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Aus den Gl. (*4.3) und (*4. *4) ist r ersichtlich,


_ 1
daß die Ma-
ferne trix [D] sowie die zugehörige Matrix [D] nicht nur eine es
inverse Funktion der Schiefers, sondern auch bzw.
Elastizitätskonstanten d
der Schieferung sind. Aus (4.1c) und
Raumstellung der isotropen Ebene der [D' ] _ 1 in Gl. e Schieferung
Struktur der Matrizen [D1]
in Gl. bezogenen, loka- n zu Dehnungen
(4.2a) ergibt sich, daß in dem auf di bzw. Stauchungen ren. Wenn die
len Koordinatensystem Normalspannunge Spannungen und , globalen
und Schubspannungen zu Gleitungen füh Koordinatensystem ruktur der
Verzerrungen allerdings im raumfesten Matrizen [D3 in bei beliebiger
definiert sind, dann folgt aus der St Raumstellung Spannungen als auch
Gl. (4.3) und CD3 “ 1 in Gl. (4.4), die n und Gleitungen erzeugen
daß der isotropen Ebene sowohl die
Normal Schubspannungen Dehnungen,
Stauchunge können.
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5. NUMERISCHES BERECHNUNCSVERFAHREN NACH DER METHODE DER FINITEN


ELEMENTE

5.1 Grundlagen der Methode der Finiten Elemente

Ein Berechnungsverfahren zur Lösung der Aufgaben des modernen


Felsbaus sollte so leistungsfähig sein, daß es eine wirklich-
keitsnahe Berücksichtigung des unterschiedlichen Spannungsdeh-
nungsverhaltens der verschiedenen Felsarten gestattet. Darüber
hinaus muß die Erfassung einer beliebigen Bauwerksgeometrie,
unterschiedlicher Bauzustände bzw. Lastfälle und gebräuchlicher
Sicherungsmaßnahmen möglich sein. Nicht zuletzt sind eine flexible
Formulierung der Randbedingungen und eine zutreffende Simulation
räumlicher Spannungszustände von besonderer Bedeutung für die
Brauchbarkeit eines Berechnungsverfahrens.

Eine analytische Lösung, die allen vorgenannten Anforderungen


genügt, läßt sich in der Regel nicht angeben. Aus diesem Grunde
kommen üblicherweise numerische Berechnungsverfahren zur Anwendung,
die eine Näherungslösung mit beliebig vorgegebener Genauigkeit
ermöglichen. Die Methode der Finiten Elemente hat sich in diesem
Zusammenhang als ein besonders leistungsfähiges Verfahren erwiesen
und wird deshalb auch zur Lösung der Aufgabenstellung der
vorliegenden Arbeit herangezogen [2, 12, 38, 56, 71],

Der Grundgedanke der Finite-Element-Methode beruht darauf, den für


die Berechnung gewählten Ausschnitt des Kontinuums in einzelne
geometrische Körper endlicher Größe, die sogenannten finiten
Elemente, aufzuteilen. Diese Elemente sind durch eine endliche
Anzahl von Punkten, die Knotenpunkte, miteinander verknüpft. Das
Kernstück der Methode der Finiten Elemente besteht in der
Bestimmung der unbekannten Knotenpunktverschiebungen. Die
Verschiebungen der Punkte innerhalb eines Elements lassen sich dann
unter Verwendung von Interpolationsfunktionen aus den Kno-
tenpunktverschiebungen des Elements mit hinreichender Genauigkeit
berechnen [2, 12, 56, 71]. Mit Hilfe der konstitutiven Beziehungen
der Kontinuumsmechanik ergeben sich aus den Verschie
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bungen innerhalb der Elemente die Verzerrungen und die Spannungen


in ausgezeichneten Punkten.

Im folgenden werden die wichtigsten Grundgleichungen der Methode


der Finiten Elemente erläutert. Die Darstellungsweise der Glei-
chungen ist hier in Anlehnung an die ausführliche Beschreibung bei
Wittke [56] gewählt. Die unbekannten Knotenpunktverschiebungen
eines FE-Netzes werden in einem Vektor {6 } zusammengefaßt, der sich
als Löung des linearen Gleichungssystems

CK] • {6 } = {F} # (5.1)

ergibt. Der Vektor {F} wird als Systemlastvektor bezeichnet und


entsteht durch die Zusammenfassung der Elementlastvektoren {Fe} ,
welche für jedes Element die an den Knotenpunkten angreifenden
Einzelkräfte sowie die am Element angreifenden Volumenkräfte und
Flächenlasten enthalten. Die Volumenkräfte {p} und die Flächen-
lasten {q} werden dabei gemäß Gl. (5.2) durch eine numerische
Integration über das Volumen bzw. die Oberfläche des Elements in
äquivalente Knotenkräfte umgerechnet:

{Fe} = / CN]T-{
Ve xm’ ym’ zm
(5.2)
Einzelkräfte, die an den Knotenpunkten
mit
[N] : des Elements e angreifen
Matrix der Fori
(nur von der G- Anzahl der Knotenpunkte des Elements e

{p> = {?x> py’ pz|T:

(z.B. Eigengewicht)

{q} = {V Oy’ VT
=
{F
{F*} = F F ’ r y 1
X1 ’ " z 1

4*
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Q

V : Volumen des Elements e

0
S : Oberfläche des Elements e

Die Gesamtsteifigkeitsmatrix CK] in Gl.(5.1) setzt sich aus den


einzelnen Elementsteifigkeitsmatrizen [Ke] zusammen, deren Kompo-
nenten durch eine numerische Integration über das Volumen Ve des
Elements e berechnet werden:

[Ke] = / [Be]T•[De]•[Be]• dV (5.3)


Ve
0 G T
Die Matrizen [B ] und [B ] in Gl. (5.3) hängen von den Koordinaten
der Knotenpunkte des Elements e sowie von den gewählten
Interpolationsfunktionen ab und heißen "Ableitungsmatrix" bzw.
"transponierte Ableitungsmatrix". Die Matrix [De] beschreibt das
elastische Spannungsdehnungsverhalten des Elements e (vgl. Gl.
(4.3)).

Die unbekannten Knotenpunkt Verschiebungen {6 } lassen sich damit


nach Einführen der Randbedingungen [56] durch Auflösen des linearen
Gleichungssystems (5.1) bestimmen.

5.2 Das Programmsystem FEST 03

Im Rahmen der vorliegenden Arbeit waren umfangreiche numerische


Berechnungen von Spannungen und Verformungen erforderlich. Dafür
stand das auf der Rechenanlage Microvax II des Institutes für
Grundbau, Bodenmechanik, Felsmechanik und Verkehrswasserbau der
RWTH Aachen installierte Programmsystem FEST 03 zur Verfügung.
Dieses Programmsystem wurde von Wittke und seinen Mitarbeitern für
die Lösung von allgemeinen räumlichen Aufgabenstellungen des
Felsbaus entwickelt und basiert auf der Methode der Finiten Ele-
mente. Eine ausführliche Beschreibung des Programms FEST 03 findet
sich in den Veröffentlichungen von Wittke [56] und Semprich [52].
Der Programmablauf ist in Bild 5.1 in vereinfachter Form
38 -

dargestellt.

4*
Schleife über die Anzahl von Änderungen der
mechanischen
-
39 -

Bild 5 . 1 Ablaufplan Programmsystem FEST 03


40

Nach der Eingabe der Daten für die Programmsteuerung, der Kno-
tenpunktkoordinaten sowie der die Elemente und die Randbedingungen
beschreibenden Daten erfolgt zunächst der Aufbau des Finite-Element-
Netzes (Bild 5.1). Sodann wird die Gesamtsteifigkeitsmatrix [K]
aufgestellt und nach dem Algorithmus der "Cholesky-Zerlegung"
umgeformt [2, 56], Nachdem der Systemlastvektor {F} aufgestellt
wurde, kann das lineare Gleichungssystem (5.1) zur Bestimmung der
unbekannten Knotenpunktverschiebungen {6 } gelöst werden. Bei der
Berechnung mehrerer Lastfälle erweist sich die Cholesky-Zerlegung
der Gesamtsteifigkeitsmatrix als besonderer Vorteil. Da sich die
Lastfälle zwar durch den Systemlastvektor {F>, aber nicht in der
Matrix [K] unterscheiden, muß die mit einem relativ hohen
Berechnungsaufwand verbundene Zerlegung nur einmal durchgeführt
werden. Die mehrfache Lösung des Gleichungssystems erfordert dann
nur noch einen geringen Rechenaufwand. Eine erneute Cholesky-
Zerlegung der Matrix [K] wird lediglich dann erforderlich, wenn die
Elementdaten eine Änderung erfahren, wie es z.B. bei einer
Materialänderung infolge der Simulation des Tunnelausbruchs der Fall
ist. In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, daß bei jeder
Änderung von mechanischen Eigenschaften der Elemente in einem
Zwischenschritt Eigenspannungszustände berechnet werden, die eine
Vorverformung der Elemente entsprechend den aus dem Primärspan-
nungszustand und den vorhergehenden Bauzuständen resultierenden
Verformungen bewirken [56], (Bild 5.1). Als Beispiel dafür sei der
Einbau einer Spritzbetonschale als Sicherungsmaßnahme genannt.

Für eine graphische Darstellung der FE-Netze und der berechneten


Spannungen und Knotenpunktverschiebungen stehen verschiedene
Plotprogramme zur Verfügung.

Die Diskretisierung des Berechnungsausschnitts erfolgt im Pro-


grammsystem FEST 03 durch isoparametrische Raumelemente, deren
Knotenzahl zwischen 8 und 21 beliebig variiert werden kann. Auf
diese Weise wird die Anpassung des FE-Netzes an die Geometrie der
abzubildenden Strukturen erleichtert. So werden beispielsweise für
die Nachbildung einer gekrümmten Spritzbetonschale in der Regel
isoparametrische Elemente mit 12 Knotenpunkten verwendet. Außerdem
enthält das Programmsystem ein lineares Stabelement , mit dem der
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Einfluß von Ankerungen auf die Standsicherheit von Felsbauwerken


erfaßt werden kann. Das lineare Stabelement ist jeweils zwischen
zwei Knotenpunkten angeordnet und ermöglicht dadurch eine Simulation
von schlaffen oder vorgespannten Freispielankern.

Die Randbedingungen des Berechnungsausschnitts können im Pro-


grammsystem FEST 03 als Kräfte und/oder Verschiebungen vorgegeben
werden. Vorgeschriebene Verschiebungen von Knotenpunkten auf der
Berandung oder im Innern des Berechnungsausschnitts werden mit Hilfe
von Federelementen erzeugt. Dieser Elementtyp kann wie das lineare
Stabelement prinzipiell beliebig im Raum orientiert sein. Aus
Gründen der Zweckmäßigkeit wird jedoch eine Orientierung parallel zu
den Achsen des Koordinatensystems bevorzugt.

Bei der Entwicklung des Programmsystems FEST 03 wurde besonderer


Wert auf die Implementierung wirklichkeitsnaher Stoffgesetze für
klüftigen Fels gelegt. Die Verformbarkeit des Felses kann wahlweise
durch ein isotropes oder anisotropes linear-elastisches
Spannungsdehnungsverhalten beschrieben werden. Darüber hinaus
besteht die Möglichkeit, zeitabhängige, irreversible Verformungen,
die nach einer Festigkeitsüberschreitung auftreten, durch ein
linear-elastisches viskoplastisches Spannungsdehnungsverhalten zu
berücksichtigen. Trennflächensysteme und Gefügeebenen werden als
Ebenen abgeminderter Festigkeit in bezug auf die
Festigkeitseigenschaften des Gesteins behandelt. Damit bei
Verwendung der o.g. Stoffgesetze die Wirtschaftlichkeit der nu-
merischen Berechnungen gewährleistet ist, wird im Programmsystem
FEST 03 die im Kapitel 4.1 erläuterte "homogene Modellvorstellung"
eingesetzt.
6 . NUMERISCHE BERECHNUNGEN FÜR EINEN IM KALOTTENVORTRIEB AUFGE
FAHRENEN TUNNEL

6.1 Zusammenhang zwischen gemessenen und berechneten Verformungen

Das Interpretationsverfahren für baubegleitende Verformungsmessungen


basiert auf Diagrammen, in denen der durch räumliche Fi- nite-
Element-Berechnungen ermittelte Zusammenhang zwischen den
Elastizitätskonstanten des Felses, der Raumstellung der Schieferung
und den Konvergenzen bzw. der Firstsetzung dargestellt ist. Die
Wichte 7 des Felses und die überlagerungshöhe H~ des Tunnels werden
dabei durch die Vertikalkomponente der Primärspannung (o^p) = 7 • H~)
berücksichtigt (siehe Kapitel 7). Die Verformungsmeßwerte dienen
dabei als Eingangsgrößen des Verfahrens zur Bestimmung der
Elastizitätskonstanten des Felses. Ein vollständiger Datensatz
besteht aus drei Konvergenzmessungen und einem Firstnivellement, die
jeweils in einem ebenen Meßquerschnitt ermittelt werden (Bild 6.1).
temporäre
Ortsbrust

Bild 6.1 Anordnung der Meßquerschnitte in bezug auf die temporäre


Ortsbrust