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wann jetzt die Orgel anfängt, zu spie- weile mehr als ein halbes Jahr her, dass wir

ir diese
len, es war kein Fehler, es war nur Urkunden im Gottesdienst hatten.
eine kleine Verzögerung und sie war Das heisst,
für uns alle kein Problem, denn wir es ist Zeit,
wussten ja, sie kommen. Wir sitzen
hier alle zusammen und was sicher und klar ist, Falkenstrasse 1 8630 Rüti
dass jetzt sicher gleich die Türen aufgehen und
das Brautpaar hereinkommen wird, denn das ist
der Grund, warum wir hier sind. Seht Ihr: Das ist
unser ganzes Leben – es findet statt in dem Mo-
Predigt vom 15. Juni 2008
ment vom sich niedersetzen in der Kirchbank zum zurückzu-
Anfang des Traugottesdienst bis zu dem Moment, schauen:
wo sich die Türflügel der Kirche öffnen und das Wie seid Ihr umgegangen mit dieser Herausforde-
Brautpaar glücklich strahlend herein schreitet. Es rung, dranzubleiben am Gebet, auch wenn die Zeit
sind nur wenige Minuten, aber diese Minuten ent-
sprechen unserem ganzen Leben. Es beginnt
geistlich, wenn wir erkennen, dass der Bräutigam
Jesus Christus wiederkommen wird in diese Welt,
um seine Braut, die Gemeinde abzuholen und es
endet spätestens dann, wenn er tatsächlich
kommt. Aber es dauert nicht Minuten oder Stun-
den, sondern Jahre und Jahrzehnte. Und so leicht
kann es geschehen, dass die Flamme, die in uns
brennt – wir hatten in der letzten Predigt gehört,
dass Gottes Geist ausgegossen ist in unsere Her-
zen – in Gefahr schwebt, zu verlöschen. Und das
liegt nicht in unserer Absicht, sie etwa auszulö-
schen oder gar daran, dass Gott sie etwa weg
genommen hätte (was er nie von sich aus tut),
sondern einzig und allein daran, dass wir sie nicht
genügend gepflegt haben.

Nur Angstmache?
Aber ist das nicht alles nur Angstmache? Wartet
denn Gott darauf, uns reinzulegen, und uns mög-
lichst dann an unserer schwachen Stelle zu erwi-
schen, wenn wir‘s am wenigsten erwarten? Sicher-
lich nicht. Die biblischen Gleichnisse sind wie
Steinchen eines Mosaiks, das man als Ganzes
sehen muss, um das Bild richtig zu erkennen: Sie Wachsamkeit auf Leben und Tod essierten oder Uninformierten. Sie kennt diejeni-
sprechen vom Zuspruch Gottes (er ist der liebende gen, die wie bei der Fährkatastrophe mit der unter-
Vater, niemand kann uns aus der Hand Jesu reis- Seht Euch einmal dieses Poster von Securitas an. gegangenen Estonia oder wie derjenigen der
sen) und auch vom Anspruch: Wir sind Kämpfer Es fängt die prickelnde Atmosphäre vor einem Wachmann-
und sollen wach bleiben. Erst im Zusammensehen glamourösen Abend-Event ein. Wer würdet Ihr schaft in
erschliesst sich das Ganze, Einseitigkeiten ent- vergeht und man so beschäftigt ist? Was hat Euch lieber sein? Der wachsam dreinblickende, smarte Tschernobyl,
sprechen nicht der Absicht der Bibel. geholfen—was hat Euch gehindert? Was für Erfah- und souverän aussehende Mann mit der Uniform im entschei-
rungen habt Ihr gemacht? und dem Funkgerät oder die elegant gewandete, denden Mo-
Wie kann man wach bleiben? Die Jünger wurden in Gethsemane nicht dazu funkelnde Schönheit auf dem Weg zum Eingang? ment nicht
Interessanterweise wird mit dem „wach bleiben“ in berufen, einzeln wach bleiben und beten zu müs- Natürlich würden wir alle am liebsten der Star sein, aufmerksam
der Bibel häufig das Beten verknüpft: sen in dieser besonderen Krisensituation. der im Mittelpunkt steht. Seien wir doch mal ehr- und informiert
„Mit allem Gebet und Flehen betet zu jeder Zeit im Auch in unserem normalen Leben heute müssen lich. Ganz tief innen drin. Aber ich möchte wetten, genug waren,
Geist, und wachet hierzu in allem Anhalten und wir nicht allein bleiben. Wir können uns gegensei- ein guter Teil von uns hat auch mit dem smarten um richtig zu
Flehen für alle Heiligen.“ Epheser 6,16 tig stärken, ermutigen und voneinander lernen. Wachmann sympathisiert. Das wäre doch was! Auf reagieren.
„Und er kommt zu den Jüngern [die hätten beten Das wollen wir jetzt tun. den verlässt man sich! Der ist seiner Sache sicher! Die Katastro-
sollen] und findet sie schlafend; und er spricht zu Danke, Vater, dass Du unsere Gebete hörst. Der hat es voll im Griff! An dem kommt keiner phe, die in
Petrus: Also nicht eine Stunde konntet ihr mit mir Amen. vorbei! Der weiss, wozu er da ist und der passt dieser Geschichte geschildert wird, ist trotzdem,
wachen?“ Matthäus 26,40 auf! obwohl äusserlich weniger dramatisch, insgesamt
Wir hatten bei uns in der Gemeinde ja die Aktion Die Geschichte, die ich heute erzählen möchte, doch tief gehender als die Frage nach einer unter-
Wolfgang v. Ungern-Sternberg spielt auf einer anderen Tonleiter. Sie kennt nicht
zum Thema „Wieviel Gebet erhört Gott?“ mit den gegangenen Fähre oder sogar einem explodierten
Tel. 055 241 16 35 nur die Wachsamen, Pflichtbewussten und Auf-
Gebetsurkunden durchgeführt. Es ist jetzt mittler- Kernkraftwerk: Es ist die Frage nach dem ewigen
wolfgang.vonungern@chrischona.ch merksamen, sondern auch die Verschlafenen, Heil, die Frage danach, wo Du und ich unsere
Vergesslichen und vielleicht ganz einfach Desinter-
Ewigkeit verbringen werden. All die – und ein ziemliches Theater damit hatten, alle dung des Bräutigams befanden und eine dramati- er erst nächste Woche oder erst über-
Jahrhunderte und Jahrtausende, die rauszuziehen, die sich bei der Gelegenheit festge- sche Scheidung der Geister erlebten: Am Ende nächste Woche. So genau weiss man
nach dem kurzen Intermezzo auf dem klemmt hatten und das Boot unter dem Baum heil waren die Liebespaare genau in der Mitte durchge- das nie. Macht es Euch bequem! Was
blauen Planeten Erde folgen. Paulus durchzuziehen. Der Bootsführer hatte schon das teilt und von jedem war nur einer hineingekommen würdet Ihr dann sagen? Seht Ihr: Ge-
hat im Philipperbrief geschrieben: „Euch immer Messer im Visier, das er im Notfall benutzt hätte, zum Hochzeitsfest. Als Christen lächeln wir an nau so etwas kann Euch bei einer
wieder dasselbe zu sagen stört mich nicht.“ (Phil um das Boot abzustechen und mit dieser absolu- jüdischen Hochzeit jederzeit passieren: Man weiss
3,1) Und sich dabei darauf bezogen, dass wir als ten Notfallmassnahme die Eingeklemmten dann nicht, wann der Bräutigam kommt. Ein Israelrei-
Christen immer mehr Grund haben, uns zu freuen, mit Sicherheit zu befreien. sender berichtet:
als wir meinen. Und im gleichen Sinne könnte man
„Am Schluss ins Schwarze treffen:
sagen: Wir haben noch viel mehr Grund, wachsam Einer aus dem Boot wurde vom Geäst ins Wasser Das zählt!“ „Als wir uns den Stadttoren näherten, bot sich mir
zu sein, als wir meinen. Im Hebräerbrief werden geworfen, wie so ein Ei, das mit Schwung vom die Ansicht von zehn jungen Frauen, die fröhlich
wir gewarnt,: „Deswegen müssen wir um so mehr Einerlöffel aus dem Eierbecher befördert wird und gekleidet waren und eine Art Musikinstrument
auf das achten, was wir gehört haben, damit wir wurde auch noch von der Strömung unter das dieser Stelle leicht und denken uns, jaja, das be- spielten, die über die Strasse tanzten vor unserem
nicht etwa am Ziel vorbeigleiten.“ (Hebräer 2,1) festgeklemmte Boot gedrückt, konnte sich aber zieht sich ja nur auf die Ungläubigen. Wer nicht an Auto. Als ich sie fragte, was sie denn täten, sagte
glücklicherweise aus eigener Kraft befreien und zu Gott glaubt, der ist auch nicht eingeladen zum mein Touristenführer mir, dass sie der Braut Ge-
Zwei Arten, das Ziel zu verfehlen dem zweiten Boot rüberschwimmen. Der Bootsfüh- Hochzeitsmahl und hat auch keine Lust hinzuge- sellschaft leisteten, bis der Bräutigam käme. Ich
rer machte anschliessend alle Anstrengungen, hen, selbst wenn er auf die Einladung gehört hätte fragte ihn, ob es irgendeine Chance gab, die Hoch-
Es gibt eben verblüffender Weise zwei Arten und
gute Miene zum bösen Spiel zu machen, konnte und demzufolge muss er sich auch nicht wundern, zeit wohl zu sehen, aber er schüttelte den Kopf
Weisen, wie man ein Ziel verfehlen kann: Die eine
aber doch nicht verhehlen, dass die ganze Sache dass er nicht rein kommt. Jedem das Seine, nicht und sagte sinngemäss: ‚Es könnte heute Abend
besteht darin, dass man sich bewusst davon ab-
relativ peinlich und durchaus gefährlich gewesen wahr? Es bekommt jeder, was er will, oder? Die sein oder morgen Abend oder auch erst in 14
wendet und eine andere Richtung einschlägt. Die
war und es war ihm auch später noch anzumer- krisenhafte Spannung dieses Teils der Bibel be- Tagen. Niemand weiss das je sicher.’ Und dann
andere, weniger bekannte, gibt es aber auch: Sie
ken, fand ich. Was lernen wir aus der Episode steht aber eben darin, dass das nicht zutrifft. Ganz fuhr er damit fort, zu erklären, dass eine der gross-
besteht darin, dass man zwar schon irgendwie so
beim Riverrafting? im Gegenteil: Es geht hier ganz offensichtlich nicht artigen Sachen, die man tun könne, wenn man es
in Richtung auf das richtige Ziel unterwegs ist und
um Gläubige und Nichtgläubige, sondern es geht schaffen würde, darin bestand, bei einer Mittelklas-
es auch erreichen will prinzipieller Weise, dass
um Leute, die se-Hochzeit in Palästina die Brautgruppe beim
man sich aber nicht entschieden genug dafür ein- „Richtung und Willen alleine
setzt, es auch wirklich genau anzuvisieren und es • zur Hochzeit eingeladen worden sind und die Schlafen zu überraschen. Also kommt der Bräuti-
gam unerwartet und manchmal mitten in der
punktgenau zu erreichen. Man kann, wie der Heb- reichen nicht.“ Einladung auch tatsächlich gehört haben und
Nacht.“
räerbrief sagt, daran „vorbeitreiben“ und das erin- • sich auch wirklich entschieden haben, an
nert mich so an ein Erlebnis, das wir an der Ge- dieser teilzunehmen. Mehr noch: Sie haben Der Bräutigam kommt zu einem Zeitpunkt, den
meindeferienwoche gemacht haben: Da waren wir sich sogar schon für die Teilnahme ausgerüs-
Es reicht nicht, nur in die richtige Richtung unter- niemand kennt. Jesus wurde gefragt, wann er
unterwegs auf dem Fluss beim Riverrafting und tet und auf den Weg gemacht.
wegs zu sein, sondern man muss das Ziel auch wiederkommen wird, um sein Königreich aufzurich-
urplötzlich tauchte
zielgerichtet erreichen und punktgenau treffen. ten, um Dein Königreich aufzurichten?“ und gab
ein Baustamm auf Ein umkämpfte Einladung zur Antwort: „Niemand weiss den Tag noch die
unserem Weg auf,
Im Matthäus 25 ist das Ziel nicht der Durchgang Was kann denn da noch schiefgehen? Der all- Stunde.“ (Matthäus 25,13)
der quer über dem
auf die Seite des freien Wassers unter einem mächtige Gott – denn er ist im Gleichnis der Bräu-
ganzen Fluss lag und
Baum hindurch, sondern es ist ein viel Grösseres: tigam – hat die Einladung ausgesprochen, die Der Menschensohn kommt zu einer unerwarteten
wir trieben darauf zu!
Das Ziel ist der Durchgang zur Ewigkeit, darge- Menschen haben sie gehört, sie haben sich ent- Stunde, wie ein Dieb in der Nacht, sagte er. Er
Das war aber in dem
stellt durch die Türe, die den Einlass gewährt ins schieden, zu kommen, sie haben sich mit dem sagte es sechs Mal in drei verschiedenen Evange-
Fall gar nicht so gut,
Reich der Ewigkeit, zum Hochzeitsmahl des Lam- Nötigen für die Teilnahme versehen und sie haben lien und nochmals in der Apostelgeschichte:
sondern das war ein
mes, in die Gegenwart Gottes und hier im Gleich- sich auf den Weg gemacht. Und sie warten jetzt „Es ist nicht eure Sache, Zeiten oder Zeitpunkte zu
Problem. Man konnte
nis: Zum Hochzeitsfest des Bräutigams. Und vor nur noch auf seine Ankunft – was kann denn da wissen, die der Vater in seiner eigenen Vollmacht
sagen, wir waren in
dieser Tür spielt sich nun das entscheidende Dra- noch dazwischen kommen? festgesetzt hat.“ (Apg 1,7)
die richtige Richtung
ma ab: Die Einen werden am Schluss hindurchge- Jesus sagte sogar, dass nicht mal er selbst es
unterwegs, aber das
langen, die Andere bleiben aussen vor und der Sehr viel, dummerweise. An dieser Stelle darf man wusste! In Matthäus 24, 36 heisst es:
entpuppte sich plötz-
Eintritt bleibt ihnen verwehrt. Was hat dazu ge- jetzt wirklich einmal sagen: Der Teufel liegt im „Aber niemand weiss den Tag oder die Stunde,
lich als Schwierigkeit,
führt, dass sich ihr Schicksal auf so dramatische Detail. „Sie warten“ zwar auf den Bräutigam, aber nicht einmal die Engel im Himmel, auch nicht ein-
denn es reichte nicht,
Weise scheidet? Waren sie nicht beide, waren sie sie wissen nicht, wie lang! Wir stellen uns das mal der Sohn, sondern nur der Vater.“
sich nur irgendwie so mit dem Fluss mittreiben zu
nicht alle zum selben Hochzeitsmahl eingeladen? immer so kurz vor. Wie so eine, zwar nicht gottes-
lassen, sondern vielmehr musste man ein be-
Ist der Hausherr nicht so liebevoll, dass er sie alle dienstliche, aber doch sakrale Handlung abläuft: Seht Ihr: Gottes Zeitempfinden und unseres sind
stimmtes, relativ kleines, Fenster auf diesem Fluss
zu seinem Fest einladen wollte? Was konnte das Was würdet Ihr sagen, wenn Ihr jetzt heute mor- so grundsätzlich anders. Ich erinnere mich noch,
erwischen, wo man eine Chance hatte, unter dem
Schreckliche sein, dass die liebevolle Absicht des gen hier zum Gottesdienst gekommen wäret und wie ich einmal an einer Hochzeit war, bei der alles
umgestürzten Baum durchzukommen. Zwei Meter
Gastgebers und dazu auch noch den erklärten plötzlich würde es heissen: Schön, dass Ihr da sehr schön organisiert war und am Anfang gab es
daneben, rechts oder links, wäre nicht so gut, denn
Willen eines Teils der Gäste vereitelte? seid, aber wisst Ihr was? Wolfgang kommt heute eine kleine Verzögerung. Die ganze Kirche sass
dann bleibt man stecken. Wissen Sie, was passier-
zwei Stunden später! Na die überraschten Gesich- da und man wartete darauf, dass jetzt die Tore der
te? Wir blieben stecken! Und zwar grandios ste-
Vor längerer Zeit habe ich selbst einmal in einem ter möchte ich gerne mal sehen! Kirche aufschwingen würden und dass das Braut-
cken. Denn erstens haben wir es nicht nur ge-
Theaterstück mitgespielt, das genau diese Passa- Und es kommt noch schlimmer: Stellt Euch vor, Ihr paar hereinschreiten und den Weg zum Altar an-
schafft, das Fenster zu verpassen, sondern wir,
ge zum Thema hatte und deswegen berührt es kommt zum Gottesdienst und es steht ein Modera- treten würde. Und es dauerte nur ein kleines biss-
respektive unser Bootsführer mit unserer
mich, darüber zu sprechen. Es hiess: „Das Finale“ tor vorne und sagt: Wisst Ihr was, toll, dass Ihr da chen. War es, dass die Blumen streuenden Kinder
„tatkräftigen“ Unterstützung hat es sogar geschafft,
und es stellte zwei junge oder jüngere Liebespär- seid, aber wir haben keine Ahnung, ob der Predi- irgendwie noch ihre Körbchen suchen mussten
das Boot quer zu stellen, so dass wir richtig schön
chen dar, die sich beide auf dem Weg zur Einla- ger heute überhaupt noch kommt! Vielleicht kommt oder dass die letzte Abstimmung noch stattfand,
mit der Breitseite unter den Baum gekommen sind