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Schutzmaßnahmen

Kurzschluss-Schutz k = Ik = Ia
I"

Diese Gleichsetzung kann ohne weitere


(1)

in Niederspannungsanlagen Prüfung mit dem thermisch gleichwertigen


Kurzschlussstrom erweitert werden, wenn
K.-H. Kny, Magdeburg die Ausschaltzeit Ta > 1 s und/oder der
Stoßfaktor κ < 1,4 beträgt.
Neben dem grundsätzlichen Vorgehen beim Nachweis der Kurzschlussfestig- Dass für den Nachweis der Kurzschlussfes-
keit und der Selektivität wird im Beitrag auf diesbezügliche Besonderheiten tigkeit die maximal zu erwartenden Kurz-
bei sehr hohen und geringen Kurzschlussströmen bzw. sehr kurzen (Milli- schlussströme benötigt werden, gilt als
selbstverständlich, aber für den Nachweis
sekundenbereich) und relativ langen Ausschaltzeiten eingegangen. der thermischen Kurzschlussfestigkeit von
Kabeln und Leitungen ist auch der kleinste
zu erwartende Anfangs-Kurzschlussstrom
1 Ermittlung der notwendigen Bisher wurden die Kurzschlussfälle nach von Bedeutung. Er bestimmt die Kurz-
Kurzschlussströme DIN VDE 0102 [1] in generatorfern und ge- schlussdauer und damit auch die Erwär-
neratornah unterschieden. mung von Kabeln und Leitungen, die be-
Durch das Auftreten von Kurzschlussströ- Bei generatornahen Kurzschlussströmen grenzt ist beim Erreichen der Kurzschluss-
men treten hohe mechanische und thermi- werden die sich durch Ausgleichsvorgänge endtemperatur oder bei maximal fünf
sche Beanspruchungen der elektrischen im Generator oder Motor bedingten zusätz- Sekunden.
Betriebsmittel und Anlagen auf. Die mög- lichen Wechselstromanteile bei der Höhe Für die Untersuchungen zum Nachweis der
lichen Schäden sind dabei sowohl von der des Kurzschlussstroms berücksichtigt. Der Selektivität ist die Kenntnis sowohl der
Höhe als auch von der zeitlichen Dauer des exponentiell abklingende Gleichstromteil kleinsten als auch der größten Kurzschluss-
Kurzschlussstroms abhängig. (-glied) wird immer als möglicher Höchst- ströme bei angenommenen Fehlern an den
Eine entsprechend dimensionierte elek- wert einbezogen. Es bestimmt insbesonde- Einbaustellen der Kurzschlusseinrichtun-
trische Anlage und eine darauf abge- re die Höhe des Stoß-Kurzschlussstroms gen nötig.
stimmte, schnelle Erfassung und sichere, und beeinflusst den thermisch gleichwerti- Bei der Berechnung der Kurzschlussströme
selektive Ausschaltung des Kurzschluss- gen Kurzschlussstrom. sind die Besonderheiten für die kleinsten
stroms durch Schutzeinrichtungen ist die In Niederspannungsnetzen wird bei aus- und größten Werte zu beachten. Insbeson-
Aufgabe des Kurzschluss-Schutzes. Dazu schließlicher Netzeinspeisung (generator- dere die Berechnung kleinster Kurzschluss-
ist die Kenntnis der größten und kleins- ferner Kurzschluss) die Berechnung ohne ströme mit der Berücksichtigung des Schalt-
ten Kurzschlussströme in der zu überprü- zusätzliche Wechselstromanteile vorge- zustands des Netzes bzw. der elektrischen
fenden Anlage bzw. des Netzes erforder- nommen. Damit vereinfacht sich die Er- Anlage und erhöhter Leitertemperaturen
lich. mittlung der Kurzschlussströme, weil da- sowie eventueller Zusatzimpedanzen er-
Zum Nachweis der Gewährleistung der durch gilt: fordert einen höheren Aufwand.
Kurzschlussfestigkeit und Selektivität ist
die Kenntnis der Kurzschlussgrößen:
a) Anfangs-Kurzschschlusswechselstrom I" k,
Tafel ➊ Formeln zur Berechnung der Kurzschulussströme
b) Stoß-Kurzschlussstrom ip,
Kurzschlussstrom
c) Ausschaltwechselstrom Ia dreipolig zweipolig einpolig
d) Dauer-Kurzschlussstrom Ik, und
e) Thermisch gleichwertiger Kurzschluss- Anfangs-Kurzschluss- c ⋅ Un 3 ⋅ c ⋅ Un
Ik′′ 3 = 3 Ik′′1 = ⋅
wechselstrom Ik′′2 = ⋅ Ik′′ 3
strom Ith 3 ⋅ Zk 2 2 ⋅ Z k + Z k (0)
erforderlich. Stoß-Kurzschluss- ip 3 = √2·κ·I"k 3 – ip 1 = √2·κ·I"k 1
Zu beachten ist, dass die Kurzschlussgrö- strom
ßen als Effektivwerte charakterisiert wer- Ausschalt- Ia 3 = µ·I"k 3 – Ia 1 = µ·I"k 1
den, mit Ausnahme des Stoß-Kurzschluss- wechselstrom
stroms, der den maximalen Spitzenwert Dauer-Kurzschluss- Ik 3 = λ·Ir G – Herstellerangabe
nach dem Eintritt des Kurzschlusses dar- strom (z. B. Ik 1 > 3·Ir G)
stellt (Bild ➊). Thermisch gleichwertiger
Ith3 = I"k 3·√m + n – Ith 1 = I"k 1·√m + n
Kurzschlussstrom
Die Kurzschlussströme (a bis d) werden
nach den Berechnungsvorschriften der
Normen DIN VDE 0102 [1] und (e) nach Strom
DIN VDE 0103 [2] ermittelt und sind
formelmäßig in Tafel ➊ zusammenge- Gleichstromkomponente
fasst.
Die Berechnung der Kurzschlussströme in
2 · 2 · I‘‘
k

Niederspannungsanlagen einschließlich
ip

eventueller Motor-Kurzschlussanteile ist in


2 · Ik
A

[3] ausführlich dargestellt.

Zeit
Autor
Dozent Dipl.-Ing. Karl-Heinz Kny, Hochschule
Magdeburg-Stendal (FH).
➊ Verlauf des Kurzschlussstroms

122 Elektropraktiker, Berlin 55 (2001) 2


Schutzmaßnahmen

Ip zu erwartender
Kurzschluss-
2 Nachweis der Kurzschluss- strom zulässige Leitungslänge in Abhängigkeit
vom Kabel-/Leitungstyp und -querschnitt,

Strom I
festigkeit
Id
der Kurzschluss-Schutzeinrichtung und
2.1 Mechanische Kurzschlussfestigkeit deren Nennstrom sowie der ihr vorgelager-
Die größte Kraftwirkung in elektrischen ten Schleifenimpedanz angegeben.
Anlagen tritt beim ersten Spitzenwert des tS tL Zeit t Rechnerisch kann mit Formel (4) die maxi-
Kurzschlussstroms nach dem Eintritt des tG mal zulässige Leitungslänge mit der Netz-
Fehlers auf. Dabei wird der ungünstigste nennspannung Un, der Schleifenimpedanz
Fall des zeitlichen Kurzschlusseintritts – der
Spannungsnulldurchgang – angenommen.
➋ Strombegrenzender Ausschaltvorgang vor der Schutzeinrichtung Zv, dem Impe-
danzbelag ZL' [3], Tafeln 3.5, 3.6, und des
tS Schmelzzeit; tL Löschzeit (Lichtbogen-
Dann erfolgt die maximale Anhebung des dauer); tG Gesamtausschaltzeit; id Durch- von der eingesetzten Schutzeinrichtung ab-
Kurzschlussstroms durch die sogenannte lassstrom; ip Stoß-Kurzschlussstrom hängige erforderliche Mindestkurzschluss-
Gleichstromkomponente. Neben der geo- strom Ikerf [3], Tafeln 5.10 bis 5.15, mit hin-
metrischen Anordnung der Leitungsanord- reichender Genauigkeit bestimmt werden:
nung geht dabei der Kurzschlussstrom qua- DIN VDE 0103 mit dem Anfangs-Kurz-
0, 95 ⋅ Un
dratisch in die zu erwartende Kraftwirkung schlusswechselstrom Ik" und den Faktoren ⋅ ZV
ein. Für Stromschienenanordnungen kön- m und n [2], Bild 2a/b, nach Formel (2) er- 3 ⋅ I k erf
I max = (4)
nen solche Kraftwirkungen berechnet und mittelt, die die zusätzliche Wärmewirkung 2 ⋅ ZL′
die mechanische Kurzschlussfestigkeit der durch die Gleich- und Wechselstromkom-
Leiterschienen und deren Befestigungs- ponenten berücksichtigen. 2.4 Ausreichendes Schaltvermögen von
elemente überprüft werden [2]. I th = I k′′ ⋅ m + n Kurzschluss-Schutzeinrichtungen
(2)
Allgemein wird aber durch die Hersteller Kurzschluss-Schutzeinrichtungen (Schmelz-
von Betriebsmitteln und Anlagen die Be- Der von den Herstellern angegebenen Be- sicherungen, LS-Schalter, Leistungsschalter,
messungs-Stoßstromfestigkeit Ipr angege- messungs-Kurzzeitstrom Ithr, mit der dazu- Motorschutzschalter) müssen den Kurz-
ben. Dieser Festigkeitswert darf vom zu gehörigen Bemessungskurzzeit (meist 1 s) schlussstrom ausschalten, ohne dabei selbst
erwartenden Stoß-Kurzschlussstrom ip nicht wird auf die tatsächliche Kurzschlussdauer Schaden zu nehmen. Von den Herstellern
überschritten werden: Ipr ≥ ip. Tk umgerechnet und muss dann nach (3) wird ein Bemessungs-Ausschaltvermögen
Der Stoß-Kurzschlussstrom wird bei der immer gleich/größer als der thermisch als Stromgröße Ia r angegeben, das vom
Ausschaltung durch strombegrenzende gleichwertige Kurzschlussstrom Ith sein. Ausschaltwechselstrom Ia nicht überschrit-
Schutzeinrichtungen (Schmelzsicherungen, ten werden darf: Ia ≤ Iar.
strombegrenzende Leistungsschalter) nicht Tk r Die Berechnungsformel für den Ausschalt-
I thr ⋅ ≥ I th (3)
erreicht. Vor dem Spitzenwert, beim soge- Tk wechselstrom Ia mit dem Abklingfaktor µ
nannten Durchlassstrom, wird der Kurz- ist in Tafel ➊ angegeben. Der vergleichs-
schlussstrom unterbrochen und die mecha- 2.2.2 Kurzschlussdauer < 0,01 s weise zum Netzkurzschluss geringere Aus-
nische Beanspruchung dadurch geringer – Nachweis mittels Stromwärmewert I2T: schaltwechselstrom von Asynchronmoto-
bei hohem Kurzschlussstrom sogar erheb- Thermische Kurzschlussfestigkeit ist ge- ren wird zusätzlich mit dem Faktor q [1],
lich (Bild ➋). geben, wenn der vom Hersteller für das Bild 25, berechnet:
Den Durchlassstrom id einer Schmelzsiche- Betriebsmittel angegebene zulässige Strom- Ia = µ·q·Ik" (5)
rung erhält man aus dem Strombegren- wärmewert (I2T)Herst., z. B. [3], Tafel 5.6,
zungsdiagramm [3], Bild 4.5. gleich/größer dem maximalen Durchlass- In Niederspannungsnetzen ohne unmittel-
Der Nachweis erfolgt mit der Bedingung: wert der Schutzeinrichtung (I2T)Schutz ist. bare Generatoreinspeisung und angeschlos-
Ipr ≥ id . senen Asynchronmotoren kann der Aus-
(I2T)Herst. ≥ (I2T)Schutz
schaltwechselstrom dem Anfangs-Kurz-
2.2 Thermische Kurzschlussfestigkeit Stromwärme-Durchlasswerte werden von schlusswechselstrom bzw. Dauer-Kurz-
Als Ausgangsgröße beim Nachweis der den Herstellern der Kurzschluss-Schutzein- schlussstrom gleichgesetzt werden (1).
thermischen Kurzschlussfestigkeit wird der richtungen als Bild oder in Tabellenform Für Schmelzsicherungen muss das Mindest-
Anfangs-Kurzschlusswechselstrom heran- zur Verfügung gestellt (siehe Abschnitt 3). Bemessungsausschaltvermögen 50 kA be-
gezogen, der als Effektivwert gekennzeich- Diese Methode der Überprüfung ist auch tragen.
net ist. Die Vorgehensweise muss bezüglich für höhere Ausschaltzeiten als 0,01 s an- LS-Schalter werden mit den relativ geringen
der Höhe des Kurzschlussstroms unter- wendbar. Werten von 3, 4,5, 6 und 10 kA und soge-
schieden werden. nannte selektive Hauptleitungs-Schutzschal-
Bei großen Kurzschlussströmen und da- 2.3 Mindestkurzschlussstrom/max. ter (SLS) oder Hauptsicherungs-Automaten
durch bedingten sehr kurzen Ausschalt- zulässige Leitungslänge bis 25 kA angeboten.
zeiten ist der sinusförmige Charakter nicht Bei relativ kleinen Kurzschlussströmen Für höhere erforderliche Ausschaltleistun-
mehr gegeben, wenn der Strom schon vor kann die Ausschaltung durch eine falsch gen kommt bei Nutzung der Vorteile von
dem Erreichen des ersten Scheitelwerts ausgewählte oder eingestellte Schutzein- Schaltern gegenüber Schmelzsicherungen
oder vor dem ersten Halbwellenende richtung nach dem Erreichen der Kurz- nur der Einsatz von Leistungsschaltern in
unterbrochen wird. Die Beschreibung einer schlussendtemperatur oder erst nach 5 s Frage.
Wechselgröße als Effektivwert für Aus- erfolgen. Beides ist nicht zulässig. Deshalb
schaltzeiten kleiner 0,01 s wäre falsch. muss auch Kurzschlussfestigkeit durch das
Fließen eines Mindestkurzschlussstroms 3 Nachweis der Selektivität
2.2.1 Kurzschlussdauer ≥ 0,01 s gesichert sein. Insbesondere bei großen
Nachweis mittels des thermisch gleichwerti- Leitungs- und Kabellängen sowie geringen Ziel der selektiven Ausschaltung in elektri-
gen Kurzschlussstroms Ith: Leiterquerschnitten wird der Kurzschluss- schen Netzen und Anlagen ist es, nur die
Unter dem Einfluss der Abklingvorgänge strom erheblich verringert. der Fehlerstelle nachgeordneten Netzteile
nach dem Kurzschlusseintritt wird der ther- Um den Nachweis zu vereinfachen, ist in und Abnehmer vom speisenden Netz zu
misch gleichwertige Kurzschlussstrom nach DIN VDE 0100 Beiblatt 5 [4] die maximal trennen.

Elektropraktiker, Berlin 55 (2001) 2 123


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F1 F2

a) 80 A 50 A Die Kurzschluss-Schutzeinrichtungen müs- Ist die Kurzschluss- bzw. die Ausschaltzeit


sen zur Sicherstellung von Selektivität ent- größer als 0,1 s, dann werden die Zeit-
63 A sprechend ausgewählt, ausgelegt und die Strom-Kennlinien herangezogen. Der Ver-
Auslöseströme eingestellt werden. Dazu gleich der Kennlinien im Diagramm darf
5
sind Überlegungen erforderlich, wie bei den keine Überschneidung der Toleranzbänder
s
verschiedenen Kombinationen von hinter- im in Frage kommenden Kurzschluss-
1
50 A
80 A einander geschalteten Schutzeinrichtungen strom-Bereich ergeben (Bild ➌).
t 0,4 die unterschiedlichen Überlast- und Kurz- Bei Kurzschlusszeiten kleiner als 0,1 s ist
0,2
schlussströme zur Ausschaltung führen. der Kurzschlussstromverlauf durch die
0,1
Neben den zu erwartenden kleinsten und Überlagerung von Wechsel- und Gleich-
102 2 3 4 5 A 103 größten Kurzschlussströmen ist das Aus- stromanteilen nicht symmetrisch zur Zeit-
b) Strom schaltverhalten der einzelnen Schutzein- achse. Deshalb muss die Überprüfung
richtungen von Interesse. Der Nachweis durch den Vergleich von Stromwärmewer-
➌ Selektivität zwischen Leitungsschutz- von Selektivität muss bei kleinen und ten, die von den Herstellern der Schutzein-
sicherungen großen Kurzschlussströmen erfolgen. richtungen angegeben werden, durchge-
a) Schaltbild; b) Zeit-Strom-Diagramm führt werden.
Für Schmelzsicherungen sind die minima-
B A Tafel ➋ Schmelz- und Ausschalt-I2T-Werte len Schmelz- und maximalen Ausschalt-
für gG- und gM-Sicherungseinsätze [5] wärmewerte in Tafel ➋ aufgelistet.
Selektivität Sind Schmelzsicherungen in Reihe ange-
In Si I2Tmin1) I2Tmax2)
bei Kurzschluss ordnet, dann muss der Schmelzwärmewert
A A2s A2s I2Tmin der vorgeordneten größer sein als
t in s

A
2 0,67 16,4 der Ausschaltwärmewert I2Tmax der nach-
4 4,9 67,6 folgenden:
B 6 16,4 193,6
8 40,0 390
I2Tmin > I2Tmax
10 67,6 640 Dann ist garantiert, dass der Faden der vor-
12 130 820 geordneten Sicherung die Schmelztempe-
16 291 1 210 ratur nicht erreicht und seine Schmelz-
20 640 2 500 charakteristik unverändert bleibt.
IaB IaA 25 1 210 4 000 Nach DIN VDE 0636 [5] ist für baugleiche
I in A 32 2 500 5 750 Schmelzsicherungen Selektivität in jedem
40 4 000 9 000 Fall gewährleistet, wenn sich die Bemes-
sungsstromstärken maximal um den Faktor
➍ Selektivität zwischen LS-Schaltern 50 5 750 13 700
1,6 unterscheiden.
63 9 000 21 200
80 13 700 36 000 Sind LS-Schalter und Leistungsschalter mit
100 21 200 64 000 den verschiedenen Kombinationsmöglich-
B A Ikmax A keiten hintereinander angeordnet, muss bei
A 125 36 000 104 000
Stromselektivität der größte Kurzschluss-
t in s

Ikmin A 160 64 000 185 000


200 104 000 302 000 strom an der Einbaustelle des nachgeord-
Ikmax B neten Schalters kleiner sein als der An-
B 250 185 000 557 000
Ikmin B 315 302 000 900 000 sprechstrom des vorgeordneten Schalters
400 557 000 1 600 000
(Bild ➍).
zeitselektiv Bei hohen Kurzschlussströmen, wo im
A ∆T Staffelzeit 500 900 000 2 700 000
Zeit-Strom-Diagramm beide Kennlinien
stromselektiv 630 1 600 000 5 470 000
im Bereich des Kurzschlussauslösers lie-
800 2 700 000 10 000 000
Ikmin B Ikmax A I in A gen, ist der Nachweis von Selektivität
1000 5 470 000 17 400 000
IGrenz Ikmin A mittels der Durchlassströme möglich. Für
LS-Schalter gelten die Werte nach Tafel ➌
1250 10 000 000 33 100 000
1) Schmelzwert; 2) Ausschaltwert
➎ Selektivität zwischen Leistungsschal- und für Leistungsschalter werden von
tern
Tafel ➌ Zulässige Durchlass-I2T-Werte für LS-Schalter bis 16 A [6]
nicht
selektiv selektiv
A Icn = 50 kA Bemessungs- Energiebegrenzungsklasse
schaltvermögen
Zeit

2 3
B A
(I 2T)max
B Icn = 15 kA in A
IK = 20 kA in A2s
Charakteristik Charakteristik
B C B C
Ta
3 000 31 000 37 000 15 000 18 000
IK = 5 kA 5 15 45
4 500 60 000 75 000 25 000 30 000
a) b) Strom
6 000 100 000 120 000 35 000 42 000
➏ Back-up-Schutz und Selektivität 10 000 240 000 290 000 70 000 84 000
a) Schaltbild; b) Zeit/Strom-Diagramm

124 Elektropraktiker, Berlin 55 (2001) 2


Schutzmaßnahmen

Herstellern entsprechende Kurven ange- schlussstrom von 20 kA auf. Da der Leis- Kurzschlussschutzes in Niederspannungs-
geben. tungsschalter B nur ein Ausschaltvermögen anlagen. Eine ausführliche Darlegung mit
Mit Leistungsschaltern ist die sogenannte Icn = 15 kA besitzt, beherrscht der Leis- vielen praktischen Beispielen sowie aus-
Zeitselektivität möglich und sinnvoll, bei tungsschalter B mögliche Kurzschlussströ- druckbaren Arbeitsblättern und Tafeln
der die Einstellung der Ausschaltzeiten me zwischen 15 und 20 kA nicht mehr. Der bietet [3].
(Staffelung) so erfolgt, dass der vorgeord- vorgeordnete Leistungsschalter A muss
nete Schalter eine größere Verzögerungs- deshalb auf einen Ansprechstrom von Literatur
zeit hat als der nachgeordnete (Bild ➎). 15 kA eingestellt sein, damit er den Aus- [1] DIN VDE 0102 Berechnung von Kurzschluss-
strömen in Drehstromnetzen.
schaltvorgang übernimmt, auch wenn der [2] DIN VDE 0103 Kurzschlussströme; Berechnung
Fehler nicht in seinem Schutzbereich liegt. der Wirkung; Teil 1: Begriffe und Berechnungs-
4 Back-up-Schutz Beide Schutzeinrichtungen lösen gleichzei- verfahren.
tig und damit unselektiv aus. [3] Kny, K.-H.: Kurzschluss-Schutz in Gebäuden.
Berlin: Verlag Technik.
Beherrscht eine Schutzeinrichtung den an Die Möglichkeiten und Grenzen des Back- [4] DIN VDE 0100 Beiblatt 5 Errichten von Stark-
der Einbaustelle auftretenden Kurzschluss- up-Schutzes sind oft nur mit den Angaben stromanlagen mit Nennspannung bis 1000V;
strom beim Ausschalten nicht, so kann eine der Hersteller zu realisieren bzw. auszu- Zulässige Längen von Kabeln und Leitungen
vorgeschaltete Schutzeinrichtung den kurz- schöpfen. unter Berücksichtigung des Schutzes bei Kurz-
schluss und des Spannungsfalls.
schlussfesten Ausschaltvorgang überneh- Durch das hohe Ausschaltvermögen [5] DIN VDE 0636 Niederspannungssicherungen.
men. Dazu sind zwei hintereinander ge- von Schmelzsicherungen von mindestens [6] EN 60 898 DIN VDE 0641 Teil 11 Leitungs-
schaltete Überstrom-Schutzeinrichtungen 50 kA bieten sie sich als Vorsicherung von schutzschalter für den Haushalt und ähnliche
so aufeinander abzustimmen, dass die vor- Leistungsschutzschaltern an, die ja nur ein Anwendungen. ■
geschaltete Schutzeinrichtung A den Kurz- geringes Ausschaltvermögen bis 10 kA
schluss-Schutz übernimmt, bevor das Schalt- haben.
vermögen der nachgeordneten Schutzein- Hinweis
richtung B überschritten wird.
Im Bild ➏ sind zwei unverzögerte Leis- 5 Abschließender Hinweis Ein einfaches Berechnungsprogramm mit
tungsschalter in Reihe angeordnet. Der Excel, zum Beispiel 3.14 in [3], wird auf
Leistungsschalter B wird auf einen An- Dieser Beitrag soll und kann nur einen Wunsch als E-Mail zugesandt. Adresse:
sprechwert von 5 kA (minimaler Kurz- Überblick geben über die zu beachtenden www.Karl-Heinz.Kny@elektrotechnik.hs-
magdeburg.de
schlussstrom) eingestellt. Bei einem Kurz- und durchzuführenden Maßnahmen bei
schluss an der Einbaustelle tritt ein Kurz- der Planung, Errichtung und Prüfung des
Schutzmaßnahmen

Netz

Berechnen des Kurzschluss- Un Q

stroms nach neuer VDE 0102 Last

Änderungen nach DIN EN 60 909-0 (VDE 0102):2002-07


➊ Kennzeichnung von Anschlusspunkt Q
K.-H. Kny, Magdeburg
Nachfolgend werden Änderungen in der Norm genannt und an Beispielen er- Tafel ➊ Spannungsfaktor c [1], S. 19
läutert. Die Darlegungen können den verantwortlichen Ingenieur vom eige- Spannungsfaktor c
nen Studium der Norm nicht befreien, aber ein schnelleres Zurechtfinden in für die Berechnung des
Nenn- größten1) kleinsten
der Vorschrift und mehr Sicherheit bei der Handhabung ermöglichen. spannung Un Kurzschlussstromes
cmax cmin

100 V bis 1,053)


1 Gültigkeit der Norm vorgeordneten Netzes (Un, RQ/XQ) gelten 0,95
1000 V 1,104)
und für den der Anfangs-Kurzschlusswech- Mittelspannung 1,10
Die Europäische Norm EN 60909-0:2001 selstrom bei einem dreipoligen Kurzschluss > 1 kV bis 35 kV
1,00
[1] zur Berechnung von Kurzschlussströ- an dieser Stelle durch das EVU angegeben Hochspannung2) 1,10
men in Drehstromnetzen wurde mit Wir- wird oder anderweitig (Berechnung, Mes- > 35 kV
1) c
kung vom 01.07.2002 angenommen. Die sung) ermittelt wurde. max·Un sollte die höchste Spannung
Um für Betriebsmittel in Netzen nicht
neue Norm – mit dem Status einer Deut- Die Anfangs-Kurzschlusswechselstromleis- überschreiten.
schen Norm – ist auf der Grundlage von [2] tung Sk’’ wird in der überarbeiteten Norm 2) Wenn keine Nennspannung genormt

entstanden und gilt als Ersatz für [3] und [4], [1] für die Berechnung nicht mehr verwen- ist, sollte cmaxUn = Um oder
cminUn = 0,90 Um angewendet werden.
die aber noch bis 01.01.2003 angewendet det. 3) Für Niederspannungsnetze mit einer
werden dürfen. Mit dem Anfangs-Kurzschlusswechsel- Toleranz + 6 %
4) Für Niederspannungsnetze mit einer
strom IkQ’’ am Anschlusspunkt Q wird die
Impedanz des vorgeschalteten Netzes mit Toleranz +10%
2 Generatornaher und Gleichung (1) berechnet:
generatorferner Kurzschluss c ⋅ U nQ
ZQ = (1) Betriebsspannung Ub = Un ± 10 %. Deshalb
In der Einteilung der Norm ist nicht mehr 3 ⋅ I"kQ ist die Unterscheidung von cmax im Nieder-
die Unterscheidung von generatornahem Mit dem angegebenen Quotienten RQ/XQ spannungsbereich bezogen auf die maximal
und generatorfernem Kurzschluss vorhan- kann die Reaktanz XQ mit: zulässige Toleranz notwendig (Tafel ➊).
den. Diese formale Änderung soll die An- Hinsichtlich der Anwendung der Norm gilt
wendung der Norm verbessern. ZQ nicht mehr die Begrenzung der Nennspan-
XQ =
Die Unterscheidung bei Kurzschluss bezüg- (2) nung Un ≤ 230 kV; Berechnungen der Strö-
1 + ( RQ / X Q )2
lich des Einflusses der Ausgleichsvorgänge me bei Kurzschluss nach [1] können bis
im Generator auf die Höhe des Anfangs- und die Resistanz RQ mit: Un = 380 kV durchgeführt werden.
Kurzschlussstromes – da physikalisch be- ⎛ RQ ⎞
gründet – ist nach wie vor nötig: RQ = X Q ⋅ ⎜ ⎟ (3)
Wenn der dreipolige Anfangs-Kurzschluss- ⎝ XQ ⎠ 5 Korrekturfaktoren für Kurzschluss-
strom größer ist als das Zweifache des Ge- ermittelt werden. impedanzen von Betriebsmitteln
neratorbemessungsstromes IrG liegt ein ge- Die bisher in [2] ausgewiesene Gleichung:
neratornaher Kurzschluss vor. Von einem 2
c ⋅ U nQ 5.1 Transformatoren
generatorfernen Kurzschluss soll ausgegan- ZQ = (4) Zur Berechnung der Transformatorimpe-
gen werden, wenn die Transformatorreak- S"kQ danz (6) wurde ein Korrekturfaktor KT ein-
tanz XT größer als das Zweifache der am mit der Rechengröße geführt. Er ist für Zweiwicklungs- und Drei-
Anschlusspunkt Q vorgeschalteten Reak- (5) wicklungstransformatoren sowohl für das
S"kQ = 3 ⋅ U nQ ⋅ I"kQ
tanz XQ (oft die Netzreaktanz XN bzw. Mitsystem als auch für das Gegen- und
Netzimpedanz ZN) ist: XT > 2 XQ. hat weiterhin Gültigkeit und kann in Bezug Nullsystem anzuwenden.
auf vorhandene Netzunterlagen bzw.
Z TK = K T ⋅ Z T = K T ⋅ ( RT + jX T ) (6)
Schaltpläne, in denen Sk’’ als Berechnungs-
3 Anschlusspunkt Q größe angegeben ist, verwendet werden. Ermittelt wird der Korrekturfaktor für
Zweiwicklungs-(Netz-)transformatoren
Als Bezugspunkt für Kurzschlussberech- mit Gleichung (7):
nungen gilt der Anschlusspunkt Q (Bild 4 Spannungsfaktor c
c max
➊), für den die erforderlichen Angaben des K T = 0, 95 (7)
Die angestrebte Vereinheitlichung der 1 + 0, 6 ⋅ x T
Nennspannungen im Niederspannungsbe- Hierin ist der Spannungsfaktor cmax nach
Autor reich machte eine Neufestlegung der Span- Tafel ➊ einzusetzen und xT die bezogene
nungsfaktoren c erforderlich. Reaktanz des Transformators nach Gl. (8):
Dipl.-Ing. Karl-Heinz Kny ist Lehrkraft für 1983 wurden neue Nennspannungen einge- XT X u /%
Elektroenergieversorgung und Projektie- führt, die hinsichtlich der zulässigen Tole- xT = ⋅ zT bzw. x T = T ⋅ K (8)
rung elektr. Anlagen an der FH Magdeburg ranz nach oben mit +6% bis 2003 begrenzt ZT Z T 100%
sind. Ab dem Jahr 2004 gilt für die zulässige In [1], Seite 26 wird weiterhin ein Korrek-

1002 Elektropraktiker, Berlin 56 (2002) 12


Schutzmaßnahmen

Tafel ➊ Impedanzen von Öltransformatoren [4], berechnet mit einer Bemessungsspannung UrT = 420 V und dem Korrekturfaktor KT
(vergleiche [5], Tafel 3.20)
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15
SnT uk Pk ur ux RT XT ZT xT KT RTK XT ZTK R0TK X0TK
kVA % kW % % mΩ mΩ mΩ mΩ mΩ mΩ mΩ mΩ

50 4 1100 2,2 3,341 77,616 117,88 141,14 0,033 0,978 75,909 115,3 138 75,909 109,5
100 4 1750 1,75 3,597 30,87 63,452 70,563 0,036 0,976 30,13 61,93 68,88 30,13 58,84
160 4 2350 1,469 3,721 16,193 41,025 44,106 0,037 0,976 15,805 40,04 43,05 15,805 38,04
200 4 2850 1,425 3,738 12,569 32,97 35,285 0,037 0,976 12,267 32,18 34,44 12,267 30,58
250 4 3250 1,3 3,783 9,173 26,693 28,226 0,038 0,975 8,944 26,03 27,53 8,944 24,73
315 4 3900 1,239 3,804 6,934 21,303 22,404 0,038 0,975 6,76 20,77 21,85 6,76 19,74
400 4 4600 1,15 3,832 5,072 16,9 17,645 0,0383 0,975 4,945 16,48 17,21 4,945 15,66
500 4 5500 1,1 3,846 3,881 13,569 14,114 0,038 0,975 3,784 13,23 13,77 3,784 12,57
630 4 6500 1,032 3,865 2,889 10,822 11,201 0,039 0,975 2,817 10,56 10,93 2,817 10,04
800 6 8400 1,05 5,908 2,316 13,028 13,233 0,059 0,963 2,23 12,55 12,75 2,23 11,93
1000 6 10500 1,05 5,908 1,853 10,422 10,586 0,059 0,963 1,784 10,04 10,2 1,784 9,54
1250 6 13000 1,04 5,91 1,468 8,341 8,47 0,059 0,963 1,414 8,04 8,17 1,414 7,64
1600 6 17000 1,063 5,906 1,172 6,512 6,617 0,059 0,963 1,129 6,28 6,39 1,129 5,97
2000 6 21500 1,075 5,903 0,949 5,207 5,293 0,059 0,963 0,914 5,02 5,11 0,914 4,77
2500 6 26500 1,06 5,906 0,748 4,168 4,235 0,059 0,963 0,721 4,02 4,09 0,721 3,82

turfaktor KT angegeben, der die Möglich-


keit einer genaueren Bestimmung der wirk- X T = Z T2 − RT2 (12)
Blocktrafo F
samen Impedanz bietet, wenn der Belas- 2 2
LV HV
tungszustand des Transformators vor dem X T = 17, 64 − 5, 07 mΩ = 16, 9 mΩ G
Kurzschluss bekannt ist. Mit Gleichung (8) wird die bezogene Reak- 3~

U c max tanz des Transformators:


K T = nb ⋅ (9)
U 1 + x T ⋅ ( I Tb / I rT ) ⋅ sinϕ Tb 16, 9 Ω 4%
xT = ⋅ = 0, 038
17, 64 Ω 100%
In Gleichung (9) ist Ub die höchste Be- ➋ Kraftwerksblock
triebsspannung, I Tb der höchste Betriebs- Der Korrekturfaktor KT mit cmax aus Tafel
strom und ϕ Tb der Winkel des Leistungs-
➊ und der zuvor ermittelten transienten
Reaktanz xT ist nach Gleichung (7):
faktors vor dem Kurzschluss.
1, 05 In Tafel ➋ sind mit der Bemessungsspan-
K T = 0, 95 = 0, 975 nung UrT = 420 V und dem Korrekturfaktor
1 + 0, 6 ⋅ 0, 038
Beispiel 1: KT berechnete Impedanzen von Öltrans-
Ermittlung der Impedanzen eines Vertei- und die komplexe korrigierte Transforma- formatoren [4] angegeben.
lungstransformators torimpedanz nach Gleichung (6): Die Korrekturfaktoren für Dreiwicklungs-
Für einen Ortsnetztransformator mit einer transformatoren sind analog aufgebaut und
Z TK = 0, 975 ⋅ (5, 07 + j 16, 9)Ω
niederspannungsseitigen Bemessungsspan- können [1], Seite 26 entnommen werden.
nung UrT = 420 V, einer Bemessungsschein-
leistung SrT = 400 kVA und der Schaltgrup- = (4, 945 + j16, 482)Ω = 17, 2 mΩ ⋅ e 73,3° 5.2 Kraftwerksblöcke
pe Dy5 sind die Impedanzen im Mitsystem Unter Verzicht der komplexen Rechnung Bisher wurden für die Bestimmung der Im-
RT, XT und ZT sowie im Nullsystem R0T können die korrigierten Transformatorim- pedanzen von Generatoren und Block-
und X0T zu ermitteln. Im Datenblatt für den pedanzen auch folgendermaßen berechnet transformatoren in Kraftwerken (Bild ➋)
Transformator ist als Kurzschlussverlust- werden: folgende Möglichkeiten angegeben:
leistung PkrT = 4,6 kW und für die Kurz- RTK = 0, 975 ⋅ 5, 07 Ω = 4, 945 mΩ • Einzelne Ermittlung der Generator- und
schlussspannung ukr = 4 % angegeben. X TK = 0, 975 ⋅ 16, 9 Ω = 16, 482 mΩ Blocktransformatorimpedanz
• Berechnung der Gesamtimpedanz des
a) Mit- und Gegensystem Z TK = 0, 975 ⋅ 17, 64 Ω = 17, 2 mΩ Kraftwerksblockes
Die Impedanzen im Mit- und Gegensystem In der neuen Norm [1] ist nur noch die Er-
sind bei Transformatoren gleich: b) Nullsystem mittlung der gesamten Impedanz des Kraft-
Z T(1) = Z T(2) = Z T Für das Nullsystem gilt für Transformato- werksblockes vorgesehen. Allerdings mit
ren mit der Schaltgruppe Dy5 [3]: den beiden Möglichkeiten: mit und ohne
u% 2
k ⋅ U rT Stufenschalter. Nachfolgend sind die Be-
ZT = RT(0) X T(0)
100% ⋅ S rT = 1 und = 0, 95 rechnungsformeln angegeben.
RT(1) X T(1)
4% ⋅ (420 V )2
= = 17, 64 mΩ (10) Damit wird a) Kraftwerksblöcke mit Stufenschaltern
100% ⋅ 400 kVA
RT =
2
PkrT ⋅ U rT RTK(0) = 4, 945 mΩ S S (
Z = K t2 ⋅Z + Z r G THV )
(13)
2
S rT und mit dem Korrekturfaktor
2
4, 6kW ⋅ (420 V ) 2
X TK(0) = 0, 95 ⋅ 16, 482 mΩ = 15, 66 mΩ U nQ U2 c max
RT = = 5, 07mΩ (11) K S = 2 ⋅ 2rTLV ⋅ (14)
(400 kVA )2 U rG U rTHV 1 + x"d − x T ⋅ sinϕ rG

Elektropraktiker, Berlin 56 (2002) 12 1003


Schutzmaßnahmen
Tafel ➌ Faktoren α und β zur Kurzschlussstromberechnung nach Gleichung [1], Seite 57

ZQ 0 F Kurzschluss in F dreipolig zweipolig mit Erdberührung einpolig


Dy 5
Q Betroffene Leiter L1, L2, L3 L1, L3, N(E) L1, L2, N(E) L2, N(E) 1)
auf der Nieder- L1, L2, L3, N(E) L2, L3, N(E)
spannungsseite
Faktor β 0 2 0,5 0,5
Faktor a
für die Ströme
➌ Kurzschluss auf der NS-Seite eines I’’
kL1 0,5 1,5 – –
Ortsnetztransformators I’’ 1,0 – 1,5 1,5
kL2
I’’
kL3 0,5 1,5 – –
IkN
’’ – 3,0 1,5 1,5
b) Kraftwerksblöcke ohne Stufenschalter Faktor α(HV)
(
Z SO = K SO t r2 ⋅ Z G + Z THV ) (15) für die
Ströme IKv’’
1 3

tr 2
1 3

tr 2
1 3

tr 2
1 3

tr 2
mit dem Korrekturfaktor IkL2HV
’’ = IkL3HV
’’
1) Bei einpoligen Erdkurzschlüssen L1, N(E) oder L3,N(E) werden die resultierenden kleinen Strö-
U nQ U
KS = ⋅ rTLV me durch die Leerlaufimpedanzen des Transformators verursacht und sind vernachlässigbar.
U rG (1 + pG ) U rTHV
c max
⋅ (1 ± p T ) (16)
1 + x"d sinϕ rG Beispiel 2: gesamten Kurzschlussimpedanz kaum be-
Berechnung von Kurzschlussströmen merkbar. Der minimale einpolige Kurz-
In den Gleichungen (13) bis (16) bedeuten: Berechnet wird der maximale dreipolige schlussstrom mit dem Spannungsfaktor
Zs Korrigierte Impedanz des Kraft- und minimale einpolige Kurzschlusswech- cmin = 0,95 wird nach Gl. (18) ermittelt. Eine
werkblockes mit Stufenschalter, be- selstrom bei Klemmenkurzschluss auf der ausführliche Darstellung der Kurzschluss-
zogen auf die OS-Seite Niederspannungsseite eines Ortsnetztrans- berechnungen mit praxisorientierten Be-
ZSO Korrigierte Impedanz des Kraft- formators (Bild ➌), wenn die vorgeordne- rechnungsbeispielen ist in [5] enthalten.
werkblockes ohne Stufenschalter, te Netzimpedanz vernachlässigt wird.
d. h. bei konstantem Übersetzungs- Zugrunde gelegt wird der im Beispiel 1 an-
verhältnis t, bezogen auf die Ober- gegebene Transformator mit der berechne- 7. Ausfall von Hochspannungs-
spannungsseite ten korrigierten Impedanz. sicherungen
ZG Subtransiente Impedanz des Gene- Unter Berücksichtigung des in Tafel ➊ zu-
rators (ohne Korrekturfaktor KG) treffenden Spannungsfaktors cmax = 1,05 Neu ist, dass für Ortsnetztransformatoren
ZTHV Impedanz des Blocktransformators, und der korrigierten Kurzschlussimpedanz eine vereinfachte Berechnungsgleichung
bezogen auf die OS-Seite (ohne Kor- ZTK = 17,2 Ω wird der maximale dreipolige (19) zur Ermittlung der Kurzschlussströme
rekturfaktor KT) Kurzschlusswechselstrom: in den Leitungen auf der Ober- und Unter-
UnQ Netznennspannung am Anschluss- c max ⋅ U n spannungsseite bei Unterbrechung eines
punkt Q des Kraftwerkblockes I k(3)max = Leiters auf der Oberspannungsseite ange-
UrG Bemessungsspannung des Genera- 3 ⋅ Z TK geben ist (Bild ➍). Die Berücksichtigung
tors des Übersetzungsverhältnisses des Trans-
1, 05 ⋅ 400 V
xd’’ Bezogene subtransiente Reaktanz = = 14,1 kA (17) formators und die Umrechnung der Ströme
des Generators, bezogen auf die Be- 3 ⋅ 17, 2 Ω auf die Oberspannungsseite mit dem kom-
messungsimpedanz mit Mit dem bisher gültigen Spannungsfaktor plexen Übersetzungsverhältnis des Trans-
2 cmax = 1,0 und der Transformatorimpedanz formators wird mit der Angabe der Fakto-
x"d = X "d / Z rG mit Z rG = U rG / S rG ZT ergibt die Berechnung einen etwas ge- ren α und β in Tafel ➌ erleichtert.
ϕ rG Phasenwinkel zwischen IrG und ringeren dreipoligen Kurzschlussstrom:
U rG / 3 1, 0 ⋅ 400 V
Im Bild ➍ und Gleichung (19) bedeuten:
I k(3)max = = 13, 09 kA v L1, L2, L3, N(E) der
xT Bezogene Reaktanz des Blocktrans- 3 ⋅ 17, 64 Ω Niederspannungsseite
formators bei Hauptanzapfung des Bei der Überprüfung der Kurzschlussfestig- L2HV, L3HV L1, L2, L3, N(E) der
Stufenschalters keit liegt man mit Ik(3) = 14,1 kA ver- Oberspannungsseite
( 2
x T = X T / U rT / S rT ) gleichsweise auf der sicheren Seite.
Wenn der Kurzschlussort nicht an den Se-
ZQt + KTZT + ZL Resultierende Impe-
danz im Mitsystem auf
tr Bemessungswert des Übersetzungs- kundärklemmen des Transformators ange- Niederspannungsseite
verhältnisses des Blocktransforma- nommen wird, sondern in der nachfolgen- (ZT = ZTLV)
tors t r = U rTHV / U rTLV den Anlage und es werden richtigerweise KTZ(0)T + Z(0)L Resultierende Impe-
1± p T ist einzuführen, wenn der Block- die Netz- und Leitungsimpedanzen berück- danz im Nullsystem auf
transformator Anzapfungen hat und sichtigt, dann macht sich die Korrektur der Niederspannungsseite
wenn eine dieser Anzapfungen dau- Transformatorimpedanz auf die Höhe der α, β Faktoren nach Tafel ➌
ernd verwendet wird, sonst ist
1 ± p T = 1 zu setzen. c min ⋅ U n
I k(1)min =
(2 ⋅ RT + RT (0 ) )2 + (2 ⋅ X T + X T (0 ) )2
(18)
6. Berechnung der Kurzschlussströme 0, 95 ⋅ 400 V
I k(1)min = = 4,32 kA
(2 ⋅ 4, 945 + 4, 945)2 + (2 ⋅ 16, 482 + 15, 66)2 mΩ
Das folgende Beispiel zeigt den Einfluss des
veränderten Spannungsfaktors c und der c⋅U n
I"kv = α
korrigierten Transformatorimpedanz ZTK
auf die Höhe der Kurzschlussströme. (
3 ⋅ Z Qt + K T ⋅ Z T + Z L + β ⋅ K T ⋅ Z (0 )T + Z (0 )L ) (19)

1004 Elektropraktiker, Berlin 56 (2002) 12


Schutzmaßnahmen

Niederspannungsnetz Un
Q HV T, Dyn 5 LV
(Sicherungen) I‘‘
kL1
L1 L1 Leitung

I‘‘
kL2HV I‘‘
kL2
L2 L2

Kurzschlussort F
I‘‘
kL3HV I‘‘
kL3
L3 L3

UnQ
IkQ

I‘‘
kN
N (E)

➍ Kurzschlussströme auf der Nieder- und Oberspannungsseite eines Transformators, wenn


ein Leiter (Sicherung) auf der Oberspannungsseite unterbrochen ist (s. [1], Seite 56)

Die Anwendung der Gleichung (19) ist 8. Thermisch gleichwertiger


nur zur Berechnung kleinster Kurz- Kurzschlussstrom
schlussströme mit c = cmin sinnvoll, weil
bei ungestörter Speisung von der Ober- Die Gleichung (20) zur Berechnung des
spannungsseite aus die Kurzschlussströ- Thermisch gleichwertigen Kurzschluss-
me im Vergleich zur gestörten Speisung stroms Ith mit den Faktoren m und n zur Be-
immer größer sind. rücksichtigung der Ausgleichsvorgänge
(20)
I th = I"k ⋅ m + n
Beispiel 3:
Berechnung der Kurzschlussströme bei war bisher nur in DIN VDE 0103 [6] ange-
Leiterunterbrechung auf der Oberspan- geben.
nungsseite Sinnvollerweise ist sie jetzt Bestandteil der
Angenommen wird ein dreipoliger Kurz- hier behandelten Norm [1], so dass alle er-
schluss am Fehlerort F (Klemmenkurz- forderlichen Kurzschlussströme zur Über-
schluss am Transformator), wenn Ober- prüfung der mechanischen und thermi-
spannungsseitig die HH-Sicherung im Lei- schen Kurzschlussfestigkeit von elektri-
ter L1 angesprochen hat. schen Anlagen in einer Norm beschrieben
Da keine Netz- und Leitungsimpedanz be- werden.
rücksichtigt bzw. vorhanden ist, vereinfacht
sich Formel (19) für die Berechnung der
Literatur:
Kurzschlussströme zu: [1] DIN EN 60909-0 (VDE 0102):2002-07. Kurz-
c min ⋅ U n schlussströme in Drehstromnetzen; Teil 0: Be-
I"kv = α ⋅ rechnung der Ströme
3 ⋅ K T ⋅ ZT [2] DIN VDE 0102:1990-01. Berechnung von
Kurzschlussströmen in Drehstromnetzen.
Auf der Niederspannungsseite (LV) wer-
[3] DIN 57102 Teil 2/VDE 0102 Teil 2/11.75.
den unter Berücksichtung des Faktors a aus „VDE-Leitsätze für die Berechnung der Kurz-
Tafel ➌ die Kurzschlussleiterströme: schlussströme“; Abschnitte 13 bis 15
0, 95 ⋅ 400 V [4] DIN 42500 Teil 1 Drehstrom-Öl-Verteilungs-
I"kL1 = I"kL3 = 0, 5 ⋅ = 5, 71 kA transformatoren 50 Hz, 50 bis 2500 kVA
3 ⋅ 19, 2 mΩ [5] Kny, K.-H.: Kurzschlussschutz in Gebäuden.
Berlin: Verlag Technik 1999
0, 95 ⋅ 400 V [6] DIN EN 60865-1 VDE 0103:1994-11. Kurz-
I"kL2 = 1, 0 ⋅ = 11, 43 kA schlussströme; Berechnung der Wirkung Teil 1:
3 ⋅ 19, 2 mΩ Begriffe und Berechnungsverfahren ■
und auf der Hochspannungsseite (HV):
1 3 c min ⋅ U n
I"k2HV = I"k3HV = ⋅ ⋅
tr 2 3 ⋅ Z TK
0, 42 kV 3 0, 95 ⋅ 400 V
= ⋅ ⋅ = 208 A
20 kV 2 3 ⋅ 19, 2 mΩ

Elektropraktiker, Berlin 56 (2002) 12 1005