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Elementarteilchen

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Dieser Artikel befasst sich mit Elementarteilchen als kleinsten Bausteinen der Materie. Für
andere Bedeutungen, siehe Elementarteilchen (Begriffsklärung).

Elementarteilchen sind die kleinsten bekannten Bausteine der Materie. Elementarteilchen


ohne jede innere Struktur (und in diesem Sinne absolut unteilbar) bezeichnet man als
Fundamentalteilchen. Es gibt allerdings auch Elementarteilchen mit innerer Struktur (sie
bestehen aus Quarks); auch diese Teilchen sind (im erweiterten Sinn) unteilbar, da sie nicht in
einzelne Quarks zerteilt werden können (siehe Confinement). Unteilbarkeit steht dabei nicht
im Widerspruch zum Zerfall dieser Teilchen in andere Teilchen, da es sich dabei in
Wirklichkeit um Umwandlungsprozesse handelt.

Nachdem die Atomtheorie des Demokrit sich durch die Entwicklung der Chemie im 18.
Jahrhundert bestätigte, galten die Atome als 'elementare' Teilchen. Anfang des 20.
Jahrhunderts entdeckte man, dass Atome aus einem Atomkern (bestehend aus Nukleonen,
also Protonen und Neutronen) und einer Hülle (bestehend aus Elektronen) aufgebaut sind.
Das Neutron ist kein stabiles Elementarteilchen, da es außerhalb des Atomkerns radioaktiv
zerfällt. Protonen und Elektronen gelten als stabil.

Nach der Entdeckung der Teilchen, die das Atom aufbauen, wurde - zunächst hauptsächlich in
der kosmischen Strahlung - eine Vielzahl weiterer Teilchen (Myon, Pion, Kaon, ...) sowie
Antiteilchen entdeckt. Des weiteren stieß man auf eine Substruktur der Nukleonen, die
Quarks.

Im Ergebnis folgte die Entwicklung des Standardmodells des Elementarteilchenphysik. Es


enthält alle Teilchen, die aus heutiger Sicht als Elementarteilchen gelten.
Einteilung der Elementarteilchen
Elementarteilchen haben eine Reihe von Eigenschaften (Masse, verschiedene Ladungen,
Spin), welche sich im Allgemeinen nicht mit Begriffen aus unserem Alltag beschreiben
lassen, da Elementarteilchen aufgrund ihrer geringen Größe quantenmechanischen
Gesetzmäßigkeiten gehorchen. Solche Eigenschaften erlauben eine Einteilung der bekannten
Elementarteilchen.

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Einteilung nach Funktion

Drei der Grundkräfte der Physik sind für die Elementarteilchen relevant:

• Die Starke Wechselwirkung


• Die Schwache Wechselwirkung
• Die Elektromagnetische Wechselwirkung

Diese Wechselwirkungen werden in Quantenfeldtheorien (Quantenchromodynamik,


Glashow-Weinberg-Salam-Modell der elektroschwachen Wechselwirkung,
Quantenelektrodynamik) beschrieben. Die Gravitation kann man, aufgrund ihrer relativ
geringen Stärke, im Wirkungsraum des Inneren eines Atoms vernachlässigen.

Je nach der Wechselwirkung, der ein Elementarteilchen unterliegt, wird ihm eine Ladung
(starke Ladung (oder Farbladung), schwache Ladung, elektrische Ladung) zugeordnet. Die
Wechselwirkung innerhalb jeder dieser drei Typen wird von wechselwirkungsspezifischen
Austauschteilchen oder Botenteilchen, so genannten Eichbosonen, vermittelt. Diese, auch
intermediäre Bosonen genannten, Teilchen zeichnen sich immer durch einen ganzzahligen
Spin aus.

In diesem Sinne unterscheidet man zwischen den eigentlichen Bausteinen der Materie und
den zwischen diesen Bausteinen vermittelnden Elementarteilchen.

Beispiele für erstere sind Atombausteine (Proton, Neutron, Elektron). Eine ausführlichere
Behandlung folgt weiter unten.

Die Eichbosonen der drei Wechselwirkungen sind das Gluon (starke Wechselwirkung), die Z-
und W-Bosonen (schwache Wechselwirkung) und das Photon (elektromagnetische
Wechselwirkung).

Interessanterweise tragen die Gluonen selbst wieder eine starke Ladung, so dass sie nicht nur
Träger der starken Wechselwirkung sind, sondern ihr auch unterliegen. Die W-Bosonen der
schwachen Wechselwirkung tragen eine elektrische Ladung und wechselwirken demnach
auch elektromagnetisch.
Einteilung nach Wechselwirkung

Die kleinsten Bausteine der Materie lassen sich am einfachsten in zwei Gruppen unterteilen:
Teilchen, die der starken Wechselwirkung unterliegen, und Teilchen, die der starken
Wechselwirkung nicht unterliegen.

Teilchen, die der starken Wechselwirkung unterliegen, werden als Hadronen bezeichnet. Nach
der Theorie der Quantenchromodynamik sind sie aus elementaren Quarks zusammengesetzt,
die durch die Träger der starken Wechselwirkung, die Gluonen, zusammengehalten werden.

Insofern sind Quarks die grundlegenden stark wechselwirkenden Materiebausteine; sie


besitzen den Spin ½ und gehören damit der Gruppe der Fermionen an. Hadronen werden
weiter unterteilt in Mesonen (Bestehen aus einem Quark und einem Antiquark (dem
Antiteilchen eines Quarks)) und Baryonen (Bestehen aus drei Quarks, (bzw. Antibaryonen aus
jeweils drei Antiquarks)). Nur Baryonen können Atomkerne bilden. Bekannte Baryonen sind
das Proton und das Neutron.

Teilchen, die der starken Wechselwirkung nicht unterliegen, werden als Leptonen bezeichnet.
Die Theorie der Elektroschwachen Wechselwirkung behandelt die Leptonen als elementare
Teilchen.

Bekannte Leptonen sind das Elektron, das Myon und die Neutrinos. Alle Leptonen besitzen
den Spin ½ und gehören damit der Gruppe der Fermionen an.

Elementarteilchen und zusammengesetzte Teilchen

Alle beobachteten Elementarteilchen sind entweder selbst fundamental (also ohne innere
Struktur), oder sind als Bindungszustand solcher Fundamentalteilchen verstanden worden.
Man betrachtet heute Quarks, Leptonen sowie Eichbosonen als fundamental. Quarks und
Leptonen haben alle einen Spin von ½; alle Eichbosonen besitzen einen Spin von 1 (das
hypothetische Graviton hätte einen Spin von 2).

Zusammengesetzte Teilchen entstehen aus der Kombination dreier Quarks (Baryon, Spin ½
oder 1½) oder aus der Kombination eines Quarks mit einem Antiquark (Meson, Spin 0 oder
1). Das Proton und das Neutron sind Baryonen, das Pion und das Kaon sind Mesonen.

Es gibt jedoch auch Hinweise für Bindungen mit mehr als 3 Quarks: Ein stabiler
Bindungszustand von 5 Quarks (Pentaquark) wurde 1997 theoretisch vorhergesagt; 2003
wurden erste experimentelle Hinweise auf seine Existenz gefunden. Da das Pentaquark aber
nicht in allen Experimenten gesehen wird, gilt es derzeit noch als experimentell nicht
gesichert. Ebenfalls 2003 entdeckte das japanische Belle-Experiment ein neues Teilchen, die
Entdeckung wurde kurz darauf durch das amerikanische CDF-Experiment bestätigt. Das
derzeit unter dem Namen X(3872) geführte Teilchen wird nach bisherigen Ergebnissen als 4-
Quark Bindungszustand gedeutet (2 Quarks und 2 Antiquarks). Bis Anfang 2006 wurden von
Belle noch sechs weitere, bisher unbekannte Teilchen entdeckt, deren theoretische und
experimentelle Untersuchung noch andauert.
Einteilung nach Spin

Systeme von Elementarteilchen zeigen unterschiedliches (statistisches) Verhalten, je


nachdem, ob sie halb- oder ganzzahligen Spin besitzen.

Elementarteilchen mit ganzzahligem Spin (Eichbosonen, Mesonen) werden als Bosonen


bezeichnet. Elementarteilchen mit halbzahligem Spin (Leptonen, Baryonen) werden als
Fermionen bezeichnet.

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Einteilung - Zusammenfassung

Austauschteilchen … sind Bosonen


Leptonen … sind Fermionen
Mesonen … sind Bosonen
Hadronen
Baryonen … sind Fermionen

Die Quantenfeldtheorien beschreiben die Wechselwirkung der Fundamentalteilchen (Quarks,


Leptonen) durch Austauschteilchen (Photon, Gluon, Z-Boson, W-Boson). Innerhalb der
Quantenfeldtheorien können sich Elementarteilchen nach bestimmten Regeln (Erhaltung von
Energie, Ladung, Spin) ineinander umwandeln.
Bekannte Elementarteilchen
Leptonen und Quarks

elektrisc
he Wechselwirkungen
Ladung Baryone
Lebensdaue
Familie Teilchen in n-
Masse r elektro-
Element zahl
magnetis stark schwach
ar-
ch
ladungen
Elektron e 511 keV stabil −1 0 ja nein ja
Elektron- Neutrinooszi
ν <3 eV 0 0 nein nein ja
Neutrino e llation
1. Familie Up- 1,5 bis 4,5 frei nicht
u 2/3 1/3 ja ja ja
Quark MeV existent
Down- 5 bis 8,5 frei nicht
d −1/3 1/3 ja ja ja
Quark MeV existent

Myon μ 0,106 GeV −1 0 ja nein ja

Myon- Neutrinooszi
ν < 0,3 MeV 0 0 nein nein ja
Neutrino μ llation
2. Familie
Charm- 1,0 bis 1,4 frei nicht
c 2/3 1/3 ja ja ja
Quark GeV existent
Strange- 80 bis 155 frei nicht
s −1/3 1/3 ja ja ja
Quark MeV existent

Tau τ 1,777 GeV −1 0 ja nein ja

Tau- Neutrinooszi
ν <30 MeV 0 0 nein nein ja
Neutrino τ llation
3. Familie
Top- 169 bis 179 frei nicht
t 2/3 1/3 ja ja ja
Quark GeV existent
Bottom- 4,0 bis 4,5 frei nicht
b −1/3 1/3 ja ja ja
Quark GeV existent

c ist dabei die Lichtgeschwindigkeit im Vakuum.

Die oben genannten Quarks kommen in jeweils drei Arten vor, die sich durch die Farbladung
unterscheiden: jeweils ein rotes, blaues und grünes (die Farbladung hat nichts mit der
sichtbaren Farbe zu tun). Da Quarks niemals frei sondern nur in Verbindung mit anderen
Quarks als Mesonen oder Baryonen auftreten (siehe Confinement), sind die Quarkmassen nur
sehr ungenau bestimmt. Für top- und bottom-Quark waren auch die Namen truth- und beauty-
Quark gebräuchlich.

Zu jedem der oben genannten Fermionen gibt es ein Antiteilchen, die generell durch die
vorangestellte Silbe Anti- gekennzeichnet werden. Aus historischen Gründen trägt das
Antiteilchen des Elektrons die Bezeichnung Positron.

Eichbosonen

(in Klammern: Teilchen vermutet, noch nicht gefunden)

Teilchen Masse·c2 Spin Ladung vermittelte Wechselwirkung


Photon 0 1 0 elektromagnetische Kraft
Z0 ca. 91 GeV 1 0
W+ ca. 80 GeV 1 1 schwache Kraft
W− ca. 80 GeV 1 -1
Gluon 0 1 0 starke Kraft (Farbkraft)
(Graviton) 0 2 0 Gravitation

Es gibt insgesamt 8 Gluonen, die jeweils Kombinationen zweier Farbladungen tragen, und die
Wechselwirkung zwischen diesen beiden Farbladungen vermitteln. Sie haben keine
individuellen Namen bekommen, im Unterschied zu den 3 Bosonen, die die schwache
Wechselwirkung vermitteln: W+, W− und das neutrale Z-Boson. Die elektromagnetische
Wechselwirkung wird durch nur 1 Boson vermittelt, dem Photon.

Das Higgs-Boson

Das Higgs-Boson ist ein bislang nicht nachgewiesenes, hypothetisches Elementarteilchen. Es


wird aufgrund theoretischer Überlegungen vom Standardmodell der Elementarteilchenphysik
vorausgesagt. Um konsistent mit bisherigen experimentellen Daten zu sein, erwartet man eine
Masse von etwa 110 bis 250 GeV. Das Higgs-Boson (oder Verallgemeinerungen desselben in
erweiterten Theorien) ist notwendiger Bestandteil heute akzeptierter Theorien, da erst durch
die Wechselwirkung mit dem Higgs-Boson die Masse der (in der Theorie ursprünglich
masselosen) Leptonen und Quarks generiert wird.
Mesonen (Auswahl)

Mesonen sind Bindungszustände aus Quark und Antiquark, und sind demnach keine
Fundamentalteilchen.

Teilchen Quarks Masse·c² mittlere Lebensdauer Ladung Strangeness Antiteilchen


Positives 139 2,6·10−8s
π+ ud +1 0 Negatives Pion
Pion MeV
Negatives −
π ud −1 0 Positives Pion
Pion
Neutrales 0 135
π uu+dd 8,3·10−17s 0 0
Pion MeV
Positives 494 1,2·10−8s
K+ us +1 +1 Negatives Kaon
Kaon MeV
Negatives −
K us −1 −1 Positives Kaon
Kaon
Neutrales 498 5,2·10−8s und 8,9·10−11s
K0 ds 0 +1 Anti-Kaon
Kaon MeV
Anti-
K0 ds 0 −1 Neutrales Kaon
Kaon
Neutrales 1870
D0 cu 10−12s 0 0
D MeV
Positives
D+ cd 4·10−13s +1 0
D
3097
Jot-Psi J/Ψ cc 0,8·10−20s 0 0
MeV
9460
Upsilon Y bb 1,3·10−20s 0 0
MeV

In der Spalte Quarks werden Anti-Quarks überstrichen und rot dargestellt. Im allgemeinen
können quantenmechanische Überlagerungen verschiedener Quark-Kombinationen auftreten,
wie zum Beispiel beim neutralen Pion oder Kaon. Bei letzterem sind die experimentell
beobachtbaren Zustände nicht Kaon und Antikaon, sondern die Überlagerungen KL und KS,
die sich in ihrer Lebensdauer stark unterscheiden.

Neutrales Pion, Jot-Psi und Upsilon sind jeweils ihr eigenes Anti-Teilchen.
Baryonen (Auswahl)

Baryonen sind Bindungszustände aus drei Quarks (analog Antibaryonen aus drei Antiquarks),
und sind demnach keine Fundamentalteilchen.

Mittlere
Teilchen Quarks Masse·c² Spin Ladung Strangeness Charm
Lebensdauer
938,3 stabil oder >
Proton p uud ½ +1 0 0
MeV 1032 Jahre
939,6 887 s (als
Neutron n udd ½ 0 0 0
MeV freies Neutron)
1116
Lambda Λ uds 2,6·10−10 s ½ 0 −1 0
MeV
Delta- 1232
Δ++ uuu 6·10−24 s 1½ +2 0 0
Plus-Plus MeV
Delta- 1232
Δ+ uud 6·10−24 s 1½ +1 0 0
Plus MeV
Delta- 1232
Δ0 udd 6·10−24 s 1½ 0 0 0
Null MeV
Delta- 1232
Δ− ddd 6·10−24 s 1½ −1 0 0
Minus MeV
Sigma- 1189
Σ+ uus 0,8·10−10 s ½ +1 −1 0
Plus MeV
Sigma- 1192
Σ0 uds 5,8·10−20 s ½ 0 −1 0
Null MeV
Sigma- 1197
Σ− dds 1,5·10−10 s ½ −1 −1 0
Minus MeV
1315
Xi-Null Ξ0 uss 2,9·10−10 s ½ 0 −2 0
MeV
1321
Xi-Minus Ξ− dss 1,6·10−10 s ½ −1 −2 0
MeV
Omega- 1671
Ω− sss 0,9·10−10 s 1½ −1 −3 0
Minus MeV
Lambda- 2282
ΛC+ udc 2,3·10−13 s ½ +1 0 +1
C-Plus MeV