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Partizipation von Kindern und Jugendlichen

bei familiären Migrationsentscheiden

Christophe Roulin, Luzia Jurt


2014

Die Autor_innen der Studie, Christophe Roulin und Luzia Jurt, untersuchten zum einen die Partizipation
von Kindern und Jugendlichen auf Migrationsentscheidungen und zum anderen die Mitentscheidung
der Kinder und Jugendlichen bei der Auswahl einer Bezugsperson während der elterlichen
Abwesenheit. Als Partizipation wird hier eine Beteiligung, Mitbestimmung, Mitsprache oder weitere
Formen des sich Einbringens verstanden. Die Studie beruft sich dabei auf ein Stufenmodell mit acht
Gruppen der Unicef zur Kinderpartizipation.

Die Autor_innen gingen davon aus, dass Wille und Meinung der Kinder wenig bis keinen Einfluss auf
die Migrationsentscheidung ihrer Eltern ausübt. Es handelt sich bei der Studie um eine
Individualhypothese, da sowohl die Migrationsentscheidungen als auch die Partizipation der Kinder als
Individualmerkmale angesehen werden können.

Bei den Daten der Untersuchung handelt es sich um Individualdaten, die anhand von qualitativen
Umfragen erfasst wurden. Das Forschungsteam „Trennungssituationen von Eltern und Kindern in
transnationalen Familien“ führte dazu in drei Jahren (2010 – 2013) mit 19 Familien, welche in der
Schweiz wohnhaft waren und die zuvor für mindestens 6 Monaten bis höchstens 6 Jahren von ihren
Kindern getrennt lebten, problemzentrierte Interviews durch. Jedes Mitglied der Familie wurde
einzeln Befragt. Durch die Befragungen erhielt man 51 brauchbare Interviews, darunter 24 mit
Kindern und Jugendlichen und 27 mit Erwachsenen. Bei den Familien handelte es sich unter anderem
um anerkannte bzw. vorläufig angenommene Flüchtlinge, Familien mit und ohne
Aufenthaltsbewilligungen und Saisonarbeiter_innen. Die interviewten Kinder lebten durch
Migrationsentscheidungen mindestens 6 Monate bis höchstens 6 Jahre getrennt von ihren Eltern in
einem anderen Land.

Die Untersuchung wurde auf Länderebene durchgeführt – alle befragten Familienmitglieder haben
zum Zeitpunkt der Befragung gemeinsam in der Schweiz gelebt.

Durch die Befragung der Familien konnte die Hypothese der Autor_innen bestätigt werden. Der Wille
der Kinder in die Migrationsentscheidungen der Eltern kaum einbezogen wird. Eltern und
Bezugspersonen handeln stellvertretend für die Kinder und so kann nur von einer indirekten
Partizipation gesprochen werden.

http://www.budrich-journals.de/index.php/diskurs/article/view/16282/14226