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Tips und Tricks für die FSP:

Als TELC-Prüferin mit viel Erfahrung im Deutsch- und Medizinunterricht möchte ich Sie gerne heute
einladen, eine etwas andere Sicht der Prüfung kennenzulernen.

Wie Sie sich medizinisch darauf vorbereiten ist allseits bekannt, die Bücher Deutsch für Ärzte und
Ärztinnen, Medizin im Beruf, 50 Fälle der inneren Medizin und AMBOSS sind die gängigen
Unterlagen, die man braucht.

Dass Sie bestenfalls ein C1 Niveau erreicht haben und vielleicht noch eine Hospitation gemacht
haben, ist dann die beste Voraussetzung, um die Prüfung erfolgreich zu bestehen.

Nun, was ist das Ziel der Prüfung?


Es werden Ihre Deutschkenntnisse, Ihr medizinischer Fachwortschatz und Ihre patientengerechte
Sprache geprüft.

Allgemeines:
Sie sollen in der Lage sein, fließend und spontan mit dem Patienten zu interagieren. Alles muss
verständlich sein, d.h. der Satzbau muss deutsch (Pos I und Pos II, Nebensätze) sein und Ihre
Aussprache muss so deutlich sein, damit es keine Missverständnisse gibt. Bei der Aussprache geht es
nicht nur um die Vokale, sondern vor allem um die Endungen. Wie Sie wissen, ist der End-Buchstabe
‚N‘ im Deutschen der wichtigste Buchstabe mit vielen verschiedenen Bedeutungen. Dies gilt auch und
besonders für die Adjektivdeklination.

Alles zusammen sollte in einer lockeren Gesprächsatmosphäre im Sinne einer wechselseitigen


Kommunikation mit dem Patienten/Oberarzt stattfinden.

Wie macht man das?


Deutschkenntnisse:

Hörverstehen des Patienten, den Patienten unterbrechen, um Wiederholung oder Hochdeutsch


bitten, wiederholen dessen, was Sie verstanden haben. Dies gilt für Symptome, Vorerkrankungen
und auch Medikamente. Wiederholen Sie alle Zahlen, die der Patient Ihnen nennt.

Satzbau, Direkte und indirekte Fragen stellen, ich würde gerne wissen, ob sich die Schmerzen im
Laufe der Zeit verändert haben

Unfallhergang schildern können, siehe gesonderter Wortschatz (Wichtige Grammatikregeln)

Zeitangaben mit vor und seit richtig formulieren, richtig nachfragen, wann? Seit wann? Wie lange?

Patientengerechte Sprache:

Anamnesefragen – patientengerecht und symptomgerecht

Hier mit Adjektiven arbeiten: Ist Ihnen schwindlig? Ist Ihnen übel, schwarz vor Augen?

Schmerzanamnese, Schmerzskala 8, = das klingt aber heftig

Empathie – beruhigen, Angst nehmen, Verständnis zeigen,

Bitte beruhigen Sie sich, Sie sind jetzt im Krankenhaus und wir werden uns um Sie kümmern.
Ich sehe, dass Sie Angst haben, ich gebe Ihnen gleich Sauerstoff, damit Sie besser atmen können.

Zustimmung: Das verstehe ich, das kann ich verstehen.

Trost: Das tut mir leid zu hören, mein Beileid, das ist sicher nicht einfach für Sie, ich wünsche Ihrer
Mutter/Ihrem Vater gute Besserung

Nachfrage: Wie kommen Sie damit zurecht? Wie kommt Ihre Mutter/Ihr Vater damit zurecht?

Freude: Das freut mich zu hören.

Procedere:
behutsam aufklären und das Procedere in einfachen Worten mit Verbkonstruktionen schildern

erklären Sie dem Patienten, was Sie tun werden mit welchem Ziel. (um zu oder weil)

Einleitung: Ich würde gerne, ich möchte gerne, ich werde (kein müssen und kein sollen)

Ich würde Sie gerne stationär aufnehmen, ich werde Sie jetzt erstmal körperlich untersuchen, ich
werde Ihnen anschließend Blut abnehmen. Außerdem möchte ich gerne einen Ultraschall machen,
um mir Ihren Bauch genau anzuschauen und vielleicht noch eine Röntgen/CT/MRT Aufnahme
machen, um mögliche Verletzungen auszuschließen.

Notizen in der Anamnese:


Machen Sie sich eine Felderübersicht, damit Sie keine Informationen vergessen. Füllen Sie die Felder
aus, je nach Information des Patienten, die der Patient Ihnen im Laufe der Anamnese gibt.
Wiederholen Sie die Informationen, die bereits im Feld stehen, bevor Sie den Patienten abschließend
zum jeweiligen Abschnitt befragen:

Beispiel: in der vegetativen Anamnese berichtet der Patient, dass er schlecht schläft, weil die Mutter
gestorben ist. = Sie verteilen beide Informationen auf beide Felder. Wenn Sie dann die
Familienanamnese abfragen, gehen Sie erst auf die Information ein, die Sie bereits notiert haben.

=Sie haben mir bereits gesagt, dass Ihre Mutter gestorben ist, lebt denn Ihr Vater noch, ist er
gesund? Oder: Wie geht es Ihrem Vater?

Dies gilt für alle Informationen, die Sie bereits gesammelt haben.

Medizinischer Fachwortschatz
Im Arztbrief, Konjunktiv I, Leitsymptome und Begleitsymptome jeweils zusammenfassen

Im Oberarztgespräch, wechselseitige Kommunikation, schildern Sie in Haupt- und Nebensätzen die


wichtigsten Symptome. Konjunktiv I nur für die Schmerzanamnese

Stellen Sie Ihre Verdachtsdiagnose und Differentialdiagnosen dar

Und Ihr weiteres Procedere,

welche Werte im Labor

welche Auffälligkeiten in der körperlichen Untersuchung

welche bildgebenden Verfahren


welche Stadien, welche Scores, welche Klassifikationen

hier gerne im Nominalstil,

z.B. Laborwerte wie TSH, ft3, ft4 zum Ausschluss oder Nachweis einer Hypo-/Hyperthyreose.

Weitere Informationen in:

Unfälle beschreiben

Redemittel Anamnese

Wichtige Grammatikregeln und Anamnese-Fragen