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Das bietet Ihnen die CDROM

Vielen fehlt die Erfahrung im Umgang mit Kennzahlen und


damit die Sicherheit. Die Kennzahlenrechner geben Ihnen
deshalb wertvolle Hilfestellung. Sie können damit im Hand
umdrehen die wichtigsten Kennzahlen für Ihr Unternehmen
ermitteln und gleich in der Praxis einsetzen. Sie finden da
mit schnell und unkompliziert Ihre Kennzahlen zu

 Working Capital und Cash Flow,


 Forderungen und Verbindlichkeiten,
 Kapital
 Liquidität und
 Rentabilität.
2

Bibliografische Information der Deutschen Bibliothek


Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbib
liografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.ddb.de
abrufbar.

ISBN: 9783448081190
BestellNr. 008680002

1. Auflage 2005 (ISBN 3448067776)


2., durchgesehene Auflage 2007

© 2007, Rudolf Haufe Verlag GmbH & Co. KG, Niederlassung Planegg b. München
Postanschrift: Postfach, 82142 Planegg
Hausanschrift: Fraunhoferstraße 5, 82152 Planegg
Fon (0 89) 8 95 170, Fax (0 89) 8 95 172 50
EMail: online@haufe.de
Internet: www.haufe.de
Lektorat: Redaktionsbüro Manzke & Schmidt GbR, Bottrop
Redaktion: Jürgen Fischer
Redaktionsassistenz: Christine Rüber

Alle Rechte, auch die des auszugsweisen Nachdrucks, der fotomechanischen


Wiedergabe (einschließlich Mikrokopie) sowie der Auswertung durch Datenbanken
oder ähnliche Einrichtungen vorbehalten.

Umschlaggestaltung: Simone Kienle, 70182 Stuttgart


Umschlagentwurf: Buttgereit & Heidenreich, 45721 Haltern am See
DesktopPublishing: Agentur: Satz & Zeichen, Karin Lochmann, 83129 Höslwang
Druck: freiburger graphische betriebe, 79108 Freiburg

Zur Herstellung der Bücher wird nur alterungsbeständiges Papier verwendet.


Kennzahlen
Trainer

Robert Zwettler

2. Auflage

Haufe
4

Inhalt
6  Das ist Ihr Nutzen

7  Mit Kennzahlen arbeiten


9  Die Bedeutung von Kennzahlen verstehen
13  Arten von Kennzahlen kennen lernen
17  Grundlegendes Bilanzwissen beherrschen
25  Das Zahlenmaterial aufbereiten

27  Bilanzkennzahlen: Vermögen, Liquidität und


Erfolg optimieren
29  Kennzahlen zur Vermögensstruktur
35  Kennzahlen zur Kapitalstruktur
41  Kennzahlen zu Finanzierung und Liquidität
53  Kennzahlen zu Ertragslage und Rentabilität

65  Marketing und Vertriebskennzahlen beherrschen


67  Kennzahlen zum Umsatz
77  Kennzahlen zur Marktposition
81  Kennzahlen zum Preis
87  Kennzahlen zu Vertrieb und Marketing
5

Personalkennzahlen analysieren und nutzen  93


Kennzahlen zur Personalstruktur  95
Kennzahlen zur Arbeitszeit  101
Kennzahlen zum Personalaufwand  104

Materialwirtschaft und Fertigung optimal  107


steuern
Kennzahlen zu Einkauf und Lieferanten  109
Kennzahlen zur Lagerwirtschaft  113
Kennzahlen zu Fertigung und Produktion  115

Formelsammlung  117

Stichwortverzeichnis  126
6

Das ist Ihr Nutzen


Kennzahlen – alles andere als eine trockene Materie! Denn
die richtige Kennzahl zum richtigen Zeitpunkt sorgt nicht
nur im nächsten Meeting für anerkennende und vielleicht
neidische Blicke im Kreis der Kollegen, sie hilft vor allem, die
nächste Unternehmensentscheidung richtig zu treffen.
Kennzahlen stellen immer dann eine wichtige Entschei
dungsgrundlage dar, wenn sie nicht isoliert betrachtet wer
den, sondern als Teil eines Ganzen in die Entscheidungsfin
dung mit einbezogen werden. Eine Bewertung allein auf
Basis harter Zahlen ist zumeist ebenso der Feind einer aus
gewogenen Entscheidung wie die Negierung der durch die
Kennzahlen belegbaren harten Fakten.
Aus meiner Erfahrung als kaufmännischer Leiter eines mit
telständischen Softwarehauses und Dozent habe ich Ihnen
einige Übungen mit Lösungen zusammengestellt, die Ihnen
einerseits die Relevanz von Kennzahlen in der betrieblichen
Praxis vor Augen führen und Sie gleichzeitig in der Ermitt
lung und Bewertung dieser Zahlen trainieren. Sie können die
Kapitel sowohl der Reihe nach erarbeiten als auch nach
Wunsch und Bedarf einzelne Kapitel auswählen und durch
arbeiten. Dazu benötigen Sie nichts weiter als einen klaren
Kopf, Papier und Bleistift sowie einen Taschenrechner.
Viel Erfolg beim Training und vor allem beim Einsatz der
Kennzahlen bei Ihrer nächsten betrieblichen Entscheidung!
Robert Zwettler
7

Mit Kennzahlen arbeiten

In diesem Kapitel lernen Sie:

 den Sinn von Kennzahlen und die Bedeutung in der


betrieblichen Praxis kennen,
 die verschiedenen Arten von Kennzahlen zu unter
scheiden, deren Verwendung und Grenzen einzu
schätzen,
 das kleine Einmaleins der Finanzmathematik, ohne
die Sie Kennzahlen nicht berechnen können,
 wie und weshalb Sie die Zahlengrundlagen für die
Berechnung der Kennzahlen aufbereiten müssen.
8 Mit Kennzahlen arbeiten

Darum geht es in der Praxis


Kennzahlen dienen dazu, mithilfe von Zahlen betriebswirt
schaftlich relevante Aussagen zu treffen und komplexe
Sachverhalte kurz und prägnant darzustellen. Indem mit
Kennzahlen verglichen, gemessen und bewertet wird, kön
nen im Großen Aussagen über die Lage des Unternehmens,
im Kleinen auch hinsichtlich einzelner betriebswirtschaftli
cher Sachverhalte getroffen werden. So sind Kennzahlen ein
wichtiges Handwerkszeug eines jeden Managers.
Auch wenn Zahlen und Statistiken häufig nicht den allerbe
sten Ruf haben – man denke nur an den vermeintlichen
Ausspruch Churchills: „Ich traue keiner Statistik, die ich
nicht selbst gefälscht habe.“ –, stellen sie nichtsdestotrotz
eine wichtige Entscheidungs und Bewertungshilfe dar.
Um Vorurteile von vornherein auszuschließen, müssen Sie
die Bedeutung und die Arten von Kennzahlen kennen. Sie
müssen insbesondere die Herkunft der rohen Zahlen kennen,
die für die Ermittlung der Kennzahl herangezogen werden.
Und nicht zuletzt müssen Ihnen zunächst die wichtigsten
finanzmathematischen Grundlagen vertraut sein, damit Sie
die relevanten Kennzahlen berechnen und die Ergebnisse
entsprechend deuten können.
Lassen Sie uns deshalb mit den Grundlagen beginnen.
9

Die Bedeutung von Kennzahlen


verstehen
Kennzahlen richtig Übung 1
einschätzen 5 min
Kennzahlen sind im betrieblichen Alltag allgegenwärtig.
Warum und für wen werden eigentlich betriebliche Kenn
zahlen gebildet? Bitte kreuzen Sie an, welche der folgenden
Aussagen zutreffend sind.

1 Kennzahlen dienen dazu, komplexe Sachverhalte kompri


miert darzustellen, und bilden so ein Instrument der in
ternen Steuerung.
2 Kennzahlen sind Grundlage für die Unternehmensbe
steuerung.
3 Banken ermitteln auf Grundlage der eingereichten Jah
resabschlüsse Kennzahlen und ziehen diese im Rahmen
der Kreditentscheidung als wichtiges Entscheidungskrite
rium heran.
4 Kennzahlen dienen dem internen Berichtswesen.
5 Als alleiniges Instrumentarium zur Steuerung des Unter
nehmens kommt Kennzahlen eine absolut übergeordnete
Bedeutung zu.
6 Kennzahlen sind das Handwerkszeug jedes Managers.
10 Mit Kennzahlen arbeiten

Lösung
Richtig sind die Antworten 1, 3, 4 und 6.
„Kennzahlen sind betrieblich relevante, numerische Infor
mationen“ (Bürkeler, A.: Kennzahlensystem als Führungsin
strument, Zürich 1997, S. 6).

Praxistipps
 Kennzahlen helfen in erster Linie, Unternehmensent
scheidungen zu treffen. Sie sollten aber niemals als allei
niges Entscheidungskriterium verwendet werden, sondern
immer im Bündel mit anderen Kriterien.
 Kennzahlen sind ein wichtiger Bestandteil im Berichts
wesen: innerhalb des Unternehmens gegenüber dem Ma
nagement, extern gegenüber Kreditgebern, Investoren
und Anlegern – teilweise auch gegenüber Lieferanten in
deren Beurteilung der Kreditfähigkeit ihrer Ge
schäftspartner.
 Kennzahlen sind ein unverzichtbares Instrument zur
Durchführung des Controllings. Sinnvoll sind sie vor al
lem, um einen Entscheidungsbedarf gegenüber der Un
ternehmensführung zu verdeutlichen und Entscheidungen
vorzubereiten. Dies trifft sowohl während der Planungs
als auch während der Realisierungsphase zu.

 Kennzahlen sind nicht nur im betrieblichen Bereich relevant, sondern


auch im volkswirtschaftlichen: Arbeitslosenquote, Inflationsrate und
Wirtschaftswachstum sind volkswirtschaftliche Kennzahlen, auf deren
Grundlage politische Entscheidungen getroffen werden. 
Die Bedeutung von Kennzahlen verstehen
11

Grenzen von Kennzahlen Übung 2


erkennen 5 min
Da die Aussagekraft von Kennzahlen begrenzt ist, dürfen
Kennzahlen nicht als alleinige Entscheidungskriterien heran
gezogen werden. Zudem besteht die Gefahr, sie falsch zu
interpretieren. Das soll diese Übung veranschaulichen.
Betrachten Sie bitte die folgenden Aussagen und werten Sie
deren Interpretation.

1 Die im Januar geleisteten Arbeitsstunden sind im Ver


gleich zum Vormonat Dezember deutlich gestiegen. Dies
bedeutet in der Konsequenz, dass damit die betrieblichen
Maßnahmen zur Erhöhung der Produktivität erfolgreich
gegriffen haben.
2 Die Anzahl der Reklamationen ist im Vergleich zum Vor
jahr deutlich zurückgegangen. Dies ist ein Erfolg des neu
eingeführten Qualitätsmanagements.
3 Die Abschlussquote im Vertrieb konnte weder durch den
neuen Vertriebsleiter noch durch die aktuell durchge
führten Schulungsmaßnahmen im gewünschten Maße
gesteigert werden.

Lösungstipps
 Hinterfragen Sie die einzelnen Aussagen.
 Denken Sie insbesondere auch daran, dass das Erreichte
auf gänzlich anderen Effekten beruhen kann.
12 Mit Kennzahlen arbeiten

Lösung
Die Interpretation der Kennzahlen ist der entscheidende
Faktor, der die Aussagekraft bestimmt. Die geschilderten
Fälle können bei einer entsprechenden Interpretation ganz
unterschiedliche Aussagen haben:

1 Die Steigerung der Produktivität im Januar kann selbst


verständlich aufgrund betrieblicher Maßnahmen erreicht
worden sein. Denkbar ist aber auch, dass der Anstieg der
geleisteten Arbeitsstunden im Januar alleine dadurch zu
stande kam, dass im Dezember mit Weihnachten und Sil
vester deutlich mehr Feiertage und wahrscheinlich auch
Urlaubstage angefallen sind, als dies im Januar der Fall
war.
2 Der Rückgang der Reklamationen muss nicht direkt mit
der Qualitätsoffensive in Zusammenhang stehen. Es ist
auch denkbar, dass die in der Vergangenheit unzufriede
nen Kunden keine weiteren Geschäfte mit dem Unter
nehmen getätigt haben.
3 Die verpasste Steigerung der Abschlussquote kann auch
darin begründet sein, dass der bis dahin beste Verkäufer
das Unternehmen verlassen hat und der neu eingestellte
Nachfolger zunächst eine gewisse Anlauf und Einarbei
tungszeit benötigt, ehe er ähnlich erfolgreich arbeiten
kann wie sein Vorgänger. Die Abschlussquote der übrigen
Vertriebsmitarbeiter konnte aber aufgrund der getroffe
nen Schulungsmaßnahmen deutlich verbessert werden.
13

Arten von Kennzahlen kennen


lernen
Kennzahlen bilden Übung 3
5 min
Kennzahlen werden in Literatur und Praxis häufig auch
Kennziffern oder Messzahlen genannt. Unterschieden wer
den absolute Zahlen, Verhältniszahlen und Richtzahlen.
Absolute Zahlen sind direkt aus dem Ausgangszahlenmateri
al ablesbar bzw. durch einfache Addition oder Subtraktion
zu berechnen. Richtzahlen sind Vergleichszahlen mit exter
nen Zahlen wie z. B. Branchenzahlen. Die wichtigsten Kenn
zahlen aber sind Verhältnis oder Relativzahlen. Diese wer
den unterschieden in Gliederungszahlen, Beziehungszahlen
und Index oder Messzahlen.
Beschreiben Sie, wie Verhältnis oder Relativzahlen gebildet
werden, und nennen Sie ein entsprechendes Beispiel für:

 Gliederungszahlen
_____________________________________________
_____________________________________________
 Beziehungszahlen
_____________________________________________
_____________________________________________
 Indexzahlen
_____________________________________________
_____________________________________________
14 Mit Kennzahlen arbeiten

Lösung
Verhältnis oder Relativzahlen werden gebildet, indem ab
solute Zahlen zueinander in Relation gesetzt werden. Dabei
wird eine Größe an der zweiten, der Bezugsgröße, gemessen.

 Gliederungszahlen: Gliederungszahlen setzen eine ver


wandte Teilgröße zu einer Gesamtgröße in Beziehung.
Dies kann beispielsweise das Eigenkapital zum Gesamtka
pital sein oder der Umsatz im Inland zum Gesamtumsatz.
 Beziehungszahlen: Beziehungszahlen setzen inhaltlich
wesensfremde, absolute Zahlen zueinander in Relation.
Dabei entsteht eine sinnvolle Aussage, da die beiden zu
einander in Relation gesetzten Größen wesensfremd sind,
aber in Zusammenhang zueinander stehen. Der Umsatz
pro Mitarbeiter ist ein Beispiel für eine Beziehungszahl.
 Indexzahlen: Mit der Indexzahl wird die zeitliche Ent
wicklung verwandter Größen dargestellt. Dabei wird eine
Basisgröße gleich 100 gesetzt, zu der die zu bewertende
Zahl in Relation gesetzt wird. Daraus ergibt sich die pro
zentuale Veränderung zur Vergleichsperiode. Ein Beispiel
ist die Inflationsrate, die die Preisentwicklung zur Be
zugsperiode darstellt.

Praxistipp
Beziehungszahlen haben die höchste Aussagekraft, da sie
inhaltlich verschiedene Daten in sinnvolle Beziehungen
zueinander setzen.
Arten von Kennzahlen kennen lernen
15

Kennzahlen charakterisieren Übung 4


5 min
Ordnen Sie die nachfolgenden Kennzahlen den beschriebe
nen Arten – absolute Zahl, Richtzahl, Gliederungszahl, Be
ziehungszahl, Indexzahl – zu.

 Eigenkapital ____________________
 Bilanzsumme ____________________
 Umsatzwachstum ____________________
 Eigenkapitalquote ____________________
 Fehlzeitenquote ____________________
 Durchschnittliche Arbeitszeit ____________________
 Jahresüberschuss ____________________
 Kundenentwicklung ____________________
 Werbekosten ____________________
 Marketingkosten zum Umsatz ___________________
 Preisindex ____________________
 Marktanteil ____________________
 Kapitalmarktzinssatz ____________________
 Personalkosten ____________________

Lösungstipp
Der Weg zur richtigen Lösung ergibt sich mit der Antwort
auf die Frage, wie die Kennzahl gebildet bzw. errechnet
worden ist.
16 Mit Kennzahlen arbeiten

Lösung
Es handelt sich um folgende Art von Kennzahl:

 Eigenkapital Absolute Zahl


 Bilanzsumme Absolute Zahl
 Umsatzwachstum Indexzahl
 Eigenkapitalquote Gliederungszahl
 Fehlzeitenquote Gliederungszahl
 Durchschnittliche Arbeitszeit Beziehungszahl
 Jahresüberschuss Absolute Zahl
 Kundenentwicklung Indexzahl
 Werbekosten Absolute Zahl
 Marketingkosten zum Umsatz Beziehungszahl
 Preisindex Indexzahl
 Marktanteil Gliederungszahl
 Kapitalmarktzinssatz Richtzahl
 Personalkosten Absolute Zahl

Praxistipp
In der Fachliteratur gehen die Meinungen teilweise ausein
ander, ob eine absolute Zahl eine Kennzahl darstellt. Dieser
akademische Streit ist für die Praxis allerdings nicht rele
vant. Entscheidend ist lediglich die Frage, ob die Aussage
einer Zahl für die betriebliche Praxis aufschluss und hilf
reich ist oder nicht.
17

Grundlegendes Bilanzwissen
beherrschen
Fachbegriffe Übung 5
richtig einsetzen 8 min
Ergänzen Sie bitte den folgenden Text zur Bilanz und Ge
winnundVerlustRechnung (GuV):
Eine Bilanz stellt das Verhältnis des ______________ und
der Schulden des Kaufmanns dar. Neben der Eröffnungsbi
lanz bei Aufnahme der Tätigkeit wird sie zum Schluss eines
jeden ______________ aufgestellt. Die Schlussbilanz eines
Geschäftjahres ist gleichzeitig die ______________ des
nachfolgenden Geschäftsjahres. Die Bilanz ist eine
______________ zum jeweiligen Bilanzstichtag.
Die Bilanz hat die Form eines ______________. Die linke
Seite ist die ______________. Sie weist die Vermögensge
genstände und die aktiven Rechnungsabgrenzungsposten
aus. Die rechte Seite ist die ______________. Dort werden
die Schulden, das ______________ und die
______________ Rechnungsabgrenzungsposten bilanziert.
Die Summe der Aktivseite entspricht durch den Grundsatz
der ______________ der Summe der Passivseite. Die Sum
me einer Bilanzseite ist die ______________.
Die GuV hat gegenüber der Bilanz für den Controller – auch
aufgrund ihrer ______________ – die größere Bedeutung.
Sie enthält für die Ergebnis und Erfolgsbetrachtung des
18 Mit Kennzahlen arbeiten

Unternehmens wesentlich ______________ Informationen


als die Bilanz. Die GuV wird auch für die kurzfristige
______________ verwendet.
Die GuV ist der Vergleich der ______________ und
______________ eines Unternehmens innerhalb einer Peri
ode mit den Aufwendungen. Als Ergebnis wird der wirt
schaftliche ______________ der unternehmerischen Tätig
keit ermittelt. Die Daten ergeben sich – wie für die Bilanz –
aus der ______________ und werden entweder in Konten
form oder in Staffelform dargestellt. Das Handelsgesetzbuch
(HGB) schreibt allerdings die Verwendung der
______________ für den Jahresabschluss zwingend vor. Die
GuV kann inhaltlich in drei Bereiche gegliedert werden:
______________, ______________ Ergebnis und
______________ Ergebnis.
Aus der ______________ können keine Informationen zur
Vermögens und Finanzlage des Unternehmens gewonnen
werden. Deshalb müssen auch bei jeder Entscheidung nicht
nur die Auswirkungen auf die GuV berücksichtigt werden,
sondern auch auf die ______________ und auf die Zah
lungsflüsse. Diese Auswirkungen finden sich wieder in der
______________.

Lösungstipp
Eine wichtige Quelle in diesem Zusammenhang ist das Han
delsgesetzbuch (HGB), insbesondere die §§ 242, 266 und
275 HGB.
Grundlegendes Bilanzwissen beherrschen
19

Lösung
Die in den Leerstellen einzusetzenden Begriffe lauten wie
folgt:

– Vermögens, Geschäftsjahres, Eröffnungsbilanz, Zeitpunkt


betrachtung
– TKontos, Aktivseite, Passivseite, Eigenkapital, passiven,
doppelten Buchhaltung, Bilanzsumme
– Zeitraumbetrachtung, mehr, Erfolgsrechnung
– Erlöse, Erträge, Erfolg, Buchhaltung, Staffelform, Be
triebsergebnis, neutrales, außerordentliches
– GuV, Liquidität, Bilanz
Die Spiegelstriche geben die einzelnen Absätze des Übungs
textes wieder.

Praxistipps
 Neben der Rechnungslegung nach nationalen Vorschrif
ten auf Grundlage des HGB gewinnt im Zuge der Globali
sierung und Internationalisierung die Rechnungslegung
nach internationalen Vorschriften an Relevanz.
 Insbesondere die IFRSRegelungen werden in diesem Zu
sammenhang immer wichtiger und haben auch bereits –
wenn auch nur teilweise – Einzug in die deutsche Rech
nungslegung gehalten.
20 Mit Kennzahlen arbeiten

Gliederung der Bilanz Übung 6


vornehmen 8 min
Zum Grundverständnis trägt ebenso das Wissen bei, wo die
benötigte Zahl in der Bilanz zu finden ist. Erstellen Sie hier
zu bitte in der nachfolgenden Tabelle die Bilanz nach den
Vorschriften für kleine Kapitalgesellschaften:

Aktiva Passiva
_____________________ _____________________
_____________________ _____________________
_____________________ _____________________
_____________________ _____________________
_____________________ _____________________
_____________________ _____________________
_____________________ _____________________
_____________________ _____________________
_____________________ _____________________
_____________________ _____________________

Lösungstipps
 Die handelsrechtlichen Vorschriften zur Gliederung der
Bilanz finden Sie in § 266 HGB. Absatz 2 gliedert die Ak
tivseite der Bilanz, Absatz 3 die Passivseite.
 In Absatz 1 sind die Erleichterungen für kleine Kapital
gesellschaften zu finden, wonach in der verkürzten Bilanz
nur die Bilanzpositionen mit Buchstaben und römischen
Zahlen aufzunehmen sind.
Grundlegendes Bilanzwissen beherrschen
21

Lösung
Eine nach handelsrechtlichen Vorschriften korrekt aufge
stellte Bilanz einer kleinen Kapitalgesellschaft umfasst die
folgenden Bilanzpositionen:
Aktiva Passiva
A. Anlagevermögen A. Eigenkapital
I. Immaterielle Vermögens I. Gezeichnetes Kapital
gegenstände
II. Sachanlagen II. Kapitalrücklage
III. Finanzanlagen III. Gewinnrücklagen
B. Umlaufvermögen IV. Gewinn/
Verlustvortrag
I. Vorräte V. Jahresüberschuss/
II. Forderungen und sonstige fehlbetrag
Vermögensgegenstände
III. Wertpapiere B. Rückstellungen
IV. Kassenbestand, Bankgut C. Verbindlichkeiten
haben
C. Rechnungsabgrenzungs D. Rechnungsabgren
posten zungsposten

Praxistipp
In § 267 HGB werden die Größenklassen von Kapitalgesell
schaften als kleine, mittelgroße und große Kapitalgesell
schaften umschrieben. Kleine Kapitalgesellschaften profi
tieren neben der verkürzten Bilanz noch von weiteren Er
leichterungsvorschriften.
22 Mit Kennzahlen arbeiten

GewinnundVerlust Übung 7
Rechnung aufbauen 8 min
Jetzt wollen wir uns um den Aufbau der Gewinnund
VerlustRechnung (GuV) kümmern. Vervollständigen Sie in
der nachfolgenden Tabelle die GuV nach den handelsrechtli
chen Vorschriften:

1
2 Erhöhung/Verminderung des Bestands an fertigen und
unfertigen Erzeugnissen
3 Andere aktivierte Eigenleistungen
4 Sonstige betriebliche Erträge
5
a) Aufwendungen für Roh, Hilfs und Betriebsstoffe
und für bezogene Waren
b) Aufwendungen für bezogene Leistungen
6
a) Löhne und Gehälter
b) soziale Abgaben und Aufwendungen für Altersversor
gung
7
a) auf immaterielle Vermögensgegenstände des Anlage
vermögens und Sachanlagen
b) auf Vermögensgegenstände des Umlaufvermögens
8 Sonstige betriebliche Aufwendungen
9 Erträge aus Beteiligungen
10 Erträge aus anderen Wertpapieren und Ausleihungen
des Finanzanlagevermögens
Grundlegendes Bilanzwissen beherrschen
23

11
12 Abschreibungen auf Finanzanlagen und auf Wertpapiere
des Umlaufvermögens
13
14
15 Außerordentliche Erträge
16 Außerordentliche Aufwendungen
17 Außerordentliches Ergebnis
18
19 Sonstige Steuern
20

Lösungstipps
 Die handelsrechtlichen Vorschriften zur Gliederung der
GuV finden Sie in § 275 HGB.
 Die hier aufgeführte GuV ist nach dem Gesamtkosten
verfahren aufgestellt.
24 Mit Kennzahlen arbeiten

Lösung
1 Umsatzerlöse
5 Materialaufwand:
6 Personalaufwand:
7 Abschreibungen:
11 Sonstige Zinsen und ähnliche Erträge
13 Zinsen und ähnliche Aufwendungen
14 Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit
18 Steuern vom Einkommen und vom Ertrag
20 Jahresüberschuss/Jahresfehlbetrag

Praxistipps
 Auch in Bezug auf die Gliederung der GuV können kleine
Kapitalgesellschaften Erleichterungsmöglichkeiten in
Anspruch nehmen: Die Positionen 1 bis 5 der GuV können
zusammengefasst und als Rohergebnis dargestellt wer
den. Aufgrund der verringerten Aussagekraft wird davon
in der Praxis allerdings nur selten Gebrauch gemacht.
 Das HGB unterscheidet die GuV nach dem Gesamtkosten
und dem Umsatzkostenverfahren mit jeweils einer sepa
raten Gliederung. Das Gesamtkostenverfahren ist das in
Mitteleuropa gängige Verfahren. Erträge und Aufwen
dungen werden kostenartenorientiert dargestellt. Das
Umsatzkostenverfahren stellt die GuV dagegen kostenträ
gerorientiert gegliedert nach einzelnen betrieblichen
Sparten, Umsatzgruppen oder Produkten dar. Es wird der
zeit vor allem in angelsächsischen Ländern angewendet.
25

Das Zahlenmaterial aufbereiten


Wichtige Datenquellen Übung 8
finden 6 min
Die externe Unternehmensanalyse mittels Kennzahlen ist
beschränkt auf die Auswertung öffentlich zur Verfügung
stehender Materialien. Dazu gehören etwa der Jahresab
schluss mit seinen typischen Bestandteilen Bilanz, GuV,
Anhang und Lagebericht sowie veröffentlichte Unterneh
mensmeldungen.
Die interne Unternehmenssteuerung anhand der Kennzah
lenanalyse kann und muss aber auf weit umfangreichere
Datenquellen zurückgreifen. Nennen Sie die Stellen im Un
ternehmen, die Ihnen die jeweils relevanten Daten und Zah
len zur Verfügung stellen können, wenn Sie folgende Kenn
zahlen bilden wollen:

1 Umschlagshäufigkeit des Lagers


2 Krankheitsquote der Fertigungsmitarbeiter
3 Marktanteil der Produktgruppe A
4 Durchschnittliche Debitorenlaufzeit
5 Investitionsquote
6 Eigenkapitalquote

Lösungstipp
Es gibt mehrere richtige Antworten – eine richtige Antwort
kann auch ohne Kenntnis der Formel gefunden werden.
26 Mit Kennzahlen arbeiten

Lösung
Zahlen und Daten finden Sie beispielsweise an folgenden
Stellen im Unternehmen:
1 Zahlen zur Umschlagshäufigkeit des Lagers ergeben sich
aus der Lagerbuchhaltung.
2 Die Krankheitsquote der Mitarbeiter in der Fertigung kann
aus den Aufzeichnungen der Personalbuchhaltung oder
aber aus der Zeiterfassung errechnet werden.
3 Grundlage zur Errechnung des Marktanteils der Produkt
gruppe A kann das Ergebnis einer Marktforschung sein
oder sich aus einer Marktstudie ergeben.
4 Die durchschnittliche Debitorenlaufzeit lässt sich aus dem
Zahlenmaterial der Debitorenbuchhaltung ermitteln.
5 Die Investitionsquote des Unternehmens wird auf Grund
lage der Zahlen aus der Anlagenbuchhaltung gebildet.
6 Die Eigenkapitalquote wird aus der Bilanz des Unterneh
mens berechnet.
Praxistipps
Das Auffinden der geeigneten Datenquellen setzt ein ge
wisses Maß an Kreativität voraus. Die Qualität der Daten ist
ausschlaggebend für die Aussagekraft der damit errechneten
Kennzahl.

 Je besser das Datenmaterial ist, desto besser wird auch die Aussage
kraft des Ergebnisses sein. Deshalb sollte immer das notwendige Maß an
Sorgfalt für die Ermittlung des Zahlenmaterials aufgewendet werden. 
27

Bilanzkennzahlen:
Vermögen, Liquidität und
Erfolg optimieren

In diesem Kapitel lernen Sie:

 zu berechnen, wie das Vermögen im Unternehmen


verteilt ist, und aus welchen Quellen das Kapital
zur Finanzierung des Unternehmensvermögens
stammt,
 wie die Zahlungsfähigkeit eines Unternehmens zu
berechnen und zu beurteilen ist,
 die Ertragskraft eines Unternehmens zu analysieren
und daraus abgeleitet die Rendite zu berechnen
und zu interpretieren.
28 Bilanzkennzahlen: Vermögen, Liquidität und Erfolg optimieren

Darum geht es in der Praxis


Die Gewinnung und Interpretation von Kennzahlen aus Bi
lanz und GewinnundVerlustRechnung wird häufig als
Bilanzanalyse bezeichnet. Neben der internen Analyse zur
Steuerung des Unternehmens ist die externe Bilanzanalyse
ein in der Praxis gebräuchliches Mittel, um Unternehmen
aufgrund ihrer Zahlen aus externer Sicht zu beurteilen. Dies
erfolgt regelmäßig durch externe Investoren im Rahmen
ihrer Engagements, aber insbesondere auch durch Banken im
Rahmen von Kreditentscheidungen. Das externe Rating hat
bedingt durch Basel II deutlich an Bedeutung gewonnen.
Insofern ist die Bilanzanalyse aus interner Unternehmens
sicht nicht nur ein Mittel zur Steuerung des Unternehmens
anhand von Bilanzkennzahlen, sondern auch ein Mittel, um
sich auf das externe Rating vorzubereiten.
Mithilfe der Bilanzkennzahlen als Steuerungsinstrumentari
um aus interner Sicht werden Sie unter anderem

 die Vermögenslage analysieren,


 Finanzierungsentscheidungen treffen,
 die Liquidität steuern und optimieren,
 die Rentabilität des Gesamtunternehmens, aber auch
einzelner Geschäftszweige errechnen und beurteilen,
 Kennzahlen wie Return on Investment – kurz ROI – oder
Cashflow ermitteln, verstehen und interpretieren können.
Die folgenden Übungen zu diesen Themen geben Ihnen das
hierzu notwendige Werkzeug an die Hand.
29

Kennzahlen zur Vermögensstruktur


Aktivseite der Strukturbilanz Übung 9
erstellen 10 min
Ausgangspunkt der Vermögensstruktur und Kapitalstruk
turanalyse ist die Aufstellung einer Strukturbilanz. Dabei
werden einzelne Positionen durch Summenbildung zusam
mengefasst. Erstellen Sie bitte anhand der nachfolgend
dargestellten Aktivseite der Bilanz die Strukturbilanz. Be
rechnen Sie anschließend die Bilanzsumme.

Aktiva T€
A. Anlagevermögen
I. Immaterielle Vermögensgegenstände 20
II. Sachanlagen 250
III. Finanzanlagen 100
B. Umlaufvermögen
I. Vorräte
1. Roh, Hilfs und Betriebsstoffe 100
2. Fertige und unfertige Erzeugnisse und Waren 150
II. Forderungen und sonstige Vermögensgegen
stände
1. Ford. aus Lieferungen u. Leistungen 680
2. Sonstige Forderungen 120
III. Wertpapiere 200
IV. Kassenbestand, Bankguthaben 250
C. Rechnungsabgrenzungsposten 130
30 Bilanzkennzahlen: Vermögen, Liquidität und Erfolg optimieren

Lösung
Aktiva T€ %
A. Anlagevermögen
1. Immat. Vermögensgegenstände 20 1,0
2. Sachanlagen 250 12,5
3. Finanzanlagen 100 5,0
Summe Anlagevermögen 370 18,5
B. Umlaufvermögen
1. Vorräte
1.1 RHBStoffe 100 5,0
1.2 Fertige und unfertige Erzeugnisse 150 7,5
und Waren
2. Forderungen und sonstige Ver
mögensgegenstände
2.1 Ford. aus Lieferungen u. Leist. 680 34,0
2.2 Sonstige Forderungen 120 6,0
3. Flüssige Mittel 450 22,5
C. Rechnungsabgrenzungsposten 130 6,5
Summe Umlaufvermögen 1.630 81,5
Bilanzsumme 2.000 100,0

Praxistipp
Bereits die Aufbereitung der Bilanz durch die Berechnung
des relativen Anteils der einzelnen Bilanzpositionen an der
Bilanzsumme lässt eine erste Aussage über das Unterneh
men zu.
Kennzahlen zur Vermögensstruktur
31

Die Struktur analysieren Übung 10


5 min
Die Aktivseite der Bilanz ist entsprechend ihrer Bindungs
dauer gegliedert. Langfristig gebundene Vermögensgegen
stände stehen in der Bilanz weiter oben, während die freie
Verfügbarkeit der Vermögensgegenstände nach unten hin
zunimmt. Bringen Sie die folgenden Vermögensgegenstände
entsprechend ihrer Verfügbarkeit – beginnend mit einer
langfristigen Bindung – in die richtige Reihenfolge:
Kundenforderungen – Girokonto – Software – Stahlbestand
– Kassenbestand – Fahrzeuge – Forderungen gegenüber dem
Finanzamt – Gebäude – Bestand angearbeitete Auftragsar
beiten – Festverzinsliche Wertpapiere – Bestand Schrauben

Anlagenintensität Übung 11
berechnen 5 min
Um zu analysieren, wie das Vermögen im Unternehmen
verteilt und gebunden ist, werden die verschiedenen Inten
sitätskennzahlen ermittelt. Die Anlagenintensität des Anla
gevermögens (AV) gibt Aufschluss darüber, welchen Anteil
das AV an der Bilanzsumme hat. Ermitteln Sie aus den Wer
ten der Strukturbilanz (s. Übung 9) die Anlagenintensität des
AV sowie die Anlagenintensität des AV und der Vorräte.

Lösungstipp
Die Werte der Strukturbilanz bilden auch die Grundlage für
die Berechnung der folgenden Übungen dieses Kapitels.
32 Bilanzkennzahlen: Vermögen, Liquidität und Erfolg optimieren

Lösung 10
Software – Gebäude – Fahrzeuge – Stahlbestand – Bestand
Schrauben – Bestand angearbeitete Auftragsarbeiten – Kun
denforderungen – Forderungen gegenüber dem Finanzamt –
Festverzinsliche Wertpapiere – Girokonto – Kassenbestand

Lösung 11
Die Anlagenintensität des AV (in %) wird so berechnet:

Anlagevermögen
× 100
Bilanzsumme

(370 T€ : 2.000 T€) x 100 = 18,5 %


Das heißt, dass 18,5 % des Vermögens in das AV investiert
sind. Ein hoher Wert drückt ein anlagenintensives Unter
nehmen mit hohem finanziellen Risiko und geringer finan
zieller Flexibilität aus. Die optimale Anlagenintensität des AV
ist auch abhängig von der Branche. Anlagenintensive Bran
chen (z. B. die Automobilindustrie) weisen höhere Werte auf
als z. B. Dienstleistungsunternehmen.
Die Anlagenintensität des AV und der Vorräte (in %) wird
wie folgt berechnet:

Anlagevermögen + Vorräte
× 100
Bilanzsumme

[(370 T€ + 100 T€ + 150 T€) : 2.000 T€)] x 100 = 31 %


Kennzahlen zur Vermögensstruktur
33

Arbeitsintensität berechnen Übung 12


5 min
Die Arbeits oder auch Umlaufvermögensintensität setzt das
Umlaufvermögen (UV) zur Bilanzsumme in Relation. Eine
hohe Arbeitsintensität drückt – aufgrund der leichten Ver
fügbarkeit der Mittel – eine hohe Flexibilität des Unterneh
mens aus, insbesondere was die Anpassungsfähigkeit des
Unternehmens an Veränderungen betrifft.
Ermitteln Sie bitte aus den Werten der erstellten Struktur
bilanz die Arbeitsintensität und interpretieren Sie diese auch
im Vergleich zu der bereits in Übung 11 errechneten Anla
genintensität.

Lösungstipp
Die Vermögensstrukturkennzahlen lassen sich für alle Posi
tionen der Aktivseite der Bilanz ermitteln. Hierzu muss im
Zähler der Formel lediglich die gewünschte Vermögensposi
tion eingesetzt und in das Verhältnis zur Bilanzsumme ge
setzt werden. Das Ergebnis ist immer der prozentuale Anteil
der jeweiligen Vermögensart bzw. gruppe an der Bilanz
summe.
34 Bilanzkennzahlen: Vermögen, Liquidität und Erfolg optimieren

Lösung
Die Arbeits oder Umlaufvermögensintensität (in %) berech
net sich nach folgender Formel:

Umlaufvermögen
× 100
Bilanzsumme

Sie beträgt 81,5 %: (1.630 T€ : 2.000 T€) x 100 = 81,5 %.


Die Zahl bedeutet, dass 81,5 % des Vermögens in das Um
laufvermögen (UV) investiert sind.
Ein Wert von 81,5% ist relativ hoch und drückt damit eine
hohe Flexibilität des Unternehmens aus, das kein anlagen
intensives Unternehmen ist. Da ein hohes UV in der Regel
einen hohen Anteil an variablen Kosten bedeutet, wird der
Fixkostenanteil relativ gering sein. Dies kann auch bereits
ein erstes Indiz für eine relativ hohe Wirtschaftlichkeit sein.

Praxistipps
 Interessant kann auch eine Analyse der einzelnen Positio
nen des Umlaufvermögens am Unternehmensvermögen
sein. So sollte beispielsweise der Anteil der sonstigen For
derungen am Unternehmensvermögen relativ gering sein
und eine nur geringe Schwankungsbreite haben.
 Anstelle der Bilanzsumme kann auch das Gesamtvermö
gen oder die Summe eines Vermögensbereiches wie das
Anlagevermögen oder das Umlaufvermögen eingesetzt
werden.
35

Kennzahlen zur Kapitalstruktur


Passivseite der Strukturbilanz Übung 13
erstellen 10 min
Erstellen Sie bitte nun anhand der nachfolgend dargestellten
Passivseite der Bilanz die Passivseite der Strukturbilanz.

Passiva T€
A. Eigenkapital
I. Gezeichnetes Kapital 400
II. Kapitalrücklage 40
III. Gewinnrücklagen 50
IV. Gewinn/Verlustvortrag 150
V. Jahresüberschuss/fehlbetrag 60
B. Rückstellungen
1. Pensionsrückstellungen 80
2. Steuerrückstellungen 50
3. Sonstige Rückstellungen 100
C. Verbindlichkeiten
1. Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten 450
2. Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Lei 350
stungen
3. Sonstige Verbindlichkeiten 100
D. Rechnungsabgrenzungsposten 170
36 Bilanzkennzahlen: Vermögen, Liquidität und Erfolg optimieren

Lösung
Passiva T€ %
A. Eigenkapital
1. Gezeichnetes Kapital 400 20,0
2. Kapitalrücklage 40 2,0
3. Gewinnrücklagen 50 2,5
4. Bilanzgewinn/Bilanzverlust 210 10,5
Summe Eigenkapital 700 35,0
B. Rückstellungen
1. Pensionsrückstellungen 80 4,0
2. Steuerrückstellungen 50 2,5
3. Sonstige Rückstellungen 100 5,0
C. Verbindlichkeiten
1. Verbindlichkeiten gegenüber Kredit 450 22,5
instituten
2. Verbindlichkeiten aus Lieferungen 350 17,5
und Leistungen
3. Sonstige Verbindlichkeiten 100 5,0
D. Rechnungsabgrenzungsposten 170 8,5
Summe Fremdkapital 1.300 65,0
Bilanzsumme 2.000 100,0

Praxistipp
Das gezeichnete Kapital ist das Kapital, auf das die Haftung
der Gesellschafter des Unternehmens beschränkt ist. Dies ist
das Stammkapital bei der GmbH und das Grundkapital bei
der Aktiengesellschaft.
Kennzahlen zur Kapitalstruktur
37

Eigenkapitalquote Übung 14
5 min
Die Eigenkapitalquote ist eine in der Praxis sehr bedeutende
Kennzahl, die im Rahmen der Bilanzanalyse gewonnen wird.
Sie drückt den Grad der finanziellen Unabhängigkeit bzw.
der Eigenfinanzierung aus. Sie wird ermittelt, indem das
Eigenkapital zur Bilanzsumme bzw. zum Gesamtkapital in
Relation gesetzt wird.
Berechnen Sie auf Grundlage der aufgestellten Strukturbi
lanz die Eigenkapitalquote.

Fremdkapitalquote ermitteln Übung 15


5 min
Die Fremdkapitalquote drückt den Grad der Verschuldung
aus und wird deshalb häufig auch als Verschuldungsgrad
bezeichnet. Sie wird ermittelt, indem das Fremdkapital zur
Bilanzsumme bzw. zum Gesamtkapital in Relation gesetzt
wird.
Berechnen Sie auf Grundlage der aufgestellten Strukturbi
lanz die Fremdkapitalquote.

Lösungstipp
Die Werte der Strukturbilanz bilden auch die Grundlage für
die Berechnung der folgenden Übungen dieses Kapitels.
38 Bilanzkennzahlen: Vermögen, Liquidität und Erfolg optimieren

Lösung 14
Die Eigenkapitalquote (in %) berechnet sich nach folgender
Formel:

Eigenkapital
× 100
Gesamtkapital

Sie beträgt 35 %: (700 T€ : 2.000 T€) x 100 = 35 %


Eine Eigenkapitalquote in Höhe von 35 % ist für deutsche
Unternehmen ein guter Wert. Dem Unternehmen kann damit
eine relativ hohe Unabhängigkeit und Sicherheit attestiert
werden. Es wird aus eigener Kraft eventuell notwendig wer
dende Investitionen tätigen können, ohne dabei in finan
zielle Schwierigkeiten zu geraten.
Der Durchschnitt liegt derzeit in Deutschland zwischen 15
und 30 %. Je höher die Eigenkapitalquote eines Unterneh
mens ist, desto unabhängiger ist es von fremden Kapitalge
bern wie Banken und desto zukunftssicherer ist es.

Praxistipp
Das Gesamtkapital ergibt sich dadurch, dass die Bilanzsum
me um die gebuchten Wertberichtigungen bereinigt wird. In
unserem Beispielsfall liegen keine Wertberichtigungen vor,
sodass das Gesamtkapital der Bilanzsumme entspricht.
Kennzahlen zur Kapitalstruktur
39

Lösung 15
Die Fremdkapitalquote (in %) berechnet sich nach der fol
genden Formel:

Fremdkapital
× 100
Gesamtkapital

Sie beträgt 65 %: (1.300 T€ : 2.000 T€) x 100 = 65 %


Je höher die Fremdkapitalquote eines Unternehmens ist,
desto höher sind sein Risiko und seine Abhängigkeit von
fremden Kapitalgebern. Außerdem stellt ein hoher Fremdka
pitalanteil aufgrund der üblicherweise fällig werdenden
Zinszahlungen eine zusätzliche Liquiditäts und Kostenbe
lastung dar.

Verschuldungsgrad Übung 16
errechnen 5 min
Auch der Verschuldungsgrad ist ein Entscheidungskriterium
bei der Kreditvergabe. Er drückt das Verhältnis zwischen
Fremdkapital und Eigenkapital aus. Je höher der Koeffizient
ist, desto risikoreicher ist das Unternehmen und desto ab
hängiger ist es von Fremdkapitalgebern. Durch die Aufnah
me von Bankdarlehen erhöht sich der Verschuldungsgrad.
Ermitteln Sie wieder auf Grundlage der aufgestellten Struk
turbilanz den Verschuldungsgrad im vorliegenden Beispiel.
40 Bilanzkennzahlen: Vermögen, Liquidität und Erfolg optimieren

Lösung
Der Verschuldungsgrad berechnet sich wie folgt:

Fremdkapital
Eigenkapital

Er beträgt 1,86: 1.300 T€ : 700 T€ = 1,86


Der Verschuldungsgrad oder Kapitalanspannungsgrad von
1,86 sagt aus, dass das Fremdkapital beinahe doppelt so
hoch ist wie das Eigenkapital. Ein optimaler Koeffizient lässt
sich nicht angeben. Die Tendenz ist allerdings, dass der Ver
schuldungsgrad in deutschen Unternehmen im Laufe der
vergangenen Jahre gestiegen ist.

Praxistipps
Weitere in der Praxis gebräuchliche Kennzahlen zur Kapital
struktur sind die Eigenkapitalstruktur und die Fremdkapital
struktur. Diese Kennzahlen zeigen, wie sich das Eigenkapital
– prozentualer Anteil der einzelnen Arten des Eigenkapitals
am gesamten Eigenkapital – bzw. das Fremdkapital – pro
zentualer Anteil der einzelnen Arten des Fremdkapitals am
gesamten Fremdkapital – zusammensetzt.

 Insbesondere eine Gliederung und Auswertung hinsichtlich der ver


schiedenen Fristigkeiten des Fremdkapitals führt zu wichtigen Ergebnissen
und Aussagen. 
41

Kennzahlen zu Finanzierung und


Liquidität
Liquide Mittel erkennen Übung 17
3 min
Die Sicherung der Liquidität, also der Zahlungsfähigkeit, ist
zunächst das Hauptziel eines jeden Unternehmens. Denn nur
wenn ein Unternehmen zu jeder Zeit seinen fälligen Zah
lungsverpflichtungen nachkommen kann, ist dessen Fortbe
stand gesichert. Insofern ist die Untersuchung und Siche
rung der Liquidität eine der Kernaufgaben betriebswirt
schaftlicher Arbeit. Neben der laufenden Liquiditätsanalyse
kann die Liquidität zu einem bestimmten Zeitpunkt unter
kurzfristigen oder langfristigen Gesichtspunkten analysiert
werden. Dabei werden Vermögenswerte und Schulden mit
analoger Fristigkeit zueinander in Relation gesetzt.
Nennen Sie bitte die Vermögensgegenstände, die zu den
flüssigen Mitteln zu zählen sind.

Kurzfristige Übung 18
Verbindlichkeiten berechnen 5 min
Berechnen Sie bitte anhand der Strukturbilanz die kurzfristi
gen Verbindlichkeiten. Unterstellen Sie dabei, dass keine
Gewinnausschüttung vorgesehen ist und keine Kontokor
rentkredite in Anspruch genommen worden sind.
42 Bilanzkennzahlen: Vermögen, Liquidität und Erfolg optimieren

Lösung 17
Zu den flüssigen Mitteln zählen:

 Kassenbestand
 Bankguthaben
 Schecks
 Diskontfähige Schecks

Praxistipp
Die stichtagsbezogene Liquiditätsbetrachtung kann gegen
über der dynamischen Betrachtung den Nachteil haben, dass
sich die Verhältnisse im Vergleich zum Zeitpunkt der Unter
suchung schnell ändern können und damit die zum Zeit
punkt der Untersuchung getroffene Aussage schnell an Gül
tigkeit verlieren kann.

Lösung 18
Die kurzfristigen Verbindlichkeiten betragen 565 T€, sie
errechnen sich wie folgt:
350 T€ + 100 T€ +[(80 T€ + 50 T€ + 100 T€) : 2] = 565 T€
Zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten, die in ihrer Fristigkeit
zu den flüssigen Mitteln in Relation stehen, zählen im All
gemeinen neben den Verbindlichkeiten aus Lieferungen und
Leistungen, den sonstigen Verbindlichkeiten und 50 % der
Rückstellungen auch der Kontokorrentkredit sowie der aus
zuschüttende Bilanzgewinn.
Kennzahlen zu Finanzierung und Liquidität
43

Kennzahlen zur kurzfristigen Übung 19


Liquidität bilden 10 min
Berechnen Sie auf Basis des vorliegenden Beispielsfalls die
drei Liquiditätskennzahlen

 Liquidität ersten Grades,


 Liquidität zweiten Grades und
 Liquidität dritten Grades.

Liquiditätskennzahlen Übung 20
richtig beurteilen 5 min
Beurteilen Sie bitte die aufgeführten Ausprägungen der
bekannten Kennzahlen zur kurzfristigen Liquidität:

1 Die kurzfristige Liquidität ersten Grades des Unterneh


mens A beträgt zum Bilanzstichtag 25 %.
2 Dasselbe Unternehmen investiert in der ersten Woche des
neuen Geschäftsjahres in großem Umfang in eine neue
Produktionsanlage. Welche Konsequenz hat diese An
schaffung für die Liquidität und welche Rückschlüsse
könnten daraus in Bezug auf die erste Aussage gezogen
werden?
3 Die Liquidität zweiten Grades des Unternehmens beträgt
100 % und
4 die Liquidität dritten Grades 150 %.
44 Bilanzkennzahlen: Vermögen, Liquidität und Erfolg optimieren

Lösung 19
Die Liquidität ersten Grades (in %) lässt sich nach folgender
Formel berechnen:

Flüssige Mittel
× 100
Kurzfristige Verbindlichkeiten

Sie beträgt 79,65 %: 450 T€ : 565 T€ x 100 = 79,65 %


Die Liquidität zweiten Grades (in %) lässt sich nach folgen
der Formel berechnen:

Flüssige Mittel + Kurzfristige Forderungen


× 100
Kurzfristige Verbindlichkeiten

Sie beträgt 221,24 %:


(450 T€ + 680 T€ + 120 T€) : 565 T€ x 100 = 221,24 %
Die Liquidität dritten Grades (in %) lässt sich nach folgender
Formel berechnen:

Umlaufvermögen
× 100
Kurzfristige Verbindlichkeiten

Sie beträgt 288,50 %: 1.630 T€ : 565 T€ x 100 = 288,50 %


Kennzahlen zu Finanzierung und Liquidität
45

Lösung 20
1 Eine Barliquidität von 25 % ist zufrieden stellend.
2 Die Investition in eine neue Produktionsanlage wirkt sich
negativ auf die Liquidität des Unternehmens aus. Abhän
gig von der Finanzierungsform können dadurch einerseits
vorhandene flüssige Mittel aufgezehrt werden, anderer
seits kann mit der Investition eine Erhöhung der Verbind
lichkeiten verbunden sein. Eine kurz nach dem Bilanz
stichtag getätigte Investition kann auf eine bilanzpoliti
sche Maßnahme hinweisen und die Barliquidität zum Bi
lanzstichtag infrage stellen: Denn zum Bilanzstichtag
können die notwendigen liquiden Mittel bereits verbucht
sein, die Produktionsanlage erscheint allerdings noch
nicht in den Büchern.
3 Die Liquidität zweiten Grades von 100 % ist zufrieden
stellend, während
4 die Liquidität dritten Grades von 150 % am unteren Ende
des empfohlenen Bereichs liegt.

Praxistipp
Für die kurzfristigen Liquiditätskennzahlen können nur
Richtwerte empfohlen werden: Die Liquidität ersten Grades
oder Barliquidität sollte den Wert von 20 % nicht unter
schreiten. Die kurzfristigen Verbindlichkeiten sollten durch
den Bestand an flüssigen Mittel und kurzfristigen Forderun
gen voll gedeckt sein. Für die Liquidität zweiten Grades wird
ein Wert von 100 % empfohlen („Bankers Rule“), für die
Liquidität dritten Grades ein Zielwert von 200 %.
46 Bilanzkennzahlen: Vermögen, Liquidität und Erfolg optimieren

Kennzahlen zur langfristigen Übung 21


Liquidität bilden 10 min
Neben der kurzfristigen Liquidität wird im Rahmen der Li
quiditätsbetrachtung ebenfalls die langfristige Liquidität
untersucht. Auch hierzu können die entsprechenden Kenn
zahlen gebildet und so die Liquidität bewertet werden.
Berechnen Sie auf Basis des vorliegenden Beispielsfalls die
drei Liquiditätskennzahlen zur langfristigen Liquidität: Dek
kungsgrad 1, Deckungsgrad 2 und Deckungsgrad 3.

Lösungstipps
 Der Deckungsgrad 1 drückt aus, in welchem Umfang das
Anlagevermögen durch Eigenkapital gedeckt ist, der Dek
kungsgrad 2, inwiefern das Anlagevermögen durch Eigen
kapital und langfristiges Fremdkapital gedeckt ist, und
der Deckungsgrad 3 gibt an, inwiefern das Anlagevermö
gen und die Vorräte durch Eigenkapital und langfristiges
Fremdkapital finanziert werden können.
 Das langfristige Fremdkapital umfasst die langfristigen
Rückstellungen sowie die Verbindlichkeiten mit einer
Restlaufzeit von mehr als einem Jahr.
 Unterstellen wir im aktuellen Beispiel, dass lediglich die
Pensionsrückstellungen als langfristige Rückstellungen
einzuordnen sind. Wir unterstellen zudem, dass aus
schließlich die Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinsti
tuten langfristige Verbindlichkeiten sind.
Kennzahlen zu Finanzierung und Liquidität
47

Lösung
Der Deckungsgrad 1 (in %) berechnet sich wie folgt:

Eigenkapital
× 100
Anlagevermögen

Er beträgt 189,19 %:
700 T€ : 370 T€ x 100 = 189,19 %

Der Deckungsgrad 2 (in %) berechnet sich wie folgt:

Eigenkapital + Langfristiges Fremdkapital


× 100
Anlagevermögen

Er beträgt 332,43 %:
(700 T€ + 80 T€ + 450 T€) : 370 T€ x 100 = 332,43 %

Der Deckungsgrad 3 (in %) berechnet sich wie folgt:

Eigenkapital + Langfristiges Fremdkapital


× 100
Anlagevermögen + Vorräte

Er beträgt 198,39 %:
(700 T€ + 80 T€ + 450 T€) : (370 T€ + 100 T€ + 150 T€) x 100
= 198,39 %
48 Bilanzkennzahlen: Vermögen, Liquidität und Erfolg optimieren

Praxistipps
 Auch für die langfristigen Liquiditätskennzahlen können
keine festen, allgemeingültigen Zielwerte angegeben
werden. Als Richtwerte werden empfohlen: Der Dek
kungsgrad 1 sollte 80 bis 100 % betragen, der Deckungs
grad 2 100 %, die empfohlene Spanne reicht bis 120 %.
Die Zielvorgabe für den Deckungsgrad 3 beträgt 100 %.
In diesem Sinne liegen die Werte in unserem Beispielsfall
allesamt über den Zielwerten.
 Die Basis der langfristigen Liquiditätskennzahlen sind die
Finanzierungsregeln. Eine als Fristenkongruenz bezeich
nete Regel besagt, dass beispielsweise langfristig gebun
dene Vermögensgegenstände durch langfristige Verbind
lichkeiten zu finanzieren sind. Daraus kann Folgendes ab
geleitet werden: Die Vermögensgegenstände des Anlage
vermögens werden mit Verbindlichkeiten finanziert, deren
Laufzeit der Nutzungsdauer der damit finanzierten Ge
genstände des Anlagevermögens entspricht.

 Sind die oben genannten Finanzierungsregeln eingehalten, dann kann


davon ausgegangen werden, dass damit auch die Liquidität des Unter
nehmens entsprechend gesichert ist. 
Kennzahlen zu Finanzierung und Liquidität
49

Goldene Bilanzregel und Übung 22


goldene Finanzierungsregel 5 min
Zwei wichtige Regeln bezogen auf die langfristige Liquidität
des Unternehmens sind die goldene Bilanzregel sowie die
goldene Finanzierungsregel.
Erläutern Sie bitte die beiden Regeln. Stellen Sie fest, ob die
beiden Finanzierungsregeln im vorliegenden Beispielsfall
erfüllt sind, und werten Sie die Aussagen bezogen auf das
aktuelle Beispiel.

Working Capital ermitteln Übung 23


und bewerten 5 min
Eine weitere wichtige Kennzahl im Zusammenhang mit der
Untersuchung und Beurteilung der Liquidität eines Unter
nehmens ist das Working Capital.
Beschreiben Sie die Aussage der Kennzahl, ermitteln Sie das
Working Capital im vorliegenden Beispiel und bewerten Sie
die ermittelte Kennzahl.

Lösungstipp
Verwechseln Sie das Working Capital nicht mit dem Net
Working Capital, das die liquiden Mittel außen vor lässt
sowie nur das nicht zinstragende kurzfristige Fremdkapital
in Abzug bringt.
50 Bilanzkennzahlen: Vermögen, Liquidität und Erfolg optimieren

Lösung 22
Nach der goldenen Bilanzregel ist das gesamte Anlagever
mögen durch Eigenkapital oder durch langfristiges Fremdka
pital zu finanzieren. Der Deckungsgrad 2 soll nach der gol
denen Bilanzregel mindestens 100 % betragen. In unserem
Beispiel beträgt er mehr als 300 %, das Anlagevermögen ist
damit durch Eigenkapital und langfristiges Fremdkapital
überdeckt. Die Liquidität ist in dieser Hinsicht absolut gesi
chert – allerdings scheint bei der Finanzierung Optimie
rungsbedarf im Sinne der Wirtschaftlichkeit zu bestehen.
Die goldene Finanzierungsregel verlangt Fristenkongruenz in
der Finanzierung, d. h., langfristiges Vermögen muss mit
langfristig im Unternehmen verbleibendem Kapital finanziert
sein.

Lösung 23
Das Working Capital ist der Saldo zwischen dem Umlauf
vermögen und den kurzfristigen Verbindlichkeiten:

Umlaufvermögen
− Kurzfristige Verbindlichkeiten
= Working Capital

Es beträgt im Beispielsfall 1.065 T€:


1.630 T€ – 565 T€ = 1.065 T€
Der positive Wert besagt, dass ein Teil des Umlaufvermögens
durch langfristig im Unternehmen verbleibendes Kapital
finanziert ist; dies drückt Sicherheit in der Finanzierung aus.
Kennzahlen zu Finanzierung und Liquidität
51

CashflowKennzahlen Übung 24
richtig einsetzen 5 min
Der Cashflow stellt einen der wichtigsten Indikatoren für die
Finanz und Ertragskraft eines Unternehmens dar und ist
damit in der Praxis der Kennzahlenanalyse einer der wich
tigsten Ansatzpunkte.
Nennen Sie die allgemeingültige Formel zur Ermittlung des
Cashflows sowie Beispiele für die in der Berechnung zu
berücksichtigenden Positionen.

Cashflow berechnen und Übung 25


interpretieren 6 min
Nach der allgemeinen Betrachtung der CashflowKennzahl
werden wir das erarbeitete Ergebnis nun wieder im prakti
schen Beispiel anwenden.
Berechnen Sie den Cashflow auf Basis unseres Beispiels und
interpretieren Sie das Ergebnis. Gehen Sie davon aus, dass
die Rückstellungen zu Beginn des Geschäftsjahres einen
Bestand von insgesamt 200 T€ aufgewiesen haben. Das
Anlagevermögen hatte zu Beginn des Geschäftsjahres einen
Buchwert von 400 T€. Weitere für den Cashflow relevante
Geschäftsvorfälle liegen nicht vor.

Lösungstipp
Sehen Sie sich dazu die Zahlen der Aktiv und Passivseite
der Strukturbilanz in den Übungen 9 und 13 an.
52 Bilanzkennzahlen: Vermögen, Liquidität und Erfolg optimieren

Lösung 24
Jahresüberschuss bzw. Jahresfehlbetrag
− Nicht zahlungsrelevante Erträge
+ Nicht zahlungsrelevante Aufwendungen
= Cashflow

Beispiele für nicht zahlungsrelevante Erträge sind:


Auflösung von Rückstellungen, periodenfremde oder außer
ordentliche Erträge, Zuschreibungen, Bestandserhöhung an
fertigen und unfertigen Erzeugnissen, Auflösung von Wert
berichtigungen, aktivierte Eigenleistungen, Entnahme aus
den Rücklagen.
Beispiele für nicht zahlungsrelevante Aufwendungen sind:
Bildung von Rückstellungen, periodenfremde oder außeror
dentliche Aufwendungen, Abschreibungen, Bestandsminde
rung fertiger und unfertiger Erzeugnisse, Erhöhung von
Wertberichtigungen, Einstellung in die Rücklagen.

Lösung 25
Der Cashflow im Beispielsfall beträgt 270 T€:
Bilanzgewinn 210 T€
+ Zuführung Rückstellungen 30 T€
+ Abschreibungen 30 T€
= Cashflow 270 T€

Damit stehen dem Unternehmen 270 T€ an selbst erwirt


schafteten Mitteln zur Verfügung, um Investitionen durch
zuführen, Verbindlichkeiten zu tilgen, Gewinne auszuschüt
ten oder liquide Mittel für spätere Investitionen zu bilden.
53

Kennzahlen zu Ertragslage und


Rentabilität
Zahlen der Gewinnund Übung 26
VerlustRechnung aufbereiten 10 min
Analog zum Vorgehen bei den Zahlen der Bilanz werden die
Zahlen der GuV zu einer StrukturGuV aufbereitet. Erstellen
Sie aus der folgenden GuV eine StrukturGuV.

T€
1 Umsatzerlöse 3.500
2 Erhöhung des Bestands an fertigen und un 220
fertigen Erzeugnissen
3 Andere aktivierte Eigenleistungen 0
4 Sonstige betriebliche Erträge 50
5 Materialaufwand:
a) Aufwendungen für RHBStoffe und 900
bezogene Waren
b) Aufwendungen für bez. Leistungen 200
6 Personalaufwand:
a) Löhne und Gehälter 1.400
b) soziale Abgaben und Aufwendungen für 350
Altersversorgung
7 Abschreibungen:
a) auf immat. Vermögensgegenstände des 100
Anlagevermögens und Sachanlagen
b) auf Vermögensgegenstände des Umlauf 10
vermögens
54 Bilanzkennzahlen: Vermögen, Liquidität und Erfolg optimieren

8 Sonstige betriebliche Aufwendungen 550


9 Erträge aus Beteiligungen 25
10 Erträge aus anderen Wertpapieren und Aus 10
leihungen des Finanzanlagevermögens
11 Sonstige Zinsen und ähnliche Erträge 15
12 Abschreibungen auf Finanzanlagen und auf 5
Wertpapiere des Umlaufvermögens
13 Zinsen und ähnliche Aufwendungen 5
14 Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit 300
15 Außerordentliche Erträge 20
16 Außerordentliche Aufwendungen 10
17 Außerordentliches Ergebnis 10
18 Steuern vom Einkommen und vom Ertrag 75
19 Sonstige Steuern 25
20 Jahresüberschuss 210

Lösungstipps
 Die Darstellung der StrukturGuV erfolgt analog zur Dar
stellung der Strukturbilanz.
 Es werden wieder sowohl absolute Zahlen und Summen
dargestellt als auch relative Zahlen bezogen auf den Wert
der Umsatzerlöse.
Kennzahlen zu Ertragslage und Rentabilität
55

Lösung
Die StrukturGuV zeigt folgendes Bild:
T€ %
1 Umsatzerlöse 3.500 100,00
2 Erhöhung des Bestands an ferti 220 6,29
gen/unfertigen Erzeugnissen
3 Andere aktivierte Eigenleist. 0 0,00
4 Sonstige betriebliche Erträge 50 1,43
5 Gesamtleistung (1+2+3+4) 3.770 107,71
6 Materialaufwand:
a) Aufwendungen für RHBStoffe 900 25,71
und bezogene Waren
b) Aufwendungen für bezogene Lei 200 5,71
stungen
7 Personalaufwand:
a) Löhne und Gehälter 1.400 40,00
b) soz. Abgaben u. Aufwendungen 350 10,00
für Altersversorgung
8 Abschreibungen:
a) auf immaterielle Vermögensge 100 2,86
genstände des Anlagevermögens
und Sachanlagen
b) auf Vermögensgegenstände des 10 0,29
Umlaufvermögens
9 Sonstige betriebliche Aufwendungen 550 15,71

10 Betriebsergebnis (5–6–7–8–9) 260 7,43


56 Bilanzkennzahlen: Vermögen, Liquidität und Erfolg optimieren

11 Erträge aus Beteiligungen und aus 35 1,00


anderen Wertpapieren und Auslei
hungen des Finanzanlagevermögens
12 Sonstige Zinsen und ähnliche Erträ 15 0,43
ge
13 Abschreibungen auf Finanzanlagen 5 0,14
und auf Wertpapiere des Umlauf
vermögens
14 Zinsen und ähnliche Aufwendungen 5 0,14
15 Finanzergebnis (11+12–13–14) 40 1,14
16 Ergebnis der 300 8,57
gewöhnlichen Geschäftstätigkeit
(10+15)
17 Steuern vom Einkommen und vom 75 2,14
Ertrag
18 Sonstige Steuern 25 0,71
19 Gewinn 200 5,71
(Ordentliches Betriebsergebnis)
(1617–18)
20 Neutrale Erträge 20 0,57
21 Neutrale Aufwendungen 10 0,29
22 Neutrales Ergebnis (20–21) 10 0,29
23 Unternehmensergebnis (19+22) 210 6,00

Die Werte dieser StrukturGuV bilden auch die Grundlage für


die Berechnung der folgenden Übungen dieses Kapitels.
Kennzahlen zu Ertragslage und Rentabilität
57

Die häufigsten Übung 27


Renditekennzahlen deuten 10 min
Das Hauptziel eines jeden Unternehmens ist es, Gewinne zu
erwirtschaften. Aber die Zahl „Gewinn“ alleine hat nur eine
eingeschränkte Aussagekraft. Indem der Gewinn zu anderen
Größen in Relation gesetzt wird, geben Renditekennzahlen
der Kennzahl eine höhere Aussagekraft und machen sie auch
vergleichbar.
Ermitteln Sie bitte die folgenden, in der Praxis am häufig
sten verwendeten Renditezahlen auf Basis der erstellten
Strukturbilanz und StrukturGuV:

 Eigenkapitalrentabilität
 Gesamtkapitalrentabilität
 Umsatzrentabilität
 Betriebsrentabilität
Deuten und interpretieren Sie bitte anschließend die be
rechneten Kennzahlen und nennen Sie einen Wertbereich,
der als Zielbereich erreicht werden sollte.

Lösungstipp
Gehen Sie davon aus, dass das betriebsnotwendige Kapital
dem Gesamtkapital entspricht.
58 Bilanzkennzahlen: Vermögen, Liquidität und Erfolg optimieren

Lösung
Die Eigenkapitalrentabilität (in %) setzt den Gewinn zum
Eigenkapital in Relation und gibt die Verzinsung des vom
Unternehmer bzw. Anteilseigner eingesetzten Kapitals an.
Sie berechnet sich wie folgt:

Gewinn
× 100
Eigenkapital

Sie beträgt 30 %:
210 T€ : 700 T€ x 100 = 30 %
Eine Eigenkapitalrentabilität von 30 % ist ein sehr guter
Wert. Die empfohlene Größenordnung liegt bei 20 bis 25 %.
Insbesondere im Mittelstand wird derzeit dieser Bereich aber
nur selten erreicht.
Die Gesamtkapitalrentabilität (in %) gibt die Verzinsung des
gesamten im Unternehmen investierten Kapitals an – d. h.
zusätzlich zum Eigenkapital auch das Fremdkapital. Dadurch
ist die Kennzahl von höherer Aussagekraft als die Eigenka
pitalrentabilität. Dabei werden dem Gewinn die Fremdkapi
talzinsen hinzugerechnet. Die Gesamtkapitalrentabilität
errechnet sich wie folgt:

Gewinn + Fremdkapitalzinsen
× 100
Gesamtkapital

Sie beträgt 10,75 %:


(210 T€ + 5 T€) : 2.000 T€ x 100 = 10,75 %
Kennzahlen zu Ertragslage und Rentabilität
59

Auch eine Gesamtkapitalrentabilität von 10,75 % ist ein


guter Wert und liegt innerhalb des empfohlenen Bereichs
von 10 bis 12 %.
Die Umsatzrentabilität (in %) setzt den Gewinn zum Umsatz
ins Verhältnis und gibt die Verzinsung des Umsatzes an. Sie
berechnet sich wie folgt:

Gewinn
× 100
Umsatz

Sie beträgt 6 %: 210 T€ : 3.500 T€ x 100 = 6 %


Der berechnete Wert von 6 % ist ebenfalls ein guter Wert
und liegt im empfohlenen Zielbereich von 5 bis 6 %.
Die Betriebsrentabilität (in %) zeigt die um das neutrale
Ergebnis bereinigte Rentabilität. Sie berechnet sich wie
folgt:

Betriebsgewinn + Fremdkapitalzinsen
× 100
Betriebsnotwendiges Kapital

Unter der Annahme, dass im Beispiel das betriebsnotwendi


ge Kapital dem Gesamtkapital entspricht, beträgt die Be
triebsrentabilität 13,25 %:
(260 T€ + 5 T€) : 2.000 T€ x 100 = 13,25 %
Die Betriebsrentabilität zeigt die Rentabilität, die durch die
eigentliche betriebliche Tätigkeit erwirtschaftet wird. Sie
sollte nicht unterhalb des marktüblichen Zinssatzes für
Kapitalanlagen entsprechender Fristigkeit liegen.
60 Bilanzkennzahlen: Vermögen, Liquidität und Erfolg optimieren

CashflowRendite Übung 28
berechnen 5 min
Analog zu den in der letzten Übung errechneten und inter
pretierten Renditekennzahlen auf Basis des Betriebsgewinns
lassen sich auch Renditekennzahlen auf Basis des Cashflows
berechnen.
Ermitteln Sie bitte die beiden gebräuchlichen Cashflow
Renditekennzahlen:

 CashflowEigenkapitalrendite und
 CashflowUmsatzrendite.

ROI – Return on Investment – Übung 29


verstehen 5 min
Eine der wichtigsten Kennzahlen im Rahmen der Kennzah
lenanalyse ist der Return on Investment, der ROI. Er wird
berechnet, indem die Umsatzrentabilität mit der Kapita
lumschlagshäufigkeit multipliziert wird.
Ermitteln Sie für den Beispielsfall mithilfe der erstellten
Strukturbilanz und StrukturGuV den Return on Investment,
interpretieren Sie ihn und erklären Sie die Relevanz der
Kennzahl.
Kennzahlen zu Ertragslage und Rentabilität
61

Lösung 28
Die CashflowEigenkapitalrentabilität (in %) setzt den
Cashflow zum Eigenkapital in Relation. Sie berechnet sich
wie folgt:

Cashflow
× 100
Eigenkapital

Sie beträgt 38,57 %: 270 T€ : 700 T€ x 100 = 38,57 %


Die CashflowUmsatzrentabilität (in %) setzt den Cashflow
zu den Umsatzerlösen in Verhältnis. Sie sagt aus, wie viel
Prozent des Umsatzes für Investitionen, zur Tilgung von
Verbindlichkeiten, zur Gewinnausschüttung oder zur Bildung
weiterer liquider Mittel für spätere Investitionen zur Verfü
gung stehen. Sie errechnet sich nach der folgenden Formel:

Cashflow
× 100
Umsatzerlöse

Sie beträgt 7,71 %: 270 T€ : 3.500 T€ x 100 = 7,71 %

Praxistipp
Die CashflowRenditekennzahlen sind auch bei Ratingver
fahren nach Basel II wichtige Messkriterien und gehen zu
einem nicht unerheblichen Teil in den Ratingfaktor ein.
62 Bilanzkennzahlen: Vermögen, Liquidität und Erfolg optimieren

Lösung 29
Zunächst muss die Kapitalumschlagshäufigkeit ermittelt
werden. Diese berechnet sich nach der folgenden Formel:

Umsatz
Gesamtkapital

Sie beträgt 1,75: 3.500 T€ : 2.000 T€ = 1,75


Der Wert von 1,75 sagt, dass mit 1 € Kapital 1,75 € Umsatz
pro Jahr erzielt werden.
Multipliziert man nun die Umschlagshäufigkeit mit der
Umsatzrentabilität, ergibt sich der ROI (in %). Im vorliegen
den Beispiel beträgt der ROI 10,5 %: 1,75 x 6 % = 10,5 %.
Damit liegt der ROI innerhalb des Zielbereiches von 10 bis
12 %. Unser Beispielunternehmen kann damit einen guten
ROI ausweisen.
Die Aussagekraft des ROI im Hinblick auf die Ertragskraft
eines Unternehmens ist deshalb so groß, weil bei der Er
mittlung der Kennzahl zwei Erfolgsgrößen berücksichtigt
werden: die Umsatzrentabilität, die die Verzinsung des Um
satzes darstellt, und der Kapitalumschlag, der die Intensität
der Kapitalnutzung angibt. Häufig wird auf Basis des ROI ein
gesamtes Kennzahlensystem abgeleitet.
Kennzahlen zu Ertragslage und Rentabilität
63

Die neuen Ergebnisbegriffe Übung 30


erklären 10 min
Immer häufiger werden in der täglichen Praxis die auf der
angelsächsischen Rechnungslegung basierenden neuen
Ergebnisbegriffe verwendet. Diese zumeist aus „sprechen
den“ Kürzeln bestehenden Begriffe sind Thema dieser Übung.
Beschreiben Sie bitte die Bedeutung des jeweiligen Begriffes
und geben Sie an, wie der Wert ermittelt wird:

 EBIT
 EBITDA
 Operating Profit
 NOPAT
 NOPATBI

Lösungstipp
In Literatur und Praxis werden die Begriffe teilweise unter
schiedlich gebildet. Den unterschiedlichen Herangehens
weisen gemeinsam ist, dass die neuen Ergebnisbegriffe dazu
beitragen sollen, die operative Leistungsfähigkeit der Unter
nehmen realistischer darzustellen.
64 Bilanzkennzahlen: Vermögen, Liquidität und Erfolg optimieren

Lösung
EBIT – Earnings Before Interest and Taxes: Dieser Begriff
stellt das Ergebnis vor Zinsen und Steuern dar.
Betriebsergebnis (10)
+ Zinsen
+ Steuern
= EBIT
EBITDA – Earnings Before Interest and Taxes, Depreciation
and Amortisation: Hiermit ist das Ergebnis vor Zinsen und
Steuern und vor Abschreibungen und Amortisation gemeint.
Betriebsergebnis (10)
+ Zinsen
+ Steuern
+ Abschreibungen und Amortisation
= EBITDA

Operating Profit: operativer Gewinn des Unternehmens. Damit


ist der Gewinn aus betrieblicher Tätigkeit gemeint.
NOPAT – Net Operating Profit After Taxes: Das operative
Ergebnis nach Zinsen und Steuern bezeichnet dieser Begriff.
Betriebsergebnis (10)
− Zinsen
− Steuern
= NOPAT

NOPATBI – Net Operating Profit After Taxes Before Interest:


operatives Ergebnis nach Steuern und vor Zinsen.
Betriebsergebnis nach Steuern und Zinsen
+ Zinsen
= NOPATBI
65

Marketing und
Vertriebskennzahlen
beherrschen

In diesem Kapitel lernen Sie:

 relevante Kennzahlen zum Umsatz eines Unter


nehmens zu berechnen sowie die Umsatzgröße und
Umsatzentwicklung zu interpretieren,
 wie die Marktposition eines Unternehmens ermit
telt und beurteilt wird,
 die Preispolitik eines Unternehmens zu analysieren,
 die Aktivitäten und den Erfolg im Bereich Vertrieb
und Marketing zu messen und richtig einzuschät
zen.
66 Marketing und Vertriebskennzahlen beherrschen

Darum geht es in der Praxis


Der wesentlichste Erfolgsfaktor eines jeden Unternehmens
ist die Art und Weise, wie am Markt agiert wird. Die Kun
denbedürfnisse zu kennen, darauf abgestimmt die richtigen
Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln und anzubie
ten und mit den geeigneten Maßnahmen am Markt aufzu
treten sind die entscheidenden Faktoren, die den Erfolg
bestimmen.
Nicht nur die aus Bilanz und GewinnundVerlustRechnung
abgeleiteten Zahlen stellen im Rahmen der Kennzahlenana
lyse wichtige Ansatzpunkte zur Untersuchung und Steue
rung eines Unternehmens dar. Auch markt und absatzori
entierte Größen lassen sich durch Kennzahlen messen und
beurteilen. Sie stellen somit ein Instrumentarium dar, mit
dem der Absatzerfolg gesteuert werden kann.
Deshalb sind die Analyse der Umsatzstruktur und Um
satzentwicklung, die Evaluation der Marktposition des Un
ternehmens, die Ermittlung von Marktanteil und Marktpo
tenzial sowie die Optimierung des Verkaufspreises wichtig.
Zudem muss der Erfolg des Marketings und des Vertriebs
eingeschätzt und mit den richtigen Instrumentarien optimal
gestaltet werden.
67

Kennzahlen zum Umsatz


Umsatzentwicklung Übung 31
ermitteln 5 min
Die Entwicklung des Umsatzes über einen Zeitraum von
mehreren Jahren lässt sich einerseits in absoluten Zahlen
ausdrücken. Der Nachteil liegt jedoch in ihrer eingeschränk
ten Aussagekraft. Andererseits kann die Umsatzentwicklung
in Form einer relativen Zahl bezogen auf das jeweilige Vor
jahr oder in Form einer Indexzahl bezogen auf einen Basis
zeitraum dargestellt werden. Der Vorteil einer solchen Dar
stellung ist, dass die Zahlen aufgrund ihrer Vergleichbarkeit
an Qualität gewinnen.
Ermitteln Sie die Umsatzentwicklung in Form absoluter
Zahlen, als relative Zahl bezogen auf das jeweilige Vorjahr
(VJ) sowie in Form von Indexzahlen bezogen auf das Jahr
2002 für die folgenden Umsätze:

ƒ Jahr 2002: 2,0 Mio. €


ƒ Jahr 2003: 2,2 Mio. €
ƒ Jahr 2004: 2,8 Mio. €
ƒ Jahr 2005: 2,7 Mio. €
ƒ Jahr 2006: 2,8 Mio. €
ƒ Jahr 2007: 3,0 Mio. €
68 Marketing und Vertriebskennzahlen beherrschen

Lösung
Der Umsatz hat sich wie folgt entwickelt:

Entwicklung
Jahr Umsatz absolut zum VJ Index
Mio. € Mio. € in % 2002
2002 2,0 100
2003 2,2 +0,2 +10,00 % 110
2004 2,8 +0,6 +27,27 % 140
2005 2,7 –0,1 –3,57 % 135
2006 2,8 +0,1 +3,70 % 140
2007 3,0 +0,2 +7,14 % 150

Der Umsatzindex lässt sich wie folgt ermitteln:

Umsatz im Ermittlungszeitraum
× 100
Umsatz im Basiszeitraum

Praxistipp
Bei der Trenderkennung sollte zwischen kurz und langfristi
gen Trends unterschieden werden. Kurzfristige Trends kön
nen am besten identifiziert werden, wenn der Vergleich zum
Vorjahr vorgenommen wird. Langfristige Trends sind am
besten über Zeitreihen zu erkennen.
Kennzahlen zum Umsatz
69

Umsatzentwicklung Übung 32
interpretieren 3 min
Interpretieren Sie bitte die in Übung 31 ermittelten Ergeb
nisse hinsichtlich der Entwicklung der Umsatzzahlen.

Umsatzentwicklung Übung 33
richtig einschätzen 3 min
Bitte kreuzen Sie an, welche der Aussagen richtig sind:

1 Der Umsatzindex bezogen auf das Vorjahr beträgt 90.


Damit ist der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr gestiegen.
2 Der Umsatzindex stellt die Umsatzveränderung der Um
satzerlöse zwischen zwei Zeiträumen in Prozent zum Ba
siszeitraum dar.
3 Ein Umsatzindex von 110 zeigt dieselbe Umsatzentwick
lung an wie eine Zahl von 10 % gegenüber dem Vorjahr.
4 Eine Umsatzsteigerung von absolut 0,2 Mio. € ist ein
besserer Wert als ein Umsatzindex von 110.
70 Marketing und Vertriebskennzahlen beherrschen

Lösung 32
Der Umsatz hat sich im Betrachtungszeitraum positiv um
absolut 1 Mio. € entwickelt. Er ist nahezu kontinuierlich
gewachsen, lediglich im Jahr 2005 ging er im Vergleich zum
Vorjahr leicht zurück. Dies ist in allen drei Betrachtungsarten
zu erkennen. Insgesamt konnte der Umsatz um 50 % im
Vergleich zum Beginn der Betrachtungsperiode in 2002
gesteigert werden. Die größte Umsatzsteigerung konnte im
Jahr 2004 realisiert werden: um absolut 600 T€ oder relativ
um rund 27 %. Dies ist eine Steigerung um 40 % gegenüber
dem ersten Jahr 2002.

Lösung 33
Richtig sind die Antworten 2 und 3.
Der Umsatzindex von 90 besagt, dass sich der Umsatz im
Vergleich zur Basisperiode verringert hat. Ein Wert von 100
drückt einen konstanten Umsatz aus, ein Wert von über 100
zeigt eine Umsatzsteigerung an.
Ob die Steigerung des Umsatzes um 0,2 Mio. € oder der
Umsatzindex von 110 ein besseres Ergebnis ist, lässt sich
allein durch die Betrachtung der beiden Zahlen nicht sagen.
Hierzu müssen die Bezugsgrößen bekannt sein. Bei einem
Umsatz von beispielsweise 1 Mio. € bedeutet eine Steige
rung um 0,2 Mio. € mehr als 10 % Umsatzsteigerung, bei
einem Umsatz von 10 Mio. € dagegen deutlich weniger als
10 %. Insofern kann die Aussage korrekt sein, sie muss es
aber nicht.
Kennzahlen zum Umsatz
71

Den Umsatz nach Übung 34


unterschiedlichen Kriterien 5 min
strukturieren
Die Entwicklung des Umsatzes lässt sich auch anhand seiner
Strukturierung analysieren und bewerten. Dabei kann der
Umsatz nach den unterschiedlichsten Kriterien strukturiert
werden: angefangen von den verschiedenen Produkten über
die einzelnen Branchen bis hin zu den verschiedenen Ab
satzregionen oder Ländern.
Analysieren Sie folgenden Umsatz hinsichtlich der Branche:

ƒ Branche A
2004: 2,0 Mio. €
2005: 2,1 Mio. €
2006: 2,2 Mio. €
ƒ Branche B
2004: 1,5 Mio. €
2005: 1,4 Mio. €
2006: 1,2 Mio. €
ƒ Branche C
2004: 3,0 Mio. €
2005: 3,3 Mio. €
2006: 3,6 Mio. €
72 Marketing und Vertriebskennzahlen beherrschen

Lösung
Umsatzanalyse nach Branchen – absolut und relativ:

Branche 2004 in % 2005 in % 2006 in %


A 2,0 30,8 2,1 30,9 2,2 31,4
B 1,5 23,1 1,4 20,6 1,2 17,2
C 3,0 46,1 3,3 48,5 3,6 51,4
∑ 6,5 100 6,8 100 7,0 100

Insgesamt konnte der Umsatz im Betrachtungszeitraum


gesteigert werden. Die Branche C entwickelte sich dabei am
besten. Während die Branche A sich zumindest leicht positiv
entwickelte, sank in der Branche B sowohl der Anteil am
Umsatz als auch die absolute Umsatzzahl. Diese kann ein
erstes Indiz dafür sein, dass die Branche B zugunsten der
Branche C eingestellt werden sollte.

Praxistipps
ƒ Eine unternehmerische Entscheidung wie oben beschrie
ben – die Einstellung der Geschäftsaktivitäten in einem
bestimmten Bereich – sollte in keinem Fall auf nur einer
Untersuchung basieren. Die Entscheidung muss von ver
schiedenen Seiten betrachtet und analysiert werden.
ƒ Analog zur Analyse des Umsatzes hinsichtlich der Bran
chenverteilung und entwicklung kann der Umsatz wie
beschrieben beispielsweise auch hinsichtlich des Absatz
gebietes analysiert werden.
Kennzahlen zum Umsatz
73

Deckungsbeitragsrechnung Übung 35
einsetzen 10 min
Um den Erfolg einzelner Geschäftsbereiche – seien es un
terschiedliche Produktgruppen, unterschiedliche Branchen
oder auch unterschiedliche Absatzgebiete – besser bewerten
zu können, wird die Deckungsbeitragsrechnung eingesetzt.
Ziel dabei ist es, das Ergebnis der unterschiedlichen Ge
schäftsbereiche getrennt voneinander zu ermitteln und zu
untersuchen. Auf diese Weise können erfolgreiche und we
niger erfolgreiche Geschäftsbereiche identifiziert werden.
Dabei werden die Kosten entsprechend ihrer Veranlassung
getrennt und die Bereiche werden zunächst mit den direkt
zuordenbaren Kosten belastet.
Erstellen Sie bitte basierend auf den nachfolgenden Anga
ben den Deckungsbeitrag I pro Stück sowie den Gewinn
bzw. Verlust pro Stück:

Produkt A Produkt B
Stück 1.500 900
Verkaufspreis/Stück 30 € 20 €
Variable Kosten 21.000 € 11.700 €
Fixe Kosten 15.000 € 8.100 €
74 Marketing und Vertriebskennzahlen beherrschen

Lösung
Die allgemeingültige Formel zur Berechnung des Deckungs
beitrags I lautet:

Umsatzerlöse
− Variable Kosten
= Deckungsbeitrag I
− Fixe Kosten
= Betriebsergebnis

Die Berechnung des Deckungsbeitrags I pro Stück sowie des


Stückgewinns bzw. Stückverlustes erfolgt demnach nach
folgendem Schema:

Produkt A Produkt B
Verkaufserlös 45.000 € 18.000 €
– Variable Kosten 21.000 € 11.700 €
– Fixe Kosten 15.000 € 8.100 €
= Gewinn/Verlust 9.000 € –1.800 €
Variable Kosten/Stück 14 € 13 €
Fixe Kosten/Stück 10 € 9€

Produkt A Produkt B
Verkaufspreis/Stück 30 € 20 €
– Variable Kosten/Stück 14 € 13 €
= Deckungsbeitrag I 16 € 7€
– Fixe Kosten/Stück 10 € 9€
= Gewinn/Verlust pro Stück 6€ –2 €
Kennzahlen zum Umsatz
75

Aus dem Deckungsbeitrag Übung 36


den Mindestumsatz ableiten 5 min
Ist der Deckungsbeitrag pro Stück bekannt, kann daraus der
für die Deckung der fixen Kosten notwendige Mindestum
satz abgeleitet werden, und zwar sowohl bezogen auf die
abzusetzende Stückzahl als auch bezogen auf den wertmä
ßigen Umsatz. Ab diesem Punkt – der so genannten Ge
winnschwelle – tritt das Unternehmen in die Gewinnzone
ein. Andere in der Praxis und Literatur hierfür gebräuchliche
Begriffe sind Gewinnpunkt, kritischer Punkt oder toter
Punkt.
Ermitteln Sie bitte auf Basis des Beispiels aus Übung 35
mengenmäßig den Gewinnpunkt für die beiden Produkte A
und B.

Lösungstipps
 Der Punkt, an dem der Umsatz die fixen Kosten schneidet
und übersteigt ist der so genannte BreakEvenPoint. Die
Gewinnschwellenanalyse ist ebenfalls ein sehr wichtiger
Ansatzpunkt in der Kennzahlenanalyse.
 Der wertmäßige BreakEvenPoint wird im Gegensatz zur
mengenmäßigen Gewinnschwelle dadurch ermittelt, dass
die gesamten Fixkosten des Unternehmens durch die Dek
kungsquote pro Stück dividiert werden.
76 Marketing und Vertriebskennzahlen beherrschen

Lösung
Der mengenmäßige Mindestumsatz berechnet sich nach der
folgenden Formel:

Fixkosten
Deckungsbeitrag/Stück

 Zur Erreichung der Gewinnschwelle bezogen auf die Fix


kosten für Produkt A müssen insgesamt mehr als 937
Stück von Produkt A verkauft werden (15.000 € : 16 € =
937,50 Stück).
 Zur Erreichung der Gewinnschwelle bezogen auf die Fix
kosten des Gesamtunternehmens müssen insgesamt mehr
als 1.443 Stück von Produkt A verkauft werden ([15.000 €
+ 8.100 €] : 16 € = 1.443,75 Stück).
 Zur Erreichung der Gewinnschwelle bezogen auf die Fix
kosten für Produkt B müssen insgesamt mehr als 1.157
Stück von Produkt B verkauft werden (8.100 € : 7 € =
1.157,14 Stück).
 Zur Erreichung der Gewinnschwelle bezogen auf die Fix
kosten des Gesamtunternehmens müssen insgesamt min
destens 3.300 Stück von Produkt B verkauft werden
([15.000 € + 8.100 €] : 7 € = 3.300,00 Stück).
77

Kennzahlen zur Marktposition


Die drei Kriterien zur Übung 37
Marktaufnahmefähigkeit 3 min
identifizieren
Grundvoraussetzung für das erfolgreiche Agieren am Markt
ist es, den Markt zu kennen und zu wissen, welches Potenzi
al im Markt vorhanden ist.
Nennen Sie die drei wichtigsten Kriterien, die die Aufnah
mefähigkeit des Marktes darstellen.

Absoluten und relativen Übung 38


Marktanteil berechnen 5 min
und deuten
Die Position eines Unternehmens am Markt lässt sich am
einfachsten durch den Marktanteil des Unternehmens dar
stellen: Diese Kennzahl gibt an, welchen Umsatzanteil das
Unternehmen am Gesamtumsatz im Markt erreicht hat, und
stellt so die Position bzw. den Rang des Unternehmens in
der jeweiligen Branche dar.
Nennen Sie bitte die jeweilige Formel zur Ermittlung des
absoluten und des relativen Marktanteils.
78 Marketing und Vertriebskennzahlen beherrschen

Lösung 37
Die drei wichtigsten Größen, die die Aufnahmefähigkeit des
Marktes darstellen sind:

 der Marktanteil,
 das Marktpotenzial und
 das Marktvolumen.

Lösung 38
Der absolute Marktanteil (in %) lässt sich folgendermaßen
ermitteln:

Umsatz des Unternehmens


× 100
Marktvolumen

Der relative Marktanteil (in %) lässt sich wie folgt ermitteln:

Eigener Marktanteil
× 100
Marktanteil des Marktführers

Praxistipp
Ein Wert von unter 100 % besagt, dass das eigene Unter
nehmen einen geringeren Marktanteil hat als der Marktfüh
rer, ein Wert von über 100 %, dass das eigene Unternehmen
einen größeren Marktanteil hat, als der angenommene
Marktführer.
Kennzahlen zur Marktposition
79

Weitere wichtige Übung 39


Marktkennzahlen darstellen 8 min
Im Rahmen der aktuellen Strategieplanung müssen Sie die
Entscheidung vorbereiten, ob Ihr Unternehmen zukünftig in
Produkt A oder Produkt B investieren soll.
Betrachten Sie hierzu bitte das nachfolgende Beispiel und
bilden Sie mithilfe der dargestellten Fakten sinnvolle Kenn
zahlen, die Ihnen Aufschluss über den Markt geben und
damit eine Entscheidungshilfe hinsichtlich Ihrer Marktstra
tegie darstellen:
Das im Rahmen einer aktuell durchgeführten Marktfor
schung ermittelte Marktpotenzial für das Produkt A beträgt
1,0 Mio. €, für das Produkt B 1,5 Mio. €. Am Markt etabliert
ist ein Angebotsvolumen von 0,6 Mio. € für Produkt A und
von 1,2 Mio. € für Produkt B. Im Vorjahr betrug das
Marktvolumen für Produkt A noch 500 T€, das für Produkt B
betrug 1,2 Mio. €.
Ermitteln Sie bitte den Sättigungsgrad sowie das Markt
wachstum für die beiden Produkte und leiten Sie aus den
Ergebnissen die richtige Strategie hinsichtlich der Neuinve
stition in den Vertrieb des Produktes A oder B ab.

Lösungstipp
Unterstellen Sie, dass das Marktvolumen aktuell dem ge
nannten Marktpotenzial entspricht.
80 Marketing und Vertriebskennzahlen beherrschen

Lösung
Den Marktsättigungsgrad (in %) berechnen Sie wie folgt:

Angebotsvolumen
× 100
Marktpotenzial

Das Marktwachstum (in %) ermitteln Sie wie folgt:

Marktvolumen aktuell  Marktvolumen VJ


× 100
Marktvolumen VJ

Wenden Sie diese Formeln nunmehr auf das Beispiel an,


ergeben sich die folgenden Werte:

Produkt A Produkt B
Marktsättigungsgrad 60 % 80 %
Marktwachstum 100 % 25 %

Obwohl das absolute Marktvolumen in Bezug auf Produkt B


deutlich höher ist, erscheinen die Erfolgsaussichten hin
sichtlich Produkt A deutlich höher zu sein, da der Markt
sowohl deutlicher wächst, als auch die Konkurrenz in diesem
Markt noch weniger etabliert ist. Denn in Bezug auf Produkt
A beträgt der Sättigungsgrad lediglich 60 %, während in
Bezug auf Produkt B der Markt bereits zu 80 % gesättigt ist
und damit weniger Raum für einen weiteren Anbieter lässt.
81

Kennzahlen zum Preis


Den optimalen Übung 40
Verkaufspreis kalkulieren 5 min
Ein Unternehmen erwirbt im Jahr 2007 Produkt A zu einem
Stückpreis von 50 €. Laut Unternehmensplanung strebt das
Unternehmen einen Gewinnzuschlag von 50 % an. Aus der
Erfahrung werden gemittelt 2 % Skonti gewährt und 4,56 %
Rabatte.
Ermitteln Sie bitte auf Basis der oben stehenden Daten den
anzustrebenden Verkaufspreis für das Produkt A für das Jahr
2007.

Preisentwicklung erkennen Übung 41


5 min
Der Verkaufspreis des Produktes A musste aufgrund der
Preisentwicklung im Einkauf in den letzten Jahren mehrfach
angehoben werden, um nach wie vor die geplante und vor
gegebene Zielmarge im Verkauf erreichen zu können. So
betrug der im Markt realisierte Verkaufspreis beispielsweise
im Jahr 2004 noch 69,55 €.
Ermitteln Sie bitte den Preisindex im Jahr 2007 für das Pro
dukt A bezogen auf das Jahr 2004.
82 Marketing und Vertriebskennzahlen beherrschen

Lösung 40
Der Verkaufspreis muss einerseits die Selbstkosten decken
und andererseits den gewünschten Gewinnzuschlag enthal
ten. Daneben sollten in den Verkaufspreis auch zu erwarten
de Skontoabzüge oder zu gewährende Rabatte einkalkuliert
werden.
Die Formel zur Kalkulation des Verkaufspreises lautet:

Selbstkostenpreis
+ X % Gewinnzuschlag
= BarVerkaufspreis
+ X % zu erwartende Skonti
= ZielVerkaufspreis
+ X % zu erwartende Rabatte
= BruttoVerkaufspreis (zzgl. Umsatzsteuer)

Der BruttoVerkaufspreis muss demnach 79,99 € betragen


und ist wie folgt zu kalkulieren:

Selbstkostenpreis 50,00 €
+ Gewinnzuschlag (50 %) 25,00 €
= BarVerkaufspreis 75,00 €
+ Skonti (2 %) 1,50 €
= ZielVerkaufspreis 76,50 €
+ Rabatte (4,56 %) 3,49 €
BruttoVerkaufspreis 79,99 €
Kennzahlen zum Preis
83

Lösung 41
Die Formel zur Berechnung des Preisindex lautet:

Preis im Ermittlungszeitraum
× 100
Preis im Basiszeitraum

Der Preisindex beträgt 115,01:


79,99 € : 69,55 € x 100 = 115,01
Dieser Wert bedeutet, dass der Verkaufspreis seit 2004 um
gerundet 15 % erhöht werden musste. Demnach wird der
Einkaufspreis im Jahr 2004 bei ca. 43,48 € gelegen haben.
Dieser Wert kann mit dem Kalkulationsschema zur Ermitt
lung des Verkaufspreises errechnet werden, indem man die
Rechenschritte in umgekehrter Reihenfolge vornimmt:
69,55 € : 1,0456 : 1,02 : 1,5 = 43,48 €

Preisnachlassquote Übung 42
bestimmen 5 min
Entgegen der Kalkulation zu Beginn des Jahres 2007 muss
ten doch höhere Nachlässe gewährt werden, um die einge
kaufte Stückzahl im Markt absetzen zu können. Aufgrund
der höheren Nachlässe konnte ein Umsatz von nur 460 T€
bei Gesamtnachlässen in Höhe von 40 T€ erreicht werden.
Ermitteln Sie bitte die Preisnachlassquote.
84 Marketing und Vertriebskennzahlen beherrschen

Lösung
Die Preisnachlassquote (in %) berechnet sich wie folgt:

Preisnachlässe
× 100
Umsatzerlöse

Die Preisnachlassquote beträgt 8,70 %:


40 T€ : 460 T€ x 100 = 8,70 %
Insgesamt musste ein tatsächlicher Preisnachlass von 8,7 %
vom Umsatz anstatt der ursprünglich kalkulierten ca. 6,6 %
(2 % Skonti und 4,56 % Rabatte) gewährt werden.

Praxistipp
Die Preisnachlässe lassen sich mit der Preisnachlassstruktur
noch weiter analysieren. Diese Kennzahl gibt darüber Auf
schluss, welche Nachlassart bzw. welches Produkt oder
welche Produktgruppe welchen Anteil zu den Gesamtnach
lässen beiträgt.
Kennzahlen zum Preis
85

Preiselastizität errechnen Übung 43


5 min
Die Preiselastizität ist für das Marketing eine eminent wich
tige Kennzahl. Denn mit dieser Zahl lässt sich die Frage
beantworten, wie stark sich eine Preisänderung auf die
Nachfrage auswirkt. Und damit ist dies eines der wichtigsten
Werkzeuge, das bei der Gestaltung der Preise am Markt
behilflich ist, sowohl im Hinblick auf eine Erhöhung als auch
auf eine Senkung der Preise.
Nachdem das Controlling festgestellt hat, dass die Preis
nachlässe über dem zunächst ursprünglich kalkulierten Satz
liegen, wurde der Verkaufspreis noch einmal um 2 % erhöht.
Anschließend gingen die Verkaufszahlen allerdings um 4 %
zurück.
Berechnen Sie bitte die Preiselastizität der Nachfrage und
kommentieren Sie das Ergebnis.
86 Marketing und Vertriebskennzahlen beherrschen

Lösung
Die Preiselastizität der Nachfrage kann mithilfe der folgen
den Formel errechnet werden:

Prozentuale Mengenänderung
Prozentuale Preisänderung

Die Preiselastizität der Nachfrage beträgt 2,0:


4 % : 2 % = 2,0
Ein Wert, der größer ist als 1, besagt, dass es sich um eine
elastische Nachfrage handelt: Bei einer Preiserhöhung ist
der prozentuale Rückgang der verkauften Menge größer als
die prozentuale Preisänderung. Damit reduziert sich im vor
liegenden Beispiel trotz der Preiserhöhung der Gesamtum
satz.

Praxistipps
Ein Wert von 1 bedeutet, dass eine 1%ige Preiserhöhung
eine 1%ige Mengenänderung bewirkt. Eine unelastische
Nachfrage, d. h. ein Wert unter 1, sagt aus, dass bei Preiser
höhungen die prozentuale Mengenänderung – also der pro
zentuale Rückgang der nachgefragten Menge – geringer ist
als die prozentuale Preisänderung – also die Preiserhöhung.
Damit ist dies der anzustrebende Wert.

 Bei der Interpretation der Preiselastizität wird in der Regel das Minus
zeichen vernachlässigt und nur die absolute Zahl betrachtet. 
87

Kennzahlen zu Vertrieb und


Marketing
Marketingmaßnahmen Übung 44
untersuchen 5 min
Nach der Kalkulation des Verkaufspreises wurden die ersten
Marketingmaßnahmen umgesetzt. Um diese optimieren zu
können, werden die Erfolge der Maßnahmen untersucht.
Von den insgesamt 1.000 Angeboten konnten 250 aufgrund
einer Anzeige in der Tageszeitung abgegeben werden, 350
aufgrund einer Telefonaktion, 300 aufgrund eines Mailings
und weitere 100 aufgrund eines Messebesuchs.
Ermitteln Sie bitte die Angebotsstruktur anhand der vorlie
genden Ergebnisse.

Erzielte Vertriebserfolge Übung 45


messen 3 min
Insgesamt wurden, wie in Übung 44 bereits erwähnt, 1.000
Angebote abgegeben. Daraus konnten schließlich 90 Aufträ
ge generiert werden. Ermitteln Sie bitte den Angebotserfolg.
88 Marketing und Vertriebskennzahlen beherrschen

Lösung 44
Die Angebotsstruktur (in %) kann mithilfe der folgenden
Formel errechnet werden:

Angebotsabgabe aufgrund von X


× 100
Gesamtzahl der abgegebenen Angebote

Demnach sieht die Angebotsstruktur folgendermaßen aus:

Angebote aufgrund von: in %


Anzeige 25 %
Telefonaktion 35 %
Mailing 30 %
Messebesuch 10 %

Lösung 45
Der Angebotserfolg (in %) lässt sich wie folgt berechnen:

Erhaltene Aufträge
× 100
Abgegebene Angebote

Er beträgt 9,0 %: 90 : 1.000 x 100 = 9,0 %

Praxistipp
Ein optimaler Zielwert für den Angebotserfolg kann nicht
angegeben werden. Der Erfolg ist stark abhängig von der
jeweiligen Branche.
Kennzahlen zu Vertrieb und Marketing
89

Den Erfolg der Übung 46


Werbeaktion ermitteln 5 min
Aufgrund der durchgeführten Werbeaktion, die wie eine
Nachkalkulation ergeben hat in Summe 50 T€ gekostet hat,
konnte der Umsatz im aktuellen Jahr um 150 T€ gesteigert
werden. Darüber hinaus konnte durch die durchgeführte
Werbeaktion der Bekanntheitsgrad des Unternehmens sowie
auch des angebotenen Produktes gesteigert werden: Von
den insgesamt 2.000 durch die Werbung angesprochenen
Verbraucher konnten sich zu einem späteren Zeitpunkt noch
500 an das beworbene Unternehmen und an das beworbene
Produkt erinnern. Diese Zahl wurde – wie es in der betriebli
chen Praxis in aller Regel üblich ist – durch Marktforschung
und Kundenbefragung ermittelt.
Berechnen Sie bitte den Werbeerfolg sowie den Erinne
rungserfolg, die durch die durchgeführte Werbemaßnahme
erzielt werden konnten.
90 Marketing und Vertriebskennzahlen beherrschen

Lösung
Der Werbeerfolg (in %) kann mithilfe der folgenden Formel
errechnet werden:

Umsatzzuwachs
× 100
Kosten der Werbeaktion

Er beträgt 300 %: 150 T€ : 50 T€ x 100 = 300 %


Diese Kennzahl besagt, dass sich die Werbeaktion durch den
entsprechenden Umsatzzuwachs um das Dreifache amorti
siert hat.
Der Erinnerungserfolg (in %) lässt sich wie folgt berechnen:

Zahl der Werbeerinnerer


× 100
Zahl der Angesprochenen

Er beträgt 25 %: 500 : 2.000 x 100 = 25 %


Damit kann sich ein Viertel der Angesprochenen an die Wer
bung und das Unternehmen bzw. das beworbene Produkt
erinnern.

Praxistipp
Auch hier kann kein Zielwert angegeben werden, da der
Erfolg einerseits von der beworbenen Zielgruppe, anderer
seits aber auch sehr stark von der gewählten Werbeform
abhängt.
Kennzahlen zu Vertrieb und Marketing
91

Kundenstruktur analysieren Übung 47


5 min
Die Frage der Kundenloyalität oder Kundentreue spielt in der
betrieblichen Praxis eine ungeheuer wichtige Rolle. Denn die
Weisheit, dass es deutlich einfacher und kostengünstiger für
ein Unternehmen ist, einen Kunden zu halten und weitere
Geschäfte mit diesem Kunden zu machen als einen neuen
Kunden zu gewinnen, ist tausendfach bewiesen.
Im Jahr 2006 betrug die Gesamtzahl der Kunden des Unter
nehmens 1.100, im Vorjahr konnten insgesamt 1.000 Kun
den des Unternehmens gezählt werden. Von den Bestands
kunden ist im Jahr 2006 im Vergleich zum Vorjahr keiner
abgesprungen.
Ermitteln Sie die Anzahl der Neukunden sowie die Kunden
entwicklung im Betrachtungszeitraum. Analysieren Sie au
ßerdem die Kundenloyalität.
92 Marketing und Vertriebskennzahlen beherrschen

Lösung
Die Anzahl der Neukunden wird durch einfache Subtraktion
ermittelt:

Kunden aktuelles Jahr


− Kunden im Vorjahr
= Neukunden aktuelles Jahr

Die Anzahl der Neukunden im aktuellen Jahr beträgt 100.


Das ist ein Zuwachs von 10 %.
Die Bestandskundenloyalität und damit die Bestandskunden
zufriedenheit ist sehr hoch, da im aktuellen Jahr im Ver
gleich zum Vorjahr keiner der Bestandskunden zu einem
konkurrierenden Anbieter gewechselt ist.
Die Kundenentwicklung oder der Kundenindex wird anhand
der folgenden Formel berechnet:

Kundenanzahl aktuelles Jahr


× 100
Kundenanzahl zum Basiszeitpunkt

Der Kundenindex beträgt 110: 1.100 : 1.000 x 100 = 110


Die Anzahl der Kunden hat sich im Vergleich zum Basiszeit
punkt – das ist im aktuellen Beispiel das Vorjahr – um 10 %
erhöht.
93

Personalkennzahlen
analysieren und nutzen

In diesem Kapitel lernen Sie:

 die Mitarbeiterstruktur eines Unternehmens zu in


terpretieren sowie den Personalbedarf zu ermitteln,
 wie die Fehlzeitenquote und die Krankenquote im
Unternehmen berechnet und beurteilt werden,
 welche Rückschlüsse Sie aus der durchschnittli
chen Arbeitszeit schließen können,
 Personalkosten zu messen und richtig einzuschät
zen.
94 Personalkennzahlen analysieren und nutzen

Darum geht es in der Praxis


Das Personal ist in der heutigen Zeit das wichtigste Kapital
eines jeden Unternehmens und deshalb einer der wichtigsten
Erfolgsfaktoren, unabhängig davon, ob es sich um ein produ
zierendes Unternehmen oder um ein Dienstleistungsunter
nehmen handelt. Dabei sind Motivation und Zufriedenheit
der Mitarbeiter wichtige Gradmesser, ebenso wie die Quali
fikation des Personals. Gerade da setzen viele der Personal
kennzahlen an.
Aber nicht nur die weichen Faktoren werden in der Analyse
der Personalkennzahlen betrachtet und analysiert – auch die
harten Faktoren wie Personalkosten, Personalauslastung und
Produktivität der Mitarbeiter sind wichtige Ansatzpunkte,
um daraus eventuell vorhandenes Optimierungspotenzial
abzuleiten.
Anhand von Personalkennzahlen können Sie die Personal
struktur hinsichtlich verschiedener Faktoren – etwa des
Alters oder der Betriebszugehörigkeit – analysieren und die
Fluktuation ermitteln, die Leistung je Mitarbeiter sowie die
Fehlzeitenquote berechnen und schließlich Rückschlüsse in
Bezug auf den Personalbedarf ziehen.
95

Kennzahlen zur Personalstruktur


Personalbedarf richtig Übung 48
einschätzen 5 min
Eine der elementarsten Fragen hinsichtlich des Einsatzes von
Personal ist, wie viele Mitarbeiter mit welchen Kenntnissen
und Fähigkeiten im Unternehmen benötigt werden.
Nennen Sie bitte Kriterien, die den Personalbedarf bestim
men, und entwickeln Sie ein Kalkulationsschema, mit dessen
Hilfe auf einfache Art und Weise eine Personalunter bzw.
Personalüberdeckung berechnet werden kann.

Lösungstipps
 Der Personalbedarf ist in allererster Linie zunächst direkt
von den vorhandenen Personalkapazitäten abhängig.
 Die Personalbedarfsplanung erfolgt qualitativ und quan
titativ. Bei einer Personalbedarfsplanung nach Qualität
werden die kurz, mittel und langfristig notwendigen
Qualifikationen bzw. Fähigkeitsprofile ermittelt. Bei der
Planung der Quantität werden – häufig zu statistischen
Zwecken – Köpfe gezählt.
96 Personalkennzahlen analysieren und nutzen

Lösung
Der zukünftige Personalbedarf ist grundsätzlich vom vor
handenen Personalbestand und den in der Zukunft benötig
ten Personalressourcen abhängig. Faktoren, die in diesem
Sinne den Personalbedarf beeinflussen, sind beispielsweise:

 geplante Investitionen in neue Produkte oder Märkte


sowie die Erschließung neuer Märkte,
 Rationalisierungsmaßnahmen,
 Änderungen der Arbeitszeitregelung,
 Kapazitätsänderungen, d. h. die Erweiterung oder Redu
zierung bestehender Ressourcen, oder
 die Auftragslage.
Eine einfache Personalbedarfsermittlung bietet das nachfol
gende Schema:

Aktueller Personalbestand
− Voraussichtlich ausscheidende Mitarbeiter
= Voraussichtlicher Bestand neu
− Voraussichtlicher Personalbedarf
= Personalunterdeckung (−) bzw. Personalüberdeckung (+)

Praxistipp
Bei einer Personalunterdeckung müssen die fehlenden Res
sourcen durch geeignete Personalbeschaffungsmaßnahmen
aufgestockt werden, eine langfristige Personalüberdeckung
muss so weit wie möglich durch geeignete Maßnahmen
reduziert werden.
Kennzahlen zur Personalstruktur
97

Personalbestand Übung 49
strukturieren 5 min
Die Personalstruktur ist im Rahmen des Jahresabschlusses
nach bestimmten Kriterien vom Unternehmen im Lagebe
richt anzugeben und so auch der interessierten Öffentlich
keit zugänglich zu machen.
Eine Möglichkeit, den Personalbestand zu strukturieren, ist
nach der Betriebszugehörigkeit.
Insgesamt sind im Unternehmen 500 Mitarbeiter beschäf
tigt, davon sind 50 Mitarbeiter bis zu einem Jahr, 250 Mit
arbeiter bis zu 5 Jahren, 150 Mitarbeiter bis zu 10 Jahren
und 50 Mitarbeiter seit mehr als 10 Jahren im Unternehmen
beschäftigt.
Ermitteln Sie bitte die Betriebszugehörigkeitsstruktur und
geben Sie beispielhaft weitere Möglichkeiten zur Struktu
rierung an.

Lösungstipp
Die Maßstäbe, nach denen der Personalbestand strukturiert
werden sollen, können individuell entsprechend der ge
wünschten Aussage gewählt werden.
98 Personalkennzahlen analysieren und nutzen

Lösung
Die Betriebszugehörigkeitsstruktur kann mithilfe der folgen
den Formel errechnet werden:

Beschäftigte mit X Jahren


× 100
Gesamtzahl Beschäftigte

Die Betriebszugehörigkeitsstruktur in unserem Beispiel zeigt


folgendes Bild:

Betriebszugehörigkeit absolut in %
bis 1 Jahr 50 10 %
1 bis 5 Jahre 250 50 %
5 bis 10 Jahre 150 30 %
über 10 Jahre 50 10 %

Weitere Möglichkeiten, den Personalbestand zu strukturie


ren, sind beispielsweise:

 nach der Art der Beschäftigung; die Beschäftigungs


struktur wird nach folgender Formel ermittelt:

Beschäftigte nach X
× 100
Gesamtzahl Beschäftigte

Dabei können die Beschäftigten nach den unterschiedlich


sten Kriterien (= X), wie etwa Tätigkeit, Beruf, Kostenstelle,
Rechtsstellung, Herkunft usw., eingeteilt werden.
Kennzahlen zur Personalstruktur
99

ƒ nach dem Alter; die Altersstruktur lässt sich nach folgen


der Formel errechnen:

Beschäftigte im Alter von X Jahren


× 100
Gesamtzahl Beschäftigte

Diese Form der Strukturierung zeigt den altersmäßigen Auf


bau der Belegschaft eines Unternehmens.

Praxistipp
Das Ziel sollte jeweils – egal bei welcher Art der Strukturie
rung – eine weitestgehend ausgewogene Struktur sein. Eine
zu junge Belegschaft ist ähnlich problematisch wie eine zu
alte Belegschaft. Dies gilt genauso für die Betriebszugehö
rigkeit, denn einer Belegschaft, die erst kurzzeitig im Unter
nehmen beschäftigt ist, fehlt häufig das notwendige be
triebsinterne Wissen, während eine Belegschaft, die zu lange
im Unternehmen beschäftigt ist, zunehmend betriebsblind
sein wird.

Die Fluktuation berechnen Übung 50


5 min
Im Jahr 2005 haben bei einem durchschnittlichen Bestand
von 400 Mitarbeitern 30 Mitarbeiter das Unternehmen ver
lassen, im Jahr darauf bei einem Bestand von 500 Beschäf
tigten 35 Beschäftigte.
Bestimmen Sie bitte die Fluktuationsquote der beiden Jahre
und deuten Sie die aufgezeigte Entwicklung.
100 Personalkennzahlen analysieren und nutzen

Lösung
Die Fluktuation (in %) kann mithilfe der folgenden Formel
errechnet werden:

Personalabgang
× 100
Durchschnittlich Beschäftigte

Die Berechnung der Fluktuation in unserem Beispiel ergibt


folgende Werte:

2005 2006
Beschäftigte 400 500
Abgänge 30 35
Fluktuation 7,5 % 7,0 %

Die Fluktuation ist von 7,5 auf 7 % gesunken und hat sich
damit verbessert.

Praxistipps
Eine zu hohe Fluktuation ist ein Problem für jedes Unter
nehmen, denn dadurch verliert es das notwendige Wissen.
Dieses wieder aufzubauen ist zeit und kostenintensiv. Aus
diesem Grunde muss die Fluktuation immer geprüft und
hinterfragt werden.

 Steigt die Fluktuation, sollten Mitarbeiter und Austrittsgespräche


geführt werden, um die Gründe dafür zu erfahren. Außerdem sollten
geeignete Maßnahmen zur Gegensteuerung getroffen werden. 
101

Kennzahlen zur Arbeitszeit


Durchschnittliche Übung 51
Arbeitszeit bestimmen 5 min
Die Arbeitszeit wird unter anderem auch analysiert, um den
Personalbestand zu optimieren. Dazu wird einerseits die
Arbeitszeit strukturiert, andererseits aber auch die durch
schnittliche Arbeitszeit berechnet.
Das Unternehmen beschäftigt 500 Mitarbeiter. Gewöhnlich
werden in einer Woche 21.000 Stunden gearbeitet. Davon
entfallen 9.030 Stunden auf das Produkt A, 5.040 Stunden
auf Produkt B und 6.930 Stunden auf Produkt C.
Strukturieren Sie aufgrund der vorliegenden Zahlen die
Arbeitszeit und berechnen Sie die durchschnittliche Arbeits
zeit.

Fehlzeiten aufschlüsseln Übung 52


5 min
Im Durchschnitt sind täglich 15 von 500 Mitarbeitern krank.
Insgesamt betragen die Fehlzeiten wöchentlich 800 Stunden
bei einer Sollarbeitszeit von 20.000 Stunden pro Woche.
Bestimmen Sie bitte die Fehlzeitenquote sowie die Kranken
quote.
102 Personalkennzahlen analysieren und nutzen

Lösung 51
Die Arbeitszeitstruktur kann mithilfe der folgenden Formel
errechnet werden:

Arbeitsstunden
× 100
Gesamte Arbeitsstunden

Die Arbeitszeitstruktur in unserem Beispiel zeigt demnach


folgendes Bild:

Arbeitszeit absolut in %
Produkt A 9.030 43 %
Produkt B 5.040 24 %
Produkt C 6.930 33 %
Gesamt 21.000 100 %

Die durchschnittliche Arbeitszeit lässt sich folgendermaßen


berechnen:

Arbeitsstunden
Beschäftigtenzahl

Sie beträgt 42 Stunden pro Woche:


21.000 : 500 = 42 Stunden
Demnach arbeitet also jeder Mitarbeiter im Unternehmen
durchschnittlich 42 Stunden in der Woche.
Kennzahlen zur Arbeitszeit
103

Lösung 52
 Fehlzeitenquote
Die Fehlzeitenquote (in %) kann mithilfe der folgenden
Formel errechnet werden:

Fehlzeiten
× 100
Sollarbeitszeit

Sie beträgt 4 %: 800 : 20.000 x 100 = 4 %


Demnach werden 4 % der Sollarbeitszeit nicht geleistet.

 Krankenquote
Die Krankenquote (in %) wird wie folgt berechnet:

Anzahl der Kranken


× 100
Beschäftigtenzahl

Sie beträgt 3 %: 15 : 500 x 100 = 3 %


Krankheitsbedingt fehlen also täglich 3 % aller Mitarbeiter.

Praxistipp
Auch zur Senkung einer zu hohen Fehlzeiten oder Kranken
quote sollten in der betrieblichen Praxis die geeigneten
Maßnahmen getroffen werden. Dies können einerseits Rück
kehrergespräche sein, andererseits aber auch vorbeugende,
präventive Maßnahmen wie die Einrichtung ergonomischer
Arbeitsplätze oder das Anbieten ärztlicher Untersuchungen,
soweit dies arbeitsrechtlich zulässig ist.
104 Personalkennzahlen analysieren und nutzen

Kennzahlen zum Personalaufwand


Personalaufwand ermitteln Übung 53
5 min
In vielen Bereichen – vor allem in personalintensiven Unter
nehmen, wie etwa Dienstleistungsunternehmen – stellt der
Personalaufwand einen gewichtigen Kostenfaktor dar. Des
halb soll er anhand des folgenden Beispiels untersucht und
interpretiert werden.
Der gesamte Personalaufwand beträgt 16 Mio. € bei 500
Beschäftigten. Die Gesamtleistung des Unternehmens be
läuft sich auf 40 Mio. €.
Ermitteln Sie bitte den durchschnittlichen Personalaufwand
sowie die Personalaufwandsquote.

Lohn und Gehaltsquote Übung 54


bilden 5 min
Vom oben genannten Personalaufwand sind 12 Mio. € Lohn
und Gehaltskosten. Der übrige Personalaufwand verteilt sich
im Wesentlichen auf Sozialabgaben, Aufwendungen für
Altersversorgung und freiwillige soziale Leistungen. Der
Umsatz des Unternehmens beträgt 36 Mio. €.
Berechnen Sie nun die Lohnquote auf Basis der dargestellten
Lohnkosten sowie die Leistung je Arbeitnehmer.
Kennzahlen zum Personalaufwand
105

Lösung 53
 Durchschnittlicher Personalaufwand
Der durchschnittliche Personalaufwand kann mithilfe der
folgenden Formel errechnet werden:

Personalaufwand
Beschäftigte

Er beträgt 32 T€: 16 Mio. € : 500 = 32 T€


Jeder Mitarbeiter kostet also das Unternehmen im Durch
schnitt 32 T€ pro Jahr.

 Personalaufwandsquote
Die Personalaufwandsquote (in %) wird wie folgt berechnet:

Personalaufwand
Gesamtleistung

Sie beträgt 40 %: 16 Mio. € : 40 Mio. € = 40 %


Von der Gesamtleistung des Unternehmens werden demnach
40 % durch Personalaufwand aufgezehrt.
106 Personalkennzahlen analysieren und nutzen

Lösung 54
Die Lohn und Gehaltsquote (in %) wird wie folgt berechnet:

Lohn und Gehaltskosten


× 100
Umsatz

Sie beträgt 33,33 %: 12 Mio. € : 36 Mio. € = 33,33 %


Demnach wird etwa ein Drittel des Umsatzes für Lohn und
Gehalt ausgegeben.
Die Leistung je Arbeitnehmer kann folgendermaßen berech
net werden:

Umsatz
Arbeitnehmer

Sie beträgt 72 T€: 36 Mio. € : 500 = 72 T€


Dies bedeutet, dass jeder im Unternehmen beschäftigte
Arbeitnehmer im Durchschnitt 72 T€ Umsatz erwirtschaftet.

Praxistipp
Analog zur Arbeitszeit oder Beschäftigungsstruktur lässt
sich hinsichtlich der Personalkosten die Personalaufwands
struktur ermitteln, die den prozentualen Anteil der einzelnen
Personalaufwandsarten am gesamten Personalaufwand
darstellt.
107

Materialwirtschaft und
Fertigung optimal steuern

In diesem Kapitel lernen Sie:

 das richtige Einkaufsvolumen und die richtige Be


stellmenge festzulegen sowie die Qualität der Lie
feranten zu beurteilen,
 wie der durchschnittliche Lagerbestand, die
durchschnittliche Lagerdauer und die Umschlags
häufigkeit errechnet und interpretiert werden kön
nen,
 die Effizienz der Produktion und deren Kapazitäts
auslastung zu bestimmen,
 die Logistikkosten sowie die optimale Losgröße zu
ermitteln, um so die Produktion optimal steuern zu
können.
108 Materialwirtschaft und Fertigung optimal steuern

Darum geht es in der Praxis


Die Logistik und Produktionskosten stellten die Unterneh
men in den vergangenen Jahren zunehmend vor Probleme.
Denn aufgrund der gestiegenen Individualität der Kunden
wünsche, der dadurch sinkenden Losgrößen und breiter
werdenden Sortimente bei steigendem Qualitätsanspruch
stieg das Kostenrisiko in dieser Hinsicht deutlich an.
Dabei ist die gesamte Warenkette, angefangen vom Einkauf,
über die Lagerhaltung und die Fertigung bis hin zur Auslie
ferung und zum Versand, betroffen und bietet Ansatzpunkte
zur Untersuchung und Optimierung.
So ist die gesamte Prozesskette integriert zu betrachten:

1 Ermittlung der Bedarfsmenge


2 Berechnung der Bestellmenge
3 Auswahl der Lieferanten
4 Beschaffungsvorgang
5 Lagerung der Materialien
6 Optimierung der Lagerhaltung
7 Planung des Fertigungsprozesses
8 Steuerung der Kapazitätsauslastung
9 Fertigung und Auslieferung
Das folgende Training zum Themenkomplex Materialwirt
schaft und Fertigung gibt Ihnen die wichtigsten Hilfsmittel
an die Hand, um auch diesen Bereich optimal zu steuern.
109

Kennzahlen zu Einkauf und


Lieferanten
Den Einkauf analysieren Übung 55
10 min
Die Wareneinsatzquote beträgt 30 % vom Umsatz, der 36
Mio. € beträgt. Insgesamt existieren derzeit Verträge mit 90
Lieferanten, die das Unternehmen regelmäßig beliefern.
Jährlich werden Waren im Einkaufswert von 540 T€ bean
standet, die Kosten für den Einkaufsprozess belaufen sich
auf 648 T€. Ermitteln Sie das Einkaufsvolumen und leiten Sie
daraus den durchschnittlichen Einkaufswert je Lieferant, die
Beanstandungsquote sowie die Bezugskostenquote ab.

Lieferantenkredite bewerten Übung 56


10 min
Die Qualität der Einkaufspolitik hängt auch von der Inan
spruchnahme von Lieferantenkrediten ab: In unserem Fall
werden keine Fremdleistungen in Anspruch genommen und
die Lieferantenverbindlichkeiten betragen im Durchschnitt
1,6 Mio. €. Ermitteln Sie den Kreditorenumschlag sowie das
durchschnittliche Kreditorenziel in Tagen.

Lösungstipp
Der Materialeinsatz entspricht dem Einkaufsvolumen, das
Sie bereits in Übung 55 errechnet haben.
110 Materialwirtschaft und Fertigung optimal steuern

Lösung 55
 Einkaufsvolumen
Es beträgt 10,8 Mio. €: 36 Mio. € x 30 % = 10,8 Mio. €

 Durchschnittlicher Einkaufswert je Lieferant

Einkaufsvolumen
Zahl der Lieferanten

Er beträgt 120 T€: 10,8 Mio. € : 90 = 120 T€

 Beanstandungsquote (in %):

Wert der Beanstandungen


× 100
Einkaufsvolumen

Sie beträgt 5 %: 540 T€ : 10,8 Mio. € x 100 = 5 %

 Bezugskostenquote (in %):

Bezugskosten
× 100
Einkaufsvolumen

Sie beträgt 6 %: 648 T€ : 10,8 Mio. € x 100 = 6 %


Die Beanstandungsquote zeigt, dass 5 % der Einkäufe bezo
gen auf die gesamten Einkäufe beanstandet worden sind.
Die Bezugskostenquote gibt den Anteil der Bezugskosten am
Gesamtwert der Einkäufe an.
Kennzahlen zu Einkauf und Lieferanten
111

Lösung 56
 Kreditorenumschlag:

Materialeinsatz + Fremdleistungen + Umsatzsteuer


Verbindlichkeiten

Er beträgt 7,83: 10,8 Mio. € x 1,16 : 1,6 Mio. € = 7,83


Aus dieser Kennzahl, die alleine noch eine geringe Aussage
kraft hat, lässt sich das Lieferantenzahlungsziels berechnen.

 Durchschnittliches Kreditorenziel in Tagen:

360
Kreditorenumschlag

Es beträgt 45,98 Tage: 360 : 7,83 = 45,98 Tage


Das Unternehmen hat ein durchschnittliches Zahlungsziel
für Lieferantenverbindlichkeiten von ca. 46 Tagen.

Optimale Bestellmenge Übung 57


festlegen 5 min
Neben der eigentlichen Versorgung der Produktion mit den
benötigten Roh, Hilfs und Betriebsstoffen ist eine der
Kernaufgaben im Einkauf, die Bestellmenge im Sinne der
Kosten zu optimieren. Vom Rohstoff A werden insgesamt
5.000 Stück benötigt, der Stückpreis beträgt 12 €, die Be
stellkosten belaufen sich auf 100 €, der Lagerkostensatz
liegt bei 5 %. Berechnen Sie die optimale Bestellmenge.
112 Materialwirtschaft und Fertigung optimal steuern

Lösung
Die optimale Bestellmenge kann mithilfe der folgenden
Formel errechnet werden:

2 x Bedarfsmenge x Bestellkosten
Stückpreis x Lagerkostensatz

Sie beträgt 1.291 Stück:


(2 x 5.000 x 100) : (12 x 0,05) = 1.290,99 Stück

Praxistipps
 Eine weitere wichtige Methode zur Entscheidungsfindung
hinsichtlich der Einkaufspolitik ist die ABCAnalyse. Mit
hilfe dieser Methode können die Waren strukturiert wer
den: So lassen sich wesentliche Gegenstände identifizie
ren und von unwesentlichen trennen.
 Die ABCAnalyse findet nicht nur in der Materialwirt
schaft hinsichtlich der Lagerhaltung oder im Einkauf An
wendung. Sie kann beispielsweise auch im Hinblick auf
die Struktur der Kunden Anwendung finden.

 Die ABCAnalyse ist ganz generell eine sinnvolle Methode, um Priori


täten zu setzen. 
113

Kennzahlen zur Lagerwirtschaft


Den durchschnittlichen Übung 58
Lagerbestand berechnen 5 min
Neben dem Anlagevermögen eines Unternehmens ist der
größte Anteil des Kapitals zumeist im Umlaufvermögen – und
da insbesondere im Lagerbestand – gebunden. Insofern müs
sen auch die Lagerbestände untersucht und optimiert werden.
Der Lagerbestand hatte zu Beginn des Wirtschaftsjahres
insgesamt einen Wert von 1,2 Mio. €, am Ende des Wirt
schaftsjahres hat sich der Lagerbestand auf einen Wert von
960 T€ reduziert. Ermitteln Sie den durchschnittlichen La
gerbestand auf Grundlage dieser Werte.

Lagerumschlagshäufigkeit Übung 59
und Lagerdauer bewerten 5 min
Nach der Ermittlung des durchschnittlichen Lagerbestands
wird die Lagerwirtschaft hinsichtlich der Frage untersucht,
wie häufig der Lagerbestand umgeschlagen wird. Berechnen
Sie die Lagerumschlagshäufigkeit sowie die durchschnittli
che Lagerdauer und interpretieren Sie die Ergebnisse.

Lösungstipp
Das Einkaufsvolumen, d. h. den Wareneinsatz, haben Sie
bereits in Übung 55 errechnet, den durchschnittlichen La
gerbestand in der letzten Übung.
114 Materialwirtschaft und Fertigung optimal steuern

Lösung 58
Der durchschnittliche Lagerbestand wird so berechnet:

Anfangsbestand + Endbestand
2

Er beträgt 1,08 Mio. €: 1,2 Mio. € + 960 T€ : 2 = 1,08 Mio. €

Lösung 59
 Lagerumschlagshäufigkeit:

Wareneinsatz
Durchschnittlicher Lagerbestand

Sie beträgt 10: 10,8 Mio. € : 1,08 Mio. € = 10


Das Lager wird also zehnmal im Jahr umgeschlagen.

 Durchschnittliche Lagerdauer:

360
Umschlagshäufigkeit

Sie beträgt 36 Tage: 360 Tage : 10 = 36 Tage.


Der Lagerbestand reicht exakt für 36 Tage aus. Wird die
Umschlagshäufigkeit erhöht, reduzieren sich Lagerdauer und
Lagerkosten. Entsprechende Maßnahmen, wie Justintime
Einkauf, sollten getroffen werden. Für mehr Effizienz bei der
Lagerhaltung sorgt die Einführung von Meldebeständen oder
Höchstbeständen.
115

Kennzahlen zu Fertigung und


Produktion
Kapazitätsauslastung Übung 60
ermitteln 5 min
Die mögliche Ausbringungsmenge pro Woche beträgt 5.000
Stück. In der Kalenderwoche (KW) 10 wurden 4.200 Stück
produziert, in KW 11 4.250 und in KW 12 sogar 4.400 Stück.
Berechnen Sie bitte die Kapazitätsauslastung für die drei
Kalenderwochen und interpretieren Sie die Entwicklung.

Kapazitätsauslastungsgrad Übung 61
nutzen 5 min
Kosten werden in fixe und variable Kosten differenziert.
Inwiefern sind fixe Kosten vom Kapazitätsauslastungsgrad
abhängig, inwiefern die variablen Kosten? Welchen Einfluss
hat der Kapazitätsauslastungsgrad auf die Stückkosten und
wie werden diese ermittelt?
116 Materialwirtschaft und Fertigung optimal steuern

Lösung 60
Die Kapazitätsauslastung (in %) wird wie folgt ermittelt:

Tatsächliche Ausbringungsmenge
× 100
Mögliche Ausbringungsmenge

Sie beträgt:

KW 10 KW 11 KW 12
Tats. Ausbringungsmenge 4.200 4.250 4.400
Mögl. Ausbringungsmenge 5.000 5.000 5.000
Kapazitätsauslastung 84 % 85 % 88 %

Die Kapazitätsauslastung konnte von 84 auf 88 % gesteigert


werden. Weiteres Potenzial ist vorhanden.

Lösung 61
Fixe Kosten sind in ihrer absoluten Höhe grundsätzlich zu
nächst unabhängig von der Kapazitätsauslastung, denn nur
die variablen Kosten steigen und fallen mit dem Grad der
Kapazitätsauslastung. Allerdings werden die fixen Stückko
sten umso kleiner, je mehr die Ausbringungsmenge zunimmt.
Die Stückkosten können folgendermaßen berechnet werden:

Fixkosten
+ Variable Stückkosten
Menge
117

Formelsammlung

In diesem Kapitel werden alle wichtigen Formeln noch


einmal in alphabetischer Reihenfolge übersichtlich
zusammengefasst dargestellt.
118 Formelsammlung

 Absoluter Marktanteil

Umsatz des Unternehmens


× 100
Marktvolumen

 Angebotserfolg

Erhaltene Aufträge
× 100
Abgegebene Angebote

 Angebotsstruktur

Angebotsabgabe aufgrund von X


× 100
Gesamtzahl der abgegebenen Angebote

 Anlagenintensität des Anlagevermögens

Anlagevermögen
× 100
Bilanzsumme

 Arbeits oder Umlaufvermögensintensität

Umlaufvermögen
× 100
Bilanzsumme

 Arbeitszeitstruktur

Arbeitsstunden
× 100
Gesamte Arbeitsstunden
Formelsammlung
119

 Betriebsrentabilität

Betriebsgewinn + Fremdkapitalzinsen
× 100
Betriebsnotwendiges Kapital

 Betriebszugehörigkeitsstruktur

Beschäftigte mit X Jahren


× 100
Gesamtzahl Beschäftigte

 Cashflow

Jahresüberschuss bzw. Jahresfehlbetrag


− Nicht zahlungsrelevante Erträge
+ Nicht zahlungsrelevante Aufwendungen
= Cashflow

 CashflowEigenkapitalrentabilität

Cashflow
× 100
Eigenkapital

 CashflowUmsatzrentabilität

Cashflow
× 100
Umsatzerlöse

 Deckungsbeitrag I

Umsatzerlöse
− Variable Kosten
= Deckungsbeitrag I
120 Formelsammlung

 Deckungsgrad 1

Eigenkapital
× 100
Anlagevermögen

 Deckungsgrad 2

Eigenkapital + Langfristiges Fremdkapital


× 100
Anlagevermögen

 Deckungsgrad 3

Eigenkapital + Langfristiges Fremdkapital


× 100
Anlagevermögen + Vorräte

 Durchschnittliche Lagerdauer

360
Umschlagshäufigkeit

 Durchschnittlicher Lagerbestand

Anfangsbestand + Endbestand
2

 Durchschnittlicher Personalaufwand

Personalaufwand
Beschäftigte
Formelsammlung
121

 Durchschnittliches Kreditorenziel in Tagen

360
Kreditorenumschlag

 Eigenkapitalquote

Eigenkapital
× 100
Gesamtkapital

 Eigenkapitalrentabilität

Gewinn
× 100
Eigenkapital

 Erinnerungserfolg

Zahl der Werbeerinnerer


× 100
Zahl der Angesprochenen

 Fehlzeitenquote

Fehlzeiten
× 100
Sollarbeitszeit

 Fluktuation

Personalabgang
× 100
Durchschnittlich Beschäftigte
122 Formelsammlung

 Fremdkapitalquote

Fremdkapital
× 100
Gesamtkapital

 Gesamtkapitalrentabilität

Gewinn + Fremdkapitalzinsen
× 100
Gesamtkapital

 Kapazitätsauslastung

Tatsächliche Ausbringungsmenge
× 100
Mögliche Ausbringungsmenge

 Kapitalumschlagshäufigkeit

Umsatz
Gesamtkapital

 Kreditorenumschlag

Materialeinsatz + Fremdleistungen + Umsatzsteuer


Verbindlichkeiten

 Kundenindex

Kundenanzahl aktuelles Jahr


× 100
Kundenanzahl zum Basiszeitpunkt
Formelsammlung
123

 Lagerumschlagshäufigkeit

Wareneinsatz
Durchschnittlicher Lagerbestand

 Leistung je Arbeitnehmer

Umsatz
Arbeitnehmer

 Liquidität ersten Grades

Flüssige Mittel
× 100
Kurzfristige Verbindlichkeiten

 Liquidität zweiten Grades

Flüssige Mittel + Kurzfristige Forderungen


× 100
Kurzfristige Verbindlichkeiten

 Liquidität dritten Grades

Umlaufvermögen
× 100
Kurzfristige Verbindlichkeiten

 Lohn und Gehaltsquote

Lohn und Gehaltskosten


× 100
Umsatz
124 Formelsammlung

 Marktsättigungsgrad

Angebotsvolumen
× 100
Marktpotenzial

 Marktwachstum

Marktvolumen aktuell  Marktvolumen VJ


× 100
Marktvolumen VJ

 Mengenmäßiger Mindestumsatz

Fixkosten
Deckungsbeitrag/Stück

 Personalaufwandsquote

Personalaufwand
Gesamtleistung

 Preiselastizität

Prozentuale Mengenänderung
Prozentuale Preisänderung

 Preisindex

Preis im Ermittlungszeitraum
× 100
Preis im Basiszeitraum
Formelsammlung
125

 Relativer Marktanteil

Eigener Marktanteil
× 100
Marktanteil des Marktführers

 Umsatzindex

Umsatz im Ermittlungszeitraum
× 100
Umsatz im Basiszeitraum

 Umsatzrentabilität

Gewinn
× 100
Umsatz

 Verschuldungsgrad

Fremdkapital
Eigenkapital

 Werbeerfolg

Umsatzzuwachs
× 100
Kosten der Werbeaktion

 Working Capital

Umlaufvermögen
− Kurzfristige Verbindlichkeiten
= Working Capital
126

Stichwortverzeichnis
Aktivseite 17, 20, 29 ff.
Altersstruktur 99 Eigenkapitalrentabilität 58, 121
Angebotserfolg 87 f., 118 Einkaufsvolumen 109 f.
Angebotsstruktur 87 f., 118 Einkaufswert 109 f.
Angebotsvolumen 79 f., 124
Anlagenintensität 31 f., 118 Fehlzeitenquote 101, 103, 121
Anlagevermögen 21, 29 ff., 46 f. Fixkosten 73 f., 115 f.
Arbeitsintensität 33 f. Fluktuation 99 f., 121
Arbeitszeitstruktur 101 f., 118 Fremdkapitalquote 37, 39, 122

Beanstandungsquote 110 Gesamtkapitalrentabilität 57 ff.,


Beschäftigungsstruktur 98 122
Bestellmenge 111 f. GewinnundVerlustRechnung
Betriebsergebnis 55, 64, 74 (GuV) 22 ff., 53 ff.
Betriebsrentabilität 59, 119 Gewinnschwelle 75 f.
Betriebszugehörigkeitsstruktur 97 Gewinnzuschlag 81 f.
f., 119 Gliederungszahl 13 ff.
Beziehungszahl 13 f. Goldene Bilanzregel 49 f.
Bezugskostenquote 109 f. Goldene Finanzierungsregel 49 f.
Bilanz 17 ff., 29 ff., 31 Handelsgesetzbuch (HGB) 18 ff.
Bilanzstichtag 43, 45
Bilanzsumme 15 f., 29 ff., 36 ff. Indexzahl 13 ff., 67
BreakEvenPoint 75
Kapazitätsauslastung 115 f., 122
Cashflow 51 f., 119 Kapitalumschlagshäufigkeit 62,
CashflowEigenkapitalrentabilität 122
60 f., 119 Krankenquote 103
CashflowRendite 60 f. Kreditorenumschlag 109, 111, 122
CashflowUmsatzrentabilität 60 f., Kreditorenziel 109, 111, 122
119 Kundenindex 92, 122

Deckungsbeitrag 73 ff., 119 Lagerbestand 113 f., 120


Deckungsbeitragrechnung 73 f. Lagerdauer 113 f., 120
Deckungsgrad 46 ff., 120 Lagerumschlagshäufigkeit 113 f.,
123
EBIT 63 f. Liquide Mittel 41 f.
EBITDA 63 f. Liquidität 41 ff., 46 f., 123
Eigenkapital 21 f., 35 f. Liquiditätskennzahlen 43 ff., 46 ff.
Eigenkapitalquote 26, 37 f., 121 Lohnquote 104
Stichwortverzeichnis
127

Marktanteil 77 f., 118, 125 Rechnungsabgrenzungsposten 17,


Marktposition 77 ff. 29 f., 35 f.
Marktpotenzial 78 ff. Relativzahlen 13 f.
Marktsättigungsgrad 79 f., 124 Renditekennzahlen 57, 60
Marktvolumen 78 ff. Rentabilität 59
Marktwachstum 79 f., 124 Return on Investment (ROI) 60, 62
Mindestumsatz 75 f., 124 Rückstellungen 21, 35 f., 42, 46,
52
Neukunden 91 f.
NOPAT 63 f. Selbstkostenpreis 82
NOPATBI 63 f. Strukturbilanz 29 ff., 35 ff.
Stückkosten 115 f.
Operating Profit 63, f.
Umlaufvermögen 21 ff., 29 f.
Passivseite 17, 20, 35 f. Umlaufvermögensintensität 33 f.,
Personalaufwand 53, 55, 104 f., 118
120 Umsatzentwicklung 67 ff.
Personalaufwandsquote 104 f., Umsatzindex 68 ff., 125
124 Umsatzrentabilität 57, 59 f., 125
Personalbedarf 95 f.
Personalstruktur 95, 97 Variable Kosten 73 f., 115
Personalüberdeckung 95 f. Verhältniszahlen 13
Personalunterdeckung 95 f. Verkaufspreis 81 ff.
Preiselastizität 85 f., 124 Verschuldungsgrad 27, 39 f., 125
Preisentwicklung 81 f.
Preisindex 81, 83, 124 Wareneinsatzquote 103
Preisnachlassquote 83 f. Werbeerfolg 89 f., 125
Working Capital 49 f., 125
128

Der Autor
Robert Zwettler
ist DiplomBetriebswirt (FH). Als Kaufmännischer Geschäfts
führer eines mittelständischen SoftwareUnternehmens
verfügt er über eine langjährige Berufspraxis im betriebli
chen Rechnungswesen. Darüber hinaus blickt er auf eine
langjährige Tätigkeit als Lehrbeauftragter an der Fachhoch
schule zurück und publizierte bereits mehrere Fachbeiträge.

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Systemvoraussetzungen für die CDROM


PC mit Pentium Prozessor, mind. 133 MHz; 64 MB Arbeitsspeicher; mind.
100 MB Festplattenspeicher; CDROMLaufwerk; Betriebssystem Windows
95/98/2000/NT/XP
So installieren Sie die CDROM:
ƒ Legen Sie die CDROM in das Laufwerk Ihres PCs.
ƒ Wählen Sie über das STARTMenü den Punkt „Ausführen“.
ƒ Geben Sie im „X:/setup“ ein (wobei X der Buchstabe Ihres CDROM
Laufwerks ist) und bestätigen Sie die Eingabetaste.
Die Installation wird gestartet. Folgen Sie einfach der Anleitung des Pro
gramms.