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Klaus Kinski - Biographie 1926-1949

Ein kurzes Stimmungsbild des Jahres 1926: Mussolini weitet in Italien seine Kompetenzen aus, in
England erlebt man die erste Fernsehvorführung, in Berlin läuft Goldrausch mit Charlie Chaplin,
der Mainzer Bischof protestiert gegen den Fröhlichen Weinberg von Zuckmayer, der Paragraph 218
wird reformiert, im Deutschen Reich gilt eine einheitliche Strassenverkehrsordnung, in Weimar
findet der erste Parteitag der NSDAP statt, der Vesuv bricht aus und Kaiser Hirohito besteigt den
japanischen Thron. Rainer Maria Rilke stirbt, und geboren werden neben Klaus Kinski auch Valéry
Giscard d'Estaing, Hans-Jochen Vogel, Siegfried Lenz, Elisabeth II. von England und Marilyn
Monroe.

1926

Familie Nakszynski in Zoppot 1928 - in der Mitte der kleine Nikolaus Karl Günther

18. Oktober 1926: Nikolaus Karl Günther Nakszynski wird im Ostseebad Zoppot (heute Sopot) bei
Danzig als jüngster Sohn von Bruno Nakszynski geboren. Bruno ist ein armer Glatzkopf, der
gelegentlich als Apothekergehilfe arbeitet und den der kleine Nikolaus für einen polnischen
Opernsänger hält. Die Mutter, eine Pfarrerstochter, arbeitet nächtelang als Näherin, um die vier
Kinder durchzubringen: Inge, Arne, Hans-Joachim ("Achim") und Nikolaus. Einmal versetzt sie
ihre Schuhe, um Klaus zwei süsse Schnecken zu kaufen.
Angeblich lebt die Familie dann auch für einige Zeit in Warschau.

um 1931
Die Familie Nakszynski verlässt Zoppot und emigriert nach Deutschland. Nikolaus besucht seine
Heimatstadt bis zu seinem Tod nie wieder. Auch in seinen Büchern schenkt er Zoppot keine Zeile.
In Berlin wohnen die Nakzynskis zuerst in der Gegend des Schöneberger Bahnhofs.
Wegen Betteln und Stehlen wird Nikolaus in ein Erziehungsheim gesteckt und mag dort die
dargebotenen Speckschwarten gar nicht gern essen.
1936
Nikolaus besucht das humanistische Prinz-Heinrich-Gymnasium in Berlin-Schöneberg bis zur
Untersekunda, bevor er endgültig rausgeworfen wird, weil er sieben Monate lang geschwänzt hat.
Danach geht er noch eine Weile ans Bismarck-Gymnasium, bleibt aber insgesamt zweimal sitzen.
Sein Schulgeld verdient er sich selbst als Laufbursche, Schuhputzer, Strassenfeger und
Leichenwäscher.

1943
Frühling: Nikolaus Nakszynski wird als 16einhalbjähriger zum Kriegsdienst eingezogen und
kommt zuerst in ein Wehrertüchtigungslager der Hitlerjugend in den Niederlanden. Bei der
Wehrmacht trifft er seinen alten Freund Keule wieder.
Mit sechzehn Jahren muss ich zum Militär. Als Mit sechzehneinhalb muss ich zum Militär. Als
ich den Stellungsbefehl lese, weine ich. Nicht ich den Stellungsbefehl lese, weine ich. Ich will
weil ich feige bin, ich fürchte mich vor niemand. niemanden töten und auch nicht getötet werden.
Ich will nicht töten und getötet werden.
S-Bahnhof Westkreuz. Ich muss umsteigen, um
S-Bahnhof Westkreuz. Ich muss umsteigen, um zur Fallschirmjägerkaserne zu fahren. Ich mache
zur Fallschirmjägerkaserne zu fahren. Ich mache mich vom Mund meiner Mutter los und springe
mich vom Mund meiner Mutter los. Sie bleibt im auf den Bahnsteig. Sie bleibt im Abteil und fährt
Abteil, um bis nach Schöneberg weiterzufahren. bis Schöneberg weiter. Die automatischen Türen
Sie sieht mich durch die verdreckten schliessen sich. Sie sieht mich durch die
Fensterscheiben an. Ihre Augen werden mit dem verdreckten Scheiben an. Ihre Augen werden mit
S-Bahnzug aus dem Bahnhof gefahren. dem S-Bahnzug aus dem Bahnhof gefahren.

"Mutti!!!!!!!!" "Mutti!!!!!!"

Bei den Fallschirmjägern treffe ich einen anderen Bei der Einheit treffe ich einen anderen
Strassenjungen wieder. Strassenjungen wieder: Keule! Wir liegen uns in
den Armen. Wir nannten uns gegenseitig Keule.
"Keule!" Wir liegen uns lange in den Armen. Das heisst Bruder.
Keule heisst Bruder.

Sie drücken uns Waffen in die Hände und sagen:


"Töte den Feind."

1944
18. Oktober: Klaus Kinski wird 18 Jahre alt. Wenig später desertiert er von seiner Einheit (offenbar
die 15. Armee), wird wieder eingefangen und zum Tode verurteilt, kann jedoch noch vor seiner
Hinrichtung flüchten.
Heute ist mein Geburtstag. Die Tommies Oktober 1944. Die Tommies schlagen uns
schlagen uns zusammen. zusammen. Für Keule und mich ist das ganze
Herumgeballere wie Silvesterfeuerwerk, bei dem
Keule und ich schmeissen uns überhaupt nicht wir nie genug Frösche, Schwärmer und
hin, wenn wir die Granaten jaulen hören. Wir Kanonenschläge hatten. Wir werfen uns
spielen: Wer seine abgezogene Handgranate am überhaupt nicht hin, wenn wir die Granaten
längsten in der Hand behält, gewinnt. zwitschern hören, und spielen mit abgezogenen
Eierhandgranten Murmeln.
Manchmal hängen Jagdflugzeuge wie Raubvögel Als die Tommies endlich müde werden, finde ich
am Himmel. Dann hüpfen wir wie verrückt Keule nicht wieder. Ich habe niemand mehr, der
geworden rum und fuchteln mit den Armen, bis mit mir spielt, und ich habe mich verlaufen. Wie
sie uns sehen und im Sturzflug auf uns ein verlorenes Kind. Nicht wie früher im
herunterschiessen. Wir feixen, wenn sie uns Strandbad Wannsee, wenn ein Kind im Gewühl
verfehlen und machen ihnen eine Nase. Wir seinen Bruder verloren hatte. Das Kind wurde
haben keine Ahnung, was das alles soll. Für uns dann über den Lautsprecher ausgerufen, und man
ist das Geknalle wie Silvester, wo wir niemals konnte durchs Mikrofon sein Weinen hören.
genug Frösche und Kanonenschläge hatten. Nach einer Weile kam dann immer jemand und
nahm es in Empfang.
Jetzt ist Keule nicht mehr da, und ich habe
niemand mehr, der mit mir spielt. Ich habe mich Es müsste jetzt also jemand über Lautsprecher
verlaufen. Wie ein verlorenes Kind. Nicht wie rufen: "Sechzehnjähriger Junge, goldblonde
früher im Strandbad Wannsee, wenn ein Kind im Haare, veilchenblaue Augen, Mund wie eine
Gewühl seinen Bruder verloren hatte. Das Kind Hure, will zu Keule zurück. Hört mit dem
wurde dann über Lautsprecher ausgerufen, und Geknalle auf, bis er euch den Hintern zukehrt!"
man konnte durchs Mikrofon sein Weinen hören. Der Gedanke reizt mich zum Lachen. Aber hier
Nach einer Weile kam dann immer jemand und führt mich niemand zu Keule zurück.
nahm es in Empfang.
"Wer freiwillig mit auf Patrouille geht,
Es müsste jetzt also über Lautsprecher gerufen vortreten!"
werden: "Sechzehnjähriger Junge, goldblonde
Haare, riesige veilchenblaue Augen mit langen Ich gehe woanders hin. Leckt mich am Arsch.
dunkelbraunen Wimpern und einem grossen
roten Mund, will zu Keule zurück. Hört mit dem In den verlassenen Häusern, aus denen die
dämlichen Herumgeknalle auf!" Bewohner geflohen sind, finde ich alle
möglichen Zivilklamotten. Ich werfe die
Der Gedanke reizt mich zum Lachen. Aber hier Uniform in den Mülleimer und ziehe alles an.
führt mich niemand zu Keule zurück. Auch ein grün und weiss kariertes Kinderhemd
und ein paar viel zu grosse Frauenschlüpfer.
"Wer freiwillig mit auf Patrouille geht, Männerunterhosen finde ich nicht.
vortreten!"
Die Leute müssen von der Mahlzeit
Leckt mich am Arsch. aufgesprungen sein. Die Teller sind halb
abgegessen, die Gläser noch halb voll; alles ist
In den verlassenen Häusern, aus denen die mit Schimmel überzogen wie bei Dornröschen.
Bewohner geflohen sind, finde ich In den Speisekammern dasselbe Bild.
Zivilklamotten. Ich werfe meine Uniform in eine
Mülltonne und ziehe alles an, was ich finde. Ein Ich schlage mich querfeldein in die Richtung, aus
grün und weiss kariertes Kinderhemdchen und der die Granaten kommen, und lebe von
viel zu grosse Frauenschlüpfer. zermatschten Äpfeln. Überall Äpfel, die unter
den Bäumen im Wasser liegen. Die ganze
Die Leute müssen von der Mahlzeit Gegend ist überschwemmt mit Wasser und
aufgesprungen sein. Die Teller sind halb Äpfeln. Ich habe solchen Dünnschiss, dass ich
abgegessen, die Gläser noch halb voll. Alles ist nur noch in der Hocke esse.
mit Schimmel überzogen wie bei Dornröschen.
Ich laufe nachts. Am Tage kann ich mich nicht
Ich schlage mich querfeldein in die Richtung, aus mal zum Pinkeln aufrichten. Ich pisse im Liegen
der die Granaten kommen, und lebe von und friere mit der vollen Hose auf der Erde fest.
matschigen Äpfeln. Überall Äpfel, die unter den
Bäumen im Wasser liegen. Die ganze Gegend ist
überschwemmt mit Wasser und Äpfeln. Ich habe
solchen Dünnschiss, dass ich nur noch in der
Kack-Hocke fresse. Am Tag kann ich mich nicht
einmal zum Pissen aufrichten. Ich tue es im
Liegen und friere mit der vollgepissten Hose an
der Erde fest.

Das ist die sechste Nacht, in der ich mich von


Matschäpfeln ernähre - da steht im bunten Licht
von Leuchtkugeln auf einer überschwemmten
Wiese eine Kuh! Grasend auf einer Wiese!
Kadaver von Kühen oder Pferden, auch von
Schweinen, ja, wohin man sieht. Aber eine
lebende Kuh! Grasend auf einer Wiese! Das ist
absurd! Sie ist ganz bunt vom Licht. Immer mehr
Leuchtkugeln platzen hoch oben in der Luft und
schweben dann langsam zur Erde nieder, bevor
sie über dem Kopf der Kuh ins Nichts
zerschmelzen. Vielleicht tun sie das für
Weihnachten, kommt es mir in den Sinn. Es
muss jetzt ungefähr Weihnachten sein...
Vielleicht habe ich Halluzinationen von dem
Matschfrass und dem ewigen Gescheisse.

Ich muss versuchen, an die Kuh


heranzukommen. Dann werde ich mich auf sie
stürzen und ihr ein Stück Fleisch aus dem Leib
schneiden. Vielleicht muss ich sie gar nicht töten.
Sicher finde ich in einem verlassenen Haus
Streichhölzer, oder einen Gasanzünder. Dann
werde ich Feuer machen und mir das Stück
Rindfleisch braten. Vielleicht finde ich eine
Pfanne. Oder wenigstens einen Kochtopf.

Ich reisse meine festgefrorene Hose von der Erde


los. Da wird mir klar, dass ich gar keine Waffe
habe. Ich habe kein Gewehr, auch keine Pistole,
nicht einmal ein Messer, auch kein
Taschenmesser, nichts. Auch keine Schnur, um
sie zu erwürgen. Wie soll ich sie töten? Wie soll
ich sie schlachten? Ich kann versuchen, ihr die
Kehle durchzubeissen. Ja, das werde ich tun. Ich
werde mich an ihre Gurgel hängen. Ich habe
Flaschenkapseln mit den Zähnen aufgebissen.
Ihre Gurgel kann nicht härter sein als eine
Flaschenkapsel. Ich werde ihr nur ein Stückchen
Fleisch herausbeissen und sie dann laufenlassen.
Schlimmstenfalls fresse ich das Fleisch roh.

Um zu der Kuh hinzugelangen, muss ich über


eine Stacheldrahtumzäunung, wie sie auf
Wiesen, auf denen Kühe grasen, üblich sind. Ich
bin noch keine zehn Meter an die Kuh heran, als
sie sich mit einem Ruck umwendet und
davongaloppiert.

"Wir werden sehen, wer schneller rennen kann!"


schreie ich, als habe sie unsere Abmachung
gebrochen, sich bei lebendigem Leibe ein Stück
Fleisch herausbeissen zu lassen. Aber ich habe
mich getäuscht. Ich bin hier nicht in meinem
Asphaltdschungel, und ich habe auch keine
Tennisschuhe an, sondern viel zu grosse harte
und mit Wasser vollgesogene Soldatenstiefel.
Dennoch komme ich vor einer
Stacheldrahtumzäung so nah an sie heran, dass
ich ein Bein zu packen kriege. Ich grabe meine
Zähne in die weiche Innenseite ihres Schenkels,
da wo er in die Arschbacke übergeht. In diesem
Augenblick öffnet sich ihr After, und ein Strahl
grüner Scheisse platscht mir ins Gesicht. Noch
scheissend springt sie über den Stacheldraht. Sie
schafft den Sprung nicht ganz und reisst sich das
Euter ein. Aber das stört sie nicht. Sie stürmt von
Abgrenzung zu Abgrenzung. Nie schafft sie ganz
den Sprung über den Stacheldraht. Und wie ein
Ziegenböckchen schlägt sie, ala hätte sie den
Verstand verloren, mit zerfetztem Euter Haken in
der Luft - während ich, vollgeschissen und bis zu
den Waden im Morast versackt, bis auf die
Knochen nass und zähneklappernd sie verfluche
und mir selbst einen Platz zum Kacken suchen
muss.

Nach der Landung der Alliierten in der Normandie am 6. Juni 1944 waren sie bis zum 15.
September bereits bis zur deutschen und niederländischen Grenze vorgestossen. Die 1. kanadische
und die 2. britische Armee drangen, von Luftlandetruppen unterstützt, trotz schwieriger
Bodenverhältnisse (Überschwemmungen) unter schweren Kämpfen noch immer weiter nach
Norden vor. Im Oktober oder November 1944 wurde Nikolaus Nakszynski anscheinend von den
Kanadiern gefangen genommen und verbringt anschliessend erstmal 14 Wochen im Lazarett.
Insgesamt verbrachte er ein Jahr und vier Monate in britischer Gefangeschaft.
Da ich keinen Kompass habe, laufe ich im Kreis, Da ich keinen Kompass habe, laufe ich im Kreis.
direkt in die deutschen Linien. Sie fangen mich Ich werde wieder eingefangen und zum Tode
ein, und ich werde wegen Desertieren zum Tode verurteilt.
verurteilt. Das Erschiessungskommando wird
abkommandiert. Morgen, ganz früh, soll ich Der Herr Offizier will gar nicht wissen, dass ich
erschossen werden. mit seinem Scheissspiel nichts zu schaffen habe.
Das Erschiessungskommando und die Sanitäter
Der Soldat, der mich bewachen soll, ist geil nach sind eingeteilt. Morgen früh soll ich hingerichtet
mir. werden.

"Dir kann es ja wurscht sein", sagt er. Ich sage, Der Soldat, der mich bewachen muss, ist ein
es ist mir wurscht. Homo und unheilbar geil.
Als er sich die Hose runter lässt und mich in den "Dir kann es ja Wurscht sein", sagt er.
Hintern ficken will, versetze ich ihm eins über
den Schädel, um ihn zu betäuben. Es ist mir Wurscht. Ich lasse mich von ihm in
den Hintern ficken. Als er zum Orgasmus
Diesmal türme ich in die richtige Richtung. Im kommt, gebe ich ihm eins über den Schädel, um
Morgengrauen stosse ich auf die Patrouille, an ihn zu betäuben. Diesmal türme ich in die
der ich mich nicht beteiligen wollte. Die Kadaver richtige Richtung.
der Jungen sind eisenhart gefroren und verrenkt
wie Gliederpuppen. Im Mondschein stosse ich auf die Patrouille, an
der ich mich nicht beteiligen wollte. Die Kadaver
Trommelfeuer, die Tommies bereiten der armen Jungen sind eisenhart gefroren und
wahrscheinlich einen Angriff vor. Ich liege in verrenkt wie Gliederpuppen.
einer flachen Kuhle auf der einzigen
Zugangsstrasse, auf der sie angreifen können. Trommelfeuer. Die Tommies bereiten einen
Der Rest ringsherum ist unter Wasser. Angriff vor. Ich liege in einer flachen Kuhle auf
der einzigen Zugangsstrasse, auf der sie
"... Bss ... bss ... bss ..." Die angreifen können. Der Rest ist unter Wasser.
Maschinengewehrgarben fressen sich in
Zickzacklinien durch den Sand, der in winzigen "... Bss ... bss ... bss ..." Die
Fontänen aufspritzt. Maschinengewehrgarben fressen sich in
Zickzackschlangen durch den Sand, der in
Dichter Nebel. Man kann keine zehn Meter weit winzigen Fontänen aufspritzt. Die können mich
sehen. Ich muss endlich meine Knochen mal.
strecken. Rrrrrrrrrrrt ... Die Salve aus einer
Maschinenpistole. Fünf Kugeln treffen mich. Der Bodennebel. Man kann keine zehn Meter weit
Kerl, der vor mir steht, hat nur vor Schreck sehen. Ich muss endlich meine Knochen
geschossen, als ich plötzlich aus der Erde ausstrecken. Rrrrrrrrrrrt ... Die Salve aus einer
aufgetaucht bin. Jetzt sind viele um mich herum. Tommy-gun. Fünf Kugeln treffen mich. Der
Kanadier, der plötzlich vor mir steht, hat nur vor
"Come on! Come on!" Sie spiessen mich mit den Schreck geschossen.
Läufen ihrer Maschinenpistolen auf. Mindestens
fünf zielen auf meinen Kopf. Andere auf mein "Come on! Come on!" Sie spiessen mich mit den
Herz. Auf meinen Bauch. Fehlt nur noch einer im Läufen ihrer Maschinenpistolen auf. Mindestens
Arsch! Als sie endlich kapieren, dass ich keine fünf zielen auf meinen Kopf. Andere aufs Herz.
Waffen habe, schicken sie mich zu ihren eigenen Auf den Bauch. Fehlt nur noch einer im After,
Linien zurück. denke ich. Als sie sehen, dass ich keine Waffen
habe, schicken sie mich ohne Bewachung zu
Immer mehr Tommies tauchen aus dem dicken ihren eigenen Linien zurück.
Nebel auf, während ich an ihnen vorbei in die
Richtung torkle, aus der sie kommen. Immer mehr Boys tauchen aus dem dicken Nebel
auf, während ich an ihnen vorbei in die Richtung
Mein rechter Unterarm schwillt so gross an wie torkle, aus der sie kommen.
mein Oberschenkel. Ich blute am Kopf, an
beiden Armen, an der Brust. Ich werfe die Jacke Mein rechter Unterarm schwillt in
weg. Sekundenschnelle an wie ein Oberschenkel. Ich
blute am ganzen Körper und werfe die Jacke
"Go on! Go on!" sagt jeder, dem ich meine weg.
Wunden zeigen will, damit er mir hilft.
"Go on! Go on!" sagt jeder, dem ich meine
"Go on! Go back! Back!!" Wunden zeigen will. "Go on! Go back! Back!
Back!" Es sind alles prima Kerle, aber sie haben
Sie haben einfach keine Zeit für mich. Sie haben einfach keine Zeit für mich. Sie haben genug mit
genug mit sich selbst zu tun. Die Luft ist sich selbst zu tun. Die Luft ist voll mit
verseucht mit pfeifenden Geschossen und pfeifenden Kugeln und platzenden Schrapnells,
platzenden Schrapnells, und die deutschen und die deutschen Tiefflieger schwimmen wie
Tiefflieger schwimmen wie Haifische darin Haifische darin herum.
herum.
Trotzdem gehen die Burschen aufrecht. Den
Trotzdem gehen die Burschen aufrecht. Den Helm lässig ins Genick geschoben. Manche
Helm lässig ins Genick geschoben. Sicher haben haben eine Zigarette im Mundwinkel.
sie es auch satt, sich hinzuwerfen oder nur zu
ducken. Manche haben eine Zigarette im Mir selbst rutscht die Hose runter. Meine
Mundwinkel. Hosenträger sind kaputtgegangen, und mit den
blutigen Armen kann ich die Hose nicht halten.
Mir rutscht die Hose runter. Meine Hosenträger Mein Bauch ist nackt. Das Kinderhemdchen geht
sind kaputtgegangen, und mit den blutenden, mir nicht mal bis zum Nabel.
geschwollenen Armen kann ich die Hose nicht
halten. Mein Bauch ist nackt, das Hinter den Linien werde ich menschlich
Kinderhemdchen geht mir nicht mal bis zum aufgenommen. Ich werde es diesen Männern nie
Nabel. vergessen. Sie schieben mich in einen Kahn,
während sie selbst bis zu den Hüften im Wasser
Hinter den Linien schieben sie mich in einen waten. Ich fange vor Freude an zu singen,
Kahn, während sie selbst bis zu den Hüften im obwohl ich noch nicht weiss, wie ernsthaft ich
Wasser waten. Ich fange an vor Freude zu verwundet bin. Langsam sinkt mir der Kopf auf
singen, zu weinen, zu lachen... langsam sinkt mir die Brust.
der Kopf auf die Brust.
In einem Zelt holen sie mir die Kugeln raus. Als
In einem Operations-Zelt holen sie mir die ich aus der Narkose aufwache, zwinkert mir ein
Kugeln raus. Als ich aus der Narkose aufwache, Feldkaplan zu und legt mir ein dünnes Täfelchen
zwinkert mir ein Feldkaplan zu und legt mir ein Schokolade auf die Brust.
dünnes Schokoladentäfelchen auf die Brust.
"He is still a child", sagt er wie zu sich selbst.
"Das ist ja noch ein Kind", sagt er wie zu sich Dann zündet er sich eine Zigarette an und steckt
selbst. Dann zündet er eine Zigarette an und sie mir zwischen die trockenen Lippen.
steckt sie mir zwischen die trockenen Lippen.
Vierzehn Wochen Lazarett.
Ich werde in einen Lazarettzug verladen. Ich
weiss nicht, wohin er fährt. Ich stiere nur
immerzu auf die herrlichen Ärsche, Titten und
Bäuche der Sanitäterinnen, die in ihren engen
Uniformröcken von einem stöhnenden
Verwundeten zum nächsten keuchen.

25. Dezember:
Draussen fallen Schneeflocken. Wieder ist Draussen fallen Schneeflocken. Man gibt mir
Weihnachten. Wieder Eisblumen an den eine Hose, eine Jacke, einen Mantel und ein Paar
Fenstern. Wie damals als ich klein war und von Schnürstiefel ohne Schnürsenkel. Kein Hemd,
dem glitzernden Weihnachten geträumt hatte. keine Unterwäsche, keine Socken, keine
Handschuhe, keine Mütze. Sie brauchen ihr Zeug
Man gibt mir eine Hose, eine Jacke, einen selber.
Mantel und ein Paar Schnürstiefel ohne
Schnürsenkel. Kein Hemd. Keine Unterwäsche. "Take your hands out of your pockets or I'll whip
Keine Socken. Keine Handschuhe. Keine Mütze. your face!"
"Nimm die Hände aus den Hosentaschen, oder Ein rothaariger, schottischer Offizier mit einem
ich peitsche sie dir aus!" Ein rothaariger Schotte lächerlichen Seehundsbart fuchtelt mit der
mit einem lächerlichen Seehundsbart fuchtelt mit Reitgerte in der Luft herum, als er uns am Tor
der Reitgerte in der Luft herum, als er uns am des Gefangenenlagers in Empfang nimmt. Ich
Tor des Gefangenenlagers in Empfang nimmt. bin so empört, dass ich zurückschreie:
Ich bin so empört, dass ich zurückschreie:
"Ich spiele nicht an den Eiern, du rote Ratte! Mir
"Ich spiele nicht an den Eiern, du rote Ratte, mir ist kalt!"
ist kalt!"
Ein Mitgefangener zupft mich am Ärmel und
Ein Mitgefangener zupft mich am Ärmel und flüstert: "Lass dich nicht provozieren. Nimm die
flüstert: "Lass dich nicht provozieren. Nimm die Hände aus den Taschen."
Hände aus den Taschen."
Ich nehme die Hände widerwillig aus den
Ich nehme die Hände aus den Taschen, obwohl Taschen. Als wir nach stundenlangem Abzählen
sie mir blau gefroren sind. blaugefroren in unsere Käfige trotten, sagt mein
Kamerad: "Du wirst sehen, es sind nicht alle so.
Als wir nach stundenlangem Abzählen mit Im Durchschnitt sind es dufte Kerle."
vereisten Knochen in unsere Käfige trotten, sagt
der Mitgefangene: "Du wirst sehen, es sind nicht Die zwanzig Meter langen Trockenhäuser der
alle so. Im Durchschnitt sind sie in Ordnung." ehemaligen Ziegelei sind so niedrig, dass man
sich ganz tief bücken muss, um einzutreten.
Die etwa fünfundzwanzig Meter langen
Trockenhäuser der Ziegelei sind so niedrig, dass Wir schlafen in zwei gegenüberliegenden Reihen
wir in die Knie gehen müssen, um auf der kalten, schleimigen Erde. Jeder hat eine
reinzukriechen. Ist man einmal drin, kann man dünne Militärdecke zum Zudecken. Wir essen
sich nicht mehr aufrichten. Am besten bewegt mit den Fingern aus alten Konservendosen.
man sich kriechend. Wir schlafen in zwei
gegenüberliegenden Reihen auf der kalten Jeden Tag Sauerkohl mit Wasser und eine
schleimigen Erde. So eng nebeneinander, dass Blechdose voll Tee. Ich habe gar nicht gewusst,
man seinen Körper vom Boden anheben muss, dass es so viel Sauerkohl auf der Welt gibt.
wenn man sich auf die andere Seite drehen will.
Und so nah gegenüber, dass sich unsere Füsse Was sich hier abspielt, ist sagenhaft. Ausser
berühren und einer nach dem anderen tritt. Jeder Tauschhandel und Wucher, Arschficken und
hat eine dünne Militärdecke zum Zudecken, das Mord und Totschlag sagen erwachsene Männer
ist alles. Gedichte auf, gehen von Baracke zu Baracke,
lesen aus der Bibel vor, deuten sich die
Wir essen mit den Fingern aus alten rostigen Handlinien, weissagen, wollen sich gegenseitig
Konservendosen. Jeden Tag Sauerkohl mit bekehren und zanken sich um die letzte Kelle
Wasser und eine Konservendose voll Tee. Ich Sauerkohl.
habe gar nicht gewusst, dass es so viel Sauerkohl
auf der Welt gibt. Tabak ist das wichtigste. Noch wichtiger als
Ficken. Die Männer stürmen die Mülltonnen,
Was sich in dem Gefangenenlager abspielt, ist trocknen die weggeschütteten Teeblätter und
sagenhaft. Ausser Tauschhandel, Diebstahl, drehen Zigaretten aus Zeitungspapier, das wir
Wucher, Hurerei und Mord und Totschlag sagen manchmal zum Arschabwischen haben.
erwachsene Männer Gedichte auf, gehen von
Baracke zu Baracke, lesen aus der Bibel vor Ein alter Gefangener isst an seiner Zigarette. Er
(weiss der Teufel, wo sie die immer herhaben!), schneidet von seiner Echten jeden Tag mit einer
deuten sich die Handlinien, weissagen, wollen rostigen Rasierklinge ein hauchfeines Scheibchen
sich gegenseitig zu irgendeinem Scheiss ab und frisst es mit Papier genüsslich auf.
"bekehren" und zanken sich um die letzte Kelle
Sauerkohl.

Tabak ist das Wichtigste. Noch wichtiger als


ficken. Die Männer stürzen sich wie von Sinnen
auf die Mülltonnen und schlagen sich blutig um
die weggeschütteten Teeblätter, die vom vielen
Aufbrühen so ausgelaugt sind, dass sie überhaupt
keinen Geschmack mehr haben. Das Zeug wird
dann getrocknet, und mit Zeitungspapier, das wir
manchmal zum Arschabwischen haben, werden
daraus Zigaretten gedreht. Ein alter
Mitgefangener frisst eine "echte" englische
Zigarette buchstäblich auf. Mit einer rostigen
Rasierklinge schneidet er sich jeden Tag ein
hauchdünnes Scheibchen davon ab und frisst es
mitsamt dem Papier genüsslich auf.

Nach einer Weile werden wir verhört. Sie nennen


das "Interview". Der Kerl, der mich aushorcht,
ist Berliner. Er faselt von seiner Schulzeit, in
welchem Gymnasium, in welcher Strasse und so
weiter. Wen das interessiert!

Er ist vollgefressen und steckt sich eine Zigarette


an der anderen an, ohne mir eine einzige
abzugeben. Der hat wahrscheinlich nie Not
gelitten und immer genug zu fressen gehabt.
Sogar jetzt, sogar im Krieg hat er alles. Ich hatte
damals nichts und habe jetzt nichts. Nicht einmal
warme Kleidung im Winter. Ich wünsche diesem
ganzen Pack die Pest an den Hals mit ihren
Lautsprechern, Yellowlines und ihrem ewigen
Stacheldraht.

1945
Februar: Nikolaus Nakszynski wurde ins Gefangenenlager Colchester (Essex) gebracht. Im Lager
hatte er seine ersten Auftritte als Schauspieler vor den Mitgefangenen.
Nach zwei Monaten Ziegelei sollen wir nach England transportiert werden. Auf dem Weg
zum Hafen von Ostende spucken uns die Leute von der Strasse an. Na, wenn schon!
Als wir in England aus den Laderäumen der Transporter kriechen, nachdem uns im Kanal
deutsche U-Boote torpediert hatten und wir fast abgesoffen sind, ist der Krieg aus. Trotzdem
bringen sie uns ins Gefangenenlager.
Die Lagerlatrinen in Colchester, Essex, sind der Treffpunkt aller. Das sind lange, sehr tiefe
Gräben, über denen man auf rohen Balken sitzt und kackt. Und beim Kacken wird auch alles
besprochen, geplant, ausgeheckt. Hier wird alles vorbereitet, Einbrüche, Ausbrüche, hier
finden Verschwörungen statt, und hier ist auch der Markt der Hurer. Ein Fick wird - je
nachdem mit dem After, mit dem Schwanz, mit dem Mund oder mit der Hand - mit einem
Stück Seife, Tabak oder Zigaretten bezahlt. Vaseline wird aus Hammelfett von den
Gefangenen selbst hergestellt.
Ein Junge wird tot aus der Scheisse gefischt. Wahnsinnige Nazis hatten ihn, nachdem der
Krieg schon aus war, wegen "Landesverrat" zum Tode verurteilt, und auf der Latrine wurde
er hingerichtet. Sie haben ihn in die Scheisse gestossen, in der er erstickte.
Colchester, Essex, wird Durchgangslager für entlassene Gefangene aus Kanada und USA. Sie
bringen das erste Mal Lux-Seife, Jeans, Kaugummi, Camel, und Lucky Strike mit.
Jetzt kommt auch unser Lager dran, aber der Rücktransport dauert noch ein ganzes Jahr. Die
Kranken zuerst. Ich bin nicht krank. Ich stelle mich die ganze Nacht nackt an die eiskalte
Barackenwand, damit ich nierenkrank werde und bei der Untersuchung Eiweiss im Urin ist.
Ich fresse ein Paket Zigaretten, heisse Ölsardinen, und trinke meine eigene Pisse, damit ich
Fieber kriege. Es gibt keinen Kniff, den ich nicht anwende. Umsonst.
"Der bleibt", sagt das Arschloch von einem Arzt. Mir fehlt nichts. Ich bin nicht umzubringen.

Quelle: Klaus Kinski Buch Ich brauche Liebe, S. 69-70

1946
etwa April
Endlich, mit dem allerletzten Abtransport komme auch ich dran. Ein Jahr und vier Monate
habe ich in diesem Zoo zugebracht! Ein Lastwagen nach dem anderen fährt aus dem
Stacheldrahtverhau.

"Come on! Come on!"

Wenn ich gesagt hätte, dass ich in Berlin wohne, hätte ich im deutschen Auffanglager bleiben
müssen. Nach Berlin darf vorläufig keiner. Ich gebe irgendein Provinzkaff an. Dann fälsche
ich meinen Entlassungsschein. Beruf: Nachrichtenansager! Wie ich auf diese perverse Idee
komme, ist mir schleierhaft. Ich habe noch niemals Nachrichten gehört.

Ich besitze einen amerikanischen Seesack, Blue Jeans, ein Hemd ohne Ärmel, ein Paar
Schnürstiefel, zwei Stück Lux-Seife, eine Büchse Goldflag Tabak und sieben Mark.

Ich verkaufe ein Stück Seife auf dem Schwarzen Markt und ziehe weiter. Immer kreuz und
quer. Ich schlafe in Bunkern oder im Gebüsch.

Auf einem Bahnhof lächelt mir ein Lockenköpfchen zu. Sie ist schon im Abteil. Ich steige zu
ihr in den Zug. Während der Fahrt fressen wir uns gegenseitig die Zungen in den Mund. Ich
gehe mit ihr auf die Zugtoilette und setze sie auf die Klobrille. Ich ziehe ihr nicht mal die
Schlüpfer runter, ich zerre sie nur zur Seite. Ihr Loch ist warm und nass wie ein Kuhmaul.

In Heidelberg steigen wir aus.

Sie bewohnt eine niedliche Dachkammer in der Nähe des amerikanischen Headquarters, wo
sie es mit allen treibt. Die Amis zahlen mit Lebensmitteln, Kaffee, Schokolade, Zigaretten,
Alkohol und Geld. Natürlich auch mit Seife, Toilettenpapier und Nylons.

Wenn sie gegen Morgen mit verschmiertem Lippenstift zu mir ins Bett steigt, geht das
Geficke erst richtig los. Sie ist erst sechzehn, aber sie kennt sich in den verschiedensten
Stellungen aus und bringt sie mir alle bei. Ich habe noch nie so gut gelebt.

Wir ficken zirka drei bis vier Stunden. Nach dem Frühstück gehe ich spazieren und lasse sie
bis mittags schlafen. Dann essen wir, und sie geht wieder zu den Amis.

Nach sechs Wochen habe ich es satt. Als sie bei einem Kunden ist, nehme ich meinen Seesack
und verschwinde.

Die Züge sind so überladen, dass die Menschen aus Türen und Fenstern quellen. Ich bohre
mich in ein Menschenknäuel und hänge die ganze Fahrt mit dem Kopf nach unten im Abteil,
während meine Beine aus dem Fenster stecken.

Stuttgart. Kassel. Karlsruhe. Ich habe keinen blassen Schimmer, wo das liegt. In jeder Stadt,
in die ich komme, pumpe ich die Intendanten der Theater an. Manche geben mehr, manche
weniger. Manche geben Zigaretten.

Von Tübingen schicke ich ein Telegramm nach Berlin. Als Absender gebe ich das Theater in
Tübingen an. Meine Mutter wird mir bestimmt gleich antworten. Vielleicht kann sie mir ein
bisschen Geld schicken oder ein paar Bonbons - wie einmal in ein Ferienheim. Da hatte sie
mir Frühlingsblätter geschickt. Das sind grüne Blätter aus Bonbonzucker, wie Blätter von
Bäumen. Sie kosten nicht viel und kleben in der Tüte immer zu Klumpen zusammen. Aber ich
mag sie so gerne, und die Liebe von meiner Mutti klebte mit daran.

Ich gehe viel spazieren und trällere vor mich hin. Ich habe keine Sorgen und werde bald bei
meiner Mutter sein. Ich habe zu essen und zu rauchen, und nachts schlafe ich in den
Parkanlagen.

Die Sekretärin des Theaters macht einen Termin zum Vorsprechen aus. In der Mittagspause
gehen wir in die Parkanlagen und ich zeige ihr, wo ich schlafe. Das Bett aus Blättern ist noch
da von der vergangenen Nacht. Wir sind durch dieses dicke Gebüsch vor den Blicken der
Fussgänger geschützt, aber ich muss ihr den Mund zuhalten, denn sie schreit bei jedem Stoss
so laut, als stecke sie am Spiess. Ihr ganzes Unterzeug ist blutig. Ihr Jungfernhäutchen war so
zäh, dass ich brutal zustossen musste.

Ich bin schon längst wieder auf der Strasse und lese immer noch das Telegramm von Arne:

"Mutti lebt nicht mehr stop


Von den anderen weiss ich nichts"

Ich weine nicht. Ich sehe alles in bunten, zerbrochenen Splittern. Wie früher, wenn wir als
Kinder durch so eine Pappröhre gesehen haben. Man musste die Röhre schütteln, damit die
Glassplitter darin zu einem neuen, fremdartigen Muster erstarrten. Ich sehe die Menschen
nicht, die mir entgegenkommen, und renne in sie hinein. Auch nicht die Autos. Nur die bunten
Glassplitter, die ewig ihr kristallenes Muster wechseln, das sich niemals wiederholt. Ich laufe
ziellos herum. Erst gegen Morgen gehe ich in den Park und lege mich mit dem Gesicht auf die
Erde. Ich wollte ihr doch einen Wintermantel kaufen und Fäustlinge und warme Schuhe für
ihre Frostbeulen, und sie sollte echten Bohnenkaffee trinken und Brötchen mit Butter und
richtigen Bienenhonig essen. Und es sollte eine Überraschung sein.

Heute morgen spreche ich den Melchthal aus Wilhelm Tell vor. Bei den Worten "In die Augen,
sagt ihr? In die Augen...?", kann ich vor Weinen nicht weitersprechen, weil ich an die Augen
meiner Mutter denken muss. Dann schreie ich auf: "... und hell in deiner Nacht wird es dir
tagen!" Ich stürze von der Bühne und aus dem Theater.

Die Sekretärin holt mich auf der Strasse ein und sagt, dass ich einen Vertrag bekomme. Ich
gehe mit ihr zurück, unterschreibe den Wisch, nehme fünfzig Mark Vorschuss und haue für
immer ab.
[Klaus Kinski: Ich brauche Liebe, S. 70-72]
1946
Anfang Jahr: Nach seiner Entlassung fährt Klaus mit einem "Lockenköpfchen" bis Heidelberg mit,
haut aber nach sechs gemeinsamen Wochen ab und wird angeblich vom Theater in Tübingen
engagiert, nachdem er mit dem Melchthal-Monolog aus Schillers Wilhelm Tell vorgesprochen hat.
Schauspielerausbildung hat er keine und spielt trotzdem schon bald auch am Theater in Baden-
Baden. Klaus erfährt nun auch, dass seine Mutter bei einem Tieffliegerangriff getötet wurde.
Ich gehe mit einer Wanderbühne mit. Sie spielen Operette, und ich muss singen. Mir ist alles
recht, was mich Berlin ein paar Kilometer näher bringt. Ich glaube dem Telegramm meines
Bruders nicht. Ich glaube nicht, dass meine Mutter tot ist.

Die Frau des Wanderbühnendirektors ist sehr jung. Sie hat einen zerküssten rosa
Himbeermund und tiefe Ringe unter den schwarzen Kirschenaugen. Ich werde sie um jeden
Preis vögeln.

Wir spielen in Vereinssälen und Kneipen. Was wir aufführen, ist nicht zu beschreiben. Um das
Mass der Blödheit voll zu machen, sollen wir Charleys Tante spielen.

Wir fahren auf offenen Lastwagen und sitzen auf gusseisernen Gartenstühlen. Ich verfluche
diese Brut, aber es geht nach Norden. In einer Ortschaft lassen sie uns sogar in dem lausigen
Theater auftreten.

Der Park von Offenburg ist voller Menschen. Aber irgendwo muss ich diesen
schwachsinnigen Text von Charleys Tante lernen. In dem Stall, in dem man mich einquartiert
hat, drehe ich durch.

Auf einer Bank, im hellen Sonnenlicht, sitzt ein marokkanischer Soldat. Er grinst mich mit
seinen gelben Zahnstummeln an und zeigt auf seinen Hosenschlitz und auf ein Päckchen
Zigaretten in der anderen Hand. Dann zeigt er auf ein Gebüsch hinter sich. Er wiederholt die
Pantomime ganz ungeniert: Hosenschlitz, Zigaretten, Gebüsch. Der muss eine Schraube
locker haben. Der will, dass ich mit ihm in dieses mickrige Gebüsch gehe? Mitten auf den
Blumenbeeten, um die die Leute latschen? Ausserdem hat er bestimmt die Syphilis. Und dann
sind die gelben Gauloises, die er in der Hand hält, überhaupt nicht rauchbar. Sie sind eigens
für die Fremdenlegion hergestellt, über den ersten Zug kommst du gar nicht hinaus, der wirkt
wie eine Handgranate in der Lunge. Was bildet der sich ein!

Sonntags geben wir gleich zwei von diesen infamen Vorstellungen. Eine habe ich schon hinter
mir, und ich klaue grosse fleischige Knupperkirschen auf der Landstrasse, vor der Dorfkneipe,
in der wir spielen.

Neben mir klaut ein marokkanischer Soldat. Als er sieht, dass ich einen vollgeladenen Zweig
erwische, will er ihn mir aus den Händen reissen. Ich trete ihn in den Arsch. Er stürzt sich auf
mich und treibt mich mit vorgehaltenem Gewehr in die gegenüberliegende Kaserne.

Im Nu bin ich von einem Haufen Marokkaner umzingelt. Ich verstehe nicht, was sie quasseln,
aber sie gebärden sich wie Menschenfresser und bedrohen mich mit ihren Bajonetten. Ein
paar fummeln mir am Hosenschlitz rum. Mir scheint, sie sind besonders scharf auf blonde
Knaben.

Ein grässlicher Trompetenstoss ruft die Horde zum Appell. Das ist meine Rettung. Sie stossen
und trampeln mich aus dem Kasernentor. Der Wachtposten lädt sein Gewehr durch. Ich höre
ganz deutlich das Schloss einschnappen. Die Patrone ist jetzt im Lauf. Er legt auf mich an.
"Hau ab und lass dich in den Arsch ficken!"

Ich bin noch nie so schnell gerannt.

Der Direktor und seine junge Frau übernachten in dem Gasthof, in dem wir seit zwei Wochen
unsere widerlichen Vorstellungen geben. Tagsüber proben wir im Vereinssaal Charleys Tante.

Ich habe mindestens zwei Stunden Zeit, bis ich mit meinem Scheiss dran bin, und gehe
pissen. Die Toilette ist im ersten Stock.

Wenn ich pissen gehe, muss ich an dem Doppelzimmer vorbei, in dem der Direktor mit seiner
jungen Frau pennt. Und sie fickt, auch am Tag, in der Mittagspause, vor und nach den
Vorstellungen, immerzu.

Es ist zehn Uhr vormittags. Die Zimmertür ist offen. Das Zimmer unaufgeräumt. Ich lausche,
ob niemand kommt und trete ins Zimmer ein. Das Bett ist zerwühlt. Das Laken ist
vollkommen versaut mit Flecken. Manche sind ganz frisch, noch feucht und cremig. Ich
kriege einen Ständer. Als ich mich umdrehe, steht sie hinter mir.

"Was wollen Sie?"

"Dasselbe, was du willst."

"Was will ich denn?"

"Ficken."

"Du Schuft!"

Das Blut schiesst ihr ins Gesicht. Ihr Himbeermund wird dunkelrot. Ihre Augen kriegen einen
silbrigen Glanz. Sie atmet schwer.

Ich nehme ein benutztes Handtuch und hänge es vors Schlüsselloch. Im Spiegel über dem
Waschbecken sehe ich, wie sie sich den Rock hochzerrt. Sie zieht die Schlüpfer aus und stellt
sich breitbeinig vor mich hin, das Becken vorgeschoben, die Knie etwas eingeknickt. Ihre
geschwollene rauhe Zunge füllt meinen Gaumen aus. Ihr Bauch wächst gegen meinen
Schwanz, als ob sie schwanger sei. Sie ächzt. Ihr Unterleib arbeitet wie eine Maschine. Sie
spritzt und spritzt. Wir brechen in die Knie. Ich stosse meinen Schwanz von hinten bis zu den
Hoden rein und zapple wie an einer Hochspannungsleitung - während sie, gepfählt, mit
raushängender Zunge wie ein geschlachtetes Kalb verröchelt.

Ihr Mann will mir keinen Vorschuss geben. Ich schlage ihm auf der Strasse in die Fresse.
Wieder ist es ein marokkanischer Soldat, der uns mit seinem Bajonett auseinandertreibt.

Ich haue ab, bevor es Abend wird, und nehme den Frack, den ich auf der Bühne trage, in
meinem Seesack mit. Ich sage niemandem, dass ich verdufte. Die werden bei der
Abendvorstellung schon merken, dass ich nicht mehr da bin.

Nach Berlin fahren nur Güterzüge. Ich muss eine Fahrkarte bis zum nächsten Kuhdorf lösen,
damit ich durch die Sperre komme. Wenn es dunkel ist, werde ich über die Schienen laufen.
Der Güterzug nach Berlin fährt um sechs Uhr früh ein.
Jeder, der die Militärsperre passiert, wird gefilzt. Eine Frau hat eine Flasche Milch in einer
Tragtasche für ihr kleines Kind, das sie auf dem Arm trägt. Der französische Posten
zerschmettert die Milchflasche auf dem Bahnsteig. Mir kann dieser Verbrecher nichts
zerschemettern. Ich habe nichts ausser meinem Seesack und dem Frack. Ein Päckchen
Zigaretten habe ich mir zwischen die Arschbacken geklemmt.

Bis zum Morgengrauen verstecke ich mich im Bremserhäuschen eines Waggons auf einem
Abstellgleis. Ich stecke mir eine Zigarette an der anderen an, um nicht einzuschlafen. Mein
Güterzug hat nur ganz kurz Aufenthalt, um ein paar Wagen anzuhängen. Ich darf ihn auf keinen Fall
verschlafen.

Bis Frankfurt klappt die Reise. Von hier rührt sich der Zug nicht mehr vom Fleck. Man hat
mir eine falsche Information gegeben.

[Klaus Kinski: Ich brauche Liebe, 1991, S. 72-76]

8. November: Premiere des von Willi Schmidt inszenierten Stücks Die Ratten (Gerhart
Hauptmann) am Schlosspark-Theater in Berlin.
Boleslaw Barlog holt Klaus Kinski für 110 Mark im Monat ans Berliner Schlosspark-Theater. Klaus
übt mit dem Regieassistent G. W. [?Gert Weymann] und hat mit ihm eine sexuelle Beziehung.
Ich spreche am Berliner Schlossparktheater vor. Ich lüge so unverschämt, dass ich behaupte,
den Hamlet dargestellt zu haben, obwohl ich das Stück gar nicht kenne.

Ich weiss nicht, ob mir jemand glaubt. [Boleslaw] Barlog engagiert mich nach dem ersten
Vorsprechen.

[Klaus Kinski: Ich brauche Liebe, S. 83]

1947
8. Januar: Premiere des Stücks Der Widerspenstigen Zähmung am Schlosspark-Theater in Berlin.
Regie führt Boleslaw Barlog.
Die erste Person, die ich darzustellen habe, ist die des Pagen im Vorspiel zu Der
Widerspenstigen Zähmung. Dieser Page hat nichts anderes zu tun, als in Frauenkleidung den
besoffenen Kesselflicker festzuhalten, damit er sich aus der Loge die Aufführung ansieht.
Während dieser verblödeten zwei Stunden muss der Page ihm die Schnapsflasche aus den
Händen reissen, sobald der Kesselflicker daraus saufen will. Natürlich ist das kein wirklicher
Schnaps, nicht mal Fusel, sondern irgendeine warme Plärre. Irgend so ein Piss-Getränk.
Nicht einmal Coca Cola. Nach einem vollen Monat habe ich es dick. Ich fülle Steinhäger in
die Pulle. Jedesmal, wenn ich sie dem Kesselflicker weggerissen habe, nehme ich einen
tiefen Schluck. Wenn die halbe Vorstellung vorbei ist, bin ich bereits besoffen... fange an zu
feixen, torkle, aus der Pulle saufend, auf der Bühne herum und trete in den dämlichen
Souffleurkasten. Der Vorhang fällt. Hinter den Kulissen werfe ich Barlog die leere Pulle
hinterher, weil er mich zur Rede stellt. Morgens um fünf wache ich auf einer Bank am
Bahnhof Zoo auf. Wie ich hierher gekommen bin, weiss ich nicht. Jemand fummelt an mir
herum. Ich schubse ihn weg. Die alten Leute sagen, dieser Winter sei der grimmigste seit
Jahrzehnten. Das Thermometer sinkt bis unter 28°. Ich habe noch immer keinen Mantel, und
Barlog scheint das auch egal zu sein. Er ist, wie all die grässlichen Schauspieler, gut
eingemummelt und hat immer eine grosse Thermosflasche und belegte Brote dabei. Er
bekommt die beste Lebensmittelkarte, Nr. 1. Ich kriege die schlechteste, Nr. 3. Zu Hause
kann ich nicht mehr übernachten. Wir decken uns mit Lumpenfetzen zu, mit Zeitungspapier
und Pappe, Stoffstreifen um Hände, Füsse und Kopf. Wir haben noch immer keine
Fensterscheiben, und der eisige Wind pfeift Tag und Nacht ins Zimmer; es schneit ins Bett
und in unsere Gesichter. Als ich heute Abend mit der ungeheizten Strassenbahn zum Theater
fahre, weine ich. Es ist nicht meine Armut, wegen der ich weine, auch nicht der Schmerz,
den mir der Eisklumpen verursacht hat, der, durch das Loch in meiner Schuhsohle gepresst,
sich um meinen nackten Fuss verkeilt. Es ist die Wut, die ich gegen dieses Theatergesindel
habe. Der Hungerlohn, den mir Barlog zahlt. Mit dem ich nicht einmal das bisschen Fressen
kaufen kann. Nach der Vorstellung verstecke ich mich im geheizten Theater und schlafe auf
zwei Stühlen in der Garderobe. Der Portier verpfeift mich nicht. Aber als Barlog von
irgendeiner Drecksau erfährt, wird es mir strengstens untersagt. [Klaus Kinski: Ich brauche
Liebe, S. 83-84]
Als Barlog sein Versprechen nicht hält, Kinski die Hauptrolle in Eugene O'Neills O Wildnis! spielen
zu lassen, wirft Klaus ihm die Scheiben seiner Wohnung ein und verlässt das Theater. Er beginnt
sich an Schauspielschulen herumzutreiben, zum Beispiel in der von Hannelore F. und ihrer
Stieftochter Jutta S. oder an der von Marlise Ludwig. Dort trifft er auch auf den späteren "Teutonen-
Sinatra" Harald Juhnke.

In meinem ersten [Marlise] Ludwig-Jahr kreuzte Klaus Kinski oft auf. Von dem war die Ludwig
hingerissen. Und folglich auch ihre Schülerinnen. Kinski, damals einundzwanzig, hatte bereits
seinen Krokodilsblick, mit dem er die Umwelt vereinnahmte oder abstiess. Er trat an kleineren
Bühnen auf. Experten (wie die Ludwig) jubelten über sein gebündeltes Talent. Reporter
frohlockten, weil das Talent so gern explodierte. Nachkriegsbürger erschraken. Klaus Kinski, so
eine Art Rudi Dutschke der Berliner Theaterszene der Endvierziger Jahre, war immer gut für eine
Schlagzeile. Mich verwirrte und entzückte er gleichermassen. Ich sass zu seinen Füssen, wenn er
eine Rolle probte und danach kundgab, warum diese Rolle und weshalb auf jene Weise. Klaus
erzählte nicht, er manifestierte. Ich fragte mich: Muss man als Schauspieler so sein? Wortlos kam
ich mir ihm gegenüber vor. Wortlos und leise und brav. Er verströmte Barrikadenluft - ich
schrubbte und kämmte mich. [Harald Juhnke seinem Buch Na wenn schon, 1988, S. 132-133]

Und wer hat Ihnen das Handwerk für die ersten erfolgreichen Schritte beigebracht?

Marlise Ludwig. Sie gab mir auch den Namen Harald. Harry fand sie zu unseriös. Sie war eine
weit über die Grenzen Berlins hinaus bekannte Schauspielerin und bildete viele berühmte
Schauspieler aus. Klaus Kinski gehörte zu meiner Gruppe. Da hatten sich zwei Verrückte
getroffen. Wir studierten Romeo und Julia, ich war Romeo und Kinski die Julia. [Harald Juhnke-
Interview in: Schweizer Familie Nr. 13 (1998)]

Klaus wohnt bei der etwa 30jährigen Lotte R. und kennt den russischen Prinzen Sasha K.
Eduard M. will mit mir Savonarola aufführen. Mich kotzt das Stück an. Ich will kein
religiöser Irrsinniger sein, und es ist mir auch egal, wer die Bilder von Botticelli verbrannt
hat. Eduard ist arm. Aus dem Sofa, auf dem er mich manchmal schlafen lässt, bohren sich
mir die Sprungfedern in den Rücken. Seine Frau ist Barmädchen. Ihre Kunden sind
Waffenhändler, die mit dem Geld um sich schmeissen. Manchmal bringt sie ein paar Scheine
mit nachhause, dann kommen wir wieder über die Runden. Eduard ist auch Maler. Er malt
scheussliche Bilder, auch ein riesiges Ölbild von mir in ganzer Figur, und Comic-Strips für
Schundmagazine. Ausser seiner miefigen Neubauwohnung hat er noch ein kleines Atelier. Er
benutzt es nicht zum Malen, sondern um seine Frau zu betrügen.
[Klaus Kinski: Ich brauche Liebe, S. 91-92]
Klaus Kinski wohnt für einige Jahre als Untermieter bei Familie Matzig in der Bonner Strasse 9 in
der Künstlerkolonie in Berlin, die bis 1933 als Brutstätte der Linksintellektuellen gegolten hatte.
Hier fällt er nicht weiter auf, da nur Schauspieler und Bühnenangehörige dort wohnen... Am Theater
macht er sich rasch einen Namen für sein wildes Talent und sein gleich geartetes Temperament.
Alfred Braun, der ehemalige Star-Reporter des Berliner Rundfunks, inszeniert mit mir
Romeo und Julia [als Hörspiel]. Von der Gage [3000 Mark] miete ich mir mein erstes
eigenes Atelier [in Friedenau]. Eigentlich ist es nur eine Waschküche über dem obersten
Stockwerk eines Hauses. Aber der Raum hat ein grosses Atelierfenster, durch das viel Licht
hereinflutet. Ich tünche die Bude weiss und schrubbe den Fussboden. Ich habe ein
Bettgestell, einen Tisch, einen Stuhl und ein eigenes Klo, auf dem ich mich unter dem
Wasserhahn mit kaltem Wasser wasche. Mehr brauche ich nicht. Mein bisschen Wäsche
wasche ich selbst. Nachts schlafe ich nicht auf meinem Bett, sondern ich laufe durch die
Parks und lege mich, wenn ich nicht mehr laufen kann, auf die blosse Erde und sehe in den
Himmel. Wenn der Tag endlich wie eine langerwartete Geburt anbricht, gehe ich in mein
Atelier und lege mich angekleidet aufs Bett. Ich brauche nicht viel Schlaf, drei, vier
Stunden. <a href=../buehne/dieschreibmaschine Die Schreibmaschine</a> von Jean
Cocteau. In einer Szene muss ich einen epileptischen Anfall kriegen. Der Regisseur [Otto
Graf] hat noch nie einen epileptischen Anfall gesehen. Ich auch nicht. Deswegen fahre ich in
die Berliner Charité und bitte den Chefarzt der psychiatrischen Abteilung, mir einen
epileptischen Anfall zu beschreiben. Er will mich zusehen lassen, wie eine Patientin einen
Elektroschock bekommt. Die Reaktionen seien die gleichen: der Körper der betroffenen
Person, den man mit Starkstrom elektrisiert, verrenkt sich in krampfartigen Zuckungen. Die
Zähne schlagen plötzlich und mit solcher Gewalt aufeinander, dass sie zerbrächen, würde
man nicht ein Stück Gartenschlauch dazwischenklemmen. Schaum tritt vor den Mund. Die
Augen quellen heraus. [Klaus Kinski: Ich brauche Liebe, S. 94] Roberto Rossellini kommt
nach Berlin, um Gesichter für seinen nächsten Film zu suchen. Das Wartezimmer des
Produktionsbüros ist mit Schaspielern vollgestopft, die alle ganz geil darauf sind, in
Rossellinis Film zu spielen. Rossellini telefoniert im Nebenzimmer mit Anna Magnani in
Rom und hat anscheinend ganz vergessen, oder er weiss überhaupt nicht, dass wir da sind.
Nach vier Stunden mit all den Pennern in dem verqualmten Raum platzt mir der Kragen. Ich
verfluche diesen Rossellini und seinen Film. Rossellini reisst die Tür auf, lacht mir
freundlich zu und sagt: "Wer ist das? Er interessiert mich. Macht Probeaufnahmen von ihm."
Ich hasse es, Probeaufnahmen zu machen oder vorzusprechen. Dennoch lasse ich die
Quälerei über mich ergehen. Rossellini bietet mir einen Vertrag. Aber das Theater lässt mich
nicht weg. [Klaus Kinski: Ich brauche Liebe, S. 95]
21. Oktober 1947 Premiere des Stücks Die Schreibmaschine (Jean Cocteau) mit Klaus Kinski am
Berliner Theater in der Kaiserallee. Das von Otto Graf inszenierte Stück bringt es auf über 160
Vorstellungen.
Jürgen Fehling, der einzige lebende geniale Theaterregisseur, ruft mich zu sich. Ich spreche
ihm vor [die Stücke Romeo und Julia und Die Räuber]. Sieben Stunden lang! Es ist sechs
Uhr abends. Das Bühnenpersonal kommt bereits ins Hebbel-Theater, um die
Abendvorstellung vorzubereiten. Fehling gibt mir eine junge Platzanweiserin auf die Bühne,
damit ich in der Sterbeszene von Othello eine Partnerin habe. "Du hälst den Schnabel", sagt
er zu dem verdatterten Mädchen, "egal, was Kinski mit dir macht, du bleibst reglos wie ein
Stück Holz, gibst keinen Pieps von dir. Ich will nur seine Stimme hören." (Was das heissen
soll "egal, was Kinski mit dir macht", was kann ich denn hier mit ihr machen?) Ich hasse
diesen Kerl. Ich möchte lieber die Platzanweiserin ficken, die so betäubend aus dem
Schlüpfer riecht, dass mir die Eier weh tun. Der hat nach sieben Stunden nicht genug! Der
muss verrückt sein! Wir müssen abbrechen. In einer Garderobe soll ich ihm aus einem
Telefonbuch vorlesen. Ich lese und lese und bringe ihn zum Lachen und zum Weinen. Von
diesem Tag an lässt mich Fehling nicht mehr aus seinen Klauen. Ich ziehe wochenlang mit
ihm herum, sehe seinen Proben zu, gehe mit ihm essen, und sitze ganze Nächte lang mit ihm
in Kneipen herum. Er spricht und spricht, und manchmal falle ich vor Müdigkeit mit dem
Gesicht in einen vollen Teller. [Klaus Kinski: Ich brauche Liebe, S. 96-97]
Als der Theaterregisseur Jürgen Fehling von Otto Grafs Plan erfährt, den Oswald in Ibsens
Gespenster mit Klaus Kinski zu besetzen, setzt er alle Hebel in Bewegung, um ihn davon
abzubringen. Klaus hat auch schon einen Vertrag für 150 Mark pro Abend in der Tasche, aber nach
Zureden von Fehling löst er den Vertrag, da Fehling ihm verspricht, ihn ans Berliner Hebbel-
Theater zu holen, sobald er dort Intendant wäre.
Klaus Kinski fliegt mit einem Militärflugzeug nach München und besucht seine Schwester Inge in
Schliersee.
Als ich nach Berlin zurückkomme, war Fehling Intendant des Hebbel-Theaters, wurde aber
sofort wieder gefeuert, nachdem er bekanntgegeben hatte, dass er zuerst einen Film drehen
wird, in dem er selbst den lieben Gott darstellen will. Nach einem Vortrag an der Universität
werfen Studenten nach ihm mit Steinen, dass er am Kopf blutet. Danach bleibt er
verschwunden. Ich gehe zu Otto [Graf] und sage zu, den Oswald darzustellen. Ich brauche
Geld. Frau Alving ist Maria Schanda. Nach der Szene, in der Oswald wahnsinnig wird,
nimmt sie mich lange in die Arme, weil sie Angst um mich hat. Vor der Premiere gibt mir
Otto Kokain, weil ich so heiser werde, dass ich kaum noch sprechen kann. Nachdem ich
etwas von dem weissen Pulver durch die Nasenlöcher eingesogen habe, sind meine
Atemwege und Stimmbänder wie durch Zauberhand befreit. Aber das Kokain trocknet
meine Schleimhäute aus, die Zunge wird schwer und gehorcht mir nicht mehr, während ich
der Täuschung unterliege, dass ich rasend schnell sprechen kann und mich so kräftig fühle,
dass ich Bäume ausreissen könnte. [Klaus Kinski: Ich brauche Liebe, S. 99]
25. März 1948 Premiere des Stücks Gespenster (Henrik Ibsen) am Berliner Theater in der
Kaiserallee. Die Aufführungen sollen so intensiv gewesen sein, dass eine Frau ohnmächtig wurde,
während eine andere eine Fehlgeburt erlitt.
Bei der Vorstellung geht alles gut. Zuschauer schreien bei der Wahnsinnsszene auf. Manche
stürzen aus dem Theater. Eine Frau wird ohnmächtig. Otto hätte mir das Kokain nicht geben
dürfen. Er hatte mir noch ein Heftchen mit einem Gramm gelassen. Als ich die Hälfte von
dem Gramm aufgebraucht habe, frage ich überall herum, wer Kokain verkauft. Die Gefahr
bei diesem Mistzeug besteht darin, dass man nicht zur rechten Zeit merkt, wann man damit
aufhören muss. Jeden Augenblick kann es zu spät sein, und man kommt nie mehr davon los,
krepiert an einer Überdosis, an Verfolgungswahn, vergiftet sich mit Gas oder begeht auf
andere Weise Selbstmord. Manche kommen in die Irrenanstalt, wo sie nach
Wahnsinnsqualen verrecken. Andere werden sogar zu Mördern, um sich Kokain zu
beschaffen. Ein Gramm habe ich noch zum Preis einer Wochengage gekauft und den Inhalt
des Heftchens geschnupft - als mir bewusst wird, dass ich keinen Appetit mehr habe. Dass
ich seit Tagen nichts mehr esse, statt dessen aber die letzten Körnchen aus dem Papier lecke,
in welches das Kokain eingewickelt war. Ich habe in einem Restaurant Essen bestellt. Als
der Kellner die Rechnung kassieren will, sieht er mich entgeistert an. Die vollen Teller
stehen noch unberührt vor mir. Ich hatte Suppe, Hauptgericht und Nachspeise von mir
geschoben und nur eine Zigarette nach der anderen geraucht. Ich hatte es nicht einmal
wahrgenommen. Als ich mein Gesicht im Spiegel der Toilette sehe, weiss ich, dass es keine
Rettung gibt, wenn ich nicht sofort Schluss damit mache. Jeden Tag Gespenster. Selbst in
brütender Hitze. Auch Sonnabend Nachmittag. Sogar Sonntag Vormittag. Ein Mädchen
bringt mir die ersten Sonnenblumen. Eine Journalistin will mich interviewen. Sie hat ihre
Bluse absichtlich einen Knopf zu wenig zugeknöpft und trägt keinen Büstenhalter. [Klaus
Kinski: Ich brauche Liebe, 1991, S. 99-100]
An einer Matinee für die Volksbühne Berlin am Kurfürstendamm spricht Paul Wegener [gestorben
am 13. September 1948] die Ringerzählung aus Lessings Nathan der Weise und Klaus Kinski
spricht Rainer Maria Rilkes Cornet.
24. September 1948 Premiere von Eugen Yorks Flüchtlingsdrama Morituri in Hamburg. Klaus
Kinski spielt darin seine erste Filmrolle. Am 16. November läuft der Film auch in West-Berlin an.
Wolfgang Langhoff, der Intendant von Max Reinhardts Deutschem Theater in Ost-Berlin,
hatte noch vor sieben Monaten abgelehnt, mich zu engagieren. Zuerst musste ich
wochenlang warten, bis ich überhaupt vorsprechen durfte. Als es endlich so weit war, ich
mir die Stimme aus dem Hals schrie, die Tränen aus den Augen weinte und mir Hände und
Arme blutig schlug, hatte Langhoff gar nicht zugehört. Er frass Brote und rieb sich einen
Fleck aus der Krawatte, auf die er sich gezuckerten Tee gekleckert hatte. Warum dieses
Intendantengesindel bloss immer Angst hat, im Theater zu verhungern. "Kommen Sie in ein
paar Jahren wieder", sagte er mit vollem Mund. "Vielleicht lässt sich dann was machen. Und
essen Sie. Essen, essen! Sie sind ja so dünn, dass man Angst hat, Sie würden an ihren
Gefühlsausbrüchen zerbrechen. Also, essen Sie tüchtig." Ich hätte dieser Qualle ihre
Schwabbelbacken einschlagen sollen. Aber ich dachte - du kommst auch noch gekrochen!
Und in ein paar Jahren bist du verreckt! Er kommt eher gekrochen, als ich dachte. Nach
Gespenster bittet sein Verwaltungsdirektor mich durch einen höflichen Brief, ins Deutsche
Theater zu kommen. Langhoff gibt mir einen Jahresvertrag für dreitausend Mark im Monat
und sagt, dass ich mich nach Beendigung der Spielzeit entscheiden könne, ob ich meinen
Vertrag um mehrere Jahre verlängern will. Natürlich für eine viel höhere Gage. Das erste
Stück ist Mass für Mass von Shakespeare. Ich bin Claudio, der ein junges Mädchen
entjungert hat, ohne es vorher geheiratet zu haben, und dafür zum Tode verurteilt wird.
(Ausgerechnet ich!) In der Kerkerzelle hat er Visionen, wie die Würmer seinen Leichnam
auffressen werden. Es ist schwer für mich, mir vorzustellen, wie die Würmer mich
auffressen werden. Ich denke nie an den Tod. Ich habe nicht mal richtig angefangen zu
leben. Ich schleiche nachts auf Friedhöfen herum und steige in Gruften ein. Die verrosteten
gusseisernen Luken sind schwer und kaum aufzukriegen. Ich zwänge mich durch die
Öffnungen. Lehne mich an die mit Planen überdeckten Särge. Horche daran, ob ich irgend
etwas höre. Lege mein Ohr auf Gräber und rufe die Toten, die mir keine Antwort geben. Ich
muss die Antwort finden. Aber wie? Meine Empfindungen sind ein einziges Chaos.
Schlingpflanzen, die mich zu ersticken drohen. Dschungel, aus dem ich mich herauskämpfen
muss. Ich habe niemanden, der mir hilft. Ich werde die Schweissspur finden, wie ein Tier.
[Klaus Kinski: Ich brauche Liebe, 1991, S. 101-103]
15. Oktober 1948 Die Premiere des Stücks Mass für Mass (William Shakespeare) eröffnet die
Spielzeit 1948/49 der Kammerspiele des Deutschen Theaters in Berlin. Regie führt Wolfgang
Langhoff. Klaus Kinski spielt den Claudio. Anschliessend wird ab 30. November das Stück Der
Feigling (Stefan Brodwin) ohne Klaus Kinski aufgeführt.
Die Vorstellungen von Mass für Mass sind mir zuwider. Ich schnüffle überall wie ein Köter
herum, um etwas Besseres zu finden. Schliesslich will Bert Brecht mich kennenlernen. Ich
sehe bei einer Umbesetzungsprobe von Mutter Courage [und ihre Kinder] zu. Es ist bereits
der dritte Monat, in dem er immer dieselbe Szene probiert. Jedes Wort, jede Bewegung eines
Schauspielers wiederholt er tausend Mal! Ich werde ganz besoffen von so viel Stumpfsinn.
Das müssen Analphabeten sein! Als er mich fragt, ob ich in sein Berliner Ensemble eintreten
will, suche ich schnell nach einer cleveren Antwort. Aber Brecht ist selbst clever genug und
legt mein Schweigen auf seine Weise aus: "Ich selbst müsste dir abraten, es zu tun. Ich habe
hier im Osten Narrenfreiheit. Aber so viel Humor, wie man für dich haben müsste, haben die
hier ganz sicher nicht." Ich zerbreche mir den Kopf, was ich anstellen kann, um nicht jeden
Abend auftreten zu müssen. Ich besuche Arne in der Wartburgstrasse. Lege mich angekleidet
in die volle Badewanne mit eiskaltem Wasser und krieche mit triefenden Kleidern in die
Ruinen des ausgebombten Hinterhauses, wo ich bis zum Abend auf den Trümmern
liegenbleibe. Ich will eine Lungenentzündung bekommen. Aber ich kriege nicht mal einen
Schnupfen. Der Liebe Gott muss wirklich was mit mir vorhaben. Vor Wut, dass ich ins
Theater muss, werfe ich die paar Möbel aus dem Fenster, die auf der Strasse zerschmettern.
Als Mitglied des Deutschen Theaters bekomme ich Bons, mit denen ich einmal täglich im
Theaterklub essen darf. Dieser Klub ist von den Russen eingerichtet und für alle zugänglich,
die zu Oper, Ballett und Theater gehören. Natürlich auch für politische Bonzen. Im
Klubrestaurant gibt es alles, selbst Krimsekt und Malossol-Kaviar. In erster Linie ist der
Klub für die Bonzen da, und die Spitzel passen höllisch auf, ob von uns nicht etwa einer so
frech ist, ein zweites Mal zu essen. Ich esse zwar keinen Kaviar und trinke keinen Sekt, weil
ich das gar nicht bezahlen könnte, erlaube es mir aber, an einem Tag zweimal zu essen.
Mittags und nach der Abendvorstellung, weil ich solchen Hunger habe. Prompt bekomme
ich eine Verwarnung. Der Verwaltungsdirektor des Deutschen Theaters, der selbst zweimal
täglich frisst, hatte mich gesehen und angezeigt. Derselbe Verwaltungsdirektor weigert sich
eine Woche später, mir einen Vorschuss auf meine Gage zu bewilligen. Man kann über
interne Treppen und Korridore von den Theatergarderoben direkt bis zu den Büroräumen
gelangen. Ich bin bereits für die Abendvorstellung umgezogen und ausser dern langen
Stiefeln im Kostüm, als ich den Scheisskerl an seiner Krawatte packe und ihn so lange
ohrfeige, bis auf sein Blöken hin andere Büroangestellte hereinstürzen. Jetzt kommt auch
Langhoff und verlangt, dass ich das Kostüm ausziehe, da ich mit sofortiger Wirkung
gefeuert sei. Ich aber denke nicht daran, das Kostüm auszuziehen und stürme in meine
Garderobe, um mir auch die Stiefel anzuziehen. Die Stiefel sind noch in der Schusterei. Da
kann ich nicht hin, weil Langhoff, der Verwaltungsdirektor und die anderen
Büroangestellten, die mir wie eine Reihe Gänse folgen, den Weg abschneiden würden. Also
auf Socken die andere Treppe hinunter, ins Foyer. Die Reihe Gänse immer hinter mir her.
Die ersten Zuschauer sammeln sich an der Abendkasse. Ich stürme an ihnen vorbei auf die
Strasse. Überall Menschen, die ins Theater wollen. Da! Die Theaterkneipe! Ich kenne den
Wirt gut. Auch die Theaterkneipe ist voller Leute, die vor der Vorstellung eine Bulette
fressen oder einen kippen. Die Reihe Gänse, mit Langhoff an der Spitze, hat eine andere
Treppe benutzt, die aus dem Foyer des Theaters in die Theaterkneipe führt. Ich renne ihnen
direkt in die Arme. Die Hetzjagd geht über Tisch, Stühle, Gäste. Ich springe auf einen Tisch.
"Wenn ihr euer Kostüm zurückhaben wollt, hier ist es!" Ich fetze mir das Kostüm vom Leib.
Zerbeisse es stückweise. "Das ist für dich! Und für dich! Da! Friss es auf, wenn du willst!
Nie wird es jemand anders nach mir tragen!" Die Ratte von Verwaltungsdirektor leidet bei
jedem Stofffetzen. Ich zerstückle das Kostüm in so winzige Teile, dass man es nie mehr
zusammenflicken kann. Hindern können sie mich nicht daran. Ich stehe mit dem Rücken zur
Wand und werde jedem einen Tritt gegen den Kopf versetzen, der sich mir nähert. Dann bin
ich nackt. Der Kneipenwirt wirft mir einen Mantel über und versucht, mich zu beruhigen,
denn ich weine schreiend vor Wut und Ekel über diese Brut. Die Reihe Gänse zieht mir
ihren Stofffetzen ab. [Klaus Kinski: Ich brauche Liebe, 1991, S. 104-106]
So verlässt Klaus Kinski das Deutsche Theater und mietet sich ein neues Atelier an der
Brandenburgischen Strasse. Bruder Achim kehrt aus der russischen Kriegsgefangenschaft zurück
und landet wegen einer Sache mit Pelzmänteln im Knast. Auch Klaus hat Knatsch mit der Polizei
und landet in einer Zelle.
Klaus Kinski verbringt dann zwei Monate in einem Gartenhäuschen an der Clayallee.
Ein israelisches Mädchen will Klaus heiraten, jedoch ist er bereits verheiratet.
Während einer Reise nach München handelt sich Klaus ein Verfahren wegen Beamtenbeleidigung
ein. In Abwesenheit wird er zu vier Monaten Gefängnis oder 3000 DM Strafe verurteilt. Sein
Anwalt A. T. kann das Urteil schließlich in vier Jahre Bewährung umbiegen.