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Hans Peter Kjer

Arzt für Allgemeinmedizin - Homöopathie


Immenstädter Str. 13a, 87527 Sonthofen
www.hanspeterkjer.de

Newsletter No 18
September 2012

Liebe Patienten, Freunde und Interessenten,


in diesem Newsletter möchte ich Ihnen/Euch einige grundsätzliche Dinge über Hildegard
von Bingen vermitteln.
Für diejenigen, die sich schon länger mit ihr auseinandergesetzt haben, sind das natürlich
„olle Kamellen“, aber ich gehe davon aus, dass viele unserer Leser sich damit bisher nur
am Rande beschäftigen und dass ihnen an der „Hildegard-Heilkunde“ möglicherweise eini-
ges seltsam vorkommt.
Der Gedanke dazu kam mir anlässlich der in diesem Jahre erfolgten offiziellen Bestätigung
ihrer (schon früher erfolgten) Heiligsprechung durch den Papst sowie ihrer im Oktober
dieses Jahres zu erwartenden Ernennung zur „Kirchenlehrerin“. Diese Ereignisse sind für
„echte Hildegardianer“ natürlich absolute Highlights, da die Stellung Hildegards von Bin-
gen als Heilige und Lehrerin damit von kirchlicher Seite zweifelsfrei bestätigt wird und ihr
auf diese Weise eine Anerkennung zuteilwird, die ihr bisher manchmal versagt geblieben
ist.
Für Nicht-Katholiken oder Nicht-Christen sind diese Dinge natürlich weit weniger bewe-
gend, und vom weitaus größten Teil der Bevölkerung werden sie wohl kaum, wenn über-
haupt, wahrgenommen oder beachtet. Und damit komme ich auf eine merkwürdige Dis-
krepanz. Die Lehre der Hl. Hildegard bzw. die Hildegard-Heilkunde erlebt zwar in den letz-
ten Jahren einen enormen Zuwachs an allgemeinem Interesse, ist aber dennoch in großen
Teilen der Bevölkerung und der offiziellen Medizin weitgehend unbekannt. So erlebe ich es
immer wieder, dass ich von Kollegen verständnislos angeschaut oder sogar belächelt
werde (versteckt natürlich), wenn ich in Unterhaltungen darauf zu sprechen komme, und
ich kann mich nur an sporadische Einzelfälle erinnern, in denen mal einer genauer nach-
gefragt hat. Die Reaktionen im Bekannten- und Familienkreis sind ähnlich, und es passiert
eher selten, dass jemand eine medizinischen oder geistliche Empfehlung aus der Hilde-
gard-Heilkunde tatsächlich annimmt und umsetzt. Dem steht die enorme Heilkraft der
Arzneimittel und Rezepturen gegenüber, die uns Hildegard übermittelt hat, und mit der
wir sowohl privat als auch in der ärztlichen Praxis außerordentlich beeindruckende Erfah-
rungen machen.
Wie kann man diese Diskrepanz verstehen? Was den Medizinbetrieb angeht, ist die Erklä-
rung relativ einfach. Alles, was nicht der Denkweise und dem wissenschaftlichen Anspruch
der sogenannten Schulmedizin entspricht, wird von den meisten ihrer Repräsentanten in
Bausch und Bogen abgelehnt, oft ohne überhaupt einer ernsthaften Betrachtung unterzo-
gen zu werden, und so erleiden auch Heilmethoden wie die Homöopathie, die Bach-
Blütentherapie und die Akupunktur ein ganz ähnliches Schicksal. Viele Patienten berich-
ten, dass ihre behandelnden Ärzte spöttisch, abwertend oder sogar beleidigt reagieren,
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wenn sie von positiven Erfahrungen mit den erwähnten Heilmethoden berichten. Von die-
ser Seite ist also eine positive Aufnahme der Hildegard-Heilkunde auf lange Sicht weniger
zu erwarten, zumal die Wirkungen der Hildegardarzneien mit wissenschaftlichen Methoden
in keiner Weise fassbar sind.
Aber auch im persönlichen Bereich erleben wir immer wieder Verhaltenheit, Skepsis, Des-
interesse oder sogar genervtes Verdrehen der Augen, sobald wir auf diese Thematik zu
sprechen kommen. Das mag zum einen damit zu tun haben, dass allein die Wortwendung
„Heilige Hildegard“ Menschen, die nicht im katholischen Glauben aufgewachsen sind (und
das sind wohl die meisten), ziemlich fremd vorkommt, und zum anderen damit, dass viele
Menschen der heutigen Zeit keinen lebendigen Glauben mehr haben. Sie werden mit et-
was konfrontiert, dem sie normalerweise aus dem Wege gehen, und wehren es dadurch
von vornherein innerlich ab – hören vielleicht noch aus Höflichkeit zu, um den anderen
nicht zu verletzen.
Nun ist aber der Glaube, bzw. der religiöse Bezug, von der Hildegard-Heilkunde nicht ab-
zukoppeln, wenngleich die Wirkung vieler von ihr aufgeführter Arzneien nicht davon ab-
hängt. Aber es handelt sich eben nicht nur um eine Sammlung potenter pflanzlicher Heil-
mittel, auf die man zurückgreifen kann, wenn einem die Schulmedizin nicht behagt und
man nach Alternativen sucht. Der Begriff „Hildegard-Heilkunde“ beinhaltet auch eine geis-
tige Haltung bzw. eine Lebensordnung, welche Gott und die Schöpfungsordnung in das
eigene Denken einbezieht. Wenn man nun keinen Glauben hat, wie soll man damit umge-
hen? Man kann ja nicht beschließen zu glauben, und damit fehlt dann tatsächlich der inne-
re Bezug.
Um die Problematik etwas zu relativieren, einige Gedanken zum Glauben. Was ist Glaube?
Viele Menschen verbinden damit regelmäßige Kirchenbesuche, strenge moralische Prinzi-
pien und die Einhaltung von Glaubensregeln. Wenn ich z.B. in der Praxis jemanden nach
seinem Glauben frage, lautet die Antwort häufig: „Mit der Kirche habe ich nichts am Hut“.
Ich entgegne dann in der Regel, dass ich danach auch gar nicht gefragt habe, sondern
dass mich nur interessiert, ob er überhaupt einen Glauben hat. Überraschenderweise stellt
sich dann oft heraus, dass die meisten tatsächlich an eine höhere Macht glauben, die sie
für sich auf ihre ganz eigene Weise definieren. Und da würde ich sagen: Das ist schon
Glaube, wenn er auch in sich noch keine klare Struktur hat. Glaube wäre demnach das
verborgene innere Wissen um eine höhere Macht, und dieses Wissen ist jedem Menschen
eingeboren. Wie er dieses Wissen für sich ausgestaltet und umsetzt oder ob er überhaupt
darauf zurückgreift, ist eine andere Frage.
Bei Hildegard können wir die Beobachtung machen, dass die von ihr aufgeführten Anwen-
dungen, Rezepturen und Arzneien tatsächlich eine tiefgreifende Wirkung entfalten, die
weder mit dem Verstand noch durch wissenschaftliche Methoden erklärbar ist. Ich würde
jedem wärmstens empfehlen, einmal die Hildegardischen Grippemittel auszuprobieren,
und zwar sofort, bei jedem Infekt! (Das heißt, die nötigen Zutaten auf Lager legen). Nur
so macht man brauchbare Erfahrungen und kann mitreden. Die Anweisungen hierüber
lassen sich von unserer Homepage unter der Schaltfläche „Archiv“ herunterladen und aus-
drucken. In den meisten Fällen wird man von der Wirkung überrascht sein: bei exakter
Anwendung klingen die Beschwerden nach kurzer Zeit ab oder bleiben nur für wenige Ta-
ge auf einem erträglichen Niveau. Also nicht wie gehabt: „Eine Grippe dauert vierzehn Ta-
ge oder zwei Wochen“ (frei nach Kurt Tucholski). Einschränkung: Wenn die Mittel aus-
nahmsweise nicht so gut helfen, liegt meist eine gewisse Abwehrschwäche zugrunde.
Zur Anwendung kommen dabei folgende Kräuter: englische Geranie, Bertram, Galgant,
Muskatnuss, Andorn, Fenchel, Anis, Königskerzen und Meisterwurz, die entweder mit Wein
angesetzt oder gekocht werden. Wenn man in einem Kräuterbuch oder einem Buch über

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die Klosterheilkunde nachliest, wird man diese Pflanzen entweder überhaupt nicht oder
mit einer gänzlich anderen Indikation finden. So, wie es bei Hildegard steht, wird man es
nirgendwo wiederfinden. Die Wirkung der gängigen Pflanzenheilkunde kommt übrigens
nicht annähernd an die der Hildegard-Kräuter heran.
Wie kann man das verstehen? Eine logische Erklärung gibt es nicht. Da hilft einem nur die
Entstehungsgeschichte der hildegardischen Schriften weiter: Hildegard war eine begnade-
te Ordensfrau, die zeitlebens von Gott Offenbarungen in Form von Visionen empfing, d.h.
von Bildern, die sie im Geiste sah. In ihrem 43. Lebensjahr erhielt sie von Gott, der in ei-
ner Vision direkt zu ihr sprach, den Auftrag, diese Visionen niederzuschreiben, und so ent-
standen im Laufe der darauffolgenden Jahrzehnte die von ihr überlieferten Bücher. Diese
enthalten u.a. Aufzeichnungen über die Stellung des Menschen in der Welt, über die Be-
ziehung zwischen Gott und Mensch, über die Funktionen des Körpers, über die Entstehung
von Krankheiten, sowie zahlreiche Anweisungen und Heilmittel zur Behandlung von
Krankheiten.
Was heißt das nun konkret in Bezug auf ihre Heilkunde?: Alles, was Hildegard darüber ge-
schrieben hat, beruht weder auf menschlichen Gedankengängen oder auf praktischen Er-
fahrungen, sondern stammt direkt von Gott, der uns auf diese Weise Sein göttliches Wis-
sen über die Heilkraft von Pflanzen, Tieren und Mineralien, sowie über die tieferen Zu-
sammenhänge unseres körperlichen, seelischen und geistigen Lebens vermittelt hat. Fol-
gendes können wir daraus schließen: 1.) Gott wendet sich uns mehr zu, als wir Ihm – un-
abhängig davon, ob wir nach Ihm fragen oder nicht. 2.) Gott weiß um unsere Anfälligkeit
und gibt uns alle Möglichkeiten an die Hand, damit wir im Krankheitsfalle wieder gesund
werden. 3.) Gott ist ein personaler Gott, ein Gegenüber, der sich uns mitteilt und zu dem
auch wir Kontakt aufnehmen können.
Viele Menschen denken bei der Vorstellung einer höheren Macht an „kosmische Kräfte“
oder an „das Göttliche“, ohne diese Punkte jedoch genau zuordnen zu können. Dass Gott
sich uns mitteilt, dass wir Ihn anrufen können und dass Er antwortet – auf Seine Weise – ,
das können sich die wenigsten wirklich vorstellen. Der Kosmos ist nicht die höhere Macht
und kann auch nicht zu uns sprechen, sondern er ist selbst etwas von Gott Geschaffenes,
Teil der Schöpfung wie wir auch. Und „das Göttliche“ – wo und wie auch immer man es
vermutet oder zu spüren meint – wird immer diffus und unverbindlich bleiben und eben-
falls keine konkrete Hilfe geben. Gott als Gegenüber? Das erfüllt manche mit Unbehagen;
und es wäre auch zutiefst verbindlich...
Dass wir diese Heilmittel und Anweisungen haben, die sonst nirgendwo in vergleichbarer
Weise zu finden sind und die unser Leben und unseren Körper ordnen und heilen, zeigt
also, dass es Gott tatsächlich gibt und – dass Er sich uns wohlwollend, ja liebevoll zuwen-
det. Das muss man nicht glauben. Jeder Mensch ist frei, sich andere Erklärungen zurecht-
zulegen, und ist auch frei, sein Leben, so gut es ihm möglich ist, ohne Gott zu gestalten –
aber eine innere Logik ist den oben angeführten Gedankengängen sicherlich nicht abzu-
sprechen. Und Krankheit kann dann vielleicht die Brücke sein, sich auf dieses unbekannte
Neuland zu begeben und möglicherweise sogar Heilung zu erfahren. Jemand, dem es
wirklich dreckig geht, wird vielleicht dankbar nach diesem Strohhalm greifen, wenn man
ihm den hinhält.
Betrachten wir die Sache aber auch nur von der Seite des „normalen Menschenverstan-
des“ her, so sind die Empfehlungen Hildegards alles andere als religiös überzogen oder
dogmatisch, sondern eröffnen durchaus sinnvolle Perspektiven. Da wären z.B. ihre 6 „gol-
denen Lebensregeln“, die uns helfen, unser Leben zu ordnen:

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1. Die Aufnahme der „Viriditas“ (= „Grünkraft“): sich viel in der Natur bewegen und die
Kräfte der Luft, der Sonne, der Farben und Gerüche, des Wassers und des Bodens be-
wusst wahrnehmen und in sich aufnehmen.
2. Die Einhaltung des rechten Maßes: sich vor Übertreibungen schützen, zu rechter Zeit
das Richtige tun und auf manche Dinge lieber verzichten, so dass wir die Dinge des Le-
bens so gebrauchen, dass sie uns nicht schaden, sondern nützen.
3. Aktivität und Ruhe ins Gleichgewicht bringen: nicht pausenlos tätig sein, sondern sich
auch Ruhephasen und Muße gönnen, damit Körper und Seele sich wieder neu ordnen und
regenerieren.
4. Für einen geordneten Schlaf- Wachrhythmus sorgen.
5. Stärkung der seelischen Abwehrkräfte, z.B. durch Stille, Meditation, Gebet und durch
die Überwindung negativer Einstellungen und Charaktereigenschaften. Beschäftigung mit
positiven, aufbauenden Dingen wie z.B. Kunst, Musik oder Literatur.
6. Regelmäßige innere Reinigung des Körpers durch die Entfernung bzw. Ausleitung von
Schadstoffen, z.B. durch Aderlass, Schröpfen und Fasten.
Dazu gibt sie uns eine Reihe von Arzneien und Universal-Heilmitteln an die Hand, die die
Umsetzung der 6 Lebensregeln erleichtern und ihre Auswirkungen ergänzen bzw. verstär-
ken. So z.B. Heilmittel, welche den immer wieder auftretenden negativen und destrukti-
ven Gefühlszuständen entgegenwirken sowie den Schlaf verbessern, wie der „gelöschte
Wein“, das Aronstabelixier, das Betonika-Kräuterkissen, Edelsteine (blauer Chalzedon,
Chrysolith, Beryll, Onyx usw.), Balsam-Fencheltee, Muskat-Zimt-Kekse, Kubebenkörner
und andere.
Dass die Reinigung des Körpers von innen und außen wichtig ist, wird wohl kaum jemand
infrage stellen, wenngleich viele dennoch eine gewisse Scheu oder Abwehr davor haben.
Waschen tun sich ja die meisten ziemlich regelmäßig und Zähne putzen auch. Aber beim
Fasten scheiden sich schon die Geister. Jedoch: Wieviel Schlackenstoffe sammeln sich mit
der Zeit im Körper an und führen zu wirklich ernsthaften Störungen wie Arterienverkal-
kung, Diabetes und Rheuma? Da kann man mit dem ansich ganz simplen gemäßigten
Dinkelfasten problemlos einmal im Jahr einen Kehraus machen, dessen Wirkung durch
einen vorher durchgeführten hildegardischen Aderlass noch verbessert und durch eine an-
schließende Wermut- bzw. Wasserlinsenkur noch vervollständigt wird. Wer diese Dinge
regelmäßig durchführt, betreibt aktive Gesundheitsvorsorge und hält sich viele Zivilisati-
onsprobleme vom Hals. Wenn man dann noch die zahlreichen Ernährungsempfehlungen
Hildegards in die Tat umsetzt (deren ausführliche Darstellung den Rahmen dieses News-
letters sprengen würde), hat man schon enorm viel getan, um seinem Leben eine ver-
nünftige Grundordnung zu geben und die Entstehung von Krankheiten zu verhindern.
Wie sagt man so schön? „Probieren geht über studieren“ – und ich würde ergänzen, auch
über „spekulieren und diskutieren“. Gemachte Erfahrungen haben die größte Überzeu-
gungskraft. Und wenn ich „Appetit“ aufs Ausprobieren oder vielleicht auch nur aufs Nach-
lesen gemacht habe, dann hat dieser Newsletter seine Aufgabe schon erfüllt. Wer will, ist
darüber hinaus herzlich eingeladen, an unseren Hildegard-Gruppen oder Fastenseminaren
teilzunehmen. Er lernt etwas für sein Leben dazu.
Herzliche Grüße, Ihr/Euer Hans Peter Kjer

Termine und Aktivitäten in unserer Praxis (Details auf unserer Homepage)


Aderlass: 1.10. – 5.10. / 30.10. – 2.11. / 29.11. – 4.12.2012
Oberallgäuer Hildegard-Treff: 2012 16.10. / 20.11. 2013 15.1. / 26.2. / 26.3. / 2.5. /
11.6. / 23.7. Hildegard-Basiskurs: Noch Plätze frei !! Termine später
Fastenseminar für Fortgeschrittene: 5.11.-9.11.2012, Anmeldeschluss 21.9.2012
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