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Michael Buschhüter | Andreas Striegel (Hrsg.

Internationale Rechnungslegung
Michael Buschhüter | Andreas Striegel (Hrsg.)

Internationale
Rechnungslegung
IFRS Praxis
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der
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<http://dnb.d-nb.de> abrufbar.

1. Auflage 2009
Alle Rechte vorbehalten
© Gabler | GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2009
Lektorat: RA Andreas Funk
Gabler ist Teil der Fachverlagsgruppe Springer Science+Business Media.
www.gabler-steuern.de

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berechtigt auch ohne besondere Kennzeichnung nicht zu der Annahme, dass solche Namen im Sinne der
Warenzeichen- und Markenschutz-Gesetzgebung als frei zu betrachten wären und daher von jedermann
benutzt werden dürften.
Umschlaggestaltung: KünkelLopka Medienentwicklung, Heidelberg
Druck und buchbinderische Verarbeitung: Krips b.v., Meppel
Gedruckt auf säurefreiem und chlorfrei gebleichtem Papier
Printed in the Netherlands
ISBN 978-3-8349-0928-2
Vorwort

Die zunehmende Internationalisierung führt zu einer immer größeren Bedeutung der IFRS, die
nicht nur auf das deutsche Handelsrecht, sondern auch auf das Steuerrecht ausstrahlt.
Das vorliegende Werk möchte den Rahmen spannen, der von der detaillierten Erläuterung der
IFRS bis hin zu deren Auswirkungen auf das deutsches Handels- und Steuerrecht geht. Die Ak-
tualität dieser Wechselbeziehungen ist in Anbetracht des nunmehr im Regierungsentwurf vorlie-
genden Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes (BilMoG) kaum zu überbieten.
Die Herausgeber bedanken sich für die Beiträge der Autoren und die professionelle Betreuung
durch den Gabler Verlag, insbesondere Herrn Funk. Unser besonderer Dank gebührt Frau Sandra
Marx. Sie hat die Beiträge der Autoren mit den Vorgaben des Verlages zu diesem Buch verbunden
und alle Unzulänglichkeiten korrigiert.

Frankfurt/London, im November 2008


Die Herausgeber

5
Inhaltsübersicht

Vorwort 5
Abkürzungsverzeichnis 20
Literaturverzeichnis 24
Bearbeiterverzeichnis 27
§1 Einführung 29
A. Der Weg zur weltweiten Rechnungslegung 29
B. Bedeutung der IFRS im deutschen Rechtsraum 31
C. Herausforderungen für Unternehmen und Berater 32
§2 Steuerrechtlicher Teil 34
A. Eingang der IFRS in das HGB 34
B. Vom Handelsrecht zur steuerlichen Gewinnermittlung 35
C. Unmittelbarer Einfluss der IFRS auf das deutsche Steuerrecht 39
I. Auslegung des Konzernbegriffes sowie Eigenkapitalermittlung
im Rahmen der Zinsschranke 39
II. Auslegung der wesensbestimmenden Tatbestandsmerkmale für den
steuerbegünstigten G-REIT 40
D. Mittelbarer Einfluss der IFRS auf das deutsche Steuerrecht 42
I. Unmittelbare Geltung der IFRS in der handelsbilanziellen
Konzernrechnungslegung 42
II. Mittelbare Wirkung der IFRS 44
III. Die Zukunft der steuerlichen Gewinnermittlung 50
E. Die einheitliche europäische Bemessungsgrundlage 51
§3 Konzeptionelle Grundlagen der IFRS 52
A. Das Standardsetzungsverfahren 52
I. Einleitung 52
II. Organisationsstruktur des IASB 52
III. IASB Due Process 55
IV. IFRIC Due Process 58
V. Übernahme in europäisches Recht 60
VI. Deutsche Fachgremien 61
VII. Ausblick 61
B. Rahmenkonzept 62
I. Einführung 62
1. Funktion 62
2. Status 63
3. Anwendungsbereich 64
II. Inhalt 64
1. Überblick 64
2. Einzeldarstellung wesentlicher Inhalte 65

7
Inhaltsübersicht

a) Zweck, Adressaten und Zielsetzung der Rechnungslegung


nach IFRS sowie die Bestandteile des Abschlusses 65
b) Zugrunde liegende Annahmen, qualitative Anforderungen
und Beschränkungen 65
c) Definitionen und Erfassung von Abschlussposten 67
d) Bewertung der Abschlussposten 68
e) Kapital- und Kapitalerhaltungskonzepte 68
III. Aktuelle Entwicklungen 68
C. Wertkonzeptionen 70
I. Anschaffungs- und Herstellungskosten 70
II. Beizulegender Zeitwert 71
1. Grundlagen 71
2. Zeitwertermittlung bei aktivem Markt 72
a) Sachanlagevermögen 72
b) Immaterielle Vermögenswerte 73
c) Wertminderung 73
d) Erträge 74
3. Zeitwertermittlung ohne Rückgriff auf aktive Märkte 75
a) Bewertungsgrundlagen 75
b) Anzuwendende Bewertungsmethoden 76
III. Erzielbarer Betrag 77
1. Grundlagen 77
2. Konzeption des Nutzungswerts 77
a) Traditioneller Ansatz vs. Erwarteter Cashflow Ansatz 78
b) Schätzung der Cashflows und der Abzinsungssätze 78
IV. Nettoveräußerungswert 79
V. Wesentliche Unterschiede zwischen Handels- und Steuerrecht,
IFRS sowie US-GAAP 79
§4 Der IFRS-Abschluss 81
A. Darstellung des Abschlusses 81
I. Einleitung 81
II. Zielsetzung und Merkmale der Abschlusserstellung nach IAS 1 81
III. Inhalt des Abschlusses 83
1. Aufstellung über die Vermögens- und Finanzlage (Bilanz) 84
a) Umfang der Aufstellung 84
b) Darstellungsformen 86
c) Untergliederung 87
2. Gesamtergebnisrechnung 88
a) Umfang der Aufstellung 89
b) Single vs. two statement approach 90
c) Ausweis nach dem Gesamt- oder Umsatzkostenverfahren 90
d) Untergliederung 91
e) Other comprehensive Income 91
3. Aufstellung über die Veränderungen im Eigenkapital 93
4. Angaben 93
a) Angaben zu Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden 94

8
Inhaltsübersicht

b) Angaben zu Schätzungsunsicherheiten 94
c) Kapitalmanagement 95
d) Sonstige Angaben 95
B. Kapitalflussrechnungen 95
I. Wesensmerkmale 95
II. Zielsetzung 96
III. Anwendungsbereich 97
IV. Aufbau und Inhalt 98
1. Grundstruktur und Gestaltungsmerkmale 98
2. Definition und Abgrenzung des Finanzmittelfonds 99
3. Betriebliche Tätigkeit 101
4. Investitionstätigkeit 103
5. Finanzierungstätigkeit 104
V. Einzelregelungen für bestimmte Ein- und Auszahlungen 105
1. Zahlungsvorgänge in Fremdwährung 105
2. Zinsen und Dividenden 106
3. Ertragsteuern 106
4. Anteile an Tochterunternehmen, assoziierten Unternehmen
und Joint Ventures 107
5. Erwerb und Veräußerung von Tochterunternehmen
und sonstigen Geschäftseinheiten 108
VI. Weitere Pflichtangaben sowie freiwillige Angaben 109
1. Nicht zahlungswirksame Transaktionen 109
2. Sonstige Angaben 109
VII. US-GAAP 110
VIII. HGB 111
C. Zwischenberichterstattung 112
I. Zielsetzung 112
II. Anwendungsbereich und Gegenstand 112
III. Mindestinhalt von Zwischenberichten 113
IV. Ansatz und (Folge-)Bewertung in Zwischenberichten 115
V. Berücksichtigung von Steuern in Zwischenberichten 116
VI. US-GAAP 116
VII. HGB 117
§5 Ausgewählte Abschlussposten 118
A. Immaterielle Vermögenswerte 118
I. Vorbemerkungen 118
II. Ansatz 119
1. Allgemeine Ansatzvoraussetzungen 119
2. Ansatzvoraussetzungen für selbsterstellte
immaterielle Vermögenswerte 120
III. Bewertung 121
1. Zugangsbewertung 121
2. Folgebewertung 122
IV. Ausweis und Angaben 125
V. US-GAAP 127
9
Inhaltsübersicht

VI. HGB 127


VII. Ausblick 128
B. Sachanlagen 128
I. Vorbemerkungen 128
II. Ansatz 128
III. Bewertung 129
1. Zugangsbewertung 129
2. Folgebewertung 130
3. Fremdkapitalkosten bei qualifizierten Vermögenswerten 134
4. Ausweis und Angaben 135
5. US-GAAP 136
6. HGB 137
7. Ausblick 137
C. Wertminderung von Vermögenswerten 138
I. Vorbemerkungen 138
II. Pflicht zum Niederstwerttest 139
III. Ermittlung des erzielbaren Betrags 140
1. Vorbemerkungen 140
2. Zahlungsmittelgenerierende Einheiten 141
3. Beizulegender Zeitwert abzüglich Verkaufskosten 142
4. Nutzungswert 143
a) Prognose künftiger Cash-flows 143
b) Bestimmung des Diskontierungszinssatzes 146
c) Beispiel zur Ermittlung des Nutzungswertes 147
aa) Sachverhalt 147
bb) Ermittlung des Nutzungswertes 148
IV. Ermittlung und Erfassung von Wertminderungsaufwand
bei einer zahlungsmittelgenerierenden Einheit 149
1. Vergleich von erzielbarem Betrag und Buchwert 149
2. Der Gesamtbuchwert einer Cash-Generating Unit 149
3. Erfassung von Wertminderungsaufwand 151
V. Wertaufholung 153
VI. Angaben 154
VII. US-GAAP 155
VIII. HGB 155
IX. Ausblick 156
D. Als Finanzinvestitionen gehaltene Immobilien 156
I. Ansatz von Anlageimmobilien 156
1. Einheitlich genutzte Immobilien 156
2. Gemischt genutzte Immobilien 158
II. Bewertung 159
1. Zugangsbewertung 159
2. Folgebewertung 159
a) Methodenwahlrecht 159
b) Bewertung zu fortgeführten Anschaffungs-
oder Herstellungskosten 160

10
Inhaltsübersicht

c) Bewertung zu Zeitwerten 161


aa) Konzeption 161
bb) Bewertung gemischt genutzter Immobilien 161
d) Wertermittlungsmethoden 162
e) Nutzungsänderungen 165
III. Latente Steuern 166
IV. Ausweis und Angaben 166
1. Ausweis 166
2. Angaben 167
E. Zur Veräußerung gehaltene langfristige Vermögenswerte
und aufgegebene Geschäftsbereiche 168
I. Anwendungsbereich und definitorische Abgrenzungen 168
II. Klassifizierung als „zur Veräußerung gehalten“ 169
1. Erstmalige Klassifizierung 170
2. Beibehaltung der Klassifizierung 171
III. Bewertungsvorschriften 171
IV. Ausweisvorschriften und Pflichtangaben 173
V. US-GAAP 174
VI. HGB 174
F. Finanzinstrumente und Sicherungsbeziehungen 174
I. Einführung 174
II. Ausweis von Finanzinstrumenten 174
1. Definition 174
2. Abgrenzung von Eigen- und Fremdkapital 175
3. Saldierung von finanziellen Vermögenswerten
und finanziellen Verbindlichkeiten 178
III. Ansatz und Bewertung von Finanzinstrumenten 179
1. Bewertungskategorien 179
2. Ansatz und Ausbuchung von Finanzinstrumenten 181
3. Bewertung von Finanzinstrumenten 182
4. Gewinne und Verluste 185
5. Wertminderung und Uneinbringlichkeit
von finanziellen Vermögenswerten 187
IV. Bilanzierung von Sicherungsbeziehungen 188
1. Sicherungsinstrumente 189
2. Grundgeschäfte 189
3. Arten von Sicherungsbeziehungen 190
4. Absicherung des beizulegenden Zeitwerts 191
5. Absicherung von Zahlungsströmen 193
V. Angaben 196
1. Zweck 196
2. Angaben zu Finanzinstrumenten 196
3. Risikomanagement 197
G. Vorräte 198
I. Abweichungen zwischen IFRS, HGB und Steuerrecht im Überblick 198
II. Zielsetzung und Anwendungsbereich 200

11
Inhaltsübersicht

III. Ansatz 200


IV. Bewertungsmaßstäbe für Vorräte 202
1. Erst- oder Zugangsbewertung 202
a) Anschaffungskosten 202
b) Herstellungskosten 203
aa) Angemessenheit der Gemeinkosten 205
bb) Kuppelproduktion 206
cc) Dienstleistungsunternehmen 206
c) Vereinfachungen bei der Ermittlung der Anschaffungs-
und Herstellungskosten 207
aa) Standardkostenmethode 207
2. Folgebewertung 208
a) Nettoveräußerungswert 208
aa) Besonderheit bei Roh- , Hilfs- und Betriebsstoffen 210
bb) Wertaufholung 210
cc) Grundsatz der Einzelbewertung 210
b) Bewertungsvereinfachungsverfahren 211
c) Vergleich der Folgebewertung
nach IAS mit Steuerrecht und HGB 213
d) US-GAAP 214
3. Angaben 215
H. Fertigungsaufträge 216
I. Auftragsfertigung 216
1. Zielsetzung und Anwendungsbereich 216
2. Zusammenfassung und Teilung von Aufträgen 216
3. Vertragsarten 217
II. Ermittlung des anteiligen Gewinns 218
1. Voraussetzungen für Teilgewinnrealisation 218
2. Auftragserlöse 219
3. Auftragskosten 220
4. Ermittlung des Fertigstellungsgrads 222
5. Darstellung an einem Beispiel 223
6. Berücksichtigung von Schätzfehlern 224
III. Erfassung erwarteter Verluste 224
1. Darstellung der Auftragsfertigung in Bilanz und GuV 225
2. Vergleich der Auftragsfertigung
nach IFRS mit HGB und Steuerrecht 226
3. US-GAAP 227
4. Angaben 227
I. Rückstellungen, Eventualschulden und Eventualforderungen 227
I. Einführung 227
II. Zielsetzung 228
III. Anwendungsbereich 228
IV. Ansatz 229
V. Bewertung 231
1. Es handelt sich um eine größere Anzahl von Positionen 231

12
Inhaltsübersicht

2. Es handelt sich um die Bewertung eines einzelnen Sachverhaltes 232


VI. Anpassung und Verbrauch von Rückstellungen 232
VII. Anwendung der Bilanzierungs- und Bewertungsvorschriften 233
VIII. Angaben 234
IX. US-GAAP 235
X. HGB 236
XI. Ausblick 236
J. Leistungen an Arbeitnehmer 236
I. Einführung 236
II. Kurzfristige Leistungen an Arbeitnehmer 237
III. Leistungen nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses 238
1. Beitragsorientierte Pläne 238
2. Leistungsorientierte Pläne 239
a) Erfassung in der Bilanz 239
b) Die Vermögenswertobergrenze,
Mindestfinanzierungsvorschriften und deren Zusammenwirken 240
c) Erfassung der Aufwands- und Ertragskomponenten 242
aa) Dienstzeitaufwand 242
bb) Zinsaufwand 242
cc) Erwarteter Ertrag aus Planvermögen 242
dd) Erfasste versicherungsmathematische Gewinne
und Verluste 243
ee) Erfasster nachzuverrechnender Dienstzeitaufwand 245
ff ) Erfasste Plankürzungen und Abgeltungen 245
gg) Im Zusammenhang mit der Vermögenswertobergrenze
erfasste Beträge 245
d) Leistungsorientierte Pläne und Unternehmenszusammenschlüsse 246
e) Anhangangaben zu leistungsorientierten Plänen 246
3. Planvermögen 247
a) Voraussetzungen 247
b) Ansatz und Bewertung 248
4. Gemeinschaftliche Pläne mehrerer Arbeitgeber und Konzernpläne 249
5. Sonstige langfristige Leistungen an Arbeitnehmer 249
IV. Abfindungsleistungen 250
1. Allgemein 250
2. Praxisbeispiel zur Altersteilzeit 250
V. Leistungen an Arbeitnehmer bei der Umstellung auf IFRS 252
VI. Ausblick 253
K. Anteilsbasierte Vergütungen 255
I. Defintion und Anwendungsbereich 255
II. Bilanzierungsprobleme 256
1. Grundsätzliche Fragestellungen 256
2. Erfassung als Aufwand? 256
3. Zeitpunkt der Erfassung 257
4. Wertermittlungskonzeption 258
III. Die Bilanzierung im Einzelnen 259

13
Inhaltsübersicht

1. Klassifizierung der Vergütungssysteme 259


2. Vergütungssysteme mit Gewährung von Eigenkapitalinstrumenten 260
a) Grundfall ohne Ausübungsbedingungen 260
aa) Erfassung im Gewährungszeitpunkt 260
bb) Optionspreismodelle 261
cc) Schätzung der eingehenden Parameter 262
b) Berücksichtigung von Sperrfristen 263
c) Berücksichtigung anderer Ausübungsbedingungen 263
3. Vergütungssysteme mit Barausgleich 265
4. Kombinationsmodelle 266
L. Leasingverhältnisse 266
I. Ansatz von Leasingobjekten 266
1. Differenzierung zwischen finance und operate Leasing 267
2. Abgrenzungskriterien 267
3. Klassifizierungskriterien 268
a) Eigentumsübertragung 268
b) Günstige Kaufoption 269
c) Laufzeittest 269
d) Barwerttest 270
e) Spezialleasing 271
f) Besonderheiten beim Immobilienleasing 271
II. Bilanzierung von Leasingverhältnissen 272
1. Finance leases 272
a) Bilanzierung beim Leasingnehmer 272
b) Bilanzierung beim Leasinggeber 274
2. Operate leases 275
a) Bilanzierung beim Leasingnehmer 275
b) Bilanzierung beim Leasinggeber 275
III. Bilanzierung von Sale-and-Lease-Back-Transaktionen 276
1. Grundkonzeption 276
2. Sale-and-lease-back-Transaktion als finance lease 276
3. Sale-and-lease-back-Transaktion als operate lease 277
IV. Leasingobjektgesellschaften 278
V. Latente Steuern 279
VI. Angaben 279
1. Leasingnehmer 280
a) Angaben bei Finanzierungs-Leasingverhältnissen 280
b) Angaben bei Operating-Leasingverhältnissen 280
2. Leasinggeber 281
a) Angaben bei Finanzierungs-Leasingverhältnissen 281
b) Angaben bei Operating-Leasingverhältnissen 281
M. Ertragsteuern 282
I. Einführung 282
II. Tatsächliche Steuerschulden und Steuererstattungsansprüche 284
III. Latente Steuerschulden und Steuererstattungsansprüche 284
IV. Ausweis 288

14
Inhaltsübersicht

V. Angaben 289
VI. Ausblick 289
N. Erträge 290
I. Einführung 290
II. Zielsetzung und Anwendungsbereich 290
III. Allgemeine Grundsätze der Erlöserfassung und Erlösbewertung 291
IV. Erlösrealisierung beim Verkauf von Gütern 292
V. Erlösrealisierung bei der Erbringung von Dienstleistungen 295
VI. Realisation von Zinsen, Nutzungsentgelten und Dividenden 297
VII. Erlösrealisierung bei Tauschgeschäften 298
VIII. Angaben 299
IX. US-GAAP 300
X. Ausblick 300
O. Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden,
Änderungen von Schätzungen und Fehler 301
I. Behandlung von Bilanzierungs- und Bewertungsänderungen,
Schätzungsänderungen sowie von Fehlerkorrekturen 301
1. Zielsetzung und Anwendungsbereich 301
2. Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden 301
a) Auswahl und Anwendung der Methoden 302
b) Methodenstetigkeit 302
c) Änderung der bisher angewandten Methoden 303
aa) Die Änderung ergibt sich aus einem Standard
oder einer Interpretation 303
bb) Die Änderung führt im Jahresabschluss
zu besseren und relevanteren Informationen 303
d) Änderung der Abschreibungsmethode 304
e) Auswirkungen einer rückwirkenden Anpassung 304
f) Angaben 305
3. Schätzungsänderungen 305
4. Behandlung von Fehlern 306
5. Undurchführbarkeit einer rückwirkenden Anpassung 309
6. US-GAAP 310
7. Regelungen nach Handels- und Steuerrecht 310
a) Steuerrecht 310
b) Handelsrecht 311
§6 Unternehmensverbindungen 313
A. Unternehmenszusammenschlüsse 313
I. Einführung 313
II. Anwendungsbereich 313
III. Erwerbsmethode 315
IV. Bestimmung des Erwerbers 315
V. Bestimmung des Erwerbsstichtages 316
VI. Vermögenswerte, Schulden und Anteile
nicht-beherrschender Gesellschafter 317
1. Ansatzvorschriften 317
15
Inhaltsübersicht

2. Bewertung der erworbenen Vermögenswerte und Schulden 318


3. Bewertung der Anteile nicht-beherrschender Gesellschafter 320
4. Ausnahmen von den Ansatz- und Bewertungsgrundsätzen 320
VII. Geschäfts- oder Firmenwert 322
VIII. Sukzessiver Unternehmenszusammenschluss 325
IX. Provisorische Bilanzierung des Unternehmenszusammenschlusses 325
X. Folgebilanzierung 326
XI. Angaben 327
XII. US-GAAP 327
XIII. Ausblick 328
B. Konzernabschlüsse und separate Einzelabschlüsse 329
I. Einführung 329
II. Konzernabschluss 330
1. Anwendungsbereich 330
2. Konsolidierungskreis 330
3. Konsolidierungsverfahren 334
4. Veränderungen des Anteilsbesitzes an Tochterunternehmen 335
5. Endkonsolidierung 336
6. Angaben 337
III. Separater Einzelabschluss 338
1. Anteilsbilanzierung 338
2. Angaben 339
IV. US-GAAP 339
V. Ausblick 340
C. Anteile an assoziierten Unternehmen 340
I. Einführung 340
II. Anwendungsbereich 341
III. Maßgeblicher Einfluss 341
IV. Equity-Methode 342
V. Verlust des maßgeblichen Einflusses 345
VI. Wertminderungen 346
VII. Separater Einzelabschluss 346
VIII. Angaben 346
IX. US-GAAP 347
X. Ausblick 347
D. Anteile an Joint Ventures 348
I. Einführung 348
II. Definitorische und terminologische Grundlagen 349
III. Anwendungsbereich 350
IV. Abbildung in Bilanz sowie Gewinn- und Verlustrechnung 351
V. Angaben 353
VI. US-GAAP 354
VII. Ausblick 355
§7 Angaben 358
A. Segmentberichterstattung 358

16
Inhaltsübersicht

I. Wesensmerkmale 358
II. Zielsetzung und Anwendungsbereich 359
III. Segmentabgrenzung 360
IV. Bestimmung der berichtspflichtigen Segmente 361
V. Segmentbilanzierungs- und Segmentbewertungsmethoden 363
VI. Anzugebende Segmentinformationen 364
1. Überblick 364
2. Allgemeine Informationen 364
3. Angaben zur Ertrags- und Vermögenslage 364
4. Überleitungsrechnungen 366
VII. Anpassung früherer Segmentangaben 367
VIII. Angaben auf Unternehmensebene 367
IX. US-GAAP 368
X. HGB/DRS 369
B. Angaben über Beziehungen zu nahe stehenden Unternehmen und Personen 370
I. Einführung 370
II. Nahe stehende Unternehmen und Personen 370
III. Angaben 371
IV. Weitere Angabepflichten nach deutschem Recht 373
V. US-GAAP 373
VI. Ausblick 373
C. Ereignisse nach dem Bilanzstichtag 374
I. Einführung 374
II. Bestimmung der Betrachtungsperiode 374
III. Arten von Ereignissen nach dem Bilanzstichtag 375
IV. Beispiele für berücksichtigungspflichtige Ereignisse 376
V. Beispiele für nicht berücksichtigungspflichtige Ereignisse 377
VI. Verpflichtung zur Dividendenzahlung 378
VII. Unternehmensfortführung 378
VIII. Angaben 379
D. Ergebnis je Aktie 380
I. Einführung 380
II. Zielsetzung 380
III. Anwendungsbereich 381
IV. Basic EPS 381
V. Diluted Earnings per Share 384
VI. Ausweis und Angabepflichten 387
VII. US-GAAP 388
VIII. Ausblick 388
§8 Lagebericht 390
A. Hintergrund des IASB-Projektes zum Lagebericht 390
B. Übersicht über die wesentlichen Punkte des Diskussionspapiers 390
I. Begriffliche Abgrenzung 390
II. Investoren als Adressaten 391
III. Grundsätze und qualitative Anforderungen 392

17
Inhaltsübersicht

IV. Inhaltliche Anforderungen 393


V. Ausblick 394
§9 Erstmalige Anwendung der IFRS 395
A. Überblick und Vorbemerkung 395
B. Grundsätze für die Erstellung der IFRS-Eröffnungsbilanz 395
I. Ansatz aller Vermögenswerte und Schulden zum IFRS-
Eröffnungsbilanzstichtag 396
II. Retrospektive Bewertung der Vermögenswerte
und Schulden in der IFRS-Eröffnungsbilanz 396
III. Abgrenzung und Ausweis von Vermögenswerten
und Schulden in der IFRS-Eröffnungsbilanz 397
IV. Verwendung des Informationsstands
zum IFRS-Eröffnungsbilanzstichtag 397
V. Erfolgsneutrale Erfassung vorzunehmender Anpassungen 397
VI. Sondervorschriften für die IFRS-Eröffnungsbilanz 398
VII. Ereignisorientierte Neubewertung 398
VIII. Sachanlagen, als Finanzinvestition gehaltene Immobilien
und immaterielle Vermögenswerte 398
1. Bewertung zum beizulegenden Zeitwert zum IFRS-
Eröffnungsbilanzstichtag 399
2. Übernahme vergangener, nicht-ereignisinduzierter Neubewertungen
als angenommene Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten 399
IX. Unternehmenszusammenschlüsse (insb. Goodwill) 400
1. Vollständige oder partielle Übernahme
von Erstkonsolidierungswerten aus der früheren Rechnungslegung 400
2. Bei der früheren Erstkonsolidierung
nicht angesetzte Vermögenswerte und Schulden 401
X. Konzernunternehmen, die bereits IFRS anwenden 402
XI. (Nicht-)Ansatz von finanziellen Vermögenswerten und Schulden,
die nach der früheren Rechnungslegung vor dem 1. Januar 2004
als Abgang erfasst wurden 402
XII. Designation finanzieller Vermögenswerte und Schulden 403
XIII. Pensionsrückstellungen 403
XIV. Ausweis zusammengesetzter Finanzinstrumente 403
XV. Hedge Accounting 404
XVI. Währungsumrechnungsdifferenzen 404
XVII. Anteilsbasierte Vergütungen 404
XVIII. Langfristige Vermögenswerte, die zur Veräußerung
gehalten werden, und Einstellung von Bereichen 405
XIX. Rückbauverpflichtungen 405
XX. Eingebettete Leasingverhältnisse 406
XXI. Fremdkapitalkosten 406
XXII. Bilanzierung von Minderheitenanteilen 406
C. Angaben 407
I. Bestandteile des ersten IFRS-Abschlusses 407
II. Nicht-IFRS Vergleichsinformationen und historische Daten 407
18
Inhaltsübersicht

III. Erläuterung des Übergangs auf IFRS 407


IV. Zwischenabschlüsse 408
V. US-GAAP 408
VI. HGB 408
VII. Ausblick 409
§ 10 IFRS für kleine und mittelständige Unternehmen 410
A. Hintergrund des SME-Projekts 410
B. Grundkonzeption und Anwendungsbereich 411
I. Konzeption des SME-Standards 411
II. Aufbau und Struktur des Standardentwurfs 413
III. Anwendungsbereich 415
C. Die wesentlichen Vereinfachungen im Überblick 416
I. Grundlegende Prinzipien und Auswahl von Bilanzierungsmethoden 416
II. Erleichterungen bei Ansatz und Bewertung 417
1. Finanzinstrumente 417
2. Leistungen an Arbeitnehmer 419
3. Wertminderung nicht finanzieller Vermögenswerte
und des Geschäfts- oder Firmenwertes 420
4. Leasing 421
5. Zuwendung der öffentlichen Hand 422
6. Gewährung zusätzlicher Wahlrechte 423
III. Angaben und erstmalige Anwendung 424
D. Kritische Würdigung und Umsetzungschancen 424
Stichwortverzeichnis 426

19
Abkürzungsverzeichnis
ABl. Amtsblatt
ADS Adler/Düring/Schmaltz
AfA Absetzung für Abnutzung
AG Aktiengesellschaft
AG Application Guidance
AG GKKB Arbeitsgruppe Gemeinsame Konsolidierte Körperschaftsteuer
Bemessungsgrundlage
AHK Anschaffungs- oder Herstellungskosten
AICPA American Institute of Certified Public Accountants
AK Anschaffungskosten
AktG Aktiengesetz
APB Accounting Principles Board
ARB Accounting Research Bulletin
ATzG Altersteilzeitgesetz

BB Betriebs-Berater (Zeitschrift)
BC Basis for conclusions
BC Bilanzbuchhalter und Controller (Zeitschrift)
Beck HdR Beck’sches Handbuch der Rechnungslegung
BFH Bundesfinanzhof
BGH Bundesgerichtshof
BGBl Bundesgesetzblatt
BilKoG Bilanzkontrollgesetz
BilMoG Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz
BilReg Bilanzrechtsreformgesetz
BMJ Bundesministerium der Justiz
BStBl Bundeststeuerblatt
BZaV Beizulegender Zeitwert abzüglich Verkaufskosten

CAPM Capital Asset Pricing Model


CEO Chief Executive Officer
cif Cost, Insurance and Freight
CODM Chief Operating Decision Maker
Con. Constitution
COO Chief Operating Officer
c&f Cost and Freight

DB Der Betrieb (Zeitschrift)


DBL Defined Benefit Liability
DBO Defined Benefit Obligation
DCF Discounted Cashflow
DP Discussion Paper
DPH Due Process Handbook

20
Abkürzungsverzeichnis

DRS Deutscher Rechnungslegungs Standard


DRSC Deutsches Rechnungslegungs Standards Committee e. V.
DSR Deutscher Standardisierungsrat
DTG Devisentermingeschäft

EAV Ergebnisabführungsvertrag
EBIT Earnings before interest and taxes
EBITDA Earnings before interest, taxes, depreciation and amortization
ED Exposure Draft
EFRAG European Financial Reporting Advisory Group
EG Europäische Gemeinschaft
EPS Earnings per Share
EStG Einkommensteuergesetz
EStR Einkommentsteuerrichtlinie
EU Europäische Union
EWG Europäische Wirtschaftsgemeinschaft
exs Ex Ship
exw Ex Work

F Framework
FAS Free Alongside
FASB Financial Accounting Standards Board
FE fertige Erzeugnisse
FiFo First-in, First-out
FIN FASB Interpretation
fob Free on Board
FRSSE Financial Reporting Standard for Smaller Entities
FTB FASB Technical Bulletin
FV Fair Value

GoB Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung


GuV Gewinn- und Verlustrechnung

HDR Handbuch des Rechnungswesens


HFA Hauptfachausschuss
HGB Handelsgesetzbuch
HK Herstellungskosten
HWF Handbuch des Bank- und Finanzwesens

IAS International Accounting Standards


IASB International Accounting Standards Board
IASC International Accounting Standards Committee
IASCF International Accounting Standards Committee Foundation
IDW Institut der Wirtschaftsprüfer in Deutschland e.V.
IFRIC International Financial Reporting Interpretations Committee
IFRS International Financial Reporting Standards
IN Introduction
21
Abkürzungsverzeichnis

InvG Investmentgesetz
IOSCO International Organization of Securities Commissions
IRZ Zeitschrift für internationale Rechnungslegung

KapCoRiLiG Kapitalgesellchaften- und Co.-Richtliniegesetz


KMU Kleine und mittelgroße Unternehmen
KonTraG Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich
KoR Zeitschrift für kapitalmarktorientierte Rechnungslegung
KWG Kreditwesengesetz

LG Leasinggeber
LiFo Last-in, First-out
LN Leasingnehmer

MC Management Commentary

NW Nutzungswert

OCI Other Comprehensive Income


OTC Over-the-Counter

PAAInE Proactive Accounting Activities in Europe


PiR Praxis der internationalen Rechnungslegung (Zeitschrift)
poc Percentage of Completion
PUCM Projected-Unit-Credit-Method
P/E Price/Earnings

QC Qualitative Characteristic

REIT Real Estate Investment Trust


REITG Gesetz über deutsche Immobiliengesellschaften mit börsennotierten Anteilen
RHB Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe
RS Stellungnahme zur Rechnungslegung
RU Reporting Unit

SAC Standards Advisory Council


SAR Stock Appreciation Right
SEC Securities and Exchange Commission
SFAC Statement of Financial Accounting Concepts
SFAS Statements of Financial Accounting Standards
SIC Standing Interpretations Committee
SME Small and Medium-sized Entities
SOP Statement of Position
SORIE Statement of Recognized Income and Expense
SPE Special Purpose Entity

TUG Transparenzrichtlinie-Umsetzungsgesetz
22
Abkürzungsverzeichnis

UFE unfertige Erzeugnisse


USD U.S. Dollar
US-GAAP United States – Generally Accepted Accounting Principles

WACC Weighted Average Cost of Capital


WPg Die Wirtschaftsprüfung (Zeitschrift)
WpHG Wertpapierhandelsgesetz

ZGE zahlungsmittelgenerierende Einheit

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26
Bearbeiterverzeichnis

Die Autoren geben ihre persönliche Meinung wieder.

Dr. Christian Back § 3C


Wirtschaftsprüfer, Steuerberater
MAZARS Hemmelrath GmbH

Dr. Oliver Beyhs § 5A-C, 9


Wirtschaftsprüfer
KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

Michael Buschhüter § 1, 3A, 5M, 6A-C, 7B, 7D


Wirtschaftsprüfer, Certified Public Accountant
International Accounting Standards Board

Prof. Dr. Dejan Engel-Ciric § 5D, 5L


Steuerberater
Fachhochschule Frankfurt am Main

Jörg Hammen § 5G, 5H, 5O


Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, Certified Public Accountant
Prof. Dr. Schmorleiz & Partner

Raphael Hausen § 5C, 9


Wirtschaftsprüfer, Rechtsanwalt, Steuerberater
KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

Dr. Helga Kampmann § 3B


Humboldt-Universität zu Berlin

Dr. Oliver Köster § 5K, 10


Wirtschaftsprüfer, Steuerberater
KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

Jörg Maas § 3C, 5E


Wirtschaftsprüfer, Steuerberater
MAZARS Hemmelrath GmbH

Dr. Martin Alexander Meyer § 4B, 7A


Siemens AG

27
Bearbeiterverzeichnis

Dr. Stephanie Meyer § 4C, 5I

Dr. Ulf Meyer § 4C, 5I


Bertelsmann AG

Holger Obst § 4A, 8


International Accounting Standards Board

Kristina Schwedler § 3B, 6D


Deutsches Rechnungslegungs Standards Committee e.V.

Dr. Thomas Senger § 5N, 7C


Wirtschaftsprüfer, Steuerberater
Warth & Klein GmbH

Klaus Singer § 5E
Wirtschaftsprüfer
MAZARS Hemmelrath GmbH

Dr. Nikolaus Starbatty § 5F


International Accounting Standards Board

Dr. Andreas Striegel § 1, 2, 5M


Rechtsanwalt, Steuerberater, Attorney at Law (NY)
Debevoise & Plimpton LLP

Bernadette Wagner § 5A, 5B


KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

Robert Walter § 5J
Certified Public Accountant
Deloitte & Touche GmbH

28
1

§ 1 Einführung 1

Die IFRS haben sich zum weltweit anerkannten Rechnungslegungssystem entwickelt. Mit der 1
Übernahme der IFRS durch die Europäische Union haben die IFRS europäische Geltung erlangt,
auch wenn die einzelnen Standards unter dem Vorbehalt der Übernahme stehen. Sie sind Teil des
europäischen Bilanzrechts, auf dem auch das deutsche Handelsrecht basiert1. Michael Busch
Die IFRS haben zwar nur unmittelbare Bedeutung für die kapitalmarktorientierten Unternehmen
in Deutschland. Die tatsächliche Bedeutung der IFRS geht aber weiter. Zahlreiche kleine und
mittlere Unternehmen stellen sich mittlerweile die Frage, ob sie freiwillig einen IFRS-Abschluss
aufstellen sollen. Daneben nimmt auch die Bedeutung der IFRS für das deutsche Steuerrecht
durch unmittelbare Bezugnahmen wie auch mittelbare Auswirkungen über das Handelsbilanz-
recht stetig zu.
Die IFRS bringen neue Herausforderungen für Unternehmen und Berater. Diese Herausforde- 2
rungen werden im Folgenden näher untersucht. Zunächst soll aber die Entwicklung der IFRS zum
weltweit führenden Rechnungslegungssystem kurz dargestellt werden.

A. Der Weg zur weltweiten Rechnungslegung A.

Das International Accounting Standards Board (IASB) ging 2001 aus der Vorgängerinstitution 3
International Accounting Standards Committee (IASC) hervor. Das IASC wurde 1973 als privates
Rechnungslegungsgremium von den Wirtschaftsprüfungsverbänden aus neun Ländern gegrün-
det. Gründungsmitglieder waren die Berufsverbände Australiens, Deutschlands, Frankreichs, Ja-
pans, Kanadas, Mexikos, der Niederlande, des Vereinigten Königreichs gemeinsam mit Irland
und der Vereinigten Staaten von Amerika.
Die vom IASC herausgegebenen International Accounting Standards (IAS) glichen in der An-
fangsphase eher einer Zusammenstellung der in den Mitgliedsstaaten üblichen Rechnungsle-
gungspraktiken. Die Folge war eine Vielzahl von Wahlrechten in den Standards. Wahlrechte im
Rahmen der Aufstellung von Jahresabschlüssen vermindern aber die Vergleichbarkeit der Ab-
schlüsse und sind daher konzeptionell abzulehnen.2 Auf Drängen des Weltverbandes der Börsen-
aufsichtsbehörden, der International Organisation of Securities Commissions (IOSCO), entschied sich
das IASC daher im Rahmen des Comparability Projektes zur Streichung zahlreicher Wahlrechte. Das
Comparability Projekt hob nicht alle in den IAS enthaltenen Wahlrechte auf. In den Standards, in de-
nen Wahlrechte bestehen blieben, nahm das IASC jedoch Stellung dazu, welche Bilanzierungsmetho-
de von dem Rechnungslegungsgremium bevorzugt wurde; d.h. die Standards sahen eine empfohlene
Bilanzierungsmethode (Benchmark Treatment) und eine zulässige alternative Bilanzierungsmethode
(Allowed Alternative Treatment) vor.
Die IOSCO honorierte die Überarbeitung der Standards im Jahr 2000 mit der Empfehlung an die 4
Mitgliedsorganisationen, die IAS als Rechnungslegungsstandards bei der Börsenzulassung zu akzep-
tieren. Die Empfehlung der IOSCO bestätigte in Deutschland allerdings nur die bestehende Übung
der Deutsche Börse AG, die schon 1997 im Marktsegment „Neuer Markt“ die Veröffentlichung von
IFRS-Abschlüssen erlaubt hatte. Das Wahlrecht wurde ein Jahr später in § 292a HGB übernommen.

1 Vgl. z. B. Fülbier/Gassen, DB 2007, S. 2605ff.; Herzig, DB 2008, S. 1339ff.


2 Vgl. QC38 des Discussion Paper Preliminary Views on an improved Conceptual Framework for Financial Reporting: The
Objective of Financial Reporting and Qualitative Characteristics of Decision-useful Financial Reporting Information.
Michael Buschhüter/Andreas Striegel 29
1 § 1 Einführung

Kritisch für die Akzeptanz der IFRS war aber, dass die US-amerikanische Börsenaufsichtsbehörde Se-
1 curities and Exchange Commission (SEC) der Empfehlung der IOSCO zunächst nicht folgte, da die IAS
nach wie vor dem US-amerikanischen Rechnungslegungssystem (US GAAP) als qualitativ unterlegen
angesehen wurden.
Im Jahr 2001 unterzog sich das IASC daher einer Reorganisation, um die Akzeptanz der internationa-
len Rechnungslegungsstandards weiter zu erhöhen. Ziel der Reorganisation war es insbesondere, die
Qualität der eigenen Facharbeit und die Unabhängigkeit des Rechnungslegungsgremiums von einzel-
nen Berufsgruppen zu stärken. Im Rahmen der Reorganisation gingen die Aufgaben des IASC auf das
neu gegründete International Accounting Standards Board (IASB) über. Das IASC hat bis zum Ende
seines Bestehens in 2001 insgesamt 41 IAS veröffentlicht, von denen 29 auch heute noch gültig sind.
5 Das IASB überarbeitete zunächst im Rahmen des sog. Improvement Projektes die vom IASC über-
nommenen IAS. Zahlreiche Wahlrechte in den IAS sowie ein Standard, IAS 15 Information Reflecting
the Effect of Changing Prices, wurden gestrichen. Dies ermöglichte die Anerkennung der IFRS durch
die EU und verhalf so den IFRS zu ihrem weltweiten Durchbruch. Bereits im Juni 2001 hatte die Eu-
ropäische Kommission vorgeschlagen, die Rechnungslegung börsennotierter Unternehmen in Europa
durch die zwingende Anwendung der IFRS zu harmonisieren. Der Vorschlag wurde schließlich mit
EU-Verordnung vom 19. Juli 2002 in europäisches Recht umgesetzt. Die Verordnung schreibt vor, dass
ab dem 1. Januar 2005 börsennotierte Unternehmen einen Konzernabschluss nach IFRS aufstellen
müssen. Zusätzlich gewährt die Verordnung den Mitgliedstaaten ein Wahlrecht, die Aufstellung von
IFRS-Konzernabschlüssen auf für nicht börsennotierten Unternehmen zu erweitern oder sogar die
Aufstellung von IFRS-Einzelabschlüssen zu verlangen.
Unternehmen, die zuvor etwa aufgrund des Wahlrechtes in § 292a HGB ihren Konzernabschluss auf
US GAAP umgestellt hatten, wurde eine Übergangsfrist bis 2007 eingeräumt. Zeitgleich mit der eu-
ropäischen Union haben auch Australien, Neuseeland und Südafrika die IFRS anerkannt. Zahlreiche
weiter Staaten folgten. Insgesamt bilanzieren mittlerweile über 100 Staaten nach IFRS.
6 Mit Anerkennung der IFRS durch die EU verlagerte sich der Schwerpunkt der Arbeit des IASB auf die
Anerkennung der IFRS in den USA. Bereits im Jahr 2002 verständigten sich das IASB und das US-
amerikanische Rechnungslegungsgremium (FASB) im sog. Norwalk-Agreement auf eine intensivierte
Zusammenarbeit mit dem Ziel, die Konvergenz zwischen IFRS und US GAAP zu erhöhen. Zunächst
verständigten sich die Rechnungslegungsgremien auf eine Reihe sog. Short-term Convergence Projek-
te. Durch die Projekte sollte Konvergenz zwischen IFRS und US GAAP in den Bereichen hergestellt
werden, in denen eine Einigung kurzfristig möglich erschien. Dies erwies sich jedoch schon bald als
Fehleinschätzung. Die Short-term Convergence Projekte erwiesen sich als deutlich zeitintensiver als
erwartet und unterlagen starker inhaltlicher Kritik. Mit der Veröffentlichung des überarbeiteten IAS 23
Borrowing Costs konnte das IASB bisher erst ein Short-term Convergence Projekt abschließen.
Das Norwalk-Agreement wurde im Jahr 2006 durch das sog. Memorandum of Understanding ersetzt,
das einen überarbeiteten Zeitplan der Konvergenzbemühungen zwischen den beiden Rechnungsle-
gungsgremien enthält. Neben den Short-term Convergence Projekten unternahmen IASB und FASB
auch mehrere langfristige Konvergenzprojekte. Das bisher bedeutendste langfristige Konvergenzpro-
jekt war die gemeinsame Überarbeitung der Bilanzierung von Unternehmenszusammenschlüssen
nach IFRS und US GAAP. Mit deutlicher Verzögerung und trotz erheblicher Kritik konnten die Rech-
nungslegungsgremien im November 2007 bzw. Januar 2008 überarbeitete Standards veröffentlichen.
7 Der langsame Fortschritt der gemeinsamen Projekte bedingte schon bald eine Überarbeitung der
Form der Zusammenarbeit. Im Rahmen des Modified Joint Approach übernimmt nunmehr eines der
beiden Rechnungslegungsgremien die Führungsrolle in der Projektarbeit und das andere Rechnungs-

30 Michael Buschhüter/Andreas Striegel


B. Bedeutung der IFRS im deutschen Rechtsraum 1

legungsgremium veröffentlicht diese Arbeit unangepasst als Diskussionspapier oder Standardentwurf.


Die öffentliche Meinung reagierte auf den Modified Joint Approach jedoch mit Zurückhaltung. Sowohl 1
dem IASB als auch dem FASB wird im Hinblick auf den Modified Joint Approach oft die unreflektierte
Übernahme der Standards des anderen Rechnungslegungsgremiums vorgeworfen.
Ungeachtet dieser Schwierigkeiten können die Konvergenzbemühungen von IASB und FASB als Er-
folg gewertet werden. Im November 2007 entschied sich die SEC mit sofortiger Wirkung für auslän-
dische Emittenten, die einen Konzernabschluss nach IFRS aufstellen, die Pflicht zur Erstellung einer
Überleitungsrechnung nach US-GAAP aufzuheben. Darüber hinaus überlegt die SEC gegenwärtig
bis zum Jahr 2014 auch für US-amerikanische Unternehmen die Aufstellung des Konzernabschlusses
nach IFRS zu erlauben. Auch China, Japan, Kanada und Korea haben ihre Absicht bekundet, die IFRS
einzuführen und damit die IFRS endgültig zum weltweit führenden Rechnungslegungssystem zu ma-
chen.

B. Bedeutung der IFRS im deutschen Rechtsraum B.

Längst haben die IFRS auch im deutschen Rechtsraum Einzug gehalten. Unmittelbare Bedeutung 8
haben die IFRS zunächst für die Rechnungslegung kapitalmarktorientierter Unternehmen. Als
kapitalmarktorientierte Unternehmen gelten alle Unternehmen, deren Wertpapiere in einem Mit-
gliedstaat der EU zum Handel in einem geregelten Markt zugelassen sind. Kapitalmarktorientierte
Unternehmen sind seit dem Jahr 2005 zur Aufstellung von Konzernabschlüssen nach IFRS ver-
pflichtet. Diese Verpflichtung ergibt sich aufgrund der IAS-Verordnung3, die unmittelbare Rechts-
wirkung in allen Mitgliedsstaaten der EU entfaltet. Es besteht daher für alle kapitalmarktorientierten
Unternehmen in Deutschland eine rechtliche Verpflichtung zur Aufstellung eines Konzernabschlusses
nach IFRS. Der deutsche Gesetzgeber hat die Pflicht zur Aufstellung eines IFRS-Konzernabschlusses
zusätzlich auf solche Unternehmen ausgeweitet, die den Handel von Wertpapieren an einem geregelten
Markt beantragt haben.
Andere Unternehmen dürfen in Deutschland auf freiwilliger Basis IFRS-Konzernabschlüsse, die von 9
der Pflicht zur Aufstellung handelsrechtlicher Konzernabschlüsse befreien, aufstellen. Solche Unter-
nehmen profitieren zunächst vom im Vergleich zum handelsrechtlichen Konzernabschluss höheren
Informationsgehalt des IFRS-Abschlusses. Praktisch bedeutsamer dürften aber für die meisten Un-
ternehmen wohl Wettbewerbsgesichtspunkte sein. Die Rechnungslegung nach IFRS stellt eine grenz-
überschreitende Vergleichbarkeit Unternehmen gleicher und unterschiedlicher Branchen her. Kapital-
geber wie auch alle weiteren Bilanzadressaten werden daher zukünftig in immer stärkerem Maße auf
die freiwillige Aufstellung von IFRS-Abschlüssen drängen.
Zu einer unmittelbaren Bedeutung für den Einzelabschluss deutscher Unternehmen haben es die
IFRS bisher noch nicht „gebracht“. Deutsche Unternehmen sind nach wie vor, unabhängig davon,
ob sie einen IFRS-Konzernabschluss aufstellen oder nicht, zur Aufstellung eines handelsrechtlichen
Einzelabschlusses verpflichtet. Ein freiwillig aufgestellter IFRS-Einzelabschluss darf aber anstelle des
HGB-Einzelabschlusses offen gelegt werden. Die weiter bestehende Pflicht zur Aufstellung des han-
delsrechtlichen Einzelabschlusses liegt darin begründet, dass in Deutschland der Einzelabschluss die

3 Verordnung (EG) Nr. 1606/2002 des europäischen Parlaments und des Rates vom 19.07.2002, Amtsblatt Nr. L 243, S. 1ff.
Michael Buschhüter/Andreas Striegel 31
1 § 1 Einführung

Grundlage für die Steuerbemessung und die Gewinnausschüttung ist.4 Jedoch ist eine mittelbare Be-
1 deutung der IFRS für den Einzelabschluss kaum mehr zu leugnen. Die IFRS dienen schon jetzt als
Auslegungsindiz für Bewertungs- und Ansatzvorschriften im HGB, jedenfalls soweit die entsprechen-
de Regelung (auch) im EU-Bilanzrecht begründet ist.
10 Diese mittelbare Bedeutung der IFRS erlangt gerade bei der Diskussion um die Einführung des Bi-
lanzrechtsmodernisierungsgesetzes (BilMoG)5 eine besondere Aktualität. Das BilMoG soll dazu die-
nen, die Handelsbilanz neben den IFRS und der Steuerbilanz als eigenständige Rechnungslegung zu
erhalten. Dennoch sollen die handelsbilanziellen Bestimmungen – auch im Einzelabschluss – im Sin-
ne einer besseren Informationsvermittlung modifiziert und aktualisiert werden. Diese Aktualisierung
begründet eine Annäherung an die Rechnungslegung nach IFRS, weswegen die Gesetzesbegründung
auch an einer Vielzahl von Stellen auf die Behandlung und Rechtslage in den IFRS verweist.
Indirekte Auswirkungen aus den IFRS ergeben sich auch für das deutsche und internationale Steuer-
recht. Nicht zuletzt diese Modernisierung und Annäherung des deutschen Handelsrecht an die IFRS,
die mit einer teilweisen Abkehr althergebrachter handelsbilanzieller Grundprinzipien verbunden ist,
hat in der Begründung zum Regierungs- und Referentenentwurf des BilMoG zu der Frage geführt,
ob die steuerliche Gewinnermittlung nicht verselbständigt und von der Maßgeblichkeit der Handels-
bilanz gelöst werden muss6. Erste Schritte in diese Richtung sind bereits erkennbar. In zunehmenden
Maß nehmen steuerrechtliche Normen mittlerweile unmittelbar auf die IFRS Bezug. Beachtenswert
ist in diesem Zusammenhang aber auch die Einführung einer gemeinsamen konsolidierten Körper-
schafsteuerbemessungsgrundlage im Rahmen der EU7, mit welcher eine eigenständige steuerliche Ge-
winnermittlung angestrebt wird, bei welcher die IFRS nur als Ausgangspunkt, nicht aber als geeignetes
Rechnungslegungssystem angesehen werden8.

C. C. Herausforderungen für Unternehmen und Berater


11 Die zunehmende Bedeutung der IFRS bringt für Unternehmen und Berater neue Herausfor-
derungen mit sich. Von beiden Seiten werden auf bilanziellem wie steuerlichem Gebiet immer
öfter IFRS-Kenntnisse erwartet. Die Erwartungshaltung von Geschäftspartnern und Manda-
ten hat dabei in den letzten Jahren stark zugenommen. Immer seltener reichen Grundkennt-
nisse der IFRS aus, sondern es werden zunehmend detaillierte Kenntnisse der IFRS erwartet.

4 Die EU stellt daher fest, dass viele Mitgliedsstaaten die IFRS bei der Erstellung von Einzelabschlüssen nicht anwen-
den, so dass die IFRS daher auch als steuerliche Gewinnermittlung ausscheiden würden; vgl. Tz. 9 des Arbeitspapiers
der Arbeitsgruppe „Gemeinsame konsolidierte Körperschaftsteuer-Bemessungsgrundlage“ vom 26. Juli 2007, http://
ec.europa.eu/taxation_customs/resources/documents/taxation/company_tax/common_tax_base/CCCTBWP057_
de.pdf.
5 Gesetzentwurf der Bundesregierung zum Gesetz zur Modernisierung des Bilanzrechts (Bilanzrechtsmodernisie-
rungsgesetz – BilMoG), http://www.bmj.de/files/-/3152/RegE%20BilMoG.pdf; Referentenentwurf des Gesetzes zur
Modernisierung des Bilanzrechts (Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz – BilMoG), http://www.bmj.de/files/-/2567/
RefE%20BilMoG.pdf.
6 Gesetzentwurf der Bundesregierung zum Gesetz zur Modernisierung des Bilanzrechts (Bilanzrechtsmodernisie-
rungsgesetz – BilMoG), http://www.bmj.de/files/-/3152/RegE%20BilMoG.pdf, S. 72.
7 Vgl. KOM(2001) S. 582 vom 23.10.2001, http://ec.europa.eu/prelex/detail_dossier_real.cfm?CL=de&DosId=168921,
und (KOM(2003) S. 726 vom 24.11.2003, http://ec.europa.eu/prelex/detail_dossier_real.cfm?CL=de&DosId=187013.
Die Arbeitsgruppe „Gemeinsame konsolidierte Körperschaftsteuer-Bemessungsgrundlage“ legte am 26. Juli 2007 ein
Arbeitspapier über die mögliche Elemente der technischen Ausgestaltung vor.
8 Vgl. Tz. 9 des Arbeitspapiers der Arbeitsgruppe „Gemeinsame konsolidierte Körperschaftsteuer-Bemessungsgrundla-
ge“ vom 26. Juli 2007, http://ec.europa.eu/taxation_customs/resources/documents/taxation/company_tax/common_
tax_base/CCCTBWP057_de.pdf.
32 Michael Buschhüter/Andreas Striegel
C. Herausforderungen für Unternehmen und Berater 1

Eine Schwierigkeit ergibt sich hierbei aus der hohen Veränderungsgeschwindigkeit der IFRS.
Anders als das eher statische deutsche Handelsrecht werden die IFRS fortlaufend überarbeitet 1
und verbessert. Das IASB rechnet damit, alleine bis 2011 über 40 Diskussionspapiere, Standard-
entwürfe und endgültige Standards zu veröffentlichen. Es reicht daher nicht sich einmalig mit den
IFRS vertraut zu machen. Vielmehr verlangt die Rechnungslegung nach IFRS, dass sich Unter-
nehmen wie Berater kontinuierlich über die aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden halten.
Das vorliegende Buch soll den Leser bei der erstmaligen Lektüre der IFRS unterstützen und zu- 12
gleich die Grundlagen für eine weitergehende Beschäftigung mit dem Themengebiet vermitteln.
Zu diesem Zweck sollen in § 2 des Buches die rechtlichen Grundlagen der IFRS-Rechnungslegung
in Deutschland und ihre Auswirkungen auf das Handels- und Steuerrecht kurz dargestellt wer-
den. Eine besondere Rolle nimmt hierbei der Regierungsentwurf des BilMoG ein.
Hiernach sollen die IFRS Konzeptionen im Detail erläutert werden. § 3 gibt in diesem Zusam-
menhang einen Überblick über die konzeptionellen Grundlagen der IFRS bevor in § 4 die Be-
standteile des IFRS-Abschlusses vorgestellt werden. Ausgewählte Bilanzierungssachverhalte sowie
Angabepflichten nach IFRS werden in den §§ 5-8 erläutert. Die §§ 9 und 10 beschäftigen sich
schließlich mit Sonderfragen der erstmaligen Anwendung der IFRS sowie Besonderheiten für
kleine und mittelständige Unternehmen.
Das Buch muss dabei nicht in der soeben beschriebenen Reihenfolge gelesen werden. Alle Ab- 13
schnitte sind inhaltlich geschlossen und können unabhängig von einander bearbeitet werden.
Während der Lektüre des Buches empfehlen die Autoren dem Leser sooft wie möglich auf den
Originaltext der IFRS zurückzugreifen. Die aktuelle Fassung der IFRS umfasst 2.719 Seiten. Das
vorliegende Buch kann daher nicht alle in den IFRS geregelten Einzelfragen wiedergeben. Mit-
telfristig kann nur jedem interessierten Leser empfohlen werden, den Originaltext der IFRS zu
lesen.

Michael Buschhüter/Andreas Striegel 33


2

§ 2 Steuerrechtlicher Teil
2
A. A. Eingang der IFRS in das HGB
1 Durch das Bilanzrechtsreformgesetz (BilReG) vom 10. Dezember 2004 (BGBl. I S. 3166) wurde
§ 315a HGB aufgenommen, der mit der IAS-Verordnung1 die Rechtsgrundlage für die Konzern-
rechnungslegung nach den IFRS bildet. Konzernrechnungslegungspflichtige Unternehmen dür-
dreas Striegel fen den deutschen Konzernabschluss mit befreiender Wirkung nach IFRS aufstellen.
Kapitalmarktorientierte Mutterunternehmen, die nach den §§ 290ff. HGB und Artikel 4 der
Verordnung (EG) Nr. 1606/2002 aufgrund ihrer Kapitalmarktorientierung konzernrechnungs-
legungspflichtig sind, müssen nach § 315a Abs. 1 HGB die internationalen Rechnungslegungs-
vorschriften (IAS/IFRS) beachten, die von der EU übernommenen wurden. Weiterhin sind die
nachfolgenden handelsrechtlichen Vorschriften anzuwenden:
■ § 294 Abs. 3 HGB: Vorlagepflicht der Abschlüsse, Lageberichte und Prüfungsberichte der
Tochterunternehmen an das Mutterunternehmen.
■ § 297 Abs. 2 Satz 4 HGB: Versicherung der gesetzlichen Vertreter von Gesellschaften, die kei-
ne Kapitalgesellschaften sind, dass der Konzernabschluss ein den tatsächlichen Verhältnissen
entsprechendes Bild vermittelt.
■ § 298 Abs. 1 HGB soweit auf §§ 244 bis 247 Abs. 1 und 2 HGB Sprache, Währungseinheit und
Unterzeichnung verwiesen wird.
2 ■ § 313 Abs. 2 bis 4 HGB: Erläuterung der Konzernbilanz und der Konzern-Gewinn- und Ver-
lustrechnung; Angaben zum Beteiligungsbesitz.
■ § 314 Abs. 1 Nr. 4, 6, 8 und 9, Abs. 2 Satz 2 HGB: Sonstige Pflichtangaben.
Selbige gilt nach § 315a Abs. 2 HGB, wenn bis zum Bilanzstichtag die Zulassung eines Wertpapiers
zum Handel beantragt wurde. Nicht kapitalmarktorientierte Mutterunternehmen dürfen nach
§ 315a Abs. 3 HGB ihren Konzernabschluss nach IFRS aufstellen.
3 Nach § 325 Abs. 2a HGB kann ein IFRS-Einzelabschluss zum Gegenstand der Offenlegung ge-
macht werden.
§ 342b HGB normiert begleitend das so genannte Enforcement-Verfahren. Hiernach wird einer
Prüfstelle, der Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung DPR e.V., auferlegt, den Jahresabschluss,
den Lagebericht, den Konzernabschluss und -lagebericht von Unternehmen, die Wertpapiere i.S.d.
§ 2 Abs. 1 WpHG ausgegeben haben, daraufhin zu überprüfen, ob die gesetzlichen Vorschriften
einschließlich der Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung und den sonstigen durch Gesetz
zugelassenen Rechnungslegungsstandards entspricht. Die BaFin kann gemäß §§ 37nff. WpHG die
Prüfung und ggf. auch die Veröffentlichung der Ergebnisse durchsetzen, wenn das Unternehmen
nicht zuvor mit der Prüfstelle kooperiert hat. Die Verpflichtung des Unternehmens zur Erteilung
vollständiger Auskünfte ist nach § 342e HGB bußgeldbewährt.

1 Verordnung (EG) Nr 1606/2002 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 19. Juli 2002 betreffend die Anwen-
dung internationaler Rechnungslegungsstandards (ABl. EG Nr. L 243 S. 1)
34 Andreas Striegel
B. Vom Handelsrecht zur steuerlichen Gewinnermittlung 2

B. Vom Handelsrecht zur steuerlichen Gewinnermittlung B.

Die Einkommen- und Körperschaftsteuer wird auf Grundlage des zu versteuernden Einkommens 4
ermittelt. § 2 EStG zeigt die Ermittlung auf Basis der Einkünfte auf. Die Einkünfte aus Gewerbe- 2
betrieb, selbständiger Arbeit und Land- und Forstwirtschaft entsprechen nach § 2 Abs. 2 Nr. 1
EStG dem Gewinn.
Der Gewinn ist in § 4 Abs. 1 EStG im Rahmen des Bestandsvergleichs definiert als der Unter-
schiedsbetrag zwischen dem Betriebsvermögen am Schluss des Wirtschaftsjahres und dem Be-
triebsvermögen am Schluss des vorangegangenen Wirtschaftsjahres, vermehrt um den Wert der
Entnahmen und vermindert um den Wert der Einlagen.
Die Gewinnermittlung durch Bestandsvergleich gilt für alle Steuerpflichtige, sofern sie nicht nach 5
§ 4 Abs. 3 Satz 1 EStG den Gewinn als Überschuss der Betriebseinnahmen über die Betriebs-
ausgaben ermitteln, weil sie nicht auf Grund gesetzlicher Vorschriften verpflichtet sind, Bücher
zu führen und regelmäßig Abschlüsse zu machen, und auch keine Bücher führen und keine Ab-
schlüsse erstellen.
Bei Gewerbetreibenden im Sinne des § 15 Abs. 2 EStG, die auf Grund gesetzlicher Vorschriften,
insbesondere als Kaufleute gemäß § 238 HGB, verpflichtet sind, Bücher zu führen und regelmä-
ßig Abschlüsse zu machen, oder dies freiwillig tun, ist für den Schluss des Wirtschaftsjahres das
Betriebsvermögen anzusetzen (§ 4 Abs. 1 Satz 1), das nach den handelsrechtlichen Grundsätzen
ordnungsmäßiger Buchführung auszuweisen ist. Das Handelsrecht ist für die steuerliche Gewin-
nermittlung maßgeblich, sog. Maßgeblichkeitsgrundsatz.
Die Funktion der Handelsbilanz besteht darin, die Gläubiger des Kaufmanns durch Anwendung
des Vorsichtsprinzips zu schützen und – bei Kapitalgesellschaften – die Höhe der möglichen Aus-
schüttung zu bestimmen. Der Kaufmann soll sich nicht „reicher“ machen als er ist. Die Steuer-
bilanz ist dagegen die Grundlage für die Ermittlung der Einkünfte und damit der Einkommens-
besteuerung. Der Kaufmann soll sich für Zwecke der Einkommensbesteuerung nicht „ärmer“
machen als er ist.
Dieser Zielkonflikt macht zahlreiche Modifikationen der Handelsbilanz zur Ermittlung der Steu- 6
erbilanz notwendig, die zu gegenläufigen Wirkungen bei Ansatzwahlrechten führen:
■ Handelsrechtliche Passivierungswahlrechte führen zu steuerlichen Passivierungsverboten und
dürfen den handelsrechtlichen Jahresüberschuss, aber nicht den steuerlichen Gewinn min-
dern.
■ Handelsrechtliche Aktivierungswahlrechte führen zu steuerlichen Aktivierungsgeboten und
müssen den steuerlichen Gewinn – nicht aber den handelsrechtlichen Jahresüberschuss – er-
höhen.
Die steuerliche Gewinnermittlung umfasst weiterhin eine Vielzahl von politisch motivierten Len- 7
kungsvorschriften, die zu steuerlichen Begünstigungen oder Belastungen führen und daher nicht
den wirtschaftlichen Vorgaben des Handelsrechts entsprechen:
■ Besondere Vorschriften zur Höhe der Abschreibung wie z.B. in § 7c EStG für neue Mietwoh-
nungen, § 7d EStG für Wirtschaftsgüter, die dem Umweltschutz dienen, § 7f EStG für Wirt-
schaftsgüter privater Krankenhäuser, die Ansparabschreibung des § 7g EStG , § 7h EStG für
Gebäude in Sanierungsgebieten, § 7i EStG für Baudenkmale, § 7k EStG für Wohnungen mit
Sozialbindung, das Fördergebietsgesetz für Investitionen im Fördergebiet.

Andreas Striegel 35
2 § 2 Steuerrechtlicher Teil

■ § 4 Abs. 5 EStG schränkt den Abzug handelsrechtlich anzusetzender Betriebsausgaben nur für
steuerliche Zwecke ein; z.B. bei Geschenken an Personen, bei Aufwendungen für die Bewirtung
von Personen, für Gästehäuser, Jagd oder Fischerei, für Segeljachten oder Motorjachten, bei
2 Mehraufwendungen für die Verpflegung, bei Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer,
bei unangemessenen Aufwendungen, bei Geldbußen, Ordnungsgelder und Verwarnungsgel-
der, bei Zinsen auf hinterzogene Steuern oder bei Zuwendung rechtswidriger Vorteile.
8 Steuerrechtliche Wahlrechte bei der Gewinnermittlung sind nach § 5 Abs. 1 Satz 2 EStG in Über-
einstimmung mit der handelsrechtlichen Jahresbilanz auszuüben, so genannte umgekehrte Maß-
geblichkeit. Damit soll sichergestellt werden, dass die dann für die Höhe des Betriebsvermögens
und des Gewinnes negativen Folgen konsequenterweise auch in der Handelsbilanz gezeigt werden
und die Abweichung zwischen Handels- und Steuerbilanz überschaubar bleibt; die Einheitsbilanz
für Handels- und Steuerrecht soll beibehalten werden.
Die steuerliche Gewinnermittlung umfasst weiterhin eine Vielzahl von pauschalierenden Verein-
fachungsregelungen, die nicht immer den wirtschaftlichen Vorgaben des Handelsrechts folgt:
■ Pauschalierte Abschreibungen für Gebäude nach § 7 Abs. 4 EStG, für den Firmenwert nach
§ 7 Abs. 1 Satz 3 EStG.
■ Bewertungsfreiheit für geringwertige Wirtschaftsgüter nach § 6 Abs. 2 EStG.
■ Minderung der Abschreibungsbemessungsgrundlage durch Übertragung von Rücklagen z.B.
nach § 6b EStG.
9 Schließlich umfasst die steuerliche Gewinnermittlung eine Vielzahl von Vorschriften, die das
(deutsche) Steuersubstrat sicherstellen soll und sich ebenfalls nicht immer an den wirtschaftli-
chen Vorgaben des Handelsrechts und der grenzüberschreitenden Definition der kaufmänni-
schen Tätigkeit folgt:
■ Fiktion einer gewinnrealisierenden Entnahme bei Ausschluss oder Beschränkung des Be-
steuerungsrechts nach § 4 Abs. 1 Satz 3 EStG und § 4g EStG sowie korrespondierend die
Fiktion einer Einlage und Anschaffung nach § 4 Abs. 1 Satz 7 EStG bei Begründung des Be-
steuerungsrechts durch Überführung von Wirtschaftsgütern ins Inland.
■ Fiktion eines Veräußerungsgewinnes nach § 12 Abs. 1 KStG für Wirtschaftsgüter bei Ver-
lust oder Beschränkung des Besteuerungsrechts durch Überführung von Körperschaften ins
Ausland.
■ Fiktion einer Gewinn realisierenden Auflösung bei Verlegung des Sitzes oder der Geschäftslei-
tung einer Körperschaft ins Ausland, § 12 Abs. 3 KStG.
■ Schuldzinsen sind – trotz einer direkten betrieblichen Verwendung des Kapitals – nicht ab-
ziehbar, wenn bei Personengesellschaften Überentnahmen im Sinne des § 4 Abs. 4a EStG ge-
tätigt worden sind. § 4h EStG schließt schließlich den Betriebsausgabenabzug für Zinsaufwen-
dungen (Zinsschranke) aus, soweit die Zinsausgaben 30 Prozent des um die Zinsaufwendun-
gen erhöhten sowie um die Zinserträge verminderten maßgeblichen Gewinns übersteigen.
■ § 5 Abs. 2 EStG erlaubt bei immateriellen Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens den An-
satz eines Aktivposten nur bei entgeltlichem Erwerb.
■ § 5 Abs. 2a EStG untersagt den Ansatz von Verbindlichkeiten oder Rückstellungen, die nur zu
erfüllen sind, soweit künftig Einnahmen oder Gewinne anfallen, so genannter Passivierungs-
aufschub2. § 5 Abs. 3 EStG erlaubt den Ansatz von Rückstellungen wegen Verletzung fremder Pa-

2 Vgl. z.B. Heerma, BB 2005, 537ff.; Schildknecht, DStR 2005, 181ff.


36 Andreas Striegel
B. Vom Handelsrecht zur steuerlichen Gewinnermittlung 2

tent-, Urheber- oder ähnlicher Schutzrechte erst, wenn der Rechtsinhaber Ansprüche wegen der
Rechtsverletzung geltend gemacht hat oder mit einer Inanspruchnahme wegen der Rechtsverlet-
zung ernsthaft zu rechnen ist. § 5 Abs. 4 EStG erlaubt Rückstellungen für die Verpflichtung zu einer
Zuwendung anlässlich eines Dienstjubiläums nur, wenn das Dienstverhältnis mindestens zehn 2
Jahre bestanden hat, das Dienstjubiläum das Bestehen eines Dienstverhältnisses von mindestens
15 Jahren voraussetzt und die Zusage schriftlich erteilt ist. § 5 Abs. 4a EStG schließt den Ansatz von
Rückstellungen für drohende Verluste aus schwebenden Geschäften mit Ausnahme derjenigen
aus Bewertungseinheiten nach § 5 Abs. 1a EStG aus. § 5 Abs. 4b EStG schließt den Ansatz von
Rückstellungen für Aufwendungen aus, die in künftigen Wirtschaftsjahren als Anschaffungs- oder
Herstellungskosten eines Wirtschaftsguts zu aktivieren sind. § 5 Abs. 4b EStG beschränkt den An-
satz von Rückstellungen für die Verpflichtung zur schadlosen Verwertung radioaktiver Reststoffe.
■ § 5 Abs. 5 EStG begrenzt die Erfassung als Rechnungsabgrenzungsposten auf der Aktivseite
auf Ausgaben vor dem Abschlussstichtag, soweit sie Aufwand für eine bestimmte Zeit nach
diesem Tag darstellen sowie auf als Aufwand berücksichtigte Zölle und Verbrauchsteuern,
soweit sie auf am Abschlussstichtag auszuweisende Wirtschaftsgüter des Vorratsvermögens
entfallen, und als Aufwand berücksichtigte Umsatzsteuer auf am Abschlussstichtag auszuwei-
sende Anzahlungen; auf der Passivseite ist der Rechnungsabgrenzungsposten auf Einnahmen
vor dem Abschlussstichtag beschränkt, soweit sie Ertrag für eine bestimmte Zeit nach diesem
Tag darstellen.
■ § 4b EStG modifiziert die Aktivierung von Versicherungsansprüchen aus einer Direktversi-
cherung. § 4c EStG begrenzt den Betriebsausgabenabzug für Zuwendungen an Pensionskas-
sen auf solche, die das Trägerunternehmen aufgrund einer in der Satzung oder im Geschäfts-
plan der Kasse festgelegten Verpflichtung oder auf einer Anordnung der Versicherungsauf-
sichtsbehörde leistet. § 4d EStG begrenzt den Betriebsausgabenabzug für Zuwendungen an
Unterstützungskassen auf Leistungen der Kasse, die beim Trägerunternehmen bei diesem
betrieblich veranlasst wären, wenn sie unmittelbar erbracht würden und sie gewisse Beträge
nicht übersteigen. § 4e EStG begrenzt den Betriebsausgabenabzug für Beiträge an Pensions-
fonds auf solche, die auf einer festgelegten Verpflichtung beruhen oder der Abdeckung von
Fehlbeträgen bei dem Fonds dienen.
■ Nach § 5 Abs. 1a EStG sind die Ergebnisse der in der handelsrechtlichen Rechnungslegung
zur Absicherung finanzwirtschaftlicher Risiken gebildeten Bewertungseinheiten auch für die
steuerliche Gewinnermittlung maßgeblich.
■ § 5a EStG sieht eine besondere Gewinnermittlung bei Handelsschiffen im internationalen Ver-
kehr vor, die so genannte Tonnagebesteuerung.
■ § 6 Abs. 1 Nr. 1 EStG modifiziert den Ansatz von abnutzbaren Wirtschaftsgütern um die er-
höhte Absetzungen, Sonderabschreibungen, Abzüge nach § 6b und ähnliche Abzüge. § 6 Abs. 1
Nr. 1 Satz 2 EStG erlaubt den Ansatz von abnutzbaren Wirtschaftsgütern des Anlagevermö-
gens des niedrigeren Teilwerts nur auf Grund einer voraussichtlich dauernden Wertminde-
rung. Satz 4 sieht ein gewinnerhöhendes Wertaufholungsgebot vor. § 6 Abs. 1 Nr. 1a EStG
erfasst als Herstellungskosten eines Gebäudes auch Aufwendungen für Instandsetzungs- und
Modernisierungsmaßnahmen, die innerhalb von drei Jahren nach der Anschaffung des Ge-
bäudes durchgeführt werden, wenn die Aufwendungen ohne die Umsatzsteuer 15 Prozent der
Anschaffungskosten des Gebäudes übersteigen (anschaffungsnahe Herstellungskosten). § 6
Abs. 1 Nr. 2 Satz 2 EStG erlaubt den Ansatz des niedrigeren Teilwerts bei anderen Wirtschafts-
gütern nur auf Grund einer voraussichtlich dauernden Wertminderung. § 6 Abs. 1 Nr. 2a EStG

Andreas Striegel 37
2 § 2 Steuerrechtlicher Teil

erlaubt das Lifo-Verfahren nur für den Wertansatz gleichartiger Wirtschaftsgüter des Vorrats-
vermögens. § 6 Abs. 1 Nr. 3 EStG sieht die Abzinsung von unverzinslichen Verbindlichkeiten
mit einem Zinssatz von 5,5 Prozent vor.
2 ■ Rückstellungen für Sachleistungsverpflichtungen sind nach § 6 EStG mit den Einzelkosten
und den angemessenen Teilen der notwendigen Gemeinkosten zu bewerten. Rückstellungen
für die Verpflichtung, ein Kernkraftwerk stillzulegen, sind ab dem Zeitpunkt der erstmali-
gen Nutzung zeitanteilig in gleichen Raten anzusammeln. Rückstellungen für Verpflichtungen
sind mit einem Zinssatz von 5,5 Prozent abzuzinsen.
■ § 6 Abs. 1 Nr. 4 EStG erfasst Entnahmen mit dem Teilwert. Die private Nutzung eines Kraft-
fahrzeugs ist nach § 6 Abs. 1 Nr. 4 EStG für jeden Kalendermonat mit 1 Prozent des inländi-
schen Listenpreises im Zeitpunkt der Erstzulassung zuzüglich der Kosten für Sonderausstat-
tung einschließlich Umsatzsteuer anzusetzen. § 6 Abs. 1 Nr. 5 EStG bewertet Einlagen mit
dem Teilwert für den Zeitpunkt der Zuführung und begrenzt den Ansatz auf die Anschaf-
fungs- oder Herstellungskosten, wenn das zugeführte Wirtschaftsgut innerhalb der letzten
drei Jahre vor dem Zeitpunkt der Zuführung angeschafft oder hergestellt worden ist, oder ein
Anteil an einer Kapitalgesellschaft ist und der Steuerpflichtige an der Gesellschaft wesentlich
beteiligt ist. Schließlich sind die Anschaffungs- oder Herstellungskosten um Absetzungen für
Abnutzung zu kürzen, die auf den Zeitraum zwischen der Anschaffung oder Herstellung des
Wirtschaftsguts und der Einlage entfallen.
■ § 6a EStG begrenzt die Bildung wie auch die Höhe von Pensionsrückstellungen.
■ Rücklage nach § 6b sowie ähnliche Abzüge modifizieren den Ansatz von Wirtschaftsgütern.
■ § 8b Abs. 3 Satz 2 KStG schließt Gewinnminderungen im Zusammenhang mit dem Anteil an
einer Körperschaft oder Personenvereinigung, deren Leistungen beim Empfänger zu Ein-
nahmen im Sinne des § 20 Abs. 1 Nr. 1, 2, 9 und 10a des EStG gehören, aus.
■ § 8b Abs. 3 Satz 3 KStG schließt Gewinnminderungen im Zusammenhang mit einer Darle-
hensforderung oder aus der Inanspruchnahme von Sicherheiten, aus, wenn das Darlehen oder
die Sicherheit von einem Gesellschafter gewährt wird, der zu mehr als einem Viertel unmittel-
bar oder mittelbar am Grund- oder Stammkapital der Körperschaft, beteiligt ist.
10 Die handelsrechtliche Bilanz führt nach Anwendung all der vorstehenden Modifikationen und
vorbehaltlich außerbilanziell vorzunehmender Korrekturen, wie z.B. bei den nichtabzugsfähigen
Betriebsausgaben, zur Steuerbilanz als Basis der Gewinn- und Einkünftermittlung und Steuerfest-
setzung. Die IFRS sind für das Bilanzsteuerrecht insofern von Bedeutung als
■ sie unmittelbar für Zwecke der ertragsteuerlichen Gewinnermittlung in Bezug genommen
werden (siehe hierzu § 2. C.);
■ sie mittelbar die handelsrechtliche Bilanz beeinflussen und ändern (sie hierzu § 2. D.).

38 Andreas Striegel
C. Unmittelbarer Einfluss der IFRS auf das deutsche Steuerrecht 2

C. Unmittelbarer Einfluss der IFRS C.

auf das deutsche Steuerrecht 2

I. Auslegung des Konzernbegriffes sowie


Eigenkapitalermittlung im Rahmen der Zinsschranke
Eine unmittelbare Auswirkung der IFRS entsteht im Rahmen der sog. Zinsschranke nach § 4h 11
EStG. Zinsaufwendungen eines Betriebs sind nach § 4h Abs. 1 Satz 1 EStG in Höhe des Zinser-
trags, darüber hinaus nur bis zur Höhe von 30 Prozent des maßgeblichen Gewinns, abziehbar.
Die Begrenzung des Zinsabzugs durch § 4h Abs. 1 Satz 1 EStG ist nach § 4h Abs. 2 EStG nicht
anzuwenden, wenn
■ der Netto-Zinsaufwand weniger als eine Million Euro beträgt,
■ der Betrieb nicht oder nur anteilmäßig zu einem Konzern gehört oder
■ der Betrieb zu einem Konzern gehört und seine Eigenkapitalquote am Schluss des vorange-
gangenen Abschlussstichtages gleich hoch oder höher ist als die des Konzerns (Eigenkapital-
vergleich).
Ein Betrieb gehört gemäß § 4h Abs. 3 Satz 5 EStG zu einem Konzern, wenn er nach dem für die 12
Anwendung des Absatzes 2 Satz 1 Buchstabe c zugrunde gelegten Rechnungslegungsstandard mit
einem oder mehreren anderen Betrieben konsolidiert wird oder werden könnte3. Eine Konsolidie-
rung erfolgt nach den IFRS auf der Basis des so genannten Control-Konzeptes, wonach die Kon-
trolle über ein anderes Unternehmen zur Einbeziehung in den Konzernabschluss führt.
§ 4h Abs. 2 lit. c Satz 8 EStG sieht für die Ermittlung des Eigenkapitalvergleichs Abschlüsse nach
den IFRS vor. Nur nachrangig können Abschlüsse nach dem Handelsrecht eines Mitgliedstaats
der Europäischen Union verwendet werden; nach den Generally Accepted Accounting Principles
der Vereinigten Staaten von Amerika (US-GAAP) aufzustellende und offen zu legende Abschlüs-
se sind zu verwenden, wenn kein Konzernabschluss nach den IFRS oder dem Handelsrecht eines
Mitgliedstaats der Europäischen Union zu erstellen und offen zu legen ist.
Die Eigenkapitalquote ist in § 4h Abs. 2 lit. c Satz 3 EStG als das Verhältnis des Eigenkapitals zur
Bilanzsumme definiert, die sich nach dem Konzernabschluss richtet, die auch den Betrieb um-
fasst. Diesem Eigenkapital ist das Eigenkapital des Betriebes gegenüberzustellen, dass für diesen
auf der Grundlage des Jahresabschlusses oder Einzelabschlusses zu ermitteln ist.
Die Anwendung der IFRS zur Bestimmung der Eigenkapitalquote hat nach folgenden Maßgaben 13
zu erfolgen:
■ Wahlrechte sind im Konzernabschluss und im Jahresabschluss oder Einzelabschluss einheit-
lich auszuüben.
■ Bei gesellschaftsrechtlichen Kündigungsrechten ist mindestens das Eigenkapital anzusetzen,
das sich nach den Vorschriften des Handelsgesetzbuchs ergeben würde.
■ Bei der Ermittlung der Eigenkapitalquote des Betriebs ist das Eigenkapital um einen im Kon-
zernabschluss enthaltenen Firmenwert, soweit er auf den Betrieb entfällt, und um die Hälfte
von Sonderposten mit Rücklagenanteil zu erhöhen sowie um das Eigenkapital, das keine
3 Vgl. Hageböke/Stangl, DB 2006, S. 200ff.
Andreas Striegel 39
2 § 2 Steuerrechtlicher Teil

Stimmrechte vermittelt – mit Ausnahme von Vorzugsaktien –, die Anteile an anderen Kon-
zerngesellschaften und um Einlagen der letzten sechs Monate vor dem maßgeblichen Ab-
schlussstichtag, soweit ihnen Entnahmen oder Ausschüttungen innerhalb der ersten sechs
2 Monate nach dem maßgeblichen Abschlussstichtag gegenüberstehen, zu kürzen.
■ Die Bilanzsumme ist um zu eliminierende Kapitalforderungen zu kürzen, die nicht im Kon-
zernabschluss ausgewiesen sind und denen Verbindlichkeiten in mindestens gleicher Höhe
gegenüberstehen.
■ Sonderbetriebsvermögen ist dem Betrieb der Mitunternehmerschaft zuzuordnen, soweit es
im Konzernvermögen enthalten ist.
■ Wurde der Jahresabschluss oder Einzelabschluss nicht nach denselben Rechnungslegungs-
standards wie der Konzernabschluss aufgestellt, ist die Eigenkapitalquote des Betriebs in einer
Überleitungsrechnung nach den für den Konzernabschluss geltenden Rechnungslegungs-
standards zu ermitteln. Auf Verlangen der Finanzbehörde ist der Abschluss oder die Überlei-
tungsrechnung des Betriebs durch einen Abschlussprüfer zu prüfen.
Ist ein dem Eigenkapitalvergleich zugrunde gelegter Abschluss unrichtig und führt der zutref-
fende Abschluss zu einer Erhöhung der nach Absatz 1 nicht abziehbaren Zinsaufwendungen, ist
ein Zuschlag festzusetzen. Bemessungsgrundlage für den Zuschlag sind die nach Absatz 1 nicht
abziehbaren Zinsaufwendungen.

II. Auslegung der wesensbestimmenden


Tatbestandsmerkmale für den steuerbegünstigten G-REIT
14 Eine unmittelbare Anwendung der IFRS ergibt sich auch bei Real Estate Investment Trusts
(REITs). REITs sind in § 1 Abs. 1 Satz 1 REITG als Aktiengesellschaften definiert, deren Un-
ternehmensgegenstand sich auf das Eigentum oder dingliche Nutzungsrechte an unbeweglichen
Vermögen konzentriert.
Eine REIT-AG ist nach § 16 Abs. 1 REITG von der Körperschaftsteuer befreit, wenn er die Vor-
aussetzungen der §§ 8 bis 15 REITG erfüllt, unbeschränkt körperschaftsteuerpflichtig ist und
nicht im Sinne eines Doppelbesteuerungsabkommens als in dem anderen Vertragsstaat ansässig
gilt. Die REIT-AG ist von der Gewerbesteuer befreit, schon wenn er die Voraussetzungen der §§ 8
bis 15 REITG erfüllt.
15 Die Voraussetzungen dieser Vorschriften umfassen nach § 8 REITG die Anmeldung als REIT-
Aktiengesellschaft, nach § 9 REITG die Notwendigkeit eines inländischen Sitzes und Ortes der
Geschäftsleitung, nach § 10 REITG die Zulassung der Aktien der REIT-AG zum Handel an einem
organisierten Markt im Sinne des § 2 Abs. 5 des Wertpapierhandelsgesetzes in einem Mitglied-
staat der Europäischen Union oder in einem anderen Vertragsstaat des Abkommens über den Eu-
ropäischen Wirtschaftsraum sowie den Mindeststreubesitz nach § 11 REITG. Hiernach müssen
sich mindestens 15 Prozent der Aktien einer REIT-AG im Streubesitz befinden; im Zeitpunkt der
Börsenzulassung müssen sich mindestens 25 Prozent der Aktien im Streubesitz befinden.
16 Die für die REIT-AG nach §§ 12ff. REITG wesensbestimmenden Tatbestandsmerkmale beste-
hen jedoch aus dem Vermögens-, dem Ertrags- sowie dem Vermögensverwaltungserfordernis so-
wie der Mindestausschüttung. Das Vermögens-, das Ertrags- sowie das Vermögensverwaltungser-
fordernis soll sicherstellen, dass nur die auf die Verwaltung unbeweglichen Vermögens gerichtete
Tätigkeit in der Rechtsform der REIT-AG (steuerlich) begünstigt sein soll. Die Mindestausschüt-
40 Andreas Striegel
C. Unmittelbarer Einfluss der IFRS auf das deutsche Steuerrecht 2

tung soll die Besteuerung der Erträge der REIT-AG sicherstellen, die auf Grund der Körperschaft-
und Gewerbesteuerbefreiung auf der Ebene des REITs nur bei Ausschüttung an den Anteilseigner
möglich ist.
Die Mindestausschüttung verpflichtet die REIT-AG nach § 13 Abs. 1 REITG, mindestens 90 2
Prozent ihres handelsrechtlichen Jahresüberschusses im Sinne des § 275 des Handelsgesetzbuchs,
gemindert um die Rücklage gemäß Absatz 3 Satz 1 und erhöht um die Auflösung der Rücklage
gemäß Absatz 3 Satz 2, an die Aktionäre als Dividende auszuschütten. Der insoweit modifizierte
handelsrechtliche Jahresabschluss behält seine Ausschüttungsbemessungsfunktion.
Dagegen knüpft die Bestimmung der Wesensmerkmale in Form des Ertrags- und Vermögenser- 17
fordernisses als auch der Vermögensverwaltung nach §§ 12ff. REITG an die IFRS an:
■ Der Konzernabschluss gemäß § 315a HGB ist für Zwecke dieser Voraussetzungen gemäß § 12
Abs. 1 REITG maßgeblich. § 315a HGB verpflichtet ein Mutterunternehmen nach Artikel 4
der Verordnung (EG) Nr. 1606/20024, die übernommenen internationalen Rechnungslegungs-
standards anzuwenden. Andere Mutterunternehmen haben ihren Konzernabschluss nach den
dort genannten internationalen Rechnungslegungsstandards und Vorschriften aufzustellen, wenn
für sie bis zum jeweiligen Bilanzstichtag die Zulassung eines Wertpapiers im Sinne des § 2 Abs. 1
Satz 1 des Wertpapierhandelsgesetzes zum Handel an einem organisierten Markt im Sinne des § 2
Abs. 5 des Wertpapierhandelsgesetzes im Inland beantragt worden ist.
■ In anderen Fällen ist auf den Einzelabschluss gemäß § 325 Abs. 2a HGB abzustellen. Hiernach
kann bei der Offenlegung an die Stelle des Jahresabschlusses ein Einzelabschluss treten, der
nach den in § 315a Abs. 1 HGB bezeichneten internationalen Rechnungslegungsstandards
aufgestellt worden ist. Ein Unternehmen, das von diesem Wahlrecht Gebrauch macht, hat die
dort genannten Standards vollständig zu befolgen.
■ IAS 40 Investment Properties ist in diesen Fällen mit der Maßgabe anzuwenden, dass das als
Finanzinvestition gehaltene unbewegliche Vermögen mit dem beizulegenden Zeitwert anzu-
setzen ist. Beteiligungen an Immobilienpersonengesellschaften gelten insoweit als unbewegli-
ches Vermögen und sind mit dem beizulegenden Zeitwert zu bewerten.
■ Das nach dieser Maßgabe zu prüfende Vermögenserfordernis in § 12 Abs. 2 REITG verlangt,
dass:
a) die Summe der Aktiva zum Ende eines jeden Geschäftsjahres mindestens zu 75 Prozent
aus Aktiva in Form des unbeweglichen Vermögen besteht und
b) die Aktiva, die zum Vermögen von in den Konzernabschluss der REIT-AG einzubezie-
henden REIT-Dienstleistungsgesellschaften gehören, zum Ende eines jeden Geschäfts-
jahres höchstens 20 Prozent ausmachen.
■ Das auf dieser Basis zu bestimmende Ertragserfordernis in § 12 Abs. 3 REITG verlangt, dass
die gesamten Umsatzerlöse zuzüglich der sonstigen Erträge aus unbeweglichem Vermögen
eines Geschäftsjahres gemäß Einzel- bzw. Konzernabschluss:
a) mindestens zu 75 Prozent der Umsatzerlöse aus unbeweglichem Vermögen, aus Vermie-
tung, Leasing, Verpachtung einschließlich immobiliennaher Tätigkeiten oder Veräuße-
rung von unbeweglichem Vermögen stammen und
b) die Summe der Umsatzerlöse zuzüglich der sonstigen Erträge aus unbeweglichem Vermö-
gen eines Geschäftsjahres von REIT-Dienstleistungsgesellschaften, die in den Konzernab-
schluss der REIT-AG einzubeziehen sind, höchstens 20 Prozent ausmachen.

4 Verordnung des Europäischen Parlaments und des Rates vom 19. Juli 2002 betreffend die Anwendung internationaler
Rechnungslegungsstandards (ABl. EG Nr. L 243 S. 1).
Andreas Striegel 41
2 § 2 Steuerrechtlicher Teil

■ Die sonstigen Erträge aus unbeweglichem Vermögen im Sinne des Absatzes 3 umfassen
a) nicht regelmäßig wiederkehrende Erträge,
b) erfolgswirksam erfasste Bewertungsgewinne und -verluste,
2 c) realisierte Veräußerungsverluste
d) sowie Erträge aus Vermietung, Leasing, Verpachtung und Veräußerung von unbeweg-
lichem Vermögen, soweit sie nicht unter den Umsatzerlösen zu erfassen sind.
Bewertungsgewinne und -verluste sind Gewinne und Verluste aus dem Ansatz des als Finan-
zinvestition gehaltenen unbeweglichen Vermögens im Einzel- bzw. Konzernabschluss nach
Absatz 1 mit dem beizulegenden Zeitwert im Sinne des IAS 40.
■ Das Vermögensverwaltungserfordernis nach § 14 REITG soll den Immobilienhandel aus-
schließen5. Ein Handel liegt vor, wenn die REIT-AG sowie ihre in einen Konzernabschluss
einzubeziehenden Tochterunternehmen
a) innerhalb der letzten fünf Geschäftsjahre
b) Erlöse aus der Veräußerung von unbeweglichem Vermögen erzielt haben,
c) die mehr als die Hälfte des Wertes des durchschnittlichen Bestandes an unbeweglichem
Vermögen innerhalb desselben Zeitraums ausmachen.
Zur Ermittlung des Bestandes ist auf die Bestände abzustellen, die im Einzel- bzw. Konzernab-
schluss gemäß § 12 Abs. 1 REITG am Ende jener Geschäftsjahre ausgewiesen werden.
§ 15 REITG sieht ein Mindesteigenkapital am Ende eines Geschäftsjahres im Einzel- bzw.
Konzernabschluss nach § 12 Abs. 1 REITG vor6. Das hier ausgewiesene Eigenkapital der REIT-
AG darf 45 Prozent des Betrages, mit dem das unbewegliche Vermögen im Einzel- bzw. Kon-
zernabschluss nach § 12 Abs. 1 REITG angesetzt ist, nicht unterschreiten.

D. D. Mittelbarer Einfluss der IFRS auf das deutsche


Steuerrecht

I. Unmittelbare Geltung der IFRS


in der handelsbilanziellen Konzernrechnungslegung
18 Die IFRS haben zunächst ihre zentrale Bedeutung für die Erstellung der Konzernbilanz kapi-
talmarktorientierter Unternehmen gefunden. Deutschland hat den internationalen und euro-
päischen Entwicklungen mit dem Bilanzrechtsreformgesetz (BilReG) vom 10. Dezember 2004
(BGBl. I S. 3166) Rechnung getragen. Der in das HGB aufgenommene § 315a HGB ergänzt die
IAS-Verordnung und bildet die Rechtsgrundlage für die Konzernrechnungslegung nach den IFRS.
§ 315a HGB erlaubt allen konzernrechnungslegungspflichtigen Unternehmen den Konzernab-
schluss mit befreiender Wirkung nach Maßgabe der IFRS aufzustellen. Er sieht dementsprechend
vor, dass ein Mutterunternehmen, das nach Artikel 4 der Verordnung (EG) Nr. 1606/2002 des
Europäischen Parlaments und des Rates vom 19. Juli 2002 betreffend die Anwendung internatio-
naler Rechnungslegungsstandards (ABl. EG Nr. L 243 S. 1) verpflichtet ist, die übernommenen
internationalen Rechnungslegungsstandards anzuwenden. Darüber hinaus eröffnet § 325 Abs. 2a

5 Vgl. Meyer in: Striegel (Hrsg.), REITG, 1. Aufl. 2007, § 14.


6 Vgl. Meyer in: Striegel (Hrsg.), REITG, 1. Aufl. 2007, § 15.
42 Andreas Striegel
D. Mittelbarer Einfluss der IFRS auf das deutsche Steuerrecht 2

HGB Kapitalgesellschaften die Möglichkeit, einen IFRS-Einzelabschluss zum Gegenstand der Of-
fenlegung zu machen und sich so dem Publikum als internationales zu präsentieren.
Die IFRS haben einen mittelbaren Einfluss auf die steuerliche Gewinnermittlung, wenn sie im
Rahmen der Maßgeblichkeit über den handelsrechtlichen Jahresabschluss zur Grundlage des Bi- 2
lanzsteuerrechts werden. § 5 Abs. 1 Satz 1 EStG setzt im Rahmen des Maßgeblichkeitsprinzips den
Ansatz des Betriebsvermögens voraus, das nach den handelsrechtlichen Grundsätzen ordnungs-
mäßiger Buchführung auszuweisen ist.
Die handelsbilanziellen Vorschriften werden immer mehr europarechtlich bestimmt und ausge- 19
legt, wodurch die europarechtlichen anerkannten IFRS mittelbar einfließen. Das Handelsbilanz-
recht wird auf diese Art und Weise auf Basis der EG-Richtlinien, insbesondere
der 4. EG-Richtlinie über den Jahresabschluss von Gesellschaften bestimmter Rechtsformen (Einzelab-
schluss) vom 25.07.1978, 78/660/EWG;
gefolgt von
der 7. EG-Richtlinie über den konsolidierten Abschluss (Konzernabschluss) vom 13.06.1983, 83/349/EWG;
der 8. Richtlinie vom 10.04.1984, 84/253/EWG, aufgrund von Artikel 54 Absatz 3 Buchstabe g) des Ver-
trages über die Zulassung der mit der Pflichtprüfung der Rechnungslegungsunterlagen beauftragten
Personen,
der Richtlinie vom 08.12.1986, 86/635/EWG, über den Jahresabschluss und den konsolidierten Abschluss
von Banken und anderen Finanzinstituten;
der GmbH & Co Richtlinie vom 08.11.1990, 90/605/EWG;
der Richtlinie vom 19.12.1991, 91/674/EWG über den Jahresabschluss und den konsolidierten Abschluss;
11. EG-Richtlinie vom 21.12.1998, 89/666 EWG, zur Offenlegung von Zweigniederlassungen, die in einem
Mitgliedstaat von Gesellschaften bestimmter Rechtsformen errichtet wurden, die dem Recht eines ande-
ren Staates unterliegen;
der „fair value“-Richtlinie vom 22.05.2001, 201/65/EWG;
der RICHTLINIEN vom 18.06.2003, 2003/51/EG, zur Änderung der Richtlinien 78/660/EWG, 83/349/EWG,
86/635/EWG und 91/674/EWG über den Jahresabschluss und den konsolidierten Abschluss von Gesell-
schaften bestimmter Rechtsformen, von Banken und anderen Finanzinstituten sowie von Versicherungs-
unternehmen;
und der EU–Verordnungen, inbesondere 20
der Verordnung (EG) Nr. 1606/2002 vom 19.07.2002 betreffend die Anwendung internationaler Rech-
nungslegungsstandards;
der Verordnung (EG) Nr. 1725/2003 vom 29. 09. 2003;
der Verordnung (EG) Nr. 2086/2004 vom 19.11.2004 zur Änderung der Verordnung (EG) Nr. 1725/2003
betreffend die Übernahme bestimmter internationaler Rechnungslegungsstandards in Übereinstim-
mung mit der Verordnung (EG) Nr. 1606/2002 und im Hinblick auf die Einführung von IAS 39;
der Verordnung (EG) Nr. 2237/2004 vom 29.12.2004 zur Änderung der Verordnung (EG) Nr. 1725/2003
betreffend die Übernahme bestimmter internationaler Rechnungslegungsstandards in Übereinstim-
mung mit der Verordnung (EG) Nr. 1606/2002 im Hinblick auf IAS 32 und IFRIC 1;
der Verordnung (EG) Nr. 2238/2004 vom 29.12.2004 zur Änderung der Verordnung (EG) Nr. 1725/2003
betreffend die Übernahme bestimmter internationaler Rechnungslegungsstandards in Übereinstim-
mung mit der Verordnung (EG) Nr. 1606/2002 betreffend IFRS 1 und IAS Nrn. 1 bis 10, 12 bis 17, 19 bis 24,
27 bis 38, 40 und 41 und SIC Nrn. 1 bis 7, 11 bis 14, 18 bis 27 und 30 bis 33; der Richtlinie 2004/109/EG
Andreas Striegel 43
2 § 2 Steuerrechtlicher Teil

vom 15.12.2004 zur Harmonisierung der Transparenzanforderungen in Bezug auf Informationen über
Emittenten, deren Wertpapiere zum Handel auf einem geregelten Markt zugelassen sind, und zur Ände-
rung der Richtlinie 2001/34/EG;
2 der Verordnung (EG) Nr. 1864/2005 vom 15.11.2005 zur Änderung der Verordnung (EG) Nr. 1725/2003
betreffend die Übernahme bestimmter internationaler Rechnungslegungsstandards in Übereinstim-
mung mit der Verordnung (EG) Nr. 1606/2002 des Europäischen Parlaments und des Rates im Hinblick
auf die Einfügung von „International Financial Reporting Standard“ (IFRS) 1 und der „International Ac-
counting Standards“ (IAS) 32 und 39;
der Verordnung (EG) Nr. 1910/2005 vom 8.11.2005 zur Änderung der Verordnung (EG) Nr. 1725/2003
der Kommission betreffend die Übernahme bestimmter internationaler Rechnungslegungsstandards in
Übereinstimmung mit der Verordnung (EG) Nr. 1606/2002 des Europäischen Parlaments und des Rates
im Hinblick auf IFRS 1 und 6, IAS 1, 16, 19, 24, 38 und 39, IFRIC 4 und IFRIC 5;
der Verordnung (EG) Nr. 2106/2005 vom 21. Dezember 2005 zur Änderung der Verordnung (EG)
Nr. 1725/2003 betreffend die Übernahme bestimmter internationaler Rechnungslegungsstandards in
Übereinstimmung mit der Verordnung (EG) Nr. 1606/2002 im Hinblick auf den „International Accounting
Standard“ (IAS) 39;
und durch Umsetzungsgesetze7 direkt und die Auslegung indirekt geprägt. Die europarechtliche
Auslegung und Vorgabe berücksichtigt die IFRS8 als Basis des europäischen Bilanzrechts, jeden-
falls wenn sie durch Übernahme durch die EU Geltung entfalten9.

II. Mittelbare Wirkung der IFRS


21 Die Auslegung des Handelsbilanzrechts wird darüber hinaus auch dann durch die IFRS geprägt,
je mehr auf Begriffe und Prinzipien Rückgriff genommen wird. Es liegt z.B. nahe, dass zur Aus-
legung der Änderungen durch das Bilanzrechtsmodernisieriungsgesetz (BilMoG) die IFRS her-
angezogen werden, wenn z.B. der Referentenentwurf10 zum BilMoG in seiner Begründung eine
Vielzahl von erläuternden Querverbindungen11 enthält. Der Gesetzgeber dokumentiert hiermit
seinen Willen.
Einen mittelbaren Einfluss der IFRS auf das Handels- und damit auch das Steuerrecht folgt auch
aus den Bemühungen des deutschen Gesetzgebers, das deutsche Handelsrecht zu modernisie-
ren und den IFRS anzunähern12, die zur Not auch unter Verletzung des Vorsichtsprinzips eine
7 Vgl. insbesondere das Gesetz zur Durchführung der Vierten, Siebenten und Achten Richtlinie des Rates der Eu-
ropäischen Gemeinschaften zur Koordinierung des Gesellschaftsrechts (Bilanzrichtlinien-Gesetz – BiRiLiG) vom
19.12.1985 (BGBl I 2355); das Gesetz zur Durchführung der Richtlinie des Rates der Europäischen Union zur Ände-
rung der Bilanz- und Konzernbilanzrichtlinie hinsichtlich ihres Anwendungsbereichs, zur Verbesserung der Offen-
legung von Jahresabschlüssen und zur Änderung anderer handelsrechtlicher Bestimmungen (KapCoRiLiG, BGBl.
2000 I, 154); das Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich, (KonTraG), 27.04.1998 (BGBl.
I S. 786); das Gesetz zur weiteren Reform des Aktien- und Bilanzrechts, zu Transparenz und Publizität (Transpa-
renz- und Publizitätsgesetz TransPuG) vom 19.7.2002 BGBl I 2002, 2681; das Gesetz zur Kontrolle von Unterneh-
mensabschlüssen (Bilanzkontrollgesetz – BilKoG) vom 15.12.2004, BGBl. I 2004, S. 3408; das Gesetz zur Einführung
internationaler Rechnungslegungsstandards und zur Sicherung der Qualität der Abschlussprüfung (Bilanzrechtsre-
formgesetz – BilReG) vom 4.12.2004, BGBl. I 2004, S. 3166.
8 Zum Verhältnis zur EuGH-Rechtsprechung vgl. Werner, BBK Nr. 3 vom 04.02.2005, Fach 13, 4685ff.
9 Zum Verfahren vgl. z.B. Pellens/Jödicke/Jödicke, BB 2007, 2503ff.; Zum Status vgl. http://www.efrag.org der European
Financial Reporting Advisory Group.
10 Vgl. http://www.bmj.de/files/-/2567/RefE%20BilMoG.pdf.
11 Zu der Frage, ob die IFRS hierdurch für die Konkretisierung der Grundsätze ordnungsgemäßer Buchhaltung von
Bedeutung sind, vgl. Herzig, DB 2008, 1ff.
12 Die IFRS als notwendige Auslegungshilfe der neuen Bestimmungen, vgl. hierzu z.B. Laubach/Kraus, DB 2008, Beila-
ge 1, S. 16ff.
44 Andreas Striegel
D. Mittelbarer Einfluss der IFRS auf das deutsche Steuerrecht 2

den wirtschaftlichen Gegebenheiten entsprechende Bilanzierung anstreben. Insbesondere der


Regierungs-Entwurf eines Gesetzes zur Modernisierung des Bilanzrechts (Bilanzrechtsmoderni-
sierungsgesetz – BilMoG)13 versucht diesen Zielkonflikt zu erfassen, indem
■ die handelsrechtlichen Rechnungslegungsvorschriften an die IFRS angenähert werden, 2
■ der handelsrechtliche Jahresabschluss die Grundlage der Gewinnausschüttung bleibt (Aus-
schüttungsbemessungsfunktion),
■ die Maßgeblichkeit des handelsrechtlichen Jahresabschlusses für die steuerliche Gewinner-
mittlung bewahrt wird,
■ die Modernisierung des Bilanzrechts eine gleichwertige, aber einfachere Alternative zu den
IFRS eröffnet;
■ die Kosten aus der Anwendung der IFRS für kleine und mittelgroße Unternehmen vermieden
werden und die bestehende handelsrechtliche Rechnungslegung erhalten bleibt;
■ die Gefahr der Offenbarung wettbewerbsrelevanter Daten durch den Detaillierungsgrad der
IFRS vermindert wird,
■ der Informationswert durch teilweise Übernahme der IFRS erhöht wird,
■ der Mittelstand von der „immanenten Änderungsgeschwindigkeit“ der IFRS abgekoppelt wird
und Anpassungskosten spart.
Das BilMoG möchte hierzu folgende grundsätzliche Strategien verfolgen: 22
■ Beseitigung von Wahlrechten zur besseren Vergleichbarkeit,
■ Stärke Betonung der Informationsfunktion des handelsrechtlichen Jahresabschlusses.
Das BILMOG sieht für den handelsrechtlichen Jahresabschluss insbesondere folgende Ände- 23
rungen vor:
■ § 246 Abs. 1 Satz 2 HGB-E sieht vor, dass Vermögensgegenstände in der Bilanz des Kaufmanns
aufzunehmen sind, soweit sie in rechtlichem Eigentum stehen und auch wirtschaftlich zuzu-
rechnen sind.14
Die IFRS bestimmen die Aktivierung auf der Basis des wirtschaftlichen Eigentums („substance
over form“), so dass nach wie vor Differenzen insbesondere im Hinblick auf die Behandlung
von Leasingverhältnissen auf Basis steuerlicher Erlasse erhalten bleiben.
■ §§ 246 Abs. 1 Satz 4, 253 Abs. 5 Satz 2 HGB-E erfasst den Geschäfts- oder Firmenwert für
handelsbilanzielle Zwecke als Vermögensgegenstand.
■ § 246 Abs. 2 Satz 2 HGB-E lässt die Verrechnung von Vermögensgegenständen mit Schulden
zu, wenn Vermögensgegenstände allein zur Erfüllung der Schulden im Zusammenhang mit
der Altersversorgung dienen.
Es erfolgt eine Annäherung an die Behandlung des so genannten Planvermögens bei den
IFRS.15

13 Gesetzentwurf der Bundesregierung zum Gesetz zur Modernisierung des Bilanzrechts (Bilanzrechtsmodernisie-
rungsgesetz – BilMoG), http://www.bmj.de/files/-/3152/RegE%20BilMoG.pdf
14 Vgl. z.B. Kühne/Keller, DB 2008, Beilage 1, S. 13ff.
15 Hasenburg/Hausen, DB 2008, Beilage 1, S. 29ff.
Andreas Striegel 45
2 § 2 Steuerrechtlicher Teil

■ § 248 Abs. 2 HGB-E hebt das Verbot der Aktivierung selbst geschaffener immaterieller
Vermögensgegenstände des Anlagevermögens teilweise auf. Die auf die Entwicklungsphase
entfallenden Herstellungskosten sind zu aktivieren.16 Die auf die Forschungsphase entfallende
2 Herstellungskosten bleiben ausgeschlossen (§ 255 Abs. 2 Satz 4, Abs. 2a HGB-E).17 Der Aktivierung
steht eine Ausschüttungssperre gegenüber (§ 268 Abs. 8 HGB-E).
■ § 249 Abs. 1 Satz 3, Abs. 2 HGB-E und damit das Wahlrecht zur Bildung von Aufwandsrück-
stellungen für Instandhaltungen, die innerhalb des nächsten Geschäftsjahres nachzuholen
sind, wird aufgehoben.
Auch die IFRS lassen die Bildung von Rückstellungen nur zu, wenn es sich um eine Verpflich-
tung gegenüber Dritten handelt. Dies ist bei Aufwandsrückstellungen nicht der Fall, weswegen
die IFRS deren Ansatz verbieten. Dagegen bleiben handelsrechtlich die Rückstellungen nach
§ 249 Abs. 1 Sätze 1 und 3 HGB erhalten, obwohl es sich bei der Rückstellung für Instand-
haltungen, die innerhalb von 3 Monaten nachgeholt werden, wie auch bei den Gewährlei-
stungsaufwendungen, die aus Kulanz erfolgen, ebenfalls um keine Verpflichtungen gegenüber
Dritten handelt, die von den IFRS gefordert werden.
Die in den IFRS zur Periodisierung von Großreparaturen zugelassene Rückstellungsbildung
findet keine handelsrechtliche Entsprechung.
■ § 250 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 HGB-E, der die Abgrenzung von als Aufwand berücksichtigten Zöllen
und Verbrauchssteuern, soweit sie auf am Abschlussstichtag auszuweisende Vermögensgegen-
stände des Vorratsvermögens entfallen, enthielt, wird aufgehoben.
Damit erfolgt eine Annäherung an die IFRS, die solche Kosten nicht als Rechnungsabgren-
zungsposten, sondern vielmehr aufwandswirksam erfassen.
■ § 250 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 HGB-E, der die Abgrenzung von als Aufwand berücksichtigter Um-
satzsteuer auf am Abschlussstichtag auszuweisende oder von den Vorräten offen abgesetzte
Anzahlungen enthielt, wird aufgehoben.
■ § 253 Abs. 1 Satz 3 HGB-E erfasst die, zu Handelszwecken erworbenen Finanzinstrumente
mit dem Zeitwert18. Die Ermittlung des Zeitwerts ist in § 255 Abs. 4 HGB-E definiert. Die hier-
durch realisierten Erträge sind gemäß § 268 Abs. 8 HGB-E ausschüttungs- und abführungsge-
sperrt.
Die IFRS erfassen alle Derivate mit dem Zeitwert und beschränken diesen nicht auf Finanzin-
strumente, die zu Handelszwecken erworben wurden.
■ § 253 Abs. 1 Satz 2, Abs. 2 HGB-E sieht für die Rückstellungsbewertung vor, dass künftige
Preis- und Kostensteigerungen zu beachten und Rückstellungen abzuzinsen sind.19
Im Einklang mit den IFRS sind künftige Kosten- und Preissteigerungen bei der Bewertung
von Rückstellungen zu berücksichtigen. Die IFRS sehen abweichend eine Währungskongru-
enz vor und würden eine Abzinsung von Fremdwährungsrückstellungen mit den durch die
Deutsche Bundesbank ermittelten Abzinsungsätzen der in Euro notierten Null-Koupon-An-
leihen ausschließen.

16 Vgl. z.B. Laubach/Kraus, DB 2008, Beilage 1, S. 16ff.


17 Vgl. Henckel/Ludwig/Lüdke, DB 2008, S. 196ff., wonach die IFRS die Kriterien für das Vorliegen eines Vermögensge-
genstandes bilden, so dass eine Aktivierung spätestens erfolgt, wenn diese nach IFRS erfolgen muss.
18 Vgl. z.B. Gaber, DB 2008, S. 1221ff.; Klaus/Pelz, DB 2008, Beilage 1, S. 24ff.
19 Vgl. zu dieser Annäherung an IAS 19 z.B. Rhiel/Veit, DB 2008, 193ff.; Drinhausen/Dehmel, DB 2008, Beilage 1,
S. 35ff.
46 Andreas Striegel
D. Mittelbarer Einfluss der IFRS auf das deutsche Steuerrecht 2

Die Maßgeblichkeit der Durchschnittszinssatzes soll Zufallsergebnisse vermeiden, die in der


Zinsentwicklung begründet sind. Selbige Zielsetzung verfolgen die IFRS, die versicherungs-
mathematische Ergebnisse entweder neutralisieren oder aber verteilen wollen (SORIE-Me-
thode oder Korridor-Methode), die sich aus der Anwendung der Marktzinssatzes ergeben. 2
■ § 253 Abs. 3 Satz 3 HGB-E schließt Abschreibungen wegen künftiger Wertschwankungen
aus.
■ § 253 Abs. 4 HGB-E schließt Abschreibungen im Rahmen vernünftiger kaufmännischer
Beurteilung künftig aus.
■ § 253 Abs. 3 Satz 4 HGB-E beschränkt die außerplanmäßige Abschreibung bei nur vorüber-
gehender Wertminderung auf Finanzanlagen.20 Die Wertaufholung wird in § 253 Abs. 5 Satz 1
HGB-E auf alle Unternehmen ausgedehnt.
Die IFRS sehen eine Wertaufholung ebenfalls umfassend und zu jedem Bilanzstichtag vor.
■ § 254 HGB-E lässt die Bildung von Bewertungseinheiten zwischen Vermögensgegenständen,
Schulden, schwebenden Geschäften oder mit hoher Wahrscheinlichkeit vorgesehenen Trans-
aktionen und Finanzinstrumenten zur Absicherung von Risiken zu.21 Die §§ 285 Nr. 23, § 314
Abs. 1 Nr. 15 HGB-E sehen eine ergänzende Anhangangabe vor.
Die IFRS setzen die Grundsätze der Bewertungseinheit durch korrespondierende Abbildung in
Bilanz und GuV-Rechnung um, wohingegen § 254 HGB-E auf die Umsetzung des Imparitäts-
prinzips aufgrund der Bewertungseinheit verzichtet und die Bilanzposten unverändert lässt.
■ § 255 Abs. 2 HGB-E passt den handelsrechtlichen Herstellungskostenbegriff an den steuerli-
chen Begriff an, indem variable Gemeinkosten einbezogen werden müssen und fixe Gemein-
kosten einbezogen werden können.
Es erfolgt eine Annäherung an die IFRS, die den produktionsbezogenen Vollkostenbegriff ent-
halten.
■ § 256a HGB-E sieht die Umrechnung von auf fremde Währung lautenden Posten mit dem
Devisenkassakurs vor – bei der Folgebewertung unter Berücksichtigung des Imparitäts- und
des Anschaffungskostenprinzips.
■ § 264 Abs. 1 Satz 2 HGB-E verpflichtet kapitalmarktorientierte Unternehmen, die nicht kon-
zernrechnungslegungspflichtig sind, eine Kapitalflussrechnung und einen Eigenkapitalspie-
gel aufzustellen.
■ § 269 HGB-E schließt den Ansatz der Bilanzierungshilfe für Ingangsetzungs- und Erweite-
rungsaufwendungen künftig aus.
■ § 272 Abs. 1 Satz 3 HGB-E sieht vor, dass nicht eingeforderte ausstehende Einlagen offen von
dem Posten „Gezeichnetes Kapital“ abzusetzen sind.
Die IFRS weisen jetzt bereits alle Eigenkapitalposten auf der Passivseite aus.
■ § 272 Abs. 1a, Abs. 4 HGB-E sieht den Ansatz eigener Anteile auf der Passivseite beim „Ge-
zeichneten Kapital“ vor; § 272 Abs. 1b HGB-E schafft hierzu eine besondere Position in der
Gliederung.
20 Zu den außerplanmäßigen Abschreibungen vgl. hierzu z.B. Beyhs/Melcher, Zum Referentenentwurf des Bilanzrechts-
modernisierungsgesetzes (BilMOG): Vom Niederstwert- zum Impairment-Test? Die wesentlichen BilMoG-Änderun-
gen bei außerplanmäßigen Abschreibungen und Wertaufholungen, DB 2008, Beilage 1, S. 19.
21 Auslegung der Bewertungseinheit nach § 254 unter Rückgriff auf die expliziten Anwendungshilfen der IFRS Bilanzie-
rung, vgl. Füllbier/Gassen, Das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BILMOG): Handelsrechtliche GoB vor der Neu-
interpretation, DB 2007, 2605; Wiechens/Helke, Zum Referentenentwurf des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes
(BilMOG): Bilanzielle Abbildung von Bewertungseinheiten, DB 2008, Beilage 1, S. 26.
Andreas Striegel 47
2 § 2 Steuerrechtlicher Teil

■ § 274 HGB-E sieht für latenten Steuern eine Ermittlung nach dem bilanzorientierten Kon-
zept sowie den Ansatz als aktive und passiven latente Steuern in der Bilanz unter gesonderten
Posten vor22. Damit korrespondiert die in § 274 Abs. 2 HGB enthaltene Ausschüttungssperre, die
2 in § 268 Abs. 8 HGB-E integriert werden soll. Die aktiven und passiven latenten Steuern sind im
Anhang zu erläutern.
Damit erfolgt eine Angleichung an die IFRS, die das temporary Konzept verwenden und da-
mit auch erfolgsneutrale Bewertungs- und Bilanzierungsunterschiede wie auch die so genann-
ten quasi-permanenten Differenzen erfassen.
■ § 251 HGB-E sieht vor, dass im Anhang die Gründe der Einschätzung des Risikos der Inan-
spruchnahme für unter der Bilanz ausgewiesene Verbindlichkeiten und Haftungsverhält-
nisse aufgenommen wird.
24 Das BilMoG sieht für den handelsrechtlichen Konzernabschluss insbesondere folgende Änderun-
gen vor:
■ § 290 Abs. 1 Satz 1 HGB-E sieht eine Konzernrechnungslegungspflicht vor, wenn ein Toch-
terunternehmen allein unter der einheitlichen Leitung des Mutterunternehmens steht. Die
bisherige Beteiligungsvoraussetzung entfällt.
Damit erfolgt eine Angleichung an die IFRS, die nur auf dem so genannten Control-Konzept
basieren. Das Tatbestandsmerkmal der „einheitlichen Leitung“ soll jedoch ausweislich der Ge-
setzesbegründung eigenständig zu interpretieren sein und nicht an die Konsolidierungskrite-
rien der IFRS anknüpfen.
■ § 301 Abs. 1 Satz 2 HGB-E beschränkt die Kapitalkonsolidierung auf die Neubewertungs-
methode.
Die IFRS sehen eine entsprechende Konsolidierung nach der Erwerbsmethode vor, die zu
einer Neubewertung des Vermögens führt.
■ § 301 Abs. 2 Satz 1 HGB-E sieht vor, dass der beizulegende Zeitwert für Zwecke der Kapital-
konsolidierung auf den Zeitpunkt ermittelt wird, zu dem das Unternehmen Tochterunterneh-
men geworden ist.
■ § 301 Abs. 3 HGB-E sieht den Ausweis des nach der Kapitalkonsolidierung verbleibenden
Unterschiedsbetrags in der Bilanz vor.
Die IFRS sehen ebenfalls einen gesonderten Bilanzausweis der Geschäftswertes bzw. Unter-
schiedsbetrages aus der Kapitalkonsolidierung vor.
■ § 302 HGB-E untersagt die Kapitalkonsolidierung bei Interessenzusammenführung.
Die IFRS sehen ebenfalls ausschließlich die Erwerbsmethode für die Konsolidierung vor.
■ § 308a HGB-E sieht vor, dass Bilanzposten in Abschlüssen in ausländischen Währungen
zum Devisenkassakurs, das Eigenkapital zum historischen Kurs und die GuV-Posten zum
Durchschnittskurs umgerechnet werden.
Die IFRS differenzieren demgegenüber zwischen selbständigen und unselbständigen Tochter-
unternehmen. Nur bei selbständigen Tochterunternehmen ist der Stichtagskurs anzuwenden.
■ § 309 Abs. 1 HGB-E sieht vor, dass die Abschreibung des Geschäfts- oder Firmenwertes aus
der Kapitalkonsolidierung nach den allgemeinen Vorschriften durchzuführen und keine er-
folgsneutrale Verrechnung mehr möglich ist.

22 Vgl. hierzu z.B. Loitz, DB 2008, 249ff.


48 Andreas Striegel
D. Mittelbarer Einfluss der IFRS auf das deutsche Steuerrecht 2

Die IFRS verwenden hinsichtlich des Geschäfts- oder Firmenwertes den so genannten Im-
pairment-Only Approach, wonach eine Abschreibung zugunsten eines Werthaltigkeittestes
ausgeschlossen ist.
■ § 312 Abs. 1 HGB-E beschränkt die Kapitalkonsolidierung assoziierter Unternehmen auf die 2
Buchwertmethode.
Diese Änderungen und Anpassungen an die IFRS führen zu folgenden steuerlich relevanten (mit- 25
telbaren) Folgen:
■ Modifikation der GoB durch IFRS: Die Auslegung und Bestimmung der handelsrechtli-
chen Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung können durch den nunmehr gleichwerti-
gen Zweck der Information verändert werden23 und über das Maßgeblichkeitsprinzip des § 5
Abs. 1 Satz 1 EStG auch das Bilanzsteuerrecht bestimmen.24
■ Eigene Anteile als Teilliquidation: Die handelsbilanzielle Behandlung des Erwerbs eigener
Anteile als Teilliquidation kann bei einer späteren Veräußerung dieser Anteile einer steuer-
rechtlichen Qualifikation als Veräußerung im Sinne des § 8b KStG bzw. § 3 Nr. 40 EStG entge-
genstehen – mit der Konsequenz einer vollständig entfallenden Steuerpflicht.25
■ Die Ausschüttungssperren werden als Abführungssperren definiert, so dass diese Beträge
nicht im Rahmen eines Ergebnisabführungsvertrages abzuführen sind, um die steuerlichen
Wirksamkeitsvoraussetzung einer vertragsgemäßen Abführung zu erfüllen.26
■ § 246 Abs. 1 HGB-E verlangt für die Zurechnung eines Vermögensgegenstandes im Ge-
gensatz zu § 39 AO sowohl das rechtliche als auch das wirtschaftliche Eigentum. Die Maß-
geblichkeit der Handelsbilanz führt ggf. zu einer vorrangigen Anwendung des § 246 HGB-E
als lex specialis gegenüber § 39 AO mit der Folge, dass bislang auf Basis des § 39 AO erfolgte
Zurechnungen, etwa beim Leasing, verändert werden.
■ § 5 Abs. 1 Satz 2 EStG: Der Grundsatz der umgekehrten Maßgeblichkeit wird aufgehoben,
so dass die Anwendung steuerlicher Vorschriften grundsätzlich keine korrespondierende han-
delsbilanzielle Erfassung mehr bedingt.
■ § 247 Abs. 3, §§ 254, 273, 279 Abs. 2, § 280 Abs. 1, §§ 281, 285 Satz 1 Nr. 5 HGB-E: Die
Anknüpfung des handelsrechtlichen Jahresabschlusses an den Grundsatz der umgekehrten
Maßgeblichkeit wird aufgegeben. Die in diesem Zusammenhang stehenden handelsrechtli-
chen Vorschriften werden aufgehoben. Steuerliche Begünstigungsvorschriften können durch
den handelsrechtlich nicht mehr möglichen Ansatz ausgeschlossen werden, soweit steuerliche
Vorschriften – wie z.B. § 6b EStG oder R 6.6 EStR – bei der Übertragung von Rücklagen einen
Buchnachweis oder einen entsprechenden handelsbilanziellen Ansatz verlangen.27
■ § 253 HGB-E sieht für die Bewertung von Rückstellungen mit dem Erfüllungsbetrag entge-
gen dem Stichtagsprinzip auch die Berücksichtigung künftiger Preisänderungen vor. Es kann
fraglich sein, ob der steuerliche Bewertungsvorbehalt in § 5 Abs. 6 EStG eine steuerliche Be-
deutung ausschließt, die sich aus dem Maßgeblichkeitsgrundsatz ergeben kann.

23 Vgl. z.B. Schaumburg, Gewinnermittlung im Wandel, http://www.dstv.de/presseservice/beitrag_schaumburg20.12.


pdf; Herzig, DB 2008, 1339; die IFRS-Regelung zur Auslegung und Lückenfüllung des HGB; vgl. Hennrichs, Prinipien
vs. Regeln – Quo vadis BilMoG?, SR 2008, 64ff.
24 Vgl. Dörfler/Adrian, DB 2008, Beilage 1, S. 44ff.; Herzig, DB 2008, 1ff.
25 Vgl. z.B. Herzig, DB 2008, 1339ff.
26 Vgl. z.B. Herzig, DB 2008, 1339ff.
27 Dörfler/Adrian, DB 2008, Beilage 1, S. 44ff.
Andreas Striegel 49
2 § 2 Steuerrechtlicher Teil

■ § 255 HGB-E definiert die Bewertungseinheit, die gemäß § 5 Abs. 1 a EStG für Zwecke der
Steuerbilanz zu übernehmen ist.28
■ § 255 Abs. 4 HGB-E konkretisiert den Zeitwert, der für den Ansatz der Finanzinstrumente
2 in § 253 Abs. 1 Satz 2 HGB-E maßgebend ist. Steuerlich bleibt das Anschaffungs- und Her-
stellungskostenprinzip nach § 6 Abs. 1 EStG mit Ausnahme der Kreditinstitute etc. gemäß § 6
Abs. 1 Nr. 2b EStG-E erhalten, weswegen der Ansatz des Zeitwertes ausgeschlossen ist. § 255
Abs. 4 Satz 4 HGB fingert jedoch, dass der zuletzt ermittelte Zeitwert als Anschaffungs- oder
Herstellungskosten im Sinne des Satzes 3 gilt. Diese fingierten Anschaffungs- oder Herstel-
lungskosten könnten jedoch auch steuerlich relevant sein.29
■ § 290 HGB-E erweitert den Konzernbegriff, der für die Escape-Klausel des § 4h Abs. 2 EStG
im Rahmen der Zinsschranke von Bedeutung ist.30 Hiernach ist ein Betrieb, der bislang die
Escape-Klausel mangels Konzernzugehörigkeit beanspruchen konnte, künftig möglicherwei-
se als Bestandteil eines Konzerns anzusehen und durch die Zinsschranke beeinträchtigt. Der
Betrieb kann sich dann nur noch auf die Escape-Klausel des Eigenkapitalvergleichs berufen,
in welche durch den erweiterten Konzernbegriff nunmehr weitere Betriebs und Gesellschaften
einzubeziehen sind.

III. Die Zukunft der steuerlichen Gewinnermittlung


26 Der Ausblick führt in der Zukunft zu einer dreiteiligen Rechnungslegung in Form der IFRS, des
Handels- und schließlich des Bilanzsteuerrechts. Die Gesetzesbegründung des BilMoG fragt31, ob
die Handelsbilanz ihre bisherige Funktion, aufgrund des Maßgeblichkeitsgrundsatzes auch die steu-
erliche Leistungsfähigkeit des bilanzierenden Kaufmanns abzubilden, weiterhin erfüllen kann.
27 Diese Überlegung liegt darin begründet,
■ dass die Funktion der Handelsbilanz nunmehr gleichrangig auch die Information – und damit
die Annäherung an eine Zeitwertbewertung – bezweckt,
■ dass hierdurch von der steuerrechtlichen Prinzipien abgewichen wird, in dem z.B. das Rea-
lisations- und Vorsichtsprinzip als Ausfluss aus dem Grundsatz der Besteuerung nach der
Leistungsfähigkeit32 durch die Zeitwertbewertung und die Erfassung realisierbarer Gewinne
eingeschränkt wird,
■ dass über die Internationalisierung schließlich auch Dritte (die EU) einen Einfluss auf das Ver-
ständnis, die Entwicklung und die Auslegung der handelsrechtlichen Grundsätze ordnungs-
mäßiger Buchführung erhalten können, die sich über den Maßgeblichkeitsgrundsatz auf die
Ermittlung der Ertragsteuer auswirken.33
Diese Situation kann zur Abkehr von der Einheitsbilanz aus Handels- und Steuerbilanz hin zu
einer eigenständigen steuerlichen Gewinnermittlung führen.34 Eine der in Aussicht genommenen
Lösungen könnte die – hiernach im Überblick dargestellte – einheitliche konsolidierte körper-
schaftssteuerliche Bemessungsgrundlage auf EU-Ebene sein.
28 Zur Auslegung der Bewertungseinheit nach § 254 HGB unter Rückgriff auf die expliziten Anwendungshilfen der IFRS
Bilanzierung, vgl. Fülbier/Gassen, DB 2007, 2605ff.
29 Vgl. z.B. Herzig, DB 2008, 1339ff.
30 Dörfler/Adrian, DB 2008, Beilage 1, S. 44ff.
31 Vgl. Gesetzentwurf der Bundesregierung zum Gesetz zur Modernisierung des Bilanzrechts (Bilanzrechtsmodernisie-
rungsgesetz – BilMoG), http://www.bmj.de/files/-/3152/RegE%20BilMoG.pdf, S. 72.
32 Vgl. Schaumburg, Gewinnermittlung im Wandel, http://www.dstv.de/presseservice/beitrag_schaumburg20.12..pdf.
33 Zur handelsrechtlichen Bilanzpolitik, vgl. z.B. Göllert, DB 2008, 1165ff.
34 Herzig, DB 2008, 1339ff.
50 Andreas Striegel
E. Die einheitliche europäische Bemessungsgrundlage 2

E. Die einheitliche europäische Bemessungsgrundlage E.

Die Europäische Kommission möchte steuerliche Hindernisse europaweit tätiger Unternehmen 28


durch eine konsolidierte Körperschaftsteuer-Bemessungsgrundlage der EU-weiten Tätigkeiten 2
beseitigen.35 Die Arbeitsgruppe „Gemeinsame konsolidierte Körperschaftsteuer-Bemessungs-
grundlage“ (AG GKKB) legte bereits am 26. Juli 2007 ein Arbeitspapier über die mögliche Ele-
mente der technischen Ausgestaltung vor.36 Im Herbst 2008 wird mit einem Richtlinien-Entwurf
gerechnet.
Die Vorteile der GKKB sollen sich aus der Konsolidierung ergeben37, weil Verrechnungspreisrege-
lungen für gruppeninterne Transaktionen hinfällig werden und die Konsolidierung von Verlusten
zugelassen wird. Eine „stabile Bemessungsgrundlage“ soll sichergestellt werden.
Unternehmen können für die GKKB optieren38, die Tochterunternehmen und Betriebstätten in 29
einem anderen EU-Staat einbeziehen und damit eine europaweite steuerliche Gewinnermittlung
und Bemessungsgrundlage erreichen. Die Konsolidierung würde sich auf die gesamte Steuerbe-
messungsgrundlage aller Steuerzahler einer Unternehmensgruppe erstrecken.39 Zur Ermittlung
der konsolidierten Steuerbemessungsgrundlage werden Gewinne und Verluste aus gruppeninter-
nen Transaktionen eliminiert.40
Der Aufteilungsmechanismus wurde im Arbeitspapier zunächst offen gelassen41 und am 13. No-
vember 2007 durch eine weitere Arbeitsgruppe bearbeitet.42 Als Grundlage der Verteilung der
Bemessungsgrundlage werden die Verhältnisse der Vermögenswerte, der Umsätze oder auch der
Arbeitsplätze in den jeweiligen Mitgliedsstaaten angesehen. Die Mitgliedsstaaten sollen dann auf
die ihnen zugewiesene Bemessungsgrundlage ihren individuellen Steuersatz anwenden.
Die GKKB hat insbesondere auch die Bedeutung der IFRS43 erörtert und es für nicht möglich 30
gehalten, eine formelle Verbindung zwischen der Bemessungsgrundlage und IFRS herzustellen.
Vielmehr sollen die IFRS nur einen „Ausgangspunkt darstellen“ und „….die Weiterentwicklung
der Bemessungsgrundlage entsprechend IAS/IFRS ermöglichen…“. Einer weitergehenden Ein-
beziehung steht entgegen, dass viele Mitgliedsstaaten die IFRS bei der Erstellung von Einzelab-
schlüssen nicht anwenden, so dass die Unternehmen von Abschlüssen auf Grundlage verschiede-
ner – potenziell von 27 verschiedenen – Abschlüssen auf der Basis nationaler Rechnungslegungs-
systeme ausgehen müssten. Diese Jahresabschlüsse müssten dann jeweils einheitlich angepasst
werden, um einer einheitlichen Definitionen zur Berechnung einer einheitlichen Bemessungs-
grundlage nachzukommen.

35 Vgl. KOM(2001) 582 vom 23.10.2001, http://ec.europa.eu/prelex/detail_dossier_real.cfm?CL=de&DosId=168921,


und (KOM(2003) 726 vom 24.11.2003, http://ec.europa.eu/prelex/detail_dossier_real.cfm?CL=de&DosId=187013.
36 Vgl. http://ec.europa.eu/taxation_customs/resources/documents/taxation/company_tax/common_tax_base/CCCT-
BWP057_de.pdf.
37 Vgl. das Arbeitspapier der Arbeitsgruppe „Gemeinsame konsolidierte Körperschaftsteuer-Bemessungsgrundlage“
vom 26. Juli 2007, http://ec.europa.eu/taxation_customs/resources/documents/taxation/company_tax/common_
tax_base/CCCTBWP057_de.pdf.
38 Vgl. S. 85ff. des Arbeitspapiers a.a.O.
39 Vgl. S. 86ff. des Arbeitspapiers a.a.O.
40 Vgl. S. 110ff. des Arbeitspapiers a.a.O.
41 Vgl. S. 116ff. des Arbeitspapiers a.a.O.
42 http://ec.europa.eu/taxation_customs/resources/documents/taxation/company_tax/common_tax_base/CCCTB-
WP060_de.pdf.
43 Vgl. S. 2 des Arbeitspapiers a.a.O.
Andreas Striegel 51
3

§ 3 Konzeptionelle Grundlagen der IFRS

3
A. A. Das Standardsetzungsverfahren

I. Einleitung
1 Die erfolgreiche Anwendung der IFRS setzt Grundkenntnisse des Regelwerkes voraus. Der fol-
gende Abschnitt soll daher den Leser in die Terminologie der internationalen Rechnungslegung
einführen. Zusätzlich soll ein erster Einblick in das Standardsetzungsverfahren und die beteiligten
ael Buschhüter Institutionen gegeben werden.

II. Organisationsstruktur des IASB


2 Dachorganisation des IASB ist die International Accounting Standards Committee Foundation
(IASCF) mit Sitz in Delaware, USA. Ziel, Zuständigkeiten und Arbeitsweise des IASCF sind in der
Satzung (Constitution) geregelt. Ziel des IASCF ist es:
■ im öffentlichen Interesse einen gültigen Satz an hochwertigen, verständlichen und durchsetz-
baren weltweiten Rechnungslegungsstandards zu entwickeln, die hochwertige, transparente
und vergleichbare Informationen in den Abschlüssen und sonstigen Finanzberichten erfor-
dern, um die Teilnehmer an den Kapitalmärkten der Welt und andere Bilanzadressaten beim
Treffen von wirtschaftlichen Entscheidungen zu unterstützen;
■ die Nutzung und strikte Anwendung dieser Standards zu fördern;
■ bei der Verfolgung der obigen Ziele die besonderen Bedürfnisse kleiner und mittelgroßer Un-
ternehmen sowie der Wachstumsökonomien (emerging economies) zu berücksichtigen; und
■ eine Konvergenz nationaler Rechnungslegungsstandards mit den IFRS zu hochwertigen Lö-
sungen herbeizuführen.1
3 Die Aufsicht der IASCF liegt bei 22 Treuhändern (Trustees), die im Regelfall für die Dauer von
drei Jahren von der Treuhänderversammlung mit einfacher Mehrheit gewählt werden.2 Die Treu-
händer dürfen einmalig wiedergewählt werden.3 Die Zusammensetzung der Treuhänder soll unter
Berücksichtigung der geographischen Herkunft und der beruflichen Erfahrung der Treuhänder
eine angemessene Vertretung der Weltkapitalmärkte ermöglichen. Zu diesem Zweck sollen:
■ 6 Treuhänder aus Nordamerika
■ 6 Treuhänder aus Europa
■ 6 Treuhänder aus Asien bzw. der pazifischen Region
stammen. Die verbleibenden vier Treuhänder können aus jeder Region der Welt stammen. Diese
Regelung soll eine insgesamt ausgewogene Zusammensetzung der Treuhänder ermöglichen.4 Die
1 Vgl. Con. 2.
2 Die ersten Treuhänder hatten gestaffelte Amtszeiten, um in der Folge die Kontinuität der Zusammensetzung der
Treuhänderversammlung zu ermöglichen.
3 Vgl. Con. 8.
4 Vgl. Con. 6 und 7.
52 Michael Buschhüter
A. Das Standardsetzungsverfahren 3

Treuhänder werden nach einem ausführlichen Konsultationsverfahren, bei dem die Meinung di-
verser interessierter Parteien eingeholt wird, von den übrigen Treuhänder gewählt.5 Das Konsul-
tationsverfahren wurde mittlerweile durch Gründung der Trustee Appointments Advisory Group
formalisiert.
Aufgabe der Treuhänder ist die strategische und operative Aufsicht des IASCF. Zu ihren Aufga- 4
ben gehört insbesondere die Berufung und Abberufung der Mitglieder der Gremien des IASCF6. 3
Den Treuhändern obliegt auch die Budgetaufsicht. Die Satzung des IASCF verpflichtet die Treuhän-
der zur Sicherstellung einer angemessenen Finanzierung des IASCF. Die Treuhänder haben aber kein
fachliches Mitspracherecht im Standardsetzungsverfahren.7 Vorsitzender der Treuhänderversamm-
lung (Chairman of the Trustees) ist gegenwärtig der ehemalige niederländische Finanzminister Gerrit
Zalm. Treuhänder deutscher Herkunft ist Max Dietrich Kley (BASF AG).
Das fachliche Gremium des IASCF ist das International Accounting Standards Board (IASB). 5
Dem IASB gehören 14 Mitglieder (Board Members) an. Es handelt sich hierbei um zwölf Vollzeit-
und zwei Teilzeitmitglieder.8 Die Board Mitglieder werden von den Treuhändern mit einfacher
Mehrheit gewählt und können ebenfalls mit einfacher Mehrheit wieder abberufen werden.9 Board
Mitglieder werden nach für die Dauer von fünf Jahren10 berufen und können einmalig wiederge-
wählt werden.11 Board Mitglieder werden alleine aufgrund ihrer Fachkenntnisse gewählt. Die Zusam-
mensetzung der Board Mitglieder soll dabei aber ein möglichst breites Meinungsspektrum interessier-
ter Parteien widergeben.12
Eine Berücksichtigung der geographischen Herkunft der Board Mitglieder ist in der Satzung nicht 6
vorgesehen. Die Treuhänder sollen aber auch für eine geographisch ausgeglichene Zusammenset-
zung des IASB sorgen.13 Alle Board Mitglieder, auch die Teilzeitmitglieder, sind zur Unabhängig-
keit verpflichtet und erhalten eine Vergütung für ihre Tätigkeit vom IASCF.14
Das IASB setzt sich zurzeit aus 13 Board Mitgliedern zusammen. Die Stelle eines Vollzeitmitglie- 7
des ist gegenwärtig unbesetzt. Die 13 Board Mitglieder sind:
David Tweedie, Vereinigtes Königreich (Chairman)
Tom E Jones, USA (Vice Chairman)
Mary E Barth, USA
Stephen Cooper, Vereinigtes Königreich
Philippe Danjou, Frankreich
Jan Engström, Schweden
Robert P Garnett, Südafrika
Gilbert Gélard, Frankreich
James J Leisenring, USA
Warren J McGregor, Australien
5 Vgl. Con. 7.
6 Hierzu Zählen die Treuhänderversammlung, IASB, IFRIC und SAC.
7 Vgl. Con. 13 und 15.
8 Vgl. Con. 18.
9 Vgl. Con. 15.
10 Die ersten Board Mitglieder hatten gestaffelte Amtszeiten, um in der Folge die Kontinuität der Zusammensetzung des
IASB zu ermöglichen.
11 Vgl. Con. 25.
12 Vgl. Con. 19.
13 Vgl. Con. 20.
14 Vgl. Con. 18.
Michael Buschhüter 53
3 §3 Konzeptionelle Grundlagen der IFRS

John T Smith, USA


Tatsumi Yamada, Japan
Wei-Guo Zhang, China
8 Das Standardsetzungsverfahren liegt in der ausschließlichen Verantwortung des IASB. Allein das
IASB entscheidet, welche Standardprojekte es unternimmt, ob ein Diskussionspapier, ein Standar-
3 dentwurf oder ein Standard veröffentlicht wird. Nur das IASB entscheidet, ob Feldversuche (Field
Tests), geschlossene (Field Visits) oder öffentliche Konsultationen (Round Tables) erforderlich
sind. Das IASB entscheidet auch in letzter Instanz über die Veröffentlichung von durch das IFRIC
erarbeiteten Interpretationen.15
9 Weiteres fachliches Gremium des IASCF ist das International Financial Reporting Interpreta-
tions Committee (IFRIC). Hauptaufgabe des IFRIC ist die zeitnahe Veröffentlichung von Inter-
pretationen zur Anwendung der Standards sowie die Auslegung bestehender Regelungslücken.16
Die Interpretationen des IFRIC bedürfen der Zustimmung des IASB. Das IFRIC setzt sich aus 14
ehrenamtlichen Teilzeitmitgliedern zusammen, die von den Treuhändern für die Dauer von drei
Jahren gewählt werden. Die Wiederwahl ist zulässig.17 Die Mitglieder des IFRIC sind gehalten, im
Einklang mit ihrer eigenen Meinung und unabhängig von den Institutionen, in denen sie haupt-
beruflich beschäftigt sind, abzustimmen.18 Vorsitzender des IFRIC kann ein Board Mitglied, der
technische Direktor (Director of Technical Activities) oder ein anderer erfahrener Mitarbeiter des
IASCF sein.19 Zurzeit ist mit Robert P. Garnett ein Board Mitglied Vorsitzender des IFRIC. Der
Vorsitzende hat kein Stimmrecht. Dem IFRIC gehören ein oder zwei weitere Board Mitglieder
an, die ebenfalls kein Stimmrecht haben. Weitere Board Mitglieder können an den Sitzungen des
IFRIC teilnehmen. Dem IFRIC gehören gegenwärtig die deutschen Mitglieder Guido Fladt (PwC)
und Bernd Hacker (Siemens AG) an.
10 Das Standards Advisory Council (SAC) soll ein Forum für weitere an der Arbeit des IASB in-
teressierte Personen und Institutionen bieten.20 Das SAC setzt sich aus mindestens 30 von den
Treuhändern bestellten ehrenamtlichen Mitgliedern zusammen, die unterschiedlicher geographi-
scher und beruflicher Herkunft sein sollen. SAC Mitglieder werden für die Dauer von drei Jahren
gewählt. Die Mitgliedschaft kann erneuert werden.21 Das SAC soll vor wesentlichen Entscheidun-
gen des IASB, wie z.B. der Aufnahme neuer Projekte in das Arbeitsprogamm oder der Veröffent-
lichung eines Standards, angehört werden.22 Die Treuhänder sollen das SAC vor einer Änderung
der Verfassung des IASCF anhören.23 Vorsitzender des SAC ist der Brasilianer Nelson Carvalho.
Deutsche SAC Mitglieder sind Heinz-Joachim Neubürger und Jochen Pape (beide DRSC).
11 Das IASCF unterhält ein Büro mit rund 100 Mitarbeitern in London, Vereinigtes Königreich.
Den fachlichen Mitarbeitern stehen sechs technische Direktoren vor. Diese Positionen werden
gegenwärtig von Alan Teixeira (Neuseeland), Peter Clark (Vereinigtes Königreich), Gavin Francis
(Vereinigtes Königreich), Tricia O’Malley (Kanada), Paul Pacter (USA) und Wayne Upton (USA)
eingenommen. Die Direktoren werden von fachlichen Mitarbeitern aus mehr als 30 Ländern un-
terstützt. Die Zahl der fachlichen Mitarbeiter wird sich mit der zunehmenden weltweiten Verbrei-

15 Vgl. Con. 31.


16 Vgl. Con. 37.
17 Vgl. Con. 33.
18 Vgl. Con. 36.
19 Vgl. Con. 34.
20 Vgl. Con. 38.
21 Vgl. Con. 39.
22 Vgl. Con. 31.
23 Vgl. Con. 15.
54 Michael Buschhüter
A. Das Standardsetzungsverfahren 3

tung der IFRS in den kommenden Jahren stark erhöhen. Neben den fachlichen Mitarbeitern gibt
es eine Vielzahl weiterer Angestellter, die neben kaufmännischen Tätigkeiten insbesondere für die
Übersetzung und die Veröffentlichung der IFRS zuständig sind.
Das IASCF hatte im Geschäftsjahr 2007 Erträge von £ 16,9 Mio. Der Löwenanteil der Erträge 12
(£ 11.3 Mio.) stammt von Spenden. Größte Spender sind die vier großen Wirtschaftsprüfungsge-
sellschaften. Weitere bedeutende Spender sind zahlreiche international operierenden Industrie- 3
und Dienstleistungskonzerne. Die übrigen Einnahmen des IASB stammen insbesondere aus Ver-
lagstätigkeit (£ 5.0 Mio.). Den Erträgen standen in 2007 Aufwendungen in Höhe von (£ 17,1 Mio.)
gegenüber, die im Wesentlichen für Personalkosten und Miete anfielen. Das IASCF schloss das
Geschäftsjahr 2007 mit einem Verlust in Höhe von £ 212.000 ab.

III. IASB Due Process


Die Satzung des IASB und das Vorwort zu den IFRS enthalten Mindestvorschriften für das Stan- 13
dardsetzungsverfahren. Zusätzlich hat das IASB im April 2006 ein Due Process Handbook for the
IASB mit detaillierten Vorschriften zu allen Phasen des Standardsetzungsverfahrens verabschie-
det. Das Due Process Handbook soll die Transparenz des Standardsetzungsverfahrens sowie die
freie Zugänglichkeit aller im Standardsetzungsverfahren berücksichtigten Informationen für alle
interessierten Parteien sicherstellen. Es verpflichtet das IASB zu einem ausführlichen Konsulta-
tionsverfahren und zur Berücksichtigung aller Eingaben interessierter Parteien. Das IASB ist da-
für verantwortlich, dass die im Due Process Handbook enthaltenen Schritte eingehalten werden.
Sollten ausnahmsweise einzelne Schritte wie etwa die Veröffentlichung eines Diskussionspapiers
im Standardsetzungsverfahren ausgelassen werden, muss dies vom IASB gerechtfertigt werden
(comply or explain approach).24
Das Standardsetzungsverfahren umfasst die folgenden sechs Schritte: 14
1) Entscheidung über Aufnahme eines Projektes in das Arbeitsprogramm des IASB25
Vorschläge zur Aufnahme eines Projektes in das Arbeitsprogramm des IASB können von al-
len interessierten Parteien eingereicht werden. Die Entscheidung über die Aufnahme eines
Projektes in das Arbeitsprogramm des IASB ist ein kleines Projekt für sich und kann bis zu
einem Jahr dauern, in dem unter anderem auch das Standards Advisory Council anzuhören
ist. Das IASB berücksichtigt bei seiner Entscheidung über die Aufnahme eines Projektes in
das Arbeitsprogramm unter anderem, ob:
■ die Fragestellung für die Abschlussadressaten relevant ist und den Bilanzadressaten durch
das Projekt verlässliche Informationen bereitgestellt werden können;
■ die Fragestellung bereits durch einen bestehenden Rechnungslegungsstandard geregelt
wird;
■ das Projekt der Vereinheitlichung der weltweiten Rechnungslegungsstandards dient;
■ ein qualitativ hochwertiger Rechnungslegungsstandard entwickelt werden kann; und
■ das IASB über die erforderlichen Ressourcen zu Bearbeitung des Projektes verfügt.

24 Vgl. IASB DPH.110-112.


25 Vgl. IASB DPH.19-26 und 52-61.
Michael Buschhüter 55
3 §3 Konzeptionelle Grundlagen der IFRS

2) Projektplanung26
Der Projektplan fasst die bis zur Veröffentlichung des IFRS erforderlichen Schritte zusammen.
Der Plan benennt die zu veröffentlichenden Dokumente, zeitliche Vorgaben und den Mitar-
beiterbedarf. Jedem Projekt ist mindestens ein verantwortlicher Mitarbeiter (Project Manager)
zugeordnet. Es kann sich hierbei um einen Mitarbeiter des IASB oder manchmal auch einen
3 Mitarbeiter eines anderen nationalen Rechnungslegungsgremiums handeln. Das IASB berät
normalerweise vierteljährlich, ob sich terminliche Änderungen in seinem Arbeitsprogramm
ergeben. Das Arbeitsprogramm des IASB sowie die Kontaktdaten der für die Projekte zustän-
digen Mitarbeiter können auf der Internetseite des IASB abgerufen werden.
3) Entwicklung und Veröffentlichung eines Diskussionspapieres27
Ein Diskussionspapier ist das erste sog. Due Process Dokument im Standardsetzungsverfah-
ren des IASB. Ein Diskussionspapier umfasst eine umfassende Darstellung des behandelten
Themenkomplexes sowie der möglichen Lösungsansätze. Es kann, muss aber nicht, die vor-
läufige Einschätzung (Preliminary Views) des IASB enthalten. Das Board beschließt über die
Veröffentlichung eines Diskussionspapiers mit einfacher Mehrheit. Alle interessierten Partei-
en sind zur Kommentierung des Diskussionspapiers aufgerufen. Die Kommentierungsfrist
beträgt normalerweise 120 Tage. Das IASB ist nicht in jedem Fall zur Veröffentlichung ei-
nes Diskussionspapiers verpflichtet. Es verzichtet insbesondere bei begrenzten technischen
Überarbeitungen der Standards auf die Veröffentlichung eines Diskussionspapiers, da dies das
Standardsetzungsverfahren wesentlich verkürzt. Das IASB hat seine Beweggründe für einen
solchen Schritt aber öffentlich zu erklären.
4) Entwicklung und Veröffentlichung eines Standardentwurfs28
Die Reaktionen auf das Diskussionspapier bilden die Grundlage für die weiteren Beratungen
des IASB bis zur Veröffentlichung eines Standardentwurfs. Die Beratungen sind zeitintensiv
und dauern nicht selten ein Jahr oder länger. Die Veröffentlichung des Standardentwurfs be-
darf der Zustimmung von mindestens neun Board Mitgliedern. Board Mitglieder, die gegen
den Standardentwurf gestimmt haben, legen ihren Standpunkt im Anhang des Standardent-
wurfs als sog. Alternative View dar. Die Kommentierungsfrist des Standardentwurfs darf 30
Tage nicht unterschreiten und soll sich im Normalfall auf 120 Tage belaufen.
5) Entwicklung und Veröffentlichung eines IFRS29
Die Beratungen zur Verabschiedung des endgültigen IFRS basieren im Wesentlichen auf den
Reaktionen zum Standardentwurf. Zusätzlich kann das IASB interessierte Parteien zur Teil-
nahme an öffentlichen Diskussionsrunden (Round Tables) einladen. Hier erhalten die Teil-
nehmer die Gelegenheit im direkten Gespräch mit Board Mitgliedern ihren Standpunkt zu
den Vorschlägen des IASB zu erklären.
Führen die Beratungen des IASB zu wesentlichen Änderungen der im Standardentwurf vorge-
schlagenen Bilanzierungsgrundsätze, ist die erneute Veröffentlichung eines Standardentwurfs
(Re-Exposure) geboten. Das IASB beachtet die folgenden Kriterien in seiner Re-Exposure
Entscheidung:
■ Wurden im Kommentierungsprozess wesentliche neue Bilanzierungssachverhalte identifi-
ziert, die bislang nicht in den Beratungen des IASB berücksichtigt wurden?

26 Vgl. IASB DPH.27-29 und 62-66.


27 Vgl. IASB DPH.30-37.
28 Vgl. IASB DPH.38-44.
29 Vgl. IASB DPH.45-49.
56 Michael Buschhüter
A. Das Standardsetzungsverfahren 3

■ Welche Bilanzierungssachverhalte wurden in den Board Beratungen berücksichtigt?


■ Hat das Board ein ausreichendes Verständnis der behandelten Bilanzierungssachverhalte
gewinnen können und hat das IASB in ausreichendem Maße die Meinungen interessierter
Parteien eingeholt?
■ Wurden alle unterschiedlichen Standpunkte im Standardentwurf in der gebotenen Aus-
führlichkeit diskutiert? 3
Die Veröffentlichung des endgültigen IFRS setzt die Zustimmung von mindestens neun Board
Mitgliedern voraus. Der IFRS benennt das Datum, an dem er in Kraft tritt und enthält gege-
benenfalls Übergangsvorschriften. Das Datum des Inkrafttretens soll bei größeren Projekten
mindestens ein Jahr nach Veröffentlichung des Standards liegen. Dies entspricht dem Min-
destzeitraum, der für die Übersetzung des Standards in andere Sprachen und die Übernahme
in die nationale Gesetzgebung notwendig ist. Die Board Mitglieder, die gegen die Veröffent-
lichung des Standards gestimmt haben, erhalten Gelegenheit, ihre abweichende Meinung in
einem Anhang darzulegen (Dissenting View).
Seit 2008 veröffentlicht das IASB zeitgleich mit der Veröffentlichung bedeutender Standards
eine Zusammenfassung, wie das IASB auf die Eingaben interessierter Parteien im Standard-
setzungsverfahren reagiert hat (Feedback Statement) und eine Analyse der erwarteten Aus-
wirkungen (Impact Assessment). Die Dokumente wurden erstmals für die Überarbeitung von
IFRS 3 Business Combinations erstellt.
6) Maßnahmen nach Veröffentlichung des IFRS30
Die Tätigkeit des IASB ist nicht mit Veröffentlichung des IFRS abgeschlossen. Das IASB be-
obachtet laufend die Anwendung der von ihm veröffentlichten Standards. Es hat kürzlich vor-
geschlagen, zwei Jahre nach dem Inkrafttreten eines Standards erneut in öffentlicher Sitzung
über Anwendungsschwierigkeiten der Vorschrift zu beraten. Eine solche Überprüfung würde
erstmals 2011 für IFRS 3 Business Combinations erforderlich.

! Praxishinweis:
Der IASB Due Process gibt interessierten Parteien zahlreiche Möglichkeiten, sich am Standardsetzungsverfahren zu beteiligen.
Die wichtigste Möglichkeit der Einflussnahme auf das Standardsetzungsverfahren ist die Einsendung von Kommentierungs-
schreiben an das IASB. Das IASB fordert interessierte Parteien zur Kommentierung seiner Diskussionspapiere und Stan-
dardentwürfe auf. Es nimmt alle eingegangenen Kommentierungsschreiben sehr ernst. Jede Zusendung wird von mindestens
einem Mitarbeiter und einem Board Mitglied des IASB gelesen. Die Zusendungen werden auf der Internetseite des IASB veröf-
fentlicht. Andere Möglichkeiten der Mitwirkung am Standardsetzungsverfahren umfassen unter anderem die Teilnahme an
Round Tables, die Mitarbeit in Arbeitsgruppen des IASB sowie die Teilnahme an Field Visits oder Field Tests.

Das Standardsetzungsverfahren ist aufgrund des umfangreichen Konsultationsverfahrens sehr 15


langsam. Projekte werden nur selten in einem Zeitraum von weniger als zwei Jahren abgeschlos-
sen. Größere Projekte laufen oft über mehr als fünf Jahre. Das IASB bemüht sich durch bessere
Planung und Koordination der Board Sitzungen die durchschnittliche Projektdauer zu verkürzen.
Sollen die Vorschriften des Due Process Handbook eingehalten werden, ist dies aber nur begrenzt
möglich.
Der IASB Due Process ist für kleinere technische Korrekturen der IFRS zu aufwändig. Technische 16
Korrekturen werden daher gesammelt und einmal jährlich im Rahmen des sog. Annual Impro-
vement Projektes vorgenommen. Die technischen Korrekturen werden wie alle anderen Projekte
30 Vgl. IASB DPH.50-51.
Michael Buschhüter 57
3 §3 Konzeptionelle Grundlagen der IFRS

zunächst als Entwurf veröffentlicht. Die Kommentierungsphase ist aber kürzer und beträgt nur
90 Tage. Eingaben für technische Korrekturen können von jeder interessierten Partei gemacht
werden.

3
IV. IFRIC Due Process
17 Das Preface zu den IFRS sieht auch für das IFRIC einen Due Process vor, der bei der Entwicklung
und Veröffentlichung von Interpretationen eingehalten werden muss. Im Februar 2007 hat das
IFRIC ein Due Process Handbook veröffentlicht, das detaillierte Erläuterungen zum Due Process
enthält. Das Due Process Handbook unterteilt den Due Process in die folgenden sieben Phasen:
■ Identifikation eines Interpretationssachverhaltes31
Es gehört zu den Aufgaben der IFRIC-Mitglieder und der offiziellen Beobachter, die Frage-
stellungen zu identifizieren, die interpretationsbedürftig sind. Unabhängig davon dürfen Vor-
schläge für Interpretationssachverhalte aber von allen interessierten Parteien gemacht wer-
den.
■ Entscheidung über die Aufnahme eines Interpretationssachverhaltes in das Arbeitsprogramm des
IFRIC32
Das IFRIC prüft in öffentlicher Sitzung, ob die vorgelegte Fragestellung die Kriterien für eine
Aufnahme in das Arbeitsprogramm des IFRIC erfüllt. Dies sind:
■ die Verbreitung und praktische Bedeutung der Fragestellung;
■ das Vorliegen einer uneinheitlichen Bilanzierungspraxis;
■ der Nutzen einer Vereinheitlichung der Bilanzierungsmethoden für die internationale
Rechnungslegung;
■ die Lösbarkeit des Bilanzierungsproblems mittels Interpretation der bestehenden Rech-
nungslegungsstandards; und
■ die Wahrscheinlichkeit, dass sich das IFRIC zeitnah auf eine Lösung des Bilanzierungspro-
blems einigen kann;
Zusätzlich prüft das IFRIC, ob sich das IASB im Rahmen eines laufenden Standardprojektes
mit einer ähnlichen Fragestellung beschäftigt. Ist dies der Fall, wird der Sachverhalt an das
IASB weitergeleitet.
Das IFRIC entscheidet mit einfacher Stimmrechtsmehrheit darüber, ob ein Interpretations-
vorschlag in das Arbeitsprogramm des IFRIC aufgenommen werden soll. Wird ein Inter-
pretationsvorschlag zurückgewiesen, veröffentlicht das IFRIC eine Begründung (Rejection
Statement), weshalb die Agendakriterien nicht erfüllt sind. Das Rejection Statement kann
innerhalb von dreißig Tagen von interessierten Parteien kommentiert werden. Die Reaktionen
werden während der nächsten IFRIC Sitzung besprochen.
■ IFRIC Sitzungen und Abstimmungen33
Die IFRIC Sitzungen ähneln in ihrem Ablauf denen des IASB. Das IFRIC berät seine Interpre-
tationen in öffentlicher Sitzung. Ausdrückliches Ziel des IFRIC ist die zeitnahe Interpretation
der IFRS. Interpretationssachverhalte sollen daher auf höchstens drei IFRIC Sitzungen beraten

31 Vgl. IFRIC DPH.18-22.


32 Vgl. IFRIC DPH.23-27.
33 Vgl. IFRIC DPH.28-32.
58 Michael Buschhüter
A. Das Standardsetzungsverfahren 3

werden. Zeichnet sich auch nach der dritten Sitzung34 keine Mehrheit für eine Interpretation
des zu beurteilenden Sachverhaltes ab, werden die Beratungen eingestellt und das IASB über
den Sachverhalt informiert. Das IFRIC kann eine Empfehlung an das IASB aussprechen, den
Sachverhalt in das Arbeitsprogramm des IASB aufzunehmen.
■ Entwicklung eines Interpretationsentwurfs35
Das IFRIC stimmt in öffentlicher Sitzung über die Veröffentlichung eines Interpretationsent- 3
wurfs ab. Der Interpretationsentwurf gilt als verabschiedet, wenn nicht mehr als drei stimmbe-
rechtigte IFRIC Mitglieder gegen die Veröffentlichung des Interpretationsentwurfs stimmen.
■ Zustimmung des IASB zum Interpretationsentwurf36
Das IFRIC leitet den Interpretationsentwurf dem IASB zur Einsichtnahme zu. Der Interpre-
tationsentwurf kann nach einer Woche veröffentlicht werden, es sei denn, dass mehr als drei
Board Mitglieder dem Interpretationsentwurf widersprechen. In diesem Fall berät das IASB
über den Interpretationsentwurf in seiner nächsten Sitzung. In der Boardsitzung kann das
IASB entscheiden, die Interpretation zu veröffentlichen, den Sachverhalt an das IFRIC zurück-
zuverweisen oder den Sachverhalt selbst zu beraten.
■ Kommentierungsfrist, Analyse der Kommentierungsschreiben und Abstimmung über die Inter-
pretation37
Alle interessierten Parteien sind zur Kommentierung des Interpretationsentwurfs (Comment
Letter) innerhalb der vorgesehenen Fristen aufgerufen. Die Kommentierungsfrist des Inter-
pretationsentwurfs darf nicht weniger als 60 Tage betragen. Die eingegangenen Kommentie-
rungen werden auf der Internetseite des IASB öffentlich zugänglich gemacht.
Die Analyse der eingegangenen Reaktionen bildet den Ausgangspunkt der sich anschließen-
den IFRIC-Beratungen, an deren Ende die Verabschiedung der endgültigen Interpretation
steht. Es ist aber auch möglich, dass die IFRIC-Beratungen zu so wesentlichen Abweichungen
von dem zuvor veröffentlichten Interpretationsentwurf führen, dass die erneute Veröffentli-
chung eines Interpretationsentwurfs (Re-exposure) geboten erscheint. Im Gegensatz zum Due
Process Handbook des IASB sieht das Due Process Handbook des IFRIC keine detaillierten
Kriterien dafür vor, wann die erneute Veröffentlichung eines Interpretationsentwurfs erfor-
derlich ist.
■ Zustimmung des IASB zur Interpretation38
Das IFRIC leitet dem IASB die endgültige Interpretation zur Ratifizierung zu. Der Veröffent-
lichung der Interpretation müssen mindestens neun Board Mitglieder zustimmen. Wird die
erforderliche Stimmenzahl nicht erreicht, kann das IASB den Interpretationssachverhalt ent-
weder an das IFRIC zurückverweisen, den Sachverhalt in das eigene Arbeitsprogramm auf-
nehmen oder die Beratungen für gescheitert erklären.

34 Ausnahmsweise kann das IFRIC aber entscheiden, den Interpretationssachverhalt auch über die dritte Sitzung hinaus
zu behandeln. Die zusätzliche Beratungszeit beläuft sich in der Regel auf ein oder zwei IFRIC-Sitzungen.
35 Vgl. IFRIC DPH.33-35.
36 Vgl. IFRiC DPH.36-38.
37 Vgl. IFRIC DHP.39-41.
38 Vgl. IFRIC DPH.42-45.
Michael Buschhüter 59
3 §3 Konzeptionelle Grundlagen der IFRS

V. Übernahme in europäisches Recht


18 Das IASB ist eine privatrechtliche Organisation, dessen Standards und Interpretationen nicht
automatisch mit ihrer Verabschiedung rechtsverbindlich sind. Die Verlautbarungen des IASB
müssen daher zunächst in das nationale Recht der Länder übernommen werden, die die IFRS
3 anwenden. Das Anerkennungsverfahren (Endorsement) ist von Land zu Land unterschiedlich
ausgestaltet. Die Europäische Union hat sich für die Übernahme der IFRS im Rahmen des Ko-
mitologie-Verfahrens, d.h. eines vereinfachten Gesetzgebungsverfahrens entschieden. Zuständig
für die Anerkennung der IFRS ist das Accounting Regulatory Committee (ARC), in dem die
Mitgliedstaaten der europäischen Union vertreten sind. Das Vorschlagsrecht für die Anerken-
nung der IFRS liegt bei der Europäischen Kommission. Stimmt das ARC dem Vorschlag der Eu-
ropäischen Kommission zu, schlägt diese dem Europäischen Parlament den betreffenden IFRS als
Verordnungsentwurf vor.39
19 Die Europäische Kommission wird fachlich von der European Financial Reporting Advisory
Group (EFRAG) beraten. EFRAG finanziert sich durch die Beiträge europäischer und interna-
tionaler Organisationen, die ein breites Spektrum an der europäischen Rechnungslegung interes-
sierter Parteien repräsentieren. Die Arbeit von EFRAG wird durch einen 14 Mitglieder zählenden
Aufsichtsrat überwacht, dem fünf weitere Berater zugeordnet sind. Aufsichtsratmitglieder und
Berater stammen aus den finanzierenden Organisationen. Im Zentrum der Facharbeit steht die
15-köpfige Technical Expert Group (TEG). Das deutsche Rechnungslegungsstandards Com-
mittee sowie das englische und französische Rechnungslegungsgremium sind jeweils mit einem
nicht-stimmberechtigten Vertreter in TEG vertreten. Die Mitarbeit ist ehrenamtlich. Die Arbeit
des TEG wird fachlich durch ein Sekretariat unterstützt.
20 EFRAG beobachtet das Standardsetzungsverfahren des IASB und nimmt durch Kommentierungs-
schreiben auf das Standardsetzungsverfahren des IASB Einfluss. Zusätzlich finden in regelmäßi-
gen Abständen Konsultationen zwischen Vertretern des IASB und EFRAG statt. Darüber hinaus
spricht sich EFRAG gegenüber der Europäischen Kommission für oder gegen eine Übernahme
der vom IASB verabschiedeten Standards in europäisches Recht aus. Die Facharbeit des EFRAG
unterliegt, ähnlich der Arbeit des IASB, einem umfangreichen Due Process, der die Mitwirkung
aller interessierten Parteien ermöglichen soll. Zusätzlich hat die Europäische Kommission eine
Prüfgruppe für Standardübernahmeempfehlungen zur Beratung der Kommission hinsichtlich
der Objektivität und Neutralität der von EFRAG abgegebenen Stellungnahmen eingesetzt.
21 EFRAG hat in Zusammenarbeit mit nationalen Rechnungslegungsgremien die Initiative Proac-
tive Accounting Activities in Europe (PAAinE) ins Leben gerufen, die Europa ein größeres Ge-
wicht in der internationalen Rechnungslegung geben sollen. Die Initiative umfasst die folgenden
Projekte:40
Rahmenkonzept der Rechnungslegung (Frankreich)
Eigenkapital/Fremdkapitalabgrenzung (Deutschland)
Pensionen (Vereinigtes Königreich)
Erfolgsermittlung (Spanien, EFRAG)
Umsatzrealisation (Deutschland, EFRAG)41

39 Vgl. Beiersdorf/Bogajeskaja, Accounting 2005, S. 5ff.


40 Die Klammerzusätze geben das jeweils federführende Rechnungslegungsgremium an.
41 Für weitere Informationen zu EFRAG vergleiche: http://www.efrag.org/content/default.asp?id=4103.
60 Michael Buschhüter
A. Das Standardsetzungsverfahren 3

VI. Deutsche Fachgremien


Auf nationaler Ebene beteiligen sich insbesondere das Deutsche Rechnungslegungs Standards 22
Committee e.V. (DRSC) und das Institut der Wirtschaftsprüfer in Deutschland e.V. (IDW) am
Standardsetzungsverfahren. Dies geschieht im Wesentlichen durch die Zusendung von Kommen-
tierungsschreiben an das IASB. Das DRSC ist darüber hinaus auch in die EFRAG-Facharbeit ein- 3
gebunden.42
Beide Gremien veröffentlichen für den deutschen Rechtsraum Interpretationen zur Auslegung 23
der IFRS. Rechnungslegungsinterpretation Nr. 1 des Rechnungslegungs Interpretations Com-
mittee des DRSC enthält Hinweise zur Bilanzierung nach Fristigkeit gemäß IAS 1 Presentation
of Financial Statements. Das IDW hat sich insbesondere in den folgenden Stellungnahmen des
Hauptfachausschusses zur Rechnungslegung nach IFRS geäußert:
■ IDW RS HFA 2: Einzelfragen zur Anwendung von IFRS;
■ IDW RS HFA 3: Bilanzierung von Verpflichtungen aus Altersteilzeitreglungen nach IAS und
nach handelsrechtlichen Vorschriften;
■ IDW RS HFA 9: Einzelfragen zur Bilanzierung von Finanzinstrumenten nach IFRS;
■ IDW RS HFA 16: Bewertungen bei der Abbildung von Unternehmenserwerben und bei Wert-
haltigkeitsprüfungen nach IFRS; und
■ IDW RS HFA 19: Einzelfragen zur erstmaligen Anwendung der International Financial Re-
porting Standards nach IFRS 1.

VII. Ausblick
Die Treuhänder des IASCF haben im Juli einen Entwurf zur Überarbeitung der Satzung veröffent- 24
licht. Die vorgeschlagenen Änderungen sehen eine Vergrößerung des IASB von 14 auf 16 Board
Mitglieder vor. Daneben schlagen die Treuhänder die Einrichtung einer externen Monitoring
Group vor, die künftig die Bestellung neuer Treuhänder überwachen soll. Die Kommentierungs-
frist der vorgeschlagenen Satzungsänderungen endete am 20. September 2008.
EFRAG prüft derzeit eine Neuausrichtung der eigenen Tätigkeit. Ziel der Neuausrichtung ist es, 25
einen stärkeren Beitrag zur Facharbeit des IASB zu leisten. Aus diesem Grund soll die Zahl der
EFRAG Mitarbeiter ausgebaut und die fachliche Zusammenarbeit mit den nationalen Rechnungs-
legungsgremien intensiviert werden. Darüber hinaus sollen die Aufsicht und die Transparenz der
Arbeitsprozesse des EFRAG einer kritischen Überprüfung unterzogen werden.43
Das IDW hat Entwürfe für zwei weitere Stellungnahmen zu den IFRS veröffentlicht. Es handelt 26
sich um:
■ IDW ERS HFA 24: Einzelfragen zu den Angabepflichten des IFRS 7 zu Finanzinstrumenten
■ IDW ERS HFA 25: Einzelfragen zur Bilanzierung von Verträgen über den Kauf oder Verkauf
von nicht-finanziellen Posten nach IAS 3944

42 Zur Facharbeit der beiden Gremien vgl. http://www.standardsetter.de/drsc/news/news.php bzw. http://www.idw.


de/idw/.
43 Vgl. http://www.efrag.org/projects/detail.asp?id=134.
44 Vgl. http://www.idw.de/idw/portal/d302224/index.jsp.
Michael Buschhüter 61
3 §3 Konzeptionelle Grundlagen der IFRS

B. B. Rahmenkonzept
27 Trotz seines schon in der Bezeichnung ausgedrückten Grundlagencharakters wurde das Rahmen-
konzept des IASB erst 1989 verabschiedet, 14 Jahre nachdem der erste Standard veröffentlicht
worden war. Inzwischen besteht wesentlicher Überarbeitungsbedarf. IASB und FASB verfolgen
3 derzeit gemeinsam ein auf mehrere Jahre angelegtes Projekt zur umfassenden Aktualisierung und
Angleichung ihrer Rahmenkonzepte. Die folgenden Ausführungen gehen zunächst von dem be-
ina Schwedler stehenden IFRS-Rahmenkonzept aus; Abschnitt III. geht auf die aktuellen Entwicklungen ein.

I. Einführung

1. Funktion
28 In formaler Hinsicht kann von einem System der Rechnungslegung nach IFRS gesprochen wer-
den, weil ein abgegrenzter Kreis von nach einem festgelegten Verfahren entstandenen Standards
vorhanden ist. In materieller Hinsicht ist mit dem Begriff „System“ jedoch vor allem der Gedanke
an eine inhaltliche Konsistenz zwischen den einzelnen Standards verbunden.
29 Allerdings werden die Rechnungslegungsstandards nach IFRS nicht nach einem von vorneher-
ein alle relevant erscheinenden Bilanzierungsthemen umfassenden Plan entwickelt, aus dem be-
ginnend bei den Zielen der IFRS-Rechnungslegung deduktiv Rechnungslegungsgrundsätze und
Einzelregelungen abgeleitet werden. Die IFRS bilden vielmehr eine sachlich zwischen materiellen
und formellen, grundsätzlichen und spezifischen Fragestellungen wechselnde Folge (siehe §3.A.
Regelwerk des IASB), die sich nach der jeweils wahrgenommenen Dringlichkeit der behandelten
Themen ergeben hat.45
30 Angesichts der großen Detailliertheit der einzelnen Standards besteht bei einem solchen Vorge-
hen grundsätzlich laufend die Gefahr von Überschneidungen und Widersprüchen zwischen Ein-
zelregelungen in verschiedenen Standards. Um trotz der sukzessiven Behandlung verschiedener
Teilfragen die Konsistenz der Regelungen zu fördern und damit wesentliche Folgeprobleme zu
mindern, können zentrale Elemente der Rechnungslegung in einem Rahmenkonzept charakte-
risiert werden. Neben der Unterstützung für den Standardsetzer kann ein bestehendes Rahmen-
konzept auch anderen Interessentengruppen bei der Anwendung, Prüfung und Interpretation der
Einzelstandards helfen.46
31 Das IASB konzentriert sich im Vorwort seines 1989 veröffentlichten Rahmenkonzepts auf den As-
pekt der internationalen Vergleichbarkeit von Abschlüssen und sieht es als geeignet an, den Rah-
men für unterschiedliche, jeweils informationsorientierte Rechnungslegungskonzepte zu bilden.
Mit der inzwischen stark gewachsenen Bedeutung der IFRS, insbesondere der verpflichtenden
Anwendung für die Konzernabschlüsse kapitalmarktorientierter Unternehmen in der Europä-
ischen Union und der Zurücknahme vieler Wahlrechte passen ein so verstandener Entwurf und
die derzeit faktisch verfolgte Konzeption der IFRS nur noch eingeschränkt zueinander.

45 Vgl. hierzu Adler/Düring/Schmaltz, Abschnitt 1, Rn. 17.


46 Zum Framework als Leitlinie für Regelsetzung und Regelanwendung siehe Lüdenbach/Hoffmann (2008), Rn. 1-3. Zur
Verbesserung der Qualität der Rechnungslegung durch ein prinzipienbasiertes Rechnungslegungssystem vgl. ferner
Lüdenbach/Hoffmann (2003).
62 Helga Kampmann/Kristina Schwedler
B. Rahmenkonzept 3

Innerhalb des Rahmenkonzepts selbst werden folgende Zielsetzungen angegeben:47 32


■ das IASB bei der Entwicklung weiterer Standards und der Überarbeitung bestehender Stan-
dards zu unterstützen;
■ ebenfalls zur Unterstützung des IASB inhaltliche Grundlagen im Hinblick auf die Einheitlich-
keit der Bilanzierungsmethoden innerhalb der IFRS zu legen;
■ die nationalen Standardsetter bei der Entwicklung nationaler Rechnungslegungsstandards zu 3
unterstützen;
■ den Bilanzerstellern bei der Anwendung bestehender IFRS und dem Umgang mit noch nicht
geregelten Fragen Hilfestellung zu geben;
■ Abschlussprüfer bei der Beurteilung der IFRS-Konformität von Abschlüssen zu unterstützen;
■ den Adressaten der Rechnungslegung die Interpretation von IFRS-Abschlüssen zu erleich-
tern;
■ alle Interessierten über das Vorgehen bei der Entwicklung neuer IFRS zu informieren.
Zusammenfassend erhebt das Rahmenkonzept damit den Anspruch, Deduktionsbasis für die Ab-
leitung der IFRS sowie für den Schluss von Regelungslücken zu sein.48

2. Status
Das Rahmenkonzept hat nicht den Rang eines Standards; die Regelungen in den Standards sind 33
stets vorrangig gegenüber den Ausführungen im Rahmenkonzept.49
Mit dieser Regelung hat das IASB zum einen eine Handhabung für schon bei Einführung des Rah- 34
menkonzepts bestehende Konfliktfälle vorgegeben, zum anderen Vorsorge getroffen für den Fall
einer Weiterentwicklung auf der Ebene der Standards, die sich von älteren, im Rahmenkonzept
festgeschriebenen Grundsätzen entfernen können – und inzwischen vielfach entfernt haben.
Problematisch ist, dass damit die normative Funktion des Rahmenkonzepts erheblich einge- 35
schränkt wird. Wenn im Zeitablauf entstehende Inkonsistenzen durch Überarbeitung des Rah-
menkonzepts bereinigt werden sollen, erfolgt damit streng genommen eine Anpassung der
Ableitungsbasis an die Einzelstandards; die Normierung wirkt also in umgekehrter Richtung.
Gleichwohl können eine absolute Verbindlichkeit und ein Vorrang des Rahmenkonzepts nicht
befürwortet werden, da die Entwicklung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen häufig eine
Reaktion der Standardsetzer erfordern wird, die bei Aufstellung eines Rahmenkonzepts nicht im
Detail vorausbedacht werden kann.50
Aufgrund der mangelnden Verbindlichkeit des Rahmenkonzepts wurden wesentliche Regelungen 36
aus dem Rahmenkonzept in einzelnen Standards, insbesondere in IAS 1, wiederholt und damit
verbindlich gemacht. Anweisungen zum Vorgehen bei Regelungslücken finden sich in IAS 8.10-
12. Der Rückgriff auf das Rahmenkonzept ist hierbei nachrangig.

47 Vgl. F.1.
48 Zur Bedeutung und praktischen Relevanz des Rahmenkonzepts Schöllhorn/Müller, DStR 2004, 1623.
49 Vgl. F.2.
50 Vor- und Nachteile eines hohen Verbindlichkeitscharakters diskutierend EFRAG (2006), S. 7-11.
Helga Kampmann/Kristina Schwedler 63
3 §3 Konzeptionelle Grundlagen der IFRS

3. Anwendungsbereich
37 Das Rahmenkonzept des IASB findet Anwendung auf gewinnorientierte Unternehmen (for pro-
fit), welche neben dem privaten (private) auch dem öffentlichen Sektor (public sector) angehören
können.51
3 38 Aussagen zur Abgrenzung der berichterstattenden Einheit (reporting entity) sind mit dem Satz
„Ein berichterstattendes Unternehmen ist ein Unternehmen, das Adressaten hat, die sich auf die
Abschlüsse als ihre wichtigste Quelle für Finanzinformationen über das Unternehmen verlassen.“
sehr knapp und allgemein gehalten.52
39 Da zwischen rechtlich eigenständigen Unternehmenseinheiten regelmäßig wirtschaftliche Ver-
flechtungen bestehen, wird ein auf die juristische Einheit ausgerichteter Blickwinkel als zu eng
angesehen und werden sowohl Jahres- als auch Konzernabschlüsse in den Anwendungsbereich
einbezogen.53
40 Ein Abschluss (financial statement) umfasst im Regelfall eine Bilanz, eine Gewinn- und Verlu-
strechnung, eine Kapitalflussrechnung sowie den Anhang. Auch ergänzende Übersichten und
Informationen, wie Finanzinformationen zu Geschäftsfeldern und geographischen Segmenten,
werden zur Jahresberichterstattung (financial statements) gezählt. Nicht zum Anwendungsbe-
reich zählen darüber hinausgehende Informationen, wie Berichte des Geschäftsführungs- und
Aufsichtsorgans oder Analysen des Managements, welche unter den weiter gefassten Begriff Fi-
nanzberichterstattung (financial reporting) fallen.54

II. Inhalt

1. Überblick
41 Die in § 3.B.I.1 erläuterten Ziele versucht das Rahmenkonzept umzusetzen, indem die konzeptio-
nellen Grundlagen der IFRS dargelegt werden.
42 Das Rahmenkonzept behandelt im einzelnen:
■ Zweck, Adressaten und Zielsetzung der Rechnungslegung nach IFRS sowie die Bestandteile
des Abschlusses (F.9-21);
■ zugrundeliegende Annahmen und qualitative Anforderungen an die Rechnungslegung sowie
Beschränkungen (F.22-46);
■ Definitionen wesentlicher Abschlussposten und Ansatzgrundsätze (F.47-98);
■ Bewertungskonzepte, Kapitalerhaltungs- und Gewinnermittlungskonzepte (F.99-110).

51 Siehe F.8.
52 Ebenda.
53 Vgl. F.6.
54 Siehe F.7.
64 Helga Kampmann/Kristina Schwedler
B. Rahmenkonzept 3

2. Einzeldarstellung wesentlicher Inhalte


a) Zweck, Adressaten und Zielsetzung der Rechnungslegung nach
IFRS sowie die Bestandteile des Abschlusses 3
Adressaten und Ziele des Rahmenkonzepts wurden bereits in § 3.B.I.1 angesprochen. Im folgen- 43
den geht es um die Adressaten und Ziele der Rechnungslegung nach IFRS, auf die das Rahmen-
konzept ausführlich eingeht, um die Basis für die weiteren, die Rechnungslegungsregeln konkre-
tisierenden Ausführungen zu legen.
Das Rahmenkonzept beschreibt zunächst die Interessen eines weiten Kreises möglicher Adres- 44
saten – von Investoren, Arbeitnehmern und Kreditgebern bis hin zu Regierungen und der
„Öffentlichkeit“.55 Aus der Überlegung, dass die Investoren, die als Eigenkapitalgeber charakteri-
siert werden, das größte Risiko tragen und daher den umfassendsten Informationsbedarf hätten,
wird dann jedoch eine Ausrichtung der Rechnungslegung vorrangig auf diese Interessentengrup-
pe abgeleitet. Die Informationsbedürfnisse der anderen Interessenten seien mit Bereitstellung aus-
führlicher investororientierter Informationen i.d.R. mit abgedeckt.56 Andere als Informationsziele
werden mit der IFRS-Rechnungslegung nicht verfolgt.
Abschlüsse nach IFRS sollen:57 45
■ Informationen über die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage sowie Veränderungen in der
Vermögens- und Finanzlage eines Unternehmens geben, die den Adressaten für ihre wirt-
schaftlichen Entscheidungen nützlich sind (decision usefulness);
■ eine Beurteilung des Handelns des Managements und dessen Verantwortlichkeit für das ihm
anvertraute Unternehmen (stewardship) ermöglichen.58
Mögliche Konflikte zwischen den Zielsetzungen werden nicht thematisiert. Detaillierte Ausfüh- 46
rungen zur Vermittlung von Informationen über die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage sowie
Veränderungen in der Vermögens- und Finanzlage lassen jedoch vermuten, dass diese im Fokus
stehen.

b) Zugrunde liegende Annahmen, qualitative Anforderungen und


Beschränkungen
Als zugrunde liegende Annahmen benennt das Rahmenkonzept die Grundsätze der Periodenab- 47
grenzung sowie der Unternehmensfortführung, die der periodischen externen Rechnungslegung
auch in anderen Systemen i.d.R. zugrunde gelegt werden. Der Grundsatz der Periodenabgrenzung
stellt auf die Notwendigkeit der Periodisierung von Zahlungen in Abschlüssen für Informations-
zwecke ab.59 Von der Annahme der Unternehmensfortführung ist erst dann abzuweichen, wenn
die Absicht oder Notwendigkeit besteht, das Unternehmen tatsächlich nicht fortzuführen.60

55 So F.9.
56 Siehe F.10.
57 Vgl. F.12, 14.
58 Zur Harmonie oder Disharmonie der Rechnungslegungszwecke Coenenberg/Straub, KoR 2008, 17.
59 Vgl. F.22.
60 Siehe F.23.
Helga Kampmann/Kristina Schwedler 65
3 §3 Konzeptionelle Grundlagen der IFRS

48 Die ausführlicher erläuterten qualitativen Anforderungen werden als Voraussetzungen für die
Entscheidungsnützlichkeit der durch Abschlüsse vermittelten Informationen verstanden. Als
wichtigste qualitative Anforderungen werden Verständlichkeit, Relevanz, Verlässlichkeit und Ver-
gleichbarkeit benannt.61 Diese werden z.T. durch eine Reihe konkretisierender Anforderungen
ergänzt. Daneben werden Beschränkungen genannt.
3 vorrangige qualitative konkretisierende qualitative
Beschränkungen
Anforderungen Anforderungen

Verständlichkeit

Relevanz o Wesentlichkeit Zeitnähe,


Abwägung von Kosten und Nutzen,
Verlässlichkeit o glaubwürdige Darstellung
Abwägung zwischen den
wirtschaftliche Betrachtungsweise qualitativen Anforderungen
Neutralität
Vorsicht
Vollständigkeit

Vergleichbarkeit

49 Im Hinblick auf die Verständlichkeit von Abschlüssen ist von einem sachkundigen Leser aus-
zugehen. Trotz der generellen Forderung nach verständlicher Information dürfen Sachverhalte
nicht deshalb weggelassen werden, weil sie komplex und für bestimmte Anwender ggf. schwer
verständlich sind.62
50 Die Relevanz einer Information ist gegeben, wenn sie geeignet ist, die Entscheidungen des Adres-
saten zu beeinflussen. Diese Wirkung kann sowohl von vergangenheits- wie zukunftsbezogenen
Informationen ausgehen. Vergangenheitsorientierte Daten können Prognosen unterstützen, in-
dem sie Beurteilungen der Vergangenheit bestätigen oder verwerfen.63
51 Die Relevanz einer Information wird als durch ihre Art und Wesentlichkeit bedingt angese-
hen. Wesentlichkeit liegt vor, wenn das Weglassen einer Information die Entscheidungen der
Adressaten beeinflussen kann; die Anforderung der Wesentlichkeit fungiert als „Schwelle oder
Grenzwert“.64
52 Die Anforderung der Verlässlichkeit wird konkretisiert durch eine Reihe untergeordneter quali-
tativer Anforderungen. Glaubwürdigkeit erfordert, dass Abschlussinformationen nichts vorspie-
geln, was nicht besteht. Im Einzelfall sind Probleme der Glaubwürdigkeit auch unter Berücksich-
tigung der Relevanz abzuwägen.65 Der Grundsatz der wirtschaftlichen Betrachtungsweise erfor-
dert, dass auf den wirtschaftlichen Gehalt, nicht primär die rechtliche Form von Transaktionen
berücksichtigt wird. Dies gilt z.B. bei Leasingverträgen, die unabhängig von der Bezeichnung im
Vertrag („Finanzierungsleasing“ oder „Mietleasing“) stets nach in IAS 17 vorgegebenen Kriterien

61 Vgl. F.24.
62 Siehe F.25.
63 Vgl. F.26-28.
64 Vgl. F.29-30.
65 Ausführlich zu diesem Grundsatz Lorson/Gattung, KoR 2007, 657.
66 Helga Kampmann/Kristina Schwedler
B. Rahmenkonzept 3

zu klassifizieren sind. Die Neutralität der Abschlussinformationen ist gewahrt, wenn diese nicht
mit dem Ziel, einen bestimmten Eindruck zu erwecken, Sachverhalte bewusst verzerrt darstel-
len. Der Grundsatz der Vorsicht ist als Prinzip der Bewertungsvorsicht zu verstehen, das eine
Überbewertung von Vermögenswerten und Unterbewertung von Schulden vermeiden soll. Eine
so umfassende Bedeutung mit der Folge erheblicher stiller Reserven wie nach deutschem Han-
delsrecht kommt dem Vorsichtsprinzip im Sinne der IFRS aber nicht zu. Der Grundsatz der
Vollständigkeit verbietet das Weglassen von Informationen, außer in durch Wesentlichkeit oder
3
ein Missverhältnis von Nutzen und Kosten charakterisierten Fällen.66
Die Anforderung der Vergleichbarkeit zielt sowohl auf die Abschlüsse eines Unternehmens im 53
Zeitablauf sowie auf die Abschlüsse verschiedener Unternehmen ab. Hieraus abgeleitet wird die
Anforderung der Stetigkeit der Darstellung, die allerdings – mit Erläuterung – zu durchbrechen
ist, wenn das Festhalten an einer formal stetigen Darstellung den tatsächlichen Verhältnissen
nicht mehr gerecht würde.67
Die erläuterten qualitativen Anforderungen an die Abschlussinformationen sind unter Berück- 54
sichtigung möglicher Beschränkungen umzusetzen. Neben der generellen Abwägung von Nutzen
und Kosten ist zu beachten, dass prinzipiell genauere Informationen an Relevanz verlieren, wenn
sie nicht zeitnah erbracht werden. Auch im Übrigen ist zwischen den verschiedenen Anforderun-
gen jeweils abzuwägen.68
Anders als IAS 1.15 enthält F.46 nicht die Anforderung einer „fair presentation“, sondern sagt 55
lediglich, dass Abschlüsse diese Anforderung häufig verfolgen. Ähnlich wie in IAS 1.15 ist die
Aussage, dass durch Einhaltung der Anforderungen des Rahmenkonzepts sowie der Standards
i.d.R. ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild erreicht werde. Aufgrund dieser
wiederum aus der Entstehungsgeschichte erklärbaren nur losen Umschreibung war es erforder-
lich, die eigentlichen Anforderungen in IAS 1 aufzunehmen.

c) Definitionen und Erfassung von Abschlussposten


Als Abschlussposten nennt das Rahmenkonzept Vermögenswerte, Schulden und Eigenkapi- 56
tal sowie Aufwendungen und Erträge. Vermögenswerte und Schulden werden direkt definiert,
während das Eigenkapital als Residualgröße aus beiden zu verstehen ist.69 Ein Vermögenswert
wird definiert als „Ressource, die auf Grund von Ereignissen der Vergangenheit in der Verfü-
gungsmacht des Unternehmens steht, und von der erwartet wird, dass dem Unternehmen aus ihr
künftiger wirtschaftlicher Nutzen zufließt.“70 Komplementär dazu ist eine Schuld „eine gegenwär-
tige Verpflichtung des Unternehmens, die aus Ereignissen der Vergangenheit entsteht und deren
Erfüllung für das Unternehmen erwartungsgemäß mit einem Abfluss von Ressourcen mit wirt-
schaftlichem Nutzen verbunden ist.“71 Ein Bilanzansatz kommt nicht bereits dann zustande, wenn
ein Sachverhalt die Definition eines Vermögenswerts oder einer Schuld erfüllt, sondern erfordert
zusätzlich die Erfüllung der Ansatzkriterien gemäß F.83. Demnach muss der Nutzenzu- oder -ab-
fluss wahrscheinlich und eine zuverlässige Bewertung des Sachverhalts möglich sein.

66 Siehe F.31-38.
67 Vgl. F.39-42.
68 Vgl. F.43-45.
69 SieheF.49. Ausführlich hierzu Baetge et al. (2007), Rn. 70-85.
70 F.49 (a).
71 F.49. (b).
Helga Kampmann/Kristina Schwedler 67
3 §3 Konzeptionelle Grundlagen der IFRS

57 Aufwendungen und Erträge sind passend zu den Definitionen der Vermögenswerte und Schul-
den definiert als Nutzenab- bzw. -zunahmen, die sich in Wertverminderungen bzw. -steigerungen
von Vermögenswerten oder Wertsteigerungen bzw. -verminderungen Schulden niederschlagen
und zu einer nicht durch einen Transfer mit den Eigenkapitalgebern verursachten Änderung des
Eigenkapitals führen.72
3 58 Für sämtliche Abschlussposten finden sich in einzelnen Standards weitere Anforderungen und
Umschreibungen, die z.T. zu Konflikten mit den Definitionen gemäß Rahmenkonzept führen.73

d) Bewertung der Abschlussposten


59 In nur drei Absätzen74 geht das Rahmenkonzept auf die Bewertung der Posten ein. Es werden zum
Zeitpunkt der Entstehung des Rahmenkonzepts bereits gängige Bewertungsmaßstäbe charakte-
risiert75 und mögliche Anwendungsbereiche skizziert. Inzwischen sind diese knappen Ausfüh-
rungen durch ausführliche Einzelregelungen in den Standards bei weitem überholt worden und
haben allenfalls noch geringe praktische Relevanz, so im Falle von Posten, für die keine explizite
Bewertung in einem Standard vorgeschrieben ist.

e) Kapital- und Kapitalerhaltungskonzepte


60 Abschließend befasst sich das Rahmenkonzept mit Kapital- und Kapitalerhaltungskonzepten.
Hierzu finden sich allgemeine Ausführungen und der Hinweis, dass das IASB nicht beabsichtige,
ein bestimmtes Konzept vorzuschreiben.76

III. Aktuelle Entwicklungen


61 Wie bereits in den vorangegangenen Ausführungen angesprochen, besteht ca. 20 Jahre nach Ver-
abschiedung des Rahmenkonzepts des IASB wesentlicher Überarbeitungsbedarf. Auch wird in-
nerhalb der Konvergenzbestrebungen von IASB und FASB eine vereinheitlichte Ableitungsbasis
für die künftige Standardentwicklung angestrebt. Entsprechend findet sich auf der Agenda des
Standardsetzers ein auf mehrere Jahre angelegtes Gemeinschaftsprojekt zur Überarbeitung des
Rahmenkonzepts.77
62 Nicht vorgesehen ist eine grundsätzliche Neukonzeption. Aufbauend auf den bestehenden Rah-
menkonzepten des IASB und FASB sollen aufgrund veränderter ökonomischer Rahmenbedingun-
gen erforderliche Anpassungen vorgenommen sowie bestehende Lücken geschlossen werden.
63 Das Projekt wird in acht Phasen durchgeführt:
■ Phase A thematisiert die Zielsetzung der Finanzberichterstattung sowie qualitative Anforde-
rungen an entscheidungsnützliche Informationen.
72 Siehe F.70. Ansätze der materiellen Ausfüllung dieser zunächst nur formalen Definition von Aufwendungen und
Erträgen folgen in den Absätzen F.74-80.
73 Beispielhaft sei verwiesen auf die Passivierungspflicht von Eventualschulden im Rahmen eines Unternehmenserwerbs
gem. IFRS 3.
74 Siehe F.99-101.
75 Kommentierend hierzu Baetge et al. (2007), Rn.155-171.
76 Vgl. F.102-110. Vgl. ferner Baetge et al. (2007), Rn. 182-188.
77 Siehe hierzu den Arbeitsplan des IASB, abrufbar unter http://www.iasb.org/Current+Projects/IASB+Projects/
IASB+Work+Plan.htm, sowie die entsprechende Projektbeschreibung, einsehbar unter http://www.iasb.org/
Current+Projects/IASB+Projects/Conceptual+Framework/Conceptual+Framework.htm.
68 Helga Kampmann/Kristina Schwedler
B. Rahmenkonzept 3

■ Phase B trägt den Titel „Abschlussposten und Bilanzansatz“. Die Definition wesentlicher Rech-
nungslegungsbegriffe, wie z.B. Vermögenswerte und Schulden sowie Aufwand und Ertrag, ist
Gegenstand dieser Projektphase.
■ Im Rahmen von Phase C soll der bisher geringe Aussagegehalt zur Bewertungskonzeption der
IFRS durch eine umfassende Identifizierung und Evaluierung bilanzieller Bewertungsmaßstä-
be verbessert werden. 3
■ Gegenstandsbereiche der Phase D sind die Abgrenzung des Begriffs „Berichterstattende Ein-
heit“ (reporting entity) und Aussagen zur Zusammensetzung einer Konzernberichtseinheit
(group reporting entity).
■ Phase E befasst sich mit Fragen der Darstellung und Offenlegung sowie prinzipiell mit den
Grenzen der Unternehmensberichterstattung im Rahmen der externen Rechnungslegung.
■ Zielsetzung und Status eines Rahmenkonzepts bilden den Gegenstand der Phase F.
■ Innerhalb von Phase G soll geprüft werden, ob die Grundsätze und Prinzipien auf die Bericht-
erstattung nicht-gewinnorientierter Unternehmen übertragbar sind.
■ Die letzte Projektphase H soll einer inhaltlichen Endabstimmung der aus den einzelnen Pha-
sen resultierenden Ergebnisse dienen.
Es wird nicht streng gemäß der oben angegebenen Reihenfolge vorgegangen. Inhalten, die zu einer 64
zeitnahen Klärung aktueller Bilanzierungsfragen beitragen, wird Priorität eingeräumt. Gleichzei-
tig bearbeitet werden gegenwärtig die Projektphasen A-D.78
Schon jetzt ist absehbar, dass für die Implementierung des neuen Rahmenkonzepts verschiede- 65
ne Abgrenzungs- und Übergangsfragen geklärt werden müssen. Mit der Einführung des neuen
Konzepts werden Inkonsistenzen im Verhältnis zu den auf Basis des aktuellen Rahmenkonzepts
abgeleiteten Standards relevant. Die Bereinigung der Inkonsistenzen – wobei nicht gesagt ist,
dass allein die Abweichung zwischen Standards und neuem Rahmenkonzept einen Anlass für die
Überarbeitung von Standards darstellen wird – würde weitere Jahre beanspruchen, in denen der
gewünschte Zustand eines insgesamt konsistenten Systems der IFRS weiterhin nicht erreicht ist.
Es zeichnet sich ab, dass ein derartiger Zustand ohnehin mehr als ideale Zielvorstellung, die in der
Tendenz verfolgt wird, denn als real zu erreichendes Gestaltungsziel zu verstehen ist.
Zwischenergebnisse des Projekts stellten folgende im Mai 2008 veröffentlichte Konsultationspa- 66
piere (Due-Process-Dokumente) dar:
■ zu Projektphase A der Standardentwurf (Exposure Draft) “An improved Conceptual Framework
for Financial Reporting: Chapter 1: The Objective of Financial Reporting, Chapter 2: Qualita-
tive Characteristics and Constraints of Decision-useful Financial Reporting Information”, dem
das im Juli 2006 veröffentlichte Diskussionspapier „Preliminary Views on an improved Con-
ceptual Framework for Financial Reporting: The Objective of Financial Reporting and Qualita-
tive Characteristics of Decision-useful Financial Information” vorangegangen war;79
■ zu Projektphase D das Diskussionspapier “Preliminary Views on an improved Conceptual
Framework for Financial Reporting: The Reporting Entity“.
In Form von weiteren Diskussionspapieren und darauf aufbauenden Standardentwürfen sol- 67
len weitere Änderungen und Ergänzungen des Rahmenkonzepts öffentlich zur Diskussion ge-
stellt werden und nachfolgend kapitelweise verabschiedet werden. Arbeitsergebnisse zeitlich

78 Zum Projektverlauf Kampmann/Schwedler, KoR 2006, S. 521-522.


79 Das Diskussionspapier würdigend Kampmann/Schwedler, KoR 2006, S. 521; Zülch/Gebhardt, KoR 2007, S. 254.
Helga Kampmann/Kristina Schwedler 69
3 §3 Konzeptionelle Grundlagen der IFRS

nachgelagerter Projektphasen können Folgeänderungen in bereits abgeschlossenen Kapiteln aus-


lösen, womit inhaltlichen Verknüpfungen (sog. cross cutting issues) Rechnung getragen werden
soll. Mit einem Abschluss des Gesamtprojektes ist erst nach den Jahr 2010 zu rechnen.

3
C. C. Wertkonzeptionen
68 Wie im Handelsbilanz- und Steuerrecht sind auch nach IFRS die Anschaffungs-/Herstellungs-
kosten der prinzipiell zugrundezulegende Bewertungsgrundsatz für die Zugangs- und Folgebe-
wertung von Vermögenswerten und Schulden. Daneben führen die IFRS jedoch weitere Wert-
konzeptionen ein, die eine realitätsnähere Bewertung erlauben sollen. Hierzu gehört der so ge-
nannte beizulegende Zeitwert (fair value), der erzielbare Betrag (recoverable amount) und der
Nettoveräußerungswert (net realisable value). Die Regelungen zur fair value-Bilanzierung sind
bislang über die einzelnen Standards verteilt, teilweise inkonsistent und uneinheitlich. Eine Ver-
einheitlichung ist im Rahmen des Fair Value Measurement Projects des IASB intendiert, in dem
die US-amerikanischen Regelungen des SFAS 157 aufgegriffen und zur Diskussion und Kommen-
Christian Back tierung bis zum 4.5.2007 veröffentlicht wurden.80

I. Anschaffungs- und Herstellungskosten


69 Der Begriff der Anschaffungs-/Herstellungskosten wird von den jeweiligen Standards leicht modifi-
ziert genutzt. Grundsätzlich zählen zu den Anschaffungs-/Herstellungskosten alle Kosten des Er-
werbs und der Herstellung. IAS 2.10 Vorräte spezifiziert, dass auch sonstige Kosten einzubeziehen
sind, die anfallen, „um die Vorräte an ihren derzeitigen Ort und in ihren derzeitigen Zustand zu
versetzen“. Hierzu zählen im Unterschied zu den handelsrechtlichen Regelungen auch Gemein-
kosten, die dem Anschaffungsvorgang direkt zurechenbar sind.81 IAS 2.11 verdeutlicht, dass Skonti,
Rabatte etc. mindernd zu berücksichtigen sind, so dass sich hier keine Abweichung zum Handels- und
Steuerrecht ergibt.
70 Eine Ausweitung des Aktivierungszeitraums und des Umfangs der Anschaffungs-/Herstellungs-
kosten gegenüber den handels- und steuerrechtlichen Regelungen sieht IAS 16.16 lit. c) Property,
Plant and Equipment vor, da „die erstmalig geschätzten Kosten für den Abbruch und das Ab-
räumen des Gegenstandes und die Wiederherstellung des Standortes, an dem er sich befindet“
einzubeziehen sind, wenn das Unternehmen eine entsprechende Verpflichtung bei Erwerb des
Gegenstandes eingeht oder diese sich als Folge einer Nutzung ergibt, die nicht nur der Herstellung
von Vorräten dient. Das bedeutet, dass die zuvor genannten Aufwendungen unabhängig vom
Zeitraum ihres Anfalls in die Anschaffungs-/Herstellungskosten einzubeziehen sind.82 Als Folge
kann eine sonstige Rückstellung zu bilden sein, womit eine aus der Rückstellungsbilanzierung bekann-
te Unsicherheit Eingang in die Ermittlung der Anschaffungs-/Herstellungskosten erhält.83 Betroffen
sind bspw. Rekultivierungsmaßnahmen, zu denen sich das Unternehmen verpflichtet hat, Maßnah-
men zum Abbruch von Mietereinbauten, zum Abriss von Maschinen oder Wiederaufforstungsver-
pflichtungen.84

80 Vgl. Böcking/Dreisbach/Gros, Der Konzern 2008, 208f.


81 Vgl. IAS 2.15, 16.16 b), 38.27 b); vgl. ADS International, Abschn. 8, Rn 299 und Abschn. 9, Rn 191.
82 Vgl. Küting/Ranker, KoR 2007, 193.
83 Vgl. Küting/Ranker, KoR 2007, 195.
84 Vgl. Küting/Ranker, KoR 2007, 193.
70 Helga Kampmann/Kristina Schwedler/Jörg Maas/Christian Back
C. Wertkonzeptionen 3

Die Regelungen des IAS 16.6 lit. c) sind unabhängig davon, welches Modell für die Folgebewer- 71
tung des Sachanlagevermögens gewählt wird (Anschaffungskostenmodell vs. Neubewertungsmo-
dell) und gelten auch implizit für IAS 40 Investment Properties.85
Hinsichtlich des Umfangs der Herstellungskosten sieht IAS 2.12 vor, dass alle direkt zuzurechnen- 72
den Kosten sowie fixe und variable Produktionsgemeinkosten aktivierungspflichtig sind. Bei-
spielhaft werden Abschreibungen und Instandhaltungskosten, Kosten des Managements und der 3
Verwaltung sowie Material- und Fertigungsgemeinkosten aufgezählt. Insofern gelten die handels-
und steuerrechtlichen Wahlrechte zur Einbeziehung von Gemeinkosten nicht.86 Eine Einbezie-
hung nicht-produktionsbezogener Gemeinkosten, wie sie nach den handels- und steuerrechtlichen
Regelungen möglich ist, lassen die IFRS jedoch nicht zu. Das Aktivierungsverbot von Vertriebskosten
ergibt sich aus der Definition der Herstellungskosten und ist damit analog zum Handels- und Steuer-
recht geregelt.87 Dies gilt auch für die Behandlung von Fremdkapitalkosten88, die nach IFRS grundsätz-
lich als Aufwand zu erfassen sind.89

II. Beizulegender Zeitwert Jörg Maas/Chr

1. Grundlagen
Der beizulegende Zeitwert soll eine realitätsnahe Bewertung von Vermögenswerten und Schulden 73
ermöglichen. Die Grundidee ist, dass ein objektiver Marktwert ermittelt werden soll, in dem sich
keine unternehmensspezifischen, subjektiven Gegebenheiten und Wertvorstellungen widerspie-
geln. Die IFRS geben keine zentrale Auslegung des Begriffs, sondern führen diesen in den jeweili-
gen Standards aus. Als Ausgangsbasis wird der beizulegende Zeitwert definiert als „der Betrag, zu
dem ein Vermögenswert zwischen sachverständigen, vertragswilligen und voneinander unabhän-
gigen Geschäftspartnern getauscht werden könnte.“ 90
Die hauptsächlichen Anwendungsgebiete des beizulegenden Zeitwerts sind: 74
■ Bewertung von Auftragserlösen für die Aktivierung von Fertigungsaufträgen gemäß IAS 11
Construction Contracts;91
■ Erwerb von Sachanlagevermögen bzw. von immateriellen Vermögenswerten im Tausch gegen
nicht monetäre Vermögenswerte;92
■ Bewertung gemäß dem Neubewertungsmodell im Rahmen der Folgebewertung beim Sachanlage-
vermögen bzw. bei immateriellen Vermögenswerten;93
■ Klassifizierung von Leasingverhältnissen gemäß IAS 17 Leases;94
■ Bilanzierung nicht monetärer Zuwendungen der öffentlichen Hand;95

85 Vgl. Küting/Ranker, KoR 2007, 194.


86 Vgl. § 255 Abs. 2 S. 3 bis S. 5 HGB und EStR R 6.3 Abs. 4f.
87 Vgl. § 255 Abs. 2 S. 6 HGB.
88 Vgl. § 255 Abs. 3 HGB und EStR H 6.3 „Geldbeschaffungskosten“.
89 Vgl. IAS 2.17, IAS 23.10 und IAS 23.11.
90 Siehe IAS 16.6, IAS 17.4, IAS 18.7, IAS 19.7, IAS 21.8, IAS 32.11, IAS 37.8, IAS 39.9 etc.
91 Vgl. IAS 11.12.
92 Vgl. IAS 16.24 und IAS 38.45.
93 Vgl. IAS 16.31 und IAS 38.75.
94 Vgl. IAS 17.10f.
95 Übliches Bilanzierungsverfahren gemäß IAS 20.23.
Jörg Maas/Christian Back 71
3 §3 Konzeptionelle Grundlagen der IFRS

■ Bewertung von Kapitalanlagen des Altersversorgungsplanes gemäß IAS 26 Accounting and


Reporting by Retirement Benefits;96
■ Bilanzierung der bei einem Unternehmenszusammenschluss erworbenen Vermögenswerte
und Schulden gemäß IFRS 3 Business Combinations;97
■ Bilanzierung von finanziellen Vermögenswerten oder finanziellen Verbindlichkeiten, die „als
3 erfolgswirksam zum beizulegendem Zeitwert bewertet“ eingestuft sind;98
■ Bilanzierung von zur Veräußerung verfügbaren finanziellen Vermögenswerten;
■ Bewertung der Güter und Dienstleistungen, die ein Unternehmen im Austausch für seine Ei-
genkapitalinstrumente erhält.99
75 Die jeweiligen IFRS sehen ein Stufenkonzept zur Ermittlung des beizulegenden Zeitwerts vor.
Seiner Konzeption als Marktwert entsprechend soll als erstes auf einen Preis zurückgegriffen
werden, der sich aus einem aktiven Markt ablesen lässt (marktpreisorientierte Verfahren; market
approach). Der aktive Markt ist idealtypisch als ein Markt definiert, „der die nachstehenden Be-
dingungen kumulativ erfüllt:
(a) die auf dem Markt gehandelten Produkte sind homogen;
(b) vertragswillige Käufer und Verkäufer können in der Regel jederzeit gefunden werden; und
(c) Preise stehen der Öffentlichkeit zur Verfügung.“ 100
76 Nur wenn sich der beizulegende Zeitwert nicht bzw. nicht verlässlich aus einem aktiven Markt
für den Vermögenswert bzw. für ein vergleichbares Objekt ablesen lässt, darf eine anderweitige
Ermittlung vorgenommen werden.

2. Zeitwertermittlung bei aktivem Markt


77 Im Folgenden erfolgt eine exemplarische Darstellung der Wertkonzeption des beizulegenden
Zeitwerts bei Vorliegen eines aktiven Markts in der idealtypischen Konstellation.

a) Sachanlagevermögen
78 Für die Folgebewertung von Sachanlagevermögen räumt IAS 16 eine Wahlmöglichkeit zwischen
dem Anschaffungskostenmodell und dem Neubewertungsmodell ein.
79 Soll der beizulegende Zeitwert im Rahmen der Neubewertung von Grundstücken und/oder Ge-
bäuden bestimmt werden, sieht IAS 16.32 vor, dass Marktdaten zugrunde gelegt werden sollen.
Das bedeutet, dass ein Kaufvertrag bzw. ein Kaufangebot, das wie zwischen sachverständigen und
unabhängigen Geschäftspartnern zustande gekommen ist, zugrunde gelegt werden kann. Zuläs-
sig sind aber auch anderweitige Marktdaten von bereits erfolgten Transaktionen vergleichbarer
Immobilien. In Notverkäufen erzielte Preise gelten als nicht repräsentativ und dürfen daher nicht
zugrunde gelegt werden. Nach IDW können zur Ermittlung des Bodenwerts für in Deutschland
gelegene Grundstücke anstelle von Preisen für Vergleichsgrundstücke auch Bodenrichtwerte her-
96 Vgl. IAS 26.32f.
97 Vgl. IFRS 3.36.
98 Diese Kategorie enthält einerseits zu Handelszwecken gehaltene finanzielle Vermögenswerte/Verbindlichkeiten und
andererseits freiwillig als erfolgswirksam zum beizulegenden Zeitwert bewertete finanzielle Vermögenswerte/Ver-
bindlichkeiten, wenn hierdurch relevantere Informationen vermittelt werden, vgl. IAS 39.9 sowie IAS 39.AG4B.
99 Vgl. IFRS 2.12f.
100 Siehe IAS 36.6, IAS 37.8.
72 Jörg Maas/Christian Back
C. Wertkonzeptionen 3

angezogen werden, die von Gutachterausschüssen ermittelt wurden (mittelbarer Preisvergleich).101


Das Einholen von Berechnungen hauptamtlicher Gutachter wird gemäß IAS 16.32 zwar empfohlen,
ist jedoch nicht zwingend.
Wird der fair value von technischen Anlagen oder Betriebs- und Geschäftsausstattung im Rahmen 80
des Neubewertungsmodells bestimmt, ist der Marktwert gemäß IAS 16.32 i.d.R. durch Schät-
zungen zu ermitteln. Handelt es sich bei dem Bewertungsobjekt um homogene, handelsübliche 3
und neuwertige Güter wie typischerweise Hardware, ist die Wertermittlung relativ unproblema-
tisch. Ist das Gut jedoch selbst hergestellt oder auf das Unternehmen stark zugeschnitten, wird es
schwierig, vergleichbare Daten zu erhalten. So sieht IAS 16.33 vor, dass der beizulegende Zeitwert
einer speziellen Anlage, die selten einzeln (d.h. außerhalb des Verkaufs eines Geschäftsbereiches)
gehandelt wird, unter Anwendung eines Ertragswertverfahrens oder nach der abgeschriebenen
Wiederbeschaffungskostenmethode (depreciated replacement cost approach)102 zu schätzen ist.
Auch bei handelsüblichen, jedoch bereits gebrauchten Vermögenswerten – die den Regelfall darstellen
– werden sich häufig keine direkten Vergleichswerte finden lassen; ausgenommen hiervon sind beson-
ders häufig gehandelte, standardisierte Objekte wie bspw. gebrauchte Pkws oder Lkws. Schrottmarkt-
werte sind i.d.R. nicht nutzungsadäquat und daher nicht repräsentativ. 103

b) Immaterielle Vermögenswerte
Wie beim Sachanlagevermögen steht gemäß IAS 38.72 für die Folgebewertung von immateriellen 81
Vermögenswerten das Anschaffungskosten- oder Neubewertungsmodell zur Auswahl. Kommt
das Neubewertungsmodell zum Tragen, ist der beizulegende Zeitwert zu bestimmen.
IAS 38.78 nimmt vorweg, dass ein aktiver Markt für immaterielle Vermögenswerte normaler- 82
weise nicht existiert. Mögliche Ausnahmebeispiele sieht er in frei übertragbaren Taxilizenzen,
Fischereilizenzen und Produktionsquoten. Gleichzeitig wird ein aktiver Markt für Markennamen,
Drucktitel bei Zeitungen, Musik- und Filmverlagsrechte, Patente oder Warenzeichen aufgrund
ihrer Einzigartigkeit ausgeschlossen.
Falls kein aktiver Markt für einen immateriellen Vermögenswert existiert, ist dieser gemäß 83
IAS 38.91 zwangsweise mit seinen Anschaffungs-/Herstellungskosten abzüglich aller kumulierten
Abschreibungen und Wertminderungsaufwendungen anzusetzen. Andere Bewertungsverfahren
sind ausgeschlossen.

c) Wertminderung
IAS 36 Impairment of Assets soll sicherstellen, dass ein Vermögenswert nicht höher als mit seinem 84
erzielbaren Betrag bewertet ist.104
Ist ein Vermögenswert, auf den IAS 36 anzuwenden ist105, einem Wertminderungstest zu unterwer- 85
fen, ist der erzielbare Betrag mit dem Buchwert des Vermögenswertes zu vergleichen. Der erzielbare
Betrag ist definiert als der höhere „der beiden Beträge aus dem beizulegendem Zeitwert abzüglich der
Verkaufskosten und [dem] Nutzungswert eines Vermögenswertes“106. Sollte folglich der Nutzungswert

101 Vgl. IDW RS HFA 16, Rn 66.


102 Wiederbeschaffungskosten gemindert um alters- und zustandsgerechte Wertminderungen.
103 Vgl. Küting/Trappmann/Ranker, DB 2007, 1713ff.
104 Vgl. IAS 36.1.
105 Vgl. IAS 36.2.
106 Siehe IAS 36.18.
Jörg Maas/Christian Back 73
3 §3 Konzeptionelle Grundlagen der IFRS

unter dem Buchwert des Vermögenswertes liegen, ist für Zwecke des impairment tests der beizulegen-
de Zeitwert zu bestimmen, um festzustellen, ob dieser ebenfalls unter dem Buchwert liegt.107
86 Anders als bei der regulären Folgebewertung nach dem Neubewertungsmodell sind bei der Er-
mittlung des beizulegenden Zeitwerts für Zwecke des Wertminderungstests von dem am Markt
ermittelten Wert Verkaufskosten abzuziehen (fair value less costs to sell). Diese sind in IAS 36.6
3 als „zusätzliche Kosten, die dem Verkauf eines Vermögenswertes oder einer zahlungsmittelge-
nerierenden Einheit direkt zugeordnet werden können, mit Ausnahme der Finanzierungskosten
und des Ertragsteueraufwands“ definiert. IAS 36.28 führt hier beispielhaft „Gerichts- und An-
waltskosten, Börsenumsatzsteuern und ähnliche Transaktionssteuern, die Aufwendungen für die
Beseitigung des Vermögenswertes und die direkt zurechenbaren zusätzlichen Aufwendungen, um
den Vermögenswert in den entsprechenden Zustand für seinen Verkauf zu versetzen“ an. „Lei-
stungen aus Anlass der Beendigung des Arbeitsverhältnisses […] und Aufwendungen, die mit der
Verringerung oder Reorganisation eines Geschäftsbereichs nach dem Verkauf des Vermögens-
wertes verbunden sind“ dürfen nach IAS 36.28 nicht abgezogen werden.
87 Als bestmöglichen Hinweis für den fair value sieht auch IAS 36.25 einen bereits bestehenden
Verkaufsvertrag. Falls dieser nicht vorliegt, soll auf den aktuellen Angebotspreis des aktiven
Marktes für dieses Gut abzüglich der Verkaufskosten zurückgegriffen werden. Liegen keine ak-
tuellen Marktpreise vor, ist der Preis der jüngsten Transaktion des Vermögenswertes abzüglich
der Verkaufskosten heranzuziehen, sofern sich zwischen dem Zeitpunkt der Transaktion und
dem Bewertungszeitpunkt die wirtschaftlichen Verhältnisse nicht signifikant geändert haben. Ist
auch dies nicht möglich, soll nach IAS 36.27 der beizulegende Zeitwert abzüglich Verkaufskosten
bestmöglich aus dem Ergebnis jüngster Transaktionen für ähnliche Vermögenswerte innerhalb
derselben Branche abgeleitet werden. An die Vergleichsobjekte ist die Anforderung zu stellen,
dass sie „in den wesentlichen wertrelevanten Eigenschaften weitestgehend identisch mit dem
Bewertungsobjekt“108 sind. Zudem ist der Preis der herangezogenen Transaktionen „ggf. um spezielle
Marktgegebenheiten und käuferspezifische Motive zu bereinigen, bevor eine Übertragung auf das Be-
wertungsobjekt erfolgen kann“109. Laut IAS 36.27 dürfen Ergebnisse von Zwangsverkäufen hierbei nur
berücksichtigt werden, wenn das Management zum sofortigen Verkauf gezwungen ist.

d) Erträge
88 IAS 18 Erträge sieht in Paragraph 9 vor, dass Erträge zum beizulegenden Zeitwert der zu erhalten-
den Gegenleistung zu bemessen sind. Gemäß IAS 18.10 ist dies regelmäßig das vertraglich festge-
legte Entgelt abzüglich gewährter Preisnachlässe und Rabatte. Sofern sich jedoch der Zufluss der
Gegenleistung zeitlich verzögert, kann deren beizulegender Zeitwert gemäß IAS 18.11 unter dem
Nominalwert liegen. Eine Abzinsung der zu erhaltenden Gegenleistung mit einem kalkulatori-
schen Zinssatz ist vorzunehmen, wenn die Vereinbarung tatsächlich einen Finanzierungsvorgang
darstellt.

107 Vgl. IAS 36.19.


108 Siehe IDW RS HFA 16, Rn 22.
109 Siehe IDW RS HFA 16, Rn 22.
74 Jörg Maas/Christian Back
C. Wertkonzeptionen 3

3. Zeitwertermittlung ohne Rückgriff auf aktive Märkte

a) Bewertungsgrundlagen
Die IFRS geben keine zentrale Vorgehensweise zur Ermittlung des beizulegenden Zeitwerts vor, 89 3
wenn ein Rückgriff auf einen aktiven Markt für den Vermögenswert oder für ein vergleichbares
Objekt nicht möglich ist. Die anzuwendenden Bewertungsverfahren unterscheiden sich nach dem
jeweiligen Kontext und dem anzuwendenden Standard110:
■ IAS 16.33 bei Anwendung des Neubewertungsmodells für Sachanlagevermögen:
Ertragswertverfahren oder abgeschriebene Wiederbeschaffungskostenmethode
■ IAS 19.102 Employees Benefits:
Schätzung, z.B. anhand eines DCF-Verfahrens (discounted cash flow)
■ IAS 26.32 Accounting and Reporting by Retirement Benefit Plans:
Schätzung
■ IAS 38.81 bei Anwendung des Neubewertungsmodells für immaterielle Vermögenswerte:
Bewertung zu fortgeführten Anschaffungs-/Herstellungskosten abzüglich Wertminderungs-
aufwendungen
■ IAS 39.48A für Finanzinstrumente:
Bewertung anhand von DCF-Verfahren und Optionspreismodellen
■ IAS 40.46 für als Finanzinvestition gehaltene Immobilien:
Informationen verschiedenster Quellen inklusive diskontierter Cashflow-Prognosen, kosten-
orientierte Bewertungsverfahren sind jedoch nicht zulässig111
■ IAS 41.20 Agriculture:
Barwert der erwarteten Netto-Cashflows eines Vermögenswertes abgezinst mit einem aktuel-
len marktbestimmten Vorsteuer-Zinssatz
■ IFRS 2.17 Share-based Payments:
Bewertungsmethode, die den allgemein anerkannten Bewertungsverfahren zur Ermittlung
der Preise von Finanzinstrumenten entspricht.
IAS 2 enthält keine Regelungen zur Ermittlung des beizulegenden Zeitwerts (weder bei vorhan- 90
denem, noch bei fehlendem aktivem Markt). IAS 36 spezifiziert die Ableitung des beizulegenden
Zeitwerts aus aktiven Märkten (siehe Rn 17 bis 20), äußert sich jedoch nicht zur Vorgehensweise
bei fehlendem Rückgriff auf den aktiven Markt eines Vermögenswertes oder eines vergleichbaren
Objekts112.

110 Für einen weitergehenden Vergleich vgl. Löw/Antonakopoulos/Weiland, WPg 2007, 739f.
111 Vgl. ADS International, Abschn. 10, Rn 148.
112 Vgl. Lüdenbach/Freiberg, KoR 2006, 438f. IAS 36.27 schließt mit den jüngsten Transaktionen vergleichbarer Vermö-
genswerte ab und geht nicht darüber hinaus; während die Regelungen in IAS 36.30 bis 36.57 sich auf die Ermittlung
des Nutzungswerts (und nicht des beizulegenden Zeitwerts) beziehen.
Jörg Maas/Christian Back 75
3 §3 Konzeptionelle Grundlagen der IFRS

b) Anzuwendende Bewertungsmethoden
91 Soll entsprechend der zuvor genannten Regelungen ein kapitalwertorientiertes Verfahren (inco-
me approach) zur Anwendung kommen, stehen laut IDW grundsätzlich die folgenden Barwert-
methoden zur Verfügung:
3 ■ Methode der unmittelbaren cash flow-Prognose
■ Methode der Lizenzpreisanalogie (relief-from-royalty method)
■ Residualwertmethode (multi-period excess earnings method)
■ Mehrgewinnmethode (incremental cash flow method).113
92 Um der Konzeption des beizulegenden Zeitwerts als objektiver Marktpreis zu genügen, sind bei
der Barwertermittlung keine unternehmensspezifischen Gegebenheiten zu berücksichtigen –
weder aus Sicht des nutzenden Unternehmens, noch aus Sicht eines konkreten Erwerbers.114 Der
beizulegende Zeitwert eines Vermögenswerts, der im nutzenden Unternehmen keine cash flows gene-
riert, bestimmt sich dann über die cash flows, die er objektiv am Markt generieren könnte. Damit löst
sich die Bewertungskonzeption von der individuellen Verwendung des Vermögenswertes und stellt
auf die Verwendung durch einen anonymen Marktteilnehmer ab. 115 Generiert ein Vermögenswert
cash flows, so ist sicherzustellen, dass bei der Berechnung des beizulegenden Zeitwerts nicht die
tatsächlichen, sondern „die auf dem Markt erzielbaren cash flows“116 verwendet werden. Bei Im-
mobilien ist bspw. „von einer für die jeweilige Immobilie typischen Nutzung unter standortbezogenen
Marktbedingungen auszugehen“117.
93 Wird ein kostenorientiertes Verfahren (cost approach) angewendet, ist die Reproduktionsko-
stenmethode oder die Wiederbeschaffungskostenmethode möglich (jeweils unter Berücksich-
tigung von alters- und zustandsgerechten Abschreibungen). Die Reproduktionskostenmethode
stellt auf Kosten ab, die notwendig sind, um ein exaktes Duplikat des Vermögenswertes herzu-
stellen. Die Wiederbeschaffungskostenmethode gibt die Kosten für die Herstellung/Beschaffung
eines im Nutzungspotenzial vergleichbaren (nutzenäquivalenten) Vermögenswerts an.118 Dabei
kann der Wiederbeschaffungswert ggf. auch über eine Indexierung der historischen Zugangswerte er-
mittelt werden, die die Preisentwicklung für den entsprechenden Vermögenswert widerspiegelt. Der
verwendete Index muss jedoch für den Markt des Vermögenswertes repräsentativ sein. Ein gesamt-
wirtschaftlicher Preisindex wird dieses Kriterium nicht erfüllen, da bspw. der Markt für Maschinen
anderen Einflussfaktoren unterliegt als der des allgemeinen Warenkorbs.119

113 Vgl. IDW RS HFA 16, Rn 18 und 25.


114 Vgl. IDW RS HFA 16, Rn 7.
115 Vgl. ADS International, Abschn. 9, Rn 150.
116 ADS International, Abschn. 9, Rn 150.
117 IDW RS HFA 16, Rn 64; vgl. auch ADS International, Abschn. 10, Rn 145.
118 Vgl. IDW RS HFA 16, Rn 39.
119 Vgl. ADS International, Abschn. 9, Rn 152.
76 Jörg Maas/Christian Back
C. Wertkonzeptionen 3

III. Erzielbarer Betrag

1. Grundlagen
Der erzielbare Betrag (recoverable amount) ist eine Wertkonzeption des IAS 36, die im Rahmen 94 3
der durchzuführenden Überprüfung der Werthaltigkeit von Vermögenswerten (Wertminde-
rungstest) zur Anwendung kommt. Liegt der Buchwert eines Vermögenswertes über dem er-
zielbaren Betrag, ist zwingend eine Wertminderung vorzunehmen.120 Der erzielbare Betrag ist der
höhere Betrag aus dem beizulegenden Zeitwert abzüglich der Verkaufskosten (fair value less costs to
sell) und dem Nutzungswert (value in use).121 Die Vorgehensweise impliziert einen Vergleich des Werts
aus der fortgesetzten Nutzung mit dem Wert, der durch eine Veräußerung am Markt erzielbar wäre.122
Sobald einer der beiden Werte, entweder der beizulegende Zeitwert oder der Nutzungswert, über dem
Buchwert liegt, ist die Ermittlung des anderen Werts nicht notwendig.123
Gemäß dem Einzelbewertungsprinzip ist der Wertminderungstest (impairment test) für einzelne 95
Vermögenswerte durchzuführen. Nur wenn ein Vermögenswert keine von anderen Vermögenswer-
ten weitestgehend unabhängigen Mittelzuflüsse generiert, ist der erzielbare Betrag für die so genann-
te zahlungsmittelgenerierende Einheit (cash generating unit) zu ermitteln, zu der der Vermögens-
wert gehört.124 Unter einer solchen zahlungsmittelgenerierenden Einheit ist eine Gruppe von Vermö-
genswerten zu verstehen, der insgesamt bestimmte Mittelzuflüsse zugerechnet werden können wie bspw.
eine Produktionsstraße in der Automobilindustrie. Als Mittelzuflüsse sind hierbei Zuflüsse von Zahlungs-
mitteln und Zahlungsmitteläquivalenten zu verstehen, die dem Unternehmen von Dritten zufließen.125
Falls nicht anzunehmen ist, dass der Nutzungswert den beizulegenden Zeitwert abzüglich der 96
Verkaufskosten wesentlich übersteigt – weil es sich bspw. um einen Vermögenswert handelt, der
nicht produktiv genutzt, sondern zu Veräußerungszwecken gehalten wird – kann auf die Ermitt-
lung des Nutzungswerts verzichtet werden.126
Die Definition und Bestimmung des beizulegenden Zeitwerts im Rahmen des Wertminde- 97
rungstests nach IAS 36 haben wir bereits in § 3.C.II dargestellt. Im Folgenden beschränken wir
uns daher auf die Ermittlung des Nutzungswerts.127

2. Konzeption des Nutzungswerts


Der Nutzungswert ist der „Barwert128 der künftigen Cashflows, der voraussichtlich aus einem Vermö- 98
genswert oder einer zahlungsmittelgenerierenden Einheit abgeleitet werden kann“129. Er unterscheidet
sich vom beizulegenden Zeitwert maßgeblich dadurch, dass er ein subjektiver, „unternehmensspezifi-
scher“ Wert ist.

120 Vgl. IAS 36.1.


121 Vgl. IAS 36.18.
122 Vgl. IDW RS HFA 16, Rn 8.
123 Vgl. IAS 36.19.
124 Vgl. IAS 36.22.
125 Vgl. IAS 36.69.
126 Vgl. IAS 36.21.
127 Vgl. § 3.A.II.3.
128 Der Barwert ergibt sich aus der Summe der mit dem Abzinsungssatz auf den Bewertungsstichtag diskontierten Cash-
flows.
129 Siehe IAS 36.6.
Jörg Maas/Christian Back 77
3 §3 Konzeptionelle Grundlagen der IFRS

99 IAS 36.A2 sieht zwei mögliche Ansätze zur Berechnung des Nutzungswerts vor: „Traditioneller
Ansatz“ (traditional approach) und „Erwarteter Cashflow Ansatz“ (expected cash flow approach).
Anzuwenden ist derjenige Ansatz, der den tatsächlichen Gegebenheiten entspricht.

a) Traditioneller Ansatz vs. Erwarteter Cashflow Ansatz


3
100 Der „traditionelle Ansatz“ bedient sich eines einzigen Cashflows pro Periode und eines einzigen
Abzinsungssatzes.130 Dies erfordert eine möglichst genaue Bestimmung des Cashflows sowie der Ri-
sikoprämie, die dazu führt, dass sich der traditionelle Ansatz zur Bewertung von finanziellen Vermö-
genswerten eignet, deren Größen relativ einfach vom Markt ableitbar sind. Er eignet sich weniger zur
Bewertung von nicht-finanziellen Vermögenswerten, für die es keinen Markt oder kein vergleichbares
Objekt gibt.131
101 Beim „Erwarteten Cashflow Ansatz“ werden Szenarien von Cashflows angesetzt, um unter-
schiedliche Wahrscheinlichkeiten hinsichtlich der Höhe und/oder des Zeitpunktes ihres Eintre-
tens abzubilden.132 Zudem werden differierende Abzinsungssätze verwendet, falls der Vermögenswert
sensibel auf unterschiedliche Risiken in unterschiedlichen Perioden reagiert. 133 Um verlässliche Szena-
rien zu entwickeln, müssen zahlreiche Daten vorliegen. Daher macht IAS 36.A12 die Anwendung des
„Erwarteten Cashflow Ansatzes“ abhängig von einer Kosten-Nutzen Abwägung.
102 Bei der Anwendung von Kapitalwertmethoden zur Berechnung des Nutzungswerts (und auch
des beizulegenden Zeitwerts) stehen laut IDW grundsätzlich die in § 3.C.II.3.b dargestellten Bar-
wertmethoden zur Verfügung, die den „traditionellen“ oder den „erwarteten Cashflow Ansatz“
umsetzen sollen.134
103 Die anzuwendende Bewertungsmethode ist für jeden Vermögenswert individuell unter Berück-
sichtigung der Methodenstetigkeit zu wählen.135

b) Schätzung der Cashflows und der Abzinsungssätze


104 Bei der Schätzung der Cashflows und der Diskontierungssätze sind die folgenden allgemeinen
Prinzipien zu berücksichtigen:
■ Der Abzinsungssatz muss die Annahmen widerspiegeln, die bei der Schätzung der Cashflows
zugrunde gelegt wurden, damit keine Annahmen doppelt angerechnet oder vernachlässigt
werden. D.h. auch, dass die Abzinsungszinssätze nicht die Risiken widerspiegeln dürfen, auf-
grund derer die Cashflows bereits angepasst worden sind. 136
■ Die geschätzten Cashflows und Abzinsungssätze sollen frei von verzerrenden Einflüssen und
Faktoren sein, die nicht mit dem Vermögenswert zusammenhängen.

130 Vgl. IAS 36.A4.


131 Vgl. IAS 36.A6.
132 Vgl. IAS 36.A7 und A8.
133 Vgl. IAS 36.A21.
134 Das IDW nennt die gleichen kapitalwertorientierten Methoden zur Barwertberechnung des beizulegenden Zeitwerts
und des Nutzungswerts. Das bedeutet jedoch nicht, dass die so berechneten Größen immer gleich ausfallen. Der
Unterschied ergibt sich aus den Cashflows – bei der Ermittlung des Nutzungswerts sind die konkret im Unternehmen
generierten Cashflows anzusetzen, während beim beizulegenden Zeitwert die objektivierten Marktcashflows Berück-
sichtigung finden.
135 Vgl. IDW RS HFA 16, Rn 48.
136 Vgl. IAS 36.A15.
78 Jörg Maas/Christian Back
C. Wertkonzeptionen 3

■ Die geschätzten Cashflows und Abzinsungssätze haben eher eine Bandbreite möglicher Er-
gebnisse widerzuspiegeln als den Mindest- oder Höchstbetrag oder einen anderen einzigen
Betrag.137
■ Die Diskontierung muss mit einem Vor-Steuer- und Vor-Finanzierung-Zinssatz erfolgen.138
Im Idealfall kann der Abzinsungssatz unmittelbar aus dem Marktgeschehen abgelesen werden. Ist 105
jedoch ein Abzinsungssatz nicht unmittelbar über den Markt erhältlich, sind Ersatzfaktoren zu 3
seiner Schätzung heranzuziehen. Als Ausgangspunkt kommen hierfür bspw. die durchschnittlich
gewichteten Kapitalkosten des Unternehmens in Frage, der Zinssatz für Neukredite des Unter-
nehmens oder auch andere marktübliche Fremdkapitalzinssätze.139

IV. Nettoveräußerungswert
Der Nettoveräußerungswert wird im Rahmen der Werthaltigkeitsprüfung von Vorräten angewen- 106
det. Nach IAS 2.9 sind Vorräte „mit dem niedrigeren Wert aus Anschaffungs- oder Herstellungs-
kosten und Nettoveräußerungswert zu bewerten“.
IAS 2.6 definiert den Nettoveräußerungswert als „der geschätzte, im normalen Geschäftsgang er- 107
zielbare Verkaufserlös abzüglich der geschätzten Kosten bis zur Fertigstellung und der geschätz-
ten notwendigen Vertriebskosten.“ Er unterscheidet sich vom beizulegenden Zeitwert insofern,
als der unterstellte Verkauf im Rahmen der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit erfolgt und nicht im
Rahmen einer anonymen, objektiven Markttransaktion. Der Nettoveräußerungswert ist folglich
ein unternehmensspezifischer Wert.140
Für die Schätzung des Nettoveräußerungswerts sind die verlässlichsten Hinweise, die zum Schät- 108
zungszeitpunkt verfügbar sind, heranzuziehen. Nach der Berichtsperiode eingetretene Preis- und/
oder Kostenänderungen sind zu berücksichtigen, soweit sie wertaufhellend und nicht wertbe-
gründend sind.141 Insoweit ergibt sich keine Abweichung zur handels- und steuerrechtlichen Rege-
lung. Des Weiteren ist bei der Schätzung des Nettoveräußerungswerts die weitere Verwendung der
Vorräte zu berücksichtigen. Ist der Vorratsbestand zur Erfüllung eines abgeschlossenen Liefer- bzw.
Leistungsvertrags vorgesehen, dann ist der Nettoveräußerungswert aus dem vertraglich fixierten Lie-
fer- bzw. Leistungspreis abzuleiten.142

V. Wesentliche Unterschiede zwischen Handels- und


Steuerrecht, IFRS sowie US-GAAP
Ein dem Handels- und Steuerrecht vergleichbarer, die Zugangs- und Folgebewertung dominie- 109
render Grundsatz der (fortgeführten) Anschaffungs-/Herstellungskosten existiert in den IFRS
sowie den US-amerikanischen Regelungen nicht. Beide Normsysteme lassen im Rahmen der
Folgebewertung in bestimmten Fällen eine über den fortgeführten historischen Kosten liegende
Bewertung zu, wobei die IFRS mit der Möglichkeit zur Neubewertung bestimmter Vermögens-

137 Vgl. IAS 36.A3.


138 Vgl. IAS 36.55 und IAS 36.A20.
139 Vgl. IAS 36.A16f.
140 Vgl. IAS 2.7.
141 Vgl. IAS 2.30.
142 Vgl. IAS 2.31.
Jörg Maas/Christian Back 79
3 §3 Konzeptionelle Grundlagen der IFRS

werte weiter gehen als US-GAAP. 143 Während handels- und steuerrechtlich Gemeinkosten nicht
zu den Anschaffungskosten zählen, sind diese gemäß IFRS aktivierungspflichtig, sofern sie dem
Anschaffungsvorgang direkt zurechenbar sind.144 Durch die Einbeziehungspflicht von Kosten für
Abbruch und Abbau des Vermögenswerts sowie für die Wiederherstellung des Standortes erfahren die
Anschaffungs-/Herstellungskosten nach IFRS hinsichtlich Umfang und Aktivierungszeitraum eine
Ausweitung gegenüber den deutschen Regelungen.145 Dies gilt auch für die US-GAAP, die ein den
3 IFRS ähnliches Konzept zur Abbildung derartiger Verpflichtungen vorsehen.
110 Für die Herstellung von Vorräten gilt gemäß IAS 2.10 und auch grundsätzlich nach US-GAAP der
produktionsbezogene Vollkostenansatz. Demnach gilt für nicht produktionsbezogene Kostenbe-
standteile, wie bspw. freiwillige Sozialkosten und allgemeine Verwaltungskosten abweichend vom
Handels- und Steuerrecht ein Aktivierungsverbot.146 Umgekehrt gilt das Einbeziehungswahlrecht
für bestimmte Gemeinkosten nur im deutschen Handelsbilanzrecht, nicht aber im Steuerrecht oder
nach IFRS oder US-GAAP.
111 In den IFRS und den US-GAAP finden sich Regelungen, die dem deutschen Niederstwertprinzip
entsprechen. Unterschiede ergeben sich bei deren Ausgestaltung, bei Aufgriffstatbeständen für
Wertminderungen sowie bei der Ermittlung der Kontrollwerte. 147 Während der handelsrechtliche
beizulegende Wert ausschließlich der Überprüfung der Werthaltigkeit dient und somit lediglich
eingetretene Vermögensminderungen abgebildet werden, ist der fair value ein Maßstab für Ver-
mögensminderungen und Vermögensmehrungen, die auch über die Anschaffungs-/Herstellungs-
kosten hinaus gehen können. Neben diesen funktionalen Unterschieden unterscheidet sich der
beizulegende Zeitwert nach IFRS vom deutschen beizulegenden Wert auch in der Konzeption.
Der handelsrechtliche beizulegende Wert ist kein hypothetischer, objektiver Marktwert, sondern
ein objektivierter, die betriebsindividuellen Nutzungsmöglichkeiten reflektierender Wert, dessen
Untergrenze der Einzelveräußerungspreis bildet. 148 Während im Vorratsvermögen nach deut-
schem Recht je nach Kategorie der Beschaffungs- bzw. der Absatzmarkt oder auch beide maß-
gebend sind, richtet sich IAS 2 rein nach dem Absatzmarkt. Eine strenge Auslegung des IAS 2.9
verlangt, noch anfallende Kosten, nicht aber eine mögliche Gewinnmarge mindernd zu berück-
sichtigen. Dies entspricht zwar der handelsrechtlichen Regelung, aber weder den Vorschriften des
deutschen Steuerrechts noch den Regelungen im US-GAAP.149

143 Vgl. ADS International, Abschn. 1, Rn 246 und 254.


144 Vgl. ADS International, Abschn. 8, Rn 299 und Abschn. 9, Rn 191.
145 Vgl. ADS International, Abschn. 9, Rn 161.
146 Vgl. ADS International, Abschn. 15, Rn 131 und 172.
147 Vgl. ADS International, Abschn. 1, Rn 255.
148 Vgl. Küting/Trappmann/Ranker, DB 2007, 1711ff.
149 Vgl. Peemöller, in: Wiley IFRS 2007, Abschn. 6, Rn 72.
80 Jörg Maas/Christian Back
4

§ 4 Der IFRS-Abschluss

A. Darstellung des Abschlusses1 Holger Obst


A.

I. Einleitung 4
IAS 1 Presentation of Financial Statements nimmt im Gefüge der IFRS eine Sonderstellung ein. 1
Entgegen den anderen Standards dokumentiert dieser keine Vorgaben zu einzelnen Bilanzie-
rungssachverhalten für Ansatz, Bewertung und Ausweispflichten spezifischer Geschäftsvorfälle,
sondern stellt allgemeine Anforderungen an Zweck, Inhalt und Struktur eines IFRS-Abschlusses.
Im Mittelpunkt stehen zudem die zugrunde liegenden Annahmen einer Berichterstattung nach
IFRS, die sowohl für den Konzern- als auch für den Einzelabschluss bindend sind. Ausgenommen
vom Regelungsumfang ist die Zwischenberichterstattung, welche gemäß den Vorgaben in IAS 34
erfolgt.2
Fragen zum Inhalt des Abschlusses und dessen Darstellung sind darüber hinaus Gegenstand 2
mittel- und langfristiger Reformbestrebungen, die vom IASB auf seiner Agenda – als Gemein-
schaftsprojekt mit dem FASB – geführt werden.3 Mit der im Jahr 2007 erfolgten Überarbeitung
und Neufassung des IAS 1 wurde Phase A des Projektes abgeschlossen, aus dessen Neuregelungen
sich wesentliche Änderungen in der Terminologie und den Bestandteilen der Berichterstattung
nach IFRS ergeben.4

II. Zielsetzung und Merkmale der Abschlusserstellung


nach IAS 1
Die Zielsetzung der Abschlussdarstellung in IAS 1 deckt sich mit den Vorgaben des Rahmen- 3
konzeptes (Framework for the Preperation and Presentation of Financial Statements), wonach es
Aufgabe der Berichterstattung ist, Informationen über die Vermögens, Finanz- und Ertragslage
sowie den Zahlungsströmen (cash flows) eines Unternehmens bereitzustellen, die einem breiten
Adressatenkreis nützlich sind, um wirtschaftliche Entscheidungen zu treffen (decision usefulness).
Ebenso soll der Abschluss Rechenschaft (stewardship) über die Ergebnisse des dem Management
anvertrauten Vermögens ablegen.5 Die strukturierte Aufbereitung dieser Information durch die
Berichterstattung über:

1 Für die nachfolgenden Ausführungen ist die noch ausstehende Übersetzung in deutscher Sprache hinsichtlich der neu
eingeführten Terminologie zu berücksichtigen.
2 Vgl. auch § 4.C. Zwischenabschlüsse.
3 Vgl. IASB, Memorandum of Understanding with the FASB, 2006; zum aktuellen Stand des Gemeinschaftsprojekts
‚Financial Statement Presentation‘ vgl. http://www.iasb.org/Current+Projects.
4 Die nachfolgenden Ausführungen beziehen sich auf die Neufassung des IAS 1 (überarbeitet 2007). Die Neurege-
lung ist erstmals in der ersten Berichtsperiode eines am 1. Januar 2009 oder danach beginnenden Geschäftsjahres
anzuwenden. Eine vorzeitige Anwendung (early adoption) ist unter Angabe entsprechender Tatsache möglich. Eine
Verbindlichkeitswirkung im Rahmen des EU-Endorsement bleibt hiervon unberührt, vgl. zum Endorsement Prozess
§ 3.A. Konzeptionelle Grundlagen.
5 Vgl. IAS 1.9.
Holger Obst 81
4 §4 Der IFRS-Abschluss

(a) Vermögenswerte;
(b) Schulden;
(c) Eigenkapital;
(d) Erträge und Aufwendungen, einschließlich Gewinne und Verluste;
(e) Kapitalzuführungen von und Ausschüttungen an Eigentümer, die in ihrer Eigenschaft als Ei-
gentümer handeln; und
(f) cash flows eines Unternehmens
4 soll im Ergebnis dem Adressaten mit anderen Anhangsangaben helfen, Abschätzungen über
künftig anfallende cash flows des Unternehmens, insbesondere deren Zeitpunkt und verbundene
(Un)Sicherheit bei der Generierung, zu ermöglichen.6
4 Die Aufstellung des Abschlusses hat nach dem im Rahmenkonzept verankerten Grundsatz der
fair presentation zu erfolgen. Danach muss der Abschluss die Vermögens, Finanz- und Ertragsla-
ge sowie die Zahlungsströme eines Unternehmens den tatsächlichen Verhältnissen entsprechend
darstellen.7 In kausaler Sicht gewährleistet grundsätzlich die Anwendung der einzelnen IFRS, ge-
gebenenfalls ergänzt um weitere Angaben, die fair presentation.8
5 Der Standard stellt konkret fest, dass die Anwendung ungeeigneter Bilanzierungs- und Bewer-
tungsmaßnahmen nicht durch Zusatzangaben richtig gestellt werden kann; z.B. würde die Be-
wertung von Vorratsvermögen durch ein unzulässiges Verbrauchsfolgeverfahren im Grundsatz
nicht im Einklang mit den IFRS stehen und kann auch nicht durch den Umstand geheilt werden,
dass umfangreiche Erläuterung zum angewandten Verfahren im Anhang dem Adressaten bereit
gestellt werden.
6 Ein Abweichen von den IFRS ist nur dann zulässig, wenn das Management zu dem Schluss ge-
langt, dass die Einhaltung einer im IFRS enthaltenen Vorschrift so irreführend (misleading) für
den Adressaten wäre, dass es zu einem Konflikt mit der Zielsetzung gemäß dem Rahmenkonzept
kommen würde.9 Ein konkretes Beispiel für ein solches Hinwegsetzen (overriding principle) von
IFRS Vorschriften zur Wahrung der fair presentation führt der Standard nicht auf. Zudem wird
ausdrücklich betont, dass nur in „äußerst seltenen“ Fällen eine solche Abweichung erforderlich
ist. In Rechtfertigung der Abweichung hat das Management zu berichten, warum von einer spe-
zifischer Vorschrift abgesehen wurde und welche finanziellen Auswirkung sich für die betroffe-
nen Abschlussposten ergeben.10 Verbieten gesetzliche Rahmenbedingungen die Anwendung des
overriding principle, so ist vom Management im Anhang Auskunft darüber zu geben, welche
Anpassungen notwendig wären, um der fair presentation zu entsprechen.11
7 Überdies erfolgt die Abschlusserstellung:12
■ unter der Annahme der Unternehmensfortführung (going concern). Sofern erhebliche Zwei-
fel am Fortbestand des Unternehmens bestehen ist darüber zu berichten, sowie dem Adressa-
ten im Anhang mitzuteilen, auf welcher Basis der Abschluss erstellt wurde;

6 Vgl. zur Zielsetzung der IFRS § 3.B. Rahmenkonzept für die Aufstellung und Darstellung von Abschlüssen.
7 Vgl. IAS 1.15.
8 Vgl. IAS 1.15.
9 Vgl. IAS 1.20.
10 Vgl. zu den ausführlichen Informationsvorschriften IAS 1.20 (a) – (d).
11 Vgl. IAS 1.23.
12 Vgl. zu den Basisannahmen der Abschlusserstellung die Ausführungen zum Rahmenkonzept in § 3.B. Rahmenkon-
zept für die Aufstellung und Darstellung von Abschlüssen.
82 Holger Obst
A. Darstellung des Abschlusses 4

■ mit Ausnahme der Kapitalflussrechnung nach dem Grundsatz der Periodenabgrenzung (acc-
rual accounting);
■ mindestens jährlich als vollständiger Abschluss; Änderungen vom jährlichen Turnus sind un-
ter Angabe der Ursache und Verweis auf die nicht vollständigen Vergleichbarkeit dem Adres-
saten kenntlich zu machen;13
■ in getrennter Aufstellung von Vermögenswerten und Schulden sowie Erträgen und Aufwen-
dungen. Eine Saldierung ist nur zulässig, sofern von einem IFRS vorgeschrieben oder gestattet
wird; 4
■ nach dem Grundsatz der Wesentlichkeit, Stetigkeit sowie der Bereitstellung von quantitativen
und verbalen Vergleichsinformationen.14

III. Inhalt des Abschlusses


Der IFRS Abschluss ist als solcher klar zu identifizieren und von möglichen anderen Berichtsfor- 8
men (z.B. Umwelt- oder Nachhaltigkeitsberichten) eindeutig abzugrenzen. Deutlich erkennbar
anzugeben ist:15
■ der Name des berichtenden Unternehmens;
■ ob es sich um einen Einzel- oder Konzernabschluss handelt;
■ der Zeitpunkt des Endes der Berichtsperiode oder die Periode, auf die sich der Abschluss oder
die Anhangsangaben beziehen;
■ die Darstellungswährung gem. IAS 21; und
■ wie weit bei der Darstellung von Beträgen im Abschluss gerundet wurde.
Für einen vollständigen Abschluss hat ein Unternehmen folgende, gleich gewichtete Bestandteile 9
zu berichten:16
■ eine Aufstellung über die Vermögens- und Finanzlage (Bilanz) am Ende der Berichtsperiode;
■ eine Gesamtergebnisrechnung für die Berichtsperiode;
■ eine Aufstellung über die Veränderungen des Eigenkapitals für die Berichtsperiode;
■ eine Kapitalflussrechnung für die Berichtsperiode;
■ den Anhang, der die wesentlichen Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden zusammenfasst
und sonstige Erläuterungen enthält; und
■ eine Aufstellung der Vermögens- und Finanzlage zu Beginn der frühesten Vergleichsperiode,
wenn ein Unternehmen eine Bilanzierungs- und Bewertungsmethode rückwirkend anwendet
oder Posten im Abschluss rückwirkend anpasst oder umgliedert.
Größenabhängige Erleichterungen bei der Berichterstattung, vergleichbar der handelsrechtlichen 10
Regelung gem. § 276 HGB, sind im Standard nicht vorgesehen. Ein Abschluss, der mit den IFRS in
Einklang steht, hat demnach alle Anforderungen der IFRS zu erfüllen.17

13 Vgl. IAS 1.36.


14 Vgl. zu den konkreten Anforderungen IAS 1.22ff. sowie IAS 1.38ff.
15 IAS 1.51.
16 IAS 1.10.
17 Vgl. IAS 1.16.
Holger Obst 83
4 §4 Der IFRS-Abschluss

1. Aufstellung über die Vermögens- und Finanzlage (Bilanz)


11 Mit Neufassung des IAS 1 wurde der Begriff des „Statement of financial position“ innerhalb der
IFRS eingeführt und ersetzt den bis dahin für diesen Bestandteil des Abschlusses verwendeten
Begriff der Bilanz (balance sheet). Neben den Konvergenzbemühungen und Vereinheitlichung
der Terminologie von US-GAAP und IFRS18 wird die Abkehr vom traditionellen Rechnungs-
legungsbegriff der ‚Bilanz‘ insbesondere unter Konsistenzaspekten begründet. Nach Auffassung
des IASB reflektiert die neue Terminologie nicht nur verständlicher Inhalt und Funktion, sondern
4 weist zudem eine größere Übereinstimmung mit generellen Aussagen innerhalb des Rahmenkon-
zeptes auf.19
12 Materielle Änderungen an die inhaltlichen Anforderungen und Präsentation ergeben sich aus
der Namensänderung nicht. Inhalt des Statement of financial position ist demnach der bilanzielle
Ausweis von Vermögenswerten, Schulden und Eigenkapital zum Einblick in die Vermögens- und
Finanzlage eines Unternehmens. In diesem Sinne dürfte auch IAS 1.10 verstanden werden, wo-
nach die alternative Bezeichnung für „Statement of financial position“ grundsätzlich zulässig ist
und der Begriff der Bilanz weiterhin im Abschluss verwendet werden kann. Langfristig gesehen
dürfte jedoch der Bilanzbegriff als solcher abgelöst werden. Nicht zuletzt in den von FASB und
IASB gemeinsam voran getriebenen Reformbestrebungen zur Verbesserung der Darstellung von
Abschlüssen20 zeichnet sich eine Abkehr von der klassischen Bilanzstruktur ab.

a) Umfang der Aufstellung


13 Entgegen der handelsrechtlichen Anforderung zur Untergliederung einer HGB-Bilanz gem. § 266
HGB finden sich für den IFRS-Abschluss keine entsprechende Vorgaben zur Feingliederung. Für
die Aufstellung über die Vermögens- und Finanzlage wird vielmehr ein Mindestumfang vorgege-
ben, welcher sich aus folgenden Posten zusammensetzt:21
■ Sachanlagen;
■ als Finanzinvestitionen gehaltene Immobilien;
■ immaterielle Vermögenswerte;
■ finanzielle Vermögenswerte (ohne die Beträge, die unter (e), (h) und (i) ausgewiesen werden);
■ nach der Equity-Methode bilanzierte Finanzanlagen;
■ biologische Vermögenswerte;
■ Vorräte;
■ Forderungen aus Lieferungen und Leistungen und sonstige Forderungen;
■ Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente;
■ die Summe der Vermögenswerte, die gemäß IFRS 5 Non-current Assets hold for Sale and discon-
tinued operations als zur Veräußerung gehalten klassifiziert werden, und der Vermögenswerte,
die zu einer als zur Veräußerung gehalten klassifizierten Veräußerungsgruppe gehören;
■ Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen und sonstige Verbindlichkeiten;

18 Vgl. IASB, Memorandum of Understanding with the FASB, 2006.


19 Vgl. auch zur Begründung der neuen Terminologie von Abschlussbestandteilen IAS 1.BC16ff.
20 Vgl. IASB, Financial Statement Presentation – Meeting Material, 2007, http://www.fasb.org/project/09-14-07_jig_fiag.
pdf.
21 IAS 1.54.
84 Holger Obst
A. Darstellung des Abschlusses 4

■ Rückstellungen;
■ finanzielle Schulden (ohne die Beträge, die unter (k) und (l) ausgewiesen werden);
■ Steuerschulden und -erstattungsansprüche gemäß IAS 12 Income Taxes;
■ latente Steueransprüche und -schulden gemäß IAS 12;
■ die Schulden, die den Veräußerungsgruppen zugeordnet sind, die gemäß IFRS 5 als zur Ver-
äußerung gehalten klassifiziert werden;
■ Anteile nicht beherrschender Gesellschafter22 am Eigenkapital; sowie
■ gezeichnetes Kapital und Rücklagen, die den Eigentümern der Muttergesellschaft zuzuordnen
4
sind.
Die Reihenfolge der einzelnen Posten sowie mögliche Präsentationsformate in Tabellen- oder 14
Staffelform sind nicht vorgeschrieben und obliegen dem bilanzierenden Unternehmen.23 Darüber
hinaus komplettiert sich die Auflistung durch weitere Ausweisvorgaben innerhalb einzelner IFRS.
So erfordert beispielsweise IAS 20 den gesonderten Ausweis von Zuwendungen der öffentlichen
Hand (government grants) als passiven Abgrenzungsposten (deferred income), sofern nicht die
Zuwendungen alternativ zulässig bei der Feststellung des Vermögenswertes abgezogen werden.24
Weitere Posten, Überschriften und Zwischensummen sind zudem dann der Aufstellung über die 15
Vermögens- und Finanzlage hinzuzufügen, wenn es für das Verständnis des Abschlusses relevant
ist.25 Mögliche Anhaltspunkte zur Angabe zusätzlicher Posten ergeben sich nach der Art und Li-
quidität von Vermögenswerten, der Funktion der Vermögenswerte innerhalb eines Unterneh-
mens sowie für Schulden nach der Höhe der Beträge, der Art und dem Fälligkeitszeitpunkt.26 Zur
Verständlichkeit können darüber hinaus beschreibende Zusätze herangezogen werden, um den
Charakter einzelner Posten besser abzugrenzen.27

! Praxishinweis:
Die IFRS geben keinen konkreten Hinweis darüber, unter welcher Position der Ausweis des Firmenwertes (goodwill) in der 16
Aufstellung zur Vermögens- und Finanzlage zu erfolgen hat. Gegen einen Ausweis innerhalb der immateriellen Vermögens-
werte würde zumindest die Definition gemäß IAS 38.8 sprechen, wonach immaterielle Vermögenswerte stets ihre Identifizier-
barkeit voraussetzen und sich gerade hierdurch vom Firmenwert unterscheiden.28 Demgegenüber kann dem Firmenwert keine
materielle Substanz für einen Ausweis als Sachanlage zugesprochen werden; ebenso wenig erfüllt der Firmenwert die Voraus-
setzungen eines finanziellen Vermögenswertes29. Eine mögliche Lösung erscheint im Ausweis einer gesonderten Position in
Abgrenzung zu Sachanlagen, immateriellen und finanziellen Vermögenswerten. Betrachtet man die gängige IFRS Praxis von
berichtenden Unternehmen, so findet man den Firmenwert oft als Untergruppe „immaterieller Vermögenswerte“ wieder.30

22 Der Begriff der „minority interest“ (Minderheitsanteile) wurde im Rahmen der Überarbeitung von IFRS 3 Unterneh-
menszusammenschlüsse durch den Term „non-controlling interest“ ersetzt.
23 Vgl. IAS 1.57.
24 Vgl. IAS 20.24.
25 Vgl. IAS 1.55.
26 Vgl. IAS 1.58.
27 Vgl. beispielhaft zur Abgrenzung von Eigen- und Fremdkapital IAS 32.18.
28 Vgl. IAS 38,11, zudem § 5.A. Immaterielle Vermögenswerte.
29 Vgl. zur Definition finanzieller Vermögenswerte IAS 32.11.
30 Vgl. beispielhaft IFRS Abschlüsse mit Goodwill als gesonderter Position: LVMH Group, Financial Report 2007, S. 57;
BP, Annual Review 2007, S. 25; beispielhaft IFRS Abschlüsse mit Firmenwert als Teil der immateriellen Vermögens-
werte: Royal Dutch Shell, Annual Report, S. 118; BMW Group, Annual Report, 2007, S. 98.
Holger Obst 85
4 §4 Der IFRS-Abschluss

Ein solcher Ausweis dürfte historisch gewachsen oder nationalen Bestimmungen geschuldet sein, deckt sich aber nicht mit
der gegenwärtigen Terminologie der IFRS. Unstrittig dürfte sein, dass der Firmenwert bei einer Darstellungsmethode nach
Fristigkeiten stets den langfristigen Vermögenswerten zuzuordnen ist. Anteile des Firmenwertes für zur Veräußerung gehal-
tene langfristige Vermögenswerte und aufgegebene Geschäftsbereiche sind innerhalb entsprechender Vermögensgruppe
auszuweisen.31

b) Darstellungsformen
4
17 Bei der Aufstellung der Vermögens- und Finanzlage ist grundsätzlich eine Klassifizierung aller
Vermögenswerte und Schulden in kurz- und langfristige Posten vorzunehmen. Entsprechende
Untergliederung soll dem Adressaten nützliche Informationen bereitstellen, indem Auskunft dar-
über gegeben wird, in welcher Höhe sich fortlaufend kurzfristiges Nettobetriebskapital (working
capital)32 im Umlauf befindet sowie in welchem Umfang Kapital für langfristige Tätigkeiten im
Unternehmen gebunden ist.
18 Als kurzfristig (current) gelten grundsätzlich alle Vermögens- und Schuldpositionen, deren Rea-
lisierung bzw. Erfüllung innerhalb von zwölf Monaten nach Ende der Berichtsperiode33 oder im
Rahmen des normalen Geschäftszyklus (operating cycle) erwartet wird.34 Kurzfristigen Charakter
haben ebenso alle Posten, die vorwiegend zu Handelszwecken gehalten werden. Auf der Seite der
Vermögenswerte sind ferner alle Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente (gemäß der Ab-
grenzung in IAS 7 Statement of Cash Flows) als kurzfristig einzustufen, abgesehen von dem Teil,
der innerhalb der nächsten zwölf Monate nach Ende der Berichtsperiode nur eingeschränkt zum
Tausch oder zur Begleichung einer Verpflichtung zur Verfügung steht.35 Für Schulden ergibt sich
weiterhin Kurzfristigkeitscharakter, sofern kein uneingeschränktes Recht zur Verschiebung der
Erfüllung der Verpflichtung um mindestens zwölf Monate nach dem Ende der Berichtsperiode
besteht36.
19 In Negativabgrenzung sind alle nicht kurzfristigen Vermögens- und Schuldposition als langfristig
(non-current) zu klassifizieren. Latente Steueransprüche (deferred tax assets) und latente Steuer-
schulden (deferred tax liabilities) sind generell als langfristig zu klassifizieren und dürfen nicht als
kurzfristige Vermögenswerte bzw. Schulden ausgewiesen werden.37
20 Alternativ zur Gruppierung nach Fristigkeiten ist eine Darstellung nach Liquiditätskriterien zu-
lässig, wenn diese verlässlich ist und eine höhere Relevanz für den Abschluss aufweist.38 Eine auf-
oder absteigende Anordnung nach Liquidität der Vermögens- und Schuldposten wird beispielhaft
für Unternehmen im Finanzsektor aufgeführt, die keine Waren oder Dienstleistungen innerhalb
eines eindeutig identifizierbaren Geschäftszyklus anbieten. Eine strikte Trennung zwischen bei-
den Darstellungsmethoden wird nicht vorgegeben, so dass vor allem für Unternehmen mit stark

31 Vgl. hierzu IFRS 3.B67.


32 Generell ermittelt sich das kurzfristige Nettobetriebskapital als Saldo kurzfristiger Vermögenswerte abzüglich kurzfri-
stiger Verbindlichkeiten im Unternehmen.
33 Der Begriff des „Bilanzstichtags“ wurde in Anlehnung an die neue Terminologie durch den Begriff „Ende der Be-
richtsperiode“ innerhalb der IFRS ersetzt.
34 Vgl. IAS 1.66 u. 69.
35 Vgl. IAS 1.66(d).
36 IAS 1.69-79, zur Diskussion der Klassifizierung von kurz- vs. langfristigen Verbindlichkeiten siehe auch Basic for
Conclusion IAS 1.BC39-BC48.
37 IAS 1.56.
38 IAS 1.60.
86 Holger Obst
A. Darstellung des Abschlusses 4

diversifizierten Geschäftsbereichen auch eine Kombination beider Ansätze denkbar ist.39 Für den
Fall, dass eine Vermögens- oder Schuldposition Beträge zusammenfasst, deren erwartete Reali-
sierung oder Erfüllung in weniger bzw. mehr als zwölf Monaten nach Ende der Berichtsperiode
liegt, ist unabhängig von der gewählten Darstellungsmethode der Betrag gesondert anzugeben,
von dem erwartet wird, dass er nach mehr als zwölf Monaten realisiert oder erfüllt wird.40

c) Untergliederung
Ein Unternehmen hat in geeigneter Form eine Untergliederung der einzelnen Posten nach Maß- 21
4
gabe der Größe, Art und Funktion der einbezogenen Beträge vorzunehmen.41 Ein Mindestmaß
zur Aufgliederung in Unterposten von bilanzierten Vermögenswerten und Schulden lässt sich
IAS 1 nicht entnehmen und verbleibt im Ermessen des Unternehmens. Gleichwohl finden sich
in den einzelnen IFRS Mindestangaben, z.B. die Untergliederung von Finanzinstrumenten nach
IFRS 7 oder Empfehlungen zur Untergliederung, z.B. gängige Untergruppen für immaterieller
Vermögenswerte und Sachanlagen gem. IAS 38 und IAS 16.42
Dem Unternehmen ist es freigestellt, den Aufriss von Sammelposten innerhalb der Aufstellung 22
über die Vermögens- und Finanzlage oder im Anhang des Abschlusses vorzunehmen. Sofern die
Untergliederung im Anhang erfolgt, ist nach dem Grundsatz der Verständlichkeit eine Form zu
wählen, die es dem Adressaten ermöglicht, eine Überleitungsrechnung zu den ausgewiesenen Po-
sten innerhalb der Aufstellung über die Vermögens- und Finanzlage herzustellen.
Für das Eigenkapital konkretisiert der Standard zusätzliche, berichtspflichtige Angaben, die neben 23
einer Untergliederung – beispielsweise eingezahltes Kapital, Agio und Rücklagen – vorzunehmen
sind.43 So hat ein Unternehmen für jede Gruppe von Eigenkapitalanteilen anzugeben:
■ die Anzahl der genehmigten Anteile;
■ die Anzahl der ausgegebenen und voll eingezahlten Anteile und die Anzahl der ausgegebenen
und nicht voll eingezahlten Anteile;
■ den Nennwert der Anteile oder die Aussage, dass die Anteile keinen Nennwert haben;
■ eine Überleitungsrechnung der Anzahl der im Umlauf befindlichen Anteile am Anfang und
am Ende der Periode;
■ die Rechte, Vorzugsrechte und Beschränkungen für die jeweilige Kategorie von Anteilen ein-
schließlich Beschränkungen bei der Ausschüttung von Dividenden und der Rückzahlung des
Kapitals;
■ Anteile an dem Unternehmen, die durch das Unternehmen selbst, seine Tochterunternehmen
oder assoziierte Unternehmen gehalten werden; und
■ Anteile, die für die Ausgabe aufgrund von Optionen und Verkaufsverträgen vorgehalten wer-
den, unter Angabe der Modalitäten und Beträge.
Darüber hinaus sind Angaben über Art und Zweck jeder Rücklage innerhalb des Eigenkapitals 24
vorzunehmen.

39 IAS 1.63.
40 IAS 1.60.
41 Vgl. IAS 1.77-78.
42 Eine weitere exemplarische Auflistung findet sich in IAS 1.78.
43 Vgl. IAS 1.79-80.
Holger Obst 87
4 §4 Der IFRS-Abschluss

Aufstellung über die Vermögens- und Finanzlage (Bilanz)


Vermögenswerte Eigenkapital und Verbindlichkeiten
Langfristige Vermögenswerte Eigenkapital
Sachanlagen 400 Gezeichnetes Kapital 650
Immobilien 150 Gewinnrücklagen 150
Firmenwert 35 Sonstige Rücklagen 20
Immaterielle Vermögenswerte 65 820
Equity-Methode bilanzierte Finanzanlagen 60 Anteil nicht beherrschender Gesellschafter 30
4 Latente Steuern 40 850
750 Verbindlichkeiten
Kurzfristige Vermögenswerte Langfristige Verbindlichkeiten
Vorräte 120 Langfristige Darlehen 700
Forderungen aus Lieferung & Leistung 400 Latente Steuern 50
Sonstige finanzielle Vermögenswerte 80 750
Zahlungsmittel und -äquivalente 450 Kurzfristige Verbindlichkeiten
1050 Kurzfristige Darlehen 50
Zur Veräußerung gehaltene langfristige
Vermögenswerte 50 Verbindlichkeiten aus Lieferung & Leistung 200
1100 250
1850 1850

2. Gesamtergebnisrechnung
25 Mit der Überarbeitung von IAS 1 wurde als wesentliche Neuerung eine Gesamtergebnisrechnung
(statement of comprehensive income) für den IFRS-Abschluss eingeführt. Hauptunterschied zu
den bis dahin geltenden Regelungen ist die Ergänzung der Gewinn- und Verlustrechnung um
Ertrags- und Aufwandskomponenten, die aufgrund von Bilanzierungsvorschriften in den IFRS
bisher „erfolgsneutral“ direkt im Eigenkapital zu erfassen waren. In diesem Sinne handelt es sich
nicht um eine grundsätzliche Neuausrichtung in der Berichterstattung über die Ertragslage eines
Unternehmens, vielmehr findet eine Verlagerung des Ausweises bestimmter Posten, von der Auf-
stellung über die Veränderung im Eigenkapital (Eigenkapitalspiegel) hin zum Ausweis als sonsti-
ges Ergebnis (other comprehensive income) als Teilergebniskomponente des Gesamtergebnis-
ses (total comprehensive income) für die Berichtsperiode, statt.
26 In Konsequenz der eingeführten Änderungen reflektiert das Gesamtergebnis definitionsgemäß
jegliche Veränderungen im Eigenkapital einer Periode infolge von Geschäftsvorfällen und ande-
ren Ereignissen, mit Ausnahme von Veränderungen, die sich aus Geschäftsvorfällen mit Eigentü-
mern ergeben, die in ihrer Eigenschaft als Eigentümer handeln.44 Der Ausweis von Gewinn- und
Verlust, aufgegliedert in einzelne Erfolgsbestandteile, dient dabei dem Adressaten nicht nur zum
Verständnis der erreichten Ertragskraft des Unternehmen, sondern zugleich als wichtiger Indi-
kator für die Prognostizierung künftiger Ertragskraft des Unternehmens und dem Potenzial, cash
flows zu generieren.

44 Vgl. IAS 1.7.


88 Holger Obst
A. Darstellung des Abschlusses 4

a) Umfang der Aufstellung


Vergleichbar mit den Vorgaben für die Aufstellung über die Vermögens- und Finanzlage enthält 27
IAS 1.82-83 eine Mindestanforderung von Posten, die in der Gesamtergebnisrechnung zu berich-
ten sind:

(Separate Income Statement )


Gewinn-und Verlustrechnung

(Statement of comprehensive income)


Gesamtergebnisrechnung
(a) Umsatzerlöse;
(b) Finanzierungsaufwendungen;
4
(c) Gewinn- und Verlustanteile an assoziierten Unternehmen und Ge-
meinschaftsunternehmen, die nach der Equity-Methode bilanziert werden;
(d) Steueraufwendungen;
(e) ein gesonderter Betrag, welcher der Summe entspricht aus:
(i) dem Ergebnis nach Steuern für aufgegebene Geschäftsbereiche
(ii) dem Ergebnis nach Steuern, das bei der Bewertung mit dem beizule-
genden Zeitwert abzüglich Veräußerungskosten oder bei der Veräußerung
der Vermögenswerte oder Veräußerungsgruppe(n), die den aufgegebenen
Geschäftsbereich darstellen, erfasst wurde.
(f) Gewinn oder Verlust (Profit or loss);
(i) Anteil am Ergebnis, das den nicht beherrschenden Gesellschafter am
Eigenkapital zuzurechnen ist;
(ii) Anteil am Ergebnis, das den Eigentümern des Mutterunternehmens
zuzurechnen ist.

(Other Comprehensive Income)


Sonstiges Ergebnis
(g) Sonstiges Ergebnis (ohne die Beträge unter (h)) für:
(i) Veränderungen der Neubewertungsrücklage (siehe IAS 16 Sachanlagen und
IAS 38 Immaterielle Vermögenswerte);
(ii) versicherungsmathematische Gewinne und Verluste aus
leistungsorientierten Plänen, die gemäß Paragraph 93A von IAS 19
Leistungen an Arbeitnehmer erfasst werden;
(iii) Gewinne und Verluste aus der Umrechnung des Abschlusses eines
ausländischen Geschäftsbetriebs (siehe IAS 21 Auswirkungen von
Änderungen der Wechselkurse);
(iv) Gewinne und Verluste aus der Neubewertung von zur Veräußerung
verfügbaren finanziellen Vermögenswerten (siehe IAS 39 Finanzinstrumente:
Ansatz und Bewertung);
(v) der effektive Teil der Gewinne und Verluste aus Sicherungsinstrumenten bei
einer Absicherung von Zahlungsströmen (siehe IAS 39)
(h) Anteil am sonstigen Ergebnis, der auf assoziierte Unternehmen und
Gemeinschaftsunternehmen entfällt, die nach der Equity-Methode bilanziert
werden; und

Holger Obst 89
4 §4 Der IFRS-Abschluss

(i) Gesamtergebnis (Total comprehensive income)


(i) Anteil am Gesamtergebnis, das den nicht beherrschenden Gesellschaftern
am Eigenkapital zuzurechnen ist;
(ii) Anteil am Gesamtergebnis, das den Eigentümern des Mutterunternehmens
zuzurechnen ist.

28 Zusätzlichen Posten, Überschriften und Zwischensummen sind darüber hinaus der Gesamter-
gebnisrechnung hinzuzufügen, wenn sie für das Verständnis hinsichtlich der Ertragskraft des
4 Unternehmens relevant sind.45 Eine Klassifizierung von Posten als außerordentlichen Aufwand
oder Ertrag ist im Rahmen eines IFRS-Abschlusses nicht zulässig.46 Zusätzlich findet sich in
der Begründung zum Standard (basis for conclusion) der explizite Verweis, dass die IFRS keine
Unterscheidung von operativen und nicht-operativen Geschäftstätigkeiten in der Gewinn- und
Verlustrechnung verbindlich vorsehen.47

b) Single vs. two statement approach


29 Dem berichtenden Unternehmen wird ein Darstellungswahlrecht eingeräumt. Neben einer einzi-
gen Gesamtergebnisrechnung – Single statement approach – ist es auch zulässig, eine gesonderte
Gewinn- und Verlustrechnung (Separate income statement) in Kombination mit einer Überlei-
tung auszuweisen – Two statement approach.48 Die Überleitungsrechnung stellt in diesem Falle
die Gesamtergebnisrechnung dar und leitet das Ergebnis (profit or loss) der gesonderten Gewinn-
und Verlustrechnung unter Ausweis des other comprehensive income zum Gesamtergebnis über.
30 Der Unterschied zwischen beiden Varianten basiert in Konsequenz auf einer rein visuellen Tren-
nung der Ergebniskomponenten. Beschränkt wird diese Trennung durch die verbindliche Vorga-
be, dass im Falle einer gesonderten Gewinn- und Verlustrechnung, als vollständiger Bestandteil
des Abschlusses, diese der Gesamtergebnisrechnung unmittelbar voran zustellen ist.49

c) Ausweis nach dem Gesamt- oder Umsatzkostenverfahren


31 Unabhängig von der Wahlmöglichkeit zur Darstellung einer gesonderten Gewinn- und Verlu-
strechnung, hat das Unternehmen eine Gliederung des im Ergebnis erfassten Aufwands vorzu-
nehmen.50 Die Untergliederung der einzelnen Aufwandsposten kann – vergleichbar den handels-
rechtlichen Vorgaben gem. § 275 HGB – nach funktionaler Zugehörigkeit als Teil der Umsatz-
kosten (= Umsatzkostenverfahren; by function of expense) oder nach ihrer Art im Rahmen des
Gesamtkostenverfahren (by nature of expense) erfolgen. Entsprechende Angaben können grund-
sätzlich im Anhang berichtet werden, allerdings empfiehlt der Standard die Aufgliederung in der
Gesamtergebnisrechnung bzw. der Gewinn- und Verlustrechnung auszuweisen.
32 Welche der beiden Darstellungsformen für den Abschluss heranzuziehen ist, obliegt dem bilan-
zierenden Unternehmen bei seiner Einschätzung, auf welcher Basis relevantere und zuverlässige-
re Informationen dem Adressatenkreis bereitgestellt werden können.51 Sofern der Ausweis nach
45 Vgl. IAS 1.85-86.
46 Vgl. IAS 1.87.
47 Vgl. zur Begründung IAS 1.BC55-56.
48 Vgl. IAS 1.81.
49 Vgl. IAS 1.11-12.
50 Vgl. IAS 1.99.
51 Vgl. IAS 1.104.
90 Holger Obst
A. Darstellung des Abschlusses 4

dem Umsatzkostenverfahren erfolgt, sind zusätzlichen Angaben über die Art der Aufwendung
inklusive der Höhe des Aufwands für planmäßige Abschreibungen sowie Leistungen an Arbeit-
nehmer (Personalaufwand) anzugeben.

d) Untergliederung
Neben einer Aufgliederung der Aufwandsposten resultieren weitere Ausweisvorgaben auf Basis 33
einzelner IFRS Vorgaben. So ist z.B. der Sammelposten Umsatzerlöse nach IAS 18 in geeignete
Umsatzklassen aufzugliedern.52 Allgemein ergibt sich die Pflicht einer gesonderten Angabe für
4
Positionen der Gesamtergebnisrechnung immer dann, wenn entsprechende Ertrags- und Auf-
wandsposten von wesentlicher Bedeutung für das Verständnis zur Einschätzung der Ertragskraft
des Unternehmens sind. Im Standard werden exemplarisch Posten aufgeführt, die eine gesonderte
Angabe erforderlich machen könnten:53
(a) außerplanmäßige Abschreibung der Vorräte auf den Nettoveräußerungswert oder der Sach-
anlagen auf den erzielbaren Betrag sowie die Wertaufholung solcher außerplanmäßigen Ab-
schreibungen;
(b) eine Restrukturierung der Tätigkeiten eines Unternehmens und die Auflösung von Rückstel-
lungen für Restrukturierungsaufwand;
(c) Abgang von Posten der Sachanlagen;
(d) Veräußerung von Finanzanlagen;
(e) aufgegebene Geschäftsbereiche;
(f) Beendigung von Rechtsstreitigkeiten; und
(g) sonstige Auflösungen von Rückstellungen

e) Other comprehensive Income


Innerhalb des sonstigen Ergebnisses sind definitionsgemäß Aufwands- und Ertragsposten aus- 34
zuweisen, die bei ihrer Entstehung in der Berichtsperiode nach den Regelungen anderer IFRS
nicht im Gewinn oder Verlust (profit or loss) erfasst werden dürfen. Eingeschlossen sind Beträge,
die sich durch Umgliederungsvorschriften für einzelne Bilanzierungssachverhalte der sonstigen
Eigenkapitalveränderungen ergeben und als „Umgliederungsbeträge“ (reclassification adjust-
ments) auszuweisen sind. Ergänzend ist ebenso im other comprehensive income der auf die ein-
zelnen Bestandteile entfallende Steueraufwand (income tax relating to components of other com-
prehensive income) anzugeben.
Die Umgliederungsbeträge stellen eine notwendige Korrektur zur Vermeidung einer Doppeler- 35
fassung von Aufwands- und Ertragsposten im Gesamtergebnis über die Totalperiode dar. So sind
z.B. Wertänderungen in der Berichtsperiode54 von zur Veräußerung gehaltenen Vermögenswer-
ten (available-for-sale financial assets) gem. IAS 39 im other comprehensive income zu erfas-
sen. Im Falle einer Ausbuchung (derecognition), z.B. Abgang durch Veräußerung, ist der Unter-
schiedsbetrag von Buchwert und Veräußerungswert ergebniswirksam im profit or loss anzugeben.

52 Vgl. IAS 18.35.


53 IAS 1.98.
54 Ausgenommen impairment losses im Rahmen von Werthaltigkeitsprüfung, vgl. IAS 39.55(b).
Holger Obst 91
4 §4 Der IFRS-Abschluss

Um die Doppelerfassung im Gesamtergebnis in der Berichtsperiode der Veräußerung zu vermei-


den, ist das für den entsprechenden Vermögenswert in der laufenden bzw. in den Vorperioden
erfasste other comprehensive income umzugliedern.55
36 Für den im other comprehensive income zu erfassenden Steueraufwand besteht die Wahlmöglich-
keit:56
■ den Steuereffekt in einer kumulierten Position, bei gleichzeitiger Darstellung der einzelnen
Bestandteile vor steuerlichen Auswirkungen; oder
4 ■ die einzelnen Bestandteile nach aller damit verbundenen Steuerauswirkungen auszuweisen.
37 Die Ansatz- und Bewertungsvorschriften zur Ermittlung des entfallenden Steueraufwands erge-
ben sich nach anderen IFRS, insbesondere IAS 12.57

Beispiel: Umsatzkostenverfahren Beispiel: Gesamtkostenverfahren


(Single statement approach) (Two statement approach)
Gesamtergebnisrechnung (€.000) Gewinn- und Verlustrechnung (€.000)
Umsatzerlöse 1900 Umsatzerlöse 1900
Umsatzkosten (1500) Sonstige Erträge 60
Bruttogewinn 400 Veränderung an Fertigerzeugnissen (730)
Sonstige Erträge 60 Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe (200)
Vertriebskosten (120) Personalaufwand (320)
Verwaltungsaufwendungen (50) planmäßige Abschreibungen (450)
Sonstige Aufwendungen (80) Sonstige Aufwendungen (50)
Gesamtaufwendungen (1750)
Gewinn 210 Gewinn 210
■ Anteil am Gewinn von Eigentümern ■ Anteil am Gewinn von Eigentümern
des Mutterunternehmens 190 des Mutterunternehmens 190
■ Anteil am Gewinn nicht beherr- ■ Anteil am Gewinn nicht beherr-
schender Gesellschafter 20 schender Gesellschafter 20
Sonstige Eigenkapitalveränderungen Gesamtergebnisrechnung (€.000)
Ergebnis 210
Neubewertung von zur Veräußerung Neubewertung von zur Veräußerung
gehaltenen Vermögenswerten 150 gehaltenen Vermögenswerten 150
Umgliederungsbetrag (30) Umgliederungsbetrag (30)
Steueraufwand sonstiger Eigenkapital- Steueraufwand sonstiger Eigenkapital-
veränderungen (40) veränderungen (40)
80 80
Gesamtergebnis 290 Gesamtergebnis 290
■ Anteil am Gesamtergebnis von Ei- ■ Anteil am Gesamtergebnis von Ei-
gentümern des Mutterunternehmens 230 gentümern des Mutterunternehmens 230
■ Anteil am Gesamtergebnis nicht be- ■ Anteil am Gesamtergebnis nicht be-
herrschender Gesellschafter 60 herrschender Gesellschafter 60

55 Vgl. konkret IAS 39.55(b) sowie allgemein zu Umgliederungsbeträgen innerhalb der sonstigen Eigenkapitalverände-
rungen IAS 1.92-96. In der Literatur findet sich oft der Begriff des „income recycling“ wieder.
56 Vgl. IAS 1.90-91.
57 Vgl. IAS 12.61ff. mit Verweis auf andere Regelungsbereiche innerhalb der IFRS.
92 Holger Obst
A. Darstellung des Abschlusses 4

3. Aufstellung über die Veränderungen im Eigenkapital


Die Überleitung des Eigenkapitals zwischen dem Beginn und dem Ende der Berichtsperiode ist 38
Aufgabe der Aufstellung über die Veränderungen im Eigenkapital (Statement of changes in equi-
ty). Als Ausgangsgröße der Überleitung wird das Gesamtergebnis der Berichtsperiode herange-
zogen und um Bilanzierungssachverhalte ergänzt, die außerhalb der Gesamtergebnisrechnung
das Nettovermögen in der Berichtsperiode erhöht oder geschmälert haben. Kapitalzuführungen
von und Ausschüttungen an die Eigentümer sind im Eigenkapitalspiegel gesondert auszuweisen.58
Dividendenzahlungen, die als Ausschüttungen an die Eigentümer in der betreffenden Periode
4
erfasst werden, sind wahlweise im Eigenkapitalspiegel oder im Anhang anzugeben.59
Neben Transaktionen mit Eigentümern, die in ihrer Eigenschaft als Eigentümer handeln, sind 39
auch rückwirkende Anpassungen nach IAS 8 in den Eigenkapitalspiegel aufzunehmen. Die Ver-
änderung zwischen dem Beginn und dem Ende ist für jede Eigenkapitalkategorie auszuweisen,
einschließlich der gesonderten Darstellung von Veränderungen für den Anteil nicht beherrschen-
der Gesellschafter.

4. Angaben
Vergleichbar den handelsrechtlichen Vorgaben nach §§ 284-85 HGB ist es Aufgabe der Anga- 40
ben (notes) nach IAS 1, die vorwiegend quantitativen Erläuterungen durch verbal umschreibende
und erläuternde Informationen (explanatory information, narratives) zu ergänzen und somit zum
Verständnis des Abschlusses und enthaltener Zahlen- und Mengengerüste jeweiliger Abschluss-
komponenten beizutragen. Nicht zuletzt das Einräumen von konkreten Wahlrechten bei Ansatz,
Bewertung und Ausweis für einzelne Bilanzierungssachverhalte in den einzelnen IFRS macht eine
klärende Beschreibung für den Adressaten unabdingbar, um die bereitgestellten Informationen
interpretieren zu können sowie mit Informationen anderer Unternehmen zu vergleichen. Ebenso
bedarf es der Kenntnis darüber, welchen notwendigen Ermessensentscheidungen und (Schätz-)
Unsicherheiten das Management bei der Aufstellung des Abschlusses unterlegen hat.
Als erforderliche Angaben ergeben sich nach IAS 1:60 41
(a) eine Bestätigung der Übereinstimmung mit den IFRS. Soweit der Abschluss nicht alle Anfor-
derungen der IFRS erfüllt, darf ein Unternehmen diesen nicht als mit den IFRS übereinstim-
mend deklarieren;61
(b) vorliegende Informationen über die Grundlagen zur Aufstellung des Abschlusses und spezi-
fischen Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden (accounting policies);
(c) Angaben, die aufgrund von Ausweis- und Darstellungswahlrechten nicht in anderen Ab-
schlussbestandteilen gemacht wurden;
(d) Informationen, die nicht in anderen Abschlussbestandteilen dargestellt werden, für das Ver-
ständnis jedoch relevant sind.
Die Darstellung der Angaben sollte, soweit möglich, einer strukturierten Form folgen. Verbindlich 42
ist zudem vorgeschrieben, dass für einzelne Posten in der Aufstellung über die Vermögens- und
Finanzlage, der Gesamtergebnisrechnung, der Kapitalflussrechnung und der Aufstellung über die
58 Vgl. IAS 1.106.
59 Vgl. IAS 1.107.
60 Vgl. IAS 1.112.
61 Vgl. auch IAS 1.16.
Holger Obst 93
4 §4 Der IFRS-Abschluss

Veränderungen im Eigenkapital Querverweise zu den zugehörigen Informationen im Anhang


angegeben werden.

a) Angaben zu Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden


43 Bei der Zusammenfassung der maßgeblichen Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden sind im
besonderen Informationen darüber zu geben, welche Bewertungsgrundlagen bei der Aufstellung
des Abschlusses herangezogen wurden bzw. für das Verständnis des Abschlusses relevant sind.
4 Die Angaben über verwendete Wertkonzeptionen (z.B. Tageswerte, historische Anschaffungs-
oder Herstellungskosten, beizulegender Zeitwert)62 müssen dabei nicht für jede einzelne Position
erfolgen, sondern können sich auch auf bestimmte Gruppen von Vermögenswerten und Schulden
mit gleicher Bewertungsgrundlage beziehen. In Ergänzung der allgemeinen Zusammenfassung
finden sich konkrete Angabevorschriften über Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden in den
einzelnen IFRS, z.B. hinsichtlich vorgenommener Neubewertung (revaluation) für Sachanlagen
(IAS 16) und immateriellen Vermögenswerten (IAS 38).
44 Weiterhin sind Informationen dem Adressaten bereitzustellen, die Erkenntnisse darüber liefern,
in welchem Umfang notwendige Ermessensausübungen des Managements die Beträge im Ab-
schluss erheblich beeinflussen.63 Als Beispiel verweist der Standard unter anderem auf Ermessens-
spielräume bei Klassifizierungsfragen, etwa ob es sich bei Finanzanlagen um bis zu Endfälligkeit
zu haltende Finanzinvestitionen handelt.64

b) Angaben zu Schätzungsunsicherheiten
45 Das Management hat im Anhang ebenso über wichtige, zukunftsbezogene Annahmen und we-
sentliche Quellen von Schätzungsunsicherheiten am Ende der Berichtsperiode zu berichten,
durch die ein beträchtliches Risiko besteht, dass innerhalb des nächsten Geschäftsjahres wesent-
liche Anpassungen an ausgewiesenen Vermögenswerten und Schulden erforderlich werden.65 Die
Angaben erfolgen hierbei über Art der Annahme bzw. Quelle der Schätzungsunsicherheit und
den zugehörigen Buchwerten am Ende der Berichtsperiode.
46 Der Standard gibt explizit an, dass eine Angabepflicht über zukunftsbezogene Annahmen und
Schätzungsunsicherheiten nur dann verlangt ist, wenn es sich um besonders schwierige, subjek-
tive oder komplizierte Ermessensausübung des Managements handelt. Routinemäßige Schätzun-
gen, etwa über die Nutzungsdauer von gängigen Sachanlagevermögen zur Bestimmung der Höhe
planmäßiger Abschreibungen, fallen nicht unter die Berichtspflicht über wesentliche Quellen von
Schätzungsunsicherheiten. Ebenso liegt in diesem Kontext keine Berichtspflicht vor, wenn ein be-
trächtliches Risiko besteht, dass sich der Buchwert innerhalb des nächsten Geschäftsjahres we-
sentlich ändern wird, die Bewertung am Ende der Berichtsperiode jedoch auf der Basis von vor
kurzem festgestellter Marktpreise erfolgt. Die wesentlichen Änderungen beruhen somit nicht auf
zukünftigen Annahmen oder auf Schätzungsunsicherheiten des Managements.66 Berichtspflichtige
Angaben können sich z.B. ergeben aus wesentlichen Rückstellungen für Gerichtsverfahren, die in
ihrer Höhe vom Ausgang des Verfahrens abhängen; oder zukunftbezogenen Annahmen für versi-
cherungsmathematische Modelle zur Bestimmung der Buchwerte langfristiger Pensionszusagen.
62 Siehe auch zu einzelnen Wertkonzeptionen innerhalb der IFRS § 3.C. Wertkonzeptionen.
63 Vgl. IAS 1.122-124.
64 Vgl. zu weiteren Beispielen für Ermessensausübung des Managemenrts IAS 1.123.
65 Vgl. IAS 1.125.
66 Vgl. IAS 1.128.
94 Holger Obst
B. Kapitalflussrechnungen 4

c) Kapitalmanagement
Der Abschlussadressat ist im Anhang ebenfalls darüber zu informieren, in welcher Form das 47
Unternehmen Mindestkapitalanforderungen unterliegt sowie generell Kapitalmanagement be-
trieben wird. Im Mittelpunkt stehen erläuternde Angaben über Ziele, Methoden und Prozesse
beim Kapitalmanagement, die es ermöglichen sollen, einen Einblick in die Kapitalressourcen des
Unternehmens zu erlangen.67 Neben qualitativen Informationen dienen quantitative Angaben,
was als Kapital gemanagt wird, sowie Informationen darüber, welche Konsequenzen sich aus einer
Verfehlung der Ziele, etwa bei Nichterfüllung der Mindestkapitalanforderungen, für das Unter- 4
nehmen ergeben.

d) Sonstige Angaben
In die Angaben sind ferner aufzunehmen:68 48
■ die Dividendenzahlungen an die Eigentümer des Unternehmens, die vorgeschlagen oder be-
schlossen wurden, bevor der Abschluss zur Veröffentlichung freigegeben wurde, die aber nicht
als Verbindlichkeit im Abschluss bilanziert wurden, sowie den Betrag je Anteil; und
■ den Betrag der kumulierten, noch nicht bilanzierten Vorzugsdividenden;
■ und sofern nicht an anderer Stelle im Abschluss bereits berichtet:69
■ den Sitz und die Rechtsform des Unternehmens, das Land, in dem es als juristische Person
registriert ist, und die Adresse des eingetragenen Sitzes (oder des Hauptsitzes der Geschäftstä-
tigkeit, wenn dieser vom eingetragenen Sitz abweicht);
■ eine Beschreibung der Art der Geschäftstätigkeit des Unternehmens und seiner Hauptaktivi-
täten;
■ den Namen des Mutterunternehmens und des obersten Mutterunternehmens des Konzerns.

B. Kapitalflussrechnungen Holger Obst/M


B.

I. Wesensmerkmale
IAS 7 Statement of Cash Flows regelt die Aufstellung und Offenlegung von Kapitalflussrechnun- 49
gen im Rahmen der IFRS-Rechnungslegung. Die Kapitalflussrechnung (statement of cash flows)
ist integraler Pflichtbestandteil des IFRS-Abschlusses eines Einzelunternehmens bzw. Konzerns.70
Im Rahmen der IFRS-Rechnungslegung steht der Begriff der Kapitalflussrechnung für ein zahlungs-
orientiertes Rechenwerk, in dem ausschließlich Ein- und Auszahlungen abgebildet werden, die eine
Bestandsveränderung von Zahlungsmitteln und Zahlungsmitteläquivalenten bewirken. Während die
Bilanz als Bestandsrechnung einen Einblick in die Vermögenslage und Kapitalausstattung zum Ab-
schlussstichtag gewährt und die Erfolgsrechnung als Zeitraumrechnung durch Gegenüberstellung von
Erträgen und Aufwendungen den erwirtschafteten Erfolgsbeitrag der Berichtsperiode anzeigt, vermit-
telt die Kapitalflussrechnung mit Ein- und Auszahlungen als Rechengrößen ein Bild von der Entwick-
lung und Einhaltung des finanziellen Gleichgewichts im Berichtszeitraum.
67 Vgl. IAS 1.134-136.
68 Vgl. IAS 1.137.
69 Vgl. IAS 1.138.
70 Vgl. IAS 7.1.
Holger Obst/Martin Meyer 95
4 §4 Der IFRS-Abschluss

50 Im Mittelpunkt der Kapitalflussrechnung nach IAS 7 steht die standardisierte Anordnung von
Zahlungsströmen bzw. Cashflows (cash flows) abhängig von der Art der ursächlichen Tätigkeit.
Wenngleich der Cashflow als Finanzkennzahl in zahlreichen Teilgebieten der Betriebswirtschafts-
lehre (z.B. Bilanzanalyse, Investitionsrechnung, Unternehmensbewertung usw.) mit zum Teil recht
unterschiedlichem Inhalt vorkommt, ist er in der IFRS-Rechnungslegung eindeutig definiert. Der
Cashflow steht hier für alle Zu- und Abflüsse von Zahlungsmitteln und Zahlungsmitteläquivalen-
Martin Meyer ten.71
51 Wörtlich übersetzt bedeutet Cashflow „Geldfluss“ und steht in diesem weiten Sinne für Verände-
4 rungen im Bar- und Buchgeldbestand (cash) bzw. Zahlungsbewegungen. Auf dieser weiten Fas-
sung baut die Kapitalflussrechnung nach IAS 7 auf. Im engeren Sinne wird unter Cashflow eine
Analysekennzahl zur Beurteilung der finanz- und/oder erfolgswirtschaftlichen Leistungsfähigkeit
eines Unternehmens subsumiert. Ausgangsbasis abschlussanalytischer Cashflow-Kenngrößen ist
die Summe aus „Gewinn plus Abschreibungen“, die oftmals um weitere einzahlungsunwirksame
Erträge (z.B. Zuschreibungen) und auszahlunwirksame Aufwendungen (z.B. Bildung von Rück-
stellungen) korrigiert wird. In diesem Zusammenhang gilt es auch auf die Kennzahl „Earnings
Before Interest, Taxes, Depreciation and Amortization“ (EBITDA) hinzuweisen, die aus der an-
gloamerikanischen Analysepraxis kommt und letztlich ebenso eine stark vereinfachte Cashflow-
Kenngröße darstellt.72
52 Die Kapitalflussrechnung bildet nach IFRS einen gleichwertigen Abschlussbestandteil neben Bi-
lanz, Erfolgsrechnung und Eigenkapitalveränderungsrechnung (IAS 1.8). Die Aufgabe der Kapi-
talflussrechnung ist es, die (dynamische) Finanzlage abzubilden. Dementsprechend gilt sie auch
als zentrales Instrument der liquiditätsorientierten Finanzberichterstattung. Unter IFRS steht der
Terminus Kapitalflussrechnung somit für eine bestimmte Form einer Finanzierungsrechnung, die
in Einzel- und Konzernabschlüssen als Informationsinstrument Auskunft über sämtliche Zah-
lungsvorgänge für einen bestimmten Zeitraum und deren Auswirkung auf den Bestand der Zah-
lungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente gibt.73

II. Zielsetzung
53 In der Zielsetzung des IAS 7, die dem durchnummerierten Standardtext vorangestellt ist, wer-
den Rechnungszweck und Rechnungsinhalt der Kapitalflussrechnung festgelegt. Hiernach sollen
die mit einer Kapitalflussrechnung bereitgestellten Informationen über Zahlungsströme die Ab-
schlussadressaten in die Lage versetzen, sich ein Urteil über die Finanzkraft eines Unternehmens
zu bilden und darauf aufbauend ökonomische Entscheidungen zu treffen.74 Mit Finanzkraft ist
die Fähigkeit eines Unternehmens gemeint, Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente zu erwirt-
schaften und seinen Finanzbedarf zu decken.
54 Wichtig für die Erfüllung des Rechnungszwecks ist es, dass die Adressaten im Rahmen der Ab-
schlussanalyse auf weitgehend inhaltsgleiche Kapitalflussrechnungen mehrerer Unternehmen zu-
rückgreifen können. Aus diesem Grund gibt IAS 7 als Rechnungsinhalt Zahlungsströme vor, die
im Lauf einer Berichtsperiode zu Veränderungen von Zahlungsmitteln und Zahlungsmitteläqui-
71 Vgl. IAS 7.6.
72 Zur Definition und vielschichtigen Verwendung des Cashflow in der Betriebswirtschaftslehre vgl. Coenenberg/Alva-
rez/Meyer, HWF, Sp. 479ff.
73 Zu dieser Begriffsfestlegung vgl. Arbeitskreis »Finanzierungsrechnung« der Schmalenbach-Gesellschaft, Finanzie-
rungsrechnung im Konzern, S. 2ff. und S. 116ff. Zur betriebswirtschaftlichen Definition und Abgrenzung der Begriffe
Kapitalflussrechnung und Finanzierungsrechnung siehe ferner Meyer, Cashflow-Reporting, S. 19ff.
74 Vgl. IAS 7 Zielsetzung.
96 Martin Meyer
B. Kapitalflussrechnungen 4

valenten geführt haben. In der rein zahlungsorientierten Kapitalflussrechnung sind die Zahlungs-
ströme ursachengerecht als betriebliche Tätigkeit, Investitionstätigkeit oder Finanzierungstätig-
keit zu klassifizieren. Die im Jahr 1992 verabschiedete Neufassung des IAS 7 zielt dabei auf eine
deutlich stärkere Vereinheitlichung des Rechenwerks ab, als dies beim Vorgänger IAS 7 Statement
of Changes in Financial Position aus dem Jahr 1977 der Fall war.75
Die mit einer Kapitalflussrechnung bereitgestellten Zahlungsflussinformationen gewähren den 55
Rechnungslegungsadressaten einen Einblick in das Zustandekommen des finanziellen Gleich-
gewichts eines Unternehmens. Zusammen mit den übrigen Abschlussbestandteilen lassen sich
daraus mithilfe analytischer Auswertungsverfahren Erkenntnisse über den aktuellen Finanzsta- 4
tus, die Finanzkraft, die finanzielle Stabilität und die finanzielle Flexibilität gewinnen. Darüber
hinaus liefern die Daten einer Kapitalflussrechnung Anhaltspunkte für die Erstellung von Bar-
wertkalkülen auf Basis künftiger Zahlungsströme (present value of future cash flows). Außerdem
sind Cashflow-Informationen bei der Beurteilung der Ertragskraft im Rahmen von Unterneh-
mensvergleichen nützlich, da sich unterschiedliche Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden für
dieselben Geschäftsvorgänge in einer Kapitalflussrechnung nicht auswirken bzw. im Zuge ihrer
Ermittlung eliminiert werden.76

III. Anwendungsbereich
Die Kapitalflussrechnung nach IAS 7 ist ein obligatorischer Bestandteil des IFRS-Abschlusses. IAS 56
7 war erstmalig auf Abschlüsse anzuwenden, deren Berichtsperiode am oder nach dem 1. Januar
1994 begann.77 Ausnahmen oder Befreiungen von der Anwendungspflicht des IAS 7 sind für Unter-
nehmen nicht vorgesehen.78 Gleichwohl ist die Anwendung der IASB-Rechnungslegungsnormen – ein-
schließlich IAS 7 – nicht für gemeinnützige Organisationen (not-for-profit organizations) gedacht.79
Begründet wird die verpflichtende Anwendung des IAS 7 damit, dass Abschlussadressaten stets 57
ein besonderes Interesse am Finanzgeschehen eines Unternehmens haben, d.h. wie es Finanzmit-
tel erwirtschaftet und verwendet hat. Der Informationsbedarf über das Finanzgeschehen eines
Unternehmens ist essenziell und unabhängig von der unternehmerischen Betätigung. Dies gilt
auch für Finanzinstitutionen, bei denen Finanzmittel als Produkt des wirtschaftlichen Leistungs-
prozesses zu betrachten sind. Schließlich benötigen alle Unternehmen Finanzmittel für die Aus-
übung ihrer operativen Geschäftstätigkeit, zur Tilgung von Schulden und zur Ausschüttung von
Gewinnen.80 Allerdings gelten für Finanzinstitutionen Sonderregeln bei der saldierten Darstellung
branchenspezifischer Ein- und Auszahlungen sowie bei der verbindlichen Klassifizierung von Zinsen
und erhaltenen Dividenden als betriebliche Tätigkeit.81
Im Einklang mit der generellen Anwendungspflicht des IAS 7 sieht auch der am 15.2.2007 vom 58
IASB vorgelegte Standardentwurf (IFRS for Small and Medium-sized Entities) vor, die Kapital-
flussrechnung nach den Grundregeln des IAS 7 als Pflichtbestandteil des IFRS-SME-Abschlusses
vorzuschreiben.82

75 Vgl. Meyer, Cashflow-Reporting, S. 111.


76 Vgl. IAS 7.4.
77 Vgl. IAS 7.53.
78 Vgl. IAS 7.3.
79 Zur Anwendung der IASB-Standards im Abschluss von gemeinnützigen Organisationen siehe das Preface des IASB,
Paragraph 9.
80 Vgl. IAS 7.3.
81 Vgl. IAS 7.24 und IAS 7.33.
82 ED IFRS for SMEs, Paragraph 3.15(d) und 7.1-19.
Martin Meyer 97
4 §4 Der IFRS-Abschluss

IV. Aufbau und Inhalt

1. Grundstruktur und Gestaltungsmerkmale


59 Die Kapitalflussrechnung nach IAS 7 ist ein zahlungsorientiertes Rechenwerk in Staffelform und
umfasst zwei Teilrechnungen, die Ursachenrechnung und die Fondsveränderungsrechnung.83
4
Teilrechnungen Aktivitätsformat in Staffelform
Cashflows aus betrieblicher Tätigkeit (direkte Methode):
Einzahlungen aus betrieblichen Geschäftsvorgängen
– Auszahlungen für betriebliche Geschäftsvorgänge
= Mittelüberschuss/-fehlbetrag aus der betrieblichen Tätigkeit (1)
Cashflows aus Investitionstätigkeit:
Einzahlungen aus Desinvestitionen
Ursachenrechnung
– Auszahlungen für Investitionen
= Mittelüberschuss/-fehlbetrag aus der Investitionstätigkeit (2)
Cashflows aus Finanzierungstätigkeit:
Einzahlungen aus Finanzierungen
– Auszahlungen für Definanzierungen
= Mittelüberschuss/-fehlbetrag aus der Finanzierungstätigkeit (3)
Zu-/Abnahme der Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente
(Summe aus 1, 2 und 3)
Fondsveränderungsrechnung
+ Anfangsbestand der Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente
= Endbestand der Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente

60 Die Ursachenrechnung ist eine Stromrechnung. Ihre formale Gestaltung baut auf dem dreiteili-
gen Aktivitätsformat auf. Entsprechend sind Ein- und Auszahlungen je nach Art der ursächlichen
Aktivität als betriebliche Tätigkeit, Investitionstätigkeit oder Finanzierungstätigkeit zu klassifizie-
ren.84 Innerhalb der drei Tätigkeitsbereiche der Ursachenrechnung werden Ein- und Auszahlungen
grundsätzlich unsaldiert dargestellt (Bruttoprinzip),85 um das Volumen von Mittelherkunft und -ver-
wendung anzuzeigen. Eine saldierte Darstellung von Ein- und Auszahlungen ist ausnahmsweise für
folgende Zahlungsvorgänge erlaubt:86
■ Ein- und Auszahlungen, die vorrangig aus Kundenaktivitäten und weniger aus eigenständigen
Handlungen des Unternehmens resultieren (z.B. Mieteinnahmen aus der Verwaltung von Im-
mobilien, die im Namen der Eigentümer eingezogen und im Anschluss an diese weitergereicht
werden);
■ Ein- und Auszahlungen mit großer Umschlagshäufigkeit, hohen Beträgen und kurzen Lauf-
zeiten (z.B. Erwerb und Veräußerungen kurzfristiger Wertpapiere oder kurzlaufende Darle-
hensaufnahmen von bis zu drei Monaten).
83 Zur Grundstruktur einer Kapitalflussrechnung nach IAS 7 siehe die unverbindlichen Beispielgliederungen im An-
hang des Standards; IAS 7 Anhang A und Anhang B.
84 Vgl. IAS 7.10.
85 Vgl. IAS 7.18ff.
86 Vgl. IAS 7.22ff. Zu Sonderregelungen für die saldierte Darstellung von Ein- und Auszahlungen bei Finanzinstitutio-
nen vgl. IAS 7.24.
98 Martin Meyer
B. Kapitalflussrechnungen 4

Die Klassifizierung einzelner Zahlungsvorgänge innerhalb der Ursachenrechnung als betriebli- 61


che Tätigkeit, Investitionstätigkeit oder Finanzierungstätigkeit soll ein Unternehmen in der Weise
vornehmen, die seiner unternehmerischen Betätigung am besten gerecht wird.87 In Zweifelsfällen
über die richtige Zuordnung einer Zahlung zu einem der drei Tätigkeitsbereiche ist der Unterneh-
menszweck, das wirtschaftliche Tätigkeitsfeld oder der wirtschaftliche Hintergrund der Zahlungs-
transaktion heranzuziehen. So z.B. ist der Erwerb von Möbeln bei einer Einrichtungshauskette als
betriebliche Tätigkeit zu klassifizieren, da Möbel aufgrund des unternehmerischen Betätigungsfeldes
Vorräte darstellen, während ein derartiger Geschäftsvorfall aus Sicht anderer Unternehmen in der Re-
gel als Investitionstätigkeit einzustufen ist. 4
Des Weiteren regelt IAS 7, dass eine tätigkeitsübergreifende Zahlungstransaktion sachgerecht in 62
seine Einzelbestandteile aufzuspalten ist. Die fortlaufenden Rückzahlungsbeträge eines Annuitä-
tendarlehens sind demnach in einen Zins- und Tilgungsanteil zu zerlegen. Der Tilgungsanteil ist
in der Finanzierungstätigkeit und der Zinsanteil – je nach Ausübung des Zuordnungswahlrechts
– in der betrieblichen Tätigkeit oder der Finanzierungstätigkeit zu erfassen.88
Die Fondsveränderungsrechnung ist eine Bestandsrechnung, in der Anfangs- und Endbestand 63
der als Finanzmittelfonds abgegrenzten Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente sowie de-
ren Veränderung innerhalb der Berichtsperiode ausgewiesen werden. Über die Veränderungs-
größe der Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente sind Ursachenrechnung und Fonds-
veränderungsrechnung rechnerisch miteinander verbunden. In die Überleitungsrechnung sind
ferner wechselkursbedingte Veränderungen des Finanzmittelfonds zu berücksichtigen, wenn sich
der Bestand an Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente in Fremdwährung durch Wech-
selkursverschiebungen oder durch in der Berichtsperiode getätigte Fremdwährungstransaktionen
geändert hat.89

2. Definition und Abgrenzung des Finanzmittelfonds


Entscheidend für den Rechnungsinhalt und dadurch zugleich für den Informationsgehalt und 64
die zwischenbetriebliche Vergleichbarkeit von Kapitalflussrechnungen ist die Definition und Ab-
grenzung des Finanzmittelfonds. Nach IAS 7 sind allein Zahlungsmittel und Zahlungsmitte-
läquivalente als Fondsbestandteile zugelassen.90 Für die Ursachenrechnung folgt daraus, dass ihr
Inhalt auf derartige Geschäftsvorgänge beschränkt ist, die in der Berichtsperiode Veränderungen der
Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente bewirken. Der Vorteil der vergleichsweisen – beson-
ders im Gegensatz zum Vorgänger – engen Fondsabgrenzung besteht darin, dass ausschließlich finanz-
wirtschaftliche Geschäftsvorfälle im Sinne von Zahlungsströmen in der Ursachenrechnung abgebildet
werden. Ermessensabhängige Periodisierungs- und Bewertungsaspekte lassen sich so im Rahmen der
Kapitalflussrechnung weitestgehend ausschalten. Überdies wird auf diesem Wege sichergestellt, dass
die im Fonds gebundenen Finanzmittel nur minimalen Einlöserisiken unterliegen.
Als Zahlungsmittel (cash) gelten Bargeld, Schecks und Sichteinlagen.91 Unter Zahlungsmitteläqui- 65
valenten (cash equivalents) sind nur kurzfristige, hochgradig liquide Finanzinvestitionen zu subsumie-
ren, die jederzeit in einen bekannten Barbetrag getauscht werden können und lediglich unwesentlichen

87 Vgl. IAS 7.11.


88 Vgl. IAS 7.12.
89 Vgl. IAS 7.28.
90 Vgl. IAS 7 Zielsetzung und IAS 7.6.
91 Vgl. IAS 7.6.
Martin Meyer 99
4 §4 Der IFRS-Abschluss

Wertänderungsrisiken unterliegen.92 Daher kommen als Zahlungsmitteläquivalente grundsätzlich


nur solche Finanzinvestitionen in Betracht, die im Erwerbs- bzw. Anlagezeitpunkt eine Restlaufzeit
von drei Monaten oder weniger aufweisen (statische Restlaufzeit). Eine weitere Voraussetzung für die
Einstufung von Finanzinvestitionen als Zahlungsmitteläquivalente ist, dass sie als Liquiditätsreserve
zur Bedienung kurzfristig fälliger Zahlungsverpflichtungen bereitstehen und nicht für Investitionsvor-
haben oder andere (Spekulations-)Zwecke gehalten werden. Eigenkapitalinstrumente wie Unterneh-
mensbeteiligungen erfüllen die an Zahlungsmitteläquivalente gestellten Anforderungen in der Regel
nicht.93
4 66 Kurzfristige Bankverbindlichkeiten (bank overdrafts) im Sinne von Überziehungs- bzw. Kon-
tokorrentkrediten kommen als weitere Komponente des Finanzmittelfonds in Frage. Bedingung
für ihre Berücksichtigung als Abzugsposten im Finanzmittelfonds ist, dass sie einen integralen
Bestandteil des Cash Management bilden und der Saldo des betreffenden Bankkontos laufend
zwischen positiv und negativ hin und her schwankt.94
67 Im Rahmen des Cash Management werden regelmäßig wertmäßige Umschichtungen von Zah-
lungsmitteln in Zahlungsmitteläquivalente oder umgekehrt vorgenommen. Hierbei handelt es
sich um fondsinterne Vorgänge, die nach IAS 7 definitionsgemäß keine Zahlungsströme darstel-
len und dementsprechend nicht als solche in einer Kapitalflussrechnung auszuweisen sind.95
68 Die Vorgaben zur Bestimmung von Zahlungsmitteln und Zahlungsmitteläquivalenten als Fonds-
komponenten liefern wichtige Anhaltspunkte, welche finanziellen Vermögenswerten in den Fi-
nanzmittelfonds überhaupt einzubeziehen sind. Gleichwohl können bei der Klassifizierung liqui-
der finanzieller Vermögenswerte als Zahlungsmitteläquivalente auch unternehmensindividuelle
Besonderheiten des Cash Management berücksichtigt werden.96 Beispielsweise können kurzfristige
Geldanlagen, die zwar die Kriterien von Zahlungsmitteln oder Zahlungsmitteläquivalenten erfüllen
und notfalls auch als Liquiditätsreserve dienen, aus dem Fonds ausgegrenzt werden, sofern diese li-
quiden Mittel primär zur Erzielung von Zinserträgen genutzt werden. Vor diesem Hintergrund sind
Unternehmen dazu verpflichtet, die Zusammensetzung der Zahlungsmittel oder Zahlungsmitteläqui-
valente im Anhang zu erläutern und eine Überleitung auf die entsprechenden Posten in der Bilanz
anzugeben.97 Letzteres kann entfallen, wenn die Abgrenzung der Zahlungsmittel oder Zahlungsmit-
teläquivalente in beiden Rechenwerken übereinstimmt. Kommt es zu Änderungen bei der Methode
zur Abgrenzung der Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente, ist darüber gemäß IAS 8 zu be-
richten.98
69 Im Rahmen des Konzernabschlusses sind überdies wesentliche Bestände von Zahlungsmitteln
oder Zahlungsmitteläquivalenten, die von Konzernunternehmen gehalten werden, im Anhang zu
beziffern, sofern die Konzernführung darüber nicht frei verfügen kann. In diesem Zusammenhang
ist auch die Form der Verfügungsbeschränkung zu nennen. Zahlungsmittel oder Zahlungsmitte-
läquivalente sind in ihrer Verfügbarkeit z.B. dann eingeschränkt, wenn Devisentransferbeschrän-
kungen oder sonstige rechtliche Zugriffsrestriktionen bestehen und weder das Mutterunternehmen
noch ein anderes Tochterunternehmen nicht uneingeschränkt über die Mittel verfügen können.99

92 Vgl. IAS 7.6.


93 Eine Ausnahme können Vorzugsaktien mit kurzen Restlaufzeiten und einem festen Fälligkeitsdatum bilden, wenn sie
vom wirtschaftlichen Gehalt her tatsächlich Zahlungsmitteläquivalente darstellen; vgl. IAS 7.7.
94 Vgl. IAS 7.8.
95 Vgl. IAS 7.9.
96 Vgl. KPMG, International Financial Reporting Standards, S. 130.
97 Vgl. IAS 7.45f..
98 Vgl. IAS 7.47.
99 Vgl. IAS 7.48f. Ausführlich dazu vgl. Meyer, Internationales Bilanzrecht-Kommentar, IAS 7, Rz. 123.
100 Martin Meyer
B. Kapitalflussrechnungen 4

3. Betriebliche Tätigkeit
Der Einzahlungsüberschuss, der durch die betriebliche Tätigkeit erzielt wird, gilt als Schlüssel- 70
indikator für die Fähigkeit eines Unternehmens, im Umsatzprozess ausreichend Mittelzuflüsse
zu erwirtschaften, um Schulden zu begleichen, Ersatz- und Erweiterungsinvestitionen zu tätigen
sowie Gewinne auszuschütten, ohne dabei die Außenfinanzierung in Anspruch nehmen zu müs-
sen.100
Die betriebliche Tätigkeit umfasst Zahlungsvorgänge, die aus Geschäftsvorfällen im Herstel- 71 4
lungs-, Handels- oder Dienstleistungsbereich resultieren und in erster Linie zur Umsatzerzielung
beitragen.101 Mithin sind die Zahlungsvorgänge der betrieblichen Tätigkeit grundsätzlich das Ergebnis
von Geschäftsvorfällen und Ereignissen, die als Aufwendungen und Erträge in die Gewinnermittlung
eingehen (sog. Inclusion Concept).102 Typische Ein- und Auszahlungen der betrieblichen Tätigkeit
sind:
■ Umsatzeinzahlungen (Erlöse aus dem Verkauf von Gütern und der Erbringung von Dienst-
leistungen);
■ Auszahlungen an Lieferanten von Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen sowie Vorleistungen;
■ Arbeitsentgelt für Beschäftige einschließlich Steuern und Sozialabgaben;
■ Sonstige betriebliche Einzahlungen (z.B. Nutzungsentgelte, Honorare und Provisionen);
■ Sonstige betriebliche Auszahlungen (z.B. Versicherungsprämien, Schadensregulierungen).
Außerdem grenzt IAS 7 die betriebliche Tätigkeit von den beiden anderen Aktivitäten negativ ab. 72
Alle Zahlungsvorgänge, die nicht der Investitions- oder Finanzierungstätigkeit zuzurechnen sind,
werden im Teilbereich der betrieblichen Tätigkeit erfasst.103
Ausnahmen vom Inclusion Concept bilden Geschäftsvorfälle, deren Erfolgswirkungen sich zwar 73
als Gewinn oder Verlust in der Gewinnermittlung niederschlagen, die aber das Ergebnis von Inve-
stitions- oder Finanzierungsvorgängen sind. Ein Gewinn oder Verlust aus der Veräußerung einer
Sachanlage bspw. ist in Summe mit dem abgegangenen Buchwert als Verkaufserlös in der Investi-
tionstätigkeit zu berücksichtigen.104 Mithin sind nicht alle zahlungswirksamen Aufwendungen und
Erträge zwangsläufig unter der betrieblichen Tätigkeit zu erfassen.
Darüber hinaus regelt IAS 7, das Zahlungsströme aus Erwerb und Veräußerung von zu Handels- 74
zwecken gehaltenen Wertpapieren und Darlehensforderungen dem Teilbereich der betrieblichen
Tätigkeit zuzuordnen sind, da sie aufgrund der bestehenden Wiederveräußerungsabsicht eine
starke Ähnlichkeit mit den zum Wiederverkauf erworbenen Vorräten auszeichnet.105

Für die Darstellung der betrieblichen Tätigkeit gewährt IAS 7 ein Wahlrecht zwischen der direk- 75
ten Methode und der indirekten Methode.106 Verpflichtende Mindestgliederungen für die beiden
Darstellungsformen enthält IAS 7 nicht. Gleichwohl sind dennoch bestimmte verbale Mindestanfor-
derungen zu beachten. Nützliche Anhaltspunkte bieten darüber hinaus die Gliederungsbeispiele im

100 Vgl. IAS 7.13.


101 Vgl. IAS 7.6 und IAS 7.14.
102 Vgl. IAS 7.14.
103 Vgl. IAS 7.6.
104 Vgl. IAS 7.14.
105 Vgl. IAS 7.15.
106 Vgl. IAS 7.18.
Martin Meyer 101
4 §4 Der IFRS-Abschluss

Anhang von IAS 7, wenngleich sie nicht verbindlich sind.107 Ferner sei bereits hier angemerkt, dass bei
der Darstellung der Investitionstätigkeit wie auch der Finanzierungstätigkeit nur die direkte Methode
zulässig ist.108
76 Bei der Anwendung der direkten Darstellungsform werden Einzahlungen und Auszahlungen
der betrieblichen Tätigkeit brutto unterteilt in Hauptklassen einander gegenübergestellt.109 Ihr
Saldo ergibt den Einzahlungsüberschuss/-fehlbetrag aus der betrieblichen Tätigkeit. Das IASB bevor-
zugt die direkte Darstellungsform, da Informationen über betriebliche Bruttoein- und -auszahlungen
bereitgestellt werden, die Adressaten bei der Prognose künftiger Zahlungsströme (future cash flows)
4 helfen und bei Anwendung der indirekten Methode nicht offen gelegt werden.
77 Die indirekte Darstellungsmethode ist eine Überleitungsrechnung, in der vorwiegend keine
Zahlungsströme abgebildet werden. Aufbauend auf dem aggregierten Zahlenwerk von Bilanz
und Gewinn- und Verlustrechnung sowie weiterer erforderlicher Daten aus dem Rechnungswe-
sen wird das Periodenergebnis auf den Einzahlungsüberschuss/-fehlbetrag aus der betrieblichen
Tätigkeit rechnerisch übergeleitet. Das Periodenergebnis bildet die Ausgangsgröße und wird kor-
rigiert um Einflüsse:
■ nicht zahlungswirksamer Geschäftsvorfälle,
■ um Rückwirkungen von Periodisierungsmaßnahmen auf vergangene oder künftige betriebli-
che Ein- und Auszahlungen sowie
■ um Aufwendungen und Erträge, die zu Zahlungstransaktionen der Investitions- oder Finan-
zierungstätigkeit gehören.110
Bei Anwendung der indirekten Methode lässt sich der Einzahlungsüberschuss/-fehlbetrag aus
der betrieblichen Tätigkeit letztlich errechnen, in dem ausgehend vom Periodenergebnis folgende
Überleitungsposten hinzugerechnet und abgezogen werden:111
■ zahlungsunwirksame Posten (z.B. Abschreibungen, unrealisierte Währungsgewinne/-verluste,
nicht ausgeschüttete Gewinnanteile assoziierter Unternehmen),
■ Mittelbindungen bzw. -freisetzungen im operativen Nettoumlaufvermögen während der Be-
richtsperiode (Bestandsveränderungen bei Vorräten und betrieblichen Forderungen und Ver-
bindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen) sowie
■ weitere Posten, deren Zahlungswirkungen aufgrund ihres wirtschaftlichen Gehalts der Inve-
stitions- oder Finanzierungstätigkeit zuzurechnen sind (z.B. Gewinne/Verluste aus der Veräu-
ßerung von Anlagegütern, die in die Investitionstätigkeit umzubuchen sind und dort zusam-
men mit den abgegangenen Buchwerten die Veräußerungserlöse ergeben).
78 Wird die Überleitungsrechnung fehlerfrei und vollständig durchgeführt, dann ergibt sich der
identische Endbetrag für den Einzahlungsüberschuss/-fehlbetrag aus der betrieblichen Tätigkeit
wie bei der direkten Methode.112

107 Vgl. Freiberg/Bork, Haufe IFRS-Kommentar, §3, Rz. 33 und 45ff.


108 Vgl. IAS 7.21.
109 Vgl. IAS 7.18(a). Zu gängigen Ein- und Auszahlungen der betrieblichen Tätigkeit, die bei Anwendung der direkten
Methode bspw. einzeln und unsaldiert gezeigt werden, siehe die oben aufgelisteten Zahlungsvorgänge.
110 Vgl. IAS 7.18(b). Im Einzelnen vgl. Meyer, Internationaler Bilanzrecht-Kommentar, IAS 7, Rz. 151ff.; Freiberg/Bork,
Haufe IFRS-Kommentar, §3, Rz. 50ff.
111 Vgl. IAS 7.20. Ferner zu einem Musterbeispiel siehe Anhang A zu IAS 7.18(b).
112 Ein anschauliches Beispiel zur indirekten Methode einschließlich Erläuterung findet sich bei Coenenberg, Jahresab-
schluss, S. 792ff.
102 Martin Meyer
B. Kapitalflussrechnungen 4

In IAS 7 wird darüber hinaus eine weitere Form der indirekten Darstellung zugelassen,113 die nicht 79
auf dem Periodenergebnis als Ausgangsgröße aufbaut. Bei dieser alternativ zulässigen indirekten Dar-
stellungsmethode wird der Einzahlungsüberschuss/-fehlbetrag aus der betrieblichen Tätigkeit errech-
net, indem im ersten Schritt betriebliche Aufwendungen und Erträge (im Musterbeispiel ausdrücklich
ohne Abschreibungen und Finanzerträge) miteinander zum „Betriebsergebnis vor Änderungen des
Nettoumlaufvermögens“ (operating profit before working capital changes) verrechnet werden.114 Im
zweiten Schritt wird die Betriebsergebnisgröße sodann um Änderungen des operativen Nettoumlauf-
vermögens berichtigt, d.h. um Bestandsveränderungen der Vorräte und der betrieblichen Forderun-
gen und Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen.115 4

4. Investitionstätigkeit
Die Investitionstätigkeit umfasst unternehmerische Handlungen, die Erwerb und Veräußerung 80
langfristiger Vermögenswerte und anderer Finanzinvestitionen betreffen, wobei Letztere weder
Zahlungsmitteläquivalente darstellen noch zu Handelszwecken gehalten werden.116 Investitions-
zahlungen sind von besonderem Interesse, da sie das Ausmaß der Zukunftsvorsorge reflektieren, d.h.
wie viel ein Unternehmen an Ersatz- und Erweiterungsinvestitionen getätigt hat, um in künftigen Be-
richtsperioden Gewinne und Einzahlungsüberschüsse zu erwirtschaften.117 Desinvestitionen geben
Aufschluss über Restrukturierungen, Kapazitätsabbau und Portfoliobereinigungen. Zahlungsvorgän-
ge aus dem Kauf oder Verkauf von Vorräten sind dagegen nicht unter der Investitionstätigkeit, sondern
im Teilbereich der betrieblichen Tätigkeit zu berücksichtigen.
Musterbeispiele für Zahlungsströme der Investitionstätigkeit sind:118 81
■ Auszahlungen für die Anschaffung von Sachanlagen, immateriellen und sonstigen langfristi-
gen Vermögenswerten (einschließlich Auszahlungen für aktivierte Entwicklungskosten und
für selbst erstellte Sachanlagen);
■ Einzahlungen aus der Veräußerung von Sachanlagen, immateriellen und sonstigen langfristi-
gen Vermögenswerten;
■ Auszahlungen für den Kauf von Anteilen und Anleihen anderer Unternehmen (außer diese
Instrumente sind als Zahlungsmitteläquivalente zu betrachten oder werden zu Handelszwek-
ken gehalten);
■ Einzahlungen aus dem Verkauf von Anteilen und Anleihen anderer Unternehmen (außer die-
se Instrumente sind als Zahlungsmitteläquivalente zu betrachten oder werden zu Handels-
zwecken gehalten);
■ Auszahlungen für gewährte Kredite und Darlehen an Fremde (mit Ausnahme der von einer
Finanzinstitution gewährten Kredite und Darlehen);
■ Einzahlungen aus der Rückzahlung der gewährten Kredite und Darlehen an Fremde (mit Aus-
nahme der von einer Finanzinstitution gewährten Kredite und Darlehen);

113 Vgl. IAS 7.20.


114 Vgl. IAS 7 Anhang A.
115 Vgl. IAS 7.20.
116 Vgl. IAS 7.6.
117 Vgl. IAS 7.16.
118 Vgl. IAS 7.16.
Martin Meyer 103
4 §4 Der IFRS-Abschluss

■ Auszahlungen für standardisierte und andere Termingeschäfte, Options- und Swap-Geschäf-


te, sofern die Derivate nicht zu Handelszwecken gehalten werden oder die Auszahlungen als
Finanzierungstätigkeit zu klassifizieren sind;
■ Einzahlungen aus standardisierten und anderen Termingeschäften, Options- und Swap-Ge-
schäften, sofern die Derivate nicht zu Handelszwecken gehalten werden oder die Einzahlun-
gen als Finanzierungstätigkeit zu klassifizieren sind.
82 Wird ein derivatives Finanzinstrument zur Absicherung gegen Wechselkurs-, Zins- und andere
4 Preisrisiken genutzt und wird die Sicherungsbeziehung als effektiver Fair Value Hedge oder Cash
Flow Hedge nach IAS 39 bilanziert, dann sind die Zahlungsströme aus dem Sicherungsgeschäft
im selben Teilbereich wie die Zahlungsvorgänge aus dem Grundgeschäft zu erfassen.119
83 Ein- und Auszahlungen der Investitionstätigkeit sind in Hauptklassen zu unterteilen und entspre-
chend dem Bruttoprinzip unsaldiert darzustellen, außer die Voraussetzungen für eine saldierte
Darstellung gemäß IAS 7.22f. sind gegeben.120

5. Finanzierungstätigkeit
84 Der Finanzierungstätigkeit sind Geschäftsvorfälle zuzuordnen, die Veränderungen hinsichtlich
Umfang und Zusammensetzung von Eigenkapital und Finanzschulden bewirken.121 Zahlungs-
ein- und -ausgänge der Finanzierungstätigkeit resultieren hiernach aus Transaktionen mit Eigen- und
Fremdkapitalgebern. Informationen über Finanzierungstransaktionen sind für Abschlussadressaten
von Interesse, da sie einen Einblick in aktuelle Außenfinanzierungsmaßnahmen eines Unternehmens
gewähren und Anhaltspunkte für die Prognose künftiger Zahlungsansprüche von Eigen- und Fremd-
kapitalgebern gegenüber dem Unternehmen liefern.122
85 Charakteristisch für die Finanzierungstätigkeit sind folgende Zahlungsvorgänge:123
■ Einzahlungen aus der Ausgabe von Anteilen oder anderen Eigenkapitalinstrumenten;
■ Auszahlungen an Anteilseigner zum Erwerb oder bei Rücknahme von eigenen Anteilen;
■ Einzahlungen aus der Ausgabe von Fremdkapitaltiteln (Schuldverschreibungen, Schuldschei-
nen und Rentenpapieren) sowie aus der Aufnahme von Darlehen, Hypotheken oder anderen
kurz- oder langfristigen Finanzschulden;
■ Auszahlungen zur Rückzahlung von Finanzschulden; und
■ Auszahlungen von Leasingnehmern zur Tilgung von Verbindlichkeiten aus Finanzierungs-
Leasingverträgen.
86 Leasingraten aus Finanzierungs-Leasingverträgen sind in einen Zins- und Tilgungsanteil auf-
zuspalten. Der Tilgungsanteil ist stets in der Finanzierungstätigkeit zu erfassen,124 der Zins-
anteil ist – den Zuordnungsregeln für gezahlte Zinsen folgend – entweder der betrieblichen Tä-
tigkeit oder der Finanzierungstätigkeit zuzuweisen.125 Auch wenn IAS 7 zur Behandlung von

119 Vgl. IAS 7.16.


120 Vgl. IAS 7.21.
121 Vgl. IAS 7.6.
122 Vgl. IAS 7.17.
123 Vgl. IAS 7.17.
124 Vgl. IAS 7.17(e).
125 Vgl. IAS 7.33.
104 Martin Meyer
B. Kapitalflussrechnungen 4

Leasingraten aus Operating-Leasingverträgen keine konkrete Regelung enthält, ist es sachgerecht, die
Leasingzahlungen – analog zu anderen Mietzahlungen – mit ihrem vollen Betrag in der betrieblichen
Tätigkeit zu erfassen.126
Ein- und Auszahlungen der Finanzierungstätigkeit sind in Hauptklassen zu untergliedern und 87
grundsätzlich unsaldiert darzustellen; es sei denn, die Bedingungen für eine saldierte Darstellung
gemäß IAS 7.22f. sind erfüllt.127

V. Einzelregelungen für bestimmte Ein- und Auszahlungen 4

1. Zahlungsvorgänge in Fremdwährung
Umrechnungseffekte, die bei Wechselkursveränderungen entstehen, dürfen in den drei Teilberei- 88
chen der Ursachenrechnung nicht enthalten sein, da sie nicht zahlungswirksam sind. Die Um-
rechnungsdifferenzen werden jedoch in einem Sonderposten außerhalb der Ursachenrechnung
bzw. als Bestandteil der Fondsveränderungsrechnung ausgewiesen, um den Anfangsbestand der
Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente auf ihren Endbestand in der Fondsveränderungs-
rechnung überleiten zu können.128 Der dort als Wechselkurseffekt (effect of exchange rate changes) ge-
kennzeichnete Sonderposten dient allein der rechnerischen Abstimmung des Finanzmittelfonds.
Für das Auftreten von Umrechnungsdifferenzen in der Kapitalflussrechnung gibt es drei Ur- 89
sachen. Erstens treten Wechselkursdifferenzen bei Geschäftsvorfällen in fremder Währung
(Fremdwährungstransaktionen) auf, wenn sie nicht dem Wechselkurs zum Zahlungszeitpunkt
umgerechnet werden. Zweitens ergeben sich Umrechnungseffekte, sobald Zahlungsmittel und/
oder Zahlungsmitteläquivalente in Fremdwährung (Fremdwährungsbestände) gehalten und am
Abschlussstichtag bewertet werden. Drittens entstehen Währungseffekte, wenn Fremdwährungs-
abschlüsse von ausländischen Tochterunternehmen in die Konzernkapitalflussrechnung einbezo-
gen werden.129
Bei Fremdwährungstransaktionen sind die zugehörigen Zahlungsströme mit dem Wechselkurs 90
zum Zahlungszeitpunkt (Transaktionskurs) in die funktionale Währung umzurechnen,130 um
Umrechnungsdifferenzen in der Ursachenrechnung zu vermeiden. Die Fremdwährungstransaktionen
schlagen sich dann betragsmäßig in der Ursachenrechnung so nieder, als wenn sie im Zahlungszeit-
punkt unmittelbar in der funktionalen Währung abgewickelt und gebucht worden wären. Aus Verein-
fachungsgründen dürfen auch wöchentliche oder monatliche Durchschnittskurse verwendet werden
(vor allem bei kontinuierlich anfallenden Fremdwährungstransaktionen); es sei denn, aufgrund äu-
ßerst starker Wechselkursschwankungen ist die Anwendung von Durchschnittsverfahren gemäß IAS
21 untersagt.131
Im Rahmen der Erstellung der Konzernkapitalflussrechnung sind die Zahlungsströme eines aus- 91
ländischen Tochterunternehmens ebenfalls mit dem Transaktionskurs in die funktionale Wäh-
rung umzurechnen.132

126 Vgl. Gebhardt, Beck HdR, Abschnitt C 620, Rz. 225f.; Scheffler, BB 2002, S. 299.
127 Vgl. IAS 7.21.
128 Vgl. IAS 7.28.
129 Vgl. Rudolph, Rainer, IFRS-Handbuch, § 18, Rz. 48.
130 Vgl. IAS 7.25.
131 Vgl. IAS 7.27 i.V.m. IAS 21.21f.
132 Vgl. IAS 7.26.
Martin Meyer 105
4 §4 Der IFRS-Abschluss

92 Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente in Fremdwährung sind monetäre Posten, die ana-


log zur Bilanz gemäß IAS 21 mit dem Stichtagskurs in die funktionale Währung umzurechnen
sind.133 Mit der einheitlichen Umrechnung von Fremdwährungsbeständen in Bilanz und Kapital-
flussrechnung wird zugleich sichergestellt, dass die Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente der
Kapitalflussrechnung mit dem gleichnamigen Bilanzposten übereinstimmen bzw. auf die zugehörigen
Bilanzposten übergeleitet werden können, wie es in IAS 7 gefordert wird.134

4 2. Zinsen und Dividenden


93 Die pflichtmäßige Erfassung erhaltener und gezahlter Zinsen wie auch erhaltener Dividenden im
Bereich der betrieblichen Tätigkeit ist im Fall von Finanzinstitutionen unstrittig. Über ihre Zu-
ordnung bei anderen Unternehmen (wie etwa bei Industrie- oder Handelsunternehmen) herrscht
indes Uneinigkeit, sodass IAS 7 aus folgenden Gründen Zuordnungswahlrechte einräumt.135 Ei-
nerseits sind gezahlte Zinsen, erhaltene Zinsen und erhaltene Dividenden nach Maßgabe des Inclusion
Concept in der betrieblichen Tätigkeit zu erfassen, da sie als erfolgswirksame Geschäftsvorfälle in
der Gewinn- und Verlustrechnung berücksichtigt werden. Andererseits stellen erhaltene Zinsen und
erhaltene Dividenden die Rückflüsse bzw. Kapitalerträge von Finanzinvestitionen dar, wonach sie der
Investitionstätigkeit zuzurechnen sind. Und gezahlte Zinsen sind Finanzierungsaufwendungen bzw.
Kosten der Kapitalbeschaffung und weisen somit einen direkten Bezug zur Finanzierungstätigkeit
auf.136
94 Die Zuordnung von gezahlten Dividenden zum Bereich der Finanzierungstätigkeit ist mit ihrer
Eigenschaft als Eigenkapitalkosten zu begründen. Gleichwohl ist es aber auch zulässig, gezahlte
Dividenden im Bereich der betrieblichen Tätigkeit zu erfassen. Nur dann ist unmittelbar ersicht-
lich, inwieweit Gewinnausschüttungen durch die im Rahmen der betrieblichen Tätigkeit erwirt-
schafteten Einzahlungsüberschüsse gedeckt sind.137
95 Erhaltene Zinsen sowie erhaltene und gezahlte Dividenden sind entweder innerhalb der Kapi-
talflussrechnung oder in den Zusatzangaben anzugeben (Verlagerungswahlrecht).138 Ausschließ-
lich für gezahlte Zinsen wird ausdrücklich vorgegeben, dass ihr Gesamtbetrag innerhalb der Kapital-
flussrechnung darzustellen ist, und zwar unabhängig davon, ob die gezahlten Zinsen als Zinsaufwand
in der Gewinn- und Verlustrechnung berücksichtigt oder nach IAS 23 aktiviert wurden.139

3. Ertragsteuern
96 Ertragsteuern liegen Geschäftsvorfälle zugrunde, deren Zahlungsströme in der Kapitalflussrech-
nung sowohl in der betrieblichen Tätigkeit als auch in der Investitionstätigkeit oder in der Fi-
nanzierungstätigkeit vorkommen.140 Die Identifizierung der zugehörigen Ertragsteuerzahlungen ist
jedoch zumeist nicht praktikabel und aus wirtschaftlicher Sicht auch nicht sinnvoll, vor allem weil sie
regelmäßig erst periodenverschoben anfallen und sich dann nachträglich nicht mehr verursachungs-
recht zuordnen lassen. Daher sind gezahlte Ertragsteuern und erhaltene Ertragsteuererstattungen
133 Vgl. IAS 21.23(a).
134 Vgl. IAS 7.45.
135 Vgl. IAS 7.33.
136 Vgl. IAS 7.33.
137 Vgl. IAS 7.34.
138 Vgl. IAS 7.31.
139 Vgl. IAS 7.32.
140 Vgl. IAS 7.36.
106 Martin Meyer
B. Kapitalflussrechnungen 4

grundsätzlich der betrieblichen Tätigkeit zuzurechnen.141 Ist es jedoch praktisch durchführbar, Er-
tragsteuerzahlungen einem einzelnen Investitions- oder Finanzierungsvorgang eindeutig zuzuordnen,
dann sind diese Ertragsteuerzahlungen verursachungsgerecht in der Investitions- bzw. Finanzierungs-
tätigkeit zu erfassen.142 Durch dieses bedingte Zuordnungswahlrecht, kann es zur Verteilung der in
einer Berichtsperiode insgesamt angefallenen Ertragsteuerzahlungen auf mehrere Teilbereiche kom-
men.
Ertragsteuerzahlungen sind vorzugsweise innerhalb der Kapitalflussrechnung gesondert anzuge- 97
ben, da hierdurch ihre Zuordnung unmittelbar ersichtlich wird.143 Alternativ kann ihre Angabe in
den Anhang verlagert werden. Werden die Ertragsteuern aufgeteilt und in mehr als einem Tätigkeits- 4
bereich berücksichtigt, so muss ihr Gesamtbetrag im Anhang ausgewiesen werden.144

4. Anteile an Tochterunternehmen,
assoziierten Unternehmen und Joint Ventures
In einer Konzernkapitalflussrechnung werden ausschließlich Zahlungstransaktionen abgebil- 98
det, die aus Konzernsicht Zahlungsvorgänge mit Konzernfremden darstellen. Dementsprechend
sind konzerninterne Zahlungsvorgänge, die zwischen konsolidierungspflichtigen Unternehmen
geflossen sind, stets zu konsolidieren.
Werden Anteile an assoziierten Unternehmen oder an Tochterunternehmen im Konzernab- 99
schluss nach der Equity-Methode oder nach der Anschaffungskostenmethode bilanziert, dann
sind in der Konzernkapitalflussrechnung nur Zahlungsvorgänge zwischen den einbezogenen
Konzernunternehmen und den nicht konsolidierten Beteiligungsunternehmen enthalten. Dies
werden in erster Linie Dividendenzahlungen oder Zahlungen im Zusammenhang mit der Ein-
räumung oder Rückzahlung von Krediten sein.145 Darüber hinaus kann es sich aber auch um nicht
konsolidierte Zahlungen aus dem Liefer- und Leistungsverkehr, zahlungswirksame Kapitalerhöhun-
gen oder -rückführungen sowie Ein- und Auszahlungen aus Erwerb oder Veräußerung solcher Beteili-
gungen handeln. Die in der Konzerngewinn- und verlustrechnung erfassten Erfolgswirkungen aus den
nach der Equity-Methode fortgeschriebenen Beteiligungen sind mangels Zahlungswirksamkeit in der
Konzernkapitalflussrechnung nicht enthalten.
Bei einem Gemeinschaftsunternehmen (Joint Venture), das mittels Quotenkonsolidierung 100
nach IAS 31 in den Konzernabschluss einbezogen wird, sind die Zahlungsströme und Finanz-
mittelbestände anteilig in Höhe der Beteiligungsquote in die Konzernkapitalflussrechnung zu
übernehmen sowie quotal zu konsolidieren.146 Da die Konzernleitung über die quotal einbezogenen
Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente des Gemeinschaftsunternehmens in der Regel nicht
verfügen kann, ist darüber im Rahmen der Angaben über wesentliche Bestände von Zahlungsmitteln
oder Zahlungsmitteläquivalenten mit Verfügungsbeschränkungen zu berichten.147 Vergleichbares gilt
für die quotal einbezogenen Zahlungsströme des Gemeinschaftsunternehmens, die die Konzernlei-
tung im Regelfall nicht steuern kann, wobei die Angabe der anteiligen Netto-Zahlungsströme je Tätig-
keitsbereich, die von quotenkonsolidierten Gemeinschaftsunternehmen stammen, lediglich empfoh-

141 Vgl. IAS 7.35.


142 Vgl. IAS 7.36.
143 Vgl. dazu die Musterbeispiele in IAS 7 Anhang A und B.
144 Vgl. IAS 7.36.
145 Vgl. IAS 7.37.
146 Vgl. IAS 7.38.
147 Vgl. IAS 7.48.
Martin Meyer 107
4 §4 Der IFRS-Abschluss

len wird.148 Wird ein Gemeinschaftsunternehmen dagegen nach der Equity-Methode bilanziert, dann
dürfen – wie bei assoziierten Unternehmen – in der Konzernkapitalflussrechnung nur solche Ein- und
Auszahlungen enthalten sein, die zwischen dem Gemeinschaftsunternehmen und den übrigen konso-
lidierungspflichtigen Unternehmen geflossen sind.149

5. Erwerb und Veräußerung von Tochterunternehmen


4 und sonstigen Geschäftseinheiten
101 Unternehmenskäufe/-verkäufe, die zur Übernahme bzw. zum Verlust der Beherrschung über
Tochterunternehmen oder sonstige Geschäftseinheiten führen, sind in der Konzernkapital-
flussrechnung entsprechend ihrer finanzwirtschaftlichen Wirkung als Investitionszahlungen zu
behandeln.150 Bei Erwerbs- bzw. Veräußerungsvorgängen von Tochterunternehmen oder sonstigen
Geschäftseinheiten ist der Nettobetrag aus Kauf- bzw. Verkaufspreis und übernommenen bzw. ver-
äußerten Zahlungsmitteln und Zahlungsmitteläquivalenten als Zahlungsvorgang in der Investitions-
tätigkeit auszuweisen.151 Die mit der Erst-/Entkonsolidierung verbundenen Zu- bzw. Abgänge von
Vermögenswerten und Schulden dürfen in der Ursachenrechnung der Konzernkapitalflussrechnung
nicht enthalten sein. Dem Bruttoprinzip folgend sind Investitionsauszahlungen für Unternehmens-
käufe nicht mit Desinvestitionseinzahlungen aus Unternehmensverkäufen zu saldieren, sondern ein-
zeln innerhalb der Investitionstätigkeit auszuweisen.152
102 Zahlungsvorgänge im Zusammenhang mit Veränderungen im Anteilsbesitz des Mutterunter-
nehmens an einem bereits beherrschten Tochterunternehmen, die nicht zum Verlust der Beherr-
schung führen, sind hingegen in der Finanzierungstätigkeit zu erfassen.153 D.h. einfache Verän-
derungen des Mehrheitsanteils durch Zukäufe oder Teilveräußerungen, ohne dass sich am Status des
Tochterunternehmens etwas ändert, stellen Eigenkapitaltransaktionen dar, deren Zahlungswirkungen
im Teilbereich der Finanzierungstätigkeit zu berücksichtigen sind.154
103 Werden Tochterunternehmen oder sonstigen Geschäftseinheiten erworben bzw. veräußert, bei
denen es zur Übernahme bzw. zum Verlust der Beherrschung kommt, dann sind folgende An-
gaben in aggregierter Form jeweils für alle Käufe und alle Verkäufe während der Berichtsperiode
zu machen:155
■ Gesamtbetrag der gezahlten Kaufpreise bzw. erhaltenen Veräußerungserlöse;
■ Anteil der Kaufpreise oder Veräußerungserlöse, die durch Zahlungsmittel und Zahlungsmit-
teläquivalente beglichen wurden;
■ Gesamtbetrag der Zahlungsmittel oder Zahlungsmitteläquivalente von Tochterunternehmen
oder Geschäftseinheiten, bei denen es zur Übernahme bzw. zum Verlust der Beherrschung
gekommen ist; und

148 Vgl. IAS 7.50(b).


149 Vgl. IAS 7.38.
150 Vgl. IAS 7.39.
151 Vgl. IAS 7.42.
152 Vgl. IAS 7.41.
153 Vgl. IAS 7.42A.
154 Vgl. IAS 7.42B.
155 Vgl. IAS 7.40.
108 Martin Meyer
B. Kapitalflussrechnungen 4

■ Gesamtbeträge der nach Hauptklassen gegliederten Vermögenswerte und Schulden – aus-


genommen von Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente – der Tochterunternehmen
oder sonstigen Geschäftseinheiten, bei denen es zur Übernahme bzw. zum Verlust der Beherr-
schung gekommen ist.

VI. Weitere Pflichtangaben sowie freiwillige Angaben


4
1. Nicht zahlungswirksame Transaktionen
Nicht zahlungswirksame Transaktionen (non-cash transactions) dürfen in einer Kapitalflussrech- 104
nung nicht enthalten sein. Als nicht zahlungswirksame Transaktionen gelten alle Geschäftsvorfäl-
le und Ereignisse, die zu keiner Veränderung der Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente
geführt haben.156 Ihre Ausgrenzung entspricht dem verfolgten Rechnungszweck, da sie keine Zah-
lungswirkungen der Berichtsperiode darstellen.157
Allerdings haben eine Reihe nicht zahlungswirksamer Investitions- und Finanzierungsvorgänge 105
einen erheblichen Einfluss auf die Vermögens- und Kapitalstruktur eines Unternehmens.158 Aus
diesem Grund wird ihre Offenlegung im Anhang oder an einer anderen Stelle im Abschluss verlangt.
Nur so ist gewährleistet, dass sämtliche entscheidungsrelevanten Informationen den Abschlussinteres-
senten zur Verfügung gestellt werden.159 Erst die Angaben über nicht zahlungswirksame Transaktionen
ermöglichen zusammen mit den Informationen über Zahlungsströme aus der Kapitalflussrechnung
einen vollständigen Einblick in die Entwicklung der Finanzlage während der Berichtsperiode.

2. Sonstige Angaben
Über die bereits in den vorhergehenden Abschnitten erörterten Pflichtangaben hinaus empfiehlt 106
IAS 7 einige weitere Angaben zu spezifischen Geschäftsvorfällen und Sachverhalten. Damit die
Abschlussadressaten die Finanzlage eines Unternehmens besser beurteilen können, wird in IAS 7
die Offenlegung folgender Zusatzinformationen zusammen mit einer Erläuterung der Unterneh-
mensleitung befürwortet:160
■ Kreditlinien: Angabe des Volumens nicht ausgeschöpfter Kreditlinien, die für künftige be-
triebliche Tätigkeiten und zur Begleichung von Zahlungsverpflichtungen verfügbar sind –
einschließlich Hinweisen über sämtliche Restriktionen betreffend ihre Verwendbarkeit.
■ Ersatz- und Erweiterungsinvestitionen: Angabe der aggregierten Investitionszahlungen, die
der betrieblichen Kapazitätserweiterung dienen, getrennt von Investitionszahlungen, die zur
betrieblichen Kapazitätserhaltung notwendig sind. Wird zu wenig in die betriebliche Kapa-
zitätserhaltung investiert, dann gehen Liquiditätsaufstockungen und Gewinnausschüttungen
unter Umständen zulasten der künftigen Profitabilität.161 Auf die praktischen Abgrenzungs-
schwierigkeiten von Ersatz- oder Erweiterungsinvestitionen wird indes in IAS 7 nicht einge-
gangen.

156 Vgl. IAS 7.43.


157 Vgl. IAS 7.44.
158 Vgl. IAS 7.44.
159 Vgl. IAS 7.43.
160 Vgl. IAS 7.50.
161 Vgl. IAS 7.51.
Martin Meyer 109
4 §4 Der IFRS-Abschluss

■ Segment-Cashflows: Angabe der Netto-Zahlungsströme je Tätigkeitsbereich nach berichts-


pflichtigen Segmenten – etwa in Form einer segmentierten Kapitalflussrechnung.162 Die Seg-
mentierung der Netto-Zahlungsströme je Tätigkeitsbereich ermöglicht den Abschlussadres-
saten einen besseren Einblick in das Zahlungsgefüge und die Finanzkraft des Konzerns als
Ganzes wie auch seiner verschiedenen Segmente.163
107 Pflichtangaben zu aufgegebenen Geschäftsbereichen (discontinued operations) werden hinge-
gen nicht in IAS 7, sondern in IFRS 5 gefordert. Danach sind ihre Zahlungsströme gesondert
anzugeben, d.h. die Netto-Zahlungsströme aus aufgegebenen Geschäftsbereichen je Tätigkeits-
4 bereich sind entweder in der Kapitalflussrechnung – als Einzelposten oder als Davon-Vermerk
– gesondert darzustellen oder im Anhang anzugeben.164

VII. US-GAAP
108 Kapitalflussrechnung nach US-GAAP ist SFAS 95 Statement of Cash Flows. Beim Vergleich mit
der internationalen Rechnungslegungsnorm wird deutlich, dass die US-amerikanische Regelung
SFAS 95 aus dem Jahr 1987 bei der Formulierung von IAS 7 im Jahr 1992 als Referenz genutzt
wurde. Das IASC ist jedoch seinerzeit bei der Konzeption des IAS 7 nicht vollends dem FASB-
Standard gefolgt. Wenngleich IAS 7 bei Aufbau und Inhalt weitgehend mit SFAS 95 übereinstimmt,
sind trotz der internationalen Harmonisierungsbestrebungen im Detail zahlreiche Unterschiede
bei der Klassifizierung und Darstellung einzelner Zahlungsvorgänge verblieben, die international
ausgerichtete Unternehmensvergleiche beeinträchtigen können.
109 Entgegen IAS 7 ist die Einbeziehung passivierter, jederzeit fälliger Bankverbindlichkeiten in
den Finanzmittelfonds in SFAS 95 nicht vorgesehen. Dies wird im Schrifttum oftmals als Einbe-
ziehungsverbot gewertet.165 In der US-GAAP-Praxis ist jedoch auch zu beobachten, dass bestimmte
Überziehungskredite mit anderen positiven Guthabenbeständen im Rahmen des Bilanzausweises auf
Grundlage der in FIN 39 festgelegten Voraussetzungen saldiert werden und auf diesem Wege indirekt
als Abzugsposten in den Finanzmittelfonds gelangen.
110 Die Zuordnung von Zahlungsströmen, die mehr als einem Tätigkeitsbereich zuzurechnen sind
(bereichsübergreifende Zahlungsvorgänge), richtet sich gemäß SFAS 95 nach der Aktivität, die als
Hauptursache des Zahlungsvorgangs auszumachen ist.166 Bei solchen Grenzfällen verlangt IAS 7 die
Zuordnung so vorzunehmen, die die unternehmerische Betätigung am zutreffendsten widerspiegelt.167
Darüber hinaus fordert IAS 7 aber auch die wertmäßige Aufteilung eines Zahlungsvorgangs in seine
zugrunde liegenden Bestandteile (z.B. Zins und Tilgung).168
111 Die wahrscheinlich prominentesten Unterschiede zwischen IAS 7 und SFAS 95 bestehen bei der
Klassifizierung von Zinsen, Dividenden und Ertragsteuern. Während IAS 7 hier (bedingte) Zu-
ordnungswahlrechte einräumt, legt SFAS 95 ihre Klassifizierung mehr oder weniger eindeutig fest:

162 Vgl. IAS 7.50(d) i.V.m. IFRS 8.B5.


163 Vgl. IAS 7.52.
164 Vgl. IFRS 5.33(c).
165 Vgl. z.B. Gebhardt, Beck HdR, Abschnitt C 620, Rz. 37.
166 Vgl. SFAS 95.24 und 86ff.
167 Vgl. IAS 7.11.
168 Vgl. IAS 7.12.
110 Martin Meyer
B. Kapitalflussrechnungen 4

■ Erhaltene und gezahlte Zinsen sowie erhaltene Dividenden sind nach SFAS 95 zwingend der
betrieblichen Tätigkeit zuzurechnen.169 Aktivierte Zinsen sind als Teil der Anschaffungskosten in
der Investitionstätigkeit zu erfassen.170 Die nach IAS 7 geltenden Wahlrechte existieren hier nicht.
■ Gezahlte Dividenden sind nach SFAS 95 der Finanzierungstätigkeit zuzuordnen.171 Eine wahl-
weise Erfassung in der betrieblichen Tätigkeit wie nach IAS 7 ist nicht zulässig.
■ Ertragsteuern sind in der betrieblichen Tätigkeit zu berücksichtigen.172 Eine verursachungsge-
rechte Aufteilung der Ertragsteuerzahlungen – wie unter IAS 7 geboten, wenn es praktisch möglich
ist – hält der FASB für zu komplex und willkürlich sowie unter Kosten-Nutzen-Gesichtspunkten 4
nicht für gerechtfertigt.173
Die ergänzenden Pflichtangaben zur Kapitalflussrechnung nach SFAS 95 sind teilweise weniger 112
umfangreich als nach IAS 7. Angaben im Rahmen von Unternehmenskäufen/-verkäufen wie etwa
der Gesamtbetrag der gezahlten Kaufpreise bzw. erhaltenen Veräußerungserlöse, der Baranteil
der Kaufpreise oder Veräußerungserlöse oder der Gesamtbetrag der übernommenen bzw. ab-
gegebenen Zahlungsmittel oder Zahlungsmitteläquivalente von Tochterunternehmen oder Ge-
schäftseinheiten werden nach SFAS 95 nicht gefordert. Gleichwohl werden solche Angaben in
den USA regelmäßig im Zusammenhang der Ad-hoc-Publizität verlangt.174 Auch wird in SFAS 95
ausdrücklich auf Angaben zu aufgegebenen Geschäftsbereichen (discontinued operations) im Kontext
der Kapitalflussrechnung verzichtet mit dem Hinweis, dass bei freiwilliger Darstellung operativer Zah-
lungen aus aufgegebenen Geschäftsbereichen der Stetigkeitsgrundsatz zu beachten ist.175

VIII. HGB
Die Aufstellung und Offenlegung einer Kapitalflussrechnung ist im deutschen Handelsrecht nur 113
für Konzernabschlüsse nach § 297 Abs. 1 HGB vorgeschrieben. Auf die materielle und formelle
Gestaltung der Kapitalflussrechnung hat der deutsche Gesetzgeber allerdings verzichtet. Diese
bewusst in Kauf genommene Gesetzeslücke wurde durch die Verabschiedung des DRS 2 Kapital-
flussrechnung im Jahr 1999 und die anschließende Bekanntmachung durch das BMJ im Jahr 2000
geschlossen. Die beiden internationalen Referenzstandards IAS 7 und SFAS 95 dienten dabei als
Vorlage. Offensichtlich wird dies nicht zuletzt an der Kompatibilität mit IAS 7 und SFAS 95, d.h.
DRS 2 gewährt den berichtenden Unternehmen Wahlrechte hinsichtlich der zwischen IAS 7 und
SFAS 95 verbliebenen Unterschiede, sodass eine Kapitalflussrechnung nach DRS 2 zugleich den
regulatorischen Anforderungen von IAS 7 oder SFAS 95 genügt.176
Im Gegensatz zu IAS 7 räumt DRS 2 für die Einbeziehung jederzeit fälliger Bankverbindlich- 114
keiten in den Finanzmittelfonds ein Wahlrecht ein.177 Sind diese Passivposten integraler Bestandteil
der Kassendisposition, dann ist ihre Einbeziehung in den Finanzmittelfonds nach IAS 7 zwingend.178

169 Vgl. SFAS 95.22(b) und 23(d).


170 Vgl. SFAS 95.17(c) Fn. 7.
171 Vgl. SFAS 95.20(a).
172 Vgl. SFAS 95.23(c).
173 Vgl. SFAS 95.92.
174 Vgl. Pellens/Fülbier/Gassen, Internationale Rechnungslegung, S. 187.
175 Vgl. SFAS 95.26 Fn. 10.
176 Vgl. v. Wysocki, DB 1999, S. 2374; Freiberg/Bork, Haufe IFRS-Kommentar, § 3, Rz. 149.
177 Vgl. DRS 2.19.
178 Vgl. v. Wysocki, Cash Flow Statements, Rz. 33.
Martin Meyer 111
4 §4 Der IFRS-Abschluss

115 Verglichen mit IAS 7 sind gezahlte Dividenden zwingend unter der Finanzierungstätigkeit zu
erfassen.179 Die nach IAS 7.34 wahlweise Erfassung in der betrieblichen Tätigkeit ist nach DRS 2
nicht zulässig.
116 Im Unterschied zu IAS 7 enthält DRS 2 detaillierte Mindestgliederungen für die einzelnen Teil-
bereiche der Kapitalflussrechnung, um ein gewisses Mindestmaß bei der Gliederungstiefe sicher-
zustellen.180 In IAS 7 wird nur allgemein gefordert, Ein- und Auszahlungen innerhalb der drei Teilbe-
reiche unterteilt nach Hauptklassen brutto auszuweisen.
4 117 Die Angabepflichten sind nach DRS 2 am umfangreichsten. So fordert DRS die Erfüllung sämtli-
cher Pflichtangaben, die entweder nach IFRS oder nach US-GAAP vorgeschrieben werden (Meist-
regelungsprinzip). Auch sind die Zusatzangaben nach DRS 2 in Einzelsachverhalten umfassender.
So z.B. wird mittels Soll-Vorschrift gefordert, Ein- und Auszahlungen an Minderheitsgesellschaf-
ter (Eigenkapitalzuführungen und -rückführungen, Dividenden und andere Ausschüttungen)
innerhalb des Rechenwerks oder in den ergänzenden Angaben einzeln darzustellen.181 Darüber
hinaus verlangt DRS 2 die gesonderte Darstellung von Zahlungstransaktionen aus außerordentlichen
Posten.182 Die Angabe von außerordentlichen Posten (extraordinary items) ist nach IAS 7 – als Folge
der Überarbeitung von IAS 8 und deren Rückwirkungen auf die ehemalige, diesbezügliche Regelung
in IAS 7.29f. – nicht mehr zulässig.
118 Zu weiteren Unterschieden hinsichtlich Zuordnung und Höhe von Zahlungsvorgängen in einer
Kapitalflussrechnung nach DRS 2 verglichen mit IAS 7 kann es letztlich noch dadurch kommen,
wenn handelsrechtliche Bilanzierungsvorschriften von IFRS-Bilanzierungsregelungen abweichen.
Denn unterschiedliche Bilanzierungsvorschriften können sich implizit auch auf die Behandlung
in der Kapitalflussrechnung niederschlagen. Werden bspw. Entwicklungskosten nach IFRS akti-
viert, dann sind die zugehörigen Auszahlungen in der Investitionstätigkeit zu berücksichtigen.
Nach HGB werden Entwicklungskosten als Aufwand erfasst und in der Kapitalflussrechnung
dementsprechend der betrieblichen Tätigkeit zugerechnet.

C. C. Zwischenberichterstattung

ephanie Meyer I. Zielsetzung


119 IAS 34 regelt den Mindestinhalt von Zwischenberichten. Zwischenberichte sind Finanzberichte,
die einen vollständigen oder verkürzten Abschluss für eine Zwischenberichtsperiode beinhalten.
Zwischenberichtsperioden umfassen einen Zeitraum der kürzer als das Geschäftsjahr ist (Mo-
nats-, Quartals-, Halbjahresabschlüsse sowie alle übrigen unterjährigen Perioden).

II. Anwendungsbereich und Gegenstand


120 Mit dem Standard wird nicht vorgegeben, welche Unternehmen in welcher Frequenz (i. d. R.
Halbjahres- und Quartalsberichte) und innerhalb welcher Frist (i. d. R. spätestens 60 Tage nach
Stichtag) Zwischenberichte offen zu legen haben. Hier ist stattdessen auf die länderspezifischen
179 Vgl. DRS 2.37.
180 Vgl. DRS 2.26f., DRS 2.32 und DRS 2.35.
181 Vgl. DRS 2.51.
182 Vgl. DRS 2.50.
112 Martin Meyer/Ulf Meyer/Stephanie Meyer
C. Zwischenberichterstattung 4

Regelungen zu verweisen.183 Gegenstand des Standards ist ausschließlich die Regelung des Minde-
stinhalts von freiwillig (z. B. privatrechtlich) oder pflichtgemäß in Übereinstimmung mit IFRS aufge-
stellten Zwischenberichten.
Die aktuell anzuwendende Version des IAS 34 wurde 1998 genehmigt und ist seit dem Geschäfts- 121
jahr 1999 anzuwenden. Seither erfuhr der Standard einzelne Änderungen (amendments), wie
zuletzt 2008 durch IFRS 3 (Phase 2). Die normative Basis wird seit 2006 (Geschäftsjahr 2007)
durch IFRIC 10 ergänzt. Mit dieser Interpretation wird die Behandlung unterjähriger Werthaltig-
keitsprüfungen gemäß IAS 36 konkretisiert.
4
III. Mindestinhalt von Zwischenberichten Ulf Meyer/Step

Der Mindestinhalt eines Zwischenberichts umfasst jeweils im Vergleich zum Jahresabschluss in 122
verkürzter Darstellung Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung (inkl. verwässertem und unverwäs-
sertem Ergebnis je Aktie), Kapitalflussrechnung, Eigenkapitalspiegel sowie ausgewählte Anga-
ben.184
Die freiwillige Ergänzung von Inhalten steht einer Standardkonformität nicht entgegen. Sofern 123
der vorhergehende Jahresabschluss ein Konzernabschluss war, sind darauf folgende Zwischenbe-
richte auch aus Konzernsicht aufzustellen.185 Bei der Erstellung und Offenlegung von Zwischen-
berichten ist davon auszugehen, dass dem Adressaten der letzte Jahresbericht bekannt ist. Dies
vorausgesetzt, soll der Zwischenbericht lediglich neue Informationen über die im Zeitablauf ge-
änderte Vermögens-, Finanz- und Ertragslage verschaffen.186
Worin die erlaubte Verkürzung der einzelnen Bestandteile bestehen darf, wird im Standard nicht 124
genau ausgeführt. Zwischensummen und Überschriften sind entsprechend der Verwendung im
Jahresabschluss sowie aus vorangegangenen Zwischenberichten des laufenden Geschäftsjahres
beizubehalten.187 Verkürzungen oder Auslassungen dürfen darüber hinaus nicht irreführend sein.
I. d. R. wird die zulässige Verkürzung anhand der Wesentlichkeit beurteilt. IAS 34.23 stellt klar,
dass für die Wesentlichkeitsbeurteilung lediglich Relationen innerhalb des Zwischenberichts her-
anzuziehen sind, nicht aber Relationen zu vorangegangenen Zwischen- und Jahresberichten oder
erwarteten Folgeperioden. Einzige Ausnahme stellt hierzu die Gewinn- und Verlustrechnung dar,
da hier nicht nur die aktuelle (z. B. 3 Monate im 3. Quartal, ab jetzt Q3), sondern auch die kumulierte
Darstellung (z. B. 9 Monate für Q3) des Zwischenberichts eine separate Relation erfordert. Dies voraus-
gesetzt ergibt sich die Mindestgliederung der einzelnen Bestandteile anhand folgender Standards:
Bilanz IAS 1.68, IAS 1.68A, IAS 1.69
Gewinn- und Verlustrechnung IAS 1.81ff.
inkl. Ergebnis je Aktie IAS 33
Kapitalflussrechnung IAS 7
Eigenkapitalspiegel IAS 1.68 (o) – (p), IAS 1.69, IAS 1.96f., i. V. m. IAS 1.101, IAS 34.8 (c),
IAS 34.13

183 Vgl. IAS 34.1.


184 Vgl. IAS 34. IN 5 und 8.
185 Vgl. IAS.34.14.
186 Vgl. IAS 34.15.
187 Vgl. IAS 34.10.
Ulf Meyer/Stephanie Meyer 113
4 §4 Der IFRS-Abschluss

125 Sofern nicht an anderer Stelle im Zwischenbericht enthalten, sind im Anhang nach IAS 34.16
folgende Angaben zu ergänzen:
■ Erklärung zur kontinuierlichen Verwendung von Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden
■ Erläuterungen zu saisonalen oder konjunkturellen Einflüssen
■ Ungewöhnliche Effekte mit Einfluss auf Bilanz, Ergebnis oder Cash Flow
■ Änderungen von Schätzungen
■ Ausgabe oder Rückkauf von Eigenkapital oder Schuldverschreibungen
4 ■ Gezahlte Dividenden
■ Ereignisse nach Ende der Zwischenberichtsperiode
■ Kauf, Verkauf oder Verschmelzung von Unternehmen188
■ Änderungen von Eventualschulden oder Eventualforderungen
126 Sofern bisher IAS 14 für den Jahresabschluss einen Segmentbericht fordert, ist der Aufriss zu Um-
satz und Ergebnis für das primäre Berichtsformat ebenfalls im Anhang des Zwischenberichts zu
ergänzen.189 Ab dem Geschäftsjahr 2009 ersetzt IFRS 8 die bisherige Regelung durch IAS 14. Mit Blick
auf die Darstellung der Segmente wird im Zwischenbericht dann zusätzlich das Segmentvermögen
(sofern wesentlich abweichend zur Vorperiode), eine Überleitungsrechnung sowie Erläuterungen zu
Änderungen in der Segmentierung zu berichten sein.
127 Die genannten Bestandteile sind teilweise für verschiede Vergleichsperioden oder Zeiträume an-
zugeben. Dazu gehört190:
a) Bilanz:
■ zum Stichtag der aktuellen Zwischenberichtsperiode (Jahr 02)
■ zum Ende des letzten dem Zwischenbericht unmittelbar vorausgehenden Geschäftsjahres
(Q4, Jahr 01).
b) Gewinn- und Verlustrechnung:
■ für die aktuelle Zwischenberichtsperiode (z. B. 3 Monate für Q3, Jahr 02)
■ für die gleiche Zwischenberichtsperiode des Vorjahres (z. B. 3 Monate für Q3, Jahr 01)
■ Variante 1 (Year to date):
■ für die seit Ende des letzten Geschäftsjahres bis zum Stichtag der Zwischenberichtspe-
riode aufgelaufene Zahlen (z. B. 9 Monate Q3, Jahr 02) sowie
■ die im Vorjahr bis zum Stichtag kumulierten Zahlen (z. B. 9 Monate für Q3, Jahr 01)
■ Variante 2:
Eine Darstellung aller aufgelaufenen Zwischenberichtsperioden einzeln (z. B. 3 Monate für
Q1, 3 Monate für Q2, 3 Monate für Q3), ergänzt um eine Summe sowie die entsprechen-
den Vorjahresangaben.
c) Eigenkapitalspiegel:
■ für die seit Ende des letzten Geschäftsjahres bis zum Stichtag der Zwischenberichtsperiode
aufgelaufenen Zahlen (z. B. 9 Monate für Q3, Jahr 02)
■ entsprechende Vorjahreszahlen (z. B. 9 Monate für das Q3, Jahr 01)

188 Entsprechend IFRS 3.66-73.


189 Vgl. IAS 34.16(g).
190 Vgl. 24.20 i.V.m. Anhang A.
114 Ulf Meyer/Stephanie Meyer
C. Zwischenberichterstattung 4

d) Kapitalflussrechnung:
■ für die seit Ende des letzten Geschäftsjahres bis zum Stichtag der Zwischenberichtsperiode
aufgelaufene Zahlen (z. B. 9 Monate für Q3, Jahr 02)
■ entsprechende Vorjahreszahlen (z. B. 9 Monate für Q3, Jahr 01)
e) Anhangangaben sind i. d. R. für den Zeitraum seit Beginn des Geschäftsjahres bis zum Stich-
tag des Zwischenberichts kumuliert anzugeben.
Für Unternehmen deren Geschäfte ein hohes Maß an saisonaler Schwankung aufweisen, emp- 128
fiehlt IAS 34.21 zusätzlich die Darstellung von Jahres- (12 Monate bis zum Stichtag, also 12 Mo- 4
nate bis Q3, Jahr 02) und Vorjahreswerten.

IV. Ansatz und (Folge-)Bewertung in Zwischenberichten


Ansatz- und Bewertungsmethoden müssen bis auf wenige ausdrückliche Ausnahmen denen im 129
Jahresabschluss entsprechen.191 Die Zwischenberichterstattung nach IFRS verfolgt damit abwei-
chend von US-GAAP bis auf einige Ausnahmen den sog. eigenständigen Ansatz (discrete ap-
proach). Somit sind zur Beurteilung der einzelnen Sachverhalte die zum Jahresabschluss ange-
wendeten IFRS auch im Zwischenbericht einschlägig.
Abweichend vom Jahresabschluss ist in Zwischenberichten vorzugehen, sofern: 130
■ zum Stichtag des Zwischenberichts die Änderung von Bilanzierungs- und Bewertungsmetho-
den für den folgenden Jahresabschluss bereits beschlossen wurde.192
■ die Bewertung von einer nur auf das Gesamtjahr zu bemessenden Größe abhängt, ist die jähr-
liche Größe zu schätzen und der auf die Zwischenperiode entfallende Anteil im Zwischenbe-
richt zu berücksichtigen. IAS 34.B1, B7 und B23 führen diesbezüglich Sozialversicherungs-
und Leasingaufwand sowie Kaufpreisänderungen (Boni oder Skonti) als Beispiele aus. Sollten
sich in späteren Perioden bis zum Jahresabschluss Änderungen zur Jahresschätzung ergeben,
sind die Effekte daraus in der späteren Zwischenberichtsperiode erfolgswirksam zu erfassen.
Eine Korrektur des vorherigen Zwischenberichts erfolgt nicht.193
Bei der Beurteilung, ob Aktiva oder Passiva im Zwischenbericht anzusetzen sind, ist ausschließlich 131
auf die Beurteilung zum Zwischenberichtsstichtag abzustellen.194 Bzgl. der Aktivierung immate-
rieller Vermögenswerte konkretisiert IAS 34.B8, dass eine Aktivierung auch nicht in der Erwar-
tung, dass die Ansatzkriterien im weiteren Zeitablauf erreicht werden, gerechtfertigt ist. Sollten
die Ansatzkriterien in späteren Abschlüssen erfüllt werden, ist der in einem Zwischenbericht wg.
Nichterfüllung der Ansatzkriterien zur Aktivierung gezeigte Aufwand auch später weiterhin als
Aufwand auszuweisen.
Planmäßige Abschreibungen sind pro rata temporis zu erfassen. IAS 36 behandelt den Werthal- 132
tigkeitstest von Vermögenswerten, die nicht planmäßig abgeschrieben werden. Sollten Hinweise
auf eine Wertminderung vorliegen, ist auch für Zwischenberichtsperioden ein Werthaltigkeit-
stest durchzuführen. Sollte sich die Wertminderung auf Goodwill oder Eigenkapitalinstrumente
beziehen, so sind diese (abweichend vom grundsätzlich geltenden discrete approach) auch bei

191 Vgl. IAS 34.IN7 i.V.m. 29.


192 Vgl. IAS 34.28.
193 Vgl. IAS 34.35f.
194 Vgl. IAS 34.30(b) und 32 i V. m. F.49.
Ulf Meyer/Stephanie Meyer 115
4 §4 Der IFRS-Abschluss

späterer Wertaufholung durch ein im Zwischenbericht ausgewiesenes Impairment nach IFRIC


10 irreversibel im Buchwert gemindert. Zur Bewertung von Vorräten bedarf es im Zwischenbericht
i.d.R. keiner gesonderten Inventur.195
133 Die Häufigkeit der Zwischenberichterstattung soll die Höhe des Jahresergebnisses nicht beeinflus-
sen. I.d.R. ist die vorweggenommene, anteilige Erfassung von Aufwendungen, die im Geschäfts-
jahr einmalig entstehen werden, geboten. Hierzu zählen Lohn- und Gehaltskomponenten wie
Bonifikationen, Urlaubs- oder Weihnachtsgeld genauso wie Jahresabschluss- und Prüfungsko-
sten. Ebenso sind zu erwartende Bonifikationen und Rabattansprüche die bei Erreichen eines
4 bestimmten Jahresumsatzes auf Lieferanten- und Kundenseite gewährt werden zu schätzen und
ratierlich in der Gewinn- und Verlustrechnung des Zwischenberichts vorweg zu nehmen.

V. Berücksichtigung von Steuern in Zwischenberichten


134 Basis für die Schätzung des anteiligen Ertragsteueraufwands für eine Zwischenperiode ist ein auf
das Geschäftsjahr geschätzter durchschnittlicher Ertragsteuersatz.196 Da Unternehmen und Kon-
zerne gleich oft Steuersubjekt in verschiedenen Ländern sind, empfiehlt es sich die Schätzung
für jeden wesentlichen Steuerrechtskreis separat vorzunehmen und separat auf das Zwischen-
berichtsergebnis anzuwenden. Vereinfachend ist ebenso die Ermittlung eines gewichteten Durch-
schnittssteuersatzes denkbar.197 Änderungen dieser Schätzung sind in folgenden Zwischenberichten
im späteren Periodenergebnis zu erfassen.198 Die in früheren Zwischenberichtsperioden gezeigten ge-
schätzten Steueraufwendungen sind nach beizubehalten.199 Gleiches gilt für die Änderung von Steuer-
sätzen.200 Bei bestehendem Ergebnisabführungsvertrag (EAV) ist die anteilige Ergebnisabführung im
Zwischenbericht nicht vorweg zu nehmen.

VI. US-GAAP
135 Für den US-amerikanischen Rechtsraum definiert APB 28 i. V. m. SFAS 154, FIN 18 sowie FTB
79-9 Zwischenberichte. Für Unternehmen, die den Regelungen der SEC unterliegen wird dies
ergänzt durch Artikel 10 der Regulation S-X. Das Berichtsformat wird hier durch Form 10-Q defi-
niert. Wesentliche Regelungen entsprechen IAS 34. Lediglich die Abgrenzung der Berichtsperiode
erfolgt nach US-GAAP in dem Verständnis, dass Zwischenberichte einen integralen Bestandteil
des Jahresberichts (integral approach) und nicht wie nach IFRS eine separate Berichtsperiode
darstellen (discrete approach). Dies führt in der Folge zu einem teilweise abweichenden Realisie-
rungszeitpunkt von Aufwand und Ertrag.201

195 Vgl. IAS 34, Anhang C, C1.


196 Vgl. IAS 34.IN8
197 Vgl. IAS 34, Anhang B.14.
198 Vgl. IAS 34.30(c) i.V.m. IAS12.37.
199 Vgl. IAS 34.35f.
200 Vertiefend zur Berücksichtigung von Steuersatzänderungen: Loitz, DStR 2007, 2048-2052.
201 Ein synoptischer Vergleich von IFRS und US-GAAP zur Zwischenberichterstattung findet sich in: KPMG, S. 292-
296.
116 Ulf Meyer/Stephanie Meyer
C. Zwischenberichterstattung 4

VII. HGB
Für den deutschen Rechtsraum ergibt sich die Verpflichtung zur Zwischenberichterstattung über 136
das Halbjahr aus § 37w WpHG für alle inländischen Emittenten (d. h. Aktien- und Schuldtitele-
mittenten). Für Berichte über das 1. und 3. Quartal werden gem. § 37x WpHG von inländischen
Emmitenten von Aktien zumindest Zwischenmitteilungen gefordert.202 Die Ausgestaltung von
Zwischenberichten für Unternehmen die nicht gem. § 315a HGB zur Anwendung der IFRS verpflich-
tet sind, richtet sich nach den Standards des DRSC. Die Zwischenberichterstattung wird seit 2008 in
Umsetzung des Transparenzrichtlinie-Umsetzungsgesetzes (TUG) mit DRS 16 konkretisiert. Dieser
4
Standard löst den bis dahin gültigen DRS 6 ab. Nicht nur unter HGB, sondern auch für IFRS bilan-
zierende deutsche Unternehmen die als inländische Emittenten unter den Anwendungsbereich des
WpHG fallen, wird der Halbjahresbericht um einen Zwischenlagebericht, dessen Bestandteile im §
37w Abs. 4 WpHG geregelt sind, ergänzt.203 Darüber hinaus ist der Zwischenbericht um einen Bilan-
zeid der gesetzlichen Vertreter zu erweitern.204 Durch jüngste Überarbeitung des Deutschen Cor-
porate Governance Kodex in 2008 wird zukünftig empfohlen, dass der Aufsichtsrat (oder der
beauftragte Prüfungsausschuss) sich die Quartals- und Halbjahresberichte vom Vorstand erörtern
lassen soll.205

202 Vertiefend zur Zwischenmitteilung: Kajüter/Reisloh, IRZ 2008, 620-633.


203 Vertiefend zum Zwischenlagebericht: Strieder/Ammedick (a), DB 2007, 1368-1372.
204 Vertiefend zum Bilanzeid: Strieder/Ammedick (b), KoR 2007, 285-292.
205 Vgl. Deutscher Corporate Governance Kodex (2008), Ziff. 7.1.2.
Ulf Meyer/Stephanie Meyer 117
5

§ 5 Ausgewählte Abschlussposten

adette Wagner
A. A. Immaterielle Vermögenswerte
I. Vorbemerkungen
1 Die Bilanzierung immaterieller Vermögenswerte ist in IAS 38 Intangible Assets geregelt. Anwen-
5 dung findet IAS 38 auf alle immateriellen Vermögenswerte, die weder durch einen besonderen Stan-
dard (z.B. IAS 2 Inventories für immaterielle Vermögenswerte des Vorratsvermögens) abgedeckt
sind, noch Finanzinstrumente (IAS 39 Financial Assets: Recognition and Measurement) darstellen.
Ebenfalls nicht unter den Anwendungsbereich des IAS 38 fallen immaterielle Vermögenswerte, die
im Zusammenhang mit Erschließungs- oder Förderkosten für Erdöl, Erdgas und ähnliche Boden-
schätze oder mit Versicherungsverträgen stehen.1
2 Immaterielle Vermögenswerte sind identifizierbare, nicht-monetäre und nicht-körperliche Vermö-
genswerte.2 Das IASB hat diese Definition immaterieller Vermögenswerte durch die folgenden drei
Kriterien konkretisiert:3
■ Identifizierbarkeit,
■ Verfügungsmacht durch das bilanzierende Unternehmen,
■ Vorhandensein künftigen ökonomischen Nutzens.
3 Durch das Kriterium der Identifizierbarkeit soll eine eindeutige Unterscheidung zwischen imma-
teriellen Vermögenswerten und dem Geschäfts- oder Firmenwert eines Unternehmens sicherge-
stellt werden. Wenn der Vermögenswert separierbar ist oder aus Rechten (Vertrag oder Gesetz)
resultiert, ist das Kriterium der Identifizierbarkeit erfüllt. Separierbarkeit ist gegeben, wenn das
Unternehmen den Vermögenswert z.B. veräußern, tauschen oder Dritten zur Nutzung überlassen
kann. Bei immateriellen Vermögenswerten, die auf vertraglichen oder sonstigen Rechten basieren,
kommt es nicht darauf an, dass die entsprechenden Rechte übertragen werden können oder vom
Unternehmen separierbar sind, um das Definitionsmerkmal der Identifizierbarkeit zu erfüllen.4
4 Das bilanzierende Unternehmen besitzt die Verfügungsmacht über einen immateriellen Vermö-
genswert, wenn es sich den zukünftigen wirtschaftlichen Nutzen, der aus der zugrunde liegenden
Ressource fließt, aneignen und Dritte vom Zugang zu diesen Vorteilen ausschließen kann. Verfü-
gungsmacht stützt sich üblicherweise auf juristisch durchsetzbare Rechte. Die juristische Durch-
setzbarkeit ist jedoch keine notwendige Bedingung für das Vorhandensein von Verfügungsmacht,
sofern das Unternehmen den künftigen wirtschaftlichen Nutzen auf andere Weise beherrschen
kann. Andererseits wird jedoch darauf hingewiesen, dass der Nachweis von Verfügungsmacht
ohne entsprechende Rechte schwierig ist.5 Aus diesem Grund wird z.B. eine ausreichende Verfü-
gungsmacht über den künftigen wirtschaftlichen Nutzen von besonders gut ausgebildetem Personal

1 Vgl. IAS 38.2ff.


2 Vgl. IAS 38.8.
3 Vgl. IAS 38.11ff.
4 Vgl. IAS 38.12.
5 Vgl. IAS 38.13.
118 Oliver Beyhs/Bernadette Wagner
A. Immaterielle Vermögenswerte 5

(Know How) für nahezu ausgeschlossen gehalten, so dass die Definition eines immateriellen Ver-
mögenswerts in diesen Fällen als nicht erfüllt gilt.6
Künftiger ökonomischer Nutzen von immateriellen Vermögenswerten beinhaltet Erlöse durch 5
den Verkauf von Produkten oder Dienstleistungen, aber auch Kosteneinsparungen und andere
Vorteile ihrer internen Nutzung im bilanzierenden Unternehmen.7 So würde einerseits eine Li-
zenz, die es dem Unternehmen ermöglicht, bestimmte Produkte herzustellen und zu verkaufen,
künftigen ökonomischen Nutzen generieren, aber auch Patente oder Entwicklungen die den Pro-
duktionsvorgang effizienter und damit kostengünstiger gestalten, würden das Kriterium bzgl. des
Vorhandenseins künftigen wirtschaftlichen Nutzens erfüllen.
5
II. Ansatz

1. Allgemeine Ansatzvoraussetzungen
Wie andere Vermögenswerte auch (z.B. Sachanlagen (§ 5.B.) oder als Finanzinvestition gehaltene 6
Immobilien (§ 5.D.) ist ein immaterieller Vermögenswert nur dann zu aktivieren, wenn:8
■ es wahrscheinlich ist, dass künftiger wirtschaftlicher Nutzen, aus dem Vermögenswert dem
Unternehmen zufließen wird, und wenn
■ die Kosten für den immateriellen Vermögenswert verlässlich gemessen werden können.
Üblicherweise wird die Erfüllung der Ansatzvoraussetzungen als unproblematisch angesehen, 7
wenn ein immaterieller Wert einzeln von einer anderen Partei erworben wurde. Für einen selbst-
geschaffenen Geschäfts- oder Firmenwert gilt ein ausdrückliches Ansatzverbot, da dieser weder
separierbar ist, noch aus vertraglichen oder gesetzlichen Rechten entstanden ist.9 Wird ein imma-
terieller Vermögenswert vom bilanzierenden Unternehmen selbst erstellt, muss das Unternehmen
für einen Ansatz besondere, im nächsten Abschnitt dargestellte Nachweise erbringen.
Immaterielle Vermögenswerte sind als Abgang zu erfassen (auszubuchen), wenn sie aus dem Un- 8
ternehmen ausscheiden (z.B. durch Veräußerung; zur Bestimmung des Abgangszeitpunkts sind
die Voraussetzungen in IAS 18 Revenue zum Übergang des wirtschaftlichen Eigentums analog an-
zuwenden, siehe hierzu § 5.M.). Ein Abgang ist ebenfalls zu erfassen, wenn ihre weitere Nutzung
und eine anschließende Veräußerung keine wirtschaftlichen Vorteile mehr erwarten lassen.10 Ge-
winne bzw. Verluste aus dem Abgang von immateriellen Vermögenswerten sind erfolgswirksam
zu erfassen.11

6 Vgl. IAS 38.15.


7 Vgl. IAS 38.17.
8 Vgl. IAS 38.21.
9 Vgl. IAS 38.48f.
10 Vgl. IAS 38.112.
11 Vgl. IAS 38.113.
Oliver Beyhs/Bernadette Wagner 119
5 § 5 Ausgewählte Abschlussposten

2. Ansatzvoraussetzungen für selbsterstellte immaterielle


Vermögenswerte
9 Neben den allgemeinen Ansatzvoraussetzungen für immaterielle Vermögenswerte (siehe
§ 5.A.II.1.) müssen für den Ansatz selbsterstellter immaterieller Vermögenswerte besondere An-
satzkriterien erfüllt sein. Eine Aktivierung bei Selbsterstellung kommt zunächst nur dann in Fra-
ge, wenn sich der betreffende Vermögenswert mindestens in der Entwicklungsphase befindet.
Befindet sich das Unternehmen noch in der Forschungsphase, scheidet eine Aktivierung der an-
fallenden (Forschungs-)Kosten als immaterieller Vermögenswert aus; die anfallenden Ausgaben
5 sind stets als Aufwand der Periode zu erfassen.12
10 Unter „Forschung“ versteht man dabei eine eigenständige und planmäßige Suche mit dem Ziel,
neue wissenschaftliche oder technische Erkenntnisse zu erlangen. „Entwicklung“ ist demgegen-
über definiert, als die Anwendung von Forschungsergebnissen oder anderem Wissen auf einen
Plan oder Entwurf für die Produktion von neuen oder wesentlich verbesserte Materialien, Werk-
zeugen, Prozessen, Systemen oder Dienstleistungen, bevor ihr kommerzieller Einsatz beginnt.13
Entscheidend für die Entwicklungsphase ist damit die Anwendungsbezogenheit ihrer (angestreb-
ten) Arbeitsergebnisse.
Neben diesem Ansatzkriterium, das sich auf das Stadium des Wertschöpfungsprozesses bezieht,
nennt IAS 38 die folgenden sechs Nachweise, die allesamt erbracht werden müssen:14
■ Technische Realisierbarkeit der Fertigstellung des immateriellen Vermögenswerts, damit die-
ser zur internen Nutzung oder zum Verkauf zur Verfügung stehen wird,
■ Absicht, den immateriellen Vermögenswert fertig zu stellen sowie ihn anschließend zu nutzen
oder zu verkaufen,
■ Fähigkeit, den immateriellen Vermögenswert zu nutzen oder zu verkaufen,
■ Darstellung, wie der immaterielle Vermögenswert einen voraussichtlichen künftigen wirt-
schaftlichen Nutzen erzielen wird; dies kann z.B. durch die Existenz eines Marktes für die
Produkte des immateriellen Vermögenswerts oder den immateriellen Vermögenswert an sich
nachgewiesen werden oder, falls der immaterielle Vermögenswert intern genutzt werden soll,
kann der sich hieraus ergebende Nutzen als Nachweis angeführt werden.
■ Verfügbarkeit adäquater technischer, finanzieller und sonstiger Ressourcen, um die Entwicklung
abschließen und den immateriellen Vermögenswert nutzen oder verkaufen zu können, und
■ Fähigkeit, die dem immateriellen Vermögenswert während seiner Entwicklung zurechenba-
ren Ausgaben verlässlich zu ermitteln.
11 Werden die genannten Nachweise vom bilanzierenden Unternehmen erbracht und sind auch die
weiteren allgemeinen Ansatzkriterien erfüllt, ist der aus der Entwicklungsphase entstehende im-
materielle Vermögenswert zu aktivieren. Können die Nachweise nicht erbracht werden, sind die
Entwicklungskosten als Aufwand der Periode zu erfassen, in der sie anfallen.15 Für selbstentwik-
kelte Marken, Publikationstitel, Kundenstammlisten und ähnliche Sachverhalte besteht jedoch
ein generelles Aktivierungsverbot.16

12 Vgl. IAS 38.54.


13 Vgl. IAS 38.8.
14 Vgl. IAS 38.57.
15 Vgl. IAS 38.68.
16 Vgl. IAS 38.63.
120 Oliver Beyhs/Bernadette Wagner
A. Immaterielle Vermögenswerte 5

III. Bewertung

1. Zugangsbewertung
Aktivierungspflichtige immaterielle Vermögenswerte sind bei der erstmaligen Erfassung zum 12
Zeitpunkt der Erlangung des wirtschaftlichen Eigentums mit den Anschaffungs- oder Herstel-
lungskosten anzusetzen.17 Sofern der immaterielle Vermögenswert jedoch innerhalb eines Unter-
nehmenskaufs erworben wird, ist er mit seinem beizulegenden Zeitwert am Tag des Erwerbs zu
bewerten.18
5
In die Anschaffungskosten einzubeziehen sind der Anschaffungspreis einschließlich Zöllen und 13
nichtabziehbaren Steuern sowie alle direkt zurechenbaren Ausgaben, die dazu dienen, den Ver-
mögenswert für seine geplante Nutzung vorzubereiten. Dazu zählen Honorare für externe Dienst-
leister, aber auch Aufwendungen für eigene Arbeitnehmer oder Kosten, die im Rahmen von Test-
läufen entstehen.19 So würden beispielsweise bei einer Softwareimplementierung die internen und
externen Kosten des Customizing, d.h. die Anpassung der neuen Software an die vorhandenen
Systeme, in die Anschaffungskosten der Software einbezogen werden. Anschaffungspreisminde-
rungen wie Skonti und Rabatte sind abzuziehen.20

> Beispiel: 14
Ein Unternehmen erwirbt eine Software. Der Kaufpreis beträgt 100 T€. Für die Implementierung der Software und
die Anpassung an die vorhandenen Systeme stellt der Hersteller dem Unternehmen weitere 10 T€ in Rechnung. Auch
Mitarbeiter des Unternehmens selbst sind in die Implementierung eingebunden, hierfür fallen interne Kosten (im We-
sentlichen Personalaufwand) in Höhe von 2 T€ an. Sämtliche o.g. Kosten entstehen, um die erworbene Software in einen
betriebsbereiten Zustand zu versetzen und sind damit in die Anschaffungskosten einzubeziehen. Es ist ein immaterieller
Vermögenswert in Höhe von 112 T€ zu aktivieren.

Erwirbt ein Unternehmen einen immateriellen Vermögenswert durch eine Zuwendung der öf- 15
fentlichen Hand kostenlos oder zum Nominalwert der Gegenleistung besteht gemäß IAS 20 Ac-
counting for government grants and disclosure of government assistance ein Wahlrecht. Der imma-
terielle Vermögenswert und die Zuwendung dürfen mit dem beizulegenden Zeitwert angesetzt
werden. Alternativ darf der Vermögenswert zu einem Nominalwert angesetzt werden, zuzüglich
aller direkt zurechenbarer Kosten für die Vorbereitung des Vermögenswertes auf seinen beabsich-
tigten Gebrauch.21
Zu den Herstellungskosten eines selbsterstellten immateriellen Vermögenswerts gehören alle 16
Ausgaben, die nach dem Zeitpunkt anfallen, an dem zum ersten Mal die Aktivierungskriterien
erfüllt sind.22 Sämtliche Kosten, die der Herstellung des Vermögenswerts und seiner Vorbereitung
auf den beabsichtigten Gebrauch direkt zugerechnet werden können, sind in die Herstellungs-
kosten einzubeziehen.23 So bilden beispielsweise Rechtsberatungsgebühren, die im Rahmen von
Patentierungsverfahren anfallen und die auf die Entwicklungsphase entfallen, einen Teil der Her-

17 Vgl. IAS 38.24.


18 Vgl. IAS 38.33.
19 Vgl. IAS 38.28.
20 Vgl. IAS 38.27.
21 Vgl. IAS 38.44.
22 Vgl. IAS 38.65.
23 Vgl. IAS 38.66.
Oliver Beyhs/Bernadette Wagner 121
5 § 5 Ausgewählte Abschlussposten

stellungskosten.24 Nicht aktiviert werden dürfen Ausgaben für die Schulung von Mitarbeitern und
Anlaufverluste.25 Derartige Ausgaben sind grundsätzlich in der Periode als Aufwand zu erfassen,
in der sie anfallen.26 Zur Aktivierung von Fremdkapitalkosten bei immateriellen Vermögenswer-
ten, die qualifizierte Vermögenswerte sind, siehe analog § 5.B.
17 Eine nachträgliche Aktivierung der bereits in Vorperioden als Aufwand berücksichtigten Ausga-
ben als Anschaffungs- oder Herstellungskosten ist ausgeschlossen.27 D.h. Ausgaben, die vor dem
Tag der erstmaligen Erfüllung der Ansatzkriterien für selbsterstellte Vermögenswerte angefallen
sind, dürfen nicht (nachträglich) in die Herstellungskostenbewertung einfließen.

5 2. Folgebewertung
18 Nach der erstmaligen Erfassung werden immaterielle Vermögenswerte an den nachfolgenden
Abschlussstichtagen entweder nach dem Anschaffungskostenmodell (cost model) oder – bei Vor-
liegen gewisser Voraussetzungen, s.u. – gemäß dem Neubewertungsmodell (revaluation model)
bewertet (Wahlrecht).28 Damit liegt grundsätzlich das gleiche Wahlrecht vor, wie auch bei der
Folgebewertung des Sachanlagevermögens (siehe § 5.B.).
19 Bei Anwendung des Anschaffungskostenmodells sind immaterielle Vermögenswerte an den
nachfolgenden Abschlussstichtagen zu fortgeführten Anschaffungs- oder Herstellungskosten zu
bewerten, also unter Berücksichtigung kumulierter planmäßiger Abschreibungen und Wertmin-
derungsaufwendungen (außerplanmäßige Abschreibungen) nach IAS 36 Impairment of Assets
(siehe § 5.C.).29
20 Alternativ hierzu kann der immaterielle Vermögenswert im Rahmen des Neubewertungsmodells
auch zu einem Neubewertungsbetrag fortgeführt werden.
Der Neubewertungsbetrag, zu dem der immaterielle Vermögenswert am Bilanzstichtag bewertet
wird, entspricht dem beizulegenden Zeitwert zum Zeitpunkt der Neubewertung abzüglich nach-
folgender kumulierter planmäßiger und außerplanmäßiger Abschreibungen nach IAS 36 (siehe
§ 5.C.). Um zu vermeiden, dass der Buchwert wesentlich von dem Betrag abweicht, der sich am
Abschlussstichtag unter Zugrundelegung des stichtagsbezogenen beizulegenden Zeitwerts erge-
ben würde, sind Neubewertungen in regelmäßigen Abständen durchzuführen.30 Die Folgebewer-
tung gemäß des Neubewertungsmodells ist jedoch nur zulässig für immaterielle Vermögenswerte,
für die ein aktiver Markt vorhanden ist.31 Auf einem solchen Markt sind die gehandelten Produkte
homogen, vertragswillige Käufer und Verkäufer können jederzeit gefunden werden und die Preise
stehen der Öffentlichkeit zur Verfügung.32
21 Sofern bei einem immateriellen Vermögenswert eine Neubewertung durchgeführt wird, muss für
die gesamte Klasse, zu der dieser Vermögenswert gehört, die Neubewertungsmethode angewen-
det werden. Eine Ausnahme von dieser Regel besteht, wenn für diese anderen Vermögenswerte
kein aktiver Markt existiert.33 Falls zu der Klasse von immateriellen Vermögenswerten, die mit der

24 Vgl. IAS 38.66 (b).


25 Vgl. IAS 38.67.
26 Vgl. IAS 38.68.
27 Vgl. IAS 38.71.
28 Vgl. IAS 38.72.
29 Vgl. IAS 38.74.
30 Vgl. IAS 38.79.
31 Vgl. IAS 38.75
32 Vgl. IAS 38.8.
33 Vgl. IAS 38.72.
122 Oliver Beyhs/Bernadette Wagner
A. Immaterielle Vermögenswerte 5

Neubewertungsmethode bewertet werden, ein immaterieller Vermögenswert gehört, für den kein
aktiver Markt existiert, ist dieser Vermögenswert zu fortgeführten Anschaffungs- oder Herstel-
lungskosten (Anschaffungskostenmodell) zu bewerten.34 Immaterielle Vermögenswerte, die hin-
sichtlich ihrer Art und Verwendung ähnlich sind, sind einer gemeinsamen Klasse zuzuordnen.35
Ab dem Zeitpunkt, ab dem für einen Vermögenswert der beizulegende Zeitwert eines immate- 22
riellen Vermögenswerts nicht mehr anhand eines aktiven Marktes ermittelt werden kann, ist der
Vermögenswert mit den Anschaffungs- oder Herstellungskosten (Anschaffungskostenmodell) zu
bewerten. Als Ausgangswert für die Anwendung der Anschaffungs-/Herstellungskostenmetho-
de ist hier der beizulegende Zeitwert im Zeitpunkt der letztmaligen Neubewertung, abzüglich
nachfolgender kumulierter planmäßiger Abschreibungen und Wertminderungsaufwendungen
heranzuziehen.36 5
Sofern sich durch die Neubewertung der Buchwert erhöht, ist der Unterschiedsbetrag erfolgs- 23
neutral in eine Neubewertungsrücklage innerhalb des Eigenkapitals einzustellen. Sofern jedoch
durch die Werterhöhung eine aus einer früheren Neubewertung resultierende damals aufwands-
wirksam erfasste Wertminderung rückgängig gemacht wird, so ist dieser Teil der Werterhöhung
erfolgswirksam zu berücksichtigen.37 Wertminderungen aufgrund von Neubewertungen sind zu-
nächst – soweit vorhanden – mit der entsprechenden Neubewertungsrücklage zu verrechnen; ein
verbleibender Restbetrag ist als Aufwand zu erfassen.38 Das Vorgehen beim Neubewertungsmo-
dell bei den immateriellen Vermögenswerten entspricht insoweit dem Vorgehen beim Sachanla-
gevermögen (siehe § 5.B.).
In der Praxis kommt in der Regel das Anschaffungskostenmodell zum Einsatz. Für immaterielle 24
Vermögenswerte gibt es nur selten aktive Märkte, so dass die Anwendung des Neubewertungsmo-
dells zumeist ausscheidet. Für Markennamen, Drucktitel bei Zeitungen, Musik- und Filmverlags-
rechte, Patente oder Warenzeichen wird die Existenz eines aktiven Marktes sogar explizit ausge-
schlossen, da diese immateriellen Vermögenswerte einzigartig sind.39
Unabhängig von der angewendeten Bewertungsmethode (Kosten- oder Neubewertungsmodell) 25
ist zu entscheiden, ob es sich um einen immateriellen Vermögenswert mit bestimmbarer Nut-
zungsdauer oder mit unbestimmbarer Nutzungsdauer handelt. Immaterielle Vermögenswerte
mit unbestimmbarer Nutzungsdauer sind dadurch gekennzeichnet, dass bei ihnen kein pro-
gnostizierbarer Zeithorizont vorliegt, über den von den Vermögenswerten erwartet wird, dass sie
zu den Netto-Zahlungsströmen des bilanzierenden Unternehmens beitragen werden.40 Grund-
sätzlich kann eine unbestimmbare Nutzungsdauer nur dann vorliegen, wenn die Nutzung des
zugrunde liegenden immateriellen Vermögenswerts weder zeitlich noch mengenmäßig rechtlich
eingeschränkt ist (z.B. zeitliche rechtliche Einschränkung durch Patentschutz über einen be-
stimmten Zeitraum). Üblicherweise treten unbestimmbare Nutzungsdauern bei besonders gut
und langfristig etablierten Markennamen auf.41 Immaterielle Vermögenswerte mit unbestimmba-
rer Nutzungsdauer sind nicht planmäßig abzuschreiben.42 Stattdessen sind sie – neben der Anfor-
derung in IAS 36 beim Vorliegen von Wertminderungsanzeichen (siehe § 5.C.) regelmäßig, d.h.

34 Vgl. IAS 38.81.


35 Vgl. IAS 38.73.
36 Vgl. IAS 38.82.
37 Vgl. IAS 38.85.
38 Vgl. IAS 38.86.
39 Vgl. IAS 38.78.
40 Vgl. IAS 38.88.
41 Vgl. ADS International, Abschnitt 8: Immaterielle Vermögenswerte, Tz 198.
42 Vgl. IAS 38.107.
Oliver Beyhs/Bernadette Wagner 123
5 § 5 Ausgewählte Abschlussposten

jährlich einem Impairment-Test nach IAS 36 zu unterziehen.43 Damit sind diese immateriellen
Vermögenswerte insofern gleich zu behandeln, wie Goodwill nach IFRS 3 Business Combinations
und IAS 36 (siehe § 5.C.).
26 Immaterielle Vermögenswerte mit bestimmbarer Nutzungsdauer sind hingegen planmäßig
über die Nutzungsdauer abzuschreiben.44 Gehen immaterielle Vermögenswerte aus Rechten
hervor, gelten hinsichtlich der Nutzungsdauerbestimmung Besonderheiten. In diesem Fall be-
stimmt die Laufzeit des entsprechenden Rechts (falls eine solche vorhanden ist) die Obergrenze
für die Festlegung der Nutzungsdauer (zur Ausnahme s.u.). Jedoch kann die Nutzungsdauer in
Abhängigkeit der Dauer, während der das bilanzierende Unternehmen erwartet, den betreffenden
Vermögenswert tatsächlich zu nutzen, auch kürzer als die Laufzeit des jeweiligen Rechts sein.
5
27 > Beispiel:
Ein Unternehmen lässt sich eine neu entwickelte Technologie schützen. Der beantragte Patentschutz beträgt 20 Jahre.
Aufgrund des sich rasch entwickelnden technischen Fortschritts erwartet das Unternehmen jedoch, dass die Technologie
rasch veraltet und durch neuere Technologien abgelöst wird. Das Unternehmen schätzt, dass es die Technologie insgesamt
nur 5 Jahre nutzen wird. Daher ist die Nutzungsdauer des entsprechenden immateriellen Vermögenswerts auf 5 Jahre
festzulegen.

28 Die Festlegung einer Nutzungsdauer, welche länger als die Laufzeit des zugrundeliegenden Rechts
ist, ist unter folgenden kumulativ zu erfüllenden Voraussetzungen möglich:45
■ Es liegt ein Recht mit Erneuerungs-/Verlängerungsoption für das bilanzierende Unternehmen
vor.
■ Es liegen Nachweise dafür vor, dass das Unternehmen die künftige Erneuerung/ Verlängerung
des Rechts ohne wesentliche Kosten durchführen kann.
29 Ein immaterieller Vermögenswert ist ab dem Zeitpunkt planmäßig abzuschreiben, zu dem der
immaterielle Vermögenswert erstmals nutzungsbereit ist, d.h. er an dem Ort ist und sich in dem
Zustand befindet, der für die von der Unternehmensleitung beabsichtigte Nutzung notwendig
ist. Die planmäßige Abschreibung ist einzustellen, wenn der Vermögenswert abgeht oder als zur
Veräußerung gehalten klassifiziert wird (IFRS 5 Non-current Assets Held for Sale and Discontinued
Operations, siehe § 5.E.). Die gewählte Abschreibungsmethode muss den tatsächlichen Nutzungs-
verlauf der immateriellen Vermögenswerte widerspiegeln. Kann der tatsächliche Nutzungsverlauf
nicht verlässlich ermittelt werden, ist zwingend die lineare Abschreibungsmethode anzuwenden.
Grundsätzlich ist der Abschreibungsbetrag in jeder Periode als Aufwand zu erfassen, es sei denn,
er wird in die Wertermittlung eines anderen Vermögenswerts einbezogen,46 wie z.B. bei der Her-
stellungskostenbewertung der Vorräte.47
30 Grundsätzlich ist bei der Ermittlung des Abschreibungsplans der Restwert des immateriellen Ver-
mögenswerts mit Null anzusetzen. Abweichendes hiervon gilt nur, wenn:48
■ es eine Verpflichtung einer dritten Partei gibt, den Vermögenswert am Ende seiner Nutzungs-
dauer zu erwerben oder

43 Vgl. IAS 38.108.


44 Vgl. IAS 38.97ff.
45 Vgl. IAS 38.94.
46 Vgl. IAS38.97.
47 Vgl. IAS 38.99.
48 Vgl. IAS 38.100.
124 Oliver Beyhs/Bernadette Wagner
A. Immaterielle Vermögenswerte 5

■ ein aktiver Markt existiert, ein positiver Restwert auf diesem Markt bestimmt werden kann
und es darüber hinaus wahrscheinlich ist, dass ein solcher Markt noch existiert, wenn die
Nutzungsdauer abgelaufen ist.
Am Ende jeder Periode ist die Nutzungsdauer eines immateriellen Vermögenswerts sowie die Ab- 31
schreibungsmethode zu überprüfen. Sofern sich wesentliche Abweichungen von den ursprüng-
lichen Einschätzungen ergeben, sind die Abschreibungsbeträge der laufenden und der künftigen
Perioden entsprechend anzupassen. Die ggf. vorzunehmenden Anpassungen sind damit prospek-
tiv als Änderung einer Schätzung zu behandeln49 und haben keine Auswirkungen auf vergan-
gene Perioden. Ebenso ist mit vergleichbaren Folgen die Einschätzung in jedem Geschäftsjahr
zu überprüfen, ob bei einem immateriellen Vermögenswert eine unbestimmbare Nutzungsdauer
vorliegt.50 5

IV. Ausweis und Angaben


Immaterielle Vermögenswerte sind als gesonderter Posten in der Bilanz auszuweisen.51 Darüber 32
hinaus sind im Anhang für jede Gruppe immaterieller Vermögenswerte gesonderte Angaben er-
forderlich. Als Beispiel für separate Gruppen werden die folgenden genannt:52
■ Markennamen;
■ Drucktitel und Verlagsrechte;
■ Computersoftware;
■ Lizenzen und Franchiseverträge;
■ Urheberrechte, Patente und sonstige gewerbliche Schutzrechte, Nutzungs- und Betriebskon-
zessionen;
■ Rezepte, Geheimverfahren, Modelle, Entwürfe und Prototypen und
■ Immaterielle Vermögenswerte in Entwicklung
Weiterhin ist zwischen selbst geschaffenen immateriellen Vermögenswerten und sonstigen imma- 33
teriellen Vermögenswerten zu unterscheiden. Folgende Angaben sind jeweils für jede Gruppe ge-
trennt nach selbstgeschaffenen und erworbenen immateriellen Vermögenswerten erforderlich:53
■ ob die Nutzungsdauern unbestimmbar oder bestimmbar sind. Sofern die Nutzungsdauern
begrenzt sind, sind die zu Grunde gelegten Nutzungsdauern sowie die angewandten Abschrei-
bungssätze anzugeben;
■ die für immaterielle Vermögenswerte mit bestimmbaren Nutzungsdauern verwendeten Ab-
schreibungsmethoden;
■ der Bruttobuchwert und die kumulierte Abschreibung (inklusive kumulierter Wertminde-
rungsaufwendungen) jeweils zu Beginn und zum Ende der Periode;
■ der/die Posten der Gewinn- und Verlustrechnung, in dem/denen die Abschreibungen auf im-
materielle Vermögenswerte enthalten sind;
■ eine Überleitung des Buchwertes zu Beginn und zum Ende der Periode. Dabei sind folgende
Sachverhalte gesondert anzugeben:
49 Vgl. IAS 38.104.
50 Vgl. IAS 38.109.
51 Vgl. IAS 1.68.
52 Vgl. IAS 38.119.
53 Vgl. IAS 38.118.
Oliver Beyhs/Bernadette Wagner 125
5 § 5 Ausgewählte Abschlussposten

■ Zugänge, wobei Zugänge aus unternehmensinterner Entwicklung, aus gesondertem Er-


werb und aus Unternehmenszusammenschlüssen getrennt voneinander auszuweisen sind
■ Vermögenswerte, die gemäß IFRS 5 als zur Veräußerung gehalten klassifiziert werden
■ Erhöhungen/Minderungen von Buchwerten aufgrund von Neubewertungen
■ gemäß IAS 36 erfasste Wertminderungen
■ gemäß IAS 36 erfasste Wertaufholungen
■ planmäßige Abschreibungen
■ Differenzen aus Währungsumrechnung; sowie
■ Sonstige Änderungen
5
34 Für jeden immateriellen Vermögenswert, dessen Nutzungsdauer als unbestimmbar eingeschätzt
wurde, ist der Buchwert anzugeben, ebenso wie die Gründe für die Einschätzung seiner unbe-
stimmbaren Nutzungsdauer. Dazu ist eine Beschreibung der Faktoren erforderlich, die bei der
Ermittlung der unbestimmbaren Nutzungsdauer eine wesentliche Rolle spielten.54
35 Weiterhin sind Angaben für jeden einzelnen immateriellen Vermögenswert, der für den Ab-
schluss des bilanzierenden Unternehmens von wesentlicher Bedeutung ist, erforderlich. So ist der
betreffende immaterielle Vermögenswert zu beschreiben und der Buchwert sowie der restliche
Abschreibungszeitraum anzugeben.55
36 Wurden immaterielle Vermögenswerte mittels einer Zuwendung der öffentlichen Hand erwor-
ben und zunächst zum beizulegenden Zeitwert angesetzt, ist dieser anzugeben sowie der aktuelle
Buchwert und das für die Folgebewertung verwendete Modell (Anschaffungskostenmodell oder
Neubewertungsmodell).56
37 Desweiteren sind Angaben zu machen, ob und welchem Umfang Beschränkungen von Verfü-
gungsrechten bestehen bzw. immaterielle Vermögenswerte als Sicherheit verpfändet wurden.57
Ebenfalls anzugeben ist, der Betrag der vertraglichen Verpflichtungen zum Erwerb von immate-
riellen Vermögenswerten.58
38 Werden immaterielle Vermögenswerte gemäß dem Neubewertungsmodell bewertet, sind folgen-
de zusätzliche Angaben erforderlich:59
■ für jede Gruppe immaterieller Vermögenswerte:
a) der Stichtag der Neubewertung
b) der Buchwert der neu bewerteten immateriellen Vermögenswerte
c) der Buchwert, der angesetzt worden wäre, wenn die neu bewertete Gruppe von immateri-
ellen Vermögenswerten nach dem Anschaffungskostenmodell bewertet worden wäre
■ der Betrag, der sich auf immaterielle Vermögenswerte beziehenden Neubewertungsrücklage
zu Beginn und zum Ende der Berichtsperiode unter Angabe der Änderungen während der
Periode und jeglicher Ausschüttungsbeschränkungen an die Anteilseigner; und
■ die Methoden und wesentlichen Annahmen, die zur Schätzung des beizulegenden Zeitwertes
der Vermögenswerte geführt haben.

54 Vgl. IAS 38.122 (a).


55 Vgl. IAS 38.122 (b).
56 Vgl. IAS 38.122 (c).
57 Vgl. IAS 38.122 (d).
58 Vgl. IAS 38.122 (e).
59 Vgl. IAS 38.124.
126 Oliver Beyhs/Bernadette Wagner
A. Immaterielle Vermögenswerte 5

Weiterhin anzugeben ist die Summe der Ausgaben für Forschung und Entwicklung, die während 39
der Periode als Aufwand erfasst wurden.60

V. US-GAAP
Unter US-GAAP ist die Bilanzierung von immateriellen Vermögenswerten durch eine Vielzahl 40
von speziellen Vorschriften geprägt. In der Praxis unterscheiden sich die Regelungen unter IFRS
und US-GAAP im Wesentlichen in zwei Bereichen: der Aktivierung von Entwicklungskosten und
der Folgebewertung.
Forschungs- und Entwicklungsausgaben dürfen grundsätzlich nicht aktiviert werden.61 Speziel- 5
le Ausnahmeregelungen gelten für selbsterstellte Software und Direktmarketing (direct response
advertising).
Im Rahmen der Folgebewertung sind immaterielle Vermögenswerte über ihre Nutzungsdauer
planmäßig abzuschreiben. Eine Neubewertung (ähnlich dem Neubewertungsmodell unter IFRS)
ist nicht zulässig.62

VI. HGB
Die handelsrechtlichen Vorschriften unterscheiden bei den Ansatzvoraussetzungen zwischen 41
Anlage- und Umlaufvermögen. Immaterielle Vermögenswerte des Anlagevermögens dürfen nur
aktiviert werden, wenn sie entgeltlich erworben werden.63 Diese Einschränkung gilt für immate-
rielle Vermögenswerte des Umlaufvermögens nicht.
Bei der Ermittlung der Anschaffungs- und Herstellungskosten für immaterielle Vermögenswer-
te müssen nur Material- und Fertigungseinzelkosten sowie Sondereinzelkosten der Fertigung ver-
pflichtend einbezogen werden.64
Zinsen für Fremdkapital gehören grundsätzlich nicht zu den Anschaffungs- oder Herstellungsko-
sten.65 Zinsen für Fremdkapital, das zur Finanzierung der Herstellung eingesetzt wird und die auf den
Zeitraum der Herstellung entfallen, dürfen jedoch als Teil der Herstellungskosten angesetzt werden.66
Werden immaterielle Vermögenswerte mittels eines Tauschvorgangs erworben, kommen han-
delsrechtlich drei Methoden zur Ermittlung der Anschaffungskosten in Frage:67
■ a) Buchwertfortführung
■ b) Gewinnrealisierung
■ c) Ergebnisneutrale Behandlung
Eine Neubewertung der immateriellen Vermögenswerte im Rahmen der Folgebewertung ist
nicht zulässig. Immaterielle Vermögenswerte dürfen ausschließlich mit ihren fortgeführten An-
schaffungs- und Herstellungskosten bewertet werden.68

60 Vgl. IAS 38.126.


61 Vgl. SFAS 2.12.
62 Vgl. SFAS 142.
63 Vgl. § 248 Abs. 2 HGB.
64 Vgl. § 255 Abs. 2 HGB.
65 Vgl. § 255 Abs. 3 Satz 1 HGB.
66 Vgl. § 255 Abs. 3 Satz 2 HGB.
67 Vgl. ADS, § 255 Tz.89ff.
68 Vgl. § 253 Abs. 1 Satz 1 HGB.
Oliver Beyhs/Bernadette Wagner 127
5 § 5 Ausgewählte Abschlussposten

VII. Ausblick
42 Das IASB überlegt derzeit, ein Projekt zur Überarbeitung der Bilanzierungsregelungen für im-
materielle Vermögenswerte (inklusive Goodwill) zu starten. Das Projekt befindet sich jedoch
noch in der Research Phase. Ob und wann die bestehenden Regelungen tatsächlich überarbeitet
werden, ist derzeit noch offen.
43 Durch das Gesetz zur Modernisierung des Bilanzrechts (BilMoG) können die handelsrechtlichen
Regelungen zur Bilanzierung von immateriellen Vermögenswerten zukünftig von den bisherigen
Regelungen abweichen.
5
adette Wagner
B. B. Sachanlagen

I. Vorbemerkungen
44 Unter die Definition von Sachanlagen (property, plant and equipment) im Sinne des IAS 16 Pro-
perty, Plant and Equipment fallen materielle Vermögenswerte, die ein Unternehmen zur Herstel-
lung oder Lieferung von Gütern oder Dienstleistungen, zur Vermietung an Dritte oder zu Ver-
waltungszwecken besitzt und die voraussichtlich länger als ein Geschäftsjahr genutzt werden.69
Typische Beispiele für Gegenstände des Sachanlagevermögens sind selbstgenutzte Grundstücke
und Gebäude (zur Abgrenzung von Immobilien, die als Finanzinvestition gehalten werden, siehe
§ 5.D.), Maschinen, Fuhrpark sowie Betriebs- und Geschäftsausstattung.70
45 Anzuwenden sind die Regelungen des IAS 16 auf alle Vermögenswerte des Sachanlagevermögens,
deren wirtschaftlicher Eigentümer das bilanzierende Unternehmen ist. Auf das rechtliche Eigentum
an den Vermögenswerten kommt es hingegen nicht an71 (hinsichtlich der Besonderheiten bezüglich
des wirtschaftlichen Eigentums bei Leasinggeschäften siehe § 5.K.). Nicht anwendbar ist IAS 16 auf
Sachanlagen, die als zur Veräußerung gehalten klassifiziert werden (siehe hierzu § 5.E.).

II. Ansatz
46 Die Ansatzvoraussetzungen für Vermögenswerte des Sachanlagevermögens entsprechen den all-
gemeinen, vom IFRS-Framework ausgegebenen Ansatzkriterien. Demnach sind sie zu aktivieren,
wenn:72
■ es wahrscheinlich ist, dass dem Unternehmen ein mit ihnen verbundener künftiger Nutzen
zufließen wird und
■ ihre Anschaffungs- oder Herstellungskosten verlässlich ermittelt werden können.
Dabei ist zu beachten, dass es unter bestimmten Bedingungen geboten ist, die gesamten Ausga-
ben für einen Vermögenswert für die Vornahme planmäßiger Abschreibungen auf seine (Einzel-)
Bestandteile aufzuteilen (sog. Komponentenansatz). So ist jeder Teil einer Sachanlage, dessen
Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten im Verhältnis zu den gesamten Anschaffungs-/Herstel-

69 Vgl. IAS 16.6.


70 Vgl. IAS 16.37.
71 Vgl. F.57.
72 Vgl. IAS 16.7.
128 Oliver Beyhs/Bernadette Wagner
B. Sachanlagen 5

lungskosten des betrachteten Vermögenswerts wesentlich ist, getrennt planmäßig abzuschreiben.


Als Beispiel für eine solche Aufteilung sei hier die getrennte Berücksichtigung von Flugzeugen
und deren Triebwerken als eigenständige Komponenten eines Vermögenswerts genannt. Kompo-
nenten mit jeweils gleicher Nutzungsdauer können zusammengefasst werden.73
Wenn Gegenstände des Sachanlagevermögens aus dem Unternehmen abgehen oder aus ihrer wei- 47
teren Nutzung sowie aus ihrem Abgang keine wirtschaftlichen Vorteile mehr erwartet werden,
sind diese auszubuchen. Zur Bestimmung des Abgangszeitpunkts sind die entsprechenden Rege-
lungen in IAS 18 Revenue heranzuziehen (siehe § 5.M.). Die bei Ausbuchung von Gegenständen
des Sachanlagevermögens entstehenden Gewinne oder Verluste sind erfolgswirksam zu erfassen.
Sie dürfen jedoch grundsätzlich nicht als Umsatzerlöse klassifiziert werden, es sei denn, es handelt
sich um Sachanlagen, die regelmäßig im Rahmen der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit zunächst 5
zur Vermietung geschaffen und anschließend veräußert werden.74

III. Bewertung

1. Zugangsbewertung
Sofern die Ansatzvoraussetzungen erfüllt sind, sind Gegenstände des Sachanlagevermögens bei 48
Zugang mit ihren Anschaffungs- oder Herstellungskosten zu bewerten.75 Neben dem Anschaf-
fungspreis und darauf entfallende Zölle zählen auch nicht-rückerstattbare Steuern sowie die di-
rekt zurechenbaren Kosten der Verbringung des Gegenstands in einen betriebsbereiten Zustand
zu den Anschaffungs- und Herstellungskosten. Darüber hinaus sind auch die durch den Zugang
oder die Nutzung entstehenden geschätzten Kosten für den Abbruch und das Entfernen des Ver-
mögenswerts und die Wiederherstellung des Standortes in die Ermittlung der Anschaffungs- und
Herstellungskosten einzubeziehen und zwar in dem Maße, wie sie gemäß IAS 37 Provisions, Con-
tingent Liabilities and Contingent Assets als Rückstellung zu passivieren sind.
Mit dem letzten Bestandteil der Anschaffungskosten sind Verpflichtungen des bilanzierenden Un- 49
ternehmens angesprochen, einen bestimmten Vermögenswert nach einer gewissen Zeit (z.B. im
Falle von Mietereinbauten am Ende eines Mietverhältnisses) wieder zu entfernen (sog. Rückbau-
verpflichtungen). Sofern für diese Rückbauverpflichtungen eine Passivierungspflicht nach IAS 37
besteht (siehe hierzu § 5.H.), ist der entsprechende Betrag, mit dem die Rückstellung bei Zugang
bewertet wird, als Bestandteil der Anschaffungskosten desjenigen Vermögenswerts zu aktivieren,
auf den sich die Rückbauverpflichtung bezieht.76

> Beispiel: Bilanzierung einer Rückbauverpflichtung 50


Ein Unternehmen errichtet einen Freizeitpark auf einer angemieteten Fläche. Die Baukosten betragen 50 Mio €, der Miet-
vertrag läuft über 20 Jahre. Das Unternehmen verpflichtet sich im Rahmen des Mietvertrags den Standort nach Ablauf
des Mietvertrags zu renaturieren, d.h. sämtliche Anlagen abzubauen und den Standort wieder in seinen ursprünglichen
Zustand zu versetzen. Das Unternehmen schätzt, dass dafür Kosten in Höhe von ca. 2 Mio. € anfallen werden.
In die Ermittlung der Anschaffungskosten sind neben den Baukosten in Höhe von 50 Mio. € auch die diskontierten Kosten
für den Rückbau einzubeziehen. Der anzuwendende Zins, sei annahmegemäß 10%:

73 Vgl. IAS 16.43ff.


74 Vgl. IAS 16.67ff.
75 Vgl. IAS 16.15.
76 Vgl. IAS 16.18.
Oliver Beyhs/Bernadette Wagner 129
5 § 5 Ausgewählte Abschlussposten

Baukosten / Anschaffungspreis 50 Mio €


Barwert der Rückbauverpflichtung 0,3 Mio € (2 Mio € * 1,1-20)
Anschaffungskosten 50,3 Mio €

Die Buchungssätze bei Errichtung des Parks lauten wie folgt:


Sachanlagen 50,3 Mio € an Zahlungsmittel 50 Mio €
Rückstellung für Rückbau 0,3 Mio €

In der Folge sind die Sachanlagen über ihre Nutzungsdauer abzuschreiben und die Rückstellung für die Rückbauverpflich-
tung aufzuzinsen (Annahme: gleichbleibender Diskontierungszinssatz).
5
Abschreibungsaufwand 2,52 Mio € an Sachanlagen 2,52 Mio €
Zinsaufwand 30 T€ an Rückstellung für Rückbau 30 T€

51 Werden mit der Anschaffung eines Vermögenswerts des Sachanlagevermögens Zuwendungen der
öffentlichen Hand gewährt, besteht ein Wahlrecht, ob diese Zuwendungen aktivisch von den An-
schaffungskosten bei der Zugangsbewertung abgesetzt werden, oder ob der Zuschuss passivisch
erfasst und über die Nutzungsdauer des bezuschussten Vermögenswerts aufgelöst wird.77
52 Besonderheiten gelten für den Zu- bzw. Abgang von Gegenständen des Sachanlagevermögens
durch Tauschgeschäfte. Grundsätzlich sind Tauschgeschäfte mit ihrem beizulegenden Zeit-
wert zu bewerten. Davon ausgenommen sind Tauschtransaktionen, denen es an wirtschaftlicher
Substanz78 mangelt oder bei denen weder der beizulegende Zeitwert des erhaltenen, noch des
hingegebenen Vermögenswerts verlässlich bestimmt werden kann. Sofern Vermögenswerte aus
Tauschgeschäften nach diesen Bedingungen zum beizulegenden Zeitwert zu erfassen sind, ist zur
Ermittlung des Zugangswerts vorrangig der beizulegende Zeitwert des hingegebenen Vermögens-
werts heranzuziehen. Sofern jedoch der beizulegende Zeitwert des erhaltenen Vermögenswerts
eindeutiger bestimmt werden kann, ist auf ihn abzustellen.79

2. Folgebewertung
53 Zur Folgebewertung kann entweder nach dem Anschaffungskostenmodell oder nach dem Neu-
bewertungsmodell verfahren werden (Wahlrecht).80 Nach dem Anschaffungskostenmodell wer-
den Gegenstände des Sachanlagevermögens zu fortgeführten Anschaffungs- oder Herstellungsko-
sten bewertet. Gegebenenfalls ist eine außerplanmäßige Abschreibung auf den niedrigeren erziel-
baren Betrag vorzunehmen;81 zur Bestimmung, ob und in welcher Höhe eine außerplanmäßige
Abschreibung erfolgen muss, ist IAS 36 Impairment of Assets anzuwenden,82 siehe hierzu § 5.C.
54 Alternativ kann bei Gegenständen des Sachanlagevermögens, deren beizulegender Zeitwert ver-
lässlich bestimmt werden kann, das Neubewertungsmodell angewendet werden. Dabei sind die
Sachanlagen zum beizulegenden Zeitwert im Zeitpunkt der Neubewertung, unter Berücksichti-
gung danach kumulativ anfallender planmäßiger Abschreibungen und Wertminderungsaufwen-
dungen (außerplanmäßige Abschreibungen) anzusetzen. Eine Neubewertung muss in regelmäßi-
77 Vgl. IAS 16.28 i.V.m. IAS 20.24.
78 Vgl. IAS 16.25.
79 Vgl. IAS 16.24ff.
80 Vgl. IAS 26.29.
81 Vgl. IAS 16.30.
82 Vgl. IAS 16.63.
130 Oliver Beyhs/Bernadette Wagner
B. Sachanlagen 5

gen Abständen erfolgen, um sicherzustellen, dass der Buchwert nicht wesentlich von dem Betrag
abweicht, der sich am Abschlussstichtag unter Zugrundelegung des dann geltenden beizulegen-
den Zeitwerts ergeben hätte.83
Wie oft eine solche Neubewertung durchzuführen ist, hängt von den (zu erwartenden) Schwan-
kungen des beizulegenden Zeitwerts der entsprechenden Sachanlagen ab. Sofern der beizulegen-
de Zeitwert eines Sachanlagegegenstandes keine signifikanten Schwankungen aufweist, wird eine
Neubewertung alle drei bis fünf Jahre als ausreichend betrachtet.84 Der beizulegende Zeitwert ist
– wie überall in der IFRS-Rechnungslegung - definiert als der Betrag, zu dem ein Vermögenswert
zwischen sachverständigen, vertragswilligen und voneinander unabhängigen Parteien getauscht
werden könnte.85
Das zwischen dem Anschaffungskostenmodell und dem Neubewertungsmodell bestehende Bi- 55 5
lanzierungswahlrecht ist jeweils für sog. Klassen von Vermögenswerten stetig auszuüben.86
Gleichartige Anlagegegenstände mit ähnlicher Verwendung werden jeweils zu Klassen zusam-
mengefasst. Beispiele für solche Klassen sind Grundstücke und Gebäude, Maschinen oder Fahr-
zeuge.87 Für jede dieser Klassen kann das Wahlrecht somit unterschiedlich ausgeübt werden.
Sofern die Neubewertung eines Gegenstands des Sachanlagevermögens zu einer Erhöhung des 56
Buchwertes führt, ist der Unterschiedsbetrag erfolgsneutral in eine Neubewertungsrücklage in-
nerhalb des Eigenkapitals einzustellen. Wird allerdings durch die Werterhöhung eine aufgrund
der Neubewertung in einer früheren Periode entstandene Wertminderung, die seinerzeit als Auf-
wand erfasst worden war, rückgängig gemacht, so ist der darauf entfallende Teil der Werterhö-
hung ertragswirksam zu erfassen.88
Hat die Neubewertung eine Verminderung des Buchwertes zur Folge, dann ist der Anpassungs- 57
betrag als Aufwand zu erfassen. Sofern jedoch für den betreffenden Vermögenswert in früheren
Perioden (durch entsprechende Wertsteigerungen) bereits eine Neubewertungsrücklage gebildet
worden ist, so ist der Betrag der notwendigen Abwertung zunächst mit dieser Neubewertungs-
rücklage zu verrechnen, also insoweit erfolgsneutral zu behandeln.89
Die Neubewertungsrücklage kann (anteilig) den Gewinnrücklagen zugeführt werden, wenn 58
und soweit die in sie eingestellten Beträge entweder vollständig durch den Abgang des Vermö-
genswerts oder teilweise durch die fortlaufende Nutzung des Vermögenswerts realisiert wurden.
Dabei entspricht der durch die fortlaufende Nutzung realisierte Betrag dem Unterschiedsbetrag
zwischen der planmäßigen Abschreibung auf der Grundlage des Buchwertes nach Neubewer-
tung und der planmäßigen Abschreibung auf der Grundlage der ursprünglichen (fortgeführten)
Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten (ohne zwischenzeitliche Neubewertung). Die Auflösung
der Neubewertungsrücklage erfolgt durch die Umgliederung der entsprechenden Beträge in die
Gewinnrücklagen; sie wird also nicht über die Gewinn- und Verlustrechnung vorgenommen.90
Sowohl innerhalb des Kosten- als auch beim Neubewertungsmodell sind planmäßige Abschrei- 59
bungen auf die Vermögenswerte des Sachanlagevermögens vorzunehmen (hierbei ist ggf. eine
Komponentenbildung zu berücksichtigen, siehe § 5.B.II.). Die planmäßige Abschreibung erfolgt
über die Nutzungsdauer der Vermögenswerte und basiert auf dem abschreibungsfähigen Betrag
83 Vgl. IAS 16.31.
84 Vgl. IAS 16.34.
85 Vgl. IAS 16.6.
86 Vgl. IAS 16.29 und 16.36.
87 Vgl. IAS 16.37.
88 Vgl. IAS 16.39.
89 Vgl. IAS 16.40.
90 Vgl. IAS 16.41.
Oliver Beyhs/Bernadette Wagner 131
5 § 5 Ausgewählte Abschlussposten

(s.u.). Der planmäßige Abschreibungsbetrag einer Periode ist als Aufwand zu erfassen.91 Die Nut-
zungsdauer eines Gegenstands des Sachanlagevermögens ist definiert als entweder:92
■ die Zeitspanne, über die der Vermögenswert voraussichtlich durch das Unternehmen genutzt
werden wird oder
■ die Anzahl der Leistungseinheiten, die der Vermögenswert voraussichtlich für das Unterneh-
men erbringen wird.
60 Die so definierte Nutzungsdauer, die sich im erstgenannten Fall nach der geplanten Verweildauer
des Gegenstands im Unternehmen richtet, kann somit kürzer sein als die wirtschaftliche Nut-
zungsdauer (i.S.e. technisch möglichen Lebensdauer des Anlagegegenstands). Zur Bestimmung
der Nutzungsdauer eines Sachanlagegegenstandes sind Schätzungen vorzunehmen, denen Erfah-
5 rungswerte des Unternehmens mit vergleichbaren Vermögenswerten zugrunde liegen.93
61 Die angewendete Abschreibungsmethode muss den tatsächlichen (Ab-)Nutzungsverlauf des
Vermögenswerts im Unternehmen widerspiegeln.94 Als Abschreibungsmethoden kommen u.a.
die lineare, die degressive und die leistungsabhängige Abschreibungsmethode in Betracht.95 Die
Verwendung rein steuerlich motivierter Abschreibungsverfahren ist grundsätzlich nicht gestattet.
In der Praxis kommt häufig die lineare Abschreibung zur Anwendung.
62 Der abschreibungsfähige Betrag je Vermögenswert als Zielwert für den Abschreibungsplan ergibt
sich aus den Anschaffungs-/Herstellungskosten unter Abzug eines künftigen Restwertes zum Ende
der Nutzungsdauer. Ein Restwert ist jedoch nur zu ermitteln, sofern dieser wesentlich ist. Bei der
Ermittlung des Restwerts sind – bis auf den Zustand des Vermögenswerts – die aktuellen wertrele-
vanten Verhältnisse, insb. hinsichtlich des Preisniveaus zu unterstellen. Wird die Neubewertungsme-
thode angewendet, ist auch der Restwert zum jeweiligen Neubewertungsstichtag neu zu schätzen.96
63 An jedem Abschlussstichtag sind die der Abschreibung zugrunde gelegte Nutzungsdauer eines
Sachanlagegegenstandes, sein Restwert und die Abschreibungsmethode zu überprüfen. Sofern
sich dabei erhebliche Abweichungen von der früheren Einschätzung ergeben, sind die Abschrei-
bungsbeträge der laufenden sowie der künftigen Perioden entsprechend anzupassen. Diese An-
passungen sind als Schätzungsänderung97 lediglich mit Wirkung für die Zukunft zu behandeln.
Die Abschreibungsbeträge für die laufende und künftige Perioden (aber nicht der vergangenen
Perioden) sind entsprechend anzupassen.98
64 Neben der Verrechnung planmäßiger Abschreibungen sind im Rahmen der Folgebewertung ggf.
auch Ausgaben nach einmal erfolgter Anschaffung oder Herstellung zu berücksichtigen, sog.
nachträgliche Anschaffungskosten. Solche Ausgaben sind zu aktivieren, wenn mit den hiermit
verbundenen Maßnahmen die Ansatzvoraussetzungen für einen Vermögenswert erfüllt sind. D.h.
es muss wahrscheinlich sein, dass durch diese Ausgaben dem Unternehmen aus dem betreffenden
Vermögenswert künftig ein zusätzlicher wirtschaftlicher Nutzen zufließen wird. Alltägliche Maß-
nahmen wie etwa Reparaturen und Wartungen führen hingegen nicht zu einer nachträglichen
Aktivierung der damit einhergehenden Kosten; vielmehr sind diese aufwandswirksam in der Ge-
winn- und Verlustrechnung zu erfassen, wenn sie anfallen.99

91 Vgl. IAS 16.48.


92 Vgl. IAS 16.6.
93 Vgl. IAS 16.57.
94 Vgl. IAS 16.60.
95 Vgl. IAS 16.62.
96 Vgl. IAS 16.6 und 16.53.
97 Siehe auch IAS 8.36ff.
98 Vgl. IAS 16.51 und 16.61.
99 Vgl. IAS 16.12 i.V.m. 7.
132 Oliver Beyhs/Bernadette Wagner
B. Sachanlagen 5

Ebenso können einzelne Teile eines Vermögenswerts im Laufe dessen Nutzungsdauer ausgetauscht 65
werden (z.B. Dächer oder Fenster eines Gebäudes). Sofern die generellen Ansatzkriterien für Ge-
genstände des Sachanlagevermögens von den Ersatzteilen erfüllt werden, werden die hiermit ver-
bundenen Kosten als Teil der fortgeführten Anschaffungs-/Herstellungskosten des entsprechen-
den Vermögenswerts aktiviert. Der Restbuchwert des bei der Ersatzmaßnahme ausgebauten Teils
wird dabei erfolgswirksam als Abgang erfasst. Kann dieser Restbuchwert durch das bilanzierende
Unternehmen nicht praktikabel ermittelt werden, sind die Kosten des Ersatzteils als Indikator für
die historischen Anschaffungs-/Herstellungskosten des ausgebauten Teils heranzuziehen.100
Nach einem ähnlichen Ansatz werden auch Kosten bilanziell behandelt, die mit regelmäßigen 66
Großwartungsmaßnahmen (unabhängig, ob dies auch mit dem Austausch von Teilen eines
Vermögenswerts verbunden ist) anfallen. Sofern die Ansatzkriterien für einen Vermögenswert 5
durch eine entsprechende Großwartungsmaßnahme erfüllt sind, werden die hiermit verbunde-
nen Kosten aktiviert. D.h., dass bei jeder erneuten Durchführung einer Wartung die Kosten ent-
sprechend im Buchwert der Sachanlage erfasst werden. Ein zu diesem Zeitpunkt verbleibender
Restbuchwert, der sich auf die vorhergehende Großwartungsmaßnahme bezieht, ist erfolgswirk-
sam als Abgang zu erfassen; dies gilt auch, wenn die entsprechende Großwartungsmaßnahmen-
komponente in der Vergangenheit nicht gesondert identifiziert wurde. Ggf. ist der Buchwert einer
Wartungsmaßnahme an Hand der in der Zukunft für eine ähnliche Maßnahme erwarteten Ko-
sten zu bestimmen.101

> Beispiel: Komponentenansatz bei Großwartungsmaßnahmen 67


Ein Kraftwerksbetreiber errichtet einen neuen Kraftwerksblock. In diesem Kraftwerksblock werden eine Turbine und ein
Generator eingesetzt. Die Nutzungsdauer für die Turbine und den Generator beträgt jeweils 12 Jahre. Die Turbine muss
alle 2 Jahre einer Großwartung unterzogen werden, der Generator alle 3 Jahre. Die Anschaffungskosten für den Kraft-
werksblock betragen 24 Mio € und entfallen jeweils zur Hälfte auf die Turbine und den Generator. Die Wartungskosten
werden mit jeweils 600 T€ je Wartungsmaßnahme geschätzt.
Die Buchungssätze zum Zeitpunkt des Erwerbs lauten wie folgt:

Sachanlagen 24 Mio € an Zahlungsmittel 24 Mio €

In den Folgejahren sind die einzelnen Komponenten über ihre Nutzungsdauer planmäßig abzuschreiben. Die Nutzungs-
dauer für die Wartungskomponente entspricht dem Wartungsintervall. Nach erfolgter Wartung sind die angefallenen
Kosten zu aktivieren und erneut über die Nutzungsdauer (das Wartungsintervall) abzuschreiben.
Der Buchwert der Sachanlagen entwickelt sich wie folgt:
in Mio €
31.12.X0 31.12.X1 31.12.X2 31.12.X3 … 31.12.X11 31.12.X12
Sachanlagen 24 21,6 19,2 18,0 2,4 0
davon
Turbine (ohne Wartung) 11,4 10,45 9,5 8,55 0,95 0
Wartungskomponente Turbine 0,6 0,3 0,6 0,3 0,3 0
Generator (ohne Wartung) 11,4 10,45 9,5 8,55 0,95 0
Wartungskomponente 0,6 0,4 0,2 0,6 0,2 0
Generator

100 Vgl. IAS 16.13 i.V.m. 70.


101 Vgl. IAS 16.14.
Oliver Beyhs/Bernadette Wagner 133
5 § 5 Ausgewählte Abschlussposten

Die Wartungen von Turbine und Generator werden jeweils immer am Jahresende durchgeführt und die angefallen Kosten
entsprechend aktiviert.
Jährlicher Abschreibungsaufwand pro Komponente
in Mio €
Turbine (ohne Wartung) 0,95 (11,4 / 12 Jahre)
Wartungskomponente Turbine 0,3 (0,6/2 Jahre)
Generator (ohne Wartung) 0,95 (11,4/12 Jahre)
Wartungskomponente Generator 0,2 (0,6/3 Jahre)
Summe 2,4
5
3. Fremdkapitalkosten bei qualifizierten Vermögenswerten
68 IAS 23 Borrowing Costs regelt die Erfassung von Fremdkapitalkosten, die unter bestimmten Be-
dingungen als Bestandteil der Anschaffungs-/Herstellungskosten von Vermögenswerten des (nicht
nur) Sachanlagevermögens zu aktivieren sind. Unter die Definition der Fremdkapitalkosten i.S.d
IAS 23 fallen Zinsen und sonstige Kosten, die bei einem Unternehmen im Zusammenhang mit
der Aufnahme von Fremdkapital anfallen. Für eine Aktivierung von Fremdkapitalkosten kom-
men grundsätzlich nur sog. qualifizierte Vermögenswerte in Betracht. Ein qualifizierter Vermö-
genswert ist ein Vermögenswert, der notwendigerweise einen längeren Zeitraum benötigt, um in
seinen beabsichtigten Nutzungszustand versetzt zu werden oder verkaufsbereit gemacht zu wer-
den.102 Qualifizierte Vermögenswerte sind nicht allein auf das Sachanlagevermögen beschränkt.
Insbesondere innerhalb der Vorräte (siehe § 5.G.), immateriellen Vermögenswerte (siehe § 5.A.)
oder bei als Finanzinvestition gehaltenen Immobilien (siehe § 5.D.) können diese auftreten.103
69 Nur Fremdkapitalkosten, die direkt der Anschaffung oder Herstellung eines qualifizierten Vermö-
genswerts zuzurechnen sind (das sind die Fremdkapitalkosten, die nicht angefallen wären, wenn
die Ausgaben für den Vermögenswerte angefallen wären)104 sind als Bestandteil der Anschaf-
fungs-/Herstellungskosten des betreffenden Vermögenswerts zu aktivieren; diese Regelung ist
spätestens anzuwenden für Geschäftsjahre, die am oder nach dem 1. Januar 2009 beginnen. Nach
der bis zu diesem Zeitpunkt noch gültigen Fassung von IAS 23 besteht für solche Fremdkapital-
kosten ein Aktivierungswahlrecht. Alle anderen Fremdkapitalkosten (d.h. die nicht direkt qua-
lifizierten Vermögens-werten zurechenbaren) sind zwingend als Aufwand in der Gewinn- und
Verlustrechnung zu erfassen.105
70 In dem Maße, in dem ein Unternehmen Fremdmittel aufnimmt, um speziell die Anschaffung
oder Herstellung eines bestimmten qualifizierten Vermögenswerts zu finanzieren, sind die zu ak-
tivierenden Fremdkapitalkosten als die für diese Fremdmittel tatsächlich anfallenden Kosten zu
ermitteln (ggf. abzüglich etwaiger Erträge auf vorübergehende Reinvestitionen dieser Mittel).106
Sofern eine solche Zurechnung jedoch nicht möglich ist, d.h. wenn Fremdmittel ohne konkreten
Bezug zu bestimmten qualifizierten Vermögenswerten aufgenommen werden, jedoch grundsätz-
lich zu deren Anschaffung/Herstellung verwendet werden, sind die zu aktivierenden Fremdka-
pitalkosten mittels einer Kapitalisierungsrate zu bestimmen. Die Kapitalisierungsrate entspricht

102 Vgl. IAS 23.5.


103 Vgl. IAS 23.7.
104 Vgl. IAS 23.10.
105 Vgl. IAS 23.8.
106 Vgl. IAS 23.12.
134 Oliver Beyhs/Bernadette Wagner
B. Sachanlagen 5

den gewogenen durchschnittlichen Fremdkapitalkosten der Fremdmittel, die nicht spezifisch für
bestimmte qualifizierte Vermögenswerte aufgenommen wurden.107
Mit der Aktivierung von Fremdkapitalkosten als Bestandteil der Anschaffungs-/Herstellungsko- 71
sten eines qualifizierten Vermögenswerts wird begonnen, wenn alle folgenden drei Bedingungen
vorliegen:108
■ Das Unternehmen hat Ausgaben für den Vermögenswert.
■ Es fallen Fremdkapitalkosten an.
■ Das Unternehmen unternimmt Aktivitäten, die notwendig sind um den Vermögenswert auf
seine beabsichtigte Nutzung oder seinen Verkauf vorzubereiten.
Sofern das Unternehmen seine Entwicklungsaktivitäten in Bezug auf den qualifizierten Vermögens- 72 5
wert unterbricht, muss auch die Aktivierung von Fremdkapitalkosten für den Zeitraum dieser Un-
terbrechung ausgesetzt werden.109 Die Aktivierung von Fremdkapitalkosten ist zu dem Zeitpunkt,
zu beenden, zu dem im Wesentlichen alle Aktivitäten, die notwendig sind um den Vermögenswert
auf seine beabsichtigte Nutzung oder seinen Verkauf vorzubereiten, abgeschlossen sind.110

4. Ausweis und Angaben


Sachanlagevermögen ist als gesonderter Posten in der Bilanz auszuweisen.111 Im Anhang sind für 73
jede Gruppe von Sachanlagen gesonderte Angaben erforderlich.112 Als Beispiele für solche Grup-
pen werden genannt:113
■ Unbebaute Grundstücke
■ Grundstücke und Gebäude
■ Maschinen und technische Anlagen
■ Schiffe
■ Flugzeuge
■ Kraftfahrzeuge
■ Betriebsausstattung
■ Büroausstattung
So sind zum einen die Bewertungsgrundlagen anzugeben, die bei der Bestimmung der Anschaf- 74
fungs- und Herstellungskosten angewendet wurden. Weiterhin anzugeben sind die verwendeten
Abschreibungsmethoden, die zugrunde gelegten Nutzungsdauern oder Abschreibungssätze so-
wie der Bruttobuchwert und die kumulierten Abschreibungen (inklusive kumulierter Wertmin-
derungsaufwendungen) jeweils zu Beginn und zum Ende der Periode.
Darüber hinaus ist der Buchwert des Sachanlagevermögens zu Beginn der Periode auf den Buch-
wert am Ende der Periode überzuleiten, wobei
■ Zugänge
■ Vermögenswerte, die gemäß IFRS 5 als zur Veräußerung gehalten klassifiziert werden

107 Vgl. IAS 23.14.


108 Vgl. IAS 23.17.
109 Vgl. IAS 23.20.
110 Vgl. IAS 23.22.
111 Vgl. IAS 1.68.
112 Vgl. IAS 16.73.
113 Vgl. IAS 16.37.
Oliver Beyhs/Bernadette Wagner 135
5 § 5 Ausgewählte Abschlussposten

■ Zugänge durch Unternehmenszusammenschlüsse


■ Erhöhungen/Verminderungen aufgrund von Neubewertungen
■ gemäß IAS 36 erfasste Wertminderungen
■ gemäß IAS 36 erfasste Wertaufholungen
■ planmäßige Abschreibungen
■ Differenzen aus Währungsumrechnung; sowie
■ Sonstige Änderungen
getrennt anzugeben sind.114 Diese Überleitungsrechnung erfolgt häufig in Form eines Anlagespie-
gels, ähnlich dem handelsrechtlichen Vorbild.
5
75 Desweiteren sind Angaben zu machen, ob und welchem Umfang Beschränkungen von Verfü-
gungsrechten bestehen bzw. Sachanlagen als Sicherheit verpfändet wurden.115 Ebenfalls anzuge-
ben sind Ausgaben, die für Sachanlagen getätigt wurden, die sich im Bau befinden, der Betrag der
vertraglichen Verpflichtungen zum Erwerb von Sachanlagen sowie Entschädigungen von Dritten
für wertgeminderte, untergegange oder außer Betrieb genommen Sachanlagen, sofern diese nicht
gesondert innerhalb der Gewinn- und Verlustrechnung ausgewiesen werden.116
76 Wird die Neubewertungsmethode angewendet sind zusätzlich folgende Angaben erforderlich:117
■ der Stichtag der Neubewertung;
■ ob ein unabhängiger Gutachter hinzugezogen wurde;
■ die Methoden und wesentlichen Annahmen, die zur Schätzung des beizulegenden Zeitwerts
der Gegenstände geführt haben;
■ der Umfang, in dem die beizulegenden Zeitwerte der Gegenstände unter Bezugnahme auf die
in einem aktiven Markt beobachteten Preise oder auf kürzlich zu marktüblichen Bedingungen
getätigte Transaktionen direkt ermittelt wurden, oder ob andere Bewertungsmethoden zur
Schätzung benutzt wurden;
■ für jede neu bewertete Gruppe von Sachanlagen der Buchwert, der angesetzt worden wäre, wenn
die Vermögenswerte nach dem Anschaffungskostenmodell bewertet worden wären; und
■ die Neubewertungsrücklage mit Angabe der Veränderung in der Periode und eventuell beste-
hender Ausschüttungsbeschränkungen an die Anteilseigner

5. US-GAAP
77 Die Bilanzierung von Sachanlagevermögen nach US-GAAP ist den Regelungen gemäß IFRS sehr
ähnlich, unterscheidet sich jedoch dennoch in einigen Punkten. Bei Zugang sind Gegenstände
des Sachanlagevermögens mit ihren Anschaffungs- und Herstellungskosten zu bewerten. An-
schaffungsnebenkosten (z.B. für Fracht oder Installation) sowie Kosten für Rückbau- und Wie-
derherstellungsverpflichtungen118 sind in diese einzubeziehen. Sofern es sich um qualifizierte Ver-
mögenswerte handelt, sind angefallene Fremdkapitalzinsen aktivierungspflichtig.119

114 Vgl. IAS 16.73.


115 Vgl. IAS 16.74 (a).
116 Vgl. IAS 16.74 (b), (c) und (d).
117 Vgl. IAS 16.77.
118 Vgl. SFAS 143.
119 Vgl. SFAS 34.
136 Oliver Beyhs/Bernadette Wagner
B. Sachanlagen 5

Im Rahmen der Folgebewertung sind Sachanlagen über ihre Nutzungsdauer planmäßig abzu- 78
schreiben. Eine Aufteilung in wesentliche Komponenten ist zulässig, jedoch nicht – wie unter
IFRS – verpflichtend vorzunehmen.120 Einschätzungen bzgl. der Nutzungsdauer oder des Rest-
werts sowie die Abschreibungsmethode müssen nicht jährlich überprüft werden, sondern nur,
wenn es Anzeichen gibt, dass die gegenwärtige Einschätzung bzw. Abschreibungsmethode nicht
länger angemessen ist.
Eine Neubewertung von Gegenständen des Sachanlagevermögens, ähnlich wie bei dem Neube-
wertungsmodell gemäß IAS 16, ist nicht zulässig.

6. HGB 5
Bei der Ermittlung der Anschaffungs- und Herstellungskosten dürfen keine Kosten für Ent- 79
sorgung einbezogen werden. Weiterhin müssen bei der Ermittlung der Herstellungskosten nur
Material- und Fertigungseinzelkosten sowie Sondereinzelkosten der Fertigung verpflichtend ein-
bezogen werden.121
Zinsen für Fremdkapital gehören grundsätzlich ebenfalls nicht zu den Herstellungskosten.122 Zin-
sen für Fremdkapital, das zur Finanzierung der Herstellung eingesetzt wird und die auf den Zeit-
raum der Herstellung entfallen, dürfen jedoch als Teil der Herstellungskosten angesetzt werden.123
Werden Gegenstände des Sachanlagevermögens mittels eines Tauschvorgangs erworben kom-
men handelsrechtlich drei Methoden zur Ermittlung der Anschaffungskosten in Frage:124
a) Buchwertfortführung
b) Gewinnrealisierung
c) Ergebnisneutrale Behandlung
Eine Neubewertung der Sachanlagen im Rahmen der Folgebewertung ist nicht zulässig, Sachan-
lagen dürfen ausschließlich mit ihren fortgeführten Anschaffungs- und Herstellungskosten be-
wertet werden.125

7. Ausblick
Am 1. Januar 2009 tritt die Neuregelung des IAS 23 in Kraft. Demnach dürfen Fremdkapitalko- 80
sten bei qualifizierten Vermögenswerten nicht mehr wahlweise aktiviert oder aufwandswirksam
erfasst werden, sondern sind – sofern die Ansatzvoraussetzungen erfüllt sind – zwingend zu ak-
tivieren. Diese Änderung erfolgte im Rahmen des Konvergenzprojektes mit dem FASB und stellt
eine Annäherung an die US-amerikanische Regelung dar.
Im Rahmen seines Fair Value Measurement Project entwickelt das IASB eine Definition des 81
beizulegenden Zeitwerts und Regelungen zu seiner Ermittlung einheitlich für alle Standards, in
denen eine Fair Value Bewertung durchzuführen ist oder sein kann. Hieraus könnten sich Än-

120 Beispielsweise erklärt das AICPA in seinem Industry Audit Guide: Airlines Ch.3.69ff. das separate Abschreiben von
einzelnen Komponenten ausdrücklich als zulässig, macht diese Vorgehensweise jedoch nicht verpflichtend.
121 Vgl. § 255 Abs. 2 HGB.
122 Vgl. § 255 Abs. 3 Satz 1 HGB.
123 Vgl. § 255 Abs. 3 Satz 2 HGB.
124 Vgl. ADS, § 255 Tz.89ff.
125 Vgl. § 253 Abs. 1 Satz 1 HGB.
Oliver Beyhs/Bernadette Wagner 137
5 § 5 Ausgewählte Abschlussposten

derungen bzw. Konkretisierungen bzgl. der Ermittlung des beizulegenden Zeitwerts im Rahmen
des Neubewertungsmodells ergeben. Ein finaler Standard als Folge des Fair Value Measurement
Project wird nicht vor 2010 erwartet.126
82 Das IFRIC hat mit D24 Customer Contributions einen Entwurf einer Interpretation veröffentlicht,
die die Bilanzierung von Sach- und/oder Geldzuwendungen von Kunden im Gegenzug für die Be-
reitstellungen von Waren oder Dienstleistungen, die mit Hilfe dieser Zuwendung erstellt werden,
regeln soll. Gemäß dieser Interpretation ist unter bestimmten Umständen Sachanlagevermögen
zu aktivieren.
83 Durch das Gesetz zur Modernisierung des Bilanzrechts (BilMoG) können die handelsrechtlichen
Regelungen zur Bilanzierung von immateriellen Vermögenswerten zukünftig von den bisherigen
5 Regelungen abweichen.

aphael Hausen
C. C. Wertminderung von Vermögenswerten

I. Vorbemerkungen
84 Die Durchführung von Impairment-Tests, also Überprüfungen der Werthaltigkeit von Vermö-
genswerten, regelt IAS 36. Der Anwendungsbereich des Standards erstreckt sich primär auf das
Sachanlagevermögen und immaterielle Vermögenswerte einschließlich des Goodwill.127 Hierzu
zählen auch die Vermögenswerte des bilanzierenden Unternehmens, die innerhalb eines Finan-
zierungs-Leasing-Verhältnisses angemietet werden (siehe § 5.K). Unerheblich ist es insofern, ob
die Vermögenswerte sich (auch) im rechtlichen Eigentum des bilanzierenden Unternehmens be-
finden. Ebenso werden als Finanzinvestition gehaltene Immobilien, die nach dem Kostenmodell
bewertet werden (siehe § 5.E.), von den Vorschriften des IAS 36 berührt.
85 Nicht unter die Vorschriften von IAS 36 fallen hingegen u.a. die folgenden Vermögenswerte ei-
nes Unternehmens, für die jeweils eigene IFRS-Niederstwerttestvorschriften existieren (siehe zum
Anwendungsbereich insgesamt IAS 36.2):
■ Vorräte: IAS 2,
■ Vermögenswerte aus Auftragsfertigung: IAS 11,
■ Aktive latente Steuern: IAS 12,
■ Vermögenswerte im Zusammenhang mit Zuwendungen an Arbeitnehmer: IAS 19,
■ Finanzielle Vermögenswerte, die unter den Anwendungsbereich des IAS 32 fallen: IAS 39,
■ Als Finanzinvestition gehaltene Immobilien, die zum beizulegenden Zeitwert bewertet wer-
den: IAS 40,
■ Langfristige Vermögenswerte, die als zur Veräußerung gehalten klassifiziert wurden: IFRS 5.
86 Die Vorschriften des IAS 36 beziehen sich grundsätzlich auf einzelne Vermögenswerte.128 Die Be-
wertungsvorschriften des IAS 36 und die Regelungen bezüglich der Bewertungsobjekte jedoch
führen in der praktischen Anwendung oftmals dazu, dass für Zwecke des Niederstwerttests Be-
wertungseinheiten zu bilden sind. Diese werden als „zahlungsmittelgenerierende Einheiten“ be-
126 Zum jeweils aktuellen Projektstand siehe: http://www.iasb.org/Current+Projects/IASB+Projects/Fair+Value+ Measu-
rement/Fair+Value+Measurement.htm.
127 Vgl. IAS 16.53 und IAS 38.97.
128 Vgl. z. B. IAS 36.22.
138 Oliver Beyhs/Bernadette Wagner/Raphael Hausen
C. Wertminderung von Vermögenswerten 5

zeichnet und stellen im Normalfall das Bewertungsobjekt innerhalb des Niederstwerttests dar.
Eine zahlungsmittelgenerierende Einheit (ZGE) wird definiert als die kleinste identifizierbare
Gruppe von Vermögenswerten, die Mittelzuflüsse erzeugen, die weitestgehend unabhängig von
den Mittelzuflüssen anderer Vermögenswerte oder anderer Gruppen von Vermögenswerten
sind.129
Dieser Zusammenhang wird im Folgenden entgegen dem Wortlaut einzelner Vorschriften des
IAS 36 bereits berücksichtigt. Die Berechtigung für dieses Vorgehen ergibt sich aus IAS 36.74.

II. Pflicht zum Niederstwerttest Oliver Beyhs/R


5
Ein formeller Niederstwerttest für die Vermögenswerte, die unter den Anwendungsbereich des 87
IAS 36 fallen, braucht nicht an jedem Abschlussstichtag durchgeführt werden (zu Ausnahmen
s.u.). Diese Pflicht entsteht grundsätzlich zunächst nur, wenn Anzeichen für eine Wertminderung
der Vermögenswerte eines Unternehmens vorliegen.
Nach IAS 36 ist das Management eines Unternehmens verpflichtet, an jedem Abschlussstichtag 88
zu untersuchen, ob Anzeichen vorliegen, die auf eine Wertminderung der Vermögenswerte des
bilanzierenden Unternehmens hindeuten.130 Als Mindestumfang von Anzeichen, die zur Beur-
teilung einer eventuellen Wertminderung zu berücksichtigen sind, werden in IAS 36 folgende
unternehmensexterne und unternehmensinterne Anzeichen genannt:131

Unternehmensexterne Anzeichen: 89
■ Wesentlicher Rückgang des Marktwerts eines Vermögenswerts (einer ZGE) während der Pe-
riode, der über den zeit- oder nutzungsbedingten Wertverlust des Vermögenswerts (der ZGE)
hinausgeht,
■ Wesentliche (bereits während der Periode eingetretene oder in der nahen Zukunft zu erwar-
tende) nachteilige Veränderungen des technischen, marktbezogenen, ökonomischen oder
rechtlichen Umfelds, dem sich ein Unternehmen, ein bestimmter Vermögenswert oder eine
ZGE zuordnen lässt,
■ Steigerung des Marktzinses oder anderer Marktrenditen, die geeignet ist, den Nutzungswert
(NW) eines Vermögenswerts bzw. einer ZGE negativ zu beeinflussen; der NW ist dabei defi-
niert als Barwert der geschätzten künftigen Cash-Flows, die aus einem Vermögenswert erwar-
tet werden (siehe hierzu auch § 5.C.III.4).
■ Ein Eigenkapital-Buchwert des bilanzierenden Unternehmens (einer ZGE), der die Marktka-
pitalisierung des Unternehmens übersteigt.

Unternehmensinterne Anzeichen: 90
■ Anhaltspunkte einer Veralterung oder eines physischen Schadens eines Vermögenswerts bzw.
einer ZGE,
■ Wesentliche (bereits während der Periode eingetretene oder in der nahen Zukunft zu erwar-
tende) nachteilige Veränderungen in Ausmaß oder Art der Nutzung eines Vermögenswerts
bzw. einer ZGE,

129 Vgl. IAS 36.6.


130 Vgl. IAS 36.9.
131 Vgl. IAS 36.12.
Oliver Beyhs/Raphael Hausen 139
5 § 5 Ausgewählte Abschlussposten

■ Anhaltspunkte für eine schlechtere wirtschaftliche Leistung eines Vermögenswerts oder ZGE
als zunächst erwartet.
91 Der obige Katalog der Anzeichen für eine Wertminderung ist nicht abschließend. Er stellt ledig-
lich eine Auflistung beispielhafter Wertminderungssituationen dar.132 Allgemein ausgedrückt ist
ein Niederstwerttest immer dann durchzuführen, wenn sich Entwicklungen ergeben haben, die
sich negativ auf die künftigen Netto-Zahlungsströme des bilanzierenden Unternehmens bzw. sei-
ner ZGEs auswirken können.
92 Neben diesen von Wertminderungsanzeichen induzierten Niederstwerttests sieht IAS 36 für ei-
nige Vermögenswerte auch einen regelmäßigen, von derartigen Indikatoren unabhängigen Nie-
derstwerttest vor. So ist nach IAS 36.10 ein regelmäßiger, jährlicher Niederstwerttest für Good-
5 will (siehe auch Teil § 6.A) und für immaterielle Vermögenswerte mit einer unbestimmbaren
Nutzungsdauer bzw. für immaterielle Vermögenswerte, welche noch nicht nutzungsbereit
sind, durchzuführen (siehe hierzu § 5.A).
93 Dieser jährliche Wertminderungstest muss nicht zwingend zum jeweiligen Abschlussstichtag,
sondern kann zu einem sonstigen beliebigen Zeitpunkt während des Geschäftsjahres durchge-
führt werden. Ein einmal gewählter Zeitpunkt innerhalb des Geschäftsjahres muss allerdings für
künftige Perioden beibehalten werden. Es ist auch möglich, die Wertminderungstests für die ge-
nannten Vermögenswerte zu unterschiedlichen (dann aber stetig beizubehaltenden) Zeitpunk-
ten innerhalb des Geschäftsjahres durchzuführen. Eine Ausnahme besteht bei in der laufenden
Berichtsperiode erworbenen betroffenen Vermögenswerten. Diese müssen mit der ZGE, der sie
zugerechnet werden (siehe § 5.C.III.2.), vor dem Ende der Berichtsperiode einem Wertminde-
rungstest unterworfen werden.133

III. Ermittlung des erzielbaren Betrags

1. Vorbemerkungen
94 Ist nach den Ausführungen in § 5.C.II. ein formeller Niederstwerttest nach den Vorschriften des
IAS 36 durchzuführen, muss für die jeweiligen Vermögenswerte bzw. ZGE(s) der erzielbare Be-
trag ermittelt werden.134 Der erzielbare Betrag ist der Referenzwert für den Buchwert des jeweili-
gen Vermögenswerts oder der ZGE im Rahmen des Niederstwerttests nach IAS 36.135
Der erzielbare Betrag eines Bewertungsobjekts ist der höhere Wert seines:136
■ beizulegenden Zeitwerts abzüglich Verkaufskosten (BZaV) und seines
■ Nutzungswerts (NW).
Übersteigt der Buchwert eines Vermögenswerts/einer ZGE seinen/ihren erzielbaren Betrag, liegt
in Höhe der Differenz ein Wertminderungsaufwand vor.137
95 Die Regelung des IAS 36, immer auf den jeweils höheren Wert des BZaV und des NW als Refe-
renzgröße für den Niederstwerttest abzustellen, führt dazu, dass ein Wertminderungsaufwand
nicht eintritt, wenn entweder der BZaV oder der NW den Buchwert des Vermögenswerts/der
132 Vgl. IAS 36.13.
133 Vgl. IAS 36.10(a) und 96.
134 Vgl. IAS 36.9.
135 Vgl. IAS 36.59.
136 Vgl. IAS 36.6.
137 Vgl. IAS 36.59.
140 Oliver Beyhs/Raphael Hausen
C. Wertminderung von Vermögenswerten 5

ZGE übersteigt. Liegt also einer der beiden Werte über dem Buchwert, erübrigt sich die Ermitt-
lung des jeweils anderen Referenzwerts für den Niederstwerttest. In einem solchen Fall kann ein
Wertminderungsaufwand nicht vorliegen.138
Lässt sich der BZaV eines Bewertungsobjekts nicht bestimmen, z.B. weil er nicht auf einem akti- 96
ven Sekundärmarkt gehandelt wird und auch keine andere verlässliche Möglichkeit besteht, sei-
nen beizulegenden Zeitwert zu schätzen, gilt der NW als (alleiniger) erzielbarer Betrag.139 Umge-
kehrt ist der BZaV als erzielbarer Betrag heranzuziehen, falls angenommen werden kann, dass er
nicht wesentlich niedriger als der NW ist. Als Beispiel für eine solche Situation wird in IAS 36 ein
Vermögenswert/eine ZGE genannt, der/die kurz vor dem Verkauf steht. Da hier die wirtschaftli-
chen Vorteile aus seiner fortlaufenden Nutzung (die ja nur auf die Zeit bis zum vorgeschlagenen
Verkauf entfallen können) vernachlässigbar sind, wird der NW im Wesentlichen durch die erwar- 5
teten Zahlungen beim Verkauf des Bewertungsobjekts bestimmt.140
Der erzielbare Betrag ist grundsätzlich für einzelne Vermögenswerte als Bewertungsobjekte zu 97
bestimmen. Sollte ein betrachteter Vermögenswert für sich genommen keine Einzahlungen aus
seiner fortlaufenden Nutzung generieren, die weitgehend unabhängig von den Einzahlungen an-
derer Vermögenswerte sind, ist der erzielbare Betrag für die Bewertungseinheit ZGE, zu wel-
cher der betrachtete Vermögenswert gehört, zu ermitteln. Die ZGE wird in diesen Fällen zum
Bewertungsobjekt für den Niederstwerttest nach IAS 36. Auf die Identifikation einer ZGE und
die Bestimmung des erzielbaren Betrags für diese ZGE zur Überprüfung einer möglichen Wert-
minderung bei einem betrachteten einzelnen Vermögenswert kann nur verzichtet werden, wenn
mindestens eine der beiden folgenden Voraussetzungen erfüllt ist:141
■ Der BZaV des einzelnen Vermögenswerts ist höher als dessen Buchwert, oder
■ es kann angenommen werden, dass der NW des einzelnen Vermögenswerts in der Nähe seines
BZaV liegt.
Dieser Zusammenhang und die Tatsache, dass sich einzelnen Vermögenswerte in der Realität 98
normalerweise keine eigenen Zahlungsströme zurechnen lassen, führt dazu, dass im Rahmen ei-
nes Niederstwerttests im Regelfall ZGE als Bewertungsobjekt relevant sind (siehe auch § 5.C.I.).
Daher wird im Folgenden zunächst auf diese Bewertungseinheiten eingegangen, ehe die Refe-
renzgrößen für den Niederstwerttest – der BZaV und der NW – erläutert werden.

2. Zahlungsmittelgenerierende Einheiten
Eine zahlungsmittelgenerierende Einheit ist die kleinste identifizierbare Gruppe von Vermögens- 99
werten, die Mittelzuflüsse erzeugt und weitgehend unabhängig von den Mittelzuflüssen anderer
Vermögenswerte oder anderer Gruppen von Vermögenswerten ist.142
Neben dieser Definition wird in IAS 36 ausgeführt, dass eine ZGE dann vorliegt, wenn durch
eine Gruppe von Vermögenswerten ein Output produziert wird, der auf einem aktiven Markt
gehandelt wird. Dabei ist es irrelevant, ob dieser Output tatsächlich lediglich unternehmensin-
tern genutzt wird (z.B. zur Weiterverarbeitung im Rahmen konzerninterner Lieferungs- und
Leistungsbeziehungen).143
138 Vgl. IAS 36.19.
139 Vgl. IAS 36.20.
140 Vgl. IAS 36.21.
141 Vgl. IAS 36.22.
142 Vgl. IAS 36.6.
143 Vgl. IAS 36.6 und 70.
Oliver Beyhs/Raphael Hausen 141
5 § 5 Ausgewählte Abschlussposten

100 Damit lassen sich insgesamt die folgenden Merkmale einer ZGE identifizieren:
■ Fähigkeit einer Gruppe von Vermögenswerten, Einzahlungen zu erwirtschaften, (idR einher-
gehend mit der) und Möglichkeit des Verkaufs des Outputs der Gruppe von Vermögenswer-
ten auf einem aktiven Markt,
■ Weitestgehende Unabhängigkeit der generierten Einzahlungen von den Zahlungen, die von
anderen Vermögenswerten des Unternehmens erwirtschaftet werden,
■ Niedrigstmögliche Aggregationsebene einer Gruppe von Vermögenswerten, welche die vor-
stehenden Kriterien erfüllt.
101 Als weitere Hilfe – jedoch nicht als zwingendes Merkmal – zur Identifikation von ZGEs führt IAS
5 36 aus, dass bei der Abgrenzung von ZGEs zu berücksichtigen ist, auf welche Weise das Manage-
ment die operativen Bereiche des Unternehmens laufend steuert und überwacht bzw. besondere
Entscheidungen wie über die Fortführung oder den Abgang entsprechender Unternehmensteile
trifft.144 Folglich kann in der praktischen Umsetzung der Identifikation von ZGEs in Unterneh-
men zunächst auf die Einheiten zurückgegriffen werden, auf die das interne Berichtswesen des
bilanzierenden Unternehmens ausgerichtet ist; für diese Einheiten ist dann im Einzelfall zu beur-
teilen, ob sie die o.g. Identifikationsmerkmale erfüllen.
102 Besondere Regelungen sind für die Identifikation von ZGEs zur Durchführung des regelmäßi-
gen Impairment-Tests für Goodwills (siehe § 5.C.II. und § 6.A.) vorgesehen. Danach ist ein neu
erworbener Goodwill vom Erwerbszeitpunkt an planmäßig auf diejenigen ZGEs)oder Gruppen
von ZGEs zu verteilen, welche von dem jeweiligen Unternehmenszusammenschluss und den
hiermit verbundenen Synergien profitieren.145 Unbeachtlich ist es, ob die durch den Unterneh-
menszusammenschluss erworbenen Vermögenswerte und Schulden auch diesen ZGEs zugeord-
net werden. Die hierbei zu berücksichtigenden (Gruppen von) ZGEs (im Folgenden: „Goodwill-
ZGEs“) müssen zusätzlich zu den allgemeinen Definitionsmerkmalen einer ZGE (s.o.) die beiden
folgenden Bedingungen kumulativ erfüllen:
■ Sie müssen die niedrigste Ebene des bilanzierenden Unternehmens repräsentieren, auf wel-
cher der betroffene Goodwill für Zwecke des internen Berichtswesens kaufmännisch über-
wacht wird.
■ Sie dürfen nicht größer als ein Segment sein, welches innerhalb der Segmentberichterstattung
nach IAS 14 (bzw. nach dessen erstmaliger Anwendung nach IFRS 8; vgl. § 7A) vom bilanzie-
renden Unternehmen abgegrenzt wurde.
103 Die Identifikation und Abgrenzung von ZGEs eines Unternehmens muss von Periode zu Periode
sachlich unverändert vorgenommen werden. Eine gegenüber der Vorperiode abweichende Ab-
grenzung von ZGEs ist nur bei entsprechender Begründung der Unternehmenseinheiten (etwa in
Folge einer durchgeführten Restrukturierung) zulässig.146

3. Beizulegender Zeitwert abzüglich Verkaufskosten


104 Der beizulegende Zeitwert abzüglich Verkaufskosten (BZaV) ist der Betrag, der durch den Verkauf
eines Vermögenswerts (einer ZGE) in einer Transaktion zu Marktbedingungen zwischen sachver-
ständigen, vertragswilligen Parteien nach Abzug der Verkaufskosten erzielt werden könnte.147
144 Vgl. IAS 36.69.
145 Vgl. IAS 36.80.
146 Vgl. IAS 36.72.
147 Vgl. IAS 36.6.
142 Oliver Beyhs/Raphael Hausen
C. Wertminderung von Vermögenswerten 5

Ausgangspunkt für die Ermittlung des BZaV ist damit der aus dem Verkauf eines Bewertungsob- 105
jekts erzielbare Erlös. Für den Erlös muss angenommen werden, dass er sich aus einem Geschäft
zu marktüblichen Bedingungen (arm’s length transaction) zwischen sachverständigen, vertrags-
willigen und voneinander unabhängigen Geschäftspartnern ergibt. Kosten, die bedingt durch den
Verkauf anfallen, sind abzuziehen, es sei denn, sie sind bereits als Schuld (z.B. als Rückstellung)
passiviert.148
Die besten Anhaltspunkte zur Ermittlung des Veräußerungserlöses liefern nach Ansicht 106
des IASB bindende Verkaufsvereinbarungen für ein betreffendes Bewertungsobjekt, die unter
marktüblichen Bedingungen zustande gekommen sind.149 Sollten solche nicht vorliegen, sind im
Falle der Existenz eines aktiven Markts für den betreffenden Vermögenswert bzw. für die ZGE
die dort feststellbaren Angebotsmarktpreise heranzuziehen.150 Existiert auch kein aktiver Markt, 5
so soll die Schätzung des BZaV auf den bestmöglichen Informationen basieren, die zum Ab-
schlussstichtag für einen Verkauf ohne rechtliche oder faktische Veräußerungszwänge innerhalb
der Branche verfügbar sind.151 Derartige Veräußerungszwänge sind ausnahmsweise bei der Be-
messung des BZaV nur dann zu berücksichtigen, wenn die Geschäftsleitung tatsächlich umge-
hend zum Verkauf verpflichtet ist.152

4. Nutzungswert
Der Nutzungswert (NW) ist der Barwert der geschätzten künftigen Cash-Flows, die aus einem 107
Vermögenswert (einer ZGE) erwartet werden.153
Der NW ist damit ein Discounted Cash Flow (DCF)-Wert für einen Vermögenswert bzw. eine
ZGE. Mit dem NW sind somit unternehmensbewertungsorientierte Verfahren Bestandteil der
Rechnungslegung nach IFRS. Im Rahmen von DCF-Verfahren sind einerseits künftige Zahlungen
zu prognostizieren und andererseits mit einem adäquaten Diskontierungszinssatz abzuzinsen.
Hierzu enthält IAS 36 Vorschriften, die im Folgenden dargestellt werden. Da davon ausgegan-
gen werden kann, dass sich künftige Zahlungsströme einzelnen Vermögenswerten im Normalfall
nicht zuordnen lassen (als Ausnahme können vermietete Vermögenswerte gelten), wird hierbei
ausschließlich auf ZGEs Bezug genommen.

a) Prognose künftiger Cash-flows


Die zu prognostizierenden Zahlungen154 umfassen einerseits die Einzahlungen, die aus der fort- 108
laufenden Nutzung der ZGE resultieren. Hierbei ist vorrangig an die von der ZGE generierten
Umsatzerlöse zu denken. Andererseits sind die direkt zurechenbaren künftigen Auszahlungen
zu berücksichtigen, die notwendig sind, um die ZGE ggf. nutzungsbereit zu machen155 und die für
die Nutzung selbst anfallen (z.B. Ausgaben für Produktion und Betrieb, Wartung und andere Er-
haltungsmaßnahmen156). Hierunter fallen auch künftige Zahlungen mit Gemeinkostencharakter,
148 Vgl. IAS 36.6 und 28.
149 Vgl. IAS 36.25.
150 Vgl. IAS 36.26.
151 Zu den Möglichkeiten der Ermittlung des beizulegenden Zeitwertes abzüglich Veräußerungskosten mittels Discoun-
ted Cash Flow-Verfahren vgl. IDW RS HFA 16, Rn. 18ff.
152 Vgl. IAS 36.27.
153 Vgl. IAS 36.5; IAS 36.6 und 6..
154 Vgl. IAS 36.39.
155 Vgl. IAS 36.42.
156 Vgl. IAS 36.49.
Oliver Beyhs/Raphael Hausen 143
5 § 5 Ausgewählte Abschlussposten

soweit sich diese der Nutzung der betrachteten ZGE zurechnen oder sich dieser mittels einer plau-
siblen Allokationsregel zuschlüsseln lassen.157 Schließlich sind auch etwaige am Ende der Nut-
zungsdauer der ZGE zu erwartende Ein- und Auszahlungen anzusetzen (z.B. Restverkaufserlöse).
Maßgeblich für die Schätzungen aller künftigen Ein- und Auszahlungen, die eine ZGE generiert,
ist deren Zustand am Abschlussstichtag.158
109 Zur Schätzung der künftigen Umsatzerlöse einer ZGE muss beachtet werden, dass diese stets auf
den Marktpreisen (arm’s length-Prinzip) der betreffenden Produkte beruhen müssen. Das gleiche
gilt für die zu erwartenden Ausgaben zur Beschaffung von (Zwischen-)Produkten einer ZGE, z.B.
von anderen Bereichen des gleichen Unternehmens. Auch hier müssen die künftigen Auszahlun-
gen der erwerbenden Einheit auf der Basis der jeweiligen Marktpreise angesetzt werden.159 Dies
5 bringt im Falle von Geschäften, die auf vom Marktpreis abweichenden Konditionen beruhen (z.B.
konzerninterne Lieferungen zu Verrechnungspreisen), die Notwendigkeit entsprechender Anpas-
sungen der Finanzplanungen für die jeweilige ZGE mit sich.
110 Die Prognose künftiger Zahlungen für eine ZGE muss sich auf vernünftige und nachvollziehbare
Annahmen stützen und auf den aktuellsten finanziellen Planungen der Geschäftsleitung basieren.
In die Finanzplanung hat das Management seine bestmögliche Einschätzung der für die ZGE rele-
vanten wirtschaftlichen Bedingungen einzubringen. Soweit in diesem Zusammenhang unterneh-
mensexterne Informationen vorhanden sind, sind diese bei den vorzunehmenden Schätzungen
vorrangig zu berücksichtigen.160
111 Hinsichtlich des Risikos, das den zu schätzenden Zahlungen innewohnt, ist zu berücksichtigen,
dass es letztlich innerhalb des NW-Kalküls nicht zur Doppelerfassung von Risiken kommen
darf.161 Eine solche läge dann vor, wenn ein bestimmtes Risiko sowohl innerhalb der prognosti-
zierten Zahlungsreihe (durch Risikoabschläge) als auch bei der Bemessung des Diskontierungs-
zinssatzes (durch Risikozuschläge) erfasst würde. Sofern also ein bestimmtes Risiko künftiger
Zahlungen bereits bei deren Schätzung berücksichtigt wurde, so darf sich dieses bei der Ermitt-
lung des Diskontierungszinssatzes nicht mehr (zinserhöhend) auswirken.
112 Zusätzlich zu den soeben beschriebenen Grundsätzen für die Zahlungsprognose enthält IAS 36
für einige künftige Zahlungen ein explizites Ansatzverbot im Rahmen der NW-Berechnung. Ge-
nerell unberücksichtigt bleiben bei der Prognose der Cash-flows zur Ermittlung des NW Zahlun-
gen aus der Finanzierungstätigkeit und Ertragsteuern des Unternehmens.162
113 Außer Finanzierungs- und Steuerzahlungen dürfen sich auch die finanziellen Auswirkungen
künftiger Restrukturierungsmaßnahmen, zu denen sich die Unternehmensleitung noch nicht
erkennbar verpflichtet hat,163 nicht in der zu schätzenden Zahlungsreihe niederschlagen. Sobald
die Verpflichtung zur Restrukturierung erkennbar vorliegt, sind die aus den Maßnahmen resul-
tierenden künftigen wirtschaftlichen Vorteile (z.B. Kosteneinsparungen) bei der Berechnung des
NW der betreffenden ZGE zu berücksichtigen. Hingegen sind die mit der Restrukturierungsmaß-
nahme verbundenen künftigen Auszahlungen durch Passivierung einer Restrukturierungsrück-
stellung gemäß IAS 37 zu erfassen.164

157 Vgl. IAS 36.41.


158 Vgl. IAS 36.44.
159 Vgl. IAS 36.70.
160 Vgl. IAS 36.33.
161 Vgl. IAS 36.A15.
162 Vgl. IAS 36.50.
163 Vgl. IAS 36.44 und IAS 37.72.
164 Vgl. IAS 36.47.
144 Oliver Beyhs/Raphael Hausen
C. Wertminderung von Vermögenswerten 5

Ebenso wie die finanziellen Konsequenzen von Restrukturierungsmaßnahmen, zu denen sich ein 114
Unternehmen noch nicht erkennbar verpflichtet hat, müssen bei der Berechnung des NW für eine
ZGE künftige Investitionen, die zu einer verbesserten Leistungsfähigkeit der betrachteten ZGE
über den aktuellen Zustand hinaus führen sollen (Erweiterungsinvestitionen), und die hieraus er-
wartete Veränderung der Cash-flow-Planung unberücksichtigt bleiben.165 Zu diesen Investitionen
zählen solche Maßnahmen, von denen eine quantitative Steigerung oder qualitative Verbesserung
des Outputs einer ZGE oder eine Erhöhung ihrer Effizienz oder Nutzungsdauer erwartet werden
kann. Außer Ansatz müssen nicht nur die mit der Erweiterungsinvestition verbundenen Auszah-
lungen, sondern auch die hieraus resultierenden (Mehr-)Einzahlungen bzw. Auszahlungseinspa-
rungen bleiben.
Demgegenüber sind Auszahlungen, die der Erhaltung der gegenwärtigen Funktions- und Lei- 115 5
stungsfähigkeit einer ZGE dienen (Ersatzinvestitionen), in die Zahlungsreihe zur NW-Berech-
nung mit aufzunehmen.166 Hierbei sind alle anfallenden Auszahlungen für Ersatzinvestitionen
anzusetzen, die notwendig sind, damit die ZGE bis zum Ende ihrer geplanten Nutzungsdauer
betrieben werden kann.
Bei der Ermittlung der Zahlungen für die NW-Berechnung muss neben dem Ansatzverbot für 116
die oben explizit genannten Zahlungsarten die Problematik möglicher Doppelerfassungen im
IFRS-Abschluss beachtet werden. So dürfen innerhalb der NW-Zahlungsprognose keine Ein-
zahlungen berücksichtigt werden, die aus der Nutzung anderer Vermögenswerte als denjenigen
der betreffenden ZGE resultieren und die weitgehend unabhängig von den Einzahlungen dieser
Gruppe von Vermögenswerten sind. Bei „anderen Vermögenswerten“ ist in erster Linie an solche
Vermögenswerte zu denken, die nicht unter den Anwendungsbereich des IAS 36 fallen, wie z.B.
Vorräte, Forderungen und andere finanzielle Vermögenswerte. Ebenso sind solche künftigen Aus-
zahlungen, die bereits als Schulden passiviert sind, bei der Schätzung der Zahlungsreihe für die
NW-Berechnung nicht anzusetzen.167
Die Gefahr der Doppelerfassung besteht darin, dass die erwähnten künftigen Zahlungen zweimal 117
Eingang in den Abschluss finden können: Einmal im Rahmen der Bewertung der jeweiligen ein-
zelnen Vermögenswerte und Schulden entsprechend den hierfür vorgesehenen Bewertungsver-
fahren (z.B. Anschaffungskostenmethode), und ein zweites Mal bei der Bewertung einer ZGE mit
ihrem NW, sofern die genannten Zahlungen auch hier angesetzt würden. Künftige Zahlungen, bei
denen die Gefahr einer derartigen Doppelerfassung im IFRS-Abschluss besteht, sind z.B.:
■ erwartete Einzahlungen aus Absatzgeschäften, für welche die eigene Leistung erbracht wurde
und die deshalb bereits als Forderungen aktiviert wurden;
■ erwartete Einzahlungen aus dem künftigen Absatz eigener Produkte, die am Abschlussstichtag
– fertig oder halbfertig – auf Lager liegen und die bereits als Vorräte aktiviert wurden;
■ erwartete Auszahlungen für bereits erhaltene Wartungsleistungen, für die eine Verbindlich-
keit passiviert wurde;
■ erwartete Auszahlungen für Garantie- oder Kulanzleistungen, für die bereits eine Rückstel-
lung gebildet wurde.

165 Vgl. IAS 36.44.


166 Vgl. IAS 39.49.
167 Vgl. IAS 36.43.
Oliver Beyhs/Raphael Hausen 145
5 § 5 Ausgewählte Abschlussposten

b) Bestimmung des Diskontierungszinssatzes


118 Die Vorschriften des IAS 36, die bei der Ermittlung des Diskontierungszinssatzes zur NW-Be-
rechnung zu beachten sind, lassen sich wie folgt zusammenfassen:168
■ Es muss ein Zinssatz vor Steuern sein.
■ Der Zinssatz muss gegenwärtige Markteinschätzungen hinsichtlich des Geldzeitwerts zum
Zeitpunkt des Niederstwerttests wiedergeben.
■ Er muss gegenwärtige Markteinschätzungen hinsichtlich des spezifischen Risikos der zu be-
wertenden ZGE widerspiegeln.
5 ■ Risiken, die bereits bei der Schätzung der künftigen Zahlungen berücksichtigt wurden, dürfen
sich nicht im Diskontierungszinssatz niederschlagen.
119 Bei dem anzuwendenden Diskontierungssatz handelt es sich um die Rendite vor unternehmens-
bezogenen Ertragsteuern, die ein Investor erwarten bzw. fordern würde, wenn er einer Investition
finanzielle Mittel zuführte, mit der gleiche Zahlungsbeträge, -zeitpunkte und Risiken verbunden
sind wie sie für die betreffende ZGE erwartet werden. Ein solcher Zinssatz kommt nach An-
sicht des IASB zum Ausdruck in den gewogenen durchschnittlichen Kapitalkosten (Weighted
Average Cost of Capital, WACC) von börsennotierten Unternehmen, die allein über hinsichtlich
Nutzungsmöglichkeiten und Risiko gleichartige Vermögenswerte wie die betrachtete ZGE verfü-
gen.169
120 Zur Ermittlung der durchschnittlichen gewogenen Kapitalkosten wird vom IASB einerseits das
Capital Asset Pricing Model (CAPM) vorgeschlagen. Dieser Vorschlag bezieht sich auf die Ei-
genkapitalkostenkomponente innerhalb der WACC. Zur Bestimmung der Fremdkapitalkosten-
komponente sind die unternehmensbezogenen Grenzkosten für eine zusätzliche Kreditaufnahme
sowie andere Marktzinsen für Fremdkapital heranzuziehen.170 Falls diese Größen die spezifischen
Verhältnisse der ZGE, für die der NW berechnet werden soll, nicht hinreichend widerspiegeln,
sind sie anschließend an die Risikosituation der zu bewertenden ZGE anzupassen. Das bedeutet,
die Zinssatzkomponenten sind um Zuschläge für spezifische Risiken der betrachteten ZGE zu
erhöhen und um Risiken zu mindern, die in den jeweiligen Marktzinssätzen berücksichtigt sind,
aber für die ZGE nicht zutreffen. Hierbei sind Länder-, Währungs-, Preis- und Cash-Flow-Risiken
zu berücksichtigen.171
121 Beim Diskontierungszinssatz ist darauf zu achten, dass er konsistent mit der Prognose der ZGE-
Zahlungsreihe ermittelt wird. Diese Problematik tritt z.B. bei der Erfassung der Inflation im
Barwertkalkül auf.172 Sofern etwa die Cash-flow-Planung auf realen Größen beruht, muss dies
auch für die Ermittlung des Diskontierungszinssatzes gelten und umgekehrt. Auch bei anderen
Determinanten des Diskontierungszinssatzes (Risiken) ist darauf zu achten, dass sie innerhalb der
NW-Berechnung nicht zweimal – einmal bei der Zahlungsprognose und ein zweites Mal bei der
Bestimmung des Diskontierungszinssatzes – erfasst werden.

168 Vgl. IAS 36.55f.


169 Vgl. IAS 36.56.
170 Vgl. IAS 36.A17.
171 Vgl. IAS 36.A18.
172 Vgl. IAS 36.40.
146 Oliver Beyhs/Raphael Hausen
C. Wertminderung von Vermögenswerten 5

c) Beispiel zur Ermittlung des Nutzungswertes


aa) Sachverhalt
Die Finanzplanung für eine ZGE des Unternehmens N ist wie folgt:
Jahre 2008 2009 2010 2011 2012 2013ff.
Mio. € Mio. € Mio. € Mio. € Mio. € Mio. €
Einzahlungen 500 550 800 750 750 750
Auszahlungen 300 1100 600 350 350 350
Netto Cash-Flow 200 -550 200 400 400 400
5
Weitere Informationen zur Finanzplanung:
■ Es handelt sich um die intern autorisierte Planung des Managements von N.
■ Es besteht die Erwartung der Unternehmensleitung, dass für die Jahre 2013ff. mit einem
Wachstum von 4% gerechnet werden kann; Branchenanalysen gehen dagegen von 2,5% aus.
■ Enthalten sind auch Effekte der beiden künftigen Maßnahmen:
■ Akquisition eines Target-Unternehmens Ende 2009 (Kaufpreis: 800 Mio. €, Einzahlungen
je Periode 250 Mio. €, Auszahlungen je Periode 100 Mio. €)
■ Restrukturierungsmaßnahme Ende 2010 (Kosten von 200 Mio. € in 2010, Einsparungen in
jedem folgenden Jahr von jeweils 50 Mio. €)
■ Nicht enthalten sind:
■ Fremdkapitalzinsen, die der ZGE zuzurechnen sind, in Höhe von 43 Mio. €.
■ Ertragssteuerzahlungen (betrügen 25% auf den Zahlungssaldo der Periode)
■ Höchstgrenze des Fremdfinanzierungsanteils laut Finanzierungspolitik: 30%, Zielquote: 25%
■ Eigenkapital-Renditeforderung der Muttergesellschaft von N für ZGE: 12%, Marktanalyse auf
Grund Benchmarking-Vergleich für die ZGE: 11%
■ Fremdfinanzierung:
■ Aufnahme des jüngsten Darlehens vor drei Monaten: Laufzeit: 3 Jahre, Effektivverzinsung:
5,6%.
■ Vor einem Jahr: Begebung einer Anleihe (AA, Laufzeit 15 Jahre, Effektivzins 6,8%).
■ Heute: Bonität von N hat sich verschlechtert. Effektivverzinsung unter sonst gleichen Be-
dingungen wäre 7,5%.
■ Alle Daten zu Kapitalkosten wurden vor Steuern ermittelt.
■ Informationen zu den Buchwerten der ZGE (jeweils in Mio. €):

Grundstücke 250 Mio. €


Gebäude 520 Mio. €
Maschinen 880 Mio. €
Patente 160 Mio. €
Zugerechneter Goodwill 350 Mio. €
Umlaufvermögen 400 Mio. €
Summe 2.560 Mio. €

Oliver Beyhs/Raphael Hausen 147


5 § 5 Ausgewählte Abschlussposten

■ Goodwill-Buchwert aus der Akquisition von S sowie die entsprechenden sonstigen Vermö-
genswerte und Schulden bereits zutreffend berücksichtigt.
■ Beizulegender Zeitwert abzüglich Verkaufskosten ist nicht bestimmbar und der Nutzungswert
daher die einzige Ausprägung des erzielbaren Betrags.173
■ Befolgung der Vorschriften in IAS 36 zur Ermittlung des Nutzungswerts174 als Discounted
Cash Flow.
bb) Ermittlung des Nutzungswertes
Zunächst ist die Zahlungsprognose zu korrigieren:
■ Prognose eines Wachstumsfaktors von 4% durch die Geschäftsleitung von geringerer Bedeu-
5 tung, wenn Marktanalysen mit abweichenden Ergebnissen (hier 2,5%) vorliegen.175
■ Zu eliminieren sind aus der Zahlungsprognose die Effekte aus künftigen Restrukturierungs-
maßnahmen und aus Erweiterungsinvestitionen.176
■ Keine Korrektur erfolgt auf Grund Nicht-Einbeziehung von Fremdkapitalkosten und Steu-
ern.177
■ Die korrigierte Zahlungsprognose lautet:

Jahre 2008 2009 2010 2011 2012 2013ff.


Mio. € Mio. € Mio. € Mio. € Mio. € Mio. €
Einzahlungen 500 550 800 750 750 750
Auszahlungen 300 1100 600 350 350 350
Netto Cash-Flow 200 -550 200 400 400 400

Geplante Akquisition
Auszahlungen 800 100 100 100 100
Einzahlungen 250 250 250 250

Restrukturierung
Auszahlungen 200
Einzahlungen 50 50 50

Netto Cash-Flow korrigiert 200 250 250 200 200 200


■ Ermittlung des Diskontierungszinssatzes
■ Ermittlung von Weighted Average Cost of Capital (WACC).178
■ Gewichtung mit der angestrebten Zielkapitalstruktur von 25/75 (FK/EK).
■ Bestimmung der EK-Kosten mit 11%, da eine Markteinschätzung vorzunehmen ist.179
■ Bestimmung der FK-Kosten mit 7,5%, da stichtagsaktuell und (einigermaßen) laufzeitkon-
gruent.

173 Vgl. IAS 36.20.


174 Vgl. IAS 36.30ff.
175 Vgl. IAS 36.33(c).
176 Vgl. IAS 36.44.
177 Vgl. IAS 36.50.
178 Vgl. IAS 36.55.
179 Vgl. IAS 36.55.
148 Oliver Beyhs/Raphael Hausen
C. Wertminderung von Vermögenswerten 5

■ Ergebnis für WACC: 7,5% × 25% + 11% ×75% = 10,13%.


■ Berechnung des Nutzungswerts für die ZGE:
Jahre 2008 2009 2010 2011 2012 2013ff. Summe
Mio. € Mio. € Mio. € Mio. € Mio. € Mio. € Mio. €
Netto Cash-Flow korrigiert 200 250 250 200 200 200
WACC 10,13 %
Diskontiert auf 2007 181,60 206,13 187,16 135,95 123,45 1.618,00 2.452,30
Diskontiert auf 2012 2.621,23
Der Nutzungswert der ZGE beträgt somit 2.613,23 Mio. €. 5
Nachrichtlich:
■ Gegenüberstellung mit dem Buchwert der ZGE:

2.452 Mio. € (Nutzungswert)


– 2.560 Mio. € (Buchwert)
= -108 Mio. € (Wertminderung)
Der Buchwert des Goodwill ist zu vermindern auf 242 Mio. € (350 Mio. € – 108 Mio. €).

IV. Ermittlung und Erfassung von Wertminderungsaufwand


bei einer zahlungsmittelgenerierenden Einheit

1. Vergleich von erzielbarem Betrag und Buchwert


Bei der Durchführung des Niederstwerttests für eine ZGE ist ihr erzielbarer Betrag ihrem (Ge- 122
samt-) Buchwert gegenüberzustellen.180 Die Differenz aus dem Gesamtbuchwert einer ZGE und
ihrem erzielbaren Betrag ist als sog. Wertminderungsaufwand nach dem in nachfolgend § 5C.
IV.3. dargestellten Verfahren auf die Vermögenswerte der ZGE zu verteilen.

2. Der Gesamtbuchwert einer Cash-Generating Unit


Der (Gesamt-)Buchwert einer ZGE ergibt sich durch Addition aller Buchwerte der einzelnen Ver- 123
mögenswerte, die zu der ZGE gehören oder sich dieser zurechnen lassen. Für den (Gesamt-)
Buchwert einer ZGE gilt dabei der Grundsatz, dass er konsistent mit der Berechnung ihres erziel-
baren Betrags zu ermitteln ist.181 Dies bedeutet, es gehen nur die Buchwerte derjenigen einzelnen
Vermögenswerte in den Buchwert der ZGE ein, die der ZGE direkt zugerechnet oder ihr mittels
einer vernünftigen Allokationsregel zugeteilt werden können (Gesamtbuchwert der ZGE). Die
hierbei zu berücksichtigenden Vermögenswerte müssen einen Beitrag zur Erwirtschaftung der
prognostizierten Einzahlungen leisten, welche der Ermittlung des erzielbaren Betrags für die be-
trachtete ZGE zugrunde liegen.

180 Vgl. IAS 36.104.


181 Vgl. IAS 36.75.
Oliver Beyhs/Raphael Hausen 149
5 § 5 Ausgewählte Abschlussposten

124 Da künftige Zahlungen, die im Abschluss bereits durch aktivierte, aber nicht zum Anwendungs-
bereich des IAS 36 gehörende Vermögenswerte repräsentiert werden oder die durch Passivierung
einer Schuld erfasst wurden, grundsätzlich nicht in die Ermittlung des erzielbaren Betrags ein-
zubeziehen sind, gehen auch die Buchwerte dieser Vermögenswerte und Schulden nicht in die
Ermittlung des ZGE-Gesamtbuchwerts ein. Eine Ausnahme hiervon gilt, soweit der Gesamtbuch-
wert der betrachteten ZGE ohne solche Schulden, etwa aufgrund ihrer engen Zugehörigkeit zur
ZGE, nicht sinnvoll bestimmt werden kann.182
125 Bei Goodwill-ZGEs, die für Zwecke des regelmäßigen Goodwill-Niederstwerttests gebildet wer-
den (siehe § 5.C.III.2.), ist über die vorstehend genannten Buchwerte hinaus auch der entspre-
chende Betrag des der ZGE zugerechneten Goodwill-Buchwerts additiv zu berücksichtigen.183
5 Hierbei sind im Rahmen des Impairment-Tests nach IAS 36 etwaige Minderheitenanteile ge-
sondert zu berücksichtigen. So sind die einer ZGE zugeordneten Goodwill-Buchwerte vor dem
Impairment-Test anzupassen, um auch diejenigen Beträge widerzuspiegeln, die auf etwaige
Minderheitenanteile an der betrachteten ZGE entfallen und nicht in die Zugangsbewertung des
Goodwill einbezogen wurden (sog. grossing-up).184 Entsteht auf Basis dieser Rechnung ein Wert-
minderungsverlust, so ist dieser allerdings nur in Höhe der tatsächlichen, auf den betreffenden
Goodwill zu beziehenden Anteilsquote des bilanzierenden Unternehmens zu erfassen.185
126 Entsprechend der planmäßigen Zuordnung von Goodwills zu ZGEs nach IAS 36 (siehe § 5.C.III.2.)
sind in der Folgezeit nach erfolgter Allokation strukturelle Veränderungen bei Goodwill-ZGEs
zu berücksichtigen. Diese können resultieren aus:186
■ Abgängen von operativen Einheiten innerhalb einer Goodwill-ZGE oder
■ Reorganisationen der internen Berichtsstruktur, die zu einer neuen Identifikation von Good-
will-ZGEs führen.
127 In beiden Fällen ist der anteilige Buchwert des Goodwills zu ermitteln, welcher die ursprüngliche
Goodwill-ZGE verlässt. Dieser Anteil ist zu ermitteln durch das jeweilige Wertverhältnis zwischen
dem abgehenden Teil der ZGE und ihrer Gesamtheit. Der anteilige Goodwill-Buchwert mindert
im Falle des Abgangs einer operativen Einheit auch den entsprechenden Veräußerungserfolg. Im
Falle einer internen Reorganisation ist er der jeweiligen neuen Goodwill-ZGE zuzuordnen.
128 Neben der Berücksichtigung eines Goodwill, der einer ZGE zugerechnet wurde, verlangt IAS 36
beim Niederstwerttest für eine ZGE außerdem die Einbeziehung sog. gemeinschaftlichen Vermö-
genswerte. Das sind – bezogen auf eine bestimmte ZGE – solche Vermögenswerte, die zur Erwirt-
schaftung von Zahlungen sowohl der betrachteten ZGE, als auch gleichzeitig einer oder mehrerer
anderer ZGEs des bilanzierenden Unternehmens beitragen.187 Gemeinschaftliche Vermögenswer-
te zeichnen sich folglich dadurch aus, dass sie ohne andere Vermögenswerte (der verschiedenen
ZGEs) keine Zahlungen generieren und dass sie sich keiner einzelnen ZGE vollständig zurechnen
lassen. Als Beispiele können Forschungszentren188 oder der Fuhrpark der Unternehmensleitung
genannt werden. Ebenso gehören die Vermögenswerte der zentralen Unternehmensverwaltung
(z.B. Rechnungswesen, Personal- und Rechtsabteilung) zu dieser Gruppe von Vermögenswerten.
Gemeinschaftliche Vermögenswerte sind letztlich solche Vermögenswerte, die bezogen auf eine
zu bewertende ZGE Gemeinkosten verursachen.
182 Vgl. IAS 36.78.
183 Vgl. IAS 36.90.
184 Vgl. IAS 36.92.
185 Vgl. IAS 36.93.
186 Vgl. IAS 366.86f.
187 Vgl. IAS 36.6.
188 Vgl. IAS 36.100.
150 Oliver Beyhs/Raphael Hausen
C. Wertminderung von Vermögenswerten 5

Die Berücksichtigung von gemeinschaftlichen Vermögenswerten innerhalb des Niederstwert- 129


tests für eine ZGE erfolgt wie folgt:189 In einem ersten Schritt sind für eine bestimmte ZGE die-
jenigen gemeinschaftlichen Vermögenswerte zu identifizieren, zu denen eine Beziehung besteht
(Schritt 1). Im zweiten Schritt ist zu prüfen, ob sich der Buchwert der unter Schritt 1 identifizier-
ten gemeinschaftlichen Vermögenswerte vernünftig auf die betrachtete ZGE zurechnen lässt (sog.
Bottom-up-Test). Ist dies der Fall, wird der Impairment-Test für die betrachtete ZGE mit ent-
sprechender Zurechnung der Buchwerte der identifizierten gemeinschaftlichen Vermögenswerte
durchgeführt. Ist die Zurechenbarkeit auf dieser Ebene hingegen nicht gegeben, ist die nächst
größere ZGE zu bilden, für die diese Bedingung zutrifft, und der Niederstwerttest zusätzlich auf
dieser Basis durchzuführen (sog. Top-down-Test).
Grundsätzlich ist darauf zu achten, dass nur die Buchwerte solcher Vermögenswerte in den Ge- 130 5
samtbuchwert der ZGE einbezogen werden, die sowohl zu den Zahlungsströmen der ZGE bei-
tragen, als auch unter den Anwendungsbereich des IAS 36 fallen. Sollten jedoch aus Vereinfa-
chungsgründen in die Berechnung des erzielbaren Betrags auch solche Einzahlungen einbezogen
worden sein, die bereits durch aktivierte Vermögenswerte repräsentiert werden, welche nicht
zum Anwendungsbereich des IAS 36 zählen (z.B. Vorräte, Forderungen), so sind aus Vergleich-
barkeitsgründen auch die Buchwerte dieser Vermögenswerte in den Gesamtbuchwert der ZGE
aufzunehmen. Das gleiche gilt für die Buchwerte von Verbindlichkeiten, deren Beträge in den
erzielbaren Betrag eingeflossen sind. Dieses Vorgehen ist Ausdruck einer konsistenten Ermittlung
des ZGE-Gesamtbuchwerts190 und seiner Referenzgröße innerhalb des Niederstwerttests.
Insgesamt lässt sich der Gesamtbuchwert einer ZGE damit wie folgt berechnen: 131

Buchwerte der (in)direkt zurechenbaren operativen Vermögenswerte einer ZGE


(ZGE-Vermögenswerte i.e.S.)
+ Ggf. zugerechneter Goodwill-Buchwert (bei ZGEs nach IAS 36.80)
+ Zurechenbarer Anteil an den Buchwerten von gemeinschaftlichen Vermögenswerten,
die in Verbindung mit der ZGE stehen
+ Buchwerte von Vermögenswerten, die nicht unter den Anwendungsbereich von
IAS 36 fallen, deren künftige Zahlungsbeiträge aber aus Vereinfachungsgründen mit
optional

in die Berechnung des erzielbaren Betrags einbezogen wurden (z.B. Vorratsvermögen,


Forderungen)
- Buchwerte von Schulden, deren künftige Zahlungsbeiträge aus Vereinfachungsgrün-
den mit in die Berechnung des erzielbaren Betrags oder weil sich dieser ansonsten
nicht vernünftig bestimmen ließe einbezogen wurden
= Gesamtbuchwert der ZGE

3. Erfassung von Wertminderungsaufwand


Liegt zum Abschlussstichtag der erzielbare Betrag einer ZGE unter ihrem Gesamtbuchwert, so ist 132
für die ZGE ein Wertminderungsaufwand gegeben.191 Ein solcher Wertminderungsaufwand ist
dadurch zu erfassen, dass der erzielbare Betrag und damit die außerplanmäßige Abschreibung der
ZGE auf ihre einzelnen Vermögenswerte verteilt wird.

189 Vgl. IAS 36.102.


190 Vgl. IAS 36.79.
191 Vgl. IAS 36.59.
Oliver Beyhs/Raphael Hausen 151
5 § 5 Ausgewählte Abschlussposten

133 Bei Goodwill-ZGEs, an denen Minderheitenbeteiligungen bestehen, ist der zunächst auf Basis
eines sog. grossing-up des Goodwill ermittelte Wertminderungsverlust (siehe § 5.C.IV.2.) zu kor-
rigieren. Die Korrektur bewirkt, dass der Wertminderungsverlust nur in Höhe der tatsächlichen,
auf den betreffenden Goodwill zu beziehenden Anteilsquote des bilanzierenden Unternehmens
erfasst wird.192
134 Für die Allokation ermittelter Wertminderungsverluste sieht IAS 36 eine bestimmte Reihenfolge
vor. Danach ist der Wertminderungsaufwand einer ZGE zunächst soweit möglich auf einen dieser
ZGE ggf. zugerechneten Goodwill (siehe § 5.C.III.2.) zu verteilen. Der Buchwert des Goodwill ist
entsprechend zu mindern, d.h. außerplanmäßig abzuschreiben. Übersteigt der Wertminderungs-
aufwand der ZGE den ihr zugerechneten Goodwill-Buchwert, so ist der übersteigende Betrag der
5 Wertminderung auf die übrigen einzelnen Vermögenswerte der ZGE zu verteilen. Der Allokati-
onsschlüssel für diese Verteilung ist jeweils der Buchwertanteil der übrigen einzelnen Vermögens-
werte am Gesamtbuchwert der ZGE. Auch hier sind die Buchwerte der einzelnen Vermögenswerte
grundsätzlich in Höhe der so zugerechneten anteiligen Wertminderung zu reduzieren.193

135 > Beispiel:


Eine ZGE stellt sich vor Wertminderung wie folgt dar:
Buchwert vor Wertminderung Anteil am Gesamtbuchwert
Grundstück 500 € 50%
Gebäude 250 € 25%
Maschinen 250 € 25%
Gesamt 1.000 € 100%
136 Der Wertminderungstest für diese ZGE hat einen erzielbaren Betrag in Höhe von 900 € ergeben. Somit beträgt der Wert-
minderungsaufwand 100 € (900 € – 1000 €). Dieser Wertminderungsaufwand ist nach dem Verhältnis der Buchwerte
zueinander auf die einzelnen Vermögenswerte zu verteilen. Daraus ergibt sich folgende Aufteilung:

Buchwert vor Anteil am Anteil am Buchwert nach


Wertminderung Gesamtbuchwert Wertminderungsaufwand Wertminderung
Grundstück 500 € 50% 50 450
Gebäude 250 € 25% 25 225
Maschinen 250 € 25% 25 225
Gesamt 1.000 € 100% 100 900

137 Bei der Verteilung der Wertminderung einer ZGE auf die in der ZGE enthaltenen Vermögenswer-
te ist als Untergrenze für ihre Buchwerte der jeweils höchste der folgenden Werte zu beachten:
■ BZaV,
■ NW,
■ Null.
138 Sofern der BZaV und/oder der NW für einzelne Vermögenswerte der ZGE nicht feststellbar
sind, sind diese Wertuntergrenzen nicht zu beachten. Anteiliger Wertminderungsaufwand, der
aufgrund der genannten Wertuntergrenzen einem einzelnen Vermögenswert nicht buchwert-
mindernd zugerechnet werden darf, wird wiederum im Verhältnis der Buchwertanteile am Ge-

192 Vgl. IAS 36.93.


193 Vgl. IAS 36.104.
152 Oliver Beyhs/Raphael Hausen
C. Wertminderung von Vermögenswerten 5

samtbuchwert der ZGE bei den übrigen Vermögenswerten der ZGE erfasst.194 Die Beachtung der
Wertuntergrenzen kann deshalb dazu führen, dass bis zur vollständigen Verteilung des Wertmin-
derungsaufwands einer ZGE auf ihre einzelnen Vermögenswerte mehrere „Durchgänge“ durch-
geführt werden müssen. Aus dem gleichen Grund kann es jedoch auch dazu kommen, dass der
Wertminderungsaufwand einer ZGE letztlich auf Grund der beschriebenen Wertuntergrenzen
nicht vollständig erfasst werden kann.
Die innerhalb einer ZGE vorzunehmenden Wertminderungen sind unter Beachtung der vorste- 139
hend beschriebenen Regelungen des IAS 36 erfolgswirksam in der Gewinn- und Verlustrechnung
zu erfassen. Dabei gilt die Ausnahme, dass Wertminderungen bei solchen Vermögenswerten, die
einem Neubewertungsmodell unterliegen (siehe z.B. § 5.A., § 5.B.), erfolgsneutral zu erfassen sind,
soweit eine entsprechende positive Neubewertungsrücklage im Eigenkapital vorliegt. Zu erfassen- 5
de Wertminderungen, welche diese Neubewertungsrücklage übersteigen, sind erfolgswirksam zu
berücksichtigen.195
Nach vorgenommenen außerplanmäßigen Abschreibungen ist zu berücksichtigen, dass die wei- 140
tere planmäßige Wertfortführung der betroffenen Vermögenswerte auf den neuen Buchwerten
nach den jeweiligen Abschreibungen basieren muss. So sind die künftigen planmäßigen Abschrei-
bungsbeträge an die niedrigeren Restbuchwerte der Vermögenswerte anzupassen.196

V. Wertaufholung
Wurden in vergangenen Perioden außerplanmäßige Abschreibungen bei den Vermögenswer- 141
ten eines Unternehmens vorgenommen, so muss gemäß IAS 36 an jedem nachfolgenden Ab-
schlussstichtag geprüft werden, ob die Verhältnisse, die zur Abwertung der entsprechenden Ver-
mögenswerte führten, nun nicht mehr vorliegen oder sich abgeschwächt haben.197 Hierbei sind
mindestens die bereits in § 5.C.II. genannten Indikatoren jeweils mit umgekehrter Ausprägung
zu berücksichtigen.198
Sofern entsprechende Anzeichen für eine Werterhöhung nach früher vorgenommenen außerplan- 142
mäßigen Abschreibungen vorliegen, ist für die betreffende ZGE der erzielbare Betrag zu bestimmen.
Liegt der erzielbare Betrag über dem aktuellen Gesamtbuchwert der betrachteten ZGE, so stellt der
Differenzbetrag grundsätzlich eine Wertaufholung dar. Dies gilt allerdings nur dann, wenn sich die
der Ermittlung des NW zugrundeliegenden realen Parameter auch tatsächlich geändert haben.199
Ergibt sich infolge eines Wertaufholungstests ein Bedarf für eine Wertaufholung (positive Diffe- 143
renz zwischen dem erzielbaren Betrag einer ZGE und ihrem Gesamtbuchwert), so ist der entspre-
chende Wertaufholungsbetrag auf ihre einzelnen Vermögenswerte (mit Ausnahme eines etwaig
zugerechneten Goodwill-Buchwerts) zu verteilen.
Für einen der betrachteten ZGE etwaig zugerechneten Goodwill gilt ein generelles Wertaufho- 144
lungsverbot. Danach darf ein Goodwill, für den einmal ein Wertminderungsverlust erfasst wur-
de, im Wert auch dann nicht wieder zugeschrieben werden, wenn sich der erzielbare Betrag der
entsprechenden ZGE nach dem ursprünglichen Impairment-Test wieder erhöht hat.200

194 Vgl. IAS 36.105.


195 Vgl. IAS 36.60 i.V.m. 104.
196 Vgl. IAS 36.63.
197 Vgl. IAS 36.110.
198 Vgl. IAS 36.111.
199 Vgl. IAS 36.114.
200 Vgl. IAS 36.114.
Oliver Beyhs/Raphael Hausen 153
5 § 5 Ausgewählte Abschlussposten

145 Für die übrigen Vermögenswerte der ZGE erfolgt die Verteilung des Wertaufholungsbetrags wie
auch bei der Verteilung von Wertminderungsaufwand einer ZGE auf die einzelnen Vermögens-
werte der ZGE im ersten Schritt gemäß ihren Buchwertanteilen am Gesamtbuchwert der ZGE.
Die Buchwerte der einzelnen Vermögenswerte sind entsprechend zu erhöhen.201
146 Bei der Verteilung des Brutto-Wertaufholungspotenzials einer ZGE auf ihre einzelnen Vermö-
genswerte sind Wertobergrenzen zu beachten. Relevant ist hier jeweils der niedrigere Betrag der
beiden folgenden Größen:
■ Erzielbarer Betrag (falls ermittelbar), also der höhere Betrag des BZaV bzw. des NW,
■ Buchwert, der sich nach Abzug kumulierter planmäßiger Abschreibungen ergeben hätte, wenn
in früheren Perioden keine außerplanmäßige Abschreibung vorgenommen worden wäre.
5
147 Ein Wertaufholungspotenzial einer ZGE, das infolge dieser Obergrenzen bei einem einzelnen
Vermögenswert nicht buchwerterhöhend berücksichtigt werden darf, wird – abermals in Analo-
gie zum entsprechenden Vorgehen bei der Verteilung von Wertminderungsaufwand einer ZGE
– proportional auf andere Vermögenswerte der ZGE gemäß ihren jeweiligen Buchwertanteilen
am Gesamtbuchwert der ZGE verteilt, bei denen die Obergrenzen eine höhere Bewertung noch
zulassen.202 Auch bei der Erfassung von Wertaufholungen einer ZGE kann es insofern zu mehre-
ren „Durchgängen“ kommen, bis das Wertaufholungspotenzial der ZGE in den Buchwerten der
einzelnen ZGE-Vermögenswerte erfasst ist.
148 Wertaufholungen für eine ZGE sind unter Beachtung der vorstehend beschriebenen Regelun-
gen des IAS 36 erfolgswirksam in der Gewinn- und Verlustrechnung zu erfassen. Auch hier gilt
allerdings die Ausnahme, dass Wertaufholungen bei solchen Vermögenswerten, die einer regel-
mäßigen Neubewertung unterliegen, u.U. erfolgsneutral über eine entsprechende Erhöhung der
zugehörigen Neubewertungsrücklage im Eigenkapital erfasst werden. Zu beachten ist, dass auch
bei diesen Vermögenswerten Wertaufholungen in dem Ausmaß, wie sie frühere erfolgswirksame
außerplanmäßige Abschreibungen rückgängig machen, als Ertrag in der Gewinn- und Verlust-
rechnung zu erfassen sind.203
149 Ebenso wie nach vorgenommenen außerplanmäßigen Abschreibungen ist auch nach erfolgten
Wertaufholungen zu berücksichtigen, dass die weitere planmäßige Wertfortführung der betroffe-
nen Vermögenswerte auf den neuen Buchwerten nach den jeweiligen Zuschreibungen aufbauen
muss. So sind die künftigen planmäßigen Abschreibungsbeträge an die höheren Restbuchwerte
der Vermögenswerte anzupassen.204

VI. Angaben
150 Nach IAS 36.126 – 137 bestehen umfangreiche Angabepflichten für den Fall vorgenommener
Wertminderungen und Wertaufholungen nach IAS 36. Die Angabepflichten bestehen für jede
Klasse von Vermögenswerten. So ist hierfür der Gesamtbetrag aller in der Periode erfolgswirksam
erfassten Wertminderungen unter Angabe der entsprechenden GuV-Position anzugeben. Glei-
ches gilt für Wertaufholungen sowie jeweils auch für erfolgsneutral erfasste Wertminderungen
und Wertaufholungen.

201 Vgl. IAS 36.122.


202 Vgl. IAS 36.123.
203 Vgl. IAS 36.119.
204 Vgl. IAS 36.121.
154 Oliver Beyhs/Raphael Hausen
C. Wertminderung von Vermögenswerten 5

Für nach IAS 14 bzw. IFRS 8 berichtspflichtige Segmente bestehen gesonderte Angabepflichten. 151
Danach ist für jedes Segment der erfolgswirksam und erfolgsneutral erfasste Wertminderung-
und Wertaufholungsbetrag anzugeben.
Für einzelne wesentliche erfasste Wertminderungen oder Wertaufholungen müssen zusätzliche 152
Angaben gemacht werden. Dies gilt sowohl auf Ebene einzelner Vermögenswerte als auch auf
Ebene von ZGEs. Danach sind bspw. anzugeben:
■ die Umstände, die zu Wertminderung oder Wertaufholung geführt haben;
■ der entsprechende Betrag der Wertminderung bzw. der Wertaufholung;
■ die Art des Vermögenswertes/der ZGE;
■ das Segment, welchem der Vermögenswert/die ZGE zugeordnet ist; 5
■ ob es sich bei dem erzielbaren Betrag um den BZaV oder den NW handelt und welche Prämis-
sen diesen Werten zu Grunde gelegt wurden.
Bei ZGEs, denen Goodwill zugerechnet ist, bestehen zusätzliche Angabepflichten.

VII. US-GAAP
Die entsprechenden Regelungen für US-GAAP befinden sich in SFAS 144 Accounting for the Im- 153
pairment or Disposal of Long-Lived Assets. Ein wesentlicher Unterschied zu den Regelungen in IAS
36 besteht in der Bestimmung des Vergleichswertes für den Buchwert. Dieser ist nach SFAS 144
definiert als der beizulegende Zeitwert, während nach IAS 36 der erzielbare Betrag maßgeblich
ist. Der beizuliegende Zeitwert im Sinne von SFAS 144 ähnelt zwar dem BZaV, allerdings werden
Veräußerungskosten nicht explizit abgezogen.
Anders als nach IFRS wird der Goodwill zu sog. Reporting Units (RU) zugeordnet. Eine RU
umfasst ein operatives Segment oder eine Ebene darunter. Anders als nach IFRS wird der impair-
ment-test von Goodwill immer auf Ebene der RUs untersucht, welche wiederum einen anderen
Umfang haben können als ZGEs. Ein sog. grossing up des Goodwill bei Vorhandensein von Min-
derheiten findet nach US-GAAP nicht statt.
Ein Wertmindungsaufwand ist für Vermögenswerte (Ausnahme: Goodwill und immaterielle Ver-
mögenswerte mit unbegrenzter Nutzungsdauer) zu erfassen, wenn der Buchwert niedriger ist als
der undiskontierte cash-flow, welcher aus dem Vermögenswert oder einer Gruppe von Vermö-
genswerten resultiert. Ein Wertminderungsaufwand für Goodwill ist zu erfassen, wenn der fair
value der RU niedriger ist als deren Buchwert. Ein Wertminderungsaufwand für immaterielle
Vermögenswerte mit unbegrenzter Nutzungsdauer ist zu erfassen, wenn deren fair value niedri-
ger ist als deren Buchwert.
Anders als nach IFRS sind Wertaufholungen insgesamt nicht zulässig.

VIII. HGB
Für die Frage, ob nach HGB außerplanmäßige Abschreibungen vorzunehmen sind, ist danach zu 154
differenzieren, ob Vermögensgegenstände dem Anlage- oder dem Umlaufvermögen zugeordnet
sind. Die maßgeblichen Regelungen enthalten §§ 253 sowie 279 HGB. Während im Anlagever-
mögen eine Abschreibungspflicht nur bei dauernden Wertminderungen besteht, gilt im Umlauf-
vermögen bereits bei vorübergehenden Wertminderungen eine Abschreibungspflicht (strenges

Oliver Beyhs/Raphael Hausen 155


5 § 5 Ausgewählte Abschlussposten

Niederstwertprinzip). Bei vorübergehenden Wertminderungen im Anlagevermögen besteht


grundsätzlich ein Abschreibungswahlrecht (gemildertes Niederstwertprinzip). Dieses beschränkt
sich nach § 279 HGB bei Kapitalgesellschaften und haftungsbeschränkten Personenhandelsgesell-
schaften allerdings auf Finanzanlagen.
155 Vergleichsmaßstab für die Ermittlung von Wertminderungen im Anlagevermögen ist der beizu-
legende Zeitwert, im Umlaufvermögen ist es der Börsen- oder Marktpreis sowie, falls ein solcher
nicht verfügbar ist, ebenfalls der beizulegende Zeitwert.
156 Wertaufholungen sind für Kapitalgesellschaften und haftungsbeschränkte Personengesellschaften
verpflichtend vorzunehmen, bei anderen Gesellschaften besteht ein Wahlrecht.
157 Als wesentlicher Unterschied zu den Regelungen in IAS 36 gilt für die Durchführung von Wert-
5 minderungstests nach HGB der Einzelbewertungsgrundsatz. Eine Zusammenfassung von Ver-
mögensgegenständen zu ZGEs kennt das HGB nicht.

IX. Ausblick
158 Mit dem Gesetz zur Modernisierung des Bilanzrechts (BilMoG) beabsichtigt der Gesetzgeber,
bestehende Wahlrechte einzuschränken, um die Vergleichbarkeit der Jahres- und Konzernab-
schlüsse nach HGB zu erhöhen. Nach dem bisher vorliegenden Regierungsentwurf werden in die-
sem Sinne die rechtsformabhängigen Wahlrechte bezüglich Abschreibungen im Anlagevermögen
bei vorübergehender Wertminderung sowie bezüglich Wertaufholung aufgehoben. Somit soll im
Anlagevermögen in Zukunft bis auf Finanzanlagen rechtsformunabhängig das strenge Niederst-
wertprinzip gelten und insgesamt ein Wertaufholungsgebot mit Ausnahme des Geschäfts- oder
Firmenwertes, für den ein Wertaufholungsverbot vorgesehen ist.

jan Engel-Ciric
D. D. Als Finanzinvestitionen gehaltene Immobilien
I. Ansatz von Anlageimmobilien
159 IAS 40 Investment Properties erfordert eine gedankliche Aufteilung des Immobilienbestandes in
eigenbetrieblich genutzte Immobilien, die primär nach IAS 16 zu bewerten sind und „als Finan-
zinvestitionen gehaltene Immobilien“ (investment properties), deren Bewertung sich nach IAS 40
richtet.
Als Finanzinvestitionen gehaltene Immobilien, die auch als „Anlageimmobilien“ bzw. „Rendite-
liegenschaften“ bezeichnet werden, erfüllen die Funktion einer Kapitalanlage.

1. Einheitlich genutzte Immobilien


160 Anlageimmobilien sind Grundstücke oder Gebäude bzw. Gebäudeteile, die zur Erzielung von
Mieteinnahmen oder zum Zwecke der Wertsteigerung, nicht jedoch zur Eigennutzung bzw. zum
Verkauf im Rahmen der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit gehalten werden.205
Typische Beispiele für als Finanzinvestitionen gehaltene Immobilien sind:206

205 Vgl. IAS 40.7.


206 Vgl. IAS 40.8.
156 Oliver Beyhs/Raphael Hausen/Dejan Engel-Ciric
D. Als Finanzinvestitionen gehaltene Immobilien 5

■ Grundstücke und Gebäude, die langfristig für Wertzuwächse statt für einen kurzfristigen Ver-
kauf gehalten werden;
■ Grundstücke und Gebäude, die für eine gegenwärtig unbestimmte künftige Nutzung gehalten
werden;
■ Gebäude, die vom Unternehmen im Rahmen eines Leasingverhältnisses gehalten und auf-
grund eines Operate-Leasing-Vertrags weitervermietet werden;
■ leer stehende Gebäude, die vom Leasingnehmer zum Zwecke der Vermietung im Rahmen von
Operate-Leasingverhältnissen gehalten werden;
■ Immobilien, die für die zukünftige Nutzung als Finanzinvestition erstellt werden.
Ergänzend gewährt IAS 40.6 dem Leasingnehmer das Wahlrecht, eine Immobilie, die nach den 161 5
Zuordnungskriterien von IAS 17.10 als operate lease klassifiziert werden müsste, wie ein finance
lease zu behandeln, wenn es sich bei der Immobilie aus der Sicht des Leasingnehmers um eine
Renditeliegenschaft handelt. Somit dürfen auch solche Immobilien als Renditeliegenschaft behan-
delt werden, die der Leasingnehmer zur Erzielung von Mieteinnahmen hält. Dieses Wahlrecht be-
steht jedoch nur, wenn der Leasingnehmer die Renditeliegenschaft nach dem Fair-Value-Modell
zum aktuellen Marktwert bilanziert.207 Dejan Engel-C
Nicht unter den Regelungsinhalt von IAS 40 fallen insbesondere:208 162
■ Immobilien, die mit der Absicht erworben oder errichtet wurden, um sie im normalen Ge-
schäftsverlauf in naher Zukunft zu veräußern – geregelt in IAS 2;
■ Bauten, die Gegenstand eines Fertigungsauftrags sind – geregelt in IAS 11;
■ Eigenbetrieblich genutzte Immobilien – geregelt in IAS 16 -, insbesondere
■ betriebliche Ersatzgrundstücke;
■ vom Eigentümer selbst genutzte oder an Arbeitnehmer vermietete Immobilien;
■ Immobilien beim Leasinggeber, die im Rahmen von Finance-Leasingverhältnissen vermietet
werden;
■ Immobilien die zur Veräußerung nach IFRS 5 bestimmt sind.

> Beispiel
Ein Unternehmen hat unmittelbar vor dem Bilanzstichtag eine Immobilie erworben, die im Rahmen der Bilanzierung
nach IFRS zu klassifizieren ist.
■ Gebäude 1 ist ein im Bau befindliches Wohngebäude dessen Fertigstellung für nächstes Jahr geplant ist. Eine spä-
tere Vermietung wird nicht ausgeschlossen, steht aber noch nicht fest.
■ Gebäude 2 ist eine gewerblich genutzte Immobilie, die bereits vermietet ist, aber veräußert werden soll. Ein ent-
sprechender Kaufvertrag wird in Kürze unterzeichnet.

$ Lösung:
Die vermieteten gewerblichen Immobilien, für die Veräußerungsabsicht besteht, sind ebenfalls keine Anlageimmobilien,
die nach IAS 40 zu bilanzieren sind. Es handelt sich hierbei um zum Verkauf bestimmte Immobilien, die unter den Anwen-
dungsbereich von IFRS 5 fallen. Wenn bereits bei Erwerb eines Grundstücks feststeht, dass eine Bebauung und Nutzung
als Investment Property erfolgen wird, erfolgt bereits zu diesem Zeitpunkt eine entsprechende Einstufung.

207 Vgl. IAS 40.6.


208 Vgl. IAS 40.9.
Dejan Engel-Ciric 157
5 § 5 Ausgewählte Abschlussposten

163 Von Arbeitnehmern oder Pensionären des Unternehmens genutzte Immobilien gelten als eigen-
betrieblich genutzt und sind unabhängig davon, ob die Wohnungen zu einem marktgerechten
Mietzins vermietet werden, keine Renditeliegenschaften. Sie fallen nicht unter den Anwendungs-
bereich von IAS 40, sondern werden in IAS 16 geregelt.
164 Sofern Immobilien an konsolidierte verbundene Unternehmen vermietet werden, sind diese bei
Erfüllung der Ansatzkriterien im Einzelabschluss des Besitzunternehmens als Finanzinvestitio-
nen anzusetzen. Im Konzernabschluss ist jedoch eine Umklassifizierung in eigengenutzte Immo-
bilien vorzunehmen.209
165 Eine eindeutige Klassifizierung als Anlageimmobilie wird erschwert, wenn den Mietern – ne-
ben der Vermietung – noch liegenschaftsbezogene Dienstleistungen angeboten werden. Sol-
5 che Nebenleistungen sind z. B. Sicherheits-, Reinigungs- oder Verwaltungsdienstleistungen. In
diesen Fällen entscheidet der Anteil der Erträge aus Nebenleistungen am Gesamtertrag aus der
Erbringung der Dienste und der Vermietung. Infolgedessen ist die Immobilie nur dann als Rendi-
teliegenschaft anzusetzen, wenn der Ertrag aus den liegenschaftsbezogenen Dienstleistungen im
Verhältnis zum Gesamtertrag unbedeutend ist.210 Sind die erbrachten Dienstleistungen jedoch ein
wesentlicher Bestandteil der Vereinbarung, ist die Immobilie als selbst genutzt einzuordnen.

> Beispiel
Ein Unternehmen erwirbt zwei Hotelanlagen.
■ Die Hotelanlage 1 wird von dem Unternehmen eigenständig geführt.
■ Bei der Hotelanlage 2 wird die Verantwortlichkeit der Geschäftsführung im Rahmen eines Pachtvertrags an einen
Dritten übertragen. Der Pachtzins wird in Abhängigkeit vom Auslastungsgrad des Hotels variabel vereinbart.

$ Lösung
■ Hotelanlage 1: In diesem Fall ist das Hotel nicht als eine Renditeliegenschaft anzusetzen, da der den Gästen ange-
botene Service ein bedeutender Bestandteil der Vereinbarung insgesamt darstellt. Deshalb ist ein vom Eigentümer
geführtes Hotel als eine selbstgenutzte Immobilie anzusetzen und entsprechend IAS 16 zu bilanzieren.
■ Hotelanlage 2: Die Erträge aus der variablen Ausgestaltung des Pachtzinses reflektieren die Risikobehaftung des
Hotels an sich, nicht aber das Risiko der Immobilienwirtschaft. Deshalb ist das Hotel nicht als Anlageimmobilie anzu-
setzen (IAS 40.13). Hätte das Unternehmen einen Pachtzins in Abhängigkeit von der ortsüblichen Vergleichsmieten
vereinbart, wäre das Hotel als Anlageimmobilie anzusetzen und entsprechend zu bilanzieren (IAS 40.13).

166 Auch beim Betrieb eines Parkhauses stellen sich Abgrenzungsprobleme. Die Serviceleistungen ge-
mäß IAS 40.11 – Bewachung und laufender Unterhalt – sind im Umfang und aus Sicht des Be-
treibers im Verhältnis geringfügig. Der wirtschaftliche Gehalt der Geschäftstätigkeit entspricht
jedoch nicht der typischen Vermietungstätigkeit. Deshalb liegt hier keine Anlageimmobilie vor.211

2. Gemischt genutzte Immobilien


167 Einige Immobilien werden teilweise zur Erzielung von Mieteinnahmen (oder zum Zwecke der
Wertsteigerung) und teilweise eigengenutzt. IAS 40.10 sieht in solchen Fällen einen getrennten

209 Vgl. IAS 40.15.


210 Vgl. IAS 40.11.
211 Vgl. Haufe IFRS-Kommentar, § 16, Rz. 9.
158 Dejan Engel-Ciric
D. Als Finanzinvestitionen gehaltene Immobilien 5

Ansatz der Immobilienteile vor, sofern diese gesondert verkauft oder im Rahmen eines Finanzie-
rungs-Leasings (gesondert) vermietet werden könnten.
Sofern die Veräußerbarkeit einzelner Immobilienbestandteile nicht gegeben ist, kann nach 168
IAS 40.10 eine Immobilie nur dann als Renditeliegenschaft angesetzt werden, wenn der selbst
genutzte Anteil unbedeutend ist (insignificant portion). IAS 40 lässt jedoch nicht erkennen, an-
hand welcher Kriterien bestimmt werden soll, ob eine solche Dominanz gegeben ist. Als Maßstab
könnte der prozentuale Anteil der betrieblich genutzten Fläche an der Gesamtfläche in Betracht
kommen. Da aber IAS 40 keine quantitativen Grenzen festlegt, ist auch dieses Kriterium wenig
trennscharf, sodass sich unweigerlich Interpretationsspielräume ergeben, die für Bilanzpolitik ge-
nutzt werden können. In der Literatur werden vereinzelt Bandbreiten des höchstzulässigen eigen-
genutzten Anteils von 5 % bis zu 30 % diskutiert. 5
> Beispiel
Ein Unternehmen nutzt 20 % der Fläche eines achtstöckigen Hauses als Hauptsitz. Die restlichen 80 % der Fläche werden
an fremde Dritte vermietet. Es besteht nicht die Möglichkeit, die 80 % fremdgenutzte Fläche zu veräußern.

$ Lösung
Der Anteil von 20 % wird als signifikant angesehen. Eine Einstufung als Renditeliegenschaft scheidet daher aus. Das
Gebäude wird als Sachanlage gemäß IAS 16 behandelt.

II. Bewertung

1. Zugangsbewertung
Als Finanzinvestitionen gehaltene Immobilien werden im Zugangszeitpunkt zu Anschaffungs- 169
oder Herstellungskosten bewertet.212
Der Anschaffungspreis richtet sich nach dem vereinbarten Kaufpreis. Zu den Anschaffungskosten 170
gehören neben dem Kaufpreis sämtliche Anschaffungsnebenkosten, soweit sie direkt zurechenbar
sind.213 Im Falle der Selbsterstellung von als Finanzinvestitionen gehaltenen Gebäuden sind für
die Bewertung im Zugangszeitpunkt die Herstellungskosten maßgebend. Die Herstellungskosten
umfassen jene Kosten, die bis zum Zeitpunkt der Fertigstellung des Gebäudes angefallen sind.214

2. Folgebewertung

a) Methodenwahlrecht
Im Rahmen der Folgebewertung von Renditeliegenschaften gewährt IAS 40 ein explizites Wahl- 171
recht: Die Immobilien dürfen alternativ zu fortgeführten Anschaffungs- oder Herstellungs-
kosten (cost model) oder zum beizulegenden Zeitwert des Bilanzstichtags (fair value model)

212 Vgl. IAS 40.20.


213 Vgl. IAS 40.21.
214 Vgl. IAS 40.22.
Dejan Engel-Ciric 159
5 § 5 Ausgewählte Abschlussposten

bewertet werden.215 Die Ermittlung von Zeitwerten zum Bilanzstichtag ist allerdings bei beiden
Modellen zwingend: Selbst wenn sich der Bilanzierende für eine Folgebewertung zu fortgeführ-
ten Anschaffungs- oder Herstellungskosten entscheidet, müssen die beizulegenden Zeitwerte der
Renditeliegenschaften im Anhang angegeben werden.216 Im Ergebnis wird dadurch das fair value
model favorisiert.
172 Objektivierungsbedingt ist die einmal gewählte Bewertungsmethode für sämtliche Renditeliegen-
schaften einheitlich anzuwenden.217 Es ist nicht möglich, einzelne als Finanzinvestition gehaltene
Immobilien zu fortgeführten Anschaffungs- oder Herstellungskosten und andere zum beizule-
genden Zeitwert des Bilanzstichtags zu bewerten. Das Wahlrecht im Rahmen der Folgebewertung
ist damit als Unternehmens- bzw. Konzernwahlrecht konzipiert.
5 173 Darüber hinaus ist der Bilanzierende in der Folge aufgrund des Stetigkeitsprinzips an die einmal
gewählte Bewertungsmethode gebunden. Es gilt die Vermutung, dass ein Unternehmen in der
Lage ist, den beizulegenden Zeitwert einer als Finanzinvestition gehaltenen Immobilie fortwäh-
rend zu bestimmen (IAS 40.53).218 Ein Wechsel der Bewertungsmethode darf unter Berücksich-
tigung von IAS 8 nur dann vorgenommen werden, wenn die Änderung zu einer sachgerechteren
Darstellung der Ereignisse oder Geschäftsvorfälle im Jahresabschluss des Unternehmens führt.
Für einen Wechsel von der Marktwert- zur Anschaffungskostenbewertung soll dies indes höchst
unwahrscheinlich sein.219 Auch dadurch wird das fair value model vom IASB implizit als gegen-
über dem cost model höherwertig dargestellt.

b) Bewertung zu fortgeführten Anschaffungs-


oder Herstellungskosten
174 Entscheidet sich das Unternehmen für die Bewertung von Renditeliegenschaften zu fortgeführten
Anschaffungs- oder Herstellungskosten, so sind sämtliche als Finanzinvestition gehaltenen Im-
mobilien entsprechend IAS 16 zu bewerten.

> Beispiel
Ein Unternehmen hat am 01.01.05 ein Grundstück mit aufstehendem Geschäftsgebäude zum Zwecke der Fremdvermie-
tung erworben. Von den Anschaffungskosten in Höhe von 2.000.000 € entfallen 50 % auf den Grund und Boden und 50 %
auf das Gebäude, dessen betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer 20 Jahre beträgt. Am 31.12.05 entspricht der Verkehrswert
dem Buchwert; am 31.12.06 sinkt der beizulegende Wert der Immobilie aufgrund einer voraussichtlich dauerhaften
Wertminderung auf 1.500.000 €. Zum 31.12.2007 zeigt sich indessen, dass die Gründe für die Wertminderungen nicht
mehr bestehen; der Verkehrswert der Immobilie steigt auf 2.500.000 €.

$ Lösung
Die Wertansätze für die Immobilie entwickeln sich unter Anwendung der Methode der fortgeführten Anschaffungswerte
nach IAS 40 wie folgt:

215 Vgl. IAS 40.30.


216 Vgl. IAS 40.32.
217 Vgl. IAS 40.33.
218 Vgl. IAS 40.53.
219 Vgl. IAS 40.31.
160 Dejan Engel-Ciric
D. Als Finanzinvestitionen gehaltene Immobilien 5

Grund und Boden Gebäude


€ €
Wertansatz 01.01.05 1.000.000 1.000.000
– planmäßige Abschreibungen – 50.000
Wertansatz 31.12.05 1.000.000 950.000
– planmäßige Abschreibungen – 50.000
– außerplanmäßige Abschreibungen – 250.000 -150.000
Wertansatz 31.12.06 750.000 750.000
– planmäßige Abschreibungen 41.667
+ Zuschreibungen 250.000 58333
5
Wertansatz 31.12.07 1.000.000 850.000
Verkehrswerte 1.250.000 1.250.000

Die gegenüber den fortgeführten Anschaffungs- oder Herstellungskosten höheren Stichtagswerte dürfen nicht in der
Bilanz ausgewiesen werden; sie sind jedoch zwingend im Anhang anzugeben (IAS 40.69). Dadurch wird einer investoren-
und gläubigerschutzorientierten Bilanzierung gleichermaßen entsprochen.

c) Bewertung zu Zeitwerten
aa) Konzeption
Entscheidet sich das bilanzierende Unternehmen bei der Folgebewertung für das fair value mo- 175
del, so sind sämtliche Renditeliegenschaften mit dem beizulegenden Zeitwert zu bewerten.220 Der
beizulegende Zeitwert hat dabei die aktuelle Marktlage und die Umstände zum Bilanzstichtag
und nicht zu einem vergangenen oder zukünftigen Zeitpunkt widerzuspiegeln. Im Unterschied
zur Anschaffungskostenmethode nach IAS 16 ist zu jedem Bilanzstichtag eine Fair-Value-Be-
wertung der Immobilien vorzunehmen. Gewinne oder Verluste, die sich aus der Änderung des
beizulegenden Zeitwertes von Renditeliegenschaften ergeben, sind stets erfolgswirksam unter Ge-
genrechnung der damit entstehenden Steuerlatenz zu erfassen.221
Aufgrund der jährlichen Neubewertung sind Renditeliegenschaften nicht mehr planmäßig ab- 176
zuschreiben. Auch außerplanmäßige Abschreibungen sind überflüssig (IAS 36). Die zu jedem
Bilanzstichtag ermittelten Zeitwerte spiegeln Alter und Zustand wider, sodass eine zusätzliche
planmäßige oder außerplanmäßige Abschreibung einer Doppelerfassung von Wertminderungen
gleichkäme.222
bb) Bewertung gemischt genutzter Immobilien
Die Beschränkung des Anwendungsbereichs von IAS 40 auf Renditeliegenschaften erfordert die 177
strikte Aufteilung einer Immobilie für den Fall, dass ein Teil betrieblich eigengenutzt wird (z. B.
Räumlichkeiten für die eigene Verwaltung) und der restliche Teil der Immobilie als Rendite-
liegenschaft (z. B. zum Zwecke der Fremdvermietung) Verwendung findet.223 Der betrieblich

220 Vgl. IAS 40.33.


221 Vgl. IAS 40.35.
222 Behr, ST 2001, 219.
223 Vgl. IAS 40.8.
Dejan Engel-Ciric 161
5 § 5 Ausgewählte Abschlussposten

genutzte Teil der Immobilie, ist in diesem Falle nach IAS 16 zu bewerten, während für den fremd
genutzten Teil IAS 40 anzuwenden ist.224

> Beispiel
Ein Unternehmen erwirbt am 01.01.05 ein Grundstück für T€ 1.000 mit der Absicht, das Grundstück jeweils hälftig fremd
zu vermieten und eigenbetrieblich zu nutzen. Am 31.12.05 beträgt der Marktwert 1.200 T€. Im Jahre 2006 sinkt der
Marktwert des Grundstücks auf 800 T€. Im Jahre 2007 steigt der Marktwert auf T€ 1.400. Unter der Annahme, dass sich
die Unternehmensleitung für die Bewertung zu Marktwerten entscheidet, entwickeln sich die bilanziellen Wertansätze
der Immobilie wie folgt:

5 $ Lösung
Die Wertansätze für die Immobilie entwickeln sich unter Anwendung der Methode der fortgeführten Anschaffungswerte
nach IAS 40 wie folgt:

Fremdnutzung Eigennutzung Gesamtansatz


IAS 40 IAS 16
€ € €
Wertansatz 01.01.05 500 500 1.000
+ erfolgswirksame Aufwertung 100 0 100
+ Einstellung in Neubewertungsrücklage 0 100 100
Wertansatz 31.12.05 600 600 1.200
– außerplanmäßige Abschreibungen – 200 – 100 – 300
– Auflösung Neubewertungsrücklage 0 – 100 – 100
Wertansatz 31.12.2006 400 400 800
+ Zuschreibung (GuV) 300 100 400
+ Einstellung in Neubewertungsrücklage 0 200 200
Wertansatz 31.12.2007 700 700 1.400

d) Wertermittlungsmethoden
178 Das zentrale Problem bei der Bewertung von Immobilien zu Marktwerten entsprechend IAS 40 ist
die Frage, wie der gegenüber den Anschaffungs- oder Herstellungskosten höhere fair value ermit-
telt werden soll; denn bei Immobilien besteht aufgrund der Tatsache, dass es keine Börsenpreise
gibt, stets die Gefahr der bilanziellen Überbewertung.
179 Der fair value basiert auf einem fiktiven Transaktionspreis des Vermögenswertes zum Bilanz-
stichtag.225 Es handelt sich hierbei um den wahrscheinlichsten Betrag, zu dem ein Vermögenswert
zwischen sachverständigen und vertragswilligen sowie voneinander unabhängigen Geschäfts-
partnern getauscht werden könnte.226
180 Um zumindest ansatzweise eine zuverlässige und glaubwürdige Bilanzierung im Rahmen der
Fair-Value-Bewertung zu erreichen, bedürfte es zur Bestimmung des beizulegenden Zeitwertes zu
jedem Bilanzstichtag eines unabhängigen Wertgutachtens. IAS 40 ist indessen wesentlich freizü-
224 Zülch, Investment Properties, 187.
225 Vgl. IAS 40.39.
226 Vgl. IAS 40.40 und 44.
162 Dejan Engel-Ciric
D. Als Finanzinvestitionen gehaltene Immobilien 5

giger: Externe Wertgutachten zur Bestimmung des Marktwertes sind nicht zwingend erforderlich.
Der Bilanzierende wird zwar „ermutigt“ (is encouraged), den Marktwert auf Grundlage eines ex-
ternen Bewertungsgutachtens zu ermitteln; er ist jedoch nicht dazu verpflichtet.227
Unabhängig davon, ob eine Fremd- oder Eigenbewertung vorgenommen wird, stellt sich die Fra- 181
ge nach den anzuwendenden Immobilienbewertungsverfahren. Die deutschen und internatio-
nalen Immobilienbewertungsverfahren stellen sich wie folgt dar:228

Deutsche Verfahren Internationale Verfahren


Normierte Vergleichswertverfahren Sales Comparison Approach
Verfahren (§§ 13 und 14 WertV)
Ertragswertverfahren Income Capitalisation Approach
5
(§§ 15-20 WertV)
Sachwertverfahren Cost Approach
(§§ 21-25 WertV)
Nicht normierte Discounted Cashflow-Methode Discounted Cashflow-Methode
Verfahren Residualwertverfahren Residualwertverfahren

IAS 40.46 schlägt zur Bewertung von Renditeliegenschaften explizit das Vergleichswert- oder das Er- 182
tragswertverfahren (Discounted-Cashflow-Methode) vor.229 Das in der deutschen Praxis ebenfalls
verwendete Sachwertverfahren wird nicht erwähnt.
Bei der Wertermittlung auf Grundlage des Vergleichswertverfahrens werden für die Fair-Value- 183
Ermittlung zunächst vergleichbare Objekte mittels einer Marktanalyse gesucht.230
Bei Verwendung von Preisen ähnlicher Immobilien sind zur Feststellung der hinreichenden 184
Übereinstimmung verschiedene Wertmerkmale heranzuziehen, wie z. B.:
■ Lage der Immobilien (z. B. Kerngebiet, Ortsrandlage oder Einzugsgebiet);
■ Art und Maß der baulichen Nutzung (z. B. Industrie- oder Wohngebiet);
■ Bodenbeschaffenheit (z. B. Bodengüte, Eignung als Baugrund oder Verunreinigung durch Alt-
lasten);
■ Grundstücksgröße und -zuschnitt;
■ Erschließungszustand (z. B. Anbindung an die örtliche Kanalisation).
Im zweiten Bewertungsschritt werden vom Marktpreis der Vergleichsobjekte Zu- und Abschläge 185
aufgrund liegenschaftsspezifischer Eigenschaften vorgenommen (z. B. Lage, Bauqualität, Objekt-
größe). Grundgedanke der Vergleichswertmethode ist es, das subjektive Ermessen des Bilanzie-
renden teilweise durch die Objektivität des Marktes zu ersetzen.
Dabei gilt es Folgendes zu beachten: Die Vergleichswertmethode kann meist nur bei unbebauten 186
Grundstücken Anwendung finden. Bei bebauten Grundstücken ist das Vergleichswertverfahren
aufgrund fehlender aussagekräftiger Vergleichskriterien lediglich bei einheitlichen Objekten (wie
z. B. bei Reihenhäusern in einer Anlage) anwendbar. Bei der Mehrzahl der Anlageimmobilien
ist es insofern nicht sinnvoll, den Marktwert nach der Vergleichswertmethode zu bestimmen:

227 Vgl. IAS 40.32.


228 Vgl. Zülch, Investment Properties nach IAS 40, 154.
229 Vgl. Böckem/Schurbohm-Ebneth, KoR 2003, 335.
230 Vgl. IAS 40.46(a).
Dejan Engel-Ciric 163
5 § 5 Ausgewählte Abschlussposten

Es wäre eine „Illusion“231, anzunehmen, die Unterschiede in den wertrelevanten Merkmalen der zu
bewertenden Immobilie könnten durch einen ermessensfreien und damit objektivierten Wertmaßstab
ausgeglichen werden.
187 In den Fällen, in denen eine Fair-Value-Wertermittlung anhand der Vergleichswertmethode nicht
sinnvoll ist, soll die Bewertung auf Grundlage der Ertragswert- bzw. DCF-Methode vorgenom-
men werden.232
188 Ausgehend vom Ertragswertverfahren wird der Marktwert einer Immobilie durch die Abzinsung
der zukünftigen Nettomieteinzahlungen auf den Bewertungszeitpunkt errechnet.
Die Nettomieteinzahlungen bestimmen sich wie folgt:
5 Erwartete Nettokaltmiete
– Mietausfallwagnis
– nicht umlagefähige Betriebskosten
– Verwaltungskosten
– Instandhaltungskosten
= Einzahlungsüberschuss
Die erwartete Nettokaltmiete ergibt sich aus dem Mietvertrag bzw. aus dem Mietspiegel der Ge-
meinde (ggf. nach individuellen Anpassungen).
Das Mietausfallwagnis kann bei Wohngebäuden zwischen 2% und 4% und bei Gewerbegebäuden
zwischen 4% und 8% von der Nettokaltmiete betragen.
Die Verwaltungskosten sind im Wesentlichen von der Nutzungsart und der Größe des zu ver-
waltenden Objekts, von der Anzahl und der Sozialstruktur der Mieter sowie von der Größe der
Gemeinde abhängig. Sie können in Abhängigkeit dieser Faktoren 2% bis 5% der Nettokaltmiete
betragen.
Die Instandhaltungskosten werden in der Praxis oft vereinfachungsbedingt zwischen 1% bis 2%
der Normalherstellungskosten eines Objektes berücksichtigt.
189 Das Ertragswertverfahren beruht auf dem so genannten Zwei-Phasen-Modell. Die erste Pha-
se umfasst die Detailphase, in der die zukünftigen Einzahlungsüberschüsse für jedes Jahr relativ
genau prognostiziert werden können. In der zweiten Phase wird vereinfachend von konstanten,
nachhaltigen Einzahlungsüberschüssen ausgegangen, die in Form einer ewigen Rente anfallen.
Der beizulegende Zeitwert der Renditeliegenschaft ergibt sich dann als Summe der Barwerte aus
der ersten Phase und des Restwertes in Form des Barwertes der ewigen Rente aus der zweiten
Phase.233

> Beispiel
Ein Unternehmen hat am 01.01.07 eine Immobilie mit Anschaffungskosten von 200 T€ zum Zwecke der Fremdvermietung
erworben. Zum 31.12.2007 soll der Ansatz zu Marktwerten erfolgen. Der risikokorrigierte Abzinsungssatz beträgt 10%.
Die Nettoeinzahlungen wurden wie folgt prognostiziert:
2008 2009 2010 2011 ab 2012
€ € € € €
20.000 24.000 36.000 26.000 27.000

231 Vgl. Zimmermann, Der Verkehrswert von Grundstücken, 2. Aufl., 1999, Anm. 19.
232 Vgl. IAS 40.46(c).
233 Vgl. Engel-Ciric, BC 2001, S. 125.
164 Dejan Engel-Ciric
D. Als Finanzinvestitionen gehaltene Immobilien 5

Der nach IAS 40 anzusetzende Marktwert beträgt 250.470 € und ermittelt sich wie folgt:
20.000 + 24.000 + 38.000 + 26.000 + 27.000 = 250.470
1,1 1,12 1,13 1,14 0,12
1,14

Die Immobilie ist zum 31.12.2007 mit 250.470 € zu bewerten. Die Zuschreibung von 50.470 € ist ergebniswirksam in der
GuV zu erfassen.

Der Diskontierungssatz wird üblicherweise aus dem Zinssatz einer laufzeitäquivalenten, risiko- 190
armen Anlage abgeleitet. Um die mit der Investition in Immobilien verbundene Unsicherheit im
Vergleich zu der risikoarmen Anlage zu berücksichtigen, ist der Zins um einen Risikozuschlag 5
zu ergänzen. Alternativ besteht auch die Möglichkeit, Risikoabschläge bei der Schätzung der Ein-
zahlungsüberschüsse in Form von geringeren Rückflüssen zu berücksichtigen und anschließend
diese mit dem Marktzins für eine risikoarme Anlage zu diskontieren.

e) Nutzungsänderungen
Bei eintretenden Nutzungsänderungen sind Umbuchungen in den Bestand oder aus dem Bestand 191
der als Finanzinvestitionen gehaltenen Immobilien vorzunehmen. Nutzungsänderungen zeigen
sich insbesondere durch:
1. Beginn der eigenbetrieblichen Nutzung mit der Übertragung der Immobilie aus dem Be-
stand der als Finanzinvestition gehaltenen Immobilien in den Bestand der eigenbetrieblich
genutzten Immobilien;
2. Beginn von Weiterentwicklungs- und Umbaumaßnahmen an einer als Finanzinvestition ge-
haltenen Immobilie zum Zwecke der Veräußerung mit der Übertragung der Immobilie in das
Vorratsvermögen;
3. Beendigung der eigenbetrieblichen Nutzung einer Immobilie und Übertragung in den Be-
stand der als Finanzinvestition gehaltenen Immobilien;
4. Beginn eines Operate-Leasingverhältnisses mit einem Leasingnehmer und Übertragung der
Immobilie aus dem Vorratsbestand in den Bestand der als Finanzinvestition gehaltenen Im-
mobilien;
5. Fertigstellung einer Immobilie und Übertragung von den eigenbetrieblich genutzten Immobi-
lien in den Bestand der als Finanzinvestition gehaltenen Immobilien;
6. geplanter Veräußerung einer als Finanzinvestition gehaltenen Immobilie und Übertragung in
den Bestand der zum Verkauf bestimmten Vermögenswerte
In den Fällen (1) und (2) gelten die beizulegenden Zeitwerte im Umwidmungszeitpunkt als An- 192
schaffungs- oder Herstellungskosten der eigenbetrieblich genutzten Immobilie nach IAS 16 bzw.
der Vorräte nach IAS 2.234
In den Fällen (3) und (5) ist die Immobilie bis zum Zeitpunkt der Nutzungsänderung entspre- 193
chend IAS 16 zu bewerten.235 Es besteht das Wahlrecht, die Renditeliegenschaft entweder nach
dem Anschaffungskostenmodell oder dem Fair-Value-Modell zu bewerten.

234 Vgl. IAS 40.54.


235 Vgl. IAS 40.61.
Dejan Engel-Ciric 165
5 § 5 Ausgewählte Abschlussposten

194 Sofern in der Variante (3) die Bewertung der Renditeliegenschaft nach dem Fair-Value-Modell er-
folgt, wird der bei Nutzungsänderung bestehende Unterschiedsbetrag zwischen dem nach IAS 16
ermittelten Buchwert und dem beizulegenden Zeitwert als Neubewertung nach IAS 16 behandelt.
Die zum Umwidmungszeitpunkt noch nicht berücksichtigten Wertminderungen sind erfolgs-
wirksam durch außerplanmäßige Abschreibungen zu erfassen. Soweit jedoch eine Neubewer-
tungsrücklage aus einer früheren Neubewertung besteht, sind Wertminderungen zunächst er-
folgsneutral durch Verrechnung mit der Neubewertungsrücklage zu berücksichtigen. Die darüber
hinausgehenden und nicht durch entsprechende Neubewertungsrücklagen gedeckten Wertmin-
derungen wirken sich ergebnismindernd aus
Im Umwidmungszeitpunkt gegenüber den fortgeführten Anschaffungs- oder Herstellungskosten
5 höhere Zeitwerte werden wie folgt erfasst:
■ Soweit die Erhöhung des Buchwertes eine früher vorgenommene außerplanmäßige Abschrei-
bung kompensiert, ist die Zuschreibung erfolgswirksam als sonstiger betrieblicher Ertrag zu
erfassen. Die erfolgswirksame Zuschreibung ist auf den Wert begrenzt, der sich ergeben hätte,
wenn keine außerplanmäßige Abschreibung vorgenommen worden wäre.236
■ Ein noch verbleibender Teil der Erhöhung des Buchwertes ist erfolgsneutral in einer Neube-
wertungsrücklage zu erfassen. Bei einem späterem Abgang der Immobilie darf die Neubewer-
tungsrücklage erfolgsneutral in die Gewinnrücklagen umgebucht werden.237 Vergleichbar ist
die Regelung für das Neubewertungskonzept.
195 Der in Variante (5) auftretende Unterschiedsbetrag zwischen dem Buchwert und dem beizulegen-
den Zeitwert ist erfolgswirksam in der Gewinn-und Verlustrechnung zu erfassen.
196 Im Fall (4) ist die Immobilie bis zum Zeitpunkt der Nutzungsänderung entsprechend IAS 2 zu
bewerten.
197 Im Fall (6) ist die Immobilie entsprechend IFRS 5 gesondert auszuweisen.

III. Latente Steuern


198 Im Bilanzsteuerrecht werden Immobilien höchstens zu Anschaffungs- oder Herstellungskosten
bilanziert. Sofern in der IFRS-Bilanz Immobilien nach dem Fair-Value-Modell mit über den An-
schaffungs- oder Herstellungskosten hinausgehenden Wertansätzen bilanziert werden kommt es
zu einer passiven Steuerlatenz

IV. Ausweis und Angaben

1. Ausweis
199 Aufgrund der Besonderheit der als Finanzinvestitionen gehaltenen Immobilien dürfen diese Im-
mobilien nicht gemeinsam mit den betrieblich genutzten Immobilien in der Bilanz ausgewiesen
werden. Deshalb ist in der Bilanz ein gesonderter Ausweis im Anlagevermögen getrennt von den
Sachanlagen vorgeschrieben.238
236 Vgl. IAS 40.62(b).
237 Vgl. IAS 40.62(b).
238 Vgl. IAS 1.68(b).
166 Dejan Engel-Ciric
D. Als Finanzinvestitionen gehaltene Immobilien 5

Ausgehend von der Definition der Renditeliegenschaften erscheint der Ausweis der daraus gene- 200
rierten Aufwendungen und Erträge unter dem Finanzergebnis sachgerecht. Nur bei unwesentli-
chen Beträgen sollte der Ausweis unter den sonstigen betrieblichen Aufwendungen und Erträgen
erfolgen.
Gewinne oder Verluste aus dem Verkauf oder der Stilllegung von Renditeliegenschaften ergeben 201
sich aus der Differenz zwischen dem Nettoveräußerungserlös und dem Buchwert der Immobilie.
Es ist sachgerecht, das Veräußerungsergebnis in der GuV als Ertrag bzw. Aufwand unter dem
Finanzergebnis zu erfassen.

2. Angaben 5
Unabhängig von der Bewertung zu fortgeführten Anschaffungs- oder Herstellungskosten bzw. zu 202
Marktwerten sind folgende Angaben zu machen:239
■ die angewandte *Bewertungsmethode für Anlageimmobilien (Anschaffungskostenmethode
oder Zeitwertmethode);
■ die Kriterien zur Abgrenzung betrieblich genutzter Immobilien von Renditeliegenschaften;
■ die Methoden und wesentlichen Annahmen zur Bestimmung der beizulegenden Zeitwerte der
Anlageimmobilien sowie der Umfang der Bewertung durch einen unabhängigen Gutachter;
■ die in der GuV erfassten Beträge für Miet- und Pachterträge aus Anlageimmobilien sowie
direkte betriebliche Aufwendungen im Zusammenhang mit Anlageimmobilien (z. B. Repara-
turaufwendungen, Instandhaltungsaufwendungen);
■ Beschränkungen in der Realisierbarkeit von Anlageimmobilien;
■ wesentliche vertragliche Verpflichtungen bezüglich Kauf, Herstellung, Entwicklung oder In-
standhaltung von Anlageimmobilien;
■ Darstellung der Entwicklung im Bestand der Renditeliegenschaften im Geschäftsjahr (ohne
Vergleichswerte zum Vorjahr).
In den Fällen, in denen Anlageimmobilien in Ermangelung eines verlässlich beizulegenden 203
Zeitwertes zu fortgeführten Anschaffungskosten bewertet werden, sind zusätzlich folgende An-
gaben zu machen:
■ eine Beschreibung der als Finanzinvestition gehaltenen Immobilien;
■ eine Erklärung, warum der beizulegende Zeitwert nicht verlässlich ermittelt werden kann;
■ wenn möglich: die Schätzungsbandbreite, innerhalb derer der beizulegende Zeitwert höchst-
wahrscheinlich liegt; und
■ bei Abgang der als Finanzinvestition gehaltenen Immobilien, die nicht zum beizulegenden
Zeitwert bewertet wurden:
■ den Umstand, dass das Unternehmen als Finanzinvestition gehaltenen Immobilien ver-
kauft hat, die nicht zum beizulegenden Zeitwert bewertet wurden;
■ den Buchwert dieser als Finanzinvestition gehaltenen Immobilien zum Zeitpunkt des Ver-
kaufs; und
■ den als Gewinn oder Verlust erfassten Betrag aus dem Verkauf.

239 Vgl. IAS 40.75.


Dejan Engel-Ciric 167
5 § 5 Ausgewählte Abschlussposten

204 Bei Wahl des Anschaffungskostenmodells sind zusätzlich zu den oben genannten allgemeinen
Angaben folgende Angaben zu leisten:
■ Die verwendeten Abschreibungsmethoden;
■ Die zugrunde liegenden Nutzungsdauern oder Abschreibungssätze;
■ Den Bruttobuchwert und die kumulierten Abschreibungen (zusammengefasst mit den kumu-
lierten Wertminderungsaufwendungen) zu Beginn und zum Ende der Periode;
■ den beizulegenden Zeitwert der als Finanzinvestition gehaltenen Immobilien.
■ Eine Überleitungsrechnung, die die Entwicklung des Buchwerts der als Finanzinvestition ge-
haltenen Immobilien in der Berichtsperiode zeigt.
5
E. E. Zur Veräußerung gehaltene langfristige
s/Klaus Singer Vermögenswerte und aufgegebene Geschäftsbereiche
205 IFRS 5 Non-current Assets Held for Sale and Discontinued Operations enthält besondere Aus-
weis- und Bewertungsvorschriften sowie Pflichtangaben für die in seinen Anwendungsbereich
fallenden Vermögenswerte. Seine Zielsetzung ist es, den Informationsgehalt von Abschlüssen zu
erhöhen. Einerseits soll das Nutzenpotenzial der angesprochenen Vermögenswerte zum Stichtag
besser abgebildet werden, andererseits sollen dem Jahresabschlussadressaten Informationen an
die Hand gegeben werden, damit er die Auswirkungen der anstehenden Veräußerungen auf die
Ertrags- und Vermögenslage besser einschätzen kann.
206 IFRS 5 ist der erste Standard der durch das IASB im Rahmen des Konvergenzprojekts mit dem
FASB verabschiedet wurde. Er beseitigte die Differenzen zwischen IAS 35 Discontinuing Operations
und SFAS 144 Accounting for Impairment or Disposal of Long-Lived Assets und leistete damit einen
ersten Beitrag zur Vereinheitlichung zwischen IAS / IFRS und US-GAAP.

I. Anwendungsbereich und definitorische Abgrenzungen


207 IFRS 5 ist für Geschäftsjahre anzuwenden, die am 1. Januar 2005 oder später beginnen und ersetzt
damit IAS 35.240
208 IFRS 5.2 unterteilt den Anwendungsbereich in Klassifizierungs- und Darstellungspflichten,
die auf alle angesetzten langfristigen Vermögenswerte und Veräußerungsgruppen anzuwenden
sind, und die speziellen Bewertungsvorschriften. Die Bewertungsvorschriften gelten für langfri-
stige Vermögenswerte und -gruppen, die zur Veräußerung gehalten werden. Ausgenommen sind
Vermögenswerte, die bereits durch IAS 12 Income Tax, IAS 19 Employee Benefits, IAS 39 Financial
Instruments: Recognition and Measurement, IAS 40 Investment Properties, IAS 41 Agriculture sowie
IFRS 4 Insurance Contracts abgedeckt werden.241 Wird eine Gruppe von Vermögenswerten in einer
einzigen Transaktion veräußert, die auch einen langfristigen Vermögenswert enthält, der nach IFRS 5
zu bewerten ist, sind die Bewertungsvorschriften des IFRS 5 auf die Veräußerungsgruppe insgesamt
anzuwenden.242

240 Vgl. IFRS 5.44f.


241 Vgl. IFRS 5.2 i.V.m. IFRS 5.5.
242 Vgl. IFRS 5.4.
168 Dejan Engel-Ciric/Jörg Maas/Klaus Singer
E. Zur Veräußerung gehaltene langfristige Vermögenswerte und aufgegebene Geschäftsbereiche 5

Anhang A zu IFRS 5 grenzt einen langfristigen Vermögenswert negativ ab als einen „Vermö- 209
genswert, der nicht die Definition eines kurzfristigen Vermögenswerts erfüllt“.
Ein kurzfristiger Vermögenswert liegt laut Anhang A vor, wenn er eines der folgenden Kriterien 210
erfüllt:
■ Seine Realisation wird innerhalb des normalen Geschäftszyklus des Unternehmens erwartet
oder sein Verkauf oder Verbrauch soll in diesem Zeitraum erfolgen.
■ Seine Realisation wird innerhalb von zwölf Monaten nach dem Bilanzstichtag erwartet.
■ Er wird zu Handelszwecken gehalten.
■ Er stellt Zahlungsmittel oder -äquivalente dar, mit Ausnahme der Vermögenswerte, die als
Zahlungsmitteläquivalente erhalten wurden, jedoch deren Nutzung oder anderweitiger Tausch
in den zwölf Monaten nach dem Bilanzstichtag eingeschränkt sind.
5
Erfolgt die Realisierung erst nach zwölf Monaten nach dem Bilanzstichtag, ist dieser Zeitraum 211
jedoch der normale Geschäftszyklus des Unternehmens, so handelt es sich der obigen Definition
zufolge um einen kurzfristigen Vermögenswert, auf den IFRS 5 nicht anwendbar ist.
Zu einer Veräußerungsgruppe zählen Vermögenswerte (inklusive eines Geschäfts- oder Firmen- 212
werts), die gemeinsam in einer Transaktion veräußert werden, und Schulden, die mit ihnen direkt
in Verbindung stehen und bei der Transaktion mit übertragen werden.243
Zu einem aufgegebenen Geschäftsbereich gehört ein Unternehmensbestandteil244, der bereits ver- 213
äußert oder als Teil eines Veräußerungsplans als zur Veräußerung klassifiziert ist und „einen gesonder-
ten, wesentlichen Geschäftszweig oder [einen] geographischen Geschäftsbereich darstellt“. Alternativ
kann er auch ein Tochterunternehmen sein, das ausschließlich zum Zweck der Weiterveräußerung
erworben wurde.245 Ist das Tochterunternehmen ursprünglich ohne Veräußerungsabsicht erworben
worden, ist anhand der allgemeinen Kriterien des IFRS 5 zu prüfen, ob evtl. ein aufgegebener Ge-
schäftsbereich oder eine Veräußerungsgruppe vorliegt.246 Hinsichtlich aufgegebener Geschäftsberei-
che, die nicht mit Veräußerungsgruppen gleichzusetzen sind, „enthält IFRS 5 lediglich Regelungen
zum Ausweis und zu Angaben im Anhang, da die Bewertung anderen Standards folgt“247. Jörg Maas/Kla

II. Klassifizierung als „zur Veräußerung gehalten“


Zur Veräußerung gehaltene langfristige Vermögenswerte bzw. Veräußerungsgruppen sind gemäß 214
IFRS 5.38 in separaten Bilanzposten zu zeigen. Hierbei ist zu beachten, dass Vermögenswerte
und Schulden einer Veräußerungsgruppe einem Saldierungsverbot unterliegen. Welche Anfor-
derungen erfüllt sein müssen, damit ein Vermögenswert bzw. eine Veräußerungsgruppe als „zur
Veräußerung gehalten“ gilt, ergibt sich aus IFRS 5.6 bis 5.14.

243 Vgl. Anhang A zu IFRS 5.


244 Ein Unternehmensbestandteil ist in Anhang A zu IFRS 5 als „ein Geschäftsbereich und [als] die dazugehörigen Cas-
hflows [definiert], die betrieblich und für die Zwecke der Rechnungslegung vom restlichen Unternehmen klar abge-
grenzt werden können.“ Er entspricht somit nach IFRS 5.31 einer zahlungsmittelgenerierenden Einheit oder einer
Gruppe von zahlungsmittelgenerierenden Einheiten.
245 Vgl. Anhang A zu IFRS 5.
246 Vgl. Wolff / Robinson, in: Beck’sches IFRS-Handbuch, § 28, Rn 18.
247 Vgl. Wolff / Robinson, in: Beck’sches IFRS-Handbuch, § 28, Rn 6.
Jörg Maas/Klaus Singer 169
5 § 5 Ausgewählte Abschlussposten

1. Erstmalige Klassifizierung
215 Die Klassifizierung als „zur Veräußerung gehalten“ reflektiert, dass der Buchwert des Vermögens-
werts bzw. der Vermögensgruppe sich nicht überwiegend durch fortgesetzte Nutzung im Un-
ternehmen realisiert, sondern durch seine Veräußerung.248 Zur Erfüllung dieses übergeordneten
Kriteriums, müssen die folgenden Punkte kumulativ vorliegen:
■ Der Vermögenswert / die Vermögensgruppe ist im gegenwärtigen Zustand zu marktüblichen
Bedingungen sofort veräußerbar.
■ Eine derartige Veräußerung ist höchstwahrscheinlich.249

5
216 Der Begriff „höchstwahrscheinlich“ ist im Anhang A zu IFRS 5 als „erheblich wahrscheinlicher
als wahrscheinlich“ definiert. Als Abgrenzung dazu ist „wahrscheinlich“ mit „es spricht mehr da-
für als dagegen“ beschrieben. Um den Auslegungsspielraum einzugrenzen, gibt IFRS 5.8 genaue
Vorgaben, die eine höchstwahrscheinliche Veräußerung charakterisieren und erfüllt sein müs-
sen:
■ Das Management muss einen Plan für den Verkauf beschlossen haben.
■ Mit der Suche nach dem Käufer und mit der Durchführung des Plans ist aktiv begonnen wor-
den.
■ Der Vermögenswert/die Vermögensgruppe wird aktiv zum Erwerb angeboten.
■ Der hierbei angegebene Erwerbspreis steht im angemessenen Verhältnis zum beizulegenden
Zeitwert des Vermögenswerts/der Vermögensgruppe.
■ Die Veräußerung wird innerhalb eines Jahres ab dem Zeitpunkt der Klassifizierung als „zur
Veräußerung gehalten“ erwartet.
■ Eine Änderung bzw. Aufhebung des Verkaufplans muss unwahrscheinlich erscheinen.
217 Der innerbetriebliche Verkaufsbeschluss muss nachweisbar, also schriftlich festgehalten sein.
Auch die begonnene Käufersuche sollte dokumentiert sein. Ob die Beauftragung eines Maklers
ausreichend ist, hängt vom jeweiligen Einzelfall ab, da es sich hierbei nicht um ein Alibi handeln
darf. Aufgrund von unterschiedlichen Preisvorstellungen gescheiterte Verkaufsverhandlungen
sind nicht als ein zwingendes Indiz dafür zu sehen, dass der Angebotspreis im Verhältnis zum
beizulegenden Zeitwert unangemessen ist. Vielmehr ist hier eine Einzelfallwürdigung gefragt.250
Die für den Verkauf vorgesehene Ein-Jahres-Frist muss sich anhand von objektivierbaren Kriterien
ableiten lassen (bspw. ein bereits vorliegendes Letter of Intent oder vergleichbare in der Vergangenheit
bereits abgewickelte Verkäufe).251
218 Ein langfristiger Vermögenswert/eine Vermögensgruppe, die ausschließlich zum Zweck einer
Veräußerung erworben wird, darf als „zur Veräußerung gehalten“ klassifiziert werden, wenn das
in § 5.E.I. genannte Ein-Jahres-Kriterium erfüllt ist, und es höchstwahrscheinlich ist, dass die restli-
chen Kriterien innerhalb kurzer Zeit nach dem Erwerb (i.d.R. drei Monate) erfüllt sein werden.252

248 Vgl. IFRS 5.6. Aus dieser Definition ergibt sich, dass ein zur Stilllegung bestimmter Vermögenswert / eine Vermö-
gensgruppe nicht als „zur Veräußerung gehalten“ klassifiziert werden kann, da der Buchwert überwiegend durch fort-
gesetzte Nutzung und nicht durch einen Verkauf realisiert wird, vgl. IFRS 5.13. Gemäß IFRS 5.14 sind vorübergehend
außer Betrieb genommene und stillzulegende Vermögenswerten nicht miteinander gleichzusetzen.
249 Vgl. IFRS 5.7.
250 Vgl. Wolff / Robinson, in: Beck’sches IFRS-Handbuch, § 28, Rn 25.
251 Vgl. Wolff / Robinson, in: Beck’sches IFRS-Handbuch, § 28, Rn 26.
252 Vgl. IFRS 5.11.
170 Jörg Maas/Klaus Singer
E. Zur Veräußerung gehaltene langfristige Vermögenswerte und aufgegebene Geschäftsbereiche 5

Die Kriterien, von denen die Klassifizierung als „zur Veräußerung gehalten“ abhängt, müssen 219
gemäß IFRS 5.12 zum Bilanzstichtag erfüllt sein. Eine nach dem Bilanzstichtag eingetretene Kri-
terienerfüllung wirkt nicht rückwirkend bzw. nicht aufhellend. Sollten die Kriterien nach zu Recht
erfolgter Klassifizierung ganz oder teilweise nicht mehr erfüllt sein, ist eine Umklassifizierung
zum regulären Ausweis hin vorzunehmen. Der Ansatz der langfristigen Vermögenswerte und
Schulden erfolgt dabei mit dem niedrigeren Wert aus dem erzielbaren Betrag und dem Buchwert
vor Klassifizierung als „zur Veräußerung gehalten“ unter Berücksichtigung aller Abschreibungen
und Neubewertungen, die ohne eine solche Klassifizierung erfolgt wären.253

2. Beibehaltung der Klassifizierung 5


Ist ein Vermögenswert eine Vermögensgruppe als „zur Veräußerung gehalten“ klassifiziert worden, 220
der Verkauf jedoch nicht innerhalb der geforderten Ein-Jahres-Frist erfolgt, ist eine Beibehaltung
der Klassifizierung nur möglich, wenn das Unternehmen die Verzögerung nicht zu vertreten hat.
Gemäß IFRS 5.9 i.V.m. B1 zu IFRS 5 ist dies bei den folgenden Gegebenheiten der Fall:
■ Umstände, die zuvor für unwahrscheinlich erachtet wurden, sind während der Ein-Jahres-
Frist eingetreten und haben bewirkt, dass der Verkauf nicht wie geplant während der Frist er-
folgen konnte; das Management hat die erforderlichen Maßnahmen zur Berücksichtigung der
geänderten Umstände ergriffen; der Vermögenswert / die Vermögensgruppe wird aktiv zum
Preis angeboten, der die geänderten Umstände widerspiegelt, angeboten und die sonstigen
Kriterien an eine Klassifizierung als „zur Veräußerung gehalten“ sind weiterhin erfüllt.
■ Die eingegangene feste Kaufverpflichtung enthält unerwartete, zu erfüllende Bedingungen,
aufgrund derer der Verkauf nicht wie geplant während der Frist erfolgen konnte (z.B. Forde-
rung des Käufers nach Beseitigung von Bodenverunreinigungen254); das Management hat die
Maßnahmen zur Erfüllung der Bedingungen rechtzeitig ergriffen; ein günstiger Ausgang wird
erwartet.
■ Der Verkauf hängt von zu erfüllenden Bedingungen ab, die Dritte (Käufer ausgenommen) stel-
len; Maßnahmen zur Erfüllung der Bedingungen können jedoch erst nach dem Erlangen einer
festen Kaufverpflichtung ergriffen werden, und es ist höchstwahrscheinlich dass diese Bedin-
gung innerhalb von einem Jahr erfüllt wird. Es handelt sich folglich um „Veräußerungsfälle,
die erst nach einer rechtsverbindlichen Vereinbarung zwischen den Parteien die Zustimmung
eines Dritten erfordern (z.B. Zustimmung der Kartellbehörde oder sonstiger Behörde255).

III. Bewertungsvorschriften
Ab dem Zeitpunkt der Klassifizierung als „zur Veräußerung gehalten“ sind die langfristigen 221
Vermögenswerte / Vermögensgruppen mit dem niedrigeren Wert aus Buchwert und beizu-
legendem Zeitwert abzüglich Veräußerungskosten (fair value less costs to sell) anzusetzen.256
Eine planmäßige Abschreibung darf nicht erfolgen.257 Vermögenswerte / Vermögensgruppen, die im

253 Vgl. IFRS 5.27.


254 Vgl. Wolff / Robinson, in: Beck’sches IFRS-Handbuch, § 28, Rn 28.
255 Vgl. Wolff / Robinson, in: Beck’sches IFRS-Handbuch, § 28, Rn 27.
256 Vgl. IFRS 5.15.
257 Vgl. IFRS 5.25.
Jörg Maas/Klaus Singer 171
5 § 5 Ausgewählte Abschlussposten

Rahmen eines Unternehmenszusamenschlusses erworben werden und die Kriterien für die Klassifi-
zierung als „held for sale“ erfüllen, sind gemäß IFRS 3.36 und IFRS 5.16 beim Erstansatz zwingend mit
dem fair value less costs to sell zu bewerten.
222 Veräußerungskosten werden im Anhang A zu IFRS 5 als zusätzliche Kosten definiert, „die der
Veräußerung direkt zugeordnet werden können, mit Ausnahme der Finanzierungskosten und des
Ertragsteueraufwands“. Genauere Angaben enthält IFRS 5 nicht. In Anlehnung an die US-ame-
rikanischen Regelungen258 sind hierzu Maklergebühren und Rechts- und Beratungskosten, Kosten
der Eigentumsübertragung sowie unabwendbare Schließungskosten, ohne die eine Übertragung nicht
möglich ist, zu zählen. Denkbar sind weiterhin Due Dilligence Kosten sowie Reisekosten von Mana-
gern, die im Zusammenhang mit dem Verkauf anfallen.259 Zu zahlende Arbeitnehmerabfindungen
5 oder andere rückstellungspflichtige Sachverhalte dürfen jedoch nicht miteinbezogen werden.260 Falls
erwartet wird, dass der Verkauf erst nach einem Jahr erfolgen wird (also außerhalb der Ein-Jahres-Frist
und somit abhängend von Bedingungen eines Dritten), sind die Veräußerungskosten laut IFRS 5.17
mit ihrem Barwert zu berücksichtigen.
223 Regelungen zur Ermittlung des beizulegenden Zeitwerts abzüglich Veräußerungskosten enthält
IFRS 5 nicht. Der Konzeption des beizulegenden Zeitwerts entsprechend als nicht unternehmens-
spezifischer, objektiver Marktwert, wird er in Anlehnung an IAS 36.6 und 25ff. zu ermitteln sein.
D.h. dass ein bindender, bereits bestehender Kaufvertrag oder, in Ermangelung eines solchen, der
aktive Markt ausschlaggebend sind. Ist beides inexistent, können zwar Kapitalwertmethoden zur
Anwendung kommen, die errechnete Größe muss logischerweise jedoch dem Preis entsprechen,
zu dem der Vermögenswert / die Vermögensgruppe vom Unternehmen aktiv am Markt zum Ver-
kauf angeboten wird. Ansonsten wäre die Bedingung für die Klassifizierung als „zur Veräußerung
gehalten“ nicht erfüllt, da der angegebene Erwerbspreis nicht im angemessenen Verhältnis zum
beizulegenden Zeitwert des Vermögenswerts / der Vermögensgruppe stünde (§ 5.E.I.).
224 Der beizulegende Zeitwert von Vermögenswerten einer Veräußerungsgruppe kann vereinfacht
als Summe aus dem beizulegenden Zeitwert der Veräußerungsgruppe und dem beizulegenden
Zeitwert der Schulden, die zu dieser Gruppe gehören, ermittelt werden. Konkretisiert sich bspw.
aus Verkaufsverhandlungen ein Erwerbspreis von 240 Mio. € für eine Veräußerungsgruppe, die
Schulden in Höhe eines beizulegenden Zeitwerts von 40 Mio. € enthält, so ist der beizulegende
Zeitwert der dazugehörigen Vermögenswerte 280 Mio. €.261
225 Liegt der beizulegende Zeitwert abzüglich der Veräußerungskosten unter dem Buchwert, ist ge-
mäß IFRS 5.20 ein außerplanmäßiger Wertminderungsaufwand zu erfassen. Handelt es sich um
eine Veräußerungsgruppe, ist der Wertminderungsaufwand in der Reihenfolge des IAS 36.104
erst beim Geschäfts- oder Firmenwert und sodann im Verhältnis der Buchwerte bei den restlichen
Vermögenswerten und Schulden der Veräußerungsgruppe zu erfassen.262 Keine Berücksichtigung
dürfen hierbei kurzfristige Vermögenswerte finden, die evtl. ebenfalls zu der Veräußerungsgruppe
gehören. Eine spätere Wertaufholung ist, maximal bis zur Höhe des erfassten kumulierten Wertmin-
derungsaufwands, ergebniswirksam zu erfassen (Wertaufholungsgebot).263 Sie ist im Verhältnis der
Buchwerte der Vermögenswerte und Schulden vorzunehmen, beim Geschäfts- oder Firmenwert je-
doch nicht erlaubt.264

258 Vgl. SFAS 144.35.


259 Vgl. Wolff / Robinson, in: Beck’sches IFRS-Handbuch, § 28, Rn 40.
260 Vgl. Lüdenbach, in: Haufe IFRS-Kommentar, § 29, Rn 32ff.
261 Vgl. Wolff / Robinson, in: Beck’sches IFRS-Handbuch, § 28, Rn 39.
262 Vgl. IFRS 5.23.
263 Vgl. IFRS 5.21.
264 Vgl. IFRS 5.23 i.V.m. IAS 36.122.
172 Jörg Maas/Klaus Singer
E. Zur Veräußerung gehaltene langfristige Vermögenswerte und aufgegebene Geschäftsbereiche 5

IV. Ausweisvorschriften und Pflichtangaben


Zur Veräußerung gehaltene langfristige Vermögenswerte und Veräußerungsgruppen sind gemäß 226
IFRS 5.38 in separaten Bilanzposten zu zeigen (vgl. § 5.E.I.). Hierbei ist einerseits die Bilanz-
gliederung nach Fristigkeit gemäß IAS 1.68 und 1.68A und andererseits, das Saldierungsverbot
von Vermögenswerten und Schulden einer Veräußerungsgruppe zu beachten. Die entsprechen-
den Bilanzposten sind weiter, in so genannte Hauptarten, zu unterteilen, die sich an der üblichen
Bilanzgliederung orientieren. So wären bspw. kurzfristige Vermögenswerte wie Vorräte und For-
derungen, die zu einer Veräußerungsgruppe gehören, in der Bilanz oder im Anhang separat an-
zugeben.265 Weiterhin sind laut IFRS 5.38 mit diesen Vermögenswerten in Zusammenhang stehende,
direkt im Eigenkapital erfasste Erträge und Aufwendungen gesondert auszuweisen. Eine Anpassung 5
des Vorjahresausweises der separat ausgewiesenen Vermögenswerte und Schulden ist durch IFRS 5.40
untersagt.
Bei erstmaliger Klassifizierung als „zur Veräußerung gehalten“ und beim Verkauf der Objekte dieser 227
Kategorie sind die folgenden Pflichtangaben im Anhang zu machen:
■ Beschreibung des langfristigen Vermögenswerts / der Veräußerungsgruppe und des zugrunde
liegenden Sachverhalts, der Umstände der erfolgten bzw. erwarteten Veräußerung unter Nen-
nung des voraussichtlichen Zeitpunkts der Veräußerung.
■ Angabe des bei der Klassifizierung als „zur Veräußerung gehalten“ verbuchten Gewinns bzw.
Verlusts und die Position der Gewinn- und Verlustrechnung, in der die Erfassung erfolgt ist,
falls der Ausweis nicht gesondert in der Gewinn- und Verlustrechnung vorgenommen wur-
de.
■ Ggf. das berichtspflichtige Segment nach IFRS 8 Operating Segments.266
Bei einer ganzen oder teilweisen Reklassifizierung aus der Kategorie „zur Veräußerung gehal- 228
ten“ heraus, sind nach IFRS 5.42 „die Sachverhalte und Umstände, die zu dieser Entscheidung
geführt haben, und die Auswirkungen der Entscheidung auf das Ergebnis für die dargestellte […]
und die […] vorangegangenen Berichtsperioden anzugeben“.
Wie in § 5.E.I. dargelegt, enthält IFRS 5 ebenfalls Regelungen zum Ausweis und zu Pflichtangaben 229
hinsichtlich aufgegebener Geschäftsbereiche. Diese beinhalten laut IFRS 5.33 im Wesentlichen
die Angabe der Summe aus dem Ergebnis nach Steuern des aufgegebenen Geschäftsbereichs, dem
Ergebnis nach Steuern aus der Bewertung zum beizulegenden Zeitwert und dem Ergebnis aus
der Veräußerung. Dabei sind weitere konkrete Untergliederungen vorgegeben. Weiterhin sind die
Netto-Cashflows anzugeben, die der laufenden Geschäftstätigkeit sowie der Investitions- und Fi-
nanzierungstätigkeit des aufgegebenen Geschäftsbereichs zuzurechnen sind.267 Die Angaben kön-
nen getrennt von den fortzuführenden Bereichen, in einem separaten Abschnitt direkt in der Gewinn-
und Verlustrechnung oder alternativ im Anhang erfolgen. Wird ein aufgegebener Geschäftsbereich
nicht mehr als „zur Veräußerung gehalten“ klassifiziert, sind sowohl das laufende Ergebnis als auch die
Vorjahresangaben in den fortzuführenden Bereich umzugliedern. 268

265 Vgl. IFRS 5.38 und Wolff / Robinson, in: Beck’sches IFRS-Handbuch, § 28, Rn 92.
266 Vgl. IFRS 5.41.
267 Für Tochterunternehmen, die mit Weiterveräußerungsabsicht erworben wurden, kann diese Angabe gemäß IFRS 5.33
entfallen.
268 Vgl. IFRS 5.36.
Jörg Maas/Klaus Singer 173
5 § 5 Ausgewählte Abschlussposten

V. US-GAAP
230 Durch die Verabschiedung des IFRS 5 wurde im Wesentlichen eine Übereinstimmung mit den
entsprechenden US-GAAP Regelungen erreicht. Anders als der IFRS 5 ist der SFAS 144 nicht auf
Goodwill und immaterielle Vermögenswerte mit unendlicher Nutzungsdauer anzuwenden. Der
Anwendungsbereich des IFRS 5 ist damit weiter gefasst.

VI. HGB
5 231 Eine IFRS 5 vergleichbare Vorschrift existiert im deutschen Steuer- und Handelsrecht nicht. Der
Ausweis von Gewinnen und Verlusten von Sachverhalten, die im IFRS 5 geregelt sind, können
jedoch gegebenenfalls separat als außerordentliches Ergebnis gemäß § 275 Abs. 1 Nr. 15 und
Nr. 16 HGB darzustellen sein. Es sind dann die Erläuterungspflichten gem. § 277 Abs. 4 HGB zu
beachten.

laus Starbatty
F. F. Finanzinstrumente und Sicherungsbeziehungen
I. Einführung
232 Die Bilanzierung von Finanzinstrumenten ist in IAS 32 Financial Instruments: Presentation und
in IAS 39 Financial Instruments Recognition and Measurement geregelt. Während IAS 32 in erster
Linie Finanzinstrumente definiert und eine Abgrenzung von Eigen- und Fremdkapital vornimmt,
liegt der Schwerpunkt von IAS 39 auf den Ansatzkriterien für Finanzinstrumente und ihrer Be-
wertung im Zeitablauf. IAS 39 behandelt darüber hinaus die Abbildung von Sicherungsbeziehun-
gen, im Folgenden als Hedge Accounting bezeichnet. IFRS 7: Financial Instruments: Disclosures
legt umfangreiche Offenlegungspflichten für Finanzinstrumente und die Risikoberichterstattung
fest.

II. Ausweis von Finanzinstrumenten

1. Definition
233 Ein Finanzinstrument ist ein Vertrag, der gleichzeitig bei dem einen Unternehmen zu einem
finanziellen Vermögenswert und bei dem anderen Unternehmen zu einer finanziellen Verbind-
lichkeit oder einem Eigenkapitalinstrument führt.269
Finanzielle Vermögenswerte umfassen im Wesentlichen:
■ flüssige Mittel;
■ als Aktivum gehaltene Eigenkapitalinstrumente, i.d.R. Aktien eines anderen Unternehmens;
■ vertragliche Rechte:

269 Vgl. IAS 32.11.


174 Jörg Maas/Klaus Singer/Nikolaus Starbatty
F. Finanzinstrumente und Sicherungsbeziehungen 5

■ flüssige Mittel oder andere finanzielle Vermögenswerte von einem anderen Unternehmen
zu erhalten; oder
■ finanzielle Vermögenswerte oder finanzielle Verbindlichkeiten mit einem anderen Unter-
nehmen zu potenziell vorteilhaften Bedingungen auszutauschen.
Typische Finanzinstrumente sind bspw. Kassen-/Bankbestände, Aktien, Forderungen aus Liefe- 234
rungen und Leistungen, sowie Termingeschäfte auf Aktien und sonstige finanzielle Vermögens-
werte. Termingeschäfte, die sich auf Eigenkapitalinstrumente des Emittenten beziehen, sind bis
auf Ausnahmen im Eigenkapital und nicht als Finanzinstrumente auszuweisen.
Finanzielle Verbindlichkeiten umfassen im Wesentlichen vertragliche Verpflichtungen: 235
■ flüssige Mittel oder andere finanzielle Vermögenswerte an ein anderes Unternehmen abzuge- 5
ben; oder
■ finanzielle Vermögenswerte oder finanzielle Verbindlichkeiten mit einem anderen Unterneh-
men zu potenziell nachteiligen Bedingungen auszutauschen.
Typische finanzielle Verbindlichkeiten sind bspw. Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Lei- 236
stungen, Bankdarlehen, Schuldverschreibungen, Anleihen. Dagegen sind Rückstellungen z.B. für
Gewährleistungen nicht als finanzielle Verbindlichkeiten einzustufen, da sie i.d.R. kein vertrag-
liches Recht darstellen. Sie sind gemäß IAS 37 Provisions, Contingent Liabilities and Contingent
Assets anzusetzen.
Termingeschäfte sind je nach dem, ob ihr beizulegender Zeitwert (Marktwert) positiv oder ne- 237
gativ ist, als finanzielle Vermögenswerte bzw. finanzielle Verbindlichkeiten auszuweisen. Der
beizulegende Zeitwert ist der Betrag, zu dem zwischen sachverständigen, vertragswilligen und
voneinander unabhängigen Geschäftspartnern ein Vermögenswert getauscht oder eine Schuld
beglichen werden könnte. Zuweilen wird der beizulegende Zeitwert auch als Marktwert oder Fair
Value bezeichnet.
Bestimmte Sachverhalte werden explizit von den Regelungen für Finanzinstrumente ausgenom- 238
men. In eigenen IFRS geregelt sind u.a. die Bilanzierung von Leasinggeschäften (IAS 17), Tochter-
unternehmen (IAS 27), Anteilen an assoziierten Unternehmen (IAS 28), Versicherungsverträgen
(IFRS 4) und anteilsbasierten Vergütungen (IFRS 2).270

2. Abgrenzung von Eigen- und Fremdkapital Nikolaus Starb

Der Emittent eines Finanzinstruments hat das Finanzinstrument oder dessen Bestandteile beim 239
erstmaligen Ansatz als finanzielle Verbindlichkeit, als finanziellen Vermögenswert oder als Eigen-
kapitalinstrument zu klassifizieren.
Ein Ausweis als Eigenkapitalinstrument beim Emittenten erfolgt nur, wenn das Finanzinstru- 240
ment keine vertragliche Verpflichtung beinhaltet,
■ flüssige Mittel oder einen anderen finanziellen Vermögenswert an ein anderes Unternehmen
abzugeben; oder
■ finanzielle Vermögenswerte oder finanzielle Verbindlichkeiten mit einem anderen Unterneh-
men zu potenziell nachteiligen Bedingungen für den Emittenten auszutauschen.271

270 Vgl. IAS 32.4.


271 Vgl. IAS 32.16.
Nikolaus Starbatty 175
5 § 5 Ausgewählte Abschlussposten

241 Das Hauptmerkmal für die Abgrenzung von finanziellen Verbindlichkeiten gegenüber Eigenkapi-
talinstrumenten besteht in der vertraglichen Verpflichtung des Emittenten entweder zur Abgabe
von flüssigen Mitteln oder anderen finanziellen Vermögenswerten an eine andere Vertragspar-
tei. Obwohl der Inhaber eines Eigenkapitalinstruments zum Empfang einer anteiligen Dividende
oder anderer Gewinnausschüttungen aus dem Eigenkapital berechtigt sein kann, unterliegt der
Emittent keiner vertraglichen Verpflichtung zu derartigen Ausschüttungen, da ihm die Abgabe
von flüssigen Mitteln oder anderen finanziellen Vermögenswerten an eine andere Vertragspartei
nicht vorgeschrieben werden kann.272
242 Die Eigenkapitaldefinition in IAS 32 weist erhebliche Unterschiede im Vergleich zum HGB-Ei-
genkapitalausweis auf. So sind GmbH Anteile, die dem Inhaber ein Kündigungsrecht einräumen,
5 als Fremdkapitalinstrumente auszuweisen. Hintergrund ist die vertragliche Verpflichtung, den
Inhaber der GmbH-Anteile bei Ausübung des Kündigungsrechts abzufinden. Ähnlich verhält es
sich bei Anteilen an Personenhandelsgesellschaften. Hier steht den Gesellschaftern ein gesetz-
liches Kündigungsrecht gegenüber der Gesellschaft zu, das zwar ausgestaltet nicht jedoch ausge-
schlossen werden kann. Ebenfalls betroffen sind die eingezahlten Geschäftsanteile von Genossen-
schaften, die bei Ausscheiden eines Genossen, zurückzuzahlen sind. In allen Fällen sieht sich der
Emittent einer vertraglichen Verpflichtung zur Abgabe flüssiger Mittel oder anderer finanzieller
Vermögenswerte gegenüber. Unerheblich für die Einschätzung ist, wie hoch die Wahrscheinlich-
keit für einen Zahlungsmittelabfluss ist. Nach IAS 32 sind diese Instrumente daher als Fremdka-
pital zu klassifizieren.
243 Als Konsequenz würde eine beträchtliche Gruppe deutscher Unternehmen bei einer IFRS-Bilan-
zierung über kein Eigenkapital verfügen. Vielmehr würde der Fremdkapitalausweis in vielen Fäl-
len sogar zu einer völligen Überschuldung vermeintlich prosperierender Unternehmen führen.
Der Grund ist, dass sich der Verbindlichkeitsausweis nach der Höhe des Rückzahlungsanspruchs
richtet. Ist im Fall der Rückgabe bzw. der Kündigung der Anteile eine Abfindung in Höhe des je-
weiligen Marktwerts der Anteile vorgesehen, steigt die Verbindlichkeit und damit die Wahrschein-
lichkeit einer bilanziellen Überschuldung mit zunehmendem Marktwert der Unternehmung.
244 Das IASB hat auf massiven Druck hin – nicht zuletzt von deutscher Seite –die Kriterien für die
Eigen-/Fremdkapitalabgrenzung modifiziert.273 Die im Februar 2008 verabschiedeten Änderun-
gen sind jedoch nur als Zwischenschritt einer grundsätzlichen Neudefinition zu sehen. Ein Zeichen
hierfür ist auch, dass die Eigenkapitaldefinition unverändert Gültigkeit besitzt und lediglich Ausnah-
men zu den bisherigen Regelungen festgelegt wurden. So sind kündbare Gesellschaftsanteile zukünftig
als Eigenkapital zu klassifizieren, wenn der Inhaber im Liquidationsfall den anteiligen Wert an dem
Nettovermögen des Unternehmens nach Bedienung aller anderen Ansprüche an dem Nettovermögen
erhält und das Instrument der nachrangigsten Klasse von Instrumenten angehört. Weiterhin müssen
die potentiellen Zahlungsmittelabflüsse aus dem Instrument, d.h. laufende Zahlungen und Rückzah-
lung, im Wesentlichen auf den Ergebnissen, den erfassten Nettovermögensänderungen oder auf den
Änderungen des Marktwerts des Nettovermögens basieren. Ein Eigenkapitalausweis ist entsprechend
vorzunehmen, wenn die Abfindung/Rückzahlung zum Verkehrswert, zum Buchwert nach IFRS oder
einer ergebnisabhängigen Formel nach IFRS erfolgt. Dagegen ist eine gesellschaftsvertraglich verein-
barte Abfindung des ausscheidenden Gesellschafters zum HGB-Buchwert i.d.R. schädlich für einen
Eigenkapitalausweis; es sei denn, dass diese Abfindungsregelung die Entwicklung des Verkehrswerts
der Unternehmung widerspiegelt.

272 Vgl. IAS 32.17f.


273 Vgl. IAS 32.16.
176 Nikolaus Starbatty
F. Finanzinstrumente und Sicherungsbeziehungen 5

Das IASB hat die Ausnahmen ausdrücklich auf die Einzelabschlüsse von Gesellschaften beschränkt, 245
so dass Anteile nicht-beherrschender Gesellschafter in den Konzernabschlüssen gegebenenfalls nach
wie vor als Fremdkapital auszuweisen sind.
Die Eigenkapitaldefinition in IAS 32 hat andererseits aber auch den Ausweis von Instrumenten 246
im Eigenkapital zur Folge, die nicht über die klassischen Eigenkapitalmerkmale verfügen. So sind
verzinsliche Anleihen mit unbegrenzter Laufzeit unter bestimmten Voraussetzungen im Eigenka-
pital auszuweisen. Entscheidend ist, inwiefern die Zinszahlungen und/oder die Rückzahlung im
Ermessen des Emittenten liegen. So ist das Recht des Emittenten zur Aussetzung der Zinszahlun-
gen, sofern keine Dividende beschlossen wurde, ein Indikator für eine Eigenkapitalklassifikation.
Zusätzlich muss die Anleihe zumindest nominell eine unbegrenzte Laufzeit aufweisen. Unerheb-
lich ist dabei, ob seitens des Emittenten ein ökonomischer Zwang besteht, Zahlungen zu leisten. 5
In der Praxis besitzen solche Instrumente vielfach eine Festzinsperiode, nach der die Verzinsung
jährlich um einen konstanten Betrag ansteigt. Der wachsenden Zinslast kann der Emittent durch
die Ausübung eines ihm eingeräumten Kündigungsrechts begegnen. Auch wenn die ansteigenden
Kapitalkosten den Emittenten mit einer an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit zur Rück-
zahlung zwingen, ist dies unschädlich für eine Eigenkapitaleinstufung. Insbesondere der deutsche
Mittelstand hat diese innovativen Hybridanleihen in der jüngeren Vergangenheit zur Verbesse-
rung seiner bilanziellen Eigenkapitalquote eingesetzt.
Im Zusammenhang mit der Eigen-/Fremdkapitalabgrenzung hat der Emittent eines Finanzin- 247
struments zusätzlich zu prüfen, ob das Instrument sowohl eine Fremd- als auch eine Eigenkapi-
talkomponente aufweist. Diese Komponenten sind gegebenenfalls zu trennen und als finanzielle
Verbindlichkeiten, finanzielle Vermögenswerte oder Eigenkapitalinstrumente zu klassifizieren.274
Ein Unternehmen hat die Komponenten eines Finanzinstruments, das (a) eine finanzielle Verbind- 248
lichkeit des Unternehmens begründet und (b) dem Inhaber des Instruments eine Option auf dessen
Wandlung in ein Eigenkapitalinstrument des Unternehmens garantiert, getrennt zu erfassen. Wan-
delschuldverschreibungen oder Optionsanleihen sind Beispiele für zusammengesetzte Finanzin-
strumente. Aus Sicht des Unternehmens besteht ein solches Instrument aus zwei Komponenten: einer
finanziellen Verbindlichkeit (einer vertraglichen Vereinbarung zur Rückzahlung des Nominalwerts)
und einem Eigenkapitalinstrument (einer Kaufoption, die dem Inhaber für einen bestimmten Zeit-
raum das Recht auf Wandlung in eine feste Anzahl Aktien des Emittenten garantiert). Die wirtschaft-
lichen Effekte der Emission eines solchen Finanzinstruments stimmen in materieller Hinsicht mit den
Effekten überein, die mit der Emission eines Schuldinstruments mit vorzeitiger Kündigungsmöglich-
keit, das gleichzeitig mit einem Bezugsrecht auf Stammaktien verknüpft ist, oder die mit der Emission
eines Schuldinstruments mit abtrennbaren Optionsscheinen zum Erwerb von Aktien verbunden sind.
Dementsprechend hat ein Unternehmen in allen Fällen dieser Art die Fremd- und die Eigenkapital-
komponenten getrennt in seiner Bilanz auszuweisen.
Zu beachten ist, dass bei solchen zusammengesetzten Finanzinstrumenten das Wandlungs- bzw. 249
Optionsrecht nur dann im Eigenkapital auszuweisen ist, wenn bei Ausübung der Optionen kein
Barausgleich zulässig ist.275 In der Vergangenheit haben sich Emittenten vielfach das Recht einräumen
lassen, bei Ausübung der Optionen anstelle der Lieferung von Aktien das Baräquivalent an die Inve-
storen zu zahlen. Dies räumt dem Emittenten je nach Liquiditätssituation und unter Kapitalstruktur-
überlegungen Flexibilität bei der Bedienung der Instrumente ein, ohne dass dem Investor daraus ein
signifikanter Nachteil entsteht.276 Die IFRS-Bilanzierung schreibt bei Instrumenten mit Barausgleich,

274 Vgl. IAS 32.28.


275 Vgl. IAS 32.26.
276 In der Praxis können Kapitalmarktfriktionen (z.B. steuerliche Aspekte) die Preisbildung geringfügig beeinflussen.
Nikolaus Starbatty 177
5 § 5 Ausgewählte Abschlussposten

unabhängig davon, wer über die Abwicklungsmodalitäten entscheidet, einen Ausweis im Fremdka-
pital vor. Die Optionen werden als Derivate klassifiziert und sind zu jedem Bilanzstichtag mit Ihrem
beizulegenden Zeitwert anzusetzen. Um die hieraus resultierende GuV-Volatilität zu vermeiden, ha-
ben viele Emittenten beim Übergang auf IFRS öffentlich auf ihr Recht zum Barausgleich verzichtet.
Die Wandlungs-/Optionsrechte sind ab dem Zeitpunkt des Verzichts im Eigenkapital auszuweisen und
werden nicht folgebewertet.

> Beispiel
Das folgende Beispiel veranschaulicht die getrennte Erfassung der Komponenten bei einer Wandelanleihe. Ein Emittent
begibt eine fünf Jahre laufende Wandelanleihe mit einem Nominalwert von 100. Die Anleihe zahlt eine nachschüssigen
5 Kupon in Höhe von 3% und wird zu 100 begeben. Jede Anleihe kann in zwei Aktien gewandelt werden. Der Emittent hat
nicht die Möglichkeit eines Barausgleichs, d.h. dass anstelle der Ausgabe von Aktien ein Barausgleich erfolgt. Im Zeit-
punkt der Wandlung geht die Anleihekomponente unter.277
Die Zinsstrukturkurve sei flach und der risikoadäquate Zinssatz am Markt belaufe sich zu Beginn auf 5%. Der beizule-
gende Zeitwert beläuft sich dann auf:
5
3% 1.000.000 1.000.000
913.419 ¦
t 1 (1  5%) t

(1  5%) 5
Die Anleihekomponente ist als Fremdkapitalinstrument auszuweisen. Der Wert der Wandlungskomponente ergibt sich als
Residuum aus Ausgabepreis der Wandelanleihe und beizulegendem Zeitwert der Anleihekpomponente. Er beläuft sich
auf 86.581 (1.000.000 – 913.419). Die Wandlungskomponente ist im Eigenkapital auszuweisen.

250 Erwirbt ein Unternehmen seine eigenen Eigenkapitalinstrumente zurück, so sind diese Instru-
mente (eigene Anteile) vom Eigenkapital abzuziehen. Der Kauf, Verkauf, die Ausgabe oder Ein-
ziehung von eigenen Eigenkapitalinstrumenten werden nicht erfolgswirksam erfasst. Solche eige-
nen Anteile können vom Unternehmen selbst oder von anderen Konzernunternehmen erworben
und gehalten werden. Alle gezahlten oder erhaltenen Gegenleistungen sind direkt im Eigenkapital
zu erfassen. Wertänderungen, die zwischen einem Ankauf und Verkauf, entstanden sind, werden
erfolgsneutral erfasst.

3. Saldierung von finanziellen Vermögenswerten und


finanziellen Verbindlichkeiten
251 Die Saldierung von finanziellen Vermögenswerten und Verbindlichkeiten und die Angabe der
Nettobeträge in der Bilanz hat zu erfolgen, wenn ein Unternehmen:
a) zum gegenwärtigen Zeitpunkt einen Rechtsanspruch hat, die erfassten Beträge miteinander zu
verrechnen; und
b) beabsichtigt, entweder den Ausgleich auf Nettobasis herbeizuführen, oder gleichzeitig mit
der Verwertung des betreffenden Vermögenswertes die dazugehörige Verbindlichkeit abzu-
lösen.278
252 IAS 32 schreibt die Darstellung von finanziellen Vermögenswerten und finanziellen Verbindlich-
keiten auf Nettobasis vor, wenn dadurch die erwarteten künftigen Cashflows eines Unterneh-
277 Die Anleihe kann nur im Zeitpunkt der Fälligkeit, d.h. nach fünf Jahren gewandelt werden.
278 Vgl. IAS 32.42.
178 Nikolaus Starbatty
F. Finanzinstrumente und Sicherungsbeziehungen 5

mens aus dem Ausgleich von zwei oder mehreren verschiedenen Finanzinstrumenten abgebildet
werden. Wenn ein Unternehmen das Recht hat, einen einzelnen Nettobetrag zu erhalten bzw.
zu zahlen, und dies auch zu tun beabsichtigt, hat es tatsächlich nur einen einzigen finanziellen
Vermögenswert bzw. nur eine einzige finanzielle Verbindlichkeit. In anderen Fällen werden die
finanziellen Vermögenswerte und finanziellen Verbindlichkeiten entsprechend ihrer Eigenschaft
als Ressource oder Verpflichtung des Unternehmens voneinander getrennt dargestellt.
Unterhält ein Unternehmen z.B. verschiedene Konten bei einer Bank, die positive und negative 253
Salden aufweisen, ist eine Saldierung dann angemessen, wenn zum gegenwärtigen Zeitpunkt ein
Rechtsanspruch zur Aufrechnung besteht. Entscheidend ist, dass dieses Recht nicht nur im Zeit-
punkt der Fälligkeit besteht, sondern jederzeit durchsetzbar ist.
5
III. Ansatz und Bewertung von Finanzinstrumenten

1. Bewertungskategorien
IAS 39 untergliedert Finanzinstrumente in: 254
■ Derivate;
■ erfolgswirksam zum beizulegenden Zeitwert bewertete finanzielle Vermögenswerte bzw. fi-
nanzielle Verbindlichkeiten;
■ bis zur Endfälligkeit gehaltene Finanzinvestitionen;
■ Kredite und Forderungen sowie
■ zur Veräußerung verfügbare finanzielle Vermögenswerte.
Ein Derivat ist ein Finanzinstrument, das alle der drei nachstehenden Merkmale aufweist:279 255
■ sein Wert verändert sich infolge einer Änderung eines bestimmten Zinssatzes, Preises eines
Finanzinstruments, Rohstoffpreises, Wechselkurses, Preis- oder Zinsindexes, Bonitätsratings
oder Kreditindexes oder einer ähnlichen Variablen (auch „Basis“ genannt),
■ es erfordert keine Anschaffungsauszahlung oder eine, die im Vergleich zu anderen Vertrags-
formen, von denen zu erwarten ist, dass sie in ähnlicher Weise auf Änderungen der Marktbe-
dingungen reagieren, geringer ist und
■ es wird zu einem späteren Zeitpunkt beglichen.
Derivate sind demzufolge z.B. Währungstermingeschäfte, Zinsswaps oder Aktientermingeschäf- 256
te. Der Wert der Instrumente ändert sich in Abhängigkeit eines Wechselkurses, Zinssatzes bzw.
Preises eines Finanzinstruments. Zudem erfordern die Instrumente keine oder eine geringe An-
schaffungsauszahlung und sie werden zu einem späteren Zeitpunkt beglichen. So entrichtet bei-
spielsweise bei einem Aktientermingeschäft der Inhaber den Ausübungspreis erst bei Fälligkeit
des Instruments.
Ein erfolgswirksam zum beizulegenden Zeitwert bewerteter finanzieller Vermögenswert bzw. 257
eine finanzielle Verbindlichkeit ist ein finanzieller Vermögenswert bzw. eine finanzielle Verbind-
lichkeit, der/die eine der beiden folgenden Bedingungen erfüllt:

279 Vgl. IAS 39.9. Bestimmte Kontrakte, die keine Finanzinstrumente sind, sind ebenfalls Derivate unter IAS 39 darzustel-
len (z.B. bestimmte Terminkäufe von Rohwaren).
Nikolaus Starbatty 179
5 § 5 Ausgewählte Abschlussposten

■ er ist als zu Handelszwecken gehalten eingestuft. Eine Einstufung zu Handelszwecken ist sach-
gerecht, wenn die Finanzinstrumente hauptsächlich mit der Absicht erworben oder eingegan-
gen wurden, um sie kurzfristig zu verkaufen oder zurückzukaufen.
■ beim erstmaligen Ansatz wird er vom Unternehmen als erfolgswirksam zum beizulegenden
Zeitwert zu bewerten eingestuft. Eine solche Einstufung ist nur unter sehr restriktiven Vor-
aussetzungen zulässig. Entscheidend ist, dass die Einstufung eine ansonsten bestehende GuV-
Volatilität verringert, die ausschließlich durch Bilanzierungsnormen bedingt ist.
258 Bis zur Endfälligkeit gehaltene Finanzinvestitionen sind finanzielle Vermögenswerte mit fe-
sten oder bestimmbaren Zahlungen sowie einer festen Laufzeit, die das Unternehmen bis zur
Endfälligkeit halten will. Ein Unternehmen darf keine finanziellen Vermögenswerte als bis
5 zur Endfälligkeit gehaltene Finanzinvestitionen einstufen, wenn es im laufenden oder wäh-
rend der vorangegangenen zwei Geschäftsjahre mehr als einen unwesentlichen Teil der bis zur
Endfälligkeit gehaltenen Finanzinvestitionen vor Endfälligkeit verkauft oder umgegliedert hat.
Ein Schuldinstrument mit variabler Verzinsung kann die Kriterien für eine bis zur Endfälligkeit
gehaltene Finanzinvestition erfüllen. Eigenkapitalinstrumente können dagegen keine bis zur End-
fälligkeit gehaltenen Finanzinvestitionen sein, da sie entweder eine unbegrenzte Laufzeit haben
(wie beispielsweise Stammaktien) oder weil die Beträge, die der Inhaber empfangen kann, in nicht
vorherbestimmbarer Weise schwanken können (wie bei Aktienoptionen, Optionsscheinen und
ähnlichen Rechten). Zu beachten sind die mit dieser Kategorie verbundenen Restriktionen, die
den vorzeitigen Verkauf stark erschweren. Diese eingeschränkte Flexibilität ist der Hauptgrund,
dass Industrieunternehmen diese Kategorie praktisch nicht verwenden.
259 Kredite und Forderungen sind nicht derivative finanzielle Vermögenswerte mit festen oder be-
stimmbaren Zahlungen, die nicht in einem aktiven Markt notiert sind. In diese Kategorie werden
i.d.R. alle Forderungen aus Lieferungen und Leistungen sowie der überwiegende Anteil der finan-
ziellen Verbindlichkeiten eingestuft.
260 Zur Veräußerung verfügbare finanzielle Vermögenswerte sind jene nicht derivativen finanziel-
len Vermögenswerte, die nicht als (a) Kredite und Forderungen, (b) bis zur Endfälligkeit gehaltene
Investitionen oder (c) finanzielle Vermögenswerte, die erfolgswirksam zum beizulegenden Zeit-
wert bewertet werden, eingestuft sind. Auch wenn die zur Veräußerung verfügbaren Wertpapiere
streng genommen eine Auffangkategorie darstellen, stufen Industrieunternehmen ihre Wertpa-
piere überwiegend in diese Kategorie ein.
261 Ein eingebettetes Derivat ist Bestandteil eines strukturierten (zusammengesetzten) Finanzin-
struments, das auch einen nicht derivativen Basisvertrag enthält, mit dem Ergebnis, dass ein Teil
der Cashflows des zusammengesetzten Finanzinstruments ähnlichen Schwankungen ausgesetzt
ist wie ein freistehendes Derivat.280 Ein eingebettetes Derivat ist von dem Basisvertrag zu trennen und
separat als Derivat zu bilanzieren, wenn:
■ die wirtschaftlichen Merkmale und Risiken des eingebetteten Derivats nicht eng mit den wirt-
schaftlichen Merkmalen und Risiken des Basisvertrags verbunden sind;
■ ein eigenständiges Instrument mit den gleichen Bedingungen wie das eingebettete Derivat die
Definition eines Derivats erfüllen würde und
■ das strukturierte (zusammengesetzte) Finanzinstrument nicht zum beizulegenden Zeitwert
bewertet wird, dessen Änderungen erfolgswirksam erfasst werden.

280 Vgl. IAS 39.10ff.


180 Nikolaus Starbatty
F. Finanzinstrumente und Sicherungsbeziehungen 5

Hintergrund für die Herauslösungspflicht der Derivate ist, dass Unternehmen die Ansatz- und 262
Bewertungsvorschriften für Derivate nicht dadurch umgehen können, dass sie ein Derivat in ein
nicht derivatives Finanzinstrument oder einen anderen Vertrag, beispielsweise einen Rohstoff-
Terminkauf in ein Schuldinstrument, einbetten. Um eine einheitliche Bilanzierung aller Deriva-
te zu gewährleisten, sind alle Derivate, die in nicht erfolgswirksam zum beizulegenden Zeitwert
bewerteten Finanzinstrumenten eingebettet sind, als eigenständige Derivate zu bilanzieren. Aus
praktischen Gründen sieht IAS 39 jedoch vor, dass ein eingebettetes Derivat nicht getrennt zu
werden braucht, wenn es als eng mit dem Basisvertrag verbunden gilt. Wenn das eingebettete
Derivat eine enge wirtschaftliche Beziehung zum Basisvertrag aufweist, wie beispielsweise eine
eingebettete Ober- oder Untergrenze auf den Zinssatz eines Kredits, ist es weniger wahrschein-
lich, dass das Derivat mit dem Ziel ein gewünschtes Bilanzierungsergebnis zu erzielen eingebettet 5
wurde.
Beispiele für trennungspflichtige Derivate sind Aktienanleihen, deren Wertentwicklung zum Teil 263
von Entwicklungen eines Aktienkurses oder Indexes abhängt. Diese Instrumente lassen sich in
eine Anleihekomponente und ein Aktientermingeschäft zerlegen. Eingebettete Derivate können
aber auch in bestimmten Fremdwährungsverträgen zum Kauf/Verkauf von Erzeugnissen enthal-
ten sein. Das hat zur Konsequenz, dass auch Unternehmen, die nicht direkt in komplexen Finanz-
produkten engagiert sind, bilanzierungspflichtige eingebettete Derivate ausweisen können.
Umklassifizierungen von Finanzinstrumenten sind in bestimmten restriktiven Fällen möglich, 264
sind aber in der Praxis sehr selten zu beobachten. In der Regel wirft dies die Frage auf, ob das
Unternehmen seine ursprünglichen Absichten nicht durchhalten kann oder gezielt Bilanzpolitik
betreiben möchte.

2. Ansatz und Ausbuchung von Finanzinstrumenten


Ein finanzieller Vermögenswert oder eine finanzielle Verbindlichkeit wird erstmalig in der Bilanz 265
angesetzt, wenn das Unternehmen Vertragspartei der Regelungen des Finanzinstruments wird.281
Die Regelungen für die Ausbuchung von Finanzinstrumenten unter IAS 39 sind komplex.282 Ein 266
Unternehmen hat einen finanziellen Vermögenswert auszubuchen, wenn:
■ die vertraglichen Rechte auf Cashflows aus einem finanziellen Vermögenswert auslaufen;
oder
■ es den finanziellen Vermögenswert wirksam überträgt und die wesentlichen Chancen und
Risiken übertragen werden.
Eine wirksame Übertragung liegt vor, wenn entweder 267
■ die vertraglichen Rechte auf den Bezug von Cashflows aus dem finanziellen Vermögenswert
übertragen wurden; oder
■ die vertraglichen Rechte auf den Bezug von Cashflows aus finanziellen Vermögenswerten zu-
rückbehalten wurden, jedoch eine vertragliche Verpflichtung zur Zahlung der Cashflows an
einen oder mehrere Empfänger besteht.
Insbesondere die Einschätzung, in welchen Fällen eine Übertragung der wesentlichen Chancen 268
und Risiken stattgefunden hat, eröffnet Ermessensspielraum. Entsprechend versuchen Unter-
nehmen mitunter, durch gezielte Sachverhaltsgestaltung eine Ausbuchung zu erreichen.

281 Vgl. IAS 39.14.


282 Vgl. IAS 39.15ff.
Nikolaus Starbatty 181
5 § 5 Ausgewählte Abschlussposten

269 Wenn ein Unternehmen einen finanziellen Vermögenswert im Rahmen einer Übertragung, die
die Bedingungen für eine vollständige Ausbuchung erfüllt, überträgt und sich das Recht behält,
diesen finanziellen Vermögenswert gegen eine Gebühr zu verwalten, hat es für diesen Verwal-
tungs-/Abwicklungsvertrag entweder einen Vermögenswert oder eine Verbindlichkeit zu erfas-
sen. Wenn die zu erhaltenden Gebühren voraussichtlich keine angemessene Vergütung für die
Verwaltung bzw. Abwicklung durch das Unternehmen darstellen, ist eine Verbindlichkeit für die
Verwaltungs- bzw. Abwicklungsverpflichtung zu erfassen. Wenn die zu erhaltenden Gebühren für
die Verwaltung bzw. Abwicklung die angemessene Kompensierung voraussichtlich übersteigen,
ist ein Vermögenswert aus dem Verwaltungsrecht zu erfassen.
270 Wird infolge einer Übertragung ein finanzieller Vermögenswert vollständig ausgebucht und das
5 Unternehmen erhält im Gegenzug einen neuen finanziellen Vermögenswert bzw. eine neue fi-
nanzielle Verbindlichkeit, hat das Unternehmen den neuen finanziellen Vermögenswert oder die
neue finanzielle Verbindlichkeit zum beizulegenden Zeitwert zu erfassen.
271 Ein Unternehmen hat eine finanzielle Verbindlichkeit auszubuchen, wenn diese getilgt ist – d.h.
wenn die im Vertrag genannten Verpflichtungen beglichen oder aufgehoben sind.
272 Ein Austausch von Schuldinstrumenten mit substanziell verschiedenen Vertragsbedingungen
zwischen einem bestehenden Kreditnehmer und einem Kreditgeber ist wie eine Tilgung der
ursprünglichen finanziellen Verbindlichkeit und der Ansatz einer neuen finanziellen Verbind-
lichkeit zu behandeln. In gleicher Weise ist eine wesentliche Änderung der Vertragsbedingungen
einer vorhandenen finanziellen Verbindlichkeit wie eine Tilgung der ursprünglichen finanziellen
Verbindlichkeit und der Ansatz einer neuen finanziellen Verbindlichkeit zu behandeln.
273 Die Differenz zwischen dem Buchwert einer getilgten oder einer übertragenen finanziellen Ver-
bindlichkeit und der gezahlten Gegenleistung, einschließlich übertragener nicht zahlungswirksa-
mer Vermögenswerte oder übernommener Verbindlichkeiten, ist ergebniswirksam zu erfassen.

3. Bewertung von Finanzinstrumenten


274 Bei dem erstmaligen Ansatz eines finanziellen Vermögenswertes oder einer finanziellen Verbind-
lichkeit hat ein Unternehmen diese zu ihrem beizulegenden Zeitwert zu bewerten.283
275 Zum Zwecke der Folgebewertung eines finanziellen Vermögenswertes stuft IAS 39 finanzielle Ver-
mögenswerte in die folgenden Kategorien ein:
■ finanzielle Vermögenswerte, die erfolgswirksam zum beizulegenden Zeitwert bewertet werden;
■ bis zur Endfälligkeit gehaltene Finanzinvestitionen;
■ Kredite und Forderungen; und
■ zur Veräußerung verfügbare finanzielle Vermögenswerte.
276 Diese Kategorien sind für die Folgebewertung und die ertragswirksame Erfassung von Änderun-
gen des beizulegenden Zeitwertes maßgeblich.284
277 Mit Ausnahme der nachfolgend genannten sind finanzielle Vermögenswerte, einschließlich de-
rivativer Finanzinstrumente mit positivem Marktwert, nach dem erstmaligen Ansatz mit ihrem
beizulegenden Zeitwert zu bewerten:
■ Kredite und Forderungen, die zu fortgeführten Anschaffungskosten unter Anwendung der
Effektivzinsmethode bewertet werden;
283 Vgl. IAS 39.43.
284 Vgl. IAS 39.45.
182 Nikolaus Starbatty
F. Finanzinstrumente und Sicherungsbeziehungen 5

■ bis zur Endfälligkeit gehaltene Finanzinvestitionen, die zu fortgeführten Anschaffungskosten


unter Anwendung der Effektivzinsmethode bewertet werden; und
■ Finanzinvestitionen in Eigenkapitalinstrumente, für die kein auf einem aktiven Markt notier-
ter Preis vorliegt und deren beizulegender Zeitwert nicht verlässlich ermittelt werden kann;
diese sind mit den Anschaffungskosten zu bewerten.
Alle finanziellen Vermögenswerte außer denen, die erfolgswirksam zum beizulegenden Zeitwert 278
bewertet werden, sind auf Wertminderung zu überprüfen.285
Als fortgeführte Anschaffungskosten eines finanziellen Vermögenswertes oder einer finanziel- 279
len Verbindlichkeit wird der Betrag bezeichnet, mit dem ein finanzieller Vermögenswert oder
eine finanzielle Verbindlichkeit beim erstmaligen Ansatz bewertet wurde, abzüglich Tilgungen,
zuzüglich oder abzüglich der kumulierten Amortisation einer etwaigen Differenz zwischen dem 5
ursprünglichen Betrag und dem bei Endfälligkeit rückzahlbaren Betrag unter Anwendung der
Effektivzinsmethode. Erforderliche Wertminderungen sind ebenfalls gegen die fortgeführten An-
schaffungskosten anzusetzen.
Die Effektivzinsmethode ist eine Methode zur Berechnung der fortgeführten Anschaffungsko- 280
sten eines finanziellen Vermögenswertes oder einer finanziellen Verbindlichkeit und der Allokati-
on von Zinserträgen und Zinsaufwendungen auf die jeweiligen Perioden. Der Effektivzinssatz ist
derjenige Kalkulationszinssatz, mit dem die geschätzten künftigen Ein- und Auszahlungen über
die erwartete Laufzeit des Finanzinstruments exakt auf den Nettobuchwert des finanziellen Ver-
mögenswertes oder der finanziellen Verbindlichkeit abgezinst werden.

> Beispiel
Das folgende Beispiel veranschaulicht die Effektivzinsmethode anhand einer finanziellen Verbindlichkeit. 281
Unternehmen A nimmt einen Kredit über € 1.000.000 (Nominalbetrag) mit einer Laufzeit von fünf Jahren auf. Der ef-
fektive Ausgabebetrag betrage € 913.419. Das Unternehmen zahlt jährlich nachschüssig Zinsen in Höhe von 3% auf den
Ausgabebetrag (Kuponzahlung). Daraus errechnet sich ein Effektivzins von 5%:
5
3% ˜ 1.000.000 1.000.000
913.419 ¦ 1  5%
t -1
t

1  5% 5

Bei der Effektivzinsmethode wird die Differenz zwischen Ausgabebetrag und Nominalbetrag nicht linear über die Laufzeit
des Instruments aufgelöst, sondern so, dass die relative Verzinsung in jeder Periode dem Effektivzins entspricht. In der
ersten Periode leistet das Unternehmen die Kuponzahlung (€ 30.000) und zusätzlich zinst sich der Ausgabebetrag von €
913.410 um € 15.671 auf € 929.081 auf.
5% • 913.410 – 3% • 1.000.000 = 15.671
Fasst man die zahlungswirksame Zinszahlung (€ 30.000) und die zahlungsunwirksame Aufzinsung (€ 15.671) zusammen,
ergibt sich bezogen auf den zu Beginn der Periode erhaltenen Ausgabebetrag (€ 913.410) eine Verzinsung des Kapitals
in Höhe des effektiven Zinsaufwands in Höhe von 5%. In den nachfolgenden Perioden bleibt die jährliche Kuponzahlung
konstant, allerdings erhöht sich die zahlungsunwirksame Aufzinsung. Dies ergibt sich daraus, dass sich das jeweils zu
Beginn der Periode in dem Kredit gebundene Kapital jeweils um die Aufzinsung der vorangegangenen Periode erhöht.
Entsprechend erhöht sich bei einer effektiven Verzinsung von konstant 5% die absolute Zinslast im Zeitablauf. Die nachfol-
gende Tabelle gibt den Verlauf wider.

285 Vgl. IAS 39.46.


Nikolaus Starbatty 183
5 § 5 Ausgewählte Abschlussposten

Periode Buchwert Aufzinsung Kuponzahlung effektiver effektiver


Zinsaufwand Zinsaufwand in %
€ € € € €
0 913.410
1 929.081 15.671 30.000 45.671 5,00
2 945.535 16.454 30.000 45.454 5,00
3 962.812 17.277 30.000 47.277 5,00
4 980.952 18.141 30.000 48.141 5,00
5 5 1.000.000 19.048 30.000 49.048 5,00

282 Der beizulegende Zeitwert ist der Betrag, zu dem zwischen sachverständigen, vertragswilligen
und voneinander unabhängigen Geschäftspartnern unter marktüblichen Bedingungen ein Ver-
mögenswert getauscht oder eine Schuld beglichen werden könnte.286 Der beste Anhaltspunkt für
den beizulegenden Zeitwert sind notierte Preise an einem aktiven Markt.287 Wenn der Markt für
ein Finanzinstrument nicht aktiv ist, wird der beizulegende Zeitwert mithilfe eines Bewertungs-
verfahrens ermittelt.288 Ziel der Anwendung eines Bewertungsverfahrens ist es, den Transaktions-
preis festzustellen, der sich am Bewertungsstichtag zwischen unabhängigen Vertragspartnern bei
Vorliegen normaler Geschäftsbedingungen ergeben hätte. Zu den Bewertungsverfahren gehören
der Rückgriff auf unlängst aufgetretene Geschäftsvorfälle zwischen sachverständigen, vertrags-
willigen und unabhängigen Geschäftspartnern – sofern verfügbar —, der Vergleich mit dem ak-
tuellen beizulegenden Zeitwert eines anderen, im Wesentlichen identischen Finanzinstruments,
Unternehmensbewertungsverfahren sowie Optionspreismodelle. Das gewählte Bewertungsver-
fahren verwendet im größtmöglichen Umfang Marktdaten und beruht so wenig wie möglich auf
unternehmensspezifischen Daten.289 Ein Unternehmen justiert das Bewertungsverfahren regel-
mäßig und prüft seine Validität, indem es Preise von gegenwärtig zu beobachtenden aktuellen
Markttransaktionen für dasselbe Instrument (d.h. ohne Änderung oder Umgestaltung) oder Prei-
se, die auf verfügbaren, beobachtbaren Marktdaten beruhen, verwendet.
283 Beispiele für nicht an aktiven Märkten gehandelte Finanzinstrumente sind Beteiligungen an Un-
ternehmen, die nicht börsennotiert sind (z.B. GmbH-Anteile). Das gleiche trifft auf nicht stan-
dardisierte Termingeschäfte, so genannte OTC-Derivate, zu. Die Anwendung von Bewertungs-
verfahren stellt für die Unternehmen aufgrund der Komplexität und des Kostenaufwands eine
große Herausforderung dar. Neben der Kenntnis der Techniken verlangt die Anwendung solcher
Verfahren einen Einblick in den Markt des zu bewertenden Instruments. So sind bei einer Un-
ternehmensbewertung die zukünftigen Zahlungsströme und das Geschäftsrisiko zu bestimmen.
Zusätzlich hat das Unternehmen die Bewertungsmethode periodisch neu auszurichten und die
Validität zu prüfen, indem es Preise von beobachtbaren aktuellen Markttransaktionen oder Prei-
se, die auf verfügbaren, beobachtbaren Marktdaten beruhen, verwendet. Die Marktdaten sind
stetig von demselben Markt abzufragen, an dem das Finanzinstrument aufgelegt oder erworben
wurde. Bewertungstechniken führen je nach Wahl der Bewertungsparameter zu einer Vielzahl
konkurrierender beizulegender Werte und können die Verlässlichkeit der Wertfindung in Frage
stellen. Hinzu kommt, dass die Wertfindungen auch bei größtmöglicher Objektivierung nicht

286 Vgl. IAS 32.11.


287 Vgl. IAS 39.48A.
288 Vgl. IAS 39.AG74.
289 Vgl. IAS 39.AG76.
184 Nikolaus Starbatty
F. Finanzinstrumente und Sicherungsbeziehungen 5

frei von persönlichen Einschätzungen der Bewerter sind. Hier ist Sorge zu tragen, dass sich kein
Konflikt mit der im Framework verlangten Neutralität ergibt.290
Nach IAS 39 lässt sich der beizulegende Zeitwert von Eigenkapitalinstrumenten, die nicht in 284
einem aktiven Markt notiert sind, verlässlich bestimmen, wenn (a) die Schwankungsbreite der
Schätzungen des beizulegenden Zeitwertes für dieses Instrument nicht signifikant ist oder (b)
die Eintrittswahrscheinlichkeiten der verschiedenen Schätzungen innerhalb dieser Bandbreite
auf angemessene Weise beurteilt und bei der Schätzung des beizulegenden Zeitwertes verwen-
det werden können.291 Bemerkenswert ist, dass IAS 39 zahlreiche Situationen unterstellt, in denen
die Schwankungsbreite der Schätzungen des beizulegenden Zeitwertes von Finanzinvestitionen, die
über keinen notierten Marktpreis verfügen, voraussichtlich nicht signifikant ist. Wenn jedoch die
Schwankungsbreite der vernünftigen Schätzungen des beizulegenden Zeitwertes signifikant ist und 5
die Eintrittswahrscheinlichkeiten der verschiedenen Schätzungen nicht auf angemessene Weise be-
urteilt werden können, ist eine Bewertung des Finanzinstruments mit dem beizulegenden Zeitwert
ausgeschlossen.292
In der Praxis berufen sich viele Unternehmen beim Ansatz nicht börsennotierter Eigenkapitalin- 285
strumente dennoch darauf, dass die Verwendung von Bewertungsverfahren zu keinen verlässlichen
Ergebnissen führt. Dies zu widerlegen wird nur in Ausnahmefällen gelingen.
Nach dem erstmaligen Ansatz hat ein Unternehmen alle finanziellen Verbindlichkeiten mit den 286
fortgeführten Anschaffungskosten unter Anwendung der Effektivzinsmethode zu bewerten, mit
Ausnahme von finanziellen Verbindlichkeiten, die erfolgswirksam zum beizulegenden Zeitwert
bewertet werden.

4. Gewinne und Verluste


Ein Gewinn oder Verlust aus einer Änderung des beizulegenden Zeitwertes eines finanziellen 287
Vermögenswertes oder einer finanziellen Verbindlichkeit ist wie folgt zu erfassen:
a) Ein Gewinn oder Verlust aus einem finanziellen Vermögenswert bzw. einer finanziellen Ver-
bindlichkeit, der/die erfolgswirksam zum beizulegenden Zeitwert bewertet wird, ist im Perio-
denergebnis zu erfassen.
b) Ein Gewinn oder Verlust aus einem zur Veräußerung verfügbaren finanziellen Vermögens-
wert ist direkt (erfolgsneutral) im Eigenkapital zu erfassen, mit Ausnahme von Wertberichti-
gungen und von Gewinnen und Verlusten aus der Währungsumrechnung, bis der finanzielle
Vermögenswert ausgebucht wird. Zu diesem Zeitpunkt ist der zuvor im Eigenkapital erfasste
kumulierte Gewinn oder Verlust im Periodenergebnis zu erfassen. Die mittels der Effektiv-
zinsmethode berechneten Zinsen sind dagegen in der Gewinn- und Verlustrechnung zu erfas-
sen. Dividenden sind mit der Entstehung des Rechtsanspruches als Gewinne oder Verluste zu
erfassen.293

290 Vgl. Framework 36.


291 Vgl. IAS 39 AG 80.
292 Vgl. IAS 39.AG81.
293 Vgl. IAS 39.55.
Nikolaus Starbatty 185
5 § 5 Ausgewählte Abschlussposten

> Beispiel
Die Vorgehensweise wird anhand des vorangegangenen Beispiels veranschaulicht. Der einzige Unterschied besteht darin,
dass Unternehmen A jedoch kein Geld aufnimmt, sondern liquide Mittel (€ 913.410) in den Kauf von börsennotierten
Anleihen investiert. Die Wertpapiere seien alternativ als
a) finanzieller Vermögenswert, der erfolgswirksam zum beizulegenden Zeitwert bewertet wird,
b) zur Veräußerung verfügbarer finanzieller Vermögenswert, oder
c) bis zur Endfälligkeit gehaltene Finanzinvestitionen
eingestuft.
Die Zinsstrukturkurve sei flach und der risikoadäquate Zinssatz am Markt belaufe sich zu Beginn auf 5% und sinke am
5 Ende der ersten Periode (nach einem Jahr) auf 4%. Anschließend verharre er auf diesem Niveau bis zur Fälligkeit der
Anleihe nach fünf Jahren. Im Zeitpunkt des Kaufs der Wertpapiere werden diese unabhängig von der Kategorisierung mit
ihren Anschaffungskosten (€ 913.410) in der Bilanz angesetzt. Am Ende des ersten Jahres beläuft sich der Marktwert auf
€ 963.701.
4
3% ˜ 1.000.000 1.000.000
963.701 ¦ 1  4%
t -1
t

1  4% 4
Der Anstieg ist auf (1) das gefallene Zinsniveau und (2) die um ein Jahr verkürzte Restlaufzeit der Anleihe zurückzuführen.
Der letztere Effekt ist auf die Konvergenz zum Rückzahlungspreis/Nominalbetrag zurückzuführen. Im Folgenden werden
jeweils das Ergebnis der ersten Periode und der Bilanzausweis am Periodenende dargestellt.
Bei einer Einstufung als finanzielle Vermögenswerte, die erfolgswirksam zum beizulegenden Zeitwert bewertet werden,
werden die Wertpapiere zum beizulegenden Zeitwert in der Bilanz angesetzt und alle Gewinne oder Verluste im Peri-
odenergebnis erfasst. Entsprechend beläuft sich der Periodengewinn auf € 50.291 und die Wertpapiere werden in der
Bilanz mit € 963.701 ausgewiesen.
Werden die Anleihen alternativ als zur Veräußerung verfügbare finanzielle Vermögenswerte klassifiziert, erfolgt der
Bilanzausweis ebenfalls zum beizulegenden Zeitwert. Die Änderung des beizulegenden Zeitwertes wird jedoch bis auf
die mittels der Effektivzinsmethode berechneten Zinsen direkt im Eigenkapital ausgewiesen. Die Änderung des beizule-
genden Zeitwertes ist zu diesem Zweck in einen Zinseffekt und einen Bewertungseffekt zu zerlegen. Ersterer gibt die rest-
laufzeitbedingte Konvergenz zum Nominalbetrag wieder (AC) und letzterer ist durch das gesunkene Zinsniveau verursacht
(FV). Die restlaufzeitbedingte Konvergenz ermittelt sich durch Ermittlung der theoretischen Kursentwicklung bei kon-
stantem Zinsniveau und lässt sich aus der Effektivzinstabelle (Tabelle 1) entnehmen. Die Differenz aus dem resultierenden
Wert (€ 929.081) und dem Wert zu Periodenbeginn (€ 913.410) bildet den mittels Effektivzinsmethode berechneten
Zins (€ 15.671) ab und ist im Periodenergebnis auszuweisen. Die verbleibende Änderung des beizulegenden Zeitwertes
(€ 34.620) ist erfolgsneutral im Eigenkapital auszuweisen. Die nachfolgende Abbildung illustriert die Vorgehensweise.

186 Nikolaus Starbatty


F. Finanzinstrumente und Sicherungsbeziehungen 5

1.000.000

Eigenkapital
950.000

AC (effektiv)
Delta AC ĺ GuV FV (i = 4%)

900.000

5
850.000
0 1 2 3 4 5

Als dritte Möglichkeit können die Wertpapiere im Zeitpunkt des erstmaligen Ansatzes als bis zur Endfälligkeit gehal-
tene Finanzinvestitionen eingestuft werden. In diesem Fall werden die Anleihen in der Bilanz mit ihren fortgeführten
Anschaffungskosten erfasst. Die fortgeführten Anschaffungskosten sind der Betrag, mit dem die finanziellen Vermögens-
werte beim erstmaligen Ansatz bewertet wurden, zuzüglich oder abzüglich der kumulierten Amortisation einer etwaigen
Differenz zwischen dem ursprünglichen Betrag und dem bei Endfälligkeit rückzahlbaren Betrag unter Anwendung der
Effektivzinsmethode. Änderungen der fortgeführten Anschaffungskosten sind im Periodenergebnis auszuweisen. Ent-
sprechend sind die Wertpapiere am Ende der ersten Periode mit € 929.081 in der Bilanz auszuweisen und das Periodener-
gebnis beträgt € 15.671.

5. Wertminderung und Uneinbringlichkeit


von finanziellen Vermögenswerten
Ein Unternehmen hat an jedem Bilanzstichtag zu ermitteln, ob objektive Hinweise darauf schlie- 288
ßen lassen, dass eine Wertminderung eines finanziellen Vermögenswertes oder einer Gruppe von
finanziellen Vermögenswerten vorliegt.294
Ein finanzieller Vermögenswert oder eine Gruppe von finanziellen Vermögenswerten ist nur dann 289
wertgemindert, wenn infolge eines oder mehrerer Ereignisse, die nach dem erstmaligen Ansatz
des Vermögenswertes eintraten (ein „Schadensfall“), ein objektiver Hinweis auf eine Wertminde-
rung vorliegt und dieser Schadensfall (oder -fälle) eine Auswirkung auf die erwarteten künftigen
Cashflows des finanziellen Vermögenswertes oder der Gruppe der finanziellen Vermögenswerte
hat, die sich verlässlich schätzen lässt. Es kann sein, dass es nicht möglich ist, ein einzelnes Ereignis
als Grund für die Wertminderung zu identifizieren. Verluste aus künftig erwarteten Ereignissen,
werden ungeachtet ihrer Eintrittswahrscheinlichkeit nicht erfasst. Objektive Hinweise auf eine
Wertminderung eines finanziellen Vermögenswertes oder einer Gruppe von Vermögenswerten
können sein:
■ erhebliche finanzielle Schwierigkeiten des Emittenten oder des Schuldners;
■ ein Vertragsbruch wie beispielsweise ein Ausfall oder Verzug von Zins- oder Tilgungszahlun-
gen;
294 Vgl. IAS 39.58ff.
Nikolaus Starbatty 187
5 § 5 Ausgewählte Abschlussposten

■ Zugeständnisse von Seiten des Kreditgebers an den Kreditnehmer im Zusammenhang mit fi-
nanziellen Schwierigkeiten des Kreditnehmers, die der Kreditgeber ansonsten nicht gewähren
würde;
■ eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass der Kreditnehmer in Insolvenz oder ein sonstiges Sa-
nierungsverfahren geht;
■ das Verschwinden eines aktiven Marktes für diesen finanziellen Vermögenswert infolge finan-
zieller Schwierigkeiten; oder
■ beobachtbare Daten, die auf eine messbare Verringerung der erwarteten künftigen Cashflows
aus einer Gruppe von finanziellen Vermögenswerten seit deren erstmaligem Ansatz hinweisen.
5 290 Hinweise auf Wertminderungen eines gehaltenen Eigenkapitalinstruments schließen Informa-
tionen über signifikante Änderungen mit nachteiligen Folgen ein, die in dem technologischen,
marktbezogenen, wirtschaftlichen oder rechtlichen Umfeld, in welchem der Emittent tätig ist,
eingetreten sind. Eine signifikante oder länger anhaltende Abnahme des beizulegenden Zeitwer-
tes eines gehaltenen Eigenkapitalinstruments unter dessen Anschaffungskosten ist ebenfalls ein
objektiver Hinweis auf eine Wertminderung.
291 In manchen Fällen mögen die beobachtbaren Daten, die für die Schätzung der Höhe der Wert-
berichtigung eines finanziellen Vermögenswertes erforderlich sind, nur begrenzt vorhanden sein.
Dies kann beispielsweise der Fall sein, wenn ein Kreditnehmer in finanziellen Schwierigkeiten ist
und nur wenige historische Daten über vergleichbare Kreditnehmer vorliegen. In diesen Fällen
wird zur Schätzung der Höhe einer Wertberichtigung auf Erfahrungen des Unternehmens zu-
rückgegriffen. Die Verwendung vernünftiger Schätzungen ist bei der Aufstellung von Abschlüssen
unumgänglich und beeinträchtigt deren Verlässlichkeit nicht.295
292 IAS 39 macht keine quantitativen Angaben, in welchen Fällen eine Wertminderung gegeben ist.
Dennoch legen in der Praxis viele Unternehmen quantitative Grenzen fest, um im Zeitablauf eine
konsistente Vorgehensweise bei der Bestimmung von Wertminderungen zu gewährleisten.

IV. Bilanzierung von Sicherungsbeziehungen


293 IAS 39 gewährt unter bestimmten Voraussetzungen die Bildung von Bewertungseinheiten.296
Besteht zwischen einem Sicherungsinstrument und einem Grundgeschäft eine dokumentierte Siche-
rungsbeziehung (Hedge Accounting), so berücksichtigt die Bilanzierung von Sicherungsbeziehungen
den kompensatorischen Effekt von Änderungen des beizulegenden Zeitwertes des Sicherungsinstru-
ments und des Grundgeschäfts in der Gewinn- und Verlustrechnung. Die Anwendung von Hedge
Accounting reduziert die Volatilität der Gewinn- und Verlustrechnung aus unterschiedlichen Ansatz-
und Bewertungsvorschriften für Grund- und Sicherungsgeschäfte

295 Vgl. IAS 39.62.


296 Vgl. IAS 39.71ff.
188 Nikolaus Starbatty
F. Finanzinstrumente und Sicherungsbeziehungen 5

1. Sicherungsinstrumente
Generell können ausschließlich Derivate als Sicherungsinstrumente in einer Sicherungsbezie- 294
hung designiert werden.297 In der Regel existiert für ein Sicherungsinstrument in seiner Gesamtheit
nur ein einziger beizulegender Zeitwert, und die Faktoren, die zu Änderungen des beizulegenden
Zeitwerts führen, bedingen sich gegenseitig. Daher wird eine Sicherungsbeziehung von einem Unter-
nehmen stets für ein Sicherungsinstrument in seiner Gesamtheit designiert. Die einzigen zulässigen
Ausnahmen sind:
■ die Trennung eines Optionskontrakts in inneren Wert und Zeitwert, wobei nur die Änderung
des inneren Wertes einer Option als Sicherungsinstrument bestimmt und die Änderung des
Zeitwertes ausgeklammert wird; sowie 5
■ die Trennung von Zinskomponente und Kassakurs eines Terminkontrakts.
Bspw. kann bei einem Fremdwährungszinsswap nicht alternativ die Fremdwährungs- oder die 295
Zinskomponente als Sicherungsinstrument designiert werden.
Ein Anteil des gesamten Sicherungsinstruments, wie beispielsweise 50% des Nominalvolumens, 296
kann in einer Sicherungsbeziehung als Sicherungsinstrument bestimmt werden. Jedoch kann eine
Sicherungsbeziehung nicht nur für einen Teil der Zeit, über den das Sicherungsinstrument noch
läuft, bestimmt werden.
In der Praxis verwenden Unternehmen häufig Währungstermingeschäfte zur Absicherung ihrer 297
in Fremdwährung denominierten operativen Geschäfte. Ebenfalls verbreitet ist der Einsatz von
Zinsswaps, mit denen Verbindlichkeiten mit fixer Verzinsung in eine variable Verzinsung ge-
tauscht werden und umgekehrt.

2. Grundgeschäfte
Ein Grundgeschäft kann ein bilanzierter Vermögenswert oder eine bilanzierte Verbindlichkeit, 298
eine bilanzunwirksame feste Verpflichtung, eine erwartete oder eine mit hoher Wahrscheinlichkeit
eintretende künftige Transaktion sein.298 Das Grundgeschäft kann auch aus einer Gruppe bestehen.
Ist das Grundgeschäft ein finanzieller Vermögenswert oder eine finanzielle Verbindlichkeit, 299
so kann es ein Grundgeschäft im Hinblick auf Risiken, denen lediglich ein Teil seiner Cashflows
oder seines beizulegenden Zeitwerts ausgesetzt ist, sein. Ein identifizierbarer und gesondert be-
wertbarer Teil des Zinsrisikos eines zinstragenden Vermögenswertes oder einer zinstragenden
Verbindlichkeit kann beispielsweise als ein gesichertes Risiko bestimmt werden (wie z.B. ein risi-
koloser Zinssatz oder ein Benchmarkzinsteil des gesamten Zinsrisikos eines gesicherten Finanz-
instruments).
Handelt es sich bei dem Grundgeschäft nicht um einen finanziellen Vermögenswert oder eine 300
finanzielle Verbindlichkeit, ist es (a) als gegen Währungsrisiken oder (b) insgesamt als gegen alle
Risiken abgesichert zu bestimmen. Hintergrund ist, dass die Isolierung und Bewertung der spezi-
fischen Risiken als schwierig angesehen wird.

297 Zur Absicherung von Fremdwährungsrisiken können ausnahmsweise auch nicht-derivative finanzielle Vermögens-
werte/Verbindlichkeiten als Sicherungsinstrumente designiert werden. In der Praxis wird von dieser Möglichkeit sel-
ten Gebrauch gemacht.
298 Eine Nettoinvestition in einen ausländischen Geschäftsbetrieb qualifiziert sich unter bestimmten Voraussetzungen
ebenfalls als Sicherungsbeziehung. Die Praxisrelevanz dieser Sicherungsart ist allerdings gering.
Nikolaus Starbatty 189
5 § 5 Ausgewählte Abschlussposten

3. Arten von Sicherungsbeziehungen


301 Es gibt im Wesentlichen zwei Arten von Sicherungsbeziehungen:299
■ Absicherung des beizulegenden Zeitwertes (Fair Value Hedge Accounting): Eine Absiche-
rung gegen das Risiko einer Änderung des beizulegenden Zeitwertes eines bilanzierten Ver-
mögenswertes oder einer bilanzierten Verbindlichkeit oder einer bilanzunwirksamen festen
Verpflichtung (bzw. eines genau bezeichneten Teils), das auf ein bestimmtes Risiko zurückzu-
führen ist und Auswirkungen auf das Periodenergebnis haben könnte.
■ Absicherung von Zahlungsströmen (Cash Flow Hedge Accounting): Eine Absicherung ge-

5 gen das Risiko schwankender Zahlungsströme, das (i) ein bestimmtes mit dem bilanzierten
Vermögenswert oder der bilanzierten Verbindlichkeit (wie beispielsweise ein Teil oder alle
künftigen Zinszahlungen einer variabel verzinslichen Schuld) oder dem mit einer erwarteten
und mit hoher Wahrscheinlichkeit eintretenden künftigen Transaktion verbundenes Risiko
zurückzuführen ist und (ii) Auswirkungen auf das Periodenergebnis haben könnte.
302 Eine Sicherungsbeziehung qualifiziert nur dann für die Anwendung von Hedge Accounting, wenn
alle im Folgenden aufgeführten Bedingungen erfüllt sind:
■ Zu Beginn der Absicherung sind sowohl die Sicherungsbeziehung als auch die Risikomanagem-
entzielsetzungen und -strategien des Unternehmens im Hinblick auf die Absicherung formal fest-
zulegen und zu dokumentieren. Diese Dokumentation hat die Festlegung des Sicherungsinstru-
ments, des Grundgeschäfts oder der abgesicherten Transaktion und die Art des abzusichernden
Risikos zu beinhalten sowie eine Beschreibung, wie das Unternehmen die Wirksamkeit des Siche-
rungsinstruments bei der Kompensation der Risiken aus Änderungen des beizulegenden Zeitwer-
tes oder der Cashflows des gesicherten Grundgeschäfts bestimmen wird (Effektivitätstest).
■ Die Absicherung wird als in hohem Maße wirksam eingeschätzt hinsichtlich der Erreichung
einer Kompensation der Risiken aus Änderungen des beizulegenden Zeitwertes oder der Cas-
hflows in Bezug auf das abgesicherte Risiko, in Übereinstimmung mit der ursprünglich doku-
mentierten Risikomanagementstrategie für diese spezielle Sicherungsbeziehung.
■ Bei Absicherungen von Zahlungsströmen muss eine der Absicherung zugrunde liegende er-
wartete künftige Transaktion eine hohe Eintrittswahrscheinlichkeit haben und Risiken im
Hinblick auf Schwankungen der Zahlungsströme ausgesetzt sein, die sich letztlich im Peri-
odenergebnis niederschlagen könnten.
■ Die Wirksamkeit der Sicherungsbeziehung ist verlässlich bestimmbar, d.h. der beizulegende
Zeitwert oder die Cashflows des Grundgeschäfts, die auf das abgesicherte Risiko zurückzu-
führen sind, und der beizulegende Zeitwert des Sicherungsinstruments können verlässlich
bestimmt werden.
■ Die Sicherungsbeziehung wird fortlaufend beurteilt und als tatsächlich hoch wirksam über
die gesamte Berichtsperiode eingeschätzt, für die die Sicherungsbeziehung designiert wurde
(Effektivitätstest)
303 Zu Beginn der Sicherungsbeziehung und in den darauf folgenden Perioden wird die Absicherung
als in hohem Maße wirksam eingeschätzt, wenn die aktuellen Ergebnisse der Sicherungsbezie-
hung innerhalb einer Bandbreite von 80%-125% liegen. Eine solche Einschätzung kann auf ver-

299 Vgl. IAS 39.86. IAS 39 erlaubt auch die Absicherung des beizulegenden Zeitwertes gegen Zinsänderungsrisiken eines
Portfolios finanzieller Vermögenswerte oder finanzieller Verbindlichkeiten. Aufgrund der hohen Komplexität ist die
Praxisrelevanz jedoch äußerst gering.
190 Nikolaus Starbatty
F. Finanzinstrumente und Sicherungsbeziehungen 5

schiedene Weisen nachgewiesen werden, u. a. durch einen Vergleich bisheriger Änderungen des
beizulegenden Zeitwertes oder der Cashflows des Grundgeschäfts, die auf das abgesicherte Risiko
zurückzuführen sind, mit bisherigen Änderungen des beizulegenden Zeitwertes oder der Cash-
flows des Sicherungsinstruments oder durch den Nachweis einer hohen statistischen Korrelation
zwischen dem beizulegenden Zeitwert oder den Cashflows des Grundgeschäfts und denen des
Sicherungsinstruments.
Der Effektivitätstest ist fortlaufend, mindestens aber am Ende eines jeden Berichtszeitraums 304
durchzuführen.
In der Praxis wird die Wirksamkeit von Sicherungsbeziehungen bei der Absicherung von Fremd- 305
währungsrisiken aus dem operativen Geschäft zumeist durch den Vergleich bisheriger Änderun-
gen des beizulegenden Zeitwertes oder der Cashflows des Grundgeschäfts mit bisherigen Ände- 5
rungen des beizulegenden Zeitwertes oder der Cashflows des Sicherungsinstruments verglichen.
Diese Methode – häufig als Dollar-Offset-Methode bezeichnet – hat gegenüber dem Nachweis
einer hohen statistischen Korrelation den Vorteil, dass sie intuitiv nachvollziehbar ist und rela-
tiv einfach implementiert werden kann (siehe auch nachfolgendes Beispiel). Der mit höherem
Umsetzungsaufwand verbundene Nachweis mittels statistischer Korrelationen wird in der Praxis
vielfach bei der Absicherung von Zinsrisiken eingesetzt und ist entsprechend im Finanzsektor
weit verbreitet. Dieser Ansatz bietet den Vorteil, dass eine hohe Wirksamkeit auch dann vor-
liegen kann, wenn zwischenzeitliche Ausreißer bei der Wertänderung des Grund- und/oder Si-
cherungsgeschäfts auftreten. Aufgrund der Vielzahl an verwendeten Datenpunkten ist der Trend
ausschlaggebend für die Wirksamkeit der Sicherungsbeziehung.

4. Absicherung des beizulegenden Zeitwerts


Erfüllt die Absicherung des beizulegenden Zeitwertes im Verlauf der Berichtsperiode die genann- 306
ten Voraussetzungen, so hat die Bilanzierung folgendermaßen zu erfolgen (Fair Value Hedge
Accounting):300
■ der Gewinn oder Verlust aus der erneuten Bewertung des Sicherungsinstruments zum beizu-
legenden Zeitwert ist im Periodenergebnis zu erfassen; und
■ der Buchwert eines Grundgeschäfts ist um den dem abgesicherten Risiko zuzurechnenden Ge-
winn oder Verlust aus dem Grundgeschäft anzupassen und im Periodenergebnis zu erfassen.
Ein Unternehmen hat die Bilanzierung von Sicherungsbeziehungen künftig einzustellen, wenn: 307
■ das Sicherungsinstrument ausläuft oder veräußert, beendet oder ausgeübt wird;
■ das Sicherungsgeschäft nicht mehr die genannten Kriterien für eine Bilanzierung von Siche-
rungsbeziehungen erfüllt; oder
■ das Unternehmen die Designation zurückzieht.
Jede Anpassung des Buchwertes eines gesicherten Finanzinstruments, das zu fortgeführten An- 308
schaffungskosten bewertet wird, ist ergebniswirksam aufzulösen. Sobald es eine Anpassung gibt,
kann die Auflösung beginnen, sie darf aber nicht später als zu dem Zeitpunkt beginnen, an dem
das Grundgeschäft nicht mehr um Änderungen des beizulegenden Zeitwertes, die auf das abzusi-
chernde Risiko zurückzuführen sind, angepasst wird. Die Anpassung basiert auf einem zum Zeit-
punkt des Amortisationsbeginns neu berechneten Effektivzinssatz. Der Anpassungsbetrag ist bis
zur Fälligkeit des Finanzinstruments vollständig aufzulösen. Diese Methodik ist beispielsweise auf
300 Vgl. IAS 39.89ff.
Nikolaus Starbatty 191
5 § 5 Ausgewählte Abschlussposten

festverzinsliche Anleihen anzuwenden, die vom Unternehmen emittiert werden und die in eine
Sicherungsbeziehung einbezogen sind. Die Auflösung der Anpassung des Buchwertes gewährlei-
stet, dass die Anleihe am Laufzeitende gegen ihren Nominalwert und damit Rückzahlungsbetrag
konvergiert. Anderenfalls weist die Gewinn- und Verlustrechnung im Rückzahlungszeitpunkt der
Anleihe einen Sprung auf.
309 Wird eine bilanzunwirksame feste Verpflichtung als Grundgeschäft designiert, so wird die
nachfolgende kumulierte Änderung des beizulegenden Zeitwertes der festen Verpflichtung, die
auf das gesicherte Risiko zurückzuführen ist, als Vermögenswert oder Verbindlichkeit mit einem
entsprechendem Gewinn oder Verlust im Periodenergebnis erfasst. Die Änderungen des beizule-
genden Zeitwertes des Sicherungsinstruments sind ebenfalls im Periodenergebnis zu erfassen.
5 310 Geht ein Unternehmen eine feste Verpflichtung ein, einen Vermögenswert zu erwerben oder eine
Verbindlichkeit zu übernehmen, der/die ein Grundgeschäft im Rahmen einer Absicherung eines
beizulegenden Zeitwertes darstellt, wird der Buchwert des Vermögenswertes oder der Verbind-
lichkeit, der aus der Erfüllung der festen Verpflichtung des Unternehmens hervorgeht, im Zu-
gangszeitpunkt um die kumulierte Änderung des beizulegenden Zeitwertes der festen Verpflich-
tung, der auf das in der Bilanz erfasste abgesicherte Risiko zurückzuführen ist, angepasst.
311 Unternehmen wenden Hedge Accounting in der Praxis vielfach im Zusammenhang mit der Ab-
sicherung von Währungsrisiken an. Der Sicherungshorizont kann dabei in Abhängigkeit des zu-
grunde liegenden Risikos zwischen drei Monaten und zwischen zehn Jahren schwanken. Letzteres
trifft insbesondere auf langfristige Auftragsfertigungen zu, an die zusätzlich Serviceverträge ge-
koppelt sind. Daneben wird Hedge Accounting häufig auch bei der Absicherung von Zinsän-
derungsrisiken eingesetzt, bspw. wenn festverzinsliche Zinszahlungen über den Abschluss eines
Zinsswaps in variable Zinszahlungen gedreht werden.

> Beispiel
312 Nachfolgend wird die Absicherung des beizulegenden Zeitwertes an einem Fremdwährungsvertrag illustriert. Unterneh-
men A mit Sitz in Deutschland schließt am 01.01.09 mit einem US-Kunden einen Vertrag über die Lieferung einer Anlage
zum 30.04.09 ab. Es wird erwartet, dass der Kunde den Kaufpreis in Höhe von USD 1.000.000 am 30.06.09 entrichtet. Zur
Absicherung gegen Währungskursschwankungen schließt Unternehmen A am 01.01.09 ein Devisentermingeschäft (DTG)
über den Verkauf von USD 1.000.000 zu einem Terminkurs von 1,5500 USD/€ mit Fälligkeit 30.06.09 ab. Die bilanzun-
wirksame feste Verpflichtung bildet das in die Sicherungsbeziehung einbezogene Grundgeschäft. Die Wertänderung des
Grundgeschäfts ergibt sich aus den Änderungen der USD/€-Relation. Steigt der USD/€-Kurs, sinkt der Vertragswert in
Folge der USD-Abschwächung und umgekehrt. Vereinfachend wird angenommen, dass Kassa- und Terminkurse über-
einstimmen.301 D.h. DTGs mit einem beizulegenden Zeitwert von 0 zu Vertragsbeginn werden zum jeweils vorherrschenden
Kassakurs abgeschlossen. Weiterhin wird der beizulegende Zeitwert des DTGs und der bilanzunwirksamen Verpflichtung auf
undiskontierter Basis ermittelt. Als letztes wird unterstellt, dass sowohl das DTG als auch der Kundenvertrag nominal risikolos sind
und der Kunde fristgerecht am 30.06.2009 zahlt.
313 Die Kassa-/Terminkursentwicklung der USD/€-Relation sowie die beizulegenden Zeitwerte (FV) des DTGs bzw. der bilanzunwirk-
samen Verpflichtung sind in der Tabelle dargestellt:

301 Normalerweise weichen Kassa- und Terminkurs voneinander ab. Die Differenz – vielfach als Cost of Carry bezeichnet
– spiegelt die Zinsdifferenzen zwischen den zugrunde liegenden Währungsräumen wider.
192 Nikolaus Starbatty
F. Finanzinstrumente und Sicherungsbeziehungen 5

Datum USD/€ FV FV Forderung


Termin-/Kassakurse DTG bilanzunw. Verpflichtung
01.01.09 1,5500 0 0 ---
31.03.09 1,5700 8.219 – 8.219 ---
30.04.09 1,6000 20.161 – 20.161 625.000
30.06.09 1,5800 12.250 --- 632.911

Bei Vertragsabschluss beträgt das €-Äquivalent der USD-Vertragssumme € 645.161. Der Abschluss des DTGs gewährleistet, dass 314
dem Unternehmen unabhängig von Währungskursschwankungen am 30.06.09 € 645.161 zufließen.
Am 01.01.09 beläuft sich der beizulegende Zeitwert des DTGs auf 0. Zum Ende des ersten Kalenderquartals hat sich der 315
USD auf 1,5700 USD/€ abgeschwächt. Entsprechend erhöht sich der beizulegende Zeitwert des DTG, das zum Schutz 5
gegen Abwertungen des USD abgeschlossen wurde, auf € 8.219. Im Gegenzug ist der beizulegende Zeitwert der vertrag-
lichen Verpflichtung währungsbedingt um € -8.219 gesunken. Der zum Quartalsstichtag erforderliche Effektivitätstest
(Dollar-Offset-Methode) erbringt erwartungsgemäß eine Wirksamkeit der Sicherungsbeziehung von 100%:

' FV DTG 8.219


Effektivität 100%
' FV bilanzunwirks. Verpflichtung  8.219
Die Wertänderungen des Grund- und Sicherungsgeschäfts werden jeweils ergebniswirksam im Periodenerfolg erfasst und 316
in der Bilanz berücksichtigt. D.h. das DTG wird als Vermögenswert und die vertragliche Verpflichtung wird als Verbindlich-
keit ausgewiesen. IAS 39 macht keine näheren Angaben zum Ausweis im Periodenergebnis und in der Bilanz. Die meisten
Unternehmen orientieren den Ausweis am Einsatzzweck der Instrumente und streben einen konsistenten Ausweis von
Grund- und Sicherungsgeschäft an.
Wie vereinbart wird die Anlage am 30.04.09 ausgeliefert und eine Forderung in Höhe von € 625.000 gegenüber dem 317
Kunden aktiviert. Die Forderungshöhe richtet sich nach dem jeweiligen Wechselkurs zum Zeitpunkt der Ersteinbuchung.
Zum 30.04.09 wird letztmalig Hedge Accounting angewendet. Der beizulegende Zeitwert des DTGs erhöht sich auf €
20.161 und die vertragliche Verpflichtung sinkt auf € -20.161. Ursächlich für die Beendigung von Hedge Accounting ist,
dass die Fremdwährungsforderung in der Folge mit dem jeweils aktuell gültigen Währungskurs zu jedem Bilanzstichtag
umbewertet wird und daher kein Erfordernis mehr für die Anwendung von Hedge Accounting besteht. Die in der Bilanz
als angesetzte Verbindlichkeit wird am 30.04.2009 erfolgswirksam ausgebucht. Der Ausweis erfolgt in der Regel als
Korrektur der Umsatzerlöse, so dass die Umsatzhöhe als Summe aus Forderungshöhe und Höhe der vertraglichen Ver-
pflichtung genau mit dem zu Vertragsbeginn ermittelten Betrag (€ 645.161) übereinstimmt.
Zum 30.06.2009 hat sich die Forderung ergebniswirksam auf € 632.911 erhöht; zugleich verringert sich der beizulegende 318
Zeitwert des DTGs auf € 12.500. Der Kunde entrichtet fristgerecht zum 30.06.09 den vereinbarten Kaufpreis von USD
1.000.000; über das DTG wird der Zahlungsstrom in € 645.161 gedreht. Effektiv hat das Unternehmen durch den Einsatz
des DTGs den Zahlungseingang auf dem zum 01.01.09 gültigen USD/€-Niveau abgesichert.

5. Absicherung von Zahlungsströmen


Erfüllt die Absicherung von Zahlungsströmen im Verlauf der Berichtsperiode die oben genannten 319
Voraussetzungen (Cash Flow Hedge Accounting), so hat die Bilanzierung folgendermaßen zu
erfolgen:302

302 Vgl. IAS 39.95ff.


Nikolaus Starbatty 193
5 § 5 Ausgewählte Abschlussposten

■ der Teil des Gewinns oder Verlusts aus einem Sicherungsinstrument, der als effektive Absi-
cherung ermittelt wird, ist mittels der Aufstellung über die Veränderungen des Eigenkapitals
unmittelbar im Eigenkapital zu erfassen; und
■ der ineffektive Teil des Gewinns oder Verlusts aus dem Sicherungsinstrument ist im Perioden-
ergebnis zu erfassen.
320 Ausführlicher dargestellt wird eine Absicherung von Zahlungsströmen folgendermaßen bilan-
ziert:
■ die eigenständige, mit dem Grundgeschäft verbundene Eigenkapitalkomponente wird um den
niedrigeren der folgenden Beträge (in absoluten Beträgen) berichtigt:
5 ■ den kumulierten Gewinn oder Verlust aus dem Sicherungsinstrument seit Beginn der Si-
cherungsbeziehung; und
■ die kumulierte Änderung des beizulegenden Zeitwertes (Barwertes) der erwarteten künf-
tigen Cashflows aus dem Grundgeschäft seit Beginn der Sicherungsbeziehung;
■ ein verbleibender Gewinn oder Verlust aus einem Sicherungsinstrument oder einer bestimm-
ten Komponente davon (das keine effektive Sicherung darstellt) wird im Periodenergebnis
erfasst; und
■ sofern die dokumentierte Risikomanagementstrategie eines Unternehmens für eine bestimm-
te Sicherungsbeziehung einen bestimmten Teil des Gewinns oder Verlusts oder damit verbun-
dener Cashflows aus einem Sicherungsinstrument von der Beurteilung der Wirksamkeit der
Sicherungsbeziehung ausschließt (z.B. bei Optionen), so ist dieser ausgeschlossene Gewinn-
oder Verlustteil im Periodenergebnis zu erfassen.303

> Beispiel
Ein Beispiel verdeutlicht die Mechanik. Bei der Absicherung des Währungsrisikos aus einem gesicherten zukünftigen Um-
satz habe sich der beizulegenden Zeitwert des Sicherungsgeschäfts um +20 verändert. Im Gegenzug habe sich der beizu-
legende Zeitwert des gesicherten Umsatzes um -18 verringert. Der Effektivitätstest (Dollar-Offset-Methode) erbringt eine
Wirksamkeit der Sicherungsbeziehung von 90%:

Δ FV Sicherungsgeschäft 20 €
Effektivität 90%
Δ FV zukünftiger Umsatz  18 €
Die Wirksamkeit der Sicherungsbeziehung liegt innerhalb der Bandbreite 80%-125% und gilt damit als hochwirksam.
Im vorliegenden Fall beläuft sich der effektive Teil der Wertänderung des Sicherungsgeschäfts, der unmittelbar im Eigen-
kapital zu erfassen ist, auf 18. Der ineffektive Teil des Gewinns oder Verlusts (2) ist im Periodenergebnis zu erfassen.

321 Resultiert eine Absicherung einer erwarteten Transaktion später in dem Ansatz eines finanzi-
ellen Vermögenswertes oder einer finanziellen Verbindlichkeit, sind die damit verbundenen,
direkt im Eigenkapital erfassten Gewinne oder Verluste in derselben Berichtsperiode oder den-
selben Berichtsperioden in das Ergebnis umzubuchen, in denen der erworbene Vermögenswert
oder die übernommene Verbindlichkeit das Ergebnis beeinflusst (wie z.B. in den Perioden, in
denen Zinserträge oder Zinsaufwendungen erfasst werden). Erwartet ein Unternehmen jedoch,
dass der gesamte oder ein Teil des direkt im Eigenkapital erfassten Verlusts in einer oder mehreren
Berichtsperioden nicht wieder hereingeholt wird, hat es den voraussichtlich nicht wieder herein-

303 Vgl. IAS 39.96.


194 Nikolaus Starbatty
F. Finanzinstrumente und Sicherungsbeziehungen 5

geholten Betrag in das Periodenergebnis umzubuchen. Dies kann beispielsweise der Fall sein, falls
eine ursprünglich erwartete Transaktion nicht eintritt.304
Resultiert eine Absicherung einer erwarteten Transaktion später in dem Ansatz eines nicht finan- 322
ziellen Vermögenswertes oder einer nicht finanziellen Verbindlichkeit oder wird eine erwartete
Transaktion für einen nicht finanziellen Vermögenswert oder eine nicht finanzielle Verbindlichkeit
zu einer festen Verpflichtung, für die die Bilanzierung für die Absicherung des beizulegenden Zeit-
wertes angewendet wird, hat das Unternehmen den nachfolgenden Punkt (a) oder (b) anzuwenden:
a) Die entsprechenden Gewinne und Verluste, die unmittelbar im Eigenkapital erfasst wurden,
sind in das Ergebnis derselben Berichtsperiode oder der Berichtsperioden umzubuchen, in
denen der erworbene Vermögenswert oder die übernommene Verbindlichkeit den Gewinn
oder Verlust beeinflusst (wie z.B. in den Perioden, in denen Abschreibungsaufwendungen
5
oder Umsatzkosten erfasst werden). Erwartet ein Unternehmen jedoch, dass der gesamte oder
ein Teil des direkt im Eigenkapital erfassten Verlusts in einer oder mehreren Berichtsperioden
nicht wieder hereingeholt wird, hat es den voraussichtlich nicht wieder hereingeholten Betrag
in das Periodenergebnis umzubuchen.
b) Die entsprechenden Gewinne und Verluste, die unmittelbar im Eigenkapital erfasst wurden,
werden ausgebucht und als Teil der Anschaffungskosten im Zugangszeitpunkt oder eines an-
derweitigen Buchwertes des Vermögenswertes oder der Verbindlichkeit angesetzt.
Ein Unternehmen hat entweder Punkt (a) oder (b) als Bilanzierungs- und Bewertungsmethode zu 323
wählen und stetig auf alle Sicherungsbeziehungen anzuwenden.
Bei anderen als den oben angeführten Absicherungen von Zahlungsströmen sind die Beträge, die 324
unmittelbar im Eigenkapital erfasst wurden, in derselben Periode oder denselben Perioden ergeb-
niswirksam zu erfassen, in denen die abgesicherte erwartete Transaktion das Periodenergebnis
beeinflusst (z.B., wenn ein erwarteter Verkauf stattfindet).
In jedem der nachstehenden Umstände hat ein Unternehmen die Bilanzierung von Sicherungs- 325
ziehungen einzustellen:
■ Das Sicherungsinstrument läuft aus oder wird veräußert, beendet oder ausgeübt. In diesem
Fall verbleibt der kumulierte Gewinn oder Verlust aus dem Sicherungsinstrument, der seit der
Periode, als die Sicherungsbeziehung als wirksam eingestuft wurde, im Eigenkapital erfasst
wird, als gesonderter Posten im Eigenkapital, bis die vorhergesehene Transaktion eingetreten
ist. Hintergrund ist, dass eine Ausbuchung im Zeitpunkt der Beendigung der Sicherungsbe-
ziehung die Beeinflussung des Periodenergebnisses ermöglichen würde.
■ Das Sicherungsgeschäft erfüllt nicht mehr die genannten Kriterien für die Bilanzierung von
Sicherungsbeziehungen. In diesem Fall verbleibt der kumulierte Gewinn oder Verlust aus dem
Sicherungsinstrument, der seit der Periode, als die Sicherungsbeziehung als wirksam einge-
stuft wurde, im Eigenkapital erfasst wird, als gesonderter Posten im Eigenkapital, bis die vor-
hergesehene Transaktion eingetreten ist.
■ Mit dem Eintritt der erwarteten Transaktion wird nicht mehr gerechnet, so dass in diesem Fall
alle entsprechenden kumulierten Gewinne oder Verluste aus dem Sicherungsinstrument, die
seit der Periode, als die Sicherungsbeziehung als wirksam eingestuft wurde, im Eigenkapital
erfasst werden, ergebniswirksam zu erfassen sind. Eine erwartete Transaktion, deren Eintritt
nicht mehr hoch wahrscheinlich ist, kann jedoch noch immer erwartet werden, stattzufinden.

304 Vgl. IAS 39.97.


Nikolaus Starbatty 195
5 § 5 Ausgewählte Abschlussposten

■ Das Unternehmen zieht die Designation zurück. Für Absicherungen einer erwarteten Trans-
aktion verbleibt der kumulierte Gewinn oder Verlust aus dem Sicherungsinstrument, der seit
der Periode, als die Sicherungsbeziehung als wirksam eingestuft wurde, im Eigenkapital er-
fasst wird, als gesonderter Posten im Eigenkapital, bis die erwartete Transaktion eingetreten
ist oder deren Eintritt nicht mehr erwartet wird. Wenn der Eintritt der Transaktion nicht mehr
erwartet wird, ist der direkt im Eigenkapital erfasste kumulierte Gewinn oder Verlust ergeb-
niswirksam zu erfassen.305

V. Angaben
5
1. Zweck
326 Ziel von IFRS 7: Financial Instruments: Disclosures ist es, Anhangsangaben vorzuschreiben, an-
hand deren die Anwender die folgenden Aspekte bewerten können:
■ die Bedeutung von Finanzinstrumenten für die Finanzlage und die Ertragskraft des Unter-
nehmens und
■ die Wesensart und das Ausmaß der Risiken, die sich aus den Finanzinstrumenten ergeben,
und denen das Unternehmen während des Berichtszeitraums und zum Berichtszeitpunkt aus-
gesetzt ist, sowie die Art und Weise der Handhabung dieser Risiken.
327 Die Anhangsangaben in IFRS 7 sind umfangreich und komplex. Im Folgenden werden daher nur
stark verkürzt die Grundzüge der Offenlegungspflichten wiedergegeben.

2. Angaben zu Finanzinstrumenten
328 Die Buchwerte jeder der nachfolgend genannten Kategorien werden entweder in der Bilanz selbst
oder aber im Anhang angegeben:
■ die erfolgswirksam zum beizulegenden Zeitwert bewerteten finanziellen Vermögenswerte;
■ bis zur Endfälligkeit zu haltende Finanzinvestitionen;
■ Kredite und Forderungen;
■ zur Veräußerung verfügbare finanzielle Vermögenswerte;
■ die erfolgswirksam zum beizulegenden Zeitwert bewerteten finanziellen Verbindlichkeiten
sowie
■ finanzielle Verbindlichkeiten, die zum Restbuchwert bewertet werden.306
329 Hat ein Unternehmen eine finanzielle Verbindlichkeit als erfolgswirksam zum beizulegenden
Zeitwert eingestuft, so macht es folgende Angaben:
■ zum Betrag während des Berichtszeitraums und in kumulativer Form der Änderung des bei-
zulegenden Zeitwerts der finanziellen Verbindlichkeit, der durch die Änderungen des Kredit-
risikos dieser finanziellen Verbindlichkeit bedingt ist und sich wie folgt bestimmt:
■ als der Betrag der Änderung des beizulegenden Zeitwerts, der nicht auf Änderungen der
Marktbedingungen zurückgeht, die zu einem Marktrisiko geführt haben; oder

305 Vgl. IAS 39.101.


306 Vgl. IFRS 7.8.
196 Nikolaus Starbatty
F. Finanzinstrumente und Sicherungsbeziehungen 5

■ durch Verwendung einer alternativen Methode, von der das Unternehmen annimmt, dass
sie den Betrag der Änderung des beizulegenden Zeitwerts besser widerspiegelt, der auf
Änderungen des Kreditrisikos der Verbindlichkeit zurück zu führen ist.
Zu den Veränderungen der Marktbedingungen, die zu einem Marktrisiko führen, zählen
Veränderungen eines richtungsweisenden Zinssatzes, der Preis eines Finanzinstruments
eines anderen Unternehmens, von Warenpreisen, Wechselkursen oder Preis- bzw. Kur-
sindizes. Bei Kontrakten, die mit einem anteilsgebundenen Merkmal einhergehen, zählen
auch Änderungen in der Wertentwicklung des verbundenen internen oder externen In-
vestmentfonds dazu;
■ zum Unterschiedsbetrag zwischen dem Buchwert der finanziellen Verbindlichkeit und dem
Betrag, den das Unternehmen vertraglich bedingt bei Fälligkeit an den Inhaber der Verbind- 5
lichkeit zu zahlen hat.307
Die gesonderten Angaben zur Veränderung des Kreditrisikos haben zum Ziel, dass ergebnis- 330
wirksame Effekte, die auf Änderungen der Kreditwürdigkeit des Bilanzierenden zurückzuführen
sind, extrahiert werden können. Die Bewertung zum beizulegenden Zeitwert hat bei Verbind-
lichkeiten nämlich zur Folge, dass sich im Falle einer gesunkenen Bonität das Periodenergebnis
erhöht. Dieser Effekt wird vielfach kritisiert, da eine Bonitätsabstufung allgemein mit einer Ein-
trübung der operativen Geschäftstätigkeit in Verbindung gebracht wird. Eine Ergebnisverbesse-
rung aus diesem Effekt wird daher häufig als irreführend und das Periodenergebnis verzerrend
empfunden.
Unternehmen haben darüber hinaus detaillierte Angaben zu an Dritte transferierten finanziel- 331
len Vermögenswerten zu machen, bei denen ein Teil nicht ausgebucht wurde. Hier fordert IFRS
7 die Beschreibung der Vermögenswerte und nähere Angaben zu Risiken und Chancen, denen
das Unternehmen ausgesetzt ist.
Berichtspflichtig sind auch die Vermögenswerte, die das Unternehmen als Sicherheit für Verbind- 332
lichkeiten oder Eventualverbindlichkeiten gestellt hat sowie Bedingungen und Modalitäten für
die Besicherung.
Hält ein Unternehmen Sicherheiten, die es im Verlustfall verwerten kann, sind Angaben zum bei- 333
zulegenden Zeitwert zu machen sowie die Bedingungen und Modalitäten der Verwertung anzuge-
ben.308
Die Unternehmen sind weiterhin verpflichtet, detaillierte Angaben zu Gewinn- und Verlustrech- 334
nung und zu einzelnen Bilanzposten zu machen. Dazu gehört auch eine qualitative und quantita-
tive Beschreibung der Arten von Sicherungsbeziehungen (Hedge Accounting), die das Unterneh-
men in den Berichtszeiträumen unterhält.

3. Risikomanagement
IFRS 7 verlangt Angaben zu Art und Ausmaß der Risiken aus Finanzinstrumenten, denen das 335
Unternehmen zum Abschlussstichtag ausgesetzt ist.
Die geforderten Angaben konzentrieren sich auf die Risiken aus Finanzinstrumenten sowie das 336
vom Unternehmen implementierte Risikomanagement. Zu den Risiken zählen typischerweise das

307 Vgl. IFRS 7.10.


308 Vgl. IFRS 7.13ff.
Nikolaus Starbatty 197
5 § 5 Ausgewählte Abschlussposten

Kreditrisiko, das Liquiditätsrisiko und das Marktrisiko. Bei Industrieunternehmen handelt es


sich hierbei in erster Linie um Wechselkurs-, Zins- und Rohstoffrisiken.309
337 Für jede Risikoart, die sich aus Finanzinstrumenten ergibt, sind unter anderem die Ziele, Strate-
gien und Verfahren zur Steuerung der Risiken sowie die Methoden zur Bemessung des Risikos zu
nennen, sowie sämtliche Änderungen aus früheren Berichtsperioden zu berichten.
338 Für jede Risikoart sind daneben auch quantitative Daten zur Exposition gegenüber dieser Risiken
zum Abschlussstichtag verlangt. Diese Angaben stützen sich auf Informationen, die intern an
Mitglieder der Geschäftsleitung des Unternehmens weiter geleitet werden. In diesem Zusammen-
hang sind auch Risikokonzentrationen zu berichten.
339 Wie unschwer zu erkennen ist, verlangen die Anhangsangaben eine umfangreiche interne Bericht-
5 erstattung, damit die entsprechenden Informationen an zentraler Stelle für die externe Berichter-
stattung bereitstehen. In diesem Zusammenhang ist auch Sorge zu tragen, dass die Datenqualität
durch entsprechende Prozesse gewährleistet ist. Die Datenbereitstellung stellt zudem auch hohe
Anforderungen an die Mitarbeiter. Insbesondere bei der Ermittlung des beizulegenden Zeitwerts
von nicht börsennotierten Vermögenswerten sind tiefgehende Bewertungskenntnisse erforder-
lich. Es ist daher nicht verwunderlich, dass die Zusammenstellung der IFRS 7 Anhangsangaben
die Unternehmen regelmäßig vor große Herausforderungen stellt.

G. G. Vorräte

I. Abweichungen zwischen IFRS, HGB und Steuerrecht


/Jörg Hammen im Überblick
340 Der Bilanzposten Vorräte ist in mehreren Standards geregelt. Ausgehend von nach HGB mög-
lichen Posten innerhalb der Vorräte, zeigt die nachfolgende Übersicht310 in welchem Standard
welcher Posten zu finden ist:
Roh- und Hilfsstoffe IAS 2 „Vorräte“
Unfertige Erzeugnisse (Auftragsfertigung) IAS 11 „Fertigungsaufträge“
Unfertige Erzeugnisse (keine Auftragsfertigung) IAS 2 „Vorräte“
Unfertige Leistungen IAS 18 „Erträge“
Fertigerzeugnisse und Waren IAS 2 „Vorräte“

341 Obwohl im Gliederungsschema des § 266 Abs. 2 HGB enthalten, gibt es für die Vorratspositionen
„Betriebsstoffe“ und „Geleistete Anzahlungen“ keine expliziten Regeln.

309 Bei den Rohstoffrisiken tritt vielfach die Schwierigkeit auf, dass sich die zur Sicherung verwendeten (derivativen)
Instrumente als Finanzinstrumente qualifizieren nicht jedoch die gesicherten Grundgeschäfte. Bei einer am Wortlaut
orientierten Auslegung von IFRS 7 wird dann u.U. eine offene Risikoposition berichtet, die ökonomisch nicht gegeben
ist.
310 Bieg/Hossfeld/Kußmaul/Waschbusch, S. 187.
198 Nikolaus Starbatty/Jörg Hammen
G. Vorräte 5

! Praxishinweis:
Der gängigen IFRS-Bilanzierung deutscher Unternehmen folgend, lässt sich ein Ausweis der geleisteten Anzahlungen inner-
halb der Vorräte mit entsprechender Anhangerläuterung vertreten. Der Ausweis der Betriebsstoffe kann ebenfalls regelmäßig
innerhalb der Vorräte erfolgen.

Die bei den Vorräten und der Auftragsfertigung zu erwartenden, wesentlichen Abweichungen zwi- 342
schen IFRS, HGB und dem Steuerrecht stellen sich wie folgt dar: Jörg Hammen

IFRS HGB Steuerrecht


Umfang der AK Einbeziehungswahlrecht Grundsätzlich keine Grundsätzlich keine
(ab 1.1.2009: Pflicht) Einbeziehung von Einbeziehung von 5
für Finanzierungskosten Finanzierungskosten Finanzierungskosten
(IAS 23)
Umfang der HK Ansatzpflicht auf Ansatz auf Ansatzpflicht auf Vollko-
Vollkostenbasis, soweit Teilkostenbasis möglich stenbasis, jedoch besteht
produktionsbezogen; ein Wahlrecht für Verwal-
(BilMoG: ab 2009 eben-
Einbeziehungswahlrecht tungsgemeinkoste