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Entwicklungspsychologie

Die Bedeutung der Bindung in der kindlichen Entwicklung

Übersicht
- Entwicklung und Bindung im Säuglings- und Kleinkindsalter
- Frustration im frühen Kindesalter
- Bindungstypen
- Störungen des Bindungsverhalten

Entwicklung und Bindung im Säuglings- und Kleinkindalter


- Babies verfügen über die psychophysiologischen Voraussetzungen zur sozialen
Kontaktaufnahme !
- Sie
o hören auf die menschliche Stimme
o interessieren sich für Gesichter
o beruhigen sich, wenn sie getragen werden
o haben ein Repertoire an sozialen Signalen (weinen, lachen, schreien, etc)
- Typische Signale
o Blickabwendung, Versteifung des Körpers Æ Abwehr
o Lächeln Æ soziale Akzeptanz
- In vorsprachlicher Entwicklung: Komm. über körperl. Berührung
o Stillen, Tragen, etc
- Emotionale Bindg. zw. Säugling u Umwelt kann durch frühen Kontakt gefördert
werden Æ Neugeborene, die in den ersten 45 Lebensminuten auf dem Bauch der
Mutter lagen, haben nach 12 Monaten mehr Blickkontakt und sind ausgeglichener als
solche, die in den Inkubator kamen
- Babies (zw. 7. und 9. Monat)
o suchen Nähe der prim. Bezugsperson
o zeigen Unwohlsein in Abwesenheit dieser
o freuen sich, wenn sie wieder kommt
- Objekt- und Personenpermanenz ab dem 7. Monat
- Î Aufbau innerer Repräsentanz (inneres Bild der Bezugsperson) ab dem 7. Monat
neurobiologisch möglich
- In den ersten 6 Wochen Æ keine Aufregung, bei Zusammensein mit fremder Person
- Ab 6. Woche Æ Unterschiedl. Reaktion auf bekannte u. unbekannte Personen;
Anzeigen von Unbehagen bei fremden Personen
- 8. - 24. Monat Æ Bindung verschafft Sicherheit; Bezugsperson wird sichere Basis;
Trennungsangst
- ab 24. Monat Æ Grössere Mobilität; Kind verbringt mehr oder weniger Zeit ohne
Bezugsperson

Die Bindungstheorie
- Grundannahme: Sicherheit bzw. Unsicherheit von Bindungen sind ein wesentlicher
Aspekt zwischenmenschlicher Beziehungen
o Æ Standardisierte Untersuchungsverfahren („Fremde Situation“)
- 4 Bindungstypen:
o Typ A: unsicher/vermeidend (zweithäufigst) (äusserlich cool; innerlich unter
Stress) und: sehr häufig in Norddeutschland (häufiger als sonst) weil Mütter
Kinder sehr schnell zur Eigenständigkeit erziehen wollen
o Typ B: sicher gebunden (am häufigsten) (normales Verhalten)
o Typ C: unsicher/ambivalent (schon mit Mutter ängstlich)
o Typ D: desorganisiert/desorientiert (unvorhersehbares, kippendes,
widersprüchliches Verhalten); sehr häufig bei missbrauchten Kindern (bis zu
80%)
- Unsichere Bindungen häufig bei Schwierigkeiten in der Familie wie z.B. Missbrauch
oder Depression (z.B. der Mutter)
- Typ A und D reagiert mit erhöhter Herzfrequenz und erhöhten Cortisolwerten im
Speichel Æ Stress
- unsicheres Bindungsverhalten Æ grössere Stress-Vulnerabilität Æ negative Folgen für
emotionale/soziale Entwicklungen und Prädisposition für psychosomatische
Erkrankungen
- 3 Fälle:
o Herr A:
ƒ Depressive Mutter mit Beziehungsabbrüchen
ƒ Internes Arbeitsmodell: „Alleinsein ist eine Katastrophe, Abwendung
ist Aggression“
ƒ unsicher – ambivalente Bindung bis heute (z.B. in Partnerschaft)
o Herr B:
ƒ psych. Missbrauch (Schläge) und starke, entwertende Kritik durch
Vater
ƒ Internes Arbeitsmodell: „Ich kann niemandem trauen, alle sind gegen
mich“
ƒ unsicher-vermeidende Bindung; keine Partnerschaft
o Frau C:
ƒ Mit 6 Monaten in ein Heim gebracht, dort nach eigenem Erleben gute
Beziehungen („alle mochten mich“)
ƒ Internes Arbeitsmodell: „In Krisensituationen bricht die soziale Welt
zusammen“
ƒ desorganisierte-desorganisierte Bindungsverhalten in Krise z.B. nach
Lungentransplantation starke psychosomatische Beschwerden; sonst
psychosozial intaktes Leben