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Sehr geehrter Herr Dr.

Holler,
Ich möchte Ihnen und dem Vorstand der
Bernbeck Stiftung herzlich danken für die Gelegenheit, an dem "Boston GuitarFest"
teilnehmen zu können.
Es gibt so viel zu erzählen, dass ich nicht weiß, wo ich anfangen soll.
Daher werde ich am Anfang beginnen.
Ich bin am Tag der Eröffnung des Festivals nach Boston geflogen.
Ich hätte eigentlich vom Flughafen Rom Fiumicino um 10 Uhr abfliegen sollen, doch musste
ich vier Stunden warten, weil das Flugzeug ein kleines Problem an einer der Türen hatte.
Ich habe es nicht geschafft, den Anschlussflug von New York City nach Boston zu nehmen.
Der nächste Flug nach Boston war glücklicherweise um 20 Uhr, und mit dem bin ich
geflogen. Ich bin spät in Boston angekommen, aber es war nicht schlimm, weil ich
rechtzeitig den Organisatoren des Festivals Bescheid gegeben habe, und sie haben meinen
Plan geändert, damit/sodass ich an diesem Tag keinen Unterricht hatte.
Außerdem fand am ersten Abend kein Konzert statt.
Es war das einzige, was in dieser tollen Reise schief gelaufen ist.
Am Dienstag (der folgende Tag), bin ich sofort zum New England Conservatory gefahren,
um mich anzumelden.
Ich würde diese Hochschule eher als Campus beschreiben, weil sie vier Gebäude hat, alle
nebeneinander und jedes Gebäude war riesig!
Ich musste zwanzig Minuten herumlaufen, bevor ich den Ort der Anmeldung gefunden habe.
Die Personen, die mich empfangen haben waren sehr nett, und ich bekam meinen Plan und
den Pass zu den Konzerten.
Ich hatte viele Räume zum Üben zur Verfügung, und ich habe viele Stunden mit meiner
Gitarre verbracht.
Im Flur, in jeder Etage, gab es einen Trinkbrunnen. Das war etwas neues für mich, und ich
glaube, wir sollten auch etwas in der Art in unserer HfM haben.
Um 20 Uhr begann das erste Konzert im "Brown Hall". Die Gitarre war die Protagonistin: ein
Gitarrenquartett, die Solistin Zaira Meleses und ein Duo Gitarre-Klarinette spielten sehr
schöne und teilweise lustige Musik.
Lustig, weil das Quartett Variationen von Vivaldi auf EINE Südamerikanische Weise gespielt
hat. Das Thema des Festivals war nämlich dieses Jahr "Peace and Variations": alle
Konzerte hatten zumindest ein Stück, wo dieses Thema wieder kam.
Am Mittwoch hatte ich noch keinen Unterricht, und ich konnte mich vom Konzert des Tages
davor durch das Üben inspirieren lassen. Ich hatte außerdem die Möglichkeit, mich mit den
anderen Teilnehmern des Festivals zu unterhalten. Das Alter der Teilnehmer war sehr
unterschiedlich: ältere Kinder bis auf alte Damen und Herren waren da, und alle sehr
sympathisch. Die meisten waren selbstverständlich Amerikaner, und ich fand sie sehr
spontan und freundlich.
Das Konzert vom Pianist Robert Levin war erstaunlich gut! Er hat Musik von Mozart gespielt
und er hat auf ein originelles Thema für Laute von J.Dowland (XVI Jahrhundert) improvisiert.
Das Klang wirklich wie ein Stück des Barocks. Ich war von seiner Performance sehr
beeindruckt.
Donnerstag war der große Tag: ich hatte eine Masterclass bei dem Professor Eliot Fisk. Er
unterrichtet sowohl im NEC als auch im Mozarteum in Salzburg. Ich habe nicht damit
gerechnet, dass ich vor 50 Personen spielen würde! Ich habe die Etude 8 von H.Villa Lobos
gespielt und Komplimente vom Publikum und von Prof. Fisk erhalten. Seine Ratschläge
waren sehr inspirierend und er hat mich gefragt, ob ich nächstes Jahr an der "Accademia
Chigiana" in Siena teilnehmen will! Das ist eine weltberühmte Akademie, wo die besten
Gitarristen der Geschichte hingegangen sind. Sogar der legendäre Andres Segovia hat dort
unterrichtet.
Am gleichen Tag bekam ich Privatunterricht von Scott Borg: seine Ratschläge für die rechte
Hand haben mir für die Tage danach viel Stoff zu üben gegeben!
Scott war auch Dirigent des Gitarrenorchesters und er hat mich gefragt, ob ich mitmachen
wollte. Ich habe zugesagt und ich bin gleich danach mit ihm zur Probe gegangen. Wir haben
"Pavane pour une infante défunte" von M.Ravel und "Palladio" von K.Jenkins gespielt, und
ich hatte sogar ein paar Solo Teile!
Die Freundin, bei der ich übernachtet habe, hat mir ein Konzert bei P.h.D. Chris Dulla zu
Hause organisiert.
Chris ist der Chef eines Neuro-Wissenschaftlichen Labors in Tufts Medical Center, und das
Publikum bestand aus vielen Neuro-Wissenschaftler/innen.
Am Tag danach bekam ich einen Umschlag von Chris mit einem Dank-Brief und 150$
drinnen. Das war sehr unerwartet!
Am Freitag hatte ich Unterricht mit Bruce Holzman, der ziemlich müde war, aber ich habe
ihm so viele Fragen gestellt, dass er wieder wach geworden ist, und er hat mir dann gute
Ratschläge für meine Läufe gegeben.
Abends hat Prof. Joaquin Clerch (Professor an der HfM Robert Schumann in Düsseldorf) ein
fantastisches Konzert gespielt, und ich habe bei seiner Masterclass am Tag danach mit ihm
gesprochen, um einen Kontakt mit ihm aufzubauen. Er hat mich nämlich zum
Gitarrenfestival in Düsseldorf eingeladen! Ich werde bestimmt im November ein
Wochenende nach Düsseldorf fahren.
Prof. Eliot Fisk spielte ein sehr anspruchsvolles Konzert mit Musik aus dem XVIII
Jahrhundert und seine Art, Stücke zu interpretieren, hat mich an Andres Segovia erinnert.
Ich habe nur danach erfahren, dass Fisk Student von Segovia war.
Unglaublich, wie viel ein Lehrer seinen Schülern beibringen kann und wie wichtig es ist, die
richtigen Lehrer/innen zu haben.
Das Festival endete am Sonntag, wo das Orchester die letzten zwei Stücke gespielt hat.
Wir haben in der prächtigen Jordan Hall gespielt, und das hat mir große Freude bereitet.
Die Pavane von Ravel ist so schön und melancholisch, dass man vor Freude weinen kann,
wenn man das hört.
Es ist das gleiche Gefühl, das ich in mir habe, wenn ich an all diese Erfahrungen denke, die
ich in diesen Tagen erlebt habe.
Und ich habe alles wegen Ihrer/Eurer Finanzierung erlebt.
Ich werde Ihnen immer dankbar sein.
Emiliano