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Entwicklungspsychologie

Paar und Familienbeziehungen


Frau und Mann
Soziale Kompetenz und soziale Unterstützung

Weiterführende Literatur
Allg. Literatur von Jürg Willi (z.B. „Was hält Paare zusammen?“ oder „Die
Zweierbeziehung“)

Prüfungsrelevanter Stoff
Lehrbuch Kap.: 6.5; 6.6; 8.9; 8.10; 8.11

Paar- und Familienbindungen


Immer mehr Menschen kommen vom klassischen Weg (heiraten und Kinder) ab.
Es gibt immer mehr geschiedene oder im Konkubinat lebende Personen.
Erst in den letzten Jahren wurde auch das Thema Liebe überhaupt ein Thema im Bereich
Paarbeziehungen.

Interview mit Jürg Willi


Es wird immer später geheiratet. Vor ca. 30 Jahren galt die Ehe als Auslaufsmodell. Heute ist
es nicht unbedingt nötig zu heiraten, da auch Konkubinate gesellschaftlich anerkannt sind.
Die Ehe spielt erst dann eine Rolle, wenn es mehr als zwei Personen betrifft (z.B. im Fall von
Kindern). Auch bedeutet eine Ehe eine viel stärkere Verpflichtung gegenüber dem Partner,
wovon viele eine riesige Angst haben und sich davor drücken möchten. Das Problem ist
hauptsächlich das Festlegen mit ewigen Gelübden.
Auch die Erwartungen, mit der die Leute in die Ehe gehen, haben sich geändert.
Früher waren die Erwartungen eher in Richtung „für einander sorgen“ sowie ökonomische
Prinzipien ausgelegt. Heute wird die Liebe immer mehr zum zentralen Faktor, da
grundsätzlich beide Partner jeweils für sich eigenständig und deshalb nicht auf den anderen
angewiesen sind. Ein weiteres Hauptargument ist, jemanden zu haben, bei dem man einfach
sich selbst sein kann und so akzeptiert werden kann. Ausserdem gibt es das Bedürfnis nach
Dialog um akzeptiert sowie kritisiert und gefordert zu werden. Beziehungen scheitern häufig,
wenn die Gespräche nicht funktionieren.
Das Zusammenleben über lange Zeit ist etwas sehr anspruchsvolles. V.A. durch die
Familiengründung wird eine eigene Welt (im inneren wie im materiellen Sinne) aufgebaut,
wodurch die Beziehung gestützt und gehalten wird. Diese gemeinsame Welt ist viel wichtiger
für die Beziehungsstabilität als die reine „ich-du-Beziehung“.

Bei Ärzten ist es auffälligerweise so, dass die Männer sehr oft verheiratet sind (allerdings
nicht mit Ärztinnen) und die Frauen immer häufiger ledig bleiben (weil sie keinen Partner
finden). Häufig sind Ärzte mit Krankenschwestern oder Laborantinnen, etc. verheiratet.
Auch war es früher meist so, dass Hausärzte, die mit Ärztinnen verheiratet waren,
grundsätzlich der Chef (im Haus wie in der Praxis) waren und mit dem Argument der
Überlastung die infrastrukturellen Aspekte an die Frau delegierten Æ Frau als
Dienstleistungsperson. Nach der Emanzipation, wollten die Frauen nicht mehr
Dienstleisterinnen sein, so dass sich die Ärzte dann Angestellte (Schwestern, etc) als
Lebenspartnerinnen suchten.

Ärztinnen haben auch Angst, die berufliche Belastung könnte die Beziehung gefährden,
weshalb sie oftmals Ärzte als Partner wählen, weil er sie versteht. Da es heute eher geregelte
Arbeitszeiten gibt, ist dieses Problem aber kleiner geworden.
Probleme treten aber grundsätzlich immer dann auf, wenn es zu grosse Unterschiede im
sozialen, resp. im intellektuellen Bereich gibt.

Ein grosses Problem ist z.B. auch die Kollusion.


Damit gemeint ist das Zusammenspiel von zwei Partnern auf der Basis gemeinsamer
unbewusster Ängste und Wünsche, deren Realisierung unrealistisch ist.

Grundhypothesen des Kollusionskonzeptes


- Bei der Partnerwahl spielen unbewusste Motive eine entscheidende Rolle
- Die Dynamik wird wesentlich durch unbewusste gemeinsame Phantasien und Ängste
bestimm
- Die Verhaltensweisen der Partner sind interdependent
- Das Verhalten kann Abwehrcharakter haben

Ergebnisse der neueren Familienforschung


- Traditionelle Familien werden seltener
- Mehr Wahlmöglichkeiten
- Patchworksystem, Mehrelternfamilien („Bastelbiographie“)
- Das Konflikt und Ressourcenpotential einer Familie muss in jedem Fall gänzlich neu
bestimmt und berücksichtigt werden

In der hausärztlichen Praxis


- Vermeiden wertender Äusserungen
- Keine Richterrolle
- Paar- und Familiengespräche anbieten
- Suche nach ungenutzten Ressourcen
- keine vorschnellen Empfehlungen
- Motivierung und Überweisung zur Paar-/Familienberatung bzw. -therapie

Mann und Frau


- Biologische Aspekte
o Chromosomen (Determination)
o Erkrankungen der Geschlechtsorgane
o Hormone und Verhalten
- Geschlechtsidentität
o Biologisches Geschlecht vs. psychologisches Geschlecht (Transsexualität: 2/3
Männer; 1/3 Frauen. Aber: Frau zu Mann umwandeln sehr viel einfacher als
Mann zu Frau, wegen Anpassung des Körperbaus)
- Geschlechterstereotypen und Geschlechterrollen
o Typische Eigenschaften von Erwartungen an Mann / Frau
- Feminisierung der Medizin
o Auszug der Männer aus der Medizin
o Konsequenzen für die Fachdisziplin, die Gesundheitspolitik und Ökonomie

Geschlechtsstereotypen (Charakterzüge) werden in Kindheit erworben und sind stabil.


Geschlechterrollen werden ausgearbeitet und sind sozialen Schwankungen unterworfen.