde- Verdichtungs- fähigkeit und Stei- Einbau möglich falls großräumige
Trocknung und Zu- mittel zuge- geräte, figkeit; Verminderung Wasserhaltung
sätze verbessert setzt werden Wasserhal- der Zusammendrück-
und unter Verdich- tungssystem barkeit
tung wieder einge-
baut
Wasser- Wasserzutritt zum quellende Böden 5m klein Membranen, Aushubgerä- ursprüngliche die beste Methode evtl. nicht 100%-ig niedrig
Sperrschich- Baugrund wird Kies, Kalk te, Graben- natürliche oder für untergeordnete wirksam
oder Asphalt -
ten vermieden fräsen, Ver- Einbaueigenschaften Bauwerke
(Dichtungen) dichtungsge- bleiben erhalten mittel
räte
Bewässerung das Bodenmaterial quellende Böden 2-3m klein Wasser Verminde- geringe Kosten für kann evtl. trotzdem niedrig
wird vor dem Ein- rung der kleine leichte Ge- noch schwinden oder
bau auf den ge- Quellneigung bäude quellen
schätzten endgül-
tigen Wassergehalt
gebracht
Polsterschicht Polsterschicht aus weiche Tone oder - klein Sand, Kies, Verdichtungs- weicher Untergrund gute Lastverteilung, mittel
tragfähigem Boden organische Bö- Schlacke geräte wird durch die hohe Tragfähigkeit 20 - 30
(Sand, Kies) ver- den, Marsch- lastabtragende DM / m3
teilen die Last über gebiete Polsterschicht
gering tragfähigem geschützt
Boden

Erwärmen Trocknung von feinkörnige Böden, 15 m klein Brennstoffe Brenner, Verminderung des hoch
Tonböden besonders teil- Gebläse Wassergehalts,
(400 - 500°) gesättigte Tone Erhöhung der
und Schluffe Festigkeit
Gefrieren Gefrieren von nas- alle einige klein Gefriermittel Gefrieraggre- erhöht die Festigkeit, vorübergehende nicht geeignet in hoch
sem Untergrund, Meter gate vermindert die Maßnahme fließendem
um die Festigkeit Durchlässigkeit Grundwasser
zu erhöhen
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Grundbau 2 Seite 81

Anwendbarkeit der Baugrundverbesserung für verschiedene Bauwerke und Baugrundarten


Wahrscheinlichkeit des Erfolgs der
Baugrundverbesserung
Art des Bauwerk Zulässige Setzung Belastung; lockere, weiche, alte,
Bauwerks übliche erforderliche kohä- alluviale anorgani-
Bodenpressung sionslose Ablage- sche
Böden rungen Auffüllun-
gen

Bürogebäude, Hochhäuser, mehr klein groß groß unwahr- klein


Wohnhäuser als 6 Stockwerke 25 - 50 mm bis 300 kN/m2 scheinlich
Rahmenkon- Hochbauten, klein mittel groß klein gut
struktionen 3 - 6 Stockwerke 25 - 50 mm 200 kN/m2
Flachbauten, klein klein groß gut groß
1 - 3 Stockwerke 25 - 50 mm 100 - 200 kN/m2

Industrie- große Stützweiten, klein unterschiedliche, groß unwahr- klein


anlagen schwere Maschinen, 25 - 50 mm teilweise örtliche scheinlich
Kranbahnen, Setzungsunterschiede Lastkonzentrationen
Fabrikationsanlagen, sind maßgebend 400 kN/m2
Kraftwerke
Rahmenartige Lager- mittel klein groß gut groß
hallen und Fabriken 100 - 200 kN/m2
Lagerhallen und klein - mittel klein groß gut groß
-plätze, offene 200 kN/m2
Fabrikationsanlagen

Sonstige Kläranlagen, Wasser- mittel klein groß, wenn groß groß


aufbereitungsanla- Setzungsunterschiede 150 kN/m2 überhaupt
gen sind wichtig erforderlich
Tanks mittel - groß, groß groß, wenn groß groß
jedoch können bis zu 300 kN/m2 überhaupt
Setzungsunterschiede erforderlich
maßgebend sein
offene Lagerplätze groß groß groß, wenn groß groß
bis zu 300 kN/m2 überhaupt
erforderlich
Dämme und Wider- mittel bis groß bis zu 200 kN/m2 groß, wenn groß groß
lager überhaupt
erforderlich

Während sich die Tragfähigkeit des Bodens mit den genannten Verfahren i.a. so weit erhöhen läßt,
daß das Grundbruchrisiko vermieden wird, läßt sich das Setzungsrisiko nur mindern und zwar mit
um so größerem Aufwand, je dicker die setzungsempfindliche Schicht ist, und je kleiner die für das
Bauwerk zulässige Setzung bzw. Setzungsdifferenz ist.
Die Frage, wann eine Tiefgründung (z.B. Pfahlgründung) wirtschaftlicher oder zweckmäßiger ist,
läßt sich deshalb nur auf das Projekt bezogen durch einen technisch voll ausgearbeiteten und kal-
kulierten Vergleich beantworten.
Für die Wahl des jeweiligen Verfahrens ist von Bedeutung:
− Fläche des zu verbessernden Geländes
− Bauwerksart, Lastgröße und -verteilung
− verfügbare Materialien, Geräte und Verfahren
− Einflüsse aus Nachbarbebauung
− Grundwasserschutzbestimmungen
− Zugänglichkeit und Befahrbarkeit des Geländes
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Grundbau 2 Seite 82

2. Baugrundverbesserung durch Verdichtung


2.1 Allgemeines
Bei der Verbesserung der Böden durch Verdichtung muß zwischen rolligen und bindigen Böden
unterschieden werden. Die Verdichtung rolliger Böden zielt darauf, den Porenanteil zu verringern,
was z.B. durch die Einleitung von Schwingungsenergie (Rütteln) geschehen kann.
Bindige Böden sind i.a. wassergesättigt, so daß eine Verdichtung erst dann eintreten kann, wenn
Porenwasser aus dem Boden ausgedrückt worden ist. Dieses Herauspressen von Porenwasser
gelingt aber nicht durch Rütteln sondern nur durch eine statische bzw. quasi-statische Belastung.
Die optimalen Verdichtungsbedingungen werden für rolligen und bindigen Boden im Proctorversuch
ermittelt. Im Erdbau empfiehlt sich häufig eine Probeverdichtung vor Ort.

2.2 Verdichtung im Erdbau (Oberflächenverdichtung)


Die Nachprüfung der Verdichtung erfolgt durch Sondierungen und Plattendruckversuche. Eine ört-
liche Probenentnahme (z.B. mit dem Ausstechzylinder) und die Untersuchung von Porenanteil und
Lagerungsdichte im Labor wird zwar auch gemacht, ist aber häufig wirtschaftlich nicht mehr ver-
tretbar.

Anhaltswerte für den Geräteeinsatz

Eignung (E), Schütthöhe (H) und Übergänge (Ü)


Baustellen-
Bodenart bedingungen

Lockergestein Felsgestein Damm u. Bau- Lei-


Steine u. Blöcke Einschnitt werks- tungs-
grobkörnig feinkörnig gemischtkörnig bis 400 mm Arbeits- hinter- gra-
Geräteart (nicht bindig) (bindig) (bindig) Kantenlänge fläche füllung ben

Sande - Kiese Schluffe - Tone Mischböden (nicht bindig)


dazu schwach steinig eng frei
bindige Sande
E H Ü E H Ü E H Ü E H Ü E E E E
cm Anz. cm Anz. cm Anz. cm Anz.
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17
Glattwalze o 10 - 20 4 - 8 o 10 - 20 4-8 o 10 - 20 4-8 o o
Schaffußwalze + 20 - 30 8 - 12 o 20 - 30 8 - 12 o 20 - 30 8 - 12 o +
Gummi- selbstfahrend + 20 - 30 6 - 10 + 20 - 30 6 - 10 o 20 - 30 6 - 10 + +
radwalze gezogen + 30 - 50 6 - 10 + 30 - 40 6 - 10 + 30 - 40 6 - 10 +
Gürtelradwalze + 20 - 30 6-8 + 20 - 30 6-8 + +
Gitterradwalze o 20 - 30 6 - 10 + 20 - 30 6 - 10 o 30 - 40 8 - 12 o +
Fallplattenstampfer o 50 - 70 2 - 4 + 50 - 70 2-4 + 50 - 80 2 - 4 + o
Explosionsstampfer o 20 - 50 3-5 + 20 - 40 3 - 5 o 20 - 50 3-5 o 30 - 50 3 - 5 + o o o
Schnellschlagstampfer o 20 - 40 2-4 o 10 - 20 2 - 4 o 20 - 30 2-4 o + +
Anhänge- leicht (<5Mp) + 30 - 50 3-5 o 20 - 40 3-5 o +
vibrations- mittel + 40 - 60 3-5 o 20 - 30 3-4 + 30 - 50 3-5 o 40 - 60 4 - 6 +
walze schwer (>8Mp) + 50 - 80 3-5 o 30 - 40 3-4 + 40 - 60 3-5 + 50 - 95 4 - 6 +
Duplex- leicht (<2,5Mp) + 20 - 40 4-6 o 10 - 20 5-8 o 20 - 30 5-8 + o o o
walze schwer (>2,5Mp) + 30 - 50 4-6 o 10 - 30 5-8 + 20 - 40 5-8 o 30 - 50 5 - 8 + + o
Tandem- leicht (<5 Mp) + 20 - 40 4-6 + o
Vibr.-walze schwer (>5Mp) + 30 - 50 4-6 o 20 - 40 5-8 + +
Vibr.-Schaffußwalze o 30 - 50 3-5 + 20 - 40 6 - 10 + 20 - 40 6 - 10 + 30 - 50 6 - 10 o +
Vibrat.- leicht (<2MpFk) + 20 - 40 5-8 o 10 - 20 5-8 + o + +
platten schwer (>2MpFk) + 30 - 60 4-6 o 20 - 30 6 - 8 0 20 - 40 4 - 6 o 30 - 50 4 - 6 + + o o
+ : empfohlen o : meist geeignet
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Selbstfahrende Schaffußwalze
Diesel-Dreiradwalze

Einachs-Anhänge-
Anhänge-Schaffußwalze Gummiradwalze
Selbstfahrende
Gummiradwalze

Gitterradwalze

Gürtelradwalze

Fallplattenstampfer
(Stampfbagger)

Schnellschlagstampfer

Explosionsstampfer (Ramme)

Einradvibrationswalze
(selbstfahrend, handgeführt)

Anhänge-Vibrationswalze

Tandem-
Vibrationswalze Starre Duplex-Walzen
(flexibel gekoppelt)

Selbstgehende Vibrations-
Vibrations-Bodenverdichtungsplatten mit Zwangsvortrieb Bodenverdichtungsplatte
(Anbauplattengruppen) (reversier- und lenkbar)

Oberflächenverdichter im Erdbau

2.3 Verdichtung durch Vorbelastung


Die einfachste Art, eine Bodenschicht zu verdichten, besteht im Aufbringen einer gleichmäßigen
Oberflächenlast. Durch die Last werden die Spannungen im Porenwasser erhöht, und das Poren-
wasser beginnt in Bereiche geringerer Beanspruchungen abzufließen. Um die Konsolidation zu
beschleunigen, wird zweckmäßigerweise zwischen dem u.U. nahezu wasserundurchlässigen Bal-
lastboden und der Geländeoberfläche eine Sandfilterschicht eingebaut. Ohne diese Konsolida-
tionshilfe muß das ausgepreßte Porenwasser den langen vertikalen Dränweg durch den Auflastbo-
den nehmen, so daß der Vorgang der Verdichtung wesentlich langsamer abläuft. Statt oder zusätz-
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lich zu einer Sandfilterschicht können zum Beschleunigen der Setzungen auch Tiefendräns
(Vertikaldräns) abgeordnet werden. Bei Tiefendräns hängt die Konsolidationszeit weniger vom
Drändurchmesser als vom Abstand ab. Da die waagrechte Durchlässigkeit des Bodens i.a. größer
ist als die senkrechte (kh ≈ 2 bis 10 ⋅ kv), ist die Wirkung dieser Dränagen i.a. sehr groß.

schnellere
langsame Setzung
0 1 2 3 Jahre
Setzung 0
Aufschüttung
Zeit
1.Kiesschüttung
ohne Sanddräns

2
Schlamm

mit
S dd ä
4
Untere
Kiesschicht
Phase I Phase II Phase III Verdichtungssetzungen mit und ohne Dräns
Durch 1. Kiesauf- Nach Einbringen Nach weiterer Auf-
spülung Anspan- der Dräns Ablei- schüttung schnel-
nen des Poren- ten des Poren- lere Porenwasser-
wassers wassers ableitung

Wirkungsweise eines Tiefendräns

Rohr- u. Karton- Maschine geht


band dringen zum nächsten
Maschine in gleichzeitig in Pappdrän bleibt Arbeitsplatz um
Arbeitsstellung den Boden ein im Boden 1,7 m weiter

Einführungs-
Vertikaldräns können in den Boden rohr
eingebohrt, eingerammt oder auch
eingespült werden. Eine Verrohrung Trommel m.
Dränage-
ist meist nicht erforderlich. Als Ma- band
terial kommt für die Dräns Sand mit
d30 > 0,3 mm und d15 > 0,15 mm oder
billige Werkstoffe wie Pappe oder
Kunststoff-Vlies in Frage. Verschluß gibt
beim Hoch- Drän
gehen des
Einführungs-
rohres den
Drän frei

Einbau eines Pappdräns

2.4 Tiefenverdichtung mit Rütteldruckverfahren


Unter einem Tiefenrüttler wird ein zylindrisches Gerät verstanden, das durch motorangetriebene
Unwuchten horizontale Schwingungen an der Rüttlerspitze erzeugt, die weitgehend ungedämpft auf
den zu verdichtenden Boden einwirken und ihn in seiner engeren Umgebung (0,3 bis 0,5 m) ver-
flüssigen (∅ 30 bis 50 cm; Frequenz 30 bis 60 Hz; Motorleistung 35 - 120 kW). Durch sein Eigen-
gewicht, das Rütteln und eine Spülhilfe wird der Tiefenrüttler in den Boden abgesenkt. Die mittlere
Absenkgeschwindigkeit beträgt 2 bis 4 m/min. Sie kann sich jedoch beim Antreffen von dichten,
grobkörnigen Zwischenschichten beträchtlich verringern.
Mit Tiefenrüttlern wird der Steifemodul und die Scherfestigkeit des Bodens erhöht.
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Arbeitsweise

1: Einfahren 2: Verdichten
Der vibrierende Rütt- Die Bodenverdich-
ler dringt, unterstützt tung erfolgt in Stufen
durch die Spülkraft von unten nach
des Wassers (oder oben. Sie erfaßt
Druckluft), bis zur einen Bodenzylinder
geplanten Tiefe in von bis zu 5 m. Die
den Boden ein. Da- fortschreitende Ver-
bei werden Boden- dichtung zeigt sich in
feinteile mit dem einer steigenden
Rücklaufwasser aus- Stromaufnahme des
gespült. Nach Errei- Rüttlermotors.
chen der Endtiefe
wird das Wasser re-
duziert.

3: Nachfüllen 4: Abschließen
Um den Rüttler Durch entsprechen-
herum bildet sich de Anordnung der
ein Absenktrichter, Verdichtungszentren
der mit angefahre- können Bodenkörper
nem (A) oder beliebigen Ausma-
vorhandenem Ma- ßes verdichtet wer-
terial (B) gefüllt den. Nach durchge-
wird. Hierzu sind führter Rütteldruck-
bis zu 10% des verdichtung ist die
behandelten Volu- Oberfläche abzuzie-
mens erforderlich. hen und mit einem
Oberflächenrüttler
nachzuverdichten.

Durch Tiefenrüttlung (Rütteldruckverfahren) können nur rollige 100


Böden (Sand-Kies-Bereich) verdichtet werden. Das nebenste-
henden Bild zeigt deutlich die verbessernde Wirkung des Ver- 90
fahrens.
80

Grenzen des Verfahrens: 70

− Verdichtungstiefen zwischen 3 und 25 m (bei großen Tiefen


wird der Rüttler durch Aufsatzrohre verlängert) 60
− Steine > 50 cm Kantenlänge
− viele Steine mit ∅ > 10 cm 50
− Abstand der Bebauung soll größer als 10 m sein 1,0 1,5 2,0 2,5 3,0
Abstand a der Rüttelzentren [m]
Rastermaß a und erreichbare
Lagerungsdichte D
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2.5 Tiefenrüttlung mit Aufsatzrüttler


Als Variante zu dem unter 2.4 beschriebenen Verfahren, bei dem der Rüttler in den Boden einge-
führt wird, gibt es auch die Erzeugung des Schwingungsfeldes durch einen Rüttler oberhalb der
Geländeoberfläche. Dieses unter dem Namen TERRAPROBE eingeführte Verfahren benutzt einen
Rüttler, der auf einem Rohr sitzt und mit diesem zusammen ca. 10 t wiegt. Das Rohr hat einen
Durchmesser von 76 cm und ist unten offen. Es ist mit 3 angeschweißten Spülleitungen versehen,
die dem rascheren Absenken des Gerätes dienen. Die Eindringgeschwindigkeit des Gerätes ist
etwa viermal größer als die eines Tiefenrüttlers. Es sind allerdings auch 4 bis 5-mal so viele Ver-
dichtungspunkte erforderlich.

2.6 Verdichtungspfähle (Spickpfähle)


Spickpfähle sind massive Holz- oder Betonrammpfähle, die bei nichtbindigen Böden eine Verdich-
tung bewirken, bei bindigen Böden auch als Druckbewehrung anzusehen sind und eine schwim-
mende Gründung darstellen.

2.7 Stoßverdichtung an der Oberfläche (Dynamische Intensivverdichtung)


Die Verdichtung mit Fallmassen ist eine der ältesten Methoden der Baugrundverbesserung. Die
Massen und die Fallhöhen werden den jeweiligen technischen Möglichkeiten angepaßt. Seit etwa
1970 werden mit diesem Verfahren, das unter dem Namen Dynamische Intensivverdichtung
(DYNIV) oder bei Anwendung auf bindigen Böden Dynamische Konsolidierung bekannt ist, set-
zungsempfindliche Böden auch unter Wasser mit Erfolg verdichtet.
Das Prinzip der Methode ist einfach, denn es wird lediglich eine große Masse im freien Fall einge-
setzt. Entsprechend den heutigen Möglichkeiten können Krane und Raupenfahrzeuge Gewichte von
20 t aus 20 m Höhe fallen lassen. Bei anderen Verfahren werden von einem fahrbaren Dreibock
Gewichte von bis zu 40 t aus 40 m Höhe, in speziellen Fällen Geräte für Gewichte von 200 t aus 40
m Höhe eingesetzt.
Mit der Dynamischen Intensivverdichtung wird die Scherfestigkeit erhöht und die Setzungsempfind-
lichkeit verringert. Sie wird bei folgendem Untergrund angewendet:
− locker gelagerten Sanden und Kiesen
− feinkörnigen Böden mit hohem Schluffanteil bei Wassergehalten bis zur Fließgrenze
− organischen Böden und Torfen
− Steinschüttungen sowie Haus- und Industriemüll
Bei Anwendung des Verfahrens sollte beachtet werden:
− mit zunehmendem Tongehalt nimmt wegen der geringer werdenden Durchlässigkeit die Effekti-
vität ab
− vertikale Dräns erweitern die Anwendungsgrenzen
2
− aus wirtschaftlichen Gründen sollte die zu verdichtende Fläche größer als 10000 m sein
2
− die Geräteleistungen betragen ca. 300 bis 800 m /Tag
− der Abstand der Verdichtungspunkte liegt je nach Bodenart zwischen 4 und 15 m
− die Anzahl der Schläge je Verdichtungspunkt schwankt zwischen 5 und 20

3. Baugrundverbesserung durch Bodenaustausch


3.1 Bodenvoll- und -teilaustausch
Wenn die im vorhergehenden Abschnitt besprochenen Verfahren nicht zum Ziel führen oder un-
wirtschaftlich sind, kann überlegt werden, den nicht tragfähigen Boden auszutauschen. Dies ist
allerdings nur wirtschaftlich, wenn die nicht tragfähige Schicht oberflächennah ansteht. Vor einer
entsprechenden Entscheidung sollte neben den üblichen Baugrunduntersuchungen vor allem fol-
gendes geklärt sein:
− wo wird der entnommene Boden deponiert einschließlich aller erforderlichen Überlegungen zur
Standsicherheit der Deponie
− welche Anforderungen sind an ein geeignetes Austauschmaterial zu stellen und wo kann es
beschafft werden
− wie wird das Füllmaterial eingebaut einschließlich der notwendigen Verdichtungsmaßnahmen
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− ist die Standsicherheit der Aushubgrube im leeren Zustand gegeben


− welche Wasserhaltungsmaßnahmen werden notwendig, wenn die Austauschtiefe unterhalb des
Grundwasserspiegels liegt

Bei der Ermittlung der aus- nicht


zutauschenden Massen tragfähiger
muß die Spannungsaus- Boden
breitung der Flachgründung Austauschschicht
Böschung nach (Kies, Sand)
entsprechend nebenste- DIN 4124 β < 60°
hendem Bild berücksichtigt
werden.
tragfähiger Boden

Wenn die nicht tragfähige Schicht als Deckschicht in einer Mächtigkeit von ca. 3 - 4 m ansteht, kann
man sie durch Bagger oder Schubraupen ausräumen, vor allem, wenn dies ohne besondere
Grundwasserhaltung möglich ist. Das Austauschmaterial ist i.a. Kies oder Sand. Der Preis liegt bei
3
ca. 25 - 50 DM / m ausgetauschten und verdichteten Bodens.

Dicke der Pufferschicht h [m]


0 1 2 3 4
Durch eine Setzungsprognose kann
man fallweise prüfen, ob es für die
Gründung ausreicht, wenn nur der
oberste Teil der nicht tragfähigen 2
Deckschicht ausgetauscht wird.
Diese Polster- und Pufferschicht
vergleichmäßigt und verringert die
4
Setzungen (s. Bild). P = 400 kN/m

6 1m
2m h
Sand Es = 60 MN/m2
Ton Es = 5 MN/m2
8

3.2 Rüttelstopfverdichtung
Zur Untergrundverbesserung feinkör-
niger und gemischtkörniger Böden
Anwendungsbereiche der Tiefenrüttelverfahren
wird das Rüttelstopfverfahren einge-
setzt. Es funktioniert ähnlich wie die
Tiefenverdichtung mit dem Rüttel-
druckverfahren. Nach dem Ziehen des
Rüttlers wird Schottermaterial (∅ = 20
bis 70 mm) in Stufen von etwa 1 m
zugegeben. Beim Wiederversenken
wird der Schotter teilweise in den
umgebenden Baugrund verdrängt und
gleichzeitig die entstehende Schotter-
säule verdichtet.
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Neuere Geräte (Schleusenrüttler) haben eine Materialschleuse, die es ermöglicht, daß der Schotter
schon während des Ziehens an der Rüttlerspitze austritt. Damit entfällt das Ein- und Ausfahren des
Rüttlers und die damit verbundene Gefahr, daß der Hohlraum einstürzt. Gleichzeitig wird der Mate-
rialverlust minimiert.
Arbeitsweise eines Schleusenrüttlers

1: Vorbereiten 2: Füllen
Mit der Rüttlertragraupe wird der zwangsgeführte Der Materialkübel wird am Mast hochgefahren und
Schleusenrüttler über dem abgesteckten Punkt entleert seinen Inhalt in die Schleuse. Nach Schlie-
ausgerichtet und das Gerät hydraulisch abge- ßen der Schleußenkammer unterstützt Pressluft den
stützt. Ein Frontlader belädt den Materialkübel. Materialfluß zur Austrittsstelle an der Rüttlerspitze.

3: Einfahren 4: Verdichten 5: Abschließen


Der Rüttler verdrängt und durch- Nach Erreichen der Endtiefe Die Rüttelstopfsäule baut sich
fährt den Boden bis zur geplanten wird das Zugabematerial im bis zur geplanten Höhe auf.
Tiefe, unterstützt von Druckluft Pilgerschritt verfüllt, seitlich Beim Herrichten des Feinpla-
und der abwärts gerichteten Kraft in den Boden gedrückt und nums wird eine Nachverdich-
der Mastwinden. verdichtet. tung der Sohle erforderlich.
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Anwendungsbeispiel: Bahndammverdichtung

Bei der Herstellung von Rüttelstopfsäulen mit Schotter muß


eine ausreichende Stützkraft des umgebenden Bodens
vorhanden sein. Wo diese fehlt, z.B. bei organischen
Einlagerungen wie Torf oder Faulschlamm, wird das einzu-
bauende Zugabematerial mit einer Zementsuspension Gleis in Betrieb
vermischt oder direkt als Fertigmörtel verstopft. Der Ver- Späterer Abtrag für
dichtungseffekt durch Rütteln bleibt dabei in verdichtungsfä- Aufbau der Frost- und
higen Schichten erhalten. Planumsschutzschicht

Herstellung einer vermörtelten Stopfsäule

Herstellen der
Versenken Ausformen des Fußes vermörtelten Stopfsäule

Herstellung von Betonrüttelsäulen

Einfahren und
Vorbereiten zum Einfahren Ausformen des Herstellen des
Fußes Schaftes
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Anwendungsbeispiele

Abtragung von Sicherung einer Sicherung einer Sicherung eines


Einzellasten Plattengründung Tankgründung Böschungsfusses

4. Baugrundverbesserung durch Verfestigung (Injektionen)

4.1 Allgemeines
Durch das Einpressen fließfähiger Mittel in die Poren, Spalten und Klüfte des Untergrundes (oder
eines Bauwerkes) wird die Festigkeit erhöht und gleichzeitig die Durchlässigkeit vermindert. Im
Gegensatz zu den abdichtenden Injektionsmitteln, die den gesamten Hohlraum bleibend ausfüllen,
sind für die Verfestigung Mittel zu verwenden, die die einzelnen Körner, vorwiegend an den Kon-
taktstellen, miteinander „verkitten“. Bei Injektionsarbeiten sind die Hinweise in DIN 4093 (Einpressen
in den Untergrund) zu beachten.
Anwendungsbeispiele

Dichtungsschleier bei Staudämmen Dichtungsschleier mit


Unterfangung von Fundamenten Fundamentsicherung
Verfestigung bei Talsperren

Fundamentverbreiterung zur Sohlabdichtung Zwickelinjektion bei Schirminjektion zur Abdichtung und


Aufnahme von Zusatzlasten Bohrpfahlwänden Verfestigung im Tunnelbau

4.2 Injektionsmittel
Die Auswahl des Injektionsmittel hängt ab von:
− dem Zweck der Injektion (Verfestigung oder Abdichtung)
− der Aufnahme im Untergrund (Durchlässigkeit, Hohlräume); die kleinste Korngröße des Ein-
preßmittels muß noch in die Hohlräume eindringen, ohne abgefiltert zu werden
− dem Vorhandensein und der Art des Grundwassers
− den Preisen der einzelnen Injektionsmittel
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Jedes Injektionsmittel muß bestimmte Voraussetzungen erfüllen:


− es muß während des Eindringens in den Boden stabil bleiben, d.h. es dürfen keine Flockungs-
und Absetzungserscheinungen auftreten; weiterhin darf kein vorzeitiges oder falsches Abbinden
vorkommen
− die ursprüngliche Viskosität darf während des Einbringens nicht zunehmen
− das Injektionsgut muß die gewünschte Festigkeit erreichen
− das Einpreßgut darf seine physikalischen Eigenschaften, insbesondere die Festigkeit, im Laufe
der Zeit nicht verändern

Einsatzmöglichkeiten von Einpreßgut in Lockergesteinen

Einpreßzweck
Bodenart nach Durchlässigkeits- (A = Abdichtung)
Hohlräume in DIN 4022, Teil 1 beiwert kf [m/s] Einpreßgut
(V = Verfestigung)
Zementsuspension V
Kies G Tonzementsuspension A, V
-3
Grobsand gS > 5 ⋅ 10 Tonsuspension A
Kies sandig Gs Tonzementsuspension
und Silikatgel A, V

Tonsuspension A
Sand S -3 -6
Sand schluffig Su 5 ⋅ 10 bis 5 ⋅ 10 Silikatgel A, V

Kunstharz A, V
Feinsand fS Silikatgel A, V
-4 -7
Grobschluff gU 5 ⋅ 10 bis 1 ⋅ 10 Kunstharz A, V

Einsatzmöglichkeiten von Einpreßgut im Fels

Öffnungsweiten s Einpreßzweck
der Hohlräume Einpreßgut (A = Abdichtung)
(V = Verfestigung)
kavernöse Strukturen, Klüfte und Zementmörtel, Zementpaste, Zement-
suspension, Tonzementsuspension, Kunstharz A, V
Störungszonen s > 10 mm
Klüfte und Risse Zementsuspension, Tonzementsuspension,
Tonzementsuspension und Silikatgel, Kunstharz A, V
100 mm > s > 0,1 mm
Klüfte und Risse s < 0,1 mm Silikatgel, Kunstharz A, V

Heute werden die Injektionen in folgende drei Hauptgruppen eingeteilt:


Zementinjektion
Die Zementinjektion ist die älteste und gebräuchlichste Art. Als Injektionsmittel wird eine Suspension
aus Wasser und Zement mit und ohne Füllstoffe (Flugasche, Gesteinsmehl, Ton) verwendet. Die
Fließfähigkeit der Suspension wird wesentlich durch das Verhältnis Wasser zu Feststoffen (W/F)
beeinflußt. Wird der Verhältniswert zu groß gewählt, besteht die Gefahr, daß sich die Ze-
mentteilchen vorzeitig absetzen. Ferner muß sehr viel überschüssiges Wasser vor Abschluß der
Injektion abgepreßt werden (Filtration), damit der Zement erhärtet. Daher versucht man den Ver-
hältniswert W/F auf den Bereich 0,5 bis 1 zu begrenzen und verbessert die Fließfähigkeit durch
Zusatz von verflüssigenden und stabilisierenden Mitteln.
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Die Zementinjektion ist nur in Kiesen mit Sandanteilen unter 20% anwendbar. Der Zementanteil
bestimmt weitgehend die Festigkeit. Es werden Druckfestigkeiten in der Größenordnung von 10
2
MN/m erreicht. Wird zur Erhöhung der Stabilität und zur Verbesserung der Fließfähigkeit Ton (z.B.
2 - 5% Bentonit) zugegeben, muß ein Rückgang der Festigkeit in Kauf genommen werden.
Chemische Injektionen (Silikatgelinjektionen)
Die Silikatgelinjektionen sind auf der Basis von Wasserglas (Natriumsilikat) aufgebaut. Sie bestehen
aus mehreren Komponenten, die miteinander reagieren. Es bilden sich ein Gel, das den Boden
verfestigt oder dichtet.
Reagieren die Komponenten sehr schnell (schlagartig), müssen sie getrennt eingepreßt werden und
vermischen sich erst im Boden (Joosten-Verfahren). Dazu werden die Injektionslanzen in Schritten
von ca. 50 cm in den Boden getrieben und dabei Wasserglas verpreßt. Beim Ziehen der Lanzen
wird an den gleichen Stellen eine Salzlösung (Chlorkalzium) eingepreßt, die eine sofortige
Versteinerung durch die Kieselsäure-Gelbildung zur Folge hat.
Bei anderen Verfahren (z.B. Monodur-Verfahren) enthält das Injektionsmittel mehrere Komponen-
ten, die erst nach einer bestimmten Zeit reagieren und ein Gel bilden. Die gewünschte Zeit kann
eingestellt werden.
Gerade bei Chemikalinjektionen ist eine Kontrolle der Eigenschaften des Einpreßgutes und des
verfestigten Bodens unerläßlich. Folgende Parameter sollten daher untersucht bzw. festgestellt
werden:
− Chemische Verunreinigungen des Anmachwassers
− Mischungsverhältnis
− Beständigkeit des erhärteten Einpreßgutes
− Festigkeitseigenschaften des verpreßten Lockergesteins
Die chemischen Injektionen sind echte Lösungen. Ihre Eindringfähigkeit ist sehr groß. Daher können
sie in Sandböden mit einem Grobschluffanteil bis zu 10% eingesetzt werden.
Kunstharzinjektionen
Kunstharze sind organische Substanzen. Kunstharzinjektionen werden vor dem Verpressen ange-
mischt. Die Reaktionszeit ist durch den Zusatz von Katalysatoren weitgehend regelbar. Die Mittel
haben i.a. eine hohe Eindringfähigkeit. Allerdings bleibt wegen der hohen Kosten ( 5 bis 30mal so
teuer wie chemische Injektionen) ihr Einsatz auf wenige Fälle beschränkt.

Injektionsgrenzen
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4.3 Injektionstechnik
Bei den meisten Injektionstechniken läuft der Arbeitsablauf in folgenden Einzelschritten ab:
− Herstellen eines Bohrloches
− Einbau von Injektionsrohren
− Anmischen des Verpreßmittels
− Einpressen
Herstellung eines Bohrloches
Bohrungen können je nach Bodenverhältnissen verrohrt oder unverrohrt hergestellt werden. Bei
unverrohrten Bohrungen wird i.a. eine Stützflüssigkeit, meist eine Bentonit-Zement-Suspension,
eingesetzt.
Einbau der Injektionsrohre
Als Injektionsrohr wird üblicherweise ein Manschettenrohr verwendet. Dies ist ein Kunststoffrohr von
ca. 30 bis 60 mm Durchmesser, das in Abständen von etwa 35 bis 50 cm ringförmig gelocht ist. Die
Öffnungen sind durch eine Gummihülle (Manschette) abgedichtet. Diese Gummihülle wirkt wie ein
Ventil, das sich beim Verpressen öffnet und nach Beendigung des Verpreßvorgangs einen Rückfluß
verhindert.

Das Manschettenrohr wird nach Beendigung


des Bohrens in das Bohrloch eingestellt. Da bei
verrohrten Bohrungen die Verrohrung für die
weiteren Bohrarbeiten benötigt wird, wird die
Verrohrung nach dem Einsetzen des Manschet-
tenrohrs gezogen. Allerdings muß vorher das
Bohrloch ähnlich wie bei der unverrohrten Boh-
rungen durch eine erhärtende Stützflüssigkeit
gesichert werden,

Herstellen einer Einführen des Einbringen der


verrohrten Manschetten- Stützflüssigkeit
Bohrung rohres und Ziehen der
Einpressen Verrohrung

Das Verpressen verläuft abschnittsweise und meist von unten nach oben. Dazu wird innerhalb des
Manschettenrohres ein Doppelpacker verfahren, der es erlaubt, gezielt jede einzelne Gummiman-
schette mit Verpreßmittel zu beaufschlagen. Durch den Verpreßdruck wird die Manschette geöffnet
und die umgebende, schon erhärtete Stützflüssigkeit aufgesprengt.

Druckluftpacker Packer mit kelchförmigen Manschetten


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Während des Verpressens ist zur Kontrolle des Erfolgs laufend die Verpreßmenge und der Druck
aufzuzeichnen. Die benötigte Verpreßmenge je Injektionsstelle wird aus dem Abstand der Injek-
tionslanzen und dem Porenvolumen des Bodens im Bereich der Reichweite im voraus berechnet.
Die Entwicklung des Drucks und der Injektionsrate (Menge/Zeit) entspricht normalerweise der fol-
genden Darstellung. Zu Beginn ist die Injektionsrate groß und der Druck steigt nur langsam mit
zunehmendem Fließweg an. Sind alle Poren gefüllt, folgt eine Phase der Verdichtung mit schnell
ansteigendem Druck und abnehmender Injektionsrate. Zum Schluß wird die Sättigungsphase er-
reicht, in der die Injektionsrate praktisch auf null abfällt.
Injektionszentrale

1: Injektionsrate Q/t in [l/min]


3 2 1 2: Einpreßdruck p in [N/mm2]
3: Verpreßtes Injektionsmittel ∑Q in [l]

2
1

Zeit t in [min]
Idealisierte Verpreßkurve

Bei Injektionsarbeiten liegen die Verpreßdrücke normaler-


weise zwischen 2 und 5 bar und die Leistungen zwischen 5
und 15 l/min.

Die Vorteile des Manschettenrohrverfahrens, bei dem die Rohre im Baugrund verbleiben, sind:
− bei Wechsellagerung von Schichten mit unterschiedlicher Durchlässigkeit können nacheinander
verschiedene Injektionsmittel verpreßt werden
− Nachinjektionen sind möglich
− Bohren und Verpressen sind getrennte Arbeitsgänge
Bei größeren Bauvorhaben oder bei schwierigen Untergrundverhältnissen sollten schon in der Pla-
nungsphase Einpreßversuche durchgeführt werden. Dadurch können die Anzahl und Anordnung der
Bohrlöcher festgelegt und die Wirkung des Einpressens vorab beurteilt werden. Dient die Injektion
der Verfestigung des Bodens z.B. bei einer Unterfangung, muß die Belastbarkeit des injizierten
Bodens durch entsprechende Versuche (z.B. Würfeldruckfestigkeit) nachgewiesen werden.

4.4 Spezielle Injektionsverfahren


4.4.1 Soil - fracturing
Injektionen können auch nach dem Soil-fracturing-Verfahren durchgeführt werden. Ein in eine Boh-
rung eingesetztes Stahlmanschettenrohr wird durch eine Mantelverpressung festgesetzt. Anschlie-
ßend wird ein Druckluftpacker an einem Injektionsschlauch im Manschettenrohr bis in die ge-
wünschte Tiefe eingeführt und das Injektionsmittel unter hohem Druck aufgegeben. Das Injek-
tionsmittel tritt aus den Ventilen aus, sprengt die Mantelmischung und spaltet (fract) den Boden. Da
im Boden die Horizontalkomponente des Überlagerungsdrucks geringer ist als die Vertikalkompo-
nente, bilden sich vorwiegend vertikale Risse. Als Injektionsmittel wird i.a. eine Bentonit-Zement-
Schlämme verwendet. Diese dringt in die gezielt hergestellten Spalten ein und erhärtet. Dadurch
entsteht ein inhomogener Verfestigungskörper aus einem möglichst gleichmäßigen Stützgerüst aus
Zementscheiben. Gleichzeitig wird der umgebende Boden um das Volumen des eingepreßten
Materials zusammengedrückt. Die Verbesserung der Tragfähigkeit beruht im wesentlichen auf der
Bildung des Zementskeletts.
Prof. Dr.-Ing. H. Frank
FH Gießen - Friedberg
Grundbau 2 Seite 95

Einbau eines Soilfrac-Lanzenfächers von einem


Hilfsschacht aus

Das Verfahren wird i.a. bei bindigen und wenig wasser-


durchlässigen Böden, die außerhalb des Einsatzberei-
ches üblicher Injektionen liegen, angewendet. Von je-
dem Verpreßventil aus kann wiederholt injiziert werden. Doppelpacker mit Manschettenrohr
Bei geeignetem Rohrmaterial ist das Ventilrohrsystem
auch nach Jahren noch einsatzfähig.
Das soil-fracturing-Verfahren ist auch bei der Hebung von Gebäuden oder zum Ausgleich uner-
wünschter Setzungen anwendbar. Dazu wird zuerst das tragfähige Zementskelett von der Tiefe her
bis unter das Fundament aufgebaut. Anschließend wird durch Einpreßen von Zement unter dem
Fundament ein Druck erzeugt, der größer ist als die vom Bauwerk ausgeübte Bodenpressung.

4.4.2 Hochdruckinjektionen (Jet-grouting, Soilcrete)


Die Arbeitsweisen sind je nach System (z.B. Soilcrete-Verfahren der Firma Keller oder HDI-System
der Firma Bauer) verschieden. I.a. wird ein Bohrgestänge mit eingebauten Injektionsdüsen mittels
Drehbohrung und Außenspülung niedergebracht. Nach Erreichen der Endteufe wird der Flüssig-
keitsstrom von Bohrspülen auf Düseninjektion umgeschaltet. Ein horizontaler Schneidstrahl aus
Wasser, Zement-Suspension oder Bentonit-Zement-Suspension fräst mit oder ohne Luftzusatz den
Boden unter großem Druck (200 bis 700 bar) während des Ziehens des Gestänges auf. Die Sus-
pension vermischt sich dabei mit dem Boden und härtet aus. Ein Teil des Bodens wird gleichzeitig
wie bei einer Dickspülung mit der überschüssigen Suspension über den Bohrlochringraum nach
oben ausgespült.
Durch das Drehen des Gestänges beim Ziehvorgang entsteht ein säulenförmiger Injektionskörper
(∅ je nach Verfahren und Bodenart von etwa 0,5 bis 2,0 m). Je nach Anordnung der Injektions-
punkte erhält man Einzelsäulen, geschlossene Wände oder miteinander verzahnte Körper. Wird das
Gestänge ohne Drehbewegung gezogen entstehen dünnere Wandscheiben (Dichtwand).

Bohren Soilcretieren Soilcretesäule Wiederholung


beginnt fertiggestellt mit
Überschneidung

Säulenreihe

Herstellung von verfestigten Bodensäulen


Injektionskörper durch
überschnittene Säulen
Prof. Dr.-Ing. H. Frank
FH Gießen - Friedberg
Grundbau 2 Seite 96

Wasser
Soilcretieren Bohren

Hochdruckpumpe

Spülpumpe

Luft

Zement Bentonit

Baustelleneinrichtung für Hochdruckinjektionen

100

Zement-
injektion
Der Vorteil von Hochdruckin-
jektionen besteht darin, daß
Chemische Injektion
die Verfahren auch in Ton-
und Schluffböden an- 50
Hochdruck-
injektion
wendbar sind, also in Böden,
bei denen die normalen
Injektionsverfahren nicht
mehr möglich sind.

0
0,002 0,06 2,0 60
Korndurchmesser [mm]
Anwendungsgrenzen