Sie sind auf Seite 1von 29

Die Volksmusik Japans

Religion in Japan:
1. Shintoismus 52% : multiple religiöse Zugehörigkeiten, mit anderen Religionen kompatibel
2. Buddhismus 42%. Ab zweiten Hälfte des 6. Jh. Von Korea und China eigeführt.
3. Christentum 1%
4. andere Religionen 5%
Verschmelzung von Buddhismus und Shintoismus zw 9. und 19 Jhdt.
1 & japanische Musik sind stark mit einander verbunden

1.Shintoismus:

• Shinto = Weg der Götter


• Einheimische Religion Japans. Glaube an Kami
• Naturelemente: Sonne, Berge, Steine etc
• Naturerscheinungen
• Geister, Seelen Verstorbener
• Götter in japanischen Mythen
• Kaiser
• → acht Millionen Götter
• ein polytheistisches Glaubenssystem

Vielzahl verschiedener Glaubensrichtungen und Riten (eher Glaubensvorstellungen)
natürlich entstandene Religion
wesentlich: Glaube an Kami
polytheistisches Glaubenssystem
tief in japanischer Gesellschaft verankert

Wirtschaft
- Industrialisierung ab 2. Hälfte des 19 Jhdt.
- Haupt Wirtschaftsformen: Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Fischerei

Nassreisanbau:
Einführung in Yayoi Zeit aus dem asiatischen Kontinent.
Feudalgesellschaft in Edo-Zeit (1603.-1867):
- mehr als 80% Japaner waren Bauern
- Reis als Steuer
- 40/60% von Jahresernte.

Fischerei
Ist neben dem Ackerbau eine der bedeutendsten Nahrungsmittelbeschaffung für Japaner.
Günstige Bedingungen für Fischerei:
- Küstengewässer bieten gute Wachstumsbedingungen für Plankton
- Eine zerklüftete Küstenlinie, die durch die Verschiebungen der tektonischen Platten gebildet wurde, bietet
sich ein guter Lebensraum für eine Vielzahl von Fischarten.

Ise-Schrein:

= höchstes Heiligtum Japans


Ziel der Pilgerfahrt
Hauptgebäude wird alle 20 Jahre neu gebaut
in der Zwischenzeit werden Rituale durchgeführt zur Vorbeireitung

Kami – Götter: mythische Götter, Kaiser, Geister (Bäume, Steine,...), kann überallsein

1
Begriff: Volksmusik

Volksmusik

• Volkslieder
• Instrumentalmusik
• Musik für Volkstanz

Begriff von „Volk“ in Volksmusik und Volkslied
Begriff „Volkslied“ wurde 1773 zum ersten Mal von Herder geprägt

wird in verschiedenen geographischen Räumen und Perioden unterschiedlich definitert


Problem dabei: wie definiert man „Volk“?
Brockhaus Musiklexikon über Volksmusik : Volksmusik wird als Musikfolklore oral tradiert oder auditiv
vermittelt, sie ist daher die einzige Musik, die zumindest bus zu Beginn 20 Jhdt, von von bildungsarmen und
unterpriviligierten gesellschaftlichen Schichten ...“

„... MGG über Volk in Volksmusik/-lied: „ Volk: Inbegriff der seelischen-gesellschaftlichen Grundschichten
der Bevölkerung, als Gesamtheit der Bauern, Hirten, Berleute, etc aber auch als die Allgemeinheit, soweit
sie sich von diesen Schichten nicht wesentlich unterscheidet“

W. Wiora “Europäische Volksgesang: Im Worte „Volksgesang“ ist Volk nicht die Einzahl zu Völker,
sondern es meint Gesamtheit der sozialen und seelischen Grundschichten. Aus Grundschichten des
Menschlichen schlechthin kommen Lieder der Unterdrückten und Unglücklichen, der Mütter und Kinder,
kommen Totenklagen und Wiegenlieder, [...]. Volk und Volkslied sind in die allgemeine Entwicklung
einbezogen, die von Frühzeit ausgeht, als Europa noch Naturlandschaft war, und über die Lebenswelten der
Rodungslichtungen, der Dörfer, der Städte alter Art zur Gegenwart mit ihren Industrie- und Ruinengeländen,
Kulturparks und Kultursteppen führt.“

Merkmale der Volksmusik:

• Oralität: mündliche Vermittlung -> schriftliche Aufzeichnung. Im medialen Zeitalter: elektronischen


Medien (Tonband, CD, Radio, etc)
• Popularität: weite Verbreitung im Volk und allgemeine Beliebtheit -> oder nur innerhalb einer
bestimmten sozialen Gruppe?
• Variabilität: Gestaltwandel, „Umsingen“ -> • Volksmusik ist Schöpfung eines
Individuums
• Anonymität: Unbekanntheit der Autorschaft -> • Volksmusik ist Schöpfung eines
Individuums 

Volksmusik ist Schöpfung eines Individuums,aber sie wird im „Volksmund“ schöpferisch umgestaltet.

• Dignität: ästhetische Qualität -> Volksliedästhetik als Idealisierung


• Anciennität und Persistenz: langwährende Tradition -> kann, aber muss nicht immer das
Charakteristikum der Volksmusik sein.
Steht oft in Zusammenhang mit Identität (Nationalität und Ethnizität)
in zitierten Definitionen (oben) häufig das Wort „Schicht“ => auch nicht eindeutig
vor allem in Bezug auf die heutige/gegenwärtige Situation

wenn wir an gegenwärtige Volksmusik denken stimmen die Merkmale nicht wirklich: seit vielen Jahren
schriftliche Übermittlung und elektronische Medien → Medialvermittlung

können wir Volksmusik definieren? → heute ist das Schichtendenken nicht mehr so wie früher → die
Grenzen sind verwaschen

2
Minzoku ongaku

= Volksmusik in Japan
umfasst:
• Volkslieder Min yo
• Musik der Volkskünste: = folk performing arts
◦ Tänze und Musik
◦ Theater

Volksmusik in Japan → ist aber nicht generell Musik bestimmter Ethnien => hat nämlich theoretisch den
selben Namen
Min = Volk; yo = Lieder => Volkslied

Definition von Machida:


songs which were originally born naturally within the local folk communities, and while being transmitted
orally, have continued to reflect naively the sentiments of daily life

Volksliedklassifikationen

Volkslieder nach MACHIDA Kasho:

1.Heimatliche Volkslieder:
• Natürlich entstandene Lieder
• Komponierte Lieder
2.Kinderlieder Warabeuta
3.Populäre Lieder Hayariuta

Volksliedklassifikation nach MISUMI Haruo:

1. Arbeitsgesänge: 

Lieder zu: Agrararbeit/Forstarbeit/Fischerei/verschiedenen Arbeiten/Transport
2. Gesänge zu bestimmten feierlichen Anlässen:
Lieder zu religiösem Volksfest Matsuri/ Feierlichkeit/ jahreszeitlichem Brauchtum
3. Tanzlieder
4 Gesänge zur Unterhaltung (Bankett, …)
5 Katarimono/ Shukufukugei no uta
- Rezitation = Katarimono (wandernde Musiker → ihre Musik ist eher rezitierend und weniger
melodisch; so wie Minnesänger)
- Gesänge zu den segenspendenden Künsten: Shukufukugei no uta;
6. Wiegenlieder
7. Kinderlieder : Lieder zum Spielen/ Zauberspruch

Merkmale von Volksliedern nach KOIZUMI:

1. Anonymität
2. Oralität
3. kollektive Überlieferung innerhalb der Gemeinschaft
4. Presistenz

vor allem Verbundenheit zur Heimat


Min Yo unterscheidet sich von Schlager, der nur für kurze Zeit populär ist

Definition von Volksmusik nach HONDA:

„ Die regionale Künste, die meist in den religiösen Kontext von den Mitgliedern der regionalen Gemeinde
übergeliefert werden. Wobei die Traditionsträger keine beruflichen Künstler sind, sondern bestehen,
unabhängig von Alter und Geschlecht, hauptsächlich aus den Mitgliedern der regionalen Gemeinschaft.“ →
geht also nicht nach Schichtendenken vorstellt Volksglauben in den Vordergrund

3
Volkskünste – Definition von Hughes
• Minzoku geino are often connected with religion in the broad sense
• performances at fixes times and places (traditionally sanctioned occassions)
• participation linked to criteria such as residence, family, age, gender
• must be presented exactly as “it always has been “
• practice are held only during the weeks preceding the event, guaranteeing alterations over the years
• correctness of performance very important
• ties with the past are maintained through tangible items such as costumes, instruments, etc
• performers/transmitters are amateurs

Klassifikation der Volkskünste nach HONDA:


Fünf Kategorien:
1. Kagura: Shintoistische Ritualtänze
2. Dengaku: Darbietende Volkskünste, die ursprünglich im Zusammenhang mit Reisanbau stehen
3. Furyu: Gruppentanz, der durch elegante Bewegung und prachtvolle Kostüme charakterisiert wird
4. Katarimono und Shukufukugei no uta: Rezitation und Segenspendende Künste
5. Toraigei und Butaigai: Von Ausland aufgehführte Künste und Bühnenkünste

oft können wir nicht mehr in diese Kategorien einreihen, weil manche Formen erst später entstanden und
populär geworden sing

HB: japanisches Volkslied, „soran-bushi“ aus Hokaido: war ein Arbeitslied

VB+VB: veränderte Form eines Volksliedes


ursprünglich Volksliedsänger, aber die Inszenierung und Musikinstrumente sind viel moderner → Shaku
Hachi und Tsugaru jamisen + Saxophon etc + rhythmisch auch komplett verändert
bei einem Festival: zu einem Massentanz aufgeführt/gleichzeitig auch ein Wettbewerb
Voraussetzung: beim Tanz ein Instrument Naruko verwenden// kurzen Melodieausschnitt aus soran bushi in
Tanzmusik einfügen

über die Jahre schon starker westlicher Einfluss, aber trotzdem bleiben volkstümliche Elemente → aber es
ist nicht mehr authentische Volksmusik

Shintô als Volksglaube Glaubensvorstellung und Anwendung der Musik


zu welchen Gelegenheiten spielt man Musik

Das Konzept KEGARE als Unreinheit

• wird als Ursache sämtlichen Unglücks angesehen


• hat eine epidemische übertragbare Eigenschaft
• erklärt ein entscheidendes Element des Glaubenssystems der Japaner
• kann durch ein Reinigungsritual mit bestimmter Kulthandlung entfernt und der Normalzustand kann
wieder hergestellt werden

• Kategorien des Ursachenkomplex von KEGARE:
◦ Tod
◦ Frauen (Menstruation und Geburt)
◦ Verbrechen
◦ Krankeheiten

Konzept „kegare“= Unreinheit


ungereinigte Gegenstände/Personen/Umstände = Ursache sämtlichen Unglücks
eng mit dem Tod verbunden; kommt man mit etwas oder jemandem in Kontakt, der in Kontakt mit Tod war
→ Reinigung nötig: durch Rituale
z.B.: nach einer Beerdigung bekommt man Salz oder Teeblätter
=> haben magische Kraft, die das Böse austreiben
Gottheit KAMI erscheint nur im reinen Zustand wenn man Zeremonien vernachlässigt/nicht richtig handelt
=> Unglück wird größer

4
Shinto als Volksglaube: Das Konzept KEGARE als Schwächung der seelischen Energie:

• ke = Sphäre des Alltags


• hare = Sphäre des Nicht-Alltags
• ke gare = Schwächung der seelischen Energie (gare: seine Kraft verlieren)
• Aufrechterhaltung der Lebenskraft durch die Durchführung kultischer Feste und Riten

Das Konzept KEGARE


= Prinzip, das Erschöpfung der Lebenskraft
= Phänomen, das Unreinheiten auflöst

=> Ritualismus im Shintoismus vor allem durch kegare


Schintoismus ist keine kodifizierte Religionen
Rituelle Zeremonien und Feste des Shinto
oft für gute Ernte, Alltagsleben der Japaner von abwechselnde Feste und Feiern geprägt

Matsuri:

• Matsuri = religiöse Volksfeste


◦ alle gemeinschaftlichen Feste (im weiteren Sinne)
◦ rituelle Zeremonien und Feste des Shinto
• Etymologie:
◦ Verb „matsurau“
◦ „sich der Macht eines kami unterwerfen“
◦ „einem kami dienen“
• Durch Matsuri:
◦ erhöhen sich die Kräfte eines kami
◦ können Menschen an der Kraft des kami teilhaben

Shinto als Volksglaube – Konzept Tama:


• Tama = allgemeiner Begriff für Geist oder Seele in der Antike
• Tama:
◦ = Seele der Lebenden
◦ = ein Teil der Gottheiten
◦ kommt von außen und wohnt im menschlichen Körper
◦ bringt Lebensenergie
• Eigenschaften von tama:
◦ verfällt im Laufe der Zeit
◦ bedarf ständiger Erneuerung und Revitalisierung
◦ Revitalisierung der tama durch rituelle Zeremonien

allgemeiner Begriff für Geist oder Seele in der Antike, bezieht sich auch auf spirituelle Kraft, kommt von
außen und wohnt im menschlichen Körper, bringt Lebensenergie, wenn tama Körper verlässt, stirbt man,
wenn tama schwächer wird → Revitalisierung: Energie holen durch Zeremonien
in der Antike war die Gottheit noch nicht personalisiert, sondern war nur eine Energie
tama verfällt im Laufe der Zeit durch Krankheit oder Kegare (Unreinheit), um tama aufrecht zu halten →
neue Lebenskraft durch zahlreiche Rituale, erhöht spirituelle Kräfte des kami

Matsuri:
• Grundstruktur von Matsuri:
◦ Herbeirufung der Gottheit
◦ Unterhaltung der Gottheit
◦ Verabschiedung der Gottheit
• Ritualgebete: Norito
• Ein temporärer Gottessitz: Yorishiro oder yorimashi (kann Person oder Gegenstand sein)

in der Regel nimmt die ganze Gemeinschaft an den Ritualen teil → erneuern das Zugehörigkeitsgefühl der
Gemeinschaft
5
aufgrund der Glaubensvorstellung, dass Gottheiten nur im reinen Zustand erscheinen, wird Ritual gereinigt:
Ritualreinigung = HARAE

wenn kleiner handlicher Gegenstand Gottessitz ist → wird geschüttelt und mit ihm getanzt
wenn Person → Person tanzt
Unterhaltung: Vielzahl von Opfergaben (Reis etc.) und rituelle Musik, Tanz oder Schauspiel
Mitlglieder der Gemeinde essen gemeinsam, es geht nicht um Genuss der Menschen, sondern auch das ist
ein Ritual

2. MUSIK DER VOLKSKÜNSTE


a) Kagura – Shintoistische Ritualtänze:
• Kagura: Shintoistische Ritualtänze
• Etymologie: Kamu-kura: Götter-Sitz
• Kagura:
◦ sind in Japan weit verbreitet
◦ werden bei den shintoistischen Zeremonien ausgeführt
• Mi-kagura und Sa-kagura:
◦ Mi-kagura: Höfische Kagura
◦ Sa-kagura: Dorfkagura oder ländliche Kagura

ursprünglich Gebetszeremonie an einen Gegenstand um Gottheiten herbeizurufen


früher kami asobi = Musik oder Unterhaltung => wird zu kagura
kagura-Schriftzeichen im 8. JH in Gedichtsammlung zum ersten Mal
• Mi-kagura und Sato-kagura 

- Höfische Kagura : Mi-kagura

- Dorfkagura od. ländliche Kagura : Sato-kagura
- Es gibt starke regionale Unterschiede in den Erscheinungsformen und Kulthandlungen des Kaguras
• Stoffe: Mythen aus Kojiki und Nohongi zB: Ama no iwato

• grundlegende rituelle Idee: gemeinsames Charakteristikum von Kagura. “Herbeirufung der


Gottheit. Gebete:
◦ Berufung der Seele: tamafuri
◦ Beschwichtigung der Seele: mitamashizume
• Der Mythos: Ama no iwato: Japanisches Geschichtswerk aus dem 8.JH

• Rituelle Bedeutung:
◦ Ehren der Gottheiten
◦ Seelenberuhigung: Mitamashizume
◦ Reinigung: Harae
◦ Wünsche nach:
▪ reicher Ernte
▪ vollkommene Gesundheit
▪ Vertreibung von allem Übel

grundlegende rituelle Idee: obwohl es stark regionale Unterschiede in Erscheinung etc. gibt
=> ist überall gleich: Berufung/Beschwichtigung der Seele
wenn man das nicht macht, wird tama den Körper wieder verlassen
zum Ehren der Gottheiten, Seelenberuhigung

Ama no iwato = Beschwörung der Sonnengottheit (Mythos)


Göttin aus Zorn in Höhle → Finsternis → wird wieder herausgelockt → seitdem scheint Sonne wieder; Göttin
→ Tanz wie ein Striptease → Tanz war „komisch“, deswegen haben alle Götter gelacht → Göttin in Höhle →
wird von Lachen herausgelockt (hä?)
dieser Tanz ist Vorlage => heute nicht mehr als komisch gesehen
Mythos wurde tradiert => Abbildung in der Mitte ist Sonnengöttin, findet man in Kojiki und Nihongi

Klassifikation des Dorfkagura (Sato kagura)

6
• Miko kagura:
• offiziell in Shinto-Schreinen dienende Jungfrauen, die verschiedene Funktionen erfüllen →
unterscheiden sich so voneinander: Hohepriesterinnen (höfischer Schrein etc.), Sato; kaiserlicher
Schrein = Omikanko; gem. religiöser Charakter: durch bestimmte Riten mit Gottheit in direkten
Kontakt treten; Anzahl der Tänzer variiert

◦ ausschließlich von Miko genannten Frauen ausgeführt (Miko=Schrein-Dienerin)=
Schintoistisches Schreinmädchen (= eine Art Ministrantin)
◦ arbeitet/hilft/tanzt;
◦ Die Tänzerin/Tänzerinnen bei Miko kagura tanzten ursprünglich selbst als temporär
Gottessitz, um Herabkunft der Gottheit/en zu beten

◦ große Verbreitung
◦ Utensilien: Schellen, Fächer, u.a..
◦ oft mit im Rahmen der anderen kagura-Typen aufgeführt, kann auch Solotanz sein;
◦ hat immer Rassel oder anderen Gegenstand (und immer rotes Unterteil und weißes
Oberteil)

• Izumo kagura: = alte Bezeichnung einer Gegend => heilige Strohmatte für den Tanz als Requisite =
Torimono in einem Schrein
◦ durch Torimono Tanz charakterisiert
◦ Torfmono = Kultgegenstände: wie Gohei, Sakaki-Ast, Schwert, Bogen, Speer, usw.
◦ Dieser Kultgegenstand dient als Objekt zur Anziehung der Gottheit bzw. wird als temporäre
Gottessitz Yorishiro angesehen
◦ Der Kultgegenstand Torimono erhalt eine mediale Funktion zwischen Gottheiten und Menschen. 


Ø Seit 16 Jhd. während des Rituals bei dem Sada- Schrein werden einige Theaterstücke
vorgeführt und diese als ShinNoh „göttliches Noh-Theater“ genannt wird. 


Ø  Das Kagura im Sada-Schrein umfasst eine Reihe verschiedener ritueller


Reinigungstänze, die Tänze mit Torimono (ohne Maske) und Shinnoh mit Maske
abwechselnd gespielt wird . 


Ø  Man vermutet, dass ShinNoh von Sada Schrein ei- nen entscheidenden Einfluss auf dem
lokalen Kagura hatte . 


Ø  Das Shin-noh im Sada-Schrein wurde im Jahr 2011 zur UNESCO Liste des Immateriellen
Kulturerbe der Menschheit hinzugefügt. 


• Ise kagura:
• sehr oft mit Ritual verbunden
• ein in der Hand gehaltener Gegenstand als Requisite => mediale Funktion zwischen Gottheit und
Mensch; ist also sowohl Requisite als auch temporärer Gottessitz; Sada Schrein → jährlich im 8.
Monat Binsenmatten erneuert: beginnt mit Reinigungsritual → Höhepunkt: Tanz mit Binsenmatte

◦ (jährlich: im 8. Monat eine kagura getanzt bei Schein in Ise = Ort; bei diesem Fest wird
Matte gehalten, einmal im Jahr gewechselt)
◦ typisch dafür ist, dass diese kagura neben Tanz mit Requisiten dargebracht werden
◦ verschiedene religiöse Rituale durchgeführt, vor allem Reinigungsritual
◦ es gibt viele unterschiedliche Reinigungsrituale
◦ Kagura kombiniert mit Reinigungsritual = yudate kagura (finden vor allem im Sommer
statt: im Sommer ist es feucht und unerträglich heiß → im Sommer sehr viel Krankheit →
kommt von kegare → hygienische und psychologische/seelische Reinigung) Typisch für die
Ise ryū kagura ist, neben den Torimono- und Masken-Tänzen sowie verschieden anderen
religiösen Ritualen vor allem das Heißwasser Ritual (eine Reinigungsritual yudate) eine
wichtige Rolle spielt.

• Shishi kagura (“Lowen-Kagura):

◦ ein oder mehrere Löwen-Köpfe → Tänzer tanzen vor Haustür


7
◦ Löwe als Erscheinung der Gottheit
◦ Löwe vertreibt alles Böse
◦ vor allem im Norden und am Berg => Yamabushi = Asketen, die in Bergen ihre Übungen
praktizieren => übernatürliche Kräfte erlangen → früher wurde diese Art von Kagura oft von
Yamabushi getanzt

Zwei Subkategorie des Shishi-Kaguras


- Yamabushi kagura
- Daikagura

Während andere Kagura-Typen ihre Zeremonie meist in einer heiligen Stätte vorgeführt werden,
Shishi kagura (sowhol Yamabushi kagura als auch Daikagura) ist nicht mit bestimmten Ort
verbunden. Beim Yamabushi kagura besucht ein Kagura-gruppe von Haus zu Haus
und haltet eine Zeremonie und rituelle Tänze ab. Bei Daikagura hingegen meist Kagura gruppe auf
offener Straße bzw. offenem Platz ihr Kagura vorführen.

musikalisch:
kagura haben meist unterschiedliche Instrumente: Trommel (je nach Ort anders), Querflöte, Idiophone
(Schellen bei Miko kagura), Becken (klitzekleine Schellen), auch Gesang

VB: Miko kagura: Tanz von Tempelmönchen, in diesem Beispiel Familientradition (ist aber nicht immer so),
ursprüngliche Form: Schamanen-Form → durch Tanz Zustand der Besessenheit erlangen → heute merkt
man nichts mehr davon

Izumo kagura: Takachiko: über 30 Stunden lang verschiedene Tänze, extrem lange Vorbereitung

VB: Uzume Tanz: nach Iwato-Mythos, nicht halbnackt und nicht von Frauen, sondern von Männern getanzt

VB: Ise kagura = yudate kagura: yudate Ritual (Heißwasser Ritual); rotes Gewand = oni = Teufel,
normalerweise ist oni böse, aber hier treibt oni alles böse ausbeutung

VB: Shishi kagura: Löwen-Kagura: in Iwate → viele Tsunamis, Künstler/Tänzer aus Iwate sind im Video nach
Tokio gekommen

Ergänzung zu Kagura:
bei shintoistischen Zeremonien aufgeführt
meiste Kagura-Tänze = eigentlich Theaterszenen der Gottesmythologie eingeschlossen
weil: emotionale Verbindung aufbauen

Der Synkretismus aus Shinto und Buddhismus in Japan: Shinbutso shugo

• Schrein-Tempel: Jinguji
• Die Verfügung zur Trennung von Shinto und Buddhismus

Synkretismus in Kagura:
Beispiel: Shishi-Kagura = Yamabushi-Kagura:
• Kagura = Shintoistische Ritualtänze
• Yamabushi = Buddhistische Bergmönche
• Shishi als Gongen = die Offenbarung Buddhas in einer shintoistischen Gottheit
Shashi (Löwe) ist ein Fabeltier

existieren nebeneinander bzw. nebeneinander,


Shintoismus= Vermischung von religiöser Idee und Philosophie zu einem neuen System;
überlagern sich; religiöse Inhalte wirken aufeinander ein → Symbiose
= Shinbutsu shugo: gab Buddhismus einen spezifischen Charakter; Schrein Tempel in denen beide
Religionen gepflegt wurden → shintoistische Priester und buddhistische Mönche rezitieren shinto. Götter
und buddh. Riten nebeneinander;

8
beeinflusst kagura: z.B.: Löwenköpfe als Gottessitz oder Reinigungsritual mit teufelsähnlicher Figut,
Yamabushi: buddhistische Bergmönche
=> Verfügung zur Trennung

b) Dengaku: Darbietende Volkskünste, die ursprünglich im Zusammenhang mit Reisanbau stehen

• Dengaku = wörtlich Reisfeldmusik = Ta no gaku, den (ta)= Reisfeld, gaku = Musik


• umfasst verschiedene darbietende Volkskünste mit unterschiedlichen musikalischen und
tänzerischen Stilen, die ursprünglich im Zusammenhang mit Reisanbau stehen
• ältester schriftlicher Nachweis über den Reisfeld-Tanz: 671 in Nihongi
• Das erste Auftreten des Begriffs Dengaku: 998

wörtlich = Reisfeldmusik
darbietende Volkskünste, die ursprünglich im Zusammenhang mit Reisanbau stehen
Volkskünste: unterschiedliche musikalische und tänzerische Stile
Reis = Grundnahrungsmittel der Japaner → Grad der Selbstversorgung der gesamten Lebensmittel 40 %
weil mehr Import aus dem Ausland; im Bezug auf Getreide in Ö: 95% in Japan: 26%;
Reis Japan 100% selbst angebaut
ältester schriftlicher Nachweis über Reisfeld-Tanz: 671
Begriff Dengaku erst im Jahre 998 verwendet → schriftlicher Nachweis von Intellektuellen oder
Hochadeligen; also Tanz existiert schon lange vor Begriff

Die religiöse Idee:


Die Bauernbevölkerung hat den Glauben, dass Kami (die Gottheiten) zu bestimmten Zeiten aus den Bergen
ins Dorf kommen und als ta no kami , wörtlich „Gott der Reisfelder“, willkommen geheißen werden. Sie
gelten als Helfer bei der Reisfeldarbeit und als Schützer einer guten Ernte. Im Herbst gibt man ihnen in einer
Prozession ein feierliches Geleit zurück in die Berge. Sie werden während ihrer Abwesenheit als
Berggottheiten „yama no kami verehrt

Subkategorien:

• Ta asobi: Reisfeldvergnügen (Field entertainment)


• Taue odori: Reispflanz-Tanz (rice-planting dances)
• Dengaku odori: Dengaku -Tanz
• Taue shinji: Rituelles Reispflanzen (rice-planting ritual)
◦ Otaue shinji
◦ Hayashida

Unterschied zwischen Reispflanz-Tanz und Dengaku-Tanz: bei Dengaku kein Gesang, abstraktere
Bewegungen, es geht bei Dengaku mehr um das Zeigen der Kostüme

• Aufführungszeit:
◦ im neuen Jahr im Rahmen von Ritualen
◦ zur Zeit der Reispflanzung (Mai/Juni)
• Aufführungsort im religiösen Kontext:
◦ Tempel oder Schrein
◦ in einem bestimmten Reisfeld
• Vorgang der Arbeiten beim Reisanbau werden durch Geste, Tanz, Gesang, Musik
vorweggenommen, um auf magische Weise ein gutes Ernteergebnis zu erzielen (Analogiezauber)

Merkmale:

• Symbolische Darstellungen der landwirtschaftlichen Arbeiten durch Gesten und Tanz

9
• Eine vorweggenommene Zeremonie für eine gute Ernte
• Ursprung als eine Art Analogiezauber (Sympathiezauber)

Symbolische Darstellung der landwirtschaftlichen Arbeiten (Reisanbau) durch Gesten und Tanz; also auch
außerhalb des Reisfeldes ausgeführt; zugrundeliegende Vorstellung: zwischen äußerlichen ähnlichen
Dingen besteht eine Verbindung => Analogiezauber (Sympathiezauber) → Vorstellungswünsche durch
Tänze etc. geäußert
im ersten Monat des Mondkalenders, oder 5. Monat des Mondkalenders (also vor Reispflanzung)

08.11.2013

Noch zu Dengaku:

Dengaku ist eine Gattung, die sehr unterschiedliche Elemente umfasst; die Bezeichnungen sind nicht sehr
einheitlich und sehr verwirrend
Seit Einführung der Technik des Nassreisanbaus ist Reisanbau eine der bedeutendsten Wirtschaften in
Japan. Da eine gute Ernte unmittelbar von Naturbedingungen abhängig ist, werden zahlreiche religiöse
Feste und Riten zur Bitte um eine gute Ernte und damit verbundener Dank an Gottheit Kami zu
bestimmten Zeiten im Jahreszyklus veranstaltet.

Musik und Tänze, die da aufgeführt werden, entwickeln sich zu unterschiedlichen Formen = Dengaku. Da
sich viele verschiedene Kunstgattungen von Dengaku abgeleitet haben, hat Dengaku eine große
Bedeutung für die EW der japanischen Musik und Theater.

• Dengaku = wörtlich Reisfeldmusik = Ta no gaku, den (ta)= Reisfeld, gaku = Musik


• umfasst verschiedene darbietende Volkskünste mit unterschiedlichen musikalischen und
tänzerischen Stilen, die ursprünglich im Zusammenhang mit Reisanbau stehen


Reispflanzen und Reis-Ernten passiert zu sehr unterschiedlichen Zeiten.
Zu zwei unterschiedlichen Jahreszeiten vorgetragen: im neuen Jahr im Jahren von Ritualen (siehe oben)
oder auch zur Zeit der Reisauspflanzung als ein Ritual zur Bitte um eine gute Ernte
Aufführungsorte sind je nach dem Veranstaltungszweck unterschiedliche.

Eines der wichtigsten Merkmale ist, dass die Arbeiten des Reisanbau konkret oder symbolisch in der
Bewegung dargestellt werden.

Die Dengaku unterteilt sich in viele Subkategorien.

Ta asobi - Reisfeldvergnügen
• Ein vorweggenommenes Fest zu Beginn des Neujahrs
• besteht aus Tänzen und ritueller Nachahmung der Reisfeldarbeiten zur Unterhaltung der
Reisfeld-Gottheit und zur Bitte um eine gute Ernte
• Wunsch und Bitte werden durch Tänze/Gebärden bzw. durch Rezitation der Zaubersprüche
theatralisch dargestellt.

(Das Ta asobi => weil das Vergnügen.)
Wird meist im neuen Jahr im Rahmen von Ritualen aufgeführt. Der gesamte Vorgang des Reisanbaus wird
verbal und mimisch zum Ausdruck gebracht. Enthält mehr theatralische Elemente als die anderen
Gattungen.
Ausdrucksmittel: Tanz, Geste, Gesang bzw. Rezitation der Zaubersprüche

Taue odori - Reispflanz Tanz

• Ein vorweggenommenes Fest zu Beginn des Neujahrs.


• Besteht aus Tänzen mit symbolischen Darstellungen der Reisfeldarbeit zur Unterhaltung der
Reisfeld-Gottheit und zur Bitte um eine gute Ernte.
• Taueodori

... steht die Tanzelemente im Vordergrund.

10
… wird meist mit kurzen Schauspielen, die sog. shukufukugei zusammen vorgeführt

… wird bis zur modernen Zeit unmittelbar vor den Hauseingängen aufgeführt.

Besteht aus einer Folge von Tänzen und wird (wie ta asobi) am neuen Jahr zur Bitte um eine gute Ernte
aufgeführt.
Großer Unterschied zu Ta asobi (eher theatralische Elemente): die Darstellung der Reisfeldarbeiten
durch tänzerische Bewegungen und Musik inszeniert. Also die Tanzelemente stehen hier im
Vordergrund. Ist ein Gruppentanz. In einer Aufführung wird er meist mit den kurzen Schauspielen, den
shukufukugei, kombiniert. Bis zur modernen Zeit sind die Tanzgruppen von Haus zu Haus gezogen und
haben diese Tänze und kurze Schauspiele vorgeführt um eine gute Ernte, Glück und Segen, in Form von
langem Leben und Gesundheit herbeizurufen, also um die Dorfbewohner zu segnen.

Instrumentalbegleitung:

• je nach Region unterschiedliche Besetzungen



Musikinstrumente:
• Aerophone: Querflöte
• Membranophone:
◦ Taiko (Zylindertrommel)
◦ tsuzumi (Sanduhrtrommel)
• Idiophone:
◦ Kane (Aufschlag - Idiophone)
◦ Do byoshi (Gegenschlag-Idiophone)
◦ Shaku byoshi (Gegenschlag-Idiophone)

Musikinstrumente in Volkskünsten sind immer sehr unterschiedlich, es gibt selten einheitliche Vorstellung
von Instrumenten. Aber meist mit Trommel, Flöte und Gegenschlagidiophon.
Im Tanz werden die Bewegungen noch abstrakter

Dengaku-Tanz – Dengaku odori

Eine verfeinerte Form von Dengaku.


War ursprünglich ein ritueller Tanz, von Bauern aufgeführt. Aber es entwickelte sich zu einem eleganten,
verfeinerten Volkstanz. Bürger im städtischen Bereich wollten auch daran teilnehmen.

• Die frühere Form vom Dengaku Tanz war ein volkstümlicher Bauerntanz. Gegen Ende des 11. JH
hatte sich der Tanz zum eleganten, verfeinerten Volkstanz gewandelt und gewann zunehmend
Beliebtheit im städtischen Bereich.
• Seit dem 12. JH von professionellen Tänzern und Musikern, sog. dengaku hoshi (dengaku Priester)
gepflegt.
• Verschmelzung mit der populären Theaterart sangaku (Akrobatik, Zauberei, Komik).
• Im Mittelalter gab es mehrere regionale Gilden von dengaku hoshi.
• Eine WeiterEW des Dengaku-Tanz: Dengaku-No = das dramatisierte Dengaku, einer der Ursprünge
des No-Theaters

ursprüngliche Ritualbedeutung geht verloren, die Tanzbewegungen werden verfeinert, die Kostüme
rücken immer mehr ins Zentrum und dienen der Repräsentation – es wird also showhafter
die Bewegungen sind noch stilhafter und die Kostüme werden auffälliger und prächtiger
Die Angestellten im Tempel mussten keine Steuern zahlen, die Tänzer im Tempel wurden also vom Schrein
unterstützt. Darum haben so viele im Tempel gelebt.
Im Mittelalter bildete dengaku hoshi allmählich mehrere regionale Gilden, aus diesem Kreis entwickelt sich
das dengaku-no, das dramatisierte Dengaku => eine theatralische Darstellung von dengaku odori. Elemente
werden dann später im No-Theater übernommen.
No-Theater ist eine japanische Theaterkunst.

11
• Aufführung besteht aus einer Folge stilisierter Tänze
• Reisfeldarbeiten werden hierbei sehr abstrakt dargestellt
• urpsprgl. von den professionellen dengaku hoshi aufgeführt
• jeder Tänzer trägt einen auffälligen Hut und spielt beim Tanzen ein Instrument
• keine Gesangsbegleitung
• Schlaginstrumente: Binzasara

Im Laufe der Zeit immer stärkere Verfeinerung von Bewegung und Stilisierung. Ausdruck der
Reisfeldarbeiter ist gar nicht mehr erkennbar. Ursprüngliche Bedeutung ist verloren gegangen: also der
Wunsch nach Ernte. Heute eher Vertreibung des bösen Geistes oder auch wirklich nur zur reinen
Unterhaltung. In Frühsommer und Herbst aufgeführt. Merkmale: Wie ein Formationstanz, von zwei
Gruppen gegeneinander getanzt. Kein Gesang. Immer mit Kopfbedeckung!

• Besetzung unterschiedlich
• Instrumente für die Aufführung:
◦ Aerophone: Querflöte
◦ Membranophone: koshidaiko (Zweifellige Zylindertrommel); tsuzumi ( Sanduhrtrommel)
◦ Gegenschlag-Idiophone:
▪ dobyoshi (kleines Becken)
▪ binzasara (Gegenschlagplatten)

Charakteristisch: jeder Tänzer selbst spielt ein Instrument.
Erstes Stück: von Aussaat => Bewegungen sind sehr abstrakt

Taue shinji – Rituelles Reispflanzen

jedes Jahr zur Zeit des Reisauspflanzens, werden überall in Japan die rituellen Zeremonien des
Reispflanzens ausgeführt
alle religiöse Rituale umfasst => also ein Ritual nicht mehr nur Tanz
nicht Neujahr, sondern Auspflanzungszeit; zwei Orte: Reispflanzung am heiligen Reisfeld (Tempel und
Schrein), zweiter Ort: unabhängig von religiöser Institution, aber in einem bestimmten Reisfeld, wo die
Gottheit des Reisfeldes jedes Jahr herbeigerufen wird
→ dort jährliche Ausführung von Taue shinji
es handelt sich um Gottheit der Reisfelder ta no kami; in vielen Regionen in Japan glaubt man, dass die
Gottheit zu den Reisfeldern kehrt und über die Ernte wacht und erst nach dem Auspflanzen wieder weggeht

• Taue shinji ist ein religiöses ´Fest, das anlässlich des Auspflanzend der Reissetzlinge abgehalten
wird.
• jedes Jahr zur Zeit des Reisauspflanzens (Mai/Juni)
• Zwei Veranstaltungsorte:
◦ Reispflanzung am heiligen Reisfeld (also die Reisfelder in Besitz von Tempel und Schrein)
◦ In einem bestimmten Reisfeld, wo die Gottheit des Reisfeldes jedes Jahr herbeigerufen
wird.
• Rituelles Reispflanzen am heiligen Reisfeld: Otaue shinji
• Otaue shinji und Hayashida
• Das Reispflanzen, bzw. das Auspflanzen der Reissetzlinge mit Musik und Gesangbegleitung wird
hayashida genannt.
• Es ist hauptsächlich in der Chūgoku Region verbreitet.

Die Zeremonie kennzeichnet den Anfang der Reispflanzung am heiligen Reisfeld bei dem großen
Schrein. Am Anfang der Feste wird ein bestimmtes Ritual durchgeführt und Reissetzlinge sind durch das
Reinigungsritual gereinigt und die Spieler/Tänzer sind auch durch das Ritual gereinigt, darauf
marschieren sie zum Reisfeld. Es gibt eine Bühne über dem heiligen Reisfeld und hier tanzen sie
bestimmte Tänze und gleichzeitig Reissetzlinge ausgepflanzt = Otaue shinji

12
Hayashida = nicht im heiligen Reisfeld, sondern irgendein anderes, aber schon bestimmtes. Schon in
ganz früherer Zeit war die Reisauspflanzung mit Musik begleitet. Malerei aus dem 16. JH. Der klassische
Nassreisanbau ist eine sehr arbeitsintensive Methode, die viel Kooperation innerhalb der Dorfgemeinde
forderte. Die gegenseitige Hilfe war unbedingt notwendig (z.B. gemeinsame Nutzung vom Bewässerungs-
System). Von gesamter Dorfgemeinde durchgeführt.

Mibo na hanataue (VB): Den Beginn des Festes führt ein Umzug durch die Stadt zu den Reisfeldern, dabei
werden mehr als 10 Kühe, die mit festlichen Satteln geschmückt wurden, von den Teilnehmern geführt. Die
Teilnehmer tragen traditionelle Kostüme. Anschließend positionieren sich junge Frauen in eine Reihe in den
Feldern unter Anleitung eines zeremoniellen Reiters → kleine Körbe mit den Reispflanzen gefüllt, dann wird
das Feld mit einem Werkzeug geebnet und die Frauen setzen einzelne Setzlinge in das Feld ein. Während
dieser Arbeit werden responsoriale Lieder gesungen. Der Reiter spielt ein Instrument. Hinter den Frauen
spielen die Trommler akrobatisch. Gesamte Arbeit wird von Trommel, Flöten und kleinem Gong begleitet.
Dieses Fest wird heuer im Juni veranstaltet.

Die Silben des Textes stellen eine bestimmte Grundstruktur dar.

15.11.2013

Dengaku: unterschiedliche Orte, Zeiten, unterschiedliche Stile


verschiedene Stile immer im Kontext von Reisanbau aufgeführt
Zweck → gute Ernte
Darstellungsart → geändert – stilhafte Bewegung und zum Schluss Mimik

Dengaku odori – Kopfbedeckung, Stock


usprüngliche Bedeutung sieht man sehr schwer
zuerst Gebete → Ritualzweck, später Tanrzarten weiterentwickelt
nicht mehr so übertriebene Kostüme

c ) Furyu:
• Gruppentanz der durch elegante Bewegungen und prachtvolle Kostüme charakterisiert wird.
• Wörtlich: Eleganz, Anmut
• Vorliebe für Pracht und Prunk im japanischen Mittelalter (12. JH) → Furyu als eine Bezeichnung
des Kunstgeschmacks
• Die darstellenden Künste, die unter dem Einfluss dieses Kunstgeschmacks entstanden sind,
nennt man Furyu.
◦ => Furyu = Stilkategorie der darstellenden Künste
• Musik und Tänze der Furyu werden ursprünglich zur Abwehr von Unheil praktiziert.

Furyu
Gruppentanz, elegante Bewegung
→ sehr unterschiedlich, grobe Kategorien, in Furyu sehr unterschiedliche Sachen, die vorkommen
→ Eleganz, Anmut, urspgrl. Begriff: prachtvoll – Adelsgesellschaft oder reihe Leute, möglichst auffallender
Kunstgeschmack Furyu und Gattung heißt auch so
Darstellende Künste unter diesen Kunstgeschmack → Furyu mit unterschiedlichem Stil

• Ursprüngliche Funktion: Abwehr von Unheil


• Furyu im Kontext von Goryo-Glauben: basiert auf eine Glaubenvorstellung: Unglück wird vom
Fluch oder Groll der Rachegeister verursacht. zB Krankheiten, Epidemie, Dürre, etc.
• Musik und Tänze zum Besänftigen und Zurücksenden → Beschwichtigung der Rachegeister

MGG Peter Ackermann: „Die verschiedenen Matsuri-Arten werden oft unter dem Begriff furyū
zusammenfasst. Im Gegensatz zu Namen wie kagura, nenbutsu und dengaku, welche Assoziationen mit
betont religiösen Handlungen hervorrufen, verweist furyū auf den Aspekt des Festlichen und zugleich
Kunstvollen.

In einem furyū geht es demnach um Unterhaltung, um Prachtentfaltung, um an Zuschauer gerichtete, durch-

13
strukturierte Handlungs- und Bewegungsabläufe und sicher in hohem Maße auch um Zurschaustellung des
Männlichen und Weiblichen [...].“

Unterschiedliche Kategorien: (Klassifikation von Honda)


1. Yasurai bana:
= Ritualtanz mit altem Furyu-Aufführungsstil, der zur Abwehr von Unheil getanzt wird
2. Taiko odori/ Furyu shishi mai
3. Nenbutsu odori/ Bon odori

• buddhistische Tänze, die zur Besänftigung der Seelen und zur Beförderung der Seele ins
Jenseits getanzt werden
• Nenbutsu = die Aufrufung des Buddha-Namens: Namu-Amidabutsu
• Amida Butsu: das Buddha des Unermesslichen Lichtglanzes
• Einführung von Buddhismus im Jahre 538

• kollektive Gesänge und Tänze für die Errettung im Jenseits


• Kuya: Adaption des Tanzes für religiöse Zwecke
• Odori nenbutsu: getanztes Nenbutsu (Archetyp)
• Die Trommel und Becken zur Begleitung des Tanzes.

• Seit 13. JH: Nenbutsu odori als Zuschaustellung


◦ populäre Unterhaltung
• Zur Beförderung von Seelen an die Dorfgrenzen, in Sümpfe, Berge, Wälder
• Begleitung: Trommel und Becken
Ritualzweck:
- Zur Beförderung von Seelen oder Dämonen an die Dorfgrenzen, im Sümpfe, Wälder oder Berge.
- Zur Besänftigung der Seelen Verstorbener im Jenseits
Merkmale von Nenbutsuodori:
- Aussprechen des Gebetsformell (namu amidabutsu)
- Sprunghaften kräftigen Bewegungen des Tanzes
- Begleitung von Schlaginstrumente (zB Trommel und Uafsclag Idiophone)

4. Kouta odori/ Aya odori/ Yakko odori


5. Tsukurimono furyu

Furyu → unterschiedliche Kategorien


Yasurai bana: Hana =Kirschblüte (bana) . zusätzliches Merkmal → Bitte bei Dengaku um eine gute Ernte
bei Furyu → Abwehr vor Unheil
April – Ende August → früher oft Krankheiten von Kegare und um Seele zu beschwichtigen, viele Feste
veranstaltet zu dieser Jahreszeit

klassisches Theaterstück – oft böse Geister


böse Geister → Ursache allen Unglücks
alter japanischer Volksglauben dabei im Kontext von Gaya- Rachegeister, Klagegeister
→ Ursache für Unglück, doch sie werden beruhigt durch wichtige Kulthandlungen, Verehrung → zu guten
Geistern und schützen
hüpfen und springen _> Rücksenden der Rachegeister und Besänftigung → daraus viele Gruppentänze

Yasurai bana Tanz


frühere Form von Furyu
1. JH bereits, Abwehr von Unheil, 16. JH schon dieser Stil
nicht nur in Schrein getanzt, Festumzug zieht durch Stadt
schwarze Perücke → Trommeln und sprunghafte Bewegung, symbolisieren Fabelwesen Oni und vertreiben
böse Geister
einfache Musikform → Begleitung: Flöte und kleiner Gong, Xylophon
Danach beim Schrein getanzt, sie ziehen in die Stadt

Bei Furyu wird immer Schirm gehalten, gereinigt und böser Geist wird ausgetrieben
Nach Glaubensvorstellung, einige Forscher Furyu keine direkte Verbindung mit religiösem Handeln

14
Aspekt des Kunstvollen: weiblich: elegante Tanzbewegung, männlich

Japaner: Glaubensvorstellung im Vordergrund


Furyu → Tanzart zu zeigen
andere Form: Nembutsu Tanz
gelobt sei Namu Amidobutsu → er schwor reines Land zu errichten und jene zu retten, die daran glaubten,
erfolgsversprechende Praxis um ins reine Land zu gelangen

Errettung im Jenseits → kollektive Gesänge und Tänze


Mönch (10. JH): um Buddhismus Lehre zu verbreiten → Tanz mit rhythmischer Begleitung, sollte dazu
dienen; Tanzart: Odori Nambutsu → ekstatischen Zustand erreichen durch diesen Rhythmus
religiöse Bedeutung geht verloren → Unterhaltung steht im Vordergrund
→ es geht nur mehr um Präsentation des Tanzes, nicht aber um das Erreichen eines ekstatischen
Zustandes => im Laufe der Zeit populäre Unterhaltung
Maistrommeln und Becken → Begleitung Nembutsu Odori
versammeln sich an einem Ort und gehen dann zum Schrein/Tempel, dann Häuser der Dorfgemeinde und
zum Schluss wieder zum Ausgangspunkt
=> durch die Stadt Tanzen → Beförderung der Seele an Dorfgrenze

Bon odori: (Furyu)


• = eine Art Tanz, der im Rahmen des japanischen Totengedenkfestes im Sommer überall in Japan
aufgeführt wird
• ursprüngliche religiöse Idee: Beruhigung von Seelen der Verstorbenen und Verehrung der Ahnen
• Ahnenverehrung

• Musik besteht aus Gesängen und rhythmischem Trommelspiel (manchmal Flöte, Shamisen)
• Der Gesangstext mit 7-7-7-5 syllabischen Folgen
• Einfache Tanzbewegung
• 2 verschiedene Tanzformen: Kreistanz und Reihentanz

Bon odori
Tanzart im Rahmen von Totengedenkfest, im Sommer aufgeführt; um die Seelen von Verstorbenen zu
beruhigen und zu verehren.

wenn diese einige Tage zurück auf die Erde kommen im Sommer → Buddhistisches Fest: aber eher
Volksglaube und Ahnen → Ahnen und Volksglaube gehören zu einer Gottheit
heute noch immer ein sehr wichtiges Fest → normalerweise durften Diener nicht zurück nach Hause, aber
einmal im Jahr, zu diesem Fest, durften sie in ihre Heimat.
Außerhalb der großen Stadt → viele Veranstaltungen
Ackermann → Hilfe für Verstorbene um sich wieder leichter im Leben einfinden zu können

regionale Eigenheiten: Musik: Gesänge und Trommel, manchmal Flöte


Gesangstext mit 7-7-7-5
Tanzbewegung relativ einfach => ganzes Volk kann mitmachen
Kreistanz und Reihentanz

VB Bon odori

____ Exkurs _____


Tonsystem japanische Musik → verschiedene Gattungen: jede eine eigene Linie der Entwicklung und
eigenes System
Instrument bei jeder Gattung unterschiedlich eingebaut und von bestimmten Sozialschichten unterstützt
Musikgattungen entwickelten sich parallel → eigenständiges musikalisches System → einheitliches gibt es in
Japan nicht => jede Gattung hat ihr eigenes System

15
Musikethnologie untersuchte viele Volkslieder und entwickelte System – Tetrachord: Quartrahmen
+veränderbare Töne => verschiedene Tetrachorde
zwei Kerntöne in Quartton mit nicht Kernton: Hauptton und Kerntöne → Rahmentöne des Tetrachordes
können auch Hauptton und Grundton sein
Pentatonische Skala = Zwei Tetrachorde = zwei Kerntöne die miteinander kombiniert werden oder auch nicht
gemeinsam kombiniert werden
Vier Grundtypen von Tetrachorde nach Koizumi: min-yo tetrachord, miyakobishi tetrachord, Ritus tetrachord,
Ryukyu tetrachord.

22.11.2014

nochmal zu Furyu:
• Gruppentanz, der durch elegante Bewegungen und prachtvolle Kostüme charakterisiert wird.
• = Eleganz und Anmut, Feinheit
• im Mittelalter: als eine Bezeichnung des prachtvollen Kunstgeschmacks
• als eine Stilkategorie der darstellenden Künste, die unter dem Einfluss dieses Kunstgeschmacks
entstanden sind —> Furyu als eine Stilkategorie der darstellenden Künste.

=> früher religiöse Zwecke später Repräsentation

Es gibt sehr verschiedene Tanzarten:

• Yasurai bana:
◦ Ritualtanz mit altem Furyu-Aufführungsstil, der zur Abwehr von Unheil getanzt wird .
Ritualtanz mit altem Furyu-Aufführungsstil, der zur Abwehr von Unheil getanzt wird.
• Nenbutsu odori:
◦ Buddhistische Tänze, die zur Besänftigung der Seelen und zur Beförderung der Seele ins
Jenseits getanzt werden.
• Bon odori:
◦ Eine Tanzart, die im Rahmen der japanischen Totengedenkfeste im Sommer überall in
Japan aufgeführt wird, um Seelen von verstorbenen zu beruhigen und Ahnen zu verehren.

Ad Yasurai bana:
gibt es immer noch in Kyoto und wird jährlich getanzt;

Ad Nenbutsu odori:
Anrufung des Buddha-Namens, Namu abidabutsu; frühere Form immer wieder diese Anrufung, später mit
kurzen, regelmäßigen, rhythmischen Tönen in Ekstase Zustand gelangen, später wird es weiterentwickelt
und der Zweck des Tanzes wird auch geändert und zwar zur Besänftigung und Beförderung der Seele von
den Rachegeistern ins Jenseits, nicht nur Rachegeister sondern auch Seelen von Menshen

Ad Bon odori:
Weiterentwickelt von Nenbutsu odori; VB: Gemeinschaftstanz, Reihentanz, aber heutiger Obon → meist
Kreistanz
populärer Obon Tanz heute: Kreistanz um Schrein
meist Musikbegleitung auf der Tribüne, dekorative Tribüne, oder auch nur temporal Tribünen, es gibt auch
Feuerglocke;

Reliogiöse Funktion von Furyu:


Die Musik und Tänze von Furie werden ursprünglich für bestimmte Ritualzwecke praktiziert:
- Zur Abwehr von Unhel
- zur Beruhigung der Seelen der Verstorbenen
- zur Besänftigung und Beförderung der Seelen (Rachegeistern)
- zur Bitte um Regen oder Sonne

• Musik und Tänze von Furyu werden im Rahmen der religiöse Feste (Buddhismus/Shintoismus), aber auch
im Kontext von alten japanischen Volksglauben wie Ahnenverehrung oder Goryo-Glauben veranstaltet.
• Ahnenverehrung: die Verehrung der Vorfahren der Blutsverwandtschaft

16
• Japanische Glaubensvorstellung : Wenn die Seelen der Verstorbenen durch die Rituale besänftigt werden,
sind die Ahnenseelen harmlos und schützen immer die Lebenden. Hingegen wenn niemand die
Ahnenseele gedenkt und die Rituale vernachlässigt werden, können sie großes Unheil bewirken.

Furyu-Aufführung im Kontext der Ahnenverehrung

• Das buddhistische Totengedenkfest Bon-Fest/ Obon


• Ahnenverehrung: die Verehrung der verstorbenen Vorfahren der eigenen Blutsverwandtschaft
• Jährlich zu Bon-Fest und Neujahr kehren diese Ahnenseelen ins Diesseits zurück
• Ziel des Festes: Seele beruhigen und verehren

Man glaubt, dass die Ahnen jährlich ins Diesseits kommen und die Verwandten besuchen, diese bewirten sie
und schicken sie dann zurück, Ahnen sind also hier harmlos, schützen sogar die Verwandtschaft, Bedeutung
der Ahnen ist vergleichbar mit der Bedeutung des Gottes für die Christen/Europäer => ein ähnliches
Verhalten; viele Japaner, die nicht religiös sind, beten die Ahnen an um Schutz zu erwarten

Ahnenkult ist heute noch Tradition für Japaner und gilt als ein wichtiger Bestandteil für das tägliche Leben.

Trommeltanz Taiko odori – Furyu Löwentanz Furyu shishimai

• Ein Derivat von Dengaku Tanz OHNE Zusammenhang mit Reisfeldanbau.


• Aufführungszeit: Sommer und Frühling
• Aufführungszweck:
◦ zur Abwehr von Unheil
◦ zur Besänftigung und zur Beförderung der Seele ins Jenseits
◦ zur Beruhigung und Verehrung der Seelen von Verstorbenen
◦ zur Bitte um Regen
die weitere Gattung von Furyu ist der Trommeltanz = Derivat von Dengaku Tanz, ohne Zusammenhang mit
Reisfeldanbau, von der Erscheinung sehr ähnlich, aber in einem anderen Kontext getanzt
Aufführungszeit ist meist im Sommer weil sich Krankheiten eher ausbreiten, aufgrund des Klimas; beim Tanz
wird meist gesungen → kurze Lieder, und die Trommel wird laut und lärmend gespielt
laute Musik hat ja die Wirkung die Rachegeister auszutreiben

es gitb unterschiedliche Formen des Trommeltanzes, ist in ganz Japan mit unterschiedlichen
Darstellungsformen, obwohl meist mit den gleichen Ritualzwecken →
im westlich Teil: auffallende Kopfbedeckung und Kultgegenstände auf Rücken;
im östlichen Teil: ein Löwen-Kopf → Löwentanz. In östlichen Teil von Japan werden der Trommeltanz mit
Masken (Löwen-/Drachen-/Hirsch-) getanzt.
aber beide Formen tragen die Trommel vor Körper des Tänzers und während des Tanzens wird Trommel
gespielt

die Ziele des Löwentanzes: zur Abwehr von Unheil/ Besänftigung


in der heutigen Zeit: Bild eines Verstorbenen wird gebracht → dadurch Seele des Verstorbenen beruhigt und
ins Jenseits befördert

VB: Kanko odori → kako → Instrument (Zylindertrommel) aus Gagaku; alle Tänzer tragen eine auffällige
Kopfbedeckung: lange Haare aus Heu (?); Tradition wird von drei Gruppen aus unterschiedlichen
Generationen gepflegt, Veranstaltung von diesen drei Gruppen organisiert: Gruppe der Kinder, Gruppe der
Jugend, und ältere; Tänzer sind die jugendliche Gruppe; Musikinstrumente: Schneckenhorn, sämtliche
Trommel, Aufschlagidiophone
Funktion des Horns: Horn spielt nicht Melodie, die Instrumente spielen alle keine Melodie, Blasinstrument
wird rhythmisch eingesetzt, als ob sie ein Schlaginstrument ist, Musikbegleitung von Gesang; Tanz geht von
Nachmittag bis Mitternacht

Furyu Löwentanz: es gibt unterschiedliche darstellende Künste; meist Gruppentanz, Anzahl der Tänzer
kann variieren (2-12); und wie anderer Trommeltanz ist das Ziel die Abwehr von Unheil, Besänftigung der
Seele und Bitte um Regen; Löwentanz gab es schon in alten Schriften aus dem 9. JH: im Zusammenhang
mit der koreanischen Musik: wahrscheinlich aus dem Kontinent mitgebracht und japanisch

17
weiterentwickelt worden; Löwen gibt es in Japan nicht, er ist in Japan eine Art Fabelwesen, das magische
Kräfte besitzt,

VB dazu: Bühnenaufführung; heißt Löwentanz, aber das Kostüm ist Hirsch, aber gehört zur
Löwentanzgruppe, mit ganz starkem Stampfen und sehr laut (auch hier wieder zur Vertreibung böser
Geister), sprunghafte Bewegung;

Kouta odori:

• Tanz zur Begleitung von kleinen Liedern – Kouta


• Kouta:
◦ wörtlich: ko = klein, uta = Lieder, odori = Tanz
◦ hier wird das Wort aber als Gegenbegriff zu den höfischen Liedern Outa verwendet
◦ dh Kouta als bürgerliches Lied bzw. Volkslied der verschiedenen Arten des Mittelalters

weitere Tanzart: hier also Begriff für Volkslied; reiner Unterhaltungstanz, Bewegung hat keine bestimmte
Bedeutung, zeigt nicht die Inhalte des Liedes, war sehr beliebt, Tradition wird bis heute gepflegt;
Bild: von Tänzerinnen getanzt, es kann aber auch von als Damen verkleideten Männern getanzt werden
(fast alle anderen Trommeltänze werden von Männern dargebracht)
es gibt auch Tanz mit Tierverkleidung → dafür gibt es jedoch keinen einheitlichen japanischen Begriff, aber
das inkludiert Tänze mit Tierkostümen bekleidet, Ritualzweck wir bei allen anderen;
findet meist innerhalb eines Furyu Festes statt

VB: Reiher-Tanz: ursprünglich war der Reiher-Tanz ein Bestandteil einer Prozession eines großen religiösen
Festes in Kyoto, die Tradition ist schon mehr als 400 Jahre alt, alljährlich an 2 Tagen vorgeführt, wie ein
Balz-Tanzen => in zwei Reihen; Musikbegleitung: Gesang, Flöte, Trommel und Gong; wobei die Kostüme
des Reiher-Tanzes dienen wie ein Musikinstrument, das klappert, klappern mit ihren langen, weißen Federn,
der Text ist ganz einfach – kein religiöser Kontext, dient als reine Attraktion bei diesem Fest;

zusammenfassend: die Tänze die in der Kategorie von Furyu eingeordnet werden, hatten ursprünglich eine
religiöse Funktion, nämlich zur Abwehr von Unheil, zur Besänftigung der Verstorbenen, Ahnenverehrung;
wurden meist im Sommer praktiziert,

Furyu-Aufführung im Kontext des Goryo-Glaubens:

• Unglück wird vom Fluch der Rachegeister verursacht.


• Musik und Tänze zum Besänftigen und Zurücksenden —> due Beschwichtigung der Rachegeister.
• Goryoe (Goryo-Kult): Ritual zur Besänftigung der Rachegeister
• Ziel des Festes: Abwehr von Unheil
• Wobei die lauten Klänge und Lärm, sowie die sprunghaften Bewegungen effektiv zum Besänftigen
und Zurücksenden der Rachegeister dienen soll.

Alter japanischer Volksglaube => Rachegeister = Ursache


nach der Glaubensvorstellung wenn man die Rachegeister mit den richtigen Kulthandlungen behandelt,
werden sie belogen und zu Schutzgottheiten → also man versetzt die Rachegeister in den Status einer
Gottheit → sie werden zu einem guten Gott umgewandelt = Goryo – Goryoe

Goryoe:

• Großer Goryo-Kult fand im Jahre 869 in Kyoto statt, um verheerende Seuche abzuwenden.
• Gion-Fest in Kyoto
• Yasaka-Schrein in Kyoto
• Gozu ten no: Ochsenkopf-Gottheit der Unterwelt in der buddhistischen Mythologie
◦ Gottheit von Krankheit und Pest

18
◦ daher als Schutzgottheit des Unheils verehrt
◦ aufgrund des eklektischen Hintergrundes wird Gozu ten no von mehreren Shinto-Schreinen
verehrt

innerhalb des Goryoe: Buddhismus und Shintoismus sind gemischt; hat eklektischen Hintergrund; großer
Goryo Kult in Kyoto = Gion Fest, wird gehalten in Yasaka Schrein gehalten, Gozu ten no wird verehrt =
Gottheit, die alle bösen Sachen regiert, er selbst ist nicht böse aber er hat Macht über das Böse →
Ochsenkopf
Yasaka Schrein gibt es überall = eine Art Filial-Schrein → Gion Fest in Kyoto ist das bekannteste, eines der
drei großen Feste in Japan;
Verzierungen sind sehr dekorativ → der Kult-Wagen wird von Leuten gezogen => gesamte Prozession ist mit
Musikbegleitung;

Goryo Glaube und die Ahnenverehrung als zwei Grundlagen der japanischen
Glaubensvorstellungen, sind auch heute noch tief in der japanischen Kultur verwurzelt. Die meiste Musik
und Tänze von Furyu diente: zur Abwehrung von Unheil, zur Besänftigung der Verstorbenen, zur Bitte um
Regen.
Auf der anderen Seite lagen bei Musik und Tänzen wurde die Rolle der Zurschaustellung immer wichtiger.
Aus diesem Grund werden die Tänze von früher visuell durch prachtvolle Eindrücke charakterisiert. Die
Musik, von Trommeln gespielt, wird lauter und imposanter.
Tänze von Furyu werden von Gesang und Instrumenten begleitet. Instrumentenensemble = Hayashi.

Hayashi: - mehrdeutig:

• ein musikalisches Ensemble


• Musikbegleitung
• Die Musikinstrumente von Hayashi

bestehen meist aus Aufschlagglocke, Querflöte aus Bambus, Trommel.


Matsuri bayashi ist eine festliche Form.
Jedes Instrument spielt ein rhythmisches Muster → setzen sich zusammen. Querflöte spielt Melodie.

Überlieferung von Hayashi:

• mündliche Überlieferung
• ab gewisser Zeit wird eine bestimmte Lernmethode ausgeübt
• Shoga bzw. Kuchi shoga:
◦ eine onomatopoetische Mnemonik für das Instrumentenspiel
◦ durch das Singen bzw. Rezitieren von japanischen Silben werden die Melodien und
Spielweise gelernt
Hauptsächlich mündliche Überlieferung auch zum Lernen. Im Laufe der Zeit wird eine spezielle Lernmethode
ausgeübt. Shoga => alle traditionelle japanische Musik hat ihre eigene Shoga.
Die Silben haben keine lexikalische Bedeutung. Einzelne Silben deuten hin durch die Kombi auf die
Spielweise oder melodische Wendung in der Musik hin.
Auch in Gagaku gibt es ein Shogasystem. Es gibt schon auch Notation, aber sie ist nicht so oft verwendet in
der traditionellen Musik. Die Silben werden auf die Schriften Notation tranksibiert, aber nur Hilfsmittel.
Shoga = Verbale Vermittlung der Musik

29.11.2013

Shoga bzw. Kuchi shoga


spezielle Lernmethode für das Instrumentenspiel
• Shoga ist...
◦ eine onomatopoetische Mnemonik für das Instrumentenspiel
◦ eine verbale Übermittlung der instrumentalen Töne

19
• Durch das Singen bzw. Rezitieren der japanischen Silben werden die Melodie, Spielweise und
andere musikalische Ausdrücke gelernt, wobei die Shoga Silben keine lexikalische Bedeutung.
• Jedes Instrument hat seinen eigenen Shoga Stil.

Umherziehende Unterhaltungskünstler Junkai gei

• Darstellende Volkskünste ohne Verbindung mit bestimmten Ort.


• Sie besuchen immer die gleichen Orte zu den gleichen Jahreszeiten.
• Aufführungsort:
◦ auf offener Straße, vor Tempel (Straßenkünste)
◦ am Hauseingang (am Hauseingang dargebotene Künste)
• Edo-Zeit gilt allgemein als Blütezeit der volkstümlichen Schaukünste.

d) Katarimono und Shukufukugei = Rezitation und Segenspendende Künste

• Katarimono = Rezitationskünste
• Die vokalen Vortragsstile der japanischen Musik
◦ Katarimono (Rezitation) = Sammelbezeichnung für verschiedene rezitativische
Gesangsstile, bei den Gewicht auf Inhalt der Handlung liegt
◦ Utaimono (Gesang) = Sammelbezeichnung für verschiedene lyrische Gesangsstile, bei den
Gewicht auf Melodie/Musik liegt.

Grundlegende Glaubensvorstellung von Shukufukugei

• Glaube an an die „Wirkkraft der Worte“ Kotomama (wörtlich “Wortgeist”)

In alten Zeiten war in Japan der Glaube an die Wirkkraft der Worte Kotodama verbreitet. Diesem Glaube
wohnt dem gesprochenen Wort eine geistige Kraft inne, welche bewirkt, dass einem Menschen, für den ein
Segen ausgesprochen wird, tatsächlich Glück und Segen zuteil wird,
einem Menschen hingegen, dem gegenüber eine Verwünschung ausgesprochen wird, wiederfährt
Unheil.Hier liegen die Ursprünge der Seegenkünste.

Beispiele: Segensworte von Kadozuke

„Das ist wahrlich glückverheißend! Tausend Jahre lebt der Kranich, zehntausend die Schildkröte – welch ein
Segen!“

„Das Glück kommt zu denen, die lachen!“

Kadozukegei

Kadozuke
• Kado = Hauseingang oder Eingangsbereich
• Kadozuke = Tätigkeiten, welche am bzw. vor dem Eingang an die Bewohner eines einzelnen
Hauses gerichtet ausgeübt werden.
• gei= Kunst/Künste

Einteilung von Kadozukegei nach ORITA


• vermittelnde/gewährende Künste
◦ Künste, bei denen Elemente des Volksglaubens im Vordergrund stehen (Segenspende,
Übelvertreibung, Ritualreinigung, etc)
◦ z.B.: Manzai, Biwahoshi, etc...
• Bettelkünste = Monogoi no gei 20
◦ monogoi Bettelei ist nicht monogoi no gei
◦ reine profane Natur: Liedvortrag, Tänze, Textrezitation etc.

Kadozukegei wurde/wird je nach dem Inhalt des Vortrags meist zu festgelegten Zeiten ausgeübt.

20
z.B. zu Neujahr oder Jahresende, oder bestimmten festlichen Anlässen
- ÜbelvertreibendeKünste(yakugaraigei )
- Segenspendende Künste (shukufuku gei )
- Künste ritueller Reinigung (oharai gei )
- Künste,beiwelchendieRezitationreligiöserTexteim Mittelpunkt stehen.
- (saimongei ,sekkyôgei )

Segenspendende Kunst – Manzai

• Vorläufer von Manzai: senzu manzai in Mittelalter


◦ senzu = tausend Herbst
◦ manzai = zehntausend Jahre
• Manzai seit Edo-Zeit:
◦ komische Elemente und Dialog treten in den Vordergrund
◦ Rollenaufteilung:
▪ Hauptdarsteller: Tänzer mit Fächer
▪ Nebendarsteller: Begleiter mit der Trommel

Segenspendende Künste – Goze

• Unter dem Begriff Goze versteht man, blinde Sängerinnen, die in Gruppen zu dritt-fünft von Dorf zu
Dorf wandern.
• Instrument = Shamisen zur Begleitung
• Besonders verbreitete die goze-Tradition im nördlichen Zentraljapan am japanischen Meer, wo nach
historischer Regionsbezeichnung Provinz Echigo genannt wurden.
• Religiöse Erwartungen bzw. Glaube an magische Kräfte von goze.

e) Toragei und Butagie: Künste ausländischer Herkunft und Bühnenkünste

Künste ausländischer Herkunft Torigai – Löwentanz Shishimai

• Löwentanz Shishimai wurde im 8. JH vom asiatischen Festland als Teil der Gigaku eingeführt.
• Löwentanz bei Torigai: meist 2 Tänzer (Furyu Löwentänzer → nur ein Tänzer )
• Tanz mit akrobatischen Elementen
• Magische Kräfte zur Austreibung des Übels
• Musikbegleitung: Flöte und Trommel

Ahnenverehrung → im Sommer; Melodie von Flöte gespielt, unterschiedliche Trommeln je nach Tanzart,
solche Musikbegleitung heißt Hayashi: Überlieferungsmethode, Instrumentenspiel → Shoga (mit Hilfe von
Silben Melodie erlernen)
jedes Instrument hat seinen eigenen Shoga-Stil
Shoga = optimale Lernmethode
Musi und Tänze der Volksmusik waren mit dem Ort verbunden, innerhalb der Dorfgemeinde gepflegt
Darstellende Volkskünste nicht mit dem Ort verbunden, sondern umherziehende unterhaltende Künstler auf
Wegkreuzungen, Schreine ausgeübt
auch Hauseingang
→ nicht mit bestimmten Ort verbunden, Besuchen aber immer den gleichen Ort zur gleichen Jahreszeit;
Edo-Zeit → wandern in große Städte aber auch Land → Blütezeit volkstümlicher Schaukünste,
unterschiedliche Inhalte

21
regionale Eigenheiten: Musik: Gesänge und rhythmishe Trommel und manchmal Flöte
Gesangstext: 7-7-7-5
Tanzbewegung relativ einfach → ganzes Volk
Klassifikation:
Katarimono und Shukufukugei:
Straßenkünstler → sozial schwache Leute, eher Randgruppe könnten LAWI betreiben, deswegen mussten
für Lebensunterhalt etwas tun → historisch gesehen unterste Schich
Allgemein wird in Japan die Vokalmusik in zwei Teile aufgeteilt:
Utaimono:
lyrischer Gesangsstil → Gewicht auf Melodie
Katarimono:
rezitativischer Gesangsstil → Gewicht auf Inhalt der Handlung => starke Verbindung mit Bühnenkünsten
genaue Abgrenzung teilweise aber sehr schwer

Shukufukugei – Segenspendende Künste


Glaube → gesprochenes Wort → geistige Kraft, für den ein Segen ausgesprochen wird : Glück und Segen
oft verwendet → Sprichwörter, kein direkter Zusammenhang mit direkter Situation, aber sprechen
Segenhaftes, => Glaube an Kotodama: mit bestimmter Vortragsart vorgeführt

Kadozukegei → beruht auf zwei unterschiedlichen Ideen → etwas Vermittelndes: Künstler macht etwas für
Zuschauer; aber auch Bettelkünste: profane Natur – Tanzen einfach für sich selbst, als Belohnung dann
Reis, Essen

Segenspendende Kunst Manzai


in ganz Japan, noch immer zu Neujahr vorgeführt, Vorläufer: senzu manzai, → besagt langes Leben;
Auftreten eines Tänzers mit Fächer und segenspendenden Worten und Begleiter mit Trommel
17.-19.JH Edo-Zeit: Dialog im Vordergrund, theatralische Praktiken, zu Neujahr gespielt, Begleitung:
Sanduhrtrommel, Fächer: Takt
Melodie: ähnlich, wiederholt

Sängerinnen, blind → Goze: wandern innerhalb bestimmter Region → singen Lieder, Balladen
aus 19. JH nach 2WK nur nördliches Japanischeheute: kaum, aber einige Frauen haben von diesen
Sängerinnen gelernt; besonders nördliches Zentraljapan → Provinz Echigo; Gruppen zu 3-5, wandern von
Dorf zu Dorf, vor Haus und singen Glücksbringende Lieder; später: Lieder, Balladen zur Unterhaltung;
religiöse Erwartungen, die in Goze gesetzt wurden; Seide → besonders gute Zucht der Raupen auch bei
Medikamenten, Goze vermittelt etwas

Toraigei – ausländische Herkunft


Löwentanz → viele Teile Japans
Übelvertreibung Neujahr und Sommer
70% aus Löwentanz, weit verbreitet, akrobatische Elemente und magische Kräfte,
Zwei Tänzer in einem Löwenkostüm
Neujahr → Löwe in der Stadt besucht Haus zu Haus, beißt die Leute → Schutz und Segen oder tanzt; auch
vor Tempel und Schrein; Vor 7. JT nach Japan gelangt, Tradition noch immer überall in Japan, Löwentanz,
starke Unterschiede in den Regionen

Volkslied Min yo
• Min = Volk, yo = Lied/Lieder
• Nachbildung des deutschen Begriffes “Volkslied”
• Definition von Asano und Machida:
• = songs which were born naturally within local folk communities and, while being transmitted
aurally, (have continued to) reflect naively the sentiments of daily life.

Innerhalb lokaler Volksgemeinschaften spontan entstanden, Spontanität ist auch sehr wichtig
ursprünglich innerhalb dieser Gemeinschaften gepflegt

Definition von Koizumi:

22
• Anonymität: Min yo stammt immer von einem Individuum, aber im Rezeptionsprozess, wird der
eigentliche Schöpfer nicht für bedeutend gehalten. Das Lied ist wichtiger als der Komponist.
• Oralität: Mündliche Überlieferung. Es gibt auch moderne Notenschrift, aber grundsätzlich ist alles
oral tradiert.
• Überlieferung innerhalb der lokalen Gemeinschaft: die Person ist nicht wichtig, sondern die
kollektive Überlieferung ist von Bedeutung.
• Persistenz: zeitlich lange dauernde, lebendige Existenz (← im Gegensatz zu populären Lied), hat
eine lange Lebensdauer
• Variabilität: erwähnt von vielen Forschern, als wichtige Komponente, Gestalt der Musik und Text
verändern sich im Laufe der Zeit, aber der Kern bleibt immer gleich

Die Klassifikation der Min Yo nach Machida:

1. Heimatliche Volkslieder
a. Spontan entstandene
b. Komponierte Lieder: es gibt auch komponierte Volkslieder, besonders ab 20. JH
2. Kinderlieder
3. Populäre Lieder: populär, aber halten sich trotzdem über die Zeit, sind jetzt nicht mehr Teil der
Popularmusik

sammelt Volkslieder von ganz Japan, 1935, große japanische Musiksammlung (2751 Stücke gesammelt und
klassifiziert);

Klassifikation der Volkslieder nach Misumi:


1. Arbeitsgesänge: Lieder zur Agrararbeit/Forstarbeit/Fischerei/Transport
2. Gesänge zu bestimmtem feierlichen Anlässen: Lieder zu religiösen Volksfeste “Matsuri”, zur
Feierlichkeit, zum jahreszeitlichen Brauchtum.
3. Tanzlieder: zB Bon odori
4. Gesänge zur Unterhaltung
5. Katarimono – Shukufukugei:
a. Rezitation = Katarimono
b. Gesänge zu den Segen spendenden Künsten: Shukufukugei
6. Wiegenlieder: Komoriuta
7. Kinderlieder
a. Lieder zum Spielen
b. Zaubersprüche

das ist die heute übliche Kategorisierung; großer Teil der Volkslieder wird in die Kategorie der Arbeitslieder
eingeordnet

Min yo – Musikalische Aspekte – Metrik und Rhythmus

• Min yo mit metrisch gebundener Musikform


• Min yo mit metrisch freier Musikform

• Metrum bei der abendländischen Musik:


• „Wiederkehr eines Grundschlags bestimmter zeitlicher Dauer, der – so lässt sich übertragen – auch
hinter wechselnden Werten stehen kann. Dieser gleichbleibende Puls als Hintergrund ist Metrum.“

Metrum und Rhythmus in westlicher Musik: Rhythmus ist die zeitliche Aufteilung, Metrum ist die Aufteilung
der Betonungen, Metrum stellt ein Zeitraster dar → zur Basis von Metrum entsteht Rhythmus,
gleichmäßiger Puls;

aber Metrum als Begriff gibt es in Japan nicht

Metrum

• In der abendländischen Musik: Die Grundschläge bestehen gewöhnlicherweise aus gleichen


Abständen und die Länge des Zeitmaßes ist grundsätzlich nicht veränderbar.

23
Darüber hinaus fungieren die gleichmäßigen Abstände der Zeiteinheit als ein grundlegendes
Orientierungsmuster in der Musik. Falls die Zeit alteriert werden muss, z.B. Tempo rubato,
ritardando, kehrt sie anschließend wieder zurück über ursprüngliche Länge

• In der japanischen Musik (sowohl Kunst- als auch Volksmusik): ungleiche Zeitmaße: Die Zeiteinheit
kann sich innerhalb eines Stückes ständig ausdehnen und zusammenziehen. Eine sehr elastische/
flexible Eigenschaft.

Zeiteinheit in der japanischen Musik sehr elastisch und flexibel. Es gibt gar keinen regelmäßigen Puls/
Taktschlag. Weniger Wert auf die Gleichmäßigkeit, mehr auf die Entfaltungsmöglichkeit des künstlerischen
Ausdrucks, die durch die Modifikation gewährt wird. Die Elastizität der Zeit in der Musik ist ein wichtiger
Wesenszug in der japanischen Musik. In der japanischen Musik handelt es sich um Zeitmaß, Länge und
Kürze, aber nicht um Betonung von Tönen (gibt es nicht/weniger)

Rhythmische Merkmale in der metrisch gebundenen Musik:


• Zweier Takt: 2/4 oder 6/8 ist nicht wie zweier Takt in der westlichen Musik, aber ist ähnlich
• Triolen: lang kurz Kombination
• Phrase fängt oft synkopiert an

VB: Sado okesa

Yagaibushi und Oiwake Stil:


Zwei typischen Stile der japanischen Volkslieder:
◦ Yagibushi-Stil: Volkslieder die metrisch gebunden sind, nicht melismatisch
◦ Oiwake-Stil: Volkslieder, die metrisch frei sind, zeichnet sich vor allem durch Melismen
aus, lange Melodie, die auf Vokalen gesungen werden, mit Ornamenten
• Die Begriffe wurden von Koizumi geprägt:
◦ Die Bezeichnungen kommen aus den Liednamen, die jeweils den oben genannten
Charakter haben.

Durch die Gegenüberstellung werden einige Charakteristika hervorgehoben (Tabelle siehe ppt.):

24
Yagibushi: metrisch gebundene Musikform. nicht melismatisch, meist Strophenlied, Melodielinie bewegt
sich innerhalb eines kleinen Tonraumes, Schwierigkeitsgrad: leicht, fröhlich, melodische Variabilität: während
der Überlieferung keine starke VÄ, Verbindung Text und Melodie: nicht beständig, Vortragsstil: kann in
Ensemble spielen, Begleitinstrument: Trommel und Shamisen
gehört zur Kategorie Tanzlied,
VB: hat aber einen epischen Charakter, es geht um eine Heldengeschichte; also metrisch gebunden; sehr
erzählerisches Lied, sehr rhythmisch gesungen

Oiwake: metrisch freier Musikform. melismatisch, meist kein Strophenlied, innerhalb eines großen
Tonraums, Schwierigkeitsgrad: schwer, lyrisch, Melodie sehr variabel wegen der melismatischen Aufführung,
Verbindung Text und Melodie: beständig, kann weniger in Ensemble spielen, Begleitinstrument: Shakuhachi
→ melismatische Melodie möglich;
VB: Esachi oiwake: ursprünglich in einer kleinen Stadt als ein Arbeitslied entstanden, vermutlich durch die
Goze nach Hokaido gebracht worden, dann wurde es sehr beliebt, dann wurde es zu einem
Unterhaltungslied in Teehäusern, die Verbreitung dieser Thematik ist sehr interessant, das Lied ist dreiteilig
und besteht aus Vorlied-Hauptlied-Nachlied,

offizielle Notationsweise von Oiwake gibt es seit 1911 und es ist eine Neumen-artige Notation
bei der metrisch freien Musik gibt es schon Regeln und diese Hörer trotz der abwesenden regelmäßigen
Takten als ein gewisses rhythmisches Gefühl vorhanden ist → Gefühl einer rhythmischen Einheit

Min yo – Musikalische Aspekte – Instrumentation

• Die Arbeitslieder bei ursprünglichen Situationen ohne Instrumentalbegleitung: weil ein Holzhacker
kann nicht gleichzeitig ein Instrument spielen.
• Tanz- und Unterhaltungslieder: bei den darstellenden Künsten, oder auch Matsuri Situation
◦ Händeklatschen: einfachste Form
◦ Instrumente:
- Idiophone: Kane (mini tamborcitos de metal), Dovyioshi (chinchines), Sasara (riqui-riqui),
Binzasara (serpiente)
- Membranophoe: Taikos
- Chordophone: Shamisen, Kokyu (“violin”)
- Aerophone: Shakuhachi (Bambuslangflöte), Fue (Bambusquerflöte)

Min yo – Musikalische Aspekte – Polyphonie


• mehrere Personen:
◦ Unisono oder Chor
◦ Antiphone kommen selten vor
◦ Responsorieller Vortrag (Vorsänger - Chor)

• Hayashi oder Hayashikotoba:


• Interjektion oder kurzer Ruf von Chor in der Min yo Aufführung ab und zu in bestimmten Teilen des
Liedes eingesetzt, um damit das Lied etwas lebhafter zu machen.
• = die Stimmung aufheiternde Rufe, mit dem Mündern stimmlich Beistand leisten
• => die Worte haben wenig Bedeutung
Es gibt kurze und längere Hayashi:
- Bei der kurze Hayashi haben die Worte keine/wenige textuelle Bedeutung.
- längere Hayashi sind melodisch und haben eine kurze Handlung, die manchmal gar keinen
Zusammenhang mit dem eigentlichen Liedtext hat.

Min yo – Musikalische Aspekte – Ornament


• Entfaltung von Ornamenten in der horizontalen Dimension
◦ keine harmonische Ausschmückung
◦ melismatische Ausschmückung der Melodie durch Kobushi
▪ Kobushi = Allgemeinbegriff für Gesangsornamentik in der japanischen Volksmusik
▪ periodische und auch unregelmäßige Veränderungen der Schwingungsfrequenz
(Frequenzmodulation)

Min yo – Musikalische Aspekte – Liedtexte

25
• Themen und Inhalte der japanischen Volkslieder
◦ alltägliches Leben: Freude, Trauer, Klage Satire, Schilderung der Arbeiten, Liebessehnsucht,
etc.
• Wiegenlieder und Kindermädchenlieder Komoriuta
• Generell japanische Volkslieder werden mit starken regionalen Dialekten gesungen.
• Meist sind die Texte der japanischen Volkslieder strophisch, aus abwechselnden 5- und 7-silbigen
Moren/Strophen
◦ typische Struktur: 7-7-7-5 Moren (more: metrische Einheit der japanischen Sprache)
• lange erzählende Lieder:
◦ 7-7-7-7-7-7-....

Min yo – Musikalische Aspekte – Tonsystem


• überwiegend pentatonisch
• es gibt aber auch Volkslieder deren Melodie aus 2 oder 3 Tönen besteht: Kinderlieder
◦ zwei Töne Melodie
◦ drei Töne Melodie
◦ => Halbtonlos (sie erhalten keine kleine Sekunde)
• zwei Töne Melodie: Schlusston = oberer Ton
• drei Töne Melodie:
◦ große Sekunde + große Sekunde: Schlusston = mittlerer Ton
◦ kleine Terz + große Sekunde: Schlusston = oberer oder unterer Ton

zu jeder Arbeit gibt es bestimmte Lieder → diese werden zur Motivation, Ablenkung gesungen

Volkslieder: Diffusion
Die Mobilität der Menschen war bis zu 1869 für die normalen japanischen Bürger stark eingeschränkt.
Dennoch gibt es die Volkslieder mit ähnlichen Namen, die über das ganze Land verstreut sind, oder
geographisch voneinander weit entfernt sind.

Gesänge zur Unterhaltung: bei Bankett oder Festmahl


ad Geisha: ist nicht Edelprostituierte, sondern eine Person der Künste (Musizieren, Tanzen, Kalligraphie, etc)
VB: Teehaus: Spiel mit Gästen → Trinkspiel

Musikalische Aspekte des Min yo: zwei Stile: Yagibushi Oiwake


so teilen Musikwissenschaftler Lieder ein/kategorisieren sie so
Instrumentation: Shamisen eher bei metrisch gebundener Musik, Shakuhachi aufgrund Ähnlichkeit zur
Atmung eher melismatische Musik, also metrisch freiere Musik
Zeiteinheit ist nicht immer gleich → Akzentuierung gibt es kaum

Polyphonie: entweder Solo oder Chor


=> oft responsorial; Lieder sehr oft von zwei Menschen gesungen;
Bsp.: Reispflanz-Zeremonie
Hayashi: kurzer Ruf/längerer gesprochener Satz in einem Volkslied → die Worte selbst haben meistens
keine Bedeutung; Funktion: das Lied lebendig zu machen, aber sie stehen nicht in Zusammenhang mit dem
restlichen Text

Ornament: Stimmverzierung, entfalten sich horizontal → melodische Ausschmückung durch Melismen =


Kobushi → Frequenzmodulation eher regelmäßig, bei Kobushi nicht,
auch wichtig in der Populären Musik

Liedtexte: besonders charakteristische: Wiegenlieder: Ausdruck der Liebe zwischen Mutter und Kind → nur
in wenigen Regionen; Kindermädchenlieder: Sehnsucht nach eigener Familie, Klage über harte Arbeit, nur
bei Bon Zeit können sie wieder nach Hause fahren, mit starkem regionalen Dialekt gesungen

Texte meist strophisch, abwechselnd 5- und 7-silbig → Moren; vor allem: 7-7-7-5, bildet so eine rhythmische/
metrische Einheit; lange erzählende Lieder: Struktur Kudoki: 7-7-7-7-7-.... Yagibushi ist oft im Kudoki Stil

Tonsystem: Pentatonik, auch Lieder wo Melodien nur aus zwei oder drei Tönen bestehen, Kinderlieder oft 2
Töne, Schlusston ist immer oberer Ton
26
Melodien mit 3 Tönen: gr2 + gr2 → Schlusston mittlerer Ton// kl3+gr2 → Schlusston oberer oder unterer Ton

I Minyo Tetrachord: Kinder- und Volkslieder kl3 gr2


II Miyakobishi: Shamisen oder Koto Musik, also eher Kunstmusik kl2 gr3
III Ritsu: Gagaku und buddhistische Ritualmusik gr2 kl3
IV Ryukyu: auf der gleichnamigen Insel: gr3 kl 2

=> Einteilung nach Koizumi: relativ alte Theorie, aber in MUWI immer noch in Gebrauch, sterk verbreitet,
aber es gibt auch Gegner der Theorie → viele System-fremde Töne bei Analyse; Theorie ist nur ein
Grundmuster
27

6.12.2013

Merkmale der japanischen Sprache


• Mora / More(pl.): Phonologische Einheit der japanischen Sprache
• Jede Mora besteht aus …
◦ einem einzelnen Vokal (a, e, i, o, u) od.
◦ einem Konsonanten + Vokal (ka, si, ..usw) od.
◦ einem Halbvokal (/y/, /w/) + Vokal (ya, yu, yo, wa)
• Ausnahmen
◦ Doppelkonsonanten (1 Mora) z.B. Kitte ( )
◦ Silbenschlussnasal /N/ (1Mora) z.B. Ringo (
◦ Langer Vokal (2 More) z.B. booru(
• Jede Mora hat einen gleichen Zeitwert (Mora als Zeiteinheit)

Phonetische Merkmale der japanischen Sprache


Konzept „Mora“ ≠ Konzept „Silbe“
z.B. Österreich
oosutoria / / / / / (6 More)
z.B. Rucksack
ryukkusakku / / / / / (6 More)
1 Mora = 1 jap. Silbenschrift (hiragana od. katakana)
a, i, u, e, o
, , , , (hiragana)
, , , , (katakana)

Phonetische Merkmale der japanischen Sprache


Tonhöhenakzent und Druckakzent
• Die japanische Sprache ist eine Sprache mit Tonhöhenakzent.
• English, Deutsch : mit Druckakzent
Tonhöhenakzent
• ha shi „Essstäbchen“
• ha shi „Brücke“
• i chi „eins“
• i chi „Ort“
Lokale Unterschiede im Akzent
• ongaku „Musik“ (Ôsaka-Akzent)

Beziehung zw. Sprache und Musik in der japanischen Vokalmusik


Jede Mora hat…
• gleiche Zeitwert.
• hochtönigen oder tieftönigen Akzent.

Beim Singen, Inwieweit die Tonhöhe und
Zeitwerte der einzelnen Wörter verändert
werden können?

27
Was passiert bei den einzelnen Wörtern,
wenn sie an die Melodie und den Rhythmus
angepasst wird?
Untersuchung zu tonalen und rhythmischen Strukturen der japanischen Vokalmusik
Zusammenhang zw. sprachlichem Rhythmus und melodischer Kontur:
Methode: analysis of pitch contour audio signal analysis
Drei unterschiedlichen Vortragsstilen:
• Rôdoku Deklamation
• Gin’shô Rezitation (Musikgattung: Shigin )
• Kashô Singen („westlicher“ Gesangsstil)
Untersuchungsgegenstand:
• Chinesische Gedicht: “Quiet Night Thoughts” von Li Po (701-762)

Untersuchung zu tonalen und rhythmischen Strukturen der japanischen Vokalmusik


• Rôdoku Deklamation
• Gin’shô Rezitation
• Kashô Gesang

Rezitation chinesischer Gedichte - Beispiel: Musikgattung: Shigin


Shigin : musikalische Rezitation chinesischer Gedichte auf Japanisch.
• Shigin ist abgeleitete Gattung der Satsuma biwa Tradition .
• Der Vortragstil Gin‘shô bei der Satsuma biwa-Tradition entwickelte sich später als eine
eigenständigen Gattung als shigin.
• Der Tonleiter von shigin basiert auf pentatonische Skala, die miyakobushi onkai genannt
wird.
• Vortrag wird charakterisiert durch
◦ die Dehnung der Silben (More)
◦ die formelhaften melodischen Mustern (Patterns)
◦ Gewöhnlicher Weise endet der letzten Ton in jedem Vers mit dem Kernton der Skala.

Time distribution of mora on beat after F. Koizumi (1927-1983)


Three categories:
1. Two moras are equivalent on one beat. Primary structure of Japanese vocal music. Ex. Children's
songs, religious music, heike.
1. The first mora is shorter than the second. Working songs associated with heavy kinetic movement,
Songs which express the brave and manly character like Shigin Ex. Folk songs with a religious
character.
1. The first mora is longer than the second. Dotted rhythm, skipping movements.Bright and gallant
expression. Ex. children’s song

Katarimono in der traditionellen japanischen Musik Heike Rezitation “Heikyoku“


„Heike Rezitation“ Heikyoku ist eine Gattung der
musikalischen Erzählung. (Erzählung von Heike monogatari zur Begleitung von Biwa. )

Heike monogatari („die Erzählung des Hauses Taira“) :


Eine Geschichte historischer Ereignisse vom Ende d. 12.Jhs., in der
Aufstieg und Untergang des Heike Clans geschildert werden.
(Familie Taira =Heike Clans )

Biwa-shôshi rezitierten die Heike monogatari zur Begleitung Biwa,


um die Seele der Gestorbenen zu besänftigen.

Spätestens im 13. Jh entstand eine Gattung Heike .

28
Das Instrument zur Begleitung der Heike monogatari wurde Heike-Biwa genannt.

Heike wird (bis heute) von blinden Musiker überliefert.

13.12.2013

29