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4/2008 September/Oktober BRD e 7,50; A e 7,50; CH 13,90 SFR

BASSPLAYER’S MAGAZINE

H e es
Ch ris
op
sh
insid

Work
e

Bässe im Test
G&L L-2000 Blueburst
Sadowsky MS-4
Tom Launhardt JB 1961
Alembic Roque 5

Amps
Genz Benz Shuttle 6.0
Marshall MB 4410
Markbass F1 und Little Mark II 64 Jazz Bass
Interviews
Jack Bruce
Heavy Relic
Doug Pinnick
Tim Lefebvre

G&L L-2000 C.F. Martin Gallien-Krueger Lemmy

Blueburst Voormann Akustikbass Flaggschiff Immer Vollgas


EDITORIAL

Rock’n’Roll will never die…


Diese Plattitüde, gerne angebracht in sentimentalen Augenblicken des Genusses hand-
gemachter Musik, ist nur allzu wahr. Lebende Exempel sind Urgesteine wie Lemmy von
Motörhead oder Jack Bruce, Mitbegründer der legendären Band Cream. Beide Bassisten
kommen in dieser Ausgabe ausgiebig zu Wort. Wer von den beiden provokante Zoten
und wer selbstkritische Statements abliefert – lesen Sie selbst!

Provokant erscheint auch unser diesmaliger Boutique Bass „Lolly-Ta“ vom deutschen
Gitarrenbauer Jerry Auerswald, welcher zwanzig Jahre lang die fantasievollen Klampfen
von Prince baute. Dieser futuristisch anmutende Bass steht einer neuen Rubrik „Vintage“
gegenüber, die in dieser Ausgabe mit dem Klassiker unter den Bässen, dem Framus Star
Bass, eröffnet wird. Christian Hoyer vom Framus Museum in Markneukirchen gibt Ihnen
dazu Einblick in 50 Jahre Bassgeschichte.

Mit der Kolumne „Hier spricht Martin Engelien“, die ebendieser renommierte deutsche
Bassmann ab nun regelmäßig in bq publizieren wird, erweitern wir unser Magazin um
eine äußerst unterhaltsame Komponente. Martin Engelien plaudert dabei aus dem
Nähkästchen, beschreibt die skurrilen und lustigen Seiten des Alltags als Profibassist und
berichtet über Bass und die Welt. Ebenfalls neu: der Workshop „Hidden Treasures“, prä-
sentiert von Christoph Hees. Chris wird künftighin verborgene oder zu Unrecht vergesse-
ne Schätze aus der Musikgeschichte vorstellen und aufzeigen, was die betreffenden
Bassisten wie gespielt haben. Zur Eröffnung des Workshops wurde „Make Someone
Happy“ von Tower Of Power mit dem „Meister des Fingerfunk“ Francis „Rocco“ Prestia
ausgewählt.

Was haben wir sonst für Sie? Natürlich Bässe, Bässe und noch mal Bässe. Von erschwing-
lichen und doch qualitativ hochwertigen Bässen bis hin zu Edelbässen ist alles dabei und
wird von unserem Autorenteam auf Herz und Niere gestestet, sei es der Cort Artisan C5H,
der Tom Launhardt JB 1961, der King Blues Bass oder der Alembic Roque 5.

Die Startausgabe von bq hat für ordentlich Rummel auf dem Bassmarkt gesorgt. Von
einer Renaissance der Bassgitarre zu sprechen, wäre an dieser Stelle vermessen. Dennoch
sind wir stolz darauf, die Welt der Bassisten bereichert zu haben.

Viel Spaß beim Lesen!

Stefan Fulde & Redaktionsteam

PS: Auf vielfachen Wunsch eröffnen wir einen Marktplatz für An- und Verkäufe. Senden
Sie uns einfach eine Mitteilung, was Sie loswerden möchten oder auch suchen.
INHALT bq 4/2008

52 RKS A-Bass
Aus einer anderen Welt

86 Jack Bruce
Keinerlei Star-Allüren
114 Effekte von T-Rex
Squeezer und Sweeper

34 Cort
Elegantes Schwarz

122 Vintage
Framus Star Bass

Electrics
Interviews
10 Bass Boutique
Gesamtkunstwerk von Auerswald 26 G&L L-2000 Blueburst
Eine religiöse Erfahrung 72 Lemmy
Monolith des Rock’n’Roll
30 Alembic Roque 5
Überdurchschnittlich 76 Doug Pinnick
Bass zum Abreagieren
34 Cort Artisan C5H
Black is beautiful 80 Tim Lefebvre
Kaukasischer Rapper am Bass
Specials 36 Tom Launhardt JB 1961
Der Ton macht die Musik 84 Was sagt Tim Jürgens…
…über Bass und die Welt
3 Editorial 40 Manne Raven B4/B5
Black Korina ltd. 2008 86 Jack Bruce
6 Autorenpräsentation Teil II
Italo-Groove Immer noch Rebell
8 Momentaufnahme
44 St. Blues – King Blues Bass 92 Doug Wimbish
10 Bass Boutique König des Blues Der Bändiger der Bässe
Auerswald Lolly-Ta
48 Fender Custom 64 Jazz
14 News Bass Heavy Relic
Fetisch in aller Konsequenz
24 Momentaufnahme
52 RKS A-Bass
Amps
60 Accessories
Science Fiction
62 Kolumne 98 Genz Benz Shuttle 6.0
Hier spricht Martin Engelien
56 Sadowsky MS-4 59burst Reisen leicht gemacht
Der Wolf im Schafspelz
70 My favourite bass 102 Little Mark und F1
Die Gebrüder Markbass
Oliver Baumann und sein
Alembic Dragon Wing 106 Gallien-Krueger
96 Momentaufnahme Acoustics 2001RB Basstop
Flaggschiff
132 Media-Tipps
64 C.F. Martin 108 Marshall MB4410
146 Letzte Seite/Impressum Klaus Voormann Akustikbass Samtige Bässe, schillernde Höhen

4
B ORN TO
BE L IGHT

76 Doug Pinnick
Bass zum Abreagieren

98 Genz Benz Shuttle 6.0


Neu und reisetauglich

Effects
114 T-Rex Squeezer und Sweeper
Voll auf die Röhre
116 Pigtronix Attack Sustain
Saustarke Zukunft
118 Boss GT-10B
Der „große“ Boss

Vintage
122 Framus Star Bass
Mehr als 50 Jahre Bassgeschichte

Workshop
129 Hidden Treasures Fürther Straße 236 · 90429 Nürnberg
„Make Someone Happy“
Telefon 0911 / 31 77 41 · info@btm-guitars.de
www.btm-guitars.de
AUTOREN

BASSEQUIPMENT MEDIA-TIPPS

Thomas Ewald
Bugert Funk
Der Bassist Thomas Wie man Musikjour-
Bugert hat sein nalist wird? Entweder
Handwerk von Grund man macht eine ziel-
auf gelernt. Er stu- gerichtete Ausbildung
dierte zunächst E-Bass inklusive Studium plus
an der Frankfurter Journalistenvolontariat
Musikwerkstatt, ein Studium DML mit den und hofft außerdem
Hauptfächern E-Bass und Kontrabass folgte an der darauf, zum richtigen
Musikhochschule in Würzburg. 2005 machte Zeitpunkt am richtigen
Thomas seinen Abschluss als Diplommusiker und in Ort zu sein, oder man
Jazzkomposition. Seit 2000 unterrichtet er E-Bass macht als Quereinsteiger
und seit 2004 auch Kontrabass. Momentan arbeitet sein Hobby zum Beruf. Für den 1964 geborenen
er als Dozent für Harmonielehre und Gehörbildung Franken begann Letzteres schon sehr früh, er ist
an der Abendakademie in Mannheim und als selbstständig tätig mit seiner Agentur rcnmedia
Basslehrer an der Städtischen Musikschule und schreibt Rezensionen für bassquarterly. Die
Mosbach/Baden. Auch der Umgang mit der Feder sollen „…Spaß machen beim Lesen und neugierig
ist ihm vertraut. So schreibt er als freier Autor auf das besprochene Kunst-Stück, dann habe ich
neben bassquarterly auch für Jazz Podium und alles richtig gemacht.“ Sein persönlicher
Music tools. Geschmack steht dabei im Hintergrund, denn
„…dem Käufer sollen die Brötchen ja schmecken,
nicht dem Bäcker!“

INTERVIEWS

Carina
Prange
Michael Loesl und Coldplay
Seit mehr als einer Dekade ist Carina Prange in
Sachen Musik als Journalistin für eine Vielzahl von
Michael Loesl Fachzeitschriften unterwegs. Ihre Einsatzgebiete
reichen von Pop und Rock über Jazz und Klassik bis
hin zu Singer/Songwriter- und Weltmusikthemen.
1972 in Fort Worth bei Dallas/Texas geboren, sollte Neben der vielseitigen Arbeit im Bereich des
Michael Loesl, wie der Vater, eigentlich eine gedruckten Wortes hat sie außerdem als Chef-
Karriere im Ölgeschäft machen. Er ging 1987 als redakteurin des Onlinemagazins Jazzdimensions
Roadie mit einer bekannten texanischen Rockband einen festen Stand in den virtuellen Medien.
nach Europa und blieb der Liebe wegen dort.
Michael lebt seit 1989 als freier Autor in Aachen.
Lebensmotto: Born to eat!

6
MOMENTAUFNAHME

8
Mit Bart und Bass
Bassist und Leadsänger
Sting während eines
Konzertes mit The Police
im Ciudad de Valencia
Stadion am 2. Juli 2008.

9
BASS BOUTIQUE

Von Prince zu Nabokov


Auerswald

10
Lolly-Ta
Was hat Prince da nur für fantastische
Gitarren auf den Bühnen der Welt
gespielt? Symbolhafte, geschwungene
und gebogene Kunstwerke, die eine
Funktionalität erst auf den zweiten
Blick erkennen lassen. Wenn man
dieser Frage nachgeht, kommt man
direkt nach Konstanz. Ebendort, am
Bodensee, wohnt der Gitarrenbauer
Jerry Auerswald, welcher nahezu 20
Jahre lang die Gitarren für Prince
erschuf. Doch nicht nur Gitarren, auch
Bässe fabriziert Auerswald für Musiker
mit Ohren, Geschmack, Geld und
Geduld – bei langen Wartezeiten. Der
bassquarterly zur Verfügung gestellte
Lolly-Ta ist Einzelanfertigung und
Blickfang in einem.

Von Isaak Harding

11
BASS BOUTIQUE

Oder sollte man sagen „die“ Lolly-Ta?


Schließlich denkt man bei dem Namen Maximales Sustain
recht schnell an eine der berühmtesten Trotz und gerade wegen der verkürzten
Figuren der Literaturgeschichte, Nabokovs Mensur – Auerswald bezeichnet die Idee,
Lolita. Und tatsächlich gibt es von alles Unnötige an Masse wegzulassen, um
Auerswald eine Gitarre mit dem Namen einen perfekten, ausgewogenen Klang zu
„Lolita“, die in jeder Hinsicht als Vorgänger bekommen als „infinite“ Konstruktion –
dieses Basses gelten kann. Der gleichnami- klingt der Bass unglaublich: extreme Bässe
ge, 1955 erschienene Roman manifestierte und maximales Sustain. Kaum zu glauben
eine damals revolutionäre Art von bei diesem Prachtstück, aber das Shaping
Sexappeal. Ob dieser „kleine“ Bass einen ist bei diesem Konzept nicht so wichtig wie
ähnlichen Charme aufweist, muss jeder die Masseverteilung, die den Klang perfek-
Betrachter für sich selbst herausfinden. tioniert.

Reisebass Gesamtkunstwerk
Lolly-Ta ist eine Spezialanfertigung für Der Auerswald-Bass ist mit seiner infiniten
Stefan Hüther von Redstuff Amplification. Konstruktion eine unvergleichliche
Dieser wünschte sich einen Bass, der klein Augenweide. Aus dem Jahre 1872 stammt
und handlich genug ist, um problemlos auf das Kirschholz, das für den spitzen, kom-
Reisen mitgenommen werden zu können. pakten Korpus verwendet wurde, aus einem
Die wichtigsten Kritikpunkte waren dabei 40 Jahre alten Ahorn besteht hingegen der
zum einen der kompromisslose Sound und Hals. Somit wird Lolly-Ta zu einem
das spezielle Handling und zum anderen Gesamtkunstwerk, das den ästhetischen
eine Shortscale-Mensur, welche Hüthers Anspruch mit erlesener Materialauswahl
Gitarristenhänden entgegenkam. und klanglicher Vollkommenheit verbindet.

Details
Hersteller: Auerswald
Modell: Lolly-Ta
Herkunftsland: Deutschland
Basstyp: 5-Saiter
Korpus: Kirsche
Hals: Ahorn
Halsprofil: asymmetrisch
Mensur: Shortscale
Regler: Tone mit Zugschalter für CS/HB-Betrieb
Tonabnehmer: Auerswald handgewickelt
Mechaniken: Auerswald
Preis: auf Anfrage
www.auerswald-instruments.de

12
13
NEWS

Dave Carpenter –
rest in peace
Völlig unerwartet verstarb im Juni der Bassist Dave Carpenter an Herzversagen.
Er wurde nur 48 Jahre alt. Der in Los Angeles ansässige Musiker beherrschte den
Kontrabass ebenso wie das elektrische Instrument und ging in den Studios und Clubs
der Musikmetropole ein und aus. Zuletzt war er im Trio des Schlagzeugers Peter
Erskine aktiv.

Eine umfangreiche Würdigung des Schaffens von Dave Carpenter findet man unter
www.allaboutjazz.com/php/article.php?id=29923
Am Kontrabass: Dave Carpenter

Klein aber fein


Der kleine TecAmp Puma 350 ist da! Wer hätte ermöglicht, den Sound zusätzlich mit mehr
gedacht, dass so viel Power und guter Sound in Brillanz oder Fülle zu verfeinern. Dank seiner
solch ein kleines Kästchen passen? Das Trans- kompakten Abmessungen passt das kleine Top
portieren großer Bassanlagen scheint ein Ende in jeden Rucksack oder in die optional erhält-
zu haben, denn der neue TecAmp Puma 350 liche Amp-Tasche. Dies dürfte besonders für
wiegt mit satten 350 Watt an 4 Ohm erstaun- mobile und flexible Bassisten eine interessante
liche 2,4 kg. TecAmp bietet mit seinem neusten Alternative sein.
Topteil einen Amp, der unverfälscht den
Charakter des Basses wiedergibt. Die sehr Leistung: 350 Watt an 4 Ohm Digitales
effektive Vierband-Klangregelung lässt keine Schaltnetzteil
Soundwünsche offen. Egal ob modern oder Maße B/H/T: 27 cm x 8 cm x 23 cm
vintage, jeder kann hier seinen Favoriten fin- Gewicht: 2,4 kg
den. Das Besondere an diesem Topteil ist der Preis: 892 Euro
„Taste“-Regler. Er arbeitet wie ein Filter und Weitere Infos: www.TecAmp.de

Das neue Top von TecAmp: Puma 350

14
Gitarrenbaumeister Fritz Rössel • Weißer Gasse 5
56068 Koblenz • Telefon: +49 261 37653
Neue Aliens für
Linkshänder und
Fretless-Spieler

Galaktisch gut:
Alien Stage Bass

Bass:
Solid Ground
5 String
Der Alien Stage
Bass ist ab sofort jetzt lieferbar!
auch als Linkshänder-,
Fretless- und Linkshänder/Fretless-Version
lieferbar. Den viersaitigen Alien Acoustic
Stage Bass kann man klanglich zwischen
E- und Kontrabass einordnen. Er ermöglicht
eine Vielzahl von Ausdrucksmöglichkeiten
und erweitert die Klangpalette. Das unge-
wöhnliche Design von Cutaway und asymme-
trischem Schallloch trägt ebenfalls zur Einzig-
artigkeit dieses Instruments bei. Decke und
Boden des Aliens sind laminiert, um die
Stabilität zu erhöhen. Das prädestiniert den
Bass gerade auch für den Bühneneinsatz.
Selbst ohne Verstärkung ist der Ton des Alien
prägnant, dynamisch und ausdrucksstark, mit
einem knurrigen Ton und sattem Punch über
das gesamte Frequenzspektrum des Instru-
ments. Der Alien ist mit dem Fishman Prefix
Plus System ausgestattet. Mit dem variablen
Notch-Filter, einem Phasenumkehr-Schalter
und Reglern für Bass, Treble, Brillanz sowie
der semi-parametrisch arbeitenden Contour
stehen vielfältige Möglichkeiten zur Verfügung,
um den Sound differenziert zu modulieren.
Ein 'low battery'-Indikator informiert rechtzeitig
über eine nachlassende Kapazität der 9-Volt
Stromversorgung.

www.warwick.de
NEWS

Bunter Reigen an Fußpedalen: Effekte von T-Rex

T-Rex Effekte jetzt bei Musik & Technik

Am 1. Juli 2008 übernahm die Musik & Technik GmbH in Marburg Innovationen. Das Ergebnis sind Produkte mit einem ausgewogenen
den Vertrieb der Produkte des dänischen Herstellers T-Rex für Verhältnis von analoger Wärme und digitaler Präzision, die sowohl
Deutschland und Österreich. Mit Sitz in Vejle, Dänemark, fertigt im harten Bühnenalltag als auch im Recording Studio überzeugen
T-Rex klassische und Signature-Effektpedale. T-Rex Engineering können. Die Liste der T-Rex User wird von exquisiten Namen
wurde 1996 mit der klaren Zielsetzung gegründet, professionellen geziert: Carlos Santana, Mark Tremonti, Steve Lukather, David
Musikern erstklassiges Instrumentarium zur Verfügung zu stellen, Gilmour, Michael Angelo Batio, Pete Townshend, Gary Moore, Dave
das zweckmäßig und einfach zu bedienen ist und gleichzeitig durch Kilminster, Carl Verheyen, John Mayer, etc. Siehe auch den
innovative Ideen und hervorragende Qualität von sich reden macht. Testbericht zum T-Rex Squeezer und Sweeper von Raoul Walton in
Die Entwicklung von T-Rex Produkten ist eine Symbiose aus altbe- dieser Ausgabe.
währten, Vintage-orientierten Konzepten und modernen Hi-Tech- www.musikundtechnik.de

Sound aus Los Angeles


Einen professionellen Bass-Track für einen eigenen Song?
Klingen die programmierten Bass-Spuren statisch und un-
lebendig? Wer einen groovigen und tighten Bass direkt aus
L.A. will, der sollte sich die Website www.studiobassist.com
anschauen. Martin Motnik, der Musiker hinter StudioBassist,
hat viele Jahre als Studio- und Session-Bassist gearbeitet und
dabei mit zahlreichen Künstlern aus aller Welt gespielt, u. a.
mit Ian Paice, Gregg Bissonette, Matt Bissonette, Chad Wacker-
man, Michael Landau, Simon Phillips, Marco Minnemann,
Walfredo Reyes Jr., Graham
Bonnet, etc. Basierend auf
seinen Erfahrungen als
Studiobassist hat Martin
Motnik sein eigenes Ton-
studio in Los Angeles ent-
wickelt, das speziell für
Bassaufnahmen optimiert
wurde. Jetzt kann jeder die-
sen Sound auf der eigenen
Martin Motnik... CD haben. Ohne Flug-
tickets nach L.A., ohne
Auf www.studiobassist.com sind sämtliche Details zu erfahren.
Hotelkosten, einfach online.
Für Booking-Anfragen oder unverbindliche Informationen gibt es den
E-Mail-Link booking@studiobassist.com.
...und sein Studio

16
NEWS

Keine Rechtevergabe an Guitar Hero: Led Zep

Led Zeppelin will kein


Guitar Hero werden
Guitar Hero ist derzeit angesagt. Allein oder mit
Freunden berühmte Songs auf einer kleinen
Plastikgitarre nachzuspielen, findet immer mehr
begeisterte Anhänger. Und auch Rockbands und
Gitarrenhelden aus dem realen Leben zeigen ihr
„The Wrecking
Interesse an dem innovativen Spielkonzept und
bieten ihre Songs dazu an. Erst kürzlich kam
„Guitar Hero: Aerosmith“ auf den Markt – auch Crew"
renommierte Bands wie Van Halen, The Eagles,
Steely Dan und Guns N' Roses haben angeblich
So nannte sich die illustre Schar von Musikern
schon Verträge abgeschlossen. Die Zusammen-
um Drummer Hal Blaine, Bassistin Carol Kaye
arbeit mit Musik-Videospielen kurbelt den
und Gitarrenlegende Tommy Tedesco. Von den
Plattenverkauf kräftig an. So stieg z. B. der
Verkauf von Aerosmiths „Same Old Song And 1960er bis Mitte der 1970er waren sie verantwort-
Dance“ auf 130 Prozent nach dem Erscheinen von lich für einen Großteil der Hits, die in den Studios
„Guitar Hero: Aerosmith". Einzig die Mitglieder von Los Angeles entstanden. Beach Boys, Byrds,
um die Rocklegende Led Zeppelin sträuben sich, Mamas & The Papas, Tijuana Brass, Sonny und
ihre Songs den virtuellen Gitarristen zu überlassen. Cher und hunderte andere Künstler waren die
Der Manager von Jimmy Page, Peter Mensch, Klienten dieser Studiogang, denen in der Doku-
bestätigte, dass bereits mehrere Angebote abge- mentation „The Wrecking Crew" ein filmisches
lehnt wurden. Page, Jones & Co. wollen Außen- Denkmal gesetzt wird. Regisseur Denny Tedesco
stehenden nicht ihre Master-Tapes überlassen, so stellte sein einzigartiges Werk in diesem Frühjahr
Mensch. in den USA vor und sucht seither immer noch
einen Vertrieb.

Absolut sehenswert!

17
NEWS

Mehr Hardware
Der japanische Hardware-Produzent Gotoh hat die Nase weit
vorne was Innovation und Fertigungsstandard anbelangt.
Ständig wird nach neuen Methoden zur Verbesserung der
Produkte geforscht. Hiervon ist nicht nur das Design, sondern
hauptsächlich die Funktionalität betroffen. Im Programm von
Gotoh finden sich immer die richtigen Teile für eine Repara-
tur, ein Upgrade, oder gar einen kompletten Neubau. Der
Gerhard Knauer Großhandel hat nun auf die gestiegene Nach-
frage reagiert und sein Gotoh-Produktsortiment beträchtlich
erweitert. Endlich werden auch Produkte lieferbar sein, die
bislang in Deutschland nur schwer, bzw. gar nicht erhältlich
waren.

Mehr Infos unter www.gknauer.de

Chill Out für Bässe und Gitarren

Da Bässe und Gitarren nicht mal eben „die Füße hochlegen“ können, hat sich
K&M zu deren Entspannung etwas ausgedacht. Der neue Bass- und Gitarren-
ständer „Memphis Pro“ von König & Meyer verschafft den Instrumenten eine
sichere Ruhezone. Das patentierte Einhängesystem klemmt und sichert das
Saiteninstrument mit zwei Zapfen am Ende der Bügel durch dessen Eigen-
gewicht. Zusammengelegt passt der Ständer mit den Maßen 54 x 8,5 x 8,5 cm
selbst in den kleinsten Tourbus. Am Ort der Bestimmung entfaltet dieser sich
dann auf eine Höhe von 55 bis 110 cm. Bei so viel Komfort lässt sich der Bass
bzw. die Gitarre sicherlich gleich um einiges entspannter spielen.

Infos unter: www.k-m.de


Lass es hängen mit Memphis Pro

Noch mehr Bums


Line 6 erweitert die erfolgreiche LowDown-Bassverstärkerserie mit dem LowDown
LD400 Pro 2x10-Combo und den Tops HD400 und HD750. Diese sollen für noch
mehr „Bums“ in der Bassfraktion sorgen. Jedes Modell enthält einen Kompressor
in Studioqualität, einen Bass-Synthesizer sowie drei „Smart Control”-Effekte
(Chorus, Envelope Filter und Octaver). Auch ein chromatischer Tuner und vier
programmierbare Speicher sind an Bord (36 Speicher bei Verwendung einer
FBV-Bodenleiste von Line 6). Zudem bieten alle Verstärker einen symmetrischen
XLR Direktausgang für das Saalpult bzw. Direktaufnahmen im Studio. Der bullige
HD750 pustet 750W, der HD400 bringt 400W auf die Waage und der LD400 Pro
leistet ebenfalls 400W, die er seinen beiden 10”-Lautsprechern und einem
Hochtontreiber zufügt.
Weitere Hinweise und Infos unter www.line6.com.

Neu von Line 6: LowDown LD400 Pro


sowie die Topteile HD400 und HD750

18
Kleinmembran-Micros
Edles aus dem Wasser
& aktive 12-Zoll-Boxen

im Vergleichstest
Mit vielen Mineralstoffen:
Spector NS-4 Ltd

Der Spector NS-4


Limited Edition ist
auf weltweit 24
Exemplare limitiert.
Die ersten dieser
Bässe, die im U.S.A.
Custom Shop in
Handarbeit entste-
hen, sind nun beim
deutschen Vertrieb
Gerhard Knauer ein-
getroffen. Die
Besonderheit an den
Instrumenten ist die
Ausgabe 5.2008
Watercured
Redwood Burl-
Decke. Dieses ab 26.09.2008
im Pressehandel!
Holz ist extrem
rar. Es stammt aus
Nordkalifornien
und wird aus
Redwood- Aktuelle Tests
Stümpfen SPL Phonitor Kopfhörer-Abhörverstärker,
gewonnen, die
über 100 Jahre Cakewalk Music Creator 4, Allen & Heath
lang unter Recording Mischpult ZED R-16 und weitere...
Wasser lagen. In
dieser Zeit hat das flie-
ßende Wasser viele Mineralstoffe eingela- Vintage
gert und Harze ausgeschwemmt, wodurch Mikro-Klassiker Shure SM-57 und SM-58
ein überaus hartes, schokoladenbraunes
Holz entstand. Seine dunkle, geheimnis-
volle Maserung birgt einen ganz speziel- tools Die Marktübersicht
Top
len Reiz. Für den Spector NS-4 Ltd kom-
men nur ausgewählte Holzstücke zum 300 mit 300 Tests und
aktuellen Preisen
Einsatz. Der unverbindlich empfohlene
Verkaufspreis für den Spector NS-4 LTD
beträgt 5.995 Euro inklusive Koffer.

Infos auch unter: www.spectorbass.com

www.tools4music.de
NEWS

Das Handbuch zur


musikalischsten
Stadt Deutschlands
Mit einem neuen transparenten Mix aus Lexikon und Lektüre
fasst „Rock’n’Roots“ biografisch die wichtigsten Hamburger
Künstler, alle relevanten Szene-Clubs und Festivals zusammen.
Der in leicht verdaulichen Abschnitten aufbereitete erste
Rock’n’Roll-Reiseführer Hamburgs zeigt die Vielfalt der dortigen
Musikszene auf. Lebendig, kompetent, unterhaltsam und
benutzerfreundlich, mit allen Kontaktdaten und Discografien.
Das „Who is Who“ zum Sound einer Metropole, unzählige
Liebeserklärungen an Lieder, Menschen und große Hamburger
Gefühle.

Bestellung per Mail rau@schallundrau.de


oder unter www.schallundrau.de

Handbuch
„Rock’n’Roots“ –
Musik in Hamburg

Yamaha Billy Sheehan


Signature Bass
Seit über zwanzig Jahren stehen die Instrumente der BB-Serie in der
Gunst von Top-Bassisten wie Nathan East, Tony Kanal, Lee Sklar oder
Michael Anthony. Und bei jedem Modell, das die Serie im Laufe der Jahre
erweitert hat, waren die Designer bei Yamaha stets bestrebt, die Wünsche
der Musiker auf den Punkt zu bringen und die Latte des eigenen An-
spruchs ein Stück höher zu legen. Frei nach dem Motto „Back to the
Future“ wird die Serie jetzt mit einer komplett überarbeiteten
Neuauflage der ersten BB-Bässe geehrt. Dank ihrer perfekt geshapten
Hälse (verschraubt) sollen sich auch die neuen BBs komfortabel spielen
lassen und bieten alles, was sich anspruchsvolle Bassisten wünschen.

Details
Korpus: Erle
Hals: Ahorn
Bünde: 22
Brücke: Yamaha (chrome)
Tonabnehmer: P/Subbass-PickUp
Tuner: Gotoh
Regler: Volumen/Balance/Bass/Mitten/Höhen (aktiv)
Farben: Red Lava, Black
Ein Mann mit seinem Bass: Billy Sheehan

20
NEWS

Miller & SWR

Neu von SWR: der Marcus Miller Preamp. SWR und Marcus Miller –
einer der wohl einflussreichsten Bassisten seiner Generation – haben
sich zusammengetan, um ein ultimatives Werkzeug für den Bassisten zu
entwickeln. Oder, wie Miller selbst sagt: „Dieser Preamp ist das fehlende
Glied zwischen deinem Bass und einem großartigen Ton!” Bei der kons-
truktiven Zusammenarbeit mit den SWR-Ingenieuren hat Marcus Miller
sehr viel Wert darauf gelegt, den Amp genauestens auf seine speziellen
Anforderungen an Sound und Ton abzustimmen, ohne die Sound- und
Stilwünsche anderer Bassisten außer Acht zu lassen. Folgende spezielle
Features kündigt SWR dazu an: “Marcus Miller modified Aural Enhancer,
EQ Bypass (inclusive Aural Enhancer), Bass Intensifier circuitry, All-tube
Direct Out, SWR studioquality
tube-driven compressor, „Comp-
Position” – allows compression
pre or post EQ, boost feature with
compressor blend, 5-Year transfe-
rable warranty, made in USA” so
die Pressemitteilung von SWR
U.S.A.

Weitere Infos unter


www.swrsound.com

Neu aus dem Hause SWR:


Marcus Miller Preamp

www.bassquarterly.de
NEWS

G&L und Rotosound auf Show Tour


G&L geht ab September auf Show Tour bei einigen ausgewählten
Händlern. Da die Nachfrage nach G&L-Instrumenten stetig wächst und
die Auswahl durch die Custom Optionen ebenfalls zunimmt, will G&L
zeigen, was bei den Bässen so alles machbar ist. Zudem feiert Roto-
sound dieses Jahr 50-jähriges Jubiläum. Aus diesem Grund hat Musik
Wein Rotosound gleich mit auf den Tourplan gesetzt. Alle G&L-Instru-
mente der Ausstellung werden mit Rotosound-Saiten bestückt, so kann
man sich von der Qualität überzeugen und die Saiten auf hochwertigen
Instrumenten in Ruhe ausprobieren. Was gibt es Neues bei Rotosound?
Der Löwe ist weg! Das Rotosound-Packungsdesign wurde überarbeitet.
Die Erscheinung ist nun deutlich moderner und soll damit auch jüngeres
Klientel ansprechen.
Die Show Tour beginnt ab dem 20.09.2008 und macht dieses Jahr
zunächst bei folgenden Händlern halt:

20.09.2008 bis 18.10.2008 01.11.2008 bis 29.11.2008 13.12.2008 bis 10.01.2009


Rock Shop Musik Produktiv GmbH & Co. KG Musikhaus Kirstein GmbH
Am Sandfeld 21 Fuggerstr. 6 Bernbeurener Str. 11
76149 Karlsruhe 49479 Ibbenbüren 86956 Schongau Facelifting für die Verpackung:
Tel.: 0721/978550 Tel.: 05451-9090 Tel.: 08861/9094940 Basssaiten von Rotosound

Weitere Termine und Infos unter www.musikwein.de

Das Gegenstück dazu:


John Moyer Signature KBAl6X-JM
Übungs-Bass-Combo-Verstärker

John Moyer und Kustom


Neu aus dem Hause Warwick: Kustom John Moyer
Signature Bassbox und Übungs-Amp. Der U.S.-
Amerikanische Verstärker-Spezialist hat sich mit
John Moyer, dem renommierten Bassisten der „Multi
Platin Seller“-Band Disturbed zusammengesetzt, um
zwei „Limited Edition“ Kustom-Produkte zu entwik-
keln. Daraus wurde zunächst einmal die John Moyer
Signature G-81 OH-JM Bassbox, welche zum 1.200
Watt starken Kustom Groove Base 1300HD
Verstärker-Topteil passt. Die Kustom-Box G-81 OH-
JM ist mit acht 10"-US-Eminence-Speakern und
einem Hochtonhorn bestückt. Den Frontgrill dieser
Powerbox ziert ein Kunstwerk: Das von John Moyer
in Zusammenarbeit mit Kustom entworfene
Grafikdesign bildet das ästhetisch ansprechende
Pendant zum Sound und Druck dieser markanten
8x12"- Box. Der John Moyer Signature KBAl6X-JM
Übungs-Bass-Combo-Verstärker, ebenfalls mit kunst-
voller Grafik versehen, bringt 16 Watt Leistung und
eignet sich zum spontanen Straßengig, wie auch
zum Warm-up hinter der Bühne. Der KBAl6X-JM
bietet einen aktiven 4-Band-EQ, eingebauten Limiter,
Celestion Speaker und einen Anschluss für eine
Zusatzbox.

Weiter Infos unter www.warwick.de

Auffälliger Frontgrill:
John Moyer Signature G-81 OH-JM Bassbox

22
Alte Gitarren &
Bässe in der
Hansestadt
Vintage Guitar Show
Hamburg vom 11. bis
12. Oktober
Die Vorbereitungen zur 3. Vintage Guitar Show im „Hamburgmuseum“
haben begonnen. Neben dem Händlermarkt im Innenhof gibt es dieses
Jahr die Sonderausstellung „Vintage-Gitarren der 1960er Jahre“.
Renommierte Hersteller wie Höfner, Fender, Gretsch, Vox, TV-Jones
werden exklusive Custom Shop-Modelle zeigen und die Möglichkeit
zum Test besonderer Saiteninstrumente bieten. Auch George Gruhn
aus Nashville hat bereits zugesagt. Die Besucher kommen also ein
weiteres Mal in den Genuss, ihre Instrumente schätzen zu lassen.
Ebenso ein Highlight: Nach dem Erfolg der Fender Starclub
Stratocaster 2007 wird die Fender Beatclub Telecaster präsentiert.
Wer Gitarren und Bässe zwischendurch nicht nur sehen, sondern auch
hören will, kann sich auf ein „vielsaitiges“ Rahmenprogramm inter-
nationaler Künstler freuen oder an Workshops bekannter Musiker
teilnehmen. Ein absolutes Muss zum Stöbern, Kaufen, Tauschen –
und natürlich, um mal wieder nach Hamburg zu fahren!

Weitere Informationen gibt es bei Thomas Weilbier im


No1 Guitar Center unter:
Tel. (040) 391067-50 oder per
E-Mail an info@no1-guitars.de
www.no1-guitars.de
MOMENTAUFNAHME

24
Auf Tour
mit den Stars
Das von dem international renommierten
Bassisten und Produzenten Martin
Engelien ins Leben gerufene „Go Music
Adventure Camp“ setzt neue Maßstäbe in
Sachen Coaching für Musiker und komplet-
te Bands. Geboten wird ein unvergessliches
Live-Erlebnis der besonderen Art. Die
Teilnehmer gehen mit einer Band, die sich
aus Stars der nationalen und internationa-
len Szene zusammensetzt, gemeinsam auf
eine drei Konzerte umfassende Mini-Tour
und werden fünf Tage lang intensiv von
den Profis gecoached. So erhält jeder
Teilnehmer die Möglichkeit, Musiker aus
den Bands von z. B. Tina Turner, Anastacia,
Shakira, Simple Minds, Fanta 4, Phil Collins,
Rod Stewart, Zucchero, Helge Schneider,
Klaus Lage, etc. hautnah zu erleben und
mit ihnen von Gig zu Gig zu touren. Das ist
mehr als nur Backstage!

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„Vor Gitarren h nicht
ch n isc he A s pekte finde ic
Te
teressant.“
besonders in
GQ 12/2006)
(Tom Waits in
ELECTRICS

G&L L-2000 Blueburst

Eine religiöse Erfahrung

26
ELECTRICS

Ich habe viele, viele Bässe in meinem Leben


getestet. Aber als ich den G&L-Bass aus dem
Hause George Fullertons und Leo Fenders, dem
Papst der elektrischen Bässe, zum ersten Mal
anlässlich des Testberichtes für diese Ausgabe
von bq gespielt habe, musste ich meine bisherige
Meinung ändern. Verwirrung! Was hat dieser
Bass mit der Tradition Fenders überhaupt zu
tun? Leo, was war deine Vision bei dem L-2000?
Hilf mir!

Von Raoul Walton

Von seinem Arzt gewarnt, sich nicht zu viel Stress auszusetzen


und seine Gesundheit zu schonen, entschließt sich Leo Fender
1965, die Firma Fender Musical Instruments an CBS zu ver-
kaufen. Einen Teil des Geldes, das er für den Verkauf der
Fender Company von CBS erhielt, investierte Leo Fender in ein
großes Stück Land, welches gleich neben der alten Fender-
Fabrik lag. Die daraufhin dort entstandenen Industriegebäude
vermietete er an mehrere kleine Firmen. Um Leo Fender eine
Ehre zu erweisen, benannte die Stadt Fullerton die Straße, die in Gesprächen war und deren Geschäftsführer John C.
an seinem Grundstück vorbeiführte, „Fender Avenue“. Einige McLaren in den Augen Leos in der Lage wäre, die Geschäfte
Gebäude nutzte Leo für seine eigene Firma CLF Research. weiter zu führen. McLaren, der Leo sehr bewunderte und sich
CLF stand für Clarence Leo Fender. Hier designte und baute er seinerseits eine Zukunft von G&L im Sinne Leo Fenders vor-
Instrumente für die Firma Music Man. Die Zusammenarbeit stellen konnte, nahm die Offerte an und die Firma wurde an
zerbrach aber gegen Ende der 1970er Jahre. Leo wollte unbe- BBE Musical Instruments übertragen. Leos Witwe Phyllis ist
dingt in der Musikbranche bleiben und dieses mal auf eigene bis heute involviert. Heute wird die Produktion ganz nach
Faust eine Firma eröffnen. 1979 fragte Leo Fender seinen lang- Fenders Vorstellungen weitergeführt und selbst das kleine pri-
jährigen Freund und Mit-Designer der Stratocaster, George vate Labor von Leo, in dem er seine vielen Ideen umsetzte, ist
Fullerton, ob dieser mit ihm die Firma G&L Musical nach wie vor unberührt und so vorhanden, wie an seinem letz-
Instruments gründen wolle. Fullertons Name sollte seitens Leo ten Tag.
Fender selbstverständlich im Firmennamen enthalten sein,
schließlich kannte und vertraute man einander seit über 30 Spirit of Leo
Jahren. Das Designen und Produzieren der ersten G&L- Die Leute von G&L meinen es ernst! Als ich den Koffer aufge-
Instrumente begann somit 1980 in den alten CLF Research- macht habe, fliegen mir folgende Sätze auf einem Flyer am
Gebäuden. Headstock entgegen: „The man is gone now, but the spirit
never left us. After spending 30 years creating some of the
Die gesamte Musikwelt war geschockt, als Leo Fender im März world´s most famous guitars and basses, G&L´s founder spent
1991 starb. An seinem letzten Lebenstag stellte er den letzten the last decade of his life lavishing all the knowledge and wis-
G&L-Prototypen fertig. Bevor er starb, wollte Leo Fender dom he had acquired over the years on the creation of his
jedoch die Zukunft von G&L, seinen Mitarbeitern und seiner beloved G&L instruments…” Die Geschichte geht weiter und
Familie sicherstellen, er wollte sicher sein, dass sein Traum, die weiter. Das reicht aus, einen ersten Einblick zu bekommen.
besten Instrumente der Welt zu bauen, auch weiter verwirk- Diese Infos wirken auf mich wie Bibeltexte. Ich lese andächtig,
licht wird. Seine Frau Phyllis teilte diese Ansicht und man wähl- dann schaue ich mir den Bass genau an. Sofort fällt mir das
te die Firma BBE Sound, mit der man bereits einige Zeit zuvor Wort „sauber" ein. Der Bass ist perfekt verarbeitet, das Holz
erstklassig und die Lackierung wunderschön. Transparent
Blueburst ist der Korpus, die Decke ziert ein geschmackvolles
Woodbinding aus Ahorn. Edel! Der Ahornhals ist mit einem

27
ELECTRICS

Matt-Finish versehen. Auf der Kopfplatte befinden sich


Saitenniederhalter für die D- und G-Seite. Ebenfalls aus Ahorn
mit Matt-Finish: das Griffbrett. Sehr schöne, schwarze
Positionsmarker zeigen sich auf dem Hals, der mit sechs (!)
Schrauben am Korpus befestigt ist. Das sichert eine passge-
naue Zusammenführung von Korpus und Hals. Der Hals kann
seine Herkunft nicht leugnen! Er fühlt sich fast an wie ein tra-
ditioneller Fender-Neck. Meiner Meinung nach mid 70´s-mäßig,
stabil und hart.

Die verchromte Hardware sieht, wie auch die Brücke, sehr


ästhetisch aus. Die Brücke ist massiv, trotzdem leicht zu justie-
ren und gibt dem Bass noch einen Schub an Sustain. Das Herz
des GL-2000 sind die Pickups, „Magnetic Field Design". Für die
beiden Humbucker werden keramische Bars mit verstellbaren
Magneten-Polepieces verwendet; sie produzieren einen heiße-
ren Ausgangspegel als manch andere Pickups. Dadurch wird
eine größere Vielfalt an natürlicher Dynamik hergestellt. Die
Patentnummer lässt sich übrigens an den Seiten der Pickups
ablesen. Besonders zu erwähnen ist, dass G&L eigene
Hardware und Pickups verwendet.

Heilige Dreifaltigkeit
Die Instrumente werden per Hand lackiert, überhaupt wird
alles vom Anfang bis zum fertigen Endprodukt in der Factory
G&L produziert. Auf der Website www.glguitars.com erscheint
eine virtuelle Factory Tour. Dort kann man genau sehen, wie
die Instrumente entstehen. Äußerlich ist mein Testbass eine
sehr gelungene Arbeit, mit viel Liebe zum Detail. Der Bass ist
gebaut wie ein Kriegsschiff, eben eine wahre „weapon of bass
destruction". Jetzt wird es aber spannend! Die Elektronik: Nicht
so einfach angelegt, wie man es normalerweise erwarten wür-
de! Es gibt folgende Schalter zur Soundvariation: dreifach
Pickup Selector (Steg-PU/beide PUs/Hals-PU), zweifach seri-
ell/parallel Switch, dreifach aktiv/passiv Switch mit Preamp
aus/Preamp an/Preamp an mit Höhen-Boost-Funktion. Dazu
gesellen sich ein Volumen-, ein Treble Boost/Treble Cut- sowie
ein Bass Boost/Bass Cut Regler. Merkt man erst auf der
Bühne, dass sich der Gitarrist mal wieder die Batterie für den
Betrieb eines seiner Bodeneffekte „geliehen“ hat, ist das nicht
so schlimm. Den Bass kann man auch im passiven Modus
spielen, wenn keine Batterie angeschlossen ist. Mit diesen
Möglichkeiten kombiniert der L- 2000 Elemente aus der heili-
gen Dreifaltigkeit:
Der Vater: Fender
Der Sohn: Music Man
Der Heilige Geist: G&L
Amen!

Nach so viel Vorfreude war meine Erwartung an den Sound


extrem groß. Ich habe meine Brust mit dem heiligen Symbol
gekreuzt, Weihrauch angezündet, den L-2000 in meinen SVT
2 Amp mit 4 x 10 Box gesteckt, meine Bootsy-Brille angezogen,
Volume aufgedreht, und…und jetzt…? Wie zu Beginn schon
erwähnt, habe ich viele, viele Bässe im meinem Leben gespielt
und getestet. Aber was aus meiner Anlage kam, war nicht der
erwartete Boom of Doom, sondern eher ein extrem mittiger,
klarer Sound. Meine erste Reaktion war nicht „Geil!", sondern
„Was?“. So viel Hype und dann nur heiße Luft? Sofort bin ich
direkt an die Tonkontrolle gegangen um einen warmen, run-
den Ton zu finden. Vergebens. Aber, meine Brüder, ich war
nicht verlassen. Die Engel hatten einen Plan für mich… Ein
paar Tage später hatte ich einen Gig mit Mousse T, eine sehr
große Veranstaltung mit circa 6.000 bis 8.000 Leuten. Ich hat-
te meinen Lieblingsbass mitgebracht, der wirklich den Boom
Doom drauf hat und spielte über einen Classic Amp.
Normalerweise ist diese Kombination kein Problem, weil alle

28
ELECTRICS

Frequenzen, die man braucht, um einen guten Sound zu pro- täglichen Bassspiel kommt es selten vor, dass ich solche tiefen
duzieren, auf so einer Bühne vorhanden sind. Nur nicht an die- Bässe benutze, aber für Aufnahmen wie Club Tracks (House,
sem Tag! Der Raum hat alles, was an low mids ging, total Breakbeat, Dubstep, etc.) würde ich gerne auch diese Art von
geschluckt. Ich hatte alle Mitten an der Bassanlage aufgedreht, Sound benutzen können. Andererseits ist dieser Bass für Rock,
damit man mich hören konnte. Als das Konzert los ging, war Hardcore, Heavy Metal und Solisten die perfekte Wahl, gerade
der Bass-Sound perfekt. Es hat gar nicht mehr nasal geklun- weil er sich in diesem Frequenzbereich befindet.
gen, sondern fett. Ich habe verstanden, was Leo und George
(und Dayle Hyatt, der dritte Partner bei G&L) sich bei dem Jetzt möchte ich zu den wirklich positiven Punkten kommen.
L-2000 Bass gedacht haben: mittenlastig – für große Bühnen Man kann den Toncharakter dramatisch verändern, indem
ist das Teil! man den 3-Wege Pickup-Schalter mit dem Seriell/Parallel-
Schalter kombiniert. Ist ein P-Bass-Sound, ein Jazz Bass à la
Test back home Jaco oder Music Man-Biss von Nöten? Kein Problem, alles mög-
Also, ich bin wieder zu Hause und echt daran interessiert, dem lich mit diesem Bass. Die Tonkontrollen arbeiten auch noch im
L-2000 eine neue Chance zu geben. Die Gelegenheit kam in passiven Modusbereich, so dass sie überzeugend eine Vielzahl
Form eines Remixes für einen großen Künstler (Sorry, can´t von Vintage-Sounds produzieren. Die Seriell-Position arbeitet
say!). Der Track klang ganz okay, aber irgendwie etwas unklar besonders gut für Studioaufnahmen, die Parallel-Position ist
im Bass-Bereich. Nun wollte ich sehen was passiert, wenn ich ruhiger (kein Brummen und Summen). Auch möglich: „Turbo
den L-2000 spiele und danach die Bass-Tracks austausche. Ich Boost", wenn man auf einer großen Bühne mehr cut braucht,
bin mehr als zufrieden mit dem Resultat. Mit etwas Hilfe von oder ein Solo spielt.
meinem SVT EQ hat der Bass satt und klar im Mix gesessen.
Wie wäre es, wenn ich genau das Gegenteil an Sound haben Fazit
möchte? Wie wäre es mit einer knackigen Bass Drum und Der L-2000 ist ein Traumbass mit vielen Möglichkeiten. Für
ultratiefen lows vom Bass? Ich habe den Bass in meinen SVT eine Vielzahl von Bassisten ist dieses Instrument mit
pro eingeklinkt und versucht, einen tiefen Reggaebass zu Sicherheit unverzichtbar. Nur für die absoluten Fender-Fans
erzeugen. Nach vielen EQ-Versuchen musste ich leider feststel- könnte es etwas schwierig werden, weil – wie gesagt – der mit-
len, dass der Bass diese Tiefe nicht wirklich hergibt. Obwohl tige Charakter sehr im Vordergrund steht. Wer hat so wie Leo
der L-2000 viele Variationsmöglichkeiten besitzt, bleibt der Fender dreimal die Bass Community auf den Kopf gestellt? Am
Grundcharakter mittig und die Bässe sind höher gelegt als bei besten wäre es, wenn man alle drei Variationen von Leos Arbeit
anderen Bassgitarren. Das ist aber absolut kein Nachteil! Hier benutzen könnte. Leo Fender sei gesegnet! Der Vater, der
geht es um meinen persönlichen Geschmack. In meinem all- Sohn, der heilige Geist…Amen.

Details
Hersteller: G&L
Modell: L-2000 Blueburst
Herkunftsland: U.S.A.
Basstyp: 4-Saiter
Korpus: Swamp Ash (Sumpfesche)
Pickups: 2 x G&L MFD Humbucker
Electronik: G&L
Mechaniken: G&L ultralite
Bridge: G&L Lock Bridge
Hardware: verchromt
Preis: 1.695 Euro inklusive Koffer
Getestet mit: Ampeg SVT Pro, Ampeg SVT 2 P, Logic Pro 8.2
Vertrieb: Musik Wein GmbH

www.glguitars.com
www.musikwein.de
29
ELECTRICS

Die Instrumente von Alembic


zeichnen sich durch einen
unglaublich klaren Ton aus, der
von vielen Musikern insbesondere
im Studio geschätzt wird.
Als Perfektionisten arbeiteten die
Gründer der Firma Ron und Susan
Wickersham seit Anfang der
1970er Jahre neben der Elekronik
immer wieder auch an Design und
Bespielbarkeit. So kam es zu der
Entwicklung der Standard Series I
und II Bässe und Gitarren, die bis
heute das Flagschiff der Firma sind.
Da diese Instrumente schon zur
damaligen Zeit das Budget der mei-
sten Musiker überforderten (auch
heute kosten Series I und II Bässe
ab 14.000 Euro aufwärts; nach
oben hin gibt es keine
Grenzen!), entwickelte
Alembic einige preiswertere
Serien, die ab 1979 auf
den Mark kamen.

Von Peter Klinke

Alembic
Roque 5
30
ELECTRICS

Der erste Bass war The Distillate, seitdem folgte im Abstand


von meist zwei Jahren eine neue Serie: wie Essence, Spoiler,
Orion, Epic, Persuader, Europa, Roque, Excel, Elan, der
Classico Upright Bass, diverse Gitarrenserien und die mittler-
weile sehr begehrten Signatur-Bässe, die in Zusammenarbeit
mit Stanley Clarke, Mark King und dem leider verstorbenen
John Entwistle kreiert wurden. Das wohl berühmteste
Instrument ist der Brown Bass, bekannt geworden durch
Stanley Clarke, der von Beginn an eine bis heute andauernde
Liaison mit Alembic pflegt.

Überdurchschnittlich
Alembic Bässe stehen für einen überdurchschnittlichen
Verarbeitungs- und Performancestandard. So sind Series I und
II Bässe stereo spielbar, das heißt der Neck-Pickup und der
Bridge-Pickup sind getrennt abnehmbar durch ein spezielles
fünfpoliges Kabel, welches vom Bass direkt in das Powersupply
führt und von dort durch zwei normale Klinkenkabel den oder
die Amps speist. Auch mono ist dies von Vorteil, da sich z. B.
Effektgeräte oder Vorverstärker unabhängig voneinander zwi-
schenschalten lassen. Leider gibt es das nur bei den Series-
Instrumenten, man kann aber in der Firma auch andere Bässe
upgraden lassen.

Die Bespielbarkeit des Roque 5, den ich für einen Testbericht


zur Verfügung gestellt bekam, spricht mich besonders an. Der
Hals ist mehrfach geleimt, mit zwei Stahlstangen verstärkt,
sehr schmal und vor allem durchgehend – was einen enormen
Einfluss auf den Klang und das Sustain hat. Die Ansprache ist

hervorragend, was ein sehr dynamisches Musizieren ermög-


licht. Beim Roque 5 verwendet man für den Hals in der Regel
Ahorn und Walnuss, Hölzer die durch ihre unterschiedlichen
Eigenschaften für eine hohe Stabilität und Langlebigkeit sor-
gen. Aus hochwertigem Ebenholz ist das Griffbrett, die
Bundstäbchen sind so gesetzt, dass man die Saitenlage sehr
tief einstellen kann, alles frei von Nebengeräuschen wie
Klappern oder Schnarren. Das individuelle Nachstellen ist kin-
derleicht! Auch das Fein-Tuning für eine hohe Bundreinheit ist
kein Problem, erfordert aber etwas Zeit und Geduld, sowie
einen Satz gute Ohren. Hinzu kommen Einlagen aus Abalone.
Diese Einlagen allein sind schon ein Thema über das man ein
Buch schreiben könnte. Entworfen von Susan Wickersham,
gibt es vom einfachen Design in ovaler Form bis hin zu kom-
plexen Kunstwerken, die sich über das gesamte Griffbrett
erstrecken eine große Palette an Motiven, die meist von den
Kunden (natürlich gegen Aufpreis) direkt geordert oder z. B.
anlässlich von Firmenjubiläen kreiert werden.

31
ELECTRICS

Sandwich auf die Holzauswahl nehmen, der offizielle deutsche


Stanley Clarke besitzt einen solchen Alembic mit dem bezeich- Handelspartner Station Music ist hierbei gerne behilflich.
nenden Namen „The Dragon“, welcher übrigens die einzige
Ausnahme in der Endorsement-Politik der Firma darstellt. Der Alembic verwendet für die Deckenhölzer gerne Rosen-
Bass ist ein Geschenk von Alembic an ihn als Dank für seine holzarten, die auch optisch sehr ansprechend sind. Die
langjährige Treue zur Firma und der damit verbundenen Decke meines Roque 5 besteht aus Cocobolo, die wuchtige
Werbung. Alle anderen Instrumente musste auch er immer Tiefen und klare Höhen liefert und wunderschön anzusehen
käuflich erwerben. Zurück zu dem vorliegenden Testobjekt: ist. Der Korpus hingegen ist aus Mahagoni gearbeitet.
Der Korpus ist ebenfalls mehrlagig, Alembic selbst benutzt Abgesehen von der Tatsache, dass dieser Bass klar, brillant,
dieses Sandwich-Verfahren in Anlehnung an ein anderes fett und durchdringend klingt, sich gut in den Bandsound
bekanntes amerikanisches „Kulturgut“. Das sieht nicht nur toll einfügt (ich habe ihn bei einem Konzert getestet, die
aus sondern hat auch je nach Auswahl der Hölzer einen direk- Bandkollegen und Tontechniker waren begeistert!) und sehr
ten Einfluss auf den Gesamtklang des Basses. So variieren die variabel in der Klangeinstellung ist, zeichnet ihn vor allem
Klangeigenschaften verschiedener Hölzer von wuchtig mit prä- eines aus: This machine rocks like a good old Preci! Also nix
senten Höhen bis zu mittigeren, knurrigen Sounds. Bassisten „Hifi“! Ich habe bis dato noch nie einen so gut klingenden
mit einer gut gefüllten Brieftasche können natürlich Einfluss Bass in der Hand gehalten, der so vielseitig einsetzbar ist –
von Jazz, Funk/Slap bis Blues und Rock. Selbst mit dem
Plektrum macht er noch ein freundliches Gesicht. Das einzi-
ge was mir persönlich etwas fehlt, ist der ganz spezifische
Alembic-Sound. Mittlerweile besitze ich einen Series I von
1975 und habe einen direkten Vergleich. Der Series I hat die-
sen berühmten „growl“, was ich mit „röhren“ übersetzen wür-
de, ein spezifischer Sound, der einzigartig ist und mich seit
ich Bass spiele, fasziniert hat. Allerdings hat der Series I ein
anderes Pickupsystem (SC-1 w/hx), das sich neben anderen
Details natürlich im Preis niederschlägt. Wer aber diesbezüg-
lich nicht geschmacklich festgelegt ist, den sollte das nicht
weiter stören.

Exkurs
Das führt mich allerdings zum Hauptproblem des Roque 5: der
Preis! Natürlich hat Qualität seinen Preis und der Roque 5 ist
jeden Cent wert. Die Frage ist nur, wer kann und will das
bezahlen. 7.000 Flocken sind für einen Musiker nicht eben
aus der Portokasse zu bezahlen und so komme ich zu einem
weiteren interessanten Phänomen bei Alembic: seine
Besitzer. Wer im Internet einmal „alembic-club“ googelt,
trifft all diese Leute auf dem firmeneigenen Webportal.
Nach längeren Recherchen konnte ich zwei Spezien des
Alembic-Besitzers ausmachen. Die einen sind Profis,
die sich eben keinen alten Fender Jazz Bass aus den
1960er Jahren gekauft haben, und die anderen meist
Hobbymusiker fortgeschrittenen Alters, die sich, gut-
situiert durch einen bürgerlichen Beruf, irgend-
wann mal ihren Traum erfüllt haben. Was beide
eint ist die schon manchmal fast spirituelle Liebe
zu ihren Instrumenten.
Auf der Website gibt es einen virtuellen
Showroom, in dem die Besitzer ihre Bässe
mehrfach photographiert zur Schau stellen. Es
gibt unzählige Tipps, die mitunter sehr nütz-
lich sind, Sammler tauschen sich aus usw.
Konsens: Wer einmal so ein Instrument
besitzt, kommt meist nicht mehr davon los.

Enger Kontakt
Katalysiert wird diese Verbundenheit durch
den engen Kontakt, den man mit der Firma
Alembic halten kann. Das beginnt mit
Recherchen über Instrumente, die gebraucht
gekauft wurden und zu denen noch Fragen
offen sind (z. B. zu Hölzern, Upgrades etc.)
und endet mit wertvollen Hilfestellungen,
die Mica Wickersham, Tochter von Ron und
Susan, persönlich auf Anfrage mailt. Auch

32
ELECTRICS

telephonisch kann man sie meist problemlos erreichen.


Alembic ist ein Familienbetrieb in welchem 26 Mitarbeiter tätig
sind, eingeschlossen Ron und Susan, Opa und Oma, Tochter,
Onkel und Tante sowie einige enge Freunde. Jeder hat seinen
Bereich und so entsteht ein Produkt, das mit Liebe gefertigt
wurde. In der heutigen Zeit ist das ein wunderbares Exempel
alter Handwerkskunst.

Finale
Dieser Bass ist ein kleines Kunstwerk, an dem es absolut
nichts zu mäkeln gibt. Optik, Sound, Verarbeitung und
Spielbarkeit sind eigentlich nicht mehr zu toppen. Er setzt sich
immer durch, die H-Saite (ein Schwachpunkt bei vielen ande-
ren Bässen) ist genauso konkret wie alle anderen Saiten, das
Sustain schier unglaublich. Was mich persönlich fasziniert, ist
die klangliche Präsenz des Instrumentes. Man muss gar nicht
so viele Höhen zugeben und trotzdem ist jeder einzelne Ton
immer klar zu hören. Das ist natürlich eine Herausforderung
für den Besitzer, denn spielerische Mängel offenbaren sich
sofort. Wenn ich eine Skala von 1 bis 10 zur Verfügung hätte,
bekäme dieser Bass von mir eine glatte 10.

Details
Hersteller: Alembic
Modell: Alembic Roque 5
Herkunftsland: U.S.A.
Basstyp: 5-String
Korpus: Mahagoni
Decke: Cocobolo
Hals: 3x Ahorn mit 2x Walnuss, durchgehend
Griffbrett: Ebenholz
Finish: High Gloss Polyester with Satin Neck
Bünde: 24
Mensur: 35’’ (88,9 cm)
Regler: Volume, PU Blend, Filter Frequency,
2 Position Q Switch, Bass Cut/Flat/Boost,
Treble Cut/Flat/Boost, Led Switch On/Off
Pickups: MXY56
Elektronik: Europa Electronics, Side LEDs
Mechaniken: Gotoh
Brücke: Alembic
Gewicht: 5,23 kg
Preis: ca. 7.000 Euro
Vertrieb: Station Music

www.station-music.de
www.alembic.com

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ELECTRICS

Cort
Artisan
C5H
Für alle, an denen die Firma Cort bislang
vorübergegangen ist, sei gesagt, dass es sich
hier um ein traditionsreiches Unternehmen
handelt, welches bereits seit 1972 Bässe her-
stellt; zunächst für andere Firmen, ab 1987
unter eigenem Namen. Ein Fünfsaiter der
Cort-Schmiede sei hier vorgestellt: der
Artisan C5H.

Von Thomas Bugert

„Klassisch elegant“ ist das Erste, was mir nach dem Auspacken
in den Sinn kommt. Das liegt wohl vor allem an der matt-
schwarzen Lackierung des Cort C5H. Das weiße
Perloidbinding gibt dem Mahagonikorpus zusätzlich einen Platine liegt hier, wenn auch mit Kunststoff geschützt, lose im
sportlichen Charakter. Passend hierzu ist der Hals aus afrika- Fach. Besonders großes Vertrauen löst dieser Anblick bei mir
nischer Wenge auch angenehm schlank gehalten und lädt zu nicht aus. Da Cort dies jedoch seit vielen Jahren ohne
einem ersten Spaziergang über das Griffbrett ein. Hier sind alle Probleme so produziert, ist dies wohl eher ein subjektiv wahr-
24 Bünde bequem zu erreichen. Der C5H schmiegt sich ange- genommenes Manko.
nehm an den Körper, so dass ich mich auf Anhieb mit ihm Die zwei Humbucker im „MusicMan-Style“ sind im eigenen
wohl fühle. Da er auch mit Gurt gut ausbalanciert ist, stellt sich Werk gefertigt und speisen eine aktive Dreibandelektronik mit
gleich ein angenehmes Spielgefühl ein. Die Verarbeitung ist Bass- und Höhen-Poti, sowie einem schaltbaren Mitten-Boost.
sehr ordentlich! Nur beim Binding ist an ein paar Stellen ein Alle Regler haben sehr griffige „O-Ringe“ aus Gummi. Das fühlt
Grat zu fühlen und das Elektronikfach könnte etwas genauer sich gleich hochwertig an! Durch Ziehen am Volumenregler
gefräst sein. Mit Blick auf den günstigen Preis will ich jedoch kann der Bass bei „Stromausfall“ problemlos auf passiv
hier mal nicht so pingelig sein. geschaltet werden.

Elektronik Plug in
Die Elektronik ist in zwei Fächern untergebracht, welche beide Sehr ausgewogen und hifi-mäßig mit gutem Sustain – das ist
mit Silberfolie abgeschirmt sind. Beim Batteriefach sind zudem der erste Eindruck, den der Cort mir liefert. Mit der
extra Gewindehülsen angebracht. So können ohne Verschleiß Klangregelung sind dann auf Anhieb weitere Sounds für ver-
viele Batterien gewechselt werden. Einen kleinen Schrecken schiedene Stilistiken intuitiv einstellbar. Fazit: Cort bietet hier
bekomme ich doch, als ich das Fach der Elektronik öffne: Die eindeutig eine Menge Bass für wenig Geld!

34
ELECTRICS

Details
Hersteller: Cort
Modell: Artisan C5H
Herkunftsland: Indonesien
Basstyp: 5-Saiter
Korpus: Mahagoni
Hals: Wenge
Halsbefestigung: geschraubt
Griffbrett: Palisander
Bünde: 24
Mensur: 864 mm
Halsbreite 1./12. Bund: 45/68 mm
Regler: Volume, Blend, Bass (30 Hz +/- 11
dB), Treble (5 kHz +/- 15 dB)
Schalter: Mid Boost: (200 Hz 15 dB Boost,
700 Hz 8 dB cut)
Pickup: 2 x Cort MBA MusicMan-Style
Humbucker
Steg: EB 12
Mechaniken: BK
Preis: 369 Euro
Zubehör: Klinkenkabel, 2x Imbus
Gestestet mit: Gallien Krueger & Craftamps
Vertrieb: Gewa

http://shop.gewamusic.de
www.cort.co.kr

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ELECTRICS

Was lange
währt ...
Tom Launhardt
JB 1961

„Jazz Bass“ – was für ein Name!


Vergleichbar mit VW Käfer oder Golf.
Ewig haltbar, stabil, zuverlässig. Man
verbindet viele Erlebnisse damit. Bitte,
lieber Leser, verzeihen Sie mir den
Vergleich mit Autos, aber erstens
kommt einfach manchmal der
Autonarr in mir durch und zweitens
sehe ich den Jazz Bass tatsächlich so.
Ein Unterschied liegt aber darin, dass
auf einem Käfer oder Golf immer das
VW-Zeichen prangt. J-Bass-Versionen
gibt es mittlerweile von unzähligen
verschiedenen Herstellern, von tief-
bis hochpreisig, von Anfänger bis
Profi-Sahne-Modell. Nahezu jeder
Bassist nennt oder nannte mindestens
ein solches Modell sein Eigen. Ich
zähle mich begeistert dazu.

Von Sascha Neuhardt

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ELECTRICS

Umso gespannter war ich, als dieses Modell von Tom


Launhardt bei mir ankam. Der Name war mir ein Begriff, hat-
te ich Tom doch gerade erst vor ein paar Wochen kennenge-
lernt. Witzigerweise unterhielten wir uns unter anderem über
seinen Bass und meine Tätigkeit als Autor für bassquarterly.
Ich sagte noch: „Vielleicht teste ich mal einen deiner Bässe…“.
Und siehe da, es ist so weit! Das Leben hält eben so einige
Überraschungen bereit. Dieser hier zu testende Bass entstand
in enger Zusammenarbeit mit AER. Diese Firma ist den mei-
sten wohl bekannt; so gibt es zum Beispiel kleine, aber sehr fei-
ne und leistungsfähige Bass- und Gitarren-Amps, die diesen
Namen tragen. In unserem Fall hat AER allerdings sein Know-
how in die Entwicklung dieses Basses gesteckt. Ich packe den
Bass also aus seinem im Lieferumfang enthaltenen, hübschen
Gigbag und mache mich mit ihm vertraut.

Das Vertraute
Ich mag es, wenn ein Bass ab Werk so eingestellt ist, dass
ich ihn sofort mit auf Tour oder ins Studio nehmen könn-
te. Genauso ist es beim Launhardt-Bass. Ausgepackt,
noch nicht angeschlossen, wohlgefühlt. Denn natürlich
möchte ich erst mal den unverstärkten Sound hören.
Der gefällt mir auf Anhieb sehr gut. Satt und ausgewo-
gen säuselt mir der Sound um die Ohren. Na, vertraut
eben... Sowohl Saiten als auch Saitenlage sind für
mich perfekt. Dies halte ich für sehr wichtig, entsteht
doch beispielsweise im Laden oder am Messestand
der erste und wichtigste Eindruck für einen (evtl.
neuen) Bass. Wie oft habe ich schon katastrophal
eingestellte und mit total abgespielten Saiten
bespannte Instrumente angetestet, u. a. auch
Modelle, die mit „F“ anfangen und mit „ender“ auf-
hören. All das trifft aber nicht auf diesen JB 1961 zu,
der, wie der Name schon sagt, an das 1961er Fender-
Modell angelehnt ist. Der in Korea gefertigte Bass liegt
sehr gut in der Hand und so spiele ich einfach mal
drauf los. Ein Freund, der gerade zu Besuch und zufällig
ein begnadeter Bassist ist, nimmt das Teil in die Hand und
fühlt sich auch auf Anhieb wohl. So duellieren wir uns wild
mit wechselnden Bässen, ich hab ja ein paar zu Hause. Erstens
stellen wir fest, dass der Tom Launhardt dem originalen Fender
Jazz Bass sehr nahe kommt und zweitens, dass es immer einen
schnelleren im wilden Westen gibt, aber das tut gerade nichts
zur Sache. Räusper.
Höhenblende
Der Ton macht die Musik auf hundert Prozent:
Wie bei J-Bass-Versionen üblich, bringt der JB 1961 ein relativ lass knacken, Alter – will
hohes Gewicht auf die Waage. Das tut dem Sound gut, wie ich sagen, präsente Slap-Sounds oder
feststelle, nachdem ich den Bass verstärkt anspiele. Der massi- pumpende Achtelbässe, klar und definiert.
ve Steg verleiht dem Instrument ein schönes Sustain. Man Halstonabnehmer mit variierender
bekommt ganz leicht die typischen JB-Sounds an den Start. Höhenblende: Preci-ähnlich knochig, dreckig bis bissig, let’s
Bei der Elektronik treffen wir hier auf die altbekannte passive rock it! Bridgetonabnehmer mit ebenfalls variierender
Klangreglung. Zwei Volume- und ein Tone-Poti regeln die bei- Höhenblende: sahnig-leicht, je nach Spielart Fretless-ähnlich
den AER Vintage Special Slow Wound Singlecoils. Langer singend, jazzy, jazzy!
Name, guter Sound? Let’s check it out! Beide Pickups plus

37
ELECTRICS

Ich spiele beim Launhardt-Bass gerne mit der Höhenblende Das Besondere
und freue mich auf die Veränderung des Tons nach jeder klei- Was macht diesen Bass besonders? Was hebt ihn von den vie-
nen Bewegung am Poti. Allerdings muss ich an dieser Stelle len anderen J-Bass-Interpretationen ab? Fragen über Fragen.
erwähnen, dass mir etwas die Brillanz fehlt. Ein Portiönchen Hier möchte ich nochmal auf die von AER entwickelten
mehr Höhenreichtum hätte ich mir gewünscht. Das ist aller- Singlecoils mit Alnico-Stabmagneten hinweisen, die in
dings subjektiv und Geschmackssache. Doch insgesamt ent-
täuscht mich das Soundverhalten des Tom Launhardt nicht.
Allerdings habe ich nichts anderes erwartet, wir reden ja hier
nicht über eine Billigkopie. Doch dazu später mehr.

Glücklicherweise steht eine lange Bandprobe an, zu der


ich natürlich meinen Testbass mitnehme. Denn alleine
gespielt klingen viele Instrumente gut, die Wahrheit
stellt sich im Proberaum oder im Studio raus. Also pak-
ke ich den Bass aus und starte neugierig in die Probe.
Da die Bespielbarkeit wie schon erwähnt, super ist,
kann ich mich voll und ganz der Durchsetzung des
Instrumentes im Bandgewirre widmen. Nach ein paar
Songs fällt unserem Gitarristen auf, dass der Tom
Launhardt sehr präsent und durchsetzungsfähig ist,
was ich bestätigen kann. Man kann den Bass auf eine
angenehme Art immer orten. Ich finde, der Bass hat
einen Mittenanteil, der dafür sorgt, dass der Ton deut-
lich rüberkommt. Man nimmt nicht nur ein
Grummeln wahr. Das mag ich sehr, denn warum
übt man all diese aufwändigen Dinge, wenn es
dann eh keiner hört? Natürlich hängt das
auch immer von der Bassanlage ab, aber
der Bass ist neben dem Spieler doch
immer der wichtigste Bestandteil eines
guten Sounds.

38
ELECTRICS

„Slow Wound“-Art hergestellt werden. Eine spezielle, langwieri-


ge Art der Produktion. Laut Hersteller braucht die
Wickeldauer eines einzelnen Pickups 40 Minuten. Dadurch
soll eine „Luftigkeit“ des Sounds erreicht werden. Dies würde
mich auch in Verbindung mit der ebenfalls erhältlichen
Fretless-Version interessieren. Statt des üblichen Blechwinkels
ist am Tom Launhardt-Bass ein ebenfalls von AER konstruier-
ter Steg angebracht. Eine massive, etwas modernere
Konstruktion. Das umständliche Einfädeln der Saiten entfällt,
denn die Saitenhalter sind geschlitzt und die Saiten lassen sich
einfach einlegen. Dies kennt man schon von vielen anderen
Bässen, ist aber immer wieder angenehm. Die offenen
Stimmmechaniken arbeiten zuverlässig, sorgen aber für eine
leichte Kopflastigkeit, da ebenfalls sehr massiv. Aber das
kennt man ja von J-Bass-Typen. Für mich also weder beson- Fazit
ders, noch störend. Sehr überzeugend ist die Verarbeitung Dieser Bass orientiert sich eher an einem
des in Korea gefertigten Tom Launhardt JB 1961. Die 3 Klientel, welches sich nicht daran stört, ein
Tone Sunburst-Lackierung ist sauber aufgetragen. An paar Kröten mehr auszugeben. Das Angebot
den heller werdenden Übergängen schimmert die an J-Bass-Nachbauten ist riesig, und preislich
Maserung des Erle-Bodies durch. Der Hals aus Ahorn konkurriert die Launhardt/AER-Interpretation
ist 4-fach verschraubt und ordentlich eingepasst. mit einigen anderen Herstellern. Unter anderen
Ebenfalls sehr wertig: der Ahorn-Hals mit dem auch mit dem Original. Das könnte es meiner
Palisander-Griffbrett und den sauber eingearbeite- Ansicht nach dem Bass schwer machen.
ten Bünden. Das Holz für den Hals wird übrigens
aus Deutschland eingeflogen, um den Sound Doch die Entscheidung für ein neues Instrument
zu optimieren. Alles in allem also eine hängt von vielen Faktoren ab. Dieser JB 1961 glänzt
runde Erscheinung. mit guter Qualität, hervorragender Bespielbarkeit und
einem satten, präsenten Sound. Es lohnt sich in jedem
Fall, dem Tom Launhardt ein Auge und ein Ohr zu schen-
ken, man wird gewiss nicht enttäuscht.

Details
Hersteller: Tom Launhardt/AER Modell: Jazz
Bass 1961 Herkunftsland: Korea Korpus: Erle
Hals: Ahorn Halstyp: Jazz Bass Style Griffbrett:
Palisander (optional Ahorn) Halsbefestigung: 4-fach
verschraubt Bünde: 20 Regler: 2x Volume, 1x Höhen
Pickups: AER „Slow Wound" Pickups Mechaniken: ver-
chromt, offene Guss-Stimmmechaniken, AER Guss-Steg
Gewicht: ca. 4,3 kg Fretless: gibt es Preis: 1.220 Euro
Zubehör: Gigbag Gestestet mit: TecAmp Performer 1000,
2x12 Boxen Vertrieb: Around Music

www.aroundmusic.de
Jazz Bass & Precision Bass sind eingetragene Marken der Firma Fender

39
ELECTRICS

Manne Raven B4 und


Italo-Groove
Zugegeben: Jazzbass-Kopien gibt es nicht wenige. Wenn es

B5 Black Korina ltd. 2008 Instrumenten dieser Gattung gelingen soll, sich gegen die
aktuellen und starken Vorbilder zu behaupten, müssen sich
Bassbauer schon Einiges einfallen lassen, um nicht in
Internet-Foren ausgelacht zu werden. Die edle Manne-
Schmiede von Andrea Ballarin baut nicht nur exzellente
Gitarren – nein, sie bietet auch durchdachte Weiterent-
wicklungen des modernen Themenklassikers „Jazzbass“.

Von Christoph Hees

Wer mit schicken J-Typ-Interpretationen an das Original


herankommen oder gar mit Fender gleich ziehen will,
muss ausgeschlafen zur Sache kommen und ganz schön
was aufbieten. Und das ist mit Blick auf das aktuelle
Fender-Programm keine leichte Übung. So versuchen es
manche mit mehr Hightech, die anderen mit niedrigeren
Preisen. Wieder andere bieten tolle AAA-Minimum-Hölzer.
Und mal ehrlich, irgendwie hinterlassen doch nur wenige
Instrumente in der Disziplin „Jazzbass – nachgemacht“ eine
wirklich nachhaltigen Eindruck. Bei mir selbst hängt das
Original in der Ruhmeshalle jedenfalls ganz oben.

Erfahrungswerte + Selbstbewusstsein
Andrea Ballarin, seines Zeichens Gitarren- und Bassbauer aus
der katholischen Weberstadt Schio in den oberitalienischen
Bergen unweit Venedigs, gibt seinen auf 25 Stück weltweit
limitierten Raven-Bässen ein wunderschönes Tonholz mit:
Black Korina. Das auch als „Black African Limba“ bekann-
te Tonholz ist aufgrund seiner sehr unterschiedlichen
Dichte zwar nur mit viel Erfahrung zu verarbeiten,
belohnt aber dafür mit exzellenten tonalen Qualitäten.
Bei den Raven-Bässen bilden zwei Flügel mittig anein-
andergeleimt den Korpus. Interessanterweise hat
Ballarin den vorderen Korpusbereich, also das obere
und untere Korpushorn sowie den Halsübergang, kürzer
gestaltet, wobei das untere Horn fast schon ein wenig
stummelig wirkt. Auf diese Weise soll Kopflastigkeit vorge-
beugt werden und man spart auch etwas Gewicht. Der entste-
hende, große Cutaway-Bereich verbessert darüber hinaus die
Bespielbarkeit in den hohen Lagen.

Für den vierfach verschraubten Hals kommt bei beiden Ravens


eine dreiteilige Konstruktion zum Einsatz: ein 11-fach laminier-
ter Esche-Laminat-Kern mit zwei angeleimten Esche-Streifen.
Diese Machart soll ein hohes Maß an Attack in Kombination
mit einer überragenden Verwindungssteife liefern. Der Hals ist

40
ELECTRICS

gedeckt mit einem 3 mm starken Griffbrett aus dem unge-


wöhnlichen, dafür aber sehr festen Naturharzprodukt F-Resin.
Ganz Jazzbass-untypisch verfügt es über 24 Dunlop-
Jumbobünde. Beim Drüberpeilen gefällt mir bei beiden Bässen
die traumhafte justierte Halskrümmung.
Während Ballarin im Falle der Saitenaufhängung beim
bewährten Blechwinkel-Konzept geblieben ist, finden die
Stimm-Mechaniken auf einem gewichtsmäßig abgespeckten
Headstock Platz, der sich mit seiner spitz zulaufenden, geduck-
ten Linie bis auf die In-Line-Anordnung der Tuner so gar nicht
am Vorbild orientieren will. Das wirkt Raben-mäßig selbstbe-
wusst, sodass man diese beiden italienischen Brüder glatt als
neuzeitliche Enkel des amerikanischen Urahnen mit den
rundlichen Formen bezeichnen könnte.

Konsequent passiv
Wer zum Preis von knapp 1.700 bzw. knapp 1.790 Euro eine
aktive Elektronik erwartet, bekommt sie bei vielen
Instrumenten – bei den Raven-Bässen gibt es sie nur auf aus-
drücklichen Kundenwunsch. Sowohl der B4, als auch der B5
sind so passiv, dass es verwundert knarzt in der Modernisten-
Fraktion. Zwei Volumenregler gibt`s, eine Tonblende. Und gut is!

Damit die Ravens passiv auch klasse klingen, entwickelt und


baut Ballarin seine Pickups selbst. Äußerlich sind diese durch
nichts vom Original zu unterscheiden, also auch hier – wie
beim Blechwinkel – wieder der Rückgriff auf alte Design-
Erfahrungswerte. Besaitet sind beide Ravens mit Manne-
Saiten. Der angenehme Schwingverbund aus Nickel und Stahl
vermittelt flüssige Bewegungsfreiheit und wirkt auf den hoch-
glanzpolierten Bünden und bei perfekter Halskrümmung wie
eine entspannte Einladung zum Essen bei guten Freunden.
Nur, dass es hier Soul-Food gibt. Toll übrigens, dass beiden
Bässen neben einem soliden und praktischen Gigbag auch das
komplette Werkzeug beiliegt. Selbst Pickguard und zugehörige
Schrauben werden mitgeliefert, falls man eher Vintage-veran-
lagt ist, als holzverliebt.

Angeklemmt, geprüft, bewertet


Trocken auf dem Schoß gespielt, drohen die Ravens ohne Gurt
vom Oberschenkel zu rutschen. Ein Gurt muss also her. Auch
im Sitzen. Was sich dann zeigt, habe ich erwartet: Guter Halt
am Körper, traumhaft vertraute, leichte Bespielbarkeit.
Das Halsprofil fühlt sich cremig an, es ist irgendwie anders.
Ein asymmetrisches D-Profil für`s Wohlgefühl. Bei Manne
sagen sie „helikoidal-D“. Das klingt nach „Wissenschaft im
Dienste des Groove“!

Den ersten verstärkten Test mache ich mit dem 18 Jahre alten
AKG-241DF, einem berüchtigt trocken klingenden Hörer, der
seinen Ursprung im Rundfunkstudio hat und nichts, aber auch
gar nichts schön färbt. Quasi: mit dem polierten Alfa zum TÜV.
Die spielstarken, südlichen Individuen sollen nichts von einem
nüchternen deutschen Sachverständigen geschenkt bekom-
men. Ich will alles wissen. Nur zu dumm, dass meine
Nüchternheit Ton für Ton der Begeisterung weichen muss. Der

41
Viersaiter sitzt mir spritzig auf den Spielbeginn
Ohren, Attack-stark und dyna- Nach dem Nageltest mit dem konservativen AKG am Pult traue
misch. Der AKG hat seine liebe ich mich vor Vorfreude fast nicht, diese Manne-Brüder im
Not mit der Dynamik bei meiner edlen Black Korina an meinem abgehangenen Session-Amp
Lautstärke. Das soll man ja nicht zu testen. Der kleine Blaue bietet einen gleichermaßen musi-
machen – am iPod. Trotzdem: kalischen wie verfälschungsarmen Ton. Also erstmal alles auf
Passivsound auf hohem Mitte, kein Aural Enhancer, nix. Dann das edle Teilchen am
Niveau. Dichte Tiefmitten, Passiv-Eingang angeklemmt, Volumen auf 9 Uhr.
geschmackvoll kombi- Der Raven-Fünfsaiter fetzt dieses Mal als erster. Geslapt wie
niert mit lispelnden gezupft geht alles sehr locker von der Hand. Cremig, substanz-
Brillanzen in ange- reich, und immer dezent brillant. So finde ich das richtig gut!
nehmem Maße. Der mangelnde Obertonreichtum der B-Saite fällt zwar kaum
Sehr lecker auf, ist aber auch in dieser Situation präsent. Durch einen klei-
das ganze! nen Dreh am Amp-EQ ist das wie weggeblasen. Auch Amp und
Das tolle Speaker spielen nun mit, im Dienste des Flusses.
Nach viel Zeit und einem Gospel-Gig mit dem schönen,
unkomplizierten Fünfer kommt der Schichtwechsel.
Mein Eindruck: Die kleine Formschwäche kennt der Viersaiter
nicht. Also den EQ wieder neutral. Der B4 spielt sich in unbe-
schwerter Weise mit leichtem, schlankem und trotzdem druck-
vollen Ton ins Gedächtnis des begeisterten Testers. Immer mit
dem schönen, singenden Mittenspektrum. Aber auch fetzen
kann er, dass es eine Freude ist. Hier finden sich alle
Attribute eines guten J-Typs. Knurrig, stimmig und mit
moderner Frische spielt er seinen Twang-Faktor aus. Pops
und Thumps strahlen, Doublestops perlen, Achtel rollen,
Walkingbass klingt modern und frisch.
Wie beim amerikanischen Vorbild, könnte man mei-
nen. Nur mit einem reizvollen Hauch von italieni-
scher Leichtigkeit.

Stringspacing
von einem vollen
Zentimeter am Sat-
tel erleichtert das Spiel
ganz Jazzbass-untypisch. An der Brücke sind es beim B4
immer noch 19 mm von Saite zu Saite. Die Finger können sich
also komfortabel bewegen, ohne das Instrument als zu eng zu
empfinden. Alle Lagen sind gut erreichbar, keine Untiefen trü-
ben hier die Tiefe des Tons.

Nun der breitere Fünfsaiter. Im Handling sehr ähnlich, mit


ebenfalls 10 mm Spacing am Sattel und minimal engeren
18 mm am Blechwinkel. Klanglich im besten Sinne passiv.
Doch auch hier merkt das nicht, wer es nicht weiß: Mit strah-
lendem, tiefmittenreichem Ton groovt sich auch dieser Raven
locker durch jeden Bandsound. Kleines Handicap ist, dass die
größere Masse des breiteren Halses bei gleicher schwingender
Länge der Saiten der B-Saite minimal zu schaffen macht.
Leicht dumpfer als die strahlenden Nachbarn verrichtet sie ihr
Werk. Laut genug, aber eben etwas obertonärmer.

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ELECTRICS

Preis/Leistung
Tolles Design und mutiger Innovationsstand auf der einen Werkzeugseite sprechen für sich. Bei den gebotenen
sowie angenehmes Handling und schöner Ton auf der anderen Qualitäten gehören die Raven-Bässe von Manne auch in dieser
Seite überzeugen mich. Der komplette Lieferumfang mit styli- limitierten 2008er-Black-Korina-Auflage derzeit zum Besten,
schem Gigbag sowie die Komplettausstattung auf der was man für sein Geld bekommen kann.

DETAILS
Hersteller: Manne Guitars
Modell: Raven B4 und B5 Black Korina ltd. 2008 (25 Stück)
Herkunftsland: Italien
Basstyp: 4- & 5-String
Korpus: Korina, natural handrubbed
Hals: dreiteilig, Buche-Laminat mit Escheflügeln
Halsprofil: Asymmetrisch-D
Halsbefestigung: Schraubhals
Griffbrett: Resin
Griffbretteinlagen: Perlmutt-Dots
Bünde: 24 Jim Dunlop Jumbofrets
Mensur: 864 mm
Halsbreite 0./12. Bund: (B4) 39 mm / 51 mm (B5) 49 mm / 64 mm
Regler: Neckvolume, Bridgevolume, Höhenblende
Pickup-Schalter: 1 x Coilsplit,1 x Mute, 1 x Aktiv/Passiv
Pickups: 2 x Manne Alnico-V-Jazz-Singlecoils
Sattel: Resin
Brücke: Wilkinson Traditional
Mechaniken: Wilkinson
Gewicht: (B4) 4,4 kg (B5) 4,5 kg
Listenpreis: (B4) 1699 Euro (B5) 1789 Euro
Zubehör: Werkzeuge, Gigbag
Getestet mit: SWR Baby Baby Blue, AKG K240DF, M-Audio Monitore
Vertrieb: Blue Guitar

www.manneguitars.de www.blue-guitar.de

43
ELECTRICS

Konig des Blues


St. Blues – King Blues Bass

Memphis/Tennessee hat eine traditionsreiche musika-

lische Geschichte. Dort, wo der Blues zu Hause ist, hat

auch die Firma St. Blues ihren Sitz. Der King Blues

Bass wird zwar in Korea handgefertigt, aber die

Endmontage findet in Memphis statt.

Von Stefan Hiemer

Na dann los, auf den Deckel! Et voilà: der King Blues Bass von
St. Blues. Wie sieht der „König des Blues“ eigentlich aus? Der tet. Auch die üblichen Orientierungspunkte am Hals findet
Hals ist einstreifig aus Ahorn gefertigt und mit einem man in perfekter Manier: aus Perlmutt. In einer Reihe sind die
Palisandergriffbrett versehen. Ein von Hand geschnitzter Sattel offenen Mechaniken so an der Oberseite der Kopfplatte mon-
aus Knochen und 20 Jumbo-Bünde mit 18% Nickel- tiert, dass die Saiten in gerader Linie, ohne seitliche Spannung
Silberanteil sind in den Hals eingearbeitet und gut abgerich- am Sattel zu erzeugen, zu ihnen geführt werden.

Geschmackvoll ist der Korpus aus Esche schwarz lackiert und


mit einem cremefarbenen Schlagbrett versehen. Die St. Blues
eigenen PJ (Splitcoil und Singlecoil) Tonabnehmer sind in den
Korpus eingelassen und zeigen sich im Farbton des
Schlagbrettes. Für jeden der beiden Tonabnehmer ist ein eige-
ner Lautstärkeregler zuständig. Der passive Bass lässt sich
klanglich noch mit dem Tonblendenregler, zum Reduzieren
des Höhenanteils des Klanges, beeinflussen.

Masse und Klasse


Was mir schon beim ersten Auspacken aufgefallen ist, war sein
stolzes Gewicht von nahezu fünf Kilogramm. Hat man den
King Blues erst mal umhängen, fühlt man sich sofort wohl
damit: Die perfekte Balance verschleiert das tatsächliche
Gewicht. Eine gute Klangbrücke zwischen Saiten und Korpus
wird dadurch gewährleistet, dass die Saiten durch den Korpus
zur Brücke (string-through-body) geführt werden. Allerdings ist
das Aufziehen neuer Saiten damit etwas beschwerlicher als bei
anderen Brückensystemen.

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Esche vs. Erle
Rein optisch ist der King Blues dem Fender Precision – der
Mutter aller E-Bässe – ähnlich. Aber wie ist es mit dem Sound?
Bevor ich den Bass über den Verstärker teste, spiele ich ihn
erst einmal unplugged. Wow! Was ist das denn? Da tanzen
sogar die Hüftröllchen im Takt mit! Man spürt die Töne förm-
lich und die akustische Lautstärke ist enorm. Jetzt will ich
hören, was er über die Bassanlage bringt. Er bestätigt hier, was
er Unplugged schon angedeutet hatte. Der Output ist auch hier
höher, als ich es von den meisten aktiven Bässen kenne. Mit
dem Halstonabnehmer (P-Pickup/Splitcoil) ist der
Klangcharakter ähnlich dem des Preci, aber mit viel mehr
Dampf, Bassanteil und Sustain. Der Singlecoil am Steg klingt
mittiger, mit weniger Bassanteil und insgesamt etwas leiser. Die
Kombination beider Tonabnehmer ergänzt den kehligen
P-Sound wunderbar und ergibt einen sehr runden, ausgewoge-
nen Ton über das ganze Spektrum. Nun woran liegt es, dass
der King Blues so viel Dampf hat? Eines seiner Geheimnisse ist
wohl das Holz, aus dem er geschnitz ist. Der Korpus ist aus
Esche gefertigt, was ein höheres Gewicht als bei Erle zur Folge
hat; Letzteres wird ja bekanntlich für den Fender Precision
verwendet. Damit erklärt sich auch sein stolzes Gewicht.

Königlich aber erschwinglich


Der King Blues trägt einen bezeichnenden Namen. Mit
seinem druckvollen und durchdringenden Ton ist er
nicht nur der „König des Blues“, sondern kann auch
wegen seiner Durchsetzungsfähigkeit für viele andere
Musikrichtungen eine Bereicherung sein. Als fast durch-
wegs hochwertig ist die Verarbeitung zu bezeichnen. Die
Herstellung in Korea und die Endmontage in Memphis
ermöglichen dazu noch ein absolut akzeptables Preis-/
Leistungsverhältnis.

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ELECTRICS

Details
Hersteller: St. Blues
Modell: King Blues Bass
Herkunftsland: Korea, End-
montage: Memphis/U.S.A.
Basstyp: 4-Saiter
Korpus: Esche
Hals: Ahorn, einteilig
Halsprofil: C-Profil
Halsbefestigung: geschraubt (4 Schrauben)
Griffbrett: Palisander
Bünde: 20 Jumbo-Bünde 18% Nickel-Silber
Mensur: Longscale 864 mm (34“)
Halsbreite: 1./12. Bund: 42 mm / 55 mm
Regler: 2 x Lautstärke, Tonblende
Pickup: St. Blues custom wound PJ Set
Sattel: handgefertigter Knochensattel
Steg: St. Blues Custom (string-through-body)
Mechaniken: offene Wilkinson
Gewicht: 4,9 kg
Listenpreis: 670 Euro
Getestet mit: Sunn Topteil (1.200 W), Techline Box (4 x 12"),
Roland Bass Cube, diverse Röhrenvorstufen
Vertrieb: Taranaki Guitars

www.saintblues.com www.taranaki-guitars.de

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musik-meinl.de z mesaboogie@musik-meinl.de
ELECTRICS

Wozu einen Bass, noch dazu


einen hochwertigen Klassiker,
aus dem Custom Shop so alt
aussehen lassen? Warum baut
man ein tolles, sehr gut klingen-
des Instrument und bestückt es
dann mit rostigen Schrauben,
Pickups mit verrosteten Polepieces,
verpasst dem Lack soviel Schram-
men, Dings und Donggs? Steht das
Instrument etwa kurz vor der Einlie-
ferung in den Recyclinghof?

Von Lutz J. Mays

etisch
in aller
Konsequenz
Custom Fender 64 Jazz Bass Heavy Relic

48
ELECTRICS

Würde man so etwas z. B. mit einem Auto machen? Man stel-


le sich vor, Mercedes stellt ein neues Modell „Custom Mercedes
64er Heckflosse 190c Heavy Relic Teambuilt“ vor. Alle Teile
werden neu hergestellt, jedoch in einem herunter gekomme-
nen Gammellook und der Technologie von 1964. In die
Karosserie werden Rostflecken eingebracht, der Lack wird
schön matt geschliffen und die Spiegel ein bißchen auf „blind“
gestylt. Natürlich werden die Polster auf „durchgesessen“ und
„abgewetzt“ getrimmt und der Kofferraumdeckel von einem
Sounddesigner quietschoptimiert.
Oldtimer werden zwar mit großem Aufwand restauriert, aber es
erscheint völlig absurd, neue Fahrzeuge zu „agen“. Bei einem
neuen Instrument ist dies scheinbar etwas anderes. Wir
Bassisten ticken selbstverständlich und natürlich auch anders,
als der gemeine Kfz-Fan, oder? Was macht nun den
Unterschied zwischen Bass und Auto, zwischen einem Custom
Fender 64 Jazz Bass Heavy Relic und einem Custom Mercedes
64er Heckflosse 190c Heavy Relic?

Das psychologische Moment


Zum einen impliziert ein sehr gebraucht aussehender Bass,
dass er viel gespielt wurde, der Besitzer gilt wohl als erfahrener
Bassmann, der ein Routinier ist und viele Gigs auf dem Buckel
hat. Auch hat man den Eindruck (esoterisch, soft skills), dass
der Bass eingespielt und sein Holz gut eingeschwungen zu
Diensten steht. Dies hat für den Autoliebhaber so keine
Relevanz.
Zum anderen fühlt sich ein solches Instrument auch wirklich
gut an, der angeschliffene Lack, die abgewetzen Shapings, usw..
Und vielleicht sind sehr gute „real Vintage“-Instrumente, also
solche, die richtig alt und teuer sind, zu schade, um sie mit auf
die Bühne zu nehmen. Mal ehrlich: Wie viele der echten alten
Bässe, den wirklich guten Instrumenten, also die mit geradem
Hals, tolerablen Toleranzen in der Halstasche usw., gibt es
denn noch auf freier Wildbahn – Bässe, die den Respekt und
die Ehrfurcht auch wirklich verdienen? Diese Instrumente sind
auf jeden Fall sehr schwer und selten zu finden, da die meisten
schon fest vergeben sind. Und so erschließt sich langsam, war-
um neue Instrumente auf alt manipuliert sehr wohl ihre
Berechtigung haben. Nach diesem doch etwas philosophi-
schen Traktat nun zu unserem Objekt der Begierde.

Korpus
Da der Fender Jazzbass die zweitbekannteste elektrische
Bassgitarre auf diesem Planeten ist und die Bauweise und
Konstruktion den meisten bekannt sein dürfte, werde ich in
meinen Beschreibungen nicht ganz so sehr ins Detail gehen. In
Candy Tangerine ist der Korpus lackiert und sieht sehr mitge-
nommen aus; als sei der Bass Jahrzehnte dem härtesten
Touralltag ausgesetzt gewesen. Der handverlesene und ausge-
suchte Erlekörper hat aber bestimmt noch keinen feuchten
Übungsraum erleben müssen. Schrauben und die Brücke sind
(an-)gerostet und die Chromteile, wie Aschenbecher und Über-
rollbügel, kommen matt und verkratzt daher. Nach dem
Abbauen der Selben bemerkt man, dass selbst die Polepieces
der zwei Singlecoil Pickups verrostet wurden. Bei der Vintage-
Brücke sind nur die Reiter geaged, der Blechwinkel sieht aus
wie neu.
Nachgerüstet wirkt das weiße Pickguard. Es sieht jedenfalls
nicht so used aus wie der Rest des Basses, aber auch nicht neu.
Natürlich fehlt auch die Stütze für die Finger unterhalb der
G-Saite nicht.

49
ELECTRICS

Hals
Der gerade Ahornhals ist ein Schmuckstück. Gute Bundierung amtliche Pastorius-Klischee. Und – Herrn Miller kann man
und das schöne Palisandergriffbrett lassen einen mit der Zunge leicht mit einem gepflegten Slap zitieren, in dem man beide
schnalzen. An der Halsrückseite wurde der Nitrocellulose-Lack Pickups bis zum Anschlag aufreißt.
teilweise abgeschmirgelt. Dies sieht nicht abgespielt aus, son-
dern eher abgeschliffen (was es ja auch ist). Bei einem wirklich Ein Bass zitiert sich selbst! Der Sound ist druckvoll, durchset-
abgespielten Hals sieht man, wo sich die Angelpunkte der lin- zungsfähig und wenn man am Amp nicht zuviel rumschraubt,
ken Hand bzw. des Daumens befinden, da hier die Abnutzung hat man im Bandkontext die Macht, das amtliche
stärker ist als am Rest des Halsrückens. Das Spielgefühl ist Durchschlags-Kraftpaket. Er hat seinen eigenen Charakter, es
stark, man möchte den Hals nicht mehr aus der Hand geben. ist kein „Schönklinger“ im Sinne eines Edelbasses mit aufwen-
Die Mechaniken sind matt gearbeitet und funktionieren ein- diger Elektronik. Roher Klang ist am besten mit dem Anschlag
wandfrei. zähmbar. Durch diese Rohheit und Dynamik kann man den
Ton viel besser gestalten, als z.B. bei vielen aktiven Bässen, die
Auch wenn der Aphorismus schon so oft benutzt wurde: Man klanglichen Möglichkeiten sind deutlich größer. Die
fühlt sich gleich wie zu Hause. Dieses Gefühl wird noch unter- Verarbeitung ist hervorragend. Einzig die Werkseinstellung von
stützt durch den gut anzufassenden und geraden Hals, der Hals und Pickups sind nicht nach meinem Geschmack. Da
eben auch die bekannten Jazzbass-Maße hat, dabei noch Geschmäcker und Spielweisen bekanntlicherweise verschie-
schön satt in der Hand liegt und nicht übermäßig schmal und den sind, ist es kaum möglich, es allen recht zu machen. Und
dünn ist. Es wird klar: Auch bei mir verfehlt der geagedte Hals mit ein paar Handgriffen kann man das Instrument
mit seinem Look und Feel seine Wirkung nicht. Sehr angeneh- auch dahingehend schnell individualisieren.
mes Handling! Jetzt noch die zwei Blechkonstrukte Fender hat mit diesem Bass wieder ein-
(Aschenbecher und Überrollbügel) abmontiert und los geht mal bewiesen, das Fender nun mal
das Spielvergnügen. die bässten Fender Bässe baut.
Mythos hin oder her, auch
Klang hier wird nicht gezau-
Ja, so soll das sein, ein einwandfreier, klar definierter, klassi- bert, sondern ein-
scher Jazzbass-Ton, dem es an nichts fehlt. Der Sound kommt fach gutes Hand-
selbst trocken gespielt locker, luftig und fett daher – und wie werk geboten.
sagt man beim Automobil: Der Motor (Klang) hängt eng am
Gas (an der Saite). Eigentlich möchte ich hier mit der Beschrei-
bung des Klanges aufhören. Es ist darüber alles gesagt …

… na gut, ein paar Worte noch hierzu. Natürlich lassen sich


alle Klischees leicht abrufen, ist ja klar, denn hier haben wir es
ja mit dem Original zu tun. Ein Original, dass sich in absoluter
Topform zeigt und alle im Laufe der Jahre selbst aufgestellten
(Fender Jazzbass) Klang-Klassiker locker reproduzieren kann.

Fender Klang-Klischees
Zunächst für die, die den Klassiker noch nicht so genau ken-
nen: Die beiden passiven Singlecoil Pickups werden mit den
zwei Volume-Reglern kontrolliert (für jeden PU einen) und der
höhere Klangbereich wird mit der passiven Höhenblende in
Zaum gehalten. Den Neck Pickup leicht zurück geregelt und
den Bridgepickup voll auf – und man erhält den amtlichen
Fingerstyle-Allroundton. Den Neck Pickup komplett zu gere-
gelt, den Bridge Pickup voll auf und ein bisschen mit der
Passiven Höhenblende gespielt – und man erhält das ober -

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ELECTRICS

Details
Hersteller: Fender
Modell: Custom Fender 64 Jazz Bass Heavy Relic
Herkunftsland: U.S.A.
Basstyp: 4-String
Farbe: Candy Tangerine
Korpus: Select Alder
Hals: Maple, C Shape,
Griffbrett: Round Laminate Rosewood,
7.25” Radius (184mm)
Bünde: 20 Vintage Style Frets
Pickups: 2 Vintage Jazz Bass Single-Coil Pickups
Regler: Volume 2x, Master Tone 1x
Brücke: American Vintage Jazz Bass
Mechaniken: Vintage Style Reverse Tuning Machines
Hardware: Nickel/Chrome
Mensur: 34” (864 mm)
Width at Nut: 1.50” (38mm)
Preis: 3.869 Euro
Zubehör: Brown Tolex Case
Getestet mit: Glockenklang Amps
und Cabinets, Gallien Krueger MB150S

www.fender.de

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ELECTRICS

Science Fiction
RKS A-Bass
Sunburst Figured Top

Was geschieht, wenn ein weltbekannter Industriedesigner


Gitarrenunterricht nimmt? Es geht damit los, dass er die normalen
Gitarrenständer unpraktisch findet und mit seinem Team kurzer-
hand etwas Neues erfindet. Dann flachst ein Teammitglied:
„Lass uns doch gleich eine neue Gitarre erfinden!“ So geschehen
im Jahre 2000. Kurze Zeit und 15.000 Mannstunden Arbeit später
ist die Firma RKS (nach dem Namen des Design-Visionärs Dr. Ravi K.
Sawhney) gegründet und die erste Serie gefertigt.

Von Ingo Spannhoff

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ELECTRICS

Natürlich ist es bei der Entwicklung eines Musikinstruments


ratsam, einen professionellen Musiker an seiner Seite zu
haben. Designprofi Sawhney (er hält ca. 160 Patente aus allen
möglichen Lebensbereichen) hatte das irdische Glück, der
Rocklegende Dave Mason vorgestellt zu werden, seines
Zeichens Traffic-Mitbegründer, Mitglied der erlesenen Rock‘n
Roll Hall Of Fame und Gitarrist – häufig im Studio – bei ver-
schiedenen legendären Musikern wie z. B. den Stones
(„Beggars Banquet“).
Dave Mason zeigte sich begeistert von Sawneys revolutionären
Gitarrenkonzepten und sorgt seitdem als Mitinhaber der Firma
dafür, dass neben dem einzigartigen Design auch die Belange
des Kunden als „arbeitende Musiker“ nicht aus den Augen ver-
loren werden. Der Dritte im Bunde bei der Firmengründung
2003 war Dale Jensen, ein Pionier in der Informations-
technologie – ebenfalls ein wichtiger Aspekt für eine Firma,
welche die traditionellen Wege der Instrumentenfertigung ver-
lassen will.
Der Firmengrundsatz „Creative Destruction“ (kreative
Zerstörung) klingt dann auch mehr nach Revolution als nach
Evolution, er wird beim ersten Antesten der Produkte sofort
plausibel. Nachdem in den ersten Jahren der Schwerpunkt bei
der Entwicklung von Gitarren lag, sind seit einigen Jahren auch
verschiedene Bässe von RKS erhältlich. Die neuesten Modelle
basieren auf zwei Korpusformen (A-Bass und Impact), drei
Halsbreiten (Jazzy Narrow, Precision und Five-String, hmm…,
das kommt einem doch bekannt vor) und sind als Vier- und
Fünfsaiter erhältlich.

Konstruktion und Verarbeitung


Die Bezeichnung „Raumschiff” war der erste Eindruck von
Chefredakteur Stefan, als er mir diesen Bass per Mail avisierte,
und der sich auch mir sofort aufdrängte. Eigentlich könnte
man sogar „Raumschiff mit Landeplatz“ sagen, denn der
A-Bass besteht – wie fast alle Instrumente von RKS – aus dem
„Core“ (Kern), einem verbreiterten, durchgehenden Hals sowie
einem wuchtigen, in der Mitte großzügig ausgefrästem Korpus,
genannt „Wings“ (Schwingen, Flügel). Der Korpus bildet also
eine Art „Docking-Station“ für den Hals; es wäre auch möglich,

in wenigen Minuten einen anderen Korpus zu montieren. Die


gesamte Hardware und Elektronik befindet sich im Kern; theo-
retisch ließe sich dieser, auf ein Stativ montiert, als „Electric
Upright“ spielen. Natürlich ist das nicht der Grund für dieses
einzigartige Bauprinzip. Vielmehr soll diese „Open Architecture
Resonance“-Konstruktion das Resonanzverhalten optimieren,
die Klarheit des Tons sowie das Sustain verbessern. Optisch ist
dieser Bass einzigartig und auf eine eigenwillige Art und Weise
schön. Sofern man „anderen“ Designs gegenüber grundsätzlich
offen ist. Beinharte Traditionalisten werden sich sicherlich,
ähnlich wie z. B. beim ebenfalls sehr eigenwillig designten
Music Man Bongo, mit Grausen abwenden. Die Vorlage für die
Tribal Contours soll ja, zumindest bei den Prototypen, von
einem weiblichen Model abdigitalisiert worden sein. Na denn!

Auf jeden Fall ist der Bass handwerklich toll gemacht, und es
wurde hinsichtlich des Materials an nichts gespart. Der schön
gemaserte, einteilige Sumpfeschekorpus trägt eine mehr als
fingerdicke Riegelahorndecke, diese bildet eindeutig nicht nur
ein optisches Highlight, sondern trägt auch aktiv zum Sound
bei. Der Hals besteht aus mehreren geschmackvoll gefügten
Ahornstreifen, hier wird sich wohl schwerlich etwas verziehen.
Im Ebenholzgriffbrett finden sich nicht etwa profane
Punktmarkierungen, sondern spezielle RKS Custom Design-

53
ELECTRICS

Marker. Die Kopfplatte ist abgewinkelt, sie kommt daher völlig üblichen Hülsen, sondern durch einen massiven Messingblock.
ohne Saitenniederhalter aus. Verzichtet wurde leider auch auf Die Gurtknöpfe sind kompatibel zum Schaller Security-Lock-
einen Verstärkungs-„Knubbel“ am Hals/Kopfplattenübergang, System, sehr schön! Der verwendete Pickup stammt aus der
was diese doch recht dünne Stelle etwas anfällig gegen Bassline-Reihe von Seymour Duncan, ein fetter, gern verwen-
Halsbruch machen könnte, falls dieser recht schwere Bass ein- deter Music Man-Replacement-Humbucker. Für mich ist dieser
mal aus dem Ständer „aufs Gesicht“ fällt. Sehr hübsch der Tonabnehmer ein guter Bekannter, da mein Hauptbass, ein
polierte Scroll-Tip-Kopfplattenabschluss, der sich auch sound- Warmoth, ihn ebenfalls trägt.
lich bemerkbar machen soll. Die Elektronik ist hinten nach Eines der vielen auffälligen und einzigartigen Merkmale bei
dem Abnehmen einer Holzplatte leicht erreichbar. Die 24 mit- RKS ist zweifellos die Positionierung der Bedienungselemente.
telgroßen Bünde präsentieren sich liebevoll poliert. Die auf Sie finden sich jeweils oben und unten in dem großzügigen
Hochglanz polierte Cherry Sunburst-Lackierung ist absolut Spalt zwischen Core und Wing. Hier sind sie sehr gut zugäng-
ohne Makel ausgeführt. Ich bin sonst nicht so der Sunburst- lich, vor unbeabsichtigtem Verstellen aber bestens geschützt.
Fan, bei diesem ultramodernen Bass wirkt sie aber toll und Bei den Knöpfen selbst handelt es sich übrigens um große,
mildert als traditionelle Komponente den „Science-Fiction- gewichtete Groove Knobs, sehr griffig und geschmeidig laufend.
mäßigen“ Gesamteindruck etwas ab. Die stabile Wheel Type- Der Humbucker wird durch eine aktive Elektronik gepusht, zu
Halseinstellung scheint bei den Erbauern von High-End- Gunsten von Headroom und Rauscharmut hier gleich mit 18
Instrumenten Freunde zu finden, sie findet sich auch bei dem Volt, von zwei gut zugänglichen 9V-Blocks gespeist. Eine kom-
ebenfalls für diese Ausgabe getesteten Sadowsky-Bass. RKS plette Dreiband-Klangregelung (Lautstärke, Bässe, Mitten,
liefert den Bass in einem stabilen, hochwertigen Koffer. Höhen) ist vorhanden. Ein Passivbetrieb ist nicht vorgesehen,
was aber in der heutigen Zeit kein Problem sein sollte.
Hardware- und Elektronikausstattung Schließlich sagen die überall präsenten Sendemikros ohne
Sämtliche Metallteile des Basses (übrigens auch die des Energiespender auch keinen Mucks mehr, ein paar
Koffers) präsentieren sich in edlem Goldton. Die kleinflügeli- Ersatzbatterien sollten immer dabei sein. Der Batteriewechsel
gen, offenen Mechaniken sehen schwer nach Hip-shot aus, es ist dank der Schnellverschlüsse eine Sache von Sekunden.
handelt sich aber um Ganzmetallausführungen ohne
Kunststoffanteile. Sie laufen sehr sahnig und halten die Handling und Sound
Stimmung ausgezeichnet. Die versenkte Brückenkonstruktion Bereits beim Herausheben des Basses aus dem Koffer fällt das
gehört zum massivsten, was ich bisher zu Gesicht bekommen durchaus kernige Gewicht auf. Deutlich über fünf Kilo, das ist
habe! Die Saiten lassen sich entweder für einen schnellen auch für einen ausgewachsenen Fünfsaiter kein Pappenstiel!
Saitenwechsels direkt in die Brücke einhängen oder durch den Der kräftige Korpus mit den soliden Messingteilen fordert ohne
Korpus führen. Letzteres geschieht nicht etwa mit Hilfe der Frage seinen Tribut. Auf der anderen Seite sind Balance und
Spielkomfort des RKS beispiellos, der Hals neigt sich in einem
dezenten Winkel nach oben. Sowohl unter dem Kinn geslapt
als auch in Kniehöhe eingependelt mit dem Plektrum bearbei-
tet, macht der Bass eine ausgezeichnete Figur – natürlich auch
zwischen diesen Extremen. Die Werkseinstellung ist ausge-
zeichnet, flache, trotzdem schnarrfreie Saitenlage, das
Stringspacing ist mit 18,5 mm üblich und wird sicherlich den
meisten Spielern liegen. Der Bass liefert einen äußerst gesun-
den Output, ich muss die Gainregler von Pult bzw. Amp ein

54
ELECTRICS

gutes Stück zurückdrehen. Hier macht sich zweifellos die 18V-


Elektronik bemerkbar, in meinem gewohnten Bass (mit 9V-
Noll-Elektronik) ist der gleiche Pickup deutlich leiser. Der RKS
verfügt über ein ausgezeichnetes Sustain, trotz des durchge-
henden Halses, aber auch über den typischen „Anschlags-
knack“, der eigentlich eher Schraubhalsbässen zugeschrieben
wird. Er ist schnell und absolut slaptauglich wie beispielsweise
ein Stingray, klingt aber etwas feiner, ausgewogener und nicht
ganz so brutal stählern. Die tiefe H-Saite ist voll da, sie fällt in
keiner Weise gegenüber den anderen Saiten ab. Dank des
Humbuckers und der ordentlichen Abschirmung ist der
Betrieb brummfrei.
Richtig Spaß macht die Arbeit mit den Potis: Ohne den
Spielfluß zu unterbrechen, können die vier Groove Knobs mittels
Zeige-/Mittelfinger bzw. Daumen blitzschnell geregelt werden. Die
drei Klangregler verfügen über eine gut spürbare Mitten-
rastung, zusammen mit der leichten Gewichtung ein Traum!
Die Soundvielfalt legt den A-Bass überhaupt nicht auf eine
bestimmte Stilrichtung fest, er könnte sowohl im Rock als
auch in jazzigen Gefilden eine gute Figur machen.

Fazit
Dies ist sicherlich kein Bass für jedermann. Wer aber nicht mit
dem hundertsten Fender- bzw. Music Man-Derivat auf die
Bühne steigen möchte und bereit ist, sich mit einigen unge-
wöhnlichen, aber toll gelösten Features auseinander zu setzen,
der sollte den RKS einem ausführlichen Test unterziehen. Und
wer es etwas weniger aufwendig und exklusiv, dafür lieber
etwas günstiger möchte, findet beim deutschen Vertrieb
Thomann auch die etwas schlichteren, zum Teil auch deutlich
leichteren Brüder des Testexemplars. Übrigens: Der erwähnte
RKS-Gitarrenständer (quasi der „Startschuss“ der Firma) wurde
natürlich auch realisiert und sieht sehr gut aus!

Details
Hersteller: RKS
Modell: RKS A-Bass Sunburst Figured Top
Herkunftsland: USA
Korpus: Swamp Ash (Sumpfesche)
Decke: Figured Maple (Ahorn)
Hals: Maple (Ahorn)
Halsprofil: flaches C
Halsbefestigung: durchgehend
Griffbrett: Ebenholz
Griffbretteinlagen: RKS Custom Inlays
Bünde: 24
Mensur: 86,4 cm
Halsbreite 1./12. Bund: 46 mm/ 64 mm
Regler: „Groove Knobs” Volume, Bass, Middle,
Treble
Tonabnehmer: 1 x Seymour Duncan Bassline
Humbucker
Sattel: Knochen
Steg: Heavy Duty Precision Adjustable, vergoldet
Mechaniken: RKS Custom, vergoldet
Saitenabstand Brücke: 18,5 mm
Gewicht: 5,4 kg
Zubehör: Koffer
Preis: 2.498 Euro
Getestet mit: D.I., Green Audio Flash, Gallien
Krueger 2001RB, Trace Elliot AH100, SMX, 1210
Boxen ADA 2 x 10“, SAD 4 x 10“
Vertrieb: Musikhaus Thomann

www.rksguitars.com
www.thomann.de

55
ELECTRICS

Sadowsky
„MS-4 59burst
quilted 20th SE”
Der
Wolf
im
Schafspelz

Der New Yorker Roger Sadowsky


ist zweifellos eine der vornehmsten
Adressen, wenn es um die begehrte
Kategorie „Boutique-Fender-Lookalike” geht.
Bereits 1979 fing er an, zunächst als Ein-Mann-Firma,
Instrumente der New Yorker Profis zu reparieren und zu
veredeln – hauptsächlich Fender. Speziell seine Elektronik-
modifikationen waren sehr begehrt. Kein Wunder also, dass eine seiner
bekanntesten Modifikationen, der Marcus Miller Jazz Bass, sogar den Weg
zurück in die Fender-Serie fand.

Von Ingo Spannhoff

56
ELECTRICS

Bereits nach wenigen Jahren wurde der Ruf nach kompletten


Instrumenten aus dem Hause Sadowsky immer lauter. 1982
startete die Produktion von Instrumenten der gehobenen
Preisklasse, mit all den Features, die sich bei unzähligen modi-
fizierten Bässen bewährt hatten. Roger setzte seinen Schwer-
punkt auf das gefragteste Grundmodell, den „aktivierten“ Jazz
Bass und musste bald expandieren, weil er das Pensum allein
nicht mehr bewältigen konnte. Unzählige Profis wollten den
Bass, der ultramodern klingen konnte, ohne dabei auch ultra-
modern aussehen zu müssen. Im amerikanischen Fernsehen
dürfte ein bestimmter Sadowsky-Bass sogar der am meisten
gesehene sein: Will Lee von der täglichen „David Letterman
Show“ spielt einen. Jüngst machte die blutjunge und talentier-
te Tal Wilkenfeld Furore, als sie in der Jeff Beck-Band mit dem
berühmten Sadowsky-Ton (Jazz Bass plus „Snap“ in den
Höhen) brillierte. Mit steigenden Stückzahlen gab es auch
immer wieder Nachfragen nach etwas günstigeren Modellen,
Handarbeit „made in USA“ ist leider nicht ganz billig.
„Sadowsky Tokyo“ wurde geboren und fertigt unter strengen
Qualitätskriterien die Metro-Serie, bis auf wenige Kleinigkeiten
Zwillinge der New York-Modelle mit identischer Hardware,
Pickups und Elektronik. Lediglich in Sachen Modell- und
Farbwahl wurde das Metro-Programm gegenüber der eher
custom-orientierten USA-Fertigung etwas gestrafft. Es gibt
drei Metro-Modelle, jedes entspricht einem Modell der USA-
Serie: „Vintage“ mit 21 Bünden, J-Pickups und Pickguard,
„Standard“ identisch aber ohne Pickguard. Die „Modern“-Serie
verfügt über 24 Bünde und Soapbar-Pickups. Beim „20th SE“
handelt es sich übrigens um ein Sondermodell der „Standard“-
Serie zum zwanzigsten Jubiläum des deutschen Sadowsky-
Vertriebes Station Music. Gratulation!

Vernünftige Ansichten
Die grundsätzlichen Merkmale des originalen Jazz Bass wur-
den erhalten, also Eschekorpus, Ahornhals. Bei Sadowsky wird
das Ahorngriffbrett aufgeleimt, dies ist also kein „One Piece
Maple Neck“. Das ist erst bei genauerer Betrachtung festzustel-
len, von Weitem erkennt man es allerdings am Fehlen des typi-
schen „Skunk Stripe“ auf der Halsrückseite, wo bei Einteilern
der Stahlstab eingesetzt wird. Eine Eigenkreation stellt die
Form der Kopfplatte dar, der Fender-Kopf ist rechtlich
geschützt und darf nur mehr oder weniger fantasievoll nach-
empfunden werden, was hier aber sehr ästhetisch gelungen ist.
Etwas zierlicher zeigt sich der Korpus, maßstabsgerecht ver-
kleinert und auch etwas leichter, was aber eigentlich erst im
direkten Vergleich bemerkt wird. Ausgesprochen hübsch finde
ich die „Quilted Maple“-Decke, welche optisch eine dreidimen-
sionale Tiefe suggeriert, wie man es sonst von einigen hoch-
wertigen Gitarren (Gibson, PRS) kennt. Der Korpus besteht
aus zwei geschmackvoll „gematchten“ Stücken; das macht Mr.
Sadowsky meistens so. Einteiler würden sich seiner Meinung
nach eher verziehen, außerdem gebe es immer weniger geeig-
netes Holz in der Größe. Durchaus vernünftige Ansichten, wie
ich finde. Überhaupt wirken Sadowsky-Instrumente trotz der
zum Teil sehr schönen Hölzer immer wie gut durchdachte
„Player“ für Profis und nicht wie polierte Angeber-Bässe für die
Vitrine. Ein Schlagbrett gibt es nicht, die Elektronik ist von
hinten zugänglich. Der Hals ist natürlich einteilig ohne
Anschaffungen oder Anstachelungen, so wie es sich für diese
Preisklasse gehört. Als Griffbrettmarkierungen dienen norma-
le, dezente Dots. Sehr hell ist der gewählte Ahorn, ich persön-
lich mag leicht gelbliches Holz lieber. Doch das ist natürlich
reine Geschmackssache und so ein „Bass fürs Leben“ wie die-
ser soll ja auch beim Besitzer nachdunkeln. Der MS-4 hat übri-
gens mit 21 Bünden ein Stäbchen mehr als seine Vorbilder,
dies wurde mit einem Griffbrettüberstand realisiert. Eine dün-
ne, aber stabile Polyesterlackierung schützt den Korpus, wäh-

57
rend der Hals – eine weitere Sadowsky-Spezialität – dünn mit von statten. Zur Gurtfixierung hätte man sich allerdings ein
handfreundlicher Nitrozellulose versiegelt wurde. Die gesamte Gurthaltesystem (Schaller, Dunlop o.ä.) statt der
Holz- und Lackverarbeitung ist absolut tadellos, ich habe sel- Standardknöpfe gewünscht, schließlich sind es fast zweiein-
ten so eine exakte Halstaschenfräsung gesehen. Ein bemer- halb „Riesen“, die hier im Falle eines Falles zu Boden gehen.
kenswertes Detail ist die „Wheel Type“-Halseinstellung, die Die momentan eingesetzten Pickups sind Split Coil-
einen korpusseitigen Zugang zur Halseinstellschraube ohne Humbucker, die von DiMarzio für Sadowsky gewickelt werden
die bisherigen Ärgernisse (Hals abschrauben bzw. riesige und einen brummfreien Betrieb gewährleisten sollen. In frühe-
Aussparung) erlaubt. Der Bass kommt in einem stabilen, aber ren Modellen kamen auch schon Seymour Duncan- und EMG-
leichten Softcase, das angenehm zu transportieren ist und für Produkte zum Einsatz.
die meisten Anwendungen ausreichenden Schutz bietet. Für Als Clou und Geheimnis des Sadowsky-Sounds gilt die haus-
den harten Tourbetrieb (Transport im LKW) sollte man sich eigene Elektronik, die eigentlich recht simpel aussieht. Laut-
natürlich zusätzlich ein Flightcase anschaffen. stärke, Panorama, Bässe, Höhen, der Höhenregler ist ein Push-
Poti, welcher im gezogenen Zustand die gesamte Elektronik
Geheimnis des Sounds ausschaltet und den Ton passiv durch den Bass leitet. Diese
Der Preisklasse angemessen, verwendet Sadowsky hochwerti- Abschaltung wird man aber wohl selten brauchen, die
ge, moderne Komponenten, ohne allerdings dabei die traditio- Schaltung ist äußerst rauscharm und beide Klangregler arbei-
nelle Optik zu opfern. Zum Beispiel sehen die Mechaniken ten als „Boost-Only“. Man braucht sie nur ganz zudrehen,
nach alten „Großflüglern“ aus, tatsächlich sind es aber gewicht- schon klingt der Bass wirklich wie ein typischer Jazz Bass. Die
sparende Hipshot „Ultralites“ mit Clover-Pegs. Aus Knochen rein passiv geschaltete Variante dient aber sicherlich als
besteht der Sattel, die Brücke geht von Weitem als Blechwinkel Beruhigung für die Nerven derer, die Angst vor leeren Batterien
durch, ist aber durchaus eine massive „Bad Ass“-artige während des Gigs haben – ein Sadowsky lässt sich in einem
Konstruktion mit „Quick Release“. Die Saiten müssen also solchen Fall blitzschnell umschalten. Ein Batteriewechsel wäh-
nicht mühsam durch die ganze Brücke gefädelt werden, man rend des Sets wäre allerdings bei diesem Bass wirklich kein
hängt sie einfach ein, der Saitenwechsel geht somit blitzschnell Spaß, denn sechs Holzschrauben wollen gelöst werden, um an

58
ELECTRICS

den Energiespender heran zu kommen. Es ist nur eine Frage doch der Spruch „Weniger ist mehr!“ trifft wieder einmal ins
der Zeit, bis die Schraubenlöcher totgedreht sind, hier sollte Schwarze. Durch vorsichtiges Zumischen der Bass- und
unbedingt über ein separates Batteriefach oder alternativ über Höhenregler ergibt sich ein ungeheuer vitaler, warmer Ton,
Gewindehülsen nachgedacht werden. Letztere ließen sich der trotzdem von dem typischen „Snap“ bestimmt wird, der
natürlich auch nachrüsten, aber bei dem Preis… allen Sadowsky eigen ist: klare Höhen, hoch genug angesie-
Ist das „Schatzkästchen”, ich meine natürlich das Elektronik- delt, um nicht zu ätzen. Viele Hersteller halten sich hier leider
fach, erst einmal geöffnet, freut sich das Auge über eine kom- im eher fiesen 2KHz-Bereich auf, bei Sadowsky ist der Regler
plette Graphitlackabschirmung, perfekte Lötstellen und ein auf 4KHz abgestimmt, was beim Bass ja schon „richtige“
übersichtliches Design. Die berühmte Sadowsky-Schaltung Höhen sind. Der Bassregler ist tief (bei 40Hz) abgestimmt, bei
besteht neben den normalen Potis aus einer winzigen Platine: einer knapp ausgelegten Anlage sei daher zur Vorsicht gera-
Klasse statt Masse! ten. Wirklich extrem gut gelungen ist das Voicing der
Schaltung. Meinen Traumsound erzielte ich mit dem
Leichtgewicht Panoramaregler in Mittelstellung: Bässe halb auf, Höhen mini-
Mit lediglich 3,7 kg ist der Bass erfreulich leicht und perfekt mal weniger. Ein toller Allround-Ton, der mit dezenter
ausbalanciert, dagegen ist mein alter Esche-Prezi der reinste Kompression sowohl für Fingerstyle als auch für Slaps funk-
Bootsanker. Konsequente Materialauswahl (leichte Esche, tioniert, ohne dass ständig die Lautstärke angepasst
Leichtbaumechaniken) macht das möglich. Dank schlankem werden muss.
Hals und bauarttypischem Stringspacing (Saitenabstand an
der Brücke) von 19 mm fällt die Eingewöhnung leicht. Tja, was Summa summarum
soll man zum Handling eines Jazz Basses noch großartig Wer einen klaren, dennoch nicht sterilen, sondern
sagen, dieses Modell gilt seit Jahrzehnten als eines der ergo- eher knurrigen Sound sucht und einen „Bass fürs
nomischsten. Den New Yorkern ist es tatsächlich gelungen, Leben” möchte, der sollte sich die Sadowsky Metro-
dieses bewährte Konzept noch zu tunen. Mit diesem Serie unbedingt anhören. Natürlich kann man versu-
Instrument wird man auch stundenlange Gigs ohne chen, diesen Sound billiger zu bekommen, aber
Rückenprobleme überstehen. Die Saitenlage war ab Werk High-End-Komponenten und makellose Ver-
bzw. Vertrieb eher konservativ eingestellt: mittelhoch und arbeitung kosten nun mal Geld. Auf alle Fälle ist
völlig schnarrfrei. In wenigen Minuten konnte ich aber auch man mit dem MS-4 für jeden Anlass und jede
eine echte „Briefmarke“ mit 2-3 mm Saitenhöhe am 12. Bund Stilistik gerüstet – vereinfacht ausgedrückt: Mit diesem
realisieren, ohne den Nebengeräuschpegel nennenswert zu Teil kann man sich überall blicken lassen!
erhöhen. Der Halseinstellstab, korpusseitig, aber Dank des
genialen Einstellrades gut erreichbar, musste dafür nicht ein-
mal bemüht werden. Details:
Zum ersten Beschnuppern spielte ich den „Metro“ im heimi- Hersteller: Sadowsky
schen Musikkeller über einen neutralen Mic-Preamp in den Modell: MS-4 59burst quilted 20th SE
PC. Richtig laut getestet wurde der Bass dann im Herkunftsland: Japan
Bandproberaum mit Verstärkern von Green Audio (“Flash”) Korpus: Esche
und Trace Elliot (SMX-Preamp, 1210-Combo) über eine 4x10”- Decke: Quilted Maple (Wolkenahorn)
Box von SAD sowie direkt (AAC D.I.-Box) ins Pult. Der Hals: Ahorn, liegende Jahresringe
Passivsound bietet einen soliden, knurrigen J-Basston mit dem Halsprofil: flaches C
typischen „Nöck“ in den Mitten und gesunden, aber nicht allzu Halsbefestigung: geschraubt
dominanten Bässen. Ein Ton, den viele Toningenieure lieben Griffbrett: Ahorn
und mit dem sie bestens umgehen können. In vielen USA- Griffbretteinlagen: Dots
Tonstudios ist genau das immer noch einer der Bünde: 21
„Pflichtsounds“, den der Studiobassist einfach dabei haben Mensur: 86,4 cm
muss. Dank der gestackten Humbucker ist der Bass allerdings Halsbreite 1./12. Bund: 40 mm/ 55 mm
(im Gegensatz zum Vorbild) auch in der Nähe von Neonröhren, Regler: Volume, Panorama, Bass (40Hz), Treble (4KHz)
PC-Monitoren o. Ä. völlig brummfrei. Etwas eigenartig ist die Schalter: Push-Poti Aktiv / Passiv
Auslegung des Blend- oder Panoramareglers: Er funktioniert Tonabnehmer: 2 x Sadowsky Jazz-Style (gestackte Humbucker)
genau anders herum wie von den meisten Bässen gewohnt. Sattel: Knochen
Voll aufgedreht ertönt der Steg-Pickup allein, zugedreht ist nur Steg: Chrom
der Hals-Pickup im Spiel. Nun ja, man gewöhnt sich daran und Mechaniken: offene Hipshot Ultralite
denkt nach einigen Spielstunden nicht mehr darüber nach. Saitenabstand Brücke: 19 mm
Gewicht: 3,7 kg
Geheimwaffe Zubehör: Gigcase (Softkoffer)
So weit so gut, aber einen guten Jazz Bass-Ton bekommt man Listenpreis: 2.550 Euro
bekanntlich schon preiswerter. Greifen wir zur Geheimwaffe Getestet mit: D.I., Green Audio, Trace Elliot
aller Sadowsky-Bässe, der speziellen, zweibandigen Klang- Vertrieb: Station Music
regelung. Wer meint, hier eventuell den Mittenregler zu ver-
missen, der irrt, man vermisst ihn keine Sekunde. Seine Rolle www.station-music.de
übernimmt problemlos der Panoramaregler, der je nach Bedarf www.sadowsky.com
den breitbandig-ruhigen Hals-Pickup oder aber den mittig-knur-
renden Stegtonabnehmer in den Vordergrund treten lässt. Ich
selbst bin eine, ebenfalls sehr hochwertige, dreibandige Noll-
Klangregelung gewohnt, bei der die Potis mit einer
Mittenrastung versehen sind und sowohl die Frequenz boosten
als auch cutten können. Es kostete einige Zeit, mit der völlig
anderen Philosophie dieses Instruments zurechtzukommen,

59
ACCESSORIES

Well dressed
Levy’s Leathers – neue Gurte
Ein gut gekleideter Bassist legt nicht nur Wert auf ein schönes
Instrument und ansprechende Kleidung, sondern auch auf den
richtigen Gurt. Seit über 30 Jahren gibt es Levy-Gurte. Die
Produkte des kanadischen Herstellers werden unter höchstem
Fertigungsstandard in Winnipeg gefertigt. Mit nur 200 kanadi-
Gurte aus Wildleder mit „Urban"- schen Dollar in der Tasche und etwas Werkzeug gründete
Design (gedruckt und gestickt), Dennis Levy im Jahre 1973 die Firma Levy’s Handcrafts
Rückseite aus Wildleder und dekora- Limited, bei der heute über 200 Angestellte beschäftigt sind.
tiver Umrandung. 6,35 cm breit und Levy kann beanspruchen, mehr als nur einfache Gurte zu pro-
in der Länge von 97 cm bis 135 cm duzieren – er hat es im Laufe der Jahre geschafft, den Gurt für
verstellbar. Preis/Stück: 61,50 Euro Bass und Gitarre vom einfachen Gebrauchsgegenstand zu
einem echten Modeaccessoire avancieren zu lassen. Levy’s
Leathers bietet in seinem nicht gerade kleinen Sortiment (über
5.000 Artikel) Gurte aus den verschiedensten Materialien, wie
Wildledergurt zum Beispiel Leder, Baumwolle, Polypropylen oder auch Hanf.
mit aufgedruck- In Sachen Design und Materialauswahl versucht Levy sich stets
tem „Skull"- am Puls der Zeit zu orientieren. Die Designs der hochwertigen
Design und Gurte reichen vom klassischen Look über Country bis zum
Rückseite aus Metal-Design – für jeden Anlass und für jeden Musiker das
Leder. passende Outfit. Wir zeigen hier die neuen Gurte, die dieses
6,35 cm breit, Jahr vorgestellt wurden:
von 104 cm bis
140 cm verstell- www.levysleathers.com
bar. Preis/Stück: www.musik-meyer.de
40,90 Euro
ACCESSORIES

Ordnung
im Chaos
Power Plant

Jeder Bassist, der mit einer grö-


ßeren Anzahl an Effektgeräten
kämpft, braucht entweder
Netzteile oder Batterien. Das
kann zu einem verwirrenden
Arsenal von am Boden liegen-
den Geräten und Kabeln führen.
Abgesehen davon benötigt man
genügend freie Steckdosen. Übli-
che Multinetzteile sind in der
Regel recht teuer und die
Lösung mit starken Netzteilen
und Aufsplittkabeln erzeugt oft- Mehrere Effekte – ein Netzteil: Power Plant
mals ab mehreren Geräten ein
Brummen. Damit das Umfeld
übersichtlicher wird und weniger
Platz braucht, hat Harley Benton ein preisgünstiges 1 x 12 V DC 250 mA und 1 x 12 V AC 250 mA. Im Liefer-
Multinetzteil entwickelt: Power Plant. Für 39 Euro kann man umfang inbegriffen ist ein passendes Kabelset.
nun Ordnung am Boden schaffen. Power Plant bietet ins-
gesamt zehn Anschlussmöglichkeiten: 8 x 9 V DC 500 mA, www.thomann.de

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KOLUMNE

Hier spricht Martin Engelien

fen. Ich saß in Essen im Zimmer meines Schulfreundes Micha,


früher hat man noch Kinderzimmer gesagt. Sein Vater hörte
jenseits der geschlossenen Tür im Wohnzimmer Musik, und
durch diese Tür schoben sich so langsam aber sicher Töne
eines Basses in meine Kleinhirn-, Mittelhirn- und
Großhirnrinde, praktisch in meinen ganzen Körper. Seitdem
war ich beseelt von dem Gedanken, selber auch durch
geschlossene Türen Menschen verzaubern zu können. Der
Bass sozusagen als ein „Zauberstab“, der durch geschlossene

D as sagt man immer so leichtfertig daher. Welche Tragweite Türen wirkt. Deshalb wünschte ich mir zum 14. Geburtstag von
s c h w e r

dieser Spruch hat, kann man meistens gar nicht ermes- meiner kompletten Verwandtschaft Geld, um mir sofort am
sen, so am Anfang. Weil es ja eben schwer ist, am Anfang. nächsten Tag einen solch wunderbaren Zauberstab in Form
Eigentlich mit allem. Mit dem Erlernen eines Instrumentes eines Framus Bill Wyman Basses zu kaufen. Schon damals
ähnlich wie dem Ansprechen einer Frau oder (aus der Sicht bemerkte ich allerdings, dass aller Anfang schwer ist, aber
der Frau) eines Mannes. Das erste Spiegelei ist mit Sicherheit nicht unüberwindbar. Da ich eben ein freiwilliger Bassist bin,
auch nicht gleich perfekt geworden, da waren bestimmt ganz im Gegensatz zu den gezwungenen, die Bass spielen müssen,
schön schwarze Ränder dran. Na ja, aller Anfang ist halt nicht so weil sie die schlechteren Gitarristen in der Band sind, hatte ich
leicht, um es mal anders herum auszudrücken. Und jetzt sitze im Alter von 16 Jahren schon eine gut gebuchte Band. Und so
ich hier und schreibe meine erste Kolumne für dieses neue wurde mein Hobby alsbald mit ein wenig Geld honoriert. Ich
Bassmagazin. Um es mal auf den Punkt zu bringen: Es ist ahnte schon recht früh, dass Musik die einzige funktionieren-
nicht einfach, den Anfang zu finden. Nicht aus dem Grunde, de Weltsprache ist, die auf der ganzen Welt verstanden wird.
dass mir nichts einfällt. Da mache ich mir die wenigsten Mittlerweile habe ich weltweit mit unzähligen Musikern an den
Gedanken zu. Eher aus dem Grunde, dass ich mich gar nicht verschiedensten, teilweise unmöglichsten Orten zusammenge-
entscheiden kann, womit ich denn eigentlich anfangen soll, spielt, wo immer es eine Steckdose gab. Tja, ich habe immer
weil ich eine ganze Menge erlebt habe. Und das darf und wer- noch Spaß an meinem Hobby. Und das Finanzamt besteht
de ich euch von jetzt ab in den nächsten Ausgaben vor die immer noch auf Steuerzahlungen. Es ist schon ein Kreuz mit
Augen werfen. dieser Art von Ämtern.
i s t

Nun gut, dann werde ich mich am Anfang mal allen denen vor- Wenn ihr es nervlich verkraftet, dann erzähle ich euch fortan
stellen, die mich noch nicht kennen, weil sie vielleicht noch ein paar der kuriosesten Begebenheiten, die mir auf meinen
sehr jung sind. Denn ich bin wirklich schon ein Veteran auf Reisen um den Globus in Ausübung meines Hobbys widerfah-
dem Tiefton-Sektor. Bass spiele ich seit 38 Jahren. Seit 30 ren sind. Doch jetzt muss ich erst mal das Haus verlassen,
Jahren bezeichnet mich das Finanzamt als Profi, obwohl ich mein Bass ruft nach mir.
dort immer wieder beteuere, dass ich Musik nur als Hobby
betreibe. Die wollen mir partout nicht glauben! Aber es ist so.
A n f a n g

„Richtige“ Arbeit ist doch, wenn man z. B. morgens gegen 5:30


Uhr aufstehen muss, sich mit Hammer und Meißel aus dem
Bett zwingt, um mit dem Fahrrad durch den Regen zu einer rie-
sengroßen Werkshalle zu fahren. Dort angekommen, stellt
man sich an so Dinge, die man gemeinhin Fließband nennt
und kloppt den ganzen Tag mit dem Hammer auf ein und die-
selbe Stelle. So was ist Arbeit. Schwerste Arbeit sogar.

Was ich mache ist dagegen freiwillige, exzessive Freizeit-


gestaltung, meistens am Abend zu meiner und einiger anderer
Leute Erbauung. Ich habe Spaß daran – und meine Zuhörer
auch. Ich trinke dazu ein Bierchen und früher konnte man
auch noch dabei rauchen. Die Damen und Herren des
Finanzamtes meinen allerdings, wenn man wie ich bis jetzt auf
über 150 CD-Produktionen mitgespielt hat, welche sich insge-
samt mehr als 10 Millionen mal verkauft haben, obendrein
mehr als 200 Major TV Einsätze hatte, von „Wetten dass…“ bis
A l l e r

„ZDF Hitparade“, einige Platin- und Goldauszeichnungen zu


Hause an der Wand hängen hat, dann könnte man nicht unbe-
dingt von einem Hobby reden und sollte dann auch Steuern
zahlen. Nennt man diese dann Vergnügungssteuern? Ich habe
es noch nicht heraus bekommen. Die vom Finanzamt meinen
auf jeden Fall, dass sie mir das als Beruf anrechnen müssen,
obwohl ich gar keine Ausbildung dazu habe.
Ich selbst könnte es allenfalls als Berufung durchgehen lassen,
was es ja letztendlich auch wirklich ist. Denn der Bass hat
mich im Alter von 13 Jahren durch eine geschlossene Tür geru-

62
Man muss Kleineres loslassen
loslassen, um Größeres fassen
zu können.
Sprenge Deine Fesseln und nimm Dir die Freiheit,
die Du brauchst.
Lars Lehmann setzt zu jeder Zeit auf den
MusicMan StingRay. Zu jedem Job, auf jeder
Bühne, egal welcher Stil.
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ACOUSTICS

Wie schafft man es, mit kaum mehr als


einem Bleistift und einer Bassgitarre eine Kerbe in
die Geschichte des Rock'n'Roll zu schnitzen? Nun,
das sollte man am besten Klaus Voorman fragen.
Im vergangenen April feierte Klaus Voormann sei-
nen 70. Geburtstag. Den größten Teil seiner
Lebensjahre hat er stets dem Vorhaben gewidmet,
sowohl den Look als auch den Sound des
Rock'n'Roll voranzutreiben. Zwar ist er den meisten
durch seine langjährige Freundschaft und intensive
Zusammenarbeit mit den Beatles und natürlich
auch – als Nachfolger von Jack Bruce – als Bassist
der Manfred Mann Band bekannt, doch sind diese
beiden Tatsachen nur die Spitze eines ziemlich
hohen Eisbergs.

Von Fontaine Burnett

Kunst für die Augen,


Kunst für die Ohren
B-28KV Martin – Klaus Voormann

Klaus Voorman genießt einen glänzenden Ruf als vielseitiger


und kreativer Studiomusiker, und genau dieser Ruf war es
auch, der ihm die Aufmerksamkeit von Künstlern wie Lou
Reed, Howlin' Wolf, Carly Simon, Keith Moon, Randy Newman,
Art Garfunkel, Leon Russell, Martha Reeves, Peter Frampton...
(japs) – sorry, mir ging gerade die Luft aus – einbrachte.
Darüber hinaus erwies er sich auch als erfolgreicher
Produzent, dem es gelang, mit dem Titel „Da Da Da“ der Band
Trio einen Riesenhit zu landen. Sein visueller Beitrag zum
Rock'n'Roll-Pantheon beinhaltet nicht weniger als einhundert
Genre definierende Albumcover-Designs. Und bei alledem gibt
es noch immer eine ganze Menge Eisberg zu entdecken! Wer
neugierig ist und gerne mehr über den Mann wissen möchte,
den viele als einen der wichtigsten deutschen kulturellen
Exporteure betrachten, dem möchte ich einen kurzen Trip in
die Google-Mine nahelegen.

C. F. & Co.
Auch Christian Frederick Martin gilt als einer von
Deutschlands bedeutendsten Exporteuren – im Instru-
mentenbereich. Martin war ein Deutscher, der in die damals
noch jungen Vereinigten Staaten von Amerika emigrierte und
im Jahre 1833 einen Betrieb gründete, der schließlich zu dem
berühmtesten und meistgeschätzten Hersteller der Welt von
akustischen Flattop-Gitarren heranwuchs. Die Bedeutung der
vielen Innovationen, die C. F. Martin & Co. über die vergange-
nen 175 Jahre erfunden haben, sind nicht zu übersehen:
x-bracing, die 14-bündige Halsverbindung, die Dreadnaught-

64
ACOUSTICS

Form, High Pressure Laminate und vieles mehr. All das hat
eine unbestreitbare Auswirkung auf die heutige Art der
Herstellung von akustischen Gitarren und auch auf den Klang,
den die Gitarre an sich erzeugt. Dieser Einfluss wiederum zieht
sich wie ein roter Faden durch die amerikanische
Musikgeschichte. Es ist kaum übertrieben zu sagen, dass von
Blues, Gospel und Folk über Country und Hawaiian bis hin
zum Rock'n'Roll sich fast jede Form von American Roots Music
mit einer Martin Gitarre als Werkzeug weiterentwickelt hat.

Wie kam es nun, dass sich die Firma Martin zu Ehren einer
lebenden Musiklegende für die Herstellung einer Akustik-
Bassgitarre entschied? Der MTV-Unplugged-Boom der frühen
1990er schürte das öffentliche Interesse an akustischer Musik
und rollte für Martins Signature Guitar Market den roten
Teppich aus. Erster war der singende Cowboy Gene Autry,
gefolgt von Eric Clapton und schließlich einer ganzen Myriade
von bekannten und weniger bekannten Künstlern der nachfol-
genden Jahre. Der deutsche Martin-Vertrieb A.M.I. hat es sich
seit einigen Jahren zur Aufgabe gemacht, das Signature-
Programm auf Instrumente für solche Künstler auszuweiten,
die für die deutsche Musikgeschichte besonders relevant sind,
wie z. B. Wolfgang Niedecken (BAP), Peter Bursch, Kuddel (Die
Toten Hosen) – und natürlich: Klaus Voormann.

The Low Down


Die akustische Bassgitarre erfreut sich auch in diesem unse-
rem Lande seit einigen Jahren größter Beliebtheit. Das ist ja
auch kein Wunder! Ein Kontrabass ist zwar eine wundervolle
Sache, aber mit dem Fahrrad nicht ganz leicht zu transportie-
ren. Ein E-Bass hingegen ist leicht zu spielen und einfach zu
transportieren, braucht aber einen Verstärker, um überhaupt
gehört zu werden. Und da wird’s dann doch wieder schwierig
mit dem Fahrrad! Was, wenn eine spontane Jam Session im
Park ansteht? Oder eine Late Night Songwriting Session auf
der Couch des Gitarristen? See what I mean? Kein Wunder,
dass ABGs (Akustikbassgitarren) so beliebt geworden sind. Sie
haben ihren ganz eigenen Sound und sind daher eine wunder-
volle Alternative zum Kontrabass oder E-Bass. Da sie aber zur
Familie der Gitarren und nicht zur Familie der Geigen gehören,
bieten sie dabei einen gänzlich anderen und eigenen Klang als
der Kontrabass. Schon das allein verleiht der ABG ihre
Existenzberechtigung!

Für die Firma Martin sind ABGs nichts Neues. Ihr B-40-Modell
in all seinen Variationen ist seit über zwei Jahrzehnten im
Programm und zählt seit eh und je zu einem jener ABGs, an
denen andere – alte wie neue – sich messen lassen müssen.
Auch der B-28 Klaus Voormann kommt diesem hochgeschätz-
ten und altbewährten Modell sehr nahe. Die Erwartungen sind
dementsprechend hoch.

Got Wood?
Der mir vorliegende B-28KV (von der es nur eine streng limi-
tierte Serie von weltweit 14 Instrumenten gibt) wird in einem
mit schwarzem Vinyl überzogenen Hartschalenkoffer von TKL
geliefert. Mit seiner luxuriösen Innenausstattung aus grünem
Plüsch, einem großzügigen Staufach innen und nicht weniger
als sechs Schnappschlössern außen macht er einen recht
guten Eindruck. Allerdings erscheint er mir ein wenig zu insta-
bil, um einen Transport im Flugzeug unbeschadet zu überste-
hen, andererseits aber auch zu schwer, um ihn für einen Gig
oder eine Studiosession quer durch die Stadt zu schleppen.
Aber der Koffer ist nicht der Bass! Nun also zu den
Einzelheiten.

65
ACOUSTICS

Der B-28KV basiert auf Martins 0000 Size-Korpus. Nun, für makellos. Erwähnenswert ist auch eine kleine Besonderheit im
Euch Bass-Only-Nerds da draußen, die nicht mit Martins Innern des Basses: ein speziell für diese limitierte Serie kreier-
Nomenklatur vertraut sind, lasst mich erklären: Martin- tes Label mit demselben Motiv, das auch auf dem Inlay der
Gitarren werden traditionell in fünf verschiedenen Kopfplatte enthalten ist, und Herrn Voormanns Unterschrift.
Grundformen und Größen angeboten, angefangen bei der klei-
nen Parlour Sized-Gitarre (0) bis hin zur Jumbo Sized-Gitarre Lay Your Hands On Me
(0000 bzw. M) und der Dreadnought (D). Die ABG mit der Bei einer Mensurenlänge von 86,5 cm und einer Gesamtlänge
Bezeichnung „B“ (für „Bass“) wiederum ist eine leicht abgewan- von 120 cm fällt dieser Bass definitiv aus der Kompaktklasse.
delte Form des 0000 Size-Korpus. Die in der Modell- Nichtsdestotrotz liegt einem der B-28KV wie ein Baby im Arm.
bezeichnung verwendeten Zahlen bzw. Nummern verraten die Nie fühlte er sich sperrig an oder zwang mich in eine unnatür-
Kombination der für Decke, Boden und Zargen verwendeten liche Haltung. Der satinierte Hals und das Halsprofil sind in
Hölzer und auch ganz bestimmte kosmetische Feinheiten. jeder Hinsicht erfreulich und das Setup ist absolut perfekt.
Nicht das leiseste Quietschen, Scheppern oder Furzen ist zu
Die Martin „28“-Serie ist aufgrund ihrer spartanischen Eleganz, hören, und die Saitenlage ist in perfekter Balance zwischen
gepaart mit Top Quality-Materialien, eine der beliebtesten. erreichbarer Lautstärke und erreichbarer Geschwindigkeit. Der
Boden und Zargen werden aus solidem ostindischem Bass erzeugt einen warmen, vollen Grundton, der an die Bass
Palisander hergestellt, die Decke aus Sitka-Fichte. Der Korpus Range eines Steinway Baby Grand erinnert. Um ganz ehrlich
ist vorne und hinten mit weißem Boltaron eingefasst und die zu sein: Den meisten Akustikbassgitarren fehlt es in aller Regel
konzentrischen Schallloch-Intarsien sind ebenfalls mit an Lautstärke, was ihren Nutzen natürlich erheblich ein-
Boltaron eingelegt, abwechselnd in Schwarz und Weiß. Aus schränkt. Dies ist hier nicht der Fall! Sogar mit nackten
Mahagoni ist der solide, einteilige Set-In-Hals mit einem pech- Fingern gespielt, projiziert dieser Bass außerordentlich viel
schwarzen Griffbrett aus Ebenholz und er enthält keinerlei Klang ins Zimmer. Mit Plektrum wird es dann schon beinahe
Bundmarkierungen. Die Kopfplatte in Martins klassischem gefährlich für jeden, der dem Schallloch zu nahe kommt. Ich
Squared-Off-Design ist mit verchromten Martin-Mechaniken benutze diesen Begriff zwar nicht gern, aber im vorliegenden
ausgestattet. Direkt unterhalb des Vintage Martin-Logos finden Fall passt er einfach: Kanone!
wir etwas ganz Besonderes: ein wunderschönes
Intarsienmedaillon von bestechend schlichter Eleganz. Pick-up Line
Designed hat das Teil kein Geringerer als unser aller Klaus Eigentlich war es mir fast zu peinlich, den folgenden Teil die-
Voormann. Des Weiteren hat der B-28KV eine Brücke aus ses Testberichts zu schreiben. Lasst mich erklären, warum: Als
Ebenholz, Sattel und Steg aus Knochen sowie das klassische ich den Bass erhielt, legte A.M.I. mir netterweise eine
Martin „28“er Purfling auf der Korpusrückseite aufzuweisen. Spezifikationsliste mit allen wichtigen Einzelheiten bei. Die
Die Verarbeitung ist, wie man das von Martin auch erwartet, Liste enthielt allerdings keinen Hinweis auf einen

66
ACOUSTICS

Tonabnehmer. So bemerkte ich auch nur mehr oder weniger verleihen einem ohnehin schon vielbeachteten
zufällig und auch erst nach mehreren Tagen intensiven und Instrument einen unverwechselbaren Hauch von
freudigen Spielens und Testens, dass hier doch tatsächlich eine exklusiver Eleganz. Und doch haben wir es hier
Endpin-Buchse installiert ist. Ooops! Na, wenigstens dauerte es nicht mit einem reinen Sammlerstück zu tun,
nicht genauso lange, bis ich dann ein Kabel und einen sondern vielmehr mit einem super
Verstärker fand, um sie auszuprobieren. Leider fehlt mir fast Instrument, das förmlich danach
jegliche Information über die Herkunft dieses Tonabnehmers, schreit, gespielt zu werden. Ich
doch handelt es sich offenbar um einen passiven „Unter-dem- hoffe doch, dass die vierzehn
Steg“-Tonabnehmer, vermutlich ein Fishman. Was ich aber glücklichen Besitzer mir hier
definitiv sagen kann, ist, dass er den Sound des Basses auf zustimmen werden. Ehrlich
eine sehr natürliche und gefällige Art und Weise wiedergibt. gesagt stand ich in der
Mit einer leichten Anhebung der tiefen Mitten nimmt er einen Vergangenheit Martins Aus-
leicht knurrigen und durchschlagenden Charakter an, der wahl an Signature-Modellen
sowohl für eine Live-Nutzung als auch im Zusammenspiel mit und Special Editions schon
einem hochwertigen Mikrofon für Studioaufnahmen sehr gut des Öfteren kritisch gegenüber.
geeignet ist. Ein Plus für alle Fälle! Ich meine...Felix the Cat? What
the f...? Na ja, wie auch immer.
The Bottom Line Dieses Mal haben sie jedenfalls
Welch eine Ehre für einen Künstler! Der B-28KV repräsentiert voll ins Schwarze getroffen.
nicht nur den Namen, sondern auch die Persönlichkeit des
Künstlers, dessen Signatur er trägt. Präzise, doch voller
Charme, Wärme und Tiefe. Perfekt von Hand gestaltet mit viel
Liebe zum Detail. Die von Klaus Vormann kreierten Intarsien

Details
Hersteller: Martin Modell: B-28KV Herkunftsland: U.S.A. Basstyp: Akustikbass
Korpus: ostindischer Palisander Decke: Sitka-Fichte Lackierung: Gloss/Satin Hals
Hals: Mahagoni Griffbrett: Ebenholz Bridge: Ebenholz Sattel: Knochen
Steg: Knochen Mechaniken: Martin verchromt Mensur: 86,5 cm Bünde: 23
Special: Klaus Voorman designed Inlay Preis: 3.900 Euro
Zubehör: Case 560 Gestestet mit: SE Electronics 2200a Condensor Microphone,
AKG pro 37 Microphone, AER Domino Vertrieb: A.M.I. Musical Instruments GmbH

www.ami-gmbh.de www.martin-gitarren.de

67
MY FAVOURITE BASS

Im Jahre 2006, einige Monate nach Gründung unserer


WHO-Tributeband „Who Are You“, wurde ich durch einen
englischen Freund auf einen neuen Alembic-Bass aufmerk-
sam gemacht: den Dragon Wing Custom „Tears for John“.
Die Vorgeschichte ist skurril: Mein Hatte ich bis dato mit meinen beiden Alembic John
englischer Freund bestellte bei Entwistle Spyder-Bässen unsere Auftritte gemeistert, so
Alembic einen Bass, dessen Design er
setzte mich dieser neue Bass unter Strom.
selbst entworfen hatte, den Dragon
Wing. Kurioserweise hatte Alembic
ein nahezu identisches Design in der Von Oliver Baumann
Schublade liegen, denn John Entwistle
hatte kurz vor seinem Tode bei Alembic einen Bass bestellt. an unzählige Tränen – und der Name „Tears for John“ war
Den Dragon Claw! Durch seinen überraschenden Tod kam der geboren. Aus Nussbaum besteht der Korpuskern, veredelt mit
Bass nicht mehr zur Auslieferung. massiver Vogelaugenahorndecke und Vogelaugenahornboden.
Der Dragon Wing wird bis heute von Alembic auf Bestellung Der durchgehende Hals, long scale, besteht mehrfach laminiert
gebaut. Mein Exemplar ist jedoch ein Custom-Entwurf, da ich aus Ahorn und Purpleheart. Mit Vermillion wurde die
mit diesem Bass eine Brücke zu John Entwistles alten Alembic Kopfplatte auf der Vorder- und Rückseite belegt. Ich wählte die
Spyder-Bässen schlagen wollte und mich daher bei der 20th Anniversary Elektronik, da sie den großen Series I und
Holzauswahl an den alten Spyder-Bässen orientiert habe. Series II Elektroniken nahekommt und nicht ganz so teuer ist.
Zusätzlich zu den serienmäßigen doppelten Volumenreglern,
Doch warum „Tears for John“? Nun, dieser Name wurde mei- doppelten Filtern und Q-Switches sowie einem Mono/Stereo-
nem Bass von einem Mitglied der Alembic Community gege- Umschalter, wurde von mir sowohl ein Mastervolumen als auch
ben. Laut seiner Aussage erinnere ihn das Vogelaugenahorn ein Pickup-Wahlschalter geordert, beide montiert auf dem vor-

70
MY FAVOURITE BASS

deren unteren Horn. Zu diesem Zweck ließ ich dieses Horn, Mechaniken werden verwendet und Strap Locks sind bei
verglichen mit den normalen Dragon Wings, vergrößern. einem solchen Instrument natürlich Voraussetzung. Veredelt
Kommen in den Series I und II Single Coils und ein wurde er letztendlich noch mit einer schönen Vintage Amber-
HumCanceller zum Einsatz, so hat mein Bass zwei Lackierung. Und nicht zu vergessen die bernsteinfarbenen
Humbucker. Der in der Mitte liegende HumCanceller ist ein Seiten-LEDs! Auf dunklen Bühnen sehr hilfreich…
Dummy und nur aus optischen Gründen montiert.
Seit 2007 ist „Tears for John“ mein Hauptinstrument bei sämt-
Der verstellbare Sattel, die Brücke, Saitenhalter und alle rück- lichen Gigs. Der Sound ist einfach grandios – genau der
seitigen Abdeckungen sind aus Messing. Goldene Gotoh- Sound, den ich immer gesucht habe. Ich liebe einfach John
Entwistles klassischen Alembic-Sound: kräftige Bässe, durch-
setzungsfähige Mitten und diese pianoartigen Höhen. Durch
die sehr niedrig einstellbare Saitenlage sind Entwistle-
Spieltechniken kein Problem, sei es Typewriting oder Speed
Triplets. Einfach ein toller Bass! Nicht billig, aber jeden Cent wert.

VITA
Oliver Baumann, geboren 1964, begann mit 14 Jahren
Gitarrespielen zu lernen. Nach anfänglichen Ausflügen an den Bass
sowie einer zweijährigen Spielzeit auf dem Chapman Stick sollte
der Bass doch letzten Endes sein Hauptinstrument werden.
Nachdem er mit zahlreichen Bands durch die 80er groovte, wurde
es ab 1988 ruhig um ihn, da ihn sein Hauptberuf ganz einnahm.
Ausgelöst durch den Tod seines musikalischen Vorbildes John
Entwistle, entschloss er sich, wieder Musik zu machen und mit einer
WHO-Tributeband seinen Beitrag zum Gedenken an John Entwistle
zu leisten. Heute erfährt seine Band „Who Are You“ einen großen
Zuspruch und ist deutschlandweit zu hören und zu sehen.
Infos zu „Who Are You“ unter: www.whoareyouband.de

71
INTERVIEWS

Monolith des Rock’n’Roll


Lemmy
Es ist nicht leicht, etwas über Lemmy Kilmister zu
schreiben. Präziser: etwas wirklich Neues über den
Motörhead-Chef zu schreiben – ihn etwas im
Interview zu fragen, das er noch nie zuvor gefragt
wurde. Der Mann wirkt auf den Außenstehenden wie
ein in Stein gemeißeltes Monument des Heavyrock,
unangreifbar, unnahbar. Der fatalistische Lebens- wie
Todesverächter (passenderweise am Weihnachtstag
vor 62 Jahren in Stoke-On-Trent im Westen Englands
auf diesen Planeten geplumpst) ist eine lebende
Legende, eine Kultfigur, ein Monolith des Rock’n’Roll.

Von Michael Fuchs-Gamböck

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INTERVIEWS

Lemmy lebt die Sex-, Drugs- und Musik-Nummer rund um die und Konzentration im Sound, außerdem muss ich mich nur
Uhr, ist pausenlos auf Tournee, stets leichte Frauen um sich, mit zwei Leuten rumstreiten, nicht mit drei, vier oder fünf. Der
die Jack Daniel’s-Pulle in Griffweite, wahlweise auch eine laut Preis dafür war, dass ich verdonnert wurde, den Bass zu über-
dröhnende Bassgitarre. Was bei jedem anderen zum Klischee nehmen, da den keiner spielen wollte. Na ja, habe ich das eben
verkommt, ist bei Lemmy blutiger Ernst, das Dasein per se. gemacht. Ich wollte, dass es mit der Gruppe möglichst rasch
Gelegentlich bunkert er sich mit seinen beiden Motörhead- losgeht, ohne dass man schon zu Beginn Scherereien hat.
Mitstreitern (Gitarrist Phil Campbell und Schlagzeuger Mikkey Eigentlich bin ich ja Einzelgänger und Außenseiter, nicht sehr
Dee) in irgendeinem Studio auf dieser Welt ein und macht auf Band-kompatibel. Aber meine musikalischen Ideen kann ich
die Schnelle eine wilde und vor allem schnelle(!) Motörhead- nur im Kollektiv umsetzen, also musste ich in den sauren
Scheibe, die so klingt wie alle Motörhead-Scheiben. Exakt Band-Apfel beißen.
dafür lieben wir diese Platten: Weil sie eine der wenigen
Konstanten in einer konturlos gewordenen Welt sind. bq: Wie fühlt man sich denn als der ewige Außenseiter, der
Dafür spricht Mr. Kilmister selbst in ruhigem Tonfall, an einem immer hart am Rand existiert?
schönen Sommertag in der Suite eines Berliner Nobelhotels. Lemmy: Da ich keine andere Daseinsform kenne, fühle ich
Es ist früher Abend, die Jack Daniel’s-Flasche auf dem Tisch ist mich ganz wohl dabei. Ich glaube an so was wie Karma, dass
beinahe leer, der Aschenbecher quillt über. Trotz solch kräfte- man sich also seine Existenz nicht aussuchen kann. Wir haben
zehrender Umstände wirkt Lemmy kaum müde, dafür aufge- keine große Wahl. Insofern lässt man sich wohl besser auf das
räumt – und ein höflicher Gesprächspartner ist er allemal. ein, was man hat und was man kennt.
„Höflichkeit“, hat er immer wieder in Interviews bekräftigt, „ist
eine der wichtigsten menschlichen Stärken.“ bq: Wobei dir offensichtlich auch Alkohol oder Speed helfen,
um gelegentlich zu vergessen, dass man keine Wahl hat, richtig?
Als Bassist hat er einen äußerst eigenwilligen Stil, da er nicht Lemmy: Logisch! Sonst würde ich das Zeug nicht einschmei-
nur herkömmliche Basslinien, sondern auch Rhythmus- ßen, wenn es keine Wirkung hätte. Wobei, gerade Jack Daniel’s
Gitarren-Akkorde einsetzt, was aus der Tatsache resultiert, trinke ich auch, weil ich seinen Geschmack mag. Und weil ich
dass er bei seiner Vorgänger-Band Hawkind zunächst an den mich gelassen und gut fühle, wenn Jack durch meine Adern
sechs Saiten der Gitarre und erst später an den vier des Basses rauscht. Ich bin es gewohnt, Unmengen zu trinken und stecke

„Lemmy ist ein großer Bluessänger,


Songschreiber und Poet, völlig unter-
schätzt. Die Musik seiner Band ist
nicht Heavy Metal oder Vergleichbares, „Ich habe mein Leben
es ist Motörheadmusik.“ lang Vollgas gegeben,
Ozzy Osbourne (Black Sabbath) über Lemmy ich weiß nicht, wo der
Bremshebel ist.“

eingesetzt wurde. Bei Motörhead, 1975 ins Leben gerufen, ver-


schrieb Lemmy sich neben dem Gesang komplett dem
Viersaiter. Er spielt bevorzugt auf Instrumenten der Firma
Rickenbacker, die er selbst „Rickenbastard“ nennt. Kein
Wunder, gibt es dort seit einiger Zeit ein nach ihm benanntes
„Lemmy“-Modell des Motörhead-Frontmann. „Das Ding ist
scheißteuer“, lacht Mr. Kilmister beim Gespräch kehlig, „und es
ist scheißästhetisch. Darum bin ich froh, dass es nach mir
benannt wurde, und die Jungs der Firma mir zwei Geräte
kostenlos überreichen mussten, damit ich meinen Namen her-
gebe. Das wird ihnen ziemlich gestunken haben, denn dadurch
gibt es auf diesem Planeten nur noch 64 Exemplare, die sie
verkaufen können. Dieser Bass ist streng auf 66 Stück limi-
tiert!“

bq: Mr. Kilmister...


Lemmy: (lacht) Lemmy, bitte – lassen wir diesen Quatsch mit
dem Mister, dabei fühle ich mich nicht wohl.

bq: Okay! Lemmy, als Motörhead im Jahre 1975 entstand, war


es ziemlich revolutionär, dass in einer Band der Sänger den
Bass zupft und nicht die Gitarre spielt wie bei den meisten
Rock-Gruppen. Wie kamst du auf die Idee?
Lemmy: Ach, das gab es vorher auch schon, etwa bei Blue
Cheer oder Cream. Ich bin also nicht der Erfinder dieser
Konstellation. Tatsache war, dass ich mit Motörhead unbedingt
in Trio-Formation spielen wollte, dadurch entsteht mehr Druck

73
INTERVIEWS

Alkohol auch ziemlich gut weg. Er ist wie Flüssignahrung für mal überraschen.
mich.
bq: Warum macht es nach rund 40 Jahren in der
bq: Hast du keine Angst, dass dich der Alkohol irgendwann Musikbranche immer noch Spaß, ein Teil davon zu sein?
nicht mehr motiviert, sondern zerstört? Lemmy: Ich wüsste nicht, was ich sonst tun sollte, um die Zeit
Lemmy: Über so etwas denke ich erst dann nach, wenn es rumzubringen. Mein Leben ist die Bühne. Nur dort kann ich
soweit ist, dass ich darüber nachdenken muss. Ich lebe stets mir jedes Mal, wenn ich einen Auftritt gebe, beweisen, dass ich
für den Moment, so habe ich es immer gehalten. Und bin es drauf habe, den Hintern der Leute zu kicken, die Geld dafür
damit 62 Jahre alt geworden. Das ist viel, wenn man meinen bezahlt haben, mich live zu sehen. Und auch im Studio fühle
Lebensstil der letzten Jahrzehnte bedenkt. ich mich meistens wohl. Ich arbeite ja sehr schnell und effi-
zient. Meinen Mitstreitern sage ich, was sie spielen sollen, wie
„Eigentlich bin ich ja Einzel- ich mir eine Nummer vorstelle, die Texte entstehen nicht sel-
ten spontan. Zack, schon ist die ganze Chose fertig! Ich bin
gänger und Außenseiter, nicht immer wieder überrascht, wie gut sich eine neue Platte am
Ende anhört. Obwohl letztendlich alle Motörhead-Platten
sehr Band-kompatibel.“ gleich klingen, nach Motörhead eben. Immerhin, wir sind origi-
nell und nicht zu kopieren. Das ist genug. Und sicher mehr als
bq: Das klingt fatalistisch und gleichzeitig so, als wärst du sehr die meisten Bands von sich behaupten können.
mit dir im Reinen...
Lemmy: Auf alle Fälle! Das Leben hat es letztendlich immer bq: Das bedeutet, dass aktuelle Album „Motörizer“ unterschei-
gut mit mir gemeint. Und da ich weder an Gott noch an den det nichts von anderen Motörhead-Alben?
Teufel glaube, muss ich mich auch vor keinem der beiden Lemmy: Nein, warum sollte es das tun? Ich liebe die Musik,
Gesellen irgendwann rechtfertigen. Ich habe keine Angst vor die ich spiele. Sie verleiht dir Energie. Wenn ich plötzlich
dem Tod, denn der Tod ist letztendlich nur ein neuer anfangen würde zu experimentieren, würde sie das nicht mehr
Abschnitt. Irgendetwas wird mit mir passieren, wenn ich gestor- tun. Ich bin vollkommen besessen von Hardrock und Blues.
ben bin. Ich weiß nur nicht was. Deshalb lasse ich mich einfach Sie sind meine Koordinaten im Leben, vermutlich die einzigen.

74
INTERVIEWS

Auf „Motörizer“ finden sich elf dufte Songs. Das


Beste daran ist, das kaum einer länger als drei
Minuten dauert. Mehr braucht es nicht, um die
Leute am Arsch zu haben.

bq: Ende des Jahres gehst du mit Motörhead einmal


mehr auf Tour. Bringt das immer noch Spaß, diese
Plackerei jeden Abend?
Lemmy: Das ist keine Plackerei, das ist mein Dasein,
selbst wenn dieser Satz nach Klischee klingt. Scheiß
drauf! Ich mache nichts, was ich nicht machen will.
Okay, außer Interviews zu geben, das ist meist nicht so
meine Sache. Obwohl es mit dir halbwegs Spaß
macht, ehrlich, weil die Situation sehr relaxt ist. Das ist
in Ordnung.

„Ich mache nichts, was ich


nicht machen will. Okay, außer
Interviews zu geben, das ist
meist nicht so meine Sache.“ ich wohne. Außerdem kann ich in L.A. erfolgreicher auf
Frauenjagd gehen. Wenn du eine gewisse Berühmtheit erlangt
bq: Danke fürs Kompliment. Doch zurück zu den Konzerten hast so wie ich, lassen dich die Weiber eher an sich ran. (lacht)
– warum ist es immer noch berauschend für dich, am Abend Diesen Umstand nutze ich schamlos aus. Ebenso die Tatsache,
für zwei Stunden auf der Bühne Vollgas zu geben? dass der Jack Daniel’s billiger ist als in Europa.
Lemmy: (lacht) Ich habe mein Leben lang Vollgas gegeben,
ich weiß nicht, wo der Bremshebel ist. Aber ernsthaft: Ich habe bq: Weil du gerade den englischen und amerikanischen
mit der Musik angefangen, weil sie für mich das Einzige war, Präsidenten angesprochen hast, bist du ein politisch interes-
um aus der beschissen langweiligen Kleinstadt, in der ich auf- sierter Mensch?
gewachsen bin, rauszukommen. Ich hasse Langeweile – nur Lemmy: Nein, ich bin nicht politisch. Ich bin einfach nur
Rock’n’Roll hilft dagegen. dagegen! Politik korrumpiert jeden, der sich auf sie einlässt.
Und so lange mich noch eine Handvoll Leute auf der Bühne Weil ich nicht korrumpiert werden will, lasse ich es mit der
stehen sehen wollen, schleppe ich mich hoch und drehe den Politik besser.
Verstärker auf. Ich betrachte es als großes Geschenk, dass ich
mit über 60 noch Konzerte geben darf und die Hütte meistens bq: Dagegen spricht allerdings, dass du dich ziemlich intensiv
voll ist. Man kann einem Außenstehenden wie dir, der kein mit dem Dritten Reich beschäftigt hast, zudem eine umfangrei-
Musiker ist, schwer erklären, woran der Kick liegt, ein Konzert che Sammlung von Dritte-Reich-Devotionalien besitzt. Was fas-
zu spielen. Vermutlich hat es mit Macht und Omnipotenz zu ziniert dich so an jener Ära der Menschheit?
tun. Ich will das gar nicht näher analysieren, das würde mich Lemmy: Fasziniert bin ich nicht davon, das ist der falsche
vermutlich frustrieren. Das einzige, was bei einem Gig zählt ist, Ausdruck. Eher erschrocken darüber, zu welchem Wahnsinn,
dass du als Musiker alles gibst, jeden Abend das Ultimative aus zu welchen Grausamkeiten die Menschheit in der Lage ist. Ich
dir rausholst. Das bist du dir selbst, wie auch den Zuschauern sammle diesen Dritten-Reich-Mist und lese Bücher über die
schuldig. Nazi-Zeit, damit ich mir immer wieder aufs Neue vor Augen
führen kann, was für ein Haufen Scheiße der Mensch im
bq: Ich habe mich immer gefragt, warum ein Engländer wie du, Großen und Ganzen doch ist.
ein Mann mit diesem fatalistischen, typisch britischen Humor
und einer anarchischen Lebenseinstellung, schon seit beinahe bq: Auf deiner Lederjacke steht dazu passend „Born To Lose“.
20 Jahren in den USA lebt, die so ganz anders funktioniert? Lemmy: Ja, weil jeder Mensch auf die Welt gekommen ist, um
Lemmy: In Los Angeles ist es billiger zu leben als in London, zu verlieren. Es gibt keine Sieger.
außerdem ist das Wetter wesentlich besser. Die Präsidenten
sind in beiden Ländern beschissen, ich hasse beide, insofern
ist das auch kein Argument, um nach England zurückzukeh-
ren. Ich führe mein Leben an jedem Fleck dieser Erde so, wie Aktuelle CDs:
ich mir das vorstelle. Unter diesem Aspekt ist es völlig egal, wo Motörhead
„Motörizer“
Label: Steamhammer/SPV

Lemmy Kilmister
Tournee: „White Line Fever” Hörbuch
28.11. Düsseldorf, Philipshalle – 30.11. Bremen, Pier 2
Label: Nuclear Blast/Warner
2.12. Offenbach, Stadthalle – 3.12. Bamberg, Jako-Arena
5.12. Dresden, Messehalle – 6.12. Stuttgart, Schleyerhalle
7.12. München, Zenith. (beide CDs siehe Media-Tipps in dieser Ausgabe)

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INTERVIEWS

Doug Pinnick
von KING’S X

Bass
m ieren
zu
reag
A b
Da ist er wieder, dieser mal staubtrockene,
dann wieder flirrende Bass, der heftig brül-
len kann wie ein Löwe und sanft schnurren
wie ein Kätzchen, je nachdem wie es die
Situation gerade erfordert. Natürlich werden
auch Schlagzeug und Gitarre, die beiden
anderen Instrumente beim Trio King’s X, auf
hohem Niveau eingesetzt. Aber was den
Sound des Dreiers aus Austin/Texas seit
jeher originell gemacht hat, war der Bass-
Sound von Doug Pinnick, der in erster Linie
von einem Element getragen wird – dem
unwiderstehlichen Groove!

Von Michael Fuchs-Gamböck

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INTERVIEWS

King’s X existieren seit 1980 in unveränderter Besetzung. bq: Doug, das Allerwichtigste am Sound von King’s X scheint
Pinnick bearbeitet nicht nur seine vier Saiten, sondern ist auch der Groove zu sein, dominiert vor allem durch dein heftiges
Hauptsänger. Ty Tabor ist an der Klampfe und Jerry Gaskill hin- Bassspiel. Warum ist der Groove die Basis eurer Songs?
ter der Schießbude zu finden. Die drei Musiker haben an Doug Pinnick: (lacht) Weil ich der Chef dieser Combo bin!
ihrem Sound nie groß etwas verändert, wobei das ihrer Und dieser Chef nun mal am Bass zu Hause ist. Keine Panik,
Spielfreude keinen Abbruch tut. Auch auf ihrem aktuellen 15. ein ganz so schlimmer Diktator, wie sich das hier anhört, bin
Album (gar nicht nahe liegend „XV“ betitelt...) haben sie bei ich nicht. Aber tatsächlich bin ich derjenige, der die meisten
ihrer musikalischen Vorgehensweise kaum was anders Ideen für neue Stücke einbringt. Die anderen sind ganz froh
gemacht. Warum sollten sie auch? Die 14 Songs darauf funk- darüber (lacht) – sie sind gerne faule Säcke! Während ich an
tionieren einfach: Eine waghalsige Mixtur aus Hard Rock, Funk, neuen Liedern feile, fällt mir erstmal gar nicht auf, dass der
Grunge, Progressive Rock und Soul, die dem Hörer akut in die Rhythmus immer wieder stark im Vordergrund steht.
Beine fährt. [Zum Album siehe auch Media-Tipps in bq Beispielsweise nehme ich mir vor, ein düsteres Heavy Metal-
3/2008, Anm. d. Red.] Ansonsten: „Alles groovt erneut bei uns“, Ding zu komponieren. Und was passiert? Der Groove bahnt
wie ein blendend aufgelegter Doug Pinnick mit sympathisch sich den Weg und drängt sich unüberhörbar in den
ausgelassenem Lachen mir gleich zu Beginn des Gesprächs ins Mittelpunkt.
Ohr brüllte.

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INTERVIEWS

bq: Das liegt vermutlich daran, dass der Bass eben ein
Instrument ist, mit dem man Drive in die Musik bringt.
Doug Pinnick: Exakt und auf den Punkt! Mein Instrument ist
wie mein Charakter, ziemlich aufgekratzt, immer in Bewegung.
Ich kann mich herrlich abreagieren, wenn ich mal wieder unter
Dampf stehe und dann stundenlang wie wild slappe. Dabei
würden sich meine beiden Bandkumpels freuen, wenn wir die
eine oder andere Ballade mehr ins Programm aufnehmen wür-
den. Sie sind eher melancholische Typen. „Lass uns was
Ergreifendes wie die Beatles machen“, sagen sie in solchen „Mein Instrument ist
Momenten immer. Doch mit so einem wie mir kriegen sie das
meist nicht hin. Und das, obwohl ich die Beatles extrem schät-
wie mein Charakter,
ze. Komische Welt! ziemlich aufgekratzt,
bq: Angeblich sollst du ja eine umfangreiche Sammlung an immer in Bewegung.“
Bassgitarren besitzen.

bq: Apropos „Drive“: Obwohl ihr lediglich zu dritt


seid, besitzt ihr mehr davon, als viele Bands, die aus
vier oder gar fünf Leuten bestehen.
Doug Pinnick: Gerade weil wir ein Trio sind, ist das
so! Man kann in dieser Besetzung unheimlich viel
Druck erzeugen, man kommt häufig besser auf den
Punkt als im Quartett oder im Quintett, weil selten
etwas zerfasert. Außerdem kennen wir drei uns seit
über 25 Jahren, sind wirklich gute Freunde, die auch
außerhalb von Studio und Bühne regelmäßig mitein-
ander abhängen. Dadurch können wir beinahe schon
im Schlaf und ohne viele Worte miteinander agieren.
Für uns ist der fokussierte Dreier die perfekte
Besetzung.

„Ich hätte kein Problem


damit, ein Superstar zu
werden, mit Millionen auf
dem Konto.“
bq: Obwohl ihr schon länger als ein
Vierteljahrhundert zusammen seid und inzwischen
Doug Pinnick: Das stimmt! 15 Alben aufgenommen habt, lässt der ganz große Durchbruch
bis heute auf sich warten. Habt ihr eine Erklärung dafür?
bq: Sind da irgendwelche Favoriten darunter? Doug Pinnick: (lacht) Ich hätte kein Problem damit, ein
Doug Pinnick: Für den Hausgebrauch oder auf der Bühne Superstar zu werden, mit Millionen auf dem Konto. Aber ich
greife ich häufig zu Modellen von Yamaha und ESP. Aber mei- fürchte, in diesem Leben wird es damit nichts mehr, vermutlich
ne wahre Leidenschaft sind Modelle aus den frühen 1960ern, würde ich dann auch faul und eingebildet werden. So ein
die besitzen ein immenses Eigenleben. Du musst schon richtig widerlicher Sack zu sein, der langweilige und uninspirierte
gut spielen und dominant sein, um ihr Herr zu werden, denn Musik macht, dazu habe ich nun wirklich keine Lust. Dann lie-
sie gebärden sich stolz und eigensinnig. Ansonsten bin ich ber ein armer Schlucker mit Spaß an seinen Songs.
noch fasziniert von diesen selten gebauten 12-saitigen
Custom-Modellen von Hamer, aus denen kann man unglaub- bq: Dabei hättet ihr mit Star-Produzent Michael Wagener, der
lich tiefe Töne herausholen. Wenn man einem Song einen „XV“ produziert hat, den richtigen Mann hinter dem Mischpult,
düsteren Drive verpassen will, sind diese Kameraden genau die um groß raus zu kommen. Wagener hat immerhin mit Top-
richtigen dafür. Größen wie Ozzy Osbourne oder Alice Cooper gearbeitet.
Doug Pinnick: Ja, doch deshalb haben wir uns nicht für ihn
entschieden. Ausschlaggebend war, dass Michael einer der höf-
lichsten, zuvorkommendsten und ausgeglichendsten
„Meine wahre Leidenschaft sind Menschen ist, die wir kennen. Das ist sehr wichtig in unserem
Fall, denn wir können – vor allem im Studio – ganz schöne
Modelle aus den frühen 1960ern, die Hitzköpfe sein, die aufeinander losgehen. Nicht umsonst waren
wir 1997 das ganze Jahr über komplett voneinander getrennt,
besitzen ein immenses Eigenleben.“ hatten King’s X, zumindest inoffiziell, aufgelöst. Michael hat bei
den Sessions zu „XV“ jedes Mal beruhigend auf uns eingewirkt,

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INTERVIEWS

„Wir können – vor allem im


Studio – ganz schöne Hitzköpfe
sein, die aufeinander losgehen.“

wenn mal wieder Zoff in der Luft lag. Er ist einfach die
Herzlichkeit in Person, der zudem auch noch die richtigen
Knöpfe drückt, damit ein Song optimal klingt.

bq: Ihr von King’s X kennt euch seit 1980, spielt bis heute in
der Originalbesetzung zusammen und gebt im Jahr mehr als
150 Konzerte. Schleicht sich da auf der Bühne nicht irgend-
wann Routine, vielleicht sogar Langeweile ein?
Doug Pinnick: Nein, denn sollte das eines Tages passieren,
bin ich ganz schnell weg von diesem Business und suche mir
einen Job in einer anderen Branche. Tatsächlich ist es so, dass
gerade Live-Auftritte das Spannendste an meinem Beruf sind,
Abend für Abend aufs Neue. Wer dieses Gefühl nicht kennt, für
ein Publikum zu spielen, dass nur gekommen ist, um dich zu
sehen, weiß gar nicht, was ihm an Lebensqualität entgeht. Es
ist die pure Magie! Jede Nacht ist anders, jede Nacht ist aufre-
gend, selbst wenn man einen Gig mal vergeigt hat. Musiker zu
sein ist für mich der befriedigendste Beruf auf der Welt. Ich
hätte kein Problem, auf der Bühne zu sterben – mein
Instrument steil gen Himmel gestreckt, ein erlöstes Lächeln auf
den Lippen…

„Jede Nacht ist anders, jede Nacht


ist aufregend, selbst wenn man
einen Gig mal vergeigt hat.“

Aktuelle CD:
King’s X
„XV“
Label: Inside Out/SPV

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INTERVIEWS

Who is Tim Lefebvre?


Gitarrist Chuck Loeb holte ihn in seine Band, ebenso durch den skurrilen Humor der Musiker. Die Freund-
dessen Frau Carmen Cuesta. In New Yorker Clubs spielte schaft mit Zach Danziger, dem einstigen Schlagzeug-
Tim an der Seite von Wayne Krantz, Oz Noy und Chris wunderkind, führt zu einer ersten Arbeit an Hollywood-
Potter. In der Szene um Schlagzeuger JoJo Mayer war Soundtracks. Längst ist Tim ein etablierter Name in der
er an der Spitze der Live-Drum ’n’ Bass-Bewegung der New Yorker Szene. Es folgen Sideman-Gigs mit Donald
späten 1990er. Dann rekrutierte ihn Till Brönner und Fagen, James Taylor, Josh Groban und zuletzt Jamie
aus dieser Zusammenarbeit resultierten mehrere Alben Cullum. Mit dem Pianisten Uri Caine arbeitet er in der
und Tourneen. Tim Lefebvre wird nun auch als Produ- Gruppe Bedrock. Das letzte Projekt des umtriebigen
zent tätig. Der Kontakt führt zur Mitwirkung an Alben Virtuosen ist Rudder mit Keith Carlock, Henry Hey und
von Hildegard Knef, Wolfgang Haffner und Frank Chris Cheek. Deren gleichnamiges Debutalbum (2007)
Chastenier. Zur gleichen Zeit entstehen um den Nucleus fand viel Aufmerksamkeit und führte zu einem immer
Zach Danziger/Tim Lefebvre die Bands Blüth und Boomish, dichteren Tourplan. Skurril: Bei Boomish tritt Tim als
bei denen Improvisation auf tanzbare Elemente und „kaukasischer Rapper“ in Erscheinung und trägt den
Soundcollagen trifft, das ganze zusammengehalten Bühnenamen „Skip Herbertson“.

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INTERVIEWS

Kaukasischer
Rapper
am Bass Tim Lefebvre
Die amerikanische Musikszene bringt so immens viele Talente
hervor, dass es zeitweise schwierig wird, noch den Überblick
zu behalten – bis dann und wann ein unverwechselbares
Gesicht darunter ist. Seit den 1990er Jahren taucht der Name
„Tim Lefebvre“ immer häufiger und in immer unterschied-
licheren musikalischen Kontexten auf. Tim ist eine schillern-
de Persönlichkeit und sein komisches Talent wird nur noch
von seinem kraftvollen, erdigen Basston übertroffen.

Von Christoph Chendina

bq: Tim, erzähle uns doch etwas über deinen musikalischen bq: Du hast doch auch für einige TV-Shows gespielt, darunter
Werdegang. die legendäre Saturday Night Live, das Sprungbrett für so ziem-
Tim Lefebvre: Klar! Mit neun Jahren begann ich mit lich jeden berühmten US-Komiker. Wie sah so eine Woche bei
Saxophon. Mit dreizehn kam dann schon der elektrische Bass, SNL aus?
ich spielte damals in der Jazzband meiner Schule. Zwar nahm
ich einige Unterrichtsstunden bei einem Bassisten in unserer
Gegend, aber eigentlich habe ich mir alles selbst beigebracht.
Jaco Pastorius’ Video „Modern Electric Bass“ schaute ich mir
wieder und wieder an und da habe ich eine Menge Sachen her.
Ebenso von Wayne Krantz, der auf der Gitarre so ziemlich alles
„Skip Herbertson ist mein
spielen kann. Mit sechzehn begann ich dann mit dem vorlautes, durchgedrehtes
Kontrabass – exakt die gleiche Geschichte. Mein Vater fuhr
mich jeden Donnerstag nach Boston, ein ganzes Jahr lang, wo Alter Ego – oder vielleicht
ich Stunden nahm bei Dave Hollender. Danach spielte ich ein-
fach so, ohne Unterricht. Das war im Nachhinein betrachtet doch eher mein wahres Ich!?“
vielleicht nicht die beste Idee. Das Meiste lernte ich später
dadurch, dass ich Bassisten bei Konzerten beobachtete. Sehr
inspiriert hat mich Essiet Essiet, der das Instrument sehr rauh
anpackte. Seit einiger Zeit spiele ich wieder verstärkt Kontra-
bass, was daran liegt, dass ich endlich ein gut bespielbares Tim Lefebvre: Üblicherweise war zumindest ein Teil der
Instrument habe. Band die gesamte Woche vor Ort, um die Sketche mit Musik
zu proben. In den letzten Jahren hat NBC allerdings massiv
bq: Wie bist du so schnell in die New Yorker Szene reinge- gespart, die Band kommt jetzt am Tag der Show ins Studio
kommen? und probt alles an einem Tag. James Genus ist seit acht Jahren
Tim Lefebvre: Ich würde nicht sagen, dass das schnell war. Ich der reguläre Bassist von SNL. Er kann ein Lied davon singen!
arbeitete drei Jahre lang vierzig Stunden die Woche in einem Wir jammen dort eine Menge mit dem Ensemble und den
Büro, bis ich 1996 endlich von der Musik leben konnte. Zach Gästen, ich hatte das Vergnügen mit Hugh Laurie, Jack Black,
Danziger und Pete Davenport, meine Bandkollegen in Blüth Will Ferrell, Fred Armisen, Maya Rudolph und sogar mit Tom
und Boomish, hatten mir meine ersten Gigs in NY verschafft. Brady. Das Ganze ist ein unglaublicher Spaß!

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bq: Bei der Band Boomish heißt du Skip Herbertson. total nach Bedrock, Zach Danziger ist außer Rand und Band,
Beschreibe doch mal dein zweites Ich. Uri spielt wieder wunderschön. Wirklich tolle Musik!
Tim Lefebvre: Skip Herbertson ist mein vorlautes, durchge-
drehtes Alter Ego – oder vielleicht doch eher mein wahres Ich!? bq: Du hast mit Hildegard Knef gearbeitet…
Er ist ein Mitglied dieses wunderbar verrückten Multimedia- Tim Lefebvre: Das kam durch Till Brönner zustande. Neben
Zirkus namens „Boomish“. Viele der großartigen Eskapaden seinen eigenen Projekten begann er auch, andere Künstler zu
dieser Band entstanden auf Tour in Deutschland, wie man in produzieren und hat mich freundlicherweise des Öfteren
der Video-Sektion auf unserer Website sehen kann gebucht. Ich spiele auf „17 Millimeter“ sowie auf dem Remix
[www.boomish.com, Anm. d. Red.]. Wir hatten schon immer „Engel“ von Rammstein, den Hilde und Till gemacht haben. Sie
einen etwas verqueren Ansatz mit Electronica, gut zu hören hat uns eingeladen in ihr Haus in diesem waldreichen Teil von
auf dem Album „Clearance Sale“. Berlin. Was für eine charmante Dame, wirklich sehr angenehm.

bq: Die tollen Kontrabass-Parts auf dem Soundtrack zu bq: Mit Jamie Cullum und dem Los Angeles Philharmonic
„Ocean`s Eleven“, die sind von dir gespielt, oder? Wie kam das Orchestra in der Hollywood Bowl zu spielen war wohl auch ein
zustande, wo habt ihr aufgenommen? einprägsames Erlebnis?

„Ich schraube
nicht so viel
rum an meinen
Bässen, außer
wenn es wirklich
notwendig ist.“

Tim Lefebvre: Zunächst mal bin ich nicht auf „Ocean’s Tim Lefebvre: Ja, das war wirklich einer der schönsten Gigs,
Eleven“. Das waren hauptsächlich Robert Hurst und Dave die ich je spielen durfte. Jamies Musik hat eine Menge
Carpenter (R.I.P.). Ich bin auf dem „Ocean’s Twelve“- Elemente, üppige Balladen, rauhe Swingnummern bis hin zu
Soundtrack. Ich hatte mit David Holmes an dem Soundtrack Britpop. Also konnte ich all das machen, was ich am liebsten
von „Analyse This“ gearbeitet, daher hat er mich zu „Twelve“ tue: gefühlvoll spielen, swingen, richtig rocken und Background
geholt. Aufgenommen haben wir in den Cherokee Studios in singen. Das alles auch noch vor einer Kulisse von 10.000
West Hollywood, eine fantastische Location. Menschen. Einfach unbeschreiblich! Drummer Mark McLean
und ich haben gerade für Jamies neue CD aufgenommen.
bq: Hast du auch eigenes Material beisteuern können?
Tim Lefebvre: Nein. Es gab aber durchaus einige struktu- bq: Soviel ich weiß bist du in der New Yorker Singer-
rierte Jams, die es auf den Soundtrack geschafft haben. Songwriter-Szene sehr aktiv und du produzierst auch viel.
Tim Lefebvre: Ich schreibe ständig Musik, das meiste in
bq: Besteht die Zusammenarbeit mit dem Pianisten Uri Caine Richtung eletronischer Popmusik. Ich arbeite dabei mit Emily
noch? Zuzik, wir schreiben im Stil von Portishead, etwas Beatles ist
Tim Lefebvre: Ja, die Bedrock-Mannschaft hat auf Uris letzter dabei, viel 1980er Jahre Rock. Sie ist ein wirkliches
CD, „Othello Syndrome“ (Winter und Winter) gespielt. Klingt Gesangstalent, wenn du mich fragst.

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„Wir waren alle darauf aus, uns so viele englische


Drum ’n’ Bass-Platten wie möglich zu besorgen und
rauszukriegen, wie sie diesen Sound hinbekommen.“

Auch für Lynne Timmes habe ich einige Tracks produziert und zu tun, ich habe Flatwound-Saiten drauf. Meine beiden 77er
mit dem Dance-Artist Eric Redd auf dessen Album „Across Jazz und Precision Bässe habe ich bei Rudy’s Guitar Repair
The Water“ zusammengearbeitet. Was die Singer-Songwriter- Shop überholen lassen, die haben beide Roundwound Saiten.
Szene betrifft, so gibt es hier in NY gerade eine ziemliche Den Precision liebe ich mit Roundwounds, für diesen 1980er
Schwemme. Ich bin da schon eher wählerisch geworden. Jahre Pickstyle Precision Sound à la Adam Clayton. Egal, wie
man über ihn denkt, er hat einen großartigen Sound.
bq: Beschreibe doch bitte mal die Live-Drum ’n’ Bass-Szene in
New York, du warst ja von Anfang an dabei. bq: Du bist dafür bekannt, Effektgeräte kreativ und musika-
Tim Lefebvre: Die guten alten Zeiten vor 9/11. Diese Szene lisch einzusetzen. Was hast du da gerade am Start?
war so lebendig und frisch. Wir waren alle darauf aus, uns so Tim Lefebvre: Zur Zeit sind meine Favoriten das Boss OC 2
viele englische Drum ’n’ Bass-Platten wie möglich zu besorgen Oktaver Pedal und das SansAmp Pedal für richtige Metal-
und rauszukriegen, wie sie diesen Sound hinbekommen. JoJo Sounds. Außerdem habe ich mir gerade das neue Roland RE
Mayer, Zach Danziger, Jonathan Maron, Jesse Murphy, Jamie 20 Space Echo geholt, auf das ich total stehe.
Saft, Henry Hey, Takuya Nakamura, Dave Binney, Danny
Sadownick und andere waren dabei. Wir bauten unser bq: Tim, was steht als nächstes an bei dir, bist du demnächst
Equipment auf und haben munter experimentiert. Einige Live- mal in Europa zu sehen?
Mitschnitte von Zach, Dave Binney, Jamie Saft und mir aus die- Tim Lefebvre: In nächster Zeit auf jeden Fall nicht. Im
ser Zeit sind ganz schön abgefahren. September gehe ich mit meiner Band Rudder mit Chris Cheek,
Keith Carlock und Henry Hey nach Japan. Und sonst? Einige
bq: Wie sieht es mit deinem Equipment aus? Was spielst du Dates mit Jamie Cullum im August und September, mit Patti
gerade, wo lässt du deine Instrumente einstellen? Austin in N.Y. sowie einige Festivals in den Staaten mit Chris
Tim Lefebvre: O.K., ich habe einen Kontrabass von Matthias Botti.
Thoma, Vollholz. Ich liebe dieses Instrument, es lässt sich
leicht spielen und klingt im Studio fantastisch. Ich verwende bq: Na denn, Tim, vielen Dank für das Gespräch und alles
den „Realist“-Tonabnehmer von David Gage und live noch ein Gute.
Audio-Technica Pro 70 Mikrophon – ein guter Sound für wenig
Geld. Ich klemme das Mikro einfach an das Kabel des „Realist“,
dadurch wird der Bass nicht gedämpft.
Elektrische Bässe? Die alte Geschichte: Fender, Fender und
Fender. In letzter Zeit verwende ich meinen 65er Jazz Bass
wieder häufiger. Gerade hatte ich einige Gigs mit Dave Binney, Aktuelle CD:
Wayne Krantz und diesem Drummer Nate Wood von der Band Rudder
Kneebody aus L.A.. Wir spielten in diesem neuen Club in Red „Rudder“
Hook Brooklyn. Ein Riesenspaß! Label: Ninteeneight
Ich schraube nicht so viel rum an meinen Bässen, außer wenn (siehe Media-Tipps in
es wirklich notwendig ist. An meinem 65er Jazz ist fast nie was dieser Ausgabe)

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Was sagt…
Tim Jürgens von Superpunk
Von Martin Kaluza

...über Erfolgsambitionen?
Mein Bandkollege Lars sagt immer: „Das Gute an Superpunk dann spielen wir halt. Wir haben auch jede Platte, die rauskam,
ist, dass es nicht in Arbeit ausartet.“ Wir haben die Band nie erstmal im Golden Pudel Club vorgestellt, in den man höchs-
mit einem übertriebenen Ehrgeiz angepackt. Und das ist auch tens 120 Leute reinquetschen konnte. Verglichen mit Subway
der Grund, warum sie nach zwölf Jahren immer noch wie eine Surfers ist Superpunk viel, viel erfolgreicher geworden.
gut geölte Maschine läuft. Eigentlich ging es nur darum, dass
man irgendwo in Hamburg in der Kneipe spielt und dafür gra- …über sein Bass-Equipment?
tis Alkohol bekommt. Ich komme ursprünglich aus Ich bin sehr glücklich mit meinem Bass-Equipment. Alles
Ostfriesland, da haben wir 1987 die Subway Surfers gegründet stammt aus meiner Zeit in Ostfriesland. In Emden gibt es einen
und 1988 einen Plattenvertrag bei Glitterhouse bekommen. Bunker, in dem Bands üben. Da habe ich über die Jahre alles
Wir waren damals noch ein bisschen übertrieben ehrgeizig. für einen Spottpreis zusammengekauft. Ich habe einen Squier
Und man weiß ja, wohin das in Bands führt. Als es dann 1996 Precision Bass aus Japan von Ende der Siebziger für 300 Mark
unschön auseinanderging, dachte ich, das war's mit der Musik von einem Typen gekauft, dessen Freundin sich ein Pferd
in einer Band, den Stress tue ich mir nicht mehr an. Da kam anschaffen wollte. Die sagte ihm: „Du verkaufst die verdamm-
mir die Kneipenband eigentlich nur recht. Wir wollten zusam- ten Bässe!“ Dann habe ich einen Fender Jazzbass von 1972, der
men einen trinken, und wenn es irgendwo eine Steckdose gibt, mir damals allerdings als 1968er angepriesen wurde. Den woll-
te ich haben, weil die Dinger schön
aussehen, ich habe gar nicht darüber
nachgedacht, dass sie auch toll klin-
„Ich hätte natürlich lieber eine 8x10er Box, gen. Ich habe ihn an einem 1. Mai von
einem Typen gekauft, der vom Feiern
aber da haben sich meine Bandkollegen noch völlig blau war und den Deal
geweigert. Schließlich schleppt bei uns der bloß über die Bühne bringen wollte.
Und ich habe für 300 Mark einen
Musiker noch selbst.“ Ampeg SVT der ersten Generation
geschossen. Die Box ist ein 4x10-Zoll-

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„Es bringt nichts, nach zwölf Jahren die


alten Daddys von Superpunk so zu
produzieren und zu straffen, dass sie in
irgendwelche Schemata passen.“
Eigenbau. Unser Mixer hat die damals gebaut. Ich hätte natür-
lich lieber eine 8x10er Box, aber da haben sich meine
Bandkollegen geweigert. Schließlich schleppt bei uns der nommen. Wir wussten, wenn sich eine Band auflöst, machen
Musiker noch selbst. drei von vier oder fünf Mitgliedern sicher keine Musik mehr.
Wichtiger als um jeden Preis Erfolg zu haben ist, dass wir ver-
...zum Thema Fünfsaiter? suchen, unsere kleine, aber feine Band zu erhalten.
Fünfsaiter? Ja ja, da klingelt was. Habe ich schon mal gehört…
…über Fettes Brot?
...warum Musik besser ist als Fußball? Wir waren jetzt acht Tage mit ihnen auf Tour. Die finden uns
Nehmen wir als Beispiel die Stones: Die haben als Bluesband gut, haben uns eingeladen, und das ganze war sehr locker. Im
auf kleinen Bühnen angefangen. Und wenn sie die Stadien deutschen Hiphop gilt es ja bei einigen verpönt, sich außerhalb
nicht mehr füllen, spielen sie mit 80 vielleicht wieder in klei- der eigenen Homies umzuhören. Doch das ist gerade die
nen Clubs. Wir als Bassisten sind in einer Band ja per se Stärke dieser Band, und deswegen gibt es sie auch noch – im
Teamplayer. Wenn wir uns also nicht zu wichtig nehmen, kön- Gegensatz zu vielen anderen Bands, die zur gleichen Zeit
nen wir eigentlich eine Band haben, bis wir auf der Bahre lie- gegründet wurden.
gen. Ob ich mein Ableben auf dem Fußballplatz erlebe, ist hin-
gegen eher unwahrscheinlich. …zum Thema Humor und Gesellschaftskritik?
Es wird immer gesagt, unsere Stücke wären so humorvoll, aber
...zur Hamburger Schule? ich finde das gar nicht. Nimm den Song „Neue Zähne für mei-
Zu dem, was die Presse gerne als „Hamburger Schule“ bezeich- nen Bruder und mich.“ Der beruht auf einer wahren
net, also Bands wie Tocotronic oder Die Sterne, gehörten Begebenheit. Carsten hat in der Zeitung die Geschichte von
Superpunk eigentlich nie so richtig dazu. Wir stammen mehr einem Mann gelesen, der seinen Nachbarn kidnappt, um
aus dem Umfeld von Sport, Unhold, Potato Fritz oder Happy 10.000 Mark zu erpressen, mit denen er neue Zähne für seinen
Grindcore. So gesehen stehen wir wohl eher für die Hamburger Bruder bezahlen will, weil die Krankenkasse sich weigert. Klar,
Sonderschule. Vielleicht noch nicht mal die. Außerdem sind bei dem Songtitel denkt man erstmal: Was ist das denn für ein
wir auch schon deutlich aus dem schulpflichtigen Alter raus. Quatsch? Aber das ist eigentlich eine todtraurige Geschichte...

...zu seinen musikalischen Vorbildern?


Ich habe wahrscheinlich wie 99 Prozent der bq-Leser mit dem
Bassspielen angefangen, als ich das Basssolo von „My
Generation“ gehört habe – weil es einem so die Schuhe aus-
zieht und den Schweiß auf die Stirn treibt – und zwar immer
noch. Ich denke bis heute: Wie macht der das? Anfang der
Neunziger ist dann in Hamburg der Soul in mein Leben getre-
ten. Wir sehen uns ja nach wie vor als Schrottband, die ver-
sucht, Soul zu spielen und es nicht hinkriegt. Dadurch vergöt-
tere ich natürlich Bassisten wie Jamens Jamerson und all die
anderen, die tolle Soulplatten zwischen 1962 und 1975 aufge-
nommen haben.

„Wir sind wohl eher die


Hamburger Sonderschule.“

...über das richtige Label?


Nachdem L’age d’Or kein Geld mehr hatte, Platten zu produ-
zieren, mussten wir uns ein neues Label suchen. Es gab mit
vier Labels Gespräche, und wir haben uns bewusst das famili-
ärste ausgesucht, weil wir der Ansicht waren, dass es am besten
zu uns passte – es bringt nichts, nach zwölf Jahren die alten
Daddys von Superpunk so zu produzieren und zu straffen,
dass sie in irgendwelche Schemata passen. Also schieden
Major-Firmen von vornherein aus. In unserem Alter darf man
sich nicht mehr zu starkem Druck von außen unterwerfen. Wir
hatten vorher ja alle schon mit anderen Bands Platten aufge-

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INTERVIEWS

65 und
immer noch
Rebell

Jack Bruce
Bruce selbst stapelt, angesprochen auf seine
Fähigkeiten an den tiefen Saiten, eher tief,
betrachtet sich lieber aus der Perspektive des bq: Jack, deine Art, den Bass zu spielen, hat, wie man es über-
Songwriters. Ein (trotz des Umfangs von sechs all nachlesen kann, zahllose zeitgenössische Bassisten beein-
CDs unvollständiger) Querschnitt seines flusst. Hast du als Vorbild, Inspirationsquelle und lebende
Legende nun ein Level erreicht, auf das dir so schnell niemand
umfassenden Œvres wird anlässlich seines 65.
folgen kann?
Geburtstags mit der CD-Box „Jack Bruce – Can Jack Bruce: Nein, meiner Meinung nach ist jeder zu Ähnli-
You Follow?“ dokumentiert. Kein Grund für chem in der Lage… Natürlich ist der musikalische Ausdruck
Bruce, sich zurückzulehnen. Stillstand, weder aber eine sehr persönliche, also auch eine sehr individuelle
künstlerisch noch sonst, ist für ihn kein Thema Angelegenheit. Mir ist es gelungen, einen Weg zu mir selbst zu
– gemäß seinem Motto (frei nach Churchill): finden, zu meinem Ausdruck. Auf diese Art sein Potential aus-
zuschöpfen, dazu ist prinzipiell jeder Musiker imstande, wenn
„Immer in Bewegung bleiben!“ Nachdem die
er das wirklich will. Außerdem ist das alles ja kein Wettkampf.
britischen Wettergötter dem Interview durch Zwischen Musikern geht’s nicht zu wie in der „Bundesliga“!
punktgenaues Überfluten der Leitungen [auch im Original deutsch, Anm.d. Red.]
zunächst den Garaus zu machen drohten, Die Leitung ist plötzlich tot…
erweist sich Jack Bruce (als schließlich ein was- Jack Bruce: (meldet sich wieder) Hallo!? Tut mir leid… Hier
serresistenteres Telefon mit Wählscheibe auf- regnet es nämlich gerade; das Wetter ist im ganzen Landstrich
ziemlich scheußlich. Es steht schon alles unter Wasser.
getrieben wird) als höchst angenehmer
Die Leitung ist wieder unterbrochen…
Gesprächspartner, weit entfernt irgendwel- Jack Bruce: (meldet sich nach ein paar Minuten wieder) Das
cher Starallüren. zweite Telefon war auch abgesoffen. So, jetzt bin ich in ein
anderes Zimmer gegangen, in dem es einen altmodischen
Von Carina Prange Apparat gibt. Hoffentlich funktioniert der jetzt.

bq: Lass es uns einfach versuchen.


Jack Bruce: Hattest du meine Antwort auf deine Frage noch
gehört?

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bq: Die ersten zwei, drei Sätze sind durchgekommen. Hat man Glasgow nämlich einmal verlassen, dann gibt es kein
Jack Bruce: Wie war die Frage noch? Ich glaube, wir fangen wirkliches Zurück mehr. Man kann natürlich wieder dorthin
besser von vorne an. ziehen, rein körperlich. Aber für die Leute vor Ort hast du im
Grunde verschissen, sie betrachten es als Verrat, wegzugehen.
bq: Es ging um deine Vorbildrolle als Bassist und ob du dir als Wie soll ich also meine Verbindung zu Glasgow beschreiben?
Instrumentalist einen uneinholbaren Vorsprung anderen Ja, ich habe einen Ehrendoktortitel der Musikhochschule
gegenüber, die dir nacheifern, erarbeitet hättest? erhalten, an der ich früher war. Aber das bedeutet nicht, dass
Jack Bruce: Alles klar… Gut, was mich und meinen persön- ich dort wirklich anerkannt würde.
lichen Stil angeht, so kann das, im wörtlichen Sinne, niemand
erreichen oder übertreffen. Man kann ja den Weg eines ande- bq: Kommen wir mal zu deinen Instrumenten. Es gibt von
ren Musikers nicht nochmals gehen. Aber, wie ich vorhin Warwick, deren Bässe du seit Jahren spielst, das Jack Bruce
gesagt habe, wenn ich mich richtig erinnere: Jeder kann für CRB Modell, das in Bodyform und dem allgemeinen
sich selbst etwas Vergleichbares schaffen. Weil aber jeder sei- Erscheinungsbild an den Gibson EB-3 erinnert, den du in den
nen eigenen Weg gehen muss, wird er natürlich an einem Zeiten von Cream eingesetzt hast. Ist es richtig, dass dieses
anderen Punkt herauskommen. Instrument anlässlich der Cream-Revival-Tour entworfen wur-
de, dass du es aber nicht ausschließlich spielst?
Jack Bruce: (lacht) Nein, ich spiele diesen Bass, offen gesagt,
„Eigentlich habe ich nie wirklich sogar überhaupt nicht. Ich hatte mit Warwick darüber gespro-
chen, dass sie mir ein Instrument bauen würden, aber es kam
für die Öffentlichkeit oder ein am Ende nicht das heraus,
spezielles Publikum gespielt. was ich mir vorgestellt hatte.
Ich wollte etwas Einfaches,
Ich tat es immer für mich selbst schlicht und schön. Und
und für die Leute, mit denen ich preisgünstig! So, dass die
Kids es sich leisten könnten.
unmittelbar zusammenarbeitete.“ Warwick hat viel Mühe aufs
Design verwendet und es ist
ein wunderschönes Instru-
bq: Vorbild zu sein, bedeutet ja in gewisser Weise, Einfluss zu ment geworden. Aber für
besitzen. Das bedeutet indirekt auch Verantwortung. Fühlst du mich ist es zu kompliziert
eine solche Verantwortung in der Öffentlichkeit? geraten und zu schwer. Ich
Jack Bruce: Äh … nein! Nein, überhaupt nicht. Das sehe ich war also nicht ganz glück-
nicht als meinen Part an. Genauer gesagt, ich habe nicht mal lich mit dem Ergebnis. Aber
das Gefühl, mir darüber auch nur Gedanken machen zu müs- vielleicht werden wir unsere
sen. Ich tue einfach das, was ich tue. Und auf die Art, wie ich Zusammenarbeit denächst
es für richtig halte. Eigentlich habe ich nie wirklich für die erneuern und kommen
Öffentlichkeit oder ein spezielles Publikum gespielt. Ich tat es dann mit etwas raus, was
immer für mich selbst und für die Leute, mit denen ich unmit- dichter an meinen Vorstel-
telbar zusammenarbeitete. Wenn man ein bestimmtes lungen ist. Jetzt ist dieser
Publikum anvisiert, glaube ich, dann verlässt man den Pfad des Bass eher ein Kunstwerk,
reinen Künstlertums. Das ist nicht das, was mir vorschwebt. das man sich auch an die
Das wäre eher die kommerzielle Schiene und die war nie mein Wand hängen könnte.
Ding. Höchstens zufällig bin ich in solche Sachen reinge- Hmm, mir schwebte da
rutscht. Cream beispielsweise war so ein „Unfall“ – es war ja etwas Roadtauglicheres vor,
nicht geplant, dass das kommerziell so einschlagen würde und sozusagen.
erst recht nicht in diesem Ausmaß! Nein, ein Musiker, der dem
kommerziellem Erfolg nachjagt, das wollte ich eigentlich nie bq: Ach…
sein. Jack Bruce: Aber so ticken die dort eben nicht… (lacht) Na
ja, Warwick ist trotzdem mein Favorit. Ich liebe die Arbeit, die
bq: Nachdem sich Cream getrennt hatten, zogst du aus, deine sie dort machen. Vielleicht kriegen wir es ja gemeinsam noch
„musikalischen und persönlichen Wurzeln wiederzuentdecken“. irgendwann hin.
Hast du das am Ende geschafft – und wie würdest du diese
Wurzeln aus heutiger Sicht beschreiben?
Jack Bruce: Ich habe lediglich auf meine Weise und sehr ernst- „Ich finde, alles ist politisch.
haft versucht, ganz „klein klein“, eine eigene musikalische Sogar was und wo man zu
Sprache zu entwickeln. Eine persönliche Sprache, die all mei-
ne verschiedenen Einflüsse beinhaltet. Das wär’s eigentlich Mittag isst, ist politisch.“
schon mit der Beschreibung! Ich würde mich nicht als
„Rockmusiker“ oder als „Jazzmusiker“ bezeichnen, oder irgend- bq: Du hast eines deiner Alben mal mit „More Jack Than God“
was in der Richtung. Das alles sind nur Etiketten, die einem betitelt. Was steckte da für eine geheime Botschaft dahinter?
andere Leuten anheften, um Dinge vermarktbar zu machen. Jack Bruce: Oh, ganz einfach: Wir hatten ein Stück namens
Ich bezeichne alles einfach nur als Musik. „Kelly’s Blues“ aufgenommen, auf dem ich Akustikgitarre spiel-
te. Den zweiten Gitarrenpart hatte ein Freund von mir über-
bq: Was nun deine persönlichen Wurzeln angeht, wie stark ist nommen, Godfrey Townsend. Während der Aufnahme fragte
deine Verbindung zu Glasgow? Immerhin bist du dort in der der Toningenieur, wie er den Kopfhörermix balancieren sollte:
Nähe geboren. „Mehr Jack oder mehr God?“, wollte er wissen. Godfrey kürzte
Jack Bruce: (lacht) Das ist jetzt schwieriger zu beantworten! er immer „God“ ab, was zum Running Gag wurde. Später nahm

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ich das als Titel, weil ich es lustig fand. Du siehst, es steckt gar
nicht so viel dahinter! (lacht) Eigentlich sogar überhaupt
nichts!

bq: Hast du über die Jahre eine bestimmte Technik entwickelt,


wie du Songs schreibst? Irgendwelche Tricks und Kniffe?
Jack Bruce: Das müssten dann ungefähr genauso viel Tricks
und Kniffe sein, wie ich Songs geschrieben habe, und das sind
ein paar hundert. Es gibt kein Geheimrezept. In den alten
Zeiten, als ich mit Pete Brown zusammenarbeitete, da hatte ich
in der Regel zuerst die Musik fertig. Anschließend arbeiteten
Pete und ich gemeinsam den Text aus. Näher bin ich an ein
Geheimrezept nie herangekommen. Aber schon da war es
jedes Mal anders.

bq: Würdest du aber zustimmen, dass man mit mehr man zu Mittag isst, ist politisch. Es lässt sich überhaupt nicht
Erfahrung die besseren Stücke schreiben kann, dass man vermeiden, politisch zu sein. Jeder, der sich bemüht unpolitisch
mehr Tiefe erreicht? gibt, hat meiner Meinung nach Angst, dem Leben die Stirn zu
Jack Bruce: Nein, ich glaube sogar, dass das Gegenteil richtig bieten. Weil ja alles auf die ein oder andere Art ein politisches
ist. Jeder Künstler bekommt, sozusagen mit der Geburt, sein Statement darstellt. Und wenn man einen Song schreibt, ist
Päckchen an Ideen mit auf den Weg. Deren Anzahl ist demzu- das eine gute Gelegenheit, so ein Statement konkreter zu for-
folge begrenzt. Die meisten dieser Ideen kommen während der mulieren.
Jugendjahre zur Reife. Du erlebst es oft, dass junge Künstler
und Künstlerinnen – ob sie nun malen, schreiben oder was „Ich bin der Meinung, dass
sonst, ihre besten Arbeiten im zweiten, höchstens dritten,
Lebensjahrzehnt hervorbringen. Gut, manche Künstler errei- die junge Generation, dass der
chen ihren Zenit erst mit 60 oder 70 Jahren. Insgesamt gibt es Nachwuchs rebellisch sein muss.“
aber keine Gesetzmäßigkeit, die Alter an Reife koppelt. Man
kann mit 16 künstlerisch genauso reif sein, wie mit 61.
bq: Hat man denn Einfluss darauf, wie dieses Statement auf-
bq: Eines deiner Stücke heißt „So They Invented Race“. Das gefasst wird?
hat ja einen eindeutigen Standpunkt. Muss man das als Jack Bruce: Das hängt natürlich vom Musiker ab und von
Songwriter machen, seine Ansichten in die Öffentlichkeit brin- den Zeiten, die gerade herrschen. Heutzutage sind die Zeiten
gen, gegebenenfalls politisch sein? eskapistisch, da gibt es eine ganze Menge Bands, die dement-
Jack Bruce: Ich finde, alles ist politisch. Sogar was und wo sprechend gar keine Botschaft haben, sogar absichtlich keine
Botschaft haben wollen. Ich finde das sehr schade, weil ich der
Meinung bin, dass die junge Generation, dass der Nachwuchs
rebellisch sein muss. Dass sie stets das Establishment in Frage
stellen sollten. Jede Generation aufs Neue, verstehst du? Aber
What a (bass)man! wie weit sind wir im Moment davon entfernt! Das letzte Mal, wo
das wirklich geschah, zumindest aber ernsthaft versucht wur-
In seiner vier Dekaden überspannenden
Karriere waren die beiden Jahre mit Cream de, war in der Punk-Ära. Bis zu ihrem Ausverkauf empfand ich
fast nicht mehr als ein Intermezzo, dessen diese Bewegung als sehr fruchtbar.
einschlägigen Erfolg er selbst als „Unfall“ Was die Musiker angeht: das Beste, was man erreichen kann,
bezeichnet. Dennoch bleibt Jack Bruce, ist, Leute zusammenzubringen. Genau das war es, was wir in
den der Melody Maker seinerzeit (1971)
zum „weltbesten Bassgitarristen“ kürte, den Sixties wollten. Zu einem gewissen Teil haben wir es
wohl unauflöslich mit dieser legendären geschafft. Zum anderen, größeren, Teil sind wir damit geschei-
Band verbunden. Nicht dass er nicht tert. Aber was soll’s, wir haben es versucht.
noch zahllose weitere Meriten vorzu-
weisen hätte, sowohl aus der Zeit vor
als auch nach Cream. So war er Teil bq: Ry Cooder hat unlängst sein recht politisches Album „My
namhafter Bands der damals aufkei- Name Is Buddy“ veröffentlicht. Aus dem Anlass sagte er zu mir:
menden „British Blues Explosion“, „Marx hatte auf ganzer Linie recht. Er und George Orwell
wie jener von Alexis Korner und haben es durchschaut. Was sie nicht ahnen konnten, war, dass
setzte mit der Graham Bond
Organisation die Eckwerte eines sich Big Brother als Shopping Mall verkleiden würde…“ Was
künftig als „Jazzrock“ bezeichne- meinst du dazu?
ten Stils. Später gesellte er sich zu Jack Bruce: Das ist schon ziemlich auf den Punkt. Es war ja
Carla Bley für deren ambitionier- früher keineswegs alles gut – was die sozialistischen Länder
tes Projekt „Escalator Over The
Hill“, schrieb die Rockgeschichte angeht, kann man ruhig von den „bad old days“ sprechen. Aber
weiter mit Bands wie „West, was wir heutzutage haben, ist nicht besser, nur anders. Eine
Bruce and Laing“ und begann Zensur, wie sie in der UdSSR herrschte, geschieht hier durch
mit der Veröffentlichung einer das Diktat des Geldes. Manche Dinge kann man nicht realisie-
langen Reihe von Soloalben,
von denen einige, wie „Songs ren und das entspricht einer Art von Zensur. Ry Cooder ist
For A Taylor“, inzwischen auch hierfür ein Beispiel. Denn seine letzte Platte konnte er in
Kultstatus erreicht haben. Havanna nicht aufnehmen wie geplant (ähnlich ging es mir
nebenbei auch), weil er schlicht das Geld nicht auftreiben
konnte. Damit hat man in Amerika ständig zu kämpfen. Aber
nicht die Shopping Malls sind der Big Brother, auch nicht das

88
INTERVIEWS

Fernsehen. Leute wie Rupert Murdoch sind der „Big Brother“. reicht gar nicht bis zur Gegenwart, sie endet leider schon im
Ich hoffe, eure Zeitschrift gehört ihm nicht auch schon!? Jahr 2003. Da fehlen also fünf ganze Jahre. Obendrein umfasst
sie nicht alle Projekte, an denen ich beteiligt war, das wäre …
bq: Kann ich dich beruhigen, tut sie nicht. naja, ziemlich unmöglich, da bräuchte man eher zehn CDs.
Jack Bruce: Sehr gut! Die meisten hierzulande sind nämlich Dadurch, dass man mich zwang, mir meine eigene Musik anzu-
seine. hören, um diese Zusammenstellung zu gestalten, sind mir aber
schon ein paar Stücke im Kopf hängengeblieben. Zuallererst
bq: Kürzlich hast du deinen 65. Geburtstag gefeiert. Aus dem „I’m A Hoochie Coochie Man“. Da war ich 19 und habe mit
Anlass wird unter dem Titel „Can You Follow?“ eine Sammlung Alexis Korner gespielt. Am Schlagzeug saß Charlie Watts. Cyril
aus sechs CDs veröffentlicht, die deine Karriere, wie es heißt, Davies war Sänger und Mundharmonikaspieler. Diese frühe
„ab dem Alter von 19 Jahren bis zum heutigen Tag“ nachzeich- Aufnahme fand ich beim Wiederhören wirklich total spannend.
net. Welche drei persönlichen Highlights würdest du heraus- Dann sind da selbstverständlich ein paar richtig gute Sachen
greifen, wenn du das solltest? von Cream dabei, unter denen ich mich wohl für „I Feel Free“
Jack Bruce: Aus dieser ganzen Masse von Musik? Das ist ver- entscheiden würde. Für mich war dieser Song der Durchbruch
dammt schwer! (lacht) Oh, und außerdem, die Sammlung als Komponist und Sänger. Du hast zwar eigentlich drei gesagt,
aber ich würde die Auswahl gern auf vier Songs ausdehnen.
Das dritte wäre „Like A Plate“, das bestimmt das verrückteste
Aktuelle CDs: und durchgeknallteste Stück ist, das ich je aufgenommen
Jack Bruce/Robin Trower „Seven Moons“ habe. Vielleicht sogar das verrückteste und durchgeknallteste
Label: Evangeline / Soulfood Stück, das überhaupt je aufgenommen wurde! (lacht) Und zum
Abschluss würde ich „Milonga“ nennen, das auf dem Album
Jack Bruce „Can You Follow” „Shadows In The Air“ zu finden ist.
Label: Cherry Red/Rough Trade
bq: Hast du schon Pläne gemacht für die kommenden fünf
Jahre?
Jack Bruce: Naja, ganz so lange plane ich nicht voraus. Aber
in nächster Zeit wird so allerhand passieren. Natürlich soll es
eine Menge Konzerte geben, hier welche und dort welche, eine
US-Tour – und nach Japan will ich auch gehen. Und vor allem
möchte ich eine dritte CD mit meiner Latin Band aufnehmen.
Dafür fehlt es mir aber noch an einer Plattenfirma. Also, wenn
das hier jemand liest und sich angesprochen fühlt … ruft
mich an! II

„Es gibt keine


Gesetzmäßigkeit, die
Alter an Reife koppelt.
Man kann mit 16
künstlerisch genauso
reif sein, wie mit 61.“

90
INTERVIEWS

Der
Bändiger
der Bässe
Auf letzterer quasi autobiografisch angehauchter CD lässt bq: Doug, warum stehst du als Studiobassist bei derart vielen
Wimbish, wie er es ausdrückt, seine letzten vierzig Jahre Revue Künstlern so hoch im Kurs? Oder ich frage mal so: Was hast
passieren. Angefangen mit seiner Jugend in Bloomfield, du, was andere nicht haben?
Connecticut. Der Titel „Cinema Sonics“ bezieht sich auf Doug Wimbish: Ich halte mich nicht für etwas Besonderes.
Wimbishs Liebe zu Kinofilmen und auf seine These, dass Ich glaube auch nicht, dass ich außergewöhnliche Fähigkeiten
Musik nicht nur gehört, sondern gesehen und gefühlt werden habe. Aber immer schon hatte ich ein Ziel vor Augen, wusste
muss. Wer jedoch verstehen will, wie dieser Mann wirklich tickt, was ich will und habe mich nicht gescheut hart zu arbeiten,
muss darauf gefasst sein, dass sich bei ihm ansonsten alles, um das zu erreichen.
aber wirklich alles, irgendwie um das Bassspiel dreht.

92
INTERVIEWS

Doug Wimbish
Dieser Tage ist der vielbeschäftigte Bassmann Doug Wimbish mit dem
Briten Mark Stewart unter dem Bandnamen „Maffia“ auf der Bühne zu
erleben. Die Tour mit der Band der finnischen Rocklegende Tarja Tarunen
neigt sich derweil dem Ende zu. Wimbish ist als Studiomusiker das Ass
im Ärmel vieler Produzenten: so für Mick Jagger, Annie Lennox, Seal oder
Madonna. Er findet offenbar aber dennoch sporadisch Zeit zum Schreiben
eigener Stücke. Dies schlägt sich in bislang zwei Soloalben nieder:
„Trippy Notes For Bass“ (1999) und ganz neu„Cinema Sonics“.

Von Carina Prange

bq: Weißt du instinktiv, wie du dich auf einen Künstler einzu- die sich für mein Spiel interessierte und es hat nicht lange
stellen hast, auf das, was er braucht, wenn du mit ihm auf- gedauert, bis er mir die Bassparts von Stücken von Larry
nimmst oder auf der Bühne stehst? Graham oder Bootsy Collins zeigte, die er mit der Band spielte.
Doug Wimbish: Ich bin in der Lage, mich auf die gleiche
Wellenlänge zu begeben wie der Künstler. Ich kann dann das bq: Was fandest du so toll am Bass?
bringen, was angefragt ist, kann aber darüber hinaus auch Doug Wimbish: Die Frequenzen. Die Schwingungen.
Eigenes beitragen, damit die Musik in die Richtung geht, die Bassspielen bedeutet, diese Frequenzen zu kontrollieren.
der Künstler sich vorstellt. Wenn der Bass ein Löwe ist, dann bin ich derjenige, der diesen
Löwen bändigt. Ich weiß, wie ich den Bass anpacke, damit er
bq: Braucht man als Sessionmusiker ein bisschen psychologi- brüllt, oder wie ich ihn streichle, so dass er schnurrt.
sche Fähigkeiten?
Doug Wimbish: (lacht) Ja, das ist im Angebot inbegriffen! „Als mir klar wurde, welche Kraft im Bass steckt,
bq: Kannst du denn immer am Puls der Zeit sein, was Stil und habe ich immer nach Wegen gesucht, diese
Geschmack angeht? Kraft noch stärker zum Vorschein zu bringen.“
Doug Wimbish: Stets versuche ich, das beizutragen, was für
den Augenblick passend erscheint. Das hängt davon ab, was
ich dann gerade fühle oder wie ich die Musik höre. bq: Was ist dein Lieblingsbass derzeit?
Doug Wimbish: Ich habe ein „Zwillingssetup“, sage ich
bq: Bevor du mit Bass anfingst hast du Gitarre gespielt. Wann immer. Das sind zwei Spector-Bässe, ein brauner 4-Saiter und
kamst du zum Bass als Hauptinstrument und warum? ein blauer 5-Saiter. Die spiele ich über zwei Trace Elliot AH
Doug Wimbish: Stimmt schon, eigentlich wollten alle immer 1000 Amps und zwei 15er Trace Elliot Boxen.
Gitarre spielen. Jedenfalls eher als Bass. Und selbst wenn man
hätte Bass spielen wollen, war das Instrument als solches viel bq: Du verwendest auch tonnenweise Effekte. Woher kommt
teurer und schwerer aufzutreiben. Das erste Mal, als ich mich das?
in einer Band als Bassist gefühlt habe, war so mit vierzehn. Am Doug Wimbish: Als mir klar wurde, welche Kraft im Bass
Schlagzeug saß mein Freund Jeffrey. Und Lash, ein anderer steckt, habe ich immer nach Wegen gesucht, diese Kraft noch
Freund, sang und spielte Gitarre. Ich montierte die beiden dün- stärker zum Vorschein zu bringen. Gleich zu Anfang kaufte ich
nen Saiten einer alten Gitarre ab und spielte darauf Basslinien mir ein Wah-Wah-Pedal, weil mir so gefiel, was Hendrix damit
von Billy Cox. Aber viel wichtiger war, dass Gary Williams, ein anstellte. Dann kam eine Fuzz-Box, danach ein Phase 90 Pedal
Kumpel meines älteren Bruders Victor, in einer lokalen hinzu, dann ein Echoplex… Ich habe immer ein offenes Ohr
Funkband den Bass spielte. Gary war die erste ältere Person, für neue Frequenzen.

93
INTERVIEWS

bq: Was macht du, damit du in Form bleibst und um dein Auf-der-Stelle-Laufen, so geht’s los … ich brauche viel Kraft in
Spiel technisch zu verbessern? den Beinen für die Bühne! Anschließend übe ich. Und wenn es
Doug Wimbish: (lacht) Üben! ein Konzerttag ist, dann esse ich um drei oder vier Uhr nachmit-
tags, lege mich eine Stunde aufs Ohr und – ganz besonders wich-
bq: Was genau übst du? Anders ausgedrückt, übst du im tig! – entspanne mich. Am Auftrittsort angekommen, gehe ich
Hinblick auf bestimmte Situationen, wie Blattlesen fürs Studio, erstmal Backstage und übe am Instrument, mache mich locker.
oder legst du Gewicht aufs Physische, wie Ausdauer und Kraft
für die Bühne? Oder geht es um musikalische Dinge, wie bq: Eines deiner wichtigen Projekte ist ja Living Colour. Die
Rhythmen oder Theorie? Gruppe ist Teil der 1985 gegründeten Black Rock Coalition.
Doug Wimbish: In meinem Kopf spielen sich allerhand Doug Wimbish: Ja richtig. Vernon Reid ist ja Gründungsmitglied
Dinge ab, lange bevor ich das Instrument in die Hand nehme. der Coalition. Ich unterstütze ihn immer in allem, was er macht.
Ich führe mir vor Augen, was genau ansteht, bevor ich anfange Er ist ein guter Freund, außerdem ein phänomenaler Musiker.
zu spielen. Dann beginne ich mit Sachen, bei denen ich mich
sicher fühle, geläufige Harmonien oder Rhythmustechniken. bq: Bei Living Colour und Jungle Funk spielst du mit den
Danach verbringe ich Zeit mit neuen Ideen, Sachen, an denen Schlagzeuger Will Calhoun zusammen. Warum ist diese
ich arbeite, die aber noch nicht so weit fortgeschritten sind. Kombination nach so vielen Jahren immer noch so fruchtbar?
Der Knackpunkt dabei ist, hier eine Ausgewogenheit zu finden. Doug Wimbish: Die musikalische Verbindung zwischen Will
und mir ist spiritueller Natur. Seit ich 1992 zu Living Colour
bq: Wie sieht denn ein typischer Tag im Leben von Doug stieß, gab es keinen Augenblick, in dem Will und ich nicht
Wimbish aus? irgendwie zusammengearbeitet haben. Ich habe nie ein inten-
Doug Wimbish: Nun, ich stehe auf und tue mein Bestes, um siveres Gefühl von Freiheit gespürt, als gemeinsam mit Will auf
negative Energien zu vermeiden. Allerdings „typisch“ hängt einer Bühne. Das Band zwischen uns ist so stark, dass ich auf
immer davon ab, wo ich bin und was gerade ansteht. Im der Bühne fast beliebig musikalische Wagnisse eingehen und
Augenblick bereite ich mich auf die Tour mit Tarja vor, mache nach Laune experimentieren kann. Ich weiß einfach, dass Will
mich also startklar für die Bühne. Ich habe noch ein paar zur rechten Zeit auf dem Punkt sein wird, dass er alles zusam-
Wochen Zeit, an meiner Fitness und Ausdauer zu arbeiten, menhält. Ein Musiker wie Will erzeugt die Art von Vibe, der
Dehnungen, Liegestützen, Kniebeugen, mehr Dehnungen, gute Musik ausmacht.

„Wenn der Bass ein Löwe ist,


dann bin ich derjenige, der
diesen Löwen bändigt.
Ich weiß, wie ich den Bass
anpacke, damit er brüllt,
oder wie ich ihn streichle,
so dass er schnurrt.“

94
INTERVIEWS

„Ich tue mein Bestes,


die Talente der
Leute um mich zu
erkennen.“

bq: Mal eine Frage zum neuen Album: Mir kam beim Hören in Groove, den wir spielen, gefällt, dann drücke ich auf Aufnahme.
den Sinn, dass man eine Platte wie diese nicht machen kann, Später höre ich’s mir dann an und arbeite damit. Ich spüre den
ohne sowohl von Arrangement als auch von Studiotechnik ein Frequenzen nach, höre auf den Raum, der sich auftut. Dann
Ahnung zu haben. Wo hast du das her? Kommt das automa- überlege ich, wer dazu ins Bild passen könnte. Ich beginne mit
tisch mit den Jahren? dem Bass, dann kommt gewöhnlich das Schlagzeug. Ich arbei-
Doug Wimbish: Das Produzieren habe ich durch Zuschauen te meist mit Will oder Keith an den Stücken. Und im laufen-
gelernt und immer in Gedanken durchgespielt. Ich halte den Prozess, wann immer es interessant wird, schneide ich
immer Augen und Ohren offen. Der Schlüssel zu allem, das ist alles mit. So habe ich immer eine Dokumentation der
mir klar geworden, ist es, die richtigen Leute zusammenzubrin- Entwicklung eines Stückes.
gen. Gelingt das, dann passieren die wirklich guten Sachen. Ich
tue mein Bestes, die Talente der Leute um mich zu erkennen. bq: Auf deiner Website steht, Doug Wimbish könne man am
Nicht nur in Bezug auf das Instrument, das sie spielen, son- besten als einen „Journeyman“ bezeichnen. Was für eine Art
dern für alles, was sie einbringen könnten. In diesem Sinne ist von Reise ist da gemeint?
„Cinema Sonics“ einer ganzen Reihe von Personen zu verdan- Doug Wimbish: Die Reise, ist das, was „Cinema Sonics“
ken, im Besonderen Skip McDonald. Mit ihm arbeite ich schon beschreibt. Und ich bin eben derjenige, der reist. Es geht somit
so lange, sowohl einzeln, wie auch im Kollektiv. Das ist Teil auch um mein Leben „on the road“. Es steht immer ein ande-
meiner DNA geworden! (lacht) Das gleiche gilt für Adrian rer Mond über jeder Bühne auf der ich spiele. Es ist eine
Sherwood, Bernard Fowler, und Keith Leblanc. Reflexion über das Leben, das wir gemeinsam beginnen und
das wir gemeinsam auch wieder verlassen.
bq: Wie vollständig ist deine Vision eines Stückes im Vorfeld?
Weißt du genau, wie es klingen wird, oder experimentierst du
erst und machst alles beim Mischen? Aktuelle CD:
Doug Wimbish: Wirklich fertig und beendet ist eine Sache „Cinema Sonics“
nie. Ich beginne mit einer Idee, einer Eingebung und spiele Label: Soulfood
damit herum. Wenn das verspricht, interessant zu werden,
dann nehme ich es auf. Ich habe einen kleinen Zoom H-2 Tipp:
Digitalrecorder, der in meine Hosentasche passt. Ich gehe nie Wimbish nimmt mit Field-Recordern auf.
Einen ausführlichen Vergleichstest der
ohne ihn aus dem Haus. Sogar auf der Bühne liegt er immer gängigen Field-Recorder jetzt in tools
neben meinem Laptop. Ich habe auch beim Soundcheck hau- Ausgabe IV Aug/Sep im Pressehandel.
www.tools4music.de
fenweise Ideen, vor allem mit Living Colour. Wenn mir ein

95
MOMENTAUFNAHME

Rudy’s Music Stop


Sonntag 18.05.2008, 16:13 Uhr, New York City, 48th Street,
Historic Music Row: Der auf Saiteninstrumente aller Art
spezialisierte Laden verfügt über ein ausgesuchtes Vintage-
Bass- und Gitarrensortiment. Ein Blick hinein lohnt immer,
96 egal ob beim Spontanbesuch in Big Apple oder online.
www.rudysmusic.com
AMPLIFIERS

Reisen leic ht
gemacht

Genz Benz
Shuttle 6.0
Musiker sind mobil. Musiker spielen
für Menschen an verschiedenen
Orten, d.h. sie bewegen sich und ihr
Equipment ziemlich oft. Wer möchte
da nicht seinen Sound leicht, flexibel
und beweglich mit sich führen.

Der Shuttle 6.0 scheint hierfür konzi-


piert. Schauen wir genau hin.

Von Lutz Mays

Die Musikindustrie kann dem Künstler mittlerweile PreAmp


Arbeitsgeräte an die Hand geben, die ihn in seiner Der mit einer 12AX7 Röhre bestückte Preamp wird mit zwei
Professionalität und Mobilität erheblich unterstützen. Ob beim Reglern gesteuert, dem Gain- und dem Volumeregler. Der
Lautsprecherbau, der Leichtbauweise der Chassis und Gainregler bestimmt, wie stark die Röhre angefahren wird, in
Neodymlautsprecher oder bei der Entwicklung von Abhängigkeit von dem Bassoutput und mit dem Volumeregler
Schaltnetzteilen und digitalen Verstärken – den hohen legt man die Gesamtlautstärke des Preamps fest. So kann man
Anforderungen der Bassisten werden die Geräte immer öfter die Röhre ziemlich heiß fahren und doch die Preamp
gerecht. Eines dieser Reise – Werkzeuge ist der von Jeff Gesamtlautstärke, für den Poweramp optimiert, kontrollieren.
Genzler und seinen Mannen entwickelte Shuttle 6.0. Mit nur Möchte man einen sauberen Sound, achtet man darauf, den
1,7 kg Gewicht ein sehr leichter Amp, mit einem „Leistung zu Gainregeler so einzustellen, dass die Overload LED nicht auf-
Gewicht“-Verhältnis von 353 Watt pro kg! leuchtet. Für einen etwas angerauhten röhrigen Ton darf die
LED ruhig aufleuchten. Ein Mute Schalter läßt das stumme
Stimmen zu, d.h. es werden alle Outputs, bis auf den
Tuneroutput stummgeschaltet.

98
AMPLIFIERS

Equalizer
Der Equalizer besteht aus den Regelbereichen Bass (80 Hz, +/- Um die oben genannte Power to Weight ratio von 353 Watt pro
15db), parametrischen Mitten (150 Hz – 2 kHz, +/- 12db) und kg zu erreichen, also insgesamt 600 Watt an 4 Ohm produzie-
den Höhen (3,5 kHz, +/- 15db). Diese parametrische ren zu können, verwendet Genz Benz ein digitales
Mittenregelung finde ich sehr praktisch, da sich hier individu- Schaltnetzteil und einen digitalen ClassD Poweramp. Die
elle Frequenzspitzen eines Pickups, oder Raum bedingte Endstufe ist mit einem Softclip Limiter versehen, der 6db vor
Feedback Probleme (z.B. mit dem Kontrabass) absenken bzw. Leistungsende eingreift und für einen natürlichen und musika-
eliminieren lassen. lischen Sättigungssound sorgt.

In der Abteilung Signal Shape gibt es den L.F. (Low Frequenz) Look & Feel
Boost, der Frequenzen in dem Bereich von 38-67Hz anhebt, Der Shuttle macht einen hochwertigen und übersichtlichen
den Mid Scoop, der den Mittenbereich zwischen 800hz und Eindruck. Die Potis sind gerastert und lassen so ein exaktes
1 kHz absenkt und den H.F. Attack, der die hohen Frequenzen Wiederfinden der Einstellungen zu, auch die Schaltknöpfe
2,25 – 8 kHz anhebt. Alle Shapes sind schalt- und nicht regelbar. rasten satt in ihre Stellung ein.

Rückseite Klang
Der Netzschalter ist auf der Rückseite angebracht. Das ist Designziel von Genz Benz war es, einen deutlich analogeren
nicht ganz so praktisch, hängt aber wahrscheinlich mit der Sound auch mit der digitalen Endstufe hervorzubringen.
Gewichtsersparnis und dem geringen Raumangebot im inne- Schaltet man den Amp ein, leuchtet die blaue Operate LED
ren des Amps zusammen. und es dauert einen kurzen Moment bis die Röhre aufgewärmt
Aus meiner Sicht das tollste Feature für den reisenden ist, erst dann wird das Signal zur Verstärkung freigegeben. Das
Musiker, dem Kosmobassisten, der zwischen den Kontinenten blaue Lämpchen strahlt ziemlich stark, man wird keine
pendelt: der Voltage Select Switch. Man kann die regionale Probleme haben, seinen Amp auf jeder noch so dunklen oder
Spannungsanforderung nun mittels eines Schalters einfach auch hellen Bühne wieder zu finden.
einstellen und muss den Verstärker nicht mehr von einem Ich pegele den Bass ein, alle Regler auf neutral gestellt und alle
Techniker umrüsten lassen. Auch das Tauschen der Shapebuttons deaktiviert. Der Shuttle klingt bei
Sicherungen entfällt. Zwei Speakonanschlüsse gehören eben- Zimmerlautstärke samtig, edel aber im Bassbereich etwas
so zur Ausstattung, wie der Anschluss für den Fußschalter (der unterbelichtet. Also drehe ich den Master voll auf und siehe da,
nicht im Lieferumfang enthalten ist). Ein Effekt Loop ist natür- es rührt sich schon was. Aber 600 Watt sollten schon noch
lich Standard, wie auch der Tunerout. etwas lauter klingen. Jetzt mal die Röhre mit ein bisschen mehr
Pegel angeföhnt und schon ist alles ist da, was man braucht,
Wiederum hervorragend für den mobilen, fern der Heimat dar- Bässe und Lautstärke.
benden Bassisten ist ein Kopfhörerausgang und ein Aux-in
zum stillen Üben in einsamen Hotelzimmern. Mit dem klang- Es scheint so, dass der Preamp bei passiven Bässen ziemlich
lich wirklich guten Direct Output und seinen aufgerissen werden muß, um die Endstufe mit genügend Power
Schaltmöglichkeiten, Ground/Lift, Pre/Post und Level zu versorgen. Für leisere Hausmusik aktiviere ich den L.F. (Low
Line/Mic, unterstreicht der Shuttle 6.0 seinen professionellen Frequenz) Boost und schon bekomme ich einen warmen
Anspruch. Sound Fingersound. Mit dem Midscoop erhält man den

99
AMPLIFIERS

Badwannen EQ Slapsound. Den H.F. Attack schalte ich gleich Ready to Travel
wieder aus, da der Grundsound von Haus aus schon mit reich- Der Amp hat alles was ein reisender Bassist braucht: wenig
lich Höhen gesegnet ist und mir zu brizzelig wird. So spiele ich Gewicht, den Spannungsschalter 110/230 Volt, eine gute DI,
ein bisschen herum und finde meinen Sound, in dem ich alle Aux in und Headphone out, dazu genügend Leistung für klei-
Shapes ausschalte, die Bässe ein wenig anhebe, hohe Mitten ne bis mittlere Lokalitäten. Der Sound ist ausgewogen, jedoch
und Höhen absenke. Bei lauten Pegeln ist ein leichtes nicht in Neutralstellung. Aber ein bisschen mit der
Rauschen wahrnehmbar (welches in einer Live Situation nicht Klangregelung und vor allem mit den parametrischen Mitten
stört), da der Preamp ziemlich aufgedreht werden muß, um die gespielt und gleich geht die Sonne auf. Die Röhrenvorstufe
Endstufe auf Leistung zu bringen. Gut klingt der Directout im drückt dem Sound ihren samtigen bis rauhen Stempel auf. Der
Vergleich zu manch anderem Amp. Auch Kontrabassisten soll- Hersteller empfiehlt für einen noch röhrigeren Sound sogar,
ten diesen Amp einmal antesten. Ich konnte mit meinem einen Gain Booster zwischen Bass und Preamp zu schalten.
Upright einen ausgewogenen und druckvollen Sound erzeu- (vor allem bei passiven Bässen).
gen und mit der parametrischen Mittenregelung Feedbacks live
gut in Schach halten.

Details
Hersteller: Genz Benz
Modell: Shuttle 6.0 Lightweighted Bass Head Features:
Part Number: 555-0036-373 • Power: 375W/8 ohm; 600W/4 ohm
Herkunftsland: Taiwan • Analog 12AX7 Tube Preamp
Gewicht: 1,7 kg • Digital SMPS (Switch Mode Power Supply)
Preis: 752 Euro • High Current Class D Amplifier
Zubehör: Fußschalter, optional • Active EQ w/Parametric Mids
Getestet mit: • 3-Band Signal Shape Circuit (Footswitchable)
Fender Roscoe Beck V, • Signal Mute Switch (Footswitchable)
Fender Precision American Standard V, • Tuner Out
Fender Precision 51, • Extended Range Input Gain for Active/Passive Sensitivity
unknown German Upright, • Limiter Circuit
Glockenklang Cabinets • LED Status Indicators
Vertrieb: Fender • Speakon Speaker Outputs
• Internal Fan Cooling
www.genzbenz.com • Full XLR Direct Out Interface
• Aux. Input
• Headphone Jack
• Effects Loop
• Optional Footswitch available

100
BASS PREAMP - MULTIEFFECT

NEU!
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c^X]icVX]KZghi~g`ZgcVbZc/
<Zc^VaZ^c[VX]!
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LGVY^`VakZgZ^c[VX]iZh7ZY^Zc`dcoZei!
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LCdX]bVahkZgWZhhZgiZHdjcYhYjgX]ZmigZbZEgdoZhhdgedlZg
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LAddeZgVc7dgY
7Z^he^Za[“gYdeeZaiZcH^\cValZ\/

FX1
(PHASER) AMP EQ
(T.WAH)
FX2 CHORUS

b
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AMPLIFIERS

Die Gebrüder
Little Mark II versus F1

Markbass hat als einer der ersten Firmen ausschließlich auf Der ältere Bruder
die Verwendung von Neodym-Magneten bei ihren Der Little Mark II, der bekanntere Bruder der beiden, ist schon
Lautsprechern gesetzt und beim Verstärker-Konzept vehement seit Jahren käuflich zu erwerben und dürfte den meisten
die Gewichtsreduzierung vorangetrieben. Ich spreche hier von bekannt sein. Markbass hat mit diesem Amp als einer der
2 bis 3 kg bei 500 Watt! Kurz gesagt, es wurde die ersten den Wettbewerb für kleine, leichte und leistungsstarke
Transportabilität des Equipments verbessert. Dies alles unter- Bassverstärker eröffnet. Abgesehen von dem in den USA
stützt den arbeitenden Musiker, dessen Geschäft ja nur zum beheimateten und sehr zurückgezogen agierenden Walter
Teil aus Musizieren besteht, neben Aufbauen, Abbauen, Woods (keine Mails, keine Website, kein Vertrieb), hat sich bis
Warten, Fahren, etc. dato kaum einer an den Bau so leichtfüßiger Amps mit derart

102
AMPLIFIERS

Markbass

Die Firma Markbass wirbelte in den letzten Jahren den Bass-Amp-Markt mit ihren innovativen
Produkten ganz schön durcheinander. Eigenschaften wie „Gelb“, „Leicht“ und „Preiswert“ garantieren
alleine noch keinen Erfolg. So haben hier natürlich noch andere Skills wie beispielsweise Klang,
Verarbeitung, Konzept, und Haptik einen wichtigen Beitrag geleistet. Der italienische Hersteller
hat ein auf allen Ebenen durchdachtes Konzept auf die Straße gebracht, das die Wünsche und
Bedürfnisse der Musiker sehr schnell und flexibel assimiliert. Man braucht sich nur die reichhaltige
Produktpalette der Manufaktur anzusehen, um festzustellen, dass hier für alle Bassisten und für
jede Musikrichtung passende Verstärker und Boxen gebaut werden. Für den folgenden Bericht
wurden von mir zwei Modelle parallel getestet: Little Mark II und F1.

Von Lutz J. Mays

viel Power gewagt. Der Platzhirsch Little Mark II hat eine Der kleine Bruder
gemeine, analoge Endstufe (500 Watt @ 4 Ohm und 300 Watt Herausforderer des Little Mark in diesem „Klein-Leicht-Laut
@ 8 Ohm), die mit einem Schaltnetzteil befeuert wird. Dieses Wettbewerb“ ist der F1. 2007 in das Markbass-Portfolio aufge-
Schaltnetzteil ist für das geringe Gewicht verantwortlich. nommen, setzten die Italiener ihre Produktstrategie mit dem
Schaltnetzteile werden wegen der hohen erreichbaren F1 konsequent fort: noch kleiner, leichter und moderner.
Leistung vor allem eingesetzt, um Masse und Material zu spa- Dieser hat den gleichen „Fußabdruck“ wie der Little Mark II,
ren. Ergebnis: Der Little Mark II wiegt lediglich 2,9 kg. will sagen: Breite und Tiefe sind identisch, nur die Höhe hat
Der Preamp ist einfach aufgebaut: Er hat einen Gain-Regler sich im Vergleich halbiert. Hat man mit dem Schaltnetzteil
zum Einpegeln des Basssignals und einen vierbandigen schon das Gewicht drastisch reduziert, wird mit der hier ver-
Equalizer (mit den Centerfrequenzen low@40 Hz, mid bauten digitalen Endstufe noch mal eins drauf gesetzt (2,1 kg).
low@360 Hz, mid high@800 Hz, high@5 kHz, alle +/- 16 db). Ob der Einbau einer digitalen Endstufe vielleicht noch aus
Äußerst breitbandig ausgelegt ist die Centerfrequenz der anderen Gründen (Klang?) Sinn macht, betrachte ich später.
Höhen, nämlich von 2 kHz bis 30 kHz. Des Weiteren hat Häufig werden digitale Endstufenkonzepte als klanglich nicht
Markbass noch zwei „musikalische“ Filter in den Preamp inte- ebenbürtig im Vergleich mit solchen mit Class-A oder Class-
griert, den VLE (Vintage Loudspeaker Emulator) und den VPF AB-Technik angesehen. Die Hauptursache hierfür dürfte in
(Variable Preshape Filter), die den Basissound drastisch verän- Tracking-Fehlern im Nanosekunden-Bereich zu sehen sein, die
dern können. Und dann ist da noch ganz rechts der sich letztlich in Verzerrungen äußern. Eine Entwicklung
Masterregler angebracht, zuständig für die Bühnenlautstärke. moderner Schaltungsdesigns und deren saubere Umsetzung
Der Little Mark II hat zwei Eingänge, einen „normalen“ für akti- könnten auch im Hinblick auf die anspruchsvolle, weil sehr
ve und passive Bässe und einen balanced XLR-Input, um eine dynamische und breitfrequente Bassverstärkung, hier einen
bessere Anpassung für akustische Bass-Tonabnehmer-Systeme Schritt weitergekommen sein. Die Preamp-Sektion des F1 ist
zu ermöglichen. Auf der Rückseite findet man den Effekt-Loop identisch mit der des Little Mark II, weswegen ich auf eine
(parallel-seriell ist per Umstecken eines Jumpers möglich), den technische Beschreibung verzichte (siehe oben). Auch die
balanced Lineout (post EQ, -pre EQ ist ebenfalls per kleinem Rückseite ist der des Little Mark II ähnlich. Der Unterschied
Jumper-Umbau möglich) und die Lautsprecherbuchsen. Von besteht offensichtlich in der Höhe und in der Verwendung von
den Lautsprecheranschlüssen ist einer ein Speakon-Combo- zwei Speakon Combojacks.
Anschluss, der sowohl Klinke-, als auch Speakon-Stecker auf-
nimmt, der andere mag nur Klinkenstecker. Ein Tunerout darf
selbstverständlich auch nicht fehlen.

103
AMPLIFIERS

Den Brüdern Gehör schenken Plug & Play


Beide Verstärker sind leicht und beide haben den gleichen Auf jeden Fall sind beide Amps Plug & Play-Geräte.
Preamp. Somit sollten sie doch auch gleich klingen. Macht die Einstöpseln, loslegen! Dann noch ein bisschen mit dem EQ
digitale Endstufe einen Unterschied? Ja und nein. O.K., man und den toneshaping Tools feinjustiert – und „gut isses“. Der
merkt den beiden ihre Abstammung schon an. Beide übersichtliche Aufbau des Amps braucht keine Einarbeitung
Testobjekte haben einen klaren und definierten Grundsound. und macht ein schnelles Eingreifen, falls nötig, leicht.
Wenn man dann genauer hinhört, bemerkt man, dass der Verarbeitung und Bauteile sind gut und machen einen werti-
Little Mark II etwas mehr Wärme hat. Aber wie könnte man gen Eindruck. Ich würde diese Amps als „Volks-Amps“ bezeich-
diese Wärme in Worte fassen? Nun ja, die Bässe werden wei- nen, denn leichte Bedienbarkeit, hervorragende
cher abgebildet und die Höhen werden rockiger, ein bisschen Transportabilität und ein guter, flexibler Grundsound prädesti-
tiefer als beim Bruder empfunden. Der F1 hat eine detailierte- nieren die Gebrüder Markbass für alle Musikrichtungen und
re, ein größeres Frequenzspektrum umfassende Spielsituationen. Auch mit einem Kontrabass gelingt ein guter
Klangdarstellung. Er ist feinzeichnender, Töne werden differn- und durchsetzungsfähiger Sound. Und diese Amps sind laut!
zierter dargestellt. Es ist nicht leicht, dieses Hörempfinden zu Ich meine wirklich laut! Der eingebaute Endstufenlimiter lässt
beschreiben. Sahniger, dynamischer klingt der F1 – und jeweils auch in höchsten Pegeln keine Verzerrungen zu und
geringfügig kälter als der dekorierte Little Mark II. Und das nur arbeitet sehr musikalisch; ja fast klingt das schon nach
durch die Verwendung unterschiedlicher Poweramp- Röhren-Komprimierung. Einzig mit den Markbass Lineout-
Technologien! Allerdings hört man nach dem Einschalten des Signalen bin ich nicht ganz zufrieden. Im direkten
F1 im Gegensatz zum Little Mark II ein leises Rauschen, dass Aufnahmevergleich mit anderen DI-Boxen (direkt in Pult usw.)
ich schon öfter bei digitalen Endstufen wahrgenommen habe. vermisse ich eine gewisse Tiefe. Wohlgemerkt: In einer Live-
Man hört dies aber auch nur, wenn man das Ohr am Situation lässt es sich mit dem Signal hervorragend arbeiten.
Hochtöner hat. In einer Live-Situation ist davon kaum etwas
zu merken.
Meinem Empfinden nach macht der Equalizer einen ausge-
sprochen guten musikalischen Job. Die Frequenzbänder sind
sinnvoll angelegt (s.o.). Den Sound des Little Mark II fand ich
flat am schönsten, der F1 ließ mein Herz höher schlagen,
nachdem ich die hohen Mitten leicht abgesenkt hatte. Wer auf
den alten Motown-Sound steht, oder einfach die Höhen im
Sinne einer passiven Höhenblende etwas absenken möchte,
der spiele doch bitte etwas mit dem VLE (Vintage Loudspeaker
Emulator). Ich hatte den VLE bei beiden Amps jeweils ein
Viertel hinzu gemischt, um meinen Universal-Grundsound ein-
zustellen. Die Slapperfraktion wird sich über den VPF freuen,
hier kann man durch einregeln des Filters die Mitten absenken
(@380 Hz), die Bässe (@35 Hz) und die Höhen (@10k Hz)
anheben. Selbst Kombinationen beider Regler lassen gute
Resultate erzielen, von Dub bis Miller.

104
AMPLIFIERS

Details
LITTLE MARK II
Hersteller: Markbass
Modell: Little Mark II
Herkunftsland: Italien
Regler: Gain, Master Volume, Ground Lift
Output Power: 300 Watt an 8 Ohm, 500 Watt an 4 Ohm
Größe: 27,6 cm x 7,1 cm x 25,6 cm
Gewicht: 2,7 kg
Getestet mit: Glockenklang Cabinets, Fender IV und V String Bässe
Listenpreis: 775 Euro
Vertrieb: Smile

F1
Hersteller: Markbass
Modell: F1
Herkunftsland: Italien
Regler: Gain, Master Volume, Ground Lift
Output Power: 300 Watt an 8 Ohm, 500 Watt an 4 Ohm
Größe: 27,6 cm x 4,4 cm x 25,5 cm
Gewicht: 2,1 kg
Getestet mit: Glockenklang Cabinets, Fender IV und V String Bässe
Listenpreis: 1.049 Euro
Vertrieb: Smile

www.smile-music.de
www.markbass.it

105
AMPLIFIERS

Flaggschiff
2001RB Basstopteil

Die Transistorverstärker des amerikanischen Tradi-


tionsherstellers erfreuen sich großer Beliebtheit.
Bereits die alten Serien (z. B. 800RB) waren und
sind Standard bei Backline-Verleihern. Die neueren
plexen – Aufbau des Verstärkers „geblickt“ hat, kommt sehr
RB und RB II sind noch leichter und lauter gewor-
schnell zurecht. Das Biamping geschieht mit speziellen
den. Ein 2001RB wurde mir zum Test geschickt. Speakon-Kabeln, an den Klinkenbuchsen liegt nur ein
Schauen wir doch einmal, was das Ding hergibt! Fullrange-Signal an. Entgegen dem ersten Eindruck ist dies
übrigens kein Stereoverstärker, sowohl Master als auch
Effektschleife sind mono ausgelegt. Apropos Effektschleife:
Von Ingo Spannhoff
Diese wurde leider nur seriell ausgeführt. Ich persönlich finde
einen parallelen, zumischbaren Effektweg sinnvoller, weil z. B.
viele Chorus- und Flangereffekte mit etwas unbehandeltem
Originalsignal-Anteil besser und druckvoller klingen.

Während man die 700RB- und 1001RB-Modelle des Öfteren zu Spiegelverkehrt


Gesicht bekommt, die aufgrund ihres klaren, knackig-aggressi- Ein Verstärker mit dieser Leistung will natürlich laut getestet
ven Sounds und des sehr guten Preis-/Leistungsverhältnisses werden, und so spielte sich die gesamte Aktion in einem
auch bei anspruchsvolleren Amateuren und Semiprofis häufig Bandproberaum ab. Wer diesen Boliden „ausfährt“ sollte unbe-
die erste Wahl sind, ist der „dicke“ 2001er eher ein seltener dingt auf ausreichend belastbares Boxenmaterial achten und
Anblick. Bekannter Endorser ist kein Geringerer als Flea von sich eventuell zusätzlich einen guten Kompressor beschaffen.
den Red Hot Chili Peppers, der live auf mehrere dieser Boliden Effektiv und übersichtlich ist die Klangregelung, wenn man
nebst entsprechenden Boxen vertraut. sich erst einmal an die etwas Gallien-Krueger-typische
Regleranordnung gewöhnt hat – alles ist quasi „spiegelver-
Vier Endstufen kehrt“: Bass rechts, Treble links. Der 2001RB ist erfreulich
Der große Gallien-Krueger ist konzeptionell eine nebengeräuscharm und beherrscht die gesamte Palette vom
Weiterentwicklung des bereits erwähnten 1001RB und basiert warmen Jazzton über fetzige Funksounds (mit dem „Contour“-
auf dem gleichen Biamping-Konzept, hier allerdings mit insge- Poti genial einfach zu erzielen) bis hin zum richtig aggressiven
samt vier(!) Endstufen realisiert. Zwei davon sind aber kleine Overdrive! Der Clean-Kanal lässt sich mit Hilfe des Boost-
Hochtonendstufen. Wer den – auf den ersten Blick recht kom- Reglers auch übersteuern, allerdings nicht so heftig wie der

106
AMPLIFIERS

Distortion-Kanal, der von warmer, recht röhrenähnlicher Über-


steuerung bis zur fiesen Fuzz-Zerre alles bedient. Letztere bie-
tet Gallien-Krueger übrigens auch als separates Effektgerät mit
dem „Diesel Dawg“ an.

Hochtönersäge? Nein danke!


Zurück zum Testkandidaten: Per mitgeliefertem Remote Foot
Controller RFB-III kann die Umschaltung der Kanäle erfolgen.
Die Hochtonendstufe wird bei Umschaltung auf den Zerrkanal
gemuted, was die gefürchtete „Hochtönersäge“ vermeidet. Dies,
würde ich sagen, ist ein exklusives Feature des 2001RB-
Verstärkers, der damit für mich durchaus zur absoluten
Profiklasse gezählt werden kann.

Details:
Hersteller: Gallien-Krueger Modell: 2001RB Herkunftsland: USA
Typ: Transistor-Vollverstärker Bauform: 19“, 3HE Endstufenleistung:
8 Ohm: 2 x 240 W (650 W gebrückt), 4 Ohm: 2 x 360 W (1080 W gebrückt),
2 Ohm: 2 x 540 W, Hochtöner 8 Ohm 2 x 50 W, 4 Ohm 2 x 75 W
Effektschleife: seriell, mono Kühlung: aktiv, stufenlose Lüftersteuerung
Abmessungen: 48,5 cm (B) x 28,3 cm (T) x 13,3 cm (H) Gewicht: 17,7 kg
Zubehör: Remote Foot Controller RFB-III Preis: 1.220 Euro
Getestet mit: Warmoth JB V Seymour Duncan Bassline, Warmoth MM V
Brian Moore, Fender Precision Fretless EMG, ADA 2x10“ Eminence
Deltalite II, SAD 4x10“ Vertrieb: Thomann

www.gallien-krueger.de www.thomann.de

107
AMPLIFIERS

Samtige Bässe
und schillernde Höhen
Das sind Jim Marshalls eigene Worte zu seinen
Verstärkern: „Mir ist absolut klar, wie wichtig der Sound
und die gefühlten Klänge für die Inspiration und das
kreative Potential für alle Instrumentalisten (egal ob
aufstrebende Einsteiger oder schon sehr erfahren...)
Marshall – MB 4410
sind – denn ich bin nicht zuletzt auch selbst Musiker.
Dieser Geist beflügelt mein gesamtes Team von
Entwicklern und wird so auch in allen Produkten von Um Jims Geist entdecken zu können, musste ich den 51
Marshall widergespiegelt. Der Sound ist das Kilogramm schweren Basscombo erst einmal aus seiner
Verpackung wuchten, was meinem Rücken keine große Freude
Maß aller Dinge!“ Nun wollen wir bereitete. Nun zeigt er sich in schwarzem Kunstleder, mit eben-
doch mal sehen ob Jims Geist so schwarzen Metallecken und eingearbeiteten Griffen. Selbst
das Gitter, das die vier Zehner Lautsprecher und das mittig
auch im MB 4410 steckt.
angebrachte Horn schützt, ist schwarz lackiert. Einen starken
Kontrast dazu geben der weiße Marshall-Schriftzug und die in
Von Stefan Hiemer
weiß gehaltenen Reglerabdeckungen der Verstärkereinheit.
Der zweikanalige Hybridcombo, der die Vorteile der
Röhrentechnik mit denen der Halbleitertechnik verbindet, ist
sehr robust verarbeitet und macht einen absolut
roadtauglichen Eindruck.

108
AMPLIFIERS

Modern
Nun werfen wir einen Blick auf die Bedienelemente des
Verstärkers: Linker Hand ist die Instrumenten-
Eingangsbuchse, die, wie üblich, in 6,3 mm Monoklinke ausge-
führt ist. Mit dem Active/Passive-Taster lässt sich der
Eingangspegel noch um 6 dB absenken. Anschließend finden
wir die Regler für den Modern-Kanal, der mit Halbleitertechnik
arbeitet – erst der Volume-Regler für die Lautstärke dieses
Kanals, dann die Klangregelung. Mit letzterer kann der
Bassbereich bis zu 15 dB angehoben oder gesenkt werden. Für
den Frequenzbereich der Mitten ist eine semiparametrische
Regeleinheit vorhanden. Dieser Filter ist
von 300 bis 1.500 Herz frei durch-
stimmbar und arbeitet ebenfalls mit
plus/minus 15 dB Pegelanpassung.
Der Höhenregler (Treble) ist auf den
Übertragungsbereich des HF-Horns
abgestimmt und ist dadurch sehr
effektiv. The last in Line des Modern-
Kanals ist der Kompressor. Er kann
via Taster zugeschaltet werden. Eine
grüne LED dient als Indikator für
den aktiven Kompressor. Die
Intensität kann mit dem Comp-
Regler stufenlos eingestellt werden.
Der Kompressor glättet das Signal
des Basses und macht diesen „tra-
gender“. Wird die Kompression
erhöht, so werden ab einem
bestimmten Pegel die Spitzen des
Eingangssignals ausgeglichen. Beim
Einsetzen des Kompressors ändert
sich dann die Farbe der LED auf rot.

So, das war die Solid State-Einheit.


Um sich Hybridverstärker nennen zu
dürfen, fehlt aber noch die
Röhrensektion, auf die ich auch
gleich ein Auge werfen will. Mit dem
Modern/Classic-Taster werden die
Kanäle umgeschaltet. Ist der
Schalter nicht gedrückt, so ist der
Modern-Kanal aktiv und die LED
leuchtet grün. Wird mit dem
Schalter der Classic-Kanal aktiviert,
so ändert sich ihre Farbe auf rot.

Classic
Der Classic-Kanal ist mit einer
ECC83 Röhre ausgestattet und sorgt
somit für feine Kompression und eine
massive Erweiterung des Obertonspektrums. Mit
dem Gain-Regler wird der Verstärkungsfaktor der gestellt, wird
Eingangsstufe eingestellt. Bei Bässen mit schwächerem Output der Charakter eines Vintage-
kann der daneben liegende Boost-Schalter gedrückt werden, Röhrenbassverstärkers mit ausgeglichenen Bässen, etwas
um so einen eher angezerrten Sound zu bekommen. Wie beim abgesenkten Tiefmitten und einer sanften Höhenanhebung
Modern-Kanal ist auch hier ein Volume-Regler für die erzeugt. Schön! In Position 2 sind die Tiefmitten eher ausge-
Lautstärke vorhanden. Die Klangregelung ist aber anders prägt, während gleichzeitig die Hochmitten subtil abgesenkt
umgesetzt. Abgesehen von Bass- und Treble-Regler, die ihre sind. Wodurch ein aggressives, grollendes Klangspektrum ent-
Arbeit in gewohnter Weise verrichten, haben wir hier eine klei- steht. In der Position 3 ist der abgesenkte Bereich der Mitten
ne Besonderheit! Diese besteht aus dem Voice-Shift-Schalter noch weiter gefasst und sorgt für einen knackigen
und dem Voice-Regler. Der dreistufige Schalter verändert den Klangcharakter. Wie stark die eingestellte Filterkurve auf das
Grundsound des Verstärkers in Abhängigkeit der Einstellung Signal wirkt, kann mit der Einstellung des Voice-Reglers defi-
des Voice-Reglers. Den Voice-Shift-Schalter auf Position 1 niert werden.

109
AMPLIFIERS

Blend Master
Eine weitere Finesse finde ich in der Blend-Funktion. Mit die- Der „Rechts Außen“ ist dann der Meister der Gesamtlautstärke,
ser können die Signale beider Kanäle gemischt werden, was auch besser bekannt als „Master-Volume“. Mit diesem Knopf
durch den Blend-Schalter aktiviert und durch die LED ange- können die satten 300 Watt, die mit den vier eingebauten
zeigt wird. Der Blend-Regler lässt ein beliebiges Lautsprechern möglich sind, abgerufen werden. Wem das nicht
Mischungsverhältnis vom Modern- und Classic-Kanal zu. Um genügt, der kann noch eine zweite Box anschließen, mit der es
die gewünschte Lautstärke dieses Mischsounds einstellen zu der MB 4410 dann auf satte 450 Watt bringt.
können, ist noch ein Volume-Regler für die Blend-Sektion Die letzten Elemente der Frontplatte sind ein Eingang für
spendiert worden. Mit dem im Lieferumfang enthaltenen einen CD-Player, ein Kopfhörer Ausgang und der Ein/Aus-
Fußschalter lassen sich die beiden Kanäle umschalten, aber Schalter. Mit einem angeschlossenen CD- bzw. MP3-Player,
auch die Blend-Funktion ein und ausschalten. Dadurch hat wird der MB 4410 zum perfekten Playalong-System. Nutzt man
man die Möglichkeit, auf Knopfdruck drei verschiedene den Kopfhörerausgang, werden die Lautsprecher automatisch
Soundcharaktere auszuwählen. abgeschaltet. Betätigt man den Einschalter… fliegen die Fetzen!

Backside
Nun noch schnell einen Blick auf die Rückseite geworfen,
bevor ich den ersten Bass anschließe. Da entdecke ich erst ein-
mal den Anschluss für das mitgelieferte Netzkabel, das ich
auch sogleich anstecke. Nebenan sind zwei sogenannte
„Speacon Combo“-Lautsprecheranschlüsse. Hier können wahl-
weise 6,3 mm (1/4") Klinkenstecker oder auch Speacon-
Stecker verwendet werden; wobei letztere eine größere
Kontaktfläche bieten. An beiden Buchsen liegt das gleiche
Signal parallel verdrahtet an, eine davon ist mit dem
Anschlusskabel der internen Lautsprecher belegt. An der
Buchse „Footswitch“ kann der mitgelieferte Fußschalter ange-
schlossen werden und an der Balanced Line Out-Buchse diver-
ses Recording-Equipment für Direktaufnahmen oder auch für
den Live-Betrieb, eine Stagebox oder auch ein Mischpult. Das
Signal wird mit dem Pre/Post-Schalter vor (Pre) der
Klangregelung abgenommen oder mit der Einstellung „Post“
erst danach. Zu guter Letzt gibt es noch die Möglichkeit, mit
den Send- und Return-Buchsen einen externen Effekt einzu-
schleifen.

Output
Jetzt aber los! Die Bässe stehen Spalier und warten auf ihren
Einsatz. Zunächst gelüstet es mich, den Modern-Kanal anzu-
spielen. Die Klangregelung erst einmal auf neutral gestellt, und
ab geht’s! Ein druckvoller, durchdringender Ton, der sich auch
gegen laute, verzerrte Gitarren noch durchsetzten kann, strömt
auf meine Ohren. Alles was man anbietet, wird akkurat aku-
stisch umgesetzt. Auch in rocktauglicher Lautstärke gibt es
kein wenn und aber. Dann gilt es, an den Reglern zu drehen.
Bässe und Höhen sind in einem wirkungsvollen
Frequenzbereich und greifen gut. Die Stärke dieses Kanals
liegt aber eindeutig bei den Mittenfrequenzen. Die semipara-
metrische Mittenregelung, bei der nicht nur die technischen
Daten stimmen, sondern auch das hörbare Ergebnis, macht
richtig Spaß. Da ist wirklich alles drin! Vom superdrahtigen
„Kampf-Sound“, bis zu gediegenen „Weichspüler“-Bassklängen,
alles in bestechender Klarheit.

110
Photo: Steve Pitkin

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AMPLIFIERS

Nun will ich aber wissen, was die Vorstufenröhre so bringt. Ein noch die Option, mit der Blend-Funktion beide Kanäle zu
Druck auf den Kanalumschalter – und ich habe den Classic- mischen! Für mich die perfekte Möglichkeit, die Vorteile beider
Kanal aktiviert. Hier zeichnet sich ein fast gegensätzliches Klangcharaktere zu vereinen: die scharfen Mitten des Modern-
Klangbild ab. Viele Tiefbässe und sehr blumige Obertöne Kanals und die samtigen Bässe und schillernden Höhen des
schmücken den Sound. Ohne die Klangregelung eingreifen zu Classic-Kanals.
lassen, lädt der Sound schon zum Slappen ein. Auch das für
Röhrensounds typische, schmutzige Schmatzen des Jims Geist
Anschlages beim Fingerspiel, prägt den Classic-Kanal. Also, ich muss zugeben, dass sich Jims Geist hier an vielen
Eingreifen in das Klangbild kann man mit dem Bass- und dem Stellen gezeigt hat. Der MB 4410 ist ein äußerst vielseitiger,
Höhenregler, die hier einen noch wirkungsvolleren Eindruck roadtauglicher Basscombo, der den einen oder anderen
machen. Mit der Voice-Sektion beeinflusst man, auf oben Orthopäden Kundschaft beschert… Spaß beiseite! Mir haben
beschriebene Weise, die drei Voice-Filter mit unterschiedlichen die klangliche Vielfalt, die Gegensätze und die
Charakteren, und damit den Sound. Diese wirken überwiegend Kombinationsmöglichkeiten besonders gefallen. Auch bei gro-
auf unterschiedliche Bereiche der Mittenfrequenzen. Nicht ßer Lautstärke scheuen die Lautsprecher ihre Arbeit nicht und
ganz so flexibel wie im Modern-Kanal, aber man kann damit gewähren einen sauberen Ton. Die Verarbeitung und Leistung
durchaus seine Soundvorstellungen umsetzten. Nun gibt es wird auch dem Preis in jeder Hinsicht gerecht.

Details
Hersteller: Marshall Modell: MB 4410 Herkunftsland: England Gerätetyp: zweikanaliger Bassvollverstärker
Endstufenleistung: 300 Watt an 4 Ohm, 450 Watt an 2 Ohm Lautsprecher: 4x10" und dynamisches HF-Horn
Röhren: ECC83-Röhre Eingänge: 1 Maße: 620 x 710 x 400 mm Gewicht: ca. 51 Kg Listenpreis: 865 Euro
Zubehör: Fußschalter und Netzkabel Getestet mit: Marleaux Custom, Schack Carbon, Baskin Shark,
Warwick Streamer Vertrieb: Musik Meyer www.marshallamps.de

112
EFFECTS

Röhrenknurren und
schwebendes Wogen
T-Rex Squeezer und Sweeper
Ich liebe diesen Kompressor! Vielen Dank,
das war’s und auf Wiedersehen…

Okay, die Jungs von bassquarterly haben


mich gebeten, etwas mehr ins Detail zu
gehen und von T-Rex nicht nur den
Kompressor, sondern auch den Chorus
vorzustellen. Los geht’s…

Von Raoul Walton

Voll auf die Röhre: Der T-Rex Squeezer, den ich vor mir habe,
ist im bewährten Stile der guten, alten, röhrengepufferten
Kompressoren gebaut. Im Squeezer wird eine speziell von
T-Rex handselektierte 12AX7 Vorstufenröhre verwendet. Die
Röhre wird bei aufgedrehtem Gain stark beeinflusst und gibt
dem Bass das klassische Röhrenknurren und den Biss. Mittels
sechs Regler lässt sich die Kompression beeinflussen: Input
Level, Kompression, Release, Attack, Threshold und Output
Gain.

Sound
Der T-Rex Squeezer ist ein Klassiker. Oder besser gesagt: It's a
killer! Er färbt den Sound nicht wie ein Transistor-Kompressor,
sondern bringt vielmehr die Wärme und das Sustain, wie es
nur Röhren produzieren können. Ich habe meinen Bass mit
dem Kompressor kurz einjustiert und gespielt – mal finger-
style, mal geslappt. Wenn man von der Fingertechnik zum Slap
wechselt, ist kein Lautstärken-Unterschied zu vernehmen. Der
Übergang ist fließend! Die Regelmöglichkeiten beim Squeezer
eröffnen neue Klangwelten: von der subtil arbeitenden, unhör-
baren Kompression, bis hin zum klassischen „Pumpen-Effekt“.
Der Squeezer glättet die Basstöne so, dass der Bass immer
gut zu hören ist, egal ob im Studio, oder auf der Bühne.
Einen zusätzlichen Pluspunkt bekommt das Gerät, da der
Stromstecker, je nach Land, ausgewechselt werden kann.
Endlich einmal mitgedacht! Auch schon mal abroad gewesen?
Dann weiß man das zu schätzen. Whatever, ich liebe dieses
Teil!

Sweeper
Klassisches Chorus-Pedal? Nein! Der Sweeper ist nicht die

114
EFFECTS

Putzfrau in der Box, sondern ein Chorus-Pedal, das ausschließ- Sing me a sweet song
lich für den Bass-Gebrauch entwickelt wurde. Es ist ein einfach Der Sweeper ist perfekt geeignet für Solisten, progressive
und intuitiv zu bedienendes Pedal. Die Regler und Schalter Rocker und Experimentalisten. Das Geheimnis des Sweepers
sind: Depth, Rate, Volume, Eingangspegel mit LED und On/Off liegt in seinem Klang. Man kann nichts falsch machen, egal
auch mit LED ausgestattet. Die wichtigsten Features sind: wie man den Effekt einstellt. Er vergrößert den Sound und ist
Depth und Rate. Depth kontrolliert die generelle Stärke des perfekt für Situationen, bei denen der Bass im Vordergrund
Effekts – je weiter man aufdreht, umso intensiver fängt der Ton stehen muss. Was wäre die Musik ohne Chorus-Effekt auf dem
an zu schweben. Mit Rate regelt man die Geschwindigkeit der Basssound? Ohne das herrliche Wogen? Bestimmt würde es
Schwebung, unabhängig von der Position des Reglers „Depth“. so manche Musikformen überhaupt nicht geben. Ohne den
Je mehr der Regler nach rechts gedreht wird, desto schneller Chorus für Bass gäbe es keinen Funk, keine Fretless-Balladen,
wird der Chorus-Effekt. kein Fusion, und selbst Rock, Independent und Heavy Metal
würden einiges vermissen. The Sweeper sounds real nice!

Details
Hersteller: T-Rex
Modell: Squeezer / Sweeper
Herkunftsland: Taiwan
Regler: Gain, Threshold, Attack, Level,
Comp, Release / Depth, Volume, Rate
Gewicht: 371 g / 331 g
Preis: 440 Euro / 344 Euro
Zubehör: Netzteil 12 V (nur bei Squeezer)
Vertrieb: M&T Musik und Technik

www.t-rex-engineering.com
www.musikundtechnik.de

Was ist eigentlich ein Kompressor?


Kompressoren sind Regelverstärker. Während Pegel-
spitzen des Signals heruntergeregelt werden, bleiben
leise Stellen unangetastet. Ein Kompressor macht nicht
laut. Tatsächlich macht er genau das Gegenteil, denn er
reduziert die Dynamik, den Abstand zwischen laut und
leise. Dies passiert am oberen Ende der Signal-Dynamik
ab dem Überschreiten einer gewissen Lautstärke
(Threshold), mit einem definierten Verhältnis (Ratio 2:1,
4:1 o. ä.) und regelbarer Geschwindigkeit (Attack,
Release). Der reduzierte Dynamikbereich ist tatsächlich
zunächst leiser, weil die Pegelspitzen fehlen.

Nach der Komprimierung lässt sich das „behandelte“


Signal durch den Ausgangsverstärker (per Output-Poti
regelbar) wieder anheben. Der Kompressor fügt nichts
hinzu, wie etwa einen Hall oder Echo, sondern wirkt
direkt auf das Originalsignal, in unserem Fall den Bass,
um Dynamikschwankungen im Spiel des Bassisten ele-
gant auszubügeln.

Das heißt: Wer mit einem vernünftig eingestellten


Kompressor Bass spielt, bekommt mehr Sound, Punch
und Sustain im Vergleich zum Bassisten, der auf den
Kompressor verzichtet (bei gleicher Einstellung des
Verstärkers). Kompression ist bei Live-Konzerten enorm
hilfreich, um den Bass nach vorne zu bringen. Aber ohne
aufdringlich zu sein!

115
EFFECTS

SAUSTARKE
ZUKUNFT
PIGTRONIX ATTACK SUSTAIN

Während manche Hersteller analoge Konzepte eins zu eins nachbauen


und wieder andere sie in digitaler Form konservieren, arbeitet man
bei Pigtronix an der futuristischen Erweiterung des analogen Konzepts
zugunsten bisher ungehörter Sounds. Das Ergebnis ist ein schönes
Programm ansprechend aussehender und gut klingender Stompboxen,
die vom dezenten bis zum total krassen Effekt alles bieten. Heute im
Labor: Das Klangspektrum des Attack Sustain.

Von Chris Hees

116
EFFECTS

Der Attack Sustain kommt im stabilen Stahlblech-Gehäuse. Blautronik an


Die mitgelieferte Wandwarze liefert ungewöhnliche 15 V Engage bietet als zentraler Taster den Zugriff auf die
Gleichstrom an das ebenso ungewöhnliche Gerät. Sechs Kompression – das Grund-Feature des Pigtronix-Pedals. Der
Regler im alugedrehten ’70s-Hifi-Design, drei silberne Fußtaster Basston klingt nun „laut“, ziemlich fett und vor allem unendlich
und ein Kippschalter tragen zum aufgeräumten Setting der sustainreich.
Gesamtsituation bei. Abgerundet wird alles durch vier strah- Je nach Kontext empfiehlt sich der Griff zum Highboost. Es
lend helle 6 mm LEDs alter Schule in chromigen Fassungen. entsteht ein kraftvoller, rockiger Basston, der breitbandig singt
Rückseitig finden sich Ein- und Ausgang sowie eine praktische und kraftvoll growlt. Bei zusätzlich getretenem Attack-Switch
Triggerbuchse zum Anschluss für das Time-Signal eines lässt sich dem Ton beispielsweise eine einstellbar anschwellende
Trommlers oder einer elektronischen Time-Quelle wie Drum- Komponente für sphärische, langsame Linien in oberen Lagen
computer, Loopplayer, etc. hinzufügen.
Wählt man stattdessen Decay hinzu, ist je nach Reglerstellung
Etwas tweaky vom Tremoloeffekt bis zum schnellen „Stutter“ alles drin. Am
Die Funktionsweise des Attack Sustain bietet auf der Basis Bass sind diese Features aus meiner Sicht aber eher selten ver-
eines fest eingestellten, klaren und druckvollen Kompressors wendbare Goodies.
die Möglichkeit, zusätzlich den Attack, die Startphase des Sind alle drei Fußtaster gedrückt, glimmt es nicht nur schön
Tons, wie auch sein Decay, sein Zerfallen also, zu beeinflussen. festlich in grün, blau und rot – nein, es klingt noch dazu nach
Das entstandene Tonprodukt kann am Harmonics-Regler Tape-Reverse-Effekt. Verschiedene Reglerstellungen und das
zusätzlich mit einer gut dosierbaren Portion Verzerrung ange- Spiel mit dem Zerr- und Höhenanteil versprechen eine breite
reichert werden. Wer eine Extraportion boutiquemäßiger Palette von kreativen, am Bass oft ungewöhnlichen, aber schönen
Präsenzen für den Basston braucht, aktiviert diese per Effekt-Sounds guter Qualität.
geschmackvollem Highboost-„Preset“. Verschiedene Sounds
lassen sich trotz analoger Bauweise ohne Displays, Hotkeys
und solchen Schnickschnack gut realisieren, denn das Gerät
verfügt ja über drei Fußschalter, die unterschiedliche
Soundanteile aktivieren bzw. deaktivieren.

DETAILS
Hersteller: Pigtronix
Modell: Attack Sustain
Herkunftsland: USA
Gerätetyp: Stompbox
Regler: Attack, Decay, Sensitivity, Blend, Volume, Harmonics
Schalter: Highboost, Attack, Engage, Decay
Anschlüsse: Input, Output, Trigger, DC 15V
LEDs: Attack, Engage, Decay, Release
Abmessungen (cm): 18,5 (B) x 3,7 (H) x 11,6 (T)
Gewicht: 676 g
Listenpreis: 239 Euro
Zubehör: Steckernetzteil
Getestet mit: Human Base Base-X-5, AKG K240DF, SWR Baby Baby Blue
Vertrieb: Taranaki Guitars

www.taranaki-guitars.de
www.pigtronix.com

117
EFFECTS

Der

Für alle Bassisten, die beim


Stepptanz der Effekte mitmi-
schen wollen, stellt Boss nach
dem bekannten GT-6B nun
den Nachfolger GT-10B vor.
Schon das Vorgängermodell
Boss GT-10B sorgte für Begeisterung in
der Basswelt. Legt der
GT-10B noch einen drauf?
Bass-Multieffektgerät Von Sascha Neuhardt

Boss hat mit dem GT-10B wieder mal ein interessantes diesem Bereich recht schnell loslegen können. Als erstes
„Stressbrett“ auf die Beine gestellt. Sehr großen Wert legte die höre ich die Presets durch. Das nimmt (fast) kein Ende, denn
Firma bei der Entwicklung auf die „radikal vereinfachte das GT-10B hat 200 Presets. Das bedeutet, dass es 200 vor-
Bedienung“, wie es in der Bedienungsanleitung heißt. Das trifft programmierte Sounds gibt. Dann gibt es noch 200 User-
sich gut, denn ich versuche erst mal intuitiv an dieses Gerät Speicherplätze, die man nach Wunsch und Kreativität selbst
heranzugehen. Als ich den Boss anschalte ist mein erster erstellen kann. Das ist eine ganz schöne Menge. Als ich alles
Gedanke: Disco! Hell erleuchtet ist das angenehm große, blaue durchgehört hatte, musste ich erst mal meinen langen Bart
Display, ebenso die roten Kontrollleuchten. Der zweite abrasieren. Hier ist wirklich alles dabei. Synth-Sounds,
Gedanke: Super für die Bühne – das Teil sieht man wenigstens. Verzerrer, Octaver, Phaser, Defretter, Pitch Shifter, Delay, Hall,
Auch bei Tageslicht mit blendender Sonne erkennt man alle und vieles mehr. Boss hat auch einen sogenannten doppelten
wichtigen Infos am Gerät. Signalweg im GT-10B untergebracht. Man kann durch
Anschlagdynamik oder Tonhöhe den Sound verändern
Mal richtig drauftreten und z. B. bei harten Anschlägen einen Touchwah auf den
Das werde ich jetzt tun! Für jene, die schon mit Effekten ge- zweiten Effektweg legen. Eine Neuheit von Boss ist die
arbeitet haben, ist die Bedienung wirklich sehr leicht und Auswahl von Musikstilen, so ähnlich wie man es von moder-
selbsterklärend. Aber das Gute ist, dass auch Neulinge in nen Autoradios oder Hi-Fi-Anlagen kennt. Es gibt die

118
EFFECTS

„große“

Boss
Musikrichtungen Pop, Rock, Metal, Punk, R&B, Funk, Jazz, Wah-Pedal.
Solo, Synth und zu jedem Stil sechs typische Sounds. Somit
wird es etwas leichter, aus der großen Sound-Menge das Loopen, bis der Arzt kommt
Richtige zu finden. Die Presets können entweder mit den Was für ein Spaß! Das GT-10B hat einen Looper an Bord. Boss
Fußtastern oder mit dem Daten-Rad, das in der Mitte des hat ja die bekannten RC-2, RC-20XL und RC-50 Looper im
Gerätes zu finden ist, ausgewählt werden. Wie bei modernen Angebot. Dieser Looper orientiert sich an seinen Kollegen und
Effektgeräten üblich, sind natürlich auch einige Amp-Models glänzt ebenfalls mit einfacher Bedienung. Die Aufnahmezeit
am Start. Mit den beiden Control-Fußtastern kann man zusätz- beträgt bis zu 40 Sekunden. Der Looper spielt das aufgenom-
lich Effekte zuschalten oder sie mit anderen Funktionen, wie mene immer im Kreis ab. Man kann endlos dazu spielen und
beispielsweise Tuner, belegen. Der Tuner des GT-10B ist er- somit wahre Bass-Kunstwerke erstellen. Ich bin in diesem
wähnenswert, da er das Stimmen sehr angenehm macht. Man Moment froh, dass ich in einem Einfamilienhaus wohne, wo
muss sich nicht nach vorne beugen oder mit einer Lupe sei- mich erstens keiner sehen, und zweitens keiner hören kann!
nen Stimm-Status erspähen, denn das Display ist, wie schon Warum? Ich tanze (wenn man das so nennen kann) einen
erwähnt, riesig. Herrlich! Mit dem EXP-Pedal kann man den unbekannten Tanz auf dem GT-10B und mit jedem Overdub
Tuner übrigens auch bedienen. Stellt man es auf leise, springt wird es schwieriger, mich in Zaum zu halten. Macht einfach
der Tuner an. Ansonsten nutzt man es u. a. als Lautstärke oder Freude! Ganz interessant ist auch, dass man mit dem Looper

119
EFFECTS

einen aufgenommenen Lick rund spielen lassen kann und ihn


währenddessen bearbeitet. Dazu muss man ihn nur vor die
Details
Effekte schalten. Das heißt, nicht mehr spielen, regeln, spielen, Hersteller: Boss
wieder regeln etc., sondern einmal spielen und dann in aller Modell: GT-10B
Ruhe seinen Sound erstellen. Toll! Speicherplätze: 400 (200 Preset/200 User)
13 Effektblöcke gleichzeitig
Fazit 2 WSP-Chips
Auf alle Einzelheiten des GT-10B einzugehen, wäre abendfül- SB Audio/MIDI-Interface
lend. Das stellt einen in der Bedienung dennoch nicht vor gro- 2 frei belegbare Control-Fußtaster
ße Rätsel. Trotz der vielen Möglichkeiten ist der Umgang mit Amp Switch-Buchse
dem „großen“ Boss entspannend einfach. Die meisten Einschleifweg
Bassisten gehen mit Effekten sparsamer oder zumindest Boss Looper mit 40 Sek. Loopzeit
anders um, als Gitarristen. Man braucht nicht tausende von Maße: (BxTxH) 542 x 272 x 77 mm
Sounds gleichzeitig, sondern den richtigen zur richtigen Zeit. Gewicht: 4,7 kg
Sicher ist, dass man mit dem Boss GT-10B fündig wird. Also Preis: 499 Euro
genau das Richtige für die Soundtüftler und Klangverfeinerer Getestet mit: Fender Jazz Bass 1978,
unter uns! Sandberg Basic PM Sascha Neuhardt
Vertrieb: Roland

www.rolandmusik.de

120
@A:>C67:G7yH:

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VINTAGE

Ein Stern unter


den Bässen?
Seit mehr als 50 Jahren Framus Star Bass

„Auch die härteste Beat-Band der Welt spielt Framus“, dies verkündete der

deutsche Musikinstrumentenhersteller 1964 stolz. Dank Bill Wyman von

den Rolling Stones erlangte der im fränkischen Bubenreuth gebaute Star

Bass weltweite Bekanntheit. Beliebt ist der Thinline-Bass auch heute noch,

nicht nur als Vintage-Instrument, sondern auch als Re-Issue. Ohne Star-

Allüren begann die Geschichte des Viersaiters zunächst ganz bescheiden im

Jahre 1956.

Von Christian Hoyer

Tradition und Innovation Kontrabass, Cutaway & Electric Upright


Obwohl die Wurzeln der von Vertriebenen gegründeten Firma Auch der Anliegen von Bassisten nahm sich Fred Wilfer in der
in der jahrhundertealten Tradition des Egerländer Geigenbaus für die Schönbacher Geigenbauer errichteten Siedlung in
lagen, war Framus nach dem Zweiten Weltkrieg ein äußerst Bubenreuth bei Erlangen rasch und bereitwillig an. Am Anfang
innovativer Musikinstrumentenhersteller. In der neuen Heimat dieser Bemühungen stand bereits Ende der 1940er Jahre ein
angekommen, erkannte Firmenchef Fred Wilfer die Zeichen Jazz-Kontrabass mit Cutaway. 1953 folgte der erste, weltweit
der Zeit; bald baute er neben Geigen und Celli auch Schlag- erfolgreiche elektrische Standbass, der bis heute unter dem
und Bassgitarren nach amerikanischen Vorbildern. Oft wird Namen „Triumph“ gebaut wird. Das Lautstärkeproblem war
daher die Metapher von Framus-Gründer Fred Wilfer als dem damit gelöst, die Transportschwierigkeiten von Bassisten
„europäischen Fender“ bemüht. wenigstens etwas gemindert. Bei Framus wurde unerlässlich
weiter experimentiert, um ein noch handlicheres Instrument

122
VINTAGE

Framus-Bass mit dem „Musikstar“ Bill Wyman, mit dem der


Modellname oftmals in Verbindung gebracht wird, zunächst
nichts zu tun. Die Starlets nämlich – eine deutsche Formation
– waren die Namensschöpfer und -geber des Basses gewesen.
Deren Sängerin Nana Gualdi wurde durch Evergreens wie
„Junge Leute brauchen Liebe“ zumindest als Schlagerstar bun-
desweit berühmt. Bereits in der Entwicklungsphase arbeitete
das Instrumental-Quartett Starlets mit der für europäische
Verhältnisse neuartigen „Bassgitarre“ – und so kam der Star
Bass zu seinem Namen. Auch andere Bassisten wie Herbert
Gottschalk von der Framus-String-Band oder Putt Hillmann
von RIAS Berlin waren an der Weiterentwicklung des
Instruments beteiligt. Schließlich hatte auch Werner Pöhlert,
ein führender Jazzgitarrist und Autor der
„Grundlagenharmonik“, in seiner Funktion als Berater der
Firma ein Wörtchen mitzureden.

Bässe für UK
Während sich in der Bundesrepublik der neuartige
Bass nur langsam zu etablieren begann, erfreute er
sich in England zu Zeiten des um sich greifenden
Skiffle-Booms bald großer Beliebtheit. Don Wilson
von den Sidekicks war vermutlich der erste, der
Die Starlets mit Star Bass den Star Bass in England verwendete. Die erste
Frau war Shirley Douglas, die in Chas McDevitts
Skiffle-Band den Bass zupfte. Spätestens ab
zu kreieren. Zudem ging es darum, Anfang der 1960er Jahre verdrängten der in den
eine elektrische Bassgitarre zu bau- Staaten geprägte Rock & Roll und der neu auf-
en, die so zu spielen war wie eine kommende britische Beat die Skiffle-Musik. Mit Jet
übliche Gitarre mit Bünden. Dies Harris von den Shadows schrieb der Star Bass
war ja ursprünglich Leo Fenders dann auch britische Rock-Geschichte, wie Mo
Idee gewesen. Nach dem Vorbild sei- Foster (der in der ersten Ausgabe von bassquarter-
ner Telecaster-Gitarre wurde so im ly interviewt wurde) in seinem interessanten Buch
Jahre 1951 der Precision Bass in über diese Zeit darlegte.
Kalifornien geboren.

1956: Ein „Stern“ am europäischen Bass-Himmel


Bei den Bubenreuther Instrumentenbauern entstand nach lan-
ger Forschungsarbeit im Jahre 1955 der erste Framus Star
Bass, der auf der Frankfurter Frühjahrsmesse des darauf fol-
genden Jahres einem interessierten Fachpublikum vorgestellt
wurde. Auf den ersten Laienblick war er von einer Gitarre nicht
zu unterscheiden; die vier dicken Flachdraht-Saiten machten
allerdings schnell deutlich, dass es sich um einen Bass handelte.
Im Gegensatz zu Fenders Solidbody-Konstruktion hat der Star
Bass jedoch einen Halbresonanz-Korpus und zählt zu den
Thinline-Bässen. Framus warb damals mit dem plakativen Slogan:
„Jeder Gitarrist ein Bassist“. Weiter heißt es im Werbetext von
1956: „Der Star Bass sieht aus wie eine Gitarre, wird gespielt
wie eine Gitarre, aber… hat einen Ton wie ein großer
Kontrabass.“ Tatsächlich konnte der Star Bass von einem
Gitarristen leicht erlernt werden und besaß zudem die techni-
schen Möglichkeiten einer Gitarre. Bisher unerreichte Solo-
und Ryhthmus-Effekte zu erzielen, versprach der Star Bass
überdies. Die bundesdeutschen Medien stürzten sich geradezu
auf die Neuigkeit aus Bubenreuth und stilisierten die
Präsentation des neuartigen Instruments zu einer offenen
Kampfansage an den (Zupf-)Kontrabass. Sie titelten 1956:
„Star Bass soll Kontrabass ersetzen.“

Ein „Sternchen“ zunächst


Dem Neuling aus der fränkischen Gitarrenschmiede wurde in
den 1950er Jahren in Westdeutschland jedoch anfangs von
Musikerseite nur wenig Beachtung geschenkt. Das Wort
Ladenhüter drängt sich unweigerlich auf. Ganz ähnlich ging es
im Übrigen ja einem anderen Bass aus Bubenreuth, bis er in
Hamburg Jahre später „entdeckt“ wurde. Jedenfalls hatte der

Star Bass-Annonce von 1956


123
VINTAGE

Stone Bass
Zum endgültigen Durchbruch weltweit gelangte der Star Bass
natürlich durch die Erfolge der Rolling Stones. Wie er von sich
selbst in seiner Autobiographie berichtet, bekam eines
September-Tages des Jahres 1963 Rolling Stones-Bassist Bill
Wyman das Gefühl, sich eine adäquate neue Bassgitarre zule-
gen zu müssen. Er entschied sich dort für die „Framus Star
bass guitar, deep red in colour with a wide body and a very slim
neck“ – sie entsprach seinem Klangideal, denn es ging ihm um
folgendes: „to harden up my sound“. Kurz darauf gelang den
Rolling Stones der kommerzielle Durchbruch. Als der
Geschäftsleitung des englischen Vertriebspartners von Framus
zu Ohren kam, dass Bills Bass bei einem Auftritt beschädigt
wurde, sprach sie eine Einladung an die Rolling Stones aus, die
Dallas Company in der Londoner Clifton Street einmal zu
besuchen. Dort bekam Bill Wyman nicht nur einen neuen Star
Bass sondern auch das Angebot, einen auf drei Jahre ausgeleg-
ten Endorsement-Vertrag zu unterschreiben.

5/149 & 5/150


Den Zusatz „Star“ übertrug man bei Framus in den 1960er
Jahren geradezu inflationär auch auf andere Bässe wie die
Television-Star-, die Hollywood-Star- oder die Strato-De-Luxe-
Star-Bässe. Der Star Bass im engeren Sinne umfasst streng
genommen nur zwei Thinline-Modelle mit gewölbtem Boden
und gewölbter Decke. Beide – sowohl die kleinere Version
5/149 wie das Modell 5/150 mit größerer Korpusform – spiel-
te Bill Wyman. Eine Besonderheit stellt übrigens der Star Bass
de Luxe (ebenfalls Modellnummer 5/150) dar, der im so
genannten New-Line-Finish gefertigt wurde und in beiden
Bodygrößen erhältlich war.
Während der Saitenhalter mit dem eingravierten Schriftzug
Der hier vorgestellte braun schattierte 5/150er Star Bass jahrelang unverändert blieb, wurden die Tonabnehmer stets
stammt aus der Baureihe der Jahre 1964/65; auf dem Zettel im weiter entwickelt und veränderten ihr Äußeres demzufolge.
Korpusinnern findet sich sogar das genaue Herstellungsdatum, Erst ab Anfang der 1960er Jahre wurden Pickups bei Framus
nämlich in Form eines in blau gehaltenen Datierungskürzels fest auf der Decke verschraubt. Die hier verwendeten, wurden
„65 I“, das für September 1965 steht. Dieses ist bei vielen ande- erstmals zur Frankfurter Messe 1964 vorgestellt. Hinzu kam
ren Instrumenten jedoch nicht vorhanden oder bereits ver- ebenfalls ab 1964 die bräunlich marmorierte Tortoise-
blasst. Eine Datierungshilfe sind dann aber durchaus die origi- Plastikplatte im oberen Korpusteil, auf der sich die kleinen
nalen Framus-Bauteile, die über die Jahre mehr oder weniger Schieber zum Aus- und Einschalten der Tonabnehmer befin-
variieren konnten. So auch im Falle des Modells 5/150. den. Auch die Reglerknöpfe veränderten ihr Aussehen entspre-

Framus String Band, rechts Bill Lawrence Werner Pöhlert beim Star Bass-Testen
124
VINTAGE

v.l.n.r.: Titelblatt der Star Bass-Schule, Framus-Annonce von 1965 mit Bill Wyman,
Zeichnung von Bill Wyman (1964), Star Bass in einer Werbebroschüre von Ende
der 1950er Jahre, Joe Menke auf der Saiten-Packung

chend dem Zeitgeschmack, das Gleiche gilt für das


Kopfplatten-Design. Die Mechaniken weisen noch die bis
Anfang der 1960er Jahre typischen dicken, mit weißem
Kunststoff ummantelten Achsen auf, die bald durch „schwere-
re“, „bassigere“, ganz vernickelte Tuner mit großen
Metallflügeln ersetzt werden sollten. 1964 löste auch eine
Metallbrücke den Palisander-Steg ab, die anfangs ohne
Abdeckung daherkam. Auffällig ist die zweite Fingerstütze, die
der Daumenstütze gegenüber liegt; sie stellte damals eine
bestellbare Zusatzausstattung dar, die einer in den 1960er
Jahre verbreiteten, heute kaum mehr praktizierten
Zupfmethode geschuldet war.
Bill Wyman hat genau einen solchen 1964/65er Star Bass (mit
weißer Schlagplatte) als Kompensation für sein Endorsement
bekommen – allerdings im für Framus so eigentümlichen
Black-Rose-Finish. Er hängt in Wymans Sticky Fingers Café in
London. Eine breite Auswahl von Star Bässen der 1950er und
1960er Jahre ist in der Dauerausstellung des Framus Museums v.l.n.r.: Katalogseite von 1968, englische Annonce aus Melody Maker 1950er Jahre,
in Markneukirchen zu sehen. Katalogseite von 1964/65 (mit Zeichnung von Bill Wyman)

Star Bass II – die Tradition lebt weiter


Die beiden Framus Star Bass Modelle wurden bis Ende der
Über den Autor:
1960er Jahre hergestellt. Fred Wilfers Sohn Hans-Peter Wilfer
Der Autor Christian Hoyer, geboren 1976, studierte in Erlangen, Marburg, Keele und
baut seit 1982 Edel-Bässe unter dem Namen Warwick – seit
London Politikwissenschaft und Geschichte. Über ein Thema zur englischen
diesem Jahr auch wieder einen Star Bass. Außenpolitik hat er 2006 promoviert. Ein Jahr später konnte er eine umfassende
Geschichte der Marke Framus vorlegen („Framus – Built in the Heart of Bavaria“).
Seit 2007 leitet er das neu entstandene Framus Museum, das in einer
Gründerzeitvilla in der Musikstadt Markneukirchen untergebracht ist. Mehr als 200
Instrumente – von Violine bis E-Bass – erzählen die Geschichte der legendären
Marke, die aufs Engste mit berühmten Musikern wie Attila Zoller, Bill Lawrence, Jan
Akkerman, Bill Wyman oder John Lennon verbunden ist. Das Framus Museum in der
Adorfer Str. 25 in 08258 Markneukirchen hat von Dienstag bis Sonntag (10:00 bis
18:00) geöffnet.
Im Internet finden Sie nähere Informationen unter www.framus-vintage.de.
Bei Fragen wenden Sie sich bitte an: service@framus-vintage.de.

Ludwig Erhard besucht den Framus-Stand 1956 Framus-Plakat mit den Rolling Stones
125
KLEINANZEIGEN

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©2006 Jack Daniel’s. All rights reserved. JACK DANIEL’S and OLD NO. 7 are registered trademarks.

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WORKSHOP

Tower Of Power & Francis „Rocco“ Prestia:

„Make
Someone
Happy” (1976) r k shop
o Treasures –
W– Hidden

Präsentiert von Chris Hees

Das Tower Of Power-Stück „Make


Someone Happy“ zählt zu Unrecht
zu den unbekannteren Nummern
der beliebten US-Funk-Bigband,
gehört der Track doch melodisch und
groovetechnisch klar zu den ein-
gängigsten Grooves des 1951 gebo-
renen „Meisters des Fingerfunk“:
Francis „Rocco“ Prestia.

Zur Spieltechnik: Ich empfehle einen flüssigen, nicht zu Langsam steigern wirkt Wunder! Wer bei 60-70 bpm anfängt
starken Anschlag mit moderatem Left-Hand-Muting, damit es und das Tempo ruhig über ein paar Tage bis hin zu den origi-
schön „vintage“ klingt. Am besten eignen sich Vintage- nalen 120 bpm steigert, der macht es richtig. Die Transkription
Viersaiter von Fender, G&L oder MusicMan sowie ein nicht zu bezieht sich übrigens auf den 1976 aufgenommenen Track
moderner Ampsound. Ein Wort zu den TABs: Die Tabulatur vom Album „Ain’t Nothin’ Stoppin’ Us Now“. Der Originaltitel
entspricht weitestgehend Roccos Spielweise ohne viel Leer- ist unkompliziert u. a. bei iTunes erhältlich.
saiteneinsatz. Probieren sollte man es zuerst ohne TABs – das
Erfolgserlebnis, Noten zu entziffern, ist ein ganz besonderes. Also: Groove on!

129
WORKSHOP

Tower Of Power & Francis „Rocco“ Prestia:


„Make Someone Happy” (1976)

Abb. 01 (Intro) – Hier unterstützt Rocco das eindrucksvolle Bläser-Intro

q = 120 Bassline as played by Francis "Rocco" Prestia


C^ /E /A Gsus13
        
      
Abb. 01

Intro
   

 3 5
2
0 0 1 3 5 3 3 3 3 3 3


Abb. 02 (Refrain) – Der C-Dur-Intro-Groove wandelt sich im zweiten Takt und


erhält eine funky Rückführung in Moll-Pentatonik mit Durchgangsnote.

C^ Em /A Gsus13 G play 4x

Abb. 02    
      

  
  
Refrain
2
 3 5
0 0 1 3 5 3 3 3
1 2

Abb. 03 (Verse) – Hier groovt Rocco zweimal über II-V-III-VI-II-V-I mit teilweise
chromatischen Moll-Linien und endet in der zweiten Klammer in Disco-Oktav-
Grooves über zweitaktig liegende Akkorde (Dsus – D – Gsus – G).

 
Dm G7 Em
 Am Dm G7 C^7 C#07 Dm
Abb. 03                             
 
Verse
5
4 5 6 7 4 5 5 7 7
 4 5 5 7 8 7 8 10 5 7 8 7 5 3 3 4 5

1.


Dm G7 Am Dsus
 D7  G    C#07 Dm
                         
7 7 7 7
4 5 5 7 7 7 5 5 5 5 5
 5 7 8 7 7 7 3 3 3 5 5 3 5 4 5

2. (1rst verse only)


Dsus7 D7   Dsus7   D7   Gsus7    G7    
              
  
7 7 7 9 10 10 12 12 10 9 7
9 10 12
 5 5 5 3 5 7 8 9 10
7 8 10
10 8 7 5

130
Workshop
Es folgt zunächst wieder Abb. 02 (Refrain), dann:

Abb. 04 (Trumpet Solo) – Rocco spielt hier mal seltene Legatonoten mit
Choruseinsatz – man beachte bei 1:16“ auch das spaßige Trompeten-
Eingangsmotiv aus dem typischen Kinder-Abzählreim.


Bb^7
     Am7
  play 2x
   
Abb. 04         
 
Tp-Solo
10 10 9 10 9 9 9 7 9 7
 6
8 8
6 5
7 7
5

Abb. 03 und Abb. 05 (Verse II mit alternativer Klammer 2) – Der zweite Verse mündet bei
1:52“ in seiner alternativen zweiten Klammer in einen Oktav-discomäßig inszenierten
Tonartwechsel, der weit oben auf A und G-Saite gespielt wird und in den letzten Part
überleitet.

 D7    Gsus7   G#sus7


2.
 D7 
Dsus7 Dsus7 
               
Abb. 05     
Verse-Klammer 2
7 7 7 9 10 10 12
(2nd time) 9 10
 5 5 5 3 5 7 8 9 10
7 8 10
11

        
G#sus7
   
    
4
  

13 17 14 15 13 11 10 8

 11 15 14 13 11 9 8 6

Abb. 06 (Disco Jam Coda) – Hier vampt Rocco mit der Band dreimal Disco-Oktav-
mäßig über C# und B hin und her, bis er uns allen über A# zweitaktig zeigt, wie
locker 16tel-Fingerfunk klingen kann.

1.2.

   
C#^7
 B^7
  
Abb. 06
       
Disco-        
Jam-
Coda 6 4
7
 4
1 1 4 4
4
4
2
5 4
3 4

     
3.
B^7 Bb^7           
                  
7 7 8 8 9 9 10 10
9 7 6 8 8 8
 7 5 4 5 6 6
8 8 5 6 6 7 8
6 8
4

play until fade

Ablauf: Intro – Refrain – Verse – Refrain – Verse & altern. 2. Klammer – Disco-Jam-Coda

Der Workshop wurde mit der Notationssoftware Sibelius 5 erstellt. 131


MEDIATIPPS

Buch-Tipps

Allan Slutsky/Chuck Silverman „The Great


James Brown Rhythm Sections 1960 - 1973“
Von Thomas Bugert
James Brown, der „Godfather of Soul“ dürfte den Meisten bekannt sein. Was ist aber der
Godfather ohne eine göttliche Rhythmusgruppe? Auch wenn die Besetzung der Band sich des
Öfteren geändert hat, ist der unheimliche Drive der gleiche geblieben. In dem Buch „The Great
James Brown Rhythm Sections 1960 - 1973“ gehen Allan „Dr. Licks“ Slutsky und Chuck
Silverman dieser Frage nach und analysieren auf 144 Seiten 23 Songs. Als Beigabe finden sich
zwei CDs mit viel Musik. Zu jedem Song gibt es zunächst einen „Masterscore“ – sprich eine
Partitur. Danach werden in einzelnen Lessons die Gitarren-, Bass- und Schlagzeugstimmen
analysiert. Vorab kann man erst mal bei jedem Song die komplette Rhythmusgruppe hören.
Das Schlagzeug ist hier in der Mitte, der Bass rechts und die Gitarre links. Durch die super
Qualität der CD macht es an dieser Stelle bereits richtig Laune als Basser einzusteigen. Zum
besseren Üben gibt es jede Stimme noch einmal einzeln in verlangsamter Geschwindigkeit.
Super! Wer schon immer einmal wissen wollte, wie eine Soulband groovt und wie die einzel-
nen Aufgaben verteilt und ineinander verzahnt sind, findet hier reichlich Material. Darüber Taschenbuch: 144 Seiten
hinaus gibt es natürlich eine Menge Geschichten zu den Songs und der Band, um so richtig Verlag: Alfred
in die Zeit einzutauchen. Meiner Meinung nach ist das ein Standardwerk, welches in keinem Erscheinungsjahr: 1997
Bücherschrank eines Funk- und Soulbassisten fehlen sollte. Sprache: Englisch

John Niven
„Kill Your Friends”
Von Ewald Funk
Provokant, überzogen und sensationslüstern? Das waren die negativen
Fragen, die ich mir vor der Lektüre dieses Buches gestellt habe. Dem
gegenüber standen Dutzende positiver Empfehlungen von Freunden und
nicht zuletzt die öffentliche Aussage von Manic Street Preachers-Sänger
James Dean Bradfield, der erzählte, er habe „das Buch einfach nicht bei-
seite legen können“. Und genau das ist mir wie vielen anderen dann
auch passiert. Die Geschichte: Steven Stelfox ist A&R-Manager bei einer
großen Londoner Plattenfirma in den späten 1990er Jahren – er ist also
für die Talentverpflichtung zuständig, die ihm seine Zuträger und Scouts
so an Land ziehen. Erfolg versprechende Bands sind ja seit jeher eine Art
Spekulationsobjekt für die großen Labels. Mit ihnen verdient man das
Geld, das man mit dem Großteil der Nieten verliert. Und was heute ein
Hit ist, kann nach einem Album bereits wieder Schnee von gestern sein.
Apropos Schnee: Stelfox schaufelt ihn haufenweise mit seinen Kollegen
in einer gnadenlosen Orgie nach der anderen. Selten nüchtern, hangelt
er sich mit seinen gleich gepolten Kollegen und Konkurrenten von
Meetings über Messen zu Konzerten und Geschäftsessen. Um nach oben
zu fallen, bringt er sogar seinen Abteilungsleiter um die Ecke, bekommt
Probleme mit seinem Alibi und erhält ausgerechnet einen disziplinierten Jungspund als neuen
Chef vor die Nase gesetzt. Alles läuft gegen ihn in seiner Welt aus wüsten Sexgelagen,
Drogenparties und dem Desinteresse für das, um was es eigentlich gehen sollte: Kunst und
Musik. Als dann auch noch seine Sekretärin stirbt, nimmt die Story aber eine erstaunliche
Wendung. Autor Niven war selber als A&R bei Sony tätig und entdeckte damals Bands wie
Travis. Aufgrund der guten Übersetzung vorbehaltlos zu empfehlen! Ein dickes Fell, was die teil-
weise detaillierte Beschreibung diverser Bettszenen angeht, vorausgesetzt. Wird sicher einmal
Pflichtlektüre, wenn es die Musikindustrie in der heutigen Form nicht mehr gibt.

Taschenbuch: 379 Seiten


Verlag: Heyne
Erscheinungsjahr: 2008
Sprache: Deutsch

132
MEDIATIPPS

Musik-Tipps von Ewald Funk


Disturbed
„Indestructible“
Reprise/Warner
Ich glaube, so langsam haben Disturbed ihre musikalische Mitte
gefunden und setzen auf das sichere Pferd mit dem Namen „Keine
Experimente!“. Eine ausgeglichene Scheibe ist es für das amerikani-
sche Modern-Metal-Flaggschiff geworden. Sie klingt aber fast wie ein
wattierter Bulldozer, der den typischen Groovemetal der Jungs aus
Chicago ohne Umwege direkt in die Gehörgänge planiert – zwar
sehr heavy, aber Kanten ecken nirgendwo an. Dazu ein sehr fetter,
aber etwas undifferenziert und undynamisch abgemischter Sound.
Obenauf die typischen „gagagaga“-Gesangsmonotypen von Sänger
David Draiman gut über die Platte verteilt. Und fertig ist ein weite-
res düsteres Werk mit hohem Wiedererkennungswert für die
Tanzfläche in der Metaldisko. Niemand wird an dieser Platte etwas
zu meckern haben, außer politisch interessierten Hörern, die den
Titelsong vielleicht in die Kiste „Durchhalteparolen für unsere Jungs
im Irak“ stecken. Aber politisch sind Disturbed in der Presse eher als
Pazifisten bekannt, insofern greift dieser kleine Kritikpunkt nicht
ganz. Rein musikalisch ist das neue Album die perfekte Selbstkopie
und, als einziges Manko, durchzogen von einer seltsamen
Gleichförmigkeit. Disturbed weichen keinen Millimeter von ihrem
bewährten Platinscheiben-Konzept ab und liefern ohne Zweifel
genau das ab, was ihre Fans erwarten: Qualität.

Helldriver
„Mädchen mit Motorsägen”
Wolverine Records/Soulfood
Helldriver bezeichnen sich selber gerne als „polnische
Autostuntband aus Hamburg“ und sie haben sattelschlepper-
weise Humor an Bord. Sie liefern aber trotzdem keine
Stümpermusik ab, sondern originellen Hard-Rockabilly mit (!)
deutschen Texten. Tja, wenn der Rockabilly jemals reif für die
Stadien werden sollte, dann dürften das wohl Helldriver eines
Tages verwirklichen. Ihr extrem eingängiger Punk’n’Roll’o’Billy-
Twang ist einfach knorke, so was von lässig und dazu herrlich
ohne Erstliga-Ambitionen. Fast wie der FC St. Pauli, der aber
bei den Helldriver-Musikern eher nicht so beliebt ist. Zurück
zur Musik: Im Gegensatz zu ihrem CD-Erstling wird bei den
Höllenfahrern auf der neuen Platte was den Sound anbelangt
noch ein Zacken Härte in die Waagschale gelegt. Für Musiker
ist die Platte textlich übrigens äußerst lohnend, in nicht weni-
gen Songs wird der moderne Touralltag in all seiner
Grausamkeit fast wie bei „Fleisch ist mein Gemüse“ ironisch
kommentiert. Zum Beispiel verfährt sich die Band jedes Jahr
traditionell bei der Fahrt zum Gig in Cottbus. Auf helldriver-music.de kann man sich außerdem eine nachahmens-
wert-einfache Bühnenanweisung herunterladen, die endlich auch der letzte Vollpfosten von Clubbesitzer versteht.
Bravo! Zur Instrumentaltechnik: Boss Schwingo spielt eine modifizierte Epiphone Casino Elitist in Sunburst. Die
P-90 Pickups sind gegen Pfeifen mit Wachs ausgegossen und zur Vermeidung von zu vielen Feedbacks ist die Decke
mit geleimten Holzböckchen stabilisiert: „Manche Gitarristen stopfen hierzu einfach Klopapier ins F-Loch. Das sieht
nicht nur Scheiße aus, sondern wer will schon Kackband in der Klampfe haben?“ Motorsägen spielen in ihrer
Bühnenshow auch weiterhin keine große Rolle, Hauptsache das Equipment ist nicht von der Stange.

134
MEDIATIPPS

Beth Hart
„Making Of 37 Days” DVD
East Zone Records/Universal
Es gibt genug weibliche Bandleaderinnen oder Solokünstlerinnen, die vor allem
durch feminine Zurückhaltung die Zügel in der Band in der Hand halten. Die ame-
rikanische Rockmusikerin Beth Hart (welch ein passender Name!) geht da ganz
anders zur Sache. Sie hat ihre Musiker wie eine musikalische Domina fest im Griff
und dazu noch eine ziemlich ergreifende
Stimme als natürliche Vorraussetzung für
ihre Autorität. Berechtigt, denn sie wird
wegen ihrer Röhre schon als Janis Joplin
des neuen Jahrtausends gehandelt. Das
Inlay dieses Bildtonträgers spricht auch
gar nicht von einer Stimme, sondern von
einem „Pump Organ“, was der Realität
ziemlich nahe kommt. Als wenn sie
gedopt wäre, gibt sie alles und steht dabei
nicht einmal auf einer Bühne! Die DVD
wurde nämlich komplett in einem geräu-
migen Studio in Los Angeles aufgenom-
men und zeigt das komplette neue Album
der Künstlerin. Die CD „37 Days“ wird bei
uns im September erscheinen, alle Songs kann man auf der DVD aber schon mit
perfektem Ton und gestochen scharfem Bild bewundern. Und wenn es noch einen
Funken Gerechtigkeit im Business gibt, wird diese Dame ihren Weg machen.
Stilvolle, kernige Rockmusik, dazu einige wenige Piano- oder Akustik-
gitarrenballaden und eine unglaubliche Motivation in ihrem Gesang sprechen für
sich. Man meint, der Teufel sei hinter Beth her… zwischen den Songs unterhält
man sich ein bisschen, aber die Hauptsache ist die Musik. Ganz nebenbei kann
man Studio-Equipment und Instrumente beobachten. Bis man aber gleich wieder
durch Stimme und Optik von Frau Hart abgelenkt wird. Egal ob Männlein oder
Weiblein, die Chefin zieht alles wie ein Staubsauger in sich!

Jaded Sun
„Gypsy Trip”
Sian Records/New Music Distribution
Ja hallo! Sind denn schon die späten 1970er? Wirklich goldig, wie in schö-
ner Regelmäßigkeit junge Bands auftauchen, die die letzten 30 Jahre musi-
kalischer Entwicklung völlig ignorieren und richtig erdigen, bluesgetränkten
Hardrock zelebrieren. Blind würde ich bei Jaded Sun auf Australien tippen.
In Wirklichkeit sind die fünf Typen aus Irland und haben eine richtig schö-
ne Retrorockscheibe zustande gebracht. Wer zu Hause im Plattenschrank
die Quireboys, Black Rebel Motorcycle Club, Black Crowes oder auch Rose
Tattoo stehen hat, der liegt mit ihrer Mucke genau auf einer Linie mit dem
allumfassenden, größten Nenner für solche Musik, nämlich Led Zeppelin.
Um das Vergleichskarussell noch etwas weiter zu drehen, möchte ich die
winzig kleine Minorität, die die kuschelige, kleine Alternativkapelle Reef
noch kennt, ansprechen. Denn Jaded Sun
lassen, insbesondere Sänger John Maher
mit seinem Organ, Erinnerungen an diese
längst versunkene Kombo aufblitzen. Bei
Jaded Sun kommen die üblichen
Verdächtigen im instrumentalen Bereich
zum Einsatz: etwas Hammondorgel, ein
bisschen Honky-Tonk-Piano, eine dicke,
fette Slidegitarre, ein rumpelnder Bass –
fertig ist eine neue Version zeitloser Musik.
Was die Band besonders macht: Sie sind
angeblich fantastische Livemusiker, was
man in Deutschland spätestens im Herbst
nachprüfen kann.

135
MEDIATIPPS

The Boxmasters
„The Boxmasters”
edel records/edel
Eine Neuerfindung des uramerikanischen Countrysounds kann man
von dieser Band nicht erwarten, allerdings einige lustige Überraschun-
gen. Niemand geringerer als Billy Bob Thornton, bekannt als abgepfiffe-
ner Schauspieler und Exmann von Frau Jolie, steht am Mikro dieses
Trios, welches uns hier mit einem feinen Doppelalbum beglückt. Thornton macht eigentlich schon seit 1974 Platten,
vor allem die letzten Jahre registrierte man einige interessante Soloalben von
ihm. Das aktuelle Bandprojekt teilt sich auf zwei CDs auch in zwei Konzepte.
Zum einen Thorntons Eigenkompositionen, in denen recht sarkastisch zwi-
schenmenschliche Beziehungsmodelle kommentiert werden. Schön flauschi-
ge Country-Arrangements werden mit dunklen und ironischen Texten kom-
biniert, in denen – so Thornton – „mal die Frau, mal der Mann, mal beide
die Dummen sind“. Oft mitten im Song wechselt der naive Sound aber dann
zu psychedelischer Instrumentierung und spirituellen Passagen. Zum ande-
ren ist da die zweite CD, auf der nur Coversongs zu hören sind. Hier sind
Kompositionen von den Beatles, Who, Mott The Hoople vertreten, aber auch
Countrystars wie Kenny Loggins oder Lee Clayton werden durch den
Redneck-Fleischwolf gedreht. Alles in allem eine mehr als tiefgründige Platte
was die Texte angeht. Andererseits taugen die Silberlinge, sofern man nicht
auf die Lyrics achtet, als perfekte Hintergrundberieselung für ein gepflegtes
Barbecue oder eine gemächliche Autobahnfahrt. Ohne Galionsfigur
Thornton würde sich zwar kaum eine Sau für die Scheibe interessieren, aber
im Umkehrschluss wird sein Name doch einige Leute auf ein hierzulande
selten gefragtes Genre aufmerksam machen.

Albert Hammond Junior ¿Cómo Te Llama?


Beggars/Rough Trade
Was kann der Papa dafür, wenn der Sohn so talentiert ist? Der Sprössling des bekannten
Gitarrenpopkünstlers und Songwriters aus den 1980ern, Albert Hammond, spielt „zufällig“
Rhythmusgitarre bei den Strokes. Und bei denen bestimmt in erster Linie Brigadeführer
und Sänger Julian Casablancas, woher der Wind pfeift und wo die Musik spielt. Eine
Staatsaffäre macht Albert jr. nicht daraus, sondern handelt pragmatisch und veröffentlicht
einfach seine eigenen Platten, wenn die Stücke bei seiner Stammband schon nicht benö-
tigt werden. Weit ist sein Material natürlich nicht von seiner Heimattruppe entfernt, nicht
wenige bezeichnen seine Ergüsse sogar als wesentlich einfallsreicher und abwechslungsrei-
cher als die Strokes-Alben. Er verwebt auf der neuen Scheibe geschickt melancholische
Melodien mit einer gebührlichen Portion gammeliger Lässigkeit, immer schön mit genug
Sicherheitsabstand vor der Peinlichkeitsgrenze des Pop. Jeder jüngere Indiefan sollte die
Platte haben, denn bei aller Eingängigkeit musiziert der gebürtige Kalifornier auch hin und
wieder etwas kantig vor sich hin. Vom balladesken Schleicher mit Reggaerhythmus über
den forschen Stampfer bis zum typischen Strokes-Schrammelgitarrensong gibt es einiges
zu entdecken und man merkt sofort, dass
sich diese CD nicht gleich nächste Woche
totlaufen wird. Somit macht Albert jr. mit
seiner zweiten Soloscheibe alles klar und
legt eine rundum respektable CD vor, die
man als Strokes-Fan soundso kaufen
muss…oder die auch dem einen oder
anderen Garagenrockfan mit Anspruch ans
Herz gelegt werden kann. Hammond spielt
geschickt mit dem stimmlichen Geist von
John Lennon und benutzt als Kontrast-
mittel die Stilmittel der Hauptband Strokes.
Ray Davies von den Kinks hat bei der voka-
len Abmischung sicher auch etwas über die
Schulter geschielt und mehr Komplimente
braucht man eigentlich nicht zu machen,
damit möglichst viele Indiefeinschmecker
hier ein Ohr riskieren.

136
MEDIATIPPS

Lemmy Kilmister
„White Line Fever” Hörbuch
Nuclear Blast/Warner
Die berühmteste Warze der Welt wird heuer an Weihnachten 63 Jahre
alt. In seiner über 40-jährigen Musikerkarriere hat er vor allem gesun-
de Substanzen wie Milch oder Multivitaminsaft ausgelassen, ansonsten
seinem Körper alles zugeführt, was normalerweise das Leben verkürzt.
Nicht ohne Grund heißt es ja, den Atomkrieg würden nur Kakerlaken,
Keith Richards und Lemmy überleben. Wenn es um Exzesse geht, ist
die Heyne-Hardcore-Buchreihe immer eine gute Adresse, jetzt liegt das
legendäre Lemmy-Buch „White Line Fever“ als deutsches Hörbuch vor.
Ein gutes Manuskript mit hohem Skandalfaktor kann man ja selbst
durch einen unpassenden Sprecher nicht versemmeln. Und Martin
Semmelrogge ist für die deutsche Version auf den zweiten Höreindruck
doch eine recht nette Wahl. Für meine Begriffe versucht er zu sehr, die
allseits heisere Stimme von Lemmy nachzuahmen und verfällt doch
immer wieder in seine natürliche, etwas höhere Stimmlage. Aber besser
Semmelrogge als Elmar Gunsch oder Jörg Knör. Kurz zur Geschichte:
In „White Line Fever“ erzählt Lemmy im Stil eines nie älter werdenden
Jugendlichen aus einem Leben voller Exzesse, Rock, Drugs und Sex
ohne jeglichen Anflug von Selbstkritik. Durch Lemmys Anekdoten und Berichte wird die Rockgeschichte von
ihrem Beginn in den 1950er Jahren an lebendig. Auch wenn er und Motörhead nie die Tabellenführer des Rocks
waren und sind, ihren Beitrag haben sie geleistet. Nicht zu unrecht war Metallica-Drummer Lars Ulrich Leiter des
Motörhead-Fanclubs in den USA Mitte der 1970er. Die Kapitel werden aufgelockert durch fünf komplett gespiel-
te neuere Motörhead-Songs und zum Schluss, als Höhepunkt, durch „Ace Of Spades“ aus dem Jahr 1980. Für
Musiker auf der Heimfahrt von einem turbulenten Gig bestens geeignet! Wer ausführlicher das Altersgeheimnis
von Ian Fraser Kilmister alias Lemmy kennen lernen möchte, greift besser zur Buchausgabe.

EXCLUSIVE
E X CL USIVE HANDMAD
HANDMADEDE S
STRING
TRING INS
INSTRUMENTS
TRUME
ENT S
YOUR
Y OUR INDIV
INDIVIDUAL
VIDU AL CHOICE

SWAN
Semi-Acoustic Fretless Bass

Versoul instruments are played by


many legendary artists, including;
Roger Daltrey, Kenny Burrell, etc. and
a growing number of serious guitar
collectors and investors.

w w w .v e r s o u l . c o m
MEDIATIPPS

The Levellers
„Letters From The Underground”
Skycab/Rough Trade
Mitte August erschien nun nach langer Wartezeit endlich wieder neues Futter
von einem der Urväterchen der Folk-Punk-Bewegung. Wer aus Altersgründen
nur jüngere Bands internationaler Prägung aus diesem Genre wie die Real
McKenzies, Flogging Molly oder die Dropkick Murphys kennt, sollte sich
schleunigst die neue Platte der Levellers besorgen. Sie rocken seit 1988 uner-
müdlich. Das Konzept ist einfach: Gitarre und Fidel bilden das Melodiegerüst
von Folksongs, die in forscher Punkgeschwindigkeit zusammen mit meist poli-
tischen Texten vorgetragen werden. Ältere Musikfreunde kennen sicher noch
Verwandte wie die New Model Army oder die Pogues. Und die Levellers, die
auf der Insel längst ihr eigenes Festival mit einer treuen Fanbase von über
30.000 Leuten etabliert haben, schicken sich an und sagen sich mit „Letters
From The Underground“ von der traditionellen Plattenindustrie los. Und über-
raschen mit einer sehr politischen Platte! Eh klar, Songtitel wie „Burn America
Burn“ oder „Accidental Anarchist“ weisen klar den Weg, dass die Band in Britannien, genauer gesagt
im Seebad Brighton, angesiedelt ist. Auch wenn die Gruppe schon einige Jahre auf dem Buckel hat,
sie klingt jugendlich frisch und zeitlos mitreißend, sofern man ein Faible für – eben – Folk-Punk hat.
An der ungebrochenen Nachfrage der schottischen Folkpopband Runrig oder den vielen
Jungspunden sieht man deutlich, dass dieses Genre noch lange nicht zum alten Eisen gehört. Auch
Deutschrockfans mit Ausrichtung zu Subway To Sally oder ähnlichen Bands sollten hier einmal ein
Ohr riskieren. Eine Deutschlandtour ist für Anfang 2009 geplant.

Mötley Crüe
„Saints Of Los Angeles”
Eleven Seven/SPV
Wenn die allzeit partygeilen Mitglieder der Band Mötley Crüe sich quasi durch
den neuen Albumtitel als Heilige von Los Angeles bezeichnen, dann könnte
man gleich in einem Atemzug die Tour de France als absolut drogenfrei titulie-
ren! Ha, was für ein kleiner Schenkelklopfer! Schließlich waren die vier jahrelang
der definitive Magnet für alles Illegale, was angeblich Spaß bereitet unter den
Antörnern. Mötley Crüe 2008, neues Album, neues Glück und das in der
Originalbesetzung. Vor allem deswegen verwunderlich, weil alle Mitglieder noch
am Leben sind! Was Party und wilde Orgien der Herren Neil, Sixx und Lee
angeht, ist diese Feststellung vor allem nach Lektüre ihres legendären Buches
durchaus angebracht, bei Gitarrist Mick Mars allerdings fehl am Platz: Er leidet
an einer seltenen Kno-
chenkrankheit. Spielen tut er
allerdings immer noch wie
ein junger Gott. Sein
Markenzeichen, die unge-
bremste Spielfreude, ist nach
wie vor noch grenzenlos vor-
handen. Und drum herum
hat die Band ein wirklich
anständiges Album abgelie-
fert, für welches man sich weder 2008 schämen muss, noch wäre man damit
1994 wie mit dem damaligen „Mötley Crüe“ in die zweite Liga abgestiegen.
Sicher, ein bisschen Haarspray-Metal-Flair durchweht ihre neue Produktion
immer noch, aber sie machen das, was sie einfach am besten können: Party-
Rock! Textlich liegt bei der neuen Scheibe die lesenswerte Biografie „The Dirt“
im Fokus, schließlich kommt die Crüe jetzt in ein Alter, in dem man das Leben
resümiert und bilanziert. Weltweite Chart-Erfolge wird man damit nicht feiern,
aber wenn die Krawallos das als Anschub sehen, noch einmal in Europa mit
einer großen Monsterproduktion live zu spielen, dürfte das eine richtige
Riesenparty werden. Wer Lektionen in Gute-Laune-Mitgröhl-Refrains nehmen
will, wird hier erwartungsgemäß mit einem schönen Kompromiss aus 1980er-
Jahre-Poserrock und moderner Produktion bedient.

138
MEDIATIPPS

„24 HOUR PARTY PEOPLE –


WELCOME TO MANCHESTER” Film
ARTHAUS/KINOWELT
Derjenige, welcher den hoch gelobten Musikfilm aus dem Jahr 2002 von
Michael Winterbottom noch nicht kennt, kann dies nun endlich nachholen:
Es erschien eine Doppel-DVD-Version des Indiemusikfilms um die alternative
Szene im britischen Manchester über mehrere Jahrzehnte. Von Punk über
Indie zu Rave sozusagen. Der Film beginnt in den 1970er Jahren und geht bis
zum Jahr 1997. Erzähler und Hauptdarsteller ist Tony Wilson, der gleich damit
beginnt, aus der Handlung heraus im Erzählstil sich dem Zuschauer zuzu-
wenden und die Zusammenhänge zu erklären. Es geht mit dem ersten Auftritt
der Sex Pistols in Manchester los, bei dem natürlich nur wenige Zuschauer
anwesend sind. Später werden aber allesamt irgendwie berühmt. Als Joy
Division etwa oder Mick Hucknall von Simply Red. Die Zentralfigur Wilson
hat einen TV-Job bei einem lokalen Fernsehsender und ist mit seiner
Musiksendung die letzte Bastion für unabhängige Musikberichterstattung im
Fernsehen. Er beendet seine letzte Sendung mit den Sex Pistols und beginnt,
Konzerte zu veranstalten, dann gründet er ein Musiklabel und verpflichtet Joy
Division als erste Band. Deren Sänger Ian Curtis bringt sich dann um und aus
der Band wird New Order. Gleichzeitig eröffnet Wilson einen eigenen Club, die
später für ihre Raves legendäre Hacienda. Viel Nerven kostet ihn sein näch-
stes Signing, die Happy Mondays, die damals durch einige Exzesse schon den
Weg der späteren Skandalnudeln von Oasis vorzeichneten. Herrlich auch der
Originalton mit bestem Manchester-Dialekt. Auf der Bonus-DVD findet man
dann umfangreiche Dokumentationen, die all die Verflechtungen um Wilson
und Factory Records ausführlich erklären. Und auch ein Interview mit dem
wirklichen Tony Wilson oder dem ziemlich kaputten Shaun Ryder von den
Mondays heute. Eigentlich hätte Winterbottom noch eine gute Stunde
Geschichten an die Gesamtlänge des Films hängen können, denn der wahre geschichtliche Hintergrund
des Streifens und die coole Umsetzung machen den Film zu einem Muss für jeden Indierocker. Und da
das sämtlich wahren Begebnissen zu Grunde liegt, kann man sich im ausführlichen Bonusmaterial richtig
in Fakten, Interviews und Bonmots baden. Könnte mal so eine Art zweiter Spinal Tap werden…

Rudder
„Rudder“
Nineteeneight
Von Christoph Chendina
Hinter diesem Namen stehen vier der interessantesten
Musikerpersönlichkeiten der New Yorker Szene: Bassist
Tim Lefebvre (siehe Interview in dieser Ausgabe),
Saxophonist Chris Cheek (Paul Motian), Keyboarder
Henry Hey (Harry Belafonte, Rod Stewart, Monday
Michiru) und Drummer Keith Carlock (Steely Dan, Sting). Beim Hören ihres
Debutalbums wird klar, dass die vier hier all das spielen, was sie bei ihren
Brötchengebern nicht dürfen. Der rote Faden durch diese Platte ist ein
unglaublich dichter, kraftvoller Groove, darüber legen sich verschachtelte
Klangflächen von verfremdeten Saxophonen, Keys und Bass, der Jazzapproach
von Chris Cheeks Melodien und gelegentlich die Boomish-typischen
Vokaleinlagen (Hey und Lefebvre sind eine Hälfte der New Yorker Kultband
Boomish). Tim Lefebvre erteilt uns hier eine Lehrstunde in zeitgenössischem
Tieftonmanagement. Der Ton seines 77er Precision, oft stark moduliert, springt
geradezu aus den Lautsprechern und ist in jedem Augenblick sowohl tief im
Groove als auch beteiligt an den melodischen Ausflügen der anderen Musiker.
Die Shows der Band sind ein absoluter Geheimtipp – und diese Platte macht
klar, warum: Musik, die einfach gute Laune macht!

139
MEDIATIPPS

Motörhead
„Motörizer“
Steamhammer/SPV
Die Befürchtungen, Motörhead hätten mit ihrem 24. Album
nichts Neues zu bieten, haben sich leider bestätigt. Gott sei
Dank! Stellen Sie sich als geneigter Fan der unkaputtbaren
Rock’n’Roll-Institution einmal vor, Lemmy würde den Sound
seiner Band verändern. Das wäre ja genauso, wie wenn St. Pauli
in die 1. Bundesliga aufsteigen würde. Was wohl in absehbarer
Zeit nicht passieren wird, und das ist im Falle Motörhead gut
so. Bei einer neuen Motörhead-Platte wird man immer wissen,
wie der Inhalt „schmecken“ wird, genauso wie bei einem frisch
geöffneten Glas Nutella, einer Flasche Afri Cola oder von mir
aus sogar einem ordinären Frühstücksei. Es gibt so etwas wie
Regularien im Bandsound, die nie verändert werden, genauso
wie das Rezept für einen Song. Immer wird man sofort erken-
nen, dass hinter der Musik Lemmy steht. Herr Kilmister ist
wohl einer der wenigen Musiker, die quasi schon eine musika-
lische DIN-Norm für ihren Sound eingeführt haben und keinen
Millimeter vom Konzept abweichen. Feste Bestandteile sind
sein scheppernder Bass-Sound, denn seine Rickenbacker-
Ungetüme werden von ihm selten gezupft, als vielmehr geschla-
gen, bzw. „hart gestrichen“. Klampfer Phil Campbell ist wie
immer die Instanz für simples Riffing, während
Rhythmusmaschine Mickey die Dampflok am Drumkit mimt.
Und wie ist sie denn nun, die neue Platte? Potzblitz, frühlings-
haft frisch! Ganz viel Rock’n’Roll, keine Balladen und wenig
Metal. Die Songs auf „Motörizer“ bewegen sich stilistisch herr-
lich knapp auf der Aktionsfläche eines Bierdeckels zwischen
den Klassikern „Going To Brazil“, „Capricorn“, „Iron Horse“ und
„Ace Of Spades“. Göttlich!

P:lot
„Mein Name ist“
Artist Station/Soulfood
Wer abseits von Hamburger Schule oder Jungrockern wie
Revolverheld und Killerpilzen mal eine wirklich hörenswerte
Band für den erwachsenen Musikfreund entdecken will, der
wähle das Trio aus Köln. Selten so ein ausgereiftes Produkt
gehört! Man stelle sich einfach eine Melange aus Postgrunge,
Coldplay ohne Piano und der poetischen Seite von Blumfeld
unter der Ägide des Pop vor. 14 Monate hat die Band in völli-
ger Eigenregie im Studio verbracht, um ihren Zweitling zur
Welt zu bringen. Um dies zu finanzieren, mussten Autos ver-
kauft, Kredite aufgenommen und billigere Wohnungen bezo-
gen werden. Herausgekommen sind musikalisch fast perfekte,
sehr melancholisch klingende, dunkle und gefühlvolle
Popsongs, die genaues und mehrmaliges Hinhören erfordern.
Merkmale der Stücke sind der ausdrucksstarke Gesang von
Sänger Alexander Robert Freund und ein ausgewogener
Sound, der jedem Instrument Geltung verschafft. Dank einiger
rockiger Nummern wie „Nur ein Weg“ oder „Pacman“ ist es
eine sehr abwechslungsreiche Scheibe geworden, die man in
dieser Qualität auf dem deutschen Markt lange suchen muss.
P:lot wollen Botschaften auf Deutsch verkünden, bewegen sich
dabei manchmal nahe an der Grenze zum Kitsch und so man-
cher Reim ist ein klein wenig bemüht. Das macht aber gar
nichts, denn ihre Zielgruppe dürfte vor allem beim weiblichen
Teil der Bevölkerung zu suchen sein. Indierock und Pop funk-
tionieren also immer noch fabelhaft zusammen!

140
B ASS ` D SCHO
( FRÄNKISCH : A USDR UCK HÖCHSTER Q UALITÄT )

The Dandy Warhols


„Earth To Dandy Warhols”
Beat The World
Records-Cooperative Music/Universal
Ich bin mir nicht ganz sicher, was dieser jamaikanische
Weltrekordsprinter Usain Bolt zu Hause in Jamaika immer so zum
Frühstück einwirft, aber ganz legal kommt mir das nicht vor. Wenn
die Dandy Warhols andererseits eine Platte machen, dann dürften
neben fester und flüssiger Nahrung sicher auch diverse nicht ganz
legale Substanzen mit im Spiel sein. Sie haben mit ihrer neuen

J ONAS 5 FRETLES S C USTOM

J ONAS 4 FRETLES S
Scheibe nicht nur den Abschied vom Majorlabel gefeiert, sondern
erneut die Goldmedaille in der Disziplin „Psychedelischer
Alternativrock“ verdient. Viele Musiker kennen die Band nur von

B ASE X 5 OC
ihrem Jeans-Werbehit „Bohemian Like You“, für mich der beste
Stones-Song seit „Brown Sugar“. Mit den Werbemillionen für ihren
Hit haben die Warhols daheim in Portland nicht etwa Drogen
gekauft, sondern in ein eigenes Studio investiert. Da kann man ent-
spannt Alben produzieren – und genauso entspannt klingen ihre
Stücke übrigens auch seit Jahren. Wenn eine Band auf der Suche
nach dem Rezept für den idealen Popsong schon bedenklich nahe
am Ziel ist, dann die drei Slacker und die Dame aus Oregon. Ob das
nun ein Countrysong ist oder Discorock, ein zugekifftes 10-Minuten-
Stück oder einfacher Singalong-Gitarrenpop, stets hat ihr Liedgut
Hand und Fuß. Das vierte Glied in der Kette ist Bassistin Zia
McCabe, die auch schon mal am Synthie die tiefen Töne beisteuert.
Wer auf total abgehangene Grooves steht, sollte sich in das Dandy-
Universum einarbeiten, denn ein wirklich schlechtes Album haben
sie noch nie veröffentlicht. Auch wenn „Come Down“ und „Thirteen
Tales…“ nach wie vor ungeschlagen sind, gewinnt das neue Album
zunehmend an Klasse beim Hören. Was ich mich aber frage: Wie
um alles in der Welt haben sie es geschafft, Mark Knopfler als
Gastmusiker auf die Platte zu kriegen? Übrigens: Für interessierte
Musiker ist nun der Dokumentarfilm „Dig!“ in Deutschland via
Arsenal als DVD zu haben, ein einzigartiges Musiker-Roadmovie
über die Dandys und Anton Newcombe von BJM.
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MEDIATIPPS

Blackmail
„Tempo, Tempo“
City Slang/EMI
Niemand reißt sich freiwillig um das Prädikat
„Ewiger Geheimtipp“. Die vier aus dem
Rheinischen schon gar nicht, trotzdem war beim
letzten Album eine gewisse Resignation bei vielen
Rezensenten zu verspüren. Wie viele gute Alben
muss das Quartett um Gitarrist und Produzent
Kurt Ebelhäuser eigentlich noch machen, um die
Charts zu knacken? So oder so ähnlich war es oft
zu lesen. Die Antwort ist ganz einfach, indem man
das Pferd von hinten aufzäumt. Blackmail ist mit ihrem ausgewogenen
Alternativerock einfach zu gut für die moderne Käuferschicht! Kein Witz! Auf
„Tempo, Tempo“ gruppiert sich wieder einmal innovative Gitarrenarbeit mit
geschmackssicheren Grooves durch Drums und Bass um die markant hohe
Stimme des Sängers Aydo Abay. Allein bei 4-5 Songs des Albums passt einfach
alles, und wer auf Abwechslung Wert legt, wird auch mit den restlichen Songs nicht
enttäuscht werden. Album Nr. 6 ist vielleicht auch deswegen so befreit kreativ
gelungen, weil es langsam eh Wurst ist, denn besonders feine Kost bekommt man
schließlich nicht an jeder Straßenecke, sondern bevorzugt aus Ebelhäusers eige-
nem Tonstudio serviert. Übrigens: Die bringen das auch ohne großartige Hilfsmittel
auf die Bühne, also unbedingt mal anschauen als Musiker! Da ist nämlich noch
ein Backkatalog, in dem es viel zu entdecken gibt.

Jerobeam
„How One Becomes What One Is”
Hazelwood/Indigo
Pop kann so lächerlich sein wie all diese Castingstar-Elaborate. Pop
kann furchtbar platt sein wie das Gejammer manch öder US-Soulstars.
Pop kann auch ultrapeinlich sein wie der Zwangspathos, den mancher
deutschsprachige Sänger mit rumänischer Abstammung schon des
Öfteren abgesondert hat. Pop kann aber auch cool sein. Und Jerobeam
ist cool! Ich würde diese Art von Musik mal als „schneidigen Indiepop“
bezeichnen. Jerobeam ist eigentlich der hervorragende Songwriter
Lennart A. Salomon mit Unterstützung. Und die besteht auf der aktuel-
len Platte aus Benny Greb an der Schießbude und dem Bassisten
Thomas Merkel. Letzgenannte sind anerkannt gute Musiker. Wer
Merkels Bassspiel auf „True Beauty“ genauer betrachtet, wird das bestä-
tigen. Das Stilspektrum der Vollblutmusiker auf der Platte ist genial,
Avantgarde-Rockpop, forsche Twister mit Twang-Gitarre oder als beson-
dere Empfehlung die Laid-Back-Ballade „All I’m Trying“, die ein Jack Johnson nie im Leben so schön hin-
gekriegt hätte! Jerobeam kopieren nicht einfach legendäre Songs und Sounds oder Passagen für ihr
Album, sie sind einfach nur augenzwinkernde Taschendiebe. Ein bisschen erinnert das Riff von „I Got A
Problem“ an Harrisons Lead in „Taxman“, der Opener „Folsom Prison Blues“ ist natürlich wirklich vom
Mann in Schwarz und so manche Melodielinie auf dem Album kommt einem angenehm vertraut vor.
Immer aber bekommen Jerobeam die Kurve und haben ein richtiges Juwel fertig gestellt, was als Freund
richtig guter Musik unbedingt gekauft werden sollte. Das schmucke Cover ist übrigens das Schaufenster
von Zweithaar Noris in der Hauptbahnhofspassage in Nürnberg. Sollte man also auf der Durchreise sein:
Unbedingt schnell mal hinschauen und fotografieren!

142
MEDIATIPPS

My Chemical Romance
„The Black Parade Is Dead” CD/DVD
Reprise/Warner
Gestatten, My Chemical Romance! Hier haben wir es mit
einer Band zu tun, die durch ihre legendäre 2006er Scheibe
„The Black Parade“ zu einer Art internationalem Super-
Senkrechtstarter im Genre „Pop/Alternative“ wurde. Sie
waren nicht unschuldig daran, dass Emo zur Mode wurde
und die besagte Scheibe ist wohl heute schon so etwas wie
ein Klassiker geworden. Wir erinnern uns: Das Quasi-
Konzeptalbum vereinte die opernhaften Arrangements von
Queen mit Texten, die den Nerv pubertierender Teens trafen.
Also so eine Art Rockoper à la „Tommy“ von The Who, nur
mit modernen Stilmitteln. Die Band, schon am Anfang ihrer
Karriere sehr bühnenerfahren, schaffte den Sprung in die
Stadien und das ist auf dem Abschlussalbum nun per
CD/DVD-Doppelpack dokumentiert. Zum einen findet sich
neben der Liveaufnahme des Konzertes auch sehenswertes
Bildschirmfutter für das Auge, zum anderen dokumentiert
gerade die DVD eindrucksvoll, dass die Platte sowohl vor
knapp 20.000 jungen Mexikanern in ihrer Hauptstadt funktioniert als auch auf kleinen Bühnen:
zu Hause in Hoboken/New Jersey im kleinen Maxwell’s Club, wie das zweite Konzert beweist.
Kaum eine Band verbindet modernes Image so geschickt mit 1980er-Jahre-Pathos und Schwulst
– und hat dabei auch noch textlich etwas zu sagen. Übrigens: Das Digipack dokumentiert den
Schlussstrich unter dem Album, denn die Band will die Show in dieser Form nie mehr auffüh-
ren. Ja, ja, Ähnliches haben Kiss früher auch einmal über ihre Monstershow behauptet!

Jakob Dylan
„Seeing Things“
Columbia/SonyBMG
Als Sohn eines berühmten Vaters hat man es nicht leicht, schließlich muss man meist in viel
zu großen Schuhen schwimmen können. Jakob Dylan hat sich lange Jahre elegant hinter seiner
Band Wallflowers versteckt, aber mittlerweile weiß es der letzte Vollheinz, dass er der Sohn des
vielleicht größten Protestsängers aller Zeiten ist. Nun also seine neue. Und dazu noch von Rick
Rubin produziert! Das bedeutet Qualität – man denke an die Meilensteine „American
Recordings“ von Johnny Cash. Die Musik: nur Akustikgitarre und
Gesang. Ganz selten wird mal etwas der Jazzbesen im Hintergrund
gerührt oder leichte Perkussion zugefügt. Erreicht hat Rubin damit so
etwas wie das Einkochen einer Sauce: schmeckt intensiver, man kon-
zentriert sich aufs Wesentliche. Und hier liegt der Hase im Pfeffer,
denn die etwas unspektakulären Songs wirken vor allem abends, dazu
eine schöne flüssige Kaltschale und das Booklet mit den Texten wäh-
rend des Hörgenusses parallel zu Gemüte geführt. Die Platte hätte
man im Prinzip auch irgendwo an einem einsamen See am
Lagerfeuer aufnehmen können, das Vogelgezwitscher, das Knistern
des Feuers und Froschquaken
oder Grillenzirpen hätten das
Ding noch origineller gemacht.
Aber das sollte ja jetzt hier kei-
ne Steilvorlage für Herrn Rubin
sein. Dylan hat jedenfalls drei
bis vier wirklich gute Songs am
Start und auch wenn er eher
der Tom Petty Typ beim
Songwriting ist, ab und zu
kommt die Schnoddrigkeit der
Stimme seines Vaters durch.

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Vorschau: IMPRESSUM

Interview: erscheint alle zwei Monate in D, A und


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Mit der kubanischen bq wird herausgegeben von:
PNP-Verlag
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Tel.: 0 91 81-46 37-30
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Herausgeber
Thomas Kaufhold
Tel.: 0 91 81-46 37-30
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Chefredakteur
Stefan Fulde
Electrics: Vintage: Tel. 09181/4637-30
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von 9.00 bis 12.30 Uhr

Fotografie:
Titelfoto und Produktfotos:
Andreas Huthansl

Mitarbeit an dieser Ausgabe


Christoph Hees, Lutz J. Mays,
Raoul Walton, Fontaine Burnett,
Ingo Spannhoff, Stefan Hiemer,
Isaak Harding, Michael Fuchs-Gamböck,
Christoph Chendina, Sascha Neuhardt,
Ewald Funk, Thomas Bugert,
Carina Prange, Peter Klinke,
Martin Kaluza, Martin Engelien,
Dr. Christian Hoyer

Layout und technische Umsetzung


Andreas Hierl; Christian Menne,
Claudia Reisch, Tobias Anner
Amps: Inserentenverzeichnis: anner.net medienproduktion
Taranaki Guitars . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .3 Martin-Haumeier-Str. 8a
Lass es krachen! Ibanez/Meinl . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .U2 83233 Bernau a. Chiemsee

SWR Redhead Dean/Musik&Technik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .113


Mesa Boogie/Meinl . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .47
Tel.: 0 80 51-9 65 59 85
mail@anner.net
AER/Around Music . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .89
Druck
Thomann . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .68/69 pva, Druck und Mediendienstleistungen
Höfner . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .133 Industriestraße 15
Grand Gtrs/PNP-Verlag . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .97 76829 Landau
BTM Guitars . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .5/141
Copyright für den gesamten Inhalt beim Heraus-
Fender . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .111 geber. Für unverlangt eingesendete Manuskripte
Station Music . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .91 wird keinerlei Haftung übernommen. Bei
Micro Cube/Roland . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .121 Nichtveröffentlichung von Anzeigen leisten wir
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T-Rex/Musik&Technik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .61
Ashdown/EMD . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .127

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Dusty Hill von ZZ Top im Interview November/Dezember
Bass System Slim 210/700 dankt für die Leihgaben erscheint am
dieser Ausgabe: 3. November 2008
Alembic/Sadowsky – Station Music
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Musikhaus Thomann,Treppendorf 30, D-96138 Burgebrach, www.thomann.de


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