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Wirtschaft im Nationalsozialismus

Als Wirtschaft im Nationalsozialismus wird die Entwicklung der Wirtschaft unter dem NS-Regime von der „Machtergreifung“ Adolf Hitlers 1933 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs beschrieben. Als Zeit des Nationalsozialismus (abgekürzt NS-Zeit) wird die Regierungszeit der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) im Deutschen Reich bezeichnet. Sie begann am 30. Januar 1933 mit der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler und endete am 8. Mai 1945 mit der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht vor den Alliierten und ihren Verbündeten (bzw. am 23. Mai 1945 mit der Verhaftung der Flensburger Regierung). Die Nationalsozialisten errichteten in Deutschland eine Diktatur nach dem Führerprinzip und entfesselten mit dem Überfall auf Polen am 1. September 1939 den Zweiten Weltkrieg. Neben der Verfolgung und Ermordung politisch Andersdenkender verübten sie zahlreiche weitere Verbrechen gegen die Menschlichkeit gegenüber ethnischen, religiösen und anderen Minderheiten. Etwa sechs Millionen europäische Juden wurden im historisch beispiellosen Holocaust, bis zu 500.000 Sinti und Roma im Porajmos und etwa 100.000 Menschen mit geistigen und körperlichen Behinderungen im Rahmen der „Aktion T4“ und der „Aktion Brandt“ ermordet. Nach der Strategie des sogenannten Hungerplans ließen die deutschen Besatzer in der Sowjetunion zwischen 1941 und 1944 geschätzt 4,2 Millionen Menschen bewusst verhungern und rund 3,1 Millionen sowjetische Soldaten starben in deutscher Kriegsgefangenschaft. Die Ära der nationalsozialistischen Herrschaft in Deutschland und über weite Teile Europas wird in einem ethisch-moralischen Sinn als Zivilisationsbruch und als Tiefpunkt insbesondere der deutschen, aber auch der europäischen Geschichte insgesamt angesehen.

Vorder- und Rückseite eines 5-Reichsmark-Scheines von 1942, abgebildet darauf der Braunschweiger Dom Weltwirtschaftskrise

Vorder- und Rückseite eines 5-Reichsmark-Scheines von 1942, abgebildet darauf der Braunschweiger Dom

Weltwirtschaftskrise und die Weimarer Republik

Der Vertrag von Versailles legte Gebietsabtrennungen fest, die die Möglichkeiten der Eigenversorgung innerhalb der verengten Grenzen bei gleichzeitigem Bevölkerungswachstum verschlechterten. Die Einbuße entsprach 75% der deutschen Eisenerzgewinnung, 26% der Bleierzeugung und 7% der Industrieunternehmen. Weiterhin fehlten die Agrarüberschussgebiete Westpreußen und Posen. Solange der Welthandel intakt war, konnte der Bedarf an Agrar- und Produktionsgütern durch Import wettgemacht werden. Die im Oktober 1929 ausbrechende Weltwirtschaftskrise zog neben dem Abzug von Auslandsanleihen und -krediten einen Zusammenbruch des internationalen Handels nach sich.

Zwar sanken die Importe schneller als die Exporte und führten so kurzfristig zu einer positiven Außenhandelsbilanz, welche zusätzlich zur Deflation beitrug. Doch das gesamte Volumen des Welthandels schwand stark. Sinkendes Welthandelsvolumen und dadurch schrumpfender Export bewirkten einen Anstieg der Arbeitslosigkeit. Der daraus resultierende

Kaufkraftschwund führte zu einem Rückgang der Inlandsnachfrage, ein sinkendes Binnenhandelsvolumen führte zu mehr Arbeitslosigkeit. Dieser Kreislauf wurde von der Deflation beschleunigt, da sie effektiv einer Reallohnerhöhung entsprach und zusätzliche Arbeitslose schuf.

Ab August 1932 versuchte die Regierung unter Franz von Papen die Arbeitslosigkeit, durch Motivation der Unternehmen zu Investitionen und Mehrbeschäftigung, einzudämmen. Hierzu wurden die Unternehmer einerseits bei Begleichung ihrer Steuern mit der Vergabe von Steuergutscheinen belohnt, andererseits und zusätzlich sofern sie ihr Personal aufstockten (diese zweite Säule der Motivation der Unternehmer durch Steuergutscheine wurde kaum von den Unternehmern genützt). Der Stimulus für die Wirtschaft war anfangs schwach und die erhoffte Konjunkturbelebung konnte noch nicht erreicht werden. Erst die im Dezember 1932 nachfolgende Regierung Schleicher verordnete öffentliche Arbeitsbeschaffungsprogramme. Die Arbeitslosigkeit stieg ab August 1932 (sechs Millionen gemeldete Arbeitslose) nicht weiter an, begann ab der Ankündigung des „Papen-Plans“ (Verordnung zur Belebung der Wirtschaft vom 4. September 1932) geringfügig zu sinken und hatte sich bis Ende 1934 (noch ohne Rüstungsausgaben) halbiert.

sich bis Ende 1934 (noch ohne Rüstungsausgaben) halbiert. Preisbereinigtes Bruttosozialprodukt 1926 bis 1939 sowie

Preisbereinigtes Bruttosozialprodukt 1926 bis 1939 sowie Veränderungen zum Vorjahr, nach WiSta 3/2009 (Dr. Norbert Räth: Rezessionen in historischer Betrachtung destatis.de)

Wirtschaftskonzepte der „Reformer“ und der NSDAP

Ein breit gefächerter Personenkreis aus Wirtschaft, Finanzwesen, Wissenschaft und Presse reagierte auf die negativen Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise mit der Entwicklung und Vorstellung von nationalen Konzepten. Die hier als Reformer bezeichneten Persönlichkeiten sahen das selbstregulierende, liberale und nur auf Angebot und Nachfrage basierende Konzept der Weltwirtschaft gescheitert.

Die Forderung nach Autarkie zur Loslösung von zukünftigen Krisenherden gewann zusehends an Bedeutung. Dabei sollte aber der Rahmen des Handelns über die bestehenden Grenzen des Reiches ausgedehnt werden. Weltweit kristallisierten sich abgegrenzte Handelsblöcke heraus, wobei England und Frankreich mit ihren Kolonien eigene Blöcke bildeten. Für das Konzept der „Reformer“ bot sich eine Verbindung mit den baltischen Staaten, Österreich, Osteuropa und dem Balkan an. Dieses Gebiet wurde mit verschiedenen Variationen als Zwischeneuropa bezeichnet. Innerhalb dieses Raumes sollten Agrarprodukte, Rohstoffe und Industriegüter zollfrei getauscht, die Produktion staatlich gelenkt werden. Dabei sollte Deutschland die Vormachtstellung zukommen. Die Weltwirtschaft sollte durch eine Großraumwirtschaft abgelöst werden.

Diese Strömung spielte der NSDAP, die vor der Weltwirtschaftskrise keine schlagkräftigen wirtschaftlichen Konzepte aufweisen konnte, in die Hände. Die zentrale Vorstellung einer Lebensraumideologie Adolf Hitlers konnte in die Theorie der Großraumwirtschaft eingepasst werden. Autarkie wurde zu einem Schlagwort für die ökonomische Kompetenz der NSDAP, die bei den Reichstagswahlen im September 1930 zweitstärkste Partei wurde. Der Aufstieg der NSDAP ging direkt mit der Verschlechterung der Wirtschaftslage in Deutschland einher.

In den 1930er Jahren waren die realen Wirtschaftsprobleme der Weltwirtschaftskrise allgemein präsent. Die Nationalsozialisten sahen die Wirtschaftsordnung aber nicht nur als reformbedürftig an. Sie negierten generell, dass eine funktionierende Wirtschaft über internationale Arbeitsteilung und technischen und organisatorischen Fortschritt zu Wohlstandsgewinnen für alle Nationen führt. Stattdessen sahen sie Wirtschaft als ein malthusianisches Nullsummenspiel an, bei dem ein Volk nur reicher werden kann, indem es anderen Völkern oder Volksgruppen entsprechend viel wegnimmt. Gepaart wurde diese Weltanschauung mit einem extremen Rassismus, nach dem „minderwertige Rassen“ parasitär von ihren „Wirtsvölkern“ leben würden. Nach dieser Weltanschauung lag die Lösung für alle wirtschaftlichen Probleme in der Ermordung von Juden und „Zigeunern“ und in der Eroberung von neuem Lebensraum im Osten.

Wehrwirtschaft

Unter dem Begriff ‚Wehrwirtschaft‘ versteht man „[…] die Gestaltung der Volkswirtschaft im Frieden für den Krieg unter militärischen Gesichtspunkten“. Wenige Tage nach dem Amtsantritt Adolf Hitlers wurde klargestellt, dass nicht nur Arbeitsbeschaffungsprogramme, die bis Jahresende 1933 mit 3,1 Milliarden Reichsmark budgetiert wurden, die Wirtschaftskrise überwinden sollten. Eine Ausdehnung der territorialen Basis des Reiches nach rassischen und machtpolitischen Gesichtspunkten gehörte zum ideologischen Konzept der NSDAP. Der Aufbau der Wehrmacht war für die gewaltsame territoriale Ausdehnung notwendig. Die Verwirklichung der Lebensraumideologie (siehe Blut- und-Boden-Ideologie) und des Autarkieprogrammes erforderten zielgerichteten und effizienten Einsatz der staatlichen Mittel. Wehrwirtschaftler aus verschiedenen Disziplinen, wie Militär, Publizistik und Wirtschaftswissenschaft, waren sich über die Erfordernisse der Wirtschaft in Friedenszeiten einig. Das waren unter anderen:

Feststellung des Rohstoffbedarfes für die aus Rüstungsindustrie und Zivilindustrie bestehende Gesamtwirtschaft

Bereitstellung von Treibstoffen

Anpassung des Verkehrswesens an zukünftige militärische Verhältnisse

Regelung der Finanzierung der indirekten und direkten Rüstung

Wesentliche Beiträge dazu waren eine Intensivierung eines bereits 1929 begonnenen Straßen- und Brückenbauprogrammes und die Förderung der Fahrzeugindustrie. Organisator und Chefplaner des Reichsautobahnbaus wurde der technische Geschäftsführer des Unternehmens Sager & Woerner, Fritz Todt. Die militär-strategische Bedeutung der Reichsautobahnen muss dabei allerdings relativiert werden. Obwohl eine breite Motorisierung Deutschlands damit einher ging, was in Folge vielen Personen eine Ausbildung als Kraftfahrer in Friedenszeiten ermöglichte, hatten die Reichsautobahnen wenig Bedeutung für den Transport von schweren Waffen und Truppen in die künftigen Kriegsgebiete. Hierfür wurden hauptsächlich Eisenbahn und Pferde eingesetzt. Als Arbeitsbeschaffung für die schwer vermittelbare Gruppe der unausgebildeten Arbeitskräfte war das Straßenbauprogramm jedoch äußerst wirksam. Deutlich mehr Bedarf an Arbeitskräften entstand in den hauptsächlich für die Rüstung produzierenden Bereichen Schiffs- und Flugzeugbau. Die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht am 16. März 1935 führte zu einem Anwachsen der Truppenstärke von rund 100.000 auf rund eine Million Soldaten bei Kriegsbeginn und trug ebenfalls zum Abbau der Arbeitslosigkeit bei.

Der im Juni 1935 gegründete Reichsarbeitsdienst (RAD) verteilte bis 1941 Arbeitskräfte an überwiegend zivile Projekte und die Landwirtschaft. Diese Methode der Arbeitsbeschaffung wurde daher von der Bevölkerung und von der ausländischen Presse im Vergleich zur Aufrüstung als harmlos angesehen. Er war für männliche Jugendliche zwischen 19 und 24 Jahren verpflichtend, ab 1. September 1939 auch für weibliche Jugendliche. Bis 1938 waren 350.000 Jugendliche in dieser in 30 Arbeitsgaue aufgegliederten Organisation erfasst. Im Verlauf des Krieges wurden vom RAD mehr und mehr militärische Projekte bedient, wie zum Beispiel der Ausbau von Bunkeranlagen.

Mit der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und damit der zahlenmäßigen Vergrößerung der Arbeitnehmerschaft ging eine Demontage der Arbeitnehmerrechte einher. Am 2. Mai 1933, einen Tag nach dem „Tag der nationalen Arbeit“, wurden die Gewerkschaftsgebäude besetzt, Vermögen beschlagnahmt und führende Funktionäre verhaftet. Das Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit vom 20. Januar 1934 führte zu einer Umdeutung der Arbeitgeber in „Betriebsführer“ und der Arbeitnehmer in „Gefolgschaft“. Ab 1936 vollzog sich ein Wandel von der Arbeitsbeschaffung zur Arbeitszuteilung bis hin zur Zwangsarbeit. Durch die Einführung des Arbeitsbuches, das jeder Arbeiter zu führen hatte, wurden die individuellen Karrieremöglichkeiten durch Unternehmenswechsel stark eingeschränkt. Die Organisation der Deutschen Arbeitsfront (DAF) unter der Leitung von Robert Ley übernahm in Zukunft die formale Vermittlung zwischen Arbeiterschaft und Unternehmen. Die DAF war streng auf die Möglichkeiten der Leistungssteigerung und der ideologischen Gleichschaltung der „Gefolgschaft“ ausgerichtet. Ein von der Propaganda häufig genutztes Instrument war das Amt Kraft durch Freude (KdF), das für die staatlich gelenkte Erholung zuständig war. 1938 veröffentlichte das Hamburgische Welt-Wirtschafts-Archiv einen Artikel des australischen Ökonomen Colin Clark, der einen internationalen Einkommensvergleich vorlegte. Demnach lag der Lebensstandard in Deutschland bei der Hälfte von dem der Vereinigten Staaten und bei zwei Dritteln desjenigen Großbritanniens.

Der konservative Präsident der Reichsbank Hjalmar Schacht, ab Oktober 1934 Reichswirtschaftsminister, fasste die Maßnahmen der Wehrwirtschaft als Neuen Plan zusammen. Bis heute ist umstritten, inwiefern die Führungskräfte der Wirtschaft Hitler für ihre Zwecke benutzen wollten, oder sie von Hitler selbst benutzt wurden. Nicht jede Industrie und innerhalb eines Industriezweigs nicht jeder Betrieb hatte zu den Ideen der Autarkie und der Militarisierung dieselbe Haltung.

Bis 1935 waren die direkten Militärausgaben mit 18% des gesamten Haushaltes vergleichsweise gering, die zunehmende Motorisierung war ein Gradmesser des Bevölkerungswohlstandes und die Deutschen Reichsautobahnen waren ein Prestigeobjekt zur Demonstration der nationalsozialistischen Leistungsfähigkeit.

Bis 1936 schien der versprochene Wiederaufschwung geschafft und die Rückkehr in die Weltwirtschaft noch möglich. Doch mit dem Aufschwung erhielten Hitler und die NSDAP die Bestätigung, die angeblichen „Machenschaften des Weltjudentums“ als Ursache der Weltwirtschaftskrise durch nationale politische Maßnahmen überwunden zu haben. Für die innenpolitische gestärkte Riege der Autarkie- und Lebensraumideologen war es an der Zeit, den nächsten Schritt zu gehen: die Intensivierung der direkten Rüstung als Vorbereitung für einen Eroberungskrieg.

Alle wirtschaftlichen Maßnahmen der Nationalsozialisten reichten aber nicht aus, die Produktionsanlagen voll auszulasten, wie nebenstehende Tabelle zeigt.

voll auszulasten, wie nebenstehende Tabelle zeigt. Entwicklung der Arbeitslosigkeit von 1932 bis 1939

Entwicklung der Arbeitslosigkeit von 1932 bis 1939

Finanzierung und Währung

Arbeitsbeschaffung und Rüstung bedurften bereits ab 1933 des Einsatzes der Notenpresse zu ihrer Realisierung. Der damals von vielen Finanztheoretikern als Sicherheit gegen Inflation angestrebte Golddevisenstandard war bereits im Jahre 1931 zusammengebrochen. Hjalmar Schacht als Reichsbankpräsident ermöglichte den Umlauf von „Sonderwechseln“, die von der Reichsbank gedeckt und vom Staat garantiert wurden. Die Zusammenhänge um diese Wechsel blieben der Öffentlichkeit zunächst verborgen. Einerseits sollte keine Klarheit über das Ausmaß der künftigen Rüstungsinvestitionen und damit über den Bruch des Versailler Vertrages bestehen. Andererseits sollte am Geldmarkt keine Unsicherheit über die Stellung der Reichsmark aufkommen und damit eine ungewünschte Entwertung (Inflation) erfolgen.

Für diesen Zweck wurde ein Scheinunternehmen gegründet, die Metallurgische Forschungsgesellschaft m.b.H., hinter der vier namhafte deutsche Unternehmen standen,

nämlich Siemens, Gutehoffnungshütte, Krupp und Rheinmetall. Außer als Finanzierungsinstrument, um durch eine zweite Unterschrift die Diskontierung ihrer Wechsel durch die Reichsbank rechtlich zu ermöglichen, hatte die Mefo mbH keinen weiteren Geschäftszweck. Für Rüstungsausgaben wurden 11,9 Milliarden Reichsmark von 1934 bis zum von Schacht verhängten Ausgabestopp der Mefo-Wechsel 1938 durch diese gedeckt. Das entsprach 30 % der bis dahin getätigten Ausgaben der Wehrmacht und damit mehr als dem Tausendfachen der Eigenkapitaleinlage der MeFo von nur einer Million Reichsmark.

Daneben wurden unverzinsliche Reichsanweisungen (U-Schätze) und ab Mai 1939 so genannte NF-Steuergutscheine („Neuer Finanzplan“) ausgestellt. Damit wurden Rechnungen, die an das Deutsche Reich ausgestellt wurden, zu 40% sofort bezahlt und der Rest als Steuernachlass gutgeschrieben.

Schon am Tag nach dem Anschluss am 12. März 1938 wurden die Goldreserven der Österreichischen Nationalbank der Deutschen Reichsbank übertragen. Das Gold aus Österreich überstieg die deutschen Reserven zu jenem Zeitpunkt um das Dreifache. Insgesamt wurden 78,3 Tonnen Feingold im Wert von 467,7 Millionen Schilling sowie Devisen und Valuten im Wert von 60,2 Millionen Schilling (=4,4 Millionen Euro; 1,1 Millionen Reichsmark) (auf der Basis der niedrigeren Berliner Kurse) zur Reichsbank nach Berlin transferiert. Von da an wird der Begriff Nazigold/Raubgold (engl. looted gold) verwendet, um den Zugriff auf Goldreserven eroberter Länder und der Bürger durch SS- und Regierungsstellen bis 1945 zu kennzeichnen.

Der finanzielle Bedarf für Rüstung wurde als mittelfristiges Problem gesehen, eine hohe Verschuldung insbesondere durch kurzfristige Kredite wurde dafür in Kauf genommen. Es sollte eine durch begrenzte militärische Aktionen erzwungene territoriale Expansion folgen.

Die von vielen Wirtschaftswissenschaftlern befürchtete Inflation, die man aufgrund der Abkehr vom Goldstandard und der Mehrverschuldung erwarten konnte, trat zunächst nicht ein. Die staatliche Festlegung der Marktordnung und die Kontrolle über die Preisgestaltung und Gewinnmargen durch den Reichskommissar für die Preisbildung setzten marktwirtschaftliche Prinzipien außer Kraft. Der Verbraucherpreisindex stieg lediglich mit durchschnittlich einem Prozent pro Jahr. Da die so erzwungene Stabilität der Reichsmark rein politisch und nicht wirtschaftlich begründet war, konnte die Währung am internationalen Geldmarkt kein Vertrauen schaffen. Große internationale Investitionen in die deutsche Wirtschaft blieben aus, was eine chronische Devisenknappheit zur Folge hatte. Die aufgestaute Inflation führte mit dem Kriegsende zur Währungsreform.

Götz Alys Buch über Raub und Rassenkrieg (2005) und andere Autoren versuchen nachzuweisen, dass die Eroberungskriege des nationalsozialistischen Deutschland auch immer zugleich der Versuch waren, Devisen zu erobern bzw. ihre Verwendung zu kontrollieren. Dazu wurde die nationalsozialistische Regierung durch ihre eigene unsolide Finanz- und Währungspolitik gezwungen. Aly meint, dass die nationalsozialistische Regierung „zunächst mit unseriösen, bald mit kriminellen Techniken der Haushaltspolitik arbeitete“. Der deutsche Staatshaushalt durfte ab 1935 nicht mehr veröffentlicht werden, was vor allem der Verschleierung der kritischen Haushaltslage diente. „In ihrer Propaganda prahlten die NS- Führer, sie würden das Fundament für das Tausendjährige Reich legen, im Alltag wussten sie nicht, wie sie am nächsten Morgen ihre Rechnungen begleichen sollten“. Der Wirtschaftshistoriker Dieter Stiefel spricht in Bezug auf die Mefo-Wechsel von einer

„abenteuerlichen Finanzpolitik“; das Deutsche Reich habe sich „spätestens seit 1934 von einer seriösen Währungspolitik verabschiedet und staatliche Geldschöpfung betrieben“. Nach Ermittlungen im Jahr 1946 erbeutete das nationalsozialistische Deutschland in den besetzten Gebieten Gold im Wert von 700 Millionen Dollar, den größten Teil davon in Belgien und den Niederlanden.

Polen dagegen war es gelungen, den größten Teil des Zentralbankgoldes (Wert ca. 87 Millionen US-Dollar) zu Kriegsbeginn in Sicherheit zu bringen. Wesentlich für die Finanzierung im nationalsozialistischen Deutschland war die Kontrolle der Kreditinstitute durch das Regime. Der Wirtschaftsminister Walther Funk wurde Februar 1938 Reichsbankpräsident. Neben der Kontrolle der in Deutschland traditionell starken öffentlichen Banken sicherte sich die NSDAP im Rahmen der „Arisierung“ den Zugriff auf Führungsfunktionen bei einer Reihe von Privatbanken. Die Großbanken versuchten, Teile ihrer Unabhängigkeit zu bewahren, mussten sich aber ab 1942/1943 mit dem Bormann-Ausschuss arrangieren. Bei Kriegsende bestanden die Aktiva der Banken als Ergebnis dieser Politik zum überwiegenden Teil aus (nun wertlosen) Anleihen des und Forderungen an das Reich.

Die Ablehnung freier Märkte durch die Nationalsozialisten bei gleichzeitiger Nutzung für ihre Zwecke wurde auch in ihrer Politik in Bezug auf die Wertpapierbörsen deutlich. Das Börsengeschäft war den Nationalsozialisten suspekt. Zum einen lehnten sie aus ideologischen Gründen Finanzmärkte ab. Zum anderen waren viele der Börsenteilnehmer Juden. Auf der anderen Seite waren die Börsen zur Finanzierung von Staat und Wirtschaft unerlässlich. Wie alle anderen Einrichtungen im Reich wurden auch die Börsenvorstände 1933 gleichgeschaltet. Börsenvorstände jüdischer Herkunft wurden aus ihren Funktionen entfernt, die Börsen nach dem Führerprinzip organisiert.

Um den Wettbewerb der Börsenplätze auszuschalten wurde 1934 eine Verpflichtung eingeführt, Wertpapiere ausschließlich an der Heimatbörse zu handeln. Im Sinne einer weiteren Zentralisierung wurde die Zahl der Börsen deutlich verringert. 1934 wurden die bisher 21 deutschen Börsen zu neun Börsen zusammengefasst.

Um die Binnenfinanzierung der Unternehmen zu stärken wurden mit dem Anleihestockgesetz vom 4. Dezember 1934 die Dividenden-Ausschüttungsmöglichkeiten begrenzt. Dies reduzierte die Attraktivität der Aktien der börsennotierten Unternehmen empfindlich. Neuemissionen fanden nahezu nicht mehr statt. Auch wenn die Wirtschaft 1933 bis 1938 um 50 % wuchs, stagnierte das Kapital der notierten Aktiengesellschaften. Auch die Zahl der notierten Gesellschaften sank stark. Waren es im Jahr 1933 noch etwa 10.000 börsennotierte Aktiengesellschaften gewesen, so waren es 1941 nur noch 5.000 (im Altreich, also ohne Österreich und den hinzugekommenen Gebieten). Auch die Emissionen von Industrieobligationen sanken von 1933 auf 1938 von 3,4 auf 2,9 Mrd. Reichsmark.

Im Gegenzug nutzten die Nationalsozialisten die Börsen, um das massiv gewachsene Staatsdefizit zu finanzieren. Der Umfang der notierten öffentlichen Anleihen stieg von 10,8 (1933) auf 24,1 Mrd. RM (1938). Dieser „starken Ausweitung des Krediteinsatzes für öffentliche Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen“ stand eine „Verringerung der von der privaten Wirtschaft angenommenen Kredite“ gegenüber.

Währungsreform

In Österreich wurde der Umstieg von der Reichsmark auf den österreichischen Schilling, und damit zum Goldstandard, noch im Dezember 1945 vollzogen. Die bis dahin gemeinsam mit der Reichsmark verwendeten alliierten Militärschilling (AMS) konnten im Wechselkurs 1:1 gegen den Schilling eingetauscht werden. 1947 kam es zu einer Entwertung um ein Drittel als Bedingung, am Marshallplan teilnehmen zu können.

In den als Bizone zusammengefassten Besatzungszonen der USA und Großbritanniens einigte man sich unter Protest der UdSSR erst 1947 auf eine Währungsreform, die im Juni 1948 eine für die drei westalliierten Besatzungszonen gültige neue deutsche Mark („D-Mark“) zur Gültigkeit brachte. Die UdSSR reagierte mit der Blockade Westberlins vom 24. Juni 1948 bis zum 12. Mai 1949, da sie in der Währungsreform eine Abkehr vom vereinbarten einheitlichen Wirtschaftsgebiet Deutschlands sah. In der sowjetischen Besatzungszone wurde noch im selben Monat die „Deutsche Mark (Ost) (DM), später Mark der Deutschen Notenbank“ (MDN) eingeführt.

später Mark der Deutschen Notenbank“ (MDN) eingeführt. Produktion von Geschützen in Deutschland 1941 – 1944

Produktion von Geschützen in Deutschland 19411944

Produktion von Infanteriewaffen in Deutschland 19411944

Produktion von Munition in Deutschland 1941 – 1944 Produktion von Panzerwagen in Deutschland 1941 –

Produktion von Munition in Deutschland 19411944

Produktion von Panzerwagen in Deutschland 19411944

1944 Produktion von Panzerwagen in Deutschland 1941 – 1944 Produktion von Jagdflugzeugen in Deutschland 1941 –

Produktion von Jagdflugzeugen in Deutschland 19411944

Reichsmark

Die Reichsmark war von 1924 bis 1948 offizielles Zahlungsmittel im Deutschen Reich. Dieser Zeitraum umfasst einen Teil der Weimarer Republik und die Zeit des Nationalsozialismus. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 war die Reichsmark in den Besatzungszonen noch bis zur Einführung neuer Währungen im Juni 1948 gültig. Der Begriff „Mark“ ist ein altes germanisches Wort und wird seit dem 11. Jahrhundert als Gewichtsbezeichnung (siehe Mark), seit dem 15. Jahrhundert daraus abgeleitet auch als Münzbezeichnung (Courantmark, Staatsmark, Marck Danske) verwendet.

(Courantmark, Staatsmark, Marck Danske) verwendet. 1 Reichspfennig von 1924 2 Reichspfennig von 1924 10

1 Reichspfennig von 1924

Marck Danske) verwendet. 1 Reichspfennig von 1924 2 Reichspfennig von 1924 10 Reichspfennig von 1931 Die

2 Reichspfennig von 1924

verwendet. 1 Reichspfennig von 1924 2 Reichspfennig von 1924 10 Reichspfennig von 1931 Die Reichsmark wurde

10 Reichspfennig von 1931

Die Reichsmark wurde durch das Münzgesetz vom 30. August 1924 als Ersatz für die durch die vorangegangene Hyperinflation in den Jahren 1922 und 1923 völlig entwertete "Papiermark" eingeführt, nachdem die deutsche Währung bereits ab 15. November 1923 durch die Einführung der Rentenmark stabilisiert worden war. Rechtlich handelte es sich bei der Papiermark um die inflationär entwertete, und ihrer Gold- und Devisendeckung entkleidete Mark deutscher Währung, die 1871 eingeführt worden war. Der Wechselkurs von alter Papiermark zu neuer Reichsmark betrug 1.000.000.000.000:1 (eine Billion zu eins). Die Reichsmark war damit im täglichen Leben wertgleich mit der Rentenmark.

Einer Reichsmark wurde eine fiktive Golddeckung von 1/2790 kg Feingold gesetzlich zugeordnet. Das entsprach der formalen Golddeckung, wie sie bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges 1914 bestanden hatte. Die Reichsmark war aber im Gegensatz zur Goldmark keine

reine Goldstandardwährung und damit auch nicht bei der Reichsbank durch die Bürger zumindest teilweise in Währungsgoldmünzen einlösbar. Gesetzlich war die Einlösepflicht der Reichsbanknoten in Gold zwar nach § 31 Reichsbankgesetz festgelegt worden − praktisch wurde sie aber nie in Kraft gesetzt.

Die Reichsmark war eine sogenannte Goldkernwährung ohne sichtbare Goldmünzen-zirkulation und damit praktisch eine Papierwährung wie heute. Formal waren jedoch noch die vormaligen 10- und 20-Mark-Goldmünzen der Kaiserzeit bis 1938 gesetzliche Zahlungsmittel. Praktisch tauchten diese aber nicht im Zahlungsverkehr zu ihrem Nennwert auf, da eine Reichsmark schon eine geringere Kaufkraft als die Mark von 1914 hatte. Der sogenannte „Goldkern“ hatte im Wesentlichen nur eine symbolische Bedeutung im Zusammenhang mit Zahlungsausgleich-vorgängen mit dem Ausland.

Die emittierten Silbermünzen von 1 bis 5 RM waren sämtlich Scheidemünzen und hatten den halben Silbergehalt der bis Beginn des Ersten Weltkriegs geprägten Münzen von 1 bis 5 Mark. 1 Reichs- bzw. Rentenmark (RM) = 100 Reichspfennig bzw. Rentenpfennig (Rpf.)

5 Mark. 1 Reichs- bzw. Rentenmark (RM) = 100 Reichspfennig bzw. Rentenpfennig (Rpf.) 10 RM, 1929,

10 RM, 1929, Reichsbank-direktorium

20 RM, 1929, Reichsbank-direktorium

20 RM, 1929, Reichsbank-direktorium

50 RM, 1933, Reichsbank-direktorium

50 RM, 1933, Reichsbank-direktorium

100 RM, 1935, Reichsbank-direktorium Seit Mitte der 1930er Jahre („Mefo - Wechsel“) und während der

100 RM, 1935, Reichsbank-direktorium

Seit Mitte der 1930er Jahre („Mefo-Wechsel“) und während der Kriegsjahre von 1939 bis 1945 kam es vorwiegend zur Finanzierung der deutschen Rüstungsproduktion zu einer massiven Ausweitung des Geldvolumens. Ab dem Beginn des Zweiten Weltkriegs wurden deshalb auch die Silbermünzen zu 2 und 5 Reichsmark in großen Mengen von der Bevölkerung trotz Verbotes gehortet (Greshamsches Gesetz: schlechtes Geld verdrängt das gute Geld aus dem Umlauf). Im Zweiten Weltkrieg wurden zudem in den von der Wehrmacht besetzten

Ländern Reichskreditkassenscheine und -münzen ausgegeben, die von den Notenbanken der besetzten Länder zu deren Nachteil gegen Landeswährung getauscht werden mussten. Ende

1933

betrug der Banknotenumlauf 4,2 Mrd. RM; im Juli 1939 waren es 9,0 Mrd. RM. Ende

1939

waren es 11,8 Mrd. RM; Anfang 1945 73 Mrd. RM.

Reichskreditkassen-münze zu 5 Reichspfennig (1940) 50 Rpf, 1938 – 1945, Reichskredit-kassenschein

Reichskreditkassen-münze zu 5 Reichspfennig (1940)

Reichskreditkassen-münze zu 5 Reichspfennig (1940) 50 Rpf, 1938 – 1945, Reichskredit-kassenschein

50 Rpf, 19381945, Reichskredit-kassenschein

1 RM, 1938 – 1945, Reichskredit-kassenschein

1 RM, 19381945, Reichskredit-kassenschein

2 RM, 1938 – 1945, Reichskredit-kassenschein

2 RM, 19381945, Reichskredit-kassenschein

5 RM, 1938 – 1945, Reichskredit-kassenschein

5 RM, 19381945, Reichskredit-kassenschein

20 RM, 1938 – 1945, Reichskredit-kassenschein

20 RM, 19381945, Reichskredit-kassenschein

50 RM, 1938 – 1945, Reichskredit-kassenschein

50 RM, 19381945, Reichskredit-kassenschein

Umtauschanordnung aus Italien 1943 Zum Ersatz von Münzgeld durch Papiergeld wurden innerhalb des Reichs kurz

Umtauschanordnung aus Italien 1943

Zum Ersatz von Münzgeld durch Papiergeld wurden innerhalb des Reichs kurz vor Kriegsbeginn noch neue Rentenmark-Scheine in Umlauf gesetzt. Die deutsche Inflation 1914 bis 1923 hatte sukzessiv alle nicht in Kurantmünzen gehaltenen, auf Mark lautenden Geldrücklagen fast vollständig wertlos werden lassen. Zwar war die Mark 1871 als

goldgedeckte Währung des Deutschen Reichs eingeführt worden, 1914 war die Golddeckung jedoch aufgehoben worden; aus der „Goldmark“ wurde die Papiermark. Die Geldentwertung der Mark ging in ihrer Endphase in eine Hyperinflation über und lähmte zunehmend das wirtschaftliche Leben. Ab Herbst 1923 weigerten sich landwirtschaftliche und industrielle Produzenten zunehmend, Waren gegen die immer schneller wertlos werdende Papiermark abzugeben. In einigen Teilen Deutschlands kam es zu Aufruhr und Plünderungen. Im Sommer 1923 wurde mit sogenanntem „wertstabilem Papiernotgeld“ – auch Schatzanweisung genannt – mit aufgedrucktem „Goldmark“- und „Golddollar“-Bezug versucht, die Inflation einzudämmen. Dieser Versuch scheiterte jedoch.

Auf Grundlage der Verordnung über die Errichtung der Deutschen Rentenbank vom 15. Oktober 1923 (RGBl. I. S. 963966) wurde im Oktober 1923 die Deutsche Rentenbank gegründet. Zu Gunsten der Deutschen Rentenbank wurden Immobilien von Landwirtschaft, Industrie und Gewerbe zwangsweise mit Hypotheken und Grundschulden belegt. Diese Sachwerte hatten unter der Hyperinflation nicht gelitten. Die Gesamtsumme der Hypotheken und Grundschulden belief sich auf über 3,2 Milliarden Mark in Gold („Goldmark“). Im Gegenwert der Immobilien gab die Deutsche Rentenbank zu verzinsende Rentenbankbriefe über 500 Goldmark oder ein Vielfaches davon aus.

Die Deutsche Rentenbank gab erste neue Banknoten mit dem Datum 1. November 1923 um den 20. November sowie neue Rentenpfennig-Münzen mit der Jahreszahl 1923 an die Bevölkerung parallel zu den umlaufenden hohen Milliarden- und Billionen-Papiermark- Nominalen sowie den in geringerer Anzahl kursierenden wertbeständigen Notgeldbanknoten aus. Die Abkürzung der neuen Währung war „Rent.M“. Maßgeblichen Einfluss auf die Einführung hatten Reichsbankpräsident Hjalmar Schacht und Reichskanzler Gustav Stresemann. Die Rentenmark war „kein gesetzliches Zahlungsmittel, sondern Inhaberschuldverschreibung der Rentenbank“ (laut Büsch). Der Wechselkurs zur Papiermark wurde mit 1:1 Billion festgesetzt, und zwar genau am 20. November 1923 per Festlegung durch die Reichsbank, als der Devisenkurs 4,2 Billionen Papiermark = 1 US-Dollar war, was der Vorkriegs-Goldmarkparität zum Golddollar entsprach. Da die Rentenmark kein gesetzliches Zahlungsmittel war, bestand kein rechtlicher Zwang, sie als Zahlungsmittel anzunehmen (wohl aber mussten alle öffentlichen Kassen sie annehmen). Trotzdem wurde sie von der Bevölkerung sofort akzeptiert. Die Inflation stoppte deshalb schlagartig; man sprach vom Wunder der Rentenmark. Zur Akzeptanz trug stark die „Deckung“ der Rentenmark durch Grund und Boden bei. Dies war aber eine reine Fiktion; die Rentenmark blieb ausschließlich deshalb wertstabil, weil sie knapp gehalten wurde.

Am 30. August 1924 wurde die Reichsmark zusätzlich zur Rentenmark eingeführt. Sie galt zur Rentenmark im Verhältnis 1:1. Die Reichsmark hat nicht, wie fälschlich in vielen Fachwerken und Dokumenten angegeben, die Rentenmark ersetzt. Vielmehr konnte weiterhin mit beiden Währungen bezahlt werden. Der wesentliche Unterschied zwischen beiden Währungen bestand in ihrer unterschiedlich ausgestalteten Deckung. Mit Einführung der Reichsmark wurde die Verwendung der Bezeichnung „Rentenmark“ – trotz des Umlaufs beider in allen amtlichen Dokumenten gesetzlich verboten. Auf keinem Rentenbankschein sind deutsche Hoheitssymbole abgebildet.

Die Rentenbank bestand über das Jahr 1924 hinaus fort und die ausgegebenen Rentenmark-Nominale blieben im Umlauf. Die letzten Rentenmarkscheine zu 1 und 2

Rentenmark, die auf den 30. Januar 1937 datieren, wurden am 5. September 1939 ausgegeben und waren bis zu den Währungsreformen 1948 in allen alliierten Besatzungszonen gültig. Ursprünglich sollte die Rentenmark bis spätestens 1934 vollständig durch die Reichsmark ersetzt werden.

Da Rentenmark und Reichsmark vom Namen her praktisch dieselbe Abkürzung „RM“ zur Folge hatten, bestand auch kein Anlass, die Rentenmark zugunsten der Reichsmark abzuschaffen und die umlaufenden Rentenmark-Banknoten konsequent einzuziehen. Man scheute sich offenbar auch davor, erneute Unruhe in der Bevölkerung zu erzeugen, die die Hyperinflation von 19221923 noch in Erinnerung hatte.

Unruhe in der Bevölkerung zu erzeugen, die die Hyperinflation von 1922 – 1923 noch in Erinnerung

1 RM, 1937

2 RM, 1937 Im Ergebnis der Ausweitung des Geldvolumens und aufgrund der enormen Kriegszerstörungen, wodurch

2 RM, 1937

Im Ergebnis der Ausweitung des Geldvolumens und aufgrund der enormen Kriegszerstörungen, wodurch die dem Geldvolumen gegenüberstehenden Sachwerte drastisch reduziert waren, hatte die Reichsmark nach dem Krieg nur noch eine geringe Kaufkraft. Dass viele Warenbereiche der Bewirtschaftung mit Bezugsscheinen unterworfen und zusätzlich die Preise festgesetzt waren, minderte außerdem die Bedeutung der Reichsmark als Währung, eine freie Konvertibilität bestand ohnehin nicht. In den Jahren 1945 bis 1948 wurden Kleinmünzen zu 1, 5 und 10 Pfennig neu herausgegeben, die einen Adler ohne Hakenkreuz, ansonsten aber weiterhin die Bezeichnungen Reichspfennig und Deutsches Reich trugen.

1 RPf, 1945 5 RPf, 1948 10 RPf, 1946 Mit den Währungsreformen vom 21. Juni

1 RPf, 1945

1 RPf, 1945 5 RPf, 1948 10 RPf, 1946 Mit den Währungsreformen vom 21. Juni 1948

5 RPf, 1948

1 RPf, 1945 5 RPf, 1948 10 RPf, 1946 Mit den Währungsreformen vom 21. Juni 1948

10 RPf, 1946

Mit den Währungsreformen vom 21. Juni 1948 (West) bzw. 23. Juni / 24. Juli 1948 (Ost) wurde die Reichsmark gleichzeitig mit den letzten Rentenmarkbanknoten ungültig und in den drei Westzonen Deutschlands die Deutsche Mark, in der sowjetischen Zone die

Deutsche Mark der Deutschen Notenbank (dann MDN = Mark der deutschen Notenbank und zuletzt M = Mark der DDR) eingeführt.

Auch im Gebiet des nationalsozialistischen Österreichs nach dem „Anschluss“ im Jahr 1938 war die Reichsmark durch eine Währungsreform zum gesetzlichen Zahlungsmittel erklärt worden und hatte den österreichischen Schilling im Verhältnis 1,5:1 ersetzt. Hier wurde am 30. November 1945 der Schilling im Umtauschverhältnis 1:1 wieder eingeführt und die Reichsmark für ungültig erklärt. Dabei wurden allerdings die Scheidemünzen und die Rentenbankscheine der Reichsmarkwährung für eine Übergangszeit weiter benutzt. Der 1945 parallel zur Reichsmark eingeführte „Alliierte Militärschilling“ wurde in Österreich teilweise erst Ende 1947 aus dem Verkehr genommen.

teilweise erst Ende 1947 aus dem Verkehr genommen. 50 Rpf, 1924 (Kupfer-Aluminium-Legierung) 1 Rpf, 1936

50 Rpf, 1924 (Kupfer-Aluminium-Legierung)

Verkehr genommen. 50 Rpf, 1924 (Kupfer-Aluminium-Legierung) 1 Rpf, 1936 (Bronze-Legierung) 2 Rpf, 1937 (Bronze-Legierung)

1 Rpf, 1936 (Bronze-Legierung)

Verkehr genommen. 50 Rpf, 1924 (Kupfer-Aluminium-Legierung) 1 Rpf, 1936 (Bronze-Legierung) 2 Rpf, 1937 (Bronze-Legierung)

2 Rpf, 1937 (Bronze-Legierung)

5 Rpf, 1941 (Zink) 10 Rpf, 1938 (Aluminium-Bronze-Legierung) 50 Rpf, 1941

5 Rpf, 1941 (Zink)

5 Rpf, 1941 (Zink) 10 Rpf, 1938 (Aluminium-Bronze-Legierung) 50 Rpf, 1941

10 Rpf, 1938 (Aluminium-Bronze-Legierung)

5 Rpf, 1941 (Zink) 10 Rpf, 1938 (Aluminium-Bronze-Legierung) 50 Rpf, 1941

50 Rpf, 1941

1 RM, 1937 (Nickel) 2 RM, 1938 (Silber) 5 RM, 1936 (Silber) Ab 1925 wurden

1 RM, 1937 (Nickel)

1 RM, 1937 (Nickel) 2 RM, 1938 (Silber) 5 RM, 1936 (Silber) Ab 1925 wurden Münzen

2 RM, 1938 (Silber)

1 RM, 1937 (Nickel) 2 RM, 1938 (Silber) 5 RM, 1936 (Silber) Ab 1925 wurden Münzen

5 RM, 1936 (Silber)

Ab 1925 wurden Münzen mit Nominalen von 3 und 5 RM in 500er Silber (einer Silberlegierung mit einem Feingehalt von 500 Anteilen) geprägt. Die erste Ausgabe war der Jahrtausendfeier der Rheinlande 1925 gewidmet (3 und 5 RM); die letzten Gedenkprägungen in der Weimarer Republik wurden 1932 zum 100. Todestag von Johann Wolfgang von Goethe ausgegeben, wiederum mit Prägungen zu 3 und 5 RM. Im Dritten Reich gab es zwei weitere

Gedenkemissionen zu 2 (625er Silber) und 5 RM (900er Silber) in den Jahren 1933 (450. Geburtstag Martin Luthers) und 1934 (175. Geburtstag von Friedrich Schiller) geben. Danach endete die Reihe der Gedenkprägungen in Reichsmark-Währung.

die Reihe der Gedenkprägungen in Reichsmark-Währung. Martin Luther 1483 – 1933 Friedrich Schiller 1759 – 1934

Martin Luther 14831933

in Reichsmark-Währung. Martin Luther 1483 – 1933 Friedrich Schiller 1759 – 1934 Martin Luther 1483 –

Friedrich Schiller 17591934

in Reichsmark-Währung. Martin Luther 1483 – 1933 Friedrich Schiller 1759 – 1934 Martin Luther 1483 –

Martin Luther 14831933

Friedrich Schiller 1759 – 1934 10 RM, 1924

Friedrich Schiller 17591934

Friedrich Schiller 1759 – 1934 10 RM, 1924

10 RM, 1924

1000 RM, 1924 Literatur C. Schaeffer, Dr. H. Brode: Allgemeine Volkswirtschaftslehre. Verlag C. L. Hirschfeld,

1000 RM, 1924

Literatur

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