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Psychosoziale Medizin

Kapitel 8

Entwicklungspsychologie

Befasst sich mit der Entwicklung der Persönlichkeit, ein lebenslanger Entwicklungsprozess.
Die Entw. Verläuft nicht linear, sondern in Phasen, wobei die Phasenübergänge psychosoziale
Krisenzeiten sind, die Anpassungsleistungen verlangen.

Die Interaktionen zwischen individuellen Anlagen und sozialer Umgebung bestimmen,


welche Verhaltens- und Handlungsmotive geweckt werden und welches Verhalten (handeln)
manifest wird.

Vererbung, Reifung und Lernprozesse, aber auch soziale Normen, familiäre und soziale
Bezugssysteme sowie der historische Kontext beeinflussen unsere Entwicklung.

• Vererbung: Man unterscheidet strukturell-genetische Merkmale, welche die Art eines


Lebewesens bestimmen und die individuell-genetischen Merkmale, welche die
individuelle Ausprägung von Körpergestalt, Vitalität und Sensibilität steuern.
• Reifung und Alterung: Reifung manifestiert sich am deutlichsten im körperlichen
Wachstum und in der motorischen Entwicklung. Von Reifung spricht man, wenn
spezifische organische Veränderungen spezifische Fähigkeiten möglich machen, ohne,
dass zuvor Lernvorgänge stattgefunden haben.
• Lernen: umschreibt eine eigene Aktivität als Reaktion auf eine Umweltsituation. Die
Zahl der Neuronen ist bei Geburt festgelegt und ändert sich nicht mehr. Änderungen
im Gehirn finden zum grossen Teil als Folge von Lernprozessen statt. Das bedeutet,
dass sich eine stimulierende Umwelt positiv auf die Ausdifferenzierung vorhandener
Anlagen auswirkt.
• Biologisches und soziales Geschlecht (Sex & Gender): Was heisst es in unserer Zeit
eine Frau oder ein Mann zu sein.
• Soziale Normen: Rechte, Pflichten und Sanktionen sind unterschiedlich über die
Altersgruppe verteilt. Obligatorische Rollenverpflichtungen vs. fakultative
Rollenerwartungen
• Familiäre und soziale Bezugssysteme: hier haben die Berufs- und Partnerwahl für
den jungen Erwachsenen die nachhaltigsten Konsequenzen für seinen weiteren
Lebenslauf.
• Determinanten der historischen Zeit: politische Neuordnung Europas und
Globalisierung der Wirtschaft. Enormer Wissenszuwachs und rascher
Informationsaustausch. Reizüberflutung.

Entwicklungspsychologische Theorien
Vier theoretische Grundmodelle der Entwicklung:
• Endogenistische Theorien: Entwicklung wird vorwiegend als Reifungsgeschehen
betrachtet. In der Genstruktur, Umwelt passiv, Individuum passiv
• Exogenistische Theorien: Kind Ist Spielball und Rezeptionsorgan einer aktiven
Umwelt. Umwelt aktiv, Individuum passiv
• Früh-konstruktivistische Theorien: Selbstkonstruktion. Impulse gehen vom
Menschen selbst aus. Umwelt passiv, Individuum aktiv.
• Interaktionistische Theorien: Entwicklung wird sow. Durch ein aktives,
selbstmotiviertes Individuum als auch von einer aktiven, fordernden und erfüllenden
Umwelt bestimmt. Umwelt und Individuum aktiv.

Vier Betrachtungsebenen des Entwicklungsprozesses:


• Physikalisch-chemische Ebene: Gegenstand d. molekularbiologischen
Entwicklungsforschung.
• Die Betrachtungsebene der Körperfunktionen: Entwicklung v. Organsystemen und
Strukturformationen.
• Verhaltensebene: Entwicklung d. Sozialverhaltens und der Eltern-Kind-Interaktion.
• Die Intrapsychische Ebene: Organisation v. Triebimpulsen, v. kognitivem Verhalten
und Gewissensbildung, Selbst- und Objektrepräsentanzen.

Es gibt genetische Faktoren, soziokulturelle Faktoren und innerseelische dynamische


Faktoren, die in den Entwicklungsprozess eingreifen können.

Schwangerschaft und Geburt


Schwangerschaft als Reifungskrise

Psychologische Aspekte: Der Wunsch einer Frau, sich mit der eigene Mutter zu identifizieren
und von Seiten des Paares die Vorstellung, versch. Narzisstische Bedürfnisse durch ein Kind
zu befriedigen.
Viele Frauen haben plötzlich Angst, die Chance für eigene Kinder zu verpassen
Unbewusste Erwartungen nach einem perfekten Kind.
Arzte habe hier die Aufgabe, das Paar in der Kinderwunschphase zu beraten, damit nicht
schon in dieser Phase unrealistische Erwartungen oder Ängste entstehen. Vereinbarkeit von
Beruf und Familie.

1.Phase
Die Gewissheit einer Schwangerschaft löst bei einem Paar sowohl euphorische als auch
angstvolle Gefühle aus. Die Phantasien kreisen um die Erinnerungen an eigene
Kindheitserlebnisse und die Wunschvorstellungen, für das Kind ideale Eltern sein zu wollen.
Die werdende Mutter muss lernen, das Kind als einen guten Teil ihrer selbst anzunehmen.
2.Phase
Die Eltern beginnen, den Fötus als ein Wesen wahrzunehmen, das letztlich von der Mutter
getrennt existieren wird. (16.-20. Wo).
3.Phase
Kind mit zunehmendem Masse als eigenes Wese anerkannt. Nestbautrieb. Werdende Eltern
müssen sich über ihre zukünftige Rollenverteilung verständigen. Zyklen und Muster der
fötalen Bewegungen und Aktivitätsgrade: frühe Form v. Interaktion.

Beobachtung d. Schwangerschaftsverlaufs beeinflussen die psychische Anpassung an das


Kind. Mittelung einer Fehlbildungsdiagnose
Vater während d. Schwangerschaft: Gefühle d. Ausgeschlossenseins, Neidgefühle weil Frau
mehr im Mittelpunkt. Mütter und Väter entwickeln gewisses Konkurrenzverhalten.
Identifikation mit Frau und Annäherung an den gleichgeschlechtlichen Elternteil.

Sexualverhalten: Abnahmen der sex. Zufriedenheit hängt von der Qualität der Paarbeziehung
vor Eintreten der Schwangerschaft ab. Nicht selten nehmen spätere Paarkonflikte ihren
Anfang in den ersten Jahren nach der Geburt eines Kindes.

Die Integration des ganzen Gebärteams, d.h. die Zusammenarbeit v. werdenden Eltern,
Hebammen und Ärztinnen, bezeichnet man als beziehungsorientierte Geburt.

Ärztinnen haben in der Beratung werdender Eltern und der Geburtsleitung sowohl eine
supportive als auch eine präventive Aufgabe.

Die fünf Sinne des Neugeborenen


1. Sehen: Die visuellen Reize, auf die das Neugeborene am stärksten anspricht, sind
offenbar die glänzenden Augen, der Mund sowie die Umrisse des Gesichts.
2. Hören: Vorliebe für die weibl. Stimme. Die vom Säugling wahrgenommenen
Geräusche wirken sich auch auf seine Motorik und vegetative Reagibilität aus.
Bindungsprozess nach der Geburt ebenso wichtig wie das erste Anlegen an die Brust.
3. Geruchssinn: Sie differenzieren zwischen ansprechenden und nicht ansprechenden
Gerüchen. Im Alter von 2-3 Woche beginnen Babys in der Regel, sobald sie im Arm
der Mutter liegen, eifrig nach der Brust zu suchen.
4. Geschmackssinn: Neugeborene sind in der Lage, sehr feine geschmackliche
Unterschiede wahrzunehmen. Brustmilch weckt im Kind bestimmte Erwartungen
bezüglich Interaktion mit der Pflegeperson.
5. Berührungssinn: Langsames Streicheln oder Tätscheln wirkt beruhigend auf das
Kind, schnelle Bewegungen werden als anregender Reiz wahrgenommen.

Verhaltenszustände
Es werden fünf Verhaltenszustände unterschieden:
• Tiefschlaf: keine Augenbewegung, regelmässige Atmung, spärliche Bewegungen,
hoher Muskeltonus
• REM-Schlaf: REM und Gesichtsbewegungen, unregelmässige Atmung, häufigere
Bewegung, tiefer Muskeltonus
• Wachzustand A: geöffnete Augen, regelm. Atmung, fehlende Bewegung, hohe
Aufmerksamkeit
• Wachzustand B: geöffnete Augen, regelm. Atmung, häufigere Bewegungen der
Extremitäten, deutlicher Muskeltonus
• Weinen und Schreien: Augen offen oder Geschlossen, unregelmässige Atmung,
unregelmässige Bewegungen, hoher Muskeltonus, Aufmerksamkeit herabgesetzt bis
fehlend.

Wechsel zw. Den vereinzelten Verhaltenszuständen unregelmässig, es bildet sich zunehmend


ein Rhythmus im Wechsel der Verhaltenszust. Aus.

Motorische Entwicklung
Die mot. Entwicklung ist im Wesentlichen ein Reifungsprozess, der nicht gross beschleunigt
werden kann. Ist eine mot. Funktion herangereift, ist ihre weitere Differenzierung jedoch
abhängig von den Möglichkeiten, sie anzuwenden.
Sprachentwicklung

In der Entwicklung der Sprache lassen sich folgende Schritte erkennen:


• Gurren
• Lautbildung 2.-4. mnt
• Lallen 6.-9. mnt Erste Wörter10.-14. mnt. Mit 18 mnt 5o-wörter-marke
• Satzproduktion, ab 18mnt, erst Zweiwortsätze. Eigenen Vornamen gebrauchen, das
steht im Zusammenhang mit der Ich-Entwicklung
• Fragealter: 3. &4. LJ: begreifen durch Begreifen. Was ist das? Warum? Zweck von
Dingen und Handlungen
• Grammatisierung der Sprache: 4.LJ., längere und vollständige syntaktische
Satzgebilde. Analogiebildung und Erfassen von Bedeutungen

Das Kind eignet sich die Sprache durch Regelbildung und nicht durch Nachahmung an.

Der Mensch hat zwei Sprachzentren:


• Sensorisches (Wernicke’sches) Sprachzentrum: Sprachverständnis
• Motorisches (Broca’sches) Sprachzentrum: Produktion d. Sprache
Bei rechtshändigen Menschen liegen die Sprachzentren in der Linken, bei Linkshändern in
der rechten Hirnhälfte
Neben den Sprachzentren ist ein funktionierendes Hörorgan Voraussetzung für weitere
Sprachentwicklung.
Bis zum Ende d. 1.LJ bleibt das phonetische Fenster für Mehrsprachigkeit offen. Die Pubertät
stellt einen eigentlichen Wendepunkt i der Sprachentwicklung dar.
Sprache im engeren Sinn tritt beim Kind erst im 2LJ. auf, vorher v.a. nonverbale
Kommunikation.

Geistige Entwicklung – Sprachverständnis – sprachlicher Ausdruck


Ein Kind versteht in jedem Alter mehr als es sprachlich auszudrücken vermag.

Sprache hat Objektivierungsstufen: siehe Buch Seite 156

Spielentwicklung und Spielverhalten

Mädchen und Jungen unterscheiden sich in ihrem Spielverhalten in den ersten Lebensjahren
kaum. Erst im Kindergartenalter bilden sich zunehmend, wahrscheinlich
sozialisationsbedingt, Unterschiede heraus.

Formen des Spiels und ihre Reihenfolge in der Entwicklung:


• Sensumotorisches Spiel: Im ersten und zweiten LJ. Die Bewegungen richten sich
zunächst auf eigene Körperteile und später auf Gegenstände wie Rasseln etc.
• Informationsspiel: ab ca. 12mnt, herausfinden, wie Gegenstände beschaffen sind
oder wie sie von innen aussehe
• Konstruktionsspiel: ab ca. 18 mnt, Konstruieren, Werkzeuge und Rohmaterial
• Sequentielles und Symbolspiel: ab ca. 3J, essen am Familientisch, dessen
Weiterentwicklung ist das Symbolspiel, Rollenspiel, Superman etc.
• Rollenspiel: ab ca. 4J, höhere soziale und kognitive Kompetenzen
• Regelspiel: ab ca. 4J, festgelegte Regeln, deren Einhaltung unabdingbar ist
Das Kind hat von Geburt bis ins Schulalter ein elementares Bedürfnis zu spielen. Das Spiel
dient seiner emotionalen, geistigen und sozialen Entwicklung.

Die Bedeutung des Temperaments für die Entwicklung des Kindes

Der Begriff Temperament beschreibt die individuelle, lebenslänglich vorhandene Disposition,


wie eine Person auf bestimmte Situationen reagiert. Ihm wird für as Verständnis der kindl.
Entwicklung eine wichtige Bedeutung zugemessen.
Thomas & Chess haben 9 Temperamentsdimensionen erstellt, die sich dazu eignen,
Unterschiede im Verhaltensstil von Kindern zu beschreiben:
1. Aktivität: aktiv oder passiv? Niveau, Tempo, Häufigkeit der Motorik
2. Regelmässigkeit: des Auftretens grundlegender biologischer Funktionen
3. Annäherung-Rückzug: erste Reaktionen des Kindes auf Neues, Unvertrautes
4. Anpassungsvermögen: Leichtigkeit, wie schwer fällt xyz
5. Sensorische Reizschwelle: wie stark muss ein Reiz sein, um wahrnehmbare Reaktion
hervorzurufen?
6. Stimmungslage: Anz. pos. Reaktionen verglichen mit Anz. neg. Reaktionen
7. Intensität: Energie und Heftigkeit einer Reaktion
8. Ablenkbarkeit: durch äussere Reize
9. Ausdauer: trotz vorhandener Hindernisse

Erfassen dieser Dimensionen in einer 3-Punkte-Skala (auch nach Thomas & Chess):

• Einfache, flexible, ausgeglichene Kinder („easy going“, ca. 40%): hohes Mass an
Anpassungsfähigkeit, man sollte sich Zeit für sie nehmen und auf sie zugehen
• Ängstliche, scheue, vorsichtige Kinder („slow to warm up“, ca. 15%): langsame
Adaptionsfähigkeit, brauen viel Zeit, brauchen Ermutigung und Unterstützung von der
Erziehungsperson.
• Komplizierte Kinder („difficult“, ca. 10%): sind eher aktiv, sensorisch empfindlich,
Reaktionsweise sehr intensiv, stimmungslabil. Flexibler Erziehungsstil ist hier sehr
hilfreich,
• Die restlichen 35% sind Mischtypen, nicht eindeutig einteilbar.

Die Temperamentskonstellationen beschreiben nur Variationen innerhalb normaler Grenzen.


Übereinstimmung von Temperament und Erziehungsstil/Umwelt: goodness of fit

Die Ich-Entwicklung

Phasen der Ich-Entwicklung laufen teilweise nacheinander, teilweise parallel.

• Autistische Phase (0-2 mnt): das Kind kann noch nicht zwischen sich selbst und der
Umwelt unterscheiden, alle Wahrnehmungen sind Teil seiner selbst.
• Symbiotische Phase (ab dem 2. mnt): Unterscheidung zwischen innen und aussen
ist noch wenig ausgebildet. Entwicklung des Urvertrauens: Gewissheit, dass das
elementare Bedürfnis nach Liebe und Geborgenheit befriedigt wird.
• Phase der Differenzierung (ab 6. mnt): Kind erlebt den eigenen Körper als getrennt
von seiner Mutter. Die Beziehung zur Hauptbezugsperson weist schon gegen Ende des
1.LJ erste Anzeichen jeder libidinösen Beziehung auf:
• Eifersucht
• Wunsch nach Alleinbesitz, Zärtlichkeit und körperlicher Nähe
• Wunsch nach Beachtung und Anerkennung
• Trennungsschmerz und Trennungsangst: Übergangsobjekte

Trotzreaktionen, ca. im 2LJ: Das Trotzen ist in der Ich-E. ein wichtiger Meilenstein. Das
Kind erfährt seine Ich-Grenzen vorwiegend in der Auseinandersetzung mit den von den Eltern
aufgestellten Grenzen. Nebenbei kommt es parallel zum Erlernen des Laufens zu einem
Autonomieschub, eine neue Art von Omnipotenz-Gefühl. Autonomiebestrebungen und
aufkommende Trennungs- und Verlassenheitsängste gehören zum kindlichen Alltag.
Zeit der Wiederannäherung.
Bindungsverhalten: Kinder, die ihre Umwelt als Geborgenheit und Sicherheit gebend
erfahren, zeigen ein aktives Explorationsverhalten. Kinder, die ihre Umwelt als unsicher und
wenig Halt gebend erlebten, verhielten sich eher ängstlich, abwartend und passiv.
Bindungs- und Explorationsverhalten stehen im Zusammenhang mit der Art, wie die Umwelt
erfahren wird, sie beeinflussen längerfristig die Entwicklung des Selbstwertgefühls und der
Identität.
Phasen der ersten Verständigung (mit ca. 3J): Die Verlässlichkeit des Kommens und
Gehens von Bezugspersonen ist eine wichtige Voraussetzung für die weitere Stabilisierung
des Urvertrauens. Ende des 3.Lj ist ein guter Zeitpunkt für Spielgruppe.

Sexualentwicklung
Kindliche Sexualität oder sexuelle Empfindungen manifestieren sich nicht nur im
Genitalbereich, sondern auch in der Oralzone und im Afterbereich. Man unterscheidet
folgende Phasen:
• Orale Phase: Mundzone ist Quelle primär lustvoller Befriedigung, v. a. 1LJ.
Verknüpfung von oraler Befriedigung mit der Sicherung des Bedürfnisses nach Liebe
und Geborgenheit bildet den Grundstein für die Entwicklung des Urvertrauens.
• Anale Phase: Kind interessiert sich für seine Ausscheidungsorgane und Exkremente,
2.-3. LJ. Reinlichkeitserziehung der Eltern. Kind lernt den Eltern zuliebe den
Triebverzicht.
• Phallische Phase: Kind nimmt sein Geschlecht zur Kenntnis, 3.-6. LJ. Das
Masturbieren und das Zur-Schau-Stellen der Geschlechtsorgane sind natürliche
Vorgänge im Explorationsprozess des eigenen Körpers. Gewissheit über die eigene
Ganzheit und die Merkmale des anderen Geschlechts verschaffen.
Ödipuskonflikt: erotisch geprägte Bindung and den gegengeschlechtlichen Elternteil
und Rivalität gegenüber dem gleichgeschlechtlichen.
Während dieser Entwicklungsphase finden auch die ersten Identifikationsprozesse statt
• Latenzphase: Stadium der Beruhigung, eine günstige Zeit für die Fortsetzung der
Sexualaufklärung.
Schlafverhalten
Schlaf-Wach-Zyklen, zirkadiane Rhythmen und Schlafdauer verändern sich kontinuierlich
von der Geburt bis ins hohe Alter. Der Schlafbedarf eines jeden Kindes ist konstitutionell
vorgegeben und kann bei gleichaltrigen Kindern sehr unterschiedlich sein.

Pavor nocturnus: Episoden von nächtlichem Angstschrecken. Tritt 1-3 Stunden nach dem
Einschlafen auf. Wenn angesprochen, keine oder wirre Antworten, stösst Eltern eher weg. Es
ist normal und keine Verhaltensauffälligkeit.
Angstträume: vorwiegend in der zweiten Hälfte der Nacht. Eltern können mit dem Kind
sprechen, evtl. auch über den Inhalt des Traumes. Keine Verhaltensauffälligkeit.

Risikofaktoren für die Entwicklung


Faktoren, welche die Entwicklung des Kindes und seine Anpassungsfähigkeit an die Umwelt
beeinträchtigen können. Biologische und psychosoziale Risikofaktoren.
Nicht die Struktur der Familie, sondern die emotionalen Beziehungen und die emotionale
Atmosphäre für den Verlauf der Entwicklung entscheidend sind.
Kindheitsbelastungen beeinflussen die Gesundheit Erwachsener, auch Jahrzehnte später.

Protektive Faktoren im Entwicklungsprozess


Individuelle, familiäre und soziale Faktoren werden unterschieden. Protektive Faktoren
schützen ein Individuum vor einer ungünstigen Entwicklung, auch wenn es
Risikobedingungen ausgesetzt ist.

Resilienz und Vulnerabilität, Abwehrmechanismen


Resilienz beschreibt die Fähigkeit einer biopsychosozialen Anpassung eines Individuums an
widrige Lebensumstände oder Ereignisse.
Unter Vulnerabilität wird eine erhöhte physische und psychische Verletzlichkeit bzw.
Labilität eines Individuums verstanden.
Abwehrmechanismen sind die Fähigkeit des Ichs, peinliche oder unerträgliche
Vorstellungen und Affekte zu verdrängen, um damit das Ich vor den Triebansprüchen des
Unterbewussten zu schützen.

Kindergarten- und Schulalter


Kriterien für die Einschulung:
• Körperlicher Bereich: (fein-)motorische Reife
• Kognitiver Bereich: Ausdrucksfähigkeit, Nacherzählen eines Erlebnisses,
Konzentration, Ausdauer, Gedächtnis: 3Aufträge ausführen
• Emotionaler Bereich: Leistungsmotivation, Triebaufschub, Triebverzicht,
Verarbeitung von Erfolg und Misserfolg etc.
• Sozialer Bereich: Verständnis Einzelunterricht Gruppenunterricht, gesunder
Egoismus, Gefühl der Verantwortung für sich selbst und für die Gemeinschaft.
Entwicklung der vorfigurativen Phase der Kindermalerei 2.- 4-LJ.
• Kritzelknäuel
• Spirale
• Kreis
• Differenzierung in der vorfigurativen Phase: Mittelpunkt, Achse, Kreuz, Kreis mit
Strichen nach aussen, Raumbilder
• Kasten und Rechteck

Abgrenzung: Kritzelknäuel, Spirale, Kreis


Innenwelterfahrung: Zentrum, Achse, Kreuz, Pulspunkte
Expansionserfahrung: Raumbilder
Konstruktionsphase: Kasten

Figurativer bildlicher Ausdruck:


Darstellung von wichtigen Teilaspekten: Kopffüssler
Das Kind zeichnet und malt was es weiss, nicht was es sieht.
Grössenverhältnisse sind verschoben.
Nacheinander verlaufende Ereignisse können nebeneinander dargestellt werden.
Zentralisation, wichtiges in die Mitte, Rest als Deko.
Farbgebung ist nicht an der Wirklichkeit orientiert
Hauptmotiv ist das Haus
In der Zeichnung verwendet das Kind auch symbolische Elemente, um Bedürfnisse bzw.
Wünsche, Ängste oder Konflikte zum Ausdruck zu bringen.

Jugendalter

Ejakularche: erster Samenerguss.


Im Alter von 10-14 Jahren verzeichnet das Gehirn eine Gewichtszunahme von ca. 220g.
Die Vorverlegung der biol. Reifungsprozesse bezeichnet man als Akzeleration; Verkürzung
der Kindheit. Veränderungen des Weltbilds der Jugendlichen. Divergenz zwischen
körperlicher und seelisch-geistiger Entwicklung.
Allgemein lässt sich festhalten, dass sich Frühentwicklungen bei den Mädchen und
Spätentwicklungen bei den Jungen ungünstig auswirken.

Stimmungslabilität der Mädchen


Identitätssuche der weiblichen Jugendlichen. Geschlechtsrolle.
Die Prozesse körperlicher Reifung und psychosozialen Entwicklung beeinflussen sich
gegenseitig.

Triebschub und Identitätssuche bei männlichen Jugendlichen, Steigerung aller Triebregungen.

Entwicklungsaufgaben des Jugendalters:


• Akzeptieren der eigenen körperlichen Erscheinung
• Aneignen der weibl. Bzw. männl. Rolle
• Aufbau neuer und reiferer Beziehungen zu Altersgenossen
• Emotionale Ablösung von den Eltern
• Aufnahme intimer Beziehungen
• Vorbereitung auf die berufliche Laufbahn
• Übernahme der sozialen Rolle eines Erwachsenen
• Aufbau eines eigenen Wertsystems
• Entwicklung einer eigenen Identität: Wer bin ich? Woher komme ich? Wohin gehe
ich?
• Entwicklung einer Zukunftsperspektive

Selbstkonzept und Selbstwert


Werden häufig synonym verwendet. Der Begriff Selbstkonzept umfasst jedoch nur die
Beschreibung einer Person, wie sie sich selbst sieht. Der Begriff Selbstwert meint die
Bewertung der Selbstevaluation. Auf der Basis kognitiver Modelle lassen sich verschiedene
Konzeptualisierungen des Konstruktes Selbstkonzept unterscheiden. Hier zwei Modelle:

• Selbstkonzept nach Rosenberg: In drei Bereiche unterteilt:


• Das aktuelle Selbst
• Erwünschtes Selbst
• Darstellendes Selbst

• Selbstkonzept nach Shavelson: hierarchisches Modell


• Wahrgenommene Schulkompetenz
• Soziale Kompetenz
• Sportliche Kompetent
• Aussehen

Bei der Selbstbewertung spielt der soziale Vergleich eine wichtige Rolle

Identität
Identität entsteht aus zwei Komponenten: Die Person, für die man sich selbst hält, und die
Person, für die andere einen halten.

Bewältigungsprozesse und –strategien


Weibl. Jugendliche beschäftigen sich mehr mit ihren Problemen, suchen Aussprachen, Hilfe
etc. Sie sind eher kompromissbereit. Sie neigen dazu, sich emotional abzureagieren und ihrer
Verzweiflung Ausdruck zu verleihen. Sie resignieren schneller, ziehen sich zurück, weichen
aktiver Problembewältigung.
Männliche Jugendliche geben sich eher sorglos, überspielen die Probleme oder weichen durch
Flucht in Alkohol- oder Drogenkonsum aus.
Diese Geschlechtsunterschiede bleiben bis ins Erwachsenenalter bestehen.

Schutzfaktoren für die persönliche Entwicklung in der Adoleszenz:


• Stabile Beziehungen zu Bezugspersonen,
• Vorbilden von anderen Personen hinsichtlich Konfliktbewältigung,
• Strukturierende Intelligenz,
• Erleben von Selbstwirksamkeit, d.h., dass ich mit meiner Person, meinem Denken und
Handeln etwas bewirken oder beeinflussen kann,
• Fähigkeit, mit dosierter Verantwortung und Selbständigkeit umzugehen,
• Fähigkeit, Belastungen als Herausforderung und Entwicklungschance zu erleben,
• Selten Gefühle von Hilflosigkeit und Hoffnungslosigkeit,
• Aktives, flexibles, anpassungsfähiges Verhalten.

Problemverhalten und Symptombildung bei nicht gelungener Anpassung


20-30% der Jugendlichen gelangen in der Adoleszenz and Grenzen ihrer
Bewältigungsmöglichkeiten.
Problemverhalten: Verhalten, das eine Gefährdung für die eigene oder sie Entwicklung
anderer darstellt.
Internalisierendes Problemverhalten:
• Depressive Angst- und Essstörungen
• Einzelne Körperteile können als Missgestalt erlebt und abgelehnt werden
(Dysmorphophobie).
Externalisierendes Problemverhalten:
• Normbruch bis zur groben physischen Gewalt
• Antisoziales Verhalten
• Aggressives und delinquentes Verhalten
• Direkte und indirekte Aggression (soziale Manipulation)
• Mobbing
• Autoaggression, v.a. bei weibl. Jugendlichen
• Delinquentes V.: Antisoziales Verhalten, verstösst gegen Strafrecht
Aggressives Verhalten ist ein relativ stabiles Persönlichkeitsmerkmal

Risikoverhalten: Minderung der persönlichen Chancen für eine langfristig befriedigende


Entwicklung.

Risikofaktoren in der Kindheit für ein späteres antisoziales Verhalten können sein:
• Schwieriges Temperament
• Impulsivität
• Aufmerksamkeitsdefizite
• Hyperaktivität
• Aggressives Verhalten in der Schule
• Lernstörungen
• Soziale Isolation

Aggression und suizidale Handlungen, welche eine Art der Autoaggression darstellen, sind
beides Manifestationen einer geringen Impulskontrolle

Geschlechtstypische Unterschiede des Problemverhaltens:


Weibl. Jugendliche zeigen mehr internalisierende Probleme und Symptome
Junge Männer weisen mehr externalisierende Probleme und antisoziales Verhalten auf.

Jugendliche müssen eine rapide Änderung ihrer psychophysischen Disposition in einer


Zeitspanne bewältigen, in der von ihnen mit massivem Nachdruck soziale
Integrationsleistungen und ökonomisch relevante Qualifizierungsanforderungen verlangt
werden.
Entwicklung des Erwachsenen
Gestaltungsmöglichkeit im Privatbereich:
Wahlbiographie, die durch ein hohes Mass an Individualisierung gekennzeichnet ist

Frau und Mann

Biologische Geschlechtsterminanten
Kinefelter-Syndrom: 3Geschlechtschromosomen (XXY), phänotypisch männlich
Turner-Syndrom: XO-Konstellation, phänotypisch weiblich

Entspricht die anatomische Gestalt der Geschlechtsorgane nicht den Wünschen und
Vorstellungen, so kann dies zu schwerwiegenden Beeinträchtigungen des Selbstwertgefühls
führen.

Transsexualismus: Biologisches Geschlecht und psychologische Identität stimmen nicht


überein

Geschlechtsstereotype: beschreibt typische Eigensch. Sie werden schon in der frühen


Kindheit erworben und sind über die Zeit hinweg relativ stabil geblieben
Geschlechterrollen: Neben Beschreibungen auch normative Erwartungen und
Handlungsweisen. Im Unterschied zu Stereotypenbefinden sich die Geschlechterrollen
gegenwärtig in einem Wandel.

Determinanten für die Entwicklung der Geschlechtsrolleneinstellungen:


• Verhalten, Kognition und Einstellungen der Eltern
• Ausserfamiliäre Sozialisationserfahrungen
• Gesamtgesellschaftliche Einstellungsänderungen

Bei Männern finden sich traditionellere Einstellungen als bei Frauen.


Es zeigen sich vor allem noch Kohortenunterschiede (alt vs. Jung) und Unterschiede zwischen
Einkommens- und Bildungsgruppen.

Paarbeziehungen
Die Art der Verbindlichkeit (verheiratet – unverheiratet) und die räumliche Nähe und die
zeitliche Konstanz des gemeinsamen Lebens sind wichtige Rahmenbedingungen für die
Gestaltung, Entwicklung und Störanfälligkeit von Paarbeziehungen.

Eheliche Zweierbeziehungen zeigen gegenwärtig in psychosozialer Hinsicht folgende


Merkmale:
• Durchschnittsalter: Frauen 28, Männer 30.3
• Der Heirat geht meist eine Phase unverheirateten Zusammenlabens voraus
• Ca. jede dritte Ehe wird geschieden.
• Ungeschiedene Ehebeziehungen dauern länger als 40 Jahre
• Partnerschaft weniger fremdbestimmt als früher
• Ehebeziehungen sind heute mehr Partner- als Elternbeziehungen
• In der Ehe besteht ein grösserer Entscheidungsspielraum für beide Partner
Der Prozess der gesellschaftlichen Modernisierung führt zu einer Individualisierung (Verlust
von Halt & Sicherheit) und zur Auflösung stabiler sozialer Strukturen. Das macht die Ehe als
stabile, Halt gebende, verlässliche und länger andauernde Institution attraktiv.

Stabilisierende Faktoren für die Ehe:


Regelmässiger Austausch
Raum und Zeit für pers. Entwicklung
Zärtlichkeit
Befriedigende finanzielle und Wohnsituation

Störfaktoren für Paarbeziehung:


• Geburt oder Tod eines Kindes
• Unvorhergesehene Belastungen
• Biographische Veränderungen
• Beziehungskrisen

Paarkonflikte sind dadurch gekennzeichnet, dass die Beziehung nicht mehr flexibel und
adaptionsfähig ist.

Familienbeziehungen
Konsensualfamilie: Neue Familienformen: unverheiratet mit Kindern etc.

Die Familie ist das dramatische Zusammentreffen von Natur und Kultur.
Die Gründung einer Familie bedeutet heute das In-Kauf-Nehmen von Benachteiligungen im
beruflichen, finanziellen und Freizeitbereich.

Krise in der Lebensmitte: Wechseljahre


Die Krise kann allzu schnell und unkritische den Wechseljahren der Frau zugeschoben
werden. In dieser Phase werden die Geschlechtsstereotype reaktiviert.

Geschwisterbeziehungen sind ein wichtiges Umfeld für soziale Lernerfahrungen wie:


• Rücksichtnahme
• Zusammenspiel
• Abgeben und Teilen
• Zuhören und sich mitteilen
• Kontaktangebote machen und annehmen
• Eintreten für Schwächere

Trennung und Scheidung:


Frauen leiden stärken in den Monaten/Jahren vor der Scheidung, Männer stärker nachher.

Faktoren die auf die Auswirkung einer Scheidung auf die weitere Entwicklung des Kindes
eine Rolle spielen:
• Alter des Kindes
• Geschlecht des Kindes: höhere Symptombildung beim männl. Geschl. vor der Pubertät
• Temperament und Art des Copings
• Art der Elternorganisation, wichtig als Eltern noch gut zu kooperieren
• Geschwisterbeziehungen, emotionale Stabilität
• Dauer und Intensität der Krise vor und nach der Scheidung.

Eine Scheidung wirkt sich nicht per se ungünstig auf die Entwicklung von Kindern und
Jugendlichen aus, sondern die Bedingungen, die zu einer Scheidung führen, und die Art, wie
eine Scheidung vollzogen wird, sind entscheidend.

Beide Partner tragen die Verantwortung für das Gelingen oder Scheitern einer Beziehung.

Altern
Biologische Veränderungen, die dem Altern zugeschrieben werden, sind nicht krankhaft,
sondern natürlich. Diese Veränderungen erhöhen nicht die Mortalität.
Mit dem Alter nimmt die Krankheitsanfälligkeit zu.

Entwicklungslebenslänge (developmental longevity):


Von Geburt bis 40. Selektionsdruck. Genetisch programmiert
Postentwicklungslebenslänge (postdevelopmental longevity):
Ab 40 bis Tod. Geringer Selektionsdruck. Kaum genetisch programmiert.

Bis zum 40. Altersjahr, in welchem bei den meisten Menschen die Reproduktion
abgeschlossen ist, wird der Organismus wesentlich mehr durch genetische Steuerung
beeinflusst als in der zweiten Lebenshälfte.

Abnahme von: Wahrnehmung, Reaktionszeit, Gedächtnis, fluide Intelligenz.


Schon ab dem 40LJ nimmt das Leistungsvermögen der Sinnesorgane ab. Auge. Ohr.

Faktoren, welche eine gute Bewältigung des Alters begünstigen:


• Höhere Bildung
• Interessen, Hobbies
• Intakte psychische Grundfunktionen
• Körperliche Mobilität
• Materielle Sicherheit
• Familiäres und soziales Beziehungsnetz
• Aktiver Lebensstil in früheren Zeiten
• Fähigkeit, sich Sinnfragen zu stellen

Zu oft wird das Alter nur als Defizit-Phase dargestellt. Es bietet jedoch auch Möglichkeiten,
die in früheren Jahren nicht bestanden.

Tod und Sterben


Kriterien des klinischen Todes:
Der Mensch gilt als tot, sobald einer der folgenden Zustände eingetroffen ist:
• Irreversibler Herzstillstand, der die Blutzufuhr zum Hirn beendigt (Herztod)
• Pulslosigkeit
• Atemstillstand
• Tiefes Koma
• Beidseits auf Licht nicht reagierende Pupillen
• Fehlen der okulozephalen Reflexe
• Fehlen der Kornealreflexe
• Fehlen zerebraler Reaktionen auf schmerzhafte Reize
• Fehlen des Husten- und Schluckreflexes.
• Darf erst nach 30min rea festgestellt werden

• Vollständiger und irreversibler Funktionsausfall des Hirns einschliesslich des


Hirnstamms (Hirntod).
• Fehlen der Spontanatmung
• Bei Erwachsenen und Kindern über 5 eine Beobachtungszeit von 6
. Stunden
• Bei Kindern
• unter 5 eine Beobachtungszeit von 24 Stunden.

Sterben als psychologischer Vorgang: Thanatopsychologie

Phasen des Sterbens:


• Nicht-wahrhaben-wollen, Verleugnung
• Zorn, warum gerade ich?
• Verhandeln, unausweichliche Tatsache, Unabhängigkeit wichtig
• Depression, Beistand, Unterstützung
• Zustimmung , „ja“-sagen

Wovor haben Sterbende Angst:


• Vor Schmerzen und Leiden
• Im Stich gelassen zu werden
• Vor dem Alleinsein
• Vor negativen Erinnerungsbildern bei ihren Angehörigen

Different concept(ion) of time.

Protahierte Trauer / pathologische Trauer: unverarbeitete Trauer, auch noch Jahre nach
dem Tod.