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Keramische Werkstoffe

Einführung

• Älteste Stoffe der Menschheitsgeschichte


• Herstellung von Essgeschirr und Ziegeln
• Später Herstellung von Porzellan
• Entwicklung der technischen Keramik in der Gegenwart mit hohem Potential für
die Zukunft

Allgemeine Eigenschaften

• Sehr hart (erwünschte Eigenschaft)


• Sehr spröde (unerwünschte Eigenschaft)

Definition: Man bezeichnet alle nicht-metallischen-anorganischen Werkstoffe (NA-


Werkstoffe) als keramische Werkstoffe.

Keramische Werkstoffe insgesamt


z.B. Diamant, Graphit

Metall-Nichtmetall-Verbindungen
z.B. Wolframkarbid(WC),
Titancarbid(TiC), Siliziumnitrid(SiN)

Metalloxide
z.B. Aluminiumoxide, Calciumoxide,
Siliziumoxide

Metall- Nichtmetall- Verbindungen

Al Aluminium O Sauerstoff
Ca Calcium C Kohlenstoff (Diamant, Graphit)
Ti Titanium Si Silizium
W Wolfram B Bor
Fe Eisen N Stickstoff

Metalloxide

Ein Oxid ist eine Sauerstoffverbindung. Der chemische Vorgang heißt Oxidation.
Die Oxide des Konzentrationsdreiecks:

Al2O3 Aluminiumoxid (Korund)


CaO Calciumoxid (Brantkalk)
SiO2 Siliziumdioxid (Silikat)

Andere Oxide

Fe2O3 Eisenoxid (Rost)


CaCO3 Calciumcarbonat (Kalkstein, Marmor)
Ca(OH)2 Calciumhydroxid (Kalkhydrat, Kalklauge)
ZrO2 Zirkonoxid (keramisches Bindemittel)

Anwendungsgebiete

• Fensterbau
• Schnittplatten bei Werkzeugen

Einteilung nach Struktur und Eigenschaften

Keramiken: kristalliner Aufbau


Gläser: amorpher Werkstoff
Bindemittel: Zement, Gips
CaSO4 + 2 H2O
Calciumsulfat + Doppelhydrat
Herstellungsreihenfolge:

Keramik: Pulver Æ Formgebung Æ Brand


Gläser: Pulver Æ Brand Æ Formgebung
Bindemittel: Brand Æ Pulver Æ Formgebung

Eigenschaften und Strukturen:

• Hohe Druckfestigkeit, geringe Zugfestigkeit


• Gute chemische Beständigkeit
• Sehr hohe Schmelztemperatur
• Große Härte
• Sprödigkeit
• Überwiegend elektrische und thermische Nichtleiter

Struktur als Ursache der Eigenschaften:

• Hohe Bindungskräfte aufgrund der kovalenten- Atombindungen,


Ionenbindungen
• Daraus folgen die hohen Schmelztemperaturen und die großen E-Module
• Keine plastische Verformbarkeit bei Raumtemperatur
o Große Bindungskräfte verhindern das Abgleiten von Atomschichten
(keine Gleitebenen)
o Verschiebung um einen Atom- bzw. Ionenabstand würde zur Abstoßung
führen und damit zum Bruch des Materials
• Uneinheitliche Atomanordnung Æ amorphe und kristalline Stoffe
• Atome sind nicht dicht gepackt, also keine Gleitebenen vorhanden
• Valenzelektronen binden die Nachbaratome, keine freibeweglichen Elektronen
oder Elektronengas
• Viele Keramische Stoffe sind bereits chemisch Verbunden z.B. Metalloxide,
deshalb ist eine weitere Oxidation nicht möglich oder eine chemische Reaktion
nur bedingt möglich (8 Außenelektronen)

E-Modul Æ Elastizitätsmodul

⎡ N ⎤
Hookesches Gesetz δ = E * ε δ= mechanische Spannung ⎢
⎣ mm ⎥⎦
2

⎡%⎤
ε = elastische Dehnung ⎢
⎣100 ⎥⎦
• E-Modul ist wichtig für die Durchbiegung. Hohes E-Modul geringe Durchbiegung.

o Stahl: 2,1 * 105 N*mm-2


o Beton: 0,1 – 0,4 * 105 N*mm-2
o Glas: 0,4 – 0,9 * 105 N*mm-2
o Gummi: 0,000001 – 0,000005 * 105 N*mm-2
Bruchverhalten
F
Spannungsgleichung δ =
S
δ Z = ZugspannungÆ positives
Vorzeichen
δ D = DruckspannungÆ negatives
Vorzeichen

• Plastische Formänderung fehlt fast


völlig
• Unmittelbar nach dem elastischen
Bereich erfolgt der Bruch
• Kennwerte für Al2O3
Druckfestigkeit 3500 N*mm-2
Zugfestigkeit 500 N*mm-2

Kraftübertragung und Spannungsverteilung bei Bauteilen mit Rissen


(Microcracks)
o Entstehung einer Spannungsspitze am Rissgrund
o Diese liegt höher als die Zugfestigkeit des Materials
o Am Rissgrund werden dadurch weiter Verbindungen getrennt
o Rissbildung pflanzt sich fort, Spannung wird größer
o Rissbildung beschleunigt sich (katastrophaler Bruch)

Möglichkeiten zur Verringerung der Rissbildung


o Beschichten des Bauteils
(Tauchen, Spritzen, Imprägnieren, Hochdruckbehandlung mit
Verbindungsmitteln)
o Krasse Konturübergänge durch Radien oder Fassen entschärfen
o Verbindung von keramischen Werkstoffen mit Verbundstoffen
(Stahlbeton, Glasfaser usw.)
o Oberfläche minimieren
Zement und Beton

Zement:
o keramische und gleichzeitig hydraulisches Bindemittel
o d.h. selbstständiges Erhärten an Luft und Wasser
o d.h. ist in feuchter und nasser Umgebung Erhärtbar
o Zement + Zuschläge von Sand = Mörtel
o Zement + Zuschläge von Kies = Beton
o Bekannteste Sorte ist „Portlandzement“
65% CaO
20% SiO2
6% Al2O3
4% Fe2O3
5% sonstige

Erstarrung: nach 1h bis 12h


Aushärtung: nach 28 Tagen mit einer Druckfestigkeit von min. 25 N*mm-2

Hydratation:
o Anmachen des Zements mit Wasser Æ es kommt zur chemischen Reaktion
o Zement + Wasser = Zementleim
o Hydratation beginnt zunächst an der Oberfläche der Zementteilchen, dann
entsteht gelartige Masse, dessen Partikel zusammenwachsen
o Erstarrter Zementit = Zementstein
o Der Anteil des Wassers ist entscheidend für chemische Reaktion
o Verdunstungsgefahr bei Hitze und Sonne
o Frostgefahr bei niedrigen Außentemperaturen

Wasser
Wasserzementwert: = =ω
Zement
o Einfluss auf die Festigkeit des Zementsteins
10kg Wasser und 50kg Zement Æ ω = 0,2
¾ Unvollständige Hydratation,
¾ keine gleichmäßige Festigkeit,
¾ unhydratisierter Rest Zementkörper vorhanden
20kg Wasser und 50kg Zement Æ ω = 0,4
¾ Vollständige Hydratation,
¾ hohe Festigkeit
30kg Wasser und 50kg Zement Æ ω = 0,6
¾ Nach vollständiger Hydratation ist noch überschüssiges Kapillarwasser vorhanden,
¾ geringe Festigkeit,
¾ gute Verarbeitbarkeit
Beton:
o Verkleben der Zuschläge mit Zementleim
o Während der Verarbeitung muss Beton vermischt und verdichtet werden

Bestandteile:

Schwerbeton: ℮ > 2,8 kg*dm-3


Normalbeton: 2,0 < ℮ < 2,8 kg*dm-3
Leichtbeton: ℮ < 2,0 kg*dm-3

Betonarten
o Kennzeichnung nach der Druckfestigkeit
o Bewehrter Beton Æ Stahlbeton
o Erst ab C12/15 (B15) sind Stahleinlagen vor Korrosion geschützt
BI – Handwerkerbeton
¾ Herstellung auf der Baustelle
BII – Ingenieurbeton
¾ Definierte Ausgangsstoffe
¾ Dosierte Mengen
¾ Qualitätsprüfung
alt neu C 8/10
B5 8-Zylinderdruckfestigkeit
C 8/10 für unbewehrten Beton
B10 fck, cyl, ∅ =150mm l=300mm
B15 C 12/15
B25 C 20/25 10-Würfeldruckfestigkeit
für unbewehrten und bewehrten
B35 C 30/37 fck, cube, Kantenlänge
Beton
B45 C 35/45 a=150mm
B55 C 45/55
Eigenschaften:
o Hohe Druckfestigkeit, geringe Zugfestigkeit
o Unbewehrter Beton nur für Druckbelastung
o Festigkeitsvergleich δD=10*δZ
o Geringe elastische Formänderungen
o Da der E-Modul nicht konstant ist, gibt es keine Hookesche Gerade
o E-Modul wird bei zunehmender Spannung geringer

Bleibende Formänderung
Schwinden Æ beim Austrocknen Volumenverringerung
Quellen Æ beim Durchfeuchten Volumenzunahme
Kriechen Æ Formänderung des Betons durch Dauerbelastung

Ausdehnung bei Wärmezufuhr:


Brücken Æ Los- und Festlager
Flächen Æ Dehnungsfugen (schwimmende Verlegung)

Einfluss des Wasserzementwertes


o Kleiner w/z-Wert Æ hohe Druckfestigkeit
o Hoher w/z-Wert Æ geringe Druckfestigkeit, dünnflüssig, leicht verarbeitbar
o Idealer w/z-Wert = 0,4
o In der Praxis jedoch 0,5 – 0,8
Stahlbeton
• Verbundwerkstoff aus Stahl und Beton
o Stahl nimmt Zugkräfte auf, die den Beton zerstören würden
o Beton schützt den Stahl vor Korrosion
o Stahl mit Streckgrenze Re von ca. 1000N*mm-2
• Einsatz bei Brücken und Decken in der Zugzone des Betonteils

Stahlbeton
Stahlbeton Spannbeton
o Ist bewährt mit Stahlstäben oder o Verspannen des Betons mit
Stahlmatten Zugstäben, entweder vor dem
o Kraftübertragung Beton-Stahl an ihren Betonieren oder danach
Grenzflächen o Völlige Vermeidung von
Zugspannungen im Beton (δZ nur im
Nachteile: Stahl)
o Zuerst Zugkräfte im Beton, dann im
Stahl Nachteile:
o Dadurch Rissbildung und Korrosion o Vorspannung muss größer sein als die
Zugspannung (δV > δZ)
o Eventuell Nachspannung nötig
Glas

Definition:
Glas ist ein anorganischer Werkstoff, der ohne Kristallisation erstarrt.

o Nach seiner Erstarrung entsteht keine kristalline Ordnung, sondern ein amorpher
Zustand
o Es wird kein dicht gepackter Zustand erreicht
o d.h. es erfolgt kein Volumensprung
o Schmelze wird mit abnehmender Temperatur zähflüssiger (unterkühlte
Flüssigkeit)
o Gläser besitzen keinen Schmelzpunkt, sondern einen Erstarrungsintervall
(Transformationsbereich)
o Dieser kann bis zu 100 °C betragen

Alle Festkörper versuchen beim Erstarren einen kristallinen Aufbau zu bilden in


manchen Fällen gelingt dies jedoch nicht.
Ursachen die zum amorphen Zustand führen:
o Hohe Abkühlgeschwindigkeit
o Hohe Unbeweglichkeit der Bauteile in der Schmelze
Bei extrem schnell abgeschreckten Metallen entstehen metallische Gläser (amorph)
Bei extrem langsam abgekühlten glasartigen Stoffen entsteht Glaskeramik (kristallin)

Viskosität:

Unter der Viskosität versteht man die Zähigkeit einer Flüssigkeit oder eines Gases. Sie
resultiert aus den zwischenmolekularen Kräften in einem Fluid und ist somit abhängig
von der Kohäsion zwischen den Molekülen oder Teilchen. Man spricht daher auch von
der inneren Reibung. Der Begriff Viskosität leitet sich von dem lateinischen Wort für
Mistel – „viscum“ her, aus deren Beeren ein zäher Vogelleim hergestellt wurde.

⎡ Ns ⎤ ⎡ kgms ⎤ ⎡ kg ⎤
Einheit ⎢ 2 ⎥ = ⎢ 2 2 ⎥ = ⎢ ⎥
⎣ m ⎦ ⎣ s m ⎦ ⎣ sm ⎦
Formgebungsverfahren:
Blasen, Walzen, Pressen, Ziehen

Chemischer Aufbau:
o Hauptbestandteil ist Siliziumoxid SiO2
o Industriebezeichnung Quarz oder Silikat
o Tetraeder als Grundbaustein der Glasstruktur

o Si-O-Verbindungen (Kovalente Bindungen) sind sehr fest


o Um das Glas zu erweichen sind sehr hohe Temperaturen notwendig ca. 1700°C
o Deshalb Netzwerkunterbrecher oder Flussmittel (Natriumoxid- Na2O)
hinzugeben
o Dann sinkt die Erweichtemperatur auf ca. 700°C