Sie sind auf Seite 1von 16

63

Kapitel 3. Praktischer Teil

Im Fremdsprachenunterricht sind die Hörmedien unersetzbar, egal bei


welchem Niveau. Sie ermöglichen den Lernenden Erfahrungen, die im
klassischen Unterricht so nicht möglich wären. Vom Anfang an sollte der
Schüler/Auszubildender sich an den originellen Akzent der Fremdsprache
angewöhnen.

Außerdem kennen die Schülerin und Schüler die Redeart der


Ureinwohner kennen und damit haben die Möglichkeit zu lernen, sich
einfacher in die verschiedene Situationen rein zu versetzen. Aus
psychologischer Sicht sind Informationen besser aufgenommen werden,
wenn dabei mehrere Sinne zugleich angesprochen werden.

Den Erwerb von Lernstrategien anregen


Ebenso wichtig wie das Ansprechen verschiedener Handlungsebenen ist es
fur die Entwicklung des Horverstehens, gezielt Hilfen fur den Aufbau von
Lernstrategien anzubieten. Strategien befahigen die Schulerinnen und
Schuler langfristig dazu, sich selbststandig Hortexte zu erschlie.en. Generell
lasst sich ein Zusammenhang zwischen Horverstehensleistung und
Strategien herstellen: Je gro.er die Kompetenz im Bereich des Horverstehens
ist, desto gro.er ist auch das Repertoire an Strategien und umgekehrt.

63
64

Ziel ist es daher, dass alle Kinder sich im Laufe ihrer Grundschulzeit ein
individuelles Repertoire aneignen. Dieses konnte z. B. die folgenden
Strategien beinhalten:

• den gezielte Einsatz der oben beschriebenen visuellen, akustischen und


haptischen Erschlie.ungshilfen (z. B. das Verstehen eines Textes mit
Hilfe von Bildern),

• nachfragen, wenn etwas nicht verstanden wurde,

• nach Schlusselwortern Ausschau halten und mit Hilfe dieser versuchen


sich die Bedeutung des gesamten Textes zu erschlie.en,

• global an den Text herangehen und nicht gezielt auf Details und
einzelne Worter achten,

• genaues Zuhoren; versuchen nicht „abzuschalten“,

• wenn moglich, unbekannte Worter von ahnlich klingenden Wortern in


der deutschen Sprache ableiten,

• im (Bild-/ CD-Rom-) Worterbuch nachschlagen,

• versuchen einen Bezug zwischen dem Gehortem und eigenen


Erfahrungen herzustellen,

• prufen, ob das, was man verstanden hat, logisch und in sich stimmig ist.

64
65

Strategien werden vor allem dann behalten und angewendet, wenn sie vom
Lernenden selbst entdeckt worden sind. Es ist daher wichtig, die
Lernangebote so zu gestalten, dass die Schulerinnen und Schuler dazu
angeregt werden, selbststandig Strategien zu entwickeln. Ein Hortext sollte
daher nicht ausschlie.lich aus bekannten Wortern bestehen, sondern in
begrenztem Umfang auch unbekannte Worter beinhalten. Im Umgang mit
diesen entdecken, erwerben und trainieren die Kinder etwa die Strategien,
auf Schlusselworter zu achten, global an den Text heranzugehen oder Worter
abzuleiten (siehe oben).
Es ist fur die Lehrkraft schwer, den Einsatz und den Erwerb von Strategien
im Bereich Horverstehen bei den Kindern nachzuvollziehen, da viele zwar
Strategien anwenden, aber noch Probleme bei der Verbalisierung dieser
haben. Andere wiederum wenden Strategien an, sind sich dessen aber nicht
oder nur bedingt bewusst. So kommt es zum Beispiel vor, dass ein Kind
nach dem Vorlesen eines ihm unbekannten Bilderbuches davon uberzeugt
ist, den Text vor allem durch genaues Zuhoren verstanden zu haben, nicht
aber durch das gezielte Betrachten der Bilder - obwohl sein Blick wahrend
des Vorlesens konzentriert an den Bildern haftete.
Gezielte Reflexions- und Evaluationsphasen unterstutzen jedoch den Erwerb
und die bewusste Anwendung von Strategien im Bereich des Horverstehens.
Neben der kontinuierlichen Themati-sierung im Rahmen von
Unterrichtsgesprachen eignen sich hierzu unter anderem folgende Methoden:

65
66

Beobachtungsaufgaben
Vor dem ersten Horen des Textes wird eine Beobachtungsaufgabe gestellt
(siehe Beispiel unten). So kann der zu beobachtende Aspekt bereits wahrend
der Ubung gezielt betrachtet werden. Die Auseinandersetzung mit den
Strategien wird umso intensiver, wenn zusatzlich der Versuch einer
Begrundung („Warum?“) gefordert ist. Es sollte jedoch genugend Raum fur
individuelle Antworten bleiben.
Gemeinsam mit der Klasse oder in Kleingruppen kann nach
Uberschneidungen gesucht werden, um so besonders wirksame Strategien
fur das Verstandnis eines Bilderbuches zu identifizieren. Wird die Methode
von den Schulerinnen und Schulern gut beherrscht, konnen diese auch selbst
Beobachtungsaufgaben fur andere Kinder erstellen.
Beispiel:
Beobachtungsaufgabe:
Es fiel mir leicht, das Bilderbuch zu verstehen.

a) Kreuze an!

O ja O nein

b) Warum? Kreuze an!

O Ich habe auf die Bewegungen und auf das Gesicht der Lehrerin geachtet.
O Ich habe genau zugehort.
O Ich habe nachgefragt, wenn ich etwas nicht verstanden habe.
O Ich habe mir die Bilder im Buch genau angesehen.
O ________________________________________________

66
67

O ________________________________________________
Partner- / Kleingruppengesprache
Im Austausch mit dem Sitznachbarn/ der Sitznachbarin oder der
Tischgruppe uben die Kinder das Verbalisieren von Strategien. Sie erfahren,
was anderen Kindern hilft, Texte zu verstehen und werden dadurch angeregt,
ihnen bisher unbekannte Strategien selbst auszuprobieren. Gezielte Impulse
durch die Lehrkraft lassen die Arbeit in der Kleingruppe effektiver werden.
Beispiel: „Uberlege, warum es dir beim Verstehen geholfen hat, das Lied
mehrmals zu horen.“

67
68

Diary
Eine aufwandigere, aber auch intensivere Methode der Reflexion ist das
Fuhren eines Lerntagebuchs („Diary“) uber einen langeren Zeitraum.
Hierfur eignen sich insbesondere offene Unterrichtsformen wie etwa eine
Lernwerkstatt oder das Lernen an Stationen. Eintrage im Diary werden
regelma.ig, immer unmittelbar nach Bearbeitung eines Horangebotes
vorgenommen, damit das Erlernte noch prasent ist. So lassen sich sowohl
Veranderung als auch Kontinuitat im Lernprozess festhalten. Die Kinder
denken aktiv uber Lernstrategien nach und starken dadurch langfristig ihre
Reflexionskompetenz.

Haben die Kinder bisher wenig oder keine Erfahrungen mit Tagebuchern im
Unterricht gemacht, sollte ihr erstes Diary klar gegliedert sein, damit sie sich
seinen Aufbau weitgehend erschlie.en konnen und selbststandiges Arbeiten
moglich ist. Elemente einer Tagebuchseite konnten z. B. gezielte
Beobachtungsaufgaben mit Begrundungsversuchen (siehe oben) und
Affirmationen („Das nehme ich mir fur das nachste Mal vor, wenn ich so
eine Ubung mache“) sein. Trotz der Vorstrukturierung sollte genugend
Raum fur individuelle Uberlegungen, Ideen, Fragen und Probleme
verbleiben.

Titel: Name des Videoclips


Quelle: Woher stammt der Videoclip?
Für welches Thema kann man den Videoclip
Thema:
verwenden?

68
69

Hier könnte man beliebig viele Schlüsselwörter


notieren, evtl. getrennt nach den Teilbereichen
Index:
Landeskunde, Grammatik, Redemittel, Wortschatz,
Register, etc.
Wovon handelt der Videoclip und wie ist er beschaffen?
Kurzbeschreibung:
(vgl. Fragen zur Beurteilung von Filmmaterial)
Filmtyp: Spielfilm, Dokumentarfilm, Nachrichtensendung, etc.
Sprachliches
Anfänger, Mittelstufe, Fortgeschrittene
Niveau:
Zielgruppe: Erwachsene, Jugendliche, DaF, DaZ, etc.
Wer hat das Copyright für den Videoclip? Darf man ihn
Rechte: ohne weiteres verwenden? Kann man den Videoclip
herunterladen und speichern?
Fundort: URL des Videoclips
Wann wurde der Videoclip gefunden (ältere Videoclips
Datum:
sind evtl. schon nicht mehr online) ?
Videotyp: avi, mpg, mov, rm, etc.
Clipgröße: 320*240 pixel o.ä.
Größe des Videoclips in Kbyte (oder Mbyte, wenn sie
Dateigröße:
sehr groß ist)
Länge: Länge des Videoclips in Sekunden/Minuten

Hier nun ein Beispiel:

Titel: Ferien trotz Hartz IV?


Quelle: ZDF
Thema: Arbeitslosigkeit in Deutschland
Index: Arbeitslosigkeit, Armut; Hartz IV, Eisleben

69
70

In Eisleben können sich die wenigsten Familien einen


Urlaub leisten, die Arbeitslosenquote liegt bei 27
Kurzbeschreibung:
Prozent. Für die Kinder gibt es trotzdem ein
Ferienprogramm - bezahlt vom Kinderschutzbund.
Filmtyp: Dokumentation
Sprachliches
Fortgeschrittene
Niveau:
Zielgruppe: Erwachsene und Jugendliche
Rechte: © ZDF 2005, kann nicht gespeichert werden
Datum: 26.07.2005
Videotyp: Livestream
Clipgröße: 320 x 240
Dateigröße: unbekannt
Länge: 2:00

Es wäre nützlich, wenn man solche Informationen mit anderen DaF-


Lehrenden austauschen oder an einer zentralen Stelle verwalten könnte. So
müßte sich nicht jeder Lehrende immer wieder neu auf die Suche nach für
seine Lernergruppe geeignetem AV-Material machen.

Freilich weist Tschirner 1999 darauf hin, dass

es fraglich ist, ob Videomaterialien selbst mittelfristig eine sinnvolle


Internetapplikation darstellen werden. Selbst günstige Prognosen gehen
davon aus, dass in Deutschland vor 2015 keine flächendeckende
Breitbandvernetzung vorhanden sein wird, die zum Beispiel Telelernen mit
Multimediamaterialien vom heimischen Computer aus sinnvoll erscheinen
lassen würde.

70
71

Bessere Internetzugänge per Glasfaserkabel gibt es aber schon jetzt


zumindest an Universitäten, und auch anderswo werden in Zukunft die
Übertragungsraten steigern, so dass man auch längere Filme aus dem
Internet herunterladen kann). Im Blick auf die didaktische Empfehlung, mit
kurzen Filmsequenzen zu arbeiten, kann man darüber hinaus aber auch
schon jetzt eine Menge gutes Material für den Landeskundeunterricht im
Internet finden, das auch mit langsameren werden kann.

Einblicke Beschreibung
jugendliche Deutschlernende bei der
fortgeschrittene
Zielgruppe Fremdsprachen Fakultät „Ion
Anfänger
Creanga“.
Bilder, Kasseten
Inhalt Rekorder, offene Internet-Lernumgebung
Videos.
Ehe und Familie,
Wohnen, Lebensstile,
Schule, Jugendliche,
vor allem Jugendthemen:
Arbeitswelt, Studium,
Erwachsenwerden, Schule und
Themen Feste/ Ferien/ Freizeit,
Ausbildung, Jugendkultur, Neue
Umwelt und Natur,
Medien, Umwelt, Liebe usw.
Multikulturelle
Gesellschaft,
Deutschland und Europa

71
72

Spielfilme +
Filmtyp ethnographische Interviews
Dokumentarfilme
geschlossene Übungen
zur Kommunikation,
Didaktische Textarbeit, Lesetexte; Übungen und Aufgaben
Mittel Wortschatzarbeit, vor, während und nach den Videos
Grammatik, sowie auch
zur Landeskunde

Einblicke bietet auf den neun CD-Roms eine Menge landeskundlich


interessantes Material, das aber für den Einsatz im Unterricht erst noch
didaktisch aufbereitet werden muss. JETZT Deutsch lernen bietet bereits
fertige Lerneinheiten mit ethnographischen Interviews an, wenn auch die
Qualität der Videoclips nicht so hoch ist wie bei Einblicke. Unter dem
Aspekt der Aktualität und der weltweiten Verbreitung gesehen ist das
Internetangebot einer thematisch geschlossenen CD-Rom vorzuziehen. Für
Lernende ohne Zugang zum Internet bzw. ist eine CD-ROM die bessere
Alternative.

72
73

Arbeitsblatt zur Übung zum Globalverständnis für


Anfänger
(nach Motyl und Whiteman, 1995, S. 44)

1. Was ist das Thema?

2. Was hat das Thema klar gemacht? Was haben Sie


gesehen? Beschreiben Sie kurz, was Sie gesehen haben.

Bild

Landkarte

Grafik

73
74

Überschrift

Film

3. Was hat das Thema klar gemacht? Was haben Sie


gehört? Notieren Sie bitte Schlüsselwörter.

4. Was haben Sie vom Thema verstanden? Was hat Ihnen


beim Verstehen geholfen?

BEISPIEL 2

Hörverständnis für Anfänger

(nach Motyl und Whiteman, 1995)

Titel der
Sequenz:
Inhalt: Sport, Wirtschaft usw.
Länge der 1-3 Minuten
Sequenz:

74
75

Zählwerkangabe
auf der Kassette:
Zielgruppe: Anfänger
Ziel: Zahlen wiedererkannen
Unterrichtsdauer: ca. 10 Minuten
Kommentar: Da Zahlen meistens sehr früh im
Deutschunterricht eingeführt werden
und in vielen Sequenzen benutzt
werden, kann das Erkennen von Zahlen
im Anfängerunterricht anhand von
verschiedenen Sequenzen geübt
werden

BEISPIEL DREI

Unterrichtseinheit für Fortgeschrittene:


"Die Stadt als Klassenzimmer"

(nach Motyl und Whiteman, 1995, 88-97)

Titel der Sequenz: Die Stadt als Klassenzimmer


Übergreifendes Schule / Schulsysteme
Thema
Inhalt Vorstellung eines Berliner Projekts, in dem
gescheiterte SchülerInnen doch noch einen
Schulabschluß bzw. eine Berufsausbildung
bekommen
Länge der Sequenz: ca. 3 Minuten

75
76

Zählwerkangabe auf Deutsche Welle: Aktuelle Fernsehsendungen im


der Kassette: kommunikativen Deutschunterricht ©Deutsche
Welle
18:00
Zielgruppe: ab 3. Jahr High School / 3. Semester Universität
Auswahlkriterien Betroffenheit
Bildinformation
bekannte Problematik
Ziele: • Problematik der Sequenz global verstehen
• Problematik, gescheiterte SchülerInnen in
diesem Projekt und in den USA verstehen

• Verstehenshilfen beim Sehen einer


Sequenz, die sprachlich teilweise unklar
ist (Interview der Schüler) sollen bewußt
gemacht werden
Unterrichtsdauer: 50 Minuten
Kommentar: Bei dieser Sequenz handelt es sich um einen für
Jugendliche sehr relevanten Bericht. Man sieht
deutsche Schüler, die zu ihrem gescheiterten
Schulabschluß und dem vorgestellten Projekt
"Stadt als Schule" Stellung nehmen. Die Schüler
sprechen relativ unklar, leider ist die Tonqualität
nicht sehr gut, aber das Bildmaterial, der
Kommentar und die Betroffenheit sind so stark,
dass wir uns entschlossen haben, mit dieser

76
77

Sequenz zu arbeiten. Es ging uns um das


Globalverständnis des Projektes. Die letzte
Phase, die Reflexion, erscheint uns als Versuch,
den KT bewußt zu machen, auf welche Art und
Weise Hör- und Sehverstehen vor sich geht und
welche Hilfestellungen vorhanden sind.
Arbeitsblatt 1:
Unsere Vermutungen
| scheinen R |
scheinen F zu sein
2.2. Auswertung in
Plenum
3. Brainstorming (Assoziogramm)

4. Erste Präsentation der Sequenz Bild mit Ton


4.1. Notieren Sie alle Wörter aus
Arbeitsauftrag: dem Assoziogramm, die in der
Sequenz vorkommen.
Kommentar: Die Wörter in dem oben aufgezeichneten
Assoziogramm sind nur Beispiele. Natürlich
kann es sich je nach Klasse um
unterschiedliches Vokabular handeln. Es
besteht hier wieder die Möglichkeit, neuen
Wortschatz einzuführen.

77
78

4.2. Auswertung auf OHP in


Plenum

78