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Syntax

Phrasenstruktur und Satzglieder


• Sätze und ihre Bestandteile haben eine hierarchische Struktur.
• Die Bestandteile eines Satzes (Konstituenten) bestehen aus geordneten Wortfolgen, die
ihrerseits wieder aus geordneten Wortfolgen bestehen. Einzelne Wörter sind letztendlich
auch Konstituenten.
• Einige Wortfolgen gehören enger zusammen als andere. Was als zusammengehörig
wahrgenommen wird, bildet eine (syntaktische) Phrase. Auch ganze Sätze sind Phrasen!
• Bestimmte Wörter haben die Eigenschaft, andere Wörter zu fordern, bzw. an sie zu binden
(Valenz).
• Konstituenten, die vor das finite Verb im deklarativen Satz verschoben werden können, sind
Satzglieder.

Der Präsident trägt den Mantel des Ministers.


Den Mantel des Ministers trägt der Präsident.
*Des Ministers der Präsident trägt den Mantel.
*Des Ministers trägt der Präsident den Mantel.

Den Mantel des Ministers ist eine NP, die wiederum aus zwei NP besteht. Als Ganzes
fungiert sie als Satzglied (in diesem Fall mit Objektsfunktion). Des Ministers ist eine NP
und auch Konstituente der größeren NP den Mantel des Ministers, aber kein Satzglied,
sondern ein Gliedteil (hier mit Funktion des Attributs).
• Satzglieder haben syntaktische Funktionen (z.B. Subjekt, Objekt, adverbiale Bestimmung).
• Phrasen sind „Erweiterungen“ ihrer zentralen, die Grammatik der Phrase bestimmenden
Elemente, der Köpfe. Sie sind definiert als die Projektion ihrer Köpfe, wobei es lexikalische
(Kopf der Satzglieder) und funktionale Kategorien gibt (Kopf des Satzes).
• Komplemente sind obligatorisch (durch Valenz ihres Kopfes gefordert), Adjunkte sind
optional.

Vorgehen bei der Satzanalyse:


• Prädikat bestimmen
• Umfang der Satzglieder bestimmen
• Satzglieder nach Form/Wortart des Kopfes (und Kasus der Nominalphrasen) bestimmen
• Satzglieder nach Funktion bestimmen
• Satzglieder nach Valenz bestimmen
• Gliedteile analog nach Form/Wortart des Kopfes und ggf. Funktion bestimmen

Syntaktische Phrasen sind immer Konstituenten = Wortgruppe, die eine syntaktische Einheit bildet.
Wie kann man Konstituentenstatus ermitteln?
Der Mann kauft auf der Bühne den Ball.
Ersetzungsprobe:
Der Mann kauft im Auto den Ball.
Weglassprobe:
Der Mann kauft 0 den Ball.
...Weitere Tests:
Frageprobe, Verschiebeprobe, Pronominalisierungstest etc.

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Wie sieht die Struktur von Phrasen aus?
Beispiele:
Nominalphrasen (NP):
Der Hund erreicht Frankfurt.

NP NP

D N N
der Hund Frankfurt

Hier sieht man, daß NP oft einen Artikel enthalten, der das Nomen spezifiziert .

Präpositionalphrase (PP):
Heinz schneidet die Tomaten mit dem Messer.

PP

P NP
mit dem Messer / *das Messer

Hier sieht man, daß bestimmte Wörter ein weiteres Wort, bzw. eine weitere Phrase fordern.
In diesem Fall ist es eine NP, die als Schwester des Kopfes P von P ihren Kasus erhält.

2
Topologisches Feldermodell
...kann alle möglichen (bildbaren, zu Grammatikalität führenden) Sätze des Deutschen beschreiben.
Hierzu wird eine Abfolge von Feldern mit bestimmten Füllungsbeschränkungen angenommen.
Das Modell orientiert sich an der Stellung des Verbs (das zentrale Elements des Satzes).
Vorfeld:
Hauptsatz: maximal eine Konstituente
in unmarkierten deklarativen Hauptsätzen: thematische
Konstituente
in W-Interrogativsätzen: W-Phrase
Subordinierter Satz: phrasale nebensatzeinleitende Konjunktion (mehr als ein Wort)
linke Satzklammer:
Hauptsatz: finites Verb
Subordinierter Satz: minimale nebensatzeinleitende Konjunktion, nichts (leeres
Feld)
Mittelfeld:
Hauptsatz und
subordinierter Satz: potentiell alle Arten von Subjekten, Komplementen und
Adjunkten
Für die Abfolge gibt es bestimmte Präferenzen.
rechte Satzklammer:
Hauptsatz: Verbpartikel, nicht-finiter Bestandteil des analytisch gebildeten
Verbs
Subordinierter Satz: nicht-finite und finite Bestandteile des Prädikats
Nachfeld:
Hauptsatz und
subordinierter Satz: subordinierte Sätze, schwere (wortreiche) Adjunkte (PPs)

Je nach Stellung des finiten Verbs unterscheidet man im Deutschen drei (syntaktische) Satztypen:
– Sätze mit finitem Verb an zweiter Stelle: V2-Satz
– Sätze mit finitem Verb an erster Stelle: V1-Satz
– Sätze mit finitem Verb an letzter Stelle: Vend-Satz

Jeder dieser syntaktischen Typen kann eine Reihe von Funktionen (pragmatisch) erfüllen
(Illokutionspotential). Man kann sagen, die Funktion des Satzes bestimmt seine Form. Es stellt sich
die Frage: Was ist der Kopf solcher Sätze?
• Kopf ist der lexikalische Ausdruck, der die Eigenschaften einer Konstituente festlegt
• Nebensätze haben häufig eine Subjunktion (subordinierende Konjunktion).
• Die Subjunktion bestimmt die Eigenschaften des Nebensatzes und ist daher dessen Kopf.
Im CP/IP-Modell sind I (Inflection = Flexion) und C solche Köpfe.

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X-bar-Schema und funktionale Kategorien: das CP/IP-Modell
In diesem Modell geht man von der Erzeugung einer Grundstruktur aus, von der aus durch
Bewegung (Transformationen) jede mögliche Satzstellung erreicht werden kann. Bewegungen
hinterlassen Spuren (trace, t)! So bleiben die strukturellen Beziehungen auch nach Bewegung einer
Konstituente transparent. Das Modell beschränkt die möglichen Bewegungen systematisch. (<
leichtere Lernbarkeit!)
Das X-bar-Schema
Die Annahme: Alle Phrasen (ungeachtet der Kategorie, lexikalisch wie funktional)
haben den gleichen internen Aufbau. So werden unzählige
Phrasenstrukturregeln vermieden.

unterste Ebene/minimale Kategorie: Kopf X° (projiziert Phrase)


„bar“-Ebene/Zwischenprojektion: Hierarchiezwischenstufen in
syntaktischen Strukturen
oberste Ebene/maximale Projektion: Knoten XP (phrasale Kategorie)

Es gilt:
• Binarität - X-bar-Strukturen sind höchstens binär verzweigt.
• Endozentrizität - Jede Phrase besitzt genau einen Kopf.
Unterschiede zwischen den Sprachen hinsichtlich ihrer syntaktischen Grundstruktur:
• Köpfe sind links- oder rechtsperipher.
• Komplemente sind rechts- oder linksseitig.
• Adjunktion erfolgt nach rechts oder nach links.
• Spezifikatoren stehen am linken oder rechten Rand der Phrase

Wo befinden sich Adjunkte strukturell?


Adjunkte sind optionale Zusätze außerhalb der Kopf-Komplement-Konstituente, aber
innerhalb der Phrase (maximale Projektion)
Adjunkte werden nicht vom Kopf gefordert, befinden sich aber innerhalb der Phrase.
Durch die Annahme von Zwischenebenen (bar-Projektionen) kann man dies
verdeutlichen.

Ebenso haben Phrasen Spezifikatoren. Diese erweitern (führen weiter aus) nicht wie ein
Komplement den Kopf direkt, sondern die Konstituente, die aus Kopf plus Komplement besteht.
Ein X-bar-Strukturbaum:

XP

WP X'

Spezifikator X° ZP Komplement

Kopf

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Bei Vorhandensein von Adjunkten bleiben die strukturellen Beziehungen innerhalb der Phrase
erhalten und der Baum wird um ein X' erweitert.

XP

WP X‘
Spezifikator
X‘ YP

Adjunkt
X° ZP

Kopf Komplement

Beispiel:
VP

WP V‘
Spezifikator
V‘ PP
with a longbow

V° NP
shoots the arrow Adjunkt

Kopf Komplement

Mit diesem Modell lassen sich auch bestimmte Phänomene innerhalb von Nominalphrasen erfassen:
Um Definitheit darzustellen, wurde zunächst angenommen, Determinatoren (DP) seien
Spezifizierer innerhalb einer NP, das Nomen also der bestimmende Teil innerhalb des
Determinierer-Nomen-Gefüges. Analysiert man hingegen Determinierer als funktionale Köpfe, die
eine NP als Komplement nehmen, lassen sich auch Phänomene erklären wie Adjektivflexion
innerhalb der NP:
DP

Spec D'
Erwin
D° NP
-s

schöner Konzertflügel
(Vgl. der schöne Konzertflügel u.
nächstes Beispiel)

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DP

Spec D'

D° NP
ein

schöner Konzertflügel

Beobachtung: Artikel und s-Genitive sind komplementär verteilt.


*Der Erwins schöner Konzertflügel
*Ein Erwins schöner Konzertflügel

Welche Funktion hat der Spezifikator der VP?


Ein Beispielsatz verdeutlicht dies.
Wie können wir den folgenden Satz generieren?
Der Mann kauft den Ball

Den Ball ist das Objekt des Verbs kaufen und bekommt von ihm Kasus (Akkusativ)
zugewiesen. Das V ist Kopf der VP und weist dem Objekt AKK zu.
Ein finites Verb (Kategorien wie Tempus oder Modus sind markiert) steht in einer
engen Beziehung zu seinem Subjekt. Die Kategorie I spezifiziert die grammatischen
Merkmale des finiten Verbs, sodaß eine Beziehung zwischen dem Subjekt (NP) Der Mann
und Prädikat (VP) kauft den Ball hergestellt werden kann (Kongruenz). Dies ist in einem
Satz notwendig, damit er grammatisch wird. > *Der Mann kaufst den Ball.

IP

NP (SpecI) I‘
Der Mann

VP I°
-t (grammatische Merkmale des
NP V° finiten Verbs)
den Ball kauf

Vom Kopf I bekommt das Subjekt Kasus (Nominativ) zugewiesen, wenn es finit ist.
Wird der Kopf I° morphologisch realisiert, muß er sich mit dem Verbstamm
verbinden. Hier wird Bewegung angenommen, d.h. das Verb in V° bewegt sich nach I°.
Man kann auch annehmen, daß das Subjekt seinen Anfang als Spezifikator von V
(SpecVP) nimmt, wo es von V° seine thematische Rolle bekommt (die Valenz des Verbs
bestimmt die Anzahl der geforderten Rollen), und dann zunächst nach SpecIP bewegt wird,
um Kasus zu bekommen.

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IP

NP (SpecI) I‘
Der Mann i

VP I°
-t (grammatische Merkmale des
NP (SpecVP) V' finiten Verbs)
ti
NP V°
den Ball kauf

Nun hat der Satz die dem Deutschen zugrunde liegende Struktur SOV. Um zur Folge SVO
zu gelangen, wie sie im deklarativen Hauptsatz (Satztyp) auftritt, ist weitere Bewegung
vonnöten...
...Ein noch höher angesiedelter Kopf C° enthält satztypspezifische Merkmale. Er nimmt eine
IP als Komplement. Die CP entspricht einer vollständigen Satzprojektion.
Die Intuition ist dabei, daß Komplementierer (C) ausdrücken, welche Funktion der
Satz hat (ob er z.B. ein Deklarativ- oder ein Fragesatz ist)!
Der Kopf C° entspricht der linken Satzklammer im topologischen Feldermodell, sein
Spezifikator SpecCP entspricht dem Vorfeld.
In einem deklarativen V2-Satz muß das Subjekt durch Bewegung in die SpecCP-
Position gelangen, damit genau die lineare Abfolge entsteht, die einen V2-Satz ausmacht
(nämlich: eine (beliebig lange) Konstituente im Vorfeld, finites Verb in der linken
Satzklammer). Ebenso gelangt das in V° generierte Verb zunächst durch Bewegung nach I°
und dann ggf. nach C° (Fragesätze, V2-Sätze). In I bekommt das Verb seine
Flexionsmerkmale.

...weitere Derivationen:
Deklarativsatz V2 (Satzgliedfolge SVO):

CP

NP (SpecCP) C'

Der Mann i C IP
kauft j
ti (SpecIP) I'

VP I
tj(-t)
NP V
tj(kauf)
DP N'

D AP N
den Konzertflügel
A
gelben

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In vielen Fällen merken wir, daß eine Konstituente gleichzeitig „an zwei Positionen im Satz
gehört“: Im Fall von Sätzen wie Den gelben Konzertflügel kauft Der Mann ist das Objekt
den gelben Konzertflügel zwar satzinitial, bekommt aber nach wie vor seinen Kasus
(Akkusativ) innerhalb der VP als Schwester des Kopfes V. > *Der gelbe Konzertflügel kauft
Der Mann.

CP

NP (SpecCP) C'

DP N' C IP
kauft j
D AP N NP (SpecIP) I'
Der Mann
A VP I
[den gelben Konzertflügel]i tj(-t)
NP V
ti tj(kauf)

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Komplette Derivation eines deutschen Satzes (Zusammenfassung):
• Der komplette Satz wird in Grundsatzgliedstellung (Nebensatzsstruktur) als ein
geschichtetes Gefüge aus Phrasen zusammengesetzt: CP-IP-VP.
• V° vergibt thematische Rollen (Subjekt: in der Regel AGENS) (Objekt: in der Regel
PATIENS) und seinem Komplement Kasus (in der Regel AKK).
• Das Verb bewegt sich nach I° und wird so finit (verbindet sich mit den grammatischen
Merkmalen in I°). Das Subjekt bewegt sich nach SpecIP und bekommt dort Kasus
(Nominativ). So wird Kongruenz zwischen Subjekt und finitem Verb hergestellt.
• C° (linke Satzklammer) ist entweder durch eine Konjunktion gefüllt - Ergebnis: Nebensatz -
oder das finite Verb bewegt sich nach C° (bei Nebensätzen ist diese Bewegung blockiert,
weshalb das Verb nicht bewegt wird) - Ergebnis: z.B. Entscheidungsfragesatz
• Weitere Bewegungen führen zu unterschiedlichen Satztypen:
z.B. Deklarativsatz: Eine von V° oder von I° abhängige Phrase bewegt sich nach SpecCP
(Vorfeld). Dies können Spezifikatoren, Komplemente oder Adjunkte sein.