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Osteopathische Medizin

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Die Polyvagaltheorie in der Osteopathie


Stephen W. Porges, Torsten Liem

Nervensystem. Bei den frühen Repti-


Zusammenfassung frontation phase during an osteopathic
lien regulierte das autonome Nerven-
Der vorliegende Artikel behandelt die Poly- interaction from the perspective of the
system den Zustand der Körperorgane
vagaltheorie und ihre Bedeutung für die Polyvagal Theory is discussed. Using the
example of emotional integration by Liem, über zwei Subsysteme: den Sympathi-
Osteopathie. Die Polyvagaltheorie liefert ein
Verständnis der bidirektionalen Kommuni- a possible approach is shown. kus und den Parasympathikus. Bei
kation zwischen Gehirn und Körper über rezenten Reptilien ist dies im Großen
den Vagus und die damit verbundenen ge- Keywords und Ganzen genauso: Der Sympathikus
sundheitlichen Konsequenzen. Es wird ein Neuroception, social engagement system, stellt die Nervenbahnen für organische
neues Konzept dargelegt, wie der Status des social behavior, dissolution, trauma, im- Veränderungen, die das Kampf- und
autonomen Nervensystems und das Verhal- mobilization, stabilization phase, confron- Fluchtverhalten unterstützen. Er för-
ten interagieren, wie Stressoren sich im au- tation phase, hippocampus, amygdala, dert die Mobilisierung durch die Be-
tonomen Nervensystem manifestieren und emotional integration schleunigung des Herzschlags und die
die Gesundheit beeinflussen. Die Polyvagal- Herabsetzung der Verdauungstätigkeit.
theorie hebt die hierarchische Beziehung
Der Parasympathikus ergänzt den
der Komponenten des autonomen Nerven-
systems hervor. Die stammesgeschichtliche
Einleitung Sympathikus und hat zwei Aufgaben:
Modifikation des Vagus bei Säugetieren er- Zum einen unterstützt er Prozesse, die
möglicht es, Reaktionen zur Verteidigung, Die Rolle des Vagus in der bidirektio- die Gesundheit, das Wachstum und die
als Anpassung auf Stress und chronische nalen Kommunikation zwischen Erholung fördern. Wird er zu Verteidi-
Erkrankungen herabzuregulieren. Ab- Gehirn und Körper ist für die Poly- gungszwecken angesprochen, reduziert
schließend wird die Bedeutung der Stabili- vagaltheorie von grundlegender Bedeu- er zum anderen die metabolische
sations- und Konfrontationsphase während tung. Der Zusammenhang zwischen Aktivität, indem er Herzschlag und
einer osteopathischen Behandlung aus Sicht dem Status des autonomen Nerven- Atmung dämpft und es den Reptilien
der Polyvagaltheorie erläutert. Am Beispiel systems und dem Verhalten wird im ermöglicht, zu erstarren bzw. sich
der emotionalen Integration nach Liem Folgenden unter einem neuen Blick- gegenüber potenziellen Räubern tot zu
wird ein möglicher Zugang dargestellt.
winkel diskutiert. Gemäß der Poly- stellen. Ist keine Bedrohung vorhan-
vagaltheorie stehen die Komponenten den, fungieren diese beiden Kompo-
Schlüsselwörter
Neurozeption, soziales Engagement, Sozial-
des autonomen Nervensystems, das sich nenten des autonomen Nervensystems
verhalten, Dissolution, Trauma, Verhal- zur Unterstützung von Anpassungs- bei Reptilien als Gegenspieler. Sie in-
tensstarre, Stabilisationsphase, Konfronta- verhalten in Reaktion auf besondere nervieren einen Teil der Körperorgane
tionsphase, Hippocampus, Amygdala, Umweltmerkmale entwickelt hat, in gemeinsam, um die Körperfunktionen
emotionale Integration einer hierarchischen Beziehung zuein- zu unterstützen.
ander. Einige osteopathische Implika- Die meisten Nervenbahnen des Para-
Abstract tionen der Polyvagaltheorie werden sympathikus verlaufen durch den
The following article discusses the poly- ebenfalls erläutert. Auch Aspekte der Vagus. Der Vagus ist ein großer, im
vagal theory and its implications for an therapeutischen Beziehung zwischen Hirnstamm entspringender Nerv, der
osteopathic treatment. The Polyvagal
Osteopath und Patient – sowohl in den die inneren Organe mit dem Gehirn
Theory provides an understanding of how
Stabilisations- als auch in den Konfron- verbindet – und zwar, anders als die im
the bidirectional communication between
the brain and the body, via the vagus, is
tationsphasen – werden angesprochen Rückenmark entspringenden Nerven,
critical for optimal health. The theory pro- und der Ansatz der emotionalen Inte- direkt. Er enthält sowohl motorische
vides a reconceptualization of how auto- gration nach Liem wird dargestellt. Fasern, die die Funktion der inneren
nomic state and behavior are inter-related Organe regulieren, als auch sensorische
and how stressors are manifested in the Fasern, über die das Gehirn kontinu-
autonomic nervous system and influence Rolle des Vagus in ierlich mit Informationen über den
health. Polyvagal Theory emphasizes a Zustand dieser Organe informiert
hierarchical relation among components of
der Kommunikation
wird. Die Information, die vom Körper
the autonomic nervous system in which an zwischen Gehirn und zum Gehirn fließt, stimuliert im
evolutionary modification of the vagus in
mammals has a capacity to down regulate
Körper Gehirn bestimmte Schaltkreise, die den
Zustand der Zielorgane regulieren.
autonomic reactions associated with
defense, stress, and chronic illness. The
Als im Laufe der Stammesgeschichte Diese in beide Richtungen verlaufende
meaning of a stabilization phase and a con- aus frühen Reptilien Säugetiere hervor- Kommunikation ist die neurale Basis
gingen, veränderte sich das autonome für eine Mind-Body-Wissenschaft oder

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Brain-Body-Medizin, denn sie ermög- Die Polyvagaltheorie beschreibt die Myelinscheide umgeben. Myelin, eine
licht über eine periphere Stimulation neuralen Mechanismen, über die der fetthaltige Beschichtung der Nerven-
des Vagus (z.B. Vagusnervstimulation Körper die Erfahrung von Sicherheit fasern, wird mit schnelleren und straffer
bei Epilepsie) Interventionen zur Kor- kommuniziert und die ein Individuum gesteuerten neuralen Kontrollkreisen
rektur von Gehirndysfunktionen und in die Lage versetzen, sich entweder assoziiert.
liefert zudem plausible Erklärungen für sicher zu fühlen und spontan mit an- Menschen und andere Säugetiere
die Verschlimmerung klinischer Symp- deren in Kontakt zu treten oder sich besitzen zwei Vagusschaltkreise mit
tome durch psychische Stressoren, wie bedroht zu fühlen und auf Verteidi- unterschiedlichen Funktionen, deren
z.B. stressbedingte Episoden des Reiz- gungsstrategien zurückzugreifen. Ge- einer stammesgeschichtlich älter und
darmsyndroms. Darüber hinaus bildet mäß der Polyvagaltheorie entstand das unmyelinisiert ist. Dieser entspringt
sie eine anatomische Grundlage für autonome Nervensystem der Wirbel- in einer Region des Hirnstamms, die
historische Konzepte innerhalb der tiere in drei Phasen, die jeweils mit als dorsaler motorischer Vaguskern
Physiologie und Medizin, wie z.B. einem eigenständigen, nachweisbaren bezeichnet wird. Der andere ist von
Walter Cannons Modell der Homöo- autonomen Subsystem verknüpft sind. einer Myelinscheide umgeben. Der
stase [2] und Claude Bernards Begriff Diese drei unwillkürlichen Subsysteme myelinisierte Vagusschaltkreis ent-
des inneren Milieus [1]. sind noch immer aktiv und kommen springt einer Hirnregion namens
beim Menschen unter bestimmten Nucleus ambiguus. Die stammesge-
Bedingungen zum Ausdruck [7]. Sie schichtlich älteren unmyelinisierten
Polyvagaltheorie: stehen stammesgeschichtlich in einer motorischen Vagusbahnen haben wir
ein Überblick chronologischen Ordnung und sind mit den meisten Wirbeltieren gemein-
mit drei allgemeinen Domänen des An- sam. Bei Säugetieren dienen sie, wenn
Die Polyvagaltheorie betrachtet den passungsverhaltens assoziiert: sie nicht zur Verteidigung herange-
Zusammenhang zwischen dem Status • soziale Kommunikation (z.B. zogen werden, zur Förderung der
des autonomen Nervensystems und Gesichtsausdruck, Stimmgebung, Gesundheit, des Wachstums und der
dem Verhalten unter einem neuen Zuhören) Erholung, und zwar über die neurale
Blickwinkel. Das autonome Nerven- • Verteidigungsstrategien, die mit Regulierung subphrenischer (unter-
systems hat sich entwickelt, um in einer Mobilisierung einhergehen halb des Zwerchfells gelegener) Or-
Reaktion auf Umweltmerkmale, die (z.B. Kampf-/Fluchtverhalten) gane. Die „neueren“ myelinisierten
Sicherheit, Gefahr oder Lebensbedro- • defensives Erstarren (z.B. Sich-tot- motorischen Bahnen des Vagus, die
hung [8] signalisieren, das jeweils Stellen, vasovagale Synkope, Verhal- nur bei Säugetieren vorkommen, re-
geeignete Anpassungsverhalten zu tensstarre und Dissoziation) gulieren die supraphrenischen (ober-
unterstützen. Seine Komponenten Aufgrund ihrer Entstehung während halb des Zwerchfells gelegenen)
stehen laut Polyvagaltheorie in einer der Entwicklung des autonomen Ner- Organe (z.B. Herz und Lunge). Dieser
hierarchischen Beziehung zueinan- vensystems der Wirbeltiere bilden neuere Vagusschaltkreis verlangsamt
der. Der Terminus „polyvagal“ soll diese neuroanatomisch begründbaren den Herzschlag und fördert Ruhe-
hervorheben, dass es zwei vagale Subsysteme eine Reaktionshierarchie. zustände.
Schaltkreise gibt: einen stammes- Die Polyvagaltheorie betont die unter-
geschichtlich älteren Schaltkreis, der schiedlichen Rollen zweier unterschied-
mit Verteidigung assoziiert ist, und licher Vagusbahnen, die sich im auto- Entstehung des
einen stammesgeschichtlich jüngeren nomen Nervensystem von Säugetieren Systems sozialen
Schaltkreis, der mit dem Gefühl von finden. Der Vagus ist ein im Hirnstamm
Sicherheit und spontanem Sozial- entspringender Nerv, der die in beide Engagements
verhalten [9] verbunden ist. Zudem Richtungen verlaufende Kommunika-
verweist die Polyvagaltheorie auf die tion zwischen Gehirn und bestimmten Fühlt ein Individuum sich sicher,
Existenz zweier Verteidigungssys- inneren Organen vermittelt. Er über- kommt dies in zweifacher Hinsicht
teme: mittelt (und überwacht) den Hauptein- zum Ausdruck: Erstens ist der körper-
• das bekannte Kampf-/Fluchtsystem, fluss des Parasympathikus auf die inne- liche Zustand auf eine effiziente Art
das mit der Aktivierung des Sympa- ren Organe. Die meisten Nervenfasern reguliert, die Wachstum und Erholung
thikus (Kampf oder Flucht) ver- des Vagus sind sensorisch (annähernd fördert (z.B. die viszerale Homöostase).
knüpft ist 80%). Allerdings gilt den motorischen Funktionell wird dies dadurch erreicht,
• ein weniger bekanntes System der Fasern, die die inneren Organe ein- dass der Einfluss der myelinisierten
Immobilisierung und Dissoziation, schließlich des Herzens und des Darms motorischen Vagusbahnen auf den
das mit der Aktivierung einer stam- regulieren, ein wesentlich größeres Taktgeber des Herzens gesteigert wird:
mesgeschichtlich älteren Vagusbahn Interesse. Von diesen motorischen Fa- Der Puls sinkt, die Kampf- oder Flucht-
assoziiert ist sern sind nur ungefähr 15% von einer mechanismen des Sympathikus sowie

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das Stressreaktionssystem der Achse Dank der neuralen Verbindung flussen ihrerseits die Funktion des
Hypothalamus – Hypophyse – Neben- zwischen Gesicht und Herz können Vagus. Auf diese Weise wird die
niere (z.B. Ausschüttung von Kortisol) Säugetiere feststellen, ob ein Artge- Gesundheit gefördert, stressbedingte
werden gedämpft und Entzündungen nosse körperlich entspannt ist und physiologische Zustände werden ge-
werden durch die Steuerung von man sich ihm „sicher“ nähern kann dämpft und Wachstum und Erholung
Immunreaktionen (z.B. Freisetzung oder ob er sich in „Habachtstellung“ unterstützt. Die soziale Kommunika-
von Zytokinen) gelindert. befindet, was eine Kontaktaufnahme tion und die Fähigkeit, über reziproke
Zweitens haben sich die Nuklei des gefährlich machen könnte. Aus dem- soziale Bindungssysteme das gegensei-
Hirnstamms, die den myelinisierten selben Grund können Individuen über tige Verhalten zu regulieren, führen zu
Vagus regulieren, während der Evolu- ihren Gesichtsausdruck und ihre einem Gefühl der Verbundenheit, das
tion mit den Nuklei, die die Muskeln Stimmlage „Sicherheit“ vermitteln und ein prägendes Charakteristikum der
von Gesicht und Kopf regulieren, ver- einen erregten Artgenossen beruhigen, menschlichen Erfahrung darstellt.
bunden. Durch diese Veränderungen in um eine soziale Beziehung herzustel- Laut Polyvagaltheorie ist das körper-
der Anatomie des Nervensystems ent- len. Wenn dieser jüngere Säugetierva- liche Befinden ein fundamentaler
stand eine Verbindung zwischen dem gus bei sozialen Interaktionen optimal Bestandteil unserer Emotionen und
Gesicht und dem Herzen, die mit wech- funktioniert (z.B. indem er eine die Stimmungen und keineswegs nur ein
selseitigen Interaktionen einhergeht: Kampf- oder Fluchtreaktion unter- Korrelat. Ihr zufolge gibt es eine in
Die Einflüsse des Vagus auf das Herz stützende Stimulierung des Sympathi- beide Richtungen verlaufende Verbin-
und die neurale Regulierung der ge- kus hemmt), ist der Gefühlshaushalt dung zwischen dem Gehirn und den
streiften Muskeln von Gesicht und Kopf ausgeglichen; Tonalität und Sprach- inneren Organen, die erklären könnte,
interagieren miteinander. Die stammes- rhythmus sind vielgestaltig und der wie Gedanken unser körperliches
geschichtlich junge Verbindung zwi- Status des autonomen Nervensystems Befinden verändern und wie das kör-
schen Gesicht und Herz versetzt Säuge- fördert ruhige, spontane Verhaltens- perliche Befinden unsere Gedanken
tiere in die Lage, ihr körperliches weisen der sozialen Kontaktaufnahme. beeinflussen kann. Wenn sich der
Befinden über den Gesichtsausdruck Die Verbindung von Gesicht und Herz Gesichtsausdruck, die Tonhöhe der
und die Stimmgebung zu kommunizie- funktioniert in beide Richtungen: Der Stimme, das Atemmuster und die Hal-
ren sowie den Körper über den Ge- jüngere myelinisierte Vagusregelkreis tung verändern, verändert sich auch
sichtsausdruck und die Stimme zu be- beeinflusst soziale Interaktionen und das körperliche Befinden, und zwar
ruhigen [10, 11]. positive soziale Interaktionen beein- vornehmlich durch Beeinflussung der
Die Integrierung dieser neuroanato-
mischen Strukturen in den Hirn-
stamm hat dafür gesorgt, dass Ner-
venbahnen für ein funktionelles Kortex
System des sozialen Engagements be-
reitstehen, das sich durch eine dop-
peltgerichtete Koppelung zwischen Hirnstamm
körperlichem Befinden und sponta-
nem Sozialverhalten auszeichnet;
diese wiederum übermitteln sich Kaumuskulatur Herz
Hirnnerven
durch den Gesichtsausdruck und die V, VII, IX, X, XI
Stimmgebung. Dass sich dieses säuge- Mittelohrmuskulatur Bronchien
tierspezifische integrierte System so-
zialen Engagements im Verhalten ma-
nifestiert, basiert darauf, dass die Gesichtsmuskulatur Rachen Kehlkopf Kopf drehen
Nervenbahnen, die (über den myelin-
isierten Vagus) den Zustand der inne-
ren Organe regulieren, neuroanato-
misch und neurophysiologisch mit Umgebung
jenen Nervenbahnen verknüpft sind,
die (über spezielle efferente viszerale
Bahnen) wiederum diejenige Muskeln
regulieren, die den Blick, den Ge- Abb. 1: System des sozialen Engagements. Das System besteht aus somatomotorischen
Komponenten (spezielle viszerale efferente Wege, die die gestreifte Muskulatur von
sichtsausdruck, die Kopfhaltung, das Gesicht und Kopf regulieren) und viszeromotorischen Komponenten (myelinisierter Vagus,
Zuhören und die Stimmgebung kon- der das Herz und die Bronchien reguliert). Kästen mit durchgezogener Linie entsprechen
trollieren (Abb. 1) [4, 6]. somatomotorischen Komponenten, die gestrichelten sind viszeromotorische Komponenten.

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Funktion des myelinisierten Vagusasts, ments integriert ist, zwei primitivere gebung wird der Zustand des auto-
der zum Herzen führt. neurale Schaltkreise erhalten, die der nomen Nervensystems adaptiv so
Regulierung von Verteidigungsstrate- reguliert, dass die Aktivierung des
gien (d.h. Kampf-/Fluchtreaktion und Sympathikus gedämpft und das von
Dissolution Sich-tot-Stellen) dienen. Es ist wichtig Sauerstoff abhängige zentrale Nerven-
festzuhalten, dass soziales Verhalten, system, vor allem der Kortex, vor den
Die drei durch die Polyvagaltheorie soziale Kommunikation und die visze- metabolisch konservativen Reaktionen
definierten Schaltkreise reagieren auf rale Homöostase nicht mit neuro- des dorsalen Vaguskomplexes (z.B.
Impulse gemäß einer stammesge- physiologischen Zuständen, die die vasovagale Synkope) geschützt wird.
schichtlich festgelegten Hierarchie, die Verteidigung unterstützten, vereinbar Gemäß unserer These stellt die Neuro-
mit Jacksons System der Dissolution sind. Deshalb blieben im menschlichen zeption einen Mechanismus dar, der
übereinstimmt. Jackson behauptete, Nervensystem während der Evolution den Ausdruck und die Störung positi-
dass höhere (d.h. phylogenetisch drei neurale Schaltkreise erhalten, die, ven Sozialverhaltens, die Regulierung
jüngere) neurale Schaltkreise niedri- in Übereinstimmung mit Jacksons von Emotionen und die viszerale
gere (d.h. stammesgeschichtlich ältere) Modell der Dissolution, in einer phy- Homöostase vermittelt [5, 6].
neurale Schaltkreise im Gehirn hem- logenetischen Hierarchie stehen. Die Neurozeption kann durch Merk-
men und dass „die niedrigeren [Schalt- Innerhalb dieser Hierarchie wird bei malsdetektoren getriggert werden,
kreise] ihre Aktivität hochfahren, wenn der Auslösung adaptiver Reaktionen etwa Regionen des Temporallappens,
die höheren plötzlich funktionslos wer- der früheste Schaltkreis als Erster die mit dem zentralen Nukleus der
den“ [3]. Während Jackson mithilfe der aktiviert; kann er keine Sicherheit Amygdala und dem Periaquäduktalen
Dissolution Veränderungen der Ge- herstellen, werden nacheinander die Grau kommunizieren, denn die limbi-
hirnfunktion aufgrund von Schäden älteren Schaltkreise aktiviert. sche Reaktivität wird durch Reaktionen
und Erkrankungen zu erklären ver- des Temporallappens auf biologische
suchte, propagiert die Polyvagal- Bewegungen wie Stimmen, Gesichter
theorie ein ähnliches, auf die Stammes- Neurozeption und Handbewegungen moduliert. Zur
geschichte rekurrierendes Hierarchie- Neurozeption gehört auch die Fähig-
modell, um zu beschreiben, in welcher Gemäß der Polyvagaltheorie erfordert keit des Nervensystems, auf die „Ab-
Reihenfolge das autonome Nervensys- die neurale Bewertung von Risiken sicht“ dieser Bewegungen zu reagieren.
tem auf Herausforderungen reagiert. keine bewusste Wahrnehmung und Die Neurozeption dekodiert und inter-
Das menschliche Nervensystem entwi- erfolgt über neurale Schaltkreise, die pretiert das angenommene Ziel der Be-
ckelte sich wie dasjenige anderer Säu- wir mit unseren Wirbeltiervorfahren wegungen und Klänge unbelebter wie
getiere auch zur Steigerung der Über- gemeinsam haben. Um darauf hinzu- lebendiger Objekte funktional. Dieser
lebenschancen nicht nur in einem weisen, dass es sich um einen neuralen Vorgang läuft unbewusst ab. Auch
sicheren Umfeld, sondern auch in Prozess unterhalb der Wahrneh- wenn wir uns der Stimuli, die unter-
gefährlichen und lebensbedrohlichen mungsschwelle handelt, der uns in die schiedliche neurozeptive Antworten
Situationen. Um diese adaptive Flexi- Lage versetzt, Merkmale der Umwelt triggern, oft nicht bewusst sind, sind
bilität zu erreichen, blieben im auto- (und der Viszera) als sicher, gefährlich wir uns unserer körperlichen Reaktio-
nomen Nervensystem der Säugetiere oder lebensbedrohlich einzuschätzen, nen gewahr. So wird die Neurozeption
neben der myelinisierten Vagusbahn, wurde der Terminus „Neurozeption“ vertrauter Individuen und Individuen
die in das System des sozialen Engage- [5] eingeführt. In einer sicheren Um- mit klangvoller Stimme und warmem
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Traumabehandlung
in der Osteopathie
ter: Torsten Liem M.Sc. Ost., M.Sc. Paed. Ost., DO, DPO (D)
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Gesichtsausdruck in eine positive sozi- Hypothalamus – Hypophyse – Neben- erwerben, zunehmend Zugang zu einer
ale Interaktion umgesetzt, die ein Ge- niere gedämpft wird. myelinisierten Vaguserregungslage im
fühl der Sicherheit fördert. Durch die Verfügbarkeit des myelin- Lebensalltag zu finden.
isierten Zustands mit Unterstützung Auch sollten Patienten lernen, ihre
osteopathischer Techniken verknüpfen Aufmerksamkeit immer besser in der
Bedeutung der sich im Laufe der Traumakonfron- Gegenwart zu verankern, Grenzen
Polyvagaltheorie für tation vergangene traumatische Erfah- wahrzunehmen und anzuerkennen,
rungen zunehmend mit einem ent- positive Beziehungen zu sich selbst und
die Osteopathie spannten Körperfeedback, wie z.B. zu anderen zu knüpfen und so viel Aus-
einer langsamen Atmung mit Fokus auf dauer und Mut zu entwickeln, dass sie
Die Polyvagaltheorie ist von großer Ausatmung, einem ruhigen Herz- für Ziele, die ihrem Leben Bedeutung
Bedeutung für die osteopathische schlag, einer entspannten Gesichts-, verleihen, eintreten können.
Behandlung im Allgemeinen, vor allem Mittelohr-, Kau-, Rachen-, Kehlkopf- Eine beruhigende Praxisatmosphäre,
aber für Behandlungen im Rahmen und Halsmuskulatur. Zudem wird die eine freundliche Einrichtung, die Em-
einer osteopathischen Traumabearbei- Erarbeitung eines expliziten Gedächt- pathie- und Kommunikationsfähigkeit
tung. Traumatische Erfahrungen kön- nis- bzw. Interpretationsrahmes in des Therapeuten, eine ruhige und
nen unerwünschte Reaktionen wie Bezug zum Trauma unterstützt. entspannte Palpation und Behand-
Übererregbarkeit und Dissoziation In einem ressourcenreichen myelini- lungssitzungen ohne Zeitdruck sind
auslösen, die noch lange nach dem sierten Vaguszustand ist es möglich, von grundlegender Bedeutung. Unter
traumatischen Ereignis auftreten. Im sich Zusammenhänge zwischen eige- diesen Voraussetzungen ist es am
Laufe der Zeit werden diese ursprüng- ner Biographie, Lebensumständen, wahrscheinlichsten, dass sich der
lich lebensrettenden Reaktionsmuster innerem Erleben und Verhalten einer- Patient ausreichend geschützt fühlt.
sehr belastend. Die osteopathische seits und den damit in Verbindung ste-
Integration traumatischer Erfahrungen henden Befindensstörungen und Dys-
ermöglicht eine Veränderung dieser funktionen andererseits bewusst zu Die Rolle von Amygdala
belastenden Reaktionsmuster. werden. Erforderlich sind dafür die und Hippocampus
Die Heftigkeit traumatischer Erfah- aktive Einbindung des Patienten in den
rungen zeigt sich in hypersympathi- Heilungsprozess und die Erarbeitung Bei frühen traumatischen Kindheits-
schen Erregungszuständen oder in Im- von Methodiken und Fähigkeiten, um erfahrungen werden die emotionalen
mobilisations- und Rückzugsverhalten, auftretende innerliche Bewusstseins- Komponenten nicht im deklarativen
die mit der Aktivierung des unmyeli- komponenten im Patienten erfahren, Gedächtnis abgelegt, da der Hippocam-
nisierten subphrenischen Vagus ver- berücksichtigen und in die Behandlung pus hierfür noch nicht ausreichend ge-
bunden ist. Osteopathen können den integrieren zu können. Außerdem reift ist, die Amygdala aber schon. In der
Patienten dabei unterstützen, reflex- könnte die Behandlung den Patienten Amygdala werden eingehende Sinnes-
haft getriggerte körperliche Reaktions- darin unterstützen, Kompetenzen zu reize mittels Aktivierung phylogene-
muster wahrnehmen und integrieren
zu lernen. Sie können ihre Patienten
dazu anleiten, Gefühle von Vertrauen
und Sicherheit zu erleben, die über den
Stabilisierungs- und Konfrontationsphase
Körper vermittelt werden. therapeutischer Interaktionen
Ziel der Behandlung ist die Aktivierung In der Stabilisierungsphase werden dafür sorgen, dass der Patient in
von Ressourcen des myelinisierten ausschließlich Konzepte zur Stress- Verbindung mit seinen Ressourcen
supraphrenischen Vagus in Verbindung reduktion angewendet. Dazu gehören bleibt, indem er sich im Zustand des
mit Achtsamkeit während der Stabilisie- die Identifizierung von Bewältigungs- myelinisierten Vagus verankert.
rungsphase, sodass in der Konfronta- strategien, die Vermittlung von Kennt- Tritt der Patient mit der belastenden
nissen über die Folgen von Traumata, traumatischen Situation gedanklich
tionsphase traumatische Erfahrungen
das Erlernen von Vorstellungsübun- in Kontakt, kann dies eine leichte
gefahrlos angegangen und integriert
gen zur Stressreduktion, die Affekt- Erregung des Sympathikus zur
werden können (siehe Kasten). Dies
differenzierung und -regulierung Folge haben. Um eine Retraumati-
lässt sich durch die Ansprache des sowie die Entwicklung von Vertrauen/ sierung zu vermeiden, sorgt der
myelinisierten supraphrenischen Vagus Sicherheit (innerlich wie äußerlich). Osteopath jedoch dafür, dass der
erreichen, wodurch entspannte Verhal- In der Konfrontationsphase braucht Patient sich weder durch Über-
tensweisen gefördert, aktiv sympathi- es ein klar definiertes Setting, in dem erregung des Sympathikus allzu
sche Erregungszustände und Einflüsse die traumatische Situation bearbeitet sehr aufregt, noch durch Erregung
des Sympathikus auf das Herz blockiert werden kann. Der Therapeut sollte des unmyelinisierten Vagus erstarrt.
werden sowie die gesamte „Stressachse“

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tischer älterer neuronaler Strukturen darstellt. Möglicherweise können des- [14]. Der Behandlungsaufbau unter-
und Netzwerke mit affektiven Qualitäten halb bei der Palpation somatischer gliedert sich in 4 Schritten: 1. Thera-
gekoppelt. Zwei Verbindungen werden Dysfunktionsmuster regressive Erinne- peutische Beziehung, 2. Stabilisie-
beschrieben: eine schnelle als Schutz- rungen im Patienten auftreten. Wichtig rungsphase, 3. Konfrontationsphase
reaktion – vom Thalamus zur Amygdala ist hier jedoch, dass diese Regressionen und 4. Integration im Alltag, Stress-
– und eine langsamere vom Thalamus in keiner Weise forciert werden. Im bewältigung und Neubeginn.
über den Kortex zur Amygdala, die für Gegenteil wird zunächst Augenmerk In der Phase der therapeutischen
die Angstkonditionierung von grundle- auf Etablierung von Ressourcen und Beziehung werden zunächst Ziele der
gender Bedeutung ist. Entscheidend ist ein in der Gegenwart verankertes therapeutischen Interaktion und eine
dabei, wie nachhaltig das Erlebnis abge- Zeugenbewusstsein gelegt, sodass klare stabile, transparente, therapeu-
speichert wurde. Die Amygdala ist auch Retraumatisierungen vermieden wer- tische Beziehung entwickelt. Die
dafür zuständig, emotionale Gedächt- den. Erst auf dieser Basis kann ein Bedürfnisse des Patienten nach Kon-
nisinhalte in bestimmten Situationen zu sicheres Beschäftigen mit belastenden trolle und alle weiteren Bewältigungs-
aktivieren. Da sie Afferenzen aus senso- Erlebnisinhalten stattfinden. (Coping-)Strategien sind zu würdigen
rischen Hirnregionen erhält, können in [14]. Der Therapeut könnte sich dem
scheinbar harmlosen Situationen mög- Patienten in seiner Körperlichkeit pal-
licherweise Panikgefühle und Herzrasen Emotionale Integration patorisch im Sinne eines „Sich-zeigen-
etc. ausgelöst werden, wenn bestimmte nach Liem lassens“ annähern und verweigert sich
Trigger die Amygdala dazu veranlassen, (zunächst) jeder Bedeutungszuordnung.
vergangene emotionale Erlebnisse wach- Ein Ansatz, der die oben genannten Anschließend können emotionale Zen-
zurufen. Der Hippocampus speichert Aspekte berücksichtigt, ist beispiels- tren im Körper, Übergangsbereiche in
hingegen Gefühlserlebnisse als reines weise die emotionale Integration nach der Wirbelsäule und Körperfelder sowie
Faktum ab. Liem. Sie umfasst eine Palpationspra- weitere Zeichen möglicher traumati-
Um alte traumatische Erlebnisse zu xis, die den Patienten unterstützt, scher Belastung getestet werden.
integrieren, besteht die therapeutische Bedeutungszusammenhänge zwi- Die Stabilisierungsphase dient der
Behandlung darin, mittels des Hippo- schen Befindensstörung, somatischer Ichstärkung und ist eine wichtige
campus implizite Gedächtnisinhalte Dysfunktion und innerlichen wie Voraussetzung für spätere mögliche
mit expliziten zu koppeln (quasi mit äußerlichen Lebenszusammenhängen konfrontative Ansätze mit belastenden
dem deklarativen Gedächtnis) und zu zu erfahren und zu verstehen [12]. Inhalten. Sie ist weitgehend translato-
lernen – präfrontal – die Aktivität der Dabei ist seitens des Osteopathen al- risch1 [15]. Es finden hier Ansätze der
Amygdala zu inhibieren. Für all diese lerdings zu beachten, dass nicht nur Stressreduktion statt. Der Osteopath
Prozesse ist die Förderung von Reakti- die Interpretation der Befunde, son- stellt beispielsweise in der Behandlung
onen des myelinisierten Vagus wesent- dern auch die palpatorische Wahr- eine Resonanz zu den homöostatischen
lich. Der Patient wird dadurch in die nehmung selbst kontextabhängig sind Kräften bzw. zur Gesundheit oder zum
Lage versetzt, bei Triggerreizen, die und damit unter anderem von eigenen Fließen im Patienten her [12].
regressive Erinnerungen auslösen, Erfahrungen und Konditionierungen In der Konfrontationsphase kann im
anstatt in Flucht-/Kampf- oder Immo- beeinflusst sind [13]. Die emotionale klar umrissenen Setting die Trauma-
bilitätsreaktionen zu verfallen, zuneh- Integration nach Liem basiert auf os- situation bearbeitet werden. In der
mend in einem entspannten Zustand teopathischen Gewebepalpationen, Konfrontationsphase ist seitens des Os-
und in Verbindung mit den eigenen die die Entwicklungsdynamik im teopathen auch darauf zu achten, dass
Ressourcen seine inneren Zustände Menschen berücksichtigt, und der der Patient aus einem myelinisierten
anzusehen sowie seine Gefühle und polyvagalen Theorie. Sie enthält auch Vaguszustand agiert, in dem er Kontakt
Bedürfnisse adäquat mitzuteilen. Ansätze der Ressourcenarbeit, der po- zu seinen Ressourcen aufrechterhält
Möglicherweise erleichtert die Berüh- sitiven Psychologie, der bilateralen [14]. Differenzierung, Relativierung
rung gegenüber der Sprache als Kom- Stimulation, atemtherapeutischer und Integration der eigenen sensori-
munikationsmedium den Zugang zum Verfahren aus dem Yoga, Vipassana schen, mentalen, psychoemotionalen
antiepisodischen Gedächtnis frühester und der Körpertherapie, des Neuro- Konditionierungen bzw. einschränken-
Kindheitserfahrungen, da sich der linguistischen Programmierens, des den Wahrnehmungsmuster sind Teile
Tastsinn bereits lange vor der Sprache neurogenen Zitterns, des Somatic Ex- dieses Prozesses. Dieser Prozess ist
entwickelte und beim Neugeborenen periencing, der gewaltfreien Kommu- durch transformative Dynamiken ge-
den am weitesten ausgebildete Sinn nikation und meditativer Praktiken prägt2 [15]. Die essenzielle Frage in der

1
Translatorische Prozesse zeichnen sich durch Würdigung und Gestaltung der erreichten Entwicklungsebene, ihr Kennenlernen und In-Besitz-
nehmen bzw. das Erwerben von Kompetenz, Konsolidierung aus.
2
Transformative Prozesse zeichnen sich durch Infragestellen sowie Zurück-, Loslassen und Integration des Bisherigen aus.

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Behandlung ist nicht „Was besteht?“, manipulieren zu wollen), sich hingeben


sondern „Was geschieht?“ [16]. Osteo- zu können, der Zugang zur eigenen
pathische Gewebepalpation ist dabei Verletzlichkeit, Selbstbewusstheit und
wesentlich, um Zugänge zum inneren Stärke sind wesentliche Qualitäten, die
Erleben zu eröffnen und zu begleiten. im Patienten (wie auch im Osteo-
Die individuelle Annäherung koppelt pathen) gefördert und im Alltag um-
die Palpation und ihre energetische gesetzt werden [12]. Zentriert in einem
Wechselwirkung im Körperfeld mit der Zustand des myelinisierten Vagus ist
Atmung, dem neurogenen Zittern, der Lebendigkeit und Verbundensein mit
bilateralen Stimulation, inneren Dialo- allem zunehmend durch eine dekon-
gen, dualem Gewahrsein und medita- ditionierte wache Gegenwärtigkeit
tiven Praktiken. Indem der Patient erfahrbar, die sich von nicht mehr
während der Palpation von Schlüssel- nötigen bzw. dysfunktionellen Lebens-
regionen darin unterstützt wird, seine mustern emanzipiert und Selbst-
Interozeption differenziert wahrzuneh- kontraktion überwindet [16].
men und Erlebnisinhalte zu vervoll-
ständigen (visuell [Bilder], auditiv, Übersetzung: Jutta Orth, Freiburg
kinästhetisch [Empfindungen], olfak-
torisch, gustativ, Verhalten, Emotion
und ihre Bedeutung), wird es möglich, Korrespondenzadressen:
implizite Gedächtnisinhalte explizit Stephen W. Porges
werden zu lassen. Entschleunigung des Kinsey Institute
therapeutischen Prozesses ist dabei Indiana University
Morrison Hall 313
meist wesentlich.
1165 East Third Street
Die Integration in den Alltag ist ein Bloomington, IN 47405-3700
wesentliches Momentum in der osteo- USA
pathischen Behandlung. Verankert in
Torsten Liem
der Gegenwart, in der Stille und im
Osteopathie Schule Deutschland
„Sein“, die Fähigkeit sich dem Leben zu Mexikoring 19
öffnen (anstatt es kontrollieren und 22297 Hamburg

Literatur
atik,
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au
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20 17. Jahrg., Heft 2/2016, S. 14–20, Elsevier GmbH, www.elsevier.com/locate/ostmed