Sie sind auf Seite 1von 60

Prof. Dr.-Ing.

Jörg Franke Handhabungs- und Montagetechnik


Lehrstuhl für Fertigungsautomatisierung
und Produktionssystematik
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

VE 13 – Montagegerechte Produktgestaltung

Prof. Dr.-Ing. J. Franke | Vorlesung Handhabungs- und Montagetechnik SoSe 2015


FAPS und industrielle Sponsoren laden Sie ein zur
5. Summer School „Soft Skills für Ingenieure“

vom 22. bis 24. Juli 2015 „Soft Skills für Ingenieure“
im Tagungshotel Behringers in Gößweinstein; Behringersmühle 23

 Vertiefen Sie Ihre Kenntnisse in Projektmanagement, Problemlösungstechniken


und Werteentwicklung und nehmen Sie an einem Teambuilding-Event in einem
anspruchsvollen Klettergarten teil und führen Sie ein Rhetoriktraining durch
 Profitieren Sie von der langjährigen Erfahrung der Industriereferenten
 Nehmen Sie Kontakt zu weltweit agierenden Technologieführern auf
(im Hinblick als möglichen Arbeitgeber)
 Treffen Sie Führungspersönlichkeiten und Hochschulprofessoren
in informellem Umfeld
 Verbringen Sie drei anregende und informative Tage in traumhafter Atmosphäre.
 Alle Kosten vor Ort werden dankenswerterweise von den Sponsoren übernommen.
• Fachrichtungen: Elektrotechnik, Informationstechnik, Mechatronik, Maschinenbau/Produktions-
technik, Wirtschaftsingenieurwesen, Medizintechnik, Energietechnik, weitere auf Anfrage
• Masterstudenten und Bachelor-Studenten in höheren Fachsemestern (ab ca. 5 Semester)
• Einreichung einer 1-seitigen Bewerbung und tabellarischen Lebenslaufs per Mail an
holzinger@faps-tt.de oder über die Homepage; Einsendeschluss ist der 10.07.2015
• Anzahl Teilnehmer auf 40 begrenzt, die Teilnahme ist an allen 3 Tagen erforderlich
• Auswahl über schriftliches Bewerbungsverfahren mit Unterstützung durch die Sponsoren und
Zustimmung, dass die Sponsoren die Bewerbung und den Lebenslauf einsehen dürfen
• Übernachtung, Speisen und Getränke, sowie eine Weinprobe am ersten Abend werden von den nähere
Sponsoren übernommen. An- und Abreise erfolgen auf eigene Kosten. Informationen unter
www.faps-tt.de

Prof. Dr.-Ing. J. Franke | Vorlesung Handhabungs- und Montagetechnik SoSe 2015 14.07.2015 2
Die Vorlesung ist in vier wesentliche Themenbereiche gegliedert:
Fügeverfahren, Komponenten, Anwendungen und Planung.

VE Thema Datum Betreuer

1 Einführung in die HUM 14.04.2015 Yoo

2 Lösbare Fügeverfahren 21.04.2015 Reitberger

3 Nicht-lösbare Fügeverfahren 28.04.2015 Reitberger

4 Vorrichtungs- und Zuführtechnik 05.05.2015 Braun

5 Handhabungsgeräte und Industrieroboter 12.05.2015 Buschhaus

6 Manuelle, hybride und automatisierte Montagesysteme 19.05.2015 Buschhaus

7 Materiallogistik 02.06.2015 Serno

8 Verpackungstechnik 09.06.2015 Braun

9 Technische Sauberkeit 16.06.2015 Yoo

10 Elektronikproduktion 23.06.2015 Syed Khaja

11 Elektromotorenmontage 30.06.2015 Gläßel

12 Planung von Montagesystemen 07.07.2015 Brandmeier

13 Montagegerechte Produktgestaltung 14.07.2015 Yoo

Prof. Dr.-Ing. J. Franke | Vorlesung Handhabungs- und Montagetechnik SoSe 2015 14.07.2015 3
Im Rahmen der Übungen können Sie einen intensiven Einblick
in die Praxis der Handhabungs- und Montagetechnik erhalten.

ÜE Datum Thema Referent/Firma Ort

1 16.04.2015 Einführung in die HUM Übung Yoo H10


Herr Lotter
2 30.04.2015 Manuelle Montage H10
(LP Montagetechnik)

14.05.2015 Keine Übung (Christi Himmelfahrt)

Herr Dr. Wolf


3 21.05.2015 Robotereinsatz im Maschinenbau H10
(robomotion)

28.05.2015 Keine Übung (Pfingstwoche)

4 18.06.2015 Digitale Fabrik Schaeffler Herzogenaurach

5 25.06.2015 Automatisierte Montage Bosch Nürnberg

6 02.07.2015 Materialfluss, Elektronikproduktion Siemens* Amberg

7 09.07.2015 Zeitwirtschaft in der Montage Brose* Coburg

8 16.07.2015 Klausurvorbereitung Yoo H10


* In Planung

Prof. Dr.-Ing. J. Franke | Vorlesung Handhabungs- und Montagetechnik SoSe 2015 14.07.2015 4
Durch montagegerechte Gestaltung kann maßgeblich Einfluss auf die
Fertigungsqualität und –kosten eines Produkts genommen werden.

Die Montage ist aufgrund ihres großen Einflusses auf die


Kosten, die Qualität und die Liefertermine der Produkte von entscheidender Bedeutung
für die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens.
Die Berücksichtigung der Montagefreundlichkeit eines Produkts und seiner
Einzelkomponenten während der Entwicklung hat deshalb besonderes Einsparpotential.

Quelle: Lamborghini (Bildquelle: KUKA)Quelle: Bosch (Bildquelle: August Friedberg GmbH)


Quelle: Bosch

Die Vorlesungseinheit zur montagegerechten Produktgestaltung vermittelt Ihnen


 die Grundlagen zur Definition montagegerechter Produktstrukturen,
 Gestaltungsrichtlinien für montagefreundliche Produkte und Bauteile,
 Methoden zur Bewertung und Verbesserung der Montagefreundlichkeit.

Prof. Dr.-Ing. J. Franke | Vorlesung Handhabungs- und Montagetechnik SoSe 2015 14.07.2015 5
Die Gliederung der Vorlesungseinheit greift den Ablauf einer
montageseitigen Produktoptimierung auf.

 Grundlagen und Anforderungen


 Montagegerechte Produktstruktur
 Bewertungsmethoden
 DFMA-Analyse nach Boothroyd und Dewhurst
 Gestaltungsregeln für Handhabbarkeit
 Gestaltungsregeln für montagegerechte Bauteile

Quelle: beb.ch

Quelle: Brose

Prof. Dr.-Ing. J. Franke | Vorlesung Handhabungs- und Montagetechnik SoSe 2015 14.07.2015 6
Die montagegerechte Produktgestaltung birgt ein maßgebliches
Einsparpotenzial für die Herstellungskosten eines Produkt.

Kostenverursachung

12% 15% 70% 3%

Konstruktion Teilefertigung Montage Sonstiges

75% 6% 13% 6%
Kostenverantwortung
Quelle: Lotter, Wiendahl 2012

Durch die Berücksichtigung der Richtlinien zur montagegerechten Produktgestaltung


kann ein Großteil der durch die Montage verursachten Kosten beeinflusst und ggf.
reduziert werden.

Prof. Dr.-Ing. J. Franke | Vorlesung Handhabungs- und Montagetechnik SoSe 2015 14.07.2015 7
Die Umsetzung der montagegerechten Produktgestaltung
erfolgt über die Grundregel: Einfach und eindeutig.

Das montagegerechte Entwickeln und Konstruieren hat das Ziel,


Motivation den aus der Produktgestalt resultierenden Aufwand in der Montage
(Betriebsmittel, Personal, Steuerung) zu minimieren [nach Stoll].

 Wirtschaftliche Sicherung der Produktqualität


(hohe Prozessqualität bei geringen Montagekosten)
Ziele  Hohe Wiederholhäufigkeit von Montageabläufen (trotz großer Variantenzahl)
 Minimierung der Montage- und Einarbeitungszeit (manuelle Montage)
 Einsatz von möglichst einfachen und zuverlässigen Hilfsmitteln
(bei manueller und automatisierter Montage)

 Regelmäßige Abstimmung zwischen Konstruktions- und


Montageverantwortlichen
 Optimale Abstimmung der Gestaltungsbereiche
Produkt, Montagevorgänge und Montageanlage
Umsetzung
 Grundregel: Einfach und eindeutig
• Gliedern, Reduzieren, Vereinheitlichen und Vereinfachen der
Montageoperationen
• Reduzieren, Vereinheitlichen und Vereinfachen der Fügestellen
• Ermöglichen und Vereinfachen des automatisierten Handhabens d. Fügeteile

Prof. Dr.-Ing. J. Franke | Vorlesung Handhabungs- und Montagetechnik SoSe 2015 14.07.2015 8
In den unterschiedlichen Konstruktionsphasen werden unterschiedliche
Maßnahmen zur montagegerechten Produktgestaltung angewandt.

Konstruktionsphasen

Planen Konzipieren Entwerfen Ausarbeiten

Vereinfachung der Produktstruktur


- Minimierung der Variantenzahl
- Reduktion der Funktionsvielfalt

Vermeidung von Montagevorgängen


- Definieren von Baugruppen
- Anstreben von Integralbauweise

Vereinfachung von Montagevorgängen


- Anbringen von Fügefasen
- Vereinheitlichen der Montagerichtung

Maßnahmen zur montagegerechten Produktgestaltung


Quelle: Ehrlenspiel

Prof. Dr.-Ing. J. Franke | Vorlesung Handhabungs- und Montagetechnik SoSe 2015 14.07.2015 11
Die Festlegung der Produktanforderungen bestimmen
signifikant Montagefreundlichkeit, -system und -kosten.

Anforderungen an Produkt

Einzelprodukt oder
Verbindungstechnik
Produktprogramm

Anforderungen für
Stückzahl und
Montageoperationen durch
Variantenanzahl
den Anwender

Anforderungen
an Montage
Transport- und Verpackungs- Restriktionen
anforderungen (Sicherheit, gesetzlich)

Fertigungs- und
Automatisierungsgrad
Montagebedingungen
Prüfanforderungen und
Qualitätsmerkmale

Quelle: Pahl/Beiz

Prof. Dr.-Ing. J. Franke | Vorlesung Handhabungs- und Montagetechnik SoSe 2015 14.07.2015 12
Der Automatisierungsgrad eines Montagesystems ist
von den Eigenschaften des Produkts abhängig.

Toleranzanforderung
Produktkomplexität

Schwierigkeitsgrad
Produkteigenschaften

Variantenanzahl
Produktgröße

der Montage
Stückzahl
Automatisierungsgrad

Manuelle
Montage

Halbautomatisierte
Montage

Vollautomatisierte
Montage Mit steigendem Automatisierungsgrad wachsen auch die
Bildquelle: BMW Anforderungen an die Fertigungstoleranzen der Bauteile!

Prof. Dr.-Ing. J. Franke | Vorlesung Handhabungs- und Montagetechnik SoSe 2015 14.07.2015 13
Die Gliederung der Vorlesungseinheit greift den Ablauf einer
montageseitigen Produktoptimierung auf.

 Grundlagen und Anforderungen


 Montagegerechte Produktstruktur
 Bewertungsmethoden
 DFMA-Analyse nach Boothroyd und Dewhurst
 Gestaltungsregeln für Handhabbarkeit
 Gestaltungsregeln für montagegerechte Bauteile

Quelle: beb.ch

Quelle: Brose

Prof. Dr.-Ing. J. Franke | Vorlesung Handhabungs- und Montagetechnik SoSe 2015 14.07.2015 14
Wenig unterschiedliche und einfache Teile sowie Montageoperationen
erleichtern zusammen mit einer klaren Produktstruktur die Montage.

Maßnahmen zur Gewährleistung einer montagegerechten Produktstruktur

Reduzierung der Teilezahl


 Funktionsanalyse und Funktionsintegration
 Verringerung der Montageoperationen
 Reduzierung der Montagezeit und -kosten
Montagegerechte
Produktstruktur

Gliederung der Produktstruktur und der Montageoperationen


 Vor- und Endstufenmontage → Strukturierung in Montagemodule
 Parallele Montage → Zeitgleiches Fertigen unabhängiger Montagegruppen
 Möglichst späte Variantenbildung → Viele identische Montageoperationen

Vereinheitlichen und Vereinfachen von Montageoperationen


 Zusammenfassen von Fertigungs- und Montageoperationen, wie z .B.
selbstbohrende Schrauben
 Einsatz eines Basisbauteils als Grundgefüge
Quelle: Lotter, Wiendahl 2012

Prof. Dr.-Ing. J. Franke | Vorlesung Handhabungs- und Montagetechnik SoSe 2015 14.07.2015 15
Durch Funktionsintegration können Bauteile weggelassen und so
Teilezahl und Montageoperationen reduziert werden.

 Teile werden durch Integral- bzw.


Verbundbauweise zusammengefasst
 die Funktionen der Einzelteile werden durch
das neu geschaffene Bauteil abgedeckt
 die Funktion des Produkts
bleibt vollständig erhalten
 die Anzahl der Bauteile und der
erforderlichen Montageoperationen wird
reduziert

Beispiel Funktionsintegration an einem


Pneumatikzylinder:
 Ersetzen der Deckplatte aus Stahl mit
Hilfsfügeteilen durch Kunststoffteil mit
integrierten Klipsen
 Integration des Anschlags aus Nylon in den
Aluminiumstempel

Quelle: Boothroyd

Prof. Dr.-Ing. J. Franke | Vorlesung Handhabungs- und Montagetechnik SoSe 2015 14.07.2015 16
Beim Mehrkomponenten-Spritzgießen wird ein Formteil aus mehreren
Komponenten oder Farben auf einer Maschine hergestellt.

Verfahren Standard-Mehrkomponenten-Spritzgießen:
In einem ersten Verfahrensschritt wird ein Vorspritzling Einspritzen des Vorspritzlings in die erste
aus der ersten Komponente gefertigt und anschließend Kavität. Nach Drehen des Werkzeuges
mit weiteren umspritzt. Einspritzen des zweiten Materials in die zweite
Kavität

Dreh-Werkzeug
Intervall- Sandwich- Verbund-
spritzgießen: spritzgießen: Spritzgießen:
Guss der Farben Einschießen Kombination von
abwechselnd in Kern in äußere Farben durch
die selbe Kavität Randschicht WZ-Einsätze

Anordnung der Extruder

horizontal

vertikal

Quelle: Arburg
horizontal

Prof. Dr.-Ing. J. Franke | Vorlesung Handhabungs- und Montagetechnik SoSe 2015 20.07.2015 14.07.2015 17
Die sinnvolle Untergliederung des Endprodukts in Montagemodule
ermöglicht parallele Montagevorgänge und späte Variantenbildung.

 Definition von Montagemodulen für jeweils Endprodukt


Vor- und Endstufenmontage
 Montagemodule der Vorstufen können
zeitgleich montiert werden
→ Parallelisierung der Montagevorgänge
Teil 1 Teil 2 Teil 3 Teil 4 Teil 5 Teil 6
 Montagemodule können vor Einbau in das
Endprodukt funktionsgeprüft werden
→ Erhöhung der Prozesssicherheit,
Vereinfachung der Endprüfung des Produkts
 Varianten werden durch die Kombination Endprodukt
unterschiedlicher Montagemodule und
weniger Einzelbauteile erzeugt
→ späte Variantenbildung, Montage aller Montagemodul 1 Montagemodul 2
Varianten auf gleichen Montageplätzen, hohe
Zahl gleicher Montageabläufe
Teil 1 Teil 2 Teil 3 Teil 4 Teil 5 Teil 6

Quelle: Pahl/Beitz

Prof. Dr.-Ing. J. Franke | Vorlesung Handhabungs- und Montagetechnik SoSe 2015 14.07.2015 18
Bei der Konstruktion hochintegrierter Montagemodulen sind
folgende Grundregeln zu beachten.

Übersichtlicher Montageumfang
 Montageumfang muss durch entsprechende Baugruppenbildung in
überschaubare Abschnitte untergliedert werden.
Geringere Gestaltungsvarianz
 Baugruppen sollen möglichst variantenneutral gestaltet werden.
Variantenabhängige Baugruppen sollen nach Möglichkeit direkt in
das Endprodukt montiert werden.
Intrinsische Stabilität der Baugruppe
 Eine Baugruppe soll in sich so stabil sein, dass die weitere
Handhabung wie bei einem Einzelteil erfolgen kann.
Minimierung der Verbindungen
 Die Verbindungen der Baugruppen untereinander, sei es
mechanisch, elektrisch oder elektronisch, sollen auf ein Minimum
reduziert werden.
Vorprüfung der Baugruppen
 In der Endmontage sollten nach Möglichkeit nur vorgeprüfte
Baugruppen montiert werden.

Bildquelle: BMW

Prof. Dr.-Ing. J. Franke | Vorlesung Handhabungs- und Montagetechnik SoSe 2015 14.07.2015 19
Modularisiertes Türsystem ist ein typisches Beispiel für die
in Montagemodule gegliederten Montagevorgängen.

Zuziehhilfe mit
Fensterhebeantrieb Endprodukt
integrierter Elektronik

Seilfensterheber Türsteuergerät Schlossmodul

Bildquelle: Brose

Prof. Dr.-Ing. J. Franke | Vorlesung Handhabungs- und Montagetechnik SoSe 2015 14.07.2015 20
Die Montage auf oder in ein Basis-Bauteil aus einer einheitlichen
Fügerichtung erhöht die Montagefreundlichkeit.

Schichtbauweise (Sandwich-/ Stapelbauweise)


 zu montierendes Teil zentriert sich an Basis- oder Vorgängerteil
 Montagereihenfolge unveränderbar
 zusätzliche Formelemente unterstützen Fügevorgang

Nestbauweise
 Anordnung der zu montierenden Bauteile nebeneinander
 parallele Montage realisierbar
 Montagereihenfolge meist frei wählbar
 Formelemente zur Zentrierung

Schachtelbauweise (Schalen-/Formschlussbauteile)
 Einheitliche Fügerichtung und -verfahren
 Bauteile werden nach Einlegen im Basisteil durch Sicherungsteil
gehalten
 Deckelement schließt Baugruppe ab und sollte ein ohnehin
erforderliches Bauteil sein
Quelle: Lotter

Prof. Dr.-Ing. J. Franke | Vorlesung Handhabungs- und Montagetechnik SoSe 2015 14.07.2015 21
MID-Bauteile vereinen mechanische und elektrische Funktionen
in einem integralen Bauteil.

elektrische Funktionen

Bauelementeträger
Gehäusefunktion

Oberflächenbestückte
Bauelemente

MID
Taster

Versteifungsrippen

Verschraubungselement

Schnappverbinder

mechanische Funktionen
Quelle: TRW Automotive

Prof. Dr.-Ing. J. Franke | Vorlesung Handhabungs- und Montagetechnik SoSe 2015 14.07.2015 22
Die Gliederung der Vorlesungseinheit greift den Ablauf einer
montageseitigen Produktoptimierung auf.

 Grundlagen und Anforderungen


 Montagegerechte Produktstruktur
 Bewertungsmethoden
 DFMA-Analyse nach Boothroyd und Dewhurst
 Gestaltungsregeln für Handhabbarkeit
 Gestaltungsregeln für montagegerechte Bauteile

Quelle: beb.ch

Quelle: Brose

Prof. Dr.-Ing. J. Franke | Vorlesung Handhabungs- und Montagetechnik SoSe 2015 14.07.2015 24
Am Beispiel von Servo-Lenkungs-Powerpacks beschreibt der Vorranggraph
den Ablauf der Montage (Ausschnitte).

Potentiale Komplettmontage
Stator
 Optimale Logistikkette durch
(DANA)
sternförmige Belieferung von
Baugruppen
Bleche Bleche Spulen Kontakte
 Kurze Durchlaufzeiten, geringe
stanzen verschweißen wickeln verschweißen
Bestände, hohe Produktivität
 Minimierung der Funktionsprüfungen
ECU
 Kurze Reaktionszeiten bei Q-
(BOSCH) Software
Problemen und Designänderungen
 Kostenoptimal durch Reduzierung
ECU Software
bestücken einspielen
Overheadkosten

End-
montage
(ZFLS)
Lager Lager ECU Stator Stecker Rotortopf Motorgehäuse
bereitstellen einpressen montieren montieren schweißen montieren montieren

Rotor
(DANA)
Legende
Rotor Welle Magnete Rotor Magnete Eigenfertigung Gehäuse
tiefziehen einpressen einkleben wuchten magnetisieren Kernkompetenz bearbeiten
aufzubauen
Standardkompetenz
Quelle: ZF Lenksysteme GmbH - Fremdfertigung

Prof. Dr.-Ing. J. Franke | Vorlesung Handhabungs- und Montagetechnik SoSe 2015 14.07.2015 26
Um die Maßnahmen zur montagegerechten Konstruktion zu bewerten,
wurden über viele Jahren verschiedene Methoden entwickelt.

Methodenübersicht
 Product Design for Manufacture and Assembly (Boothroyd)
 Auf Basis der DFA-Methode „Desing for Assembly“ von Boothroyd und Dewhurst
 Entscheidung über den Automatisierungsgrad anhand der jährlichen Produktionsmenge und der Komplexität
des Produktes
 Analyse und Verbesserung der Baugruppe oder des Produktes

 Montageerweiterte ABC-Analyse (Lotter)


 Beantwortung der Frage „Was kostet ein Teil, bis es seine Funktion nach durchgeführter Montage erfüllt?“
 Detaillierte Gestaltungskonzepte vorausgesetzt

 DfX (Design-for-X) Leitlinienkatalog (Fraunhofer IPA Stuttgart)


 Bewertung der Produkte mit einem Kennzahlsystem bereits während der Entwicklung
 Berücksichtigung verschiedener, z. B. Montage, Prüfbarkeit von Produkten, Produktionslogistik, Service und
Reparatur sowie Umweltfreundlichkeit

 Lucas DFA-Methode (Lucas Engineering & Systems, University of Hull)


 Bewertungsablauf anhand einer Flussbild-Darstellung der Montage
 Unterscheidung zwischen funktionswichtigen Teilen A und -unwichtigen Teilen B
 Relative Bewertung der Gestaltungseffektivität, Zuführ- und Montageverhältnis

Quelle: Lotter, Wiendahl 2012

Prof. Dr.-Ing. J. Franke | Vorlesung Handhabungs- und Montagetechnik SoSe 2015 14.07.2015 27
Um die Maßnahmen zur montagegerechten Konstruktion zu bewerten,
wurden über viele Jahren verschiedene Methoden entwickelt.

Methodenübersicht (Fortsetzung)
 Assemblability Evaluation Method (AEM) der Firma Hitachi
 Analyse die für die Montage notwendigen Bewegungen und Arbeitsgänge
 Vergabe von „Strafpunkten“ für jede Abweichung von einem Idealzustand
 Rückschluss auf die gestalterische Reifer im Hinblick auf die Montage und die Schwierigkeit der
Montageoperationen

 Digital Mock-Up (DMU)


 Als Zusatzmodul in modernen rechnerunterstützten Systemen
 Virtuelle Bewegung und Platzierung von Teilen und Baugruppen
 Untersuchung von Kollisionen und Überdeckung von Körpern
 Veranschaulichung der Montage durch eine zeichnerische Spurdarstellung

 Expertensysteme
 Unterstützung der Konstruktions- und Planungsprozesse durch die Wissensverarbeitung
 Verfügbarkeit aller für die Montage wesentlichen Produktdaten müssen rechnerintern vorausgesetzt
 Geringe Bedeutung in der Praxis, da Pflege der Wissensdatenbasis sehr aufwendig

Quelle: Lotter, Wiendahl 2012

Prof. Dr.-Ing. J. Franke | Vorlesung Handhabungs- und Montagetechnik SoSe 2015 14.07.2015 28
Das MTM-Verfahren dient als Grundlage einer Feinanalyse und -planung
von manuellen Einzelmontageplätzen.

Methods-Time-Measurement (MTM)
 Definition
 Übersetzung in Deutsch „Methodenzeit-Messung“
 Definition der Methodenzeit nach Deutsche MTM-Vereinigung: „Die bei der
Durchführung einer bestimmten Arbeit beanspruchte Zeit hängt von der
gewählten Methode der Tätigkeit ab.“

 Ziele
 Festlegung von Sollwerten des wirtschaftlichen Montageaufwands durch
Systeme vorbestimmter Zeiten von Vorgangselementen

 Vorgehensweise Hinlangen
 Gliederung aller Bewegungsabläufe in Grundbewegungen
 Ermittlung der Montagezeit durch Analyse der Bewegungsabläufe
 Quantitative Erfassung des Montageaufwands Loslassen Greifen
nach Zeitaufwände
Grundbewegungen nach MTM

Fügen Bringen

Quelle: Lotter, Wiendahl 2012

Prof. Dr.-Ing. J. Franke | Vorlesung Handhabungs- und Montagetechnik SoSe 2015 14.07.2015 30
Zeitbedarf und Montagefreundlichkeit manueller Vorgänge lassen sich mithilfe
der Personensimulation bereits in der Planungsphase bewerten.

MTM Grundverfahren

Hinlangen - Greifen - Loslassen


Bringen - Fügen

Zeitbedarf der Dauer des gesamten


Elementarbewegungen Bewegungsablaufs

Beschreibung der Balkenplan für


Elementarbewegungen den Zeitbedarf

Prof. Dr.-Ing. J. Franke | Vorlesung Handhabungs- und Montagetechnik SoSe 2015 14.07.2015 32
Das MTM-basierte Werkzeug „ProKon“ erlaubt frühzeitige Erkennung von
Montageerschwernissen und deren Rückschluss auf die Konstruktion.

Quelle: Brose, Deutsche MTM-Vereinigung e. V.

 Erkennen und Bewerten von Schwachstellen in der Konstruktion,


die zu Montageerschwernissen führen
Ziele  Anregung für gezielte Optimierung der Produktgestaltung,
insbesondere bzgl. Ergonomie
 Standardisierung der Prozesse

 Sichtbarmachen, Quantifizieren und zielgerichtetes Reduzieren von


Montageerschwernissen zum frühestmöglichen Zeitpunkt
 Vermeidung nachträglicher Produktänderungen und damit verbundener Kosten
Vorteile
 Förderung der Kreativität und der bereichsübergreifenden, interdisziplinären
Kommunikation
 Gute Erlernbarkeit, hohe Bewertungsgeschwindigkeit

Anwendungsfelder

 Benchmarking (Vergleich und Bewertung konstruktiver Merkmale unterschiedlicher Produkte)


 Erstellung von Pflichtenheften (Bewerten von Lösungsansätzen für Neuprodukte)
 Projektbegleitende Anwendung (kontinuierliches Überprüfen zur Erreichung von Zielen)
 Rationalisierung (Verbesserung bereits vorhandener Produkte und Abläufe)

Prof. Dr.-Ing. J. Franke | Vorlesung Handhabungs- und Montagetechnik SoSe 2015 14.07.2015 34
Bei der ProKon Methode der Firma Brose wird die Montagefreundlichkeit
einer Baugruppe mit Hilfe eines Analyseblattes erfasst.

 Das Prokon- Analyseblattes erfasst vertikal die logischen Folge der


Montageschritte, die Montage-Erschwernis wird in horizontaler
Richtung eingetragen.
 pro Bewertungsspalte werden die Häufigkeiten (ΣHäufigkeit)
summiert und mit der jeweiligen ProKon- Einheit multipliziert.
 Einzelwerte aller Bewertungsspalten werden zum Gesamtwert
(ΣProKon-Einheiten) addiert. Die Höhe dieses Wertes ist ein Maß für
die Montagefreundlichkeit: je geringer der Wert, desto höher die
Montagefreundlichkeit

Quelle: Brose

Prof. Dr.-Ing. J. Franke | Vorlesung Handhabungs- und Montagetechnik SoSe 2015 14.07.2015 36
Mit ProKon werden Hinweise zur Verbesserung konstruktiver Lösungen
identifiziert und in Bezug auf ihre Produktivitätsauswirkung quantifiziert.

Anwendungsbeispiel ProKon Methode im Benchmarking


je geringer der PE-Wert,
1275 desto höher die
Montagefreundlichkeit !
980

ProKon Einheiten
(PE) 580

Hersteller A Hersteller B Hersteller C

Fertigungszeit 1,02 Min. 0,78 Min. 0,46 Min.

Anzahl Bauteile 7 5 3

 Keine Positionierhilfe
 2 Positionierhilfen
 Keine Rastnasen  Keine Positionierhilfe
 Rastnasen
 4 Befestigungselemente  Keine Rastnasen
Produktgestaltung  2 Befestigungselemente
(Sechskantmutter)  3 Befestigungselemente
(Sechskantmutter)
 Behinderung beim (Sechskantmutter)
Schrauben

∑ ProKon Einheiten 1275 980 580

Quelle: Deutsche MTM-Vereinigung e. V.

Prof. Dr.-Ing. J. Franke | Vorlesung Handhabungs- und Montagetechnik SoSe 2015 14.07.2015 38
Mit Checklisten kann der Anwender überprüfen, ob oder inwieweit Bedarf
für Anpassungen oder Änderungen des Produkts besteht.

Checklisten zur Bewertung der Montageeignung


Ziele

 Anpassungs- bzw. Änderungsbedarf überprüfen


 Schnelles Erkennen und Überprüfen von Gestaltparametern

Unterschiedliche Formen:
 Anforderungen aus Montagesicht
Grundlagen

 Sammlung von Gestaltungsregeln


 Lösungskataloge
 Beispielsammlungen

Nutzen:
 Überprüfung ob / inwieweit Anpassungs- /Änderungsbedarf
 schnelles Erkennen und Überprüfen von Gestaltparametern
Nachteile
Vor- und

+ geringer Aufwand
+ einfache Anwendbarkeit
− Ergebnisse nicht quantifiziert

Prof. Dr.-Ing. J. Franke | Vorlesung Handhabungs- und Montagetechnik SoSe 2015 14.07.2015 40
Grundlegende Regeln helfen dem Konstrukteur
bei der montagegerechten Produktgestaltung.

 Regel 1: Wenige Bauelemente anstreben!


 Regel 2: Produkte in zweckmäßige Gruppen und Untergruppen (Montageeinheiten) gliedern!
 Regel 3: Ausreichende Zugänglichkeit für Montagewerkzeuge und Montagehilfsmittel sichern!
 Regel 4: Beobachtbarkeit der Montagevorgänge gewährleisten!
 Regel 5: Montageelemente sollten beim Absetzen auf das vorher montierte Element
eine eindeutige und stabile Lage einnehmen!
 Regel 6: (Horizontale) Montagebewegungen für schwere,
manuell nicht mehr handhabbare Baugruppen vermeiden (evtl. Kranmontage)!
 Regel 7: Für schwere Bauteile sind arbeitsschutzsichere Anschlagpunkte vorzusehen!
 Regel 8: Spannen in (oder in der Nähe) der Montage vermeiden!
 Regel 9: Sicheres Erkennen der richtigen Einbaulage gewährleisten
(durch Formschluss erzwingen)!
 Regel 10: Gleichzeitiges Anschnäbeln mehrerer Fügeflächen vermeiden!
 Regel 11: Funktionsflächen bei der Montage nicht verändern!
 Regel 12: Justiervorgänge vermeiden!
 Regel 13: Einstellen bevorzugen, Passen vermeiden!
 Regel 14: Justiervorgänge sollten keine Demontagevorgänge erfordern! Quelle: Günther

Prof. Dr.-Ing. J. Franke | Vorlesung Handhabungs- und Montagetechnik SoSe 2015 14.07.2015 41
Die Montagefreundlichkeit wird auch mit
gut/schlecht Beispielen dokumentiert (Teil I).

ungünstig besser ungünstig besser

Reduzieren der Anzahl der Fügestellen Vereinheitlichen der Fügestellen

Vereinfachen der Fügestellen: Fügeerleichterungen Vereinfachen des automatisierten Handhabens

Quelle: nach Pahl/Beiz

Prof. Dr.-Ing. J. Franke | Vorlesung Handhabungs- und Montagetechnik SoSe 2015 14.07.2015 42
Die Montagefreundlichkeit wird auch mit
gut/schlecht Beispielen dokumentiert (Teil II).

ungünstig besser ungünstig besser

Einbringen von Nebenformelementen Vermeiden einer definierten Drehlage

Erleichterung des Einfädels durch Stehbolzen Zuordnung eines Formmerkmals zu einem Bohrbild

Quelle: Lotter

Prof. Dr.-Ing. J. Franke | Vorlesung Handhabungs- und Montagetechnik SoSe 2015 14.07.2015 43
Methoden und Regeln zur montagegerechten Produktgestaltung
weisen allerdings einige Schwachpunkte auf.

Fehlende Kennwerte und Zeiten


 Die zur Bewertung erforderlichen Kennwerte und Zeiten werden aus
Gerätekenngrößen ermittelt, die jedoch zum Zeitpunkt der
Produktkonstruktion nicht vorliegen.
Mangelnde Priorisierung von Regeln
 Durch die Vielzahl der für die montagegerechte Produktgestaltung zu
beachtenden Regeln und die mangelnde Priorisierung derselben wird
die Umsetzung erschwert.
Schlechte Anwendbarkeit der Regeln
 Die oft als gut/schlecht Beispiel dokumentierten Regeln sind nur bei
entsprechender Abstraktion auf das jeweilige Produkt oder Bauteil
anwendbar.
Fehlende Aussage über wirtschaftliche Automatisierbarkeit
 Es kann keine Aussage über Kostenaufwand und Wirtschaftlichkeit
automatisierter Lösungen getroffen werden, da relevante Parameter
wie z. B. Stückzahl nicht Teil der Betrachtung sind.

Prof. Dr.-Ing. J. Franke | Vorlesung Handhabungs- und Montagetechnik SoSe 2015 14.07.2015 44
Die Gliederung der Vorlesungseinheit greift den Ablauf einer
montageseitigen Produktoptimierung auf.

 Grundlagen und Anforderungen


 Montagegerechte Produktstruktur
 Bewertungsmethoden
 DFMA-Analyse nach Boothroyd und Dewhurst
 Gestaltungsregeln für Handhabbarkeit
 Gestaltungsregeln für montagegerechte Bauteile

Quelle: beb.ch

Quelle: Brose

Prof. Dr.-Ing. J. Franke | Vorlesung Handhabungs- und Montagetechnik SoSe 2015 14.07.2015 47
Die DFMA-Analyse nach Boothroyd und Dewhurst ist
eine Methode zur Bewertung der Montageeignung eines Produkts.

Ablauf der DFMA-Methode


Design for Manufacture and Assembly (Boothroyd, Dewhurst)

Quelle: Lotter

Prof. Dr.-Ing. J. Franke | Vorlesung Handhabungs- und Montagetechnik SoSe 2015 14.07.2015 48
Die Reduktion der Teileanzahl ist integraler Bestandteil der
DFMA-Analyse nach Boothroyd und Dewhurst.

Design for Manufacture and Assembly (Boothroyd, Dewhurst)

Grundsatzfragen zur Anregung


der Teilevermeidung:

Entscheidung über
 Bewegt sich das Teil bezüglich Durchschnittliche
der anderen bereits montierten Reduzierung der
Automatisierungsgrad
Teile? Teile in einem
auf Grundlage der
Komplexität und
 Besteht das Teil aus zwingendem DFMA Projekt:
Grund aus anderen Materialien?
Produktionsmenge
 Ist das Teil von anderen Teilen 51%
deshalb zu trennen weil sonst die
weitere Montage oder
Demontage unmöglich wäre?

Voraussetzung:
Produktentwurf
mit hohem
Konkretisierungsgrad

Quelle: Boothroyd

Prof. Dr.-Ing. J. Franke | Vorlesung Handhabungs- und Montagetechnik SoSe 2015 14.07.2015 49
Ein iterativer Prozess aus Beurteilung und Verbesserung
erhöht die Montageeignung eines Produkts.

Design for Manufacture and Assembly (Boothroyd, Dewhurst)

Iteration bis zur


ausreichenden
Qualifizierung des Entwurfs

Durchschnittliche
Reduzierung der
Verfeinern des Montagezeit in
Auswahl eines Analyse der Teile für
Entwurfs anhand einem DFMA
Montageverfahrens das angenommene
der bei der Analyse Projekt:
für jedes Teil Montageverfahren
erkannten Mängel
62%

Bewertungshilfe: Tabellen mit Werten für Teile- und


Zeitkosten der jeweiligen Gestaltung

Prof. Dr.-Ing. J. Franke | Vorlesung Handhabungs- und Montagetechnik SoSe 2015 14.07.2015 50
Beispiel einer Tabelle für die DFMA-Analyse nach Boothroyd und Dewhurst
zur Bewertung der Montageeignung eines Produkts.

 Tabellen und Kennziffern bilden Grundlage für die Bewertung von Bauteilen
 einzelne Bauteile werden hinsichtlich ihrer Eignung
für Handhabung und Zusammenbau bewertet
 die entsprechenden Werte werden durch Umfragen
in verschiedenen Unternehmen ermittelt
 die Zusammenstellung der Werte aller Einzelbauteile ergibt die
Gesamtbewertungskennzahl für ein Produkt oder eine Montagebaugruppe

Quelle: Boothroyd, Ponn

Prof. Dr.-Ing. J. Franke | Vorlesung Handhabungs- und Montagetechnik SoSe 2015 14.07.2015 51
Die Optimierung einer einfachen Fügeoperation veranschaulicht die
Vorgehensweise bei der DFMA-Analyse nach Boothroyd und Dewhurst.

Reihenfolge der iterativen Verbesserungen

 3 Bauteile  3 Bauteile  2 Bauteile  2 Bauteile  2 Bauteile


 Werkzeug  Werkzeug  Hilfsfügeteil und  Hilfsfügeteil und  Hilfsfügeteil und
benötigt benötigt Gabel integriert Gabel integriert Gabel integriert
 aufwändige  Positionierung (A wird zu B)  Maschine zum  Einschnappen
Positionierung einfacher  Maschine zur Einpressen des von Hand
 zeitaufwändig  niedrigerer Verformung des Bauteils möglich
Zeitaufwand Nietkopfes notwendig
notwendig

Kosten: 0,66 $ Kosten: 0,38 $


Montage: 20,92 s Montage: 8,82 s

Quelle: DFMA

Prof. Dr.-Ing. J. Franke | Vorlesung Handhabungs- und Montagetechnik SoSe 2015 14.07.2015 52
Spezielle Softwaremodule unterstützen den Produktentwickler bei der
Bewertung von Produkten nach der DFMA-Methode.

Quelle: DFMA

Prof. Dr.-Ing. J. Franke | Vorlesung Handhabungs- und Montagetechnik SoSe 2015 14.07.2015 53
Die Gliederung der Vorlesungseinheit greift den Ablauf einer
montageseitigen Produktoptimierung auf.

 Grundlagen und Anforderungen


 Montagegerechte Produktstruktur
 Bewertungsmethoden
 DFMA-Analyse nach Boothroyd und Dewhurst
 Gestaltungsregeln für Handhabbarkeit
 Gestaltungsregeln für montagegerechte Bauteile

Quelle: beb.ch

Quelle: Brose

Prof. Dr.-Ing. J. Franke | Vorlesung Handhabungs- und Montagetechnik SoSe 2015 14.07.2015 54
Die Bauteilkonstruktion muss die Anforderungen und Randbedingungen
hinsichtlich ihrer Handhabbarkeit berücksichtigen.

Mengen
Speichern Bewegen Sichern Kontrollieren
verändern

Unterstützende Arbeiten für die Umsetzung von Handhabung und Transport

 Bauteile müssen so beschaffen sein, dass alle zur Handhabung


notwendigen Arbeiten sicher durchgeführt werden können.
 Die Anforderungen diesbezüglich unterscheiden sich je nach:
 Automatisierungsgrad
 Bereitstellung der Bauteile
 Greifprinzip

Quelle: Ponn

Prof. Dr.-Ing. J. Franke | Vorlesung Handhabungs- und Montagetechnik SoSe 2015 14.07.2015 55
Die Eignung eines Bauteils bezüglich Handhabung und Transport wird von
verschiedenen Bauteileigenschaften beeinflusst.

Bauteileigenschaften

Form Masse Abmessungen


• komplett symmetrisch • Energie- und Platzbedarf • direkter Einfluss auf
• bewusst asymmetrisch • Schwingungen bei Handhabungsmöglichkeiten
Automatisierung und -aufwände

Toleranzen Oberflächen Elastizität


• für Funktion bedeutungslose • besondere Anforderungen • höhere Toleranzen bei
Toleranzen entscheiden müssen zusätzlich Montage
über automatisierte berücksichtigt werden • zu hohe Elastizität →
Handhabbarkeit Handhabungsprobleme

Beeinflussung der Handhabbarkeit


Quelle: Ponn

Prof. Dr.-Ing. J. Franke | Vorlesung Handhabungs- und Montagetechnik SoSe 2015 14.07.2015 56
Um die Handhabbarkeit zu erhöhen, sind möglichst
einfache Grundformen anzustreben.

Steigender Schwierigkeitsgrad der Handhabungsaufgaben von links oben nach rechts unten
Quelle: Lotter

Prof. Dr.-Ing. J. Franke | Vorlesung Handhabungs- und Montagetechnik SoSe 2015 14.07.2015 57
Die Gliederung der Vorlesungseinheit greift den Ablauf einer
montageseitigen Produktoptimierung auf.

 Grundlagen und Anforderungen


 Montagegerechte Produktstruktur
 Bewertungsmethoden
 DFMA-Analyse nach Boothroyd und Dewhurst
 Gestaltungsregeln für Handhabbarkeit
 Gestaltungsregeln für montagegerechte Bauteile

Quelle: beb.ch

Quelle: Brose

Prof. Dr.-Ing. J. Franke | Vorlesung Handhabungs- und Montagetechnik SoSe 2015 14.07.2015 59
Die Bewertung montagegerechter Bauteile kann
unabhängig von der eigentlichen Produktentwicklung erfolgen.

 Betrachtung und Bewertung einzelner Bauteile hinsichtlich ihrer Montageeignung

 Vereinfachung und Verbesserung der Montage kann


ohne Änderung der Produktstruktur stattfinden
 Bauteile werden montagefreundlicher gestaltet
ohne deren Funktion im Produkt zu verändern

 Die Bewertung kann am fertigen Produkt erfolgen,


ohne den bestehenden Montageprozess zu verändern

Vorher:
 Zentrierung des Fügeteils
durch zusätzlichen Passstift
 Fixierung über Schraube

Nachher:
 Zentrierung des Fügeteils über
konischen Schraubenkopf
 Wegfall Passstift
 nur marginale Änderung an
Basisbauteil

Prof. Dr.-Ing. J. Franke | Vorlesung Handhabungs- und Montagetechnik SoSe 2015 14.07.2015 60
Die Montagefreundlichkeit eines Produkts kann auch durch die
montagegerechte Gestaltung von Bauteilen erhöht werden.

Gleichzeitige
Zentrieransätze und
Lange Fügewege Fügeoperationen mit
Anschläge erleichtern
vermeiden gegenseitiger Beeinflussung
Montage und Justage
vermeiden

Quelle: Pahl/Beitz

Prof. Dr.-Ing. J. Franke | Vorlesung Handhabungs- und Montagetechnik SoSe 2015 14.07.2015 61
Wie für die montagegerechte Produktgestaltung existieren auch für die
Bauteilgestaltung umfangreiche Regelwerke.

Montageerleichterung
 Vermeiden nicht formstabiler Bauteile durch zweckmäßigen
Maßunterschied
 Vermeiden empfindlicher Bauteile
 Greifflächen für Handhabung und Fügen vorsehen
 Vermeidung sehr großer und kleiner Bauteile
 Vorsehen weniger, stabiler Bauteillagen
 Vermeidung von Verhaken oder Haften zwischen Bauteilen
 Vermeidung schlechter Bauteilqualität
 Erleichtern von Positionierung und Orientierung durch Fügehilfen
 Reduktion von Kontaktstellen und gleichzeitiger Herstellung
 Fügen gegen Rastpunkte oder Anschläge
 Verwendung gleicher Verbindungselemente in gleichen Größen
 Montageerleichterung durch zweckmäßigen Maßunterschied

Quelle: Ross, Pahl/Beitz

Prof. Dr.-Ing. J. Franke | Vorlesung Handhabungs- und Montagetechnik SoSe 2015 14.07.2015 62
Bei der Konstruktion sind auf folgende Gestaltungsregeln zu achten,
um die Montageprozesse zu erleichtern.

1. Wähle eine Funktionsstruktur, die durch Verwendung möglichst weniger


und erprobter Funktionsträger sowie durch eine entsprechende
Aufteilung in Baugruppen geprägt ist.

2. Wähle einen montagefreundlichen Produktaufbau, vorzugsweise die


Schicht- oder Nestbauweise sowie das Baukastenprinzip, und erleichtere
die Bildung von Produktvarianten.
Bildquelle: Bosch
3. Vermeide unnötige Produktfunktionen und spare damit auch
Montageoperationen ein.

4. Gestalte ein montagegünstiges Basisteil mit ausgeprägten Stand-,


Auflage- und Spannflächen.

5. Vermeide komplexe Bewegungsabläufe von Teilen und Werkzeugen und


bevorzuge das Montieren aus möglichst wenigen Richtungen (geradlinig
und senkrecht von oben).

6. Vermeide Justiervorgänge und ersetze sie durch Selbsteinstellung bzw.


Selbstformung.

7. Gestalte demontage- und recyclingfreundliche Produkte.

Quelle: Lotter, Wiendahl 2012

Prof. Dr.-Ing. J. Franke | Vorlesung Handhabungs- und Montagetechnik SoSe 2015 14.07.2015 64
Bei der Konstruktion sind auf folgende Gestaltungsregeln zu achten,
um die späteren Montageprozesse zu erleichtern.

8. Verwende umfassend Standard- bzw. Normteile in möglichst wenigen


Abmessungen und erhöhe generell den Anteil von Gleichteilen.

9. Gestalte ausreichend große Freiräume (Handhabungskanal,


Zugänglichkeit, Störkontur) für Fügewerkzeuge in der Umgebung von
Fügestellen.

10. Erleichtere das Greifen und Manipulieren mit Handhabungseinrichtungen


Bildquelle: Bosch
durch günstige, gut zugängliche und belastbare Griffflächen.

11. Lasse Verkleidungsteile sowie empfindliche Oberflächenteile für


Produktvarianten möglichst spät in den Montageablauf einfließen.

12. Vermeide Fügestellen, die gleichzeitig „anschnäbeln“ müssen.

13. Vermeide federnde Luftpolster, die beim Fügen von Teilen – z. B. Bolzen –
in Grundlöcher entstehen und sehe Entlüftungsbohrungen bzw. -rillen
vor.

14. Schränke Dichtarbeiten auf ein Minimum ein.

15. Gestalte verpackungs-, stapel- und transportfreundlich.

Quelle: Lotter, Wiendahl 2012

Prof. Dr.-Ing. J. Franke | Vorlesung Handhabungs- und Montagetechnik SoSe 2015 14.07.2015 65
Methoden und Regeln zur montagegerechten Produktgestaltung
weisen allerdings einige Schwachpunkte auf.

Fehlende Kennwerte und Zeiten


 Die zur Bewertung erforderlichen Kennwerte und Zeiten werden aus
Gerätekenngrößen ermittelt, die jedoch zum Zeitpunkt der
Produktkonstruktion nicht vorliegen.
Mangelnde Priorisierung von Regeln
 Durch die Vielzahl der für die montagegerechte Produktgestaltung zu
beachtenden Regeln und die mangelnde Priorisierung derselben wird
die Umsetzung erschwert.
Schlechte Anwendbarkeit der Regeln
 Die oft als gut/schlecht Beispiel dokumentierten Regeln sind nur bei
entsprechender Abstraktion auf das jeweilige Produkt oder Bauteil
anwendbar.
Fehlende Aussage über wirtschaftliche Automatisierbarkeit
 Es kann keine Aussage über Kostenaufwand und Wirtschaftlichkeit
automatisierter Lösungen getroffen werden, da relevante Parameter
wie z. B. Stückzahl nicht Teil der Betrachtung sind.

Prof. Dr.-Ing. J. Franke | Vorlesung Handhabungs- und Montagetechnik SoSe 2015 14.07.2015 67
An die Montage der Bauelemente für funktionsintegrierte MID-Teile
werden sehr spezielle Anforderungen gestellt.

Prozesskette mit Laserdirektstrukturierung (LDS)

Prof. Dr.-Ing. J. Franke | Vorlesung Handhabungs- und Montagetechnik SoSe 2015 14.07.2015 69
Durch die nachfolgende Literatur können die
Inhalte der Vorlesung vertieft werden.

 Ponn, J.; Lindemann, U.: Konzeptentwicklung und Gestaltung


technischer Produkte, Systematisch von Anforderungen zu
Konzepten; 2. Auflage, Springer Heidelberg, 2011
 Lotter B.: Montage in der industriellen Produktion, Ein Handbuch für
die Praxis; Springer Heidelberg, 2006
 Boothroyd, G.: Assembly automation and product design;
Marcel Dekker, New York, 1992
 Pahl, G.; Beitz, W.: Konstruktionslehre, Grundlagen erfolgreicher
Produktentwicklung. Methoden und Anwendung; Springer Heidelberg,
2006

Quelle: PIXELIO

Prof. Dr.-Ing. J. Franke | Vorlesung Handhabungs- und Montagetechnik SoSe 2015 14.07.2015 70
Die Inhalte dieser Vorlesungseinheit können auch durch
den Besuch der folgenden Vorlesungen vertieft werden:

 Technische Produktgestaltung,
Prof. Dr.-Ing. Wartzack S.,
Lehrstuhl für Konstruktionstechnik

 Integrated Production Systems,


Prof. Dr.-Ing. Franke J.,
Lehrstuhl FAPS

Bild: sxc.hu

Prof. Dr.-Ing. J. Franke | Vorlesung Handhabungs- und Montagetechnik SoSe 2015 14.07.2015 71
Folgende Inhalte könnten während
der Prüfung abgefragt werden:

 Nennen Sie die Grundregel der montagegerechten


Produktgestaltung und erläutern Sie diese anhand der
drei allgemeinen Handlungsempfehlungen.

 Nennen Sie fünf Methoden zur Bewertung von Produkten


hinsichtlich ihrer Montageeignung und beschreiben sie
eine näher.

Bild: sxc.hu

Prof. Dr.-Ing. J. Franke | Vorlesung Handhabungs- und Montagetechnik SoSe 2015 14.07.2015 72
Die Studierende sind mit der Vorlesung insgesamt zufrieden,
wobei die Rücklaufquote sehr gering ist.

Typische Hörergruppe
 Maschinenbau, Masterstudiengang, 1 Fachsemester
 Kein Pflichtfach
Statistik
 Globale Benotung: 1,84 (Hauptfragen), 1,7 (Zusatzfragen)
 Rücklaufquote TAN: 26,2% (42 ausgegeben, 11 verwendet)
 Zum Vergleich: 260 Mitglieder auf dem StudOn Kurs

Benotung
1,0 2,0 3,0 4,0 5,0

Einpassung in den Studienverlauf 1,64

Struktur der Vorlesung 2,09

Inhaltliche Abstimmung Vorlesung-Übung 1,91

Engagement und Motivation des Dozenten 1,45

Gesamtzufriedenheit 2,27

Prof. Dr.-Ing. J. Franke | Vorlesung Handhabungs- und Montagetechnik SoSe 2015 14.07.2015 73
Die Lehrinhalte sind qualitativ sehr gut,
werden aber oft als schwierig wahrgenommen.

Benotung
1,0 2,0 3,0 4,0 5,0

Förderung Interesse an den Themen 1,44

Bezug zur Praxis und Forschung 1,11

Roter Faden während der Vorlesung 1,78

Nachvollziehbarkeit der Inhalte 1,67

Vortragsstil des Dozenten 1,22

Zusammenspiel von Medien 1,56

Beispiele und Anwendungen 1,67

Bezug zu den Prüfungsanforderungen 2,78

Schwierigkeit des Stoffes 3,11

Zeitlicher Aufwand 3,11

Prof. Dr.-Ing. J. Franke | Vorlesung Handhabungs- und Montagetechnik SoSe 2015 14.07.2015 74
Die in Kommentaren widerspiegelten Meinungen
stimmen mit der Statistik weitgehend überein.

Den Studierenden gefällt…


 Beispiele aus der Industrie
 Industrie- und Praxisbezug
 Viele Videos
 Exkursionen und Gastvorträge
 Guter Vortragsstil
Weniger gefällt den Studierenden aber …
 Keine Robbies
 Zu viel Folien Ursache für den als hoch
wahrgenommenen Schwierigkeitsgrad?
 Zu wenig Hinweise bzgl. der Prüfungsrelevanz
 Ungleichmäßige Zeiteinteilung der Inhalte
Diskussion
 Probleme und Ursachen
 Handlungsbedarf
 Verbesserungsvorschläge

Prof. Dr.-Ing. J. Franke | Vorlesung Handhabungs- und Montagetechnik SoSe 2015 14.07.2015 75
Prof. Dr.-Ing. Jörg Franke
Lehrstuhl für Fertigungsautomatisierung
und Produktionssystematik
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
DANKE
Egerlandstraße 7-9 Tel.: +49.9131.8527569
D-91058 Erlangen Fax: +49.9131.302528
www.faps.uni-erlangen.de

Prof. Dr.-Ing. J. Franke | Vorlesung Handhabungs- und Montagetechnik SoSe 2015 14.07.2015 76