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Pflegeplanung

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38 Standardpflegepläne von
A wie Apoplexie bis
W wie Weglauftendenz

4. Auflage / Juni 2014 / Vers. 4.2g

das Altenpflegemagazin im Internet


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Orientierungslos?
Würden Sie in ein Flugzeug steigen, wenn der Pilot
keinen Kompass an Bord hat? Oder mit einem
Schiff fahren, dessen Kapitän die allerletzte
Seekarte bei eBay verhökert hat?

Wohl eher nicht! Ganz ähnlich verhält es sich mit


der Altenpflege. Hier bildet die Pflegeplanung das
Fundament, auf das alles andere aufgebaut wird.
Ohne eine gute Pflegeplanung gibt es keine
langfristige Strategie und keine Ziele.

Ihre Annika Klugkist

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Inhaltverzeichnis

• Standardpflegeplan „Unruhe / Weglauftendenz“ Seite 5


• Standardpflegeplan „leichte Demenz“ Seite 13
• Standardpflegeplan „mittlere Demenz“ Seite 32
• Standardpflegeplan „schwere Demenz“ Seite 64
• Standardpflegeplan „Schlafstörungen“ Seite 87
• Standardpflegeplan „Parkinson Syndrom“ Seite 96
• Standardpflegeplan „Multiple Sklerose“ Seite 111
• Standardpflegeplan „Apoplexie“ Seite 123
• Standardpflegeplan "blinde und stark sehbehinderte Senioren" Seite 134
• Standardpflegeplan „Schwerhörigkeit / Gehörlosigkeit“ Seite 145
• Standardpflegeplan „Alkoholsucht“ Seite 155
• Standardpflegeplan „Leberzirrhose“ Seite 164
• Standardpflegeplan „Niereninsuffizienz“ Seite 170
• Standardpflegeplan „Diabetes mellitus“ Seite 176
• Standardpflegeplan „Untergewicht und Kachexie“ Seite 187
• Standardpflegeplan „Dehydratationsprophylaxe“ Seite 197
• Standardpflegeplan „Adipositas“ Seite 207
• Standardpflegeplan „Stuhlinkontinenz“ Seite 220
• Standardpflegeplan „Belastungs- und Stressinkontinenz“ Seite 228
• Standardpflegeplan "Prostatahyperplasie" Seite 234
• Standardpflegeplan "Querschnittlähmung" Seite 240
• Standardpflegeplan „Rheumatische Erkrankungen“ Seite 248
• Standardpflegeplan „Sturzprophylaxe“ Seite 259
• Standardpflegeplan „Totalendoprothese / 'TEP'„ Seite 275
• Standardpflegeplan "Pflege von Senioren nach Frakturen" Seite 281
• Standardpflegeplan „bösartige Tumorleiden“ Seite 286
• Standardpflegeplan "Wachkoma“ Seite 298
• Standardpflegeplan „Schmerzen“ Seite 307
• Standardpflegeplan "Pflege von sterbenden Bewohnern" Seite 321
• Standardpflegeplan „Herzinsuffizienz“ Seite 330
• Standardpflegeplan „koronare Herzkrankheit“ Seite 342
• Standardpflegeplan „Hypertonie“ Seite 350
• Standardpflegeplan „Dekubitusprophylaxe“ Seite 361
• Standardpflegeplan „Prophylaxe Ulcus cruris“ Seite 373
• Standardpflegeplan „chronische Bronchitis“ Seite 382
• Standardpflegeplan „Asthma bronchiale“ Seite 390
• Standardpflegeplan „HIV / AIDS“ Seite 399
• Standardpflegeplan „MRSA“ Seite 410
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Standardpflegeplan "Unruhe / Weglauftendenz"

• Als Begleiterscheinung einer demenziellen Erkrankung können Unruhe- und Agitiertheitszustände


auftreten. Bei vielen Betroffenen kommt es neben der emotionalen Erregung auch zu einem nicht
kontrollierbaren Bewegungsdrang. In der Folge läuft der Bewohner ohne Pause und oft bis zur
Erschöpfung durch die Einrichtung. Ein Entweichen aus dem Pflegeheim geschieht dabei eher zufällig und
kann mit einem vergleichsweise geringen Aufwand vermieden werden.
• Eine größere Gefahr besteht für Bewohner, die unsere Einrichtung gezielt ohne Rücksprache verlassen
und dann hilflos in der Umgebung umherirren. Dieses "Weglaufen" ist die Folge einer zeitlichen und
räumlichen Desorientierung. Der Bewohner versteht nicht, dass er nun in einem Pflegeheim lebt. Viele
demenzkranke Frauen und Männer glauben, noch immer berufstätig zu sein oder Kinder versorgen zu
müssen. Sie verlassen die Einrichtung, weil sie "nach Hause" oder "zur Arbeit" gelangen wollen. Die
unkontrollierten Aktivitäten sind nicht zuletzt für den Senioren selbst riskant. Vor allem Dehydratation,
Unterzuckerung oder die Folgen einer unterbliebenen Medikamenteneinnahme bedeuten eine Gefährdung
für die Gesundheit oder sogar für das Leben des Bewohners. Im Winter besteht schon nach kurzer Zeit
das Risiko des Erfrierens.
• Studien zufolge ist jeder fünfte Bewohner einer stationären Einrichtung von einer Weglauftendenz
betroffen.

Anmerkung:

• Standardpflegepläne geben für spezielle Pflegeprobleme die typischen pflegerischen Maßnahmen vor, so
etwa wie in diesem Beispiel für Unruhe und Weglauftendenz. Standardpflegepläne umfassen generelle und
potenzielle Pflegeprobleme, Pflegemaßnahmen und Pflegeziele.
• Aus diesem Grund erleichtert ein Standardpflegeplan zwar die Pflegedokumentation, aber er ersetzt auf
keinen Fall eine individuelle auf den Bewohner / Patienten bezogene Pflegeplanung.
• Jede Pflegefachkraft ist gehalten, diese generellen Pflegeprobleme, Pflegemaßnahmen und Pflegeziele
auf Relevanz zu überprüfen und auf die individuellen Einschränkungen und Ressourcen des jeweiligen
Bewohners / Patienten anzupassen. Wichtig ist auch beim Einsatz von Standardpflegeplänen, diese in
regelmäßigen Abständen zu überprüfen und ggf. zu überarbeiten, da sie immer auf dem aktuellen Stand
sein sollten.

Pflegeproblem Pflegemaßnahmen Pflegeziel


Sich bewegen

• Der Bewohner läuft • Wir achten auf das Verhalten des • Ein sich
scheinbar ziellos im Bewohners, um ein Weglaufen möglichst andeutendes
Wohnbereich umher frühzeitig zu erkennen. Dieses kann sich Weglaufverhalten
und verlässt häufig die entweder durch typisches Verhalten wird rechtzeitig
Einrichtung. andeuten oder durch sprachliche erkannt.
Hinweise, etwa wenn der Bewohner • Wir verfügen über
äußert, dass er gleich zur Schule gehen alle Informationen,
müsse. die wir benötigen,
• Wir sammeln alle Informationen, die für die um den Bewohner
Bestimmung der Ursache und der schnell ausfindig zu
Motivation des Bewohners relevant sein machen.
könnten. Etwa:
o Wohin geht der Bewohner?
o Wie weit entfernt er sich von der
Einrichtung?
o Wie oft verlässt er die Einrichtung?
o Wie ist der Zustand des
Bewohners, wenn der Laufzwang
einsetzt? Ist er erregt oder müde?
Friert er oder hat er Harndrang?
Hat er Hunger oder Durst? Hat er
Angst und fühlt sich verfolgt?
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• Wenn der Bewohner nach einem Ausflug


in die Einrichtung zurückkehrt, dürfen ihm
keine Vorhaltungen gemacht werden. Er
wird stets freundlich empfangen und erhält
insbesondere ein Getränk. Zudem werden
die Vitaldaten ermittelt.

Vitale Funktionen des Lebens aufrechterhalten

• Der Bewohner nimmt • Wir prüfen, ob die Einnahme von • Der Einfluss von
Medikamente, deren Beruhigungsmitteln mitursächlich für die Beruhigungsmitteln
Nebenwirkungen Unruhe ist. Eine zu geringe Dosis kann wird geklärt. Ggf.
mitursächlich für die beim Bewohner einen Zustand zwischen wird die
Unruhe sein könnten. Schlaf und Wachsein auslösen. Medikamentierung
• Vor allem Neuroleptika, Nootropika und angepasst.
aktivierende Antidepressiva können
Unruhe steigern.

• Der Bewohner leidet • Wir prüfen, welchen Einfluss diverse • Die Auswirkungen
unter Krankheiten, die Krankheiten auf das Verhalten des der Erkrankungen
mitursächlich für die Bewohners haben. Diese sollten auf die
Unruhe sein könnten. umgehend behandelt werden. Etwa: Weglauftendenz
o Urämie (Harnvergiftung) bei einer werden korrekt
Insuffizienz der Nieren eingeschätzt.
o Enzephalopathie, also eine
nichtentzündliche diffuse
Erkrankung oder Schädigung des
Gehirns
o Mangeldurchblutung des Gehirns
als Folge einer Insuffizienz des
Herzens
o Arteriosklerose von Hirngefäßen
o Diabetes mellitus mit
Stoffwechselentgleisungen
o drastische Elektrolytverluste
o starke Schmerzen
o Vergiftungen
o Fieber

• Der Bewohner leidet • Wir setzen die Maßnahmen um, die im • Die Auswirkungen
unter Krankheiten, die Standard "Pflege von demenziell der Demenz auf das
mitursächlich für die veränderten Bewohnern" beschrieben sind. Weglaufverhalten
Unruhe sein könnten. werden so weit es
• Der Bewohner ist uns möglich ist
demenziell verändert. reduziert.
Er hat
Orientierungsstörunge
n und
Gedächtnisstörungen.
Er ist nicht in der Lage,
sein Handeln im "Hier
und Jetzt" zu steuern.

• Der Bewohner leidet • Sofern wir mit unseren begrenzten • Die Sucht als
unter einer Ressourcen dazu in der Lage sind, helfen Auslöser der
Abhängigkeitserkranku wir dem Bewohner bei der Überwindung Unruhe wird
ng. Er versucht, der Abhängigkeit. überwunden.
Suchtmittel zu • Die dazu notwendigen Schritte sind in den
entsprechenden Standards beschrieben,
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erlangen. etwa im Standard "Pflege von


alkoholabhängigen Senioren" oder im
Standard "Pflege und Betreuung
medikamentenabhängiger Senioren".

Essen und trinken

• Aufgrund des erhöhten • Wenn es keinen Grund gibt, um den • Der erhöhte
Bewegungsdranges ist Bewohner in der Einrichtung festzuhalten, Energie- und
der Kalorienbedarf sorgen wir dafür, dass er bei seinen Flüssigkeitsbedarf
erhöht. Der Bewohner Spaziergängen ein Getränk und ggf. auch wird kompensiert.
nimmt nicht einen Snack bei sich hat. Es ist wichtig, • Ein zu großer
ausreichend Nahrung dass der Bewohner den Getränkebehälter Gewichtsverlust
zu sich, um einen öffnen kann. Das Einstechen eines wird vermieden.
Gewichtsverlust zu Strohhalmes in einen Tetrapack stellt hohe
vermeiden. Ansprüche an die Feinmotorik.
• Der Bewohner schwitzt • Der BMI des Bewohners wird regelmäßig
während des Laufens ermittelt. Bei Bedarf wird die Ernährung
sehr stark und nimmt des Bewohners entsprechend angepasst.
zu wenig Getränke zu
sich. Der
Flüssigkeitsverlust
steigert die
Desorientierung. Es
besteht das Risiko der
Dehydratation.

Sich kleiden

• Der Bewohner verlässt • Wir stellen sicher, dass der Bewohner • Der Bewohner kann
häufig unbemerkt die helle Kleidung trägt. Jacken werden nach anhand seiner
Einrichtung und irrt Möglichkeit mit Reflektoren ausgestattet. Kleidung identifiziert
dann durch die • In der Kleidung und in der Handtasche werden.
Umgebung. werden der Name und die Adresse der • Wenn der Bewohner
Einrichtung vermerkt. aus der Einrichtung
• Die Kleidung des Bewohners wird mit entweicht, ist er
kleinen Sendern ausgestattet, die in zumindest
Kombination mit einem Sensorensystem angemessen
an den Eingängen ein Entweichen bekleidet.
rechtzeitig melden.
• Wir achten darauf, dass der Bewohner
auch innerhalb der Einrichtung stabiles
Schuhwerk trägt. Dieses sollte so gewählt
werden, dass sich der Bewohner nach
einem Entweichen aus der Einrichtung
auch im Freien sicher fortbewegen kann.

Ruhen und schlafen

• Der Demenzkranke • Durch geeignete Maßnahmen verhindern • Der Bewohner hat


kann nachts einen wir, dass der Bewohner stürzt. eine erholsame
Traum nicht von der Stolperfallen werden entfernt und ein Nachtruhe.
Realität unterscheiden. Nachtlicht eingeschaltet.
Er ist desorientiert und • Wir prüfen, ob die Nebenwirkungen von
unruhig, verlässt sein Medikamenten mitverantwortlich für das
Bett und wandert Verhalten sind. Ggf. werden der Wirkstoff
umher. oder der Applikationszeitpunkt geändert.
• Wir prüfen, ob in der Nacht als letzte
Option ein Bauchgurt und ein
hochgestelltes Bettgitter erforderlich sind.
In diesem Fall muss der Bewohner von
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den Mitarbeitern der Nachtschicht


engmaschig überwacht werden.

• Der Bewohner ist • Wir versuchen zu klären, welche Ursache • Die Auslöser der
nachts unruhig, es für die Unruhe gibt. Mögliche Auslöser Schlafstörung sind
verlässt sein Zimmer sind: bekannt und können
und läuft durch den o zu viel Licht im Bewohnerzimmer, beseitigt werden.
Wohnbereich. etwa durch die
Straßenbeleuchtung
o Verwechselung im Tag-Nacht-
Rhythmus
o Schmerzen
o nächtliche Ruhestörung, etwa
durch das Schnarchen eines
Zimmergenossen.
o Wenn der Tag-Nacht-Rhythmus
gestört ist, versuchen wir die
Orientierung wieder herzustellen.
o Das Zimmer wird durch Jalousien
oder dichte Vorgänge vor
Lichteinfall geschützt.
o Die am Tag getragenen
Kleidungsstücke werden in den
Schrank geräumt.
• Je nach persönlichem Geschmack erhält
der Bewohner einen Schlummertrunk.
Ideal ist Milch. In geringen Mengen kann
ggf. auch ein alkoholisches Getränk
gereicht werden. Ungeeignet sind i.d.R.
heiße Schokolade, Kaffee oder Tee.

Sich beschäftigen

• Dem Bewohner ist • Der Bewohner wird am Tag aktiv gehalten. • Der Bewohner
häufig langweilig. Er Wir ermuntern ihn, an unserem erhält die
schläft deshalb viel am Beschäftigungsprogramm teilzunehmen Möglichkeit, seinen
Tag. In der Nacht ist er oder eigenen Hobbys nachzugehen. Bewegungsdrang
dann nicht mehr müde. • Er sollte keinen Mittagsschlaf halten. tagsüber
auszuleben und
seine Energien zu
verbrauchen.

• Der Bewohner ist • Wir versuchen, den Bewohner durch • Der Bewohner bleibt
desorientiert und will Ablenkung von seinem Plan abzubringen. im Gebäude bzw. im
das Gebäude Wir schlagen ihm insbesondere alternative umzäunten
verlassen. Beschäftigungsmöglichkeiten innerhalb Gelände, ohne dass
des Hauses vor. dafür Zwang
• Wir prüfen, ob es möglich ist, dass der ausgeübt werden
Bewohner von einem Praktikanten, einem musste.
ehrenamtlichen Mitarbeiter oder von einer
Betreuungskraft begleitet wird. (Ideal sind
auch Spaziergänge auf "Endloswegen" mit
eingestreuten Sitzgelegenheiten, wie sie
inzwischen in sog. "Demenzgärten" zu
finden sind.)
• Wir versuchen, Konfrontationen oder
körperlichen Zwang zu vermeiden.

• Bei Freizeitaktivitäten • Wir prüfen, ob das Verhalten abhängig von • Der Bewohner
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versucht der der Tageszeit ist und passen die Planung nimmt konzentriert
Bewohner, den Raum der Beschäftigungsangebote entsprechend an dem
zu verlassen. Er muss an. (Hinweis: Bei vielen Seniorinnen tritt Beschäftigungsange
dann vom Mitarbeiter die Unruhe z. B. um die Mittagszeit auf, bot teil. Durch den
zurück zu seinem Platz wenn die Kinder von der Schule kamen zwischenmenschlich
gebracht werden. Das und versorgt wurden.) en Dialog wird der
Verhalten stört die • Die Mitarbeiter nutzen die Prinzipien der Impuls zum
anderen Teilnehmer. validierenden Kommunikation. Wir prüfen, Weglaufen
ob wir einen biografischen Bezug zum reduziert.
Beschäftigungsangebot herstellen können.
(Hinweis: Im obigen Beispiel könnte die
Bewohnerin an der Kochgruppe
teilnehmen. Damit wäre dann der
biografische Anknüpfungspunkt zur
Tätigkeit als Hausfrau und Mutter
gefunden.

• Der Bewohner nimmt • Wir stellen sicher, dass der Bewohner von • Der Bewohner kehrt
an den einer Pflegekraft am Betreuungsraum nach dem
Freizeitaktivitäten zwar abgeholt wird. Der Therapeut wird Beschäftigungsange
teil, will danach aber gebeten, den Bewohner noch so lange zu bot sicher auf den
nicht auf den beschäftigen, bis er an die Pflegekraft Wohnbereich
Wohnbereich übergeben wurde, die ihn dann zurück auf zurück.
zurückkehren. Er den Wohnbereich begleitet.
möchte stattdessen die
Einrichtung verlassen
und "nach Hause"
gehen.

Für eine sichere Umgebung sorgen

• Der Bewohner ist • Räume, in denen sich gefährliche • Die Gesundheit des
nachts unruhig, Gegenstände befinden, werden in der Bewohners wird
verlässt sein Zimmer Nacht konsequent abgeschlossen. durch das
und geht durch den • Treppen werden mit Gittern versehen, um Umherwandern
Wohnbereich. ein Herunterstürzen eines Bewohners zu nicht gefährdet.
verhindern.
• Alle Türen, die nach außen führen, sind
nachts verschlossen oder werden vom
Personal überwacht.
• Im Badezimmer und in allen Räumen, die
zwischen dem Bewohnerzimmer und dem
WC liegen, brennt auch in der Nacht in
schwaches Licht.

• Der Bewohner bewegt • Wir stellen sicher, dass der Bewohner über • Die Unfallgefahr
sich außerhalb der eine Brille mit aktuellen Glasstärken wird auf ein
Einrichtung im verfügt. Er sollte diese Brille konsequent Minimum reduziert.
Straßenverkehr. tragen.
Aufgrund der • Bei Hörschäden sollte der Bewohner über
altersbedingten zwei funktionsfähige Hörgeräte mit
Einschränkungen ist er geladenen Akkus verfügen. Wir ermuntern
dort einem erhöhten ihn, diese Systeme auch zu nutzen.
Unfallrisiko ausgesetzt. • Bei begleiteten Spaziergängen erläutern
wir dem Bewohner das richtige Verhalten
im Straßenverkehr; insbesondere etwa die
Nutzung des Ampel-Leitsystems für Blinde
(mit dem "Summer").
• Wenn der Bewohner ein Geschäft
aufsuchen will, organisieren wir ggf. eine
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Gruppe von Mitbewohnern, die dann


gemeinsam einkaufen gehen.
• Das Verhalten des Bewohners im
Straßenverkehr wird von uns
stichprobenartig überwacht. Das Risiko für
den Bewohner und für andere
Verkehrsteilnehmer wird regelmäßig neu
bewertet.

• Der Bewohner weist • Die Vorgaben unseres Standards • Der Bewohner stürzt
eine erhöhte "Sturzprophylaxe" werden umgesetzt; etwa nicht.
Sturzgefährdung auf. hinsichtlich der Verwendung von • Die
Als Folge der Hüftprotektoren. gesundheitlichen
Unruhezustände ist er • Wir legen dem Bewohner die Nutzung Folgen eines
bereits mehrfach bei eines Rollators nahe. Wir helfen bei der Sturzes werden
Ausflügen gestürzt. Beschaffung und bei der Einweisung. minimiert.

• Der Bewohner verlässt • Der Bewohner erhält ein Armband mit der • Wir sind optimal auf
die Einrichtung und eingravierten Adresse und der ein Weglaufen des
findet nicht mehr Telefonnummer der Einrichtung; alternativ Bewohners
zurück. einen SOS-Anhänger. vorbereitet.
• Der Bewohner erhält einen Brustbeutel. In
diesem finden sich schriftliche
Anweisungen für den Fall, dass sich der
Bewohner verläuft.
• Wir trainieren mit dem Bewohner das
richtige Verhalten, wenn er sich verlaufen
hat. Also: Nutzung der Notruffunktion
öffentlicher Telefone, Herbeirufen von Hilfe
usw.
• Wir bitten die Angehörigen, ein kleines
Smartphone zu beschaffen. Dieses wird
eingeschaltet und mit aktivierter GPS-
Ortung in einer der Taschen abgelegt. Die
Zustimmung des Bewohners bzw. ein
richterlicher Beschluss liegen vor.
• Auf der Basis des Standards "Pflege von
Bewohnern mit Weglauf- und
Hinlauftendenz" bereiten wir uns frühzeitig
auf ein solches Ereignis vor. Insbesondere
halten wir stets ein aktuelles Foto des
Bewohners für die Polizei bereit.

• Der Bewohner verlässt • Bei vielen Senioren ist das Verlassen der • Der Bewohner
häufig unbemerkt die Wohnung und später des Pflegeheims verlässt die
Einrichtung. Auch nach ritualisiert. (So wie viele Pflegekräfte Einrichtung nicht.
Ausschöpfung aller niemals ohne ihr Smartphone vor die Tür
Möglichkeiten zur gehen würden.) Wenn ein "Baustein" des
Reduzierung der Rituals fehlt, kann der Impuls unterbrochen
Gesundheitsrisiken ist werden.
die Gefahr • Wir erfassen sorgfältig, welche Kleidung
inakzeptabel hoch. und Gegenstände der Bewohner
gewöhnlich bei seinen Wanderungen
mitnimmt. Etwa: Hut, Regenschirm,
Wanderstock oder Handtasche. Diese
werden ggf. versteckt. (Hinweis: Dies ist
bereits eine freiheitsentziehende
Maßnahme, und muss gerichtlich
genehmigt werden.)
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• Das Verhalten des • Wir prüfen, ob der Bewohner in einem • Eine Selbst- oder
Bewohners bleibt trotz beschützten Wohnbereich versorgt werden Fremdgefährdung
unserer Bemühungen sollte. wird reduziert.
unverändert. Er stellt • Gemeinsam mit dem behandelnden Arzt
zudem eine Gefahr für prüfen wir, ob der Einsatz von Sedativa
sich und/oder für angemessen ist.
andere Menschen dar. • Wir prüfen, ob der Bewohner als letztes
• Aufgrund des Mittel fixiert werden muss. Die Vorgaben
Verhaltens und im entsprechenden Standard werden
entsprechender sorgfältig umgesetzt.
Äußerungen ist von
suizidalen Absichten
auszugehen.

Soziale Bereiche des Lebens sichern

• Der Bewohner • Wir prüfen, welche häufig verlegten • Der Bewohner


vermisst einen für ihn Gegenstände für den Bewohner von solch beruhigt sich
wichtigen Gegenstand, zentraler Bedeutung sind. Wir bitten die wieder. Das
den er folglich suchen Angehörigen, ein Duplikat dieses Verhalten
will. Diese Suche Gegenstandes zu beschaffen. Der normalisiert sich.
steigert sich zu Bewohner erhält diesen Ersatz, bis das
Unruhezuständen und Original wieder auftaucht.
zum Umherwandern.

Mit existentiellen Erfahrungen des Lebens umgehen

• Der Bewohner ist • Wir prüfen, ob der Bewohner depressiv ist. • Eine mögliche
unruhig, verlässt sein Falls es relevante Hinweise auf eine Depression wird
Zimmer und läuft durch Erkrankung gibt, regen wir eine rechtzeitig erkannt
den Wohnbereich. fachärztliche Untersuchung an. und angemessen
• Wir prüfen, ob das Verhalten die Folge von behandelt.
Trauer oder des erst kürzlich erfolgten
Heimeinzuges ist.

• Dem Bewohner ist • Wir nutzen die Validation. • Der Bewohner


nicht bewusst, dass er o Wir befragen ihn nach seinem nimmt die
jetzt in einem Zuhause und nach den Einrichtung als sein
Pflegeheim lebt. Er will Erinnerungen, die er damit neues Zuhause und
nach Hause / zur verbindet. seinen
Schule / zur Arbeit o Wir erklären dem Bewohner, dass Lebensmittelpunkt
gehen und verlässt das dieses nun sein Zuhause ist. Er an.
Gebäude. soll sich keine Sorgen machen.
• Wir bieten dem Bewohner an, einen
begleiteten Spaziergang zu machen und
hoffen, dass er darüber seine
ursprüngliche Absicht vergisst.
• Korrekturen des Bewohnerverhaltens mit
Realitäts-Orientierungs-Training (ROT)
sind zumeist kontraproduktiv.

• Der Bewohner fühlt • Wir sorgen für eine familiäre Atmosphäre • Der Bewohner
sich in der Einrichtung in der Einrichtung: nimmt die
offenbar nicht • Wir nutzen Körperkontakt, um Vertrautheit Einrichtung als sein
zuhause. Dieses zu fördern. neues Zuhause und
Gefühl fördert den • Wir nutzen konsequent das System der seinen
Laufzwang. Bezugspflege. Lebensmittelpunkt
• Wir nutzen einen Hundebesuchsdienst. an.
• Wir integrieren die bisherigen
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Lebensgewohnheiten in den Tagesablauf


des Bewohners in der Einrichtung.
• Wir stärken das Selbstwertgefühl des
Bewohners, indem wir ihn kleine Aufgaben
ausführen lassen, etwa das Decken des
Tisches oder Blumengießen.
• Wir statten das Zimmer des Bewohners mit
vertrauten Gegenständen, Fotos usw. aus.
• Wir wecken Erinnerungen an die Kindheit,
etwa durch Kleider, Gedichte oder Fotos.
• Wir animieren den Bewohner, soziale
Kontakte innerhalb der Einrichtung zu
knüpfen.
• Wir stehen dem Bewohner jederzeit für ein
Gespräch zur Verfügung.
• Wir planen Tages- und Wochen
strukturierende Maßnahmen.
• Stressfaktoren werden auf ein Minimum
reduziert. Dazu zählt insbesondere Streit
mit Mitbewohnern.
• Wir vermeiden eine Reizüberflutung des
Bewohners. Dazu gehört auch, unbeachtet
laufende Radios und Fernsehgeräte
abzuschalten.
• Wir prüfen, ob der Bewohner
möglicherweise aus der Einrichtung
entweichen möchte, um Suchtmittel zu
beschaffen (Alkohol, Medikamente,
Drogen usw.)
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Standardpflegeplan "leichte Demenz"


Die senile Demenz ist eine organisch bedingte Verminderung der intellektuellen Hirnleistung mit negativen
Auswirkungen auf die sozialen Funktionen. Im Laufe der Zeit treten Gedächtnis-, Wahrnehmungs- und
Denkstörungen sowie eine Persönlichkeitsveränderung, Desorientierung und Sprachstörungen auf. Das wichtigste
Frühsymptom ist die verschlechterte Gedächtnisleistung.
Unterteilt werden die Demenzformen in primär degenerative Demenzen und sekundäre Demenzen.
primär degenerative Demenzen:

• Alzheimer Demenz
• Parkinson Demenz
• Chorea Huntington

Ursachen der sekundären Demenzen:

• Stoffwechselerkrankungen, z.B. Schilddrüsen- und Nebenschilddrüsenfunktionsstörungen


• Verletzungen des Gehirns, z.B. Subduralhämatom
• raumfordernde Prozesse im Gehirn wie etwa Tumore,
• Infektionskrankheiten des Gehirns wie etwa AIDS, Creutzfeldt-Jakob-Krankheit
• Vergiftungen wie etwa Schwermetalle, Drogen, Medikamente, Alkohol
• kardiovaskuläre Erkrankungen, z.B. Multiinfarktdemenz

die Primärsymptome - auch die "6 A" genannt sind:

• Amnesie (Gedächtnisstörung. Zuerst ist das Kurzzeitgedächtnis gestört, später dann auch das
Langzeitgedächtnis)
• Aphasie (Sprachstörung)
• Agnosie (Wahrnehmungsstörungen)
• Apraxie (Störung von motorischen Handlungsabläufen)
• Abstraktionsfähigkeitsverlust
• Assessment-Störung (die Urteilskraft ist gestört)

Sekundärsymptome:

• Angst
• Unruhe
• Depressionen
• Persönlichkeitsstörung
• Apathie
• Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen
• Paranoia
• Abwehrverhalten
• zunehmende zeitliche, örtliche, situative Desorientiertheit. Später auch Desorientierung zur eigenen
Person
• gestörter Tag-Nacht-Rhythmus
• Perseveration (Bewohner vergisst, was er gesagt hat, und wiederholt es ständig, z.B. "Schwester, wie spät
ist es?")
• Urin- und Stuhlinkontinenz
• Schluckstörungen
• verlangsamtes und umständliches Denken

Schweregrade:

• leichte Demenz: Bei der leichten Demenz ist ein unabhängiges Leben mit persönlicher Hygiene und
intaktem Urteilsvermögen möglich. Die Berufstätigkeit und soziale Kontakte sind aber deutlich
beeinträchtigt. Angehörige berichten von Persönlichkeitsveränderungen. Viele Senioren reagieren darauf
mit Niedergeschlagenheit, Rückzug, Scham und Wut. In dieser Phase entwickeln sich häufig auch
Schuldzuweisungen, z.B. wird dem Betreffenden immer wieder etwas "gestohlen". Vermutlich handelt es
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sich dabei um einen Selbstschutz. Der Betroffene macht sich damit Ereignisse begreiflich, die er sich sonst
nicht mehr erklären kann.
• mittelschwere Demenz: Bei der mittelschweren Demenz ist ein selbstständiges Leben sehr schwierig, ein
erhöhtes Maß an Aufsicht ist notwendig. Bei alleinstehenden Personen können Gefahren auftreten, wie
eine vergessene Herdplatte oder unbewachte brennende Kerzen. Kompliziertere Handlungen können nicht
mehr durchgeführt werden. Und neue werden nicht mehr erlernt. Der Betroffene reagiert darauf oft mit
Gereiztheit, Depressionen und Rückzug. In dieser Phase tritt auch häufig eine motorische Unruhe auf. Die
Betroffenen machen sich auf die Suche nach etwas Bekanntem, z.B. nach der eigenen früheren Wohnung
oder nach einem Geschäft, in dem sie seinerzeit täglich eingekauft haben.
• schwere Demenz: Bei der schweren Demenz liegt ein Unvermögen vor, das Leben selbstständig führen zu
können. Die persönliche Hygiene kann nicht mehr durchgeführt werden. Es liegt u.a. ein Mutismus
(Stummheit bei intakten Sprechorganen und erhaltenem Sprachvermögen) vor. Ständige Aufsicht und
Anleitung sind erforderlich. Die nächsten Angehörigen werden nicht mehr erkannt. Mit der Zeit verlernen
die Betroffenen das Gehen, das Sitzen und / oder das Schlucken. Sie werden bettlägerig, und die
Krankheit führt schließlich zum Tod.

In der Altenpflege spielen die senile Demenz vom Alzheimer Typ und die Multiinfarktdemenz die größte Rolle.

• Senile Demenz vom Alzheimer Typ (SDAT): Die Alzheimerkrankheit ist ein fortschreitender degenerativer
Prozess im Gehirn. Im Kortex (Hirnrinde) kommt es durch Eiweißablagerungen zum Zelluntergang. So
entwickelt sich ein Hirnschwund vorrangig im Temporal- und im Parietallappen. Die Alzheimerkrankheit ist
nicht heilbar.
• Multiinfarktdemenz: Die Multiinfarktdemenz tritt häufig nach wiederholten Schlaganfällen auf, die sich im
Alltag kaum bemerkbar gemacht haben. Häufig leiden die Betroffenen seit Jahren unter Hypertonie und
unter Diabetes mellitus. Oft sind sie Raucher. Die Ursache der Multiinfarktdemenz ist eine
Minderdurchblutung des Gehirns infolge von arteriosklerotischen Veränderungen. Der Sauerstoffmangel
führt zum Absterben von Neuronen und somit zu neurologischen Ausfallserscheinungen. Mit
entsprechenden Medikamenten lässt sich die Durchblutung des Gehirns fördern. Typisch für diese
Demenz ist ein schubförmiger Verlauf. Es kann zu einer plötzlich einsetzenden Verschlechterung kommen.
Bei etwa jedem sechsten Betroffenen kommen epileptische Anfälle hinzu. Die Multiinfarktdemenz muss
nicht zwangsläufig voranschreiten im Gegensatz zur Alzheimer-Demenz.

Anmerkung:

• Standardpflegepläne geben für spezielle Pflegeprobleme die typischen pflegerischen Maßnahmen vor, so
etwa wie in diesem Beispiel für Demenz. Standardpflegepläne umfassen generelle und potentielle
Pflegeprobleme, Pflegemaßnahmen und Pflegeziele.
• Aus diesem Grund erleichtert ein Standardpflegeplan zwar die Pflegedokumentation, aber er ersetzt auf
keinen Fall eine individuelle auf den Bewohner / Patienten bezogene Pflegeplanung.
• Jede Pflegefachkraft ist gehalten, diese generellen Pflegeprobleme, Pflegemaßnahmen und Pflegeziele
auf Relevanz zu überprüfen und auf die individuellen Einschränkungen und Ressourcen des jeweiligen
Bewohners / Patienten anzupassen. Wichtig ist auch beim Einsatz von Standardpflegeplänen, diese in
regelmäßigen Abständen zu überprüfen und ggf. zu überarbeiten, da sie immer auf dem aktuellen Stand
sein sollten.

Pflegeproblem Pflegemaßnahmen Pflegeziel


Kommunizieren

• Der Bewohner leidet unter • Wir geben dem Bewohner • Die Fähigkeit zur
Wortfindungsstörungen. ausreichend Zeit zum Kommunikation bleibt so
Seine Fähigkeit, sich Überlegen. lange wie möglich und so
auszudrücken und zu • Die Pflegekraft hilft dem umfassend wie möglich
argumentieren, ist Bewohner, wenn dieser nach erhalten.
beeinträchtigt. einer bestimmten Formulierung • Ein Rückzug aus dem
• Im Sprachgebrauch des sucht. Sie bietet dann sozialen Leben und eine
Bewohners ändert sich die verschiedene passende Wörter Isolation des Bewohners
Bedeutung einzelner Worte. an. werden vermieden.
• Der Bewohner wird einfühlsam • Der Bewohner fühlt sich
auf falsch eingesetzte Begriffe ernst genommen.
hingewiesen. Dieses aber nur, • Der Bewohner erhält alle
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wenn sich der Bewohner gerne notwendigen


berichtigen lässt. Ansonsten Informationen.
greift die Pflegekraft nicht
korrigierend ein.
• Der Bewohner soll sich
entspannen. Wir sorgen für
eine ruhige Umgebung und
stellen Störquellen ab, etwa
einen laufenden Fernseher,
das Radio usw. Ggf. werden
das Fenster zur Straße und die
Tür zum Flur des
Wohnbereiches geschlossen.
• Die Pflegekraft motiviert den
Bewohner dazu, sich weiterhin
primär verbal auszudrücken
und nicht in Gesten
auszuweichen. Sie spricht
Themen an, über die der
Bewohner gerne redet, etwa
Familie, Hobbys, früherer Beruf
usw.
• Ggf. wird eine logopädische
Therapie angeregt.

• Die Kontrollmechanismen • Wir vermeiden • Die Fähigkeit zur


beim Sprachgebrauch Gesprächsthemen, die den Kommunikation bleibt so
schwächen sich ab. Der Bewohner emotional stressen. lange wie möglich und so
Bewohner verwendet Wenn das Gespräch für den umfassend wie möglich
zunehmend Kraftausdrücke; Bewohner zu anstrengend oder erhalten.
dieses auch, um die eigene zu aufwühlend wird, lenken wir
Unsicherheit beim Sprechen das Thema auf einen anderen
zu überdecken. Schwerpunkt.
• Der Bewohner reagiert sehr • Der Bewohner wird gelobt,
unwirsch auf die Korrekturen, wenn er sich korrekt ausdrückt.
weil ihm dadurch die eigenen Wir tadeln ihn nicht für
Defizite bewusst werden. fehlerhafte Sprache.
• Der Bewohner nutzt • Wir sorgen für eine freundliche
zunehmend inhaltsarme Gesprächsatmosphäre. Wir
Redefloskeln, wenn er die halten Augenkontakt und
Worte für eine sinnvolle achten auf eine freundliche
Antwort nicht mehr findet. Mimik.
("Wer zuletzt lacht, lacht am
besten", "Wer anderen eine
Grube gräbt, fällt selbst
hinein" usw.)

• Der Bewohner ist nicht mehr • Die Pflegekraft nutzt bei der • Die Kommunikation
in der Lage, komplexe Kommunikation mit dem zwischen Pflegekraft und
gesprochene Sätze zu Bewohner kurze Sätze. Bewohner wird gestärkt.
verstehen. • Die Pflegekräfte vermeiden Der Bewohner erhält
Pronomen (z.B. "es", "sie", wichtige Informationen;
"wir", "ihr" oder "sie"). er kann sie verstehen
Stattdessen werden Personen und verarbeiten.
oder Gegenstände konkret mit
dem Namen oder der
Bezeichnung benannt.
• Wir stellen keine "W-Fragen",
also "warum", "weshalb" usw.
Wir stellen bevorzugt Fragen,
die sich mit "ja" oder mit "nein"
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beantworten lassen.
• Ggf. werden einzelne Sätze
mehrfach wiederholt, bis der
Bewohner den Sinn verstanden
hat. Falls notwendig werden
die Sätze weiter vereinfacht.
• Die Pflegekraft fragt nach, ob
sie vom Bewohner korrekt
verstanden wurde. Sie achtet
dabei auch auf seine Mimik
und auf die Gestik. Sie verlässt
sich nicht allein auf die
Bestätigung des Bewohners,
alles verstanden zu haben.

Sich bewegen

• Der Bewohner nimmt • Wir prüfen die verordneten • Der Bewohner stürzt
Medikamente ein, die die Medikamente auf ihre nicht.
Symptomatik der Demenz sturzfördernde Wirkung. Z.B. • Die gesundheitlichen
lindern sollen. Er zeigt eine sind einige Benzodiazepine, Schäden nach einem
deutliche Gangunsicherheit Neuroleptika, trizyklische Sturz werden minimiert.
und hat zunehmend Antidepressiva sturzfördernd.
Schwierigkeiten, das Gemeinsam mit dem
Gleichgewicht zu halten, z.B. behandelnden Arzt prüfen wir
beim Aufstehen aus dem alternative
Stuhl. Die Sturzgefahr ist Einnahmezeitpunkte,
erhöht. Dosierungen oder Präparate.
• Der Bewohner sollte auch im
Wohnbereich festes
Schuhwerk tragen.
• Wir schätzen das individuelle
Sturzrisiko ein. Basierend auf
den Ergebnissen leiten wir
entsprechende Maßnahmen
ein, z.B. Versorgung mit einer
Protektorhose oder die
Durchführung des
Balancetrainings.

• Der Bewohner kann • Wenn der Bewohner • Der Bewohner wird im


ungewohnte, komplizierte komplizierte Bewegungen Rahmen seiner
oder neue Bewegungsarten ausführt, soll er sich darauf Fähigkeiten an neue
und -abläufe nur verzögert konzentrieren. Er wird nicht Bewegungsarten
und langsam umsetzen. aufgefordert, dabei gleichzeitig herangeführt.
Dieses zeigt sich etwa bei zu singen oder Fragen zu • Die Motivation und das
Bewegungsspielen, die dem beantworten. Selbstwertgefühl bleiben
Bewohner bislang nicht • Sobald die Konzentration erhalten.
vertraut sind. Der Bewohner nachlässt, wird die Maßnahme
reagiert auf Fehlschläge mit beendet.
Frustration und mit • Der Bewohner wird für korrekt
Aggression. durchgeführte
Bewegungsabläufe gelobt.

Vitale Funktionen des Lebens aufrechterhalten

• Der Bewohner vergisst • Der Bewohner wird an die • Der Bewohner nimmt die
mitunter, verordnete Medikamenteneinnahme Medikamente regelmäßig
Medikamente einzunehmen. erinnert. Nur wenn dieses nicht ein.
erfolgreich ist, werden die
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Medikamente für ihn gestellt


und die Einnahme überprüft.

• Der Bewohner benötigt Hilfe • Wir stellen und richten die • Der Bewohner erhält die
und Anleitung bei der Medikamente. Die Pflegekraft Medikamente gemäß der
Medikamenteneinnahme achtet auf die regelmäßige ärztlichen Verordnung.
aufgrund der Demenz. Einnahme der Medikamente.
• Die Wirkungen und die
Nebenwirkungen der
Medikamente werden
beobachtet und dokumentiert.
Bei relevanten Informationen
wird der Arzt informiert.

• Der Bewohner ist bei • Wir erstellen einen Zettel, auf • Der Arzt erhält alle
Arztbesuchen überfordert. Er dem die wichtigsten Punkte relevanten Informationen,
vergisst, zentrale Probleme schriftlich vermerkt sind; also um die Behandlung
anzusprechen. etwa Fragen des Bewohners erfolgreich
an den Arzt. durchzuführen.
• Wir bitten Angehörige, den • Wir erhalten alle
Bewohner zum Arzt zu Informationen, um die
begleiten. Pflegemaßnahmen
• Nach dem Termin kontaktieren entsprechend
wir den Arzt und erfragen, ob anzupassen.
es für die Pflege relevante
Informationen gibt.

Sich pflegen

• Der Bewohner nutzt das • Die persönlichen Gegenstände • Der Bewohner pflegt sich
Badezimmer gemeinsam mit werden mit Namensschildern im Rahmen seiner
anderen Senioren. Er oder farblich markiert. Dieses Fähigkeiten
verwechselt Pflegemittel, ist insbesondere sinnvoll, da eigenständig.
Zahnbürste, Waschlappen die demenziellen Störungen
und Handtücher. Er nutzt i.d.R. stetig fortschreiten. Der
fremde Gegenstände. Bewohner kann sich dann
frühzeitig an dieses
Ordnungssystem gewöhnen.

• Die Konzentration und die • Wir legen die notwendigen • Der Bewohner wird im
Motivation des Bewohners Utensilien bereit Rahmen seiner
lassen bei der Körperpflege • Der Bewohner wird verbal körperlichen und
schnell nach. Teile des angeleitet. Wir benennen dafür mentalen Fähigkeiten an
Körpers wäscht der das Körperteil, das als der Körperpflege
Bewohner dann nicht mehr nächstes gewaschen werden beteiligt.
eigenständig. soll. Wir sagen dem Bewohner
auch, was als nächstes zu tun
ist. Beispiel: Er soll den
Waschlappen mit Seife
einreiben und danach die
Achselhöhlen säubern.

• Der Bewohner lehnt die • Wir leiten den Bewohner dazu • Der Körper und auch der
Körperpflege (insbesondere an, die Reinigung so weit wie Intimbereich werden
die Intimpflege) durch die möglich eigenständig gesäubert.
Pflegekraft ab. Er selbst ist durchzuführen. Dazu wird er • Das Schamgefühl des
damit aber überfordert oder ggf. in eine andere Bewohners wird
Körperhaltung gebracht, etwa
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nicht ausreichend motiviert. auf einen Stuhl gesetzt. beachtet.


• Die Intimsphäre des
Bewohners wird beachtet.
Insbesondere wird er während
der Reinigung vor
unerwünschten Blicken Dritter
geschützt.
• Der Bewohner wird immer nur
teilweise entkleidet. Bereits
gereinigte Körperbereiche
werden wieder bedeckt.
• Falls die Pflegekraft die
Reinigung übernehmen muss,
werden die
Unannehmlichkeiten auf ein
Minimum reduziert:
o Wir achten auf die
Versorgung durch eine
gleichgeschlechtliche
Pflegekraft.
o Die Pflegekraft achtet
auf nonverbale
Signale. Falls sich der
Bewohner verweigert,
wird die Wäsche
unterbrochen und zu
einem späteren
Zeitpunkt durchgeführt.
Die Pflegekraft stellt
sicher, dass der
Bewohner nicht
auskühlt.
o Oftmals kann der
Bewohner auch durch
Ablenkung dazu
bewegt werden, seinen
Widerstand gegen das
Waschen aufzugeben.
o Wir geben dem
Bewohner die
Möglichkeit zu
berichten, wie sich die
Körperpflege in seinem
bisherigen Leben
gestaltete. Diese
biografischen Bezüge
werden ggf. in den
Waschvorgang
eingearbeitet.
o Wir prüfen, ob wir
durch die Nutzung von
biografisch verankerten
Gegenständen mehr
Erfolg haben. Beispiel:
Kernseife statt
Waschlotion.
• Sobald der Bewohner die
Wäsche akzeptiert, wird diese
Maßnahme "ritualisiert". Sie
wird also zur gleichen Zeit, mit
stets dem gleichen Ablauf und
möglichst von der gleichen
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Person durchgeführt.

• Der Bewohner lehnt es ab, • Sofern der Bewohner • Die körperliche


geduscht oder gebadet zu stuhlkontinent ist, reicht die Sauberkeit des
werden. Er zeigt starkes Wäsche am Waschbecken aus. Bewohners ist
Schamgefühl oder lehnt Der Bewohner wird nur einmal gewährleistet.
seinen alternden Körper ab. in der Woche geduscht oder • Die Selbstbestimmung
(wenn er dieses weiterhin des Bewohners bleibt
ablehnt) gebadet. gewahrt.
• Wir prüfen biografisch • Der Bewohner verbindet
verankerte Vorlieben. Dieses das Baden oder das
etwa, wenn es der Bewohner Duschen mit
gewohnt war, zum Baden oder angenehmen
zum Duschen ungewöhnlich Empfindungen und lässt
warmes oder kaltes Wasser zu diese Form der
nutzen. Zu beachten sind nach Körperreinigung
Möglichkeit auch zeitliche zukünftig zu.
Vorlieben, also etwa das
Baden unmittelbar vor der
Nachtruhe.
• Die Pflegekraft lässt den
Bewohner beim Baden oder
beim Duschen nur dann aus
den Augen, wenn dieser allein
sein möchte und das Risiko
vertretbar ist.
• Bei der Wahl der Pflegemittel
werden die Wünsche des
Bewohners beachtet, sofern
keine zwingenden Gründe
dagegen sprechen (etwa
Substanzen, die das
Dekubitusrisiko erhöhen).
• Wir verbinden das Baden oder
das Duschen mit angenehmen
Elementen, wie etwa dem
Schminken, dem Lackieren der
Nägel oder einer
aufwendigeren Haarpflege.
Nach dem Abtrocknen wird der
Bewohner mit Hautpflegemittel
eingecremt.

Essen und trinken

• Die demenziellen Störungen • Wir beobachten, welche • Der Bewohner nimmt


und das nachlassende Getränke der Bewohner ausreichend Flüssigkeit
Durstgefühl sorgen dafür, bevorzugt. Diese bieten wir ihm zu sich.
dass der Bewohner nicht wiederholt an. Die Trinkgefäße
ausreichend trinkt. Die sollten dem Bewohner bekannt
verringerte sein, etwa ein Lieblingsglas
Flüssigkeitsaufnahme führt zu oder ein bevorzugter Tonkrug.
akuten • Wir bauen Rituale auf, die in
Verwirrtheitszuständen und der Biografie des Bewohners
verstärkt andere verankert sind. Etwa: Anstoßen
Krankheitssymptome. der Gläser, die Tasse Tee beim
• Der Bewohner verweigert die Zeitungslesen, Orangensaft
Flüssigkeitsaufnahme beim Verfolgen der
aufgrund der verminderten Fernsehnachrichten usw.
Urteilskraft. • Die Pflegekraft bleibt noch
einige Minuten beim Bewohner,
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um sicherzustellen, dass dieser


zumindest einige Schlucke zu
sich nimmt.
• Ggf. wird ein Trinkprotokoll
geführt.
• Alkoholische Getränke werden
nur nach vorheriger ärztlicher
Rücksprache gereicht, da der
Konsum insbesondere in
Kombination mit Arzneimitteln
zu Wechselwirkungen führen
kann.

• Das Hungergefühl des • Der BMI des Bewohners wird • Eine Mangelernährung
Bewohners ist beeinträchtigt. regelmäßig ermittelt. Unter wird vermieden.
Es droht eine Einbeziehung des Hausarztes
Mangelernährung. werden körperliche Auslöser
ausgeschlossen.
• Gemeinsam mit der
Hauswirtschaft erstellen wir
einen täglichen
Ernährungsplan. Wir bieten
ggf. hochkalorische
Süßspeisen sowie
Trinknahrung an.
• Falls möglich sollte der
Bewohner im Rahmen der
Beschäftigungstherapie an der
Herstellung der Speisen
beteiligt werden.
• Statt drei großer Mahlzeiten
bieten wir dem Bewohner
sechs kleinere Mahlzeiten an.
Er erhält insbesondere einen
Spätimbiss.
• Wir beachten Rituale,
Gewohnheiten und Vorlieben
beim Essen. Etwa: eine Kerze
oder Musik beim Essen, essen
in Gesellschaft oder allein,
lesen einer Zeitung
ermöglichen usw.

• Der Bewohner verweigert die • Im persönlichen Dialog mit dem • Der Bewohner ist wieder
Nahrung. Bewohner versuchen die motiviert, Nahrung zu
Pflegekräfte und insbesondere sich zu nehmen.
die Bezugspflegekraft, ein
Vertrauensverhältnis
aufzubauen.
• Wir machen dem Bewohner
klar, welche körperlichen und
seelischen Folgen eine
anhaltende
Nahrungsverweigerung
auslösen kann.
• Wir geben dem Bewohner
jederzeit die Möglichkeit, seine
Entscheidung zu revidieren.
Wir bieten ihm regelmäßig über
den Tag verteilt Nahrungsmittel
und Getränke an. Dieses
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ständige Anbieten führen wir in


jedem Fall fort, auch wenn der
Bewohner jedes Mal aufs Neue
ablehnt.
• Um dieses permanente
Angebot zu ermöglichen,
halten wir rund um die Uhr
frisches Obst, Gebäck, Tee,
Milchgetränke, Fruchtsäfte und
Wasser bereit. Auch der
Nachtdienst ist stets über die
Problematik informiert.

• Der Bewohner ist zeitlich • Wir sorgen dafür, dass • Die Mahlzeiten werden
nicht vollständig orientiert. Er Essensgerüche in den als strukturierende
vergisst die Essenszeiten. Wohnbereich vordringen Eckpunkte im
• Der Biorhythmus des können. Auch im Zimmer des Tagesablauf des
Bewohners hat sich an die Bewohners sollte man das Bewohners verankert.
Essenszeiten nicht gewöhnt. Mittagessen bereits eine halbe • Der Bewohner nimmt
Der Bewohner hat keinen Stunde vor der Mahlzeit ausreichend Nahrung zu
Appetit, wenn die Speisen riechen können. sich.
fertig sind. • Der Bewohner sollte immer zu
gleichen Tageszeiten von den
Pflegekräften zum Essen
abgeholt werden.

Ausscheiden

• Der Bewohner vernachlässigt • Die Pflegekraft animiert den • Keimübertragungen


die Intim- und die Bewohner zu einer werden vermieden.
Händehygiene nach der ausreichenden Sauberkeit. Der
Ausscheidung Bewohner wird für sorgfältiges
Händewaschen gelobt.

• Der Bewohner spürt den • Wir fordern den Bewohner • Der Bewohner kann ohne
Harndrang nicht, wenn er regelmäßig zum Toilettengang fremde Hilfe die Toilette
durch äußere Einflüsse auf. aufsuchen.
abgelenkt wird. Es kommt • Die Toilette wird als solche • Der Bewohner nässt
zum gelegentlichen kenntlich gemacht (Toiletten- nicht ein.
Einnässen. Symbol oder Beschriftung
• In der Nacht ist der Bewohner "Toilette").
leicht desorientiert und findet • Ggf. halten wir einen
die Toilette nicht. Er nässt Toilettenstuhl bereit.
dann im Zimmer ein, was ihm • Wir bieten dem Bewohner die
sehr peinlich ist. Nutzung einer Urinflasche an.
• Das Zimmer des Bewohners
wird durch ein Nachtlicht
erhellt.
• Wenn der Bewohner einnässt,
wird die Verschmutzung ruhig
und ohne Vorwürfe beseitigt.
• Wir legen dem Bewohner die
Verwendung von Einlagen
nahe.

Sich kleiden

• Der Bewohner wählt • Die Pflegekraft macht morgens • Der Bewohner ist stets
Kleidung, die der Witterung verschiedene angemessen bekleidet.
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nicht angepasst ist. Kleidungsvorschläge. Sie zeigt • Der Bewohner wird im


• Der Bewohner erkennt dem Bewohner zwei Rahmen seiner
Verschmutzungen nicht oder verschiedene Kleidungsstücke Fähigkeiten am An- und
sieht die Notwendigkeit eines und lässt ihn dann wählen. am Ausziehen beteiligt.
Kleidungswechsels nicht ein. • Die Pflegekraft reicht dem
• Der Bewohner äußert keine Bewohner die Kleidungsstücke
Kleidungswünsche und ist in der richtigen Reihenfolge,
diesbezüglich eher passiv fordert diesen freundlich zum
und desinteressiert. Anziehen auf und assistiert
• Der Bewohner ist mit der dem Bewohner ggf.
richtigen Reihenfolge beim • Tendenziell sollte die
Anziehen überfordert. Pflegekraft dem Bewohner am
• Der Bewohner will sich am Morgen mehr Eigeninitiative
Abend nicht ausziehen. Er abverlangen als am Abend.
will keinen Schlafanzug bzw. Wenn am Abend die
kein Nachthemd tragen. körperlichen wie mentalen
Kräfte nicht mehr reichen, so
werden das Aus- und das
Umziehen weitgehend von der
Pflegekraft übernommen.
• Uneinsichtiges Verhalten sollte
im Dialog mit dem Bewohner
korrigiert werden.
• Wenn der Bewohner sich nicht
selbst anziehen will, so wird
dieses von der Pflegekraft
übernommen.
• Wenn der Bewohner
Abwehrverhalten zeigt, werden
das An- und das Ausziehen
unterbrochen und zu einem
späteren Zeitpunkt fortgesetzt.
• Ungewöhnliche
Kleidungswünsche (z.B. eine
Kittelschürze) werden als Teil
der Selbstbestimmung
zugelassen.
• Wir legen eine Strickjacke
griffbereit und gut sichtbar im
Zimmer ab. Der Bewohner soll
diese anziehen, wenn ihm kalt
ist.
• Wenn sich der Bewohner
selbst nach gutem Zureden am
Abend nicht ausziehen will,
kann er ggf. in der
Tageskleidung übernachten.

Ruhen und schlafen

• Der Tag-Nacht-Rhythmus des • Wir achten auf regelmäßige • Der Bewohner ist abends
Bewohners ist gestört. Essenszeiten. Diese geben so müde, dass er zeitnah
• Der Bewohner kann abends dem Tag Struktur. einschläft.
nicht einschlafen. • Wir sorgen für ausreichende • Der Bewohner ist am Tag
Aktivitäten und insbesondere ausgeruht.
für Bewegung am Tag. Ideal ist
ein Spaziergang an der
frischen Luft.
• Der Bewohner sollte keinen
Mittagsschlaf im Bett halten.
Falls der Bewohner nach dem
Essen ausruhen will, wird er für
Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 23

eine halbe Stunde in einen


bequemen Lehnstuhl
mobilisiert. Er soll dort aber
nicht schlafen.
• Das Zimmer des Bewohners
wird vor dem Zubettgehen
gelüftet und danach auf eine
Temperatur von rund 18 Grad
C° gebracht. Wir sorgen für
eine angenehme
Luftfeuchtigkeit.
• Die Bettdecken werden
entsprechend der Jahreszeit
angepasst.
• Wir raten dem Bewohner,
abends auf Genussmittel wie
Kaffee, Alkohol, Cola oder
Zigaretten zu verzichten. Nur in
kleinen Mengen können
Alkohol oder Nikotin
schlaffördernd wirken.
• Wir prüfen, ob es biografisch
verankerte Einschlafrituale gibt.
Diese setzen wir ggf. fort.
• Wir bieten dem Bewohner am
Abend warme oder kalte
Fußbäder an. Wir prüfen, ob
diese das Einschlafen
erleichtern.
• Biografisch bedingte
Verhaltensweisen werden
fortgesetzt. Wir prüfen also,
wann und wie lange der
Bewohner in früheren Jahren
schlief. Ggf. sollte er dann zu
einem späteren Zeitpunkt am
Abend ins Bett gehen oder
morgens etwas früher
aufstehen.

• Der Bewohner ist nachts • Nächtlichen Bewegungsdrang • Die Nachtruhe des


unruhig. lassen wir zu. Wir kanalisieren Bewohners ist erholsam.
diesen in nächtlichen
Angeboten, z.B. in einem
Nachtcafe.
• Wir kontrollieren, ob die
nächtliche Unruhe das
Ergebnis von überreichlichem
abendlichem Essen oder von
Alkoholkonsum sein kann.
• Wir raten dem Bewohner, auf
aufregende abendliche
Fernsehsendungen zu
verzichten.
• Biografische Vorlieben werden
weitergeführt. Wenn der
Bewohner also viele kleine
Kissen zum Schlafen benötigt,
kann er diese auch in unserer
Einrichtung weiterhin nutzen.
• Diuretika werden spätestens
vier Stunden vor dem
Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 24

Zubettgehen verabreicht.
• Wir stellen das Bett nach den
Wünschen des Bewohners ein.
Falls der Bewohner Angst vor
einem Herausfallen aus dem
Bett hat, stellen wir das
Bettgitter hoch. Der Bewohner
muss den Wunsch
gegenzeichnen.
• Nur als letztes Mittel der Wahl
verabreichen wir nach
Absprache mit dem Arzt
Schlaf- oder Beruhigungsmittel.
• Wir bedenken stets, dass eine
plötzliche erregte Verwirrtheit
auch von einem stummen
Herzinfarkt oder von einem
einsetzenden Schlaganfall
ausgelöst werden können.

Sich beschäftigen

• Dem Bewohner ist häufig • Wir befragen den Bewohner, • Der Bewohner ist
langweilig. an welcher Tätigkeit er Freude beschäftigt und langweilt
haben würde. Wir ermuntern sich nicht.
ihn, an den
Beschäftigungsangeboten
teilzunehmen.
• Wir befragen Angehörige nach
bisherigen Hobbys. Soweit
möglich sollte er diese auch in
der Einrichtung ausüben.

• Der Bewohner leidet unter • Wir führen mit dem Bewohner • Der Bewohner setzt
Konzentrationsschwierigkeite Gedächtnistraining durch. vorhandene Fähigkeiten
n. Er ist leicht ablenkbar und • Wir beachten die zur Bewältigung der
ermüdet schnell. Komplexe Leistungsschwankungen im Lebensaktivitäten ein.
Beschäftigungen überfordern Tagesverlauf. Mental fordernde • Der Bewohner bleibt
ihn. Tätigkeiten werden daher i.d.R. motiviert.
• Der Bewohner ist schnell auf den Vormittag verlegt,
demotiviert. wenn der Bewohner
belastbarer ist.
• Gesellschaftsspiele können
durch eine Reduzierung der
Spielsteine, Spielkarten usw.
vereinfacht werden. Sie bleiben
dann auch für demenziell
erkrankte Senioren spielbar.
• Viele komplexe Tätigkeiten
lassen sich in einfache
Einzeltätigkeiten unterteilen,
die dann nacheinander
abgearbeitet werden können.
Die Pflegekraft gibt dann kurze
Anweisungen, die vom
Bewohner verstanden werden.
• Die Pflegekraft bleibt
anwesend und greift ggf.
korrigierend ein. Wenn der
Bewohner eine Tätigkeit gut
ausgeführt hat, wird er von der
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Pflegekraft gelobt.
• Wir prüfen stets, ob die
Tätigkeit den Bewohner
überfordert. Falls dieses der
Fall ist, sollte der Bewohner
eine Pause machen oder sich
mit etwas anderem
beschäftigen.
• Die Pflegekraft achtet bei der
Beschäftigung auf eine ruhige
Umgebung, die den Bewohner
nicht ablenkt.

• Der demente Bewohner ist • Die Pflegekraft animiert den • Der Bewohner zeigt mehr
antriebsarm, etwa als Folge Bewohner, zumindest kleine Initiative und Energie.
von Angst- und von Tätigkeiten zu übernehmen.
Wahnstörungen, von Der Bewohner sollte sich aber
Depressionen oder von nicht bedrängt fühlen.
Medikamenten. Gemeinsam mit dem Bewohner
erstellt die Pflegekraft eine
Liste, auf der alle Tätigkeiten
vermerkt sind, die der
Bewohner gerne durchführt.
• Die Pflegekraft bleibt während
der Beschäftigung in seiner
Nähe und lobt ihn für den
Fortschritt.
• Wenn der Bewohner keine
Motivation zeigt, wird er dafür
nicht kritisiert. Wir vermitteln
ihm, dass wir es morgen noch
einmal probieren.

• Der Bewohner ist zeitlich • Wir bieten Orientierungshilfen • Der Bewohner gewinnt
nicht orientiert. Er kennt an, etwa einen großen die zeitliche Orientierung
weder die aktuelle Uhrzeit Kalender oder eine große Uhr. zurück.
noch das Datum. Der Wohnbereich und das
Zimmer des Bewohners
werden der Jahreszeit
entsprechend geschmückt.
Zeitlich nicht mehr passender
Zimmerschmuck wird
konsequent weggestellt, auch
wenn er von Angehörigen
stammt. (Sonst stehen die
Weihnachtsmänner bis Ostern
im Zimmer des Bewohners.)
• Wir hängen einen
Abreißkalender auf. Das
Abreißen des Zettels des
Vortages wird ritualisiert.
Beispiel: Der Zettel wird immer
nach dem ersten Toilettengang
am Morgen abgerissen.
• Wir schreiben ihm kleine Zettel,
wenn wichtige Termine
anstehen. Diese werden dort
angebracht, wo sie der
Bewohner mehrmals täglich
sieht. Also etwa am
Badezimmerspiegel, am
Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 26

Schreibtisch usw.
• Im Gespräch mit dem
Bewohner wird immer wieder
die Uhrzeit genannt. Beispiel:
"Es ist jetzt drei Uhr
nachmittags. Wir wollen jetzt
wieder die Verbände wechseln.
• Täglich wiederkehrende
Pflegemaßnahmen sollten
halbwegs pünktlich zur
gleichen Tageszeit erfolgen,
damit sie den Tag des
Bewohners strukturieren.
• Wir schaffen Tagesrituale, die
immer zur gleichen Zeit
stattfinden. Beispiele: Kekse
und Kakao um 15 Uhr.
Abendbier um 19 Uhr usw.

Sich als Mann oder Frau fühlen und verhalten

• Der Bewohner ist sehr • Wir suchen den Dialog mit dem • Der Lebenspartner / die
anhänglich. Er weicht seinem Lebenspartner / mit der Lebenspartnerin wird
Lebenspartner / seiner Lebenspartnerin. Wir animieren durch die demenzielle
Lebenspartnerin nicht von der den Lebenspartner / die Erkrankung des
Seite. Wenn der Partner nicht Lebenspartnerin dazu, sich Bewohners nicht
anwesend ist, reagiert der Freiräume zu schaffen, überfordert. Die
Betroffene ängstlich. innerhalb derer sie etwas Ruhe Beziehung zwischen
• Das Verhalten und der vor der Anhänglichkeit des beiden bleibt so lange
Charakter des Bewohners Bewohners hat. wie möglich intakt.
sind aufgrund der
demenziellen Erkrankung
verändert. Dieses belastet
das Verhältnis zum
Lebenspartner /
Lebenspartnerin.

Für eine sichere Umgebung sorgen

• Der Bewohner äußert den • Wir nutzen die validierende • Der Impuls zum
Wunsch, "nach Hause" gehen Kommunikation. Wir fragen den Verlassen des
zu wollen. Es besteht die Bewohner nach seinen Wohnbereiches wird
Gefahr, dass er unentdeckt Erinnerungen an sein Zuhause. gemildert.
die Einrichtung verlässt. Ggf. sehen wir uns gemeinsam • Es kommt zum Dialog mit
alte Fotos an. dem Bewohner.
• Wir prüfen, ob es • Das Gefühl, nun in der
Freizeitangebote gibt, an Einrichtung zuhause zu
denen der Bewohner sein, wird gestärkt.
teilnehmen kann, um sich • Der Bewohner kehrt stets
abzulenken. sicher in die Einrichtung
• Wir begleiten den Bewohner in zurück.
sein Zimmer.
• Wir prüfen, ob der Bewohner
mit einem Angehörigen
telefonieren kann.
• Wir stellen sicher, dass der
Bewohner stets einen Zettel bei
sich trägt, auf dem sein Name,
der Name der Einrichtung
sowie die wichtigsten
Telefonnummern vermerkt
Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 27

sind.

• Der Bewohner raucht auch im • Die Pflegekraft bittet den • Die Gesundheit des
Bett. Bewohner, zum Rauchen das Bewohners wird nicht
Raucherzimmer aufzusuchen. unnötig gefährdet.
In keinem Fall sollte der
Bewohner allein im Bett
rauchen.
• Wir animieren den Bewohner,
freiwillig das Rauchen
aufzugeben. Dieses fällt dem
Bewohner leichter, wenn die
Zigaretten, die Streichhölzer
und das Feuerzeug außer
Sichtweite liegen.
• Wir bitten Angehörige und
Freunde, auf das Rauchen in
Gegenwart des Bewohners zu
verzichten.
• Der Bewohner wird
engmaschig überwacht. Dieses
insbesondere in Zeiten, wenn
er bevorzugt im Bett raucht;
etwa am Abend.
• Er erhält einen
Sicherheitsaschenbecher.

Soziale Bereiche des Lebens sichern

• Der Bewohner ist nicht mehr • Wir verdeutlichen dem • Der Bewohner wird vor
in der Lage, mit Geld Bewohner, dass er größere finanziellen Nachteilen
umzugehen. Bargeldbeträge zur Bank geschützt.
• Der Bewohner verliert häufig bringen sollte.
seine Brieftasche. • In der Geldbörse des
Bewohners sollte sich nur ein
kleiner Barbetrag befinden.
• Wenn der Bewohner seine
Geldbörse verloren hat, werden
ihm keine Vorhaltungen
gemacht. Stattdessen wird die
Geldbörse gemeinsam
gesucht. Wir beginnen mit den
Plätzen, an denen der
Bewohner immer wieder
Gegenstände zurücklässt.
• Wir prüfen die Notwendigkeit
einer Betreuung im Bereich der
Vermögensangelegenheiten.

• Der Bewohner verliert • Wir hören dem Bewohner zu • Der Gegenstand wird
Gegenstände. Er beschuldigt und lassen ihn ausreden. Wir wiedergefunden.
Mitbewohner oder versichern, den Sachverhalt • Die
Pflegekräfte des Diebstahls. schnellstmöglich aufzuklären. zwischenmenschlichen
Insbesondere bieten wir an, Beziehungen bleiben
den vermissten Gegenstand zu intakt.
suchen.
• Es ist besser, den Gegenstand
gemeinsam mit dem Bewohner
zu suchen. Falls ihn die
Pflegekraft allein findet und
Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 28

dem Bewohner wiedergibt, wird


sich dieser in seinem Verdacht
bestätigt sehen.
• Wir prüfen, ob der Bewohner
einen real existierenden
Gegenstand sucht. Viele
Demenzkranke vermissen
Gegenstände, die sie schon
vor Jahren verkauft oder
verschenkt haben.

Mit existentiellen Erfahrungen des Lebens umgehen

• Der Bewohner ist häufig • Wir stehen dem Bewohner • Der Bewohner besinnt
traurig, da ihm sein mentaler immer für ein Gespräch zur sich auf seine Stärken
Verfall bewusst wird. Verfügung. Wir nutzen dafür und auf seine
insbesondere Pflegetätigkeiten, Ressourcen. Er schöpft
die ohnehin zeitaufwendig sind. daraus neuen
• Der Leistungsabbau wird nicht Lebensmut.
kleingeredet. Wir vermitteln
dem Bewohner aber auch,
dass ein gewisses Maß an
Vergesslichkeit normal ist.
• Der Bewohner wird in das
Gemeinschaftsleben der
Einrichtung integriert. Wir bitten
geeignete Mitbewohner darum,
sich ein wenig um den
Bewohner zu kümmern.
• Wir ermuntern den Bewohner,
den Kontakt zu
Familienangehörigen, zu
Freunden und zu ehemaligen
Arbeitskollegen nicht abreißen
zu lassen.
• Der Bewohner wird für seine
verbliebenen Fähigkeiten
gelobt, also etwa für
körperliche Rüstigkeit oder für
handwerkliche Fähigkeiten.

• Der Bewohner fühlt sich allein • Wir führen mit dem Bewohner • Eine Vereinsamung und
gelassen. Er fragt mehrmals einen Kalender. Wir bitten die ein Abgleiten in die
täglich, wann ihn seine Kinder Angehörigen, hier den Depression werden
/ Enkel besuchen kommen. nächsten Besuchstermin vermieden.
• Der Bewohner klagt über das einzutragen. Wir zeigen dann
Verhalten der Kinder / Enkel, dem Bewohner den Kalender.
weil diese ihn in die Er versteht dann, dass bis zum
Einrichtung brachten. nächsten Besuch noch
zwei/drei/vier Tage vergehen.
• Soweit dieses den
Angehörigen zuzumuten ist,
ermöglichen wir es dem
Bewohner, mit diesen zu
telefonieren.
• Wir suchen den Dialog mit dem
Bewohner. Wir beschönigen
seine Situation nicht.
• Wir prüfen, ob eine
"Patenschaft" in Betracht
kommt. Wir kontaktieren z.B.
Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 29

die Angehörigen eines bereits


verstorbenen Mitbewohners.
Wir fragen, ob diese in Zukunft
den Bewohner regelmäßig
besuchen möchten.

• Der Bewohner ist leicht • Die Pflegekraft lässt sich nicht • Der Bewohner erhält
reizbar und aggressiv als provozieren. Sie zeigt ein Raum, um Aggressionen
Folge der ruhiges und sicheres Auftreten. abzubauen, ohne dass
Wesensveränderungen und Sie bleibt dem Bewohner andere Menschen
der fehlenden zugewandt. darunter leiden.
Krankheitseinsicht. • Die Pflegekraft versucht, durch • Die Auslöser der
Körperkontakt die Situation zu Spannungen werden
entspannen. gefunden und in Zukunft
• Dem Bewohner wird eine möglichst vermieden.
Rückzugsmöglichkeit • Der Bewohner fühlt sich
angeboten, damit er seine von den Pflegekräften
Gedanken ordnen kann. verstanden und
• Die Pflegekraft versucht angenommen.
abzulenken oder einzulenken.
Sie nutzt biografische
Informationen, um den
Bewohner aus der Situation
herauszuführen und die Lage
zu entschärfen.
• Falls nötig zeigt sie dem
Bewohner freundlich aber
eindeutig die Grenzen auf.
• Die Pflegekraft versucht im
Dialog mit dem Bewohner zu
klären, durch was die
Aggressionen ausgelöst
wurden.
• Es kann sinnvoll sein, dem
Bewohner zu zeigen, dass sein
Verhalten auf andere
Menschen bedrohlich wirkt.
Etwa: "Herr Meier, wenn Sie
sich so unfreundlich verhalten,
bekomme ich Angst vor Ihnen."
• Falls der Bewohner gegen
Mitbewohner aggressiv ist,
trennen wir die Konfliktparteien.
Der Bewohner wird nicht vor
den Augen anderer wegen
seines Verhaltes kritisiert.

• Der Bewohner leidet unter • Wir prüfen, welche Faktoren • Der Bewohner fühlt sich
Angstzuständen. die Angstzustände auslösen mit seinen Gefühlen
oder fördern. Diese werden in angenommen.
Zukunft vermieden oder • Die Angstzustände treten
minimiert. seltener und mit
• Wir raten dem Bewohner, sich geringerer Intensität auf.
zu entspannen und tief in den
Bauch zu atmen. Er soll das
Ausatmen und die Atempausen
betonen.
• Der Bewohner soll sich
körperlich bewegen.
• Wir raten dem Bewohner, sich
an etwas Schönes zu erinnern
Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 30

oder sich etwas Positives


vorzustellen. Hierbei greifen wir
auf die Informationen aus der
Biografiearbeit zurück.
• Wir helfen dem Bewohner, sich
abzulenken oder sich zu
beschäftigen.
• Soweit es sich um eine
Symptomfehldeutung handelt
(z.B. "Herzstolpern"), machen
wir den Bewohner auf seinen
Irrtum aufmerksam.
• Wir reagieren mit Empathie auf
diese Gefühlsäußerungen. Die
Pflegekraft beschwichtigt nicht
("so schlimm ist das nicht"
usw.). Stattdessen antwortet
sie validierend ("Ich weiß, dass
Sie unter der Einsamkeit
leiden", "Kann ich etwas tun,
damit Sie sich nicht mehr so
allein fühlen?" usw.)
• Wir sprechen offen und
sachlich mit dem Bewohner
über seine Ängste. Dieser soll
das Gefühl gewinnen, dass wir
ihn und seine Befürchtungen
ernst nehmen.
• Wir raten dem Bewohner dazu,
ein Angsttagebuch zu führen.
In diesem kann der Bewohner
eintragen, vor was er Angst
hatte und wie stark die
Angststörungen waren.
• Wir vermitteln dem Bewohner
wirksame
Entspannungstechniken.
• Falls der angstkranke
Bewohner in einem
Einzelzimmer lebt, sollte die
alternative Unterbringung in
einem Zweibettzimmer geprüft
werden.
• Wir ermuntern den Bewohner
dazu, sich in das soziale Leben
innerhalb unserer
Gemeinschaft zu integrieren.
Insbesondere sollte er an den
Freizeitaktivitäten teilnehmen.
• Falls der Bewohner Angst im
Dunkeln hat, lassen wir in der
Nacht das Licht im
Badezimmer an.
• Wenn der Bewohner eine
problematische Situation gut
überstanden hat, wird er dafür
von uns gelobt.

• Der Bewohner zeigt • Insbesondere in akuten • Die Gesundheit des


selbstschädigendes Phasen wird das Verhalten des Bewohners wird
Bewohners engmaschig geschützt.
überwacht. • Der Eingriff in das
Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 31

Verhalten. • Wir nehmen uns Zeit, um mit Selbstbestimmungsrecht


dem Bewohner zu reden. des Bewohners wird auf
Angesprochen werden auch ein Minimum reduziert.
seine Gedanken zum Thema
Leben, Sterben und Tod.
• Wir lenken die
Handlungsimpulse durch
geeignete Aktivitäten und
persönliche Gespräche in
sinnvolle Bahnen.
• Wir prüfen, ob wir die
auslösenden Faktoren
eingrenzen und bestimmen
können. Falls möglich werden
diese Einflüsse zukünftig
minimiert.
• Der Bewohner wird animiert,
sich stärker in das soziale
Leben der Einrichtung zu
integrieren.
• Als letztes Mittel wird geprüft,
ob eine Fixierung bei akuten
Schüben sinnvoll ist.
• Wir regen den Bewohner an,
seelsorgerische Unterstützung
durch seine Kirchengemeinde
zu erbitten.
• Wir vermitteln auf Wunsch den
Kontakt zu Selbsthilfegruppen
und zu Beratungsstellen.
• Kontakt mit Haustieren kann
die Stimmungslage des
Bewohners verbessern. Falls
die Einrichtung über keine
eigene Katze oder einen Hund
verfügt, können Pflegekräfte
ggf. ihre eigenen Tiere mit zur
Arbeit bringen.
Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 32

Standardpflegeplan "mittlere Demenz"


Die senile Demenz ist eine organisch bedingte Verminderung der intellektuellen Hirnleistung mit negativen
Auswirkungen auf die sozialen Funktionen. Im Laufe der Zeit treten Gedächtnis-, Wahrnehmungs- und
Denkstörungen sowie eine Persönlichkeitsveränderung, Desorientierung und Sprachstörungen auf. Das wichtigste
Frühsymptom ist die verschlechterte Gedächtnisleistung.
Unterteilt werden die Demenzformen in primär degenerative Demenzen und sekundäre Demenzen.
primär degenerative Demenzen:

• Alzheimer Demenz
• Parkinson Demenz
• Chorea Huntington

Ursachen der sekundären Demenzen:

• Stoffwechselerkrankungen, z.B. Schilddrüsen- und Nebenschilddrüsenfunktionsstörungen


• Verletzungen des Gehirns, z.B. Subduralhämatom
• raumfordernde Prozesse im Gehirn wie etwa Tumore,
• Infektionskrankheiten des Gehirns wie etwa AIDS, Creutzfeldt-Jakob-Krankheit
• Vergiftungen wie etwa Schwermetalle, Drogen, Medikamente, Alkohol
• kardiovaskuläre Erkrankungen, z.B. Multiinfarktdemenz

die Primärsymptome - auch die "6 A" genannt sind:

• Amnesie (Gedächtnisstörung. Zuerst ist das Kurzzeitgedächtnis gestört, später dann auch das
Langzeitgedächtnis)
• Aphasie (Sprachstörung)
• Agnosie (Wahrnehmungsstörungen)
• Apraxie (Störung von motorischen Handlungsabläufen)
• Abstraktionsfähigkeitsverlust
• Assessment-Störung (die Urteilskraft ist gestört)

Sekundärsymptome:

• Angst
• Unruhe
• Depressionen
• Persönlichkeitsstörung
• Apathie
• Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen
• Paranoia
• Abwehrverhalten
• zunehmende zeitliche, örtliche, situative Desorientiertheit. Später auch Desorientierung zur eigenen
Person
• gestörter Tag-Nacht-Rhythmus
• Perseveration (Bewohner vergisst, was er gesagt hat, und wiederholt es ständig, z.B. "Schwester, wie spät
ist es?")
• Urin- und Stuhlinkontinenz
• Schluckstörungen
• verlangsamtes und umständliches Denken

Schweregrade:

• leichte Demenz: Bei der leichten Demenz ist ein unabhängiges Leben mit persönlicher Hygiene und
intaktem Urteilsvermögen möglich. Die Berufstätigkeit und soziale Kontakte sind aber deutlich
beeinträchtigt. Angehörige berichten von Persönlichkeitsveränderungen. Viele Senioren reagieren darauf
mit Niedergeschlagenheit, Rückzug, Scham und Wut. In dieser Phase entwickeln sich häufig auch
Schuldzuweisungen, z.B. wird dem Betreffenden immer wieder etwas "gestohlen". Vermutlich handelt es
Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 33

sich dabei um einen Selbstschutz. Der Betroffene macht sich damit Ereignisse begreiflich, die er sich sonst
nicht mehr erklären kann.
• mittelschwere Demenz: Bei der mittelschweren Demenz ist ein selbstständiges Leben sehr schwierig, ein
erhöhtes Maß an Aufsicht ist notwendig. Bei alleinstehenden Personen können Gefahren auftreten, wie
eine vergessene Herdplatte oder unbewachte brennende Kerzen. Kompliziertere Handlungen können nicht
mehr durchgeführt werden. Und neue werden nicht mehr erlernt. Der Betroffene reagiert darauf oft mit
Gereiztheit, Depressionen und Rückzug. In dieser Phase tritt auch häufig eine motorische Unruhe auf. Die
Betroffenen machen sich auf die Suche nach etwas Bekanntem, z.B. nach der eigenen früheren Wohnung
oder nach einem Geschäft, in dem sie seinerzeit täglich eingekauft haben.
• schwere Demenz: Bei der schweren Demenz liegt ein Unvermögen vor, das Leben selbstständig führen zu
können. Die persönliche Hygiene kann nicht mehr durchgeführt werden. Es liegt u.a. ein Mutismus
(Stummheit bei intakten Sprechorganen und erhaltenem Sprachvermögen) vor. Ständige Aufsicht und
Anleitung sind erforderlich. Die nächsten Angehörigen werden nicht mehr erkannt. Mit der Zeit verlernen
die Betroffenen das Gehen, das Sitzen und / oder das Schlucken. Sie werden bettlägerig, und die
Krankheit führt schließlich zum Tod.

In der Altenpflege spielen die senile Demenz vom Alzheimer Typ und die Multiinfarktdemenz die größte Rolle.

• Senile Demenz vom Alzheimer Typ (SDAT): Die Alzheimerkrankheit ist ein fortschreitender degenerativer
Prozess im Gehirn. Im Kortex (Hirnrinde) kommt es durch Eiweißablagerungen zum Zelluntergang. So
entwickelt sich ein Hirnschwund vorrangig im Temporal- und im Parietallappen. Die Alzheimerkrankheit ist
nicht heilbar.
• Multiinfarktdemenz: Die Multiinfarktdemenz tritt häufig nach wiederholten Schlaganfällen auf, die sich im
Alltag kaum bemerkbar gemacht haben. Häufig leiden die Betroffenen seit Jahren unter Hypertonie und
unter Diabetes mellitus. Oft sind sie Raucher. Die Ursache der Multiinfarktdemenz ist eine
Minderdurchblutung des Gehirns infolge von arteriosklerotischen Veränderungen. Der Sauerstoffmangel
führt zum Absterben von Neuronen und somit zu neurologischen Ausfallserscheinungen. Mit
entsprechenden Medikamenten lässt sich die Durchblutung des Gehirns fördern. Typisch für diese
Demenz ist ein schubförmiger Verlauf. Es kann zu einer plötzlich einsetzenden Verschlechterung kommen.
Bei etwa jedem sechsten Betroffenen kommen epileptische Anfälle hinzu. Die Multiinfarktdemenz muss
nicht zwangsläufig voranschreiten im Gegensatz zur Alzheimer-Demenz.

Anmerkung:

• Standardpflegepläne geben für spezielle Pflegeprobleme die typischen pflegerischen Maßnahmen vor, so
etwa wie in diesem Beispiel für Demenz. Standardpflegepläne umfassen generelle und potentielle
Pflegeprobleme, Pflegemaßnahmen und Pflegeziele.
• Aus diesem Grund erleichtert ein Standardpflegeplan zwar die Pflegedokumentation, aber er ersetzt auf
keinen Fall eine individuelle auf den Bewohner / Patienten bezogene Pflegeplanung.
• Jede Pflegefachkraft ist gehalten, diese generellen Pflegeprobleme, Pflegemaßnahmen und Pflegeziele
auf Relevanz zu überprüfen und auf die individuellen Einschränkungen und Ressourcen des jeweiligen
Bewohners / Patienten anzupassen. Wichtig ist auch beim Einsatz von Standardpflegeplänen, diese in
regelmäßigen Abständen zu überprüfen und ggf. zu überarbeiten, da sie immer auf dem aktuellen Stand
sein sollten.

Pflegeproblem Pflegemaßnahmen Pflegeziel


Kommunizieren

• Der Bewohner verliert • Der Bewohner wird nicht mehr • Trotz Verlust des
mehr und mehr die korrigiert. Hochdeutschen kann
Fähigkeit, sich verbal • Ggf. führt die Pflegekraft die Pflegekraft mit dem
angemessen begonnene Sätze zu Ende, wenn Bewohner
auszudrücken. Der dem Bewohner dieses nicht mehr kommunizieren.
Bewohner bezeichnet z.B. möglich ist.
Pflegekräfte als "Fräulein", • Wenn die Pflegekraft die Worte des
"Mädele", "Süße" usw. Bewohners nicht deuten kann, dann
• Der Bewohner spricht kein sagt sie es ihm. Sie gibt nicht vor,
Hochdeutsch mehr, ihn verstanden zu haben.
sondern die Sprache • Seine Kommunikation wird
seiner Jugend oder validierend angenommen.
Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 34

Kindheit; also etwa • Wir sprechen in einfachen kurzen


Deutsch mit starkem Sätzen mit möglichst nur einer
Dialekt, Polnisch, Türkisch Information. Die Sätze untermalen
oder Russisch. wir mit Mimik und mit dazu
passenden Bewegungen.
• Sprache und Handeln sollten
übereinstimmen.
• Wir verwenden keine
Kindersprache.
• Die Pflegekraft nutzt Tafeln mit
Lautschrift, um zumindest die
wichtigsten Vokabeln zu lernen und
anwenden zu können.
• Wir verwenden den Wortschatz des
Bewohners. Häufig reicht es, wenn
das eine oder andere Fremdwort
"eingebaut" wird. Also etwa der
Begriff für "waschen", "aufstehen",
"anziehen" usw. Die Pflegekraft
kann einen "Spickzettel" nutzen. Es
ist auch kein Problem, wenn ein
Kauderwelsch aus Deutsch und
Fremdsprachen entsteht.
• Wir unterstützen die Sprache durch
körperlichen Kontakt.

• Der Bewohner • Wir führen keine Streitgespräche, • Der Bewohner fühlt sich
konfabuliert. bei denen sich der Bewohner angenommen.
aufgrund seiner Defizite unterlegen • Sein Selbstwertgefühl
fühlen muss. Wir nutzen bleibt gewahrt.
stattdessen die validierende
Kommunikation.
• Wir prüfen, ob wir den Bewohner
mit einem Beschäftigungsangebot
vom Konfabulieren ablenken
können.
• Dem Bewohner wird verdeutlicht,
dass er sich für seine
Gedächtnislücken nicht schämen
muss und dass es besser ist, offen
über die Defizite zu reden.
• Wenn der Bewohner im Gespräch
abschweift, wird er einfühlsam
wieder zum Thema zurückgeführt.
• Wenn wir bemerken, dass den
Bewohner ein innerer Konflikt quält,
bieten wir ihm an, offen über dieses
Thema zu sprechen.

• Der Bewohner leidet unter • Wir geben dem Bewohner • Die Fähigkeit zur
Wortfindungsstörungen. ausreichend Zeit zum Überlegen. verbalen
Seine Fähigkeit, sich • Die Pflegekraft hilft dem Bewohner, Kommunikation bleibt
auszudrücken und zu wenn dieser nach einer bestimmten so lange wie möglich
argumentieren, ist Formulierung sucht. Sie bietet dann und so umfassend wie
beeinträchtigt. verschiedene passende Wörter an. möglich erhalten.
• Im Sprachgebrauch des • Der Bewohner wird einfühlsam auf • Ein Rückzug aus dem
Bewohners ändert sich die falsch eingesetzte Begriffe sozialen Leben und
Bedeutung einzelner hingewiesen. Dieses aber nur, eine Isolation des
Worte. wenn sich der Bewohner gerne Bewohners werden
berichtigen lässt. Ansonsten greift vermieden.
die Pflegekraft nicht korrigierend • Der Bewohner fühlt sich
Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 35

ein. ernst genommen.


• Wir sorgen für eine ruhige • Der Bewohner erhält
Umgebung und stellen Störquellen von der Pflegekraft alle
ab, etwa einen laufenden notwendigen
Fernseher, das Radio usw. Ggf. Informationen. Und
wird das Fenster zur Straße oder auch die Pflegekraft
die Tür zum Flur des erfährt alles Relevante
Wohnbereiches geschlossen. vom Bewohner.
• Die Pflegekraft motiviert den
Bewohner dazu, sich weiterhin
primär verbal auszudrücken und
nicht in Gesten auszuweichen. Sie
spricht Themen an, über die der
Bewohner gerne redet, etwa
Familie, Hobbys, früherer Beruf
usw.
• Ggf. wird eine logopädische
Therapie angeregt.

• Die Kontrollmechanismen • Wir vermeiden Gesprächsthemen, • Die Fähigkeit zur


beim Sprachgebrauch die den Bewohner emotional verbalen
schwächen sich ab. Der stressen. Wenn das Gespräch für Kommunikation bleibt
Bewohner verwendet den Bewohner zu anstrengend oder so lange wie möglich
zunehmend zu aufwühlend wird, lenken wir das und so umfassend wie
Kraftausdrücke; dieses Thema auf einen anderen möglich erhalten.
auch, um die eigene Schwerpunkt.
Unsicherheit beim • Der Bewohner wird gelobt, wenn er
Sprechen zu überdecken. sich korrekt ausdrückt. Wir tadeln
• Der Bewohner reagiert ihn nicht für fehlerhafte Sprache.
sehr unwirsch auf • Wir sorgen für eine freundliche
Verbesserungsvorschläge Gesprächsatmosphäre. Wir halten
und Korrekturen, weil ihm Augenkontakt und achten auf eine
dadurch die eigenen freundliche Mimik.
Defizite bewusst werden.
• Der Bewohner nutzt
zunehmend inhaltsarme
Redefloskeln, wenn er die
Worte für eine sinnvolle
Antwort nicht mehr findet.
("Wer zuletzt lacht, lacht
am besten", "Wer anderen
eine Grube gräbt, fällt
selbst hinein" usw.)

• Der Bewohner ist nicht • Die Pflegekraft sucht den • Die Kommunikation
mehr in der Lage, Augenkontakt mit dem Bewohner. zwischen Pflegekraft
komplexe gesprochene • Die Pflegekraft macht deutlich, und Bewohner wird
Sätze zu verstehen. wann das Gespräch beginnt und gestärkt. Der Bewohner
wann es endet. Etwa durch eine erhält wichtige
feste Berührung an der Schulter. Informationen; er kann
• Die Pflegekraft nutzt bei der sie verstehen und
Kommunikation mit dem Bewohner verarbeiten.
kurze Sätze.
• Die Pflegekräfte vermeiden
Pronomen (z.B. "es", "sie", "wir",
"ihr" oder "sie"). Stattdessen
werden Personen oder
Gegenstände konkret mit dem
Namen oder mit der Bezeichnung
benannt.
• Wir stellen keine "W-Fragen", also
Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 36

"warum", "weshalb" usw. Wir stellen


bevorzugt Fragen, die sich mit "ja"
oder mit "nein" beantworten lassen.
Dafür reicht es, wenn der Bewohner
nickt oder den Kopf schüttelt.
• Ggf. werden einzelne Sätze
mehrfach wiederholt, bis der
Bewohner den Sinn verstanden hat.
Falls notwendig werden die Sätze
weiter vereinfacht.
• Die Pflegekraft fragt nach, ob sie
vom Bewohner korrekt verstanden
wurde. Sie achtet dabei auch auf
seine Mimik und auf die Gestik. Sie
verlässt sich nicht allein auf die
Bestätigung des Bewohners, alles
verstanden zu haben.

• Der Bewohner ist nicht • Die Pflegekraft unterlegt jeden Satz • Es gelingt der
mehr in der Lage, Worten mit Gestik. Beim Wort Pflegekraft, den
eine Bedeutung "Waschlappen" zeigt sie auf den Bewohner anzuleiten.
zuzumessen. Wenn er Waschlappen. Beim Wort "Achseln" Der Bewohner versteht,
gebeten wird, sich mit dem zeigt sie auf die Achseln des was er als Nächstes tun
Waschlappen unter den Bewohners. soll.
Achseln zu waschen, • Die Pflegekraft macht den Ablauf
versteht er beide Begriffe vor, während sie den Bewohner
nicht mehr. verbal anleitet.

Sich bewegen

• Der Bewohner läuft • Wir versuchen, den Bewohner • Der Bewohner bleibt im
scheinbar ziellos im durch Ablenkung von seinem Plan Gebäude bzw. im
Wohnbereich umher und abzubringen. Wir schlagen ihm umzäunten Gelände,
verlässt häufig die insbesondere alternative ohne dass dafür Zwang
Einrichtung. Beschäftigungsmöglichkeiten ausgeübt werden muss.
innerhalb des Hauses vor.
• Wir prüfen, ob es möglich ist, dass
der Bewohner von einem
Praktikanten, von einem
ehrenamtlichen Mitarbeiter oder
von einer Betreuungskraft begleitet
wird. (Ideal sind auch Spaziergänge
auf "Endloswegen" mit
eingestreuten Sitzgelegenheiten,
wie sie inzwischen in sog.
"Demenzgärten" zu finden sind.)

• Der Bewohner ist unruhig • Der Bewohner soll Hüftprotektoren • Der Bewohner stürzt
und kompensiert dieses tragen. nicht.
mit einem starken • Wenn eine Pflegekraft bemerkt, • Falls der Bewohner
Bewegungsdrang. Er läuft dass der Bewohner erschöpft ist, stürzt, werden die
bis zur Erschöpfung. Wenn ermuntert sie diesen, sich zu setzen Sturzfolgen minimiert.
die Kräfte nachlassen, und die Kräfte zu regenerieren.
droht er zu stürzen. • Wir ermuntern den Bewohner,
einen Gehwagen zu nutzen. Wir
erklären ihm insbesondere die
Funktion der integrierten Sitzfläche
für kurze Pausen.
• Alternativ sollte der Bewohner
Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 37

Gehstöcke verwenden.

• Das Gangbild verändert • Der Bewohner sollte weiterhin • Der Bewohner bleibt
sich, der Körper neigt sich körperlich aktiv bleiben, etwa körperlich mobil.
etwas zu einer Seite. spazieren gehen. • Ein Sturz wird
• Das Reaktionsvermögen • Die Maßnahmen im Rahmen der vermieden.
ist verlangsamt. Sturzprophylaxe werden
• Die Sturzgefahr ist erhöht. intensiviert.
• Die Pflegekraft animiert den
Bewohner, sie bei verschiedenen
Aktivitäten zu begleiten, etwa beim
Gang in das Wäschelager, bei der
Entsorgung des Hausmülls, beim
Holen der Post, beim Holen und
beim Wegbringen des
Speisewagens.

• Die Sturzgefahr ist so weit • Die Hüftprotektoren werden dem • Der Bewohner
erhöht, dass der Bewohner Bewohner als "Hüftgürtel zur akzeptiert das Tragen
Hüftprotektoren tragen Figurformung" angeboten. Diese von Hüftprotektoren
sollte. Diese akzeptiert der Sprachregelung muss im gesamten und ist damit besser vor
Bewohner aber nicht, da er Pflegeteam einheitlich gehandhabt den Folgen eines
den Sinn nicht versteht. werden. (Ethisch umstrittene Sturzes geschützt.
Maßnahme.)

• Der Bewohner nimmt • Wir prüfen die verordneten • Der Bewohner stürzt
Medikamente ein, die die Medikamente auf ihre nicht.
Symptomatik der Demenz sturzfördernde Wirkung. Z.B. sind • Die gesundheitlichen
lindern sollen. Er zeigt eine einige Benzodiazepine, Schäden nach einem
deutliche Neuroleptika, trizyklische Sturz werden minimiert.
Gangunsicherheit und hat Antidepressiva sturzfördernd.
zunehmend Gemeinsam mit dem behandelnden
Schwierigkeiten, das Arzt prüfen wir alternative
Gleichgewicht zu halten, Einnahmezeitpunkte, Dosierungen
z.B. beim Aufstehen aus oder Präparate.
dem Stuhl. Die Sturzgefahr • Der Bewohner sollte auch im
ist erhöht. Wohnbereich festes Schuhwerk
tragen.
• Wir schätzen das individuelle
Sturzrisiko ein. Basierend auf den
Ergebnissen leiten wir
entsprechende Maßnahmen ein,
z.B. Versorgung mit einer
Protektorhose oder die
Durchführung des Balancetrainings.

• Der Bewohner kann • Wenn der Bewohner komplizierte • Der Bewohner wird im
ungewohnte, komplizierte Bewegungen ausführt, soll er sich Rahmen seiner
oder neue darauf konzentrieren. Er wird nicht Fähigkeiten an neue
Bewegungsarten und - aufgefordert, dabei gleichzeitig zu Bewegungsarten
abläufe nur verzögert und singen oder Fragen zu herangeführt.
langsam umsetzen. Dieses beantworten. • Die Motivation und das
zeigt sich etwa bei • Sobald die Konzentration nachlässt, Selbstwertgefühl
Bewegungsspielen, die wird die Maßnahme beendet. bleiben erhalten.
dem Bewohner bislang • Der Bewohner wird für korrekt
nicht vertraut sind. Der durchgeführte Bewegungsabläufe
Bewohner reagiert auf gelobt.
Fehlschläge mit Frustration
Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 38

und mit Aggression.

Vitale Funktionen des Lebens aufrechterhalten

• Der Bewohner ist bei • Der Bewohner wird von der • Der Arzt erhält alle
Arztbesuchen überfordert. Bezugspflegekraft zum Arzt relevanten
Er vergisst, zentrale begleitet. Informationen, um die
Probleme anzusprechen. • Alternativ rufen wir vor und nach Behandlung erfolgreich
dem Besuch in der Praxis an, um durchzuführen.
die zentralen Informationen • Wir erhalten alle
auszutauschen. Informationen, um die
• Wir bitten Angehörige, den Pflegemaßnahmen
Bewohner zum Arzt zu begleiten. entsprechend
anzupassen.

• Der Bewohner vergisst • Wir stellen und richten die • Der Bewohner erhält
sehr häufig, verordnete Medikamente. Die Pflegekraft die Medikamente
Medikamente achtet auf die regelmäßige gemäß der ärztlichen
einzunehmen. Einnahme der Medikamente. Verordnung.
• Der Bewohner ist mit der • Die Wirkungen und die
korrekten Einnahme der Nebenwirkungen der Medikamente
Medikamente überfordert. werden beobachtet und
dokumentiert. Bei relevanten
Veränderungen wird der Arzt
informiert.

• Der Bewohner versteht die • In leicht verständlicher Sprache • Der Bewohner hat so
Notwendigkeit nicht mehr, erklären wir dem Bewohner, viel Vertrauen, dass er
warum er Medikamente welchem Zweck das jeweilige die Medikamente
einnehmen soll. Medikament dient. einnimmt.
• Der Bewohner will keine • Wir bieten dem Bewohner an, dass
Medikamente einnehmen. er beim Stellen der Medikamente
Er befürchtet, vergiftet zu mitarbeiten kann. Insbesondere
werden. kann er die Tabletten aus der
Verblisterung herausdrücken.
• Wir bitten den Hausarzt, dass er
dem Bewohner die Notwendigkeit
der Medikamenteneinnahme
erläutert; vorausgesetzt, der
Bewohner erkennt den Arzt als
Respektsperson an. Wir bitten auch
die Angehörigen, entsprechend auf
den Bewohner einzuwirken.

Sich pflegen

• Der Bewohner ist mit der • Der Bewohner wird bei der • Die körperliche
Handhabung der Technik Körperpflege überwacht. Sicherheit des
im Badezimmer • Wir prüfen die Bewohners ist
überfordert. Temperatureinstellung des gewährleistet.
• Der Bewohner kann den Waschwassers.
Einhandmischer nicht • Der Bewohner sollte elektrische
bedienen. Das Wasser Geräte nicht ohne Aufsicht
wird ggf. viel zu heiß anwenden.
eingestellt. Es besteht die • Die Steckdosen werden mit
Gefahr, dass sich der Kindersicherungen ausgestattet.
Bewohner verbrüht. Nach der Nutzung von potenziell
• Der Bewohner kann die gefährlichen Geräten werden diese
elektrischen Geräte nicht durch das Ziehen des Steckers vom
Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 39

mehr sinnvoll nutzen. Es Stromnetz getrennt.


besteht die Gefahr, dass
diese dem Bewohner in
Kombination mit dem
Wasser einen elektrischen
Schlag versetzen.

• Der Bewohner nutzt das • Die Gegenstände werden mit • Der Bewohner pflegt
Badezimmer gemeinsam Namensschildern oder farblich sich im Rahmen seiner
mit anderen Senioren. Er markiert. Fähigkeiten
verwechselt Pflegemittel, eigenständig.
Zahnbürste, Waschlappen
und Handtücher. Er nutzt
fremde Gegenstände.

• Die Konzentration und die • Wir legen dem Bewohner die • Der Bewohner wird im
Motivation des Bewohners Utensilien in der richtigen Rahmen seiner
lassen bei der Reihenfolge in die Hand. körperlichen und
Körperpflege schnell nach. • Falls der Bewohner verbal nicht mentalen Fähigkeiten
Teile des Körpers wäscht mehr angeleitet werden kann, an der Körperpflege
der Bewohner dann nicht zeigen oder tippen wir auf die beteiligt.
mehr eigenständig. Körperzone, die als Nächstes
gewaschen werden soll.
• Die Reihenfolge bei der
Körperwäsche wird ggf. angepasst.
Wir beginnen zunächst mit den
Körperregionen, die der Bewohner
eigenständig erreichen und
waschen kann. Der Bewohner wird
dafür gelobt.
• Sobald die Konzentration nachlässt,
wird die weitere Körperpflege von
der Pflegekraft übernommen. Diese
sollte dann jene Bereiche säubern,
die der Bewohner aufgrund
körperlicher Beschränkungen ggf.
ohnehin nicht ohne Hilfe erreichen
könnte. (Hinweis: Wenn ein
Aufmerksamkeitsdefizit nicht
besteht, sollte die Reihenfolge des
Waschens nicht verändert werden.
Dieses sichert die Kontinuität.)

• Der Bewohner lehnt die • Wir leiten den Bewohner dazu an, • Der Körper und auch
Körperpflege die Reinigung so weit wie möglich der Intimbereich
(insbesondere die eigenständig durchzuführen. Dazu werden gesäubert.
Intimpflege) durch die wird er ggf. in eine andere • Das Schamgefühl des
Pflegekraft ab. Er selbst ist Körperhaltung gebracht, etwa auf Bewohners wird
damit aber überfordert einen Stuhl gesetzt. beachtet.
oder nicht ausreichend • Die Intimsphäre des Bewohners
motiviert. wird beachtet. Insbesondere wird er
während der Reinigung vor
unerwünschten Blicken Dritter
geschützt.
• Der Bewohner wird immer nur
teilweise entkleidet. Bereits
gereinigte Körperbereiche werden
wieder bedeckt.
• Falls die Pflegekraft die Reinigung
übernehmen muss, werden die
Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 40

Unannehmlichkeiten auf ein


Minimum reduziert:
o Wir achten auf die
Versorgung durch eine
gleichgeschlechtliche
Pflegekraft.
o Die Pflegekraft achtet auf
nonverbale Signale. Falls
sich der Bewohner
verweigert, wird die
Wäsche unterbrochen und
zu einem späteren
Zeitpunkt durchgeführt. Die
Pflegekraft stellt sicher,
dass der Bewohner nicht
auskühlt.
o Oftmals kann der
Bewohner auch durch
Ablenkung dazu bewegt
werden, seinen Widerstand
gegen das Waschen
aufzugeben.
o Wir geben dem Bewohner
die Möglichkeit zu
berichten, wie sich die
Körperpflege in seinem
bisherigen Leben
gestaltete. Diese
biografischen Bezüge
werden ggf. in den
Waschvorgang
eingearbeitet.
o Wir prüfen, ob wir durch die
Nutzung von biografisch
verankerten Gegenständen
mehr Erfolg haben.
Beispiel: Kernseife statt
Waschlotion.
• Sobald der Bewohner die Wäsche
akzeptiert, wird diese Maßnahme
"ritualisiert". Sie wird also zur
gleichen Zeit, mit stets dem
gleichen Ablauf und möglichst von
der gleichen Person durchgeführt.

• Der Bewohner lehnt es ab, • Sofern der Bewohner stuhlkontinent • Die körperliche
geduscht oder gebadet zu ist, reicht die Wäsche am Sauberkeit des
werden. Er zeigt starkes Waschbecken aus. Der Bewohner Bewohners ist
Schamgefühl oder lehnt wird nur einmal in der Woche gewährleistet.
seinen alternden Körper geduscht oder (wenn er dieses • Die Selbstbestimmung
ab. weiterhin ablehnt) gebadet. des Bewohners bleibt
• Wir prüfen biografisch verankerte gewahrt.
Vorlieben. Dieses etwa, wenn es • Der Bewohner
der Bewohner gewohnt war, zum verbindet das Baden
Baden oder zum Duschen oder das Duschen mit
ungewöhnlich warmes oder kaltes angenehmen
Wasser zu nutzen. Zu beachten Empfindungen und
sind nach Möglichkeit auch zeitliche lässt diese Form der
Vorlieben, also etwa das Baden Körperreinigung
unmittelbar vor der Nachtruhe. zukünftig zu.
• Die Pflegekraft lässt den Bewohner
beim Baden oder beim Duschen
Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 41

nur dann aus den Augen, wenn


dieser allein sein möchte und das
Risiko vertretbar ist.
• Bei der Wahl der Pflegemittel
werden die Wünsche des
Bewohners beachtet, sofern keine
zwingenden Gründe dagegen
sprechen (etwa Substanzen, die
das Dekubitusrisiko erhöhen).
• Wir verbinden das Baden oder das
Duschen mit angenehmen
Elementen, wie etwa dem
Schminken, dem Lackieren der
Nägel oder einer aufwendigeren
Haarpflege. Nach dem Abtrocknen
wird der Bewohner mit
Hautpflegemittel eingecremt.

Essen und trinken

• Der Bewohner zeigt • Der Bewohner wird ggf. beim Essen • Der Bewohner bleibt
enthemmtes Essverhalten. beaufsichtigt. Bei Übergriffen auf bei der
die Teller anderer Bewohner greifen Nahrungsaufnahme
wir umgehend ein. möglichst unabhängig.
• Wir prüfen, ob das Verhalten
abhängig vom jeweiligen
Tischnachbarn ist. Ggf. wird die
Sitzordnung angepasst.
• Ggf. kann es sinnvoll sein, zum
Essen eine homogene Gruppe von
Demenzkranken zu bilden.
• Wir versuchen dem Bewohner zu
verdeutlichen, dass er ausreichend
zu essen bekommen wird.

• Der Bewohner ist nicht in • Wir prüfen, ob wir den Bewohner • Der Bewohner nimmt
der Lage, über eine durch gutes Zureden wieder dazu ausreichend Nährstoffe
ausreichend lange Zeit am motivieren können, die Mahlzeit zu sich, um eine
Tisch sitzen zu bleiben. Er fortzusetzen. Mangelernährung zu
steht immer wieder vom • Wir prüfen, ob der Sitzpartner ein vermeiden.
Tisch auf und unterbricht Faktor für das Verhalten des
die Nahrungsaufnahme. Bewohners ist. Es kann hier
Abneigungen geben, die den
Impuls zum Aufstehen verstärken.
Oder aber der Bewohner ist leichter
am Tisch zu halten, weil ihm die
Tischgemeinschaft sympathisch ist.
• Wir prüfen, ob es biografisch
verankerte Gewohnheiten gibt, die
der Bewohner im Pflegeheim nicht
ausleben kann und die ihn dazu
bringen, den Tisch zu verlassen.
Also etwa die fehlende Zeitung auf
dem Esstisch.
• Gelingt dieses nicht, lassen wir ihn
gewähren. Ggf. geben wir ihm
etwas zu essen mit. Also etwa ein
belegtes Brötchen, das er während
des Gehens essen kann.
• Die Mahlzeit wird ggf. in der
Mikrowelle aufgewärmt, wenn der
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Bewohner zu einem späteren


Zeitpunkt weiteressen möchte.

• Das Sättigungsgefühl wird • Wir erstellen gemeinsam mit der • Eine Überernährung
nicht mehr Hauswirtschaft einen des Bewohners wird
wahrgenommen. Der Ernährungsplan. Die Kost des vermieden.
Bewohner hat fast Bewohners wird umgestellt.
ununterbrochen Hunger. • Der BMI des Bewohners wird
Der Bewohner ist adipös. regelmäßig ermittelt.
• Gemeinsam mit dem Hausarzt
prüfen wir, ob die
Gewichtszunahme ggf. auch
andere Gründe hat, etwa eine
hormonelle Störung oder
Depressionen.

• Der Bewohner hat die • Wir prüfen, ob der Bewohner statt • Eine ausreichende und
Technik des Essens bzw. Messer und Gabel einen Löffel ausgewogene
den Umgang mit Besteck nutzen kann. Die Speisen werden Ernährung wird
vergessen als Folge der dann mundgerecht angerichtet. Die sichergestellt.
Apraxie. Pflegekraft füllt den Löffel und legt • Der Bewohner soll
diesen dem Bewohner in die rechte gerne essen und
(bzw. linke!) Hand. Die Pflegekraft trinken.
hebt den Unterarm leicht an. Der
Bewohner führt den Löffel nun
eigenständig zum Mund.
• Wir bieten Fingerfood an, lassen
also den Bewohner mit den Fingern
essen. Etwa: warme Würstchen,
Kroketten, Pommes frites,
Hackfleischbällchen, frittierte
Hähnchenfleischstücke, Brokkoli,
Sellerie, Blumenkohl, Obststücke,
Beeren usw.
• Wir verteilen auf dem Wohnbereich
kleine Schüsseln gefüllt mit
mundgerecht geschnittenem Obst.
• Ggf. wird das Essen dem Bewohner
angereicht.

• Der Bewohner akzeptiert • Wir prüfen, welche Kriterien für die • Die Vorlieben des
verschiedene Speisen Akzeptanz der Speisen Bewohners werden
nicht mehr. entscheidend sind. beachtet.
• Beispiel: Der Bewohner • Zumeist werden süße Speisen • Der Bewohner wird
bevorzugt gelbe, rosa oder gegenüber sauren oder stark ausreichend mit
grüne Speisen. gewürzten Nahrungsmitteln Nahrung versorgt.
Dunkelbraune oder bevorzugt.
schwarze Speisen weist er
zurück.

• Der Bewohner läuft • Wir versorgen den Bewohner nach • Eine ausreichende und
stundenlang umher. Absprache mit dem behandelnden ausgewogene
Dadurch verbraucht er zu Arzt mit hochkalorischer Kost. Ernährung ist
viele Kalorien und ist als • Ggf. erhält der Bewohner sichergestellt.
Folge unterernährt. Trinknahrung, die mit Sahne, mit • Der Bewohner soll
• Durch herkömmliche Zucker oder mit Eiweißpulver einen angemessenen
Ernährung lässt sich der angereichert wurde. BMI haben.
Energiebedarf nicht • Wir sorgen für ausreichende
Ruhepausen, z.B. durch
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decken. Sitzgelegenheiten und anbieten von


anderen Tätigkeiten.

• Der Bewohner sammelt • Wir hinterlegen an beliebten • Die biografisch


und hortet Nahrungsmittel. "Kramplätzen" haltbare und bedingten
• Er isst verdorbene Speisen verschweißte Nahrung, z.B. in der Verhaltensweisen
aufgrund der verminderten Handtasche oder im Nachttisch. werden in sichere
Urteilskraft. Er hat nach • Wenn der Bewohner beim Bahnen gelenkt.
dem Krieg Hunger und Sammeln entdeckt wird, greifen wir • Die Gesundheit des
Mangel erlebt und konnte nicht vorwurfsvoll ein, sondern Bewohners wird nicht
danach zeit seines Lebens weisen ihn einfühlsam auf ggf. durch verdorbene
keine Nahrungsmittel verdorbene Nahrungsmittel hin. Wir Speisen gefährdet.
wegwerfen. nehmen die verdorbenen Speisen
an uns und bieten dafür Ersatz an.
• Der Bewohner wird bei den
Mahlzeiten beobachtet und
angeleitet. Wenn der Bewohner
Speisen in sein Zimmer mitnimmt,
versuchen wir im Dialog, dieses
Verhalten zu korrigieren.

• Die demenziellen • Wir beobachten, welche Getränke • Der Bewohner nimmt


Störungen und das der Bewohner bevorzugt. Diese ausreichend Flüssigkeit
nachlassende Durstgefühl bieten wir ihm wiederholt an. Die zu sich.
sorgen dafür, dass der Trinkgefäße sollten dem Bewohner
Bewohner nicht bekannt sein, etwa ein
ausreichend trinkt. Die Lieblingsglas oder ein bevorzugter
verringerte Tonkrug.
Flüssigkeitsaufnahme führt • Wir nutzen Rituale, die in der
zu akuten Biografie des Bewohners verankert
Verwirrtheitszuständen sind. Etwa: Anstoßen der Gläser,
und verstärkt andere die Tasse Tee beim Zeitungslesen,
Krankheitssymptome. Orangensaft beim Verfolgen der
• Der Bewohner verweigert Fernsehnachrichten usw.
die Flüssigkeitsaufnahme • Die Pflegekraft bleibt noch einige
aufgrund der verminderten Minuten beim Bewohner, um
Urteilskraft. sicherzustellen, dass dieser
zumindest einige Schlucke zu sich
nimmt.
• Ggf. wird ein Trinkprotokoll geführt.
• Wir führen gemeinsame
Trinkpausen ein. Der Bewohner soll
sehen, dass auch andere
Menschen trinken und es ihnen
gleichtun.
• Alkoholische Getränke werden nur
nach vorheriger ärztlicher
Rücksprache gereicht, da der
Konsum insbesondere in
Kombination mit Arzneimitteln zu
Wechselwirkungen führen kann.

• Das Hungergefühl des • Der BMI des Bewohners wird • Eine Mangelernährung
Bewohners ist regelmäßig ermittelt. Unter wird vermieden.
beeinträchtigt. Es droht Einbeziehung des Hausarztes
eine Mangelernährung. werden körperliche Auslöser
ausgeschlossen.
• Gemeinsam mit der Hauswirtschaft
erstellen wir einen täglichen
Ernährungsplan. Wir bieten ggf.
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hochkalorische Süßspeisen sowie


Trinknahrung an.
• Falls möglich sollte der Bewohner
im Rahmen der
Beschäftigungstherapie an der
Herstellung der Speisen beteiligt
werden.
• Statt drei großer Mahlzeiten bieten
wir dem Bewohner sechs kleinere
Mahlzeiten an. Er erhält
insbesondere einen Spätimbiss.
• Wir beachten Rituale,
Gewohnheiten und Vorlieben beim
Essen. Etwa: eine Kerze oder
Musik beim Essen, essen in
Gesellschaft oder allein, lesen einer
Zeitung ermöglichen usw.

• Der Bewohner verweigert • Im persönlichen Dialog mit dem • Der Bewohner ist
die Nahrung. Bewohner versuchen die wieder motiviert,
Pflegekräfte und insbesondere die Nahrung zu sich zu
Bezugspflegekraft, ein nehmen.
Vertrauensverhältnis aufzubauen.
• Wir prüfen, ob der Bewohner
Speisen zu sich nimmt, wenn er an
der Zubereitung beteiligt ist.
Beispiel: Der Bewohner schmiert
sich seine Brötchen selbst.
• Wir machen dem Bewohner klar,
welche körperlichen und seelischen
Folgen eine anhaltende
Nahrungsverweigerung auslösen
kann.
• Wir geben dem Bewohner jederzeit
die Möglichkeit, seine Entscheidung
zu revidieren. Wir bieten ihm
regelmäßig über den Tag verteilt
Nahrungsmittel und Getränke an.
Dieses ständige Anbieten führen
wir in jedem Fall fort, auch wenn
der Bewohner jedes Mal aufs Neue
ablehnt.
• Um dieses permanente Angebot zu
ermöglichen, halten wir rund um die
Uhr frisches Obst, Gebäck, Tee,
Milchgetränke, Fruchtsäfte und
Wasser bereit. Auch der
Nachtdienst ist stets über die
Problematik informiert.

• Der Bewohner ist zeitlich • Wir sorgen dafür, dass • Die Mahlzeiten werden
nicht vollständig orientiert. Essensgerüche in den als strukturierende
Er vergisst die Wohnbereich vordringen können. Eckpunkte im
Essenszeiten. Auch im Zimmer des Bewohners Tagesablauf des
• Der Biorhythmus des sollte man das Mittagessen bereits Bewohners verankert.
Bewohners hat sich an die eine halbe Stunde vor der Mahlzeit • Der Bewohner nimmt
Essenszeiten nicht riechen können. ausreichend Nahrung
gewöhnt. Der Bewohner • Der Bewohner sollte immer zu zu sich.
hat keinen Appetit, wenn gleichen Tageszeiten von den
die Speisen fertig sind. Pflegekräften zum Essen abgeholt
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werden.

Ausscheiden

• Der Bewohner findet die • Wir prüfen, ob die Toilette anders • Der Bewohner nutzt die
Toilette nicht, obwohl diese gekennzeichnet werden kann, etwa Toilette.
mit einem Symbolbild mit einem Foto. • Er versteckt keine
gekennzeichnet ist. Er • Ggf. probieren wir ein Schild in Ausscheidungen.
sucht sich stattdessen altdeutscher Schrift.
einen anderen Ort für die • Gemeinsam mit dem Bewohner
Ausscheidung, etwa einen wird der Weg zur Toilette mehrmals
Eimer. täglich geübt.
• Aus Scham lässt der • Wir vermitteln dem Bewohner, dass
Bewohner den Inhalt des er den Eimer im Notfall nutzen
Eimers unter dem Bett, auf kann. Dieser wird ggf. in den
dem Balkon und an Nachtstuhl integriert.
anderen Orten • Wenn der Eimer in der Nacht
"verschwinden". benutzt wurde, entleert ihn die
Pflegekraft ohne Vorwürfe in die
Toilette.

• Der Bewohner schmiert mit • Vorwürfe gegen den Bewohner sind • Die Gefahren für den
Kot. nutzlos. Er versteht sie nicht. Bewohner und seine
• Der Bewohner wird gewaschen, Umwelt werden
geduscht oder gebadet. Vor allem begrenzt.
die Finger und Fingernägel müssen • Der Bewohner bleibt im
sorgfältig gesäubert werden. sozialen Leben der
• Die Kleidung und die Bettwäsche Einrichtung integriert.
werden gewechselt. •
• Das Bett und die Umgebung des
Bewohners werden gereinigt und
die Oberflächen desinfiziert.
• Wenn durch das Kotschmieren die
Gesundheit des Bewohners
gefährdet ist, prüfen wir die
Notwendigkeit von
Fixierungsmaßnahmen.
• Wir prüfen, inwieweit ein Kot
schmierender Bewohner am
Gemeinschaftsleben teilnehmen
kann. Die Ekelgefühle von
Mitbewohnern werden bei der
Abwägung ebenso berücksichtigt
wie die Belange des Bewohners.
• Empfehlenswert ist es, ein
Ersatzobjekt für den Stuhl (= weich,
warm und formbar) anzubieten. Es
eignet sich z.B. ein
Plastikhandschuh, der mit
Therapieknete gefüllt wurde. Oder
ein Gelkissen in einem stabilen
Plastikbeutel. Auch
Kirschkernkissen sind ein Angebot,
mit denen sich der Betroffene taktil
auseinandersetzen kann. Achtung:
Angebote erst immer unter
Beobachtung in die Hände geben.
• Des Weiteren eignen sich nach
Rücksprache mit dem Hausarzt und
den Betreuern geschlossene
Schlafanzüge mit Reißverschluss
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oder Druckknöpfen. Auch diese


sollten zunächst unter Beobachtung
angezogen werden. Das Verhalten
des Bewohners wird beobachtet.
(Achtung: Fixierungsproblematik!)

• Der Bewohner ist mit dem • Wir stellen sicher, dass sich die • Der Bewohner kann die
eigenständigen Kleidung des Bewohners leicht und Toilette nutzen.
Toilettengang überfordert. schnell öffnen lässt. • Eine Inkontinenz wird
• Wir nutzen eine vermieden.
Toilettensitzerhöhung und • Die Intimsphäre des
Haltegriffe. Bewohners bleibt
• Ggf. halten wir einen Toilettenstuhl möglichst umfassend
bereit. gewahrt.
• Der Bewohner wird nicht mit der
heruntergezogenen Kleidung allein
auf der Toilette gelassen. Dieses
würde die Sturzgefahr erhöhen.
Wenn der Bewohner auf seiner
Intimsphäre besteht, kann die
Pflegekraft hinter der Tür warten.
• Wenn sich das Wasserlassen
verzögert, kann die Pflegekraft den
Wasserhahn aufdrehen oder die
Hand des Bewohners in eine
Schüssel mit lauwarmem Wasser
tauchen. Die Blasenentleerung
setzt dann zumeist schnell ein.

• Der Bewohner ist • Gemeinsam mit dem Hausarzt • Die Folgen der
harninkontinent, leugnet prüfen wir, ob Medikamente Inkontinenz werden
dieses aber. Die mitursächlich für die Inkontinenz minimiert.
verschmutzte Wäsche wird sind. Verschiedene Arzneien gegen
versteckt oder notdürftig die Symptomatik von Demenz
gewaschen und über die können eine Inkontinenz
Heizung gelegt. begünstigen, insbesondere
Schlafmittel oder Neuroleptika. Ggf.
regen wir eine alternative
Medikamentierung an.
• Die verschmutzte Kleidung wird
ohne jeden Vorwurf eingesammelt
und gereinigt.

• Der Bewohner • Die Pflegekraft animiert den • Keimübertragungen


vernachlässigt die Intim- Bewohner zu einer ausreichenden werden vermieden.
und die Händehygiene Sauberkeit.
nach der Ausscheidung. • Der Bewohner wird für sorgfältiges
Händewaschen gelobt.

• Der Bewohner spürt den • Wir führen den Bewohner in • Der Bewohner kann
Harndrang nicht, wenn er regelmäßigen Zeitabständen auf ohne fremde Hilfe die
durch äußere Einflüsse die Toilette (sog. Toilette aufsuchen.
abgelenkt wird. Es kommt "Toilettentraining").
zum gelegentlichen • Die Toilette wird als solche
Einnässen. kenntlich gemacht (Toiletten-
• In der Nacht ist der Symbol oder Beschriftung
Bewohner desorientiert "Toilette").
und findet die Toilette • Ggf. halten wir einen Toilettenstuhl
nicht. Er nässt dann im bereit.
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Zimmer ein, was ihm sehr • Wir achten auf non-verbale Signale,
peinlich ist. etwa den Griff zwischen die
eigenen Beine, Hin- und
Herrutschen auf einem Stuhl usw.)
• Das Zimmer des Bewohners wird
durch ein Nachtlicht erhellt.
• Wenn der Bewohner einnässt, wird
die Verschmutzung ruhig und ohne
Vorwürfe beseitigt.
• Wir legen dem Bewohner die
Verwendung von Einlagen nahe.

• Der Bewohner hängt • Wir erläutern dem Bewohner, dass • Der Bewohner entsorgt
durchfeuchtete Vorlagen die Einlagen nach Benutzung zu die Vorlagen nach jeder
zum Trocknen auf die entsorgen sind. Nutzung.
Heizung. • Wir nutzen unterschiedliche
Abwurfbehälter und prüfen, welche
der Bewohner akzeptiert.
• Wir legen einen großen Vorrat an
Vorlagen gut sichtbar im Raum des
Bewohners ab. Er soll sehen, dass
die Vorlagen nicht knapp sind.

Sich kleiden

• Der Bewohner verlässt • Wir stellen sicher, dass der • Wenn der Bewohner
häufig unbemerkt die Bewohner helle Kleidung trägt. aus der Einrichtung
Einrichtung und irrt dann Jacken werden nach Möglichkeit entweicht, ist er
durch die Umgebung. mit Reflektoren ausgestattet. zumindest angemessen
Dieses auch im Winter mit • In der Kleidung und in der bekleidet.
unzureichender Kleidung Handtasche werden der Name und • Der Bewohner kann
die Adresse der Einrichtung identifiziert werden,
vermerkt. wenn er außerhalb der
• Die Kleidung des Bewohners wird Einrichtung
mit kleinen Sendern ausgestattet, aufgefunden wird.
die in Kombination mit einem
Sensorensystem an den Eingängen
ein Entweichen rechtzeitig melden.
• Wir achten darauf, dass der
Bewohner auch innerhalb der
Einrichtung stabiles Schuhwerk
trägt. Dieses sollte so gewählt
werden, dass sich der Bewohner
nach einem Entweichen aus der
Einrichtung auch im Freien sicher
fortbewegen kann. Er soll nicht mit
Sandalen unterwegs sein.

• Der Bewohner ist nicht • Die Pflegekraft sorgt für eine ruhige • Der Bewohner wird im
mehr in der Lage, sich Umgebung. Störungsquellen Rahmen seiner
eigenständig anzuziehen. (Fernseher, Radio usw.) werden Fähigkeiten am An- und
• Er ist nicht in der Lage, die nach Möglichkeit ausgeschaltet. Ausziehen beteiligt.
Reihenfolge der • Der Bewohner zieht sich (soweit • Das Selbstwertgefühl
Bekleidung korrekt zu möglich) eigenständig an, die des Bewohners bleibt
wählen. Er vergisst Pflegekraft bleibt aber in der Nähe gewahrt.
insbesondere, und leistet unaufdringlich Hilfe beim
Unterwäsche anzuziehen. Anziehen.
• Der Bewohner wird • Die Pflegekraft gibt dem Bewohner
unruhig und ärgerlich, das nächste anzuziehende
wenn er den Fehler Kleidungsstück in die Hand. Sie
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bemerkt oder von zeigt oder tippt auf das Körperteil,


Pflegekräften darauf das nun angezogen werden soll;
hingewiesen wird. etwa die Hand beim Anziehen des
Pullovers.
• Der Bewohner wird gelobt, wenn er
sich korrekt angezogen hat.

• Das Wärme- und • Die Pflegekräfte achten stets auf • Der Bewohner ist stets
Kälteempfinden lässt nach. eine angemessene Bekleidung des angemessen bekleidet.
• Der Bewohner kann nicht Bewohners.
mehr verbal mitteilen, • Die Pflegekraft achtet auf
wenn er friert oder wenn nonverbale Signale dafür, dass
ihm zu warm ist. dem Bewohner zu kalt oder zu
warm ist. Etwa: Körperhaltung,
schwitzen, zittern usw.
• Wir ziehen dem Bewohner ggf. eine
Strickjacke an.

• Der Bewohner wählt • Die Pflegekraft macht morgens • Der Bewohner ist stets
Kleidung, die der Witterung verschiedene Kleidungsvorschläge. angemessen bekleidet.
nicht angepasst ist. Sie zeigt dem Bewohner zwei • Der Bewohner wird im
• Der Bewohner erkennt verschiedene Kleidungsstücke und Rahmen seiner
Verschmutzungen nicht lässt ihn dann wählen. Fähigkeiten am An- und
oder sieht die • Die Pflegekraft reicht dem Ausziehen beteiligt.
Notwendigkeit eines Bewohner die Kleidungsstücke in
Kleidungswechsels nicht der richtigen Reihenfolge, fordert
ein. diesen freundlich zum Anziehen auf
• Der Bewohner äußert und assistiert dem Bewohner ggf.
keine Kleidungswünsche • Tendenziell sollte die Pflegekraft
und ist diesbezüglich eher dem Bewohner am Morgen mehr
passiv und desinteressiert. Eigeninitiative abverlangen als am
• Der Bewohner ist mit der Abend. Wenn am Abend die
richtigen Reihenfolge beim körperlichen wie mentalen Kräfte
Anziehen überfordert. nicht mehr reichen, so wird das
Aus- und Umziehen weitgehend
von der Pflegekraft übernommen.
• Uneinsichtiges Verhalten sollte im
Dialog mit dem Bewohner korrigiert
werden.
• Wenn der Bewohner
Abwehrverhalten zeigt, wird das
An- und Ausziehen unterbrochen
und zu einem späteren Zeitpunkt
fortgesetzt.
• Ungewöhnliche Kleidungswünsche
(z.B. eine Kittelschürze) werden als
Teil der Selbstbestimmung
zugelassen.

• Der Bewohner zieht • Wir lassen dem Bewohner beim • Der Bewohner fühlt sich
Kleidung immer wieder Anziehen die Wahl, welche in seiner Kleidung wohl.
aus. Kleidung er tragen möchte. Wir Er akzeptiert diese und
zeigen ihm dafür jeweils zwei zieht sie nicht mehr
verschiedene Stücke. Wenn der aus.
Bewohner sich nicht mehr verbal
äußern kann, achten wir auf
nonverbale Kommunikation.
• Wir lagern die Kleidung ggf. an
einem alternativen Platz, wenn der
Bewohner Kleidung aus dem
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Schrank nicht akzeptiert.


• Wir geben dem Bewohner die
Möglichkeit, Kleidung zu tragen, die
berufsbiografisch verankert ist. Also
etwa einen "Blaumann" bei
ehemaligen Mechanikern oder eine
Kittelschürze bei ehemaligen
Haushaltskräften.
• Sofern keine Gefahr einer
Unterkühlung besteht und auch
kein Sturz droht, wird das Verhalten
des Bewohners toleriert. Wenn er
es wünscht, kann er sich im
Unterhemd oder barfuß in seinem
Zimmer bewegen.

• Der Bewohner ist nicht • Wir achten auf nonverbale Signale. • Die Wünsche des
mehr in der Lage Dazu zählen etwa ein permanentes Bewohners hinsichtlich
mitzuteilen, wenn er Ziehen und Zupfen an der Kleidung. der Kleidungswahl
andere Kleidung tragen Alternativ zeigt der Bewohner seine werden berücksichtigt.
möchte. Dieses etwa, Ablehnung der Kleidung darin, dass
wenn die aktuelle Kleidung er diese auszieht.
unbequem ist oder kratzt.

Ruhen und schlafen

• Der Tag-Nacht-Rhythmus • Wir achten auf regelmäßige • Der Bewohner ist


des Bewohners ist gestört. Essenszeiten. Diese geben dem abends so müde, dass
• Der Bewohner kann Tag Struktur. er zeitnah einschläft.
abends nicht einschlafen. • Wir sorgen für ausreichende • Der Bewohner ist am
Aktivitäten und insbesondere für Tag ausgeruht.
Bewegung am Tag. Ideal ist ein
Spaziergang an der frischen Luft.
• Der Bewohner sollte keinen
Mittagsschlaf im Bett halten. Falls
der Bewohner nach dem Essen
ausruhen will, wird er für eine halbe
Stunde in einen bequemen
Lehnstuhl mobilisiert. Er soll dort
aber nicht schlafen.
• Das Zimmer des Bewohners wird
vor dem Zubettgehen gelüftet und
danach auf eine Temperatur von
rund 18 Grad C° gebracht. Wir
sorgen für eine angenehme
Luftfeuchtigkeit.
• Die Bettdecken werden
entsprechend der Jahreszeit
angepasst.
• Wir raten dem Bewohner, abends
auf Genussmittel wie Kaffee,
Alkohol, Cola oder Zigaretten zu
verzichten. Nur in kleinen Mengen
können Alkohol oder Nikotin
schlaffördernd wirken.
• Wir prüfen, ob es biografisch
verankerte Einschlafrituale gibt.
Diese setzen wir ggf. fort.
• Wir bieten dem Bewohner am
Abend warme oder kalte Fußbäder
an. Wir prüfen, ob diese das
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Einschlafen erleichtern.
• Biografisch bedingte
Verhaltensweisen werden
fortgesetzt. Wir prüfen also, wann
und wie lange der Bewohner in
früheren Jahren schlief. Ggf. sollte
er dann zu einem späteren
Zeitpunkt am Abend ins Bett gehen
oder morgens etwas früher
aufstehen.

• Der Bewohner verlässt • Wenn sich der Bewohner in ein • Der Bewohner hat eine
nachts sein Bett und sucht fremdes Bett legt, wird er freundlich erholsame Nachtruhe.
sich einen anderen in sein eigenes Bett
Schlafplatz zurückbegleitet.
• Wir stellen alternative
Schlafgelegenheiten bereit, etwa
ein Sofa auf dem Flur.
• Wir stellen sicher, dass der
Bewohner an seinem Schlafplatz
alles hat, was er braucht;
insbesondere ein Kissen, eine
Decke, Licht und im Idealfall einen
mobilen Alarmknopf.

• Der Bewohner ist nachts • Nächtlichen Bewegungsdrang • Die Nachtruhe des


unruhig. lassen wir zu. Wir kanalisieren Bewohners ist
diesen in nächtlichen Angeboten, erholsam.
z.B. in einem Nachtcafe.
• Wir kontrollieren, ob die nächtliche
Unruhe das Ergebnis von
überreichlichem abendlichem
Essen oder von Alkoholkonsum
sein kann.
• Wir raten dem Bewohner, auf
aufregende abendliche
Fernsehsendungen zu verzichten.
• Biografische Vorlieben werden
weitergeführt. Wenn der Bewohner
also viele kleine Kissen zum
Schlafen benötigt, kann er diese
auch in unserer Einrichtung
weiterhin nutzen.
• Diuretika werden spätestens vier
Stunden vor dem Zubettgehen
verabreicht.
• Wir stellen das Bett nach den
Wünschen des Bewohners ein.
Falls der Bewohner Angst vor
einem Herausfallen aus dem Bett
hat, stellen wir das Bettgitter hoch.
Der Bewohner muss den Wunsch
gegenzeichnen.
• Nur als letztes Mittel der Wahl
verabreichen wir nach Absprache
mit dem Arzt Schlaf- oder
Beruhigungsmittel.
• Wir bedenken stets, dass eine
plötzliche erregte Verwirrtheit auch
von einem stummen Herzinfarkt
oder von einem einsetzenden
Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 51

Schlaganfall ausgelöst werden


können.

• Der Bewohner wacht • Sofern es die Arbeitsbelastung der • Die Unruhe wird in
nachts auf. Er nestelt an Nachtwache zulässt, bleibt diese kontrollierte Bahnen
der PEG-Sonde oder am einige Minuten am Bett des gelenkt.
DK-Schlauch. Er rüttelt am Bewohners.
Seitenteil des Bettes. • Wir legen dem Bewohner
"interessante" Gegenstände in die
Hände. Geeignet sind etwa
Körnerkissen, Lagerungskissen mit
Styroporfüllung, (feste) Ketten mit
Holzkugeln usw.

• Der Bewohner friert in der • Wenn der Bewohner am Abend im • Der Bewohner spürt
Nacht. Die Nachtruhe ist Bett liegt, fragen wir ihn, ob ihm zu während des Schlafes
beeinträchtigt. kalt ist. eine angenehme
• Der Bewohner soll eine warme Wärme. Er schläft gut
Bettdecke nutzen. Ggf. legen wir und regeneriert seine
eine zusätzliche Wolldecke auf. Kräfte.

Sich beschäftigen

• Dem Bewohner ist häufig • Wir erfragen, welche Tätigkeiten • Der Bewohner ist
langweilig. der Bewohner in seinen beschäftigt und
• Aufgrund des Verfalls der Berufsjahren ausgeführt hat. Wir langweilt sich nicht.
kognitiven Ressourcen ist prüfen, ob wir ihm Gegenstände
die Teilnahme am geben können, die entsprechend
Beschäftigungsprogramm biografisch verwurzelt sind.
der Einrichtung nicht oder Beispiel: Eine Schreibmaschine bei
nur noch eingeschränkt einem ehemaligen
möglich. Büroangestellten,
Schraubenschlüssel bei einem
Automechaniker usw.
• All dieses erfolgt eingebettet im
Rahmen der 10-Minuten-
Aktivierung

• Der Bewohner kramt • Wir stellen einen Stuhl vor • Die körperlichen Kräfte
stundenlang und bis zur bevorzugte Schränke. Der des Bewohners werden
Erschöpfung in Schränken Bewohner kann sich dann setzen nicht überfordert.
und in Schubladen. und eine Pause machen.
• Wir begleiten den Bewohner zurück
zu einem Sessel. Wir geben ihm
eine Beschäftigung, die ihn
zumindest vorübergehend im Sitzen
hält. Ideal dafür sind
"Kramschachteln".
• Wir spielen eine CD mit Musik, die
ihn erfahrungsgemäß beruhigt.

• Der Bewohner leidet unter • Wir beschäftigen den Bewohner mit • Der Bewohner setzt
Konzentrationsschwierigke Tätigkeiten des täglichen Lebens. vorhandene
iten. Er ist leicht ablenkbar Diese sollten biografisch verankert Fähigkeiten zur
und ermüdet schnell. sein. Dazu zählen Bewältigung der
Komplexe Haushaltstätigkeiten, Lebensaktivitäten ein.
Beschäftigungen Gartenarbeiten usw. Wir üben mit • Der Bewohner bleibt
überfordern ihn. dem Bewohner nur solche
Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 52

• Der Bewohner ist schnell Tätigkeiten, die noch vorhanden motiviert.


demotiviert. sind. Wir versuchen nicht, verlorene
Fähigkeiten wieder herzustellen.
• Viele komplexe Tätigkeiten lassen
sich in einfache Einzeltätigkeiten
unterteilen, die dann nacheinander
abgearbeitet werden können. Die
Pflegekraft gibt dann kurze
Anweisungen, die vom Bewohner
verstanden werden.
• Die Pflegekraft bleibt anwesend
und greift ggf. korrigierend ein.
Wenn der Bewohner eine Tätigkeit
gut ausgeführt hat, wird er von der
Pflegekraft gelobt.
• Wir singen Lieder, die dem
Bewohner aus Kindheitstagen
bekannt sind. Zusätzlich kann es
sinnvoll sein, den Text des Liedes
zu kopieren. Viele Betroffene
können trotz Demenz vom Blatt
ablesen.
• Gemeinsam mit dem Bewohner
blättern wir dessen Fotoalben
durch. Wir animieren den
Bewohner, aus dessen
Vergangenheit zu berichten. Die
gewonnenen Informationen nutzen
wir im Rahmen der Biografiearbeit.
Ggf. beschriften wir die Rückseiten
der Fotos mit einer Beschreibung
der abgebildeten Personen. Es fällt
dann anderen Pflegekräften
leichter, die Fotos später erneut für
die Biografiearbeit zu nutzen.
Zudem ist die Beschriftung eine
Erinnerungshilfe, wenn die Demenz
weiter fortschreitet und der
Bewohner die fotografierten
Personen nicht mehr erkennt.
• Wir prüfen stets, ob die Tätigkeit
den Bewohner überfordert. Falls
dieses der Fall ist, sollte der
Bewohner eine Pause machen oder
sich mit etwas anderem
beschäftigen.
• Die Pflegekraft achtet bei der
Beschäftigung auf eine ruhige
Umgebung, die den Bewohner nicht
ablenkt.

• Der demente Bewohner ist • Die Pflegekraft animiert den • Der Bewohner zeigt
antriebsarm, etwa als Bewohner, zumindest kleine mehr Initiative und
Folge von Angst- und von Tätigkeiten zu übernehmen. Der Energie.
Wahnstörungen, von Bewohner sollte sich aber nicht
Depressionen oder von bedrängt fühlen. Gemeinsam mit
Medikamenten. dem Bewohner erstellt die
Pflegekraft eine Liste, auf der alle
Tätigkeiten vermerkt sind, die der
Bewohner gerne durchführt.
• Die Pflegekraft bleibt während der
Beschäftigung in seiner Nähe und
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lobt ihn für den Fortschritt.


• Wenn der Bewohner keine
Motivation zeigt, wird er dafür nicht
kritisiert. Wir vermitteln ihm, dass
wir es morgen noch einmal
probieren.

• Der Bewohner ist zeitlich • Wir bieten Orientierungshilfen an, • Der Bewohner gewinnt
nicht orientiert. Er kennt etwa einen großen Kalender oder die zeitliche
weder die aktuelle Uhrzeit eine große Uhr. Der Wohnbereich Orientierung zurück.
noch das Datum. und das Zimmer des Bewohners
werden der Jahreszeit
entsprechend geschmückt. Zeitlich
nicht mehr passender
Zimmerschmuck wird konsequent
weggestellt, auch wenn er von
Angehörigen stammt. (Sonst stehen
die Weihnachtsmänner bis Ostern
im Zimmer des Bewohners.)
• Wir hängen einen Abreißkalender
auf. Das Abreißen des Zettels des
Vortages wird ritualisiert. Beispiel:
Der Zettel wird immer nach dem
ersten Toilettengang am Morgen
abgerissen.
• Wir schreiben ihm kleine Zettel,
wenn wichtige Termine anstehen.
Diese werden dort angebracht, wo
sie der Bewohner mehrmals täglich
sieht. Also etwa am
Badezimmerspiegel, am
Schreibtisch usw.
• Im Gespräch mit dem Bewohner
wird immer wieder die Uhrzeit
genannt. Beispiel: "Es ist jetzt drei
Uhr nachmittags. Wir wollen jetzt
wieder die Verbände wechseln.
• Täglich wiederkehrende
Pflegemaßnahmen sollten
halbwegs pünktlich zur gleichen
Tageszeit erfolgen, damit sie den
Tag des Bewohners strukturieren.
• Wir schaffen Tagesrituale, die
immer zur gleichen Zeit stattfinden.
Beispiele: Kekse und Kakao um 15
Uhr. Abendbier um 19 Uhr usw.

Sich als Mann oder Frau fühlen und verhalten

• Der Bewohner zeigt • Im persönlichen Dialog versuchen • Das Recht des


enthemmtes Verhalten. Er wir dem Bewohner zu Bewohners auf
onaniert im Wohnbereich. verdeutlichen, wie sein Verhalten Entfaltung seiner
• Er bezieht andere auf andere wirkt. Sexualität bleibt
Mitbewohner gegen deren • Wir versuchen, dem Bewohner gewahrt.
Willen in die sexuellen individuelle Freiräume und • Das Schamgefühl der
Handlungen ein. Rückzugsmöglichkeiten zu Mitbewohner wird nicht
schaffen. Wenn der Bewohner sich unnötig belastet.
öffentlich selbst befriedigt, führen
wir ihn in das Badezimmer oder in
seinen Raum. Er wird dort in Ruhe
gelassen.
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• Wir geben dem Bewohner die


benötigte Zuwendung, achten aber
gleichzeitig auf die richtige Distanz.
Wenn der Bewohner in der Lage ist,
seinen Intimbereich selbst zu
waschen, wird ihm diese Aufgabe
nicht abgenommen.
• Wenn der Intimbereich von einer
Pflegekraft gewaschen wird, erfolgt
dieses in klaren und festen
Bewegungen, die möglichst wenig
sexuellen Interpretationsspielraum
lassen.
• In vielen Fällen kann eine sinnvolle
Beschäftigung von sexuellen
Wünschen ablenken. Insbesondere
kann der Bewohner durch
körperliche Aktivität ausgelastet
werden.
• (Bei Männern:) Wir organisieren
wohnbereichsübergreifende
Männerabende. Damit
kompensieren wir, dass sich
Männer im Pflegeheim einer
deutlichen Mehrheit von Frauen
gegenübersehen. Dieses sowohl
bei der Bewohnerschaft als auch
beim Pflegepersonal.

• Der Bewohner erkennt • Wir suchen den Dialog mit dem • Der Lebenspartner / die
seinen Lebenspartner / Lebenspartner / mit der Lebenspartnerin wird
seine Lebenspartnerin Lebenspartnerin bzw. den durch die demenzielle
nicht mehr. Angehörigen. Wir erläutern, dass Erkrankung des
Entgegengebrachte dieses Verhalten symptomatisch für Bewohners nicht
Zärtlichkeiten empfindet die Erkrankung ist. überfordert. Die
der demente Bewohner als Beziehung zwischen
Aufdringlichkeit. beiden bleibt so lange
• Das sexuelle Verlangen wie möglich intakt.
des dementen Bewohners
ist erloschen. Dieses
belastet die Beziehung
zum Lebenspartner / zur
Lebenspartnerin.
• Der demente Bewohner
kann sein sexuelles
Verlangen nicht mehr
kontrollieren. Er bedrängt
seinen Lebenspartner /
seine Lebenspartnerin
sexuell.
• Der Bewohner erkennt die
Tochter / den Sohn nicht
mehr. Er verkennt sie als
Ehemann / Ehefrau und
bedrängt diese sexuell.

• Der Bewohner wird • Wir prüfen, ob wir mittels Validation • Das Verhalten des
gegenüber den eine Änderung des Verhaltens Bewohners gegenüber
Pflegekräften sexuell erzielen können. den Pflegekräften bleibt
anzüglich. • Bei Übergriffen unter Anwendung angemessen.
von Gewalt prüfen wir, ob eine
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Versorgung durch männliches


Pflegepersonal möglich ist.
Alternativ sollten weibliche
Pflegekräfte den Klienten
grundsätzlich zu zweit aufsuchen.
• Die Pflegekräfte sollten einen
Kleidungsstil wählen, den der
Bewohner aufgrund seines
biografischen Hintergrundes als
"züchtig" oder "angemessen"
empfindet. Eng anliegende
Kleidung mit viel freier Haut wertet
der Bewohner als Anzeichen
sexueller Freizügigkeit.
• Die Pflegekräfte sollten stets
Dienstkleidung tragen, die sich
deutlich von der Privatkleidung
unterscheidet. Dieses schafft
"Autorität", die auch von dementen
Senioren akzeptiert wird.

• Der Bewohner ist sehr • Wir suchen den Dialog mit dem • Der Lebenspartner / die
anhänglich. Er weicht Lebenspartner / mit der Lebenspartnerin wird
seinem Lebenspartner / Lebenspartnerin. Wir animieren den durch die demenzielle
seiner Lebenspartnerin Lebenspartner / die Erkrankung des
nicht von der Seite. Wenn Lebenspartnerin dazu, sich Bewohners nicht
der Partner nicht Freiräume zu schaffen, innerhalb überfordert. Die
anwesend ist, reagiert der derer sie etwas Ruhe vor der Beziehung zwischen
Betroffene ängstlich. Anhänglichkeit des Bewohners hat. beiden bleibt so lange
• Das Verhalten und der wie möglich intakt.
Charakter des Bewohners
sind aufgrund der
demenziellen Erkrankung
verändert. Dieses belastet
das Verhältnis zum
Lebenspartner /
Lebenspartnerin.

Für eine sichere Umgebung sorgen

• Der Bewohner ist örtlich • Das Zimmer des Bewohners wird • Der Bewohner findet
nicht orientiert. Er weiß möglichst persönlich eingerichtet. sich in seiner neuen
nicht, dass er in einem Der Bewohner kann es Umgebung zurecht.
Pflegeheim lebt. insbesondere mit vertrauten
Einrichtungsgegenständen
dekorieren, also etwa mit Fotos,
Bildern oder Landkarten.
• Die Zimmertür des Bewohners wird
mit einem großen Foto
gekennzeichnet. Alternativ kann ein
Symbol mit biografischem Bezug
gewählt werden (Beispiel:
Eisenbahnsymbol bei einem ehem.
Bahnangestellten).
• Bei neu aufgenommenen
Bewohnern wird der
Bewegungsspielraum ggf. nur
schrittweise erhöht. Der Bewohner
sollte nach der Aufnahme erst dann
andere Wohnbereiche, den Garten
und die Umgebung erkunden, wenn
Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 56

er sich in seinem Wohnbereich und


seinem Zimmer sicher bewegen
kann.
• Die Räume werden gut
ausgeleuchtet.
• Wir stellen sicher, dass der
Bewohner über eine aktuelle Brille
verfügt.
• Bei Spaziergängen draußen wählen
wir immer den gleichen Weg.
• Bei Gängen im Wohnbereich (etwa
zum Bewegungstraining oder zum
Essen) werden stets die gleichen
Routen durch das Gebäude
gewählt.

• Der Bewohner wird • Wichtige Urkunden werden • Der Bewohner wird vor
vergesslicher und grundsätzlich in verschließbaren dem Verlust von
misstrauischer. Schränken aufbewahrt. Der Wertgegenständen
• Der Bewohner versteckt Bewohner erhält Fotokopien. sowie von wichtigen
Gegenstände, um diese • Von wichtigen Schlüsseln werden Unterlagen geschützt.
vor dem Zugriff der Ersatzschlüssel angefertigt.
Pflegekräfte und Alternativ wird am Schlüsselring
Mitbewohner zu schützen. des Bewohners ein Anhänger
befestigt, der auf einen Pfiff hin ein
akustisches Signal abgibt.
• Wertvoller Schmuck wird von uns
sicher verwahrt. Der Bewohner
erhält Modeschmuck, der optisch
ähnlich wirkt.
• Mülleimer und Papierkörbe werden
vor dem Entleeren noch einmal auf
versteckte Gegenstände
untersucht. Die gebrauchte
Kleidung wird vor dem Waschen
noch einmal durchgesehen.

• Der Bewohner ist nachts • Wir versuchen zu klären, welche • Die Auslöser der
unruhig, verlässt sein Ursache es für die Unruhe gibt. Schlafstörung sind
Zimmer und geht durch Mögliche Auslöser sind: bekannt und können
den Wohnbereich. o zu viel Licht im beseitigt werden.
Bewohnerzimmer, etwa
durch die
Straßenbeleuchtung
o Verwechselung im Tag-
Nacht-Rhythmus
o Schmerzen
o nächtliche Ruhestörung,
etwa durch das
Schnarchen eines
Zimmergenossen.
o Wenn der Tag-Nacht-
Rhythmus gestört ist,
versuchen wir die
Orientierung wieder
herzustellen.
o Das Zimmer wird durch
Jalousien oder dichte
Vorgänge vor Lichteinfall
geschützt.
• Die am Tag getragenen
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Kleidungsstücke werden in den


Schrank geräumt.
• Je nach persönlichem Geschmack
erhält der Bewohner einen
Schlummertrunk. Ideal ist Milch. In
geringen Mengen kann ggf. auch
ein alkoholisches Getränk gereicht
werden. Ungeeignet sind i.d.R.
heiße Schokolade, Kaffee oder
Tee.

• Der Bewohner raucht auch • Die Pflegekraft bittet den • Die Gesundheit des
im Bett. Aufgrund der Bewohner, zum Rauchen das Bewohners wird nicht
fortschreitenden Demenz Raucherzimmer aufzusuchen. In unnötig gefährdet.
nimmt die Kontrollfähigkeit keinem Fall sollte der Bewohner
ab. allein im Bett rauchen.
• Wir animieren den Bewohner,
freiwillig das Rauchen aufzugeben.
Dieses fällt dem Bewohner leichter,
wenn die Zigaretten, die
Streichhölzer und das Feuerzeug
außer Sichtweite liegen.
• Wir bitten Angehörige und Freunde,
auf das Rauchen in Gegenwart des
Bewohners zu verzichten.
• Der Bewohner wird engmaschig
überwacht. Dieses insbesondere in
Zeiten, wenn er bevorzugt im Bett
raucht; etwa am Abend.
• Er erhält einen
Sicherheitsaschenbecher.

Soziale Bereiche des Lebens sichern

• Der Bewohner nutzt • Wir bitten Mitbewohner, sorgfältig • Der Bewohner bleibt in
fremdes Eigentum und auf eigene Wertgegenstände zu der Gemeinschaft
eignet sich dieses an. achten. Diese sollten entweder im integriert.
Zimmer verschlossen werden oder • Das Eigentum seiner
von uns aufbewahrt werden. Mitbewohner bleibt
• Wir bitten bei Mitbewohnern um geschützt.
Verständnis für das Verhalten des
Bewohners. Wir schützen diesen
konsequent vor ggf. gewalttätigen
Reaktionen seines Umfeldes nach
"Diebstählen".

• Der Bewohner ist nicht • Der Bewohner erhält einen • Der Bewohner wird vor
mehr in der Lage, mit Geld Betreuer. finanziellen Nachteilen
umzugehen. • Größere Geldmengen werden zur geschützt.
Bank gebracht.
• In der Geldbörse des Bewohners
sollte sich nur ein kleiner Barbetrag
befinden.
• Wenn der Bewohner seine
Geldbörse verloren hat, werden ihm
keine Vorhaltungen gemacht.
Stattdessen wird die Geldbörse
gemeinsam gesucht. Wir beginnen
mit den Plätzen, an denen der
Bewohner immer wieder
Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 58

Gegenstände zurücklässt.

Mit existentiellen Erfahrungen des Lebens umgehen

• Der Bewohner ist • Wir richten das Zimmer des • Der Bewohner
desorientiert zur eigenen Bewohners mit persönlichen akzeptiert, dass er nun
Situation. Er gibt an, nicht Einrichtungsgegenständen ein, also in der Einrichtung lebt.
zu wissen, wo er sich insbesondere mit Fotos von
befindet. Er glaubt, zur Kur Angehörigen, vertrauten
oder im Urlaub zu sein. Möbelstücken usw.
Und er glaubt, bald wieder • An der Zimmertür wird ein großes
nach Hause zu können. Foto des Bewohners befestigt.

• Der Bewohner ist nicht • Der Bewohner wird stets mit • Der Bewohner bewahrt
mehr zur eigenen Person seinem Namen angesprochen. die eigene Identität so
orientiert. • An der Tür des Bewohners ist ein lange wie möglich.
Namensschild angebracht.
• Es werden nicht nur Fotos von
Verwandten im Zimmer aufgestellt,
sondern auch Fotos des
Bewohners selbst.
• Der Bewohner sollte Kleidung
tragen, die dem Stil seines
bisherigen Lebens entspricht. Wenn
er also Trainingsanzüge tragen
möchte, ist dieses zu akzeptieren.
• Die Frisur sollte an die
Gewohnheiten der vergangenen
Jahrzehnte angepasst werden. Wir
akzeptieren also auch langes Haar
bei Männern.
• Wir lassen den Bewohner
persönliche Gegenstände tragen,
wenn diese für ihn immer typisch
waren. Also etwa eine goldene
Kette oder eine Brosche.
• Bewohnerinnen erhalten die
Möglichkeit, sich zu schminken.
Ggf. werden sie dabei von der
Pflegekraft unterstützt.
• Wir stellen einen großen Spiegel in
den Raum des Bewohners.

• Der Bewohner hat • Wir versuchen, den Bewohner zu • Der Bewohner soll sich
Halluzinationen / Illusionen beruhigen. ernst genommen fühlen
• Wir versuchen, durch gezielte und Vertrauen zu
Fragen und Themen den Bewohner seinen Pflegekräften
von seiner Halluzination haben.
abzulenken und wieder mit der • Der Bewohner zweifelt
Realität in Kontakt zu bringen. an der Realität der
• Wir testen, ob sich der Bewohner Sinnestäuschungen
mit kreativen Spielen oder und beachtet sie in
hauswirtschaftlichen bzw. Zukunft weniger.
handwerklichen Tätigkeiten • Der Bewohner ist in der
ablenken lässt. Lage, kontrolliert auf
• Die Pflegekraft erkennt die Realität Sinnestäuschungen zu
des Bewohners an, bleibt aber reagieren.
selbst bei der eigenen Wirklichkeit. • Die Intensität der
Etwa: "Ich glaube Ihnen, dass Sinnestäuschungen
Ihnen der Mann im Schrank Angst nimmt ab.
Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 59

macht, aber ich selbst kann ihn • Die Sinnestäuschung


nicht sehen." verfestigt sich nicht
• Die Pflegekraft unterlässt es, in der zum Wahn.
Sinnestäuschung des Bewohners
"mitzuspielen", also etwa den Mann
im Schrank zu verjagen. In diesem
Fall kann sich die Halluzination zu
einem Wahn verfestigen.
• Wir sorgen für eine angemessene
medikamentöse Versorgung.
• Wir suchen den Dialog mit dem
Bewohner und versuchen die Art
der Angst sowie deren Auslöser zu
identifizieren.
• Gegenstände, die schon häufiger
zu Illusionen führten, werden nach
Möglichkeit aus dem Blickfeld
entfernt.
• Der Bewohner wird über seine
Illusionen aufgeklärt. Dem
Bewohner wird insbesondere
demonstriert, dass seine Ängste
unbegründet sind. (Etwa: Ein Ast
klopft gegen das Fenster; dieses
wird als Einbruch missdeutet.)

• Der Bewohner ist • Wir zeigen dem Bewohner verbal • Der Bewohner
depressiv. und nonverbal unsere Zuwendung. überwindet seine
• Das Selbstwertgefühl des • Soweit möglich wird der Bewohner Depressionen.
Bewohners ist gering. Er in unser Beschäftigungsprogramm • Ein Suizid wird
zieht sich sozial zurück. eingebunden. vermieden.
• Der Bewohner zeigt • Wir nehmen uns Zeit für den
Apathie und abwehrendes Bewohner und zeigen Interesse an
Verhalten. seiner Person. Dieses auch, wenn
• Der Bewohner spricht der Bewohner scheinbar auf unsere
wenig und ist antriebslos. Unterstützung nicht reagiert.
• Wir versuchen, eine Beziehung
zum Bewohner aufzubauen und
Geborgenheit zu vermitteln.
• Durch kleine Aufmerksamkeiten
zeigen wir unsere Anteilnahme.
• Falls möglich übertragen wir dem
Bewohner Verantwortung. Die
Aufgaben sind angepasst an die
durch die Demenz verminderten
mentalen Fähigkeiten.
• Der Bewohner wird gelobt, etwa für
die Kleidung, das Aussehen,
spezielle Fähigkeiten, Kooperation
usw.
• Die Einnahme von Medikamenten
wird engmaschig überwacht.
Insbesondere muss ein Horten von
potenziell gefährlichen Arzneien
vermieden werden.

• Der Bewohner hat • Wahnkranke Bewohner werden • Der Kranke soll trotz
Wahnvorstellungen. besonders behutsam und seines Wahnes, einen
mitfühlend in den Heimalltag und möglichst großen Anteil
die Umgebung eingeführt. am realen Leben
haben.
Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 60

• Wir ermuntern Wahnkranke, soziale • Der Wahnkranke soll


Kontakte wieder aufzunehmen. Vertrauen zu den
• Wir bieten Wahnkranken stets die Pflegekräften
Teilnahme an unseren gewinnen, auch wenn
Beschäftigungsangeboten, wie diese seinen
etwa an der Gymnastik, an. Wahnideen
• Wir suchen stets den Dialog mit widersprechen.
dem Wahnkranken. Wenn dieser • Langfristig soll eine
allerdings das Gespräch auf seine tragfähige Beziehung
Wahnidee lenkt, sollten Mitarbeiter zum Bewohner
auf ein neutrales Thema entstehen, da nur durch
ausweichen. Wir wollen damit den diese eine sinnvolle
Teil der Persönlichkeit stützen, der Therapie möglich ist.
noch nicht vom Wahn deformiert
wurde.
• Falls nötig kann die Pflegekraft
sanfte Berührungen ausführen, um
den Bewohner zu beruhigen.
• Im Dialog kann die Pflegekraft dem
Wahnkranken widersprechen und
die Wahnidee als Folge der
Krankheit nennen. Dieses muss
jedoch vorsichtig, wohlüberlegt und
-dosiert geschehen, da sich der
Wahnkranke sonst noch stärker in
seine Gedankenwelt zurückzieht
und jede weitere Kooperation
verweigert.
• Wenn der Bewohner Stimmen hört
oder Halluzinationen hat, kann die
Pflegekraft darauf hinweisen, dass
sie nichts Derartiges hört oder
sieht.
• Wir unterlassen jeden Versuch,
dem Wahnkranken die Wahnidee
gezielt auszureden. Es ist ebenso
sinnlos, dem Bewohner Beweise zu
liefern, dass er sich irrt.
• Der Tenor in Gesprächen sollte
lauten "Ich möchte verstehen, wie
sie die Dinge sehen. Ich bin
allerdings anderer Meinung."
• Pflegekräfte sollten darauf
verzichten, den Wahn
"mitzuspielen", da dieses den Wahn
verstärken würde. Wenn also ein
Bewohner eine eingebildete Person
im Zimmer sieht, so wird diese nicht
von der Pflegekraft effektvoll
"verjagt".
• Die Pflegekraft kann versuchen,
den aktuellen Auslöser einer
Wahnvorstellung zu finden, etwa
ein bestimmtes Foto, einen
Wandspiegel, eine Tierdarstellung
usw. Diese können ggf. entfernt
werden. Der Erfolg solcher
Maßnahmen ist zumeist nur von
begrenzter Dauer.
• Wir arbeiten eng mit dem
behandelnden Arzt zusammen und
überprüfen gemeinsam die
Wirkungserfolge der verordneten
Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 61

Medikamente und Therapien.


• Pflegekräfte überwachen jede
Medikamenteneinnahme. Sobald
der Bewohner diese anhaltend
verweigert und eine Selbst- oder
Fremdgefährdung besteht, ist eine
Unterbringung in einer geeigneten
Einrichtung unvermeidlich und wird
von uns umgehend eingeleitet.
• Potenziell gewalttätige Bewohner
werden ausschließlich durch
männliche Pflegekräfte betreut.
Weibliche Pflegekräfte sollten nicht
allein das Zimmer betreten. Falls
notwendig wird die Unterbringung in
einer geeigneten Einrichtung
geprüft.
• Wenn ein Bewohner aggressives
Verhalten zeigt und sich selbst und
andere gefährdet, wird dieser
umgehend fixiert. Falls dafür keine
richterliche Genehmigung vorliegt,
wird die Fixierung dem zuständigen
Richter umgehend per Fax
mitgeteilt. Die Fixierung ist
unmittelbar nach Ende der Gefahr
zu beenden.

• Bewohner ist leicht reizbar • Die Pflegekraft lässt sich nicht • Der Bewohner erhält
und aggressiv als Folge provozieren. Sie zeigt ein ruhiges Raum, um
der Wesensveränderungen und sicheres Auftreten. Sie bleibt Aggressionen
und der fehlenden dem Bewohner zugewandt. abzubauen, ohne dass
Krankheitseinsicht. • Die Pflegekraft versucht, durch andere Menschen
Körperkontakt die Situation zu darunter leiden.
entspannen. • Die Auslöser der
• Dem Bewohner wird eine Spannungen werden
Rückzugsmöglichkeit angeboten, gefunden und in
damit er seine Gedanken ordnen Zukunft möglichst
kann. vermieden.
• Die Pflegekraft versucht • Der Bewohner fühlt sich
abzulenken oder einzulenken. Sie von den Pflegekräften
nutzt biografische Informationen, verstanden und
um den Bewohner aus der Situation angenommen.
herauszuführen und die Lage zu
entschärfen.
• Falls nötig zeigt sie dem Bewohner
freundlich aber eindeutig die
Grenzen auf.
• Die Pflegekraft versucht im Dialog
mit dem Bewohner zu klären, durch
was die Aggressionen ausgelöst
wurden.
• Es kann sinnvoll sein, dem
Bewohner zu zeigen, dass sein
Verhalten auf andere Menschen
bedrohlich wirkt. Etwa: "Herr Meier,
wenn Sie sich so unfreundlich
verhalten, bekomme ich Angst vor
Ihnen."
• Falls der Bewohner gegen
Mitbewohner aggressiv ist, trennen
wir die Konfliktparteien. Der
Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 62

Bewohner wird nicht vor den Augen


anderer wegen seines Verhaltes
kritisiert.

• Der Bewohner leidet unter • Wir prüfen, welche Faktoren die • Der Bewohner fühlt sich
Angstzuständen. Angstzustände auslösen oder mit seinen Gefühlen
fördern. Diese werden in Zukunft angenommen.
vermieden oder minimiert. • Die Angstzustände
• Wir raten dem Bewohner, sich zu treten seltener und mit
entspannen und tief in den Bauch geringerer Intensität
zu atmen. Er soll das Ausatmen auf.
und die Atempausen betonen.
• Der Bewohner soll sich körperlich
bewegen.
• Wir raten dem Bewohner, sich an
etwas Schönes zu erinnern oder
sich etwas Positives vorzustellen.
Hierbei greifen wir auf die
Informationen aus der
Biografiearbeit zurück.
• Wir helfen dem Bewohner, sich
abzulenken oder sich zu
beschäftigen.
• Soweit es sich um eine
Symptomfehldeutung handelt (z.B.
"Herzstolpern"), machen wir den
Bewohner auf seinen Irrtum
aufmerksam.
• Wir reagieren mit Empathie auf
diese Gefühlsäußerungen. Die
Pflegekraft beschwichtigt nicht ("so
schlimm ist das nicht" usw.).
Stattdessen antwortet sie
validierend ("Ich weiß, dass Sie
unter der Einsamkeit leiden", "Kann
ich etwas tun, damit Sie sich nicht
mehr so allein fühlen?" usw.)
• Wir sprechen offen und sachlich mit
dem Bewohner über seine Ängste.
Dieser soll das Gefühl gewinnen,
dass wir ihn und seine
Befürchtungen ernst nehmen.
• Wir raten dem Bewohner dazu, ein
Angsttagebuch zu führen. In
diesem kann der Bewohner
eintragen, vor was er Angst hatte
und wie stark die Angststörungen
waren.
• Wir vermitteln dem Bewohner
wirksame Entspannungstechniken.
• Falls der angstkranke Bewohner in
einem Einzelzimmer lebt, sollte die
alternative Unterbringung in einem
Zweibettzimmer geprüft werden.
• Wir ermuntern den Bewohner dazu,
sich in das soziale Leben innerhalb
unserer Gemeinschaft zu
integrieren. Insbesondere sollte er
an den Freizeitaktivitäten
teilnehmen.
• Falls der Bewohner Angst im
Dunkeln hat, lassen wir in der
Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 63

Nacht das Licht im Badezimmer an.


• Wenn der Bewohner eine
problematische Situation gut
überstanden hat, wird er dafür von
uns gelobt.

• Der Bewohner hat ein • Sofern die Pflegekräfte sich nicht • Das Bedürfnis des
erhöhtes Bedürfnis nach (sexuell) belästigt fühlen, sollten sie Bewohners nach
Körperkontakt. Er sucht diesen Kontakt maßvoll zulassen. Zuwendung wird erfüllt.
diesen im Umgang mit • Wir prüfen, ob Mitbewohner gestört • Andere Personen
Pflegekräften und mit werden. Ggf. greifen wir werden nicht mehr als
Mitbewohnern. korrigierend ein, machen aber keine unbedingt erforderlich
Vorwürfe. gestört.

• Der Bewohner zeigt • Insbesondere in akuten Phasen • Die Gesundheit des


selbstschädigendes wird das Verhalten des Bewohners Bewohners wird
Verhalten. engmaschig überwacht. geschützt.
• Wir nehmen uns Zeit, um mit dem • Der Eingriff in das
Bewohner zu reden. Angesprochen Selbstbestimmungsrec
werden auch seine Gedanken zum ht des Bewohners wird
Thema Leben, Sterben und Tod. auf ein Minimum
• Wir lenken die Handlungsimpulse reduziert.
durch geeignete Aktivitäten und
persönliche Gespräche in sinnvolle
Bahnen.
Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 64

Standardpflegeplan "schwere Demenz"


Die senile Demenz ist eine organisch bedingte Verminderung der intellektuellen Hirnleistung mit negativen
Auswirkungen auf die sozialen Funktionen. Im Laufe der Zeit treten Gedächtnis-, Wahrnehmungs- und
Denkstörungen sowie eine Persönlichkeitsveränderung, Desorientierung und Sprachstörungen auf. Das wichtigste
Frühsymptom ist die verschlechterte Gedächtnisleistung.
Unterteilt werden die Demenzformen in primär degenerative Demenzen und sekundäre Demenzen.
primär degenerative Demenzen:

• Alzheimer Demenz
• Parkinson Demenz
• Chorea Huntington

Ursachen der sekundären Demenzen:

• Stoffwechselerkrankungen, z.B. Schilddrüsen- und Nebenschilddrüsenfunktionsstörungen


• Verletzungen des Gehirns, z.B. Subduralhämatom
• raumfordernde Prozesse im Gehirn wie etwa Tumore,
• Infektionskrankheiten des Gehirns wie etwa AIDS, Creutzfeldt-Jakob-Krankheit
• Vergiftungen wie etwa Schwermetalle, Drogen, Medikamente, Alkohol
• kardiovaskuläre Erkrankungen, z.B. Multiinfarktdemenz

die Primärsymptome - auch die "6 A" genannt sind:

• Amnesie (Gedächtnisstörung. Zuerst ist das Kurzzeitgedächtnis gestört, später dann auch das
Langzeitgedächtnis)
• Aphasie (Sprachstörung)
• Agnosie (Wahrnehmungsstörungen)
• Apraxie (Störung von motorischen Handlungsabläufen)
• Abstraktionsfähigkeitsverlust
• Assessment-Störung (die Urteilskraft ist gestört)

Sekundärsymptome:

• Angst
• Unruhe
• Depressionen
• Persönlichkeitsstörung
• Apathie
• Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen
• Paranoia
• Abwehrverhalten
• zunehmende zeitliche, örtliche, situative Desorientiertheit. Später auch Desorientierung zur eigenen
Person
• gestörter Tag-Nacht-Rhythmus
• Perseveration (Bewohner vergisst, was er gesagt hat, und wiederholt es ständig, z.B. "Schwester, wie spät
ist es?")
• Urin- und Stuhlinkontinenz
• Schluckstörungen
• verlangsamtes und umständliches Denken

Schweregrade:

• leichte Demenz: Bei der leichten Demenz ist ein unabhängiges Leben mit persönlicher Hygiene und
intaktem Urteilsvermögen möglich. Die Berufstätigkeit und soziale Kontakte sind aber deutlich
beeinträchtigt. Angehörige berichten von Persönlichkeitsveränderungen. Viele Senioren reagieren darauf
mit Niedergeschlagenheit, Rückzug, Scham und Wut. In dieser Phase entwickeln sich häufig auch
Schuldzuweisungen, z.B. wird dem Betreffenden immer wieder etwas "gestohlen". Vermutlich handelt es
Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 65

sich dabei um einen Selbstschutz. Der Betroffene macht sich damit Ereignisse begreiflich, die er sich sonst
nicht mehr erklären kann.
• mittelschwere Demenz: Bei der mittelschweren Demenz ist ein selbstständiges Leben sehr schwierig, ein
erhöhtes Maß an Aufsicht ist notwendig. Bei alleinstehenden Personen können Gefahren auftreten, wie
eine vergessene Herdplatte oder unbewachte brennende Kerzen. Kompliziertere Handlungen können nicht
mehr durchgeführt werden. Und neue werden nicht mehr erlernt. Der Betroffene reagiert darauf oft mit
Gereiztheit, Depressionen und Rückzug. In dieser Phase tritt auch häufig eine motorische Unruhe auf. Die
Betroffenen machen sich auf die Suche nach etwas Bekanntem, z.B. nach der eigenen früheren Wohnung
oder nach einem Geschäft, in dem sie seinerzeit täglich eingekauft haben.
• schwere Demenz: Bei der schweren Demenz liegt ein Unvermögen vor, das Leben selbstständig führen zu
können. Die persönliche Hygiene kann nicht mehr durchgeführt werden. Es liegt u.a. ein Mutismus
(Stummheit bei intakten Sprechorganen und erhaltenem Sprachvermögen) vor. Ständige Aufsicht und
Anleitung sind erforderlich. Die nächsten Angehörigen werden nicht mehr erkannt. Mit der Zeit verlernen
die Betroffenen das Gehen, das Sitzen und / oder das Schlucken. Sie werden bettlägerig, und die
Krankheit führt schließlich zum Tod.

In der Altenpflege spielen die senile Demenz vom Alzheimer Typ und die Multiinfarktdemenz die größte Rolle.

• Senile Demenz vom Alzheimer Typ (SDAT): Die Alzheimerkrankheit ist ein fortschreitender degenerativer
Prozess im Gehirn. Im Kortex (Hirnrinde) kommt es durch Eiweißablagerungen zum Zelluntergang. So
entwickelt sich ein Hirnschwund vorrangig im Temporal- und im Parietallappen. Die Alzheimerkrankheit ist
nicht heilbar.
• Multiinfarktdemenz: Die Multiinfarktdemenz tritt häufig nach wiederholten Schlaganfällen auf, die sich im
Alltag kaum bemerkbar gemacht haben. Häufig leiden die Betroffenen seit Jahren unter Hypertonie und
unter Diabetes mellitus. Oft sind sie Raucher. Die Ursache der Multiinfarktdemenz ist eine
Minderdurchblutung des Gehirns infolge von arteriosklerotischen Veränderungen. Der Sauerstoffmangel
führt zum Absterben von Neuronen und somit zu neurologischen Ausfallserscheinungen. Mit
entsprechenden Medikamenten lässt sich die Durchblutung des Gehirns fördern. Typisch für diese
Demenz ist ein schubförmiger Verlauf. Es kann zu einer plötzlich einsetzenden Verschlechterung kommen.
Bei etwa jedem sechsten Betroffenen kommen epileptische Anfälle hinzu. Die Multiinfarktdemenz muss
nicht zwangsläufig voranschreiten im Gegensatz zur Alzheimer-Demenz.

Anmerkung:

• Standardpflegepläne geben für spezielle Pflegeprobleme die typischen pflegerischen Maßnahmen vor, so
etwa wie in diesem Beispiel für Demenz. Standardpflegepläne umfassen generelle und potentielle
Pflegeprobleme, Pflegemaßnahmen und Pflegeziele.
• Aus diesem Grund erleichtert ein Standardpflegeplan zwar die Pflegedokumentation, aber er ersetzt auf
keinen Fall eine individuelle auf den Bewohner / Patienten bezogene Pflegeplanung.
• Jede Pflegefachkraft ist gehalten, diese generellen Pflegeprobleme, Pflegemaßnahmen und Pflegeziele
auf Relevanz zu überprüfen und auf die individuellen Einschränkungen und Ressourcen des jeweiligen
Bewohners / Patienten anzupassen. Wichtig ist auch beim Einsatz von Standardpflegeplänen, diese in
regelmäßigen Abständen zu überprüfen und ggf. zu überarbeiten, da sie immer auf dem aktuellen Stand
sein sollten.

Pflegeproblem Pflegemaßnahmen Pflegeziel


Kommunizieren

• Der Bewohner kann • Die Pflegekraft singt ein Lied für • Die verbliebenen
verbal kaum noch (oder noch besser mit) dem Fähigkeiten werden
sinnvoll kommunizieren. Bewohner. Oft gelingt es, ihn genutzt, um eine
emotional zu berühren. Wir prüfen, Basiskommunikation zu
welche Reaktionen er zeigt. Möglich erhalten.
sind z.B. ein Lächeln, das Suchen
des Augenkontakts und ein
Händedruck. All das kann eine Form
der Kommunikation sein, auf die die
Pflegekraft sensibel reagieren sollte.
• Wir prüfen, ob der Bewohner in
seiner Kindheit oder Jugend mit
Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 66

einem Kosenamen gerufen wurde.


Ggf. reden wir den Bewohner damit
an.
• Wir prüfen, ob der Bewohner in
seiner Kindheit oder Jugend einen
anderen Dialekt oder eine andere
Muttersprache gesprochen hat. Wir
versuchen, auf diesem Wege mit
dem Bewohner zu kommunizieren.
• Wir prüfen, ob der Bewohner
Gedichte wiedergeben kann. Es
würde sich dann i.d.R. um bekannte
Kindergedichte aus den 30er-Jahren
handeln. Wenn der Bewohner eine
höhere Bildung genossen hatte, kann
er ggf. auch Gedichte der
klassischen Poesie wiedergeben.

• Die verbale • Wir gehen stets langsam und ruhig • Auch nach dem
Kommunikation verliert auf den Bewohner zu. Wir stellen kompletten Verlust der
vollständig ihre Funktion. Blickkontakt her und vermitteln Ruhe Sprache kann die
und Verständnis. Pflegekraft mit dem
o Wir nutzen die Möglichkeiten Bewohner
der nonverbalen kommunizieren.
Kommunikation, etwa
o entspannte und freundliche
Mimik
o streicheln der Schulter
o summen einer Melodie
• Wir nutzen Vibrationen zum
emotionalen Austausch. Wir lassen
den Bewohner die Vibrationen
verschiedener Gegenstände
erspüren, etwa eine
Lautsprecherbox, einen
Elektrorasierer oder eine
Stimmgabel.
• Die Pflegekraft spricht wertschätzend
mit dem Bewohner; dieses auch,
wenn er die Worte rational nicht
mehr versteht.
• Wir nutzen das Konzept der
Initialberührung, um unser Kommen
und Gehen zu signalisieren.
• Wir achten auf nonverbale
Äußerungen des Bewohners. Wenn
dem Bewohner eine Situation oder
ein Besucher unangenehm ist,
werden die Atmung und der Puls
schneller. Der Blutdruck steigt, die
Lippen werden zusammengepresst
und der Bewohner schwitzt. Bei
angenehmen Situationen oder
Besuchern ist die Atmung vertieft.
Puls und Blutdruck sinken. Die Mimik
entspannt sich.
• Wir sprechen nicht in Anwesenheit
des Bewohners über diesen;
insbesondere nicht über seinen
Gesundheitszustand. Er könnte uns
durchaus hören und verstehen.
Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 67

• Der Bewohner schreit • Wir führen beruhigende Ganz- und • Der Bewohner schreit
ohne erkennbaren Teilwaschungen durch. Ggf. wird der nicht mehr.
Grund. Bewohner massiert.
• Wir suchen den Kontakt mit
Angehörigen und bitten diese darum,
den Bewohner häufiger zu besuchen.
• Wir stellen den Kontakt zur
Gemeinde her und bitten um den
Besuch eines Geistlichen.
• Sofern es in der Einrichtung
Haustiere gibt, bringen wir diese mit
dem Bewohner in Kontakt.
• Der Bewohner wird für eine kurze
Spazierfahrt in den Rollstuhl
mobilisiert.
• Wir setzen den Bewohner in einen
Schaukelstuhl.
• Wir spielen dem Bewohner Musik
vor, von der wir wissen/glauben,
dass er diese mag.
• Wir bieten dem Bewohner Speisen
oder Getränke an. Seine Vorlieben
entnehmen wir der
Pflegedokumentation.
• Die Vorlage wird auf Durchfeuchtung
kontrolliert und ggf. gewechselt.
• Wir passen die Raumtemperatur an.
• Wir nutzen Duftöle.

Sich bewegen

• Der Bewohner bewegt • Der Bewohner darf die Einrichtung • Der Bewohner bleibt
sich sehr langsam. ohne Begleitung nicht mehr körperlich aktiv.
• Der Körper ist nach verlassen. Wenn Pflegekräfte den • Ein Sturz wird
vorne oder zur Seite Bewohner begleiten, sollte er sich vermieden.
geneigt. dabei auf das Gehen konzentrieren
• Der Gang ist können. Die Pflegekraft vermeidet es
kleinschrittig. daher insbesondere, während des
• Die Sturzgefahr ist Gehens mit dem Bewohner zu
erhöht. sprechen.
• Es sollten stets die gleichen Wege
gewählt werden (etwa zum Stadtpark
und zurück).
• Die Maßnahmen zur Sturzprophylaxe
werden intensiviert, insbesondere
empfehlen wir dem Bewohner das
Tragen eines Hüftprotektors.

• Der Bewohner zeigt eine • Der Bewohner sollte auch im • Der Bewohner stürzt
deutliche Wohnbereich festes Schuhwerk nicht.
Gangunsicherheit und tragen. • Die gesundheitlichen
hat zunehmend • Wir schätzen das individuelle Schäden nach einem
Schwierigkeiten, das Sturzrisiko ein. Basierend auf den Sturz werden minimiert.
Gleichgewicht zu halten, Ergebnissen leiten wir
z.B. vom Sitzen zum entsprechende zusätzliche
Aufstehen aus dem Maßnahmen ein, z.B. Versorgung mit
Stuhl. Die Sturzgefahr ist einer Protektorhose oder
erhöht. Durchführung des Balancetrainings.
• Der Bewohner nimmt • Wir prüfen die verordneten
Medikamente ein, die Medikamente auf ihre sturzfördernde
die Symptomatik der Wirkung. Z.B. sind einige
Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 68

Demenz lindern sollen. Benzodiazepine, Neuroleptika,


Diese beeinflussen aber trizyklische Antidepressiva
auch den sturzfördernd. Gemeinsam mit dem
Gleichgewichtssinn. behandelnden Arzt prüfen wir
alternative Einnahmezeitpunkte,
Dosierungen oder Präparate.

• Der Bewohner ist auf • Wir legen im Rollstuhl den • Der Bewohner wird
einen Rollstuhl Sicherheitsgurt an. (Hinweis: sicher im Rollstuhl
angewiesen. Es besteht Fixierungsproblematik!) bewegt.
die Gefahr, dass der • Vor dem Aussteigen werden stets die
Bewohner aus dem Bremsen angezogen und die
Rollstuhl fällt. Fußstützen hochgeklappt.
• Die Pflegekraft muss körperlich in
der Lage sein, den Rollstuhl auch
dann zu kontrollieren, wenn der
Bewohner darin schaukelt oder
aggressives Verhalten zeigt.

Vitale Funktionen des Lebens aufrechterhalten

• Der Bewohner benötigt • Wir stellen und richten die • Der Bewohner erhält die
Hilfe und Anleitung bei Medikamente. Die Pflegekraft achtet Medikamente gemäß
der auf die regelmäßige Einnahme der der ärztlichen
Medikamenteneinnahme Medikamente. Verordnung.
aufgrund der Demenz. • Die Wirkungen und Nebenwirkungen
der Medikamente werden beobachtet
und dokumentiert. Bei relevanten
Informationen wird der Arzt
informiert.

• Der Bewohner ist • Wir gehen stets davon aus, dass die • Wir schaffen die
sehbehindert. Aufgrund Sehfähigkeit erheblich reduziert ist. Voraussetzungen dafür,
der demenziellen Daraus folgt, dass wir insbesondere dass der Bewohner
Erkrankung ist es aber die Maßnahmen im Rahmen der bestmöglich sehen
weder uns noch dem Sturzprophylaxe intensivieren. kann.
Augenarzt möglich, das • Das Zimmer des Bewohners wird • Eine plötzliche
Ausmaß der stets gut ausgeleuchtet. krankhafte Veränderung
Einschränkung genauer • Der Bewohner wird mindestens der Sehfähigkeiten wird
zu bestimmen. einmal jährlich dem Augenarzt so zeitnah erkannt, dass
• Der Bewohner kann vorgestellt. Dabei wird er von der eine wirksame ärztliche
keine Angaben zur Bezugspflegekraft oder von einem Therapie eingeleitet
eigenen Sehfähigkeit Angehörigen begleitet. Bei Angst werden kann.
machen. machenden Untersuchungen wirken
• Die Sehfähigkeit scheint wir beruhigend auf den Bewohner
zu schwanken. Mal ein.
scheint der Bewohner • Wenn es aufgrund unserer
seine Umgebung optisch Beobachtungen hinreichende
gut wahrzunehmen, Anzeichen für eine plötzliche
dann wiederum reagiert Verschlechterung der Sehleistung
er kaum auf optische gibt, wird ein zeitnaher Termin beim
Reize. Augenarzt vereinbart.
• Der Bewohner verliert • Dem Bewohner wird stets die
seine Brille häufig in der aktuelle Brille aufgesetzt. Dieses
Einrichtung. Er kann auch, wenn er nach unserer
keine Angaben zum Einschätzung kaum noch in der Lage
Verbleib der Brille ist, die optischen Informationen zu
machen. verarbeiten.
• Wir bitten die Angehörigen, neben
der Hauptbrille auch eine
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Reservebrille bereitzustellen. Diese


kann ggf. sehr kostengünstig
gearbeitet sein.
• Wenn wir dem Bewohner die Brille
abnehmen, wird sie stets auf dem
gleichen Platz abgelegt. Er kann sie
dann leichter finden.
• Wir prüfen, ob der Bewohner ein
Brillentrageband akzeptiert.

• Der Bewohner hat • Wir achten auf • Die Schmerzbelastung


Schmerzen, kann sich Verhaltensänderungen, die auf des Bewohners wird auf
aber verbal nicht dazu Schmerzen schließen lassen. Etwa: ein Minimum reduziert.
äußern. angespannte oder verkrampfte
Körperhaltung, Unruhe, halten eines
Körperteils, sonstige Schonhaltung
sowie Nahrungsverweigerung.
• Wir achten auf die Mimik des
Bewohners. Etwa:
Zusammengebissene Zähne,
aufeinander gepresste Lippen oder
Stirnfalten.
• Wir achten auf charakteristische
Veränderungen der Vitalzeichen,
etwa das Ansteigen des Blutdrucks
und der Pulsfrequenz, eine
beschleunigte Atmung oder
Schwitzen.
• Wir achten auf akustische Laute des
Bewohners. Etwa: Jammern, weinen,
schreien oder stöhnen; dieses
insbesondere bei bestimmten
Bewegungen.
• Wir bitten den Hausarzt
nachdrücklich um eine sorgfältige
Untersuchung des Bewohners
hinsichtlich der verschiedenen
infrage kommenden
Schmerzauslöser.
• Gemeinsam mit dem behandelnden
Hausarzt passen wir regelmäßig die
Schmerzmitteldosierung an.
• Wir führen basierend auf unseren
Beobachtungen ein
Schmerzprotokoll.
• Wir prüfen, wie sich die
Schmerzbelastung des Bewohners
verändert, wenn sich
Umwelteinflüsse ändern. Beispiel:
Schmerzen in den Gelenken lassen
bei einem Vollbad nach. Oder sie
intensivieren sich nach der
Teilnahme an der Sitztanzgruppe.
• Der Bewohner erhält die
Schmerzmittel ggf. regelmäßig jeden
Tag anhand eines festen
Zeitschemas. Er soll nicht um
Schmerzmittel (nonverbal) bitten
müssen.
• Die häufigsten Nebenwirkungen von
Schmerzmitteln (etwa Übelkeit bei
Opiaten) werden ggf. prophylaktisch
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behandelt.

• Der demente Bewohner • Die Pflegekraft bewahrt Ruhe und • Der Bewohner wird vor
erleidet einen wirkt beruhigend auf den Bewohner Verletzungen geschützt.
Krampfanfall. Ein Anfall ein. • Die psychische
äußert sich durch • Wenn der Bewohner aufgrund Belastung wird durch
unkontrollierte unkontrollierter Bewegungen zu eine liebevolle
Bewegungen, Stürze Boden gefallen ist, schützen wir ihn Betreuung verringert.
oder dort vor Verletzungen. Wir räumen
Atemunterbrechungen. Gegenstände aus dem Weg und
• Nach dem Anfall zeigt legen ein Kissen unter seinen Kopf.
der Bewohner • Der Bewohner wird nicht am Boden
Angstzustände, Unruhe liegend festgehalten.
und Abwehrhaltung. • Die Pflegekraft öffnet zu enge
Kleidungsstücke.
• Die Atmung des Bewohners wird
überwacht.
• Der Bewohner wird nicht allein
gelassen.
• Sobald der Anfall nachlässt, wird der
Bewohner in die stabile Seitenlage
gebracht.
• Wenn der Bewohner das
Bewusstsein wiedererlangt, beruhigt
ihn die Pflegekraft und lenkt ihn ab.
• Verschmutzte Kleidung, etwa nach
einem Urinabgang wird
ausgewechselt.
• Wir prüfen, ob wir den Auslöser des
Krampfanfalles bestimmen können.
In Frage kommen etwa
Schlafmangel, Unterzuckerung oder
Nebenwirkungen von Medikamenten.

• Der demente Bewohner • Wir nutzen bei der Körperpflege • Der Bewohner bewahrt
verliert das ätherische Öle. sein Körpergefühl.
Körpergefühl. • Wenn wir den Bewohner duschen,
variieren wir die Wärme des Wassers
und die Härte des Duschstrahls.
• Der Bewohner wird nach dem
Duschen mit unterschiedlich rauen
Handtüchern abgetrocknet.
• Zum Abbürsten nutzen wir einen
Schwamm, einen Fell- oder einen
Massagehandschuh.
• Wir lagern den Bewohner auf
unterschiedlich beschaffenen
Decken, etwa auf einer rauen
Wolldecke oder auf einem weichen
Fell.
• Die Füße des Bewohners werden
massiert.
• Wir lassen den Bewohner auf
verschiedenen Untergründen barfuß
laufen, etwa Sand, Moos, Laub, Holz
oder Sand.
• Wir legen dem Bewohner
unterschiedliche (ungefährliche)
Gegenstände in die Hand. Diese
können glatt, rau, stumpf, spitz, fest,
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weich, hart, warm, kalt, leicht oder


schwer sein.

• Das Geruchsempfinden • Wir sprühen Wäsche des Bewohners • Der Bewohner kann
ist reduziert. oder das Kopfkissen mit dessen weiterhin Düfte
Lieblingsparfüm ein. Alternativ kann wahrnehmen und diesen
die typische Duftnote des Erinnerungen zuordnen.
Lebenspartners genutzt werden.
• Wir nutzen Seifen und Badezusätze,
deren Duft der Bewohner mag. Wir
nutzen dabei biografische
Informationen.
• Wir bringen den Bewohner mit
Gerüchen in Kontakt, die er aus
seinem Berufsleben kennen sollte.
Etwa: Früchte, Heu (ehem.
Landwirt), Gewürze (ehem. Koch)
usw.

Sich pflegen

• Der Bewohner ist weder • Die Körperpflege wird vollständig von • Der Bewohner ist
in der Lage, sich den Pflegekräften übernommen. körperlich gepflegt.
eigenständig zu • Wir nutzen die Prinzipien der basalen • Das Körpergefühl bleibt
waschen noch sich an Stimulation, um das Körpergefühl zumindest teilweise
der Körperpflege zu des Bewohners zu wahren. erhalten.
beteiligen.

• Der Bewohner lehnt es • Wir respektieren die Ablehnung des • Die körperliche
ab, gebadet oder Bewohners und wiederholen das Bad Sauberkeit des
geduscht zu werden. später ggf. erneut. Bewohners ist
• Wir bitten ggf. den Lebenspartner, gewährleistet.
beim Baden beruhigend auf den • Die Selbstbestimmung
Bewohner einzuwirken. des Bewohners bleibt
• Sofern der Bewohner stuhlkontinent gewahrt.
ist, reicht die Wäsche am • Der Bewohner verbindet
Waschbecken aus. Der Bewohner das Baden oder
wird nur einmal in der Woche Duschen mit
geduscht oder (wenn er dieses angenehmen
weiterhin ablehnt) gebadet. Empfindungen und lässt
• Wir prüfen biografisch verankerte diese Form der
Vorlieben. Dieses etwa, wenn es der Körperreinigung
Bewohner gewohnt war, zum Baden zukünftig zu.
oder Duschen ungewöhnlich warmes
oder kaltes Wasser zu nutzen. Zu
beachten sind nach Möglichkeit auch
zeitliche Vorlieben, also etwa das
Baden unmittelbar vor der
Nachtruhe.
• Wir prüfen, ob der Bewohner
aufgrund des Krankheitsbildes
Schmerzen beim Baden oder
Duschen hat (etwa
Hauterkrankungen).
• Wir prüfen, ob das
Temperaturempfinden des
Bewohners gestört ist. In diesem Fall
kann er das Wasser als zu warm
oder zu kalt empfinden, obwohl die
Temperatur objektiv angenehm sein
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sollte. Der Bewohner erhält ggf. mehr


Zeit, um sich an die
Wassertemperatur zu gewöhnen.
• Der Bewohner wird beim Baden nicht
aus den Augen gelassen.
• Sofern möglich, sollte der Bewohner
den Intimbereich eigenständig
waschen.
• Bei der Wahl der Pflegemittel werden
die Wünsche des Bewohners
beachtet, sofern keine zwingenden
Gründe dagegen sprechen (etwa
Substanzen, die das Dekubitusrisiko
erhöhen).
• Wir beachten, dass die Sturzgefahr
beim Einsteigen in die Wanne und
beim Verlassen der Wanne deutlich
erhöht ist. Wir nutzen daher die
Haltegriffe und ggf. einen
Badewannenlifter.
• Wir verbinden das Baden oder
Duschen mit angenehmen
Elementen, wie etwa dem
Schminken, dem Lackieren der
Nägel oder einer aufwendigeren
Haarpflege. Nach dem Abtrocknen
wird der Bewohner mit
Hautpflegemittel eingecremt.

• Der Bewohner lehnt die • Wir leiten den Bewohner dazu an, • Der Körper und auch der
Körperpflege die Reinigung so weit wie möglich Intimbereich werden
(insbesondere die eigenständig durchzuführen. Dazu gesäubert.
Intimpflege) durch die wird er ggf. in eine andere • Das Schamgefühl des
Pflegekraft ab. Er selbst Körperhaltung gebracht, etwa auf Bewohners wird
ist damit aber einen Stuhl gesetzt. beachtet.
überfordert oder nicht • Die Intimsphäre des Bewohners wird
ausreichend motiviert. beachtet. Insbesondere wird er
während der Reinigung vor
unerwünschten Blicken Dritter
geschützt.
• Der Bewohner wird immer nur
teilweise entkleidet. Bereits
gereinigte Körperbereiche werden
wieder bedeckt.
• Falls die Pflegekraft die Reinigung
übernehmen muss, werden die
Unannehmlichkeiten auf ein
Minimum reduziert:
o Wir achten auf die
Versorgung durch eine
gleichgeschlechtliche
Pflegekraft.
o Die Pflegekraft achtet auf
nonverbale Signale. Falls
sich der Bewohner
verweigert, wird die Wäsche
unterbrochen und zu einem
späteren Zeitpunkt
durchgeführt. Die Pflegekraft
stellt sicher, dass der
Bewohner nicht auskühlt.
o Oftmals kann der Bewohner
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auch durch Ablenkung dazu


bewegt werden, seinen
Widerstand gegen das
Waschen aufzugeben.
o Wir geben dem Bewohner
die Möglichkeit zu berichten,
wie sich die Körperpflege in
seinem bisherigen Leben
gestaltete. Diese
biografischen Bezüge
werden ggf. in den
Waschvorgang
eingearbeitet.
o Wir prüfen, ob wir durch die
Nutzung von biografisch
verankerten Gegenständen
mehr Erfolg haben. Beispiel:
Kernseife statt Waschlotion.
• Sobald der Bewohner die Wäsche
akzeptiert, wird diese Maßnahme
"ritualisiert". Sie wird also zur
gleichen Zeit, mit stets dem gleichen
Ablauf und möglichst von der
gleichen Person durchgeführt.

• Der Bewohner leistet • Die Pflegekraft achtet auf ein • Der Bewohner erlebt die
körperlichen Widerstand, sicheres und ruhiges Auftreten. Körperpflege als
wenn er von den • Ggf. legt die Pflegekraft angenehm.
Pflegekräften entspannende Musik in den CD- • Das impulsive Verhalten
gewaschen werden soll. Spieler. Die Auswahl der Musik tritt seltener auf. Die
Er wehrt die Hände der ergibt sich aus den biografisch Intensität reduziert sich.
Pflegekräfte ab. gewachsenen Vorlieben.
Pflegekräfte werden • Ggf. wird die Körperpflege auf einen
geschlagen, gekratzt anderen Tageszeitpunkt verlegt. Die
oder gebissen. Pflegekraft nimmt Rücksicht auf die
jeweilige Tagesform.
• Ggf. wird die Körperpflege durch
Pausen unterbrochen, damit sich der
Bewohner entspannen kann.
• Ggf. wird der Umfang der
Körperpflege auf das unbedingt
notwendige Maß reduziert.
• Die Maßnahmen werden ggf. einzeln
angekündigt. Die Pflegekraft gibt
dem Bewohner die Zeit, um sich
darauf einzustellen.
• Ggf. werden Angehörige gebeten,
bei der Körperpflege anwesend zu
sein und beruhigend auf den
Bewohner einzuwirken.

Essen und trinken

• Das Sättigungsgefühl • Wir erstellen gemeinsam mit der • Eine Überernährung des
wird nicht mehr Hauswirtschaft einen Bewohners wird
wahrgenommen. Der Ernährungsplan. Die Kost des vermieden.
Bewohner hat fast Bewohners wird umgestellt.
ununterbrochen Hunger. • Der BMI des Bewohners wird
Der Bewohner ist regelmäßig ermittelt.
adipös. • Gemeinsam mit dem Hausarzt
prüfen wir, ob die Gewichtszunahme
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ggf. auch andere Gründe hat, etwa


eine hormonelle Störung oder
Depressionen.

• Das Hungergefühl des • Der BMI des Bewohners wird • Mangelernährung wird
Bewohners ist regelmäßig ermittelt. Unter vermieden.
beeinträchtigt. Es droht Einbeziehung des Hausarztes
eine Mangelernährung. werden körperliche Auslöser
ausgeschlossen.
• Gemeinsam mit der Hauswirtschaft
erstellen wir einen täglichen
Ernährungsplan. Wir bieten ggf.
hochkalorische Süßspeisen sowie
Trinknahrung an.
• Falls möglich sollte der Bewohner im
Rahmen der Beschäftigungstherapie
an der Herstellung der Speisen
beteiligt werden.
• Statt drei großer Mahlzeiten bieten
wir dem Bewohner sechs kleinere
Mahlzeiten an. Er erhält
insbesondere einen Spätimbiss.
• Wir beachten Rituale, Gewohnheiten
und Vorlieben beim Essen. Etwa:
eine Kerze oder Musik beim Essen,
essen in Gesellschaft oder allein,
lesen einer Zeitung ermöglichen usw.
• Die Nahrung wird angenehm
präsentiert, dieses auch, wenn sie
zuvor zerkleinert wurde.

• Der Bewohner akzeptiert • Wir prüfen, welche Kriterien für die • Die Vorlieben des
verschiedene Speisen Akzeptanz der Speisen entscheidend Bewohners werden
nicht mehr. sind. beachtet.
• Beispiel: Der Bewohner • Zumeist werden süße Speisen • Der Bewohner wird
bevorzugt gelbe, rosa gegenüber sauren oder stark ausreichend mit
oder grüne Speisen. gewürzten Nahrungsmitteln Nahrung versorgt.
Dunkelbraune oder bevorzugt.
schwarze Speisen weist • Der Bewohner erhält keinen
er zurück. Salzstreuer oder
Gewürzmischungen, da er damit die
Speisen ungenießbar machen
würde.

• Der Bewohner leidet • Der Bewohner wird aufgefordert, sich • Eine Aspiration wird
häufig unter Übelkeit in eine aufrechte Position zu bringen. vermieden.
und unter Erbrechen. Ggf. wird er dabei unterstützt. • Der Bewohner wird
Dieses ist die Folge des • Falls sich der Bewohner angemessen versorgt,
hirnorganischen Abbaus eigenständig nicht in aufrechter nachdem er sich
oder der Position halten kann, wird das übergeben hat.
Nebenwirkungen der Kopfteil des Bettes aufgestellt und
eingesetzten der Bewohner mit Kissen unterstützt.
Medikamente. • Falls möglich, wird dem Bewohner
vor dem Erbrechen die Zahnprothese
entnommen. Ansonsten besteht die
Gefahr, dass das Gebiss aus dem
Mund heraus fällt.
• Falls sich der Bewohner aufgrund
einer Krankheit nicht aufsetzen darf
oder bewusstlos ist, wird er in eine
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stabile Seitenlage gebracht und der


Kopf zur Seite gedreht.
• Ggf. wird die Kleidung des
Bewohners gelockert. Sie wird falls
möglich mit Zellstoff vor
Verschmutzung geschützt.
• Der Bewohner wird aufgefordert,
ruhig und gleichmäßig zu atmen.
• Sofern es der Bewohner nicht bis zur
Toilette schafft, wird ihm eine
Nierenschale bereitgestellt.
• Bei relevanten Auffälligkeiten wird
umgehend der Arzt / Notarzt
alarmiert. Dazu zählen insbesondere
Blut-, Kaffeesatz- und Koterbrechen.

• Der Bewohner • Im persönlichen Dialog mit dem • Der Bewohner ist wieder
verweigert die Nahrung. Bewohner versuchen die motiviert, Nahrung zu
Pflegekräfte und insbesondere die sich zu nehmen.
Bezugspflegekraft, ein
Vertrauensverhältnis aufzubauen.
• Wir prüfen, ob der Bewohner
Speisen zu sich nimmt, wenn er an
der Zubereitung beteiligt ist. Beispiel:
Der Bewohner schmiert sich seine
Brötchen selbst.
• Wir machen dem Bewohner klar,
welche körperlichen und seelischen
Folgen eine anhaltende
Nahrungsverweigerung auslösen
kann.
• Wir geben dem Bewohner jederzeit
die Möglichkeit, seine Entscheidung
zu revidieren. Wir bieten ihm
regelmäßig über den Tag verteilt
Nahrungsmittel und Getränke an.
Dieses ständige Anbieten führen wir
in jedem Fall fort, auch wenn der
Bewohner jedes Mal aufs Neue
ablehnt.
• Um dieses permanente Angebot zu
ermöglichen, halten wir rund um die
Uhr frisches Obst, Gebäck, Tee,
Milchgetränke, Fruchtsäfte und
Wasser bereit. Auch der Nachtdienst
ist stets über die Problematik
informiert.
• Wir prüfen, ob es in der Jugend oder
in der Kindheit des Bewohners vor
dem Essen bestimmte Rituale oder
Gebete gab.

• Der Bewohner öffnet • Wir berühren die Lippen des • Der Bewohner wird
beim Anreichen des Bewohners mit der Spitze des angemessen ernährt.
Essens den Mund nicht. gefüllten Löffels oder der Gabel. • Sein Willen wird
• Die Pflegekraft streicht behutsam respektiert.
über Mundwinkel, Lippen und Wange
des Bewohners.
• Die Pflegekraft übt einen sanften
Druck auf die Kinngrübchen aus.
• In keinem Fall darf Gewalt ausgeübt
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werden. Dieses selbst dann, wenn


der Bewohner überhaupt nichts isst.

• Der Bewohner hat die • Wir prüfen, ob der Bewohner statt • Eine ausreichende und
Technik des Essens Messer und Gabel einen Löffel ausgewogene
bzw. den Umgang mit nutzen kann. Die Speisen werden Ernährung wird
Besteck vergessen als dann mundgerecht angerichtet. Die sichergestellt.
Folge der Apraxie. Pflegekraft füllt den Löffel und legt • Der Bewohner soll gerne
diesen dem Bewohner in die rechte essen und trinken.
(bzw. linke!) Hand. Die Pflegekraft
hebt den Unterarm leicht an. Der
Bewohner führt den Löffel nun
eigenständig zum Mund.
• Wir bieten Fingerfood an, lassen also
den Bewohner mit den Fingern
essen. Etwa: warme Würstchen,
Kroketten, Pommes frites,
Hackfleischbällchen, frittierte
Hähnchenfleischstücke, Brokkoli,
Sellerie, Blumenkohl, Obststücke,
Beeren usw.
• Wir verteilen auf dem Wohnbereich
kleine Schüsseln gefüllt mit
mundgerecht geschnittenem Obst.
• Ggf. wird das Essen dem Bewohner
angereicht.

• Der Bewohner ist nicht • Die Pflegekraft überprüft die • Der Bewohner wird
mehr in der Lage, die Temperatur der Speisen. Dieses ggf. angemessen ernährt.
Speisen eigenständig mit einer eigenen (zusätzlichen)
einzunehmen. Die Gabel.
Pflegekräfte müssen ihm • Bei blinden oder stark
die Nahrung eingeben. sehbehinderten Bewohnern sagen
wir vor jedem Bissen an, welche
Speisenkomponente als Nächstes
angereicht wird. Also etwa ein paar
Bohnen, eine halbe Kartoffel, ein
Stück Fleisch usw.
• Die Pflegekraft überprüft den
Schluckvorgang beim Bewohner.
Insbesondere nach einem
Schlaganfall leiden viele Betroffene
unter Kau- und Schluckproblemen.
• Der Bewohner bestimmt die
Geschwindigkeit, mit der er isst. Die
Pflegekraft wartet ab, bis er die
vorherige Portion schlucken konnte.
Erst dann führt sie den nächsten
Löffel oder die nächste Gabel zum
Mund des Bewohners.
• Beim Herausziehen sollte der Löffel
nicht mit den Schneidezähnen in
Kontakt kommen. Dieses kann den
Beißreflex auslösen.
• Während des Schluckens sollte die
Pflegekraft nicht mit dem Bewohner
sprechen. Dieses könnte ihn dazu
veranlassen, ebenfalls während des
Essens zu reden und dabei ggf.
Nahrungsbestandteile zu aspirieren.
Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 77

• Die Saug- und die • Wir tränken Schwämmchen mit • Die Saug- und
Schluckreflexe sind verschiedenen Flüssigkeiten und Schluckreflexe bleiben
gestört. legen diese dem Bewohner in den zumindest teilweise
Mund. erhalten.
• Wir legen dem Bewohner
Fruchtstücke, Gummibären,
Schokoladenstückchen usw. in den
Mund (bei vertretbarer
Aspirationsgefahr).
• Wir testen, ob der Bewohner einen
Schnabelbecher oder einen
Trinkbecher mit Strohhalm
akzeptiert.

• Der Bewohner leidet • Der Bewohner sollte die Speisen • Der Bewohner
unter Schluckstörungen. nach Möglichkeit nicht im Liegen, verschluckt sich nicht.
sondern in aufrechter Position zu Eine Pneumonie wird
sich nehmen. Ggf. wird dafür das vermieden.
Kopfteil des Bettes aufgestellt.
• Der Kopf darf beim Essenanreichen
nicht überstreckt sein.
• Es wird sichergestellt, dass der
Bewohner ausreichend Zeit zum
Kauen und zum Schlucken hat.
• Die Nahrungsmittelmenge, die mit
jedem Löffel angereicht wird, sollte
nicht zu groß gewählt werden.
• Beim Essenanreichen wird es dem
Bewohner ermöglicht, die
angereichten Speisen kurz zu sehen
und zu riechen. Das regt die
Speichelproduktion und den Appetit
an.
• In jedem Fall muss sich der
Bewohner auf die Konsistenz des
nächsten angereichten Löffelinhaltes
einstellen können. Er sollte also z.B.
wissen, ob als Nächstes ein Stück
Fleisch oder Kartoffelbrei folgt.
• Die Pflegekraft stellt sicher, dass der
Bewohner regelmäßig eine
Nachschluckbewegung durchführt.
Diese dient der Reinigung des
Rachens und ist bei neuronalen
Schädigungen häufig verkümmert.
Ggf. kann die Pflegekraft diese
Bewegung mit einem sanften Druck
gegen den Mundboden stimulieren
oder den Bewohner gezielt zum
Nachschlucken auffordern.

• Der Bewohner ist zeitlich • Wir sorgen dafür, dass • Die Mahlzeiten werden
nicht vollständig Essensgerüche in den Wohnbereich als strukturierende
orientiert. Er vergisst die vordringen können. Auch im Zimmer Eckpunkte im
Essenszeiten. des Bewohners sollte man das Tagesablauf des
• Der Biorhythmus des Mittagessen bereits eine halbe Bewohners verankert.
Bewohners hat sich an Stunde vor der Mahlzeit riechen • Der Bewohner nimmt
die Essenszeiten nicht können. ausreichend Nahrung zu
gewöhnt. Der Bewohner • Der Bewohner sollte immer zu sich.
hat keinen Appetit, wenn gleichen Tageszeiten von den
Pflegekräften zum Essen abgeholt
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die Speisen fertig sind. werden.

• Die demenziellen • Wir beobachten, welche Getränke • Bewohner nimmt


Störungen und das der Bewohner bevorzugt. Diese ausreichend Flüssigkeit
nachlassende bieten wir ihm wiederholt an. Die zu sich.
Durstgefühl sorgen Trinkgefäße sollten dem Bewohner
dafür, dass der bekannt sein, etwa ein Lieblingsglas
Bewohner nicht oder ein bevorzugter Tonkrug.
ausreichend trinkt. Die • Wir nutzen Rituale, die in der
verringerte Biografie des Bewohners verankert
Flüssigkeitsaufnahme sind. Etwa: Anstoßen der Gläser, die
führt zu akuten Tasse Tee beim Zeitungslesen,
Verwirrtheitszuständen Orangensaft beim Verfolgen der
und verstärkt andere Fernsehnachrichten usw.
Krankheitssymptome. • Die Pflegekraft bleibt noch einige
• Der Bewohner Minuten beim Bewohner, um
verweigert die sicherzustellen, dass dieser
Flüssigkeitsaufnahme zumindest einige Schlucke zu sich
aufgrund der nimmt.
verminderten • Ggf. wird ein Trinkprotokoll geführt.
Urteilskraft. • Wir führen gemeinsame Trinkpausen
ein. Der Bewohner soll sehen, dass
auch andere Menschen trinken und
es ihnen gleichtun.

• Der Bewohner nimmt • Die Einstichstelle wird durch • Das Flüssigkeitsdefizit


dauerhaft zu wenig Kleidung oder durch einen festen wird ausgeglichen. Die
Flüssigkeit zu sich. Das Verband überdeckt. Einstichstelle wird vor
Defizit muss über eine Manipulationen
Infusion ausgeglichen geschützt.
werden. Es besteht die
Gefahr, dass der
Bewohner an der
Einstichstelle
manipuliert.

Ausscheiden

• Der Bewohner leidet • Die Toilette wird als solche kenntlich • Der Bewohner kann die
unter einer funktionellen gemacht (Toiletten-Symbol oder Toilette nutzen.
Inkontinenz. Er kann den Beschriftung "Toilette"). • Eine Inkontinenz wird
Harn- und Stuhldrang • Ggf. halten wir einen Toilettenstuhl vermieden.
zwar spüren, ist mit dem bereit. • Die Intimsphäre des
eigenständigen • Wir stellen sicher, dass sich die Bewohners bleibt
Toilettengang dann aber Kleidung des Bewohners leicht und möglichst umfassend
überfordert. schnell öffnen lässt. gewahrt.
• Wir nutzen eine
Toilettensitzerhöhung und
Haltegriffe.
• Ggf. halten wir einen Toilettenstuhl
bereit.
• Der Bewohner wird nicht mit der
heruntergezogenen Kleidung allein
auf der Toilette gelassen. Dieses
würde die Sturzgefahr erhöhen.
Wenn der Bewohner auf seiner
Intimsphäre besteht, kann die
Pflegekraft hinter der Tür warten.
• Wenn sich das Wasserlassen
verzögert, kann die Pflegekraft den
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Wasserhahn aufdrehen oder die


Hand des Bewohners in eine
Schüssel mit lauwarmem Wasser
tauchen. Die Blasenentleerung setzt
dann zumeist schnell ein.

• Der Bewohner ist • Der Bewohner wird mit • Die Inkontinenz wird
vollständig inkontinent. Inkontinenzmaterial versorgt, also mit angemessen versorgt
Es kann weder die Urin- aufsaugenden Einlagen, mit
noch die Kondom-Urinalen, Analtampons usw.
Stuhlausscheidung • Alternativ kann ein transurethraler
kontrollieren. Dauerkatheter genutzt werden.

• Der Bewohner schmiert • Vorwürfe gegen den Bewohner sind • Die Gefahren für den
mit Kot. nutzlos. Er versteht sie nicht. Bewohner und seine
• Der Bewohner wird gewaschen, Umwelt werden
geduscht oder gebadet. Vor allem begrenzt.
die Finger und Fingernägel müssen • Der Bewohner bleibt im
sorgfältig gesäubert werden. sozialen Leben der
• Die Kleidung und die Bettwäsche Einrichtung integriert.
werden gewechselt.
• Das Bett und die Umgebung des
Bewohners werden gereinigt und die
Oberflächen desinfiziert.
• Wenn durch das Kotschmieren die
Gesundheit des Bewohners
gefährdet ist, prüfen wir die
Notwendigkeit von
Fixierungsmaßnahmen.
• Wir prüfen, inwieweit ein Kot
schmierender Bewohner am
Gemeinschaftsleben teilnehmen
kann. Die Ekelgefühle von
Mitbewohnern werden bei der
Abwägung ebenso berücksichtigt wie
die Belange des Bewohners.
• Empfehlenswert ist es, ein
Ersatzobjekt für den Stuhl (= weich,
warm und formbar) anzubieten. Es
eignet sich z.B. ein
Plastikhandschuh, der mit
Therapieknete gefüllt wurde. Oder
ein Gelkissen in einem stabilen
Plastikbeutel. Auch Kirschkernkissen
sind ein Angebot, mit denen sich der
Betroffene taktil auseinandersetzen
kann. Achtung: Angebote erst immer
unter Beobachtung in die Hände
geben.
• Des Weiteren eignen sich nach
Rücksprache mit dem Hausarzt und
den Betreuern geschlossene
Schlafanzüge mit Reißverschluss
oder Druckknöpfen. Auch diese
sollten zunächst unter Beobachtung
angezogen werden. Das Verhalten
des Bewohners wird beobachtet.
(Achtung: Fixierungsproblematik!)

Sich kleiden
Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 80

• Der Bewohner ist nicht • Die Wahl der Kleidung, das An- und • Der Bewohner ist stets
mehr in der Lage, sich das Ausziehen werden vollständig angemessen bekleidet.
eigenständig an- oder von den Pflegekräften übernommen.
auszukleiden. Er äußert
keine Wünsche zur
Kleidung.

• Der Bewohner ist nicht • Wir achten auf nonverbale Signale. • Die Wünsche des
mehr in der Lage Dazu zählen etwa ein permanentes Bewohners hinsichtlich
mitzuteilen, wenn er Ziehen und Zupfen an der Kleidung. der Kleidungswahl
andere Kleidung tragen Alternativ zeigt der Bewohner seine werden berücksichtigt.
möchte. Dieses etwa, Ablehnung der Kleidung darin, dass
wenn die aktuelle er diese auszieht.
Kleidung unbequem ist
oder kratzt.

• Der Bewohner ist • Wir prüfen, ob der Bewohner • Die Wünsche des
unruhig. verschiedene Kleidungsstücke oder Bewohners werden
Accessoires für seine Person für erfüllt.
unverzichtbar hält. Etwa: Hut,
Handtasche, Strickjacke usw.Wir
helfen dem Bewohner bei der Suche
nach diesen Kleidungsstücken, wenn
er sie verlegt hat.
• Wir regen bei den Angehörigen an,
spezielle Gegenstände doppelt zu
beschaffen. Wir haben dann Ersatz,
wenn der Bewohner einen
Gegenstand nicht wieder findet.

Ruhen und schlafen

• Der Tag-Nacht- • Wir achten auf regelmäßige • Der Bewohner ist


Rhythmus des Essenszeiten. Diese geben dem Tag abends so müde, dass
Bewohners ist gestört. Struktur. er zeitnah einschläft.
• Der Bewohner kann • Wir sorgen für ausreichende • Der Bewohner ist am
abends nicht Aktivitäten und insbesondere für Tag ausgeruht.
einschlafen. Bewegung am Tag. Ideal ist ein
Spaziergang an der frischen Luft.
• Der Bewohner sollte keinen
Mittagsschlaf im Bett halten. Falls
der Bewohner nach dem Essen
ausruhen will, wird er für eine halbe
Stunde in einen bequemen Lehnstuhl
mobilisiert. Er soll dort aber nicht
schlafen.
• Das Zimmer des Bewohners wird vor
dem Zubettgehen gelüftet und
danach auf eine Temperatur von
rund 18 Grad C° gebracht. Wir
sorgen für eine angenehme
Luftfeuchtigkeit.
• Die Bettdecken werden
entsprechend der Jahreszeit
angepasst.
• Wir raten dem Bewohner, abends auf
Genussmittel wie Kaffee, Alkohol,
Cola oder Zigaretten zu verzichten.
Nur in kleinen Mengen können
Alkohol oder Nikotin schlaffördernd
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wirken.
• Wir prüfen, ob es biografisch
verankerte Einschlafrituale gibt.
Diese setzen wir ggf. fort.
• Wir bieten dem Bewohner am Abend
warme oder kalte Fußbäder an. Wir
prüfen, ob diese das Einschlafen
erleichtern.
• Biografisch bedingte
Verhaltensweisen werden
fortgesetzt. Wir prüfen also, wann
und wie lange der Bewohner in
früheren Jahren schlief. Ggf. sollte er
dann zu einem späteren Zeitpunkt
am Abend ins Bett gehen oder
morgens etwas früher aufstehen.

• Der Bewohner ist nachts • Nächtlichen Bewegungsdrang lassen • Die Nachtruhe des
unruhig. wir zu. Wir kanalisieren diesen in Bewohners ist erholsam.
nächtlichen Angeboten, z.B. in einem
Nachtcafe.
• Wir kontrollieren, ob die nächtliche
Unruhe das Ergebnis von
überreichlichem abendlichem Essen
oder von Alkoholkonsum sein kann.
• Wir raten dem Bewohner, auf
aufregende abendliche
Fernsehsendungen zu verzichten.
• Biografische Vorlieben werden
weitergeführt. Wenn der Bewohner
also viele kleine Kissen zum
Schlafen benötigt, kann er diese
auch in unserer Einrichtung weiterhin
nutzen.
• Diuretika werden spätestens vier
Stunden vor dem Zubettgehen
verabreicht.
• Wir stellen das Bett nach den
Wünschen des Bewohners ein. Falls
der Bewohner Angst vor einem
Herausfallen aus dem Bett hat,
stellen wir das Bettgitter hoch. Der
Bewohner muss den Wunsch
gegenzeichnen.
• Nur als letztes Mittel der Wahl
verabreichen wir nach Absprache mit
dem Arzt Schlaf- oder
Beruhigungsmittel.
• Wir bedenken stets, dass eine
plötzliche erregte Verwirrtheit auch
von einem stummen Herzinfarkt oder
von einem einsetzenden Schlaganfall
ausgelöst werden können.

Sich beschäftigen

• Der Bewohner wird • Wir nutzen akustische Angebote. Wir • Der Bewohner wird
zunehmend unruhig. Die spielen dem Bewohner vertraute entsprechend seinen
motorischen Fähigkeiten Lieder vor, etwa Kirchenlieder, Fähigkeiten beschäftigt.
lassen deutlich nach. Volkslieder, Schlager oder
Die Operetten. Die Auswahl basiert auf
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Konzentrationsfähigkeit den biografischen Informationen. Die


reduziert sich Reaktionen des Bewohners werden
zunehmend. Der beobachtet.
Bewohner kann daher • Wir bieten dem Bewohner
vertraute olfaktorische Reize, insbesondere im
Beschäftigungsangebote Rahmen einer Aromatherapie.
nicht mehr nutzen. • Der Bewohner erhält taktile
Angebote, also etwa vertraute
Gegenstände, Greifzöpfe usw.
• Wir nutzen das "Snoezelen-Prinzip".
In unserem Snoezelen-Raum halten
wir Tastplatten, eine
Geräuschlichtorgel, Farbspiele,
Mobiles, Geräte für Lichteffekte
(Lampen mit Glasfaserbündeln,
Blasensäulen usw.), verschiedene
Sitz- und Liegemöglichkeiten bereit.

• Der Bewohner führt • Gemeinsam mit den Angehörigen • Der Bewohner ist
Bewegungen aus, deren stellen wir einen Karton mit entsprechend seinen
Sinn uns nicht Gegenständen zusammen, die einen Fähigkeiten
erschließt. Er scheint biografischen Bezug haben und von angemessen
aber beschäftigt zu sein. denen keine Gefahr ausgeht. beschäftigt.
Dieses allerdings nur • Wir stellen dem Bewohner eine
kurzzeitig. Tastwand zur Verfügung diese
enthält verschiedene Materialien,
etwa Schnüre, Perlen, Stoffe, gefüllte
Säckchen usw.

• Der Bewohner ist • Wir setzen den Bewohner in einen • Der Bewohner gewinnt
unruhig, kann aber Schaukelstuhl oder auf eine Wasser- einen Teil des
durch oder Luftmatratze. Alternativ: Der Körpergefühls und der
Schaukelbewegungen Bewohner wird in eine Hängematte Körperkontrolle zurück.
beruhigt werden. gelegt. • Er wird entspannt.
• Die Pflegekraft bewegt nun den
Bewohner vorsichtig hin und her. Sie
achtet darauf, dass der Bewohner
keine Angst hat und dass ihm nicht
schwindelig wird.
• Ggf. kann die Pflegekraft leise Musik
spielen oder ein Lied singen.

• Der Bewohner ist zeitlich • Der Wohnbereich und das Zimmer • Der Bewohner gewinnt
nicht orientiert. Er kennt des Bewohners werden der die zeitliche Orientierung
weder die aktuelle Jahreszeit entsprechend zumindest ansatzweise
Uhrzeit noch das Datum. geschmückt. Zeitlich nicht mehr zurück.
• Der Bewohner weiß passender Zimmerschmuck wird
nicht, in welcher konsequent weggestellt, auch wenn
Jahreszeit er sich er von Angehörigen stammt. (Sonst
befindet. stehen die Weihnachtsmänner bis
• Der Bewohner nutzt Ostern im Zimmer des Bewohners.)
seine eigene Uhr nicht. • An Sonn- und Feiertagen wird der
Bewohner animiert, besondere
Kleidung zu tragen.
• Die Tage werden mit festen Zeiten
für das Essen, für Ruhephasen, für
Gymnastik und für
Beschäftigungsangebote strukturiert.
• Wir feiern Feste, dazu zählen auch
lokal verankerte Termine (Weinfest,
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Hopfenfest usw.)

Sich als Mann oder Frau fühlen und verhalten

• Der Bewohner erkennt • Wir suchen den Dialog mit dem • Der Lebenspartner / die
seinen Lebenspartner / Lebenspartner / mit der Lebenspartnerin wird
seine Lebenspartnerin Lebenspartnerin bzw. den durch die demenzielle
nicht mehr. Angehörigen. Wir erläutern, dass Erkrankung des
Entgegengebrachte dieses Verhalten symptomatisch für Bewohners nicht
Zärtlichkeiten empfindet die Erkrankung ist. überfordert. Die
der demente Bewohner Beziehung zwischen
als Aufdringlichkeit. beiden bleibt so lange
• Das sexuelle Verlangen wie möglich intakt.
des dementen
Bewohners ist
erloschen. Dieses
belastet die Beziehung
zum Lebenspartner / zur
Lebenspartnerin.
• Der demente Bewohner
kann sein sexuelles
Verlangen nicht mehr
kontrollieren. Er
bedrängt seinen
Lebenspartner / seine
Lebenspartnerin sexuell.
• Der Bewohner erkennt
die Tochter / den Sohn
nicht mehr. Er verkennt
sie als Ehemann /
Ehefrau und bedrängt
diese sexuell.

Für eine sichere Umgebung sorgen

• Der Bewohner ist örtlich • Das Zimmer des Bewohners wird • Der Bewohner findet
nicht orientiert. Er weiß möglichst persönlich eingerichtet. sich in seiner neuen
nicht, dass er in einem Der Bewohner kann es insbesondere Umgebung zurecht.
Pflegeheim lebt. mit vertrauten
Einrichtungsgegenständen
dekorieren, also etwa mit Fotos,
Bildern oder Landkarten.
• Die Zimmertür des Bewohners wird
mit einem großen Foto
gekennzeichnet. Alternativ kann ein
Symbol mit biografischem Bezug
gewählt werden (Beispiel:
Eisenbahnsymbol bei einem ehem.
Bahnangestellten).
• Bei neu aufgenommenen Bewohnern
wird der Bewegungsspielraum ggf.
nur schrittweise erhöht. Der
Bewohner sollte nach der Aufnahme
erst dann andere Wohnbereiche, den
Garten und die Umgebung erkunden,
wenn er sich in seinem Wohnbereich
und seinem Zimmer sicher bewegen
kann.
• Die Räume werden gut
ausgeleuchtet.
• Wir stellen sicher, dass der
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Bewohner über eine aktuelle Brille


verfügt.
• Bei Spaziergängen draußen wählen
wir immer den gleichen Weg.
• Bei Gängen im Wohnbereich (etwa
zum Bewegungstraining oder zum
Essen) werden stets die gleichen
Routen durch das Gebäude gewählt.

• Der Bewohner kann • Der Bewohner sollte aufregende • Der Bewohner wird
zwischen dem Bild und Fernsehbeiträge meiden. Wir durch die
der Wirklichkeit nicht schalten nur geeignete Kanäle ein. Mediennutzung nicht
mehr unterscheiden. • Der Bewohner sollte DVDs mit unnötig verwirrt.
• Fernsehbilder hält der älteren Filmen sehen, etwa Sissi und
Bewohner für echt. andere Heimatfilme.
Insbesondere bei • Wir bevorzugen Radiosender mit
Kriegsszenen reagiert er Schlagern sowie klassischer Musik.
panisch. Hörspiele sind nicht geeignet.
• Stimmen aus dem Radio
verkennt er als Stimmen
von Personen in seinem
Raum.

• Der Bewohner nimmt • Wir entfernen lose Gegenstände und • Der Bewohner wird vor
Gegenstände in den Dekorationsmaterial aus dem Vergiftung oder
Mund. Blickfeld des Bewohners. Luftwegeverlegung
• Wenn der Bewohner die Blätter von geschützt.
Topfpflanzen oder die Blumenerde
isst, werden die Gewächse entfernt.
• Reinigungsmittel werden nicht in
Sichtweite des Bewohners gelagert.
• Wertgegenstände wie
Porzellanfiguren, Schmuck usw.
werden aus der Sichtweite des
Bewohners entfernt und sicher
verwahrt.

Soziale Bereiche des Lebens sichern

• Der Bewohner nutzt • Wir bitten Mitbewohner, sorgfältig auf • Der Bewohner bleibt in
fremdes Eigentum und eigene Wertgegenstände zu achten. der Gemeinschaft
eignet sich dieses an. Diese sollten entweder im Zimmer integriert.
verschlossen werden oder von uns • Das Eigentum seiner
aufbewahrt werden. Mitbewohner bleibt
• Wir bitten bei Mitbewohnern um geschützt.
Verständnis für das Verhalten des
Bewohners. Wir schützen diesen
konsequent vor ggf. gewalttätigen
Reaktionen seines Umfeldes nach
"Diebstählen".

• Der Bewohner ist nicht • Der Bewohner erhält einen Betreuer. • Der Bewohner wird vor
mehr in der Lage, mit • Größere Geldmengen werden zur finanziellen Nachteilen
Geld umzugehen. Bank gebracht. geschützt.
• In der Geldbörse des Bewohners
sollte sich nur ein kleiner Barbetrag
befinden.
• Wenn der Bewohner seine
Geldbörse verloren hat, werden ihm
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keine Vorhaltungen gemacht.


Stattdessen wird die Geldbörse
gemeinsam gesucht. Wir beginnen
mit den Plätzen, an denen der
Bewohner immer wieder
Gegenstände zurücklässt.

Mit existentiellen Erfahrungen des Lebens umgehen

• Der Bewohner leidet • Wir prüfen, welche Faktoren die • Der Bewohner fühlt sich
unter Angstzuständen. Angstzustände auslösen oder mit seinen Gefühlen
fördern. Diese werden in Zukunft angenommen.
vermieden oder minimiert. • Die Angstzustände
• Der Bewohner soll sich körperlich treten seltener und mit
bewegen. geringerer Intensität auf.
• Wir helfen dem Bewohner, sich
abzulenken oder sich zu
beschäftigen.
• Wir reagieren mit Empathie auf diese
Gefühlsäußerungen. Die Pflegekraft
beschwichtigt nicht ("so schlimm ist
das nicht" usw.). Stattdessen
antwortet sie validierend ("Ich weiß,
dass Sie unter der Einsamkeit
leiden", "Kann ich etwas tun, damit
Sie sich nicht mehr so allein fühlen?"
usw.)
• Wir sprechen offen und sachlich mit
dem Bewohner über seine Ängste.
Dieser soll das Gefühl gewinnen,
dass wir ihn und seine
Befürchtungen ernst nehmen.
• Falls der angstkranke Bewohner in
einem Einzelzimmer lebt, sollte die
alternative Unterbringung in einem
Zweibettzimmer geprüft werden.
• Wir ermuntern den Bewohner dazu,
sich in das soziale Leben innerhalb
unserer Gemeinschaft zu integrieren.
Insbesondere sollte er an den
Freizeitaktivitäten teilnehmen.
• Falls der Bewohner Angst im
Dunkeln hat, lassen wir in der Nacht
das Licht im Badezimmer an.
• Wenn der Bewohner eine
problematische Situation gut
überstanden hat, wird er dafür von
uns gelobt.

• Der Bewohner ist nicht • Der Bewohner wird stets mit seinem • Der Bewohner bewahrt
mehr zur eigenen Namen angesprochen. die eigene Identität so
Person orientiert. • An der Tür des Bewohners ist ein lange wie möglich.
Namensschild angebracht.
• Es werden nicht nur Fotos von
Verwandten im Zimmer aufgestellt,
sondern auch Fotos des Bewohners
selbst.
• Der Bewohner sollte Kleidung tragen,
die dem Stil seines bisherigen
Lebens entspricht. Wenn er also
Trainingsanzüge tragen möchte, ist
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dieses zu akzeptieren.
• Die Frisur sollte an die
Gewohnheiten der vergangenen
Jahrzehnte angepasst werden. Wir
akzeptieren also auch langes Haar
bei Männern.
• Wir lassen den Bewohner
persönliche Gegenstände tragen,
wenn diese für ihn immer typisch
waren. Also etwa eine goldene Kette
oder eine Brosche.
• Bewohnerinnen erhalten die
Möglichkeit, sich zu schminken. Ggf.
werden sie dabei von der Pflegekraft
unterstützt.
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Standardpflegeplan "Pflege und Betreuung von Senioren mit Schlafstörungen"

• Im Alter zählen Schlafstörungen zu den häufigsten Problemen. Rund jeder dritte Senior über 65 Jahre ist
betroffen.
• Gelegentliche Schlafstörungen treten bei vielen Menschen auf und bedürfen keiner Behandlung, da sie
nach kurzer Zeit wieder verschwinden. Eine Schlafstörung liegt vor, wenn
o die nächtliche Wachzeit 30 Minuten übersteigt,
o wenn diese Wachzeit an mindestens drei Tagen pro Woche auftritt und
o die Beschwerden mindestens vier Wochen anhalten.
• Die individuellen Schlafgewohnheiten alter Menschen können variieren. Der nächtliche Schlafbedarf kann
auf sechs Stunden sinken. Mit "Nickerchen" kann die Gesamtschlafdauer aber auch leicht zehn bis zwölf
Stunden betragen.
• Wenn akute Schlafstörungen nicht behandelt werden, können sich diese zu chronischen Schlafstörungen
entwickeln. Daher ist es wichtig, Schlafstörungen zu einem frühen Zeitpunkt zu beseitigen.
• Da Senioren häufig weder körperlich noch geistig gefordert werden, ist deren Schlaftiefe häufig
vergleichsweise gering.
• Der Umzug in ein Pflegeheim ist ein drastischer Einschnitt in das Leben. Dadurch werden häufig
Schlafstörungen ausgelöst.

Anmerkung:

• Standardpflegepläne geben für spezielle Pflegeprobleme die typischen pflegerischen Maßnahmen vor, so
etwa wie in diesem Beispiel für Schlafstörungen. Standardpflegepläne umfassen generelle und potentielle
Pflegeprobleme, Pflegemaßnahmen und Pflegeziele.
• Aus diesem Grund erleichtert ein Standardpflegeplan zwar die Pflegedokumentation, aber er ersetzt auf
keinen Fall eine individuelle auf den Bewohner / Patienten bezogene Pflegeplanung.
• Jede Pflegefachkraft ist gehalten, diese generellen Pflegeprobleme, Pflegemaßnahmen und Pflegeziele
auf Relevanz zu überprüfen und auf die individuellen Einschränkungen und Ressourcen des jeweiligen
Bewohners / Patienten anzupassen. Wichtig ist auch beim Einsatz von Standardpflegeplänen, diese in
regelmäßigen Abständen zu überprüfen und ggf. zu überarbeiten, da sie immer auf dem aktuellen Stand
sein sollten.

Pflegeproblem Pflegemaßnahmen Pflegeziel


Vitale Funktionen des Lebens aufrechterhalten

• Der Bewohner nimmt • Die Festlegung der Indikation und die • Die Einnahme
Schlafmittel. Auswahl des passenden Medikaments sind erfolgt unter
Aufgaben des Hausarztes. kontrollierten
• Je stärker ein Schlafmittel wirkt, umso Bedingungen
genauer muss der Bewohner überwacht und
werden. insbesondere
• Vor dem Einsatz von Schlafmitteln wird nicht länger als
intensiv nach Alternativen gesucht. Erst unbedingt
wenn diese erschöpft sind, kommt die erforderlich.
Nutzung in Frage.
• Schlafmittel werden nur dann eingesetzt,
wenn sich eine etwaige körperliche Ursache
nicht beseitigen lässt.
• Wir bieten Schlafmittel nicht routinemäßig
oder gar ohne ärztliche Rücksprache an.
• Die Schlafmittel werden nicht auf Dauer
eingenommen.
• Schlafmittel werden grundsätzlich nicht nach
22 Uhr verabreicht.
• Die Dosis ist stets so gering wie möglich zu
halten.
• Wir nutzen nach Möglichkeit keine lang
wirkenden Medikamente, da diese den Tag-
Nacht-Rhythmus beeinträchtigen.
Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 88

• Die Einnahme des Schlafmittels wird


kontrolliert. Die Hortung der Mittel etwa für
einen Suizidversuch sollte unterbleiben.
• Der Einsatz von Placebopräparaten ist
unmoralisch und sollte - wenn überhaupt -
nur als allerletztes Mittel im Rahmen eines
Behandlungsplanes in Betracht kommen.

• Der Bewohner ist • Wir gehen vor gemäß Standard "Pflege und • Die
abhängig von Betreuung medikamentenabhängiger Abhängigkeit
Schlafmitteln. Senioren". wird
überwunden.

• Der Bewohner leidet unter • Wir versuchen die Symptomatik durch eine • Die
Herzinsuffizienz. angemessene Pflege und Versorgung zu Beschwerden
• Der Bewohner klagt über lindern. werden soweit
Angina pectoris. • Die vom Arzt vorgegebene medikamentöse gelindert, dass
Therapie wird präzise umgesetzt. der Bewohner
• Alle weiteren Maßnahmen sind im wieder schlafen
Standardpflegeplan "Herzinsuffizienz" kann.
beschrieben.

• Der Bewohner klagt über • Wir versuchen die Symptomatik durch eine
eine starke chronische angemessene Pflege und Versorgung zu
Schmerzbelastung, die lindern. Dazu zählen insbesondere
ihn keinen Schlaf finden schonende Maßnahmen wie etwa eine
lässt. Wärmflasche oder eine gezielte,
schmerzlindernde Lagerung.
• Die vom Arzt vorgegebene medikamentöse
Therapie wird präzise umgesetzt.
• Alle weiteren Maßnahmen sind im
Standardpflegeplan "chronische Schmerzen"
beschrieben.

• Der Bewohner leidet unter • Der Bewohner wird in der


einer chronisch Oberkörperhochlagerung gelagert.
obstruktiven • Wir stellen sicher, dass eine wirksame
Lungenerkrankung. Er Bedarfsmedikation verfügbar ist.
kann aufgrund der • Wir führen vor der Nachtruhe
Atembeschwerden nicht atemstimulierende Einreibungen durch.
schlafen.

• Der Bewohner leidet unter • Der Bewohner wird bevorzugt in der


einem Oberkörperhochlagerung gelagert.
gastroösophagealen • Die Kleidung sollte locker gewählt werden.
Reflux. Er klagt über • Der Bewohner sollte zwei Stunden vor dem
Schmerzen hinter dem Zubettgehen keine umfangreiche Mahlzeit zu
Brustbein. sich nehmen.

• Der Bewohner kann nicht • Gemeinsam mit dem Hausarzt prüfen wir die
schlafen. Er nimmt Verabreichung alternativer Substanzen.
Medikamente ein, deren • Wir prüfen, ob alternative
Nebenwirkungen dafür Einnahmezeitpunkte die Symptomatik
verantwortlich sein lindern; insbesondere also die Einnahme am
können. Morgen statt am Abend.
• Ein lange Zeit • Wir raten dem Bewohner dringend davon ab,
eingenommenes ein Medikament eigenmächtig abzusetzen.
Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 89

Medikament wurde • Verschiedene Medikamente sollten nicht


abgesetzt. Diese abrupt abgesetzt werden. Stattdessen sollte
Veränderung verursacht die Dosis im Verlauf mehrerer Wochen
Schlafstörungen. schrittweise reduziert werden.

Sich pflegen

• Der Bewohner leidet unter • Wir versuchen die Symptomatik durch eine • Die
Hautkrankheiten. Der angemessene Pflege und Versorgung zu Beschwerden
Juckreiz lässt ihn nicht lindern. werden soweit
schlafen. • Die vom Arzt vorgegebene medikamentöse gelindert, dass
Therapie wird präzise umgesetzt. der Bewohner
• Alle weiteren Maßnahmen sind im Standard wieder schlafen
"Pflege von Senioren mit Juckreiz kann.
("Pruritus")" beschrieben.

Essen und trinken

• Der Schlaf des • Der Bewohner sollte schlaffördernde • Durch eine


Bewohners wird durch Lebensmittel bevorzugen, etwa Milch und angepasste
dessen Milchprodukte, Honig, Teigwaren, Ernährung wird
Ernährungsgewohnheiten Schokolade, Rindfleisch, Ananas, Birnen und der Schlaf des
gestört. Datteln. Bewohners
• Nahrungsmittel, die den Schlaf stören, sollte unterstützt.
der Bewohner meiden. Etwa: Eier, Fisch,
Erbsen oder Bohnen.
• Wir raten dem Bewohner, abends auf
Genussmittel wie Kaffee, Alkohol, Cola oder
Zigaretten zu verzichten. Nur in kleinen
Mengen können Alkohol oder Nikotin
schlaffördernd wirken. (Hinweis: Bei
Senioren mit einer Minderdurchblutung des
Gehirns können Kaffee und Tee in
Einzelfällen den Schlaf verbessern.)
• Der Bewohner sollte Tees wählen, deren
schlaffördernde Wirkung bekannt ist, etwa
Baldrianwurzel, Hopfenzapfen,
Melissenblätter, Orangenblüten,
Weißdornblüten. (Hinweis: Tee aus dem
Supermarkt ist häufig von geringerer Qualität
als Produkte aus der Apotheke.)
• Der Bewohner sollte abends keine scharfen
Speisen zu sich nehmen, da diese den
Säuregehalt des Magensaftes erhöhen.

• Der Bewohner ist • Der Bewohner erhält abends eine • Der Bewohner
Diabetiker. Er wird nachts Zwischenmahlzeit, da die lange Zeitspanne kann trotz
ggf. hypoglykämisch. Es vom Abendessen bis zum Frühstück eine Diabetes
kommt zu Unruhe und Stabilisierung des BZ-Wertes erschwert. ungestört
Desorientiertheit. schlafen.

• Der Bewohner bekommt • Wir prüfen, ob der Bewohner das • Der abendliche
nachts Hunger oder Durst Abendessen zu einem späteren Zeitpunkt / nächtliche
und kann deswegen nicht einnehmen sollte. Hunger wird
schlafen. • Am Nachttisch halten wir einen kleinen gestillt. Der
Imbiss bereit, also etwa einen Jogurt, Bewohner kann
Zwieback oder geschnittenes Obst. ungestört
• Wenn der Bewohner nicht in der Lage ist, schlafen.
eigenständig nachzuschenken, werden die
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Getränke bereits im Trinkglas oder in der


Schnabeltasse an das Bett gestellt.
• Die Nachtwache bietet ggf. eine nächtliche
Zwischenmahlzeit an. Die Pflegekraft achtet
darauf, dass der Bewohner nur kleine
Mengen Nahrung zu sich nimmt.
• Wir animieren den Bewohner, unser
Nachtcafe zu nutzen.

Ausscheiden

• Der Bewohner klagt über • Prostata-Erkrankungen werden behandelt. • Der nächtliche


nächtlichen Harndrang. Er • Sofern keine Austrocknung droht, sollte Harndrang wird
muss den Schlaf abends die Trinkmenge reduziert werden. soweit
unterbrechen, um zur • Wir bieten allen Bewohnern vor dem reduziert, dass
Toilette zu gehen. Zubettgehen noch einen Toilettengang an. ein erholsamer
• Der Bewohner hat • Diuretika werden spätestens vier Stunden Schlaf möglich
morgens Harndrang, ist vor dem Zubettgehen verabreicht. ist.
aber nicht in der Lage, • Wir stellen sicher, dass der Bewohner die
eigenständig eine Toilette Rufanlage bedienen kann. Wir animieren ihn,
aufzusuchen. Er bleibt bei Harndrang nach einer Pflegekraft zu
aus Angst vor Inkontinenz rufen.
wach, möchte aber die • Wir stellen ggf. eine Urinflasche und einen
Pflegekraft nicht rufen. Nachtstuhl bereit.

Sich kleiden

• Der Bewohner schwitzt • Wir achten darauf, dass der Bewohner einen • Die
stark. Dieses stört ihn in geeigneten Schlafanzug o.Ä. trägt. Schlafbedingun
seiner Nachtruhe. • Wir stellen sicher, dass die Bettdecke der gen werden
Jahreszeit angepasst ist. Insbesondere im soweit
Sommer sollte der Bewohner eine leichte angepasst,
Decke wählen. dass der
• Im Sommer sollte bei der Wahl der Bewohner
Bettwäsche ein leichter Baumwollstoff diese als
bevorzugt werden. angenehm
• Die Raumtemperatur wird angepasst; empfindet. Er
üblicherweise auf 18°C. Je nach individuellen kann erholsam
Gewohnheiten kann dieser Wert aber auch schlafen.
höher oder tiefer gewählt werden.
• Ggf. bleibt auch in der Nacht das Fenster
geöffnet.

Ruhen und schlafen

• Der Bewohner ist in • Pflegekräfte sollten auf leises Schuhwerk • Soweit es uns
seinem Zimmer achten und nachts auf dem Flur leise möglich ist,
Geräuschen ausgesetzt, sprechen. werden
die wir nicht oder nur • Die Kontrollbesuche werden auf ein Störfaktoren
teilweise abstellen Minimum reduziert. Die Pflegekraft nutzt minimiert. Der
können. dabei eine Taschenlampe und stellt nicht das Bewohner kann
• Der Bewohner wacht Hauptlicht an. ohne
nachts leicht auf, da er • Die Pflegekraft passt für das routinemäßige Unterbrechung
sich durch Aufwecken einen guten Zeitpunkt ab. Der schlafen.
Geräuschquellen gestört Bewohner sollte nicht in einer REM-Phase
fühlt. geweckt werden (erkennbar an den
• Der Bewohner muss schnellen Augenbewegungen), sondern zu
routinemäßig in der Nacht einem späteren Zeitpunkt.
geweckt werden, etwa zur • Wir hinterfragen kritisch, ob ein
Inkontinenzversorgung engmaschiges nächtliches Umlagern im
Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 91

oder zur Einnahme von Rahmen der Dekubitusprophylaxe notwendig


Medikamenten. ist. Oftmals erlaubt der Gefährdungsgrad des
Bewohners längere Intervalle.
• Dem Bewohner werden Lärmschutzdämpfer
angeboten (z.B. Oropax©).
• Wir prüfen, ob sich die Situation mit
Gegengeräuschen entspannen lässt, etwa
durch einen laufenden Ventilator oder das
sog. "weiße Rauschen" eines Radios, das
auf keinen Sender eingestellt ist. (Hinweis:
Dieses Vorgehen ist insbesondere bei
dementiell veränderten Senioren oftmals
erfolgreich.)
• Wir prüfen ggf. den Umzug in ein ruhigeres
Zimmer.

• Der Bewohner hat falsche • Wir besprechen mit dem Bewohner dessen • Die
Vorstellungen und Erwartungen an den eigenen Schlaf. Im Erwartungen
Erwartungen an den Dialog versuchen wir, ihm ein realistisches des Bewohners
eigenen Schlaf. Ihm ist Bild über das veränderte Schlafbedürfnis im an die Qualität
das sinkende Alter zu vermitteln. des eigenen
Schlafbedürfnis im Alter • Wir bitten den Bewohner ein Schlaftagebuch Schlafes
nicht bewusst. zu führen. werden an die
• Er legt sich abends früher • Der Bewohner sollte erst dann ins Bett Realität
als nötig ins Bett und gehen, wenn er die Müdigkeit spürt. Ein angepasst.
wacht morgens Zeitpunkt vor 22 Uhr ist zumeist unvorteilhaft.
entsprechend frühzeitig • Ggf. sollte der Bewohner am Morgen früher
auf. aufstehen.
• Nächtliche Wachphasen
werden als
unverhältnismäßig lang
erlebt. Er glaubt oft, gar
nicht geschlafen zu
haben.
• Der Bewohner nimmt
Kurzschlafphasen am Tag
nicht wahr.

• Der Bewohner hält nach • Wir legen dem Bewohner nahe, auf den • Die
dem Mittagessen Mittagsschlaf zu verzichten oder diesen Müdigkeitsphas
Mittagsschlaf. Er ist daher zumindest deutlich einzuschränken. en werden vom
am Abend nicht müde • Der Bewohner wird nach dem Mittagessen Nachmittag in
genug um einzuschlafen. sinnvoll beschäftigt, damit er nicht aus Richtung
Langeweile Mittagsschlaf hält. Abend/Nacht
• Am Vormittag und am Nachmittag sollte sich verschoben.
der Bewohner körperlich betätigen, damit er
abends ausreichend ermüdet ist.
• Der Bewohner sollte sich nur zum Schlafen
ins Bett legen, also nicht zum Lesen,
Fernsehen oder Radiohören.
• Am Abend sollte sich der Bewohner mit
angenehmen Tätigkeiten beschäftigen.
Belastende und unangenehme Aufgaben
sollte er am Vormittag erledigen.

• Die Schlafgewohnheiten • Schon beim Einzug eines neuen Bewohners • Wir nutzen die
des Bewohners sind fragen wir nach Faktoren, die den Schlaf Informationen,
unbekannt. beeinflussen können, etwa Rituale, um dem
bevorzugte Schlafzeiten oder biografische Bewohner
Aspekte (z.B. ausgeübter Beruf). einen möglichst
Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 92

• Wir fragen den Bewohner nach seinen ungestörten


"Hausmitteln", die er bei Einschlafstörungen Schlaf zu
bislang nutzte. ermöglichen.
• Ggf. befragen wir Angehörige.
• Wir fragen jeden Morgen, wie der Bewohner
geschlafen hat. Diese Informationssammlung
muss ernst gemeint sein und darf nicht nur
bloßer Smalltalk sein.

• Der Bewohner kann nicht • Wir führen mit dem Bewohner eine • Wir nutzen
schlafen. Er spricht aber beruhigende Teil- oder Ganzkörperwaschung physikalische
auf physikalische durch. Maßnahmen,
Maßnahmen an. • Der Bewohner erhält ein Fußbad oder eine um den Schlaf
Fußmassage. des Bewohners
• Wir führen eine atemstimulierende zu
Einreibung durch. unterstützen.
• Wir nutzen feucht-heiße Bauchkompressen,
kalte Armbäder oder waschen die Beine kalt
ab.
• Ggf. wird das ohnehin geplante Vollbad in
die Nachmittagsstunden verschoben,
spätestens zwei Stunden vor dem
Zubettgehen.
• Wir verbinden diese Maßnahmen mit der
Aromatherapie. Lavendelöl, Bergamotte,
Salbei, Geranie, Majoran und Zitrone gelten
als schlaffördernd.

• Der Bewohner klagt über • Wir helfen dem Bewohner bei der Einnahme • Der Bewohner
eine unangenehme einer angenehmen Schlafposition. Wir prüfen kann sich
Schlafposition. die Rückenlage, die Bauchlage, die angenehm
Seitenlage, die 135°-Lagerung usw. lagern und
• Der Bewohner erhält auf Wunsch weitere entspannt
Lagerungsmittel, etwa ein zweites Kissen schlafen.
oder ein sog. "Seitenschläferkissen".
• Wir prüfen, ob der Bewohner das Kopfkissen
als zu hart oder zu weich empfindet.
• Wir prüfen, ob der Bewohner eine andere
Härte der Matratze bevorzugt. Belange der
Dekubitusprophylaxe werden dabei
berücksichtigt.

• Der Bewohner leidet unter • Gemeinsam mit dem Bewohner prüfen wir,
Bewegungseinschränkun ob sich die Bequemlichkeit durch veränderte
gen, etwa als Folge von Lagerungen erhöhen lässt. Ggf. nutzen wir
Erkrankungen, zusätzliche Kissen und andere
Verbänden oder Sonden. Lagerungshilfsmittel.

Sich beschäftigen

• Der Bewohner ist immobil • Wir sorgen für eine gleichmäßige • Durch einen
und verbringt seinen Tag Tagesstruktur des Bewohners. Wir nehmen strukturierten
liegend im Bett. insbesondere Rücksicht auf tageszeitlich Tagesablauf
• Sein Tag ist unstrukturiert bedingte Schwankungen der mentalen wie kann sich der
und gleichförmig. körperlichen Belastbarkeit. Bewohner
• Da er keinen Kontakt zur • Bei jedem Besuch im Zimmer teilt die wieder zeitlich
Natur hat, kann er die Pflegekraft dem Bewohner die (grobe) orientieren.
Taktgeber "Helligkeit / Tageszeit mit. • Der
Tag" und "Dunkelheit / • Soweit irgend möglich wird der Bewohner in Biorhythmus
Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 93

Nacht" nicht nutzen, um einen Rollstuhl mobilisiert. Er sollte in den des Bewohners
sich zeitlich zu Garten der Einrichtung oder zumindest vor findet in den
orientieren. ein großes Fenster gefahren werden. gleichmäßigen
• Die Zimmerbeleuchtung wird an die Wechsel aus
Tageszeit angepasst. Morgens und abends Wachsein und
ist sie gedämpft und am Mittag sehr hell. In Schlafen
der Nacht wird das Zimmer des Bewohners zurück.
weitgehend abgedunkelt.

• Der Bewohner hat • Im Rahmen des Erstgesprächs und in der • Der Bewohner
abendliche Rituale, die er Eingewöhnungszeit werden die vertrauten führt vertraute
aber in der Einrichtung Rituale erfragt. Soweit möglich werden diese Rituale fort.
aus Rücksicht auf die Rituale in den Tagesablauf integriert. Etwa: Diese
Mitbewohner nicht mehr abendlicher Spaziergang, ablegen der erleichtern es
auslebt. Kleidung auf einen Stuhl, lesen mit eigener ihm, Schlaf zu
Beleuchtung im Bett, Kopfkissen finden.
aufschütteln, Wecker stellen usw.
• Schon bei der Zuweisung eines
Mitbewohners in einem Zweibettzimmer
achten wir darauf, dass die Lebensweisen
möglichst zueinander passen.

• Der Bewohner ist nachts • Wir nutzen verschiedene Pflegemaßnahmen, • Die Unruhe
unruhig. um den Bewohner zu beruhigen: wird soweit
o beruhigende Waschung gelindert, dass
o Melissenbad der Bewohner
o Tasse warme Milch in den Schlaf
o Nachtcafe ö.Ä. findet.
o Entspannungsübungen, autogenes
Training, Atemübungen und
Meditation
o Förderung abendlicher Rituale, wie
etwa fernsehen, lesen, Musik hören,
Zeitung lesen oder Spaziergänge
• Wir prüfen, ob spannende
Fernsehsendungen oder Bücher für die
Schlafstörungen mitverantwortlich sein
können.

Für eine sichere Umgebung sorgen

• Der Bewohner ist erst vor • Die Pflegekraft schafft eine möglichst • Wir schaffen
kurzer Zeit in die wohnliche Umgebung. Der Raum wird vor eine
Einrichtung gezogen und dem Schlafengehen aufgeräumt. Stark schlaffördernde
fühlt sich noch nicht duftende Blumen werden für die Nacht aus Umgebung.
heimisch. Er schläft dem Zimmer entfernt. Das Zimmer wird
schlecht. belüftet.
• Wir stellen das Bett nach den Wünschen des
Bewohners ein. Die Position des Bettes
innerhalb des Zimmers kann der Bewohner
nach Möglichkeit selbst bestimmen.
• Wir statten das Pflegebett mit vertrauten
Utensilien aus, also etwa der gewohnten
Bettwäsche, einem kleinen Kissen oder
(insbesondere bei dementiell veränderten
Senioren) einem Kuscheltier.
• Falls der Bewohner Angst vor einem
Herausfallen aus dem Bett hat, stellen wir
das Bettgitter hoch. Der Bewohner muss den
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Wunsch gegenzeichnen.

• Der Bewohner klagt • Die Vorhänge werden in der Nacht


darüber, dass das geschlossen bzw. offen gelassen.
Schlafzimmer zu hell oder • Ggf. bleibt in der Nacht ein Schlummerlicht
zu dunkel ist. an.
• Wir bieten dem Bewohner eine Schlafbrille
an.

Soziale Bereiche des Lebens sichern

• Der Bewohner hat vor • Wir akzeptieren die Schlafstörungen als • Der Bewohner
kurzer Zeit seinen Bestandteil der Trauer bzw. der Umstellung. kann
Lebenspartner verloren. • Wir versuchen den Bewohner sinnvoll zu einschlafen.
Er kann sich an die beschäftigen und auf andere Gedanken zu
fehlende Geräuschkulisse bringen, wenn er nachts nicht einschlafen
in der Nacht nicht kann. Dazu kann es sinnvoll sein, dass der
gewöhnen. Bewohner das Bett verlässt und z.B. etwas
• Der Bewohner ist erst vor liest, Musik hört oder den Fernseher anstellt
Kurzem in die Einrichtung (im Einzelzimmer / mit Kopfhörern).
gezogen. • Wir animieren den Bewohner Kontakte zu
• Der Bewohner ist einsam. Angehörigen und Freunden
wiederzubeleben.
• Wir laden den Bewohner zu sozialen
Veranstaltungen innerhalb unserer
Einrichtung ein.
• Wir prüfen, ob der Bewohner aus einem
Einbett- in ein Zweibettzimmer umziehen
sollte.

• Der Bewohner kann nicht • Im Rahmen unserer Möglichkeiten


einschlafen. Ursache sind versuchen wir schlichtend einzugreifen und
Konflikte, etwa mit die Konflikte zu entschärfen.
Angehörigen, anderen
Bewohnern oder
Pflegekräften.

Mit existentiellen Erfahrungen des Lebens umgehen

• Der Bewohner ist • Wir stellen das Bett so, dass der Bewohner • Ängste werden
dementiell verändert. Er auch vom Bett aus die Tür zum Flur sehen soweit
ist sehr ängstlich. kann. reduziert, dass
• Der Bewohner hat Angst • Ein Dämmerlicht wird installiert. der Bewohner
vor der Dunkelheit. • Die Vorhänge bleiben nachts geöffnet. Schlaf findet.

• Der Bewohner leidet unter • Wir versuchen die Symptomatik durch eine • Die
Depressionen. angemessene Pflege und Versorgung zu Depressionen
lindern. werden
• Die vom Arzt vorgegebene medikamentöse gelindert. Der
Therapie wird präzise umgesetzt. Bewohner
• Alle weiteren Maßnahmen sind im Standard findet Schlaf.
"Depressive Störungen und
Suizidprävention" beschrieben.

• Der Bewohner nutzt • Wir unterlassen jede wertende Aussage zur • Der Bewohner
Maßnahmen aus dem Wirksamkeit derartiger Maßnahmen. bewahrt sich
Bereich der Esoterik o.Ä., Insbesondere bei psychisch bedingten seinen Glauben
Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 95

um Schlaf zu finden. Schlafstörungen haben solche an die


• Der Bewohner nutzt Lösungsstrategien oft Erfolg. Wirksamkeit
homöopathische derartiger
Schlafmittel. Maßnahmen
und nutzt
diese, um
Schlaf zu
finden.

• Der Bewohner hat eine • Wir suchen den Dialog mit dem Bewohner. • Wir geben dem
negative Wir prüfen, welche Sorgen den Bewohner Bewohner die
Erwartungshaltung. Er belasten. Möglichkeit,
glaubt, dass alle • Auf Wunsch stellen wir den Kontakt zum seine Ängste,
Maßnahmen zur seelsorgerischen Dienst der Gemeinde her. Sorgen und
Schlafförderung ihm nicht • Wir prüfen, ob der Bewohner psychologische Kummer offen
helfen werden. Beratung benötigt. auszusprechen
• Wir erklären dem Bewohner den Teufelskreis und sich damit
des gestörten Schlafes und der Angst vor Erleichterung
dem Nicht-schlafen-können. zu verschaffen.
• Das
Gedankenmust
er und die
Erwartungshalt
ung werden
durchbrochen.
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Standardpflegeplan "Parkinson Syndrom"


Das Parkinson-Syndrom ist eine Stammganglienerkrankung, die vor allem durch Bewegungsstörungen
gekennzeichnet ist und 300.000 bis 400.000 Menschen in Deutschland betrifft. Es kommt aus unbekannter
Ursache zu einem Dopaminmangel in der Substantia nigra.

Die drei Leitsymptome (Parkinson-Trias):

• Akinese (Bewegungsunfähigkeit / Bewegungsstarre)


• Tremor (Zittern)
• Rigor (Muskelsteifheit)

Akinese (herabgesetzte oder fehlende Bewegungen)

• Dyskinesie: unwillkürliche abnorme Bewegungen


• Bradykinesie: verlangsamte Bewegungen
• Hypokinese: Willkürliche und unwillkürliche Bewegungsabläufe sind gestört. Z. B. ist das physiologische
Mitschwingen der Arme beim Gehen gestört.
• typische Haltung: Kopf und Rumpf nach vorn gebeugt, Knie-, Ellenbogen- und Fingergelenke leicht
angewinkelt, Arme und Hände liegen am Körper an (Zusammenspiel zwischen Rigor und Hypokinese)
• erhöhte Sturzgefahr: Der Betroffene kann nicht die Balance halten, um Stürze zu vermeiden.
• Geh- und Haltungsstörungen mit kleinschrittigem schlurfendem Gang, Schwierigkeiten die Bewegung z. B.
beim Gehen zu starten ("Freezing") und wieder abzubrechen
• Verminderung der Mimik und Gestik: maskenhaftes Gesicht
• Störungen der Feinmotorik: äußert sich etwa durch eine Schreibstörung; das Geschriebene wird immer
kleiner (Mikrografie)
• Hypophonie: Störungen der Stimmbildung: leiser, rauer, monoton
• Dysarthrie: verwaschene und beschleunigte Sprache, oft zusätzlich behindert durch den starken
Speichelfluss

Tremor

• "Pillendrehen", "Münzenzählen" und der sog. "Ja-Nein-Tremor"


• Ruhetremor, beeinträchtigt den Betroffenen nicht so stark, fällt aber sofort ins Auge. Bei manchen
Betroffenen tritt er überhaupt nicht auf.
• Aktionstremor, beeinträchtigt den Betroffenen viel stärker im Alltag, tritt bei willkürlichen Bewegungen auf

Rigor

• Unter Rigor wird eine Muskelsteifheit verstanden. Die Steifheit ist gleichzeitig bei der Beuge- und
Streckmuskulatur vorhanden. Durch den erhöhten Tonus des Muskels bleibt der Widerstand bei einem
passiven Bewegungsablauf immer gleich, z. B. beim Beugen des Arms. Häufig kommt es dabei zu dem so
genannten "Zahnradphänomen", nämlich das ruckartige Nachlassen des Widerstands.
• Bei bettlägerigen Bewohnern mit ausgeprägtem Nackenrigor kann vielfach folgendes Bild beobachtet
werden: Der Bewohner liegt steif auf dem Rücken, der Kopf ist nach vorn gebeugt und Zentimeter vom
Kopfkissen entfernt (Luftkissenphänomen).

weitere Begleiterscheinungen

• Schmerzen in den Gelenken und der Muskulatur


• Schluckstörungen
• Blasenfunktionsstörungen, häufig Dranginkontinenz in Verbindung mit einer Pollakisurie (häufige
Entleerung kleiner Harnmengen)
• Obstipation
• bei Männern erektile Dysfunktion
• Schlafstörungen
• orthostatische Hypotonie (Kreislaufabfall beim Aufrichten vom Liegen oder Sitzen zum Stehen, tritt im
fortgeschrittenem Stadium häufig auf)
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• Demenz
• Stimmungsschwankungen, Gereiztheit, Überempfindlichkeit, Antriebslosigkeit: aus diesen Stimmungen
heraus besteht die Gefahr des Rückzuges von Freunden und Angehörigen
• erhöhter Speichelfluss
• erhöhte Talgsekretion (Salbengesicht)
• schnelles Frieren
• Hitzewallungen, Fehlsteuerung der Wärmeregulation im Hypothalamus
• Abnahme der Libido
• Parästhesien
• Leistungsabbau
• depressive Zustände
• Völlegefühl, Sodbrennen, vorzeitiges Sättigungsgefühl

Die Krankheit ist nicht heilbar. Therapiert wird sie mit Medikamenten, die das Ungleichgewicht zwischen Dopamin
und Azetylcholin (Überträgerstoffe im Gehirn) ausgleichen sollen. Problematisch ist, dass die Wirksamkeit der
Medikamente mit der Zeit nachlässt.

Anmerkung:

• Standardpflegepläne geben für spezielle Pflegeprobleme die typischen pflegerischen Maßnahmen vor, so
etwa wie in diesem Beispiel für Parkinson Syndrom. Standardpflegepläne umfassen generelle und
potentielle Pflegeprobleme, Pflegemaßnahmen und Pflegeziele.
• Aus diesem Grund erleichtert ein Standardpflegeplan zwar die Pflegedokumentation, aber er ersetzt auf
keinen Fall eine individuelle auf den Bewohner / Patienten bezogene Pflegeplanung.
• Jede Pflegefachkraft ist gehalten, diese generellen Pflegeprobleme, Pflegemaßnahmen und Pflegeziele
auf Relevanz zu überprüfen und auf die individuellen Einschränkungen und Ressourcen des jeweiligen
Bewohners / Patienten anzupassen. Wichtig ist auch beim Einsatz von Standardpflegeplänen, diese in
regelmäßigen Abständen zu überprüfen und ggf. zu überarbeiten, da sie immer auf dem aktuellen Stand
sein sollten.

Pflegeproblem Pflegemaßnahmen Pflegeziel


Kommunizieren

• Der Bewohner kann häufig • Wir veranlassen eine • Der Bewohner kann sich
schlecht vom Gegenüber Logopädie. verbal gut verständlich
verstanden werden. Die • Wir führen zusätzliche machen.
Stimme ist verwaschen, Sprechübungen neben der
monoton und leise aufgrund Logopädie durch.
der Dysarthrie und des • Wir zeigen Verständnis und
Ruhetremors in den Lippen, in Geduld.
der Zunge und im Kinn. • Wir singen zusammen.
• Wir geben dem Bewohner
Zeit zum Verstehen und zum
Antworten.
• Wir motivieren den Bewohner
und machen ihm Mut.

• Der Bewohner ist in der • Der Intellekt des Bewohners • Kontakte werden
Kontaktaufnahme zu anderen ist häufig erhalten. Er wird gefördert.
eingeschränkt, da das daher ernst genommen und • Eine Teilhabe am sozialen
maskenhafte Gesicht, also die nicht wie ein Kind behandelt. Geschehen in der
fehlende Mimik, die • Wir instruieren darüber auch Einrichtung ist
Kommunikation erschwert. Angehörige und sichergestellt.
Nahestehende.

• Der Bewohner ist nicht mehr in • Wir leiten den Bewohner • Der Bewohner kann sich
der Lage, selbstständig etwas dazu an, das Schreiben schriftlich verständlich
niederzuschreiben. Mit jeden Tag zu üben. machen, etwa Briefe oder
Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 98

zunehmender Länge des • Wir regen die Beschaffung eMails verfassen.


Textes wird die Schrift immer eines Tablett-Computers an.
kleiner und letztlich unleserlich. • Sofern eine gute
• Die Schrift "verzittert" durch Vertrauensbasis vorhanden
den Tremor und ist nicht mehr ist, kann die Pflegekraft
zu entziffern. Briefe u. Ä. für den Bewohner
schreiben.

Sich bewegen

• Der Bewohner nutzt einen • Wenn es nicht gelingt, die • Ein Sturz wird vermieden.
Rollator. Er leidet jedoch unter Bewegungen beim Gehen
ausgeprägten hinreichend zu
Startschwierigkeiten. Während harmonisieren, sollte die
die Füße noch auf der Stelle Nutzung eines Rollators
stehen, schnellt der kritisch hinterfragt werden.
Oberkörper samt Rollator • Wenn der Bewohner bei der
bereits nach vorne. Die Nutzung des Rollators
Sturzgefahr ist daher erhöht. gestützt werden soll, ist es
wichtig, die richtigen
Kontaktpunkte zu nutzen.
Der Bewohner wird nur am
Rumpf umfasst. Die
Pflegekraft greift nicht nach
dem Arm oder gar nach dem
Rollator.

• Der Bewohner leidet unter • Wir stellen einen großen • Der Bewohner beteiligt
einer Fehlhaltung. Spiegel in das Zimmer. Er sich aktiv daran, eine
wird so ausgerichtet, dass Fehlhaltung zu
sich der Bewohner darin vermindern.
sieht, wenn er im Zimmer
steht.
• Wir leiten den Bewohner zum
Selbsttraining an. Er soll sich
mit dem Rücken an eine
geschlossene Schranktür
oder an die Wand stellen.
Dann soll er versuchen, mit
dem Hinterkopf die
Schranktür oder die Wand zu
berühren.

• Der Bewohner ist in seiner • Wir veranlassen ggf. KG und • Die Mobilität wird
Mobilität eingeschränkt Ergotherapie. erhalten.
aufgrund der Geh- und • Wir führen Geh- und
Haltungsstörungen und der Koordinationsübungen durch,
Dyskinesien. die zum Ziel haben, eine
aufrechte Körperhaltung,
großschrittigen Gang mit
Mitpendeln der Arme, Start-
und Haltepositionen sowie
Richtungsänderungen zu
trainieren. Die Pflegeperson
klatscht z. B. in die Hände
bei jedem Schritt. Alternativ
zeichnen wir mit Kreide die
gewünschte Gehrichtung auf
den Boden.
Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 99

• Der Bewohner erhält • Der Bewohner muss die • Der Bewohner ist
Krankengymnastik. Diese Übungen mehrmals täglich motiviert, sich aktiv an der
Maßnahme allein reicht aber wiederholen. Wir bitten auch Therapie zu beteiligen.
nicht aus. Der Bewohner zeigt Angehörige darum,
nur wenig Motivation, die entsprechend auf den
Übungen eigenständig und Bewohner einzuwirken.
regelmäßig zu wiederholen. • Wenn der Bewohner
kooperativ ist, wird er von
den Pflegekräften gelobt.

• Der Bewohner leidet unter • Wir weisen den Bewohner in • Der Bewohner bleibt
Blockaden. Das Gehen wird die Nutzung eines mobil.
immer wieder unterbrochen. Spezialstockes mit
ausklappbarem Querstock
ein.
• Wir erklären dem Bewohner,
wie er mit dem lauten
Sprechen eines Kommandos
die Blockade überwinden
kann.

• Bei Bewegungsübungen • Wir setzen den Bewohner bei • Der Bewohner bleibt
verstärkt sich ein bereits den Übungen nicht unter mobil.
vorhandener Tremor. Zeitdruck.
• Der Bewohner ermüdet schnell • Wir berücksichtigen, dass die
bei Bewegungsübungen. Leistungsfähigkeit des
Bewohners im Tagesverlauf
schwankt. Die Übungen
werden bevorzugt dann
durchgeführt, wenn der
Bewohner am belastbarsten
ist.
• Wir legen regelmäßig
Ruhepausen ein.
• Wenn der Bewohner
abgelenkt wirkt, unterbrechen
wir die Übungen. Diese
werden fortgesetzt, sobald
der Bewohner wieder
konzentriert ist.

• Der Bewohner befürchtet, dass • Wir verdeutlichen dem • Der Bewohner ist
die intensive körperliche Bewohner, dass sportliche motiviert, sich
Aktivität den Dopamin- Aktivität dabei hilft, die ausreichend zu bewegen.
Verbrauch erhöhen könnte und Bewegungsfähigkeit
damit den Krankheitsverlauf möglichst lange zu erhalten.
beschleunigt. Sport verhindert die
Entwicklung von
Osteoporose. Zudem werden
die Lungenfunktion und
Kognition gefördert.

Vitale Funktionen des Lebens aufrechterhalten

• Das Parkinson-Syndrom sowie • Wir führen alle Lagewechsel • Der Kreislauf bleibt stabil.
die verordneten Medikamente so durch, dass sich der Insbesondere ein Sturz
führen zu einer Störung der Blutdruck Schritt für Schritt als Folge eines
Kreislaufregulation. anpassen kann. Wenn der Schwindelanfalles wird
Bewohner aus dem Liegen
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aufstehen will, soll er noch vermieden.


einige Augenblicke sitzend
auf der Bettkante verweilen.
• In keinem Fall werden
klassische Maßnahmen zur
Kreislaufstärkung eingesetzt,
also insbesondere die sog.
"Kneippmedizin". Jede zu
schnelle
Temperaturänderung kann
zum sog. "Freezing" führen.

• Der Bewohner benötigt Hilfe • Wir stellen und richten die • Die vom Arzt angeordnete
und Anleitung bei der Medikamente für den Medikation wird
Medikamenteneinnahme. Bewohner. Dieser kann umgesetzt.
mithilfe eines Timers an die • Die Medikamente werden
regelmäßige Einnahme konsequent
erinnert werden. eingenommen.
• Wir stellen sicher, dass der • Die Selbstständigkeit wird
Bewohner die Medikamente gefördert und erhalten.
auch tatsächlich einnimmt. • Wir sorgen für eine gute
Insbesondere kontrollieren Lebensqualität durch die
wir, ob die Tablette bestmögliche Einstellung
geschluckt wurde oder ob sie mit Medikamenten
sich noch im Mundraum
befindet.
• Ggf. verabreichen wir die
Medikamente.
• Wir prüfen, ob der Bewohner
andere Medikamente
einnimmt, deren
Wechselwirkungen die
Effizienz von L-Dopa
beeinträchtigen. Schon
vermeintlich harmlose
Magenmittel sind ggf. zu
vermeiden.
• Die Wirkungen und
Nebenwirkungen der
Medikamente werden
beobachtet und
dokumentiert. Ggf. wird der
behandelnde Arzt informiert.
Beispiel: Im späteren Verlauf
der Erkrankung kann es zur
sog. "Fluktuation" kommen.
Diese führt direkt nach
Einnahme einer hohen L-
Dopa-Dosis zu einer
Dyskinesie und beim
Nachlassen der Wirkung zu
einer Akinese.

• Bei einer schweren • Der Bewohner sollte jedes • Eine Infektionskrankheit


Infektionskrankheit kann es Jahr eine wird vermieden.
zwingend notwendig werden, Grippeschutzimpfung
die Parkinson-Medikamente erhalten.
zeitweilig abzusetzen. Der • Bei Erkältungswellen raten
Krankheitsverlauf des wir dem Bewohner, sich von
Parkinson-Syndroms ist jedoch größeren
schon so weit fortgeschritten, Menschenansammlungen
Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 101

dass der Bewohner nur schwer fernzuhalten.


auf die Arzneimittel verzichten • Erkältete Pflegekräfte,
kann. Angehörige und Mitbewohner
• Jede Infektion ist daher eine sollten den Kontakt mit dem
relevante Bedrohung sogar für Bewohner meiden. Sie
das Leben des Bewohners. werden entsprechend
unterrichtet.

• Der Bewohner läuft Gefahr, an • Nach ärztlicher Anordnung • Eine Augenentzündung


einer Augenentzündung durch verabreichen wir wird vermieden.
zu seltenen Lidschlag zu Tränenersatzpräparate.
erkranken. Möglich sind Tropfen, Gels
oder Salben.

• Der Bewohner atmet sehr flach • Der Bewohner soll • Eine gute Belüftung der
aufgrund der Akinese und des Atemübungen durchführen. Lungenflügel ist
Rigors. Ggf. wird ein Atemtrainer sichergestellt.
eingesetzt. • Eine Pneumonie wird
• Der Bewohner soll singen. vermieden.
• Wir ermuntern den Bewohner
dazu, regelmäßig in
stehender Haltung mit
ausgebreiteten Armen
besonders tief ein- und
auszuatmen.

• Unter körperlicher Belastung • Wir stellen sicher, dass sich • Durch eine optimale
neigt der Bewohner zu einer der Bewohner nicht Trainingsintensität wird
verminderten Herzfrequenz- überanstrengt. Bei der Organismus gestärkt.
Variabilität. Der Organismus ist körperlicher Aktivität soll er
also nur eingeschränkt in der stets im Bereich der
Lage, die Frequenz des submaximalen Belastung
Herzrhythmus zu verändern. bleiben.
Die Arrhythmiegefahr ist • Wir vermeiden einen
erhöht. abrupten Belastungsabbruch
• Der Bewohner leidet unter und führen nach dem
einer orthostatischen Training ein Abkühlprogramm
Hypotension. Nach durch. Wir achten auf einen
Sportübungen kommt es zum ausreichenden
"Grauwerden" und zum Flüssigkeitsersatz.
Schwindel.

• Der Bewohner klagt bei • Wir führen ein spezifisches • Eine Dyspnoe wird
körperlicher Belastung über Atemtraining durch. Dieses vermieden.
Dyspnoe. Er ist nicht in der sollte mindestens drei- bis
Lage, Atmung und Bewegung viermal pro Woche angesetzt
zu koordinieren. werden.

• Die Thermoregulation ist • An heißen Sommertagen soll • Der Bewohner passt seine
gestört. Der Bewohner leidet der Bewohner keinen Sport körperliche Aktivität an die
insbesondere unter einer treiben und direkte sommerlichen
verminderten Hitzetoleranz. Sonneneinstrahlung meiden. Temperaturen an.
Sport an warmen
Sommertagen ist daher
riskant.

Sich pflegen
Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 102

• Der Bewohner leidet an einer • Wir bieten ausreichend • Der Bewohner soll einen
Mundtrockenheit als Folge der Getränke an. feuchten Mundraum
Nebenwirkungen der • Wir führen wiederholte haben.
Medikamente. Mundspülungen durch. • Er soll ein angenehmes
• Der Bewohner soll ggf. auf Gefühl im Mund spüren.
das Rauchen und auf scharfe
Gerichte verzichten. Beides
trocknet den Mund zusätzlich
aus.
• Ggf. lassen wir vom Arzt ein
Speichelersatzpräparat
verordnen.

• Der Bewohner ist auf Hilfe bei • Dem Bewohner wird eine • Der Bewohner ist in der
der Körperpflege anewiesen. dreiviertel Stunde vor dem Lage, sich im Rahmen
Aufstehen die erste L-Dopa- seiner Fähigkeiten
Dosis verabreicht. Wir möglichst selbstständig zu
prüfen, ob dieses die pflegen.
frühmorgendliche Akinese
lindert.
• Wir raten dem Bewohner
dazu, den Spiegel im Bad zu
nutzen. Dadurch ist eine
bessere Selbstkontrolle
möglich.
• Der Bewohner soll vor dem
Waschbecken sitzen und die
Ellenbogen beim Waschen,
beim Zähneputzen und beim
Rasieren aufstützen. Das
vermindert den Tremor.
• Wir schlagen die
Anschaffung einer
Elektrozahnbürste vor. Diese
hat einen dickeren Griff und
führt die Putzbewegungen
z.T. automatisch durch.
• Der Bewohner kann sich ggf.
selbstständig abtrocknen,
wenn statt Handtüchern ein
Bademantel verwendet wird.
• Wir setzen den Bewohner
nicht unter Zeitdruck und
Stress. Wir lassen ihm
ausreichend Zeit.

• Der Bewohner schwitzt stark. • Wir führen eine gute • Die Haut des Bewohners
Das Risiko eines Hautpilzes ist Hautpflege durch. ist gepflegt.
erhöht. • Wir achten auf eine
• Aufgrund der erhöhten gründliche Intimhygiene. Die
Talgproduktion ist der Haut wird sorgfältig
Bewohner anfällig für abgetrocknet. Wir nutzen ggf.
Hautentzündungen mit der einen Fön.
Bildung von Schuppen und • Die Haare werden
Akne. regelmäßig gewaschen. Um
eine Schuppenbildung zu
verhindern, nutzen wir ggf.
ein spezielles, medizinisches
Haarpflegemittel.
Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 103

• Der Bewohner klagt über • Wir nutzen pH-neutrale • Die Haut des Bewohners
Hautrockenheit insbesondere Salben sowie Ölbäder. ist gepflegt.
im Bereich der unteren • Die Nutzung von Seifen wird
Extremitäten. vermieden.

• Der Bewohner ist anfällig für • Die Maßnahmen im Rahmen • Der Mundraum des
Zahnfleischerkrankungen und der Soor- und Bewohners wird vor
Mundgeruch. Parotitisprophylaxe werden krankhaften
intensiviert. Dazu zählen Veränderungen geschützt.
insbesondere eine
regelmäßige Mundpflege.

• Der Bewohner will nicht • Der Bewohner darf beim • Eine gute Körperhygiene
duschen, sondern baden. Baden nicht allein gelassen ist sichergestellt.
werden. Wir achten darauf, • Der Bewohner wird vor
dass der Bewohner die einem Badeunfall
Haltegriffe im Bad nutzen geschützt.
kann. Wenn das nicht
möglich ist, darf der
Bewohner in keinem Fall
baden.

• Der Bewohner leidet unter • Wir achten auf eine richtige • Verletzungen und
Parästhesien. Dadurch ist das Temperatur des Wasch- und Verbrennungen werden
Risiko von Verbrennungen des Badewassers. vermieden.
durch zu heißes Waschwasser • Wir lassen eine medizinische • Hautschädigungen
erhöht. Fußpflege durchführen. werden frühzeitig bemerkt
• Kleinere Verletzungen bleiben • Wir achten bei allen und durch eine effektive
unbemerkt. Pflegemaßnahmen auf kleine Versorgung zur Abheilung
Hautdefekte; dieses gebracht.
insbesondere bei der • Folgeschäden werden
Ganzwaschung bzw. beim vermieden.
Duschen.

• Der Bewohner leidet unter • Wir führen eine entfettende • Der Effekt des
einem Salbengesicht. Gesichtsreinigung durch. Salbengesichts wird
reduziert.

• Der Bewohner leidet unter • Wir führen eine regelmäßige • Die Mundschleimhaut
erhöhtem Speichelfluss. Mundpflege im Rahmen der bleibt intakt.
Soor- und • Der Bewohner weiß, dass
Parotitisprophylaxe durch. er sich für den
• Wir führen eine regelmäßige Speichelfluss nicht
Lippenpflege durch. schämen muss.
• Der Bewohner wird mit
ausreichend
Papiertaschentüchern
ausgestattet.
• Wir klären Besucher und
Angehörige über die Ursache
des Speichelflusses auf.

Essen und trinken

• Der Bewohner benötigt Hilfe • Wir bieten Besteck mit dicken • Der Bewohner kann
bei der Nahrungsaufnahme. Griffen und eine Schale mit Nahrung möglichst
hochgezogenem Rand an, selbstständig zu sich
Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 104

um die Selbstständigkeit so nehmen.


lange wie möglich zu
erhalten.
• Wir bieten einen Löffel statt
einer Gabel an. Der Umgang
damit ist einfacher.
• Wir lassen ausreichend Zeit
zur Nahrungsaufnahme.
• Aufgrund der zusätzlich
benötigten Zeit für die
Essensaufnahme halten wir
den Teller warm.
• Wir achten auf die
Konsistenz der Nahrung. Wir
dokumentieren, bei welcher
Nahrungsform sich der
Bewohner am wenigsten
verschluckt.
• Wir führen nach jeder
Mahlzeit eine gründliche
Zahn- und Mundpflege durch.
Oft bleiben Nahrungsreste
länger im Mundraum zurück
und greifen dann die
Zahnsubstanz an.
• Wir nutzen Becher mit
Henkeln. Diese füllen wir nur
bis zur Hälfte, um ein
Verschütten zu vermeiden.
• Wir bieten immer eine
Servierte an.
• Wir führen ggf. ein
Ernährungstagebuch, wenn
der Betroffene berichtet, dass
es ihm nach bestimmten
Nahrungsmitteln besser oder
schlechter geht.
• Wir passen ggf. die
Ernährung zusammen mit
einem Ernährungsberater an.
Es wird eine kalorien- und
flüssigkeitsreiche Kost
empfohlen. Durch den
Tremor benötigen Erkrankte
wesentlich mehr Kalorien.
• Härteres Gebäck kann in
Kaffee oder in Tee
eingetaucht werden. Dieses
erleichtert das Abbeißen und
das Schlucken

• Der Bewohner hat ein erhöhtes • Der BMI wird regelmäßig • Der Bewohner soll einen
Risiko untergewichtig zu ermittelt. angemessenen BMI
werden als Folge des Tremors. • Bei einem zu geringen BMI haben.
wird die Nahrungsaufnahme
sorgfältig dokumentiert.
• Der Bewohner erhält seine
Lieblingsspeisen.
• Wir arbeiten ggf. mit einem
Ernährungsberater
Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 105

zusammen.

• Der Bewohner leidet unter • Wir bieten mehrere • Der Bewohner ist
Völlegefühl, Sodbrennen und Mahlzeiten über den Tag weitestgehend
vorzeitigem Sättigungsgefühl. verteilt an. Die Portionsgröße beschwerdefrei.
sollte kleiner gewählt werden. • Der Bewohner nimmt
genügend Nahrung zu
sich.

• Der Bewohner erhält L-Dopa- • L-Dopa-Präparate müssen • Das L-Dopa-Präparat


haltige Medikamente. 30 Minuten vor oder 90 bleibt wirksam.
Minuten nach einer
eiweißreichen Mahlzeit
appliziert werden. Der
Bewohner darf dabei parallel
keine Milch und keinen
Joghurt konsumieren.

• Der Bewohner trinkt zu wenig. • Wir achten darauf, dass der • Eine Unterversorgung mit
Dadurch kommt es zu einer Bewohner ausreichend Flüssigkeit wird
Intensivierung der Flüssigkeit zu sich nimmt. vermieden.
Symptomatik. Das Risiko von • Ggf. führen wir eine Ein- und
Obstipation, Verwirrtheit sowie Ausfuhrbilanz. Dabei muss
einer akinetischen Krise steigt. insbesondere das
übermäßige Schwitzen
berücksichtigt werden.
• Bei einer deutlich negativen
Bilanz prüfen wir die
Notwendigkeit von
Infusionen.

Ausscheiden

• Der Bewohner ist inkontinent. • Wir führen ein • Eine Inkontinenz wird
Häufig liegt eine Toilettentraining durch zur vermieden oder
Dranginkontinenz durch eine Gewöhnung an regelmäßige zumindest verzögert oder
motorisch ungehemmte Blase Zeiten der Entleerung. abgemildert.
in Verbindung mit einer • Wir nutzen eine • Der Bewohner erhält eine
Pollakisurie vor. Toilettensitzerhöhung. Diese angemessene
hilft dem Bewohner, Inkontinenzversorgung.
selbstständig zu bleiben, da
das Aufstehen und das
Hinsetzen erleichtert wird.
• Wir stellen eine
angemessene Versorgung
mit Inkontinenzmaterial
sicher.

• Der Bewohner leidet unter • Wir nutzen Hilfsmittel wie • Der Bewohner kann seine
nächtlichem Harndrang. einen Toilettenstuhl neben Blase auch in der Nacht
dem Bett, eine Urinflasche in entleeren. Ein Sturz auf
Griffweite oder dem Weg zur Toilette wird
Urinalkondome. vermieden.

• Der Bewohner leidet unter • Der Bewohner erhält • Der Bewohner erreicht
einer Obstipation aufgrund der ballaststoff- und eine angemessene
mangelnden Motilität vitaminreiche Kost. Stuhlentleerungsfrequenz.
Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 106

(Eigenbewegung) des Magen- • Ggf. führen wir • Der Bewohner ist


Darm-Traktes. Kolonmassagen durch. weitestgehend
• Der Bewohner soll morgens beschwerdefrei.
vor dem Frühstück ein
lauwarmes Glas Wasser
trinken.
• Wir nutzen natürliche
Abführmittel nach Absprache
mit dem Arzt. Also etwa
Sauerkrautsaft und ähnliche
Hausmittel.
• Nur nach Absprache mit dem
Arzt werden Laxantien
eingesetzt.
Wechselwirkungen mit den
Parkinsonmedikamenten sind
nicht auszuschließen.
• Die Stuhlausscheidung muss
kontrolliert werden, um einen
Darmverschluss rechtzeitig
zu erkennen.

Sich kleiden

• Der Bewohner kann sich ohne • Wir nutzen Kleidungsstücke • Der Bewohner kann sich
Hilfe nicht an- und ausziehen. mit Reißverschluss und (falls im Rahmen seiner
möglich) mit Fähigkeiten eigenständig
Klettverschlüssen. an- und ausziehen.
• Die Schuhe sollten mit
Klettverschlüssen
ausgestattet sein, da
Schnürsenkel den Bewohner
überfordern. Zudem erhält
der Bewohner einen langen
Schuhlöffel.
• Mit einem Greifarm kann sich
der Bewohner die Strümpfe
selbstständig anziehen.

• Im Sommer kommt es schnell • Der Bewohner soll sich nach • Der Bewohner fühlt sich
zur Überwärmung. Der dem Zwiebelprinzip im Sommer wohl.
Bewohner schwitzt schnell. anziehen, sodass leicht nach
Bedarf die Kleidung an- oder
ausgezogen werden kann.
• Die durchgeschwitzte
Kleidung wird schnell
gewechselt.
• Der Bewohner soll Kleidung
tragen, die Schweiß
aufsaugt. Synthetische Stoffe
soll er meiden.

• Im Winter erkältet sich der • Wir achten strikt auf eine • Eine Auskühlung wird
Bewohner schnell. Er ist angemessene Kleidung. Bei vermieden.
anfällig für großer Kälte sollte sich der
Lungenentzündungen. Bewohner nicht unnötig
lange im Freien aufhalten.

Ruhen und schlafen


Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 107

• Der Bewohner leidet unter • In Ausnahmefällen können • Der Bewohner kann


Einschlafstörungen. Schlaf- und schlafen, sich dabei
• Der Bewohner leidet unter Beruhigungsmittel verordnet erholen und seine Kräfte
Akinese und kann daher nicht werden. Wir kontrollieren, ob regenerieren.
automatisch die Schlafposition es zu Wechselwirkungen mit
verändern. Der Schlaf ist daher den Anti-Parkinson-Mitteln
nur eingeschränkt erholsam. kommt. Es ist auch zu
prüfen, ob die
Sturzgefährdung bei
nächtlichen Toilettengängen
erhöht wird.
• Wir stellen sicher, dass der
Bewohner mehrfach am Tag
eine kurze Zeit ruhen und
schlafen kann. Er wird dafür
rechtzeitig in sein Bett
gebracht. Ein Einnicken im
Sessel ist zu vermeiden, da
dann das Risiko steigt, dass
der Bewohner einen
Dekubitus, eine Pneumonie
oder eine Thrombose
entwickelt. Zudem wird in
dieser Lage die Durchblutung
des Gehirns vermindert.

• Der Bewohner leidet unter dem • Körperteile, die "in der Luft • Die Fehlhaltung wird
"Kopfkissen-Phänomen". Im schweben", werden kompensiert.
Liegen hält der Rigor Kopf und unterlagert und gepolstert.
Arme gegen die Schwerkraft in Soweit möglich wird die
der Schwebe. Haltung der Halswirbelsäule
korrigiert.

• Der Bewohner kann keine • Der Bewohner soll hohe • Der Bewohner kann sitzen
tiefen Sessel nutzen, da er nur Sitzmöbel mit stabilen und sich darin
schwer aus diesen aufstehen Armlehnen nutzen. Das entspannen.
kann. Sitzpolster sollte
vergleichsweise hart sein.
Die Sitzfläche wird möglichst
klein gewählt.

• Der Schlaf des Bewohners ist • Wir stellen dem Bewohner • Der Bewohner fühlt sich
beeinträchtigt aufgrund der eine leichte Zudecke zur ausgeruht und
Bewegungseinschränkungen Verfügung. Diese verhindert ausgeglichen.
und des Schwitzens. einen Wärmestau und • Eine möglichst
ermöglicht eine bessere umfassende
Beweglichkeit im Bett. Schmerzfreiheit wird
• Nach Möglichkeit sollte der erreicht.
Bewohner seidene
Bettwäsche verwenden.
Diese ermöglicht ein Gleiten
im Bett und wirkt oft
schmerzlindernd.
• Wir achten darauf, dass die
Matratze, auf der der
Bewohner liegt, nicht zu
weich ist. Er soll darauf nicht
zu sehr einsinken, da dieses
die Beweglichkeit
einschränkt.
Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 108

• Wir beobachten, welche


Lagerungen schmerzarm
sind und das Zittern
verringert.

• Der Bewohner ist häufig müde • Wir leiten den Bewohner • Durch die gleichbleibende
und unausgeglichen, da er sich dazu an, einen immer Tagesgestaltung
oft selbst überfordert und sich gleichen Tagesrhythmus verbessert sich die
zu wenig Ruhe gönnt. einzuhalten. Schlafqualität.
• Wir prüfen, zu welchen
Zeiten Ruhe- und
Schlafpausen sinnvoll sind.
Diese werden dann in den
Tagesablauf integriert.
• Wir erläutern dem Bewohner,
wie wichtig ausreichend
Schlaf für seine
Lebensqualität ist.

Sich beschäftigen

• Der Bewohner leidet • Wir passen die • Der Bewohner wird ideal
tageszeitlich unter Beschäftigungsangebote an gefördert.
Sehstörungen als Folge der die tägliche Verfassung an.
Nebenwirkungen der
Medikamente. Er kann sich
dann nicht sinnvoll
beschäftigen.

• Der Bewohner ist nicht mehr in • Wir stellen sicher, dass der • Der Bewohner wird
der Lage, mehrere Aufgaben Bewohner bei mental sinnvoll beschäftigt.
gleichzeitig durchzuführen. Er anstrengenden Aufgaben Frustration wird
kann z. B. nicht gleichzeitig nicht überlastet wird. Wir vermieden.
basteln und sich mit einer vermeiden jede Form von
anderen Person unterhalten. simultanen Aufgaben sowie
konsequent jeden Zeitdruck.

Sich als Mann oder Frau fühlen und verhalten

• Durch die krankheitsbedingten • Im Dialog mit dem Bewohner • Der Bewohner bewahrt
Veränderungen ist jedes und seinem Partner sich eine positive
sexuelle Verlangen erloschen. versuchen wir Unsicherheiten Einstellung zum eigenen
Die Beziehung zum abzubauen. Körper.
Lebenspartner ist deshalb • Wir sorgen ggf. für eine • Der Lebenspartner / die
belastet. Überweisung zu einem Lebenspartnerin wird
• Der Lebenspartner geht auf Urologen. durch die Erkrankung des
Distanz zum Bewohner. Bewohners nicht
• Der Bewohner leidet unter überfordert. Die
einer erektilen Dysfunktion. Beziehung zwischen
beiden bleibt so lange wie
möglich intakt.
• Das Selbstvertrauen und
das Selbstwertgefühl
werden gestärkt.

Für eine sichere Umgebung sorgen

• Der Bewohner ist sehr • Wir beseitigen Hindernisse, • Der Bewohner stürzt
sturzgefährdet aufgrund der über die der Bewohner nicht.
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Bewegungseinschränkung und stürzen könnte. • Der Bewohner erkennt die


der orthostatischen Hypotonie, • Wir verschieben ggf. Grenzen seiner
die schnell Schwindel Möbelstücke, wenn sie den körperlichen Belastbarkeit
verursacht. Bewohner daran hindern, die und beachtet diese.
Richtung zu ändern und zu • Der Bewohner nutzt
stoppen. technische Hilfsmittel, um
• Wir schaffen seine Selbstständigkeit zu
Sitzmöglichkeiten und erhalten.
Abstützmöglichkeiten im
Zimmer.
• Wir bringen eine
Toilettensitzerhöhung an.
• Wir stellen eine gute
Beleuchtung im Zimmer
sicher.
• Schwellen, Teppichkanten
und auf der Erde liegende
Elektrokabel werden entfernt.
• Wir sichern den Bewohner
mittels Bettgitter vor dem
Herausfallen aus dem Bett
(ggf. Genehmigung vom
Amtsgericht notwendig).
• Wir empfehlen die
Anschaffung eines
schnurlosen Telefons.
• Der Bewohner soll eine
Greifzange nutzen, damit er
sich nicht bücken muss,
wenn er etwas vom Boden
aufheben will.

Soziale Bereiche des Lebens sichern

• Der Bewohner glaubt, dass • Im Umgang mit dem • Das Selbstwertgefühl des
sich seine Umgebung über ihn Bewohner achten wir auf ein Bewohners bleibt
und seine Erkrankung lustig besonders taktvolles erhalten.
macht. Er ist schnell gekränkt. Verhalten. Auch alle anderen
Berufsgruppen werden
entsprechend sensibilisiert.
• Wir suchen den Kontakt mit
dem Bewohner und
verdeutlichen ihm, dass wir
ihn trotz seiner Erkrankung
wertschätzen.

Mit existentiellen Erfahrungen des Lebens umgehen

• Der Bewohner hat • Wir informieren Angehörige • Der Bewohner bewahrt


Schwierigkeiten, mit der und beziehen diese ein. sich seinen Lebensmut
derzeitigen Situation • Wir bieten Kontakte zu und schöpft daraus Kraft
umzugehen. Er zieht sich Selbsthilfegruppen an. für die
zurück, ist depressiv, • Wir informieren den Krankheitsbewältigung.
verlangsamt und antriebsarm. Bewohner über das
Krankheitsbild. Insbesondere
halten wir
Informationsmaterial bereit.
• Eine Überversorgung wird
vermieden.
• Wir lassen Trauer und Wut
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zu.

• Der Bewohner leidet unter • Die Pflegekräfte wirken • Die Auswirkungen der
Psychosen, die als Folge der beruhigend auf den Psychosen werden
Medikation auftreten. Bewohner ein. Sie versuchen minimiert.
aber nicht, dem Bewohner
etwaige Wahninhalte
auszureden.
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Standardpflegeplan "Multiple Sklerose"

• Die Multiple Sklerose (auch „MS“, Encephalomyelitis disseminata oder Polysklerose) ist eine chronisch
entzündliche Entmarkungserkrankung des Nervensystems. In Mitteleuropa und Nordamerika ist jeder
Tausendste betroffen. In Deutschland leiden zwischen 100.000 bis 120.000 Menschen unter Multipler
Sklerose, davon ca. zwei Drittel Frauen und ein Drittel Männer. Zumeist treten die ersten Symptome
zwischen dem 20. bis 40. Lebensjahr auf.
• Die Ursache der Multiplen Sklerose ist unklar. Genetische Faktoren spielen eine Rolle. Offenbar fördern
Viren und andere Erreger sowie Umwelteinflüsse die Krankheitsentwicklung.
• Bei der multiplen Sklerose kommt es zu Entzündungen der Myelinscheiden an den Nervenzellen des
zentralen Nervensystems. Dabei lösen sich die Myelinscheiden von den Axonen ab. Die körpereigene
Immunabwehr greift diesen Entzündungsherd an, und es bilden sich Plaques. Diese Plaques heilen ab und
hinterlassen statt intakten Nervenzellen nur noch Narbengewebe. So entstehen im zentralen
Nervensystem zahllose dieser Schädigungen, die für entsprechende neurologische Ausfälle sorgen.
• Die Erkrankung verläuft zumeist in Schüben, die bis zu acht Wochen dauern und verschiedene neuronale
Ausfälle auslösen. In den folgenden Monaten bilden sich diese Beeinträchtigungen weitgehend aber nicht
vollständig wieder zurück. Letztlich treten also mit jedem Schub mehr und mehr bleibende Schäden auf.

Symptome:

• Kleinhirnsymptome:
o Intentionstremor: Er tritt bei zielgerichteten Bewegungen auf, wobei sich das Zittern je näher das
Ziel kommt, verstärkt.
o Ataxie: Dabei handelt es sich um Koordinationsstörungen. Die verschiedenen Muskelgruppen
arbeiten nicht mehr "Hand in Hand". Davon betroffen sind die Haltung, der Gang und der Stand.
o skandierende (abgehackte) Sprache
• motorische Störungen:
o Lähmungen mit spastischen Paresen, rasche Ermüdbarkeit, hängen bleiben und stolpern an
kleinen Hindernissen, im weiteren Verlauf bis hin zur Hemi-, Para- und Tetraplegie
o schnelle Ermüdung und Schwere in den Beinen
• sensible Störungen:
o Parästhesien in Form von Kribbel-, Prickel- und Taubheitsgefühlen
o herabgesetztes Druck-, Schmerz- oder Temperaturempfinden
• vegetative Störungen:
o Harninkontinenz durch neurogene Blasenstörungen
o Darmstörungen
o erektile Dysfunktion und Störung der Orgasmusfähigkeit
o Störung der Vasomotorik in Form von rotbläulichen Verfärbungen an den Extremitätenenden sowie
in Form von ödematösen Schwellungen
• Hirnstammsymptome / Hirnnervenstammsymptome:
o Doppelbilder, Nystagmus
o Hör- und Gleichgewichtsstörungen (Dreh- und Schwankschwindel)
o Entzündung des Sehnervs: zeigt sich etwa in Verschwommensehen, Verlust der Sehkraft,
Einschränkungen des Gesichtsfeldes
o Fazialisparese (Lähmungen der Gesichtsmuskulatur): daraus resultieren häufig eine verwaschene
Sprache und Schluckbeschwerden
o Trigeminusneuralgie (Gesichtsschmerz)
• psychische Veränderungen:
o Persönlichkeitsveränderungen
o organisch verursachte depressive Verstimmung
o Abbau der geistigen Fähigkeiten
• Sekundärsymptome:
o Infektion der Luft- und Harnwege
o Thrombosen
o Dekubitalgeschwüre
o Ernährungsmängel
• Verlaufsformen:
o Die gutartige Verlaufsform; sie macht ca. 20 Prozent der Fälle aus: plötzlicher Beginn, wenige
Attacken, keine dauerhafte Behinderung.
o Die chronisch-rezidivierende Verlaufsform; sie macht ca. 20 bis 30 Prozent der Fälle aus:
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plötzlicher Beginn, teilweise oder vollständige Rückbildung der Symptome, keine schwere
Behinderung.
o Die chronisch-progrediente Verlaufsform; sie macht ca. 10 bis 20 Prozent der Fälle aus: langsamer
Beginn mit zunehmender Verschlechterung.
o Die Mischform; sie macht ca. 40 Prozent der Fälle aus: plötzlicher Beginn, nur anfangs u.U.
vollständige Rückbildung der Symptome, später zunehmende Verschlechterung.

Anmerkung:

• Standardpflegepläne geben für spezielle Pflegeprobleme die typischen pflegerischen Maßnahmen vor, so
etwa wie in diesem Beispiel für Multiple Sklerose. Standardpflegepläne umfassen generelle und potentielle
Pflegeprobleme, Pflegemaßnahmen und Pflegeziele.
• Aus diesem Grund erleichtert ein Standardpflegeplan zwar die Pflegedokumentation, aber er ersetzt auf
keinen Fall eine individuelle auf den Bewohner / Patienten bezogene Pflegeplanung.
• Jede Pflegefachkraft ist gehalten, diese generellen Pflegeprobleme, Pflegemaßnahmen und Pflegeziele
auf Relevanz zu überprüfen und auf die individuellen Einschränkungen und Ressourcen des jeweiligen
Bewohners / Patienten anzupassen. Wichtig ist auch beim Einsatz von Standardpflegeplänen, diese in
regelmäßigen Abständen zu überprüfen und ggf. zu überarbeiten, da sie immer auf dem aktuellen Stand
sein sollten.

Pflegeproblem Pflegemaßnahmen Pflegeziel


Kommunizieren

• Der Bewohner kann häufig • Wir veranlassen Logopädie. • Bewohner soll sich nicht
schlecht vom Gegenüber • Wir führen zusätzliche isolieren und an der
verstanden werden, seine Sprechübungen neben der Kommunikation
Stimme ist verwaschen, Logopädie durch. teilhaben
monoton und leise aufgrund • Wir zeigen Verständnis und • Die Selbständigkeit und
der Dysarthrie; er ermüdet Geduld. Motivation werden
schnell. • Wir geben Zeit zum Verstehen erhalten und gefördert.
• Die Kommunikation ist und Antworten. • Wir stärken das
insgesamt sehr erschwert, • Wir motivieren den Bewohner Selbstvertrauen und
und der Bewohner wird rasch und machen ihm Mut. das Selbstwertgefühl.
ungehalten, wenn er nicht • Wir stellen ggf. Ja/Nein-Fragen.
gleich verstanden wird. • Wir greifen ggf. auf spezielle
Hilfsmittel zur Kommunikation
zurück, wie etwa eine
Sprechtafel.
• Wir motivieren den Bewohner,
an Beschäftigungsangeboten
im Haus teilzunehmen.

• Der Bewohner leidet an • Wir spielen Spiele, die das


Aufmerksamkeits- und Gedächtnis und die
Konzentrationsstörungen Konzentration fordern ohne zu
aufgrund der überfordern.
Nervenschädigungen. • Wir greifen bevorzugte
Gesprächsthemen des
Bewohners auf.

• Der Bewohner hört schlecht • Wir sprechen den Bewohner


aufgrund der immer von vorne an und reden
Nervenschädigungen. langsam und deutlich.
• weitere Maßnahmen siehe
Standard "Pflege und
Betreuung von schwerhörigen
Senioren"
Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 113

Sich bewegen

• Der Bewohner erhält • Der Bewohner wird immer • Der Bewohner wird
Physiotherapie, ist allerdings wieder von den Pflegekräften motiviert, die Übungen
nur eingeschränkt motiviert, ermuntert, die Übungen regelmäßig
die Übungen auch durchzuführen. durchzuführen.
eigenständig in seiner Freizeit • Wir loben jeden Fortschritt, den
durchzuführen. der Bewohner macht.

• Der Bewohner ist nicht mehr • Wir nutzen ein Stehbrett oder • Durch das Stehen
in der Lage ohne Hilfe zu ein Stehbett, um den Bewohner werden verschiedene
stehen. Die Immobilität erhöht in die Vertikale zu mobilisieren. Folgeerkrankungen
das Risiko für Dekubitus, • Sobald der Bewohner in der vermieden.
Pneumonie, Thrombosen und Lage ist, mit Unterstützung
Kontrakturen. dieser Hilfsmittel zu stehen,
wird die Zeit stetig ausgebaut.
Nach Möglichkeit sollte der
Bewohner jeden Tag 45 bis 60
Minuten stehen.
• Das Stehtraining kann in
verschiedene Freizeitaktivitäten
eingebunden werden,
insbesondere Fernsehen,
Lesen oder Radiohören.
• Wir lassen den Bewohner
selbst entscheiden, an welchem
Platz innerhalb der Einrichtung
er stehen möchte. Sinnvoll ist
etwa ein Standplatz im
Aufenthaltsraum oder in
belebten Fluren. Im Sommer
kann der Bewohner auch auf
einen schattigen Platz im Freien
gestellt werden.

• Der Bewohner stolpert sehr • Wir versorgen den Bewohner • Die Beweglichkeit,
häufig beim Gehen aufgrund mit Schuhen, die an der Spitze Selbständigkeit und
einer Fußheberparese. statt mit einer Gummisohle mit Motivation werden
Leder ausgestattet sind. erhalten und gefördert.
• Alternativ kann der Bewohner • Wir stärken das
mit einer Peronaeusschiene Selbstvertrauen und
versorgt werden. Diese das Selbstwertgefühl.
verbessert deutlich das • Stürze werden
Gangbild. vermieden.
• Wir führen mit dem Bewohner
in Zusammenarbeit mit der
Krankengymnastin Geh- und
Stehübungen durch.
• Wir nehmen Ängste vor Stürzen
ernst, sorgen aber dennoch für
gezielte Aktivitäten.

• Der Bewohner leidet an einer • Der Bewohner wird auf dem • Die Beweglichkeit,
Beugespastik besonders im Bauch gelagert. Um Schmerzen Selbständigkeit und
Bereich der Knie und der im Knie- und Beckenbereich Motivation werden
Hüften. durch eine schmerzhafte erhalten und gefördert.
Überstreckung zu vermeiden, • Wir stärken das
wird jeweils ein Selbstvertrauen und
Lagerungskissen unter die das Selbstwertgefühl.
Unterschenkel und das Becken
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gelegt. Der Kopf wird zur Seite • Stürze werden


gedreht und die Arme vermieden.
angewinkelt abgelegt. • Der Bewohner erleidet
keine Schmerzen.

• Der Transfer des Bewohners • Bevor der Bewohner in den


vom Bett in den Rollstuhl ist Rollstuhl mobilisiert wird,
erschwert, da der Bewohner werden die Beine mit Hilfe
an einer Streckspastik im eines Lagerungswürfels in
Beckenbereich leidet. einem 90°-Winkel gelagert. Das
sollte etwa 20 Minuten vor dem
Transfer geschehen.
• Alternativ zum Lagerungswürfel
können die Beine auch in der
Seitenlage um 90° angewinkelt
werden.
• Ziel ist die Lockerung der
Muskulatur, um den späteren
Transfer zu erleichtern.
• Vor dem Transfer empfiehlt es
sich, dem Bewohner die
Schuhe anzuziehen, da bei
einer Berührung der nackten
Füße mit dem Fußboden die
Spastik wieder einsetzen kann.
• Das Aufsetzen auf die
Bettkante geschieht durch eine
Drehung auf die Seite, wobei
die Beugung der Beine
beibehalten wird und der
Bewohner aufgesetzt wird.
• Zum Abschluss des Transfers
sollte nun eine Drehscheibe
eingesetzt werden, auf die der
Bewohner seine Füße stellt.
• Die Pflegekraft fasst mit einer
Hand an den Po und mit der
anderen an den Brustkorb, die
Knie werden fixiert und der
Bewohner legt seine Arme
locker auf dem Rücken der
Pflegekraft ab. Durch eine
Gewichtsverlagerung der
Pflegekraft nach hinten wird der
Bewohner automatisch
angehoben und mit Hilfe der
Drehscheibe sanft in den
Rollstuhl transferiert.

• Der Transfer des Bewohners • Im Stand kann dem Bewohner


aus dem Stand vom Rollstuhl einfacher die Kleidung an- und
auf die Toilette und umgekehrt ausgezogen werden.
ist erschwert, da der • Beim Hinsetzen des Bewohners
Bewohner an einer wird der Streckspastik
Streckspastik im entgegengewirkt, indem die
Beckenbereich leidet. Pflegekraft die Knie fixiert und
den Oberkörper des Bewohners
nach vorne beugt, sodass er
sich hinsetzen kann.

• Der Bewohner leidet an einer • Lagern im Bett: Diagonal


Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 115

Kombination aus einer Beuge- abwechseln zwischen linkem


und Streckspastik Bein und rechten Arm beugen
und rechtem Bein und linken
Arm strecken und umgekehrt.
Der Bewohner liegt dabei in der
Seitenlage und wird von
Lagerungskissen entsprechend
abgestützt. (Antispastik-
Lagerung nach Bobath)

• Die Gefahr einen Dekubitus • Wir führen den Standard • Die Haut bleibt intakt.
zu erleiden, ist wesentlich "Dekubitusprophylaxe" durch.
erhöht, da der Bewohner an
Sensibilitätsstörungen leidet.
Er bemerkt ggf. keine
Schmerzen und Druckstellen.

Vitale Funktionen des Lebens aufrechterhalten

• Der Bewohner benötigt Hilfe • Wir stellen und richten die • Die vom Arzt
und Anleitung bei der Medikamente. angeordnete Medikation
Medikamenteneinnahme. • Wir helfen dem Bewohner bei ist sichergestellt.
der Einnahme der • Durch eine
Medikamente. Insbesondere angemessene
achten wir auf die Medikamentenversorgu
Regelmäßigkeit der Einnahme. ng wird der Verlauf der
• Wir beobachten und Erkrankung verzögert.
dokumentieren die Wirkungen
und Nebenwirkungen der
Medikamente.

• Der Bewohner erhält • Nach Möglichkeit sollte sich der • Nebenwirkungen


Interferone. Bewohner das Medikament werden rechtzeitig
eigenständig s.c. oder i.m. erkannt.
injizieren.
• Die grippeähnlichen Symptome
werden bei Bedarf mit
Paracetamol therapiert.

• Der Bewohner erhält • Wir achten auf Reaktionen an


Glatirameracetat. Es ist ein in der Einstichstelle.
der Wirksamkeit mit Interferon • Wir prüfen, ob der Bewohner
vergleichbares synthetisches Reaktionen zeigt, etwa Luftnot,
Polypeptid. Herzjagen, Gefäßerweiterung.

• Der Bewohner erhält • Wir achten auf gastrointestinale


Azathioprin. Azathioprin Beschwerden.
hemmt die zelluläre • Wir prüfen, ob der Bewohner
Immunantwort. unter bereits bekannten Leber-
oder Nierenfunktionsstörungen
leidet. Dieses muss dem Arzt
als Kontraindikation mitgeteilt
werden.

• Der Bewohner erhält • Wir stellen sicher, dass der


Benzodiazepinderivate. Diese Bewohner keinen Alkohol
wirken muskelrelaxierend und konsumiert.
Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 116

mildern die Spastik. • Wir achten auf die typischen


Nebenwirkungen wie Apathie,
Schläfrigkeit, Amnesie,
Verwirrtheit. Es können aber
auch paradoxe Phänomene
auftreten wie Euphorie,
Agitiertheit, Schlaflosigkeit und
Erregung.
• Wir sind uns bewusst, dass die
Nutzung von
Benzodiazepinderivaten zur
Abhängigkeit führen kann.

• Der Bewohner erhält • Die Pneumonieprophylaxe wird • Eine Infektion und


Glukokortikoide. Diese intensiviert. insbesondere eine
erhöhen insbesondere im • Der Bewohner wird Pneumonie werden
Rahmen der Akuttherapie die aufgefordert, den Kontakt mit vermieden.
Infektionsgefahr; vor allem Personen mit Infekten zu
steigt das Risiko einer vermeiden.
Pneumonie. • Der Bewohner soll
Atemübungen durchführen, um
Spastiken im Bereich der
Atemmuskulatur zu vermeiden.

• Der Bewohner hält sich im • Wir informieren den Bewohner • Der Bewohner hat eine
Sommer gerne im Freien auf darüber, dass Fieber und normale
und setzt sich der Wärme einen Schub auslösen Körpertemperatur.
Sonneneinstrahlung aus. Die können. • Extreme fiebrige
Wärme steigert das Risiko • Der Bewohner wird dazu Zustände werden
eines erneuten motiviert, im Sommer den vermieden.
Krankheitsschubes. Schatten aufzusuchen.
• Der Bewohner leidet häufig • Der Bewohner sollte auf den
unter Infektionskrankheiten. Besuch einer Sauna verzichten.
Auf hohes Fieber folgt zumeist • Der Bewohner sollte heiße
ein weiterer Schub. Bäder vermeiden.
• Wenn es hinreichende
Anzeichen für eine sich
entwickelnde Infektion gibt, wird
die Körpertemperatur des
Bewohners engmaschig
überwacht. Bereits bei
subfebriler Temperatur (bis
38°C) wird der Hausarzt
informiert. Wir leiten frühzeitig
fiebersenkende Maßnahmen
ein.

Sich pflegen

• Der Bewohner ist durch die • Der Bewohner soll vor dem • Die Beweglichkeit,
Ataxie und den Waschbecken sitzen und die Selbständigkeit und
Intentionstremor nur Ellenbogen beim Waschen, Motivation werden
eingeschränkt in der Lage, die Zähneputzen und Rasieren erhalten und gefördert.
Grundpflege durchzuführen. aufstützen. Das vermindert den • Wir stärken das
Intentionstremor Selbstvertrauen und
• Zur Ataxiehemmung sollte der das Selbstwertgefühl.
Bewohner sehr körpernah
arbeiten und den Körper als
Ablagefläche benutzten
• Beim Duschen ist bei einer
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Rumpfataxie ein Duschrollstuhl


mit fester Lehne und
verstellbaren Fußstützen
notwendig.
• Wir schlagen die Anschaffung
einer Elektrozahnbürste vor.
Der Griff ist dicker und die
Bewegungen werden
eigenständig von der
Zahnbürste ausgeführt

• Der Bewohner ist nicht in der • Die Pflegekraft sorgt durch eine
Lage, die Zahnpflege breite Ablagefläche dafür, dass
selbständig durchzuführen, da der Bewohner sich entspannt
er unter einer starken Rumpf- anlehnen kann. Beim
und Kopfataxie leidet. Zudem Zähneputzen kann z.B. die
besteht eine Plegie der Arme. Pflegekraft ihr Bein über den
Rollstuhl hinter den Rücken des
Bewohners legen und somit
Halt für den Oberkörper geben
und mit dem Arm und der Hand
auf der Stirn den Kopf fixieren.
Diese Maßnahme erleichtert
deutlich die Zahnpflege. (Die
Fixierung des Oberkörpers
durch das Bein der Pflegekraft
entfällt bei einem Rollstuhl mit
einer angepassten Sitzschale.)

• Eine Intimpflege beim • Wir bringen den Bewohner in • Der Intimbereich wird
Bewohner durchzuführen ist die Rückenlage. gesäubert.
stark erschwert, da er an einer • Die Beine des Bewohners
Adduktorenspastik in werden vorsichtig und ohne
Kombination mit einer Gewalt angewinkelt. Zum
Streckspastik leidet. Die Beine besseren Halt kann ein großes
des Bewohners sind so sehr Kissen zwischen Bettende und
verkrampft, dass man sie nicht den Füßen platziert werden.
ohne weiteres voneinander • Zur Entspannung der Muskeln
weg spreizen kann. werden die Beine zusammen
vorsichtig nach rechts und links
Info: Adduktion: Bewegung eines hin und her geschaukelt.
Körperteils in die Mitte • Danach lassen sich die Beine
leichter auseinander spreizen.
• Ggf. kann ein Kissen zwischen
den Knien die Intimpflege
erleichtern.
• Die Intimpflege wird
durchgeführt.

• Der Bewohner leidet unter • Wir prüfen, ob die • Wir vermeiden


einer beeinträchtigten Sensibilitätsstörungen Folgeschäden.
Oberflächen- und tageszeitlich schwanken. Ggf. • Der Bewohner hat keine
Tiefensensibilität und werden unangenehme unnötigen Schmerzen
Parästhesien infolge der Pflegemaßnahmen zeitlich und fühlt sich wohl.
Nervenschädigungen. verschoben.
• Es besteht die Gefahr von • Wir achten auf die richtige
Verbrennungen und Temperatur des Wasch- und
Infektionen. Badewassers; es besteht
Verbrennungsgefahr.
• Hohe Luftfeuchtigkeit verstärkt
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die Sensibilitätsstörung, wir


lüften daher das Bad gut.
• Wir lassen eine medizinische
Fußpflege durchführen.
• Wir achten auf Wunden (es
kann das Schmerzempfinden
beeinträchtigt sein).
• Wir führen Berührungen der
Haut vorsichtig durch, da schon
minimale Berührungen als
schmerzhaft empfunden
werden können.
• Wir dokumentieren, wann die
Parästhesien auftreten und
durch was sie ggf. ausgelöst
werden.

• Die Spastiken erschweren es, • Wenn der Oberkörper stabil ist, • Der Bewohner wird
den Bewohner zu duschen. wird der Bewohner beim geduscht.
Duschen auf einen einfachen • Die Sturzgefahr wird
Duschhocker gesetzt. minimiert.
• Ist der Körper instabil, sollte ein
Duschrollstuhl genutzt werden.
Dessen feste Rückenlehne,
Armlehnen und Fußstützen
bieten dem Bewohner
ausreichend Halt und
Sicherheit.

Essen und trinken

• Der Bewohner ist bei der • Wir versorgen den Bewohner • Eine Aspiration wird
Nahrungsaufnahme mit entsprechenden Hilfsmitteln vermieden.
eingeschränkt aufgrund der zur Nahrungsaufnahme, etwa • Die Selbständigkeit und
Parese (Plegie), Besteck mit dicken Griffen, Motivation werden
Schluckstörung, Ataxie, Becher mit Strohhalmen usw. erhalten und gefördert.
Spastik. • Wir sorgen nach Absprache mit • Wir stärken das
dem Bewohner für Selbstvertrauen und
Kleidungsschutz. das Selbstwertgefühl.
• Wir bieten Besteck mit dicken • Wir sorgen für eine
Griffen und eine Schale mit ausreichende
hochgezogenem Rand an, um Nahrungs- und
die Selbständigkeit so lange wie Flüssigkeitszufuhr.
möglich zu erhalten.
• Wir füllen Gläser, Tassen und
Becher nur halbvoll.
• Aufgrund der länger benötigten
Zeit für die Essensaufnahme
halten wir das Essen warm. Wir
sorgen für ausreichend Zeit zur
Nahrungsaufnahme.
• Wir bieten einen Löffel statt
einer Gabel an; der Umgang ist
einfacher.
• Wir achten auf die Konsistenz
der Nahrung. Wir
dokumentieren, wobei sich der
Bewohner am wenigsten
verschluckt.
• Wir bieten genügend Flüssigkeit
(2 bis 3 Liter) über den Tag
Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 119

verteilt an.
• Wir legen ggf. ein Trinkprotokoll
an.
• Wir erhöhen ggf. den Tisch, so
dass der Bewohner seine
Ellenbogen beim Essen auf
dem Tisch abstützen kann, der
Intentionstremor verringert sich
dadurch.
• Wir achten auf eine
ausgewogene und
ballaststoffreiche Ernährung.

Info: Ob eine Einschränkung beim


Verzehr von Fleisch, Wurst, Milch und
Milchprodukten wegen der enthaltenen
Arachidonsäure sinnvoll ist, ist noch
nicht abschließend geklärt. Die
Arachidonsäure ist als Vorstufe beteiligt
an der Auslösung entzündlicher
Prozesse.
Ausscheiden

• Bewohner leidet unter einer • Versorgung mit angepasstem • Der Bewohner kann
Blasenentleerungsstörung Inkontinenzmaterial. möglichst selbständig
aufgrund der neurogenen • Wir führen regelmäßig ausscheiden.
Blasenstörung, Gefahr des Urinstreifentests durch, bei • Harnwegsinfekte und
Harnweginfektes. Auffälligkeiten informieren wir Schmerzen werden
den Arzt. vermieden.
• Restharnbildung vermeiden,
beklopfen (Triggern) der Blase
(Vorsicht: Beim Triggern kann
es ggf. zu einem
pathologischen Blasendruck
kommen, nur nach Absprache
mit dem Arzt.)
• ggf. bei Restharnbildung nach
Absprache mit dem Arzt
regelmäßige
Einmalkatheterisierung
entweder vom Bewohner selbst
durchgeführt oder von einer
Pflegekraft
• Wir verabreichen zusätzlich
Vitamin C. Dieses hat zur
Folge, dass der Urin
angesäuert wird und dadurch
die Keimbildung in der Blase
gehemmt wird.
• ggf. Versorgung mit einem
suprapubischen Katheter
• Wegen der Infektionsgefahr
sollte kein Dauerkatheter
genutzt werden.
• Der Bewohner sollte
ausreichend trinken, um damit
die Gefahr einer
Harnwegsinfektion zu senken.

• Der Bewohner ist • Der Bewohner wird mit • Bewohner soll sich nicht
harninkontinent. angepasstem isolieren und an der
Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 120

• Der Bewohner klagt über Inkontinenzmaterial versorgt. Kommunikation


erhöhten Harndrang. • Wir führen ein individuelles teilhaben
Toilettentraining durch. • Die Selbständigkeit und
• Wir führen Motivation werden
Beckenbodentraining durch. erhalten und gefördert.
• Der Bewohner wird ggf. mit • Wir stärken das
einem suprapubischen Katheter Selbstvertrauen und
versorgt. das Selbstwertgefühl.
• Ein männlicher Bewohner kann • Der Bewohner kann
mit einem Urinalkondom möglichst selbständig
versorgt werden. ausscheiden.
• Wir empfehlen dem Bewohner,
die Trinkmenge gleichmäßig
über den Tag zu verteilen, um
eine langsame Blasenfüllung zu
erreichen.

• Der Bewohner leidet unter • Wir sorgen für eine hohe


einer Obstipation aufgrund der Flüssigkeitszufuhr.
mangelnden Motilität • Wir achten auf eine ballaststoff-
(Eigenbewegung) des Magen- und vitaminreiche Kost.
Darm-Traktes. • Wir führen ggf. Kolonmassagen
durch.
• Wir lassen den Bewohner
morgens vor dem Frühstück ein
lauwarmes Glas
Leitungswasser trinken.
• Wir setzen nach Absprache mit
dem Arzt ggf. natürliche
Abführmittel ein, wie etwa
Sauerkrautsaft und Ähnliches.

• Der Bewohner ist • Wir erstellen ein


stuhlinkontinent. Defäkationsprotokoll. Danach
streben wir eine regelmäßige
Stuhlausscheidung durch ein
individuelles Toilettentraining
an.
• Wir vermeiden eine Obstipation
durch genügend
Flüssigkeitsaufnahme und eine
ballaststoffreiche Kost sowie
ausreichende Bewegung.
• Es ist wichtig, die Intimsphäre
zu schützen; dieses etwa durch
das Verlassen der Toilette,
dabei legen wir die Klingel in
Reichweite.
• Wir wählen geeignete Hilfsmittel
aus, wie etwa einen
Toilettenstuhl, einen erhöhten
Toilettensitz, eine wieder
verschließbare Inkontinenzhose
usw.
• Wir führen eine sorgfältige
Hautpflege im Intimbereich
durch.
• Wir prüfen, ob die Nutzung von
Analtampons sinnvoll ist.
• Wir stehen dem Bewohner und
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seinen Angehörigen immer für


ein Gespräch zur Verfügung.

Sich kleiden

• Der Bewohner ist aufgrund • Wir verhelfen dem Bewohner • Die Selbständigkeit und
der motorischen über Kleidung und ggf. Make-up Motivation werden
Einschränkungen nicht in der wieder zu mehr erhalten und gefördert.
Lage, sich selbständig an- und Selbstwertgefühl. • Wir stärken das
auszukleiden. Er benötigt • Wir wählen Haken und Knöpfe Selbstvertrauen und
Hilfsmittel und zeitweise möglichst groß, am besten sind das Selbstwertgefühl.
personelle Unterstützung. Klettverschlüsse an der
Kleidung anzubringen.
• Wir statten Reißverschlüsse mit
einem Ring aus.
• Wir stellen feste Schuhe mit
Klettverschlüssen bereit und
achten auf den richtigen Sitz.
• Wir ziehen immer die am
stärksten betroffenen
Extremitäten zuerst an.
• Bewohner stets im Sitzen
ankleiden (lassen)
• Wir statten Bewohner mit
weiteren Hilfsmitteln aus, z.B.
einem Schuhanzieher

Ruhen und schlafen

• Eine krankheitsbedingte • Wir planen mehr Ruhepausen • Die Kräfte des


leichte Ermüdbarkeit tritt auf. in die Tagestrukturierung ein. Bewohners werden
• Wir vermitteln dem Bewohner nicht überfordert.
verschiedene
Entspannungstechniken.

• Der Bewohner leidet unter • Wenn der Bewohner unter einer • Der Bewohner hat einen
Spastiken. Diese erschweren Beugespastik leidet, wird er erholsamen Schlaf.
eine erholsame Nachtruhe. häufiger in einer Streckposition
gelagert.
• Bei einer Streckspastik ist eine
häufigere Beugeposition
sinnvoll.
• Vor jedem Lagewechsel
versuchen wir die Spastiken
vorsichtig zu lösen. In keinem
Fall wenden wir Gewalt an.
• Gemeinsam mit dem
Physiotherapeuten entwickeln
wir Techniken, um die
Spastiken schonend zu
überwinden.
• Punktuelle Belastungen sowie
Fixierungen sind zu vermeiden,
da diese die Entwicklung von
Spastiken fördern würden.

Sich als Mann oder Frau fühlen und verhalten

• Der Bewohner leidet unter • Wir sorgen ggf. für eine • Der Bewohner teilt sich
Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 122

einer erektilen Dysfunktion. Überweisung zu einem mit und isoliert sich


• Die Libido ist reduziert. Urologen. nicht.
• Wir animieren den Bewohner, • Das Selbstvertrauen
Kontakt zu einer und das
Selbsthilfegruppe zu suchen. Selbstwertgefühl
werden gestärkt.

Für eine sichere Umgebung sorgen

• Der Bewohner ist sehr • Wir beseitigen Hindernisse. • Der Bewohner soll sich
sturzgefährdet aufgrund der • Wir schaffen Sitzmöglichkeiten sicher und geborgen
Bewegungseinschränkung. und Abstützmöglichkeiten im fühlen.
Zimmer. • Die Selbständigkeit und
• Wir bringen ggf. eine Motivation werden
Toilettensitzerhöhung an. erhalten und gefördert.
• Wir sorgen für eine gute • Wir stärken das
Beleuchtung im Zimmer. Selbstvertrauen und
• Wir beseitigen Schwellen, das Selbstwertgefühl.
Teppichkanten und auf der • Die Bewegungsfreiheit
Erde liegende Elektrokabel. wird ermöglicht.
• Wir sichern den Bewohner ggf. • Der Bewohner soll seine
vor dem Herausfallen aus dem körperlichen Grenzen
Bett (ggf. mit einer erkennen.
Genehmigung des
Amtsgerichts).
• Wir statten ggf. den Rollator mit
einem Zusatzgewicht aus, um
ein schnelles Umkippen zu
vermeiden.

• Der Bewohner leidet unter • Wir sorgen für eine adäquate • Der Bewohner hat keine
Trigeminusneuralgie Schmerzbehandlung. unnötigen Schmerzen
und fühlt sich wohl.

Mit existentiellen Erfahrungen des Lebens umgehen

• Der Bewohner leidet unter • Wir stellen auf Wunsch Kontakt • Der Bewohner findet
Stimmungsschwankungen. Er zu einer Selbsthilfegruppe her. den inneren Frieden
ist zeitweise stark euphorisch, • Wir suchen ggf. den Kontakt zur und die innere Mitte
manchmal depressiv oder jeweiligen Kirchengemeinde. wieder.
aggressiv. • Wenn der Bewohner in einer
übertrieben euphorischen
Stimmung ist, wird dieser nicht
noch ermuntert. Wir versuchen,
die Situation zu versachlichen.
• Bei depressiver Stimmung
sorgen wir für Ablenkung und
Abwechselung im Alltag.
Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 123

Standardpflegeplan Apoplexie
Der Apoplex (Schlaganfall oder "apoplektischer Insult") ist gekennzeichnet durch:

• Durchblutungsstörungen (Ischämie) mit einhergehendem Sauerstoffmangel des Gehirns. Gründe dafür


können sein: Stenosen der Gefäße etwa durch einen Thrombus, Arteriosklerose oder Embolie
• intrazerebrale Massenblutung im Gehirn. Gründe dafür können sein: Ruptur (reißen) eines Gefäßes durch
ein Aneurysma (Gefäßaussackung) oder Angiopathie (Gefäßerkrankungen) infolge von arterieller
Hypertonie und Arteriosklerose.

Risikofaktoren:

• Hypertonie
• Hypercholesterolämie
• Diabetes mellitus
• Adipositas
• Herzrhythmusstörungen
• Zigarettenkonsum, besonders inhalierendes Rauchen
• Stress
• Bewegungsmangel
• Einnahme der "Pille" (Ovulationshemmer) plus Rauchen
• genetische Disposition
• hohes Lebensalter

Die am häufigsten auftretenden Schädigungen (je nach Schädigungsort):

• Bewusstseinseintrübung
• Hemiplegie: komplette Halbseitenlähmung
• Hemiparese: inkomplette Halbseitenlähmung
• Apraxie: Störung der Fähigkeit zum koordinierten Handeln. Etwa: Die Zahnbürste wird zum Haare kämmen
genommen.
• Aphasie: zentrale Sprachstörung. Sie betrifft sprechen, lesen, verstehen und schreiben. Der Verstand
selbst ist nicht betroffen. Es wird unterschieden zwischen:
o sensorische Aphasie (eine starke Störung des Sprachverständnisses, Betroffener kann flüssig
sprechen bis hin zu unkontrollierten Redeschwällen)
o motorische Aphasie (stark gestörte, verlangsamte und mühsame Sprache)
o globale Aphasie (eine starke Störung des Sprachverständnisses und der Sprache)
o amnestische Aphasie (meist Wortfindungsstörungen)
o In der Regel treten Mischformen auf.
• Dysarthrie: Störung der Bewegung und des Gefühls im Zungen-, Mund- und Halsbereich. Folgen: das
Gesprochene ist schwer zu verstehen, Schluckstörungen usw.
• Agnosie: Störung des Erkennens optischer, akustischer und taktiler Sinnesreize
• Parästhesien: Missempfindungen
• Hemianopsie: eingeschränktes oder vollständig ausgefallenes Gesichtsfeld
• Hemineglegance / Neglect: tritt häufig auf bei einer Schädigung der rechten Hemisphäre mit linksseitiger
Hemiplegie. Das bedeutet, dass die betroffene Seite trotz intakter Sinnesorgane vom Betroffenen nicht
wahrgenommen wird. Die Vorstellung für den betroffenen Halbraum ist verloren gegangen oder erschwert.
• Pusher-Syndrom: Verlagerung der Haltung hin zur stärker gelähmten Seite, Widerstand bei Korrektur zur
Körpermitte
• Harninkontinenz
• zentrale Fazialisparese: Lähmung des Gesichtsnervs. Diese zeigt sich häufig als herabhängender
Mundwinkel, Speichelfluss und Vorwölbung der betroffenen Wange durch das Ausatmen.
• psychische Veränderungen wie beispielsweise Antriebsarmut, Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit,
Ängstlichkeit, depressive Tendenzen bis hin zur Depression usw.
• Störung der Aufmerksamkeit, der Konzentration, Lern- und Gedächtnisleistung

weitere Folgeprobleme bei einer Hemiparese:


Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 124

• subluxierte Schulter: eine Fehlstellung des Schulterblattes. Der Humeruskopf der stärker betroffenen Seite
ist verschoben. Dieses ist auch dadurch bedingt, dass durch die Lähmung der Muskulatur das Gelenk nicht
mehr in der richtigen Position gehalten wird.
• Schulter-Hand-Syndrom: dieses Syndrom beschreibt das Anschwellen der Hand. In Folge des
Schlaganfalles verändern sich der Muskeltonus und die Innervation (nervale Versorgung von
Körpergeweben und Organen) der Hand. Bei Nichtbehandlung droht eine irreversible Schädigung der
Hand.

Anmerkung:

• Standardpflegepläne geben für spezielle Pflegeprobleme die typischen pflegerischen Maßnahmen vor, so
etwa wie in diesem Beispiel für Apoplexie. Standardpflegepläne umfassen generelle und potentielle
Pflegeprobleme, Pflegemaßnahmen und Pflegeziele.
• Aus diesem Grund erleichtert ein Standardpflegeplan zwar die Pflegedokumentation, aber er ersetzt auf
keinen Fall eine individuelle auf den Bewohner / Patienten bezogene Pflegeplanung.
• Jede Pflegefachkraft ist gehalten, diese generellen Pflegeprobleme, Pflegemaßnahmen und Pflegeziele
auf Relevanz zu überprüfen und auf die individuellen Einschränkungen und Ressourcen des jeweiligen
Bewohners / Patienten anzupassen. Wichtig ist auch beim Einsatz von Standardpflegeplänen, diese in
regelmäßigen Abständen zu überprüfen und ggf. zu überarbeiten, da sie immer auf dem aktuellen Stand
sein sollten.

Pflegeproblem Pflegemaßnahmen Pflegeziel


Kommunizieren

• Aufgrund der • Wir schaffen bei Gesprächen eine • Der Bewohner ist
Hirnschädigung ist der ruhige Atmosphäre und schirmen wieder in der Lage,
Bewohner nicht mehr in der den Bewohner soweit möglich von sich an einem
Lage, sich auf ein Gespräch störenden Außenreizen ab. Gespräch zu beteiligen
zu konzentrieren. Er wird und dessen Inhalt zu
bereits durch kleine erfassen.
Außenreize abgelenkt.

• Der Bewohner leidet unter • Wir hören dem Bewohner geduldig • Die Auswirkungen der
Aphasie. zu, auch wenn der Sprachfluss Aphasie werden
sehr stockend ist. Der Bewohner reduziert.
wird nicht unterbrochen.
• Wenn Pflegekräfte nicht sicher
sind, ob sie den Bewohner richtig
verstanden haben, so wiederholen
sie das Gesagte. Beispiel: "Habe
ich Sie richtig verstanden? Sie
möchten auf Toilette gehen?"
• Wir bilden einfache Sätze mit
korrekter Grammatik. Wir sprechen
nicht im "Telegrammstil".
• Wir stellen Fragen, auf die der
Bewohner mit "ja" oder mit "nein"
antworten kann. Sog. "W-Fragen"
(warum, wofür, womit usw.) oder
Fragen mit mehreren Alternativen
werden vermieden. Richtig:
"Möchten Sie Käse essen?"
Falsch: "Möchten Sie Käse, Wurst
oder ein Ei essen?".
• Wichtige Sätze werden ggf.
zweimal gesprochen, bei der
zweiten Wiederholung allerdings
mit einem geänderten Aufbau.
Beispiel: "Sie bekommen jetzt Ihre
Medikamente. Ich möchte, dass
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Sie jetzt Ihre Medikamente


einnehmen."
• Alle weiteren Vorgaben des
Standards "Pflege von Senioren mit
Sprachstörungen" werden
umgesetzt.

Sich bewegen

• Der Bewohner leidet unter • Wenn der Neclect sehr stark • Der Bewohner bleibt
einem Neclektphänomen. ausgeprägt ist, wird der Bewohner mobil.
Er ist immobil und auf die zunächst über die weniger • Ängste und
Nutzung eines Rollstuhls betroffene Seite in den Rollstuhl Unsicherheiten werden
angewiesen. transferiert. Erst nachdem der ernst genommen.
Bewohner ausreichend Sicherheit
gewonnen hat und keine Angst
mehr zeigt, prüfen wir, ob er auch
über die mehr betroffene Seite
einsteigen kann.
• Wir achten darauf, dass der
Bewohner aufrecht sitzt, die Füße
parallel stehen und Bodenkontakt
haben. Die Hüfte sollte in einem
90°-Winkel gebeugt sein. Ggf. wird
der Rumpf durch ein Kissen leicht
nach vorne gebeugt. Der mehr
betroffene Arm kann auf einem
Tisch abgelegt werden. Nach
Möglichkeit sollte der Rollstuhl mit
speziellen Armlehnen ausgestattet
sein. Der mehr betroffene Arm
kann auch auf einem Kissen im
Schoß abgelegt werden.
• Wenn der Bewohner im Rollstuhl
kurzfristig "geparkt" werden muss,
achten wir darauf, dass die mehr
betroffene Seite zur Wand zeigt
und der Bewohner über die
weniger betroffene Seite das
Geschehen verfolgen kann.

• Der Bewohner leidet unter • Wir achten darauf, dass der venöse • Ein Schulter-Hand-
einem Schulter-Hand- und lymphatische Abfluss nicht Syndrom wird
Syndrom. behindert wird. Dieses ist vermieden.
insbesondere der Fall, wenn die • Die mehr betroffene
Hand lange in einer abgeknickten Hand wird vor
Haltung gehalten wird. Schädigungen
• Der Sitz der Kleidung wird geschützt.
überwacht, dieses insbesondere
nach jeder Umlagerung sowie nach
jedem Kleidungswechsel.
Einschneidende Kleidung kann den
venösen und lymphatischen
Rückfluss im Achselbereich
beeinträchtigen.
• Wir achten darauf, dass die stärker
betroffene Hand vor Verletzungen
geschützt wird. Wichtig ist etwa,
dass die Hand nicht in die
Speichen eines fahrenden
Rollstuhls gerät.
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• Wir stellen sicher, dass der


Oberarm beim Lagern in einer
neutralen, leicht nach außen
rotierten Position gehalten wird.
Dieses ist insbesondere wichtig,
wenn das Schultergelenk subluxiert
ist und der Arm sonst spastisch
nach innen rotiert wäre.
• Wir achten darauf, dass Infusionen
und Blutentnahmen nach
Möglichkeit am weniger betroffenen
Arm durchgeführt werden. Am
mehr betroffenen Arm würden
Hämatome deutlich langsamer
verheilen. Zudem ist hier die
Resorption etwa von paravenösen
Infusionen reduziert.

• Der Bewohner klagt über • Der mehr betroffene Arm wird bei • Das Schultergelenkt
bohrende oder stechende möglichst vielen wird vor Schäden
Beschwerden im Bereich Bewegungsabläufen mit geschützt.
des Schultergelenks als einbezogen. Wir nutzen dafür das • Die Schmerzbelastung
Folge der Hemiplegie. Prinzip der bilateralen Armführung. wird reduziert.
• Der Bewohner verweigert Der weniger betroffene Arm führt
sich Pflegemaßnahmen, da dabei den mehr betroffenen Arm.
er eine Schmerzbelastung Der Bewohner faltet dafür die
fürchtet. Hände. Der mehr betroffene
Daumen sollte oben liegen.
• Die Pflegekräfte gehen besonders
vorsichtig mit den Armen um. Sie
achten darauf, dass die Arme bei
Pflegemaßnahmen nicht verdreht
werden.
• Wenn die Arme hoch über die
Schultern gehoben werden sollen,
soll der Bewohner die gefalteten
Hände und somit die
Schulterblätter weit nach vorne
schieben.
• Bei der Lagerung auf der mehr
betroffenen Seite achten wir
darauf, dass das Gewicht des
Oberkörpers nicht ausschließlich
auf dem Schultergelenk ruht. Auch
das Schulterblatt und der Oberarm
sollten belastet sein.
• Beim Transfer des Bewohners
verzichtet die Pflegekraft darauf,
die Hand des mehr betroffenen
Armes auf der eigenen Schulter
abzulegen. Die Hand könnte von
dort herunterfallen und durch den
Schwung aus der Gelenkpfanne
gehebelt werden.
• Falls notwendig erhält der
Bewohner eine medikamentöse
Schmerztherapie. Diese sollte
insbesondere zur Nacht eingesetzt
werden. Wir beachten, dass durch
den Einsatz von Schmerzmitteln
auch die warnende Wirkung von
Schmerzen reduziert wird. Es kann
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also dazu kommen, dass Gelenke


über die ursprüngliche
Schmerzgrenze hinaus bewegt
werden.

• Der Bewohner kann das • Wir fordern den Bewohner auf, mit • Das Schultergelenk
Prinzip der bilateralen der weniger betroffenen Hand den wird vor Schäden
Armführung nicht nutzen, mehr betroffenen Unterarm zu geschützt.
da die Finger zu stark fassen. Er umgreift den mehr • Die Schmerzbelastung
geschwollen sind. betroffenen Arm von außen in der wird reduziert.
Nähe des Handgelenks. Die
Pflegekraft achtet darauf, dass der
mehr betroffene Arm in einer
leichten Außenrotation mitgeführt
wird.

• Als Folge des • Mindestens zweimal am Tag (auch • Die Bildung von
Schlaganfalles ist der am Wochenende) werden alle Kontrakturen wird
Bewohner immobil. Es Gelenke durchbewegt. Dieses vermieden.
bilden sich Kontrakturen sollte der Bewohner nach
aus. Möglichkeit selbst aktiv
durchführen, ggf. assistiert die
Pflegekraft dabei oder führt die
Bewegung passiv durch. Nach und
nach sollten passive Bewegungen
durch aktive Bewegungen ersetzt
werden.
• Beim Durchbewegen nutzen wir
grundsätzlich beide Hände. Eine
Hand umfasst die Gliedmaße
knapp unterhalb des Gelenks,
während die andere Hand den
Bereich oberhalb greift und das
Gelenk durchbewegt. Bei allen
Übungen wird also rumpfnah
(proximal) festgehalten und
körperfern (distal) durchbewegt.
Das Gelenk darf nicht
durchhängen, da dieses die
Gelenkkapsel schädigen könnte.
Zudem schützt die korrekte
Durchführung die Muskeln vor
Rückbildung.
• Die Gelenke werden immer nur bis
zum Erreichen der Schmerzgrenze
oder eines Widerstandes bewegt.
Schmerzäußerungen werden stets
beachtet. Insbesondere demente
Bewohner können sich ggf. nicht
artikulieren, daher achten wir
genau auf deren Reaktionen. Bei
Schmerzen wird die Intensität der
Maßnahme entsprechend
reduziert.

• Als Folge des • Wir nutzen einen Bettbogen, um • Es bildet sich kein
Schlaganfalles ist der den Druck von der Bettdecke auf Spitzfuß.
Bewohner immobil. Es droht die Zehen zu minimieren. Alternativ
die Bildung eines kann die Bettdecke über das
Fußbrett gehängt werden.
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Spitzfußes. (Hinweis: Die Pflegekraft sollte


darauf achten, dass der Bewohner
dabei nicht friert.)
• Die Füße eines immobilen
Bewohners werden in Rückenlage
im rechten Winkel zu den
Unterschenkeln gelagert. Wir
nutzen dafür weiche Fußstützen.
Die Fersen werden ggf. weich oder
hohl gelagert.
• Die Füße von Rollstuhlfahrern
werden nur während eines
Transports auf den Trittbrettern
positioniert. Ansonsten sollten die
Füße mit der gesamten Fußsohle
auf dem Boden aufgestellt werden.

• Der Bewohner hat • Die Pflegekräfte achten darauf, • Das Hüftgelenk wird
Schmerzen im Bereich der dass die Beine vor jeder Bewegung vor Schäden
Hüfte. in einer guten Position liegen. geschützt.
Insbesondere wird eine
Außenrotation korrigiert.

Vitale Funktionen des Lebens aufrechterhalten

• Der Bewohner leidet unter • Wir gehen behutsam und • Die gesteigerte
Missempfindungen. verständnisvoll mit dem Bewohner Sensibilität wird auf ein
• Er klagt über ein Kribbeln um. Normalmaß reduziert.
oder Stechen. • Berührungen werden vorsichtig
• Berührungen werden nur durchgeführt.
schwach wahrgenommen. • Wir lassen ggf. die Hand so lange
• Selbst minimale auf der Haut des Bewohners
Berührungen verursachen liegen, bis die
Schmerzen. Berührungsrezeptoren den Reiz
verarbeitet haben.
• In keinem Fall werden in Zukunft
Berührungen generell vermieden,
da dieses die Symptomatik
verschlechtern könnte.

• Der Bewohner leidet am • Die Maßnahmen im Rahmen der • Die Bildung eines
sog. "Pusher-Syndrom". Er Dekubitusprophylaxe werden Dekubitus wird
ist nicht fähig, in Seitenlage intensiviert. Dazu zählen auch vermieden.
auf der weniger betroffenen regelmäßige Umlagerungen.
Seite den Kopf auf dem Zudem werden die Regionen am
Kissen abzulegen. Trochanter, am Knie und den
Fersen engmaschig überwacht.

• Der Bewohner leidet unter • Wir prüfen, ob das Auge durch • Das Auge wird vor dem
einer Fazialisparese. Das Salben oder Tropfen vor dem Austrocknen geschützt.
Augenlied kann nicht Austrocknen geschützt werden
vollständig geschlossen kann.
werden. Das Auge droht • Ggf. versorgen wir das Auge mit
auszutrocknen. einem Uhrglasverband.

• Der Bewohner leidet unter • Eine schnelle Verschlechterung der • Komplikationen


Bewusstseinsstörungen. Bewusstseinslage wird umgehend werden umgehend
bemerkt, insbesondere
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dem behandelnden Arzt mitgeteilt. ein Reinfarkt, eine


Nachblutung oder eine
Stauung des Liquors
im Gehirn.

• Der Bewohner ist • Der Bewohner wird regelmäßig • Der Bewohner erleidet
bettlägerig. Es droht die umgelagert. Wir nutzen keinen Dekubitus.
Entstehung eines insbesondere die Lagerungsformen
Dekubitus. "Lagerung auf der betroffenen
Seite" sowie "Lagerung auf der
weniger betroffenen Seite".
• Wir beachten, dass aufgrund der
neuronalen Schädigungen das
Schmerzempfinden des Bewohners
reduziert sein kann. Er ist nicht in
der Lage, auf die Schmerzimpulse
der überbelasteten Haut zu
reagieren. Die Umlagerungen
erfolgen daher engmaschig.

Sich pflegen

• Der Bewohner ist nicht in • Wir sorgen für eine möglichst • Der Bewohner ist
der Lage, sich bei der ruhige Umgebung während der körperlich gepflegt.
Körperpflege ausreichend Körperpflege. Wir vermeiden es • Der Bewohner wird im
zu konzentrieren. etwa, das Wasser während des Rahmen seiner
Waschens laufen zu lassen. Das verbliebenen
Radio und der Fernseher werden Fähigkeiten an der
abgeschaltet. Körperpflege beteiligt.
• Wir sorgen dafür, dass nur die
Gegenstände im Gesichtsfeld des
Bewohners liegen, die aktuell
benötigt werden. Derzeit nicht
erforderliche Cremetöpfe, Lotionen
usw. werden weggestellt.
• Wir prüfen, ob der Bewohner
zumindest einzelne Phasen der
Körperpflege übernehmen kann.
Wir suchen dafür Sequenzen aus,
die für den Bewohner wichtig sind,
etwa das Putzen der Zähne oder
das Auftragen der
Gesichtspflegecreme.
• Während der Körperpflege
sprechen wir möglichst wenig mit
dem Bewohner, sondern
beschränken uns auf kurze
verständliche Anweisungen.

• Der Bewohner leidet unter • Die Pflegekraft stellt sich beim • Der Bewohner pflegt
einem Neclektphänomen. Waschen stets auf die mehr auch die mehr
Dieses erschwert die betroffene Seite. betroffene Körperseite.
Körperpflege. • Die Waschrichtung erfolgt von der
weniger betroffenen Seite in
Richtung der mehr betroffenen
Seite. Auf diese Weise werden
Spürinformationen auf die
geschädigte Seite herüber
getragen.
• Der Bewohner wird aufgefordert,
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mit dem Blick den Waschlappen zu


fixieren und ihm auf die mehr
betroffene Körperseite zu folgen.

• Der Bewohner ist nicht in • Die Zahnreinigung per Zahnbürste • Der Bewohner wird im
der Lage, die Zahnpflege wird von der Pflegekraft Rahmen seiner
eigenständig übernommen. Fähigkeiten an der
durchzuführen. • Die Pflegekraft reinigt gleichzeitig Mund- und Zahnpflege
auch die Zunge und den Gaumen. beteiligt.
Ggf. nutzen wir dafür spezielle
Zahnbürsten mit einem
abgeflachten Bürstenkopf.
• Mit der Zahnbürste werden ggf.
vorhandene Nahrungsreste aus
den Wangentaschen entfernt.

Essen und trinken

• Der Bewohner ist mit der • Wir prüfen, ob der Bewohner • Der Bewohner wird
Nahrungsaufnahme insgesamt überfordert ist. Dieses ausreichend ernährt.
überfordert. Er nimmt einige ist etwa dann der Fall, wenn der
Löffel oder Bissen zu sich Bewohner vor dem Frühstück sich
und "nickt" dann ein. Auf selbst anziehen soll und damit
Ansprache oder nach einer seine mentale
Berührung "wacht" der Konzentrationsfähigkeit bereits
Bewohner wieder auf, um verbraucht hat. In diesem Fall
dann aber erneut wieder übernimmt die Pflegekraft den
schnell wegzudösen. Kleidungswechsel vollständig. Der
• Der Bewohner wird durch Bewohner hat dann mehr mentale
Mitbewohner beim Essen Reserven für die
abgelenkt. Er vergisst das Nahrungsaufnahme.
Essen und muss immer • Ggf. wird die Sitzordnung am
wieder daran erinnert Esstisch angepasst. Der Bewohner
werden. sollte neben einem ruhigen
Mitbewohner sitzen oder (falls
notwendig) seine Speisen
ungestört an einem Extratisch oder
in seinem Zimmer zu sich nehmen.
• Gemeinsam mit dem
behandelnden Hausarzt prüfen wir,
ob der Bewohner eine PEG
erhalten sollte. Dieses ist
insbesondere dann sinnvoll, wenn
die lang hinziehende
Nahrungsaufnahme für den
Bewohner zur Tortur wird. Auch
nach der Anlage einer PEG kann
das Ess- und Schlucktraining
fortgeführt werden.

• Der Bewohner leidet unter • Wir reduzieren das • Der Bewohner erleidet
Schluckstörungen. Diese Aspirationsrisiko durch ein keine Aspiration.
beeinträchtigen seine sorgfältiges Anreichen des Essens.
Fähigkeit, Nahrung Der Löffel wird langsam in den
aufzunehmen. Mund eingeführt und mit sanftem
• Der Bewohner leidet unter Druck auf der Zungenmitte
Sensibilitätsstörungen im abgesetzt.
Mundraum. Er spürt nicht, • Sobald der Bewohner die Nahrung
dass der Mund schon voll aufgenommen hat, wird der Löffel
ist und kaut nicht. Die wieder behutsam aus dem Mund
Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 131

Speisen laufen aus den entfernt. Die Pflegekraft stellt


Mundwinkeln. Es kommt sicher, dass der Bewohner
zum Verschlucken oder regelmäßig eine
Husten. Nachschluckbewegung durchführt.
• Ggf. kann die Pflegekraft diese
Bewegung mit einem sanften Druck
gegen den Mundboden stimulieren
oder den Bewohner gezielt zum
Nachschlucken auffordern.

• Der Bewohner erhält keine • Nach jeder Mahlzeit und vor der • Es kommt zu keiner
Spürinformationen aus dem Nachtruhe wird der Mundraum des Aspiration.
Mundraum. Es bleiben Bewohners inspiziert.
daher Nahrungsreste in den • Ggf. wird der Bewohner
Wangentaschen zurück. aufgefordert, den Mundraum
Diese rutschen in Richtung auszuspülen.
Rachen, wenn sich der • Dem Bewohner wird empfohlen,
Bewohner nach dem Essen nach der Inspektion keine Speisen
hinlegt. Es droht eine mehr zu sich zu nehmen, etwa
Aspiration. Kekse u.Ä.

Ausscheiden

• Der Bewohner leidet unter • Wenn eine neurogene • Eine Inkontinenz bildet
einer Urininkontinenz als Blasenentleerungsstörung vorliegt, sich zurück.
Folge der neurologischen so führen wir ggf. eine • Die Folgen der
Schädigungen. Einmalkatheterisierung durch. Inkontinenz werden
• Falls nötig wird ein suprapubischer minimiert.
Fistelkatheter gelegt.
• Die Anlage eines Dauerkatheters
ist keine Option.
• Wir erklären dem Bewohner, dass
sich durch Toilettentraining die
Kontinenz häufig wieder herstellen
lässt.
• Wir prüfen, ob Anticholinergika die
Kontinenz fördern können.

• Der Bewohner leidet unter • Wir achten auf eine regelmäßige • Eine erneute
einer Stuhlverstopfung. Das Darmentleerung. Hirnblutung wird
starke Pressen führt zu • Wir führen ein regelmäßiges vermieden.
einer Steigerung des Darmtraining durch.
Blutdrucks und erhöht das • Wir verabreichen ggf. kurzfristig
Risiko einer Nachblutung im orale Abführmittel.
Hirn. • Wir nutzen Abführzäpfchen.
• Wir führen ggf. einen Einlauf durch.
• Alle weiteren im Standard
"Obstipationsprophylaxe"
beschriebenen Maßnahmen
werden durchgeführt.

Sich kleiden

• Der Bewohner leidet unter • Das Auskleiden beginnt immer mit • Der Bewohner ist in
einem Neclektphänomen. der weniger betroffenen Seite. der Lage, sich im
Dieses erschwert den • Das Ankleiden beginnt stets mit der Rahmen seiner
Kleidungswechsel. mehr betroffenen Seite. Fähigkeiten am
• Es gilt: Der weniger betroffene Arm Wechsel der Kleidung
führt den mehr betroffenen Arm.
Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 132

• Alle weiteren im Standard "An- und zu beteiligen.


Auskleiden von
Hemiplegiepatienten"
beschriebenen Maßnahmen
werden umgesetzt.

Sich beschäftigen

• Der Bewohner leidet unter • Wir wählen Handlungen aus, die • Der Bewohner ist
Apraxie. Er ist nicht in der für den Bewohner besonders wieder in der Lage, die
Lage, mit Gegenständen zu wichtig sind und zudem aus wichtigsten
hantieren. wenigen Einzelschritten bestehen. Alltagsgegenstände
• Der Bewohner scheitert an Diese werden vorrangig mit ihm anzuwenden.
komplexen Tätigkeiten, da geübt.
er die Reihenfolge der • Die ausgewählten Handlungen
einzelnen Schritte werden täglich trainiert.
durcheinander bringt. • Wenn der Bewohner eine
• Der Bewohner leidet unter Handlung nicht zu Ende bringen
Agnosie. Er gebraucht kann und mitten in der
Gegenstände entgegen Durchführung stockt, greift die
ihrer eigentlichen Funktion Pflegekraft ein. Sie führt die Hand
und Aufgabe (etwa eine des Bewohners und begleitet den
Haarbürste, um sich die weiteren Bewegungsablauf.
Zähne zu putzen). • Zum Führen der Hand gibt es keine
Alternative. Eine verbale Erklärung
oder das Demonstrieren
(Vorführen) einer Maßnahme wird
dem Bewohner nicht helfen.

• Der Bewohner leidet unter • Wir prüfen, ob der Bewohner eine • Der Bewohner ist
räumlichen Störungen. Er Digitaluhr (mit Ziffern statt Zeigern) wieder in der Zeit
kann Winkel nicht mehr nutzen kann. orientiert.
richtig einschätzen. Es ist
ihm unmöglich, die Uhr
abzulesen. Dieses führt
dazu, dass der Bewohner
zeitlich desorientiert ist.

Die Beziehung zwischen dem Bewohner und seinem Lebenspartner wird vor vermeidbaren Belastungen geschützt.

• Das Verhältnis zum • Wir stehen dem Angehörigen • Die Beziehung


Lebenspartner leidet unter jederzeit für ein entlastendes zwischen dem
der Hemiplegie. Die Gespräch zur Verfügung. Bewohner und seinem
ehemals gleichberechtigte • Wir erläutern dem Angehörigen Lebenspartner wird vor
Partnerschaft wandelt sich insbesondere, dass neurologische vermeidbaren
zu einer asymmetrischen Veränderungen, Ängste und das Belastungen
Beziehung zwischen Gefühl der Abhängigkeit das geschützt.
Pflegendem und Verhalten des Bewohners
Gepflegtem. verändern können.
• Die Wertschätzung des • Wir ermuntern den Angehörigen,
Lebenspartners zum eigene Interessen weiterhin zu
Bewohner leidet. pflegen und auf ein eigenes Leben
nicht völlig zu verzichten.

Für eine sichere Umgebung sorgen

• Der Bewohner leidet am • Die Sitzposition des Bewohners • Der Bewohner wird vor
sog. "Pusher-Syndrom". Er wird etwa mit Kissen soweit einem Sturz aus dem
droht aus dem Stuhl oder stabilisiert, dass dieser nicht mehr Stuhl oder aus dem
Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 133

aus dem Rollstuhl zu fallen. zur Seite kippen kann. Rollstuhl geschützt.
• In keinem Fall versucht die
Pflegekraft die Position des
Bewohners zu korrigieren, indem
sie ihn von der mehr betroffenen
Seite in Richtung weniger
betroffene Seite schiebt. Dieses
würde die Symptomatik verstärken.

• Der Bewohner hat ein stark • Wir achten auf ein barrierefreies • Der Bewohner stürzt
eingeschränktes Sichtfeld Zimmer und beseitigen nicht.
aufgrund der Hemianopsie. Stolperfallen.
Er droht zu stürzen.

Soziale Bereiche des Lebens sichern

• Der Bewohner ist nicht • Wir verdeutlichen dem Bewohner, • Der Bewohner wird vor
mehr in der Lage, mit Geld dass er größere Bargeldbeträge finanziellen Nachteilen
umzugehen. zur Bank bringen sollte. geschützt.
• In der Geldbörse des Bewohners
sollte sich nur ein kleiner Barbetrag
befinden.
• Wenn der Bewohner seine
Geldbörse verloren hat, werden
ihm keine Vorhaltungen gemacht.
Stattdessen wird die Geldbörse
gesucht. Wir beginnen mit den
Plätzen, an denen der Bewohner
immer wieder Gegenstände
zurücklässt.
• Wir prüfen die Notwendigkeit einer
Betreuung im Bereich der
Vermögensangelegenheiten.

Mit existentiellen Erfahrungen des Lebens umgehen

• Bewohner ist depressiv und • Wir vermitteln dem Bewohner • Bewohner soll seine
zieht sich zurück. Kontakt zu Selbsthilfegruppen. Erkrankung
• Wir stehen dem Bewohner für akzeptieren und lernen
ausführliche Gespräche zur damit umzugehen.
Verfügung. • Bewohner soll sich
nicht isolieren und am
Gemeinschaftsleben
teilhaben.
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Standardpflegeplan "blinde und stark sehbehinderte Senioren"

• Blindheit ist ein Fehlen des Sehvermögens, das entweder angeboren ist oder erworben wurde. Als "blind"
werden auch Menschen bezeichnet, die unter einer so starken Sehschwäche oder
Gesichtsfeldeinschränkung leiden, dass sie sich in unvertrauter Umgebung nicht zurechtfinden können.
• Die wichtigsten Ursachen für Blindheit sind Schädigungen der Netzhaut, Erkrankungen des Sehnervs,
Glaukom ("grüner Star"), Katarakt ("grauer Star") sowie Beschädigungen des Sehzentrums im Hirn etwa
durch Durchblutungsstörungen, Tumore oder durch entzündliche Prozesse.

Anmerkung:

• Standardpflegepläne geben für spezielle Pflegeprobleme die typischen pflegerischen Maßnahmen vor, so
etwa wie in diesem Beispiel für Sehbehinderung. Standardpflegepläne umfassen generelle und potenzielle
Pflegeprobleme, Pflegemaßnahmen und Pflegeziele.
• Aus diesem Grund erleichtert ein Standardpflegeplan zwar die Pflegedokumentation, aber er ersetzt auf
keinen Fall eine individuelle auf den Bewohner / Patienten bezogene Pflegeplanung.
• Jede Pflegefachkraft ist gehalten, diese generellen Pflegeprobleme, Pflegemaßnahmen und Pflegeziele
auf Relevanz zu überprüfen und an die individuellen Einschränkungen und Ressourcen des jeweiligen
Bewohners / Patienten anzupassen. Wichtig ist auch beim Einsatz von Standardpflegeplänen, diese in
regelmäßigen Abständen zu überprüfen und ggf. zu überarbeiten, da sie immer auf dem aktuellen Stand
sein sollten.

Pflegeproblem Pflegemaßnahmen Pflegeziel


Kommunizieren

• Es kommt zu • Beim Betreten des Zimmers oder bei • Der Bewohner weiß,
Missverständnissen, Begegnungen auf dem Flur oder in dass die
wenn eine Pflegekraft Gemeinschaftsräumen stellt sich die Kommunikation ihm
einen blinden Bewohner Pflegekraft mit Namen vor. Sie erklärt gilt.
anspricht. Der ggf. den Zweck ihres Besuches.
Bewohner ist sich nicht • Der Bewohner wird immer mit seinem
sicher, ob das Gesagte Namen angesprochen. Dieses ist
ihm gilt oder einer insbesondere dann nötig, wenn sich in
anderen anwesenden einem Zimmer mehrere Bewohner
Person. befinden.
• Der Bewohner wird • Während des Aufenthaltes im Zimmer
nervös, wenn sich eine beschreibt die Pflegekraft, welche
Pflegekraft in seinem Tätigkeiten sie aktuell durchführt.
Zimmer aufhält, er aber • Wenn die Pflegekraft das Zimmer
nicht weiß, was sie dort verlässt, informiert sie den Bewohner.
macht. • Mitbewohner werden gebeten, ebenfalls
kurz ihren Namen zu nennen, wenn sie
den Bewohner ansprechen.

• Die Kommunikation ist • Auf Wunsch erhält der Blinde die • Der Bewohner weiß,
erschwert, da der Möglichkeit, das Gesicht der Pflegekraft wer mit ihm spricht.
sehbehinderte abzutasten, um sich ein Bild von seinem Er kann sich ein Bild
Bewohner das Gesicht Gegenüber machen zu können. von seinem
seines • Die Pflegekräfte müssen sich bewusst Gegenüber machen.
Gesprächspartners nicht sein, dass der nonverbale Teil der • Es kommt zu keinen
sehen kann. Kommunikation (Mimik, Gestik usw.) bei Missverständnissen
der Kommunikation mit einem Blinden aufgrund der
ausgeblendet ist. Wir formulieren daher fehlenden
stets eindeutig. nonverbalen
Kommunikation.

• Der Bewohner kann • Briefe werden dem Bewohner ungeöffnet • Der Bewohner kennt
Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 135

Briefe nicht lesen. übergeben. Die Pflegekraft nennt den Inhalt von an ihn
lediglich den Absender des Briefes. Der gerichteten Briefen.
Senior kann selbst entscheiden, welche • Die Privatsphäre des
Pflegekraft oder welcher Angehörige das Bewohners bleibt
Vorlesen übernehmen soll. gewahrt.
• Die Pflegekraft liest langsam und
deutlich.
• Kommentare zum Gelesenen sind zu
unterlassen.
• Der Inhalt des vorgelesenen Briefes ist
streng vertraulich.

• Der Bewohner möchte • Der Bewohner soll sich ein • Der Bewohner kann
telefonieren, ist jedoch Großtastentelefon mit Sprachausgabe eigenständig per
mit der Bedienung der kaufen. Die eingebaute Sprachausgabe Telefon
herkömmlichen Telefone sagt die Ziffern beim Wählen an. Die kommunizieren.
überfordert. elektronische Stimme nennt bei
eingehenden Anrufen die Nummer und
ggf. den Namen des Anrufers.

Vitale Funktionen des Lebens aufrechterhalten

• Der Bewohner erhält • Die Pflegekraft leitet den Bewohner zur • Die verschriebenen
regelmäßig eigenständigen Applikation an. Sie Medikamente
Augentropfen. Er ist mit überwacht die korrekte Verabreichung. werden korrekt
der Applikation Falls dieses nicht möglich ist, wird die verabreicht.
überfordert. Applikation von der Pflegekraft
übernommen.

• Der Bewohner vergisst • Der Bewohner wird von der Pflegekraft • Der Bewohner kann
immer wieder, die an die Medikamenteneinnahme erinnert. die Medikamente
Medikamente zu Ggf. übernimmt die Pflegekraft das eigenständig
nehmen. Stellen und das Verabreichen der nehmen.
Arzneimittel.
• Der Bewohner kann sich eine
elektronische Pillenbox kaufen. Mittels
eines akustischen Alarms wird der
Bewohner an die Einnahme von
Medikamenten erinnert. Die jeweiligen
Alarmzeiten kann die Pflegekraft
einstellen. Damit keine Medikamente
verwechselt werden können, verfügt eine
solche Box über mehrere abgetrennte
Medikamentenfächer.

• Der Bewohner hat eine • Wir helfen dem Bewohner beim • Die hygienischen
Augenprothese. Einsetzen, beim Herausnehmen und Vorgaben zum
beim Reinigen der Prothese. Dieses ist Umgang mit
im Standard "Pflege von Senioren mit Augenprothesen
Augenprothesen" beschrieben. werden beachtet.
• Die Augenhöhle wird regelmäßig auf • Krankhafte
krankhafte Veränderungen untersucht. Veränderungen
• Wir sorgen dafür, dass die Maßnahme werden vermieden
unbeobachtet von anderen und ggf. schnell
Mitbewohnern durchgeführt wird. erkannt.

• Der Bewohner musste • Wir achten auf Ausfluss, Rötungen und • Nach dem
sich vor kurzer Zeit Schwellungen im Bereich der operativen Eingriff
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einem chirurgischen Operationswunde. kommt es zu einer


Eingriff am Auge • Der Bewohner wird ermuntert, sich schnellen und
unterziehen. zeitnah zu melden, wenn er Schmerzen umfassenden
im Bereich der Augen hat. Heilung.
• Wir raten dem Bewohner dringend davon Komplikationen
ab, sich am Auge zu reiben. werden vermieden.
• Die verschriebenen Augentropfen,
Augensalben usw. werden konsequent
eingenommen. Wenn der Bewohner mit
der Applikation überfordert ist, wird er
von der Pflegekraft unterstützt.

• Der Bewohner leidet • Die Maßnahme wird von der Pflegekraft • Der Blutdruck wird
unter Hypotonie oder übernommen. korrekt erfasst.
unter Hypertonie. Er soll • Der Bewohner soll sich ein sprechendes
seinen Blutdruck Handgelenk-Blutdruckmessgerät kaufen.
regelmäßig erfassen. Es sagt nach der Messung Systole,
Ein normales Diastole und Puls an. Die letzten drei
Blutdruckmessgerät Messungen werden gespeichert und
kann er nicht ablesen. werden später von der Pflegekraft in das
Blutdrucktagebuch übernommen.

• Der Bewohner leidet • Die Maßnahme wird von der Pflegekraft • Die
häufig unter Infektionen. übernommen. Körpertemperatur
Er kann ein • Der Bewohner soll sich ein sprechendes wird korrekt erfasst.
herkömmliches Fieberthermometer kaufen. Diese Geräte
Thermometer nicht gibt es sowohl mit herkömmlicher
ablesen. Messspitze als auch als Infrarot Stirn-
Fieberthermometer.

• Der Bewohner ist • Die Maßnahme wird von der Pflegekraft • Der
Diabetiker. Er soll übernommen. Blutzuckerspiegel
seinen • Der Bewohner soll sich ein sprechendes wird korrekt erfasst.
Blutzuckerspiegel Blutzuckermessgerät kaufen. Dieses gibt
regelmäßig messen. Er das Messergebnis per Sprachansage
kann aber das Ergebnis aus.
nicht ablesen.

Sich pflegen

• Der Bewohner ist • Beim Waschen erläutern wir dem • Der Bewohner leistet
aufgrund der Bewohner die Position der einen möglichst
Sehbehinderung nicht in Waschutensilien. Diese Ordnung sollte großen Beitrag zur
der Lage, die stets unverändert bleiben. eigenen
Körperpflege • Zerbrechliche Gegenstände wie die Körperpflege.
alleinverantwortlich zu Brille, das Hörgerät oder der Zahnersatz
leisten. werden an einem sicheren Platz
zwischengelagert.
• Wir bleiben bei der Körperpflege
anwesend und überwachen die
Durchführung durch den Bewohner. Ggf.
greifen wir ein. Wir achten insbesondere
darauf, dass die Rasur und die Frisur
ordentlich sind.

• Der Bewohner ist so • Alle Aktivitäten werden laufend erklärt. • Der Bewohner wird
pflegebedürftig, dass die Der Bewohner soll in der Lage sein, den in die Maßnahmen
Körperpflege von uns Geräuschen in seiner Umgebung aktiv einbezogen.
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geleistet werden muss. konkrete Abläufe zuzuordnen. • Wenn dem


• Der Bewohner fühlt sich • Wir kündigen jeden Körperkontakt an. Bewohner die
bei der Körperpflege Dieses ist besonders bei Maßnahmen Abläufe einer
dem Mitarbeiter erforderlich, die den Bewohner Pflegemaßnahme
ausgeliefert. erschrecken könnten. bewusst sind, kann
er sich auf die
eigene Mithilfe
konzentrieren.

• Der Bewohner nutzt die • Bei der Anleitung des Bewohners achten • Ein möglichst großes
ihm verbliebenen wir darauf, präzise zu formulieren. Der Maß an
Ressourcen nur Bewohner muss wissen, mit welcher Selbstständigkeit
unzureichend. Er könnte Hand und mit welchem Gegenstand er bleibt gewahrt.
sich mehr in die Pflege welche Pflegemaßnahme ausführen soll.
einbringen. • Wir ermuntern den Bewohner dazu, den
eigenen Anteil an der Körperpflege
auszubauen. Bei Erfolgen wird der
Bewohner von uns gelobt.
• Eine vollkommene Übernahme kommt
nur dann in Betracht, wenn der
Bewohner eine Maßnahme selbst mit
unserer Hilfe nicht mehr durchführen
kann.

Essen und trinken

• Der Bewohner kann die • Wir nutzen große Teller mit rutschfestem • Der Bewohner kann
Speisen auf dem Teller Untergrund und hohem Rand. das Essen mit allen
nicht zuordnen. • Die Anordnung von Teller, Tasse, Glas verbliebenen Sinnen
• Der Bewohner ist und Besteck sollte stets beibehalten genießen.
appetitlos. werden. • Eine
• Wir erklären dem Bewohner, was es zum Mangelernährung
Essen gibt. Wir beschreiben die wird vermieden.
Komponenten, also das Fleisch, die • Der Bewohner wird
Beilagen, Soßen, Salat usw. aktivierend
• Wir lassen den Bewohner an den unterstützt.
Speisen riechen.
• Die Pflegekraft unterlässt negative
persönliche Äußerungen zum Essen.
• Auf Wunsch bereiten wir die Speisen
mundgerecht vor. Insbesondere sollte
das Fleisch klein geschnitten werden.
• Falls nötig assistieren wir dem
Bewohner, indem wir die Hand zum
Teller führen. Dort schieben wir die
Speisen auf den Löffel oder auf die
Gabel. Zum Mund führt der Bewohner
das Besteck dann eigenständig.
• Wir nutzen das Prinzip der
"Nahrungsuhr".
o Die Pflegekraft stellt sich den
Teller als Zifferblatt einer Uhr
vor. Die Seite des Tellers, die
vom Bauch des Bewohners
wegzeigt, ist die "12-Uhr-
Position". Die dem Bewohner
zugewandte Seite ist die "6-Uhr-
Position". Die rechte und die
linke Seite des Tellers sind die
"3-Uhr-" bzw. die "9-Uhr-
Positionen".
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o Kartoffeln, Reis oder Nudeln


werden im Bereich zwischen 12
Uhr und 3 Uhr abgelegt, also im
rechten, oberen Abschnitt. Das
Gemüse wird im Abschnitt 3 Uhr
bis 6 Uhr abgelegt. Der
Bewohner findet es also rechts
unten. Fleisch liegt zwischen 6
Uhr und 9 Uhr. Das Brot ist
zwischen 9 Uhr und 12 Uhr zu
finden.
o Wenn die Speisen
unbeabsichtigt von ihrer Position
verschoben wurden, schiebt die
Pflegekraft diese Komponenten
wieder auf die korrekte "Uhrzeit"
(s.o.) zurück.
o Ein einmal genutztes Schema,
das dem Bewohner vertraut ist,
wird nicht mehr verändert.
• Wir achten darauf, dass insbesondere
kürzlich erblindete Bewohner genug
essen. Da der optische Eindruck fehlt,
lässt häufig der Appetit nach. Das
Körpergewicht des Bewohners wird ggf.
engmaschig überwacht.

• Der Bewohner hat • Gläser und Tassen werden nur zur Hälfte • Der Bewohner kann
Probleme mit der gefüllt. Das gilt vor allem für warme und eigenständig trinken.
Handhabung der für heiße Getränke. Empfehlenswert sind
Getränkegläser. schwere und bunte Gläser. Diese können
ggf. noch erkannt werden und können
nicht so leicht umgestoßen werden.
• Der Bewohner kann sich einen Getränke-
Füllstandsanzeiger kaufen. Dieser
signalisiert, sobald ein Glas beim
Befüllen überzulaufen droht.

• Der Bewohner ist über- • Die Pflegekraft liest das Ergebnis für den • Das Gewicht des
oder untergewichtig. Er Bewohner ab. Bewohners wird
soll sein Gewicht • Der Bewohner soll sich eine sprechende korrekt erfasst.
regelmäßig messen. Waage kaufen. Diese sagt das
Eine herkömmliche gemessene Gewicht an.
Waage kann er aber
nicht ablesen.

Sich kleiden

• Der Bewohner kann • Der Bewohner wird gefragt, was er • Der Bewohner
seine Kleidung nicht anziehen möchte. Die Pflegekraft bewahrt sich auch
sehen. Er kann Farben, beschreibt daher die Kleidungsstücke bei der Wahl seiner
Beschädigungen oder und äußert ggf. ihre Einschätzung, ob Kleidung ein
Verschmutzungen nicht das Gewählte optisch zueinanderpasst. möglichst großes
erkennen. Alternativ kann eine Kennzeichnung Maß an Autonomie.
eingenäht werden, auf der die Farbe
etwa in Brailleschrift vermerkt ist.
• Der Bewohner kann sich ein
Farberkennungsgerät kaufen. Ein
solches Gerät unterscheidet Farben und
informiert den Bewohner per
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Sprachausgabe über das Ergebnis.


• Der Bewohner wird darauf aufmerksam
gemacht, wenn die Kleidung verschmutzt
oder beschädigt ist.
• Wir akzeptieren es, wenn der Bewohner
Kleidungsstücke trägt, die farblich nicht
zueinanderpassen. Entscheidend ist die
Zufriedenheit des Bewohners.

• Der Bewohner hat seine • Das Ordnungssystem des Bewohners • Der Bewohner findet
eigene Ordnung im wird beachtet. Falls die Pflegekraft nicht sich in seinem
Kleiderschrank. weiß, wohin frisch gewaschene Kleidung Kleiderschrank
einsortiert werden soll, fragt sie den zurecht.
Bewohner.

• Der Bewohner ist nicht • Die Pflegekraft legt die passende • Der Bewohner ist
in der Lage, ein Kleidung für den Bewohner zurecht. immer angemessen
Außenthermometer • Der Bewohner soll sich ein sprechendes gekleidet.
abzulesen. Er kann Außenthermometer kaufen. Ein solches
auch nicht aus dem Gerät sagt auf Knopfdruck die Innen- und
Fenster sehen, um die die Außentemperatur an.
Witterung
abzuschätzen. Daher ist
er oftmals zu kalt oder
zu warm angezogen.
Oder er trägt keinen
Regen- oder keinen
Sonnenschutz.

Ruhen und schlafen

• Der Bewohner ist nicht • Die Pflegekraft stellt den Wecker für den • Der Bewohner wird
in der Lage, den Wecker Bewohner. Moderne Geräte zur richtigen Zeit
korrekt zu stellen. unterscheiden zwischen verschiedenen geweckt.
Wochentagen, wecken also z.B. am
Wochenende eine Stunde später.
• Der Bewohner soll sich einen
sprechenden Wecker kaufen. Bei diesen
Geräten wird die Einstellung der
Weckzeit durch Sprachausgabe
unterstützt.

Sich beschäftigen

• Der Bewohner kann • Wir testen, ob der Bewohner eine • Der Bewohner nutzt
keine Bücher oder computergestützte Lesehilfe benötigt. Bücher und
Zeitschriften lesen. Diese kann auf Kosten der Zeitschriften, um
Krankenkasse ausgeliehen werden. sich zu informieren.
Alternativ kann der Einsatz von Lupen-
oder von Prismenfernrohrbrillen sinnvoll
sein.
• Wir stellen den Kontakt zur
Arbeitsgemeinschaft der
Blindenhörbüchereien her. Auf Wunsch
kann der Betroffene von dort
verschiedene literarische Werke als
Hörbuch beziehen. Bei Sehbehinderten
prüfen wir, ob Bücher im Großdruck für
den Betroffenen interessant sein
könnten.
Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 140

• Wir halten ggf. Bücher und Zeitschriften


in Brailleschrift bereit.
• Die Brille eines Sehbehinderten sollte
immer sauber und griffbereit sein.

• Der Bewohner langweilt • Wir stehen dem Bewohner jederzeit für • Der Bewohner kann
sich. ein persönliches Gespräch zur sich sinnvoll
Verfügung. Insbesondere wenn die beschäftigen.
Erblindung erst vor kurzer Zeit eintrat, ist
menschliche Zuwendung sehr wichtig.
• Wir animieren den Bewohner, sich an
hauswirtschaftlichen Tätigkeiten zu
beteiligen. Dieses etwa im Rahmen der
Koch- und Backgruppe.
• In unseren Freizeiträumen halten wir
auch Brettspiele für Blinde bereit.
• Wir stellen ggf. den Kontakt zu
Selbsthilfegruppen her.
• Wir regen an, Kontakte zu Freunden und
zu Verwandten weiter zu pflegen.
• Wir ermutigen den Bewohner, Sportarten
auszuüben, die seinem individuellen
Restsehvermögen angepasst sind.

• Der Bewohner kann • Der Bewohner erhält eine sprechende • Der Bewohner ist
keine Uhr lesen. Er ist Armbanduhr. wieder zeitlich
zeitlich desorientiert. • Wir aktivieren das Stundensignal. Zu orientiert.
Dieses erschwert die jeder vollen Stunde gibt die Uhr ein
Teilnahme am Piepsignal.
Freizeitprogramm sowie • Alternativ erhält der Bewohner eine Uhr
die Tagesstrukturierung mit Zeigern zum Ertasten. Diese
insgesamt. verfügen über ein Klappdeckelgehäuse
mit Griffpunkt.

• Der Bewohner möchte • Der Bewohner soll sich eine Blinden- • Der Bewohner kann
fernsehen bzw. Universalfernbedienung kaufen. Diese den Fernseher
"fernhören". Er ist enthält nur Knöpfe für an/aus, Lautstärke eigenständig
jedoch mit der und Kanalwahl. bedienen.
Handhabung von
Fernbedienungen mit
vielen Knöpfen
überfordert. Es kommt
immer wieder zu
Fehlbedienungen.

Sich als Mann oder Frau fühlen und verhalten

• Die Beziehung zum • Auf Wunsch stehen wir dem Bewohner • Der Bewohner
Partner leidet, da sich und ggf. auch seinem Lebenspartner für gewinnt sein
der blinde Bewohner ein Gespräch zur Verfügung. Selbstwertgefühl
minderwertig fühlt. • Ggf. werden die Angehörigen zurück und kann die
einbezogen. Beziehung zum
Lebenspartner
stabilisieren.

Für eine sichere Umgebung sorgen

• Der Bewohner droht zu • Der Bewohner soll sich nicht bücken, da • Verletzungen
Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 141

stürzen. dabei das Risiko einer Kopfverletzung werden vermieden.


recht hoch ist. Stattdessen sollte der
Bewohner in die Hocke gehen.
• Wenn der Bewohner geführt wird, geht
die Pflegekraft stets einen halben Schritt
voraus. Sie bietet dem Bewohner den
eigenen Arm als Stütze an. Der
Bewohner wird nicht beim Arm
genommen oder geschoben.
• Wir machen den Bewohner auf
Hindernisse aufmerksam wie etwa
Bodenunebenheiten, Absätze,
Richtungswechsel oder Schwingtüren.
• Treppenabsätze, Geländer und
Haltegriffe werden mit kontrastreichen
Farben versehen.
• Bevor sich der Bewohner auf einen Stuhl
setzt, geben wir ihm die Gelegenheit,
diesen abzutasten. Wir legen vor dem
Hinsetzen die Hand des Bewohners auf
die Stuhllehne oder auf die Sitzfläche,
damit er die Position erkennen kann.
• Die Pflegekraft achtet darauf, dass keine
Gegenstände auf dem Boden liegen
gelassen werden. Es besteht sonst
Stolpergefahr. Wichtig ist ein kurzer und
unverstellter Weg zum Badezimmer.
• Wir achten auf eine gute Beleuchtung.
• Bei einer Treppe wird der Bewohner auf
diese aufmerksam gemacht. Es sollte
dem Bewohner gesagt werden, ob es
hinauf oder hinab geht, an welcher Seite
sich das Treppengeländer befindet und
wann die letzte Stufe erreicht wurde.

• Es besteht die Gefahr, • Türen werden entweder ganz • Eine Kollision wird
dass der Bewohner mit geschlossen oder ganz geöffnet. Eine vermieden.
anderen Gegenständen nur halb geöffnete Tür wird häufig nicht
kollidiert. als Hindernis erkannt.
• Tische sollten möglichst leer gelassen
werden. Eine Vase etwa könnte beim
Anrempeln des Tisches umfallen.
• Zerbrechliche Gegenstände sollten nach
Möglichkeit nicht im Raum des
Bewohners vorhanden sein.
• Wir fordern den Bewohner dazu auf,
beim eigenständigen Gehen die Arme
leicht angewinkelt vorzustrecken. Diese
Haltung bietet Schutz bei den beiden
häufigsten Zwischenfällen: dem Stolpern
über einen Gegenstand am Boden sowie
bei der Kollision mit einem Gegenstand
oder mit einer Wand.

• Der Bewohner findet • Wir ermuntern den Bewohner, die • Der Bewohner ist in
sich in seinem Umgebung zu erkunden. Er kann sich der Lage, sich
Wohnbereich und z.B. zunächst immer entlang der Wand innerhalb seines
insbesondere nicht im bewegen. Lebensbereiches zu
restlichen • Gemeinsam mit dem Bewohner bewegen.
Gebäudekomplex des erarbeiten wir die wichtigsten Wege,
Pflegeheims zurecht. Er etwa zur Toilette oder in den Speisesaal.
Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 142

bleibt in seinem Zimmer • Wir kennzeichnen das Zimmer des


und isoliert sich. Bewohners, indem wir einen kleinen
markanten Gegenstand an den Türgriff
hängen.
• Der Bewohner wird niemals plötzlich
allein zurückgelassen, ohne ihm
mitzuteilen, wo er sich im Raum bzw. im
Gebäude befindet.
• Wenn Pflegekräfte den Bewohner
außerhalb des Wohnbereiches antreffen,
fragen sie diesen, ob er Hilfe braucht.

• Aufgrund der Blindheit • Beim Heimeinzug wird der Bewohner in • Der Bewohner findet
ist der Bewohner nicht in sein Zimmer begleitet. Die Pflegekraft wichtige
der Lage, Gegenstände erklärt dem Bewohner die Funktion und Gegenstände
in seinem Zimmer zu die Lage aller hier befindlichen wieder.
finden. Er sucht immer Gegenstände. Der Bewohner erhält
wieder nach wichtigen ausreichend Zeit, sich per Fühlen und
Gegenständen. Ertasten mit jedem Objekt vertraut zu
machen. Besonders wichtig ist es, den
Bewohner in die Rufanlage einzuweisen.
• Wir beschreiben auf Wunsch die Umwelt.
Dazu zählen insbesondere wichtige
Gegenstände und ihre Position im Raum.
Ggf. reichen wir dem Bewohner
verschiedene Gegenstände, damit er
diese ertasten kann.
• Wir ermuntern den Bewohner dazu, dass
er um Hilfe bittet, wenn er mit einer
Situation überfordert ist.
• Alle Erklärungen sollten möglichst
konkret und sachlich erfolgen, etwa: "Ihre
Brille liegt auf dem Tisch gleich rechts
neben Ihrer Pfeife und dem Tabak."
• Hinweise wie "hier", "da" oder "dort" sind
für Betroffene wertlos, da sie die
richtungsweisende Geste nicht sehen
können.
• Das persönliche Ordnungssystem des
Bewohners wird beachtet, auch wenn es
auf die Pflegekräfte konfus wirkt. Ohne
vorherige Absprache mit dem Bewohner
werden keine Veränderungen im Zimmer
vorgenommen. Dazu zählt das
Verrücken von Möbeln ebenso wie die
Änderung der Position von wichtigen
Gegenständen. Wenn Gegenstände
gereinigt werden müssen, werden sie
danach auf den alten Platz
zurückgestellt. Auf diese Vorgabe
machen wir insbesondere auch die
Reinigungskräfte aufmerksam.

• Der Bewohner ist • Wenn der Bewohner das Haus verlässt, • Der Bewohner
unsicher im statten wir ihn mit einem weißen bewegt sich sicher
Straßenverkehr. Blindenstock und mit der gelben im Straßenverkehr.
Armbinde mit drei schwarzen Punkten
aus.
• Wir prüfen, ob ein Blindenführhund
notwendig ist und beantragt werden
sollte.
Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 143

• Falls der Bewohner regelmäßig


bestimmte Ziele zu Fuß erreichen will,
begleiten wir ihn anfangs. Zusammen
erarbeiten wir sichere Routen zu den
wichtigsten Anlaufstationen (Hausarzt,
Freunde usw.).

• Der Bewohner möchte • Der Bewohner kann ein Großtasten- • Der Bewohner
einen Spaziergang Klapphandy mit Rufnummernansage gewinnt an
unternehmen. Er hat nutzen. Falls der Bewohner in eine Selbstvertrauen. Er
jedoch Angst, sich zu Notlage kommt, drückt er die SOS-Taste. kann sich ohne
verlaufen und dann Das Telefon wählt dann automatisch eine Angst außerhalb der
hilflos zu sein. oder mehrere vorher abgespeicherte Einrichtung
Telefonnummern. bewegen.

Soziale Bereiche des Lebens sichern

• Der Bewohner hat • Ein neuer, blinder Bewohner wird durch • Der Bewohner wird
Schwierigkeiten, mit die Einrichtung geführt und mit allen in das soziale
seinen Mitbewohnern in anderen Mitbewohnern bekannt Gefüge der
Kontakt zu kommen. gemacht. Diese erfahren von seiner Einrichtung
• Der Bewohner gilt als Sehbehinderung. integriert.
arrogant, weil er • Wir ermuntern den Bewohner, sich am
Mitbewohner im Freizeitprogramm der Einrichtung zu
Vorbeigehen nicht grüßt. beteiligen. Wir prüfen, welche Aktivitäten
Tatsächlich hat er diese trotz der Sehbehinderung für den
einfach nicht gesehen. Bewohner infrage kommen.
• Wir bitten die Mitbewohner und alle
weiteren Mitarbeiter, dass diese vom
Bewohner betastet werden können.
Durch das Abtasten des Gesichts kann
sich der blinde Bewohner ein Bild von
seinem Gegenüber machen.

• Die Augen des • Wir machen den Bewohner taktvoll auf • Soziale Kontakte
Bewohners sind sichtbar das optische Problem aufmerksam. Wir werden erleichtert.
geschädigt. Der empfehlen ihm ggf. die Nutzung einer
entstellte Anblick Augenprothese oder einer Klappe.
verunsichert andere
Menschen und schreckt
diese ab.

• Der Bewohner verfügt • Wir ermuntern den Bewohner, die ihm • Der Bewohner
über wenig Geld. Er zustehenden Unterstützungszahlungen verfügt über
kann die in Anspruch zu nehmen. Also ausreichende
Mehrausgaben, die ihm insbesondere Blindengeld. finanzielle Mittel.
wegen der Behinderung • Der Bewohner soll einen
entstehen, nicht Schwerbehindertenausweis beantragen.
bezahlen. • Der Bewohner soll Rabatte in Anspruch
nehmen, die Blinden gewährt werden,
etwa beim Rundfunkbeitrag,
Handyverträgen usw.

• Der Bewohner will • Der Bewohner soll sich einen • Der Bewohner kann
eigenständig einkaufen, elektronischen Banknotentester kaufen. eigenständig
hat jedoch Angst, dass In diesen wird der Schein eingeführt. Das einkaufen.
ihm Falschgeld Gerät zeigt anhand von mehrfachen
zurückgegeben wird. Vibrationsimpulsen an, wie hoch der
Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 144

• Der Bewohner ist nicht Wert des Scheines ist.


in der Lage,
Geldscheine korrekt
voneinander zu
unterscheiden. Er hat
Angst, dass ihm beim
Wechseln ein zu kleiner
Schein geben wird.

Mit existenziellen Erfahrungen des Lebens umgehen

• Der Bewohner verliert • Wir stehen dem Bewohner jederzeit für • Der Bewohner
aufgrund der ein Gespräch zur Verfügung. nimmt seine
fortschreitenden • Wir stellen auf Wunsch den Kontakt zu Situation an und ist
Sehstörungen den anderen Bewohnern mit ähnlichen zufrieden.
Lebensmut. Einschränkungen her. • Der Bewohner ist
• Der Bewohner hat • Wir bieten dem Bewohner seelischen bereit, sich von
Angst, sein Gesicht zu Beistand durch seine Kirchengemeinde anderen Menschen
verlieren, wenn er um an. helfen zu lassen.
fremde Hilfe bittet.
• Der Bewohner hat
Angst, anderen
Menschen zur Last zu
fallen, wenn er Hilfe
benötigt.
• Der Bewohner isoliert
sich mehr und mehr von
anderen Menschen.

• Der Bewohner will ein • Alle Personen, die an der Betreuung und • Das
möglichst normales an der Versorgung des Bewohners Selbstwertgefühl und
Leben führen. beteiligt sind, werden über die Blindheit die Autonomie des
• Er will nicht, dass ihm und über die daraus sich ergebenden Bewohners bleiben
Tätigkeiten Pflegeprobleme informiert. Dazu zählen erhalten.
abgenommen werden, auch externe Partner, das
die er eigentlich Reinigungspersonal usw.
selbstständig oder • Das Prinzip der aktivierenden Pflege gilt
zumindest auch für alle Mitarbeiter der
teilselbstständig Hauswirtschaft und der Reinigung.
ausführen kann. Tätigkeiten, die der Bewohner
• Er ist davon genervt, eigenständig durchführen kann und will,
dass ihn andere werden ihm nicht abgenommen.
Menschen nach seiner • Alle Mitarbeiter werden angewiesen,
Blindheit fragen. Mitleidsbeteuerungen zu unterlassen.
Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 145

Standardpflegeplan "Schwerhörigkeit / Gehörlosigkeit"

• Eine Schwerhörigkeit kann sowohl angeboren sein als auch erworben werden. Es gibt zwei Formen der
Schwerhörigkeit:
o Eine eingeschränkte Weiterleitung des Schalls innerhalb des Ohres löst eine
Schallleitungsschwerhörigkeit aus. Diese Störung kann etwa durch Zerumen (sog.
"Ohrenschmalz") oder durch eine Mittelohrentzündung ausgelöst werden.
o Wenn das Innenohr geschädigt ist, liegt eine Schallempfindungsschwerhörigkeit vor. Ursachen
dafür sind z.B. ein Hörsturz, ein Schalltrauma oder eine Menière-Krankheit.
• Ab dem ca. 55. Lebensjahr verschlechtert sich bei vielen Menschen die Hörleistung. Ursächlich dafür ist
die nachlassende Funktionsfähigkeit des Reizleitungssystems sowie der Hörzellen und der Hörnerven. Das
Ausmaß der Schwerhörigkeit schreitet dann langsam voran.
• Darüber hinaus gibt es angeborene Einschränkungen der Hörleistung bis hin zur Gehörlosigkeit. Auslöser
sind hier zumeist Gendefekte oder eine Infektion der Mutter während der Schwangerschaft.
• Das Ausmaß der Hörleistungseinschränkung ist individuell unterschiedlich:
o Bei einer geringfügigen Schwerhörigkeit kann der Bewohner das Ticken einer Armbanduhr nicht
wahrnehmen.
o Bewohner mit einer mittleren Schwerhörigkeit können nur noch dann mit einem anderen Menschen
kommunizieren, wenn dessen Gesicht für sie sichtbar ist.
o Bei einer hochgradigen Schwerhörigkeit kann der Betroffene seinen Gesprächspartner trotz
Blickkontakt nicht mehr verstehen.
o Bei einer Schwerhörigkeit an der Grenze zur Gehörlosigkeit können nur noch sehr laute
Geräusche wahrgenommen werden. Bei einer Gehörlosigkeit sind die Ohren nicht mehr fähig,
Geräusche wahrzunehmen.

Anmerkung:

• Standardpflegepläne geben für spezielle Pflegeprobleme die typischen pflegerischen Maßnahmen vor, so
etwa wie in diesem Beispiel für Schwerhörigkeit und Gehörlosigkeit. Standardpflegepläne umfassen
generelle und potenzielle Pflegeprobleme, Pflegemaßnahmen und Pflegeziele.
• Aus diesem Grund erleichtert ein Standardpflegeplan zwar die Pflegedokumentation, aber er ersetzt auf
keinen Fall eine individuelle auf den Bewohner / Patienten bezogene Pflegeplanung.
• Jede Pflegefachkraft ist gehalten, diese generellen Pflegeprobleme, Pflegemaßnahmen und Pflegeziele
auf Relevanz zu überprüfen und an die individuellen Einschränkungen und Ressourcen des jeweiligen
Bewohners / Patienten anzupassen. Wichtig ist auch beim Einsatz von Standardpflegeplänen, diese in
regelmäßigen Abständen zu überprüfen und ggf. zu überarbeiten, da sie immer auf dem aktuellen Stand
sein sollten.

Pflegeproblem Pflegemaßnahmen Pflegeziel


Kommunizieren

• Der Bewohner ist von • Wir setzen konsequent auf das • Die Pflegekraft versteht,
Geburt an hörbehindert System der Bezugspflege. Im Laufe was der Bewohner
oder gehörlos. Seine der Monate wird es der mitteilen möchte.
Sprache klingt monoton Bezugspflegekraft zunehmend
und ist für Pflegekräfte besser gelingen, den Bewohner zu
und Mitbewohner schwer verstehen.
zu verstehen. • Der Bewohner soll komplizierte
• Der Bewohner nutzt Begriffe aufschreiben.
vornehmlich • Wir kontaktieren die Angehörigen.
Gebärdensprache, um Diese können ggf. "übersetzen".
sich zu verständigen.

• Der Bewohner ist • Beim Sprechen sollte der Bewohner • Der Bewohner versteht,
gehörlos. Er hat aber die Mundbewegungen und das was die Pflegekraft
gelernt, vom Mund Gesicht des Sprechenden gut sehen mitteilen will.
abzulesen. können. Dazu kann es auch
notwendig sein, z.B. das Licht
Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 146

anzuschalten. Dieses gilt


insbesondere für die Nachtwache.
• Männliche Pflegekräfte beachten,
dass ausgeprägter Bartwuchs das
Ablesen vom Mund massiv
erschwert.
• Pflegekräfte sollten beim Sprechen
die Mundpartie nicht mit einer Hand
verdecken.
• Wir beachten, dass das Ablesen
vom Mund mental sehr anstrengend
ist. Daher sollte der Bewohner
regelmäßig eine Pause einlegen.
• Wir stellen sicher, dass der
Bewohner über eine gute Brille
verfügt und diese auch trägt. Die
Brille sollte regelmäßig gereinigt
werden.

• Der Bewohner kann • Vor einem Gespräch werden alle • Zwischen Bewohner
Gesprächen mit unnötigen Geräuschquellen und Pflegekraft
Pflegekräften und mit ausgeschaltet, wie etwa der entwickelt sich eine
anderen Personen Fernseher, das Radio usw. funktionierende
schwer folgen. • Die Pflegekraft macht auf sich Kommunikation.
aufmerksam, wenn sie dem
Bewohner etwas mitteilen möchte.
Sie könnte z.B. winken oder das
Licht kurz an- und ausschalten.
• Die Pflegekräfte sollten kurze, nicht
verschachtelte Sätze formulieren.
Ggf. werden wichtige Sätze
wiederholt. Wichtig: Es sollte stets
der gesamte Satz wiederholt werden
und nicht lediglich das letzte Wort.
• Wenn der Bewohner trotz
Wiederholung einen Satz nicht
versteht, sollte die Pflegekraft die
Satzstellung oder die Wortwahl
verändern.
• Nicht verstandene Worte kann die
Pflegekraft ggf. aufschreiben,
insbesondere Eigennamen,
Adressen usw.
• Der Einsatz von Fremdworten sollte
vermieden werden.
• Pflegekräfte sollten entweder
Hochdeutsch reden oder im gleichen
Dialekt wie der Bewohner.
• Es ist wichtig, langsam, mittellaut
und gut artikuliert zu sprechen. Mit
einem Kaugummi im Mund ist das
nicht möglich.
• Brüllen hat meistens keinen
positiven Effekt, sondern
verschlechtert sogar das Mundbild.
• Der Bewohner wird ermuntert, stets
nachzufragen, wenn er etwas nicht
versteht.
• Wir bitten den Bewohner, dass er
wichtige Aussagen noch einmal
wiederholt. Wir gehen damit sicher,
Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 147

dass wir ihn richtig verstanden


haben.
• Die Pflegekraft sollte keine
Gespräche über eine größere
räumliche Distanz führen, also etwa
von einer Ecke des Zimmers aus in
Richtung der gegenüberliegenden
Ecke. Eine kurze Sprechdistanz von
max. einem Meter ist ideal.
• Mimik und Gesten können dem
Bewohner das Verstehen
erleichtern.
• Wir setzen zudem je nach
Krankheitsbild und eventuell
vorhandenen demenziellen
Erkrankungen weitere Hilfsmittel ein:
o Bildtafeln und Wortkarten
o Tafel und Kreide
o Schreibblock und Stift
• Wichtige Informationen können gut
leserlich auf einem Notizzettel
vermerkt werden. Dieser wird dem
Bewohner ausgehändigt oder ggf.
auf seinen Beistelltisch geklebt.
• Viele komplizierte Sachverhalte
lassen sich durch eine Zeichnung
besser erklären.
• Komplexe Themen ermüden den
Bewohner. Es ist wichtig, für
ausreichende Pausen zu sorgen.
Die Erstellung der
Bewohnerbiografie etwa sollte auf
mehrere Sitzungen verteilt werden.
• Gerade in der Lernphase mit neuen
Hörgeräten kann sich die
Konzentrationsfähigkeit des
Bewohners rasch erschöpfen. Hören
und Verstehen braucht viel Kraft. Wir
erzwingen daher nie eine
Konversation.

• Der schwerhörige • Wir achten darauf, langsam und gut • Der Bewohner versteht
Bewohner leidet an verständlich zu sprechen. den Inhalt des
Demenz. Er hat • Wir achten auf die Mimik des Gesprächs.
Schwierigkeiten, Bewohners. Wenn dieser den Inhalt • Die gewonnenen
Gesprächsinhalte des letzten Satzes offenbar noch Informationen kann er in
gleichzeitig zu verstehen mental verarbeitet, machen wir eine seinem Gedächtnis
und deren Inhalte kurze Pause. abspeichern und später
abzuspeichern. Es • Abrupte Themenwechsel sind zu abrufen.
kommt zu vermeiden. Ggf. sollten
Gedächtnisstörungen. unterschiedliche Themen mit
Der Bewohner kann sich zeitlichem Abstand besprochen
schon wenige Minuten werden.
nach einem Gespräch an
den Inhalt nur noch
lückenhaft erinnern.

• Der Bewohner verfügt nur • Der Bewohner wird immer von der • Die verbleibenden
über ein einzelnes besser hörenden Seite Hörfähigkeiten werden
Hörgerät. angesprochen. Wir empfehlen für eine funktionierende
• Der Bewohner schaltet Mitbewohnern und Angehörigen,
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eines seiner beiden dieses ebenso zu handhaben. Kommunikation genutzt.


Hörgeräte ab, etwa um
die Batterien zu schonen.
• Die Hörbehinderung ist
auf einer Seite deutlich
stärker als auf der
anderen.

• Die Batterie des • Der Bewohner soll stets eine • Das Hörgerät des
Hörgerätes ist häufig leer. Ersatzbatterie vorrätig haben. Wenn Bewohners ist jederzeit
Die Kommunikation des diese eingesetzt wird, sollte sofort betriebsbereit.
Bewohners ist dann bis eine neue Ersatzbatterie beschafft
zur Beschaffung von werden.
Ersatz sehr • Wir machen die Angehörigen auf
eingeschränkt. das Problem aufmerksam.
• Der Wechsel der Batterien wird in
der Pflegedokumentation vermerkt.
Falls ein Defekt im Hörgerät den
Stromverbrauch erhöht, wird dieses
schneller erkannt.

• Der Bewohner hat die • Wir prüfen, welche Auswirkungen • Beeinträchtigungen der
Hörgeräte nur zeitweise das Abschalten auf das Leben des Hörfähigkeit aus
eingeschaltet, da er die Bewohners hat. Vor allem unruhige falscher Sparsamkeit
Batterien schonen will. Bewohner können vom Reduzieren werden vermieden.
• Der Bewohner schaltet akustischer Reize profitieren, etwa
das Hörgerät aus, um bei Verkehrslärm, einem
sich von der Umwelt schnarchenden Lebenspartner usw.
abzuschotten und seine • Wir verabreden, dass der Bewohner
Ruhe zu haben. das Hörgerät zumindest bei
wichtigen Anlässen wieder
anschaltet, etwa bei
Gemeinschaftsveranstaltungen oder
im Straßenverkehr.

• Der Bewohner möchte • Der Bewohner soll ein spezielles • Der Bewohner nutzt die
mit entfernt lebenden Telefon mit Hörverstärker und mit Möglichkeiten der
Personen optischem Signalgeber nutzen. Eine Telekommunikation, um
kommunizieren. Über ein Telefonzusatzklingel sendet bei seine sozialen Kontakte
herkömmliches Telefon einem eingehenden Anruf einen zu erhalten.
geht das aufgrund der extrem hellen Lichtblitz aus.
Höreinschränkungen • Bewohner, die die Gebärdensprache
nicht. beherrschen, können Skype,
• Der Bewohner hört das Facetime o.Ä. nutzen.
Klingeln des Telefons • Alternativ soll der Bewohner einen
nicht, wenn er angerufen Brief schreiben. Dieser kann bei Eile
wird. von uns per Fax versandt werden.

• Der Bewohner leidet • Wir stellen vor dem Sprechen sicher, • Auch beim Fortschreiten
unter Demenz. Diese dass wir die Aufmerksamkeit des einer Demenz können
verstärkt die Bewohners haben. Wir suchen wir mit dem Bewohner
Kommunikationsproblem daher Körperkontakt, etwa indem die kommunizieren.
e, die aus der Pflegekraft ihre Hand auf die
Gehörlosigkeit Schulter des Bewohners legt.
erwachsen. • Wir stellen immer nur eine Frage auf
einmal. Nach Möglichkeit sollten sich
die Fragen mit "ja" oder mit "nein"
beantworten lassen. Wir geben dem
Bewohner Zeit, eine Antwort zu
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formulieren.
• Wir reden langsam. Auch die
Nutzung der Gebärdensprache sollte
langsamer erfolgen.
• Bei demenziell erkrankten Senioren,
die von Geburt an gehörlos sind, ist
ggf. ein Rückfall in frühere
Kommunikationsformen zu
beobachten. Gleichzeitig verliert der
Bewohner die Fähigkeit, die
(offizielle) "Deutsche
Gebärdensprache" zu nutzen.
Stattdessen greift der Bewohner auf
Gebärden zurück, die er als Kind
nutzte. Hier ist es sinnvoll, die
Angehörigen zu kontaktieren, damit
diese uns die Gebärden erklären.

Sich bewegen

• Der Bewohner leidet als • Alle im Standard "Sturzprophylaxe" • Der Bewohner stürzt
Folge der Erkrankung beschriebenen Maßnahmen werden nicht. Die
des Innenohrs unter umgesetzt. gesundheitlichen Folgen
Gleichgewichtsstörungen. eines Sturzes werden
Deshalb ist die minimiert.
Sturzgefahr erhöht.

Vitale Funktionen des Lebens aufrechterhalten

• Der Bewohner hat in der • Wir achten auf die entsprechenden • Ein Hörsturz wird
Vergangenheit bereits Symptome wie etwa Hörverlust, zeitnah bemerkt und
einen Hörsturz erlitten. Schwindel, Drehgefühle oder angemessen therapiert.
Dieser kann jederzeit Ohrensausen. • Das Ausmaß der
erneut auftreten. • Wenn es hinreichende Anzeichen für Folgeschäden wird auf
einen Hörsturz gibt, wird der ein Minimum reduziert.
Bewohner umgehend einem HNO-
Arzt vorgestellt. Ein zeitnahes
Handeln ist entscheidend für den
Therapieverlauf.

• Der Bewohner hat einen • Der Bewohner sollte zunächst ggf. • Die ärztlich angeordnete
Hörsturz erlitten und Bettruhe halten. Wir sorgen für eine Therapie wird in unserer
kehrt nach ärztlicher ruhige Umgebung. Einrichtung fortgesetzt.
Behandlung wieder in • Wir halten Stress konsequent vom • Die Schäden am
unsere Einrichtung Bewohner fern. Hörvermögen werden
zurück. • Wir sorgen dafür, dass der minimiert.
Bewohner die ärztlich verordneten
Medikamente konsequent einnimmt.
Es handelt sich dabei zumeist um
gefäßerweiternde Wirkstoffe,
Antibiotika, Kortisonpräparate oder
Vitamine.

• Das Hörvermögen des • Wir sorgen dafür, dass die Ursache • Auslösende
Bewohners scheint sich für die Schwerhörigkeit fachärztlich Erkrankungen werden
rapide zu verschlechtern. geklärt wird. Dies gilt insbesondere zeitnah identifiziert und
Der Bewohner will aber dann, wenn die Hörstörungen therapiert.
keinen Arzt aufsuchen. unerwartet und plötzlich auftauchen. • Ein möglichst großes
• Wir kontaktieren die Angehörigen. Resthörvermögen wird
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Diese sollen entsprechend auf den bewahrt.


Bewohner einwirken.
• Wir drängen auf eine zeitnahe
Versorgung mit Hörgeräten, da jede
nicht genutzte Woche das
Kommunikationsvermögen
schwinden lässt.

• Der Bewohner leidet • Wir sorgen dafür, dass der • Der Bewohner hat keine
unter Ohrgeräuschen. Bewohner die ärztlich verordneten Ohrgeräusche mehr.
Medikamente konsequent einnimmt. • Die Auswirkungen der
• Alle weiteren angeordneten Ohrgeräusche auf die
Therapiemaßnahmen werden Lebensqualität des
konsequent durchgeführt, etwa Bewohners werden auf
Nutzung eines Hörgerätes, ein Minimum reduziert.
Akupunktur, Elektrostimulation usw.
• Wir raten dem Bewohner zu einem
ruhigeren Lebensstil. Er soll
Überlastungen vermeiden und
Stress etwa durch autogenes
Training abbauen.
• Wir prüfen, ob eine Psychotherapie
geeignet wäre, um die Symptomatik
zu lindern.
• Wir raten dem Bewohner dazu,
therapieresistente Ohrgeräusche als
Teil des Lebens anzunehmen.

• Die Hörfähigkeit des • Wir raten dem Bewohner dringend • Der


Bewohners ist aufgrund von eigenmächtigen Manipulationen Ohrschmalzpfropfen
eines am Ohr ab, da das empfindliche wird zeitnah und ohne
Ohrschmalzpfropfens Trommelfell und die Verletzungsgefahr
eingeschränkt. Gehörgangshaut verletzt werden entfernt.
• Der Bewohner versucht, können. Verletzungen an der • Das Hörvermögen
den Gehörgang mit Gehörgangshaut können starke verbessert sich wieder.
einem Wattestäbchen Blutungen auslösen und sind sehr
oder mit einer Stricknadel schmerzhaft. Letztlich können sich
selbst zu reinigen. Entzündungen und Furunkel bilden.
• Wir empfehlen dem Bewohner,
einen HNO-Arzt aufzusuchen, da
dieser eventuell vorhandene
Schäden am Trommelfell erkennen
kann.
• Wir machen den Bewohner darauf
aufmerksam, dass die Entfernung
des Ohrenschmalzes durch den
HNO-Arzt schmerzlos ist, da heute
verschiedene schonende
Behandlungsmethoden existieren,
wie etwa das Absaugen.

• Der Bewohner ist • Wir prüfen, ob die mentale • Durch eine gute
demenziell erkrankt. Er Konstitution des Bewohners im Hörgeräteanpassung
versteht die Tagesverlauf schwankt. Die wird ein Maximum an
Notwendigkeit einer Anpassung sollte zu einer Tageszeit Hörfähigkeit bewahrt.
Hörgeräteanpassung erfolgen, wenn der Bewohner über
nicht. Der Bewohner eine maximale Aufmerksamkeit
kooperiert nicht mit dem verfügt.
Hörgeräteakustiker. • Der Bewohner sollte von
Angehörigen zum
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Hörgeräteakustiker begleitet werden,


zu denen er ein enges Verhältnis
hat.

Essen und trinken

• Der Bewohner leidet • Wir raten dem Bewohner, das • Faktoren, die sich
unter eigene Konsumverhalten schädigend auf die
Stoffwechselkrankheiten, anzupassen. Hörleistung auswirken,
die den Verlust der • Die auslösende Grunderkrankung werden minimiert.
Hörleistung fördern. wird angemessen therapiert.
• Der Bewohner raucht
viel.

Ruhen und schlafen

• Der Bewohner hört den • Der Bewohner soll sich einen • Der Bewohner wird
Wecker nicht. Er Vibrationswecker kaufen. Dieser morgens zuverlässig
verschläft morgens. wird wie eine Uhr um das geweckt.
Handgelenk getragen.
• Alternativ kann der Bewohner eine
Vibrationsanlage an den Lattenrost
montieren lassen.

Sich beschäftigen

• Der Bewohner stellt den • Wir bitten den Bewohner um die • Das Umfeld des
Fernseher, das Radio Verwendung von Kopfhörern. Wir Bewohners wird vor
oder die Musikanlage so achten darauf, dass wir den Lärmbelästigung durch
laut ein, dass das Umfeld Bewohner nicht erschrecken, wenn den Fernseher
dadurch gestört wird. er Kopfhörer trägt. Ideal ist die geschützt.
Nutzung von Funkkopfhörern, da es
hier keine Kabel gibt, über die der
Bewohner stürzen könnte.
• Wir beschaffen ausschließlich
Fernseher, die Untertitel einblenden
können.
• Der Bewohner soll sich eine
Fernsehzeitung kaufen, die auf die
Untertitel einer Sendung hinweist.

• Der Bewohner nutzt • Wir stellen das Sound-Schema des • Das Umfeld des
einen Computer. Die Computers um. Alle Klänge bis auf Bewohners wird vor
Umwelt ist von den wichtige Warn- und Hinweistöne Lärmbelästigung durch
Klanggeräuschen gestört. werden abgeschaltet. den Computer
geschützt.

• Der Bewohner ist • Soweit der Bewohner über ein • Eine Deprivation wird
immobil. Durch den Resthörvermögen verfügt, nutzen vermieden.
Entzug von akustischen wir Musik. Die Pflegekraft singt dem
Umweltreizen kommt es Bewohner ein Lied vor. Sie sitzt
zur sensorischen nahe am Bewohner und klopft den
Deprivation. Takt des Liedes auf die Schulter
oder auf den Oberschenkel des
Bewohners.
• Alternativ spielen wir dem Bewohner
Musik mit dem Kopfhörer vor. Dabei
ist es wichtig, die Lautstärke
langsam zu steigern. Laute Musik
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kann den Bewohner erschrecken,


woraufhin er ggf. die weitere
Nutzung eines Kopfhörers ablehnt.
• Wir beachten, dass das
Resthörvermögen des Bewohners
schwanken kann, etwa weil die
auslösende Durchblutungsstörung
phasenweise zunimmt oder
nachlässt. Auch die Dauer der
Maßnahme sollte langsam von
anfangs fünf Minuten auf später
maximal 20 Minuten gesteigert
werden.
• Wir sorgen dafür, dass der Mangel
an akustischen Reizen ausgeglichen
wird. So hängen wir im Sichtbereich
des Bewohners bunte Poster auf
oder stellen Familienfotos, ein
Aquarium usw. auf.
• Bei der 10-Minuten-Aktivierung
nutzen wir z.B. Materialien, die den
Spürsinn anregen oder etwa Fotos
usw. Bei einer fortschreitenden
Demenz gewinnen orale und
olfaktorische Angebote an
Bedeutung, also etwa vertraute
Gerüche, wie Kaffeeduft oder ein
bekanntes Parfüm.
• Bei einem fortgeschrittenen inneren
Rückzug nutzen wir die Techniken
aus dem Bereich der basalen
Stimulation, also etwa Waschungen
und Einreibungen.

Für eine sichere Umgebung sorgen

• Der Bewohner ist • Wir lassen Knopfbatterien des • Der Bewohner


schwerhörig und Hörgerätes nicht offen liegen. Der verschluckt keine
sehbehindert. Bewohner könnte sie mit Tabletten Knopfbatterien.
verwechseln und verschlucken.

• Der Bewohner erschrickt • Die Pflegekraft betätigt kurz den • Der Bewohner
sich häufig, wenn er von Lichtschalter, wenn sie den Raum erschrickt sich nicht.
einer Pflegekraft betritt.
aufgesucht wird. • Wir nähern uns dem Bewohner stets
von vorne und nicht von hinten.

• Der Bewohner ist • Der Bewohner wird nachdrücklich • Der Bewohner bemerkt
Raucher. Er schläft mit über das Risiko belehrt. Er soll ein sich entwickelndes
der Zigarette im Bett oder weder im Bett noch im Sessel Feuer zeitnah.
im Sessel ein. Es besteht rauchen.
Brandgefahr. Der • Wir installieren einen Rauchmelder
Bewohner kann einen für Gehörgeschädigte. Im Brandfall
normalen Rauchmelder sendet dieser helle Lichtblitze aus.
nicht hören.

• Der Bewohner ist mit der • Wir leiten den Bewohner dazu an, • Der Bewohner verliert
Handhabung seines die Handhabung und die Reinigung die Angst vor der
Hörgerätes überfordert. des Hörgerätes eigenständig zu Nutzung eines
Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 153

• Der Bewohner hat Angst, leisten. Ist das nicht möglich, wird Hörgerätes.
mit dem teuren Gerät zu diese Aufgabe teilweise oder
hantieren. Er befürchtet, vollständig von uns übernommen.
dieses fallen zu lassen Die Details sind im Standard "Pflege
oder es durch fehlerhafte eines Hörgerätes" beschrieben.
Nutzung zu beschädigen.

Soziale Bereiche des Lebens sichern

• Der Bewohner ist nicht in • Wir ermuntern den Bewohner dazu, • Der Bewohner bleibt im
der Lage, Gesprächen sich aktiv am gesellschaftlichen sozialen Leben der
mit anderen Bewohnern Leben der Einrichtung zu beteiligen. Einrichtung integriert.
zu folgen. Die sozialen Ideal dabei sind Gesellschaftsspiele,
Kontakte reduzieren sich. die nicht auf verbaler
• Der Bewohner neigt zum Kommunikation basieren. Etwa:
Misstrauen. Er hat Angst, Brettspiele, Kartenspiele usw.
dass andere unbemerkt • Bei Beschäftigungsangeboten
über ihn reden. achten wir darauf, dass sich
• Das Lachen von anderen Hörbehinderte daran beteiligen
Menschen bezieht er auf können. Also etwa Bastelarbeiten,
sich und glaubt, Bewegungsspiele,
ausgelacht zu werden. hauswirtschaftliche Tätigkeiten.
• Wir schreiten ein, wenn
Mitbewohner einen Schwerhörigen
als geistig behindert ausgrenzen
oder über ihn lachen.
• Ein guter Kontakt zu den
Angehörigen ist wichtig, da diese bei
fortgeschrittener Schwerhörigkeit
oftmals noch am besten mit ihm
kommunizieren können.
• Wenn sich zwei Pflegekräfte in
Gegenwart des Bewohners über
diesen unterhalten, so wird der
Bewohner in das Gespräch
einbezogen. Alles andere würde
Misstrauen auslösen oder fördern.

• Der Bewohner ist • Betroffene suchen oftmals • Das persönliche


schwerhörig und Körperkontakt zu Bezugspersonen. Verhältnis zwischen
demenziell schwer Pflegekräfte sollten auf diese Pflegekraft und
erkrankt. "Ersatz-Kommunikation" eingehen. Bewohner bleibt
erhalten.

Mit existenziellen Erfahrungen des Lebens umgehen

• Der Bewohner akzeptiert • Wenn spürbar wird, dass der • Der Bewohner
ein Hörgerät nicht. Bewohner unter seiner akzeptiert die
• Der Bewohner ist Schwerhörigkeit leidet, bietet Einschränkungen, die
verbittert über den insbesondere die Bezugspflegekraft Schwerhörigkeit und
fortschreitenden Verfall stets ein Gespräch an. Gehörlosigkeit mit sich
seiner Hörfähigkeiten. • Wir erklären dem Bewohner, dass bringen.
• Der Bewohner versucht, moderne Hörgeräte das Leben
seine Schwerhörigkeit zu deutlich erleichtern. Viele Probleme,
verbergen. die bei Geräten in den 70er- und
80er-Jahren auftraten, sind gelöst
oder zumindest deutlich gemildert.
Dazu zählt etwa das laute Piepsen
als Folge einer Rückkopplung.
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• Der Bewohner fühlt sich • Wir fördern den Kontakt zu anderen • Eine Isolation wird
isoliert. Gehörlosen, insbesondere wenn vermieden.
diese ebenfalls die
Gebärdensprache verstehen.
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Standardpflegeplan "Alkoholsucht"
Der Weg vom Alkoholmissbrauch zur Alkoholkrankheit verläuft gewöhnlich in drei Schritten:

• Prodromalphase: Der Bewohner trinkt vermehrt heimlich Alkohol. In Gesprächen wird dieses Thema
vermieden. Wird der Bewohner direkt auf das Problem angesprochen, so leugnet dieser den Konsum oder
sucht Rechtfertigungen für den Alkoholgenuss.
• Kritische Phase: Der Alkoholkonsum ist gestiegen. Häufig nimmt der Bewohner bereits morgens Alkohol zu
sich, etwa um die Entzugserscheinungen wie innere Unruhe, Tremor und Schwitzen zu kontrollieren.
Zudem sind die ersten Persönlichkeitsveränderungen zu bemerken. Der Bewohner ist aggressiver,
misstrauisch, krankhaft eifersüchtig und zeigt übermäßiges Selbstmitleid.
• Chronische Phase: Der Alkoholmissbrauch wird zum zentralen Lebensinhalt. Der Bewohner ist immer
häufiger völlig betrunken. Er nähert sich dem psychischen und körperlichen Zusammenbruch.

Eine Alkoholkrankheit ist an folgenden Symptomen zu erkennen:

• Der Bewohner verspürt einen starken Zwang, Alkohol zu konsumieren.


• Der Bewohner kann weder den Beginn noch das Ende des Alkoholkonsums steuern, noch kann er die
Menge des konsumierten Alkohols bestimmen.
• Im Laufe der Zeit verträgt der Bewohner eine stetig steigende Menge an Alkohol. Die Dosis wird daher
ständig erhöht.
• Andere Interessen, Bedürfnisse und Verpflichtungen rücken immer weiter in den Hintergrund.
• Der Bewohner zeigt zunehmend Vergiftungserscheinungen.
• Selbst wenn körperliche Folgeschäden sichtbar werden, schränkt der Bewohner den Alkoholkonsum nicht
ein.
• Der Bewohner zeigt bei Abstinenz körperliche Entzugserscheinungen, etwa Schweißausbrüche,
ausgeprägte Unruhe, Tremor und Angstzustände. Der Bewohner ist desorientiert und
wahrnehmungsgestört oder leidet unter Halluzinationen.

Bei der Dokumentation der Alkoholabhängigkeit nutzen wir die Typologie nach Jellinek

• Alpha-Alkoholismus: Der "Konflikttrinker" nutzt den Alkohol, um Konflikte etwa mit Angehörigen,
Mitbewohnern oder Pflegekräften zu betäuben.
• Beta-Alkoholismus: Der "Gelegenheits- bzw. Verführungstrinker" trinkt nicht regelmäßig, dann aber
maßlos. Anlässe sind etwa Geburtstagsfeiern, Sylvesterfeiern, Sommerfeste usw.
• Gamma-Alkoholismus: Ein "süchtiger Trinker" unterliegt psychischer, später auch physischer Abhängigkeit.
Es besteht ausgeprägter Kontrollverlust. Eine zeitweilige Abstinenz ist möglich aber selten. Zudem
entwickelt dieser Typus eine wachsende Toleranz und erhöht stetig die Alkoholdosis.
• Delta-Alkoholismus: Ein "Gewohnheitstrinker" oder "Spiegeltrinker" trinkt regelmäßig viel Alkohol, ohne
dabei jedoch die Kontrolle zu verlieren. Ein "Gewohnheitstrinker" ist nicht in der Lage, völlig auf den
Alkohol zu verzichten.
• Epsilon-Alkoholismus: Ein "Quartalsäufer" ist zu mehrmonatigen Abstinenzphasen in der Lage, trinkt dann
jedoch exzessiv, oft über mehrere Tage. Dieses bringt ihn häufig bis an die Grenze der körperlichen
Belastbarkeit.

Wichtig zu wissen ist:

• 10 Prozent aller psychischen Alterserkrankungen sind auf Alkoholmissbrauch zurückzuführen.


• Rund 20 Prozent der älteren Männer und 2 Prozent der älteren Frauen nehmen exzessiv Alkohol zu sich.
• Alkoholmissbrauch liegt vor, wenn Frauen mehr als 20 Gramm Alkohol pro Tag zu sich nehmen (Männer
40 Gramm).
• Wenn sich Bewohner ernsthaft dazu entschließen, eine Alkoholabhängigkeit zu überwinden, haben sie
gute Erfolgschancen (ca. 70 Prozent).
• Das Gehirn eines alten Menschen reagiert viel empfindlicher auf Alkohol als das eines jüngeren.

Anmerkung:

• Standardpflegepläne geben für spezielle Pflegeprobleme die typischen pflegerischen Maßnahmen vor, so
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etwa wie in diesem Beispiel für Alkoholsucht. Standardpflegepläne umfassen generelle und potentielle
Pflegeprobleme, Pflegemaßnahmen und Pflegeziele.
• Aus diesem Grund erleichtert ein Standardpflegeplan zwar die Pflegedokumentation, aber er ersetzt auf
keinen Fall eine individuelle auf den Bewohner / Patienten bezogene Pflegeplanung.
• Jede Pflegefachkraft ist gehalten, diese generellen Pflegeprobleme, Pflegemaßnahmen und Pflegeziele
auf Relevanz zu überprüfen und auf die individuellen Einschränkungen und Ressourcen des jeweiligen
Bewohners / Patienten anzupassen. Wichtig ist auch beim Einsatz von Standardpflegeplänen, diese in
regelmäßigen Abständen zu überprüfen und ggf. zu überarbeiten, da sie immer auf dem aktuellen Stand
sein sollten.

Pflegeproblem Pflegemaßnahmen Pflegeziel


Kommunizieren

• Der Bewohner konfabuliert • Die Häufigkeit und die zentralen • Der Bewohner kann
als Folge eines Inhalte der Konfabulation werden möglichst normal
Korsakowsyndroms. erfasst und dokumentiert. kommunizieren.
• Der Bewohner wird einfühlsam
darauf hingewiesen, wenn er
konfabuliert. Er soll erkennen, dass
seine Phantastereien vom
Gesprächspartner als solche
erkannt werden.
• Wenn der Bewohner im Gespräch
abschweift, wird er einfühlsam
wieder zum Thema zurückgeführt.
• Dem Bewohner wird verdeutlicht,
dass er sich für seine
Gedächtnislücken nicht schämen
muss und dass es besser ist, offen
über die Defizite zu reden.
• Wenn wir bemerken, dass den
Bewohner ein innerer Konflikt quält,
bieten wir ihm an, offen über dieses
Thema zu sprechen.

Sich bewegen

• Der Bewohner ist nicht • Wir versuchen zu verhindern, dass • Der Bewohner ist
gewillt, sich körperlich zu sich der Bewohner in sein Bett körperlich aktiv.
bewegen. zurückzieht. Dieses hemmt jedes
soziale Leben.
• Wir versuchen, den Bewohner für
unsere Gymnastikgruppe zu
gewinnen.
• Alkoholabhängige Bewohner sollten
mindestens einmal täglich einen
Spaziergang an der frischen Luft
unternehmen. Wenn sich der
Bewohner dazu nicht aufraffen
möchte, so könnte ihn ein
Zivildienstleistender, eine
Auszubildende oder eine
Praktikantin begleiten.
• Sofern der Bewohner über
entsprechende Fähigkeiten verfügt,
ermuntern wir ihn, diese in die
Gemeinschaft einzubringen; etwa:
dekorieren, gärtnern, Klavier spielen
usw.
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Vitale Funktionen des Lebens aufrechterhalten

• Das Immunsystem des • Der Bewohner wird -falls möglich- • Die Immunabwehr wird
Bewohners ist geschwächt regelmäßig gegen die Grippe gefördert.
als Folge des geimpft. Infektionen werden
Alkoholmissbrauches. • Gebrauchsgegenstände (etwa vermieden.
Steckbecken oder Mundpflegesets)
werden ggf. täglich gewechselt.
• Wir beraten den Bewohner und
seine Angehörigen insbesondere zu
Fragen der
Ansteckungsvermeidung. Der
Bewohner sollte insbesondere den
Kontakt mit erkrankten
Mitbewohnern meiden.
• Alle Pflegekräfte, die das Zimmer
eines Bewohners betreten, führen
vor und nach dem Besuch eine
hygienische Händedesinfektion
durch.
• Die Versorgung von offenen
Wunden muss besonders sorgfältig
erfolgen. Bei Zu- und Ableitungen
ist strikt auf Asepsis zu achten.
• Der Bewohner sollte sich eiweiß-,
vitamin- und kalorienreich ernähren.
Ein normaler BMI wird angestrebt.

• Der Bewohner entwickelt • Der Bewohner erhält kaliumreiche • Die Anämie bildet sich
eine Anämie. Kost mit reichlich Obst. wieder zurück.
• Der Bewohner erhält ggf. • Krankheitsfolgen
regelmäßig Vitamin B12, werden minimiert.
Folsäurepräparate sowie
Eisenpräparate. Deren Einnahme
wird sorgfältig überwacht.

• Der Alkoholmissbrauch • Falls es zu einem Diabetes mellitus • Körperliche Schäden


hat die kommt, werden die Maßnahmen werden vermieden.
Bauchspeicheldrüse umgesetzt, die im
geschädigt. "Standardpflegeplan Diabetes
mellitus" beschrieben sind.

• Der Bewohner leidet unter • Der "Standardpflegeplan • Der Kreislauf des


einer irreversiblen Herzinsuffizienz" wird umgesetzt. Bewohners wird
Herzinsuffizienz als Folge stabilisiert.
des jahrelangen
Alkoholmissbrauchs.

• Der Bewohner leidet als • Wir versuchen den Bewohner zu • Die Halluzinationen
Folge eines beruhigen. lassen nach oder
Korsakowsyndroms unter • Wir versuchen durch gezielte stellen zumindest keine
Wahnvorstellungen und Fragen und Themen den Bewohner Gefährdung für den
Halluzinationen. von seiner Halluzination abzulenken Bewohner und sein
und wieder mit der Realität in Umfeld dar.
Kontakt zu bringen.
• Wir testen, ob sich der Bewohner
mit kreativen Spielen oder
hauswirtschaftlichen bzw.
handwerklichen Tätigkeiten
Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 158

ablenken lässt.
• Die Pflegekraft erkennt die Realität
des Bewohners an, bleibt aber
selbst bei der eigenen Wirklichkeit.
Etwa: "Ich glaube Ihnen, dass Ihnen
der Mann im Schrank Angst macht,
aber ich selbst kann ihn nicht
sehen."
• Die Pflegekraft unterlässt es, in der
Sinnestäuschung des Bewohners
"mitzuspielen", also etwa den Mann
im Schrank zu verjagen. In diesem
Fall kann sich die Halluzination zu
einem Wahn verfestigen.
• Wir sorgen für eine angemessene
medikamentöse Versorgung.

• Der Bewohner leidet unter • Wir beachten, dass die • Die Entwicklung von
Polyneuropathie als Folge Dekubitusgefährdung gesteigert ist. Druckgeschwüren als
eines jahrelangen Die im entsprechenden Folge einer
Alkoholmissbrauches. Prophylaxestandard beschriebenen Polyneuropathie wird
Maßnahmen werden konsequent vermieden.
umgesetzt.

• Der Bewohner verzichtet • Die Vitalwerte des Bewohners • Die Vitalfunktionen des
auf Alkohol. Er leidet unter werden engmaschig überwacht. Bei Bewohners bleiben
Puls- und potentiell bedrohlichen Spitzen wird intakt.
Blutdruckschwankungen der Arzt/Notarzt informiert.
als Folge des Entzuges.

Sich pflegen

• Der Bewohner leidet unter • Wir verdeutlichen dem Bewohner, • Der Bewohner stellt
den typischen dass sich diese Symptomatik unter dem Eindruck der
Hautschäden, die von verschlimmern wird, wenn er den Hautschäden den
anhaltendem Alkoholgenuss nicht einstellt. Alkoholgenuss ein.
Alkoholmissbrauch • Der Bewohner wird einem Hautarzt • Die Hautschäden
ausgelöst werden. Etwa: vorgestellt. Die angeordnete werden angemessen
Facies alkoholica, Therapie wird gewissenhaft behandelt, bilden sich
Palmarerythem (rote umgesetzt. zurück oder schreiten
Handinnenflächen) oder zumindest nicht weiter
Spider naevi fort.
(Spinnenhaut).
• Der Alkoholmissbrauch
führt zu einem Verlust der
Körperbehaarung.
• Der Alkohol verschlimmert
bereits existierende
Hautkrankheiten wie etwa
Akne, Psoriasis usw.

• Der Bewohner • Bei Männern regen wir eine tägliche • Der Bewohner ist
vernachlässigt seine Rasur und die Nutzung von körperlich gepflegt.
Körperpflege. Rasierwasser an.
• Wenn der Bewohner nach Schweiß
oder Urin riecht, wird ihm dieses
nicht offen gesagt. Hilfreicher ist es,
gemeinsam mit dem Bewohner eine
Körperwäsche vorzunehmen.
Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 159

• Wir können den Bewohner nicht


dazu zwingen, ein gewisses Maß an
Körperhygiene zu wahren.
Gleichzeitig jedoch darf das nicht
dazu führen, dass die Pflegekräfte
die Verwahrlosung irgendwann
hinnehmen. Der Bewohner muss
permanent angeleitet und
aufgefordert werden.
• Wenn der Bewohner beginnt, sich
äußerlich zu pflegen, so wird er
dafür nachdrücklich gelobt.
Ggf. kann ein Friseurbesuch nicht
nur die Frisur, sondern auch das
Selbstbild deutlich verbessern.

Essen und trinken

• Der Bewohner trinkt zuviel • Der Bewohner sollte seine • Der Bewohner wird
Alkohol und vernachlässigt Mahlzeiten im Speisesaal ausreichend mit
darüber die einnehmen und nicht auf seinem Nahrung versorgt.
Nahrungszufuhr. Er Zimmer.
verliert an Körpergewicht. • Wenn der Bewohner unter
Appetitlosigkeit leidet, bieten wir ihm
verstärkt Wunschkost an.
• Wenn der Bewohner über einen
längeren Zeitraum die Nahrung
verweigert, setzen wir den Standard
"Nahrungsverweigerung" um.
• Wir ermitteln regelmäßig den BMI
des Bewohners.

• Der Bewohner • Wir achten darauf, dass der • Der Bewohner


vernachlässigt die Bewohner regelmäßig Nahrung zu unterzuckert nicht.
Ernährung. Er fällt dann in sich nimmt. • Wenn eine
eine Unterzuckerung. Es • Wenn relevante Symptome Unterzuckerung eintritt,
besteht Lebensgefahr. erkennbar sind, werden der wird diese zeitnah
Blutzuckergehalt ermittelt und die erkannt und
sich daraus ergebenden angemessen
Maßnahmen eingeleitet. Typische behandelt.
Anzeichen sind: Kontrollverluste des
Körpers, Unruhe,
Konzentrationsstörung,
Schweißausbrüche, Frieren usw.

• Der Bewohner ist bereit, • Wir achten darauf, dass der • Der Bewohner kommt
auf Alkohol zu verzichten. Bewohner in keinem Fall ungewollt nicht ungewollt mit
Er ist allerdings in seiner mit Alkohol in Kontakt kommt. Alkohol in Kontakt.
Abstinenz noch nicht • Der Bewohner erhält keine
gefestigt. alkoholhaltigen Lebensmittel, etwa
Weincreme, Biersuppe oder mit
Wein verfeinerte Soßen.
• Wir achten darauf, dass die
verabreichten Medikamente keinen
Alkohol enthalten. Dieses ist
insbesondere bei homöopathischen
Arzneien der Fall.
• In Absprache mit dem Betreuer und
dem Bewohner, erhält der
Betroffene kein Bargeld und wird bei
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Einkäufen von einem Mitarbeiter


begleitet.

• Der Bewohner leidet unter • Wir bieten Bewohnern grundsätzlich • Die


einem Flüssigkeitsdefizit, vor und nach jeder Mahlzeit etwas Flüssigkeitsversorgung
da er nicht ausreichend zu trinken an. ist sichergestellt.
trinkt. • Wir stellen sicher, dass sich die
angebotenen Getränke stets in
Griffweite des Bewohners befinden.
Sehbehinderten Bewohnern wird die
Position des Getränkes gezeigt.
• Dem Bewohner werden stets nur
solche Getränke angeboten, die er
akzeptiert. Ggf. fragt die Pflegekraft
nach, ob ihm das Getränk nicht
schmeckt und ob er ggf. ein
anderes Getränk bevorzugt.
• Wir achten darauf, ob Bewohner die
angebotenen Getränke heimlich
entsorgen (etwa in den Blumentopf
oder eine Vase).
• Bewohnern, die nicht mehr in der
Lage sind selbstständig zu trinken,
bieten wir Getränke vor und nach
jeder pflegerischen Maßnahme an.

Sich kleiden

• Der Bewohner zeigt kein • Wir stellen sicher, dass der • Der Bewohner ist
Interesse an seiner Bewohner seine Kleidung angemessen bekleidet.
Kleidung. regelmäßig wechselt.
• Wir animieren den Bewohner, seine
Kleidung eigenständig
auszuwählen.
• Wir ermutigen Bewohnerinnen, ggf.
auch Schmuck und Parfüm zu
tragen.

Ruhen und schlafen

• Der Bewohner verzichtet • Wir sorgen für einen entspannten • Es gelingt dem
freiwillig auf Alkohol. Er Verlauf des Abends und vermeiden Bewohner, abends
leidet unter es, den Bewohner aufzuregen. auch ohne Alkohol
Schlafstörungen als Folge • Wir empfehlen dem Bewohner einzuschlafen.
des Entzuges. Entspannungsübungen
durchzuführen.
• Feste Einschlafrituale (Nachrichten
sehen, Schlummertrunk, Zigarillo,
warmes Fußbad usw.) können
Einschlafprobleme abbauen.
• Den Einsatz von Schlafmitteln
(Hypnotika) versuchen wir zu
vermeiden. Stattdessen prüfen wir,
ob warme Milch, pflanzliche
Wirkstoffe oder Tees als Alternative
genutzt werden können. Häufig sind
auch atemstimulierende
Einreibungen hilfreich.
• Ggf. kann ein Dämmerlicht
Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 161

eingeschaltet werden.

Sich beschäftigen

• Der Bewohner ist als • Wir entwickeln einfache • Der Bewohner verfügt
Folge eines Handlungsketten, die der Bewohner über einen
Korsakowsyndroms nicht täglich und immer gleich abarbeiten strukturierten
in der Lage, seinen kann. Dieses etwa beim Ankleiden Tagesablauf.
Tagesablauf sinnvoll zu oder bei der Körperpflege. Wichtig
strukturieren. ist, dass von diesen Prozeduren
nicht abgewichen wird.
• Die Komplexität dieser
Handlungsketten wird stetig den
Fähigkeiten des Bewohners
angepasst. Bei einer
Verschlechterung seines mentalen
Zustandes werden die Prozeduren
vereinfacht und die Unterstützung
durch die Pflegekraft intensiviert.
• Eine Überforderung des Bewohners
ist zu vermeiden. Korsakow-
Patienten reagieren auf
Überforderung nicht selten mit
kompletter Verweigerung jeder
Kooperation.

Sich als Mann oder Frau fühlen und verhalten

• Der Alkoholmissbrauch • Wir verdeutlichen dem Bewohner, • Der Bewohner stellt


führt zur Impotenz. dass sich diese Symptomatik unter dem Eindruck der
• Der Körper des verschlimmern wird, wenn er den Impotenz den
(männlichen) Bewohners Alkoholgenuss nicht einstellt. Alkoholgenuss ein.
verweiblicht. Insbesondere • Der Bewohner wird einem Facharzt • Der Bewohner ist
bilden sich Brüste aus. vorgestellt. Die angeordnete wieder potent und
Therapie wird gewissenhaft gewinnt sein
umgesetzt. Selbstwertgefühl
zurück.

Für eine sichere Umgebung sorgen

• Der Bewohner zeigt • Bei invasiven und intimen • Aggressionen werden


aggressives Verhalten. Pflegehandlungen gehen wir abgebaut.
besonders einfühlsam mit dem • Eine Gefährdung der
Bewohner um, da dieser mit Umwelt wird
Aggressionen reagieren könnte. vermieden.
• Potentiell gewalttätige Bewohner
werden ausschließlich durch
männliche Pflegekräfte betreut.
Weibliche Pflegekräfte sollten nicht
allein das Zimmer betreten.

• Der Bewohner trinkt große • Alle im Standard Sturzprophylaxe • Der Bewohner stürzt
Mengen Alkohol und ist beschriebenen Maßnahmen werden nicht.
als Folge des Rausches umgesetzt. • Die Folgen eines
sturzgefährdet. Sturzes werden
minimiert.

Soziale Bereiche des Lebens sichern


Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 162

• Der Bewohner ist sozial • Wir versuchen, den Bewohner in • Die soziale Isolation
isoliert. der sozialen Gemeinschaft der wird überwunden.
Einrichtung stärker zu verankern.
Wir regen etwa die Teilnahme an
der Gymnastikgruppe oder der
Spielegruppe an.
• Wir informieren die
Familienangehörigen über das
Krankheitsbild und legen ihnen die
notwendigen Verhaltensgrundsätze
nahe.
• Wir vermitteln Familienangehörigen
den Kontakt zu Selbsthilfegruppen.
• Wenn es Streit mit
Familienangehörigen gibt,
versuchen wir, den Dialog zwischen
beiden Seiten wieder in Gang zu
bringen.

Mit existentiellen Erfahrungen des Lebens umgehen

• Der Bewohner sieht • Wir setzen konsequent auf das • Der Bewohner fasst
Pflegekräfte als Gegner System der Bezugspflege. Vertrauen zu den
an, die ihm den Alkohol • Wir bemühen uns stets um ein Pflegekräften.
entziehen wollen. Vertrauensverhältnis zum
Bewohner.
• Wir reden mit dem Bewohner offen
über Gefühle, Konflikte und
Täuschungsversuche.
• Wir vermeiden Schuldzuweisungen.

• Die Suizidgefahr ist • Wir nehmen uns Zeit, um mit dem • Ein Suizid wird
erhöht. Bewohner zu reden. Wir vermieden.
thematisieren insbesondere, was
ihn zu diesem Plan bewegt hat.
Angesprochen werden auch seine
Gedanken zum Thema Leben,
Sterben und Tod.
• Wir befragen den Bewohner ggf. zu
seinen Selbsttötungsplänen: Also
etwa, ob er den Entschluss bereits
gefasst hat, welche Methode er
wählen will usw.
• Wir bitten den Bewohner um das
Versprechen, uns vor einem
unmittelbar bevorstehenden Suizid
anzusprechen.
• Das Verhalten des Bewohners wird
in den nächsten Tagen
engmaschiger überwacht.
• Wir regen den Bewohner an,
verstärkt die Freizeitangebote
unserer Einrichtung zu nutzen,
insbesondere die Musik-,
Bewegungs- und Bastelstunden.
• Wir regen den Bewohner an,
seelsorgerische Unterstützung
durch seine Kirchengemeinde zu
erbitten.
• Wir vermitteln auf Wunsch den
Kontakt zu Selbsthilfegruppen und
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Beratungsstellen.
• Kontakt mit Haustieren kann die
Stimmungslage des Bewohners
verbessern. Falls die Einrichtung
über keine eigene Katze oder einen
Hund verfügt, können Pflegekräfte
ggf. ihre eigenen Tiere mit zur
Arbeit bringen.
• Potentiell gefährliche Gegenstände
werden aus dem Bewohnerzimmer
entfernt. Etwa Rasierklingen,
Medikamente, Geräte mit langen
Kabeln usw.
• Die Einnahme von Medikamenten
wird überwacht. Ein Horten und
Sammeln der Wirkstoffe muss
verhindert werden.

(Alle weiteren Maßnahmen sind zu finden im


Standard "Depressive Störungen und
Suizidprävention")

• Der Bewohner hatte nach • Wir stehen dem Bewohner jederzeit • Der Bewohner
längerer Abstinenz einen für ein Gespräch zur Verfügung. akzeptiert den Rückfall
Rückfall. Er macht sich • Wir verdeutlichen dem Bewohner, als Teil seiner
Vorwürfe. dass es sinnvoll ist, sich der Sucht Suchterkrankung. Er
erneut zu stellen und eine weitere verarbeitet das
lange Abstinenzphase anzustreben. Vorkommnis.
• Dem Bewohner wird erklärt, dass es
im Laufe der Therapie immer wieder
zu Rückschlägen kommen wird.
• Wir animieren den Bewohner, für
sich selbst einen Bericht zu
schreiben. Er soll die Ursachen für
den Rückfall ergründen und diese
schriftlich festhalten.

• Der Bewohner ist • Wir erklären dem Bewohner, dass • Der Bewohner erkennt
alkoholabhängig. Er glaubt der Versuch eines "kontrollierten" die Notwendigkeit einer
aber, das Problem im Griff Trinkens scheitern muss. Eine Alkoholabstinenz.
zu haben. Er gibt an, nur Suchtkrankheit wie Alkoholismus
wenig Alkohol zu sich zu kann nur durch vollständigen
nehmen. Verzicht überwunden werden.
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Standardpflegeplan "Leberzirrhose"

• Die Leberzirrhose ist eine chronische Erkrankung der Leber, in deren Verlauf das Organ vernarbt. Das für
die Entgiftungsfunktionen wichtige Lebergewebe wird mehr und mehr in faseriges Bindegewebe
umgewandelt, das keine Entgiftungsfunktion hat.
Wichtigster Auslöser einer solchen Leberschädigung ist mit 50 bis 60 Prozent aller Fälle der
Alkoholmissbrauch. Beim Abbau des Alkohols entstehen Stoffe, die schädigend auf Leberzellen einwirken.
Überdies regt der hohe Energiegehalt des Alkohols die Leber zur Bildung von Fettgewebe an, das die
Leistungsfähigkeit des Organs zusätzlich mindert.
• Mit einem Anteil von 25 bis 30 Prozent ist eine chronische Virushepatitis der zweite wichtige Auslöser einer
Leberzirrhose. Eine Virushepatitis wird vor allem durch die Hepatitisviren A bis E verursacht.
Der degenerative Prozess verläuft schleichend oft über Jahrzehnte und wird zumeist erst spät entdeckt.
Typische Symptome sind Abgeschlagenheit, Gewichtsverlust, Schmerzen im Oberbauch und die
Tastbarkeit der Leber als harte Masse unter dem Rippenbogen.
• Der Altersgipfel für die Erkrankung liegt zwischen 50 und 60 Jahre. 70 Prozent der Betroffenen sind
Männer.
• Unter der Bezeichnung "hepatische Enzephalopathie" werden verschiedene neurologische und
psychiatrische Auffälligkeiten zusammengefasst, die auf den Ausfall der Leberfunktion zurückzuführen
sind.

Anmerkung:

• Standardpflegepläne geben für spezielle Pflegeprobleme die typischen pflegerischen Maßnahmen vor, so
etwa wie in diesem Beispiel für Leberzirrhose. Standardpflegepläne umfassen generelle und potenzielle
Pflegeprobleme, Pflegemaßnahmen und Pflegeziele.
• Aus diesem Grund erleichtert ein Standardpflegeplan zwar die Pflegedokumentation, aber er ersetzt auf
keinen Fall eine individuelle auf den Bewohner / Patienten bezogene Pflegeplanung.
• Jede Pflegefachkraft ist gehalten, diese generellen Pflegeprobleme, Pflegemaßnahmen und Pflegeziele
auf Relevanz zu überprüfen und an die individuellen Einschränkungen und Ressourcen des jeweiligen
Bewohners / Patienten anzupassen. Wichtig ist auch beim Einsatz von Standardpflegeplänen, diese in
regelmäßigen Abständen zu überprüfen und ggf. zu überarbeiten, da sie immer auf dem aktuellen Stand
sein sollten.

Pflegeproblem Pflegemaßnahmen Pflegeziel


Kommunizieren

• Aufgrund des schlechten • Der Bewohner wird - wann • Komplikationen werden


Allgemeinzustands ist die immer möglich - aus dem vermieden.
Mobilität des Bewohners Pflegebett mobilisiert. So sollte
eingeschränkt. Es drohen z.B. die Körperpflege vor dem
Komplikationen wie Waschbecken erfolgen.
Kontrakturen und Dekubitus. • Wir intensivieren die
Kontrakturenprophylaxe. Wir
führen insbesondere
mehrmals täglich
Bewegungsübungen durch.
Diese erfolgen nach
Möglichkeit aktiv, ggf. auch
passiv.
• Wir ermitteln die individuelle
Dekubitusgefährdung. Der
Bewohner wird regelmäßig
umgelagert. Der Hautzustand
wird täglich erfasst.

Vitale Funktionen des Lebens aufrechterhalten

• Als Folge der Leberzirrhose • Der Bewohner wird in das • Die Luftnot wird
Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 165

kommt es gehäuft zu Pflegebett transferiert. Er soll überwunden.


Lungenfunktionsstörungen. sich dort hinlegen.
Der Bewohner leidet unter • Ggf. erhält er Sauerstoff.
Luftnot. Die
Sauerstoffsättigung des Blutes
ist gering.

• Der Bewohner ist multimorbid. • Die Medikamentierung wird • Jede unnötige Belastung
Er nimmt viele Medikamente auf ein Minimum reduziert. Wo der Leber wird
ein, die die Leber belasten. immer möglich, werden vermieden.
medikamentöse Therapien
durch nicht-medikamentöse
Maßnahmen ersetzt.
• Vor allem die Einnahme von
Beruhigungsmitteln ist kritisch
zu sehen, da sie die
Symptome einer hepatischen
Enzephalopathie überdecken.

• Der Bewohner nimmt • Wir raten dem Bewohner • Die Einnahme von
eigenmächtig frei verkäufliche dringend von nicht Medikamenten wird auf
Medikamente ein, abgestimmten ein Mindestmaß
insbesondere Paracetamol bei Medikamenteneinnahmen ab. verringert.
Kopfschmerzen. • Nach Absprache mit dem
• Der Bewohner lässt sich von Bewohner werden die
mehreren Ärzten beteiligten Ärzte über die
Medikamente verschreiben. Problematik informiert.

• Der Bewohner leidet unter • Wir stellen sicher, dass der • Durch eine kontrollierte
Ödemen und Aszites. Bewohner die Medikamente Wasserausschwemmung
• Die Aszites verursacht eine zur Ausschwemmung bilden sich Ödeme und
eingeschränkte und nur regelmäßig einnimmt. die Aszites wieder
oberflächliche Atmung. • Bettruhe sowie eine Reduktion zurück.
des Kochsalz- und des • Komplikationen werden
Flüssigkeitskonsums fördern vermieden.
die Ödemausschwemmung.
• Das Gewicht des Bewohners
wird täglich gemessen. Ideal
ist eine Gewichtsreduktion von
300 bis 500 Gramm täglich.
Wenn zusätzliche periphere
Ödeme vorliegen, ist ein
Gewichtsverlust von 1000
Gramm pro Tag sinnvoll.
• Wir intensivieren die
Maßnahmen im Rahmen der
Pneumonieprophylaxe.

• Der Verfall der • Wir erklären dem Bewohner • Der Bewohner


Leberfunktionen ist so die Problematik. Wir raten ihm konsumiert keinen
gravierend, dass eine mit aller Deutlichkeit dazu, Alkohol mehr. Er wird für
Lebertransplantation erfolgen jeden Alkoholkonsum ab sofort eine
muss. Der Bewohner ist und dauerhaft einzustellen. Lebertransplantation
jedoch alkoholsüchtig und wird zugelassen.
nicht auf die Warteliste
aufgenommen.

• Der Allgemeinzustand des • Der Bewohner achtet strikt auf • Eine Infektion wird
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Bewohners ist schlecht. Er ist die persönliche Hygiene. vermieden.


anfällig für Infektionen. Insbesondere wäscht und
desinfiziert er sich bei Bedarf
die Hände.
• Der Bewohner sollte den
Kontakt mit anderen
Menschen meiden, wenn
diese erkältet sind oder unter
einer anderen leicht
übertragbaren
Infektionskrankheit leiden.
Dieses ist insbesondere bei
Kindern oftmals der Fall. Auch
der körperliche Kontakt mit
Haustieren ist ggf. riskant.

• Der Allgemeinzustand des • Der Zustand des Bewohners • Eine plötzliche


Bewohners ist schlecht. Es wird engmaschig überwacht. Verschlechterung wird
kann jederzeit zu einer Krise Wir erfassen Blutdruck, Puls, zeitnah erkannt.
kommen. Temperatur und Atmung. Wir
inspizieren den Hautzustand
und messen den
Bauchumfang sowie das
Körpergewicht. Ggf. erfolgt
eine Flüssigkeitsbilanzierung.

• Aufgrund der Leberzirrhose • Wir achten auf die typischen • Eine hepatische
droht eine hepatische Symptome wie Enzephalopathie wird
Enzephalopathie, also eine Verlangsamung, Schläfrigkeit, zeitnah erkannt.
Hirnschädigung. Konzentrationsstörungen,
verwaschene Sprache oder
Handtremor. Ggf. kann es
auch zu
Verwirrtheitszuständen
kommen.
• Ggf. rufen wir den Notarzt.

• Der Bewohner hat durch eine • Wir achten auf die Symptome • Eine
Transplantation eine neue einer Transplantatabstoßung, Transplantatabstoßung
Leber erhalten. Es besteht das also: Fieber, Abgeschlagenheit wird zeitnah erkannt.
Risiko einer Abstoßung. sowie Bauchschmerzen.
• Wir stellen sicher, dass der
Bewohner die verschriebenen
Medikamente zur
Immunsuppression
konsequent einnimmt.

Sich pflegen

• Der Bewohner leidet unter • Der Bewohner wird einem • Der Juckreiz wird
Cholestase als auslösende Facharzt vorgestellt. Wir bitten reduziert. Die
Grunderkrankung. Er wird von um eine angemessene Lebensqualität des
starkem Juckreiz gequält. Die Medikation. Zusätzlich dazu ist Bewohners bleibt
Haut des Bewohners ist ggf. eine Bedarfsmedikation gewahrt.
aufgekratzt und entzündet. für plötzlich auftretenden sehr
starken Juckreiz sinnvoll.
• Die Haut des Bewohners wird
nach dem Duschen mit
rückfettenden Cremes
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eingerieben.
• Der Bewohner soll Kleidung
aus Baumwolle tragen, die
nicht zu eng anliegt.

• Die Haut des Bewohners ist • Der Bewohner erhält eine • Der Hautzustand wird
atrophisch, also ausgedünnt sorgfältige Hautpflege; verbessert.
und ausgetrocknet. insbesondere mit ureahaltigen
Produkten. Wir nutzen keine
Tenside.
• Der Bewohner soll seine Haut
konsequent vor
Sonneneinstrahlung schützen.
• Der Bewohner soll das
Rauchen einstellen.

Essen und trinken

• Der Bewohner verspürt als • Wir stellen sicher, dass der • Ein zu starker
Folge der Leberzirrhose bzw. Bewohner ausreichend Gewichtsverlust wird
der Therapie kein Nahrung konsumiert. Ggf. vermieden.
ausreichendes Hungergefühl erhält der Bewohner
mehr. Er nimmt zu wenig kalorienreiche Spezialnahrung.
Kalorien zu sich. • Das Gewicht des Bewohners
wird regelmäßig in kurzen
Abständen erfasst.

• Der Bewohner leidet unter • Der Bewohner erhält eine • Eine


Ösophagusvarizen. Es kann möglichst weiche Kost. Ösophagusvarizenblutun
zu einer Blutung kommen. • Der Bewohner soll gründlich g wird vermieden.
kauen.
• Harte Nahrung und grobe
Nahrungspartikel sind zu
vermeiden, also etwa
Knäckebrot, Nüsse,
Brotrinden, Radieschen usw.
• Wenn es relevante Anzeichen
einer Blutung gibt, wird der
Notarzt informiert. Beispiel:
Schwarzfärbung des Stuhls.

• Die Speicherkapazitäten für • Längere Nüchternzeiten sind • Der Stoffwechsel des


Nährstoffe sind aufgrund der zu vermeiden. Sinnvoller sind Bewohners bleibt im
Leberzirrhose verringert. Der viele kleine, über den Tag Normbereich.
Bewohner kommt schnell in verteilte Mahlzeiten.
einen Hungerstoffwechsel. • Mit einer Spätmahlzeit kann
eine Hypoglykämie in der
Nacht vermieden werden.

• Der Bewohner leidet unter • Der Bewohner erhält eine • Der Salzkonsum wird
Ödemen und Aszites. Er muss salzreduzierte Kostform. reduziert.
den Salzkonsum reduzieren. • Zusätzlich zum Speisesalz
sollten auch salzreiche
Lebensmittel vermieden
werden.

• Aufgrund der Leberzirrhose • Der Bewohner erhält eine • Eine Mangelversorgung


Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 168

weist der Bewohner einen vitamin- und mineralstoffreiche mit Vitaminen wird
Vitamin- und Kost. vermieden.
Mineralstoffmangel auf. Vor • Falls der Mangel dadurch nicht
allem fettlösliche Vitamine beseitigt wird, ist eine
können nicht mehr in der Supplementation mit
Leber gespeichert werden. Vitaminpräparaten erforderlich.

Ausscheiden

• Der Bewohner leidet unter • Wir sorgen für eine • Durch eine effektive
äußeren Hämorrhoiden. Die fachärztliche Untersuchung. medikamentöse
Ausscheidung ist schmerzvoll. Die vom Arzt angeordneten Behandlung bilden sich
Maßnahmen werden präzise die Hämorrhoiden
umgesetzt. Im Rahmen der zurück.
Lokaltherapie ist die
Anwendung von Salben,
Cremes und Suppositorien
("Zäpfchen") üblich.

• Der Bewohner leidet unter • Die Maßnahmen im Rahmen • Wir erreichen einen
Obstipation. der Obstipationsprophylaxe weichen Stuhlgang und
werden intensiviert. Der eine schnelle
Bewohner erhält eine Darmentleerung. Der
ballaststoffreiche Nahrung. Er Bewohner muss nicht
soll viel Flüssigkeit zu sich pressen.
nehmen.
• Ggf. erhält der Bewohner ein
geeignetes Medikament.

Sich als Mann oder Frau fühlen und verhalten

• Beim Bewohner kommt es zu • Der Bewohner soll sich • Der Bewohner bewahrt
Potenzstörungen und zum fachärztlich beraten lassen. sich die Identität als
Libidoverlust. Es bildet sich • Wir stehen dem Bewohner Mann.
eine Brust (Gynäkomastie). jederzeit für ein Gespräch zur
Der Bewohner leidet unter Verfügung.
"Schrumpfhoden" • Wir raten dem Bewohner, mit
(Hodenatrophie). Die dem Lebenspartner offen über
männliche die Probleme zu sprechen.
Sekundärbehaarung geht
zurück ("Bauchglatze").

Für eine sichere Umgebung sorgen

• Als Folge der Leberzirrhose • Der Bewohner sollte alle • Der Bewohner stürzt
kommt es zu einer Tätigkeiten vermeiden, die mit nicht. Verletzungen
Gerinnungsstörung. einem erhöhten werden vermieden.
• Der Bewohner zeigt Verletzungsrisiko verbunden
Gangunsicherheiten. sind. Dazu zählt etwa der
Sturzverletzungen würden nur Umgang mit scharfen
langsam verheilen. Küchenutensilien oder
Werkzeugen.
• Die Maßnahmen im Rahmen
der Sturzprophylaxe werden
intensiviert. Insbesondere
erhält der Bewohner
Mobilitätshilfen wie einen
Gehwagen.
• Die Haut und die
Schleimhäute werden
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regelmäßig auf Anzeichen


einer Einblutung überwacht.
Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 170

Standardpflegeplan "chronische Niereninsuffizienz"

• Bei einer Niereninsuffizienz ist der Körper nicht mehr in der Lage, Stoffwechselprodukte auszuscheiden,
Urin zu konzentrieren und die Elektrolyte im Körper zurückzuhalten. Dieser Zustand kann entweder akut
oder chronisch auftreten.
• Ein chronischer Krankheitsverlauf führt zu einem vielfältigen Symptombild. Der Betroffene ist müde und
kraftlos. Er leidet ggf. unter Anurie, Krämpfen oder gastrointestinalen Blutungen. Es kann auch zur
Unterernährung und zu verschiedenen Neuropathien kommen. Oft ist die Haut des Betroffenen gelb-
bräunlich verfärbt. Unbehandelt versterben Erkrankte zumeist an den zahlreichen Komplikationen wie etwa
einer Herzinsuffizienz.

Anmerkung:

• Standardpflegepläne geben für spezielle Pflegeprobleme die typischen pflegerischen Maßnahmen vor, so
etwa wie in diesem Beispiel für chronische Niereninsuffizienz . Standardpflegepläne umfassen generelle
und potentielle Pflegeprobleme, Pflegemaßnahmen und Pflegeziele.
• Aus diesem Grund erleichtert ein Standardpflegeplan zwar die Pflegedokumentation, aber er ersetzt auf
keinen Fall eine individuelle auf den Bewohner / Patienten bezogene Pflegeplanung.
• Jede Pflegefachkraft ist gehalten, diese generellen Pflegeprobleme, Pflegemaßnahmen und Pflegeziele auf
Relevanz zu überprüfen und auf die individuellen Einschränkungen und Ressourcen des jeweiligen
Bewohners / Patienten anzupassen. Wichtig ist auch beim Einsatz von Standardpflegeplänen, diese in
regelmäßigen Abständen zu überprüfen und ggf. zu überarbeiten, da sie immer auf dem aktuellen Stand
sein sollten.

Pflegeproblem Pflegemaßnahmen Pflegeziel


Vitale Funktionen des Lebens aufrechterhalten

• Trotz medikamentöser • Wir regen an, dass frühzeitig ein Shunt • Wir bereiten den
Therapie sinkt die angelegt wird. Bewohner auf die
Leistung der Nieren • Der Bewohner sollte schon im Vorfeld Anlage eines Shunts vor.
stetig ab. Es ist ein Venentraining durchführen, um das
absehbar, dass eine Venensystem des Armes aufzuweiten
Dialysebehandlung und es auf die Anlage des Shunts
erforderlich sein wird. vorzubereiten.

• Beim Bewohner wurde • Der Arm wird in den ersten Tagen • Probleme nach der
vor kurzer Zeit ein erhöht gelagert, um die Bildung eines Anlage des Shunts
Shunt angelegt. Ödems zu vermeiden. werden frühzeitig
• Der Bewohner soll sich körperlich erkannt.
schonen.
• Die Shuntgeräusche werden
engmaschig (auch durch den Verband
hindurch) abgehört.
• Die Vitaldaten des Bewohners werden
überprüft, insbesondere der Blutdruck.
• Der Verband wird auf Blutungen
überprüft. Wenn diese auftreten, wird
ggf. über den Verband ein
Kompressionsverband gelegt und
sofort der behandelnde Arzt informiert.

• Der Bewohner verfügt • Der Zustand des Shunts wird • Der Shunt wird geschont
über ein angelegtes engmaschig überwacht. Wir achten und bleibt über Jahre
Shuntgefäß. Dieses insbesondere auf Rötungen und funktionsfähig.
reagiert empfindlich Schwellungen.
auf Verletzungen. • Wir nehmen keine Blutabnahmen oder
Blutdruckmessungen am betroffenen
Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 171

Arm vor.
• Wir achten darauf, dass Verbände am
betroffenen Arm die Gefäße nicht
abschnüren.
• Der Bewohner sollte keine am Arm
abschnürende Kleidung tragen.

• Dem Bewohner wird • Die Blutentnahmen werden bevorzugt • Gefäße, die für die
regelmäßig Blut am Handrücken vorgenommen. spätere Anlage eines
entnommen. Dadurch Shunts benötigt werden,
werden die Venen des werden geschont.
Unterarmes und der
Ellenbeuge soweit
geschädigt, dass ihre
Eignung für die
spätere Anlage eines
Shunts abnimmt.

• Der Bewohner leidet • Wir sensibilisieren den Bewohner für • Die Hypertonie wird
unter Hypertonie. die typischen Risikofaktoren und angemessen behandelt.
suchen gemeinsam nach
Lösungsstrategien:
o zu reichhaltige insbesondere
salzhaltige Ernährung
o Übergewicht
o übermäßiger Alkoholkonsum
o Stress
o Bewegungsmangel
o Rauchen

• Der Bewohner leidet • Wir stellen sicher, dass die • Die renale Anämie wird
unter einer renalen verschriebenen Medikamente gelindert.
Anämie konsequent eingenommen werden.
(Oft erhält der Bewohner Erythropoetin,
also ein Hormon, das normalerweise in
der Niere gebildet wird und die
Produktion der Blutkörperchen im
Knochenmark anregt.)

• Durch die • Wir regen an, dass alle sechs Monate • Eine MRSA-Infektion
regelmäßigen ein Nasenabstrich vorgenommen wird. wird frühzeitig erkannt.
Dialysebehandlungen Der Bewohner wird
steigt die Gefahr, dass zeitnah saniert.
der Bewohner mit
MRSA infiziert wird.

• Das Gewicht des • Der Bewohner wird immer mit der • Wir schaffen die
Bewohners muss an gleichen Waage gewogen. Das Rahmenbedingungen,
den dialysefreien Wiegen erfolgt immer morgens mit um die Vergleichbarkeit
Tagen präzise erfasst Unterhose nach dem ersten der Daten zu
werden. Toilettengang vor dem Frühstück. gewährleisten.

Sich pflegen

• Der Bewohner klagt • Wir intensivieren die Maßnahmen zur • Der Hautzustand des
über Juckreiz. Hautpflege. Bewohners normalisiert
• Die Haut ist bräunlich- • Der Shuntarm wird jeden Tag mit einer sich.
Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 172

gelb. unparfümierten Hautcreme • Der Juckreiz geht


• Die Haut ist trocken eingerieben. Die Einstichstellen zurück.
und schuppt. werden dabei ausgelassen.
• Wir empfehlen dem Bewohner, die
Zimmertemperatur etwas
herabzusenken und auf das Tragen
von zu warmer Kleidung zu verzichten.
• Der Bewohner wird gebadet. Wir
nutzen ölhaltige Präparate, um den
Juckreiz zu reduzieren. Nach dem
Baden wird der Bewohner nur
ansatzweise abgetrocknet. Es sollte
möglichst ein flächendeckender Ölfilm
auf der Haut verbleiben.
• Wir prüfen, ob kurze kühlende
Duschbäder das Leiden lindern.
Hierbei wird der Bewohner nur minimal
abgetrocknet, um die kühlende
Wirkung der verbleibenden
Feuchtigkeit zu nutzen.

Essen und trinken

• Der Bewohner nimmt • Die Eiweißzufuhr wird auf höchstens • Die verbleibende
zu viel Eiweiß zu sich. 1,5 g pro kg Körpergewicht reduziert. Restfunktion der Nieren
Dieses beeinträchtigt wird so lange wie
die Nierenrestfunktion. möglich erhalten.

• Der Bewohner • Der Bewohner erhält eine salzarme • Die Nieren werden
konsumiert salzhaltige Kost. geschont.
Speisen. Dieses • Die Speisen des Bewohners werden
fördert den bevorzugt mit Gewürzen und Kräutern
Bluthochdruck. geschmacklich optimiert statt mit Salz.
• Das aufgenommene Der Salzkonsum sollte auf 3,5 bis 6
Salz steigert das Gramm pro Tag beschränkt werden.
Durstgefühl. Der
Bewohner trinkt dann
zu viel Flüssigkeit.
Dieses führt zu
Ödemen.

• Der Bewohner nimmt • Der Bewohner soll auf kaliumreiche • Der Bewohner nimmt
zu viel Kalium zu sich. Nahrungsmittel verzichten, also weniger Kalium zu sich.
Dieses belastet die insbesondere auf Bananen, Aprikosen,
Nieren. Tomaten oder Schokolade.
• Der Konsum von getrockneten Speisen
wie etwa Trockenobst, Datteln,
Nüssen, Feigen oder Rosinen wird
reduziert.
• Wir nutzen kein natriumarmes Diätsalz
("Kochsalzersatz"), da dieses viel
Kalium enthält.
• Durch eine entsprechende Zubereitung
wird der Kaliumanteil der Lebensmittel
reduziert. So können Kartoffeln
kleingeschnitten und gewässert
werden. Das Wasser wird dann
gewechselt und die Kartoffeln gekocht.
Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 173

• Der Bewohner nimmt • Der Bewohner soll den Konsum von • Die Aufnahme von
zu viel Phosphat zu Phosphat reduzieren. Insbesondere Phosphat wird reduziert.
sich. Dieses schädigt raten wir von dem übermäßigen
die Nierenfunktion. Genuss von Nüssen, Milchprodukten,
Vollkornprodukten, Fleisch und
Fertigprodukten ab.
• Der Bewohner sollte keine Cola
trinken.
• Ggf. erhält der Bewohner
Phosphatbinder. Diese werden
zusammen mit dem Essen
eingenommen.
• Der Phosphatkonsum sollte auf 800 mg
pro Tag beschränkt werden.

• Bedingt durch die Diät • Wir prüfen, welche Früchte- und • Der Bewohner wird
nimmt der Bewohner Gemüsesorten sowohl den ausreichend mit
zu wenig Vitamine zu Diätvorgaben entsprechen als auch Vitaminen versorgt.
sich. eine angemessene Vitaminversorgung
• Durch die Dialyse ermöglichen.
verliert der Körper des • Der Bewohner erhält Vitaminpräparate,
Bewohners viele um die Defizite zu kompensieren.
Vitamine,
insbesondere
wasserlösliche
Vitamine (C- und B-
Komplex) sowie
Folsäure.

• Der Bewohner • Wir stellen sicher, dass alle • Die Vorgaben der
unterliegt einer Flüssigkeitsquellen erfasst werden. Wir Flüssigkeitsbegrenzung
Flüssigkeitseinschränk beachten, dass auch Lebensmittel ggf. werden beachtet.
ung. Er darf nur so viel viel Wasser enthalten wie etwa • Der Körper und
Flüssigkeit zu sich Früchte, gekochtes Gemüse, Suppen, insbesondere Haut und
nehmen wie er am Tag Süßspeisen oder Nudeln. Schleimhäute werden
zuvor ausgeschieden • Wenn die Außentemperaturen sehr vor Austrocknung
hat zuzüglich 500 ml hoch sind und der Bewohner viel geschützt.
bis 1000 ml. schwitzt, kann die
Flüssigkeitsaufnahme nach
Rücksprache mit dem Arzt ggf. erhöht
werden.
• Wir stellen sicher, dass der Bewohner
die vorgegebenen Flüssigkeitsmengen
auch tatsächlich zu sich nimmt.

• Als Folge der • Der Bewohner soll den Genuss von • Die Lebensqualität wird
Trinkmengenbeschrän sehr süßen oder sehr salzigen Speisen durch die
kung leidet der vermeiden. Trinkmengenbeschränku
Bewohner unter • Wir nutzen Mundspray oder putzen mit ng so wenig wie möglich
ständigem Durstgefühl. dem Bewohner die Zähne, um den beeinträchtigt.
Mundraum anzufeuchten.
• Der Bewohner erhält saure
Lebensmittel, also etwa entsprechende
Bonbons, Kaugummi ohne Zucker oder
Zitronensaft. Wir achten darauf, dass
die Produkte nicht zu viel Kalium
enthalten.
• Wir reichen dem Bewohner Getränke in
kleinen Getränkegläsern. Wir fordern
den Bewohner auf, langsam zu trinken.
Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 174

• Wir sorgen für eine ausreichende


Luftfeuchtigkeit im Wohnraum des
Bewohners.
• Bei Diabetikern achten wir auf die
Blutzuckereinstellung, da ein
gesteigerter Blutzuckerspiegel das
Durstgefühl intensivieren kann.
• Wir stellen Eiswürfel aus Fruchtsäften
her. Wir geben dem Bewohner diese
zum Lutschen.
• Wir geben dem Bewohner eine
Kleinigkeit zu Essen, die ausführlich
gekaut werden muss; also etwa eine
Scheibe Brot. Dadurch wird der
Speichelfluss angeregt.

• Der Bewohner erhält • Wir prüfen, ob der Bewohner die • Der Flüssigkeitskonsum
Medikamente, die mit Medikamente gemeinsam mit den wird durch die
Flüssigkeit Hauptmahlzeiten einnehmen kann, Arzneimittelapplikation
eingenommen werden. wenn er ohnehin ein Getränk zu sich nicht unnötig gesteigert.
nimmt.

• Der Bewohner verliert • Wir stellen sicher, dass der Bewohner • Das Körpergewicht des
durch die Dialyse viele ausreichend mit Eiweiß versorgt wird. Bewohners wird
Nährstoffe. Sein Der Wert liegt bei mindestens 1,2 g stabilisiert.
Körpergewicht sinkt. Eiweiß pro kg Körpergewicht.
• Durch die • Wir stellen sicher, dass die
verschlechterte Kalorienzufuhr einen Wert von 35 kcal
Ernährungssituation pro kg Körpergewicht nicht
steigt die unterschreitet.
Empfindlichkeit des • Ideal ist ein ausgewogener Mix aus
Bewohners für tierischen und pflanzlichen Eiweißen.
Infektionskrankheiten.

Ausscheiden

• Der Bewohner leidet • Der Genitalbereich wird stets sauber • Harnwegsinfektionen


gehäuft unter gehalten. Wir nutzen dafür pH-neutrale werden vermieden oder
Harnwegsinfektionen, Seife. Auch nach jedem Stuhlgang zumindest frühzeitig
da er keine sollte eine solche Waschung erkannt.
Urinausscheidung durchgeführt werden.
mehr hat, die bislang • Wir achten auf Anzeichen, die für eine
die Keime aus dem sich entwickelnde Infektion sprechen;
Körper spülte. also insbesondere Schmerzen sowie
Fieber.

• Der Bewohner leidet • Wir prüfen, ob der Bewohner milde • Eine Obstipation wird
an Obstipation, da er Laxanzien erhalten sollte; also etwa vermieden.
viele ballaststoffreiche Milchzucker.
Lebensmittel nicht • Wir applizieren glyzerinhaltige
konsumieren kann. Suppositorien.
Der begrenzte
Flüssigkeitskonsum
intensiviert die
Beschwerden
zusätzlich.

Sich beschäftigen
Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 175

• Der Bewohner muss • Wir passen den Tagesablauf des • Durch eine
sich regelmäßig einer Bewohners so an, dass dieser angemessene
Dialysebehandlung rechtzeitig den Termin wahrnehmen Organisation wird das
unterziehen. kann. Wir fordern den Bewohner vor Leben mit der Dialyse für
dem Termin auf, eine Toilette den Bewohner
aufzusuchen und insbesondere den erträglicher.
Darm zu entleeren.
• Nach der Rückkehr von der Dialyse
sorgen wir für eine ausführliche
Erholungspause, da die Therapie sehr
anstrengend ist. Der Blutdruck und der
Bewusstseinszustand werden in den
ersten Stunden engmaschig
überwacht.

Mit existentiellen Erfahrungen des Lebens umgehen

• Der Bewohner • Wir verdeutlichen dem Bewohner die • Der Bewohner erkennt,
verweigert die Risiken seines Verhaltens. Wir bleiben dass er durch
Zusammenarbeit. Er dabei aber immer freundlich und angemessenes
lässt Dialysen machen ihm keine Vorwürfe. Verhalten entscheidend
ausfallen und befolgt • Wir binden die Angehörigen und zu seiner eigenen
die Freunde in unsere Bemühungen ein. Gesunderhaltung
Ernährungsvorschrifte Diese sollten entsprechend auf den beitragen kann.
n nicht. Bewohner einwirken.
• Der Bewohner raucht.
• Der Bewohner
konsumiert Alkohol.

• Der Bewohner leidet • Ggf. sollte der Bewohner Kontakt mit • Eine sich entwickelnde
sichtlich unter seiner Selbsthilfegruppen aufnehmen. Depression wird
Lebenssituation. Er ist • Wir prüfen, ob hinter dem Verhalten rechtzeitig erkannt und
der Ansicht, dass sein eine Suizidabsicht steht. In diesem Fall wirksam therapiert.
Leben keinen Sinn werden die im entsprechenden
mehr mache. Standard definierten Maßnahmen
umgesetzt.
Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 176

Standardpflegeplan Diabetes mellitus


Die Zuckerkrankheit ist die häufigste endokrine Störung. Es liegt eine Glukose-Stoffwechselstörung vor. Das
gemeinsame Kennzeichen aller Typen ist ein absoluter oder relativer Mangel an Insulin. Die
Weltgesundheitsorganisation unterscheidet verschiedene Typen. Die wichtigsten sind:

Typ I:

• Der insulinabhängige Diabetes mellitus: Es handelt sich überwiegend um schlanke Kinder und Jugendliche
oder jüngere Erwachsene mit unzureichender Insulineigenproduktion oder absolutem Insulinmangel, so
dass in jedem Fall Insulin zugeführt werden muss.
• Ursachen:
o Ein Zusammenspiel von Erbfaktoren, Virusinfekt (Mumps / Masern) und einer
Autoimmunerkrankung wird angenommen. Die Ursachen sind bisher noch nicht abschließend
geklärt.
• Behandlung:
o Insulininjektionen und diabetesgerechte Ernährung

Typ II:

• Der insulinunabhängige Diabetes mellitus: Diese Form tritt überwiegend bei Erwachsenen und besonders
bei älteren Menschen auf - häufig, aber nicht zwingend in Verbindung mit Übergewicht. Gleichzeitig liegen
daneben noch weitere Krankheiten wie etwa Fettstoffwechsel- und / oder Harnsäurestoffwechselstörungen
sowie Hypertonie vor.
• Die Ursache für Diabetes mellitus Typ II ist eine angeborene oder erworbene Insulinresistenz der Zielzellen
mit einem relativen Insulinmangel, der wiederum zu einer gestörten Glukoseverwertung führt.
• Behandlung:
o diabetesgerechte Ernährung und Bewegung / Sport, wenn das nicht zum Erfolg führt, dann
o orale Antidiabetika, wenn diese nicht ausreichen, dann
o Insulininjektionen

Risikofaktoren Typ II:

• Adipositas (Übergewicht)
• fett- und kohlenhydratreiches Essen
• Bewegungsmangel
• genetische Disposition zur Insulinresistenz

Häufig haben Betroffene die Risikofaktoren in sich vereint: Im so genannten metabolischen Syndrom (auch das
"tödliche Quartett" genannt).

• stammbetonte Adipositas
• Diabetes mellitus
• arterielle Hypertonie
• Hypertriglyceridämie (erhöhte Bluttfettwerte)

Leitsymptome aller Typen:

• Hyperglykämie
• Glukosurie
• Polyurie
• Polydypsie
• Exsikkose
• Azeton im Urin
• gesteigerte Lipolyse (Fettstoffwechsel)
• Fettleber
• Gewichtsverlust
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Die am häufigsten auftretenden Schädigungen und Spätfolgen:

• rezidivierende Harnwegsinfekte
• häufige Pilzinfektionen
• Arteriosklerose
• diabetische Neuropathie mit Parästhesien, nächtlichen Wadenkrämpfen, Blasenstörungen, Impotenz
• Necrobiosis lipoidica diabeticorum (typische Hautveränderungen bevorzugt vor der Schienbeinkante mit
gelblich-rötlichen bis braunen Verfärbungen, die ulzerieren können)
• Retinopathia diabetica (Mikroangiopathie des Augenhintergrundes, schlimmstenfalls droht die Erblindung)
• diabetische Mikroangiopathie (Verschluss der kleinsten arteriellen Gefäße)
• diabetische Nephropathie (Schädigung der glomerulären Kapillaren der Niere bei langjährigem
bestehenden Diabetes mellitus) Folge ist häufig eine Niereninsuffizienz, die mit Dialysepflicht enden kann
• diabetische Makroangiopathie
• diabetisches Gangrän
• Gedächtnisschwäche
• Müdigkeit
• Leistungsabfall

Diabetisches Koma:

Bei dem diabetischen Koma handelt es sich um einen lebensbedrohlichen Zustand, bei dem der Blutzuckerwert
extrem hoch ist. Unterschieden werden das ketoazidotische Koma (häufig bei Typ I Diabetikern) und das
hyperosmolare Koma (häufig bei Typ II Diabetikern).

Das diabetische Koma tritt nicht sofort auf, sondern es entwickelt sich langsam über Tage. Es ist gekennzeichnet
durch:

• Erbrechen
• Übelkeit
• Appetitlosigkeit
• gesteigerter Durst
• häufiges Wasserlassen
• Sehstörungen
• Kopfschmerzen
• Müdigkeit bis hin zur Somnolenz (schläfriger Zustand, Betroffener kann aber durch äußere Reize noch
geweckt werden)
• Schwindel
• Atemnot
• Hypotonie
• Tachykardie
• metabolische Azidose (Übersäuerung) einhergehend mit Kussmaul-Atmung bei einem ketoazidotischen
Koma
• Dehydratation: Haut und Schleimhäute ausgetrocknet, stehende Hautfalte
• Muskulatur schlaff
• Augäpfel sind weich

Schock durch Unterzuckerung (Hypoglykämie):

Von einer Hypoglykämie wird gesprochen, wenn der Zuckergehalt im Blut zu niedrig liegt (< 50 mg/dl). Bei einem
hypoglykämischen Schock zeigen sich Schocksymptome wie etwa:

• Eintrübung des Bewusstseins bis hin zur Bewusstlosigkeit mit Krampfneigung


• feucht-blasse Haut
• Neigung zum Schwitzen
• Tachykardie mit Herzklopfen
• ggf. unauffälliger Blutdruck

Die Unterzuckerung entwickelt sich relativ schnell in wenigen Stunden.


Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 178

Anmerkung:

• Standardpflegepläne geben für spezielle Pflegeprobleme die typischen pflegerischen Maßnahmen vor, so
etwa wie in diesem Beispiel für Diabetes mellitus. Standardpflegepläne umfassen generelle und potentielle
Pflegeprobleme, Pflegemaßnahmen und Pflegeziele.
• Aus diesem Grund erleichtert ein Standardpflegeplan zwar die Pflegedokumentation, aber er ersetzt auf
keinen Fall eine individuelle auf den Bewohner / Patienten bezogene Pflegeplanung.
• Jede Pflegefachkraft ist gehalten, diese generellen Pflegeprobleme, Pflegemaßnahmen und Pflegeziele
auf Relevanz zu überprüfen und auf die individuellen Einschränkungen und Ressourcen des jeweiligen
Bewohners / Patienten anzupassen. Wichtig ist auch beim Einsatz von Standardpflegeplänen, diese in
regelmäßigen Abständen zu überprüfen und ggf. zu überarbeiten, da sie immer auf dem aktuellen Stand
sein sollten.

Pflegeproblem Pflegemaßnahmen Pflegeziel


Sich bewegen

• Die Funktion des kardio- • Die Maßnahmen im Rahmen • Der Bewohner stürzt
vaskulären Systems ist durch der Sturzprophylaxe werden nicht.
die autonome Neuropathie intensiviert.
beeinträchtigt. Es kommt zu • Der Bewohner soll in der
einer Herzfrequenzstarre und Nacht Stoppersocken tragen.
einem Blutdruckabfall im • Hindernisse werden beseitigt,
Stehen. Der Bewohner ist also Schwellen,
sturzgefährdet. Teppichkanten und auf der
Erde liegende Elektrokabel.
• Der Bewohner wird bei den
verschiedenen Gängen von
einer Pflegekraft begleitet.
• Wir prüfen, ob der Bewohner
eine Hüftprotektorhose tragen
sollte.
• Wir prüfen Medikamente auf
ihre sturzfördernde Wirkung,
z.B. einige Benzodiazepine,
Neuroleptika und trizyklische
Antidepressiva.
• Wir nutzen eine
Sturzrisikoskala, um den
Gefährdungsgrad zu
bestimmen.
• Wir achten darauf, dass der
Bewohner seine Brille trägt.

Vitale Funktionen des Lebens aufrechterhalten

• Der Bewohner ist im • Diese Hautflächen können für • Es werden ausreichend


Einstichgebiet tätowiert. die Injektionen nicht benutzt Injektionspunkte
• Im Einstichgebiet liegen werden. Wir weichen daher gefunden, um diese
Muttermale. auf andere Flächen aus. angemessen häufig
• Die Haut des Bewohners ist Alternativ zum Bauchbereich wechseln zu können.
(etwa durch Verbrennungen) können auch die Außenseiten
großflächig vernarbt. des Oberschenkels oder das
• Durch übermäßige Nutzung nur Gesäß genutzt werden.
weniger Einstichstellen kommt
es dort zu Hypertrophien oder
Atrophien.

• Der Bewohner leidet unter einer • Wir animieren den Bewohner, • Weitere Schäden am
diabetischen Retinopathie und einmal im Jahr den Augenarzt Auge oder gar eine
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Makulopathie. aufzusuchen. Wenn es Erblindung werden


bereits zu Schädigungen vermieden.
gekommen ist, sollte sich der
Bewohner alle drei bis sechs
Monate untersuchen lassen.
• Der Bewohner muss zum
Termin begleitet werden, da
er aufgrund der geweiteten
Pupillen nach der
Untersuchung unter starken
Sehstörungen leidet.
• Der Blutdruck wird
engmaschig überwacht. Ggf.
stellen wir sicher, dass
Blutdruck senkende
Medikamente konstant
eingenommen werden.
• Wir raten dem Bewohner, auf
den Nikotinkonsum zu
verzichten.
• Wir raten dem Bewohner,
sich ggf. auch einem
chirurgischen Eingriff zu
unterziehen wie etwa einer
Lasertherapie.

• Der Bewohner leidet unter einer • Wir stellen sicher, dass die • Die Nierenfunktion bleibt
diabetischen Nephropathie. ärztlich verordneten im größtmöglichen
Antihypertensiva konsequent Umfang erhalten.
eingenommen werden.
• Der Bewohner wird dazu
angeleitet, seinen Blutdruck
eigenständig zu messen und
die Ergebnisse zu
dokumentieren.
• Wir animieren den Bewohner,
sich im Rahmen seiner
Möglichkeiten körperlich zu
bewegen.
• Der Bewohner soll den
Nikotinkonsum einstellen oder
zumindest deutlich
reduzieren.

• Der Bewohner klagt über kalte • Wir nutzen keine Heizkissen • Das Gefühl von Wärme
Füße. Tatsächlich jedoch sind oder Wärmflaschen, da diese wird wieder hergestellt.
die Füße ausreichend warm. zu Verbrennungen führen Die Lebensqualität bleibt
können. gewahrt.
• Der Bewohner erhält
Fußmassagen, weiche
Socken, einen Fußsack oder
ein wärmendes Plaid (relativ
dünne Wolldecke).

• Der Bewohner neigt zur • Der Bewohner soll immer • Eine Unterzuckerung
Unterzuckerung. Da er auch seinen Notfallausweis bei sich wird vermieden.
außerhalb der Einrichtung tragen.
unterwegs ist, besteht das • Wir stellen sicher, dass der
Risiko, dass er in einer solchen Bewohner immer eine kleine
Packung Traubenzucker bei
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Situation hilflos wäre. sich trägt. (2 BE, zumeist also


vier kleine Täfelchen mit
insgesamt 23 g). Falls der
Bewohner schlecht kauen
kann, sollte er alternativ
flüssigen Traubenzucker
nutzen.
• Wir prüfen, ob der Bewohner
die Technik der Glukagon-
Injektion erlernen sollte.

• Der Bewohner hat häufig • Der Bewohner wird ermahnt, • Eine hyperglykämische
Fieber. Es besteht das Risiko sich bei der Pflegekraft zu Stoffwechselentgleisung
einer hyperglykämischen melden, wenn er glaubt, dass wird vermieden.
Stoffwechselentgleisung. er Fieber hat. In keinem Fall
soll er sich ohne
Rückmeldung abends zu Bett
legen.
• Der Blutzuckerwert des
Bewohners wird
engmaschiger erfasst; dieses
auch in der Nacht. Wir
erfassen ebenfalls die
Körpertemperatur.
• Bei gravierenden
Abweichungen wird der
behandelnde Hausarzt
informiert und ggf. eine
Krankenhauseinweisung
vorbereitet.

• Der Bewohner ist körperlich • Wir verdeutlichen dem • Unnötige Schwankungen


aktiv, allerdings schwankt das Bewohner, dass dieses des Blutzuckerspiegels
Maß der Bewegung je nach Verhalten den werden vermieden.
Tagesform. Blutzuckerspiegel
• Der Bewohner leidet häufig unkontrolliert schwanken
unter Entzündungen und lässt. Wir legen ihm eine
Fieber. Anpassung seiner
• Die Nahrungsaufnahme ist Lebensweise nahe.
unstetig. Der Bewohner isst • Der Blutzuckerspiegel wird
manchmal relativ viel, dann engmaschig überwacht.
wieder nimmt er kaum Nahrung • Ggf. wird die Insulindosis erst
zu sich. nach dem Essen verabreicht.

• Der Bewohner benötigt • Wir assistieren dem • Die Verabreichung des


Anleitung / Unterstützung bei Bewohner bei der Messung Insulins gemäß den
der Messung des des Blutzuckerspiegels. Ggf. ärztlichen Vorgaben ist
Blutzuckerspiegels und bei der übernehmen wir diese jederzeit gewährleistet.
Verabreichung der Injektion. Maßnahme vollständig. Der Bewohner wird im
• Gemäß den ärztlichen Rahmen seiner
Vorgaben werden die Ressourcen daran
Insulininjektionen beteiligt.
durchgeführt. Im Rahmen
seiner Möglichkeiten wird der
Bewohner an dieser
Maßnahme beteiligt.
• Wir üben mit dem Bewohner
die selbständige Handhabung
des Blutzuckermessgerätes
und des Pens (Spritze).
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• Wir weisen den Bewohner in


den Umgang mit dem Insulin
ein.
• Wir machen den Bewohner
auf den Spritz-Ess-Abstand
aufmerksam.

Sich pflegen

• Der Bewohner leidet unter • Der betroffene Fuß wird ruhig • Aufgetretene Wunden
einem diabetischen gestellt. Der Bewohner soll es heilen ab.
Fußsyndrom. strikt vermeiden, die • Das Auftreten von
betroffene Hautregion zu weiteren Schädigungen
belasten. wird vermieden.
• Wir hinterfragen kritisch, ob • Eine Amputation des
die Blutzuckereinstellung Fußes oder von Zehen
optimal verläuft. Ggf. regen ist nicht erforderlich.
wir die Umstellung der
Insulintherapie an.
• Auftretende Infektionen
werden strikt behandelt. Wir
regen die Erstellung eines
Antibiogramms an, um die
Empfindlichkeit und Resistenz
von Krankheitskeimen zu
bestimmen. Durch strikte
Hygiene wird eine
Übertragung insbesondere
mit MRSA vermieden.
• Nekrosen lassen wir
abtragen.
• Wir stehen dem Bewohner
jederzeit für ein Gespräch zur
Verfügung. Insbesondere
thematisieren wir seine Angst
vor einer Amputation.
• Die Vorgaben des
Expertenstandards
"chronische Wunden" werden
konsequent umgesetzt.

• Als Folge der autonomen • Die Haut wird täglich mit • Die Haut bleibt in einem
Neuropathie ist die Haut mäßig temperiertem Wasser gesunden Zustand und
trocken, spröde und rissig. gewaschen. Wir nutzen ist belastbar.
rückfettende Substanzen.
• Fußbäder sollten nur wenige
Minuten dauern. Die
Temperatur des Wassers wird
mittels Thermometer
kontrolliert.
• Nach dem Baden oder
Waschen werden die
Zehenzwischenräume mit
einem weichen Handtuch
sorgfältig getrocknet, um die
Entstehung von
Pilzinfektionen zu vermeiden.
• Wir nutzen
feuchtigkeitsspendende und
harnstoffhaltige Cremes und
Schäume, um die Füße zu
Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 182

pflegen. Die
Fußzwischenräume bleiben
unbehandelt.
• Zum Kürzen der Nägel nutzen
wir keine Schere sondern
eine Feile. Mittels eines
Natur-Bimssteines kann
Hornhaut abgetragen werden.
• Alle Maßnahmen zur
Fußpflege, die mit einem
Verletzungsrisiko verbunden
sind, werden von einem
Podologen durchgeführt.

• Der Bewohner ist aufgrund • Wir prüfen, ob der Bewohner • Entstandene Schäden
seiner eingeschränkten einen Spiegel nutzen kann, werden zeitnah erfasst
Sehfähigkeiten nicht mehr in um sich an der Inspektion zu und angemessen
der Lage, seine Füße visuell beteiligen. behandelt.
auf Verletzungen zu • Wir kontrollieren die Füße des
überprüfen. Bewohners täglich auf
• Der Bewohner ist adipös und Fissuren, Blasen und
kann seine Füße nicht sehen. Wunden.
Eine Inspektion ist nicht
möglich.
• Als Folge von Gelenkschäden
o.Ä. kann der Bewohner mit
seinen Händen die Füße nicht
erreichen und auf Schäden
kontrollieren.

• Die Füße des Bewohners sind • Wir ermahnen den Bewohner, • Verletzungen werden
anfällig für Verletzungen. nicht barfuß zu gehen. vermieden.
• Wir prüfen, ob das
Schuhwerk die Bildung von
Druckstellen fördert.
• Zudem wird der Sitz von
Einlagen kontrolliert und
Fremdkörper entfernt. Wir
prüfen, ob Nähte in den
Schuhen scheuern.
• Wir prüfen, ob der Bewohner
Schuhe vom Orthopädie-
Schuhtechniker tragen sollte.

• Der Bewohner leidet häufig • Wir verdeutlichen dem • Pilzinfektionen werden


unter Pilzinfektionen im Bewohner die Wichtigkeit vermieden und ggf.
Genitalbereich. einer sorgfältigen Inspektion konsequent therapiert.
der Intimregion. Wichtig ist
insbesondere eine zeitnahe
Therapie einer Pilzinfektion.
• Wir erläutern dem Bewohner,
welchen Einfluss die Wahl der
richtigen Kleidung auf das
Hautklima im Intimbereich
nimmt. Feuchtigkeit und
Wärmestauungen sollten
vermieden werden.

• Der Bewohner klagt über • Wir behandeln die betroffene • Der Bewohner wird vom
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Juckreiz als Folge der Hautregion mit Fettcreme. Juckreiz befreit.


veränderten Stoffwechsellage. • Wir prüfen, ob sich die
Beschwerden durch ein
juckreizstillendes Puder
lindern lassen.
• Wir nutzen feuchte, leicht
kühlende Umschläge.

Essen und trinken

• Der Bewohner wird mit Insulin • Gemeinsam mit dem • Das Gewicht des
behandelt. Es kommt aufgrund Bewohner und der Bewohners wird
der anabolen Wirkung zu einer Hauswirtschaft erstellen wir normalisiert.
Gewichtszunahme. einen Ernährungsplan. Der
Bewohner soll sich
fettreduziert ernähren.
Nahrungsmittel mit einem
hohen Fettanteil wie Pommes
frites, Bratwurst, Süßgebäck
u.Ä. soll er meiden.

• Der Bewohner leidet zusätzlich • Die Eiweißzufuhr wird auf 0,7 • Eine Überversorgung
zum Diabetes mellitus auch an bis 1,0 g pro Kilogramm des Körpers mit Eiweiß
Hypertonie. Die Nierenfunktion Körpergewicht begrenzt. wird vermieden.
ist eingeschränkt. Der
Bewohner konsumiert zu viel
Eiweiß.

• Der Bewohner konsumiert • Wir empfehlen dem • Eine Hypoglykämie wird


große Mengen Alkohol. Dieses Bewohner, Alkohol nur vermieden.
steigert das Risiko für schwere gelegentlich zu konsumieren.
Hypoglykämien. • Er sollte höchstens 30 g/T zu
sich nehmen.
• Nach Möglichkeit sollte der
Bewohner den Alkohol
gemeinsam mit etwas
kohlenhydrathaltiger Nahrung
konsumieren.
• Biertrinkern legen wir den
Umstieg auf alkoholarme /-
freie Sorten nahe.

• Der Bewohner nimmt zu wenig • Wir animieren den Bewohner, • Eine ausreichende
Flüssigkeit auf. pro Tag ein bis eineinhalb Flüssigkeitsversorgung
Liter Flüssigkeit zu trinken. Er ist sichergestellt.
soll vor allem kalorienarme
Getränke wie Mineralwasser,
Tee oder Süßstofflimonaden
zu sich nehmen.
• Schorlen sind ebenfalls
geeignet, wenn sie
hinreichend verdünnt sind.
• Ungeeignet sind stark
zuckerhaltige Getränke wie
Cola, Limonaden,
unverdünnte Säfte sowie
Alkoholika mit viel Zucker
(z.B. Dessertweine, süßer
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Sekt, Liköre sowie Alkopops).

• Der Bewohner konsumiert • Wir verdeutlichen dem • Der Bewohner stellt


große Mengen von Bewohner, dass auch diese seinen Konsum um.
"Diabetikerprodukten". Nahrungsmittel häufig Fett
und Zucker enthalten. Wir
legen ihm nahe, lieber ab und
zu ein Stück echte
Schokolade zu konsumieren
und dafür auf
Diabetikerprodukte zu
verzichten.

• Der Bewohner meidet • Wir verdeutlichen dem • Der Bewohner vermeidet


Kohlenhydrate, da diese den Bewohner, dass den übermäßigen
Blutzuckerspiegel erhöhen. Er Kohlenhydrate im Gegensatz Konsum von Fetten.
konsumiert alternativ verstärkt zu Fetten nur wenige Kalorien
fetthaltige Lebensmittel. haben. Sie sind also (in
Maßen konsumiert) ein
wichtiger Bestandteil einer
gesunden Ernährung.
• Dem Bewohner wird erläutert,
dass der jahrelange,
übermäßige Genuss von
Fetten zur Arteriosklerose
führen kann. Zudem
reduzieren Fette die Wirkung
des Insulins.
• Alternativ soll der Bewohner
ungesättigte Fettsäuren
konsumieren wie etwa in
Olivenöl oder in Fisch.

Ausscheiden

• Als Folge der autonomen • Wir führen ein konsequentes • Die Kontinenz bleibt
Neuropathie kommt es zu Miktionstraining durch. erhalten.
Störungen im Urogenitaltrakt. • Der Bewohner wird zu einer
Der Bewohner leidet unter umfassenden Intimhygiene
Blasenatonie und angeleitet.
Blasenentleerungsstörungen • Der Bewohner wird
mit Restharnbildung. Es kommt umfassend über die
gehäuft zu aufsteigenden Symptome einer Blasen- und
Infektionen. Nierenbeckenentzündung
informiert. Er soll sich bei
relevanten Beschwerden an
die Pflegekraft wenden.

• Der Bewohner leidet unter • Durch eine Laxanzientherapie • Schäden am Auge als
Einblutungen am stellen wir sicher, dass es bei Folge eines gesteigerten
Augenhintergrund. der Defäkation zu keiner intrazerebralen Drucks
Erhöhung des intrazerebralen werden vermieden.
Drucks kommt.
• Wir legen dem Bewohner
nahe, bei der Defäkation auf
die Nutzung der Bauchpresse
zu verzichten.
Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 185

Ruhen und schlafen

• Der Bewohner leidet unter einer • Wir prüfen, ob ein • Der Bewohner findet
diabetischen Polyneuropathie. Deckenheber (sog. "Tunnel" einen erholsamen
Die Missempfindungen sind in oder "Bahnhof") die Schlaf.
der Nacht so stark, dass er den Beschwerden lindert.
Auflagedruck der Bettdecke als
schmerzhaft empfindet.

• Der Bewohner ist anfällig für • Die Nachtwache achtet auf • Der Bewohner erleidet
nächtliche Hypoglykämien. Im relevante Symptome wie keine nächtliche
Schlaf nimmt der Bewohner die Unruhe, Schwitzen, Hypoglykämie.
Symptome aber nicht wahr und Alpträume usw.
schläft weiter. • Bei relevanten
Beobachtungen weckt die
Pflegekraft den Bewohner
und kontrolliert den
Blutzuckerwert. Dieser kann
ggf. mit Traubenzucker,
Apfelsaft oder anderen
schnell resorbierbaren
Kohlenhydraten korrigiert
werden.
• Wenn der Bewohner nicht
weckbar ist, wird sofort der
Notarzt informiert. Erst
danach bestimmt die
Pflegekraft den
Blutzuckerwert.

Sich als Mann oder Frau fühlen und verhalten

• Als Folge der autonomen • Wir bieten dem Bewohner / • Das Sexualleben des
Neuropathie kommt es zu der Bewohnerin einen Dialog Bewohners bleibt
Störungen im Urogenitaltrakt. zu diesem Thema an und erhalten. Sein
Der Bewohner leidet unter versuchen Tabus abzubauen. Selbstwertgefühl wird
erektiler Dysfunktion. Wir ermuntern den Bewohner, gestärkt.
• Die Bewohnerin leidet unter einen Facharzt aufzusuchen.
verringerter Erregbarkeit und • Wir helfen bei der Einnahme
Scheidentrockenheit. geeigneter Medikamente wie
etwa Viagra.
• Wir prüfen, ob das Paar
Hilfsmittel nutzen kann wie
etwa Gleitmittel.

Für eine sichere Umgebung sorgen

• Der Bewohner muss • Wir nutzen verschieden • Eine Verwechselung der


verschiedene Insuline parallel farbige Injektionshilfen, damit Insulinarten wird
nutzen. Er verwechselt diese sich der Bewohner schnell vermieden.
häufig. und sicher orientieren kann.
• Ggf. helfen wir dem
Bewohner dabei, das jeweils
einzunehmende Insulin
auszuwählen. Die Injektion
sollte der Bewohner
eigenständig durchführen.

• Der Bewohner leidet als Folge • Wir regen eine angemessene • Die Schmerzbelastung
der Polyneuropathie unter Analgetikaversorgung an.
Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 186

starken Schmerzen. • Zusätzlich zu den wird reduziert.


Schmerzmitteln sollte der
Bewohner ggf. auch
Antidepressiva erhalten.

Mit existentiellen Erfahrungen des Lebens umgehen

• Der Bewohner ist deprimiert, da • Wir versuchen den Bewohner • Der Bewohner gewinnt
er an einer chronischen einfühlsam zu begleiten. seine Lebensfreude und
Krankheit leidet. Diese mindert • Auf Wunsch stellen wir den sein Selbstwertgefühl
die Lebensqualität deutlich. Kontakt zu anderen zurück.
Erkrankten her; dieses etwa
im Rahmen einer
Selbsthilfegruppe.
• Auf Wunsch nehmen wir
Kontakt zur zuständigen
Gemeinde auf und bitten um
seelsorgerische
Unterstützung.
Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 187

Standardpflegeplan "Untergewicht und Kachexie"


Untergewicht:

Bei einem BMI von 16 bis 18,5 Punkten ist der Bewohner untergewichtig. Abgebaut werden in diesem Stadium vor
allem die Speicherfettdepots. Als Hauptursache gelten die Abnahme des Geschmacks- und Geruchssinnes, eine
psychisch bedingte Appetitlosigkeit sowie auszehrende Erkrankungen, wie etwa Krebs.

Wenn die Auslöser nicht beseitigt werden, kann sich eine Kachexie entwickeln.

Kachexie (Auszehrung):

Eine Kachexie ist erreicht, wenn der BMI auf unter 16 Punkte gesunken ist. Im Vergleich zur Inanition
(Abmagerung, Hungerzustand) geht der Fettabbau über die regulären Speicherfettdepots hinaus. Auch das Baufett
und die Muskulatur werden verbraucht.

In der Folge bilden sich Organe zurück und verlieren ggf. ihre Funktionsfähigkeit. Vor allem die Schwächung des
Herzmuskels führt bei vielen Betroffenen zum Tode.

Im Gegensatz zur Abmagerung erleidet der Bewohner irreversible Schädigungen, die also auch durch eine
verbesserte Ernährungssituation nicht mehr behoben werden können.

Body-mass-Index (BMI):

In unserer Einrichtung verwenden wir den Body-mass-Index (BMI), um den Ernährungszustand eines Bewohners
abzubilden. Der BMI wird errechnet, indem man das Körpergewicht (gemessen in Kilogramm) durch das Quadrat
der Körpergröße (gemessen in Metern) dividiert. Alternativ zur eigenständigen Rechnung können auch Tabellen
oder Diagramme genutzt werden. Der ermittelte BMI führt dann zu folgender Bewertung:

• Starkes Untergewicht < 16


• Mäßiges Untergewicht 16 bis 17
• Leichtes Untergewicht 17 bis 18,5
• Normalgewicht 18,5 bis 25
• Präadipositas 25 bis 30
• dipositas Grad I 30 bis 35
• Adipositas Grad II 35 bis 40
• Adipositas Grad III > 40

Anmerkung: Die Definition von Untergewicht, Normalgewicht, Übergewicht usw. ist innerhalb der Wissenschaft
umstritten. Daher schwanken die BMI-Tabellen je nach Lehrmeinung z.T. deutlich.

Anmerkung:

• Standardpflegepläne geben für spezielle Pflegeprobleme die typischen pflegerischen Maßnahmen vor, so
etwa wie in diesem Beispiel für die Mangelernährung. Standardpflegepläne umfassen generelle und
potentielle Pflegeprobleme, Pflegemaßnahmen und Pflegeziele.
• Aus diesem Grund erleichtert ein Standardpflegeplan zwar die Pflegedokumentation, aber er ersetzt auf
keinen Fall eine individuelle auf den Bewohner / Patienten bezogene Pflegeplanung.
• Jede Pflegefachkraft ist gehalten, diese generellen Pflegeprobleme, Pflegemaßnahmen und Pflegeziele
auf Relevanz zu überprüfen und auf die individuellen Einschränkungen und Ressourcen des jeweiligen
Bewohners / Patienten anzupassen. Wichtig ist auch beim Einsatz von Standardpflegeplänen, diese in
regelmäßigen Abständen zu überprüfen und ggf. zu überarbeiten, da sie immer auf dem aktuellen Stand
sein sollten.

Pflegeproblem Pflegemaßnahmen Pflegeziel


Sich bewegen
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• Durch die Die im Standard "Sturzprophylaxe" • Ein Sturz wird


Mangelernährung ist der beschriebenen Maßnahmen werden vermieden.
Bewohner geschwächt. umgesetzt. Insbesondere:
Dieses erhöht die
Sturzgefahr. • Jeder Bewohner sowie seine
Angehörigen werden regelmäßig über
das individuelle Sturzrisiko informiert.
• Bei Bewohnern, die ihr Sturz- und
Verletzungsrisiko grundlegend falsch
einschätzen, erfolgt eine intensivere
Beratung.
• Bewohner werden angehalten, die
Handläufe zu verwenden.
• Bewohner werden zur Besonnenheit
gemahnt. Hektische Bewegungen,
etwa wenn das Telefon klingelt oder
die Blase drückt, sind eine der
Hauptursachen für Stürze.
• Bewohner mit hohem Sturzrisiko
werden aufgefordert, nicht die Treppe
sondern den Aufzug zu nutzen.

Vitale Funktionen des Lebens aufrechterhalten

• Das Geruchs- und • Gemeinsam mit dem Hausarzt wird • Durch den Geruch,
Geschmacksempfinden geprüft, inwieweit etwaige körperliche Geschmack und
des Bewohners ist gestört. Defizite medikamentös behandelt optischen Eindruck
werden können. der Speisen wird der
• Wir prüfen, ob durch eine Appetit des
Beimengung von Kräutern zu den Bewohners geweckt.
Speisen die sensorischen Defizite
ausgeglichen werden können. Wir
halten Getränke beim Essen bereit,
da durch die Kräuter das Durstgefühl
gesteigert werden kann.
• Ein beeinträchtigtes Geruchs- und
Geschmacksempfinden kann durch
optische Reize kompensiert werden.
Die Gerichte werden daher
besonders appetitlich angerichtet.
• Ein Übermaß an Salz wird vermieden,
da dieses Bluthochdruck auslösen
kann und den Wasser- und
Elektrolythaushalt beeinträchtigt.
• Wir beachten, dass alte Menschen
tendenziell einen süßen Geschmack
bevorzugen und saure Lebensmittel
mehr und mehr ablehnen.

• Der Bewohner ist abhängig • Die in den Standards vorgesehenen • Der Bewohner
von Medikamenten oder Maßnahmen werden umgesetzt. beendet den
Alkohol. Die Droge wird Insbesondere: Missbrauch von
zum Ersatz für die o Im Rahmen der Alkohol und
Nahrungsaufnahme. Biographiearbeit versuchen Medikamenten.
wir Ursachen für die Zumindest aber wird
Abhängigkeit zu finden die
(Vorbild der Eltern, Nahrungsaufnahme
Lebenskrisen usw.). nicht mehr durch die
o Wir regen die Teilnahme an Sucht behindert.
entsprechenden
Selbsthilfetreffen an.
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o Wir reden mit dem Bewohner


offen über Gefühle, Konflikte
und Täuschungsversuche.
o Suchtkranke neigen
insbesondere in Zeiten der
Entwöhnung zu einer
hastigen Nahrungsaufnahme,
in deren Folge sich
Erstickungsanfälle und
Aspirationen häufen können.
Pflegekräfte sollten
Bewohner daher dazu
anleiten, nur kleinere Bissen
zu sich zu nehmen und auf
Pausen zu achten.
o Sollte der Bewohner
Laxanzien missbräuchlich
nutzen, so wird die Dosierung
schrittweise reduziert.

• Der Bewohner hat zu viele • Wir prüfen den korrekten Sitz der • Die Kaufähigkeit des
Zähne verloren. Zahnprothese. Wenn diese nicht Bewohners wird
• Der Zahnersatz sitzt mehr optimal eingesetzt werden wieder hergestellt.
schlecht und schmerzt. kann, wird der Bewohner dem
• Die Speichelsekretion lässt Zahnarzt vorgestellt.
nach. Somit ist die • Wenn die Prothese lediglich locker
Vorverdauung der Nahrung sitzt, kann durch das Auftragen von
schon in der Mundhöhle Haftcreme der Halt deutlich
gestört. verbessert werden.
• Es gibt schmerzhafte • Der Bewohner sollte während des
Entzündungen der Essens ausreichend trinken, um die
Mundschleimhaut. nachlassende Speichelsekretion zu
kompensieren.
• Falls notwendig wird mehrmals
täglich eine Mundpflege durchgeführt.
• Wir inspizieren regelmäßig den
Zustand der Mundschleimhaut und
leiten Maßnahmen ein, um
Entzündungen abheilen zu lassen.

• Die Schluckbeschwerden • Wir passen das Nahrungsangebot an. • Der Bewohner wird
bleiben, obwohl alle obigen Etwa: trotz
Maßnahmen ausgeschöpft o Die Brotrinde wird Schluckbeschwerden
sind. abgeschnitten. angemessen ernährt.
o Gemüse und Obst werden
geschält.
o Speisen werden püriert und
nicht einfach weich gekocht.
o Wir nutzen Frischkäse statt
Hartkäse.

• Der Bewohner leidet unter • Die im Standard "Pflege von Senioren • Die Schluckstörung
schweren mit Schluckstörungen (Dysphagie)" wird gelindert. Der
Schluckstörungen beschriebenen Maßnahmen werden Bewohner kann
(Dysphagie). umgesetzt. Insbesondere: wieder essen, ohne
o Der Bewohner sollte auf eine Aspiration oder
dünnflüssige Nahrungsmittel Schmerzen zu
zunächst verzichten, da diese befürchten.
zu schnell durch den Mund
fließen und schwerer zu
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kontrollieren sind.
o Der Bewohner sollte
bevorzugt breiige und nicht
krümelnde Speisen zu sich
nehmen wie etwa Joghurt
oder Kartoffelbrei.
o Es sollten keine festen und
flüssigen Lebensmittel zu
einem Gericht vermischt
werden. Problematisch ist
etwa eine Suppe mit Einlage.
o Unverzichtbar ist es, bei
gefährdeten Bewohnern vor
jeder Esseneingabe den
Schluck- und Hustenreflex zu
testen.
o In Kooperation mit externen
Therapeuten und dem
behandelnden Hausarzt
führen wir verschiedene
Trainingsmaßnahmen durch.
Insbesondere Schlucktraining
und Trinktraining.

• Der Bewohner leidet unter • Die Ernährung wird auf die • Ein guter
einem Tumor. aufzehrende Wirkung der Ernährungszustand
Wucherungen angepasst, also wird trotz Krebs so
insbesondere durch die Nutzung von lange wie möglich
hochkalorischen Speisen. aufrechterhalten.
• Wir achten darauf, dass
schmerzlindernde Medikamente
häufig den Appetit hemmen.
• Wir rechnen stets mit dem Auftreten
von depressiven Verstimmungen, die
wiederum den Appetit mindern.

• Der Bewohner leidet unter • Die Grunderkrankung wird in enger • Die


Erkrankungen des Kooperation mit dem Arzt behandelt. Grunderkrankungen
Verdauungstraktes, also • Die in den Standards vorgesehenen werden soweit
etwa unter einem Ulkus Maßnahmen werden umgesetzt. behandelt, dass der
oder Gastritis. Bewohner wieder
Nahrungsmittel zu
sich nehmen kann.

• Der Bewohner leidet unter • Der Bewohner wird dem Hausarzt • Die Gesundheit des
Ödemen, Beinkrämpfen vorgestellt. Bewohners wird
und Blutarmut als Folge • Ggf. kann die Symptomatik durch geschützt.
des Eiweißmangels. Nahrungsmittelergänzungspräparate
• Der Bewohner leidet unter gemildert werden.
Rhagaden an den
Mundwinkeln und
Störungen des Nagel- und
Haarwuchses als Folge
des Eisenmangels.

• Der Bewohner ist bedingt • Alle Maßnahmen zur • Der Bewohner wird
durch das Untergewicht Dekubitusprophylaxe werden vor einem Dekubitus
sehr anfällig für sorgfältig umgesetzt. Insbesondere geschützt.
die Lagerung von immobilen • Vorhandene
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Druckgeschwüre. Bewohnern hat höchste Priorität. Druckgeschwüre


• Bei vorhandenen Wunden werden heilen trotz des
frühzeitig wirksame Wundauflagen Untergewichts
genutzt, etwa auf Hydrogel-Basis. schnell ab.

• Das Gewicht des • Der Ernährungszustand des • Die


Bewohners schwankt Bewohners wird engmaschig Ernährungssituation
häufig. Der Bewohner überwacht. des Bewohners ist
nimmt in kurzen • Die Hauswirtschaftskräfte jederzeit bekannt.
Zeitabständen zu und dokumentieren die Art und Menge der • Eine bedrohliche
wieder ab. konsumierten Speisen. Veränderung wird
• Wir berechnen wöchentlich den Body- schnell erkannt und
Mass-Index. Bei gesundheitlichen angemessen
Veränderungen wird diese behandelt.
Berechnung in noch kürzeren Zyklen
durchgeführt.

• Der Bewohner nimmt • Wir prüfen mit dem Hausarzt, ob • Der Appetit des
verschriebene alternative Wirkstoffe eingesetzt Bewohners wird nicht
Medikamente ein, zu deren werden können. durch Medikamente
Nebenwirkungen auch eine • Wenn dieses nicht praktikabel ist, beeinträchtigt.
Appetitminderung zählt. lässt sich häufig der
Einnahmezeitpunkt variabel
anpassen; also versetzt zu den
Mahlzeiten.

Essen und trinken

• Die • Die vorhandenen Ressourcen werden • Der Bewohner nutzt


Bewegungseinschränkung konsequent genutzt, um dem das verbliebene
en führen dazu, dass der Bewohner eine eigenständige Bewegungspotential,
Bewohner eigenständig Nahrungsaufnahme zu ermöglichen. um möglichst
keine Nahrung zu sich Wir nutzen dafür etwa spezielle selbständig zu
nehmen kann. Die Hilfe Becher oder Besteck mit essen.
durch die Pflegekraft wird vergrößerten Griffflächen.
ungern angenommen, • Der Bewohner wird ermuntert, die
lieber verzichtet der Hilfestellung anzunehmen. Dieses ist
Bewohner trotz zunächst Aufgabe der
Hungergefühl auf das Bezugspflegekraft. Nimmt der
Essen. Bewohner die Unterstützung an,
können nach und nach auch andere
Pflegekräfte das Essen eingeben.

• Das Sättigungsgefühl setzt • Wir trainieren mit dem Bewohner und • Das Sättigungsgefühl
zu früh ein. Der Bewohner animieren ihn, trotz vermeintlichem setzt erst ein, wenn
ist nach deutlich zu wenig Sättigungsgefühl Nahrung zu sich zu der Bewohner
Nahrung bereits satt. nehmen. ausreichend
• Das Training wird so lange gegessen hat.
fortgesetzt, bis das Sättigungsgefühl
erst nach einer hinreichenden
Speisemenge einsetzt.

• Der Tagesablauf des • Wir helfen dem Bewohner bei der • Der Bewohner lebt
Bewohners folgt keinem Entwicklung eines festen nach einem festen
festen Schema. In der Tagesablaufes. Dabei spielen die Tagesschema. Er
Folge isst er zu Mahlzeiten als Orientierungspunkte isst zu festen Zeiten
unregelmäßigen Zeiten. die zentrale Rolle. Dieses kann etwa und dann gleich
über bestimmte Rituale erfolgen, z.B.
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das obligatorische Frühstücksei jeden bleibende Mengen.


Morgen.

• Die Ernährungsvorlieben • Die Ernährungsvorlieben des • Der Bewohner erhält


des Bewohners sind nicht Bewohners werden beim Einzug Speisen, die er mag
bekannt. erfragt und dokumentiert. Wir und die er gut
erfassen soweit möglich verträgt.
Nahrungsunverträglichkeiten und
Allergien.
• Dafür arbeiten wir ggf. eng mit den
Angehörigen sowie dem Hausarzt
zusammen.
• Lieblingsgerichte der Bewohner
werden soweit möglich auf der
Speisekarte berücksichtigt. Wir
beteiligen den Heimbeirat an der
Planung.
• Jeder Bewohner hat täglich die Wahl
zwischen mindestens zwei
verschiedenen Gerichten.

• Der Kalorienkonsum ist zu • Wir stellen sicher, dass unsere • Der Bewohner
gering. Speisen an die Besonderheiten der erreicht
Ernährung von Senioren angepasst Normalgewicht.
sind:
o rund 15 Prozent Eiweißanteil
o höchstens 30 Prozent Fett
o rund 55 Prozent
Kohlenhydrate
o vitaminreich
o frische Zutaten
o angenehme Präsentation
o leicht zu kauen
o gut verdaulich
• Wir prüfen, ob der Bewohner Kuchen
mag. Ggf. bieten wir in Maßen dem
Bewohner dieses Süßgebäck an.
• Wir bevorzugen Lebensmittel mit
einem geringen Ballaststoffanteil, da
diese sehr langsam ein
Sättigungsgefühl auslösen.
• Wir vermeiden Lebensmittel, die bei
dem Bewohner zu unerwünschten
Nebenwirkungen führen, wie ggf.
Kohl, Hülsenfrüchte, Knoblauch usw.
• Wir prüfen, ob der Bewohner ggf.
kleinere Portionen wünscht, die dafür
häufiger am Tag angeboten werden.
• Es stehen zudem stets
Zwischenmahlzeiten für den
Bewohner bereit, etwa Obst, Jogurt
oder Quark. Wir animieren den
Bewohner, diese zu essen.
• Wir erfragen die Lieblingsspeisen des
Bewohners. Wir vermeiden es, dem
Bewohner Nahrungsmittel
anzubieten, die dieser nicht mag.
• Wir suchen ggf. den Rat einer
externen Ernährungsberaterin.
• Soweit möglich wird die
Flüssigkeitszufuhr vor den Mahlzeiten
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reduziert. Wir vermeiden damit, dass


die Flüssigkeit allein bereits ein
Sättigungsgefühl auslöst.
• Wir geben Bewohnern die
Möglichkeit, selbst etwas zu kochen
oder zu backen.
• Ggf. kann es sinnvoll sein, dem
Bewohner einen Aperitif oder ein
kleines Glas Wein anzubieten, um
den Appetit anzuregen.
• Bei untergewichtigen Bewohnern wird
der Einsatz von hochkalorischer
Nahrung erwogen und mit dem Arzt
diskutiert.

• Der Bewohner folgt • Wir suchen den Dialog mit dem • Die Gesundheit des
Diätvorschlägen, die weder Bewohner und erläutern ihm die Bewohners wird nicht
mit dem Hausarzt noch mit Risiken einer eigenmächtigen Diät. durch übertriebene
uns abgesprochen sind. • Soweit die Motivation nachvollziehbar oder unangepasste
ist (etwa Nahrungskarenz während Diäten gefährdet.
der kirchlichen Fastenzeit), suchen
wir nach Wegen, die keine
gesundheitliche Gefährdung mit sich
bringen.
• Der Nutzen von sog.
"Vorsorgediäten", etwa gegen
Demenz oder Krebs, ist gering. Die
Vorteile dieser Diäten sind deutlich
geringer als die Risiken der
Mangelernährung.
• Bei mangelnder Kooperation suchen
wir den Kontakt zum Hausarzt und
regen ein gemeinsames Vorgehen
an.

• Trotz intensiver • Als allerletzte Möglichkeit erwägen • Ein Versterben des


Bemühungen und dem wir die Implantation einer Bewohners aufgrund
Ausschöpfen aller hier Magensonde. von
genannten Optionen nimmt • Auch bei einer gelegten Magensonde Nahrungsmittelmang
der Bewohner weiter ab. überprüfen wir permanent, ob der el wird vermieden
Bewohner nicht doch wieder oral (Ausnahme
Nahrung zu sich nehmen kann. Sterbeprozess).
Letztlich kann häufig die Magensonde
wieder entfernt werden.

Ausscheiden

• Der Bewohner leidet unter • Die Ursachen der Beschwerden • Die Beschwerden
Blähungen oder sollten vom Hausarzt untersucht klingen ab. Der
Völlegefühl. Um diese werden. Dieses ist insbesondere bei Bewohner kann
Beschwerden zu wiederholtes Sodbrennen zwingend wieder ohne Angst
vermeiden, schränkt er den erforderlich. essen.
Nahrungsmittelgenuss ein. • Bei einer leichten Symptomatik helfen
entblähende Getränke wie Anis- oder
Fencheltee.
• Wir legen Wickel oder Auflagen auf
den Bauch und regen damit den
Stoffwechsel in den gastrointestinalen
Organen an.
• Ggf. kann ein Darmrohr starke
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Blähungen abmildern.
• Der Bewohner sollte nach jeder
Mahlzeit eine Ruhepause einlegen.

Sich kleiden

• Der untergewichtige • Wir stellen sicher, dass der Bewohner • Der Bewohner ist vor
Bewohner friert leicht und stets angemessen bekleidet ist; Infektionen
ist anfällig für Infektionen. insbesondere im Herbst und Winter. geschützt.

Soziale Bereiche des Lebens sichern

• Der Bewohner wird durch • Wir prüfen, ob ein Wechsel der • Der Bewohner fühlt
die Tischgemeinschaft Tischgemeinschaft sinnvoll ist. sich wohl beim
beim Essen gestört, etwa • Der Bewohner sollte nach Möglichkeit Essen und isst
aufgrund von nicht allein essen. gerne.
zwischenmenschlichen
Spannungen.

• Der Bewohner hat im • Wenn alle Versuche scheitern, ihn an • Der Bewohner isst
Speisesaal keinen Appetit, die Tischgemeinschaft zu gewöhnen, ausreichend.
weil es ihm dort zu laut und ist es besser, dass er sein Essen in
zu unruhig ist. seinem Zimmer zu sich nimmt.
• Er steht unter Stress, weil • Ggf. ist diese zurückgezogene
er es aufgrund seiner Mahlzeit auch nur bei bestimmten
Biographie gewöhnt ist, Mahlzeiten notwendig. So könnte
allein zu essen. zumindest das Frühstück im Kreis der
Gemeinschaft eingenommen werden.

Mit existentiellen Erfahrungen des Lebens umgehen

• Der Bewohner leidet unter • Die im Standard "Depressive • Psychische


Kummer oder Störungen und Suizidprävention" Erkrankungen
Depressionen. Er zieht sich beschriebenen Maßnahmen werden werden korrekt
zurück und schränkt auch durchgeführt. Dazu zählen erkannt und
den Nahrungskonsum ein. insbesondere: behandelt, bevor sich
o Depressionen werden diese deutlich auf
frühzeitig im Dialog mit den
Bewohnern angesprochen. Ernährungszustand
Dem Bewohner wird auswirken.
verdeutlicht, dass
Depressionen keine normale
und unausweichliche
Alterskrankheit sind.
o Angehörige und Betreuer
werden auf etwaige
Depressionen angesprochen
und um weitere Informationen
gebeten. Der Datenschutz
wird dabei stets gewahrt.
o Bei körperlichen
Beeinträchtigungen wird
immer auch deren Einfluss
auf das Depressionsrisiko in
Betracht gezogen. Etwa:
Unterfunktion der
Schilddrüse,
Elektrolytstörung,
Herzinsuffizienz usw.
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• Der Bewohner verweigert • Die im Standard "Verhalten bei • Der Bewohner


die Nahrungsaufnahme. Nahrungsverweigerung" beendet die
beschriebenen Maßnahmen werden Nahrungsverweigeru
durchgeführt. Dazu zählen ng.
insbesondere:
o Im persönlichen Dialog mit
dem Bewohner versuchen die
Pflegekräfte und
insbesondere die
Bezugspflegekraft ein
Vertrauensverhältnis
aufzubauen.
o Wir machen dem Bewohner
klar, welche körperlichen und
seelischen Folgen eine
anhaltende
Nahrungsverweigerung
auslösen kann.
o Wir versuchen zu erkennen,
mit welchen Maßnahmen wir
den Bewohner unterstützen
und zu mehr Lebensmut
verhelfen können.
o Wenn der Bewohner die
Nahrungszunahme dauerhaft
verweigert und sein Leben
bedroht ist, werden der Arzt,
Angehörige, Betreuer und
ggf. das Amtsgericht
informiert.

• Der Bewohner isst nicht • Wir beachten religiöse Vorschriften • Der Bewohner isst
aufgrund von religiösen hinsichtlich der Nahrungsauswahl und wieder. Gleichzeitig
oder weltanschaulichen -zubereitung. Wenn wir in diesem werden seine
Beschränkungen. Punkt nicht sicher sind, ziehen wir weltanschaulichen
einen Geistlichen der entsprechenden und religiösen
Konfession zu Rate. Im Dialog mit Ansichten ernst
dem Bewohner versuchen wir, genommen.
versteckte Befürchtungen zu
zerstreuen (etwa die Angst von
Muslimen, dass ihnen
Schweinefleisch angeboten wird).
Genauso sensibel beachten wir die
Wünsche etwa von Vegetariern.

• Der Bewohner nimmt das • Wir verdeutlichen, dass Untergewicht • Der Bewohner
Risiko nicht ernst. nicht einfach als normale Konstitution erkennt, dass seine
verharmlost werden kann. Auch wenn Gesundheit durch
schon der Vater und Großvater sehr das Untergewicht
dünn waren, ist dieses keine gefährdet wird. Er
Begründung für das eigene ändert sein
Untergewicht. Verhalten.
• Wir erklären dem Bewohner, dass mit
jedem dauerhaft verlorenen Kilo das
Risiko steigt, dass sich die
Pflegebedürftigkeit ausweitet.
• Dem Bewohner wird dargelegt, dass
extremes Untergewicht das
Sterblichkeitsrisiko massiv erhöht und
die Heilungsaussichten, etwa nach
einem Schenkelhalsbruch deutlich
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verschlechtert.
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Standardpflegeplan "Dehydratation und Dehydratationsprophylaxe"

• Der Mensch benötigt rund zwei Liter Flüssigkeit pro Tag, um den Verlust von Wasser durch Miktion
(Wasserlassen), Defäkation (Stuhlentleerung), Transpiration (Schweiß) und Respiration (Atmung) zu
kompensieren. Wird die dem Körper entzogene Flüssigkeit nicht ersetzt, kommt es zu einem Defizit im
Wasser- und Elektrolythaushalt ("Dehydratation" oder "Exsikkose"). Vor allem Senioren sind gefährdet. Die
Hauptgründe dafür:
o Das Durstgefühl älterer Menschen ist vermindert.
o Der Wasseranteil im Körper nimmt mit steigendem Lebensalter ab.

Weitere Faktoren erschweren es pflegebedürftigen Menschen, eigenständig zu trinken:

o Fixierungen, etwa aufgrund motorischer Unruhe oder Selbstgefährdung


o Lähmungen (Hemiplegie oder Fazialisparese)
o Schluckstörungen
o Sehbehinderungen
o mangelnde Einsicht, etwa in Folge dementieller Erkrankungen
o mangelnder Lebenswille

Eine Dehydratation hat gravierende Auswirkungen auf die Gesundheit der Bewohner:

o stehende Hautfalten, "Pergamenthaut"


o trockene, belegte Zunge
o Appetitlosigkeit
o Verwirrtheit
o Obstipation
o Verlangsamung der Stoffwechselvorgänge
o Konzentrationsschwäche
o Antriebslosigkeit
o Abwehrschwäche
o unerwartete Neben- und Wechselwirkungen von bislang gut verträglichen Medikamenten.

Anmerkung:

• Standardpflegepläne geben für spezielle Pflegeprobleme die typischen pflegerischen Maßnahmen vor, so
etwa wie in diesem Beispiel für Dehydratation und Dehydratationsprophylaxe. Standardpflegepläne
umfassen generelle und potentielle Pflegeprobleme, Pflegemaßnahmen und Pflegeziele.
• Aus diesem Grund erleichtert ein Standardpflegeplan zwar die Pflegedokumentation, aber er ersetzt auf
keinen Fall eine individuelle auf den Bewohner / Patienten bezogene Pflegeplanung.
• Jede Pflegefachkraft ist gehalten, diese generellen Pflegeprobleme, Pflegemaßnahmen und Pflegeziele
auf Relevanz zu überprüfen und auf die individuellen Einschränkungen und Ressourcen des jeweiligen
Bewohners / Patienten anzupassen. Wichtig ist auch beim Einsatz von Standardpflegeplänen, diese in
regelmäßigen Abständen zu überprüfen und ggf. zu überarbeiten, da sie immer auf dem aktuellen Stand
sein sollten.

Pflegeproblem Pflegemaßnahmen Pflegeziel


Sich bewegen

• Der Bewohner ist auch bei • Wir raten dem Bewohner, die • Ein Flüssigkeitsmangel
hohen Außentemperaturen Bewegung auf die frühen als Folge der
körperlich aktiv. Er Morgenstunden oder auf den körperlichen Aktivität wird
schwitzt stark und verliert Abend zu verlegen. vermieden.
damit zu viel Flüssigkeit. • Wir legen dem Bewohner nahe,
auch während der Aktivität
ausreichend Flüssigkeit zu sich zu
nehmen, um die Defizite
auszugleichen. Insbesondere soll
er eine Trinkflasche mit zum
Pflegeplanung · pqsg-Magazin · www.PQSG.de · Seite 198

Bewegungstraining nehmen.

• Der Bewohner will trinken, • Wir prüfen, ob der Bewohner nicht • Der Bewohner kann das
erreicht aber das doch in der Lage ist, selbständig Trinkgefäß erreichen und
Trinkgefäß aufgrund der zu trinken. Wir bieten ihm dafür öffnen.
eingeschränkten Mobilität Getränke in entsprechenden • Die vorhandenen
häufig nicht. Gefäßen an, etwa ein Becher mit Fähigkeiten werden
• Die notwendige zwei Griffen bei einem Bewohner erhalten und ausgebaut.
Feinmotorik zum Öffnen mit Tremor.
von verpackten Getränken • Wir nutzen keine Gefäße mit
ist nicht mehr vorhanden. kleinen Schraubverschlüssen
• Der Bewohner ist nicht in oder in Kartonverpackungen.
der Lage, die portioniert • Wir füllen die Gefäße nicht bis
verpackte Kaffeesahne, zum Rand, da diese dann
den Süßstoff oder den schwerer zu handhaben sind.
Zucker zu nutzen. Er kann • Wir achten konsequent darauf,
dem Kaffee, Tee usw. dass das Trinkgefäß in
nicht die gewohnte Griffreichweite des Bewohners
Geschmacksnote geben abgestellt wird.
und verzichtet auf das • Bei Bewohnern, die sich nicht
Getränk. mehr aufrichten können, nutzen
wir Becher mit Rückschlagventil.
• Wir stellen sicher, dass das
Rufsystem stets in Reichweite
des Bewohners liegt. Wir legen
dem Bewohner nahe, nach einer
Pflegekraft zu klingeln, wenn er
Durst hat und Hilfe beim Trinken
braucht.
• Die Pflegekraft hilft dem
Bewohner beim Einfüllen von
Kaffeesahne, Zucker usw.

Vitale Funktionen des Lebens aufrechterhalten

• Durch den • Der Bewohner wird vor • Infektionen werden


Flüssigkeitsmangel ist die vermeidbaren Infektionsgefahren soweit möglich
Immunabwehr geschützt, soll also etwa den vermieden.
beeinträchtigt. Kontakt mit erkrankten
Mitbewohnern meiden.
• Wir raten dem Bewohner, die
jährliche Grippeschutzimpfung zu
nutzen.

• Durch den • Die Wirkungsweise von • Neben- und


Flüssigkeitsmangel kommt Medikamenten wird stets gut Wechselwirkungen
es zu Neben- und überwacht. Ggf. wird der werden vermieden oder
Wechselwirkungen von behandelnde Arzt kontaktiert. zumindest deren
bisher gut verträglichen Falls nötig kann der Wirkstoff oder Gesundheitsrisiken
Medikamenten. die Applikationsform gewechselt begrenzt.
• Der Bewohner erhält werden. • Die Störung des
Medikamente, die das • Gemeinsam mit dem Durstempfindens wird
Durstempfinden behandelnden Arzt prüfen wir, ob korrigiert oder zumindest
beeinflussen. der Bewohner andere Wirkstoffe reduziert.
erhalten sollte.
• Alternativ prüfen wir, ob die
Störung des Durstempfindens die
Folge von Wechselwirkungen mit
einem zweiten oder dritten
Medikament ist. Dann reicht es
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ggf. dieses andere Medikament


zu wechseln.

• Der Mundraum ist soweit • Der Bewohner wird ggf. dem • Der Bewohner hat keine
geschädigt, dass der Hausarzt oder dem Facharzt Schmerzen bei der
Flüssigkeitskonsum mit vorgestellt. Flüssigkeitsaufnahme.
Schmerzen verbunden ist. • Der Sitz der Zahnprothese wird
überprüft.
• Die Maßnahmen zur Mundpflege
werden konsequent durchgeführt.

• Der Bewohner leidet unter • Die vermehrte Flüssigkeitszufuhr • Eine zu starke Belastung
einer Herzschwäche. erfolgt besonders vorsichtig. Es des Kreislaufsystems
besteht die Gefahr, dass eine wird vermieden.
bislang gerade noch
kompensierte Herzinsuffizienz
entgleisen könnte.
• Wir achten auf die typische
Symptomatik einer
Herzinsuffizienz, also
insbesondere auf Dyspnoe.

• Der Bewohner hat starke • Die Schmerzbelastung schwankt • Die Schmerzbelastung ist
Schmerzen (etwa in den häufig im Tagesverlauf. Wir bieten soweit reduziert, dass der
Armen, Beinen usw.), die dem Bewohner Getränke vor Bewohner den Durst
das Durstgefühl allem in schmerzarmen Phasen wieder spürt.
überlagern. an.
• Wir drängen beim Hausarzt auf
eine angemessene
Schmerzbehandlung.