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Dirk Bohne

Technischer Ausbau
von Gebäuden
und nachhaltige Gebäudetechnik
11. Auflage
Technischer Ausbau von Gebäuden
Dirk Bohne

Technischer Ausbau
von Gebäuden
und nachhaltige Gebäudetechnik
11., aktualisierte Auflage
Dirk Bohne
Leibniz Universität Hannover
Institut für Entwerfen und Konstruieren
Gebäudetechnik
Hannover, Deutschland

ISBN 978-3-658-21436-4    ISBN 78-3-658-21437-1 (eBook)


https://doi.org/10.1007/978-3-658-21437-1

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Lektorat: Dipl.-Ing. Ralf Harms

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V

Vorwort

Die Gebäudetechnik verändert sich durch tech- Den an der Überarbeitung der vorliegenden 10.
nische Neuerungen und Weiterentwicklungen und 11. Auflage Beteiligten danke ich sehr herzlich:
stetig. Gebäude nachhaltig und energieeffizient zu
errichten, erfordert große Anstrengungen, da im- Axel Ansorge (10. Aufl., ▶ Kap. 6 Durchsicht Elek-
mer höhere Anforderungen gestellt und Normen trotechnik)
und Richtlinien in immer kürzerer Zeit überarbei- Marius Bohne (11. Aufl., Bearbeitung ▶ Abschn. 8.6
tet werden. Für Architektinnen, Architekten, Bera- Wirtschaftlichkeitsberechnung und ▶ Abschn. 8.7
tende Ingenieurinnen und Ingenieure ist es schwer, Smart Home)
in angemessener Zeit Informationen und umsetz- Elena Paul (11. Aufl., Bearbeitung ▶ Abschn. 8.3.2
bare Empfehlungen zu erhalten. Das vorliegende Strombedarf für Gebäude)
Buch soll in zusammengefasster Darstellung mit Hamidreza Esfahani (11.  Aufl., Bearbeitung
Schemata und Beispielen einen Überblick über die ▶ Abschn. 8.3.2 Strombedarf für Gebäude)
verschiedenen Systeme geben und an vielen Stellen Markus Görres (10.  Aufl., ▶ Abschn. 6.1.5 Über-
Planungshilfen liefern. Schon die erste, 1979 er- arbeitung Beleuchtungsanlagen)
schienene Auflage des verstorbenen Autors Edwin Emma Haun (10. Aufl., ▶ Kap. 3.2 Überarbeitung
Wellpott verfolgte dieses Ziel und hat mit dem Kleinkläranlagen)
Buch „Technischer Ausbau von Gebäuden“ eine Boris Hensel (10.  Aufl., ▶ Kap. 7 Überarbeitung
Lücke für Planer und Architekten geschlossen. Förderanlagen)
Janina Kubernus (10. Aufl., ▶ Kap 3–7 Erstellung
Die technische Entwicklung seit Erscheinen der Grafiken und Manuskriptdurchsicht)
letzten Auflage im Jahr 2014 hat zahlreiche Neue- Ulrich Möhl (10. und 11. Aufl., ▶ Abschn. 6.3 Über-
rungen, Normen und Vorschriften durch tech- arbeitung Gebäudeautomation)
nischen Fortschritt und europäische Gesetzgebung Susanne Prahm (10. und 11. Aufl., ▶ Kap. 1–8 Er-
erzeugt. stellung Tabellen und Manuskripte)
Karl-Heinz Rosenwinkel (10. Aufl., Überarbeitung
Die 11. Auflage ist vollständig überarbeitet und ent- ▶ Abschn. 3.2 Kleinkläranlagen)
spricht dem neuesten Stand der Technik und EU- Jakob Schäuble (11.  Aufl., Bearbeitung
Regelungen. Die Gliederung orientiert sich an den ▶ Abschn. 8.3.2 Strombedarf für Gebäude)
unterschiedlichen Anlagengruppen der Gebäude- Judith Schurr (10. und 11.  Aufl., Überarbeitung
technik wie Wasser- und Abwassertechnik, Wär- ▶ Kap. 1–2 und ▶ Kap. 3., ▶ Kap. 1–8 Grafik Er-
meversorgungsanlagen, Raumlufttechnik, Elektro- stellung und Gesamtlayout)
technik und Förderanlagen. Vor diesen einzelnen
Anlagengruppen sind die Kapitel Grundlagen und Berlin/Hannover, Juli 2018
Sanitärräume untergebracht. In allen Kapiteln sind Dirk Bohne
viele Lösungen für nachhaltige bzw. integrierte
Systeme erläutert. In dem neuen Kapitel Energie-
konzepte werden diese Beispiele zusammengeführt
und durch neue Darstellungen ergänzt.

Für die gute Zusammenarbeit danke ich der Sprin-


ger Fachmedien Wiesbaden GmbH, insbesondere
Ralf Harms und Annette Prenzer.
VII

Inhaltsverzeichnis

1 Grundlagen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1
1.1 Behaglichkeit in Räumen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2
1.2 Trassen- und Leitungsführung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5
1.3 Technische Zentralen in Gebäuden. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 28

2 Sanitärräume. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 31
2.1 Wirtschafts- und Sanitärräume in Wohnungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32
2.1.1 Küchen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32
2.1.2 Hausarbeitsräume. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 42
2.1.3 Bad- und WC-Räume . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 45
2.2 Öffentliche und gewerbliche Sanitäranlagen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 62
2.2.1 Sanitärräume in Arbeitsstätten und Arbeitsplätzen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 64
2.2.2 Sanitärräume in Versammlungsstätten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 67
2.2.3 Sanitärräume in Schulen und Kindergärten. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 69
2.2.4 Barrierefreie Sanitärräume in öffentlich zugänglichen Gebäuden. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70

3 Abwasser- und Wassertechnik. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 73


3.1 Abwasseranlagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 75
3.1.1 Schwemmkanalisation. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 75
3.1.2 Einleitung von Niederschlagswasser an Ort und Stelle in den Untergrund . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 76
3.1.3 Entwässerungsanlagen für Gebäude und Grundstücke. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 76
3.1.4 Entwässerungssysteme. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 76
3.1.5 Bezeichnungen der Rohrleitungs-Teilstrecken. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 77
3.1.6 Wasserablaufstellen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 78
3.1.7 Anschlussleitungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 79
3.1.8 Fallleitungen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 80
3.1.9 Lüftungsleitungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 84
3.1.10 Grund- und Sammelleitungen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .86
3.1.11 Planungshinweise zu Grundleitungen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 88
3.1.12 Reinigungsöffnungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 93
3.1.13 Schächte. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 94
3.1.14 Rohrgräben. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 95
3.1.15 Anschlusskanäle . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 96
3.1.16 Abläufe. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 96
3.1.17 Abscheider. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .98
3.1.18 Sicherung gegen Rückstau. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 101
3.1.19 Abwasserhebeanlagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 103
3.1.20 Einleitung von Niederschlagswasser in den Untergrund. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 107
3.1.21 Regenwassernutzungsanlagen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 111
3.1.22 Grauwassernutzungsanlagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 114
3.1.23 Dimensionierung von Entwässerungsanlagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 114
3.1.24 Bemessungsbeispiele. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 121
3.2 Kleinkläranlagen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 130
3.3 Gebäudedränung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 141
3.4 Wasseranlagen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 153
3.4.1 Wasserbeschaffenheit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 153
3.4.2 Wasseraufbereitung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 154
3.4.3 Rohrleitungsmaterial für Kalt- und Warmwasserleitungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 156
3.4.4 Hausanschluss . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 157
VIII Inhaltsverzeichnis

3.4.5 Leitungsinstallation in Gebäuden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 158


3.4.6 Wasserdruck. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 159
3.4.7 Leitungsdimensionierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 160
3.4.8 Wasserdruckerhöhungsanlagen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 160
3.4.9 Regenwasser- und Grauwassernutzungsanlagen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 161
3.4.10 Warmwasserversorgung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 165
3.5 Feuerlöschanlagen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 181
3.5.1 Hydrantenanlagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 181
3.5.2 Sprinkleranlagen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 183
3.5.3 Inertgas-Löschsysteme. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 185

4 Wärme- und Kälteversorgungsanlagen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 187


4.1 Heiz- und Kühllast . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 188
4.1.1 Heizlast. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 188
4.1.2 Kühllast. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 196
4.2 Wärmeerzeugungsanlagen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 201
4.2.1 Übersicht. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 201
4.2.2 Energieträger für Wärmeerzeuger . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 204
4.2.3 Wärmeerzeugungsanlagen mit Gas oder Heiz­öl . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 205
4.2.4 Schornsteine, Abgasanlagen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 230
4.2.5 Wärmeerzeugung mit Wärmepumpen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 247
4.2.6 Kraft-Wärme-Kopplung, Blockheizkraftwerk . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 265
4.2.7 Nahwärmekonzepte. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 269
4.2.8 Fernwärmenetze. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 270
4.2.9 Solare Kurz- und Langzeitspeicher. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .272
4.2.10 Nachhaltige Wärmeversorgungskonzepte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 274
4.3 Kälteerzeugungsanlagen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 278
4.3.1 Kühlung mit Kältemaschinen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 281
4.3.2 Kälteerzeugung mit natürlicher Wärmesenke. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 284
4.3.3 Kälteerzeugung mit Sorptionsverfahren. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 287
4.4 Wärmeverteilernetze. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 289
4.4.1 Warmwasserpumpenheizung (WWPH) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 289
4.4.2 Raumheizflächen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 298
4.4.3 Heißwasserheizung, HWH. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 314
4.4.4 Niederdruckdampfheizung, NDH. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 314
4.4.5 Luftheizungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 314
4.4.6 Hallenbeheizung- und Temperierung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 315
4.4.7 Regelung von Wärmeversorgungsanlagen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 317
4.5 Kälteverteilernetze. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 322
4.6 Aufstellräume für Wärmeerzeugungsanlagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 323
4.7 Elektrische Raumheizsysteme. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 328
4.8 Offene Kamine . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 330

5 Raumlufttechnik. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 337
5.1 Natürliche Lüftung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 338
5.2 Terminologie, Begriffe und Kennzeichen für Raumlufttechnische Anlagen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .341
5.3 Lüftung von Wohnungen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 342
5.4 Einzel- und Zentralentlüftungsanlagen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 350
5.5 Raumlufttechnische Anlagen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 357
5.5.1 Einteilung der Raumlufttechnik. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 357
5.5.2 Aufgabe der Raumlufttechnik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 357
5.5.3 Raumlufttechnik und Fassadenkonstruktion. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 361
IX
Inhaltsverzeichnis

5.5.4 Lufterneuerung und Behaglichkeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 366


5.5.5 Aufbau von Raumlufttechnischen Anlagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 372
5.5.6 Nur-Luftanlagen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .373
5.5.7 Luftwasseranlagen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 383
5.5.8 RLT-Zentralen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 389
5.5.9 Raumlufttechnik und Kühlung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 398
5.5.10 Luftkanäle . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 400
5.5.11 Brandschutzmaßnahmen für RLT. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 404
5.5.12 Raumströmung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 406
5.5.13 Lufthygiene, Regelung, Wartung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 411
5.6 Luft-Kältemittel-Anlagen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 413
5.7 Fassadenlüftungsgeräte. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 414
5.8 Luftschleieranlagen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 414
5.9 Berechnungen von Raumlufttechnischen Anlagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 418
5.10 Raumlufttechnik-Beispiele . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 422
5.10.1 Bürogebäude . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 422
5.10.2 Schulen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 423
5.10.3 Hotels . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 425
5.10.4 Verkaufsstätten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 426
5.10.5 Krankenhäuser. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 428

6 Elektrotechnik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 433
6.1 Starkstrom . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 434
6.1.1 Stromzuführung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 434
6.1.2 Niederspannungsanlagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 438
6.1.3 Hoch- und Mittelspannungsanlagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 477
6.1.4 Eigenstromversorgungsanlagen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .480
6.1.5 Beleuchtungsanlagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 486
6.1.6 Blitzschutz- und Erdungsanlagen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 518
6.1.7 Photovoltaikanlagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 524
6.1.8 Kleinwindkraftanlagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 529
6.2 Fernmelde- und Informationstechnik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 534
6.2.1 Telekommunikationsanlage. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 534
6.2.2 Such- und Signalanlagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 539
6.2.3 Zeitdienstanlagen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 540
6.2.4 Elektroakustische Anlagen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 541
6.2.5 Fernseh- und Antennenanlagen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 541
6.2.6 Gefahrenmelde- und Alarmanlagen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 545
6.2.7 Übertragungsnetze/Datentechnik. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 556
6.3 Gebäudeautomation. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 558
6.3.1 Mess-, Steuer- und Regelungstechnik. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 558
6.3.2 Bus-Systeme. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 561
6.3.3 Gebäudeleitsystem. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 562

7 Förderanlagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 565
7.1 Aufzugsanlagen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 566
7.2 Fahrtreppen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 585

8 Energiekonzepte. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 587
8.1 Allgemeines. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 588
8.2 Energiegesetzgebung Deutschland und EU . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 588
X Inhaltsverzeichnis

8.3 Gebäudeenergiebedarf . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 592


8.3.1 Gebäudehülle. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 592
8.3.2 Strombedarf für Gebäude. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 597
8.4 Integrierte Energiekonzepte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 598
8.4.1 Wärmebereitstellung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 598
8.4.2 Kältebereitstellung und -speicherung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 599
8.4.3 Stromerzeugung und -speicherung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 601
8.4.4 Gesamtsysteme. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 606
8.5 Gebäudebetrieb und Monitoring. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 607
8.6 Wirtschaftlichkeitsberechnung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 610
8.7 Smart Home. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 614

Serviceteil . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 617
Messeinheiten und Stoffwerte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 618
Literatur. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 620
Stichwortverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 623
1 1

Grundlagen
1.1 Behaglichkeit in Räumen  –  2
1.2 Trassen- und Leitungsführung  –  5
1.3 Technische Zentralen in Gebäuden  –  28

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019
D. Bohne, Technischer Ausbau von Gebäuden, https://doi.org/10.1007/978-3-658-21437-1_1
2 Kapitel 1 • Grundlagen

1.1 Behaglichkeit in Räumen 32 %


1
Die von Menschen in Räumen empfundene Behaglichkeit
2 wird durch die unterschiedlichsten Einflüsse bestimmt. Für
die Planung und Beurteilung von heiz- und lufttechnischen

--
11 %
3 Anlagen sind dies hauptsächlich:
Wärmeaustausch zwischen Mensch und Raum,
4
-- Aktivitätsgrad der jeweiligen Person,
Wärmeleitwiderstand der Kleidung,

5
--
Raumlufttemperatur,
Luftgeschwindigkeit und Turbulenz,

--
26 %
relative Luftfeuchte,
6 Farbgebung des Raumes,

7
8
--
psychische Faktoren,
Beleuchtung,
Geräusche.
31 %

Der menschliche Körper gibt durch eine unbewusst ablau-


fende Thermoregulation Wärme abhängig von der Umge-
9
bungstemperatur ab. Im Raum fühlt sich der Mensch behag-
lich, wenn die momentane Wärmeabfuhr der momentanen
10 Wärmeproduktion entspricht. Der größte Teil der Wärme-
abgabe des Menschen erfolgt durch Wärmeübergang durch
11 Konvektion und Strahlung mit einem Anteil von ca. 63 %
(siehe . Abb. 1.1). Durch Verdunstung und Atmung werden .. Abb. 1.1  Wärmeabgabe des Menschen (ca.): Atmung 11 %, Verdunstung
12 37 % Wärme abgegeben. Die Wärmeabgabe ändert sich mit 26 %, Strahlung 31 %, Konvektion 32 %
der tätigkeitsbezogenen Aktivität. Abhängig von der Tätigkeit
13 reicht die Wärmeabgabe von 80 W/Person (Grundumsatz) bis
.. Tab. 1.1  Die gesamte Wärmeabgabe von Personen je nach
über 300 W/Person. Die Wärmeabgabe wird nach DIN EN Tätigkeit und Raumtemperatur
ISO  7730 in Metabolik-Rate (Einheit met) angegeben. In
14 . Tab. 1.1 ist eine Übersicht der Wärmeabgabe nach verschie- Raumtemperatur (operativ) 20 °C 26 °C

denen Tätigkeiten angegeben. Körperlich nicht tätig bis leichte 120 115
15 Um eine größtmögliche thermische Behaglichkeit herzu- Arbeit im Stehen (W/Pers.)

stellen, reicht es nicht, die Wärmeproduktion nach Aktivi- Mäßig schwere körperliche 190 190
16 tätsgrad und die Wärmeabfuhr des Körpers zu betrachten. Tätigkeit (W/Pers.)

Zur Beurteilung der thermischen Behaglichkeit betrachtet Schwere körperliche Tätigkeit 270 270

17 man die Luft- und Strahlungstemperaturen (Oberflächen- (W/Pers.)

temperaturen) in einem Raum, die Lufttemperatur und de-


18 ren Verlauf über der Raumhöhe sowie die Luftgeschwindig- zz Raumtemperatur
keit im Raum (Zugluftrisiko). Die subjektive Klimabewertung Besonderen Einfluss auf die thermische Behaglichkeit haben
der Raumnutzer wird durch den Predicted Mean Vote, den unterschiedliche Oberflächentemperaturen im Raum und da-
19 so genannten PMV-Wert, angegeben. Die Zuordnung zu mit unterschiedliche Strahlungswärmeströme. Der unter-
den thermischen Empfindungen lässt sich wie folgt wieder- schiedliche Strahlungswärmeaustausch kommt dann zustande,
20 geben (vergl. . Tab. 1.2) wenn im Raum von der mittleren Strahlungstemperatur der
Aus dem PMV-Wert kann der zu erwartende Prozentsatz von Umgebung abweichende einzelne Oberflächentemperaturen
21 Raumnutzern bestimmt werden, die mit den herrschenden auftreten. Man bezeichnet das Maß für die Unterschiede der
raumklimatischen Verhältnissen nicht zufrieden sind. Diesen lokalen Verteilung der Strahlungswärmeabgabe mit dem Be-
22 Wert bezeichnet man als Predicted Percentage of Dissatisfied griff Strahlungsasymmetrie. Die Strahlungs­asymmetrie ist ins-
(PPD-Wert). Selbst bei einem PMV-Wert von 0 ist der PPD- besondere bei großen Flächenanteilen der Fassade mit nied-
23 Wert immer noch 5 %, dies bedeutet, dass mind. 5 % der rigeren inneren Oberflächentemperaturen und auch bei
Raumnutzer mit dem Raumklima nicht zufrieden sind. Die großen Heiz- und Kühlflächen im Raum (Deckenheizung/
Abhängigkeit von PPD-Wert und PMV-Wert nach DIN EN Deckenkühlung, Wandheizung/Wandkühlung oder Fuß-
ISO 7730 ist in . Abb. 1.2 aufgetragen. bodenheizung/Fußbodenkühlung) zu beachten. In . Abb. 1.3
1.1  •  Behaglichkeit in Räumen
3 1

PPD [%]
.. Tab. 1.2  Siebenstufige Klimabeurteilungsskala nach DIN EN ISO 7730
80 warme Decke
PMV Beurteilung
60
−3 kalt
40
kühle Wand
−2 kühl

−1 etwas kühl 20
0 neutral (thermisch Behaglich)
10 kühle Decke warme Wand
1 etwas warm

2 warm
5
3 heiß 4
3
100 2
Predicted percentage of dissatisfied [PPD]

80
60 1
40 0 5 10 15 20 25 30 35 [K]
30
.. Abb. 1.3  Anteil Unzufriedener (PPD) in Abhängigkeit von der Strahlungs-
20 temperaturasymmetrie (K) im Raum (optimale Bedingungen) für verschiede-
15 ne Heiz- und Kühlsysteme als Flächentemperierung. Demnach kann die
10 Strahlungstemperaturasymmetrie bei Kühldeckensystemen bis ca. 13,5 K
8 betragen. Bei einer geringeren Komfortstufe (z. B. 10 % Unzufriedene) kann
6 die Temperaturdifferenz noch höher ausfallen
5
4
-2,0 -1,5 -1,0 -0,5 0 0,5 1,0 1,5 2,0
15 °C 18 °C
Predicted mean vote [PMV]

.. Abb. 1.2  Bewertung der Behaglichkeitsbedingungen in Räumen mit dem


Anteil Unzufriedener in Prozent (Predicted Percentage of Dissatisfied)
(PPD-Wert) aufgetragen über dem Predicted Mean Vote (PMV-Wert)

ist für die verschiedenen Heiz- oder Kühlsysteme die Abhän-


gigkeit des vorausgesagten Prozentsatzes unzufriedener
Raumnutzer für 5 % als optimale Bedingung angegeben und 12 °C 17 °C
die entsprechenden Strahlungstemperaturdifferenzen. Dem-
nach sollte bei einer Heizdecke die Strahlungstemperaturdif-
ferenz < 3,5 K und bei einer Kühldecke < 13 K sein.
Für die Beurteilung der beiden Werte Lufttemperatur θa und
Strahlungstemperatur θr für das Raumklima hat sich die ope-
rative Temperatur (Empfindungstemperatur) als leicht fass-
bare und messbare Größe bewährt (siehe auch . Abb. 1.4):
θa = 21 °C
a  r
o D .. Abb. 1.4  Empfundene Temperatur bei unterschiedlicher Qualität der
2
Wärmedämmung: Strahlungseinfluss und Behaglichkeit bei einer Raumluft-
temperatur von 21 °C und unterschiedlichen U-Werten der Außenwand: Die
Der empfohlene Bereich nach DIN EN 13 779 beträgt bei empfundene Temperatur ist bei geringer Strahlungstemperaturasymmetrie
einer maximalen operativen Raumtemperatur von 26 °C im höher
Sommer bei Kühlung, im Winter mit Heizung 21 °C. Der ver-
tikale Temperaturgradient in Räumen der Umgebungskate- zz Raumluftfeuchte
gorie A, gemäß DIN EN ISO  7730, sollte außerdem nicht Für die Behaglichkeit bzgl. der relativen Luftfeuchte wird als
mehr als 2 K betragen (Kategorie B < 3 K; Kategorie C < 4 K Obergrenze eine relative Luftfeuchte von 65  % (11,5  g/kg Feuch-
– gemessen zwischen Kopf und Fußgelenk). Besonders bei tegehalt der Luft) angegeben. Unterhalb von 22 °C Raumtem-
Luftheizsystemen können größere vertikale Temperaturgra- peratur empfindet der Mensch in dem Bereich von 30 bis 70 %
dienten auftreten und sind dann zu überprüfen. relativer Feuchte normalerweise keinen wesentlichen Unter-
schied. Als Zulässigkeitsbereich für die Raumfeuchte wird
4 Kapitel 1 • Grundlagen

Bekleidungsisolation in Bekleidungseinheiten [m² * °C/W]


1 0 0,1 0,2 0,3

2
3,0
Energieumsatz in metabolischen Einheiten [met]

3
10
4 12
°C 5 °C 150
°C
14
5 °C

Energieumsatz in metabolischen Einheiten [W/m²]


16
°C

18
2,0
6

°C
20
°C
22 100
7 24
°C
°C
4 °C
8 26
°C
P

9 1,0
3° C

50
10 1 °C 1,5 ° C 2 °C 2,5° C

11 0 1,0 2,0
Bekleidungsisolation in Bekleidungseinheiten [clo]
12
13
14
.. Abb. 1.5  Optimale Raumtemperatur T (P) in Abhängigkeit von Tätigkeit und Bekleidung (1 met: 58 W Wärmeabgabe je m² Körperoberfläche-Grundumsatz)
nach DIN EN ISO 7730
15
deshalb ein Feuchtegehalt von 5 bis 11,5 g/kg trockene Luft wechsel vom Menschen bilden eine Schadstoffquelle, die
16 angegeben (siehe . Abb. 1.6). durch Lufterneuerung in Grenzen gehalten werden muss. Der
notwendige Luftaustausch nach Gebäudenutzung und Per-
17 zz Luftqualität sonenbelegung ist in ▶ Kap. 5 ausführlich beschrieben. Maß-
Der Anteil an Luftverunreinigungen bestimmt die Luftquali- stab für die unterschiedlichen, bei der Atmung abgegebenen
18 tät und die Behaglichkeit. Verunreinigungen können Gase Stoffe ist die CO2-Produktion des Menschen. Sie schwankt je
und Dämpfe sein (z. B. CO2, SO2, NO2, O3, Radon, Formalde- nach Aktivitätsgrad von ruhender Tätigkeit mit 12 l/h/Pers.
hyd), Geruchstoffe, Aerosole (Fasern, Stäube, Pollen), Viren, bis zu über 30 l/h/Pers. (bei schwerer Arbeit). Die bereits 1858
19 Bakterien und ihre Sporen (Legionellen), Pilze und Pilzsporen von Max von Pettenkofer definierte CO2-Grenze von 0,1 Vo-
(z. B. Erreger der Aspergillose). Als Indikator für personen- lumenprozent für Wohnräume ist auch heute noch Maßstab
20 bezogene Luftbelastung (Gerüche) wird im Allgemeinen der für hervorragende Luftqualität. Die maximale Arbeitsplatz-
CO2-Gehalt der Luft herangezogen, da die durch menschliche konzentration (MAK) wird mit 0,5 Volumenprozent angege-
21 Ausdünstungen freigesetzten Gerüche in etwa proportional ben. Je nach Tätigkeit ist im Mittel zur Einhaltung der Petten-
zur CO2-Produktion durch Atmung sind. kofergrenze für Räume eine Außenluftrate pro Person von
22 Die Luftqualität bei Systemen der Raumlufttechnik kann 18–72 m³/h erforderlich. Zu berücksichtigen ist selbstver-
durch entsprechende Filterstufen und Filtereinrichtungen zu- ständlich auch eine CO2-Vorbelastung der Außenluft, die die
23 mindest zum Teil verändert werden. Das Verhindern von zuvor genannten Werte stark erhöhen kann. Eine Methode,
schadstoffabgebenden Baumaterialien ist ebenso ein bedeu- Luftqualitäten zu bewerten, beruht auf den Parametern Ver-
tender Aspekt des Planens und Bauens. Die in den Räumen unreinigungslast in olf und Luftqualität in dezipol. 1 olf ist die
von Menschen vorgenommenen Aktivitäten und der Stoff- Luftverunreinigung, die ein Mensch im Sitzen beim Lesen/
1.2  •  Trassen- und Leitungsführung
5 1
[°C] frühzeitig erstellt und abgestimmt werden. Sie beschränken
35 sich oftmals nur auf vertikale Aussparungen in Wänden. Ho-
rizontale Wandaussparungen sind schwieriger herzustellen,
0,4
was dazu verleitet, sie den örtlichen Erfordernissen entspre-
0,3 chend nachträglich anzupassen. Weitere Bestimmungen
=
φ
30
schränken die Möglichkeit einer Unterputzinstallation in
0, 5 Wandschlitzen rigoros ein. Zu berücksichtigen sind folgende

-
bauaufsichtlich verbindlichen Regelwerke:
Neben der DIN EN 1996-1-1/Na „Bemessung und

-
0, 6 Konstruktion von Mauerwerksbauten“.
25 DIN 4109 „Schallschutz im Hochbau“ (Mindestflächen-
0, 7

0,8 - gewicht für Rohrleitungswände).


Nach DIN 4108-2 „Wärmeschutz im Hochbau“, sollten
Rohrleitungen für Wasserversorgung, Wasserentsorgung
und Heizung nicht bzw. nur ausnahmsweise in Außen-

-
20 0,9
wänden angeordnet werden.
0
1, Die EnEV (Energieeinsparverordnung) schreibt für
Heizungs- und Warmwasserleitungen einen erhöhten
Dämmaufwand und damit entsprechend große Gesamt­

-
15
rohrdurchmesser vor.
Muster „Leitungsanlagen-Richtlinie“, jeweils nach
Bundesland eingeführt für Leitungsanlagen, beschreibt
5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15
z. B. Anforderungen an Leitungen in notwendigen
[g/kg]
Treppenräumen, die Führung von Leitungen durch
.. Abb. 1.6  Raumtemperatur und relative Luftfeuchte: der graue Bereich bestimmte Wände und Decken und den Funktionserhalt
zeigt die Behaglichkeitsgrenze der relativen Raumluftfeuchte
von elektrischen Leitungsanlagen im Brandfall. Sie gilt
nicht für Lüftungs- und Warmluftheizungsanlagen.
Schreiben abgibt. Sie steigt bei schwerer körperlicher Arbeit
bis zu 2,5 olf an. Raucher bewirken im Durchschnitt eine Ver- zz Rohrleitungen der Sanitärinstallation in Wohnbauten
unreinigungslast von 6 olf (während des Rauchens 25 olf). Im Wohnungsbau sind vornehmlich Bad, Toilette, Küche
1 dezipol ist die Luftverunreinigung, die entsteht, wenn 10 l/s und Hausarbeitsraum auf Ver- und Entsorgungsanschlüsse
reine Luft mit 1 olf verunreinigt wird. wie Kalt- und Warmwasserleitungen, Zirkulationsleitungen,
Entwässerungsleitungen, Gasleitungen und Lüftungs-
zz Bekleidungsgrad schächte angewiesen. Da Rohrinstallationen im Regelfall
Den Zusammenhang zwischen dem Bekleidungsgrad clo Innenwänden zugeordnet werden, sind gewöhnlich bau­
(clo = clothing) und dem Aktivitätsgrad (Energieumsatz) zeigt akustische Gesichtspunkte vorrangig zu berücksichtigen. Es
. Abb. 1.5. 1 clo entspricht der Bekleidung mit einem „Stra- sollte angestrebt werden, installierte Räume so anzuordnen,
ßenanzug“. dass sich die erforderlichen Rohrstränge auf einer gemein-
samen Wand konzentrieren, und zwar so, dass Wohnräume,
Schlafräume und Wohnungstrennwände geräuschmäßig
1.2 Trassen- und Leitungsführung entlastet werden. Als günstig hat sich im Übrigen erwiesen,
im mehrgeschossigen Wohnungsbau die Sanitärräume in
Leitungen und Kabel bilden die technischen Nervenstränge Treppenraumnähe anzusiedeln, um so eine weitere
unserer Gebäude. Um sie sinnvoll nach funktionellen, kon- Geräusch­quelle abzuschirmen.
struktiven, bauphysikalischen und nicht zuletzt auch ästheti-
schen Gesichtspunkten in ein Bauwerk zu integrieren, d. h.
nicht nur unterzubringen, bedarf es einer planerischen Kon-
zeption.
--
Schutzbedürftige Räume sind nach DIN 4109:
Wohnräume einschließlich Wohndielen,
Schlafräume einschließlich Übernachtungsräume,
Beherbergungsstätten und Bettenräume in Krankenhäu-

- sern und Sanatorien,


Unterrichtsräume in Schulen, Hochschulen und

-
zz Rohrleitungen in Massivbauten
Rohrleitungen werden meist in Leitungstrassen unter- ähnlichen Einrichtungen,
gebracht. Die Anordnungen von Schlitzen sind nur unter be- Büroräume (ausgenommen Großraumbüros), Praxis-
stimmten Voraussetzungen möglich. Schlitzpläne müssen räume, Sitzungsräume und ähnliche Arbeitsräume.
6 Kapitel 1 • Grundlagen

1 .. Tab. 1.3  Werte für die zulässigen Schalldruckpegel aus haustech-


nischen Anlagen in schutzbedürftigen Räumen gemäß DIN 4109

2 Wohnen Schlafen Wohn- und


Schlafräume
Unterrichts- und
Arbeitsräume

3 db (A)

Wasserinstallation ≤ 30 ≤ 35


4 (Wasserversorgungs- und
Abwasser­anlagen
gemeinsam)a
5 Sonstige haustechnische ≤ 30 ≤ 35
Kind Küche Bad
Anlagenb

6 WC a
Einzelne kurzzeitige Spitzen, die beim Betätigen von Armaturen
und Geräten entstehen (z. B. Öffnen, Schließen, Unterbrechen), sind

7 .. Abb. 1.7  Mit Installationen versehene Wände sollten, der von ihnen


ausgehenden Geräusche wegen, außerhalb des Schlafbereiches angeordnet
zurzeit nicht zu berücksichtigen.
b
Bei lüftungstechnischen Anlagen sind um 5 dB (A) höhere Werte
werden. Der Schlafbereich umfasst Elternschlafzimmer, Kinderzimmer und zulässig, sofern es sich um Dauergeräusche ohne auffällige
8 gegebenenfalls Gästezimmer Einzel­töne handelt.

Eingesparte Kosten durch Zusammenlegung von Rohrsträn- norm DIN 4109, siehe auch . Tab. 1.3. Es muss damit ge-
9
gen spielen demgegenüber eine nachrangige Rolle. Meist rechnet werden, dass zivilrechtlich vom Bauherrn/Nutzer
werden die Mehrkosten für eine dezentrale Leitungsführung höhere Ansprüche geltend gemacht werden. Die zivilrechtlich
10 überschätzt. Einsparungen von Installationskosten durch relevanten „anerkannten Regeln der Bautechnik“ sind zudem
Zusammenlegen installierter Räume rechtfertigen nur selten nicht unbedingt identisch mit der letzten Fassung einer DIN-
11 die Änderung einer sonst befriedigenden Grundrisskon- Norm, da diese durch technische Entwicklungen überholt
zeption. sein kann (das Procedere zur Aktualisierung einer Norm
12 nimmt i. d. R. einige Jahre in Anspruch).
zz Schall-, Brand- und Wärmeschutz Es empfiehlt sich für den Planer, das Schallschutzniveau mit
13 bei Rohrleitungsinstallationen seinem Auftraggeber vertraglich eindeutig festzulegen: Schall-
Gemäß DIN 4109 dürfen die Geräusche der Wasserversor- schutz gem. DIN 4109 oder nach VDI-Richtlinie 4100. Das
gungs- und Abwasseranlage in fremden schutzbedürftigen gleiche gilt für die Verträge mit den Auftragnehmern. Eine
14 Räumen 35 dB (A) nicht überschreiten. Für die übrigen haus­ vertragliche Bindung an die VDI 4100 (SSt II oder III) ist für
technischen Anlagen gelten < 30 dB (A) im Wohnungsbau.*1 den Planenden wie auch für den Ausführenden allerdings mit
15 Ergänzend bzw. konkurrierend zur Schallschutznorm Risiken verbunden, denn kaum eine schalltechnische Situa-
DIN  4109 unterscheidet die VDI-Richtlinie  4100 „Schall- tion am Bau ist mit einer anderen vergleichbar, ganz abge-
16 schutz in Wohnungen“ 3 Schallschutzstufen (SSt I–III) mit sehen von Ergebnissen unter Laborbedingungen. Wenn er-
höheren Anforderungen als DIN 4109 in fremden Aufent- höhte oder besondere Anforderungen an den Schallschutz zu
17
18
-
haltsräumen:
Die Anforderungen der SSt I entsprechen denen der
DIN 4109. Es wird vorausgesetzt, dass in benachbarten
Räumen keine ungewöhnlich starken Geräusche
stellen sind, sollte in Betracht gezogen werden, einen Fach-
ingenieur für Schallschutz einzuschalten.
Installationsbedingte Geräuschbelästigungen entstehen über-
wiegend durch Körperschallanregung. Zu den auffälligsten
19
- verursacht werden.
Die Werte der SSt II entsprechen üblichen Komfort-
ansprüchen. Angehobene Sprache in der Nachbarschaft
Lärmquellen zählen Abwasserleitungen, Spüleinrichtungen
von WC-Anlagen und Wannenfüllgeräusche. Zudem können
Armaturengeräusche bei Wasserentnahme entstehen. Von

-
20 z. B. ist wahrzunehmen, aber nicht zu verstehen. Wasserleitungen ausgehende Fließgeräusche sind demgegen-
Die Anforderungen der SSt III bieten ein Höchstmaß an über bei Fließdrücken bis zu 5 bar, wie in DIN 4109 festgelegt,
21 akustischem Komfort bei vertretbarem Aufwand. von untergeordneter Bedeutung. Wasserleitungsstränge strö-
mungstechnisch zu optimieren bringt daher akustisch kaum
22 Bauaufsichtlich eingeführte Normen enthalten öffentlich- Vorteile (im Gegensatz zu Abwasserleitungen). Alle Rohrlei-
rechtliche Mindestanforderungen, so auch die Schallschutz- tungen sollten nach Möglichkeit an Bauteilen mit hohem
23 1 Die Reduzierung eines Schallpegels von 35 auf 30 dB (A) mag zunächst
Flächengewicht befestigt werden, das heißt an Wänden aus
schweren Materialien. Die durch ausreichende Masse be-
unreflektiert gering erscheinen. Da es sich um eine logarithmische Maßein-
heit handelt, bedeutet dies aber, dass ein um 4–5 dB (A) verringerter Schall- dingte große Trägheit solcher Bauteile setzt der Körper- und
pegel als nur halb so laut empfunden wird (im Pegelbereich bis 40 dB (A)). Luftschallanregung einen entsprechend großen Widerstand
1.2  •  Trassen- und Leitungsführung
7 1

.. Tab. 1.4  Zulässige maximale Geräuschpegel für Geräusche aus haustechnischen Anlagen in Wohnräumen. Unterschiedliche Anforderungen von
DIN 4109 und VDI 4100 im Vergleich. Eine Erhöhung um 5 dB (A) wird in etwa als Verdoppelung der Lautstärke empfunden. DIN 4109 sieht weitere
Grenzwerte von Geräuschen aus haus­technischen Anlagen für Unterrichtsräume, Praxisräume, Büroräume und Sitzungsräume vor. Sie werden hier nicht
aufgeführt. VDI 4100 bezieht sich nur auf Wohnungen. Die Anforderungen gelten für Aufenthaltsräume, also Räume, die nicht nur zum vorübergehen-
den Aufenthalt von Menschen bestimmt oder geeignet sind. Sowohl die VDI-Richtlinie 4100 als auch die DIN 4109 beziehen sich nicht nur auf
haustechnische Einrichtungen

DIN 4109 VDI 4100a VDI 4100a VDI 4100a


Wohn- und Mehrfamilienhäuser Doppel- und Reihenhäuser Selbst genutzte Räume
Übernach- in dB (A) in dB (A) in dB (A)
tungsräume
SSt Ib SSt II SSt III SSt Ib SSt II SSt III SSt Ib SSt II SSt III

Wasserversorgungs- und 35e 35 30 25 35 25 20 35 30 30


Abwasseranlagen
(gemeinsam gemessen)

Abwasseranlagen – – 25 20 – 20 15 – 25 25
(alleine)d

Sonstige haustechnische 30 30 30 25 30 25 20 30 30 25
Anlagen

a
Bauaufsichtlich nicht eingeführt (zivilrechtlich zu vereinbaren).
b
Schallschutzstufe I entspricht DIN 4109.
c
Bei einem A-bewerteten Schallpegel werden die höheren und niederen Frequenzen eines Tongemisches schwächer bewertet und damit dem
menschlichen Gehör angepasst.
d
VDI 4100 geht von einer erhöhten Lästigkeit gesondert auftretender Abwassergeräusche aus.
e
30 dB (A) gem. Änderungsentwurf A1 zu DIN 4109.

entgegen. Randzonen von Wänden sind Mittelzonen vorzu-


ziehen, da sie weniger leicht in Schwingungen geraten, vergl. federnde Einlage
. Abb. 1.7. Die Schallschutznorm DIN 4109 bestimmt, dass
porige Dämmschicht
einschalige Wände, an/in denen Wasser-, Abwasserleitungen
oder Armaturen befestigt sind, eine flächenbezogene Masse
von mind. 220 kg/m² aufweisen müssen. Für Wände eines
geringeren Flächengewichtes ist durch eine Eignungsprüfung
nachzuweisen, dass sie sich akustisch nicht ungünstiger ver-
halten. 220 kg/m2 erreichen bereits halbsteinige beiderseits
verputzte Wände bei Verwendung von Materialien hoher
Rohdichten (vgl. . Tab. 1.5). hohes
Flächengewicht
In DIN 4109, . Tab. 1.6 werden Armaturen der Wasserin­
stallation ihrem Geräuschpegel entsprechend in die Armatu-
.. Abb. 1.8  Installationsgeräusche verbreiten sich vorwiegend als
rengruppe  I (bauakustisch günstig) oder  II (bauakustisch Körperschall. Die Übertragung von Körperschall kann durch Abfederung
ungünstig) unterteilt. Die Kennzeichnung (Prüfzeichen/IA/ (Dämmstoffschichten) zwischen Anreger (Rohr) und Bauteil (Schelle, Wand)
Herstellerkennzeichen) muss bei eingebauter Armatur sicht- reduziert werden. Luftschall kann durch Bauteile möglichst großer Masse
(hohes Flächengewicht einer Wand) aufgehalten (gedämmt) oder mit Hilfe
bar, zumindest aber leicht zugänglich sein. Armaturen der
poriger schallabsorbierender Stoffe geringfügig reduziert (gedämpft) werden
Gruppe  II (ungünstig) und deren Wasserleitungen dürfen
nicht an Wänden angebracht werden, die an schutzbedürftige Wohn-, Schlaf- oder Arbeitsräume angrenzen. Ausnahme:
Räume angrenzen. Dies gilt auch dann, wenn sich die schutz- wenn an einer Wohnungstrennwand beiderseits Küchen,
bedürftigen Räume darüber oder darunter befinden. Die Ar- Bäder und/oder Toiletten angrenzen, jedoch keine lärmemp-
maturen und Leitungen dürfen sich auch nicht an Wänden findlichen Räume. Abweichungen sind unter der Vorausset-
befinden, die Wohnungstrennwände flankieren. Mit zuneh- zung besonderer baulicher und technischer Maßnahmen
mender Entfernung von der Schallquelle nimmt der Körper- zulässig (z. B. Vorwandinstallationen in Verbindung mit wirk-
schall nur geringfügig ab (vgl. . Abb. 1.9). Es ist zu empfeh- samen Schallschutzmaßnahmen).
len, dass nur geräuscharme Armaturen (Armaturengruppe I) Ein Verlegen von Rohrleitungen in Schlitzen von Wohnungs-
Verwendung finden. Gem. VDI 4100 sollen Rohrleitungen, trennwänden ist praktisch auszuschließen, da DIN 4109 für
Armaturen und Geräte (Sanitärobjekte, Küchenspülen) nicht Wohnungstrennwände ein bewertetes Schalldämm-Maß
an einer Wand befestigt werden, die unmittelbar an fremde (einschl. Schallübertragung über flankierende Bauteile) R′w
8 Kapitel 1 • Grundlagen

1 .. Tab. 1.5  Hinweise zur Auswahl von Wandmaterialien mit einem Flächengewicht ≥ 220 kg/m2

Rohdichten gängiger Mauersteine für Innenwände


2 Kalksandvollsteine KS 1.600–2.200 kg/m3

Kalksandlochsteine KSL 800–1.600 kg/m3


3 Vollziegel MZ 1.600–1.800 kg/m3

4 Hochlochziegel HLZ 700–1.400 kg/m3

Leichbetonvollsteine V 600–1.800 kg/m3

5 Zu berücksichtigen ist, dass die Rechenwerte der Wandrohdichten für biegesteife Wände gem. Beiblatt 1 zu DIN 4109 von der Rohdichte der Steine/
Platten abweichen; (Auszug):

6
Stein-/Plattenrohdichte Rechenwert Wandrohdichte (Normalmörtel)

2.200 kg/m3 2.080 kg/m3

7 2.000 kg/m3 1.900 kg/m3

1.800 kg/m3 1.720 kg/m3

8 1.600 kg/m3 1.540 kg/m3

1.400 kg/m3 1.360 kg/m3

9 1.200 kg/m 3
1.180 kg/m3

1.000 kg/m3 1.000 kg/m3


10 Beton, Stahlbeton 2.300 kg/m3 2.300 kg/m3

Die flächenbezogene Masse von Wandputz beträgt bei 15 mm Putzdicke gem. Beiblatt 1 zu DIN 4109: 15 kg/m2 für Gipsputz, Kalkgipsputz, 25 kg/m2
11 für Kalk-, Kalkzement-, Zementputz.

Um mit einer 11,5 cm dicken Wandschale ohne Putz ein Flächengewicht von 220 kg/m2 zu erreichen, ist eine rechnerische Wandrohdichte von
12 220 km=m2
0,115 m
= 1.914 km=m3 erforderlich, erzielbar mit Kalksandvollsteinen der Steinrohdichte 2.200 kg/m3 (Rechenwert 2.080 kg/m3) oder mit Beton/
Stahlbeton. Für eine 11,5 cm dicke Wandschale, beiderseitig mit Kalkputz versehen, ist eine rechnerische Wandrohdichte von
.220 - 50/ km=m2
= 1.478 km=m3 erforderlich, erzielbar z. B. mit Vollziegeln der Steinrohdichte 1.600 kg/m³ (Rechenwert 1.540 kg/m³).
13
0,115 m

14
Wohnungstrennw.

15
16
17
Wohnungstrennwand
Wohnungstrennwand

18
19
20
21 .. Abb. 1.9  Wenn die Grundrissdisposition eine von Wasserinstallationen ausgehende Schallübertragung in benachbarte Wohnungen oder Arbeits- bzw.
Aufenthaltsräume begünstigt, sind geräuscharme Geräte und Armaturen (Armaturengruppe I) zu verwenden, deren Eignung durch ein Prüfzeichen

22 nachgewiesen ist. Links/Mitte: Bauakustisch ungünstige Grundrissanordnung (Armaturengruppe I). Rechts: Bauakustisch günstige Grundrissanordnung
(Armaturengruppe I oder II)

23
1.2  •  Trassen- und Leitungsführung
9 1
Trennwand > 220 kg/m² Gebäudetrennfuge

schutzbe- schutzbedürftiger
dürftiger Raum Raum

schutzbedürftiger
Raum

schutzbe- schutzbedürftiger
dürftiger Raum Raum
Links: Geschlitze Wohnungs- Rechts: Vorwandinstallation an
trennwand. Nur zulässig einer Trennwand zu einem
unter Berücksichtigung von Schlafraum. Ungünstig.
.. Abb. 1.10  Armaturen der Armaturengruppe II einschließlich ihrer DIN 4109, was eine solche
Wasserleitungen dürfen gem. DIN 4109 nur an Wänden angeordnet werden, Ausführung praktisch aus-
die nicht an schutzbedürftige Räume grenzen, auch nicht darüber oder schließt.
darunter, auch nicht an Wänden, die flankierend auf diese Wand stoßen. Dies
schränkt die Verwendung von Armaturen der Gruppe II erheblich ein

von 53 dB (Geschosshäuser) bis 57 dB (Einfamilien-, Dop-


pel- bzw. Reihenhäuser) vorsieht, was 24 bzw. 30 cm dickes
Mauerwerk einer hohen Steinrohdichte am Schlitz voraus-
setzt. Nur wenn Steine mit einer Rohdichte von 2,2 kg/dm³
verwendet werden, erreicht auch 17,5 cm dickes beidseitig
verputztes Mauerwerk ein bewertetes Schalldämm-Maß R′w
von 53 dB.
Die hier aufgeführten Schallschutzvorkehrungen, die DIN 4109
für Wände zu fremden schutzbedürftigen Räumen hin vorsieht,
sollten selbstverständlich auch für Wände an so genannten
Links: Vorwandinstallation an Rechts: Zweiteilige Wohnungs-
ruhigen Räumen (z. B. Schlafzimmer, Krankenzimmer) inner-
einer Wand zwischen wenig trennwände erlauben frei-
halb eines in sich abgeschlossenen Aufenthaltsbereiches An- geräuschempfindlichen zügige Installationsführungen.
wendung finden. Bei warmgehenden Leitungen (Warmwasser, Räumen. Vertretbar.
Heizung) müssen temperaturbedingte Längenänderungen
.. Abb. 1.11  Anordnung von Installationen an Wohnungstrennwänden.
berücksichtigt werden, um Zwängungen (Knackgeräusche) Gemäß . Tab. 3 DIN 4109 ist für Wohnungstrennwände ein bewertetes
oder Putzrisse zu vermeiden, vor allem, wenn sie verdeckt in Schalldämm-Maß R′w von 53 dB bei Geschosshäusern bzw. 57 dB bei
Schlitzen geführt werden sollen (siehe unter Warmwasserver- Einfamilien­doppel- oder Einfamilienreihenhäusern erforderlich, erreichbar
durch 24 bzw. 30 cm dickes Mauerwerk (auch ohne Putz) einer Stein-Roh-
sorgung in ▶ Abschn. 3.4.10), vergl. . Abb. 1.8. dichteklasse von 1,8 bzw. 2,0 kg/dm³ (flächenbezogene Massen von 410 bzw.
Abwasserleitungen wie Regen- und Schmutzwasser-Falllei- 580 kg/m² gem. . Tab. 1 u. 5. Beiblatt 1 der DIN 4109). Die (bauaufsichtlich
tungen können erheblich störende Fließgeräusche emittieren. nicht verbindliche) VDI-Richtlinie 4100 schließt eine Befestigung wasser-
führender Leitungen an Wohnungstrennwänden aus, sofern Aufenthalts-
DIN 4109 legt daher fest, dass an Wänden innerhalb schutz- räume daran angrenzen. Es sei denn, es werden besondere präventive
bedürftiger Räume Abwasserleitungen nicht freiliegend ver- Vorkehrungen getroffen, z. B. Vorwandinstallationen (Montagerahmen,
legt werden dürfen. Möglichkeiten: Verlegung unter Putz in Montageblöcke) unter Berücksichtigung der schalltechnisch kritischen
Situation oder zweiteilige Wohnungstrennwände
Wandschlitzen oder innerhalb von Wandvorlagen. Rohr-
materialien eines hohen Flächengewichtes, z. B. gusseiserne
Rohre, vermindern eine Abstrahlung von Luftschall, ebenso ausführung das Luftschall-Dämmvermögen gering. Als kör-
spezielle Kunststoffrohre mit verbessertem Luftschall-Dämm- perschallentkoppelnde Maßnahme empfiehlt sich (sowohl für
verhalten wie auch Dämmfolien aus z. B. Walzblei + Schaum- Guss- als auch für Kunststoffrohre) eine Rohrumhüllung aus
stoff + Dampfsperre (Geberit Isol). Dämmstoffen. Geeignet sind wasserabweisende geschlossen-
Wo Schallbrücken und damit Körperschallfortleitung nicht zellige Dämmstoffe mit hohem Wasserdampf-Diffusions-
sicher auszuschließen sind, wirkt sich die relativ elastische widerstand. Vorgefertigte, leicht zu verarbeitende Dämm-
Materialstruktur von Kunststoffrohren günstig aus. Infolge schläuche ersetzen ein arbeitsintensives Nachdämmen an
geringer Masse ist jedoch bei Kunststoffrohren in Standard- unzugänglichen Stellen. Mit Rücksicht auf den rauhen Bau-
10 Kapitel 1 • Grundlagen

1 Gemeinsamer Gemeinsamer
Treppenraum 10 mm
Treppenraum
2 DN 100
101 - 116 mm
Rohraußendurchmesser
Wohnung Wohnung
3 10 mm Rohrschelle
einschl. Einlage

4 R´W < 53 dB .. Abb. 1.13  Die erforderliche Schlitztiefe für Fallrohre DN 100 ergibt sich
aus der Addition des Rohraußendurchmessers und der Befestigungsmittel.
24
(Die Rohrverbindungen weisen dagegen, bis auf die der Faserzementrohre,
5 .. Abb. 1.12  DIN 4109 sieht für Treppenräume von Geschosshäusern mit geringere Abmessungen auf.) Bei einem 12,5 cm tiefen Wandschlitz muss
damit gerechnet werden, dass der Putz stellenweise aufbeult und dass Schall-
Wohnungen/Arbeitsräumen ein Schalldämm-Maß R′w von 52 dB vor
(. Tab. 3, DIN 4109), was einer 24 cm dicken gemauerten Wand ohne Putz brücken entstehen. Wandschlitze über 12,5 cm Tiefe sind gem. DIN 1053 nur
6 einer Stein-Rohdichteklasse 1,6 kg/dm³ entspricht bzw. einer beidseitig mit statischem Nachweis zulässig
geputzten Wand von 17,5 cm Dicke einer Stein-Rohdichteklasse von 2,0 oder
2,2 kg/dm³ je nach Putzart. Schlitze in diesen Wänden verringern rechnerisch
7 den geforderten Schallschutz; de facto wirken sich jedoch schmale Schlitze
schalltechnisch kaum aus

8
.. Tab. 1.6  Maximale äußere Querschnittsmaße von Fallleitungen der Nennweite DN 100. Dazu Angaben über das Brandverhalten der Rohrmaterialien

9 Rohrart Rohraußendurch- Durchmesser an der Rohrverbindung Brandverhalten Baustoff-Klasse


messer DIN 4102

10 Mit Muffe Muffenlos

PVC-U (N) a
11,0 cm 12,3 cm – schwer entflammbar B 1
11 PVC-U (V) a
11,0 cm 12,5 cm – schwer entflammbar B 1
PPCC 11,0 cm 12,3 cm – schwer entflammbar B 1
12 PP 11,0 cm 12,4 cm – schwer entflammbar B 1
ASA/ABS 11,0 cm 12,2 cm – normal entflammbar B 2
13 PE-HDb 11,0 cm 12,5/13,0 cm 11,5 cm normal entflammbar B 2
Stahl 10,1 cm 11,8 cm – nicht brennbar A 1
14 SML 11,0 cm – 11,5–13,5 cm nicht brennbar A 1

15 Faserzement 11,6 cm 15,0 cm 13,0 cm nicht brennbar A 1

a
Früher PVC hart.

16 Früher PE hart.
b

17 stellenbetrieb sollten die vorgefertigten flächigen Hüllmate- werden lassen. Es sollten nach Möglichkeit Dämmstoffe Ver-
rialien eine robuste reißfeste Oberfläche aufweisen. Ungeeig- wendung finden, die bei Erschütterungen (Straßen- und Luft-
18 net sind (meist preiswerte) sog. Filzbinden oder offenporige verkehr) nicht zusammensacken (z. B. Dämmschläuche) und
Schaumstoffe, die Nässe schwammartig aufnehmen. Eindrin- die FCKW-frei sind.
gende Mörtelschlämme verursachen nach Aushärtung eine Wasserleitungen und Fallleitungen sollten gemäß DIN 4108-2
19 Körperschallbrücke zwischen Rohr und Bauteil. Bei Verwen- nicht in Schlitzen von Außenwänden verlegt werden. Fol-
dung von Wickelstreifen entstehen an Formteilen, Kreuzun- gende Lösungen kommen in Betracht, wenn funktionsgüns-
20 gen usw. leicht ungeschützte Stellen (Taschen). Dringt Mörtel/ tige und rationelle Grundrisskonzeptionen eine Anordnung
Beton bis an das Rohr, entstehen Körperschallbrücken. Bei von Wasserverbrauchsstellen (wie Küchenspülen, Wasch-
21 Rohrbefestigungen ist unbedingt darauf zu achten, dass die becken, WC-Becken usw.) an Außenwänden unumgänglich

22
23
Schellen der Halterungen elastische Einlagen erhalten.
Wandschlitze werden nach Verlegung der Rohrleitungen mit
einem Putzträger, z. B. Streckmetall, überspannt und mit
Dämmstoffen ausgefüllt. Bei beengten Verhältnissen ist ein
-
machen:
Vorwandinstallationen mit verdeckter Leitungsführung
(in einer der nachfolgend aufgeführten Versionen)
lassen sich insbesondere in Sanitärräumen meist
lückenloses Umhüllen der Rohrleitungen oft nicht durchführ- problemlos anordnen und erlauben eine freizügige
bar. Kann dann Mörtel an das Rohr gelangen, bilden sich Disposition horizontaler Leitungstrassen (vgl.
Körperschallbrücken, die alle Dämmmaßnahmen unwirksam . Abb. 1.24, 1.25, 1.26 und 1.27).
1.2  •  Trassen- und Leitungsführung
11 1
Aussen Im Verband gemauert Nachträglich hergestellt

1 11,5

10
6 3 17,5

26 10 (12)

12,5 24
3 (8)
DN 100 >13 - 14 38,5 15 (12)

12,5 30
3 (8)

.. Abb. 1.14  Die in Außenwänden erforderliche Schlitztiefe für Fallleitungen 38,5 20 (12)


DN 100 ergibt sich aus der Addition des äußeren Rohrdurchmessers, der
Befestigungsmittel und der erforderlichen Dämmschichtdicke. Der durch die 36,5
Dämmstoffschicht in Verbindung mit der Restwanddicke bewirkte 12,5 3 (8)
Wärmeschutz muss größer sein als der für Außenwände gem. DIN 4108-2
erforderliche Mindestwärmeschutz 38,5 1 20 (12) 2
* *

-
1 2
* *
Abstand von Öffnungen Abstand von Öffnungen
Bei ausnahmsweiser Verlegung in Außenwandschlitzen mind. 36,5 cm bzw. mind. 11,5 cm
sieht DIN 4108-2 eine gegenüber den Anforderungen an zweifache Schlitzbreite
Außenwände erhöhte Wärmedämmung auf der raum- Abstand untereinander mind. Schlitzbreite
abgewandten Seite der Rohre vor. Schlitztiefen von
12,5 cm reichen allerdings zur Aufnahme des meist .. Abb. 1.15  Ohne Standsicherheitsnachweis des Mauerwerks zulässige
lotrechte Wandschlitze und Aussparungen in tragenden und aussteifenden
erforderlichen Fallleitungsquerschnittes DN 100 unter Wänden. Um Risiken auszuschließen, sollte bei einer Festlegung von Schlitzen
Berücksichtigung der Dämmung nicht mehr aus. stets von tragenden oder aussteifenden Wänden ausgegangen werden. Über
diese Limitierungen hinausgehende Aussparungen und Schlitze sind bei
Berechnung und Bemessung des Mauerwerks zu berücksichtigen. Für nachträg-
zz Schlitze und Aussparungen in Wänden lich hergestellte Schlitze, die max. 1 m über dem Fußboden enden, gelten die
Für geschlitztes Mauerwerk ist im Regelfall ein besonderer Klammerwerte. Die Gesamtbreite von Schlitzen darf bei 17,5er Wänden je 2 m
Standsicherheitsnachweis zu führen. Ohne statischen Nach- Wandlänge 26 cm nicht überschreiten bzw. 38,5 cm bei dickeren Wänden. Bei
Wandlängen unter 2 m sind die Werte proportional zu verringern
weis ausgesparte senkrechte Schlitze von 12,5 cm Tiefe setzen
in tragenden Wänden eine Wanddicke von mindestens 24 cm
voraus (. Abb. 1.15 und 1.16). Nachträglich hergestellte Ver-
-- Tiefe bis zu 3 cm, aber max. 1/6 der Wanddicke,
tikalschlitze dürfen ohne Nachweis max. 3 cm tief sein. Sofern
sie nicht höher als 1 m über dem Fußboden enden, dürfen sie
ab 24 cm Wanddicke 8 cm tief hergestellt werden. Die An-
ordnung horizontaler Schlitze in tragenden Wänden be-
- Breite ≤ Wanddicke,
gegenseitiger Abstand mind. 2,0 m.

In der DIN 1356-1 (2/95) „Bauzeichnungen“ finden sich zur


schränkt sich auf einen Bereich von jeweils 40 cm oberhalb Darstellung von Aussparungen in Ausführungszeichnungen
und unterhalb der Rohdecke, bei zulässigen Schlitztiefen von im Maßstab 1:50 nur unzureichende Angaben. Die Art der
1–3 cm. Zur Aufnahme von Rohrleitungen sind sie nicht ge- Darstellung von Aussparungen durch die am Bau beteiligten
eignet, allenfalls für Elektroinstallationen. Fachingenieure ist uneinheitlich. In der Regel wird in Grund-
Aber auch in statisch nicht beanspruchten gemauerten Wän- rissen die Decke mit Durchbrüchen und Schlitzen über dem
den lassen sich Rohrleitungen in Schlitzen kaum unterbrin- betreffenden Geschoss (Nenngeschoss) dargestellt. Bei dieser
gen, ohne die Standsicherheit dieser meist dünnen Mauer- Darstellung (Strichlinien) können auch Unterzüge berück-
scheiben in Frage zu stellen. sichtigt werden sowie an der Decke angeordnete Kanäle und
Leitungsschlitze in Stahlbetonwänden sind stets mit dem Leitungen. Im untersten Nenngeschoss (meist das Keller-
Tragwerksplaner abzustimmen, da die Bauteile in ihren Ab- geschoss) wird nicht nur die Decke, sondern auch die Boden-
messungen meist minimiert und zudem bewehrt sind. Nach- platte mit Bodendurchbrüchen dargestellt (. Abb. 1.17 und
trägliche Schlitze und Aussparungen sind wegen der Beweh- 1.18). Ein frühzeitiges Koordinierungsgespräch zwischen
rung i. d. R. auszuschließen. In unbewehrten Betonwänden Architekt und Fachingenieuren (Technische Gebäudeaus-
von mind. 12 cm Dicke lässt DIN 1045 „Beton und Stahl- rüstung, Tragkonstruktion) erspart nachträg­liche Stemm-
beton“ nachträglich eingestemmte lotrechte Schlitze unter und Kernbohrarbeiten sowie damit einhergehende Mehr-
folgenden Bedingungen zu: kosten (im Regelfall frei kalkuliert, d. h. nicht mehr an ein
12 Kapitel 1 • Grundlagen

1
40
2
3
4
5
11,5 17,5 24 30 36,5

6
7
1,5 2 2
(2,5) (3) (3)
8 40

9
Schlitzlänge unbeschränkt. Bei Verwendung von Werkzeugen, mit denen die Tiefe genau einzuhalten ist, gelten Klammerwerte
10
11
1 1 1 1 1 1
12
40
13
14 Bei Verwendung von Werkzeugen, mit denen die Tiefe genau einzuhalten ist, sind ab 24 cm Wanddicke gegenüberliegende Schlitze von
1 cm Tiefe zulässig.
15
16 2,5 2,5 3 3
40
17
18
Schlitze bis zu 1,25 m Länge

19 Mindestabstand von Öffnungen 49 cm


zweifache Schlitzlänge Mindestabstand vom nächsten Horizontalschlitz

20 .. Abb. 1.16  Ohne Standsicherheitsnachweis des Mauerwerks zulässige waagerechte oder schräge Wandschlitze, nachträglich in tragenden oder aussteifen-
den Wänden hergestellt. Da diese ohne Nachweis zulässigen Schlitze nicht ausreichen, um schall- und wärmegedämmte Rohrleitungen der Sanitär- und
Heizungsinstallation den anerkannten Regeln der Technik entsprechend aufzunehmen, sind horizontale Wandschlitze i. d. R. bei der statischen Berechnung zu

21 berücksichtigen. Eine Alternative bieten Vorwandinstallationen

22 Angebot gebundene Nachträge). Übersehene oder nachträg- Auf horizontale Wandschlitze sollte generell, auf vertikale
lich in die Planung aufgenommene Leitungsführungen sind Schlitze weitgehend verzichtet werden. Als Alternative bietet
23 zudem im Regelfall nicht normengerecht herzustellen. Er- sich die verdeckte Vorwandinstallation an (. Abb. 1.24, 1.25,
fahrungsgemäß ist mit einer Schlitzwandinstallation sowohl 1.26 und 1.27).
für den Planenden als auch für die ausführende Firma ein
erhöhtes Gewährleistungs­risiko verbunden.
1.2  •  Trassen- und Leitungsführung
13 1

Grundriss Schnitt | Ansicht ante GKBI mit verzögerter Wasseraufnahme in 12,5 mm Di-
cke. Eine doppelte Beplankung, evtl. auch ein reduzierter
WD
Wanddurchbruch
seitlicher Ständerabstand, bewirken, dass der Anpressdruck
WD
der Sanitärobjekte aufgefangen wird und der Untergrund für
Wandschlitz WS W Wandfliesen bei horizontaler Belastung nicht federt. Zu be-
Wände

waagerecht WS W rücksichtigen ist ferner, dass wandhängende Installations-


(Nische) gegenstände (WC, Bidet, Waschbecken) ein Kippmoment
Wandschlitz WS S
senkrecht erzeugen, das von der Ständerkonstruktion aufzunehmen ist.
WS S
(Nische) Ist eine Leichtbauwand als Trennwand zu einem schalltech-
DD nisch schutzbedürftigen Raum gem. DIN 4109 hin vorgese-
Deckendurchbruch DD hen, sollte keine Installation innerhalb der Leichtbauwand
über Nenngeschoss

vorgenommen werden, da sich die Luftschalldämmung der


DS
Wand i. d. R. erheblich verschlechtert und nicht mehr den
Decken

Deckenschlitz DSU
Deckenunterseite Herstellerangaben entspricht. In diesem Falle sollte zuvor eine
DS Eignungs- oder Baumusterprüfung vorgenommen werden. In
Deckenschlitz DSO
DIN 4109 „Schallschutz im Hochbau“ werden keine Angaben
Deckenoberseite
zu Installationen in Verbindung mit Leichtbauwänden ge-
BD macht.
Bodendurchbruch BD

BS zz Durchdringungen von Bauteilen (Brandschutz)


unterstes Geschoss | Keller

Bodenschlitz BS Wohnungstrennwände, Brandwände, Geschossdecken usw.


oberseitig
müssen so ausgebildet sein, dass Feuer und Rauch entspre-
chend den vorgegebenen Feuerwiderstandsklassen der Bau-
Böden

Bodenschacht Sch Sch


teile (F 30–F 120)2 nicht übertragen werden. Als geeignete
FD Maßnahmen gelten Rohrabschottungen im Bereich der
Fundament- Durchdringung eines Bauteils sowie Rohrummantelungen
durchbruch
FD oder Unterputzverlegung.
Leider weichen die in den Bauordnungen der Bundesländer
Bodenkanal BK BK
enthaltenen brandschutztechnischen Anforderungen erheb-
lich voneinander ab und sind zudem wenig übersichtlich
geschwärzte Dreiecksflächen
formuliert. Zu berücksichtigen sind: die Geschosszahl, ggf.
bei der Darstellung von
Durchbrüchen: der Rohrdurchmesser sowie die Brennbarkeit von Rohrmate-
rial und Dämmung. Nachfolgend angeführte Maßnahmen
.. Abb. 1.17  Darstellung von Aussparungen. Eine Normung existiert nicht.
entsprechen den bauaufsichtlichen Bestimmungen in Nord-
Auch andere Darstellungsweisen sind gebräuchlich
rhein-Westfalen (Verwaltungsvorschrift zur Landesbauord-

zz Rohrleitungen in Leichtbauwänden
Leichtbauwände bestehen aus einem Ständerwerk aus Metall-
profilen oder Kanthölzern mit beidseitiger Beplankung, vor-
-
nung – VVBauO NW):
Brennbare Wasser- und Abwasserrohre (alle Kunststoff-
rohre sind brennbar) sind, sofern sie Brandabschnitte
durchfahren, flächig mit einem mind. 15 mm dicken
nehmlich aus Gipskarton-Bauplatten (GKB) und i. d. R. mineralischen Putz auf nicht brennbarem Putzträger zu
Dämmeinlagen im Hohlraum der Wandkonstruktion. Üblich ummanteln oder mit einer gleichwertigen Bekleidung
sind Wanddicken zwischen 6 und 27 cm, je nach Anforderung aus nicht brennbaren Baustoffen abzudecken, mit
hinsichtlich Schalldämm-, Wärmedämm- und Brandschutz­ Ausnahme von Dachgeschossen. Bei schwer entflamm-
eigenschaften. baren Rohren (siehe . Tab. 1.6) und Rohren aus
Verdeckte Rohrinstallationen sind auf einen ausreichenden Faserzement oder Aluminium ist diese Maßnahme nur
Abstand der Tragkonstruktion im Wandhohlraum angewie-
sen. Fallleitungen DN 100, wie bei angeschlossenem WC er-
2 Feuerwiderstandsklassen von Maßnahmen gegen Brandübertragung bei
forderlich, bedingen Wanddicken von 16–23 cm (. Abb. 1.25).
Rohrleitungen gem. DIN 4102-11 „Brandverhalten“ von Baustoffen und
Kreuzen sich Abwasserleitungen DN  100 und gedämmte Bauteilen – Rohrummantelungen, Rohrabschottungen, Installations-
Wasserleitungen, erhöht sich die Gesamtwanddicke auf 24– schächte und -kanäle:
R 30 Feuerwiderstandsdauer ≥ 30 Min.
27 cm.
R 60 Feuerwiderstandsdauer ≥ 60 Min.
Für feuchtigkeitsbeanspruchte Flächen und Verwendung von R 90 Feuerwiderstandsdauer ≥ 90 Min.
Gipskarton-Bauplatten empfiehlt sich die imprägnierte Vari- R 120 Feuerwiderstandsdauer ≥ 120 Min.
14 Kapitel 1 • Grundlagen

DD 45/45 DS O 50/1,00/10 DD 40/40


1
DS U 30/1,15/10
2

90
WD 30/30
3

20
4
1,75

+0,95 WD 30/20
+0,75
5 WS 1,00/10/50

6 WS 35/10/75

60
OKF ±0,00
OKR -0,10 BS O 50/1,35/10
7
8 BD 25/25

1,00
75
Sch
FD 30/30
BD + F D 35/22/60
9
Schnitt
10
11
12
WS 25/10/95 WD 30/20 FD 30/30
13
14 WS BD 25/25 DD 40/40
55

35/10/75 Sch
1,00

DD 45/45
15 BD + F D 35/22/60
1,35

40
DS O 50/1,00/10
16 WD 30/30
DS 30/1,15/10
WS 1,00/10/50
BS 65/1,35/10 60

17 50 BK

18
Grundriss
19
.. Abb. 1.18  Kennzeichnung von Aussparungen. Beispiel für ein unterstes Geschoss mit eingezeichneten Wand-, Boden- und Deckenaussparungen. In den
übrigen Geschossen werden nur die Aussparungen der darüber befindlichen Decke eingezeichnet. Überschneidungen von Boden- und Deckenaussparungen
20 machen ggf. besondere Hinweise erforderlich. Überschneidungen und Platzmangel rechtfertigen auch Darstellungsvarianten zugunsten einer besseren
Übersicht. Die Bemaßung ist hier nur angedeutet. Maßangaben in Vertikalschnitten können mittels Maßketten oder/und Höhenquotierung erfolgen

21
in jedem 2. Geschoss erforderlich. Abzweigende manschetten vorzusehen, die die Rohre im Decken-
22 Rohrleitungen innerhalb eines Geschosses/Brand- bereich umgeben und bei Brandeinwirkung stark
abschnittes brauchen nicht ummantelt zu werden. expandieren. Dabei werden schmelzende Rohrreste
23 Werden brennbare Rohre bzw. Rohre aus Aluminium zusammengepresst und die Wand- bzw. Deckenöffnung
unverdeckt durch Geschosse/Brandabschnitte geführt, wirksam verschlossen. Die verwendeten Brandschutz-
sind in brandschutztechnisch klassifizierten (z. B. F 90, manschetten sollten auch körperschalldämmende
feuerbeständig) Wänden und Decken Brandschutz- Eigenschaften aufweisen. Bei Wanddurchfahrungen
1.2  •  Trassen- und Leitungsführung
15 1
5 2,5 F 90

Abdeckung z.B. 15 mm Putz


27 (25)

DN 100 (80)
(10)
12
2,5 5

.. Abb. 1.19  Mit Gipskartonplatten doppelt beplankte Metallständerwände


sind etwa 27 cm dick auszubilden, sofern sie waagerecht geführte Abwasser-
Brandschutzmanschette
rohre der Nennweite DN 100 aufnehmen Abdeckung (alternativ
Brandschutzmanschette)
* F90
können, alternativ zu Brandmanschetten, die Rohr-
leitungen auch auf insgesamt 4 m Länge mit einem
mind. 15 mm dicken mineralischen Putz auf nicht- >1,0 >1,0
brennbarem Putzträger oder einer gleichwertigen > 4,00
Bekleidung abgedeckt werden. Auf jeder Seite der Wand
F90
muss die Abdeckung eine Länge von mind. 1 m haben
(. Abb. 1.20). Leitungen aus brennbaren Rohren mit
einem Durchmesser unter 32 mm werden wie Leitungen
aus nicht brennbaren Materialien behandelt (in einigen

-
*können in einigen Bundesländern bis DN 50 entfallen
Bundesländern bis 50 mm).
.. Abb. 1.20  Durchfahren brennbare Wasser- oder Abwasserrohre, Decken
Nicht brennbare Wasser- und Abwasserrohre (z. B. oder Wände, die brandschutztechnisch klassifiziert sind, kommen folgende
Guss­rohre) mit Ausnahme von Aluminiumrohren Maßnahmen in Betracht (hier auf den bauaufsichtlichen Bestimmungen in
bedürfen keiner Abdeckung oder Brandschutzman- Nordrhein-Westfalen fußend): Abdeckungen durch mind. 15 mm minerali-
schen Putz auf nicht brennbarem Putzträger bzw. gleichwertiger Verkleidung
schette. Bei Durchfahrungen brandschutztechnisch oder bei unverdeckt angeordneten Rohren ab 32 mm Durchmesser
klassifizierter Bauteile ist der Decken- bzw. Wanddurch- Verwendung von Brandschutzmanschetten. Durchfahren Wasser- oder
bruch vollständig zu vermörteln. Mineralfaserummante- Abwasserrohre aus nicht brennbaren Materialien (ausgenommen sind
Aluminiumrohre) Decken oder Wände, die Brandabschnitte begrenzen, sind
lungen zur Vermeidung von Körperschallbrücken keine besonderen Maßnahmen zu treffen, sofern die Decken- und Wandöff-
müssen eine Schmelztemperatur von mind. 1.000 °C nungen sorgfältig vermörtelt werden
aufweisen (Steinwolle ca. 1.500 °C, Glaswolle < 900 °C).

Ausgenommen von den hier angeführten Auflagen sind gem. Rohr (brennbar)
BauO NW Decken in Wohngebäuden geringer Höhe (< 7 m) Rosette
mit nicht mehr als 2 Wohnungen sowie Decken innerhalb von Brandschutzpackung
Wohnungen. Buchsenrohr (entfällt bei Kernbohrung)
Problematisch gestaltet sich oft in der Praxis das Schließen Gummidichtung
von Deckendurchfahrungen, da enge Zwischenräume, be-
sonders zwischen mehreren Rohren bzw. zwischen Rohr und
Wand, von unten nicht einwandfrei eingeschalt und von oben
nicht fugenlos vergossen werden können. Wand- und De-
ckendurchbrüche mit Hilfe von Kernbohrgeräten zu erstellen
ist zwar kostenaufwendiger, gerät aber exakter.
Durchmesser und genaue Platzierung können an Ort und Stelle
den jeweiligen Erfordernissen entsprechend angepasst werden.
Ab einer bestimmten Gebäudehöhe bzw. Installationsdichte 80 °C 150 °C 600 °C
werden vertikale Leitungsstränge in Installationsschächten zu-
sammengefasst und in den Deckenebenen horizontal verteilt. .. Abb. 1.21  Werden brandschutztechnisch klassifizierte Decken und Wände
Wasserführende Rohrleitungen werden von Stark- und von unverdeckt durch Brandabschnitte geführten brennbaren Rohren oder
Kabeln durchdrungen, müssen trotz Perforation der Bauteile die erforderli-
Schwachstromleitungen getrennt, damit bei eventuellen Lecka- chen Feuerwiderstandsklassen (z. B. F 30, F 90) erhalten bleiben. Hier
gen die Stromleitungen nicht in Mitleidenschaft gezogen wer- Brandschutzpackung (Fabr. Doyma), um das Rohr herumgelegt. Die Packung
den (Stromausfall). Brandschutztechnische Maßnahmen bei beginnt bei etwa 150 °C aufzuschäumen und schottet die Rohrdurchführung
gegen Feuer und Rauch ab. Der Gummiring hat schalldämmende Wirkung
der Installation von Elektroleitungen und -kabeln in öffentlich
und dichtet vor Aufschäumung der Packung gegen Rauch ab. Zusätzlich
zugänglichen Fluren und Treppenräumen (Rettungswegen) kann schalldämmendes Material eingebracht werden. Auch gas- und
werden ausführlich in ▶ Kap. 6 (Elektrotechnik) beschrieben. wasserdichte Ausführungen sind möglich
16 Kapitel 1 • Grundlagen

1
2
3
4
5
Schornsteinblock
6 ELT.

7 .. Abb. 1.23  Gemauerte Wandvorlagen nehmen etwas mehr Platz ein, als


Sanitär- und solche aus ausgesteiften und verputzten Putzträger, sind dafür aber
Heizungsschacht schalltechnisch günstiger und stabiler (Dübel)
8
mehreren Varianten. Ihnen liegt folgendes Prinzip zugrunde:
9
.. Abb. 1.22  Senkrechte Installationsschächte im Gebäudekern eines Vor einer Wand werden Montagehilfen für die anzubringen-
Wohnhochhauses. Aus Sicherheitsgründen werden Schächte für Elektro- den Sanitärobjekte (Waschtisch, WC-Becken, -Spülkasten,
10 installation von Schächten mit wasserführenden Leitungen getrennt Bidet) in Form vorgefertigter Installationselemente aufgebaut
(Bauaufsichtsrecht der Länder)
und zwar so, dass zusammenhängende verfliesungsfähige
11 Flächen entstehen, zumeist als etwa meterhohe Wandvorlagen
zz Vorwandinstallation in Verbindung mit raumhohen senkrechten Wandvorlagen
12 Frei vor der Wand verlegte unverkleidete Rohrleitungen sol- für Steige- und Fallstränge (vgl. . Abb. 1.24, 1.25, 1.26 und
len zu Wänden einen Abstand von mind. 4 cm einhalten, da- 1.27). Als Maß für die Ausladung einer Vorwandinstallation
13 mit sie ohne Schwierigkeiten gesäubert und gestrichen wer- nennt VDI 6000-1 „Ausstattung von und mit Sanitärräumen“

14
den können. Frei durch den Raum geführte Fallleitungen
erzeugen einen oft 30 dB (A) überschreitenden Schallpegel
(siehe auch . Tab. 1.4). Er liegt i. d. R. umso höher, je geringer
das Flächengewicht der Rohrwandung ist und je größer die
--
etwas undifferenziert:
17 cm bei horizontaler Leitungsführung,
25 cm bei vertikaler Leitungsführung.

15 Fallhöhe sowie die abgeleitete Wassermenge ist. System- und fabrikatbedingt ist mit geringerem (ab etwa
Wandvorlagen zur Aufnahme senkrechter Rohrstränge ver- 15 cm) oder größerem Platzbedarf zu rechnen. Eine wesent-
16 ringern mit Schallschluckmaterial ausgefüllt, die Abstrahlung liche Rolle spielt die Anordnung der vertikalen Rohrleitun-
von Schallenergie. Aber auch aus optischen Gründen wird gen. Um Leitungskreuzungen zu vermeiden und somit die
17 eine verdeckte Rohrleitung einer offenen vorgezogen. Wand- Ausladung zu minimieren, sollten Abwasser-Fallleitungen in
vorlagen stellen einen Kompromiss zwischen installations- einer Raumecke und wasserführende Steigstränge (Kaltwas-
18 technischer Notwendigkeit und dem Bemühen um klare ser, Warmwasser, ggf. auch Zirkulationsleitungen) in der ent-
Raumproportionen dar. Im Allgemeinen werden sie nur in gegengesetzten Ecke angeordnet werden. Die horizontal ver-
Raumecken von Sanitärräumen und Küchen toleriert laufenden Wasserleitungen im oberen Bereich wie auch die
19 (. Abb. 1.9, 1.11, 1.23 und 1.24). oberhalb der Rohdecke befindlichen Abwasser-Anschluss-
Konventionelle verdeckte Vorwandinstallationen, bei denen die leitungen werden, soweit sie nicht systemintegriert sind, nach
20 Leitungen und Objekthalterungen nach Befestigung an einer der Montage der Installationselemente eingebaut. Kreuzun-
massiven Wand durch Ausmauerung der Zwischenräume ver- gen ergeben sich so nicht. Im Gegensatz zur Schlitzwand-
21 deckt werden, sind unbefriedigend. Die eingeschlossenen Lei- installation sind dabei die Vorgaben der in diesem Zusam-
tungen, insbesondere wenn sie horizontal oder schräg verlaufen, menhang relevanten DIN-Normen ohne größere
22 bewirken eine gewisse Labilität der Wandkonstruktion. Auch
reicht in den meisten Fällen die Wanddicke für Rohrkreuzun-
-
Schwierigkeiten einzuhalten:
Tragende oder aussteifende Wände werden nicht durch
23 gen nicht aus. Besonders schwierig gestaltet sich gewöhnlich die
Schalldämmung der einzumauernden Rohrleitungen.
Mehrschalige flächige Vorwandinstallation in Form so ge-
nannter Rohrleitungswände (Installationswände) gibt es in
-- vertikale oder horizontale Schlitze geschwächt.
Schallbrücken sind vermeidbar.
Sofern erforderlich, z. B. zu fremden Aufenthaltsräumen
hin, können Innenwände auf die Erfordernisse des
1.2  •  Trassen- und Leitungsführung
17 1
>11,5

Bei Raumhoher Verkleidung


Platz für Spiegelschrank

OKFF

ohne Verkleidung dargestellt


WM

>11,5
16-23

.. Abb. 1.24  Vorwandinstallationen ersetzen Wandschlitze (siehe auch


. Abb. 2.33, 2.34, 2.35 und 2.36)
.. Abb. 1.25  Zweischalige Vorwandinstallation mit Rohrleitungsführung im
Zwischenraum. Sanitärobjekte und Armaturen werden an Montagegerüsten
befestigt. Die vorgeblendete Schale hat keine tragende Funktion und kann
Brandschutzes (feuerbeständige Ausbildung), des entsprechend dünn ausgebildet werden
Wärmeschutzes (1/λ ≥ 0,07 m² · K/W) und der Schall-
dämmung (Flächengewicht ≥ 220 kg/m²) abgestimmt

- werden.
Installationen an Außenwänden werden erleichtert.

Hinzu kommt, dass Vorwandinstallationen reparaturfreund-


kann z. B. ein Spiegelschrank oberhalb der Installationszone
eingebaut werden. Andernfalls entsteht oberhalb der Monta-
gegerüste ein Absatz, der als Stellfläche nutzbar ist
(. Abb. 1.26). Nach diesem System können auch ganze Wände
licher sind. Änderungs- und Modernisierungsmaßnahmen in in Ständerbauweise (beplankte Metallständer und -riegel) er-
Altbauten lassen sich ohne Eingriff in die tragende dämmende stellt werden, entweder raumhoch mit Installationsgegen-
und abschottende Struktur eines Bauwerks vornehmen. Bei ständen (z. B. Waschtische oder WC-Becken) an beiden Sei-
Vorwandinstallationen kann zwischen zwei Systemen gewählt ten versehen oder als halbhohe, dreiseitig freistehende, mit

-
werden:
zu beplankende Montagerahmen mit Installationshohl-
Installationsgegenständen bestückte Wandteile in Form von
Raumteilern. Die Mindestwanddicke von doppelwandig mit

- raum,
einzumauernde Montageblöcke (Montagebausteine).
Gipskartonplatten beplankten Montagewänden bei Einschluss
eines waagerecht geführten Abwasserrohres DN 100 beträgt
27 cm (siehe auch . Abb. 1.19). Der konstruktive Aufwand
Die vor einer Wand anzuordnenden Montagerahmen-Ele-
mente bestehen aus Montagegerüsten zur Aufnahme bzw.
-
(und damit der Preis) ist von folgenden Faktoren abhängig:
Installation der Montagewand vor einer Massivwand,
Befestigung von Sanitärobjekten. Darüber hinaus ermöglicht
die Gerüstkonstruktion eine flächige Beplankung mit z. B.
feuchtigkeitsresistenten Gipskarton-Bauplatten (GKBl) von
12,5 mm in ein- oder besser zweilagiger Ausbildung, die an-
-- einer Leichtbauwand oder freistehend.
Schmalseitige Endung, Winkelformen.
Montagehöhe: teilhoch (ca. 1,10–1,20 m) oder raum-
hoch.
schließend verfliest werden kann. Systemhersteller verwen-
den auch systemintegrierte Platten, so z. B. Geberit 18 mm Montageblöcke (Montagebausteine) sind speziell für eine
GIS Paneel (Gipskarton) bzw. Aquapaneel. Einige Systeme Vorwandinstallation entwickelten flachbauenden Elemente in
sind auf dahinter befindliche Massivwände angewiesen, um Plattenform und bestehen, je nach Fabrikat, aus Polyester-
die Kraglasten wandhängender Becken (Wasch-, WC-, Bidet- schaumbeton oder einer Materialkombination aus Metall-
becken) dort einzuleiten. Die Befestigung der Rahmen­ rahmen, Streckmetalloberfläche und Dämmstoff (. Abb. 1.26
elemente auf der Rohdecke sollte so ausgebildet sein, dass und 1.27). Dem jeweiligen Verwendungszweck entsprechend
keine Schallbrücke zwischen schwimmendem Estrich und (z. B. als Anschlusselement für ein Waschbecken, Bidet, WC-
Rohdecke entsteht. In Abhängigkeit von der Leitungsstruktur Becken usw.) sind sie mit Leitungsanschlüssen für Abwasser,
beträgt die Ausladung mindestens 16–23 cm, die Höhe etwa Kalt- und Warmwasser, mit Armaturen und Befestigungsvor-
1,10–1,20 m. Soll die Beplankung bis zur Decke durchgehen, richtungen für handelsübliche wandhängende Sanitärobjekte
18 Kapitel 1 • Grundlagen

1 Dauerelastische Fuge

Kalt-und Warmwasserleitung
2
Montageblock

3 OK Absatz
Körperschalldämmende Matte / Platte

4 Schallgedämmte Aufhängung

OKFF Fliesen im Dünnbett


5
ohne Ausmauerung und
6 Wandfliesen dargestellt

7 15

8 Abwasserleitung

9 .. Abb. 1.26  Vorwandinstallation mit Montageblöcken. Die Zwischenräume


Dauerelastische Fuge
sind auszumauern. Wasserleitungen werden von oben herangeführt,
Abwasser-Anschlussleitungen unterhalb der Elemente verlegt. Eine
10 Anordnung von Wasser- und Abwasserleitungen jeweils in entgegengesetz-
ten Raumecken vermeidet Rohrkreuzungen und damit größere Ausladungen

11 .. Abb. 1.27  Vertikalschnitt durch einen Montageblock. Hier mit körper-


ausgerüstet. Soweit erforderlich, enthalten sie auch Wandein- schallgedämmten Laschen unter Zwischenschaltung einer Dämmmatte an

12 bauarmaturen und -geräte wie Druckspüler, Spülkasten,


einer massiven Wand befestigt. Ein Aufstellen von Montageblocks auf eine
Rohdecke mittels verstellbarer Füße ist ebenfalls möglich
Thermostatarmaturen usw.
13 Die Elemente werden körperschallgedämmt an einer massi- verkürzen. In Bädern beispielsweise kann bei konventioneller
ven Wand befestigt oder vor dieser auf höhenverstellbaren Bauweise infolge der beengten Platzverhältnisse immer nur
Fußstützen auf die Rohdecke gestellt. Die Ausladung beträgt ein Handwerker arbeiten. Neun bis zehn Gewerke kommen
14 ca. 15 bis 18 cm. Die Bauhöhe variiert zwischen etwa 90 bis nacheinander zum Einsatz und sind zu koordinieren. Hinzu
150 cm je nach Fabrikat und Objekt. Kalt- und Warmwasser- kommt, dass bei vorgefertigten Elementen alle Gewerke in
15 anschlüsse werden nach erfolgter Elementmontage über obere einer Hand liegen (Gewährleistung). Vom Aufbau her sind
Aussparungen der Elemente verlegt, Abwasserleitungen wer- mehrere Typen vorgefertigter Installationseinheiten zu un-

-
16 den darunter hergeführt. Abschließend sind die Zwischen- terscheiden:
räume nebeneinander angeordneter Montagebausteine ober- Werkstattgefertigte Rohrleitungsbündel oder -pakete
17 flächenbündig auszumauern. In zumeist 1,10–1,20 m Höhe fassen horizontale und vertikale Rohrleitungsteile in
entsteht ein der Ausladung entsprechender Absatz (anzustre- einem montagefertigen Element zusammen, ggf. in
18 ben: 15 cm = Fliesenbreite), der als Ablage zu nutzen ist. Verbindung mit einem Montagegerüst aus Vierkant-
rohren, das auch zur Befestigung einer Verkleidung z. B.
aus Gipskartonplatten oder Spanplatten herangezogen

-
zz Vorgefertigte geschosshohe Installationseinheiten
19 Vorgefertigte geschosshohe Installationseinheiten finden werden kann.
vorzugsweise in Gebäuden mit einer Vielzahl kleinerer Sani- Installationsblöcke aus Hartschaumleichtbeton mit
20 tärräume (Hotels, Reha-Kliniken, Krankenhäuser, Alten- integrierter Leitungsführung gibt es als geschosshohe
heime) Verwendung. Sie stellen eine Zusammenfassung von Blöcke oder halbhohe Konstruktionen in Verbindung
21
22
Steig- bzw. Fallsträngen, Abzweigen und Absperrarmaturen
zu einem transport- und montagefähigen Bauteil dar, wobei
der Grad der Vorfertigung sehr unterschiedlich sein kann.
Die Hersteller bieten eine Reihe von Standardtypen an. Vor-
- mit Aufsatzelementen (. Abb. 1.28).
Elementierte Wandpaneele für Sanitärräume in Form
raumhoher Kunststoffschalen mit integrierten Schrank­
einheiten und Ablagefächern lassen sich nach dem
23 gefertigte Installationseinheiten sind preislich meist, jedoch Baukastenprinzip zusammenstellen. Installationen
nicht in allen Fällen, günstiger als konventionelle Installatio- werden im Bereich der rückwärtigen Montagegerüste
nen. Sie bieten den Vorteil einer verkürzten Montagezeit auf verdeckt angeordnet. Die Sanitärobjekte sind zum Teil
der Baustelle und tragen so dazu bei, die Gesamtbauzeit zu frei wählbar und austauschbar. Decke und Fußboden
1.2  •  Trassen- und Leitungsführung
19 1
17,5

.. Abb. 1.29  Hotelzimmereinheit mit industriell vorgefertigter Nasszelle aus


Beton. Materialalternativen: Kunststoff, Mischbauweisen. Für eine ausreichen-
de Zugänglichkeit der Vertikalinstallation und Anschlussleitungen ist zu
sorgen. Sanitärzellen eignen sich vornehmlich für größere Objekte wie Wohn-
heime, Hotels oder Krankenhäuser, setzen aber eine frühzeitige Einbeziehung
in die Planung voraus

Rohbau erfolgt mit Hilfe eines entsprechend auszulegenden


Hebezeuges (Turmdrehkran, Autokran). Im Allgemeinen
werden die Zellen geschossweise auf die fertiggestellten Roh-
decken abgesetzt oder nachträglich durch ausreichend groß
bemessene Montageöffnungen seitlich eingefahren. Stößt das
Einbringen ungeteilter Sanitärzellen, sog. Kompakteinheiten,
auf Schwierigkeiten, kommen ggf. elementierte Zellen in Be-
tracht, deren einzelne Elemente durch Wandöffnungen (Tü-
ren, Fenster) eingebracht und an Ort und Stelle zusammen-
gebaut werden. Für den Bodenbereich der Zelle stehen drei

.. Abb. 1.28  In die Wand einbezogene und vor die Wand gesetzte raumhohe
Fertiginstallationseinheiten. Letztere bedingen besonders schmale
Einlaufarmaturen (Wannenfüll- und Brausebatterien), die sich der knappen
-
Ausbildungsvarianten zur Auswahl:
Niveaugleicher Anschluss der Zellen-Bodenplatte an den
Fußbodenaufbau des angrenzenden Raumes. Erforderli-
chenfalls muss die Oberkante Rohdecke im Zellen-

-
Raumecke anpassen
bereich tiefer liegen.
Die Zelle wird ohne Bodenplatte geliefert, der Zellen-

-
gehören im Regelfall nicht zum Lieferumfang der
Hersteller. Bisher nur geringer Marktanteil.
Industriell vorgefertigte Sanitärzellen sind raumbildende
Einheiten aus fensterlosen Wänden, Decke und Boden-
- boden wird bauseitig erstellt.
Eine Schwelle überdeckt die Höhendifferenz zwischen
mitgelieferter Bodenplatte und Fußboden des angren-
zenden Raumes.
platte mit innenseitig fertigen Oberflächen, einschließ-
lich angeformter bzw. montierter Sanitärobjekte und Hinsichtlich Konstruktion und Material sind drei Gruppen
Armaturen. Die Bodenplatte kann ggf. entfallen zu unterscheiden: Sanitärzellen in Beton-, Kunststoff- und in
(. Abb. 1.30). Mischbauweise.
Bei Sanitärzellen in monolithischer Betonbauweise aus Nor-
Da Sanitärräume nicht zu den Aufenthaltsräumen zählen, mal- oder Leichtbeton sind die raumseitigen Oberflächen ge-
sind lichte Raumhöhen unter 2,50 bzw. 2,40 m zulässig. Die fliest oder kunststoffbeschichtet. Die Ausstattung erfolgt mit
Gesamtabmessungen richten sich nach den Transportbedin- handelsüblichen Sanitärobjekten und Armaturen. Die Wand-
gungen. Für normalen LKW-Transport lässt die Straßenver- stärken betragen i. d. R. 5–6 cm (F 30 ab 5 cm Dicke, F 90 ab
kehrsordnung eine Breite über alles von max. 2,50 m zu. 8 cm Leichtbeton bzw. 10 cm Normalbeton). Zusätzliche au-
Breiten bis zu 3,30 m setzen Schwer- und Spezialtransporter ßenseitige Wandschalen erübrigen sich. Nebeneinander an-
voraus. Die Gesamthöhe der Ladung darf 4 m nicht über- geordnete Zellen ersetzen eine Trennwand und können den
schreiten. Die Auslieferung per LKW ist auf eine ausreichend hierfür erforderlichen Schallschutz gem. DIN 4109 erreichen.
befestigte Zuwegung angewiesen. Meist werden auch Flächen Im Regelfall bedingen Sanitärzellen aus Beton beim stati-
für eine Zwischenlagerung benötigt. Das Einbringen in den schen Nachweis der Decken nur einen gleichmäßig verteilten
20 Kapitel 1 • Grundlagen

Sanitärzellen in Mischbauweise sind kompakt oder elemen-


1 tiert aus den verschiedensten Werkstoffen (Faserzement,
Gipskartonplatten, Spanplatten, Stahlbleche, Schichtstoff-
2 platten usw.) mit oder ohne tragende Rahmenkonstruktion
lieferbar. Die Zellen können komplett oder in einzelnen Ele-
3 menten geliefert und montiert werden. Diese Bauweise eignet
Installations-
schacht

sich besonders für Modernisierungen von Altbauten mit der


4 Möglichkeit, die Zellen an bauliche Besonderheiten von Alt-
bauten anzupassen. Raumseitige Oberflächen werden je nach
System gestrichen, kunststoffbeschichtet oder gefliest. Die
5 Ausstattung erfolgt mit handelsüblichen Sanitärobjekten und
Armaturen. Die außenseitigen Wandflächen bedürfen im All-
6 gemeinen keiner zusätzlichen Verkleidung oder ähnlichen
Maßnahmen. Die wirtschaftliche Mindestmenge beträgt etwa
7 25 Stück.
Bei allen vorgefertigten Installationseinheiten sollte darauf
8 geachtet werden, dass Deckendurchbrüche nachträglich ohne
Schwierigkeiten zu schließen sind. Gut zugängliche Installati-
onsleitungen erleichtern Reparaturen und spätere Ergänzun-
9
gen. Thermisch bedingte Längenänderungen der vertikalen
Rohrstränge und durch Abweichungen in den Geschosshöhen
10 bedingte Maßtoleranzen müssen bei allen Systemen leicht aus-
.. Abb. 1.30  Grundriss einer Kompaktzelle aus Kunststoff mit angeformten
geglichen werden können. Die Vertikalinstallation kann so-
11 Sanitärobjekten, eingeschlossen in bauseitig erstellten Wänden
wohl vom örtlichen Installateur als auch vom Hersteller der
Sanitärzellen ausgeführt werden (alles in einer Hand). In kon-
12 Zuschlag zur Verkehrslast. Die Zellendecken sind im All- ventionellem Verfahren sind im Keller alle Anschlüsse an
gemeinen für eine Verwendung als verlorene Schalung aus- Steigstränge bzw. Fallrohre heranzuführen und die Abwasser-
13 gelegt. Eine Stapelung bis zu etwa 18 Zellen übereinander als installation über Dach zu lüften. Ausschreibungen vorgefer-
selbsttragender Turm ist ebenfalls möglich. Ab ungefähr tigter Sanitärzellen erfolgen zweckmäßigerweise in Form einer
65 mm bauseitiger Estrichhöhe kann der Bodenaufbau der funktionellen Leistungsbeschreibung. Im Einzelnen sind früh-
14 Zelle der Höhe des angrenzenden Fußbodens angeglichen zeitig folgende Punkte mit dem Auftragnehmer abzustimmen:
werden. Eine wirtschaftliche Mindestmenge ist bei etwa Material und Konstruktion, Abmessungen, Anschlussfugen,
15 25 Stück erreicht (Beispiel siehe . Abb. 1.29). Revisionsschächte und -öffnungen, Zargen­ausbildung, Ober-
Für Sanitärzellen in Kunststoffbauweise sind vornehmlich flächenausbildung (Fliesen, Anstriche), Bodendetails, Sanitär-
16 glasfaserverstärktes Polyesterharz (GFK) mit Sandwichkern, objekte, Armaturen, Heizung, Lüftung, Elektroinstallationen,
daneben auch Acrylnitril-Butadien-Styrol (ABS), Polypropy- Anforderungen an den Brand- und Schallschutz, Montage-
17 len (PP) und Acryl die gebräuchlichsten Materialien. Die ablauf und Terminstellungen. Um zu verhindern, dass Farb-
Lieferung erfolgt als Kompakteinheit, oder elementierte Zel- und Mörtelreste während der Ausbauphase in die WC-Becken
18 len. Sanitärobjekte sind üblicherweise aus dem gleichen gelangen, stellen einige Hersteller einbruchsichere Stahltüren
Kunststoffmaterial nahtlos angeformt. Elementierte, aus meh- zur Verfügung, die nach Abschluss der Arbeiten gegen die Ori-
reren Teilen am Aufstellungsort zu montierende Zellen kom- ginaltüren ausgewechselt werden. Von Fall zu Fall ist zu klären,
19 men in Betracht, wenn die Montagebedingungen ein Ein- ob normal entflammbare, schwer entflammbare oder nicht
bringen von Kompaktzellen nicht mehr zulassen. Auch sind brennbare Baustoffe (z. B. in Hochhäusern) zugelassen bzw.
20 elementierte Zellen bereits ab kleiner Stückzahl rationell ein- vorgeschrieben werden. Alle Hersteller verfügen über ein be-

21
--
setzbar. Wirtschaftliche Mindestmenge etwa:
GFK-Zellen, kompakt: 100–150 Stück,
sonders preisgünstiges Programm von etwa 20–30 durchkon-
struierten Standardtypen.

22
23
-- GFK-Zellen, elementiert: 30 Stück,
Acryl-Zellen, kompakt: 800 Stück,
Acryl-Zellen, elementiert: 100–200 Stück.
zz Rohrleitungen auf Decken
Während Wasser-, Warmwasser- und Gasleitungen vorwie-
gend vor Wänden (Vorwandinstallation) verlegt werden, z. T.
Sanitärzellen in Kunststoffbauweise müssen i. d. R. mit ab- auch noch in Wänden, haben die Anforderungen der EnEV
schließenden Wänden oder einer Außenbeplankung versehen bewirkt, dass für Anbindungsleitungen der Heizung zuneh-
werden. mend die Fußbodenebene gewählt wird. In Anspruch genom-
1.2  •  Trassen- und Leitungsführung
21 1

< 20 > 20 < 20 > 50 (20) tungsverlaufsplan) für alle auf den Decken zu verlegenden
Leitungen anfertigen zu lassen, um dann in Verbindung mit
den erforderlichen schall- und wärmetechnischen Maßnah-
men die Konstruktionshöhe des Fußbodenaufbaus festlegen
zu können. Bei sehr knapp angesetzten Konstruktionshöhen
sollte der tragende Untergrund auf Einhaltung der zu fordern-
den Toleranzen (Ebenheit) überprüft und gegebenenfalls
.. Abb. 1.31  Die Trassenbreite parallel geführter Leitungen sollte etwa
Bedenken oder Reklamationen angemeldet werden. Nötigen-
12 cm nicht überschreiten, mit statischer „Rückendeckung“ allenfalls 20 cm. falls ist auf der Rohdecke vor Verlegung der Leitungen ein
Empfohlene Auflagerbreite zwischen Leitungsführungen: mind. 20 cm, zur dünner ausgleichender Verbundestrich aufzubringen. Die
Wand hin mind. 50 cm (20 cm in Fluren)
Leitungen sollten möglichst geradlinig und wandparallel ver-
legt werden. Andernfalls ergibt sich beim Zuschnitt der
men wird die Dämmschicht unterhalb des schwimmenden Dämmplatten eine arbeitsintensive Stückelei. Für die zeich-
Estrichs, siehe . Abb. 1.31. Das bedeutet für den Bauplaner nerische Darstellung der Installationstrassen bieten sich die
(Architekt), dass die Höhe des erforderlichen Fußbodenauf- Schlitz- und Durchbruchpläne der Fachplaner an, die mit
baus für ihn in der Entwurfsphase eine unbekannte Größe ist; weiteren Angaben versehen (Arten, Nennweiten, Vermaßung)
i. d. R. selbst noch bei der Erstellung der Ausführungspläne als Abrechnungspläne und Bestandspläne Verwendung finden
im Maßstab 1:50. Gleichwohl hat die Höhe des Fußbodenauf- können. Soweit möglich, ist der Verlauf von Rohrleitungen
baues Konsequenzen z. B. in folgenden Bereichen: Geschoss- und anderen Installationen wie Kabel oder Isolierrohre kreu-
höhe, Rohbautürhöhen, Fensterbrüstungen (Heizkörper), zungsfrei zu planen. Jede Rohrkreuzung hat eine erhebliche
Treppenantritt/Treppenaustritt usw. Grob überschlägig be- Vergrößerung der Fußboden-Konstruktionshöhe zur Folge.
wegt sich die Höhe des Fußbodenaufbaues in Wohngebäuden Eine Übersicht der in Betracht kommenden Leitungen enthält
zwischen 80 und 170 mm. Sicherheitshalber sind z. B. 170 mm . Tab. 1.6. Heizungssträngen sollte gegenüber anderen Lei-
anzusetzen, dieses würde in vielen Fällen zu einer vermeid- tungen eine gewisse Priorität eingeräumt werden. Entwässe-
baren Erhöhung der Baukosten führen. Auch könnte in Ein- rungsleitungen kommen für eine Unterbringung im Fuß-
zelfällen ein höherer Aufbau erforderlich werden. bodenaufbau i. d. R. wegen ihres großen Querschnittes und
ihres Gefälles von 1–2 cm pro m nicht in Betracht. Hierfür
Das Höhenmaß der Installationsebene zwischen Rohdecke sollten Vorwandinstallationen oder der Raum unter einer

-
und Estrich ist abhängig z. B. von folgenden Faktoren:
Zu transportierendes Medium (hauptsächlich Heizungs-
Wanne in Anspruch genommen werden. Nennweiten von

--
Entwässerungs-Einzel-Anschlussleitungen:

-- vorlauf/-rücklauf).
Verwendetes Rohrmaterial.
DN 40: Wasch-, Handwasch- und Sitzwaschbecken.
DN 50: Spüle, Geschirrspüler, Dusch- und Badewanne

- Erforderliche Rohrdurchmesser.
Erforderliche Maßnahmen für den Trittschallschutz

-
(bis 2 m Leitungslänge), Waschmaschine (bis zu 6 kg
Trockenwäsche), Bodenablauf DN 50.

- gem. DIN 4109.
Erforderliche Maßnahmen für den Wärmeschutz der
Rohrleitungen und der Decke gem. EnEV und
-
DN 70: Dusch- und Badewanne mit > 2 m Anschluss-
leitung, Bodenablauf DN 70.
DN 80/DN 90/DN 100: WC, Deckenablauf DN 100

- DIN 4108.
Leitungskreuzungen soweit unvermeidbar (Zweirohr-
systeme).
(Keller).

Weiteres zu Rohrleitungsführungen von Warmwasserhei-


zungen im Wohnungsbau siehe unter ▶ Kap. 4 „Wärme- und
Geringe Konstruktionshöhen ergeben sich bei Decken zwi- Kälteversorgungsanlagen“. Rohrdurchmesser mit Dämmung
schen Aufenthaltsräumen des gleichen Nutzers (z. B. Ein- sind in . Tab. 1.7 aufgeführt.
familienhäuser) bei Vermeidung von Rohrkreuzungen. Grö-

-
ßere Konstruktionshöhen werden erforderlich bei:
Decken über Erdreich oder Außenluft (Wärmedäm-
zz Installationsführung in Skelettbauten
Die Möglichkeiten der Installationsführung in Skelettbauten

- mung).
Decken über fremden Aufenthaltsräumen (Trittschall-,
Wärmedämmung).
stehen in einer Wechselbeziehung zum gewählten konstruk-
tiven System. Ausgehend von den Technikzentralen (Heizung,
Kühlung, Raumlufttechnik, Sanitär, Elektrik) gelangen die
Rohrleitungen, Kabel und Luftkanäle über vertikale Installa-
Es empfiehlt sich, frühzeitig einen Fachingenieur für Tech- tionsschächte in die Geschosse. Kabel- und Rohrinstallatio-
nische Gebäudeausrüstung einzuschalten, um eine zeichne- nen werden dabei in getrennten Schächten untergebracht
rische Darstellung der Installationstrassen (einen Rohrlei- (siehe . Abb. 1.32). In den Geschossebenen werden die In-
22 Kapitel 1 • Grundlagen

1 .. Tab. 1.7  Rohrdurchmesser unter Berücksichtigung der Wärmedämmung

Rohrdurchmesser DN 20 DN 22–35 DN 40–100 DN 100


2 Wärmeverteilung mm Dämmstoffdicke 20 30 DN 100 λ = 0,035
allgemein*
Gesamt-⌀ 60 82–95 120–300 300 mm
3 Kälteverteilung mm Dämmstoffdicke 6 6 6 6 λ = 0,035

4
Gesamt-⌀ 32 34–47 52–112 112 mm
Leitungen im mm Dämmstoffdicke 6 6 6 6 λ = 0,035
Fußbodenaufbau
5 Gesamt-⌀ 32 34–47 52–112 112 mm

* Leitungen und Armaturen in Wand- und Deckendurchbrüchen, in Kreuzungsbereich von Leitungen, an Leitungsverbindungsstellen und bei

6 zentralen Leitungsnetzverteilern werden mit ½ der Anforderungen für Wärmeverteilungen gedämmt.

a
8
9
10
11

a-a
12

a
13
b
14
15 c c

16

b-b
b

17
18
19
c-c
20 .. Abb. 1.33  Deckenaussparungen neben Stützen sind nur möglich, wenn
sich dort keine Unterzüge kreuzen
21
22 .. Abb. 1.32  Installationsschächte werden bevorzugt in Gebäudekernen
untergebracht. Diese nehmen Treppen und Aufzugsanlagen, oft auch
stallationen i. d. R. unterhalb der Decken verteilt und durch
Toilet­tenanlagen auf, also Räume und Einrichtungen mit kongruenten Deckenabhängungen verdeckt. Stark- und Schwachstromlei-
23 Grundrissen in allen Geschossen. Anzahl und Abstände der Gebäudekerne
richten sich nach der zulässigen Länge der Fluchtwege. (Gem. Muster-BauO
tungen können innerhalb der Fußbodenkonstruktion, z. B. in
einem Doppelboden oder in Fensterbankkanälen, zu den
muss in max. 35 m Entfernung, von jeder Stelle eines Aufenthaltsraumes aus,
ein Treppenraum erreichbar sein). Bei Skelettbauten übernehmen die in Arbeitsplätzen geführt werden. Aus klimatechnischer Sicht ist
Ortbeton erstellten turmartigen Gebäudekerne oft die auf das Gebäude eine solche Abschirmung der Speichermasse einer Massiv-
einwirkenden Horizontalkräfte
1.2  •  Trassen- und Leitungsführung
23 1

LH mind. 2,75 m
.. Abb. 1.35  Der Raum oberhalb tiefer abgehängter Flurdecken kann als
Hauptinstallationstrasse genutzt werden. Unterzüge bestimmen die
Abhängehöhe. Sie können allenfalls kleinere Aussparungen erhalten. Die
Deckenabhängungen sollten leicht demontierbar sein, um an die Installatio-
nen gelangen zu können. Innerhalb des Doppelbodens oberhalb der
Rohdecke können Stark- und Schwachstromleitungen zu den Arbeitsplätzen
geführt werden

nahmen ist ein entsprechender Arbeitsraum zu berücksichti-


r

gen. Es empfiehlt sich, Anzahl, Platzierung, Zugänglichkeit


und Abmessungen der meist platzaufwendigen Installations-
schächte frühzeitig abzustimmen. Revisionsöffnungen bzw.
abnehmbare Verkleidungen sollten wartungsfreundlich mög-
lichst von Fluren aus zugänglich sein. Vertikal zu führende
Leitungen außerhalb von Schächten sind auf unveränderlich
übereinander angeordnete Bauteile angewiesen. Stützen er-
S S
füllen diese Bedingung, Trennwände i. d. R. nicht. Die Not-
wendigkeit, Stützen für Leitungsanbindungen in Anspruch zu
nehmen, ergibt sich häufig für Heizungs-Vor- und -Rück-
laufleitungen bei unter Fenstern angeordneten Heizflächen.
r

r-r
Voraussetzung ist, dass keine querlaufenden Unterzüge
(. Abb. 1.33 und 1.36) die Leitungstrasse abriegeln. In einem
solchen Fall können evtl., bei ausreichend großen Binder-
abständen, schmale Blindstützen zwischen den tragenden
Stützen vorgesehen und die Leitungen dahinter angeordnet
werden (. Abb. 1.34).
Für die horizontale Leitungsführung unter den Geschoss­
decken bilden Flurbereiche die Hauptversorgungstrassen mit
s-s
seitlichen Verzweigungen und Anbindungen an vertikale Ver-
.. Abb. 1.34  Bei der Mehrzahl der Skelettbauten verlaufen mit den Stützen sorgungsschächte, . Abb. 1.35. Das Maß der Deckenabhän-
verbundene Unterzüge quer zur Außenwand und blockieren so alle gung ist abhängig vom Installationsgrad des Gebäudes und
Möglichkeiten, Deckenaussparungen (z. B. für Heizungsleitungen) sinnvoll
hinter Außenstützen anzuordnen. Hierfür bieten sich Blindstützen an, die ab
den Abständen der vertikalen Installationsschächte: mit zu-
Binderabständen von etwa 7 m zum Anschluss der Fenster, gegebenenfalls nehmender Länge der Kanäle und Leitungen vergrößern sich
auch von Trennwänden herangezogen werden können im Allgemeinen auch die Querschnitte. Bei Abwasserrohren
ist das Gefälle zu berücksichtigen. Der größte Engpass befin-
decke aber eher unerwünscht (siehe auch Kap. 5 „Raumluft- det sich an den i. d. R. schmalen Öffnungen der vertikalen
technik“). Installationsschächte.
Bei der vertikalen Leitungsführung wird der Querschnitt ei- Höhe und Anordnung von Unterzügen behindern oder be-
nes Schachtes durch Anzahl und Außendurchmesser der günstigen das Verteilen der Installationsstränge. Durchfahrun-
Rohrleitungen und Luftkanäle einschließlich der Dämmstoff- gen von Unterzügen sind nur in bestimmten Bereichen mög-
umhüllungen, unter Berücksichtigung von Abzweigungen lich (. Abb. 5.86, 5.87, 5.88 und 5.89) und in ihren Abmessungen
und Armaturen bestimmt. Für Montage- und Wartungsmaß- beschränkt. Voluminöse Luftkanäle können i. d. R. nicht durch
24 Kapitel 1 • Grundlagen

1
2
3
Deckenunersicht

4
5
6
7
8
9
Schnitt

10
11
12
13
14
Grundriss

15
16 A B C

.. Abb. 1.36  Tragwerkstrukturen zweibündiger Verwaltungsgebäude in Skelettbauweise mit nicht tragenden Trennwänden. Installationstrassen: unterhalb der
17 Geschossdecken (i. d. R. durch Deckenabhängungen verdeckt) und oberhalb der Rohdecken in Doppelböden. Als Hauptverteilerschiene bietet sich der Raum
oberhalb einer im Flurbereich tieferen Abhängung an, mit seitlichen Abzweigungen. Hindernisse für vertikale und horizontale Leitungsführungen bilden
Unterzüge. A Unterzüge relativ geringer Höhe in Gebäudelängsrichtung. Gut geeignet für horizontal und vertikal geführte Installationstrassen. B Unterzüge in
18 Gebäudequerrichtung, hier mit einer dritten außermittigen Stützenreihe. Im Flurbereich wird eine tiefere Abhängung notwendig. Hinter Außenstützen ist keine
vertikale Leitungsführung möglich. C Plattenbalkendecken ohne Mittelstütze bedingen hohe Balkenprofile und entsprechend tiefe Abhängungen. Horizontale
Durchbrüche in den Balken sind zwar möglich, Installationen sind aber wegen der kleinen Abstände erschwert. Vertikale Leitungsführungen sind an Stützen
19 möglich, wenn die Balken, wie hier, an den Stützen versetzt angeordnet werden. Vorteil: uneingeschränkte Freizügigkeit in der Raumaufteilung

20 Unterzüge hindurchgeführt werden. Die erforderliche Abhän- aufbereitungsanlagen kommen etwa 40–60 cm in Betracht,
gehöhe in den Räumen kann nur objektbezogen unter Berück- eventuell auch mehr. Bei einer Raumgröße von 50–100 m²
21 sichtigung der jeweiligen Tragkonstruktion und der unter- beträgt lt. Arbeitsstättenverordnung für Arbeitsräume die
zubringenden Kabel, Rohrleitungen und Lüftungskanäle lichte Raumhöhe mind. 2,75 m (bei überwiegend leichter oder
22 festgelegt werden, was voraussetzt, dass die Installationspla- sitzender Tätigkeit ggf. nur ≥ 2,50 m). Entsprechend den
nung bereits in einem frühen Entwurfsstadium einsetzt. Über Raum­abmessungen werden meist größere Raumhöhen ge-
23 das notwendige Maß hinausgehende Abhängungen vergrößern wählt. Die Flure können eine geringere Höhe aufweisen. Sie
unnötig die Kubatur. Zu niedrige Abhängungen erschweren die sind im Regelfall als Fluchtweg auszubilden.
Montage wie auch Reparaturen und Änderungen. Mindest- Die horizontale Leitungsführung oberhalb von Geschoss­
abhängehöhe: etwa 30 cm. Für Gebäude mit Klima- bzw. Luft- decken/Bodenplatten in aufgeständerten Fußböden (Doppel-
1.2  •  Trassen- und Leitungsführung
25 1

h
.. Tab. 1.8  Baustoffe, z. B. Holzwerkstoffe, Dämmstoffe oder
Verbundwerkstoffe, werden gem. DIN 4102-1 nach ihrem Brandver-
halten in Klassen eingeteilt. Nicht brennbare Baustoffe der Klasse A 2
enthalten unerhebliche Mengen brennbarer Bestandteile wie z. B.
Gipskartonplatten. Leicht entflammbare Baustoffe (B 3) dürfen nicht
verwendet werden

Baustoffklasse Bauaufsichtliche Benennung

A Nicht brennbare Stoffe

A 1

A 2

B Brennbare Stoffe

B 1 schwer entflammbar

B 2 normal entflammbar

h-h
B 3 leicht entflammbar
h

--
.. Abb. 1.37  Bei konventionellen Flachdecken (kopflosen Pilzdecken)
können wegen der Konzentration der Bewehrung im Stützenbereich neben
Wärmeverteilernetze siehe ▶ Abschn. 4.4,

--
den Stützen nur kleine Deckenaussparungen (bis etwa 25/25 cm) vorgesehen
werden. Profilstahlkränze mit Dübelleisten im schubbeanspruchten Kälteverteilernetze siehe ▶ Abschn. 4.5,
Deckenbereich ermöglichen auch mehrere bzw. größere Aussparungen Luftkanäle siehe ▶ Abschn. 5.5.10,
unmittelbar neben der Stütze
Niederspannungsanlagen siehe ▶ Abschn. 6.1.2.

böden oder Hohlraumestriche) ermöglichen ein hohes Maß zz Brandschutz in Leitungstrassen


an Flexibilität in der Leitungsführung und an Nachrüstmög- Leitungstrassen, die Brandabschnitte überbrücken, müssen
lichkeiten. Dieses Installationsprinzip findet vorzugsweise für nach dem Bauordnungsrecht der Länder, einschließlich et-
Kabel der Stromversorgung und Datenübertragung Verwen- waiger Revisionsöffnungen usw., so beschaffen sein, dass eine
dung in Räumen, in denen mit einem häufigen Wechsel von Übertragung von Feuer oder Rauch ausgeschlossen ist.
Geräten zu rechnen ist. Eine besondere Gefährdung geht von Kunststoffrohren und
Kabelisolierungen aus. Alle Kunststoffe sind brennbar. Bren-
zz Tragwerksystem und Leitungsführung nende Kunststoffe können korrosive und/oder toxische Ver-
Tragwerke mit Unterzügen in Gebäudelängsrichtung erwei- brennungsgase entwickeln. Bei Verbrennung von PVC wird
sen sich als günstig für Installationsführungen. Die relativ beispielsweise Chlorwasserstoffgas freigesetzt, welches unter
geringe Höhe der Unterzüge bei üblichen Stützenabständen Feuchtigkeitseinwirkung (Löschwasser) als Salzsäure erheb-
ermöglicht geringe Abhängehöhen. Vertikale Leitungen sind liche Korrosionsschäden an Einrichtung, Gerät und Bauteilen
verhältnismäßig problemlos an Stützen anzuordnen (vgl. verursachen kann.
. Abb. 1.36). Neben der Brandschutznorm DIN 4102 sollten folgende von
Bei querlaufenden Unterzügen bzw. Binderriegeln sind ent- der ARGEBAU (Arbeitsgemeinschaft für das Bauwesen zu-
sprechend tiefere Deckenabhängungen für längslaufende In- ständiger Minister und Senatoren der Bundesländer) verfassten
stallationen erforderlich. Innen an Außenstützen können
Leitungen nicht befestigt werden, da Unterzüge den Leitungs-
weg versperren. Rippendecken sind nur bei größeren Spann- -
Muster-Richtlinien für das Bauaufsichtsrecht beachtet werden:
MLAR – Muster Richtlinie über brandschutztechnische
Anforderungen an Leitungsanlagen. Fassung Novem-
weiten wirtschaftlich. Installationen sind unterhalb der Rip-
pen anzuordnen. Durchfahrungen der eng nebeneinander
liegenden Rippen sind nicht möglich. - ber 2005.
MSysBöR – Muster-Richtlinie über brandschutztech-
nische Anforderungen an Systemböden – Muster-Sys-
In Flachdecken (aus der Pilzdeckenkonstruktion hervor-
gegangene Deckenkonstruktion ohne sichtbare Unterzüge)
sind im Stützenbereich, wegen der starken Konzentration der
Schubbewehrung, nur kleine Aussparungen möglich. Neu-
- tembödenrichtlinie. Fassung September 2005.
M-LüAR – Muster Richtlinie über die brandschutztech-
nischen Anforderungen an Lüftungsanlagen. Fassung
September 2005.
entwickelte Stahlkranz-Konstruktionen zur Verstärkung der
Bewehrung im Stützenbereich erlauben jedoch eine freizügi- Ab 3 Vollgeschossen müssen Installationsschächte für die ver-
gere Anordnung von Aussparungen. tikale Leitungsführung entsprechend der Anzahl der Gebäu-
Weitere Einzelheiten zur Leitungsführung sind in den jewei- degeschosse feuerwiderstandsfähig I 30 bis I 120 ausgebildet
ligen Kapiteln zu finden: sein (siehe . Tab. 1.9, 1.10 und 1.11).
26 Kapitel 1 • Grundlagen

1 .. Tab. 1.9  Bauteile, z. B. Wände, Decken, Treppen, werden nach


ihrem Brandverhalten, entsprechend der jeweiligen Feuerwiderstands-
.. Tab. 1.10  Feuerwiderstandsklassen installationsrelevanter Bauteile
gemäß DIN 4102-6, 9 und 11
dauer, unter festgelegten Prüfbedingungen als F 30–F 180 klassifiziert.
2 Zu beachten ist, dass nur Bauteile in Feuerwiderstandsklassen
eingestuft werden, keine Baustoffe. Durch den Zusatz A, B oder AB
Gebäude mit 3–5 VG Gebäude mit
erhöhter Brandge-
kann Bauaufsichtlich die Verwendung brennbarer bzw. nicht fahr*

3 brennbarer Baustoffe zugelassen werden. Beispiel: F 90 A = feuer-


Installations- I 30–I 60 I 90–I 120
beständig und aus nicht brennbaren Baustoffen
schächte und

4 Feuerwider- Feuerwiderstands- Bauaufsichtliche


-kanäle
standsklasse dauer Benennung Lüftungskanäle, L 30–L 60 L 90–L 120
in Minuten Lüftungsleitungen
5 Brandschutz- K 30–K 60 K 90–K 120
F 30 ≥ 30 feuerhemmend
klappen in
6 F 60 ≥ 60 feuerhemmend Lüftungsleitungen
F 90 ≥ 90 feuerbeständig Rohrleitungen, R 30–R 60 R 90–R 120

7 F 120 ≥ 120 hochfeuerbeständig Rohrabschottun-


gen
F 180 ≥ 180
Abschottungen S 30–S 60 S 90–S 120
8 von Kabeldurch-
führungen
Befinden sich in einem Installationsschacht nur nicht brenn-
9 feuerhemmend feuerbeständig
bare Leitungen mit nicht brennbaren Dämmungen, genügt es,
die durch die Schachtwände hindurchzuführenden Leitungen * Hochhäuser, Garagen, Brennstofflagerräume u. a. m.
10 voll einzumörteln. Geringe Mengen brennbarer Stoffe wie
zum Beispiel Einlagen von Rohrschellen bleiben dabei außer Abschottungssysteme zurückgegriffen werden. Die Schott-
11 Betracht. Befinden sich innerhalb des Schachtes jedoch massen (Fasersilikat, Knetmassen, Mineralfasern) sind infolge
brennbare Rohrleitungen, Dämmstoffe, Kabelisolierungen ihrer plastischen Konsistenz einfach zu verarbeiten und er-
12 usw., sind gemäß DIN 4102-4. ▶ Abschnitt 8.6 in Höhe jeder lauben es, zu einem späteren Zeitpunkt Auswechselungen
Decke Abschottungen in Form eines mind. 20 cm dicken oder Erweiterungen vorzunehmen, ohne bereits verlegte
13 Mörtelvergusses erforderlich. (Alle Kunststoffrohre und Ka- Leitungen (bei Stemmarbeiten) zu beschädigen. Für Kern-
belisolierungen sind brennbar). Die den Mörtelverguss der bohrungen und kleinere Öffnungen (bis 500 cm²) bietet der
Abschottung durchdringenden Leerrohre müssen bei einem Markt besonders einfach zu handhabende dämmschichtbil-
14 max. Durchmesser von 12 cm mindestens 20 cm lang sein. Sie dende Kitte und Schaumstoffe an.
müssen nach dem Einziehen von Leitungen, oder falls sie Die horizontale Verteilung der Leitungen erfolgt im Regelfall
15 nicht benutzt werden, mit Baustoffen der Klasse A (nicht unterhalb der Decke zwischen Deckenabhängung und Roh-
brennbar) ausgestopft werden. Die Herstellung einer solchen decke. Der Deckenhohlraum über Fluren wird in besonderem
16 Abschottung bereitet in der Praxis schalungstechnisch oft Maße für Installationsführungen herangezogen und die Ab-
erhebliche Schwierigkeiten. Auch ist damit die Möglichkeit, hängung dann entsprechend tiefer angeordnet. Hierbei wer-
17 weitere Kabel oder Leitungen zu verlegen, eingeschränkt. den Fragen der Brandsicherheit berührt, die planerisch von
Horizontale Abschottungen in Höhe jeder Decke können Architekt und Fachingenieur besonders zu beachten sind.
18 entfallen, wenn alle brennbaren Leitungen am Eintritt in den Allgemein zugängliche Flure und Treppen gelten als Ret-
Schacht durch Abschottungen gesichert werden, deren brand- tungswege. Die Wände notwendiger Flure sind gem. Muster-
schutztechnische Eignung durch eine bauaufsichtliche Zu- BauO mindestens feuerhemmend auszubilden. Für Hoch-
19 lassung nachgewiesen wurde. häuser, Versammlungsstätten, Verkaufsstätten u. ä. Bauten
Sofern elektrische Leitungen einzeln (nicht gebündelt) durch besonderer Nutzung werden feuerbeständige Flurwände ge-
20 brandabschnittsbegrenzende Wände und Decken (Installati- fordert, die bis zur Rohdecke zu führen sind.
onsschachtwände) geführt werden, reicht es aus, wenn die Die Unterdecken müssen den „Richtlinien über brandschutz-
21 Öffnung mit mineralischem Mörtel verschlossen wird (vgl. technische Anforderungen an Leitungsanlagen“ (M-LüAR)
Verwaltungsvorschrift zur BauO NW, angeführt in DIN 4102- der ARGEBAU entsprechen. Allgemein zugängliche Flure
22 9). Voraussetzung ist, dass die Leitungen nebeneinander mit sind als Rettungswege von hohen Brandlasten3 freizuhalten.
ausreichendem Abstand verlegt sind und der verbleibende Hierunter ist Verbrennungsenergie zu verstehen, die flächen-
23 Öffnungsquerschnitt so groß ist, dass er auf Wand- bzw. De-
ckentiefe sicher verschlossen werden kann.
3 Angaben über die Verbrennungswärme elektrischer Leitungen enthalten:
Bei Durchfahrungen von Wänden und Decken mit gebündel- – die Richtlinie über brandschutztechnische Anforderungen an Leitungs-
ten Leitungen/Kabeln kann auf bauaufsichtlich zugelassene anlagen, M-LüAR.
1.2  •  Trassen- und Leitungsführung
27 1

.. Tab. 1.11  In allen Bundesländern einheitlich vorgeschriebene


Gegebenenfalls können diese Kabel auch mit Beschichtungen
Widerstandsklassen für Installationsschächte und Installationskanäle versehen werden, die diese Kabel schwer entflammbar ma-
einschließlich ihrer Revisionsöffnungen chen, d. h. selbstverlöschend nach wenigen Sekunden (kein
In Gebäuden Widerstandsklasse*
Weiterbrennen ohne direkte Feuereinwirkung). HCI-Dämpfe
aus verbrennenden PVC-Isolierungen werden weitgehend
ab 3 Vollgeschossen I 30 neutralisiert. Bei höheren Brandlasten muss die Decken-
ab 6 Vollgeschossen I 60 abhängung in notwendigen Fluren (Rettungswegen) eine
ab Hochhausgrenze I 90 Feuerwiderstandsdauer von mindestens 30 Minuten (F 30)
Bei besonderer Art der I 120
aufweisen, bei Gebäuden erhöhter Brandgefahr bis zu F 120
Nutzung der Gebäude und zwar sowohl von unten als auch von oben (landesrecht-
liche Varianten). Die Anforderungen an die Ausbildung der
* Die Zahlen hinter dem Klassifizierungsbuchstaben I geben jeweils
(analog den Feuerwiderstandsklassen anderer Bauteile) die
Deckenabhängung können reduziert werden, wenn der De-
Zeitdauer an, während der die Bauteile bei einem Brandversuch die ckenhohlraum gesprinklert wird. Zu beachten ist, dass De-
gestellten Anforderungen erfüllen. ckenabhängungen unterbrechende Einbauten, wie Lüftungs-
öffnungen oder ungeeignete Einbauleuchten, die
brandschutztechnische Wirkung einer Decke aufheben kön-
bezogen in Kilowattstunden ausgedrückt wird: kWh/m². Die nen. Gasleitungen sollten nicht oberhalb abgehängter Decken
Isolierung von einem Meter Kabel NYM 4 × 2,5 mm² setzt von allgemein zugänglichen Fluren/Rettungswegen angeord-
z. B. bei Verbrennung bereits 1 kWh frei. Die Verbrennungs- net werden, da die gem. TRGI erforderlichen Öffnungen in
wärme von Abwasserrohren aus Kunststoff einer Nennweite der Abhängung (zur Belüftung des Hohlraumes) der Forde-

--
von 100 mm liegt bei 6,4–17,8 kWh/m:
PVCC nach DIN 19 538-10 = 6,4 kWh/m,
rung nach einer rauchdichten Ausbildung der Abhängung
entgegenstehen. Werden Lüftungsleitungen (Luftkanäle)

-- PVC-U (V) nach DIN 19 531-10 = 7,75 kWh/m,


PP nach DIN 19 560-10 = 11,8 kWh/m,
PE-HD nach DIN 19 535-10 = 14,6–17,8 kWh/m.
oberhalb abgehängter Decken allgemein zugänglicher Flure
angeordnet, kommen alternativ mehrere brandschutztech-
nische Maßnahmen in Betracht, dargestellt in . Abb. 5.96 und
5.97. Sofern elektrische Leitungen nicht oberhalb von De-
Im Bereich von Rettungswegen (notwendige Flure, Treppen- ckenabhängungen angeordnet werden (Kunststoffrohre soll-
räume) sollten daher grundsätzlich nur Rohrleitungen aus ten grundsätzlich ausgeschlossen sein), müssen sie, wenn sie
nichtbrennbaren Materialien verwendet werden. durch allgemein zugängliche Flure geführt werden sollen,
Als unbedenklich gilt gem. M-LüAR eine Brandlast bis zu
7 kWh/m² im Deckenhohlraum eines Rettungsweges, resul-
--
gem. MLAR wie folgt verlegt werden:
in Doppelböden oder Hohlraumestrichen,
tierend aus brennbaren Stoffen wie Holz, Kabel mit halogen-
haltigen Isolierungen oder Kunststoffrohren, sofern die Un-
terdecke aus nicht brennbaren Baustoffen mit geschlossener - in Installationskanälen F 30–F 90,
in Wandschlitzen, abgedeckt mit mind. 15 mm dickem
mineralischen Putz auf nicht brennbarem Putzträger
Oberfläche besteht, z. B. aus Stahlblech. Der Grenzwert ver-
doppelt sich auf 14 kWh/m², wenn die Brandlast ausschließ-
lich aus halogenfreien elektrischen Leitungen/Kabeln besteht.
Die Verbrennungswärme von halogenhaltigen und halogen-
- oder mit gleichwertiger Abdeckung,
einzeln voll eingeputzt.

Rohrleitungen, die (einschl. eventueller Dämmstoffe) aus


freien Isolierstoffen ist zwar nahezu gleich, halogenfreie Stoffe nicht brennbaren Baustoffen bestehen, dürfen auch offen ver-

-
haben jedoch brandtechnisch einige Vorzüge:
Sie sind selbstverlöschend, während PVC- und VPE-Iso-
lierungen auch nach Fortfall einer Zündquelle von sich
legt werden. Dabei bleiben brennbare Dichtungs- und Ver-
bindungsmittel unberücksichtigt, ebenso wie brennbare
Rohrbeschichtungen bis zu 0,5 mm Dicke.

- aus weiterbrennen.
Sie brennen (bei Wärmezufuhr) raucharm, was eine
Brandbekämpfung wie auch Rettungsmaßnahmen
erleichtern und im Übrigen zu einer geringeren Raum-
Doppelböden und Hohlraumestriche (. Abb. 6.57, 6.58 und
6.59) in Rettungswegen entsprechen der bauaufsichtlichen
Grundforderung (MbauO §  17) nach ausreichenden Vor-
kehrungen gegen Übertragung von Feuer und Rauch, sofern

- verschmutzung führt.
Giftige korrosive Halogenverbindungen entstehen bei
die MLAR berücksichtigt wird: Diese Musterrichtlinie über
brandschutztechnische Anforderungen an Doppelböden und
einem Brand nicht.

Die meisten elektrischen Leitungen/Kabel sind allerdings mit


den preisgünstigeren halogenhaltigen Isolierstoffen versehen,
-
Hohlraumestriche nennt folgende Bedingungen:
Hohlraumestriche dürfen bis zu 20 cm hohe Hohlräume
haben (was den üblichen Abmessungen entspricht).
Trennwände mit Anforderungen an raumabschließende
z. B. NYM und NYY. Feuerwiderstandsfähigkeit (Wände allgemein zugäng-
28 Kapitel 1 • Grundlagen

licher Flure, Trennwände zu anderen Nutzungsein- sinngemäß verfahren werden. Gemeinsam auf einer Raum-

-
1 heiten) sind von der Rohdecke aus hochzuführen. seite liegen:
(Unter bestimmten Bedingungen können sie auch auf Wasserleitung mit Zähler, erforderlichenfalls mit
2
3 - den Hohlraumestrich aufgesetzt werden).
Für Doppelböden (Bodenplatten auf Ständern) einer
lichten Hohlraumhöhe bis 20 cm gelten die vorgenann- - Wasserbehandlungsanlage, Druckerhöhungsanlage.
Gasleitung mit Hauptabsperrvorrichtung und Zähler,
zweckmäßigerweise nicht unterhalb der Wasserleitung

4
ten Anforderungen sinngemäß. Bei größeren lichten
Hohlraumhöhen muss in allgemein zugänglichen Fluren
die Konstruktion von unten F 30 entsprechen und die
Platten in wesentlichen Teilen aus nicht brennbaren
- (abtropfendes Kondenswasser).
Fernwärmeleitung mit Übergabestation, einschließlich
der erforderlichen Pumpen, Wärmetauscher, Regel-
anlagen.
5 Baustoffen (F 30-AB) bestehen. Raumabschließende

6
Flurwände sind bei Doppelböden stets auf die Rohdecke
aufzusetzen.
-
Auf der gegenüberliegenden Raumseite befinden sich:
Starkstromkabel mit Haus-Anschlusskasten (sofern
nicht ein Freileitungs-Anschluss über Dachständer
7 Für Rettungswege, an denen insgesamt nicht mehr als
10  Wohnungen oder andere Nutzungseinheiten von max.
- vorgenommen wird). Dazu ggf. Zähler und Steuergeräte.
Fernmeldekabel mit APL (Anschlusspunkt des Leitungs-
8
9
100 m² liegen, gelten gem. „Richtlinien über brandschutztech-
nische Anforderungen an Leitungsanlagen“ (MLAR) Erleich-
terungen, die hier nicht angeführt werden.
Elektrische Leitungen von Sicherheitseinrichtungen dürfen
- netzes, früher „Endverzweiger“).
BK-Kabel (Breitband-Kommunikationsnetz/Kabelfern-
sehen) mit Übergabepunkt, ggf. mit Verstärker. Eine
gemeinsame Einführung mit dem Fernmeldekabel ist

10
11
im Brandfalle nicht vorzeitig ausfallen. Hierunter fallen:
Brandmeldeanlagen, Anlagen zur Alarmierung von Personen,
Sicherheitsbeleuchtung, Personenaufzüge mit Evakuierungs-
schaltung, Feuerwehraufzüge, Wasserdruckerhöhungsanlagen
- möglich.
Anschlussfahne für den Fundamenterder zum Anschluss
an die Potentialausgleichsschiene, die mit allen metalli-
schen Rohren und Leitungen verbunden ist.
zur Löschwasserversorgung, Anlagen zur Abführung von
12 Rauch und Wärme, Brandschutzklappen. Die dorthin führen- Im Fußboden des Hausanschlussraumes sind ggf. Revisions-
den Leitungen sind vor Brandeinwirkung besonders geschützt schächte der Entwässerungsgrundleitungen vorzusehen. Ab-
13 zu verlegen, z. B. in Kanälen aus hochfeuerbeständigen Plat- wasserhebeanlagen, soweit erforderlich, können ebenfalls in
ten oder auch auf der Rohdecke unterhalb eines ausreichend diesem Bereich untergebracht werden.
dicken mineralischen Estrichs. Ist das Gebäude nicht unterkellert, sollte im Erdgeschoss für
14 Hausanschlüsse ein entsprechender Raum/Platz vorgesehen
werden. Einzelheiten sind mit den zuständigen Institutionen

--
15 1.3 Technische Zentralen in Gebäuden abzustimmen:
dem Wasserwerk,

--
16 Für Gebäude sind unterschiedliche Räume und Technische dem Kanalbauamt (Tiefbauamt),
Zentralen erforderlich. Bei kleineren Gebäuden werden häu- dem Gasversorgungsunternehmen,
17 fig lediglich ein Hausanschlussraum und ein Platz für einen dem Fernwärmeversorgungsunternehmen bzw. der

18
Wärmeerzeuger erforderlich, bei größeren Gebäuden werden
teilweise erhebliche Flächen für Technische Zentralen und
Schächte notwendig.
Für mehrgeschossige Wohngebäude, Geschäfts-, Büro- und
--jeweils entsprechenden Abteilung der Stadtwerke,
dem Elektroversorgungsunternehmen,
der Telekom AG oder anderen Netzbetreibern.
19 vergleichbare Gebäude empfiehlt es sich, gem. DIN 18 012 Hausanschlussräume (. Abb. 1.38) sollten an der Außenwand
„Hausanschlussräume“, alle Ent- und Versorgungsleitungen liegen, durch die die Anschlussleitungen und -kabel eingeführt
20 in einen zur Straße hin orientierten, an einer Außenwand werden. Art, Durchmesser und Lage der in der Außenwand
gelegenen Kellerraum einzuleiten, um dort alle wichtigen vorzusehenden Mantelrohre für die Leitungseinführungen sind
21 Kontroll-, Zähler- und Absperrarmaturen zu konzentrieren. mit dem jeweiligen Versorgungsunternehmen abzusprechen.
Bei größeren Bauvorhaben wird elektroseitig evtl. ein separa- Die Einführung von Versorgungsleitungen in Kellerräume
22 ter Raum erforderlich. Eine Schwelle im Zugang zum Elektro-
Anschlussraum empfiehlt sich dann, um Überflutungen der
--
sollte in etwa folgender Tiefe unter Geländeoberfläche erfolgen:
Starkstrom 0,60–0,80 m,
23 Elektroeinrichtungen bei Leckagen oder Rohrbrüchen zu ver-
hindern bzw. einzuschränken.
-- Telefon, Kabelfernsehen 0,50–0,60 m,
Gas 0,50–1,00 m,
In Ein- und Zweifamilienhäusern steht für Hausanschlüsse
i. A. kein gesonderter Raum zur Verfügung; es sollte jedoch
- Wasser 1,20–1,50 m,
Fernwärme 0,60–1,00 m.
1.3  •  Technische Zentralen in Gebäuden
29 1

Mindestabstand zwischen Leitungsteilen der einzelnen Ver- 1,80


sorgungsstränge: 30 cm als Sicherheitsabstand und als Raum
für Reparaturen. Zwischen Einführungen von Fernmeldelei-
1,80
tungen und anderen Versorgungsleitungen sieht die FTZ 731

2,00
TR1 mind. 50 cm vor. Freie Durchgangshöhe unter Leitungen:
mindestens 1,80  m. Vorgegebene Raumgröße gem. 0
DIN 18 012: ab 1,80/2,00 m. Vor Anschluss- und Betriebsein- 2,0
richtungen sind Bewegungsflächen von ≥ 1,20 m Tiefe vorzu-

2,00
sehen. 0
Hausanschlussräume dürfen nicht als Durchgang zu weiteren 3,5
Räumen dienen. Türgröße: mindestens 0,65/1,95 m. Eine
Lüftungsmöglichkeit ins Freie ist vorzusehen. Bei Fernwärme- .. Abb. 1.38  Größe von Hausanschlussräumen; Anhaltswerte gem.
anschluss muss die Lüftung ständig wirksam sein. Die Raum- DIN 18 012. Bei einer größeren Anzahl von Wohneinheiten oder höheren
Anschlusswerten sind die Raumabmessungen mit den betreffenden
temperatur darf 0 °C nicht unter- und 30 °C nicht überschrei-
Versorgungsunternehmen abzustimmen
ten (Trinkwassertemperatur max. 25 °C). Falls dies nicht
sichergestellt werden kann, ist für die Übergabestation ein
eigener Raum einzurichten. Hilfe der VDI 2050-1 eine Abschätzung erfolgen. Die Richt-
Die Forderung der DIN 18 012 nach einer ständig wirksamen
Entwässerungsmöglichkeit (z. B. Bodenablauf) lässt bei un-
günstigen Vorflutverhältnissen eine Hebeanlage erforderlich --
linie gibt Hinweise für:
Ermittlung des Flächenbedarfes der Technikzentralen.
Strukturelle Anordnung der Technikzentralen im

-
werden. Die DIN 18 012 sieht für Wohngebäude vor:
Nichtunterkellerte Einfamilienhäuser können Haus-
Gebäude.

anschlussnischen erhalten, die alle o. a. Anschlussein-


richtungen aufnehmen. Nischenrichtmaße: 0,875/2,00 m
bei 0,30 m Nischentiefe (detaillierte Beschreibung). -
Es kommen folgende Zentralen in Betracht:
Sanitärtechnik meist nur die Wassereinspeisung,
Filterung und Verbrauchserfassung; Für Küchen,

- Entfernung zur Außenwand: max. 3 m.


Gebäude mit bis zu 4 Wohneinheiten können eine
Hausanschlusswand erhalten (mind. 6 cm dick, nicht
-
Pflegeheime und Krankenhäuser außerdem Abwasser-
und Wasseraufbereitung sowie Trinkwassererwärmung,
Feuerlöschtechnik (Sprinklerung mit Wasserbevor-
brennbar), die in Verbindung mit der Außenwand steht,
durch die die Anschlussleitungen geführt werden.
-- ratung, Ventilstationen und Pumpen),
Wärmeerzeugung (Aufstellung, Brennstoffbevorratung),

- Raumhöhe mind. 2,00 m.


Ein Hausanschlussraum, der sich an der Außenwand mit
den Durchführungen der Anschlussleitungen befindet,
wird ab 5 Wohneinheiten erforderlich. Die Anordnung
--
Kälteerzeugung (Kältemaschinen, Kühldecken, Verteiler),
Raumlufttechnische Zentralen,
Elektrotechnik, bei Anschlussleistungen > 280 kVA;
Technikflächen für Trafos, Mittel- und Niederspan-
aller Anschluss- und Betriebseinheiten an einer Wand nungshauptverteilung; ≤ 280 kVA Technikflächen nur
(Strom und Telekommunikation neben Gas/Wasser/
Fernwärme) ist unter bestimmten Bedingungen mög-
-für Niederspannungshauptverteilung,
MSR und Gebäudeautomation bei den jeweiligen
lich. Die Raumgröße ist den erforderlichen Betriebsein-
richtungen entsprechend vorzusehen bei folgenden
--
Technikflächen berücksichtigt,
Elektro- und Datenverteilerräume auf den Ebenen,

--
Mindestabmessungen: Maschinenräume für Aufzüge.
Raumtiefe und -höhe: jeweils ≥ 2,00 m.
Raumbreite: ≥ 1,50 m bei Belegung von nur einer Die Anordnung von Zentralen (. Abb. 1.39) erfolgt möglichst

-
Wand. nach dem Lastschwerpunkt. Dies bedeutet beispielsweise,
≥ 1,80 m bei Belegung gegenüberliegender Wände. dass eine Lüftungszentrale in der Nähe der Verbraucher un-
terzubringen ist, um unnötige Transportwege und hohen
In Nichtwohngebäuden können individuelle, mit den Ver- Energieverbrauch für Ventilatoren zu vermeiden. Auch bei
sorgungsunternehmen abgestimmte Ausführungen vorgese- wasserführenden Anlagen gilt immer, die Transportwege
hen werden. möglichst kurz zu halten.
Für den Planungsprozess großer Gebäude (Nichtwohn- Für eine erste Abschätzung der gesamten Technikflächen für
gebäude) ist es wichtig, möglichst frühzeitig den notwendigen ein Gebäude sind in der VDI 2050-1 unterschiedliche Nut-
Flächenbedarf für die Technikzentralen festzulegen. Da im zungstypen angegeben: Verwaltungsgebäude, Einzelhandel
Stadium der Vorplanung detaillierte technische Berechnun- und Küchen. Für die typischen Ausstattungen (ohne Raum-
gen und Aufstellungsplanungen nicht vorliegen, kann mit lufttechnik, mit Raumlufttechnik und häufig angesetzten spe-
30 Kapitel 1 • Grundlagen

Aufzug
1 RLT HZ KT ELT RKW

2
Schornstein Schacht Aufzug Daten UV
3
4 RLT KT

5
ELT
UV
6 Daten Schacht

7 Sprinkler Aufzug Daten


RLT HZ KT RKW SAN TEL ELT
8
9 .. Abb. 1.39  Anordnung von Technikzentralen in Gebäuden (VDI 2050-1). Die Standardvarianten sind grau hinterlegt. SAN – Sanitärtechnik einschließlich
Hausanschlussraum, HZ – Heizungstechnische Anlagen, RLT – Raumlufttechnische Anlagen, KT – Kältetechnik, RKW – Rückkühlwerk, ELT – Trafo, Niederspan-
10 nungshauptverteilung, Netzersatzanlage, Daten: MSR, Gebäudeautomation, Brandmeldeanlage, Einbruchmeldeanlage, Fernmelde- und IT-Technik, TEL – Tele-
fon

11
Technikfläche in m²
Technikfläche in m²

250 1000

12 200
HSE ohne RLT 800

TBA | KD HLSKE RLT-Zentrale


13 150 600
V = 6 m³/(h*m²)

14 100 400

15 50 200

3 9 15 21 27 33 39 45 51 3 9 15 21 27 33 39 45 51
16 Bruttogrundfläche in 1000 m² Bruttogrundfläche in 1000 m²
.. Abb. 1.40  Gesamte Technikfläche für Verwaltungsgebäude ohne .. Abb. 1.41  Gesamte Technikflächen für Verwaltungsgebäude mit
17 Raumlufttechnische Anlage nach VDI 2050-1; TBA: Thermische Bauteilakti-
vierung; KD: Kühldecke; HSE: Heizung, Sanitär, Elektro; RLT: Raumlufttechnik
RLT-Anlagen = 6 m³/h * m² nach VDI 2050-1

18
Technikfläche in m²

zifischen Luftmengen) findet man die Summe der notwendi-


gen Flächen (siehe . Abb. 1.40, 1.41 und 1.42). Für eine 400
19 detaillierte Ermittlung stehen für die verschiedenen Zentralen

20
--
eigene Diagramme zur Verfügung; siehe VDI 2050-1:
Sanitär- und Löschzentralen,
300 HLSKE RLT-Zentrale

--
V = 12 m³/(h*m²)
Wärmeerzeugerzentralen,
21 Raumlufttechnikzentralen, 200

22 -- Kältezentralen,
Elektrozentralen,
Fernmelde- und Informationstechnik/Brandmeldeanla-
100

23
--gen,
Gebäudeautomation,
Aufzüge.
1 2 3 4 5

.. Abb. 1.42  Gesamte Technikflächen für Einzelhandel mit RLT-Anla-


gen = 12 m³/(h ∙ m²) nach VDI 2050-1
6 7 8 9
Bruttogrundfläche in 1000 m²
31 2

Sanitärräume
2.1 Wirtschafts- und Sanitärräume in Wohnungen  –  32
2.1.1 Küchen – 32
2.1.2 Hausarbeitsräume – 42
2.1.3 Bad- und WC-Räume – 45

2.2 Öffentliche und gewerbliche Sanitäranlagen  –  62


2.2.1 Sanitärräume in Arbeitsstätten und Arbeitsplätzen  –  64
2.2.2 Sanitärräume in Versammlungsstätten – 67
2.2.3 Sanitärräume in Schulen und Kindergärten  –  69
2.2.4 Barrierefreie Sanitärräume in öffentlich zugänglichen Gebäuden  –  70

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019
D. Bohne, Technischer Ausbau von Gebäuden, https://doi.org/10.1007/978-3-658-21437-1_2
32 Kapitel 2 • Sanitärräume

2.1 Wirtschafts- und Sanitärräume Räume übereinander zu platzieren. Zweckmäßig ist die An-
1 in Wohnungen ordnung der Küche an einer gemeinsamen Wand mit dem
Bad und falls vorhanden dem Hausarbeitsraum, um den In-
2 Sanitärräume in Wohngebäuden dienen der Hygiene und stallationsaufwand und die Verteilverluste bei der Warm-
Körperpflege, aber auch der Nahrungszubereitung und Aus- wasserversorgung zu minimieren.
3 führung von Hausarbeiten. In diesen Räumen sind die Sani- Ist der Essplatz nicht in die Küche integriert, sollte er jedoch
täreinrichtungen sowie die Ver- und Entsorgungsinstallatio- möglichst an den Kochbereich angrenzen um lange Wege zu
4 nen für Gas, Wasser und Abwasser untergebracht. vermeiden. Außerdem ist die räumliche Nähe der Küche zum
Für Sanitärräume in Wohngebäuden gelten mit den Stellflä- Eingangsbereich und zum Vorratsraum der Wohnung von
chen für die Sanitäreinrichtung und den für die Benutzung Vorteil, damit auf direktem Weg die Einkäufe verstaut werden
5 benötigten Bewegungsflächen sowie Abständen bestimmte können.
Anforderungen an den Flächenbedarf. Zu berücksichtigen Die optimale Ausrichtung der Küche nach der Himmelsrich-
6 sind Planungsgrundlagen der Normung und Bestimmungen tung, und damit die natürliche Belichtung des Raumes, hän-
in den Bauordnungen. Wichtige Planungsgrundsätze ent- gen von den individuellen Nutzungszeiten und Nutzungs-
7 halten DIN 18 040-2 „Barrierefreies Bauen – Planungsgrund- gewohnheiten der Bewohner ab. Eine Anbindung der Küche
lagen – Teil 2: Wohnungen“, VDI 6000-1 „Ausstattung von an den Garten, Terrasse oder Balkon wird i. d. R. gewünscht.
8 und mit Sanitärräumen – Wohnungen“ sowie die ersatzlos
zurückgezogene DIN 18 022 „Küchen, Bäder und WCs im zz Bauliche Ausbildung von Küchen
Wohnungsbau, Planungsgrundlagen“. Die Größe der Küche bemisst sich an den räumlichen Gege-
9
benheiten, der Anzahl der Nutzer und den individuellen
Nutzungsanforderungen. Eine Grundfläche von 6 m² bzw.
10 2.1.1 Küchen eine Lauflänge von 3,3 m sollten jedoch nicht unterschritten
werden. Ist ein Essplatz in der Küche vorgesehen, muss die
11 Die uns heute noch vertraute monofunktionale Arbeitsküche Grundfläche entsprechend größer bemessen werden. Die
hat ihre Wurzeln in der 1926 von der Wiener Architektin Breite eines Küchentisches beträgt i. d. R. 80 cm, die Breite
12 Schütte-Lihotzky entworfenen „Frankfurter Küche“, die da- eines Sitzplatzes 60 cm bei einer Tiefe von mindestens 80 cm.
mals unter ergonomischen Gesichtspunkten entwickelt wurde
13 und dazu diente, die Arbeitsabläufe in der Küche zu rationa- Küchen zählen gemäß der Musterbauordnung (MBO) zu
lisieren. Küchen im Mietwohnungsbau entsprechen i. d. R. den Aufenthaltsräumen. Sie müssen im Allgemeinen über
noch heute den Grundzügen dieser Konzeption, als ein vom eine lichte Raumhöhe von mindestens 2,40 m verfügen und
14 Wohnraum abgetrennter Arbeitsbereich, mit oder ohne Ess- durch ins Freie führende Fenster (Rohbaumaß der Fenster-
platz, in dem die Einrichtungselemente unter funktionalen öffnung: mind. 1/8 der Nettogrundfläche des Raumes) aus-
15 Aspekten auf möglichst kleiner Fläche einzeilig, zweizeilig, reichend belichtet und belüftet werden. Baurechtlich sind
U-förmig, L-förmig oder G-förmig angeordnet werden auch fensterlose Küchen zulässig, sofern eine wirksame
16 (. Abb. 2.1). Lüftung sichergestellt ist. Dies findet jedoch kaum Akzep-
Seit einigen Jahren hat sich die Vorstellung vom Leben und tanz bei den Nutzern und sollte auf absolute Ausnahmefälle
17 Arbeiten in den eigenen vier Wänden jedoch drastisch gewan- beschränkt werden.
delt. Kochen hat zunehmend den Stellenwert eines geselligen, Verläuft die Arbeitsplatte vor dem Küchenfenster muss die
18 entspannenden und kreativen Hobbys. Die Küche ist oftmals Brüstungshöhe, bedingt durch die Aufbauhöhe der Unter-
der meist genutzte Raum einer Wohnung. Dies hat Auswir- schränke und Arbeitsplatte, u. U. abweichend von den übrigen
kungen auf die Ausstattung und Gestaltung der Küche, die Fenstern der Wohnung, angepasst werden. Abgestelltes Ge-
19 sich als multifunktioneller Aufenthaltsraum etabliert, der schirr und Geräte, ggf. auch Zapfarmaturen erfordern darü-
oftmals räumlich mit dem Ess- und Wohnbereich verbunden ber hinaus bestimmte Fensterformen und -konstruktionen
20 ist. Besonders bei individuell geplanten Eigenheimen rückt (. Abb. 2.2).
die „offene Küche“ häufig ins Zentrum der Grundrisse und ist Küchentüren sollten eine lichte Durchgangsbreite von mind.
21 Ausdruck des persönlichen Lebensstils. 80 cm bei einer Durchgangshöhe von 210 cm aufweisen. Bei
Anforderungen an eine rollstuhlgerechte Nutzung muss die
22 zz Anordnung im Grundriss lichte Breite ≥ 90 cm betragen. Ein Abstand der Küchenmöbel
Innerhalb einer Wohneinheit sollten die Sanitärräume nach zur Türzarge von mind. 10 cm sollte eingehalten werden.
23 Möglichkeit so angeordnet werden, dass die Erschließung Küchenwände und -decken erhalten üblicherweise einen
über gemeinsame Ver- und Entsorgungsleitungen (Trink- wasserdampfabsorbierenden Putz. Alle mineralischen Putz-
wasser, Warmwasser, Entwässerung, ggf. Lüftung) erfolgen arten sind dabei gleichermaßen geeignet. Dichte, feuchtig-
kann. Bei mehrgeschossigen Gebäuden ist es sinnvoll, diese keitssperrende Anstriche sind nicht zu empfehlen. Die Ni-
2.1  •  Wirtschafts- und Sanitärräume in Wohnungen
33 2

Einzeilige Küche Zweizeilige Küche

≥ 120
≥ 120
A B C

.. Abb. 2.2  Varianten von Küchenfenstern: A Dreh-Kipp-Flügel, B Dreh-Kipp-


Flügel mit feststehendem Element, C Schwingflügel

G-Küche L-Küche

U-Küche Küche mit Koch-/Spülinsel

.. Abb. 2.1  Standardstrukturen von Küchen. Das Grundelement ist die


Herd-Spülen-Kombination, die i. d. R. eine Raumseite einnimmt
.. Abb. 2.3  Die Nischenverkleidung sollte so angebracht werden, dass die
Oberschränke den oberen Rand der Bekleidung ca. 5 cm überdecken und
sche zwischen den Ober- und Unterschränken, im Bereich 5 cm hinter einem anschließenden Hochschrank aufhört
von ca. 0,8 m bis 1,7 m über OKFF (abhängig von der Möb-
lierung), werden die Wandflächen üblicherweise mit kera- Küchenzeilen, auch als Küchenblöcke bezeichnet, sind vor-
mischen Fliesen, aber auch mit bedruckten Sicherheitsglä- gefertigte Zusammenstellungen von Möbeln und Geräten zur
sern oder dekorgleichen Werkstoffen wie die Arbeitsplatte Ausstattung einer Küchenwand. Diese Systeme bestehen
versehen. Dies schützt die Wand vor mechanischer Be- i. d. R. aus Unter- und Oberschränken, einer Arbeitsplatte mit
anspruchung und Spritzwasser und lässt sich leicht reinigen. Einbauspüle und abhängig vom Ausstattungsgrad, den er-
Die Nischenbekleidung sollte so angebracht werden, dass die forderlichen elektrischen Haushaltsgeräten. Die Abmessun-
Oberschränke den oberen Rand der Bekleidung ca. 5 cm gen variieren üblicherweise im Bereich von 1,5 bis 3,1 m
überdecken und 5 cm hinter einem anschließenden Hoch- Lauflänge.
schrank aufhören. Eine eventuell höher gehängte Dunst- Modulküchen bestehen aus einzelnen Elementen, die nicht
abzugshaube muss bei der Planung berücksichtigt werden durch eine Arbeitsplatte verbunden sind. Sie weisen ein hohes
(. Abb. 2.3). Der Übergang von den Wänden zu den Arbeits- Maß an Flexibilität auf, da sie im Baukastenprinzip nach in-
flächen muss sorgfältig abgedichtet werden. dividuellem Bedarf zusammengestellt und auch nachträglich
Für den Fußboden sollte eine robuste, wasserbeständige erweitert werden können.
Oberfläche gewählt werden, die leicht zu reinigen, rutschfest Einbauküchen sind individuell geplante, auf vorgegebene
und säurebeständig ist (Bodenfliesen, Linoleum o. ä.). Die Raumabmessungen abgestimmte Kombinationen von Kü-
Verlegung sollte von Wand zu Wand erfolgen und nicht nur chenmöbeln und -geräten. Neben dem Design der Fronten
bis zum Küchensockel. Die Fugen von Bodenbelägen sind aus der Ober-, Unter- und Hochschränke prägt die Arbeitsplatte
hygienischen Gründen zu versiegeln. das optische Erscheinungsbild der Küche. Gebräuchliche
Werkstoffe sind z. B. Holz, Holzwerkstoffe, Glas, Edelstahl,
zz Küchenformen und Arbeitsbereiche Naturstein, Beton und Mineralwerkstoffe. Geräte (Herd, Ge-
Im Handel erhältliche Küchenkombinationen werden von den schirrspüler, Kühl- und Gefriergeräte) können i. d. R. un-
Herstellern als Küchenzeilen, Modul- oder als Einbauküchen abhängig vom jeweiligen Küchenmöbelprogramm frei ge-
angeboten. wählt werden und sind nicht an bestimmte Marken gebunden.
34 Kapitel 2 • Sanitärräume

1 *** B D D D
A C E C E C E
2

A
3 B A B A
*** ***

4 Einzeilige Küche Zweizeilige Küche U-Küche

5
6 D D A ***
C C E C

B
7
B

***
***

E E
8 D
A
A

9
Küche mit Kochinsel L-Küche G-Küche mit Essplatz
10
.. Abb. 2.4  Beispiel für die Einteilung verschiedener Küchenformen in die Arbeitsbereiche: A Bevorraten, B Aufbewahren, C Spülen/Reinigen, D Vorbereiten,
E Kochen/Backen
11
Als Unterbau- bzw. Einbaumodelle sind sie dekorfähig, d. h. lerweise die Zone Spülen/Reinigen mit einem Spülzentrum
12 sie werden mit dem Küchenmodell entsprechenden Fronten (Kombination aus Spüle mit Abtropffläche und einer Ge-
versehen. schirrspülmaschine plus Unterschrank) angeschlossen. Die
13 Eine Küche kann unabhängig von Größe und Form in fünf Spüle kann als Ein-, Eineinhalb- oder Zweibeckenspüle ein-
Arbeitsbereiche unterteilt werden: Bevorraten, Aufbewahren, gerichtet werden. Im Spülenunterschrank empfiehlt es sich
Spülen/Reinigen, Vorbereiten und Kochen/Backen. Die meis- ein Mehrfach-Abfalltrennsystem und Stauraum für Rei-
14 ten Arbeitsabläufe spielen sich dabei zwischen dem Kochfeld, nigungsmittel, Geschirrtücher, Bürsten und Schwämme
der Spüle und dem Kühlschrank, dem sogenannten Arbeits- vorzusehen.
15 dreieck, ab. Bei systematischer Anordnung dieser unter- Die Arbeitsfläche zwischen Spüle und Herd und die Zone
schiedlichen Funktionsbereiche und guter Raumnutzung Vorbereitung, ist der zentrale Punkt der Küche. Der Arbeits-
16 können tägliche Arbeitsabläufe so optimiert werden, so dass bereich sollte mit einer Arbeitsplatte von mindestens 90 cm
Zeitaufwand und Laufwege verringert werden (. Abb. 2.4). Breite (besser 1,20 m) ausgestattet sein. In Ober- und Unter-
17 Für Rechtshänder empfiehlt sich die Anordnung der Arbeits- schränken sollten die für die Zubereitung erforderlichen
bereiche Bevorraten, Aufbewahren, Spülen, Vorbereiten und Utensilien, wie z. B. Elektro-Kleingeräte, Arbeitsbesteck, Ar-
18 Kochen/Backen im Uhrzeigersinn (für Linkshänder anders beitsschüsseln, Gewürze etc. bereit stehen. In der Zone Ko-
herum). Für jede Zone sollte ausreichend Stauraum und Be- chen/Backen sind das Kochfeld, der Backofen die Dunst-
wegungsfläche vorgesehen werden. abzugshaube und ggf. Dampfgarer und Mikrowelle
19 In der Küchenzone Bevorratung werden zum einen die un- untergebracht. Herd und Backofen können als Einbau-, Un-
gekühlten Lebensmittel in Ober-, Unter- und Hochschränken terbau- oder Standgerät gewählt werden. Eine mittlerweile
20 aufbewahrt. In Vorratsschränken mit verstellbaren Einlege- gebräuchliche Anordnung ist der Einbau des Backofens in
böden, Innenschubkästen oder beidseitig schwenkbaren Aus- Augenhöhe in einem Hochschrank, kombiniert mit einem in
21 zugs-Körben, lassen sich die Vorräte übersichtlich und leicht der Arbeitsplatte integrierten autarken Kochfeld. Bei Einsatz
zugänglich einlagern. Zum anderen werden die gekühlten von Kompakt-Einbaugeräten (Backofen, Dampfgarer, Mikro­
22 Lebensmittel im Kühl- oder Gefrierschrank bzw. in einer welle) können mehrere Geräte neben- oder übereinander in
Kühl-/Gefrierkombination untergebracht. Für die Aufbewah- einen oder mehreren Hochschränken eingebaut werden.
23 rung von täglich genutzten Besteck, Geschirr, Gläser etc. und Seitlich vom Herd (i. d. R. rechts) ist eine Abstellfläche von
seltener benötigten Elektro-Kleingeräten bieten sich Ober- mindestens 30 cm vorzusehen. Außerdem sollte Stauraum für
und Unterschränke an. An die Zone Aufbewahrung ist idea- Töpfe, Pfannen, Kochbesteck etc. eingeplant werden.
2.1  •  Wirtschafts- und Sanitärräume in Wohnungen
35 2
300 300

90 60 60 30 60 60 60 60 60 60

***

60

60
180
120

120

240
.. Abb. 2.5  Einzeilige Küche
***

60
300
.. Abb. 2.7 U-Küche
30 120 60 60 30

300

60 30 60 60 60 30
60

***

60
120

240

60

240
***
60

90
.. Abb. 2.6  Zweizeilige Küche

zz Einzeilige Küche 30
Bei der einzeiligen Küche sind die Arbeitszonen linear an- .. Abb. 2.8 L-Küche
geordnet. Zwischen der Küchenzeile und der gegenüberlie-
genden Wand sollte ein Mindestabstand von 1,2 m eingehal- zz U-Küche
ten werden (. Abb. 2.5). Um alle der o. a. Arbeitsbereiche Bei der U-Küche ergibt sich eine maximale Raumausnutzung
unterzubringen, ist eine Lauflänge von mind. 3,0 m erforder- durch die Verbindung zweier gegenüberliegender Küchenzei-
lich. Größere Lauflängen sind aufgrund der weiteren Arbeits- len mit einer Arbeitsplatte und Schränken. Die schwer zu-
wege und der sich daraus ergebenden Raumabmessungen gänglichen Bereiche in den Ecken können mit speziellen Eck-
nicht zu empfehlen. schränken als Stauraum genutzt werden. Zwischen den Zeilen
sollte ein Mindestabstand von 1,2 m eingehalten werden
zz Zweizeilige Küche (. Abb. 2.7).
Zweizeilige Küchen bestehen i. d. R. aus einer Installations-
zeile, in der die Spüle und der Herd eingebaut sind. Auf der zz L-Küche
gegenüberliegenden Seite befindet sich eine Arbeitsfläche Winkelförmig angeordnete Küchenzeilen ergeben die
sowie Stauraum in Form von Unter-, Ober- und Hochschrän- L-Küche. Die Arbeitsbereiche stehen sich diagonal gegenüber
ken. Zwischen den Zeilen sollte ein Mindestabstand von 1,2 m (. Abb. 2.8). Diese Küchenform bietet bei entsprechender
eingehalten werden (. Abb. 2.6). Raumgröße die Möglichkeit einen Essplatz an der freien
Wand unterzubringen (. Abb. 2.9).
36 Kapitel 2 • Sanitärräume

300
1 .. Tab. 2.1  Stellflächen von Kücheneinrichtungen, entsprechend
DIN 66 354. Hiervon abweichend bieten Küchengerätehersteller Herde
60 120 60 60
und Spülmaschinen in 45 cm Breite an
2 Einrichtungen Stellflächen

3 Breite [cm] Tiefe [cm]


***

60
Arbeits- und Abstellflächen
4 Kleine Arbeitsfläche zwischen Herd ≥ 60 60
und Spüle

5 Große Arbeitsfläche ≥ 120 60

120
Abstellfläche neben dem Herd ≥ 30 60
6

320
Abstellfläche neben der Spüle ≥ 60 60

Aufbewahrung, Bevorratung
7
60
120 Oberschrank 30–150 ≤ 40

Hochschrank 60 60
8 Unterschrank 30–150 60
≥ 80

9 Kühl- und Gefriergeräte

Kühlschrank, Kühl-Gefrierkom- 60 60
.. Abb. 2.9  L-Küche mit Esstheke bination
10 Gefrierschrank 60 60
450
11 60 30 60 60 120 60 60
Gefriertruhe ≥ 120 60

Kochstellen

12 Herd mit Backofen 60–90 60

Einbaukochstelle 60–90 60

13
60

Einbaubackofen 60 60

Mikrowellenherd 60 60
14 Spüleinrichtungen
120
***

Einbeckenspüle mit Abtropffläche ≥ 90 60


15 Doppelbeckenspüle mit Abtropf­ ≥ 120 60
120 120
400

fläche
16
≥ 100

Abstell- oder Abtropffläche neben ≥ 60 60


der Spüle

17 Geschirrspülmaschine 60 (45) 60

Spülzentrum (Einbeckenspüle mit ≥ 90 60


120

18 Abtropffläche, Unterschrank und


Geschirrspülmaschine)

19 .. Abb. 2.10 Insel-Küche zz Stell- und Bewegungsflächen


Das Grundmodul für die Stellflächenbreiten der Küchenein-
20 zz Insel-Küche richtung beträgt gemäß DIN EN 1116 „Küchenmöbel – Koor-
Frei in der Küchenmitte aufgestellte Herde, sogenannte Koch- dinationsmaße für Küchenmöbel und Küchengeräte“ 30 cm
21 inseln, häufig in Verbindung mit einer Spüle und einer Arbeits- bzw. ein Vielfaches davon: 60, 90, 120, 150 cm (. Tab. 2.1).
fläche, erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Vor dem Einbau Darüber hinaus bieten Küchenmöbelhersteller eine Vielzahl
22 der Küche müssen die erforderlichen Installationen (Strom, Gas, an Sondergrößen an. Sollen die Einrichtungszeilen nahtlos
Wasser, Abwasser) vorgenommen werden. Damit das Insel-Ele- an die begrenzenden Raumwände anschließen, werden im
23 ment von allen Seiten zugänglich ist, muss ein Mindestabstand Regelfall Passstücke erforderlich. Für Wandputz, Fliesen und
zu gegenüberliegenden Küchenzeilen, Möbeln und Wänden von Maßtoleranzen sind rechnerisch ab Rohbauwand jeweils
1,2 m eingehalten werden. Aus dieser Anforderung entsteht ein ≥ 3 cm zu berücksichtigen. Die Tiefe von Unterschränken,
Platzbedarf von mindestens 16 m² (. Abb. 2.10). Arbeits- und Abstellplatten beträgt einheitlich 60 cm. Die
2.1  •  Wirtschafts- und Sanitärräume in Wohnungen
37 2
≥ 10
40
Herstellergebunden

10 - 15 cm
Arbeitsebene
Oberschränke im Bereich
von Spüle und Herd

70 - 110
1,8 - 2,15

65

50

3 Variante Aussparung
für Rohrleitung
70 - 110

10 - 20

.. Abb. 2.12  Eine durchgängige Höhe der Arbeitsebene über alle Arbeits-


10 bereiche hinweg macht unterschiedliche Arbeitshöhen erforderlich

Standgerät Unterbaugerät Einbaugerät


3
60

.. Abb. 2.11  Abmessungen von Küchenmöbeln

Höhe der Arbeitsplatte variiert zwischen 70–110  cm


(. Abb. 2.11). 45/60 cm 45/60 cm 55/60 cm
Die unter ergonomischen Gesichtspunkten ideale Arbeits- .. Abb. 2.13  Bauformen von Küchengeräten: Stand-, Unterbau- und
höhe liegt laut Empfehlung des Instituts für Arbeitswissen- Einbaugeräte
schaft (iad) der TU Darmstadt etwa 10 bis 15 cm unter der
Ellenbogenhöhe. Von dem Idealwert kann um 5 cm nach DIN 68 901 auf ≤ 35 cm). Zwischen der Arbeitsfläche und den
unten und 10 cm nach oben abgewichen werden, wenn unter- Oberschränken sollten mindestens 50 cm, über der Kochstelle
schiedlich große Personen die Küche nutzen. Wird die Küche bis zur Dunstabzugshaube/Oberschrank mindestens 65 cm
nicht individuell geplant, kann zur Orientierung die zurück- vorgesehen werden. Auch über Spülen empfiehlt sich ein
gezogene DIN 18 022 herangezogen werden, die eine Arbeits- lichter Abstand von 65 cm.
höhe zwischen 85–91 cm empfiehlt. Hochschränke dienen als Vorratsschränke, aber auch zum
Für die unterschiedlichen Arbeitsbereiche der Küche emp- Einbau von Kühlschrank, Mikrowelle, Backofen etc. in Sicht-
fiehlt die AKM (Arbeitsgemeinschaft Die Moderne Küche höhe. Sie unterliegen keinen maßlichen Festlegungen in der
e. V.) unterschiedliche Arbeitshöhen, da bei einem Kochfeld Höhe. Sie sollen jedoch mit der Oberkante der Oberschränke
der Rand des Kochtopfes die Arbeitsebene bildet. Bei der fluchtend enden. Ihre Höhe ergibt sich daher aus der her-
Spüle hingegen, liegt sie auf dem Boden des Spülbeckens stellerspezifischen Höhe der Oberschränke und deren Ab-
(. Abb. 2.12). stand zu den Unterschränken.
Die individuell günstigste Höhe kann einerseits durch Ver- Gibt es keine Anforderungen bezüglich Barrierefreiheit,
änderung der Sockelhöhe erreicht werden, andererseits bieten wird ein Mindestabstand von 1,20 m zwischen gegenüber-
die meisten Küchenmöbelhersteller Unterschränke in ver- liegenden Küchenzeilen bzw. Einrichtungsteilen oder
schiedenen Höhen an. Wandflächen empfohlen. Bei rollstuhlgerechter Planung ist
Unterschränke eignen sich zur Unterbringung von schweren ein Abstand von mindestens 1,50 m vorzusehen. Auch bei
Gegenständen und die Integration von Einbaugeräten (Spül- gleichzeitiger Nutzung von mehr als einer Person sollte
maschine, Kühlschrank, Backofen). dieser Mindestabstand eingeplant werden, um auch bei ge-
Für eine gute Raumausnutzung können über den Arbeits- öffneten Schubladen, Schranktüren etc. uneingeschränkt
bereichen Vorbereiten, Kochen und Spülen Oberschränke arbeiten zu können.
(Hängeschränke) angebracht werden. Höhenmaße für Ober-
schränke sind normativ nicht festgelegt, ebenfalls nicht für so zz Ausstattung
genannte Aufsatzschränke, die von den Küchenmöbelher- Bei den meisten Küchengeräten – Herd, Backofen Geschirr-
stellern angeboten werden, um den verbleibenden Freiraum spüler, Kühlgeräte – kann zwischen Stand-, Unter- und Ein-
zwischen Oberschränken und Decke zu nutzen. Um die ge- baugeräten gewählt werden (. Abb. 2.13). Standgeräte sind
samte Tiefe der Arbeitsfläche nutzen zu können, ist die Tiefe frei auf- bzw. anstellbar und oben mit einer Dekorplatte abge-
der Oberschränke auf maximal 40  cm begrenzt (gem. deckt. Diese ist i. d. R. abnehmbar, so dass die Geräte auch als
38 Kapitel 2 • Sanitärräume

1 .. Tab. 2.2  Arbeits- und Einbauhöhe in Abhängigkeit von der Körpergröße. Empfehlungen gemäß HEA

Körpergröße Einbauhöhe
2 Arbeitsplatte Sitzarbeitsplatz Spülbecken Kochfeld Kühl-/Gefrierge- Backofen/
(Arbeitshöhe im rät Mikrowellengerät
3 Stehen)

125 65 56 75 65 k. A. k. A.

4 130 65 58 75 65

135 70 60 80 65 65–130 60–135


5 140 80 62,5 85 70 65–140 65–135

145 80 65 90 70 60–150 70–140


6 150 85 67 90 80 60–155 75–145

155 90 69 95 85 55–160 80–150


7
160 90 72 95 85 55–165 85–155

8 165 95 74 100 90 55–170 90–155

170 100 76 100 95 55–175 95–165

9 175 100 78,5 105 95 55–180 95–165

180 105 81 110 100 55–185 100–170

10 185 105 83,5 110 100 55–190 105–175

190 110 86 115 105 55–195 110–180


11 195 115 88 120 110 60–200 110–185

200 120 91 125 115 60–205 115–190


12
13 Unterbaugeräte unter einer durchlaufenden Arbeitsplatte auf- voraus. Bei der üblichen Anordnung der Abtropfplatte links
gestellt werden können. von den Spülbecken dient das rechte Becken einer Doppel-
Unterbaugeräte sind für den Einbau unter einer durchgehen- spüle zum Abwaschen, das linke, ggf. kleinere Becken zum
14 den Arbeitsplatte vorgesehen. Vollintegrierfähige Modelle Nachspülen des Geschirrs. Kleine Restebecken zwischen
werden in vorgerichtete Unterschränke mit Seitenwänden Becken und Abtropffläche fungieren als Ausguss. Der von
15 eingebaut und erhalten zusätzlich zu ihrer Gerätetür bzw. rechts nach links ablaufende Arbeitsprozess entspricht der
-klappe eine dem Küchenmodell entsprechende Frontplatte. Arbeitsweise vieler Rechtshänder. Vorteilhaft sind Abstell-
16 Die Bedienblenden bleiben entweder ausgespart oder befin- flächen rechts von der Spüle von etwa 60 cm Breite für ge-
den sich im Geräteinneren auf dem oberen Rand der Tür. So- brauchtes Geschirr.
17 ckelhöhe und -rücksprung lassen sich den angrenzenden
Bereichen entsprechend anpassen. Der Sockel läuft durch. Die rechteckig, rund oder frei geformten Spülen mit meist
18 Einbaugeräte sind zum Einbau in gewünschter Arbeitshöhe integrierter Abtropffläche werden im Regelfall in entspre-
(. Tab. 2.2) in einen Umbauschrank vorgesehen. Hinsichtlich chend ausgeschnittene Öffnungen in der Arbeitsplatte ein-
der Integrierfähigkeit entsprechen sie den vorher beschriebe- gesetzt. Als Materialien für Spülbecken kommen Edelstahl,
19 nen Unterbaugeräten. emaillierter Stahl, Mineralwerkstoffe, Keramik, Beton, Granit
Die Abmessungen der Küchengeräte entsprechen den Norm- u. v. m. zur Anwendung.
20 maßen von Küchenmöbeln. Bedingt durch die zusätzliche Die Versorgung der Küchenspüle mit Warmwasser kann ent-
Dekorfläche vor der Gerätetür, haben integrierte Ein- und weder zentral (z. B. Wärmeerzeuger und Warmwasserspei-
21 Unterbaugeräte eine geringere Tiefe und damit ein gering- cher) erfolgen oder über ein elektrisch betriebenes Warm-
fügig kleineres Nutzvolumen. wassergerät. Dieses kann sich in einem angrenzenden Bad
22 oder im Spülenunterbau befinden.
zz Spüle Eine Mischbatterie, i. d. R. als Standbatterie mit Schwenkarm,
23 Die Spüle kann als Ein- oder Zweibeckenspüle eingerichtet versorgt die Becken mit Wasser in der gewünschten Tem-
werden. Empfohlen wird eine Zweibeckenspüle mit einer peratur. Schlauchbrausen mit versenkbarem Schlauch erleich-
Abtropffläche von 60 cm Breite. Einbeckenspülen setzen im tern das Vorreinigen des Geschirrs. Mindestabmessungen von
Allgemeinen die Verfügbarkeit einer Geschirrspülmaschine Spülen gemäß VDI 6000:
2.1  •  Wirtschafts- und Sanitärräume in Wohnungen
39 2

- Einfachspüle einschließlich Abtropffläche Breite ≥ 90 cm, tig in Augenhöhe angebracht werden. Das autarke Kochfeld

- Tiefe = 60 cm,
Zweibeckenspüle einschließlich Abtropffläche Breite
≥ 120 cm, Tiefe = 60 cm.
lässt sich unabhängig davon an der gewünschten Stelle in die
Arbeitsplatte integrieren.

Die Kochstellen von Elektroherden bestehen mittlerweile


Unabhängig von der Norm bieten Hersteller Spülen in einer standardmäßig aus Glaskeramik-Kochfeldern. Diese sind in
Vielfalt von Größen und Formen an. verschiedensten Formen und Abmessungen, entweder mit
Im Unterbau der Spüle befinden sich meist Abfall- und Wert- Einbaurahmen oder für den flächenbündigen Einbau in die
stoffbehälter. Die Anzahl und das Volumen der Behälter sind Arbeitsplatte, erhältlich. Nur noch selten nachgefragt sind
abhängig von der Haushaltsgröße, den Nutzungsgewohn- Edelstahlmulden mit gusseisernen Kochplatten. Für die meis-
heiten sowie von den kommunalen Entsorgungs- und Trenn- ten Elektroherde ist ein Starkstromanschluss (400 V) erfor-
vorschriften. derlich.
Induktionskochfelder bestehen ebenfalls aus Glaskeramik
zz Geschirrspüler und erzeugen elektromagnetische Wechselfelder, die im Bo-
Geschirrspüler sind in 60 und in 45 cm Breite sowie als Kom- den magnetisch leitfähiger Töpfe Wärme erzeugen. Für eine
pakt-Gerät zur Aufstellung auf der Arbeitsplatte oder zum optimale Funktion, mit kurzen Ankochzeiten und schneller
Einbau in einen Küchenschrank erhältlich. Je nach Bauform und exakter Temperaturregelbarkeit, ist Kochgeschirr mit
und Hersteller werden Geräte mit einem Fassungsvermögen Böden aus ferromagnetischem Material erforderlich. Die
von 4–14 Maßgedecken. Ein Geschirrspüler von 60 cm Breite Glaskeramikplatte erwärmt sich lediglich durch die Wärme-
hat ein Fassungsvermögen von 10–14 Maßgedecken. leitung des Kochgeschirrs; ein Einbrennen überkochender
Speisen ist daher nicht möglich. Induktionskochfelder kön-
Geschirrspüler verbrauchen im Allgemeinen weniger Wasser nen mit Gaskochern und Grillstellen kombiniert werden.
und Energie als das Spülen von Hand. Der Energie- und Was- Backöfen werden entweder mit Ober- und Unterhitze oder als
serverbrauch eines modernen, energieeffizienten und wasser- Umluftgerät betrieben. Auch Kombinationen dieser Betriebs-
sparenden Geräts bei Norm-Spülprogramm mit 50 °C beträgt weisen sind möglich, ggf. mit Grillbeheizung, integriertem
0,05 kWh und 0,54 Liter Wasser je Spülgang und Maßgedeck Mikrowellenteil oder Dampfgarsystem.
(Angaben der Fa. Siemens aus dem Jahr 2013). Gasherde bieten sich als sinnvolle Alternative zu Elektroher-
Aufgrund der notwendigen Anschlüssen wird der Geschirr- den an, wenn das Gebäude eine Gasheizung und damit einen
spüler i. d. R. neben dem Spülbecken platziert. In Betracht Gasanschluss besitzt. Konventionelle Kochstellen haben stu-
kommt der Platz unter der Abtropfplatte oder aber in ergono- fenlos zu regelnde Flammen. Gaskochstellen zeichnen sich
misch günstiger Höhe (bis zu 50 cm über OKFF) in einem durch kurze Ankochzeiten, schnelle und genaue Temperatur-
seitlich angeordneten Hochschrank. änderungen und Abschalten ohne Nachwärme aus. Thermo-
Der Wasserzulauf kann über eine Rohrleitung oder einen elektrische Zündsicherungen schließen das Gasventil, wenn
druckfesten Schlauch erfolgen. Es ist ein Absperrventil mit die Gasflamme, z. B. infolge überkochenden Kochgutes, er-
einem Anschlussgewinde von ¾ Zoll erforderlich. Spül- lischt. Gasherde werden mit einem kurzen Schlauch an eine
maschinen können an einen Kalt- oder Warmwasseranschluss Gassteckdose lösbar angeschlossen. Für die eingebaute Zün-
bis max. 60 °C angeschlossen werden. Die meisten Geräte ver- dung, die Beleuchtung und den Ventilator im Backofenteil
fügen über ein integriertes Wasserschutzsystem (Aqua-Stop) benötigen Gasherde zusätzlich einen Stromanschluss. Auch
um Wasserschäden zu vermeiden. Kombinationen aus Gas-Kochfeldern und Elektro-Back­öfen
Das Abwasser wird über einen sog. Laugenschlauch in den sind im Handel erhältlich. Mit Gasherden ausgestattete Kü-
Abfluss der Spüle gepumpt. Hierfür ist oberhalb des Geruchs- chen müssen gemäß TRGI einen Rauminhalt von mind. 15 m³
verschlusses ein Anschluss vorzusehen. (ca. 6 m²) aufweisen und ein zu öffnendes Fenster oder eine
Der Elektroanschluss sollte nicht hinter dem Gerät, sondern Tür ins Freie haben. Davon abweichende bauordnungsrecht-
seitlich im Spülenunterbau vorgesehen werden. Der Steck- liche Regelungen in den einzelnen Bundesländern sind mög-
dosenanschluss des Geschirrspülers sollte über einen eigenen lich.
Stromanschluss, abgesichert mit 16 Ampere, verfügen.
zz Dunstabzugshauben
zz Herd/Backofen (Elektro, Gas, Induktion) Dunstabzugshauben sind mit einem regulierbaren Gebläse
Kochfeld und Backofen können als Einheit oder räumlich und einer Leuchte ausgestattet. Über dem Herd angeordnet
voneinander getrennt angeordnet werden. Als Geräteeinheit saugen sie Fettschwaden, Wasserdampf und Gerüche ab. Bei
werden sie unter bzw. in die Küchenarbeitsplatte eingebaut Geräten mit Abluftbetrieb wird die Luft über einen Fettfilter
und über eine gemeinsame Bedienblende angesteuert. Als (Einweg-Vliesmatten oder waschbare Metallsiebe) entweder
Einzelgerät eingebaut, kann der Backofen ergonomisch güns- direkt oder über einen Luftschacht ins Freie geführt. Die
40 Kapitel 2 • Sanitärräume

gleiche Luftmenge die aus der Küche abgeführt wird muss im Keller oder in einem Nebenraum aufgestellt. Die platz-
1 dem Raum entweder durch Fensterlüftung, Lüftungsgitter in sparende Verbindung von Kühlen und Gefrieren findet sich
der Tür, einem Zuluft-Abluft-Mauerkasten oder in Form von in Kühl-/Gefrierkombinationen, bei denen die beiden Geräte
2 mechanischer Be- und Entlüftung wieder zugeführt werden. übereinander angeordnet sind. Moderne Geräte, sogenannte
Im Umluftbetrieb wird die Luft über einen Fettfilter und Mehrzonenkühlgeräte haben bis zu vier unterschiedliche
3 einen Aktivkohlefilter (Geruchsfilter) geleitet und wieder
dem Raum zugeführt. Die Wirksamkeit von Umluftgeräten
--
Temperatur- und Klimabereiche:
Gefrierzone −18 °C und kälter,
4
5
ist gegenüber Abluftgeräten geringer und die beim Kochen
entstehende Feuchtigkeit wird nicht abgeführt. Um Lüf-
tungswärmeverluste gering zu halten wird bei Gebäuden mit
hochwärmegedämmten und luftdichten Außenbauteilen
-- Kühlzone +2 bis +10 °C,
Kaltlagerzone −2 bis +3 °C,
Kellerzone +8 bis +14 °C.

(Passivhäuser, Niedrigenergiehäuser) dennoch der Einsatz Abhängig von der Haushaltsgröße, den Einkaufs- und Ess-
6 von Umluftgeräten empfohlen. Die gebräuchlichsten Mo- gewohnheiten, Umfang der Bevorratung sowie den Aufstell-
delle sind Einbau- und Unterbaugeräte zur Montage in bzw. möglichkeiten bemisst sich die Größe von Kühl- und Gefrier-
7 unter Oberschränken sowie Kamin-Abzugshauben zur geräten. Für Ein- bis Zwei-Personen-Haushalte werden
Wandmontage oder bei Kochinseln frei hängend. Dunst- Kühlgeräte mit einem Nutzinhalt von 120 bis 140 Liter emp-
8 abzugshauben müssen zur darunter befindlichen Kochstelle fohlen. Für jede weitere Person sollten zusätzlich jeweils
einen Sicherheitsabstand von mind. 65 cm einhalten. Die 60 Liter und ein Gefrierfach eingeplant werden. Bei Gefrier-
Breite der Dunstabzugshaube sollte der Breite der Kochstelle geräten gelten bei geringer Vorratshaltung 50 bis 80 l pro Per-
9
entsprechen. son als Richtwert.
Aufschluss über den Elektroenergie- und Wasserverbrauch
10 zz Kühlgeräte von Haushaltsgeräten gibt das EU-Energielabel. Das unter-
Zur Standardausstattung von Küchen in Deutschland zählen scheidet zwischen 7 Effizienzklassen (A+++ bis D), gekenn-
11 Kühlgeräte. Gemäß Marktstudien der Fachgemeinschaft für zeichnet durch farbige Balken von dunkelgrün (hohe Effi-
effiziente Energieanwendung e. V. (HEA) besitzen 99 % der zienz – Klasse A+++) bis rot (niedrige Effizienz – Klasse D).
12 deutschen Haushalte ein Kühlgerät oder eine Kühl-/Gefrier- Darüber hinaus werden die für die jeweilige Produktgruppe
kombination. relevanten Kennwerte (z. B. Wasserverbrauch, Schallemis-
13 sionen, Nutzinhalt, Schleuderleistung etc.) aufgeführt. Die
Kühlgeräte ohne Gefrierfach ermöglichen die Aufbewahrung Angaben auf dem Label entsprechen europaweit harmo-
von Lebensmitteln bei Temperaturen von 0 bis + 15 °C. Kühl- nisierten Messungen unter Laborbedingungen. Der tatsäch-
14 geräte mit einem vom Kühlraum getrennten Verdampferfach liche Energie- und Wasserverbrauch des Gerätes ist jedoch
(Gefrierfach) dienen der kurz- oder längerfristigen Auf- abhängig vom Nutzerverhalten und dem Aufstellungsort des
15 bewahrung geringer Mengen eingefrorener Lebensmittel bei Gerätes und kann unter Umständen von der Kennzeichnung
Temperaturen, je nach Geräteleistung, im Bereich von −1 bis abweichen. Kennzeichnungspflicht besteht zurzeit für Kühl-
16 −18 °C oder kälter. Die Sternekennzeichnung der Verdamp- und Gefrierschränke, Geschirrspüler, Haushalts-Wasch-
ferfächer gibt Auskunft über die erreichbaren Mindesttem- maschinen, Weinlagerschränke, Wäsche- und Waschtrockner
17 peraturen und die damit verbundene Empfehlung zur Lager- und Elektrobacköfen (Raumklimageräte, Lampen und Fern-
dauer. sehgeräte).
18 Gefriergeräte eignen sich zum Gefrieren und längerfristigen
Einlagern von Lebensmitteln bei Temperaturen unter −18 °C. zz Installationsanschlüsse
Sie sind als Gefriertruhen, Gefrierschränke oder als Kühl- Wasser-, Abwasser- und Elektroanschlüsse sind der jeweiligen
19 Gefrierkombinationen erhältlich. Gefrierschränke entspre- Küchenkonzeption anzupassen. Da die Auswahl der Küchen-
chen sowohl größenmäßig als auch im Aufbau grundsätzlich einrichtung zumeist nach den Putz- und Fliesenarbeiten er-
20 den Kühlschränken. Gegenüber Truhen bietet die Schrank- folgt, sollten Änderungen in der Platzierung der Auslässe
form mit transparenten Gefrierschubladen und Körben eine einkalkuliert werden. Leerrohre, Reserveauslässe und -strom-
21 größere Übersichtlichkeit. Als Einbaugeräte können sie in die kreise erleichtern Um- und Nachrüstungsmaßnahmen. Er-
Küche integriert werden. Bei integrierten Kühl- und Gefrier- forderlichenfalls sind Gassteckdosen für Kochfläche und
22 geräten sind ausreichend große Be- und Entlüftungsöffnun- Backofen zu installieren.
gen, beispielsweise im Sockel- und Blendenbereich vorzu-
23 sehen. Gefriertruhen haben einen größeren Nutzinhalt. Die Für die Beheizung der Küche wird gem. VDI 6000-1 eine Aus-
Lagerung der Lebensmittel erfolgt in Einhänge- oder Einstell- legungsraumtemperatur von 20 °C empfohlen. Heizkörper
körben. Die Geräte beanspruchen verhältnismäßig viel Stell- werden, wie in allen anderen Räumen auch, vorzugsweise
fläche und werden deshalb i. d. R. nicht in der Küche, sondern unter dem Fenster angeordnet. Dem Fenster vorgebaute Ar-
2.1  •  Wirtschafts- und Sanitärräume in Wohnungen
41 2

.. Tab. 2.3  Erforderliche Anzahl der Steckdosen, Anschlüsse und Stromkreise für Küchen, Kochnischen und Hausarbeitsräume gemäß DIN 18 015-2,
Tab. 1 und 2.

Küchea Kochnische Hausarbeitsraum

Anzahl Steckdosen und Kommunikationsanschlüsse

Steckdosen allgemein (mind. Zweifach-Steckdose) 5 3 3

Telefon-/Datenanschluss (luK) – – –

Steckdose für Telefon/Daten – – –

Radio-/TV-/Datenanschluss (RuK) 1 – –

Steckdosen für Radio/TV/Daten 3 – –

Kühlgerät/Gefriergerät 2 1 –

Dunstabzug 1 1 –

Anschlüsse für Verbrauchsmittel mit eigenem Stromkreis

Elektroherd (3 × 230 V) 1 1 –

Mikrowellengerät 1 1 –

Geschirrspülmaschine 1 1 –

Waschmaschineb 1 – 1

Wäschetrocknerb 1 – 1

Bügelstation – – 1

ggf. Warmwassergerät 1 1 –

Beleuchtungsanschlüsse 2 1 1

Anzahl der Stromkreise für Steckdosen und Beleuchtung

Wohnfläche [m²] Anzahl Stromkreisec

bis 50 3

50–75 4

75–100 5

100–125 6

über 125 7

a
Bei Küchen mit Essplatz ist die Anzahl der Anschlüsse und Steckdosen um jeweils 1 zu erhöhen.
b
In einer Wohneinheit nur jeweils einmal erforderlich.
c
Weitere Stromkreise für den Anschluss besonderer Verbrauchsmittel erforderlich.

beitsplatten dürfen den Auftrieb der erwärmten Luft nicht ausstattung von elektrischen Anlagen in Wohngebäuden
übermäßig behindern. In Wohnungen mit Fußbodenhei- wird durch die DIN 18 015-2 festgelegt (. Tab. 2.3). Ein ei-
zungen sollte wegen der relativ kleinen, hierfür zur Verfügung gener Stromkreis (auch bei Steckdosenanschluss) wird für
stehenden Fläche zwischen den Küchenzeilen evtl. eine zu- Geräte ab 2 kW Leistungsaufnahme erforderlich, ein orts-
sätzliche Heizfläche, möglichst unter dem Fenster, vorgesehen fester Anschluss ab 3,7 kW, ein Drehstromanschluss ab
werden. 4,6 kW (. Tab. 2.4).
Für ständig angeschlossene Geräte wie Elektroherd, -back­ Außerdem sind in der Küche mindestens zwei Lichtauslässe
ofen, Dunstabzug, Kühl- und Gefriergeräte sowie für tempo- für eine ausreichende Allgemeinbeleuchtung sowie eine blen-
rär angeschlossene Geräte sind ausreichend Steckdosen dungs- und verschattungsfreie Arbeitsplatzbeleuchtung vor-
vorzusehen. Strom- und Wasseranschluss werden für Ge- zusehen.
schirrspüler, Waschmaschine, Dampfgarer, dezentraler
Trinkwassererwärmer etc. benötigt. Auch ein Antennen- zz Barrierefreie und rollstuhlgerechte Küchen
anschluss und ggf. weitere Anschlüsse für Fernmelde- und Küchen sind für Menschen mit motorischen Einschränkun-
Datenübertragungs- und Gebäudeautomationseinrichtun- gen und Rollstuhlnutzer unter Berücksichtigung der räum-
gen können individuell vorgesehen werden. Die Mindest- lichen Erfordernisse von Rollstühlen, Gehilfen und Rollato-
42 Kapitel 2 • Sanitärräume

1 .. Tab. 2.4  Auswahl von Anschlusskennwerten für Küchengeräte


gemäß HEA – Fachgemeinschaft für Energieeffiziente Energieanwen-
dung e. V.
2 Elektrogerät Wechsel- Drehstrom
strom [in [in kW, bis
3 kW, bis ca.] ca.]

Elektroherd 14,5

mind. 150 cm
4 Einbaukochmulde/-feld 10,8

Einbaubackofen 6,6
5 Einbau-Modul Grillplatte 7,2

6 Einbau-Modul Induktionskochstelle 3,7

Einbau-Modul Grill 3,4

7 Einbau-Modul Fritteuse 2,7

Mikrowellengerät 1,9 mind. 150 cm


8 Mikrowellengerät mit Grill 3,4

Mikrowellen-Kombinationsgerät 3,5
9 .. Abb. 2.14  Für Rollstuhlfahrer sollen gem. DIN 18 040-2 Spüle, Arbeits-
Einbau-Dampfgargerät 2,5 5,1
platte und Herd nach Möglichkeit über Eck angeordnet werden. Dies ist unter
10 Einbau-Geschirrwärmer 1,1 ergonomischen Gesichtspunkten günstiger als eine in Reihe angeordnete
Kombination. Spüle, Arbeitsplatte und Herd müssen dabei uneingeschränkt
Geschirrspüler 3,4
unterfahrbar sein. Um an allen Stellen erreichbar zu sein, sollte die
11 Einbau-Kaffeeautomat 2,7 Arbeitsplattentiefe 65 cm nicht überschreiten

Kühlschrank 0,2
12 Gefriergerät 0,2
Küchen für Rollstuhlfahrer weisen einige Besonderheiten auf:
Die Installationsanschlüsse in einer Küche für Rollstuhlnutzer
Kühl-Gefrierkombination 0,2
13 sind so zu planen, dass die Anordnung von Herd und Spüle
Dunstabzugshaube 0,5 über Eck möglich ist (. Abb. 2.14). Herd, Spüle und der da-
zwischen befindliche Arbeitsplatz müssen dabei unein-
14 Fritteuse 2,7
geschränkt unterfahrbar sein (. Abb. 2.15). Dies macht bei
Toaster 0,9
Spülen eine Sonderkonstruktion des Geruchsverschlusses
15 Kaffee-/Espressomaschine 2,3 (Unterputz-Siphon, Aufputz-Siphon) erforderlich. Als Spül-
Waffeleisen 1,4 tischarmaturen sind Einhebelmischer mit Temperaturbegren-
16 Brotbackautomat 0,9
zer und schwenkbarem Auslauf vorzusehen. Das Becken sollte
direkt an der Vorderkante der Arbeitsplatte liegen und nur
17 Dampfgarer/Reiskocher 0,9
eine geringe Tiefe aufweisen. Die Arbeitshöhe sollte indivi-
Standküchenmaschine 1,6 duell nach den Belangen des Nutzers geplant werden können
18 Dampfbügeleisen 2,7 (. Abb. 2.16). Backofen und Kühlgeräte müssen im Griff-
bereich des Nutzers, z. B. in einem Hochschrank, angeordnet
(Dampf-)Bügelmaschine 3,5
werden. Für die Erreichbarkeit vom Rollstuhl aus, darf die
19 Waschmaschine 2,3 Oberkante von Hängeschränken max. 1,5 m hoch angeordnet
Wäschetrockner 3,5 sein. Eine Schranktiefe > 30 cm ist vom Rollstuhl aus i. d. R.
20 nicht in allen Teilen erreichbar.
Staubsauger 2,5

21
ren barrierefrei nutzbar, wenn sie so dimensioniert sind, 2.1.2 Hausarbeitsräume
22 dass bei der nutzungstypischen Möblierung ausreichend
Bewegungsfläche vorhanden ist. Gemäß DIN 18 040-2 be- Hausarbeitsräume sind baurechtlich nicht vorgeschrieben,
23 deutet das, eine Bewegungsfläche von mindestens 1,2 m vor allerdings bieten sie die Möglichkeit zur Entflechtung der im
den Kücheneinrichtungen vorzusehen. Bei rollstuhlgerech- Haushalt anfallenden Arbeitsgänge. Im Geschosswohnungs-
ter Nutzung 1,5 m. Die Bewegungsflächen dürfen sich dabei bau sind Hausarbeitsräume selten vorzufinden, da dort das
überlagern. Flächenangebot i. d. R. zu gering ist. Für Wohneinheiten unter
2.1  •  Wirtschafts- und Sanitärräume in Wohnungen
43 2
unterfahrbar ≤ 35

*** ***
60

30-40 cm
Backofen Kühlgeräte

max. 140 cm
in Hochschränken in Hochschränken
mind. 150 cm

75-90

≥ 40 cm
60

mind. 150 cm

unterfahrbar

.. Abb. 2.15  Zweizeilige Küche für Rollstuhlfahrer. Backofen, Kühl- und


Tiefkühlgerät sind jeweils in Griffhöhe in einem Hochschrank eingebaut. Die
Bewegungsfläche zwischen den Küchenzeilen muss mindestens 1,5 m
betragen und das Fenster sollte unverbaut zugänglich sein

80 m² Wohnfläche ist ein Hausarbeitsraum kaum sinnvoll. Zu


klein bemessene Räume sind ebenfalls nicht ratsam, sollen sie
≥ 67

nicht zu Abstellräumen degradiert werden. 3,30 m Lauflänge

≥ 35
und eine Grundfläche von mindestens 6 m² sind als untere
Grenze anzusehen. Hausarbeitsräume sollten bei der Grund-
rissplanung entweder der Küche oder dem Bad zugeordnet ≥ 30 ≥ 15
werden. Die Anordnung im Keller bzw. Untergeschoss ist Ein-
.. Abb. 2.16  Empfohlene Abstände und Maße für Bewegungsflächen für
familienhäusern vorbehalten – nachteilig ist die größere Ent-
die Raum- und Küchenplanung für Rollstuhlfahrer. Es muss für ausreichend
fernung zur Wohnebene. Beinfreiheit im Bereich der Knie und Füße gesorgt werden. Die Griffhöhe
Der Hausarbeitsraum ist ein eigenständiger Raum, der i. d. R. von Rollstuhlfahrern liegt im Allgemeinen im Bereich von ≥ 40 cm und
für das Waschen, Trocknen, Bügeln und Ausbessern der ≤ 140 cm Höhe

Wäsche sowie für die Unterbringung von Werkzeug Rei-


nigungs- und Haushaltsgeräten – ggf. auch zur Vorratshaltung zz Einzelheiten zur Einrichtung von Hausarbeitsräumen
– genutzt wird, siehe . Abb. 2.17. Entsprechend den verschiedenen Arbeitsvorgängen ist eine
Die Räume gelten baurechtlich als Aufenthaltsräume und Gruppierung der Einrichtung in ‚nasse‘ und ‚trockene‘ Ar-
werden im Allgemeinen der Wohnfläche zugerechnet. Hin- beitsbereiche sinnvoll.
sichtlich Belichtung, Belüftung, Raumhöhen und Zugänglich-
keit müssen die Vorgaben der Bauordnungen der Länder Der Arbeitsbereich zum Wäsche waschen sollte an einer In-
berücksichtigt werden. stallationswand mit Wasser- und Abwasseranschluss an-
Ist kein Hausarbeitsraum vorgesehen, sind Stellflächen für geordnet werden und mit einer Waschmaschine ausgestattet
Schmutzwäschebehälter, Reinigungsutensilien und Bügelge- sein. Diese benötigt eine Stellfläche von etwa 0,4 m² und ist
räte in einem Abstellraum oder an anderer geeigneter Stelle als Standgerät sowie als Unterbaugerät zum Einbau unter
vorzusehen. Nur in Ausnahmefällen sollte dafür die Küche Arbeitsplatten erhältlich. Waschmaschinen gibt es als Front-
herangezogen werden, die dann entsprechend größer zu be- oder Toplader. Die von oben zu beschickenden Toplader
messen ist. Für Waschmaschine und Wäschetrockner sind in sind schmaler und zum Teil auch niedriger als Frontlader.
dem Fall im Badezimmer entsprechende Flächen und An- Am Aufstellort der Waschmaschine müssen ein Wasser-
schlüsse vorzusehen. Richtlinien für Hausarbeitsräume sind zulauf (i. d. R. Kaltwasser), Stromanschluss (220/230 Volt)
in der deutschen Normung nicht mehr enthalten. Planungs- sowie ein geeigneter Wasserablauf vorgesehen werden. Neue
hinweise finden sich jedoch in OENORM B  5420 „Haus- Waschmaschinen haben einen elektrischen Anschlusswert
arbeitsraum – Planungsgrundlagen“. von maximal 2,3 kW und können an eine Schutzkontakt-
Steckdose angeschlossen werden. Ein eigener Stromkreis,
mit 16 Ampere abgesichert, ist erforderlich. Wasser- und
Elektroanschluss sollten, der besseren Zugänglichkeit wegen,
44 Kapitel 2 • Sanitärräume

300 360 240


1
60 60 120 60

180

240
3

60
4
5

120

240
300 300

6
7
60

240

240
8 .. Abb. 2.17  Beispiel für Einrichtungsmaße und Bewegungsflächen eines
Hausarbeitsraumes. Obere Zeile – nasser Arbeitsbereich zum Waschen und
.. Abb. 2.18  Mögliche Anordnung der Arbeitsbereiche mit Stell- und
9 Trocknen mit Stauraum für Schmutzwäsche, Wasch- und Reinigungsmittel.
Untere Zeile – trockener Arbeitsbereich mit Bügelmaschine, Arbeitsplatte für
Bewegungsflächen im Hausarbeitsraum
Arbeiten im Sitzen (Nähmaschine) und Hochschrank zur Aufbewahrung des
10 Bügelbrettes, Staubsauger Besen etc

neben dem Waschgerät angeordnet sein. Der Laugen- Hand entleert werden muss oder über einen Schlauch ins
11 schlauch der Waschmaschine kann oberhalb des Geruchs- Abwassernetz abgeleitet wird. Waschtrockner waschen,
verschlusses eines nahegelegenen Ausgussablaufs an- schleudern und trocknen in einem Gerät. Nachteilig ist die
12 geschlossen werden. Ein Wasserschutzsystem gehört i. d. R. geringe Trocknungskapazität – nur die Hälfte der geschleu-
zur Ausstattung der Waschmaschine. Günstig ist die An- derten Waschladung kann jeweils im Gerät getrocknet wer-
13 ordnung eines Ausguss-/Spülbeckens rechts neben der den. Die andere Hälfte muss in einem zweiten Durchgang
Waschmaschine für Handwäsche. Über dem Waschbecken behandelt werden. Vorteil eines Waschtrockners ist der ge-
sollte eine Abtropffläche zum Aufhängen tropfnasser Wäsche ringe Platzbedarf.
14 vorgesehen werden. Schmutzwäschebehälter mit Sortiervor- Zum Bügeln sind mindestens ein Bügelbrett, sowie die dafür
richtung können im Unterschrank vorgesehen werden, die erforderliche Stellfläche auf einer Länge von etwa 110–130 cm
15 Fläche oberhalb sollte zum Vorbehandeln und Sortieren der vorzusehen. Darüber hinaus kann eine Bügelmaschine, fest
Wäsche genutzt werden. So ergibt sich ein fließender Ar- installiert oder zusammenklappbar, eingeplant werden. Das
16 beitsablauf von rechts nach links. Gerät benötigt eine Stellfläche von etwa 0,5 m² und einen
Ist ein Wäschetrockner vorhanden, sollte dieser idealerweise Stromanschluss. Für Arbeiten im Sitzen, beispielsweise Zu-
17 links neben der Waschmaschine angeordnet werden. Bei sammenlegen der Wäsche oder Näharbeiten mit der Näh-
beengten Platzverhältnissen kann der Wäschetrockner mit- maschine, sollte eine Arbeitsfläche von 90–120 cm Breite
18 tels eines Zwischenbausatzes auch über der Waschmaschine bereitgestellt werden. Stauraum für Wäsche, Wasch-, Rei-
platziert werden. Wäschetrockner haben i. d. R. eine Leis- nigungs- und Pflegemitteln, Bügelbrett und Kleingeräte sollte
tungsaufnahme von 2,0–3,3 kW. Dafür ist eine Steckdose mit durch Unter-, Ober- und Hochschränke vorgesehen werden.
19 einem eigenen Stromkreis vorzusehen, der mit 10–16 Am- Ähnlich wie bei Küchen kann die Einrichtung einzeilig,
pere abgesichert ist. Die vorwiegend von vorn beschickten zweizeilig oder in L- und U-Form angeordnet werden
20 Trommelgeräte sind als Ablufttrockner, Kondensations- (. Abb. 2.18). Auch empfiehlt es sich das für Küchen ge-
trockner und Waschtrockner erhältlich. Ablufttrockner las- bräuchliche Rastermaß von 60 × 60 cm einzuhalten. Bewe-
21 sen Heißluft durch die Wäsche strömen und blasen die mit gungsflächen sollten mit mindestens 120 cm, bei rollstuhl-
Wasserdampf angereicherte Luft ab. Diese kann mit Hilfe gerechter Planung mit 150 cm bemessen werden. Die
22 eines Abluftschlauchs von 100–125 mm Durchmesser über Arbeitshöhe beträgt 86 bis 92 cm. Zwischen einer Arbeits-
ein Fenster, Schacht oder die Außenwand direkt ins Freie platte und den Oberschränken sollte der Abstand mindes-
23 geführt werden. Kondensationstrockner trocknen ebenfalls tens 50 cm betragen, über einem Becken mindestens 65 cm.
mittels Heißluftgebläse. Der entstehende Wasserdampf wird In . Tab. 2.5 sind die erforderlichen Stellflächen für ver-
im Gerät durch Luftkühlung zur Kondensation gebracht. schiedene Geräte und Einrichtungsgegenstände in Haus-
Das Kondensat sammelt sich in einem Behälter, der von arbeitsräumen aufgeführt.
2.1  •  Wirtschafts- und Sanitärräume in Wohnungen
45 2

170 0 80 0 60 60 20
.. Tab. 2.5  Empfehlung für Stellflächen in Hausarbeitsräumen

75 0

80 0
(basierend auf den Regelungen der zurückgezogenen DIN 18 022)

60

60
Einrichtungsstelle Stellflächen- Stellflächen-

90
90
75

75
breite [cm] tiefe [cm]

Platte zum Arbeiten im Stehen 90–120 60 90 80 90 90


Badewanne, Dusche, Waschmaschine, Wäschetrockner
Platte zum Arbeiten im Sitzen 90–120 60

Abstellfläche (Abtropffläche 60–90 60


neben dem Becken) 60 20 120 20 45 20 40 25
Unterschrank 60–120 60

35
55

55

60
45
Oberschrank 60–120 ≤ 40

55

55

60
Hochschrank 60 60

Waschmaschine 60 60 90 150 70 80
Einzel-, Doppel-, Hand-, Sitzwaschbecken
Wäscheschleuder 40 40

Trockengerät/Trockenschrank 60 60
40 20 40 20 40 20
Wasch-Trocken-Kombination 60–120 60

40
70
Wasch- bzw. Spülbecken 60–90 60

60

60
60
60
Ausguss 60 60

Bügel-Standgerät 100 50
80 80 60
Mehrzwecktisch (z. B. 70–120 50
WC (Spülung Wandeinbau, Spülung vor der Wand), Urinal
Nähmaschinentisch)

Abfallbehälter 40 40 .. Abb. 2.19  Stellflächen und Mindestbewegungsflächen vor sanitären


Einrichtungsgegenständen gemäß VDI 6000-1. Bei gegenüberliegender
Anordnung von Sanitärobjekten ist ein Abstand von mind. 75 cm vorzusehen.
Die Abmessungen marktgängiger Sanitärobjekte weichen z. T. von den hier
2.1.3 Bad- und WC-Räume angeführten Stellflächenmaßen ab

Der Stellenwert von Sanitärräumen im privaten Wohnungs- Bereits bei Haushalten ab zwei Personen ist eine räumliche
bau ist in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen. Hohe Trennung von Bad und WC zweckmäßig um Nutzungskon-
Komfortansprüche machen sich zunehmend bei der Größe flikte zu vermeiden. Toiletten im Bad sind unpraktisch, da sie
und Ausstattung moderner Badezimmer bemerkbar. Die die Badbenutzung zeitweise blockieren. Wohnungsbauför-
ehemals rein funktionalen, flächenoptimierten Räume für die derungsbestimmungen sowie die Bauordnungen der Länder
Körperhygiene wandeln sich zu privaten Wellness-Oasen zum sehen i. d. R. eine Trennung ab 5  Aufenthaltsräumen bzw.
Entspannen und Erholen. 3 Schlafräumen vor, wobei im Bad zusätzlich ein WC-Becken
vorgesehen werden kann. In Wohnungen, die mit mehr als
zz Bad 3 Personen genutzt werden, ist ein zusätzlicher Waschtisch
Gemäß § 48 der Musterbauordnung (MBO) muss jede Woh- oder ein Doppelwaschtisch zu empfehlen.
nung mit einem Bad mit Badewanne oder Dusche und einer Abhängig von Ausstattung und Komfort variiert die Raum-
Toilette ausgestattet sein. größe der Sanitärräume. Die Mindestanforderungen an die
Größe von Bädern und WC-Räumen ergibt sich zum einen
Badezimmer und WC-Raum als separate, abgeschlossene aus den Stellflächen, also dem Platzbedarf der sanitären Ein-
Räume sind i. d. R. vom Flur aus zugänglich. Alternativ kann richtungsgegenstände und den Abständen zwischen den
das Bad als offener Raum konzipiert sein, der nahtlos in den einzelnen Sanitärobjekten (. Abb. 2.19, 2.20 und 2.21). Zum
Schlaf- oder Wohnraum übergeht. Ein solches Wohnkonzept anderen aus den Bewegungsflächen, die zur Nutzung der Ein-
setzt voraus, dass ein weiteres Badezimmer mit WC oder ein richtungen vor den Sanitärobjekte erforderlich sind. Als ab-
separater WC-Raum vom Flur aus zu erreichen ist.
Die räumliche Anbindung des Badezimmers an die Küche
--
solute Mindestgrößen gelten:
1,5 m² für WC-Räume,
– nebeneinander bzw. übereinander – ist unter wirtschaft-
lichen Gesichtspunkten von Vorteil, da die erforderlichen
Installationen (Fallleitungen, Steigleitungen, Lüftungs-
kanäle etc.) in einem gemeinsamen Schacht geführt werden
- 2,5 m² für Duschbäder,
4 m² für Wannenbäder.

Anhaltswerte für Bewegungsflächen und Mindestabstände


können. sowie Standardabmessungen von Sanitärobjekten stellt die
46 Kapitel 2 • Sanitärräume

20 20 20 20 20 25 25 20 20 20 25 25 20
1 45 40 40 35 40 60 60 45 40 40

60
60
3

90
60

60
60

35 ≥ 75
20

60

≥60
≥60

45
4

20
5 WC-Raum

6
7 20 ≥20 20 20 20
40 80 55 75 80 75 80 60 40
8
20

60
9

80
80
60
80

20

≥60
70

3
25

40
10
60
≥20

40

20
25
60

60
60
40

80
11
20

20
20
20

12 Duschbad

13
14 20 20 20
75 60 40 80 80 ≥75 60 75 60 155

15
25

90
40
20

16
25
40
80

25

55
55
40

17
80

≥25

75

90
170

60
≥75

18
75

60
≥20

19 Vollbad (Wannenbad)

.. Abb. 2.20  Sanitärräume nach Mindestabmessungen gem. VDI 6000-1. Die Maßangaben beziehen sich auf die lichten Fertigmaße zwischen den gefliesten
20 Wänden. WC-Raum: In Wohneinheiten ab 5 Aufenthaltsräumen empfiehlt sich die Einrichtung eines zusätzlichen, separaten WC-Raumes. Ausstattung i. d. R. mit
WC- und Handwaschbecken/Waschtisch; ggf. ergänzt mit Sitzwaschbecken, Waschmaschine und Trockner. Duschbad: Als alleiniges Bad in kleineren

21
Wohneinheiten oder als Ergänzung zum Wannenbad. Ausstattung i. d. R. mit Dusche und Waschtisch/Handwaschbecken; ggf. ergänzt durch WC-Becken,
Sitzwaschbecken, Waschmaschine und Wäschetrockner. Vollbad (Wannenbad): Ausstattung i. d. R. mit Badewanne, Dusche, Waschtisch und WC-Becken; ggf.
ergänzt durch Sitzwaschbecken und falls erforderlich Waschmaschine und Wäschetrockner

22
VDI 6000-1 (. Tab. 2.6, 2.7 und 2.8) bereit. Da diese Richtlinie räume jedoch möglichst so geplant werden, dass sie unabhän-
23 jedoch die räumlichen Anforderungen an barrierefreie Sani- gig von Alter und eventuellen Bewegungseinschränkungen
tärräume nur unzureichend berücksichtigt, gelten die darin optimal genutzt werden können. Daher empfiehlt es sich, die
angeführten Bewegungsflächen als absolutes Minimum. In Mindestbewegungsflächen gemäß DIN 18 040-2 vorzusehen
Anbetracht der demografischen Entwicklung sollten Sanitär- (siehe Abschn. Barrierefreie Sanitärräume).
2.1  •  Wirtschafts- und Sanitärräume in Wohnungen
47 2
.. Abb. 2.21  Empfohlene Montagehöhen ab OKF gem. VDI 6000-1. Davon
kann entsprechend der individuellen Bedürfnisse der Nutzer oder der
räumlichen Gegebenheiten abgewichen werden

200-220
85-90
max. 60
38-42

0-30 cm

80 20 60 20 40 ≥25 40 25 80

.. Tab. 2.6  Seitliche Abstände von Stellflächen zu Sanitärobjekten bzw. zu Wänden in cm. Mindestmaße gem. VDI 6000-1. Zwischen Stellflächen und
Türleibungen sind mind. 10 cm vorzusehen. Für Badmöbel ist ein Mindestabstand von 3 cm zu den Wänden einzuplanen

Einzel- Doppel- Einbau- Einbau- Hand- Sitzwasch- WC WC Urinal Dusch- Bade- Wasch-
wasch- wasch- wasch- wasch- wasch- becken Spü- Spü- wanne wanne maschi-
becken becken tisch tisch becken lung lung ne |
1 Be- 2 Be- vor der Wand- Trock-
cken cken Wand einbau ner

WB DWB EWT EDWT HWB SWB WCa WCu UR DU BW WM


TR

WB – – – – – 25 20 20 20 20 20 20

DWB – – – – – 25 20 20 20 20 20 20

EWT – – – – – 25 20 20 20 15 15 20

HWB – – – – – 25 20 20 20 20 20 20

SWB 25 25 25 25 25 – 25 25 25 25 25 25

WC 20 20 20 20 20 25 – – 20 20 20 20

UR 20 20 20 20 20 25 20 20 – 20 20 20

DU 20 20 15 15 20 25 20 20 20 – – 3

BW 20 20 15 15 20 25 20 20 20 – – 3

WM 20 20 15 15 20 25 20 20 20 3 3 –
TR

Wand 20 20 – – 20 25 20 20 20 – – 20
25* 25* 25*

* Bei Wänden auf beiden Seiten.

Gibt es keine Anforderungen bezüglich einer barrierefreien Neben den sanitären Einrichtungsgegenständen sind Möbel
Nutzung der Sanitärräume, kommen in der Praxis häufig für die Aufbewahrung von Handtüchern, Kosmetika, Rei-
noch die Planungsgrundlagen der im Jahr 2007 zurückgezo- nigungs- und Arzneimittel, Toilettenpapier etc. einzuplanen.
genen DIN 18 022 zur Anwendung. Diese besagt, dass zwi- In Wohneinheiten ohne Hausarbeitsraum und Keller müssen
schen zwei Sanitärobjekten in Bad und WC ein seitlicher im Bad Stellflächen und Anschlüsse für Waschmaschine und
Abstand von 20–25 cm eingehalten werden soll; zwischen Wäschetrockner und wenn möglich, Arbeitsflächen vorgese-
Sanitärobjekten und Wänden i. d. R. 20 cm. Vor Sanitärobjek- hen werden. Für Vorwandinstallationen und Installations-
ten ist eine Bewegungsfläche von mindestens 75 cm Tiefe schächte ist ein zusätzlicher Flächenbedarf zu berücksichtigen.
vorzusehen. Auf der Bedienseite von Wasch- und Trockenge- Für Vorwandinstallationen können, gemessen von der Roh-
räten beträgt der Mindestabstand sogar 90 cm. bauwand bis zur Vorderkante der Beplankung (ohne Fliesen),
folgende Maße zugrunde gelegt werden:
48 Kapitel 2 • Sanitärräume

1 .. Tab. 2.7  Mindestbewegungsflächen vor sanitären Einrichtungsgegenständen gem. VDI 6000-1. Bei gegenüberliegender Anordnung von sanitären
Ausstattungsgegenständen ist ein Abstand ≥ 75 cm vorzusehen. Bewegungsflächen vor sanitären Einrichtungsgegenständen dürfen sich überschnei-
den, wenn eine Gleichzeitigkeit bei der Benutzung ausgeschlossen werden kann
2 Einzel- Dop- Einbau- Einbau- Hand- Sitzwasch- WC WC Urinal Dusch- Bade- Wasch-
wasch- pel- wasch- wasch- wasch- becken Spü- Spülung wanne wanne maschi-
3 becken wasch-
becken
tisch
1 Be-
tisch
2 Becken
becken lung
vor
Wand-
einbau
ne |
Trockner
cken der

4 Wand

Breite 90 150 90 150 70 80 80 80 60 80 90 90

5 [cm] (70*)

Tiefe 55 55 55 55 45 60 60 60 60 75 75 90
[cm]
6
* Bei Eckeinstieg.

7
8 -- 17 cm bei horizontaler Leitungsführung,
25 cm bei vertikaler Leitungsführung.

Empfehlungen für Maße bei Böden im Dachraum zeigt


9
. Abb. 2.22.

10 zz Ausstattung
Zur Grundausstattung von Badezimmern in Wohnungen ge-
200
11 hören eine Badewanne/Dusche, ein Waschtisch sowie ein
WC-Becken. Abhängig von den individuellen Bedürfnissen
12 und den gegebenen Platzverhältnissen, kann die Einrichtung
um Bidet, Urinal, Badezimmermöbel bis hin zu Sauna, Whirl-
13 pool und Schwimmbecken erweitert werden.
60 80
Form und Maße der sanitären Ausstattungsgegenstände wer-
14 den i. d. R. durch die vorgesehene Funktion bestimmt. Anhalts-
.. Abb. 2.22  Bei der Planung von Bädern im Dachraum, ist in stehender
Position vor dem Sanitärobjekt für ausreichend Kopffreiheit zu sorgen
werte für die Abmessungen und Montagehöhen der gebräuch-
15 lichsten Sanitärobjekte sind in der VDI 6000-1 (. Tab. 2.8) Nuancen die gleichen Farben aufweisen, selbst bei unter-
gegeben, die jedoch herstellerspezifisch variieren können. schiedlichen Materialien (z. B. Keramikwaschtisch neben
16 Aus Gründen der Hygiene sollten Sanitärobjekte glatte, po- emaillierter Stahlwanne) und verschiedenen Fabrikaten.
renfreie und gut zugängliche Oberflächen haben um die Ab- Waschtische sind mit Einzel- und Doppelbecken, frei mon-
17 lagerung von Schmutz und Ansiedlung von Krankheitskei- tiert oder als Einbau-, Unterbau- oder Aufsatzwaschtische
men zu vermeiden. erhältlich. Die Ablaufgarnitur und die Anschlüsse für die Aus-
18 laufarmatur können sichtbar oder verdeckt hinter einer Halb-
zz Waschbecken/Waschtisch säule, Standsäule oder in einem Waschtischunterschrank ge-
Waschbecken, im Fachhandel üblicherweise als Waschtisch führt werden (. Abb. 2.23). Die Befestigung des Waschtisches
19 bezeichnet, dienen vorwiegend der Reinigung einzelner Kör- erfolgt bei tragfähigen Wänden mit speziellen Stockschrauben
perteile unter fließendem oder stehendem Wasser. Hand- oder bei Leichtbauwänden mit einem vorgefertigten Monta-
20 waschbecken unterscheiden sich von Waschtischen lediglich gegerüst.
in der Größe. Sie sind kleiner und daher nur zum Hände- Die Nennweiten der Anschlüsse betragen für Warm- und Kalt-
21 waschen, z. B. in WC-Räumen, geeignet. wasser jeweils DN 15–20 für Abwasser DN 40. Eckventile be-
finden sich unterhalb des Beckens beim Austritt der Leitungen
22 Gebräuchliche Werkstoffe für Waschtische und Handwasch- aus der Wand. Kalt- und Warmwasserzuleitungen können hier
becken sind in erster Linie Sanitärporzellan; daneben Sanitär- abgesperrt werden. Die Eckventile sind i. d. R. 25 bis 30 cm
23 keramik, emaillierter Stahl, Acryl, Mineralwerkstoff, Natur- unter Oberkante Beckenrand mit einem Abstand untereinan-
stein, Beton und Edelstahl. Weitere, im gleichen Raum der von 15 bis 33 cm angebracht. Bei nebeneinander angeord-
angeordnete Sanitärgegenstände, wie Wanne, WC-Becken, neten Wasseranschlüssen sollten sich der Warmwasser­
Bidets und Zubehörteile sollen nach Möglichkeit auch in anschluss auf der linken und der Kaltwasseranschluss auf der
2.1  •  Wirtschafts- und Sanitärräume in Wohnungen
49 2

.. Tab. 2.8  Standardmaße und Montagehöhen über Fertigfußboden von sanitären Einrichtungsgegenständen gem. VDI 6000-1

Einzel- Doppel- Einbau- Einbau- Hand- Sitzwasch- WC WC Urinal Dusch- Bade- Wasch-
wasch- wasch- wasch- wasch- wasch- becken Spü- Spülung wanne wanne maschi-
becken becken tisch tisch becken lung Wandein- ne |
1 Be- 2 Be- vor bau Trock-
cken cken der ner
Wand

Breite 60 120 70 140 45 40 40 40 40 80 170 60


[cm]

Tiefe 55 55 60 60 35 60 75 60 40 80 75 60
[cm]

Höhe 85 bis 90 38 bis 42 65 –


[cm]

60 40 A

38-42
55

60
60-70

OKF
30-40

A 85-90 B
8
25-30
20-40

KW WW
40 B
15-33 7-8
38-42
OKF
60

.. Abb. 2.23  Installationshöhen für Zulaufarmaturen und Ablaufanschluss


bei Waschtisch-Waschplätzen. A Anschlüsse sichtbar. B Anschlüsse hinter
einer Halbsäule bzw. Standsäule OKF

rechten Seite befinden. Der Ablaufanschluss befindet sich, .. Abb. 2.24  Bodenstehendes (A) und wandhängendes (B) Bidet nach
Katalogzeichnungen der Firma Keramag. Die Installationsmaße der
abhängig von der Bauhöhe des Waschbeckens, etwa 20 bis
Eckventile und der Ablaufanschlüsse variieren herstellerabhängig
40 cm unter Oberkante Beckenrand zwischen den Eckventilen.
Der Ablauf des Beckens wird üblicherweise mittels Exzenter-
Ablaufgarnitur, einem Übertragungsmechanismus zwischen Sitzwaschbecken werden bodenstehend oder wandhängend
Betätigungshebel und Verschluss, geöffnet bzw. verschlossen. montiert (. Abb. 2.24). Wandhängende Modelle kommen
Waschtische und Handwaschbecken haben wandseitig auf üblicherweise in Verbindung mit Vorwandinstallationen zum
ihrer oberen Fläche mehrere Stellen dünnerer Wandstärken, Einsatz, wo sie an einem Montagerahmen befestigt werden.
um dort 1–3  Hahnlöcher zum Einsetzen von Armaturen Bei entsprechender Tragfähigkeit ist auch eine Wandveranke-
(„Wasserhähnen“) schlagen zu können. rung mit Stockschrauben möglich. Standmodelle werden mit
Spiegel oberhalb von Waschtischen sollen in etwa den Höhen- Schrauben am Fußboden befestigt.
bereich zwischen 1,30 m und 1,70 m über OKF einnehmen. Unter hygienischen Gesichtspunkten ist ein wandhängendes
Bidet zu bevorzugen, da unter dem Objekt gereinigt werden
zz Sitzwaschbecken kann und sich keine Schmutzecken bilden.
Sitzwaschbecken (Bidets) gehören in romanischen Ländern seit Die Mischbatterie wird als Wandbatterie oder als Standbatte-
langem zur Grundausstattung des Bades, sind aber auch in gut rie am Beckenrand i. d. R. wandseitig angebracht. Seifen-
ausgestatteten Bädern in Nordeuropa zu finden. Sie sind für ablage, Handtuchhalter und ggf. ein Haltegriff in unmittel-
Unterkörperwaschungen wie auch zur Fußpflege bestimmt und barer Nähe sollten nicht vergessen werden.
werden zusätzlich zum WC-Becken im Badezimmer eingebaut. Angeschlossen werden Sitzwaschbecken an Kalt- und Warm-
Das Bidet wird i. d. R. neben dem WC-Becken angeordnet und wasser mit einer Nennweite von DN 15–20 und an das Ab-
sollte diesem in Form, Farbe und Abmessungen entsprechen. wasser mit DN 40.
Anwendung finden vorwiegend Modelle aus Sanitärporzellan.
50 Kapitel 2 • Sanitärräume

1
2 Silikondichtung/Hinterfüllung

3
4 Parallelform Diagonalform Körperform

5 Anpressleiste

6
7 .. Abb. 2.26  Kombination von Wannenleiste und Fußgestell (. Abb. 2.27)
mit wasserdichtem Wandanschluss

8 vorgefertigten Verkleidung mit Fliesenbelag, Kunststoff-


beschichtung, Echtholz, Holzdekor oder emailliertem Stahl-
blech/Acryl eingebaut. Alternativ kommen kastenförmige
9
Pool Eckwanne Sechseckwanne
Wannenträgern aus Polystyrol-Hatschaum in Frage
(. Abb. 2.28). Diese weisen sehr gute Schall- und Wärme-
10 .. Abb. 2.25  Verschiedene Wannentypen dämmeigenschaften auf. Fliesen können direkt, im Dünnbett-
verfahren, auf den Wannenträger aufgebracht werden.
11 zz Badewanne Ein Untertritt außen an der Wannenlängsseite, entweder in
Badewannen werden in einer Vielzahl von Formen (Eck-, Form eines mindestens 4–6  Platten breiten Streifens, der
12 Körperform-, Parallel-, Rund-, Oval-, Diagonalwanne 8–10 cm zurückspringt, oder besser noch als wannenhohe
u. v. m.) und Größen angeboten (. Abb. 2.25). Abschrägung, erleichtert die Wannenreinigung. Ein Revisi-
13 Die den Mindestmaßen gemäß VDI 6000-1 betragen onsrahmen in der seitlichen Wannenverkleidung soll den
1,70/0,75 m. Die Wannentiefe, gemessen von Oberkante Wan- unter dem Wannenablauf befindlichen Geruchverschluss zu-
nenrand bis Oberkante Ablauf beträgt bei den handelsübli- gänglich machen. Der übliche Revisionsrahmen besteht aus
14 chen Modellen 41 bis 47 cm. Kriterien für die Auswahl der einem Metallrahmen mit 4–6 unverfugten, durch eine
Badewannengröße können die gegebenen Platzverhältnisse Schraubvorrichtung gehaltenen Fliesen. Der Revisionsrah-
15 oder die Körpergröße und Anforderungen des Nutzers sein. men kann entfallen, wenn der Wanneninhalt über einen Ba-
Badewannen für die Benutzung im Liegen (sog. Liegewan- deablauf (Durchlaufgully) und dessen Geruchverschluss ab-
16 nen) stehen herstellerabhängig in abgestuften Längen von läuft (vgl. . Abb. 3.40).
etwa 1,40 bis 2,0 m zur Auswahl. In Wohneinheiten kleineren Die Normalhöhe für den Einbau beträgt 45 bis 60 cm über
17 Zuschnitts können Kurzwannen, Stufenwannen oder Raum- OKF. Es sollte darauf geachtet werden, dass unter der Wanne
sparwannen eingesetzt werden. noch mindestens 10–15 cm für den Geruchverschluss (Sperr-
18 Als Werkstoffe werden vorwiegend durchgefärbtes Sanitär- wasserhöhe: 5 cm) vorhanden ist. Eine niedrigere Montage-
acryl und porzellanemailliertes Stahlblech verwendet, aber höhe zwischen 35–45 cm kann durch einen Einbau ohne
auch Mineralguss, Naturstein, Holz und Beton. Gusseiserne Wannenfüße oder durch eine Aussparung in der Rohdecke
19 Wannen sind kaum noch im Handel erhältlich. erreicht werden. Die geringere Einbauhöhe erleichtert den
Badewannen werden i. d. R. in einer Nische oder Ecke ein- Einstieg für Kinder und älteren Menschen.
20 gebaut, an der flachen Wand, aber auch freistehend im Raum Ein bodenbündiger Einbau in ein Podest erschwert den Ein-
positioniert. Aus psychologischen Gründen empfiehlt es sich, und Ausstieg aus der Wanne und ist damit für die barriere-
21 dass Kopfende der Wanne mit Blick auf die Badezimmertür freie Badbenutzung wenig geeignet.
auszurichten. Zweckmäßigerweise sollten Wannen nach der Wandverflie-
22 Einbauwannen aus Stahl und Sanitäracryl werden üblicher­ sung, aber vor dem Verfliesen des Bodens aufgestellt werden,
weise auf Fußgestellen mit höhenverstellbaren Füßen so dass sie in die vom Fliesenleger ausgesparte Wandfläche
23 (. Abb. 2.27) aufgesetzt und bei Wand- und Nischeneinbau einzustellen und leicht auszurichten sind.
mit Wandankern oder –leisten an der Wand befestigt Infolge temperaturbedingter unterschiedlicher Ausdehnung
(. Abb. 2.26). An ihren freistehenden Seiten werden sie ent- von Wanne und Wand, sowie als Folge einer elastischen
weder abgemauert und mit Fliesen verkleidet oder mit einer Wannenaufstellung, lässt sich zwischen Wannenrand und
2.1  •  Wirtschafts- und Sanitärräume in Wohnungen
51 2

schalldämmende
Einlage Silikondichtung/Hinterfüllung

EPS-Wannenträger

.. Abb. 2.28  Wannenträger aus Polystyrol-Hartschaum mit wasserdichtem


Wandanschluss an die Wandfliesen
.. Abb. 2.27  Wannenauflage auf höhenjustierbaren Schraubfüßen
Bei Wannen mit Whirlsystemen wird Wasser aus der Wanne
Wandfliesen keine wasserdichte Mörtelfuge herstellen. Au- abgesaugt und motorisch beschleunigt über Düsen in den
ßerdem begünstigt ein starrer Anschluss die Übertragung Seitenwänden, dem Wannenboden oder der Rückwand, dem
von Körperschall. Bei der Wannenmontage sollte daher ein Wanneninhalt, ggf. unter Luftbeimischung, wieder zugeführt.
Wannenrand-Dichtungsprofil aus alterungsbeständigem Die Steuerung der Düsen erfolgt über ein Bedienelement am
Kunststoff in die Fuge eingelegt werden, das abschließend Wannenrand. Abnehmbare Wannenverkleidungen erleich-
mit einem dauerelastischen fungiziden Material verfugt wird tern die Zugänglichkeit der unterhalb der Wannen angeord-
(. Abb. 2.26). neten Technik (Wasserpumpen, Gebläse). An besondere
Schwimmende Estriche gehen zweckmäßigerweise unter der Wannentypen ist die Whirltechnik i. d. R. nicht gebunden.
Wanne durch. Bei Aufstellung auf die Rohdecke sollte auf
körperschalldämmende Auflagerung geachtet werden. Elas- zz Dusche
tomer-Zwischenlagen zwischen Wanne und angrenzenden Duschen für die Ganzkörperreinigung, im stehen oder sitzen
Bauteilen wirken sich schalltechnisch günstig aus. Eine unter fließendem Wasser, können in kleinen Wohneinheiten
wärme- und schalldämmende Ausstopfung des Hohlraumes als Alternative zur Badewanne eingesetzt werden oder in
unter der Wanne ist zu empfehlen. Weniger aufwendig ist es, größeren Wohneinheiten als Ergänzung zur Badewanne im
die Wannenaußenseiten vor dem Wanneneinbau mit Schaum- Badezimmer bzw. als zusätzliches, separates Duschbad ein-
stoffplatten zu bekleben. geplant werden.
Freistehende Wannen können eine eckige, ovale oder runde
Form haben. Sie sind entweder aus einem Stück gefertigt oder Duschwannen gibt es als Quadrat-, Eck-, Rund- und Recht-
erhalten eine Verkleidung aus Holz, Sanitäracryl oder Fliesen. eckwannen in unterschiedlichen Abmessungen aus email-
Soll die Wanne von allen Seiten zugänglich sein, ist eine liertem Stahlblech, Chromnickelstahl, Feuerton und Acryl.
Raumgröße von mind. 12 m² erforderlich. Wasser- und Ab- Die gängigsten Größen sind 80 × 80 cm und 90 × 90 cm (äu-
wasseranschlüsse müssen an der Position der Wanne im Bo- ßere Abmessungen). Die Höhe variiert von etwa 3,5 cm für
den vorgesehen werden. Der Wasserzulauf kann entweder den bodenbündigen Einbau bis 30 cm. Bei entsprechender
über am Boden verankerte Standarmaturen oder in den Wan- Ausbildung des Fußbodens mit einem Gefälle von 1–2 % zu
nenkörper integrierte Armaturen erfolgen. einem Bodenablauf, kann auch auf eine Duschwanne ver-
Das Ablauf- und das Überlaufventil befinden sich entweder zichtet werden.
in der Mittelachse am Fußende oder in der Mitte der Wanne. Überall dort, wo die Dusche täglich in Anspruch genommen
Der Wasserablauf der Badewanne kann direkt mit einem wird, die Badewanne jedoch nur gelegentlich (der Regelfall),
Geruchsverschluss in der Nennweite DN 50 oder über einen sollte die Duschnische ausreichend groß bemessen sein. Erst
Bodenablauf erfolgen. Nach Einmündung in einen Boden- ab 90/110 cm Grundfläche ist eine Nutzung ohne Kollisionen
ablauf beträgt die Nennweite DN 70. Die Zulaufarmaturen mit Nischenbegrenzung und vorstehenden Armaturen mög-
haben eine Nennweite von DN 15 oder DN 20. lich. Eine Sitzstufe ist wünschenswert. Bei mangelnder Stell-
Wannenfüllarmaturen werden entweder am Fußende oder an fläche im Bad sollte nicht die Nischenabmessung, sondern
der Längsseite der Wanne installiert. Üblicherweise ist eine vorrangig die Wannenlänge reduziert werden.
Handbrause, ggf. mit höhenverstellbarer Gleitstange, an die Der Einbau einer Duschtasse erfolgt i. d. R. mit höhenverstell-
Wannenfüll- und Brausebatterien angeschlossen. baren Fußgestellen wie bei Badewannen (. Abb. 2.29), sofern
52 Kapitel 2 • Sanitärräume

1
2
3 OK Wanne

4 Standfläche
Standfläche 1-2%
OKF
OKF

5
6 .. Abb. 2.29  Einbau der Duschtasse auf einem höhenjustierbaren Fußgestell
.. Abb. 2.30  Bodengleicher Duschplatz mit Bodenablauf

7 nicht aus schalldämmtechnischen Gründen ein Hartschaum­


unterbau vorgezogen wird. schwelle, ab etwa 50 °C besteht Verbrühungsgefahr. Thermo-
8 Bündig mit der Fußbodenoberfläche einzubauende Dusch- statische Armaturen, die bei 38–40 °C arretierbar sind,
plätze erfordern einen entsprechend hohen Fußbodenaufbau erleichtern nicht nur Familien mit Kindern die Benutzung.
um die Bodenabläufe und die horizontale Anschlussleitung Der Einbau erfolgt üblicherweise in einer Raumecke oder
9
darin unterzubringen (. Abb. 2.30). Vertiefungen bzw. Aus- -nische, aber auch frei im Raum.
sparungen in der Deckenplatte ermöglichen eine geringere Duschabtrennungen zum Schutz gegen spritzendes Wasser
10 Aufbauhöhe des Fußbodens. Von verschiedenen Herstellern werden gefliest, aus Glasbausteinen aufgesetzt oder aus Si-
werden dafür punkt- und linienförmige Entwässerungssys- cherheitsglas erstellt. Daneben sind bewegliche Abschlüsse im
11 teme mit Anschluss an Bodenabläufe geringer Bauhöhe (ab Handel erhältlich. Sie bestehen im Regelfall aus Kunststoff-
ca. 45 mm) sowie einbaufertige Duschelemente mit integrier- gläsern in Kunststoff- oder Aluminiumrahmen mit Schiebe-
12 tem Gefälle angeboten. oder Falttüren. Bei Schiebetüren sollte auf einfache Rei-
Bei den Duscharmaturen gibt es verschiedene Brauseköpfe, nigungsmöglichkeit der Führungen geachtet werden.
13 die sich im Strahlbild (u. a. Regen-, Stachel-, Fächerduschen), Spritzvorhänge müssen so angeordnet sein, dass sie abtrop-
das möglichst veränderbar sein sollte, wie auch in der Durch- fendes Wasser in die Brausewanne leiten.
flussleistung unterscheiden. Der Wasserablauf der Duschwanne kann direkt mit einem
14 Festmontierte Brauseköpfe sind unter Berücksichtigung von Geruchsverschluss in der Nennweite DN 50 oder über einen
Fliesenformaten in etwa folgenden Höhen anzubringen Bodenablauf erfolgen. Nach Einmündung in einen Boden-

--
15 (. Abb. 2.31): ablauf beträgt die Nennweite DN 70. Die Zulaufarmaturen
1,8–2,3 m Kopfbrause, haben eine Nennweite von DN 15 oder DN 20.

--
16 1,7–2,0 m Körperbrause (Nackenbrause), Der Fliesenanschluss der Duschwanne ist analog zur Bade-
1,4–1,6 m Seitenbrause (Schulterbrause), wanne ausführbar.
17
18
--
1,1–1,5 m Seitenbrause (Rückenbrause),
0,55–0,75 m Unterbrause (Beinbrause),
0,45–0,6 m Unterbrause (Fußbrause).
zz WC-Becken
Eine Toilette mit Wasserspülung zählt in Europa zur Stan-
dardausstattung von Bädern. Als Materialien kommen vor-
Eine Schlauchbrause, die höhenverstellbar an einer senk- wiegend Sanitärporzellan und Sanitärkeramik zum Einsatz.
19 rechten Gleitstange befestigt werden kann, hat gegenüber fest Bei den Beckenbauarten ist grundsätzlich zwischen Flach-
montierten Brauseköpfen zudem den Vorzug der bequemen und Tiefspülbecken (. Abb. 2.32) zu unterscheiden. Flach-
20 Handhabung beim säubern der Wanne und Nische. Die spülbecken mit flacher Schüssel und geringem Wasserinhalt
Strahlstärke von Handbrausen kann i. d. R. verändert werden, waren bis vor einigen Jahren in Deutschland vorherrschend.
21 z. B. vom Normalstrahl zu weichem Strahl oder pulsierendem Der Geruchsverschluss befindet sich bei diesen Modellen im
Massagestrahl. Darüber hinaus bieten Hersteller verschiedene tiefer liegenden Ablauf und die Geruchsentwicklung ist dem-
22 Duscharmaturen an, die aus der Saunakultur bzw. aus dem entsprechend ausgeprägter. In Neubauten werden sie zuneh-
therapeutischen Bereich übernommen wurden, wie z. B. Rain- mend verdrängt durch Tiefspülbecken mit trichterförmigem
23 shower- und Schwallbrausen, Wasserschütten, Kneipschlauch Becken, in denen das stehende Wasser den Geruchsverschluss
und seitliche Massagedüsen. bildet und die Geruchsentwicklung wesentlich geringer ist.
Beim Duschen werden bereits Änderungen der Wassertem- Absaugbecken, eine Variante des Tiefspülbeckens, arbeiten
peratur um 2 K registriert. Bei etwa 40 °C liegt die Schmerz- geräuscharm, da eine stürzende Wassersäule nicht erforder-
2.1  •  Wirtschafts- und Sanitärräume in Wohnungen
53 2

Kopfbrause

A B
Körperbrause .. Abb. 2.32  WC-Becken bodenstehend (nach Katalogzeichnung Keramag):
A Tiefspülbecken, B Flachspülbecken

Schulterbrause
40 A

Rückenbrause

60
38-42
Beinbrause

Fußbrause

40 B

.. Abb. 2.31  Brauseanlagen mit fest montierten Brauseköpfen


60

lich ist. Ein Teil des Spülwassers wird unter Umgehung des
Beckens direkt in den Geruchverschluss geführt und das 38-42
Becken dabei infolge Heberwirkung abgesaugt. In der Regel
werden Absaugbecken mit einem tiefhängenden Spülkasten
kombiniert. Sie benötigen eine relativ große Wassermenge
und sind anfällig für Abflussverstopfungen. In Deutschland
wird diese Beckenbauart kaum noch verwendet. Flach- und
Tiefspülbecken liegen preislich etwa auf gleichem Niveau, Ab- .. Abb. 2.33  WC-Becken bodenstehend (A) und wandhängend (B)
saugbecken etwas höher.
Unabhängig von der Spültechnik können die WC-Becken Bodenstehende WC-Becken werden i. d. R. mit Schrauben auf
wandhängend oder bodenstehend montiert werden dem fertigen Fußboden verankert.
(. Abb. 2.33). Wandhängende WC-Becken erleichtern die Der Anschluss an das Abwassersystem erfolgt über einen
Reinigung und sind somit unter hygienischen Gesichtspunk- unteren oder hinteren Abgang, d. h. sie entwässern in Rich-
ten zu bevorzugen. Sie sind mittels zweier Steinschrauben tung Decke oder Wand, z. T. auch schräg seitlich. Genormt
sorgfältig an der Wand zu verankern (sofern sie nicht an sind z. Z. Flach- und Tiefspülbecken mit freiliegendem, waa-
Montageelementen einer Vorwandinstallation oder einer gerecht nach hinten führenden Ablauf, mit freiliegendem
Leichtbauwand zu befestigen sind). Die erforderliche Min- nach unten (22°, 45°, 90°) sowie mit verdeckt innerhalb des
destmassivwanddicke beträgt 11,5 cm. Bei geringerer Wand- WC-Sockels nach unten führenden Ablauf.
dicke oder labilem Wandbaumaterial werden Stützkonstruk- WC-Spüleinrichtungen können als Spülkästen oder Druck-
tionen in Winkelform aus Stahl erforderlich. Die unteren spüler, verdeckt oder freiliegend, vorgesehen werden. Wand-
Schenkel der Stützkonstruktion können u. U. Schallbrücken hängende WC-Becken erhalten i. d. R. wandeingebaute Spül-
zwischen Rohdecke und schwimmendem Estrich bilden. Mit vorrichtungen. Bei eingebauten Spüleinrichtungen findet ein
55–60 cm Ausladung beanspruchen wandhängende Becken über mehrere Geschosse geführtes Schmutzwasserfallrohr
weniger Platz als bodenstehende Modelle. DN 100 meist keinen Platz mehr unmittelbar hinter dem WC-
54 Kapitel 2 • Sanitärräume

1
2
3
4
5
.. Abb. 2.34  Befestigung wandhängender WC- und Bidetbecken unter
6 Verwendung von selbstklebenden Schutzmatten in Verbindung mit
Schallschutz-Befestigungshülsen (hier Geberit) bewirken eine erhebliche
Reduktion von Körperschall. Nach dem gleichen Prinzip können auch
7 bodenstehende Becken schalldämmend befestigt werden. Eine schallschutz-
technische Entkopplung von Sanitären- Ausstattungsgegenständen

8 (Waschtisch, WC-Becken, Bidets) sind unumgänglich, wenn ein erhöhter


Schallschutz gem. VDI 4100 vereinbart wurde
.. Abb. 2.35  Montageelement zur Befestigung wandhängender WC- und
Becken mit der zentrisch anzuordnenden Spüleinrichtung. Es
9 Bidet-Becken bei Vorwandinstallationen
wird daher üblicherweise seitlich versetzt angeordnet.
Es sind Spülkästen nach DIN EN 14 055 oder Druckspüler 100 reicht eine Spülwassermenge von 6 oder 9 Litern (ggf.
10 nach DIN EN 12 541 zu verwenden (. Abb. 2.36). wassersparende Klosettanlagen mit 4,0/4,5 l) aus. Wieviel
Drückspüler nutzen für den Spülvorgang den Wasserdruck Wasser zum Durchspülen des WC-Siphons benötigt wird,
11 der Leitung. Im Gegensatz zu Spülkästen halten sie stets Spül- hängt von den hydraulischen Eigenschaften des WC-Beckens
wasser ohne Wartezeit zur Verfügung. Voraussetzung ist ein ab. Ob für ein Becken 6 oder 9 l Spülwasser erforderlich sind,
12 ausreichender Wasserdruck. Bei einem Leitungsquerschnitt ist an der Kennzeichnung zu erkennen, die im Bereich der
von DN 20 wird ein Mindestfließdruck von 1,0 bar und bei Sitzbefestigung eingebrannt ist.
13 einer Nennweite von DN 25 wird 0,8 bar empfohlen. Eine ge-
sonderte Wasserzuleitung ab Verteilerbatterie kann bei nied- zz Urinale
rigen Netzdrücken verhindern, dass bei Betätigung des Urinalbecken (. Abb. 2.37) haben in privaten Haushalten
14 Druckspülers der Wasserdruck an anderen Entnahmestellen bisher kaum Eingang gefunden. Zum Einsatz kommen sie
abfällt. Anstelle ursprünglich relativ geräuschvoller Ausfüh- i. d. R. in wandhängender Ausführung aus Sanitärporzellan
15 rungen wurden inzwischen ausgesprochen leise Modelle ent- oder -keramik vor gefliesten Wänden. Die Befestigung erfolgt
wickelt (Armaturengruppe I). Druckspüler mit Zweimengen- ähnlich wie bei WC- und Bidet-Becken mit Steinschrauben
16 Spültechnik sind mit zwei Tasten ausgestattet und bieten direkt an der Wand (bei ausreichender Tragfähigkeit) oder

17
18
--
folgende Dosiermöglichkeiten:
normale Spülung mit 6 oder 9 l (einstellbar) oder
Sparspülung mit ca. 3 l.
bei Vorwandinstallationen über ein Montagegerüst. Mit ei-
nem Ablauf DN 50 werden sie an die Abwasserleitung an-
geschlossen. Der Wasserzulauf erfolgt über einen Kaltwasser-
anschluss DN 15.
Spülkästen werden i. d. R. entweder direkt auf den rückwärti-
gen Teil des WC-Beckens aufgesetzt (Spülkasten und Becken Urinale können mit einer automatischen Spülvorrichtung ver-
19 können auch baulich eine Einheit bilden) oder in die hinter sehen werden, die z. B. mikrowellengesteuert nach jeder Be-
dem Becken befindliche Wand eingebaut. Die Nischentiefe nutzung in Betrieb geht (und unterscheidet, ob sich jemand
20 beträgt dann mindestens 11,5 cm. Halbhoch oder hoch an- nähert oder entfernt). Die Steuerung kann über das Strom-
geordnete Spülkästen sind inzwischen kaum noch gebräuch- netz gespeist werden oder netzunabhängig von einer Batterie.
21 lich. Der Querschnitt der Zuleitung beträgt DN 15. Extrem Das Spülwasservolumen von modernen Urinalen liegt im
flache Vorwand-Spülkästen von etwa 10 cm Tiefe kommen Bereich von 0,5–1,0 Liter je Spülvorgang.
22 ggf. bei beengten räumlichen Verhältnissen in Betracht. Auch
Spülkästen sollten für 6 oder 9 l Spülvolumen einstellbar sein, zz Armaturen
23 mit einer Spartaste zum Unterbrechen des Spülvorganges. Sanitärarmaturen sind in großer Vielfalt im Handel erhältlich.
Die Bestrebungen, den Trinkwasserverbrauch einzuschrän- Neben den Absperrorganen innerhalb eines Leitungsstranges,
ken, schließen WC-Spülungen ein. Entsprechend DIN 1986- den sog. Durchgangsventilen, sind Mischbatterien (Warm-
2.1  •  Wirtschafts- und Sanitärräume in Wohnungen
55 2

40

ca. 65

40
A B C D E F .. Abb. 2.37  Wandhängendes Urinalbecken mit angeformtem Geruchsver-
schluss
.. Abb. 2.36  Anordnungsvarianten von Spülkästen und Druckspüler für
WC-Becken nach DIN EN 14 055 und DIN EN 12 541: A tiefhängender Auslaufventile
Aufputz-Spülkasten, B Wandeinbau-Spülkasten, C aufgesetzter Spülkasten
(WC-Kombination) bzw. angeformter Spülkasten (Einstückanlage),
D halbhochhängender | hochhängender Aufputz-Spülkasten, E Aufputz-
Druckspüler, F Wandeinbau-Druckspüler

A B C
wasserarmaturen) und Auslaufventile (Kaltwasserarmaturen)
zu unterscheiden.
Waschtischarmaturen
Ihren schalltechnischen Eigenschaften entsprechend, sind Ar-
maturen in zwei Gruppen eingeteilt: Armaturengruppe I und
II. Armaturen der Gruppe II dürfen gem. DIN 4109 nicht an
Wänden angeordnet werden, die an fremde Wohn-, Schlaf- und
Arbeitsräume grenzen, auch nicht an Wänden, die diese Wände
flankieren (vgl. . Abb. 1.10 und 1.11). Marktgängige Armaturen D E F
entsprechen im Regelfall den Anforderungen der Gruppe I.
Auslaufventile (Zapfhähne) dienen in Wohngebäuden aus-
schließlich zum Zapfen von Kaltwasser ohne Heißwasser-Zu- Wannen-/Duscharmaturen
mischung und werden als Standventil beispielsweise auf
Handwaschbecken von WC-Räumen oder über dem Becken
als Wandventil installiert. Als Wandventil mit Schlauchver-
schraubung, d.  h. mit Anschlussmöglichkeit für einen
G H
Schlauch, werden sie im Garten, in Garagen und Heizungs-
kellern, aber auch für die Gebäudereinigung in größeren Sa- .. Abb. 2.38  Wasserentnahmearmaturen (in Anlehnung an Katalogzeich-
nungen der Firma Hansgrohe): A Auslauf-Standventil, B Auslauf-Wandventil,
nitärräumen verwendet. C Auslaufventil mit Schlauchverschraubung, D Einhand-Standarmatur,
Mischbatterien bestehen aus der Kombination je eines Kalt- E Zweigriffarmatur, F 3-Loch-Wandarmatur, G Einhand-Wannenbatterie mit
und Warmwasserventils. Die Wassertemperatur wird entwe- Brausegarnitur, H 4-Loch-Wannenkombination
der manuell durch Betätigen der Ventile eingestellt oder
thermostatisch gesteuert. Sie werden entweder als Unterputz- Linie Waschtische und Spülen. Für die Montage werden an
armatur auf bzw. in der Wand oder als Standbatterie auf dem den dafür vorgerichteten dünneren Stellen des sanitären Ein-
Waschtisch montiert. Als Wandbatterien versorgen sie vor- richtungsgegenstandes sogenannte Hahnlöcher eingeschla-
nehmlich Ausgussbecken und Badewannen, letztere in Form gen. Eckventile unter Waschtischen, Handwaschbecken usw.
sog. Wannenfüll- und Brausebatterien (. Abb. 2.38). Wand- ermöglichen es, den Wasserzufluss zu den Armaturen ab-
batterien für Duschwannen gibt es sowohl für Aufwandmon- zusperren.
tage als auch für den Wandeinbau, wobei nur die Bedienungs- Grundsätzlich zu Unterscheiden sind Mischbatterien anhand
griffe sichtbar bleiben. Standbatterien versorgen in erster ihrer Handhabung:
56 Kapitel 2 • Sanitärräume

1 - Armaturen mit Drehgriffen (Zweigriffarmaturen) für


warmes Wasser auf der linken und kaltes Wasser auf der
zz Abdichtungen
Da Wand- und Bodenflächen in Bädern in hohem Maße

2
3
- rechten Seite.
Einhandmischer regulieren bei vertikaler Betätigung
(auf/ab) die Wassermenge, bei horizontaler Betätigung
(drehen) das Temperatur-Mischverhältnis.
feuchtebelastet sind durch Spritzwasser, Wasserdampf und
u. U. durch das Ablaufwasser bei bodenebenen Duschen/
Bodenabläufen, muss bei der Planung besonderes Augenmerk
auf die Abdichtung gelegt werden. Geflieste Wand- und Bo-
denflächen im Spritzwasser- bzw. Ablaufbereich von Bad und
4 Darüber hinaus wird bei der Anbringung der Armaturen Dusche erhalten zweckmäßigerweise eine Abdichtung, da das

5 -
unterschieden zwischen:
Einloch-Armaturen, die mit einem „Hahnloch“ oder
einem Wandauslass auskommen, da der Wasserauslauf
und die Bedienelemente entweder als Einhebelmischer
Fugennetz nicht absolut wasserdicht herzustellen ist.
Normative Vorgaben sind lediglich für Abdichtungen in Nass-
räumen zu finden. Wobei die Norm Nassräume als Innen-
räume definiert, in denen nutzungsbedingt soviel Wasser

-
6 oder Zweigriffarmatur eine Einheit bilden. anfällt, dass für die Ableitung ein Bodenablauf erforderlich
Zweiloch-Armaturen mit separaten Auslassöffnungen ist. Bäder ohne Fußbodenentwässerung zählen im Sinne der
7 für den Wasserauslauf und das Bedienelement (Ein- DIN 18 195-1 demnach nicht zu den Nassräumen. Außerdem

8
9
- hebelmischer) als Stand- oder Wandbatterie.
Dreiloch-Armaturen mit je einem Auslass für den
Wasserauslauf und die Kalt- und Warmwasserventile für
den Stand- oder Wandeinbau (Zweigriffarmatur).
wird in der Norm besonderer Schutz für häusliche Bäder mit
feuchtigkeitsempfindlichen Umfassungsbauteilen, wie es im
Holz-, Trocken- und Stahlbau der Fall ist, gefordert.
Die Abdichtung von mäßig beanspruchten Fußbodenflächen
in Nassräumen im Wohnungsbau (mit Bodenablauf) erfolgt
Thermostat-Armaturen mischen das Wasser automatisch auf i. d. R. mit einlagig, vollflächig verlegten Dichtungsbahnen, die
10 eine vorgewählte Temperatur. Wichtigste Anwendungsberei- mind. 15 cm über die Oberfläche des Bodenbelags geführt
che: Dusche (auch Wanne mit Schlauchbrause) und Sitz- werden muss. Zur Anwendung kommen dabei Bahnenabdich-
11 waschbecken. Die stufenlos einstellbare Temperatur bleibt tungen nach DIN  18  195-5 (Bitumen-, Polymerbitumen-,
bei Veränderung der Durchflussmenge konstant, schützt also Kunststoff-, Elastomerbahnen). An Wasserentnahmestellen
12 vor Verbrühungen und wirkt sich günstig auf die Wasser- wird die Abdichtung mindestens 20 cm über den Wasseraus-
und Energiekosten aus, da Einregulierungsverluste entfallen. lauf (in der Dusche 20 cm über den Brausekopf) geführt.
13 Berührungsfreie Ventilbetätigungssysteme mit elektronisch Ein hinreichender Schutz kann bei mäßig beanspruchten
gesteuerten Sensorwasserhähnen werden weniger in Wohn- Flächen auch durch bauaufsichtlich zugelassene Verbund-
gebäuden als in öffentlichen Wasch- und Toilettenanlagen abdichtungen mit keramischen Fliesen hergestellt werden.
14 sowie im medizinischen und industriellen Bereiche instal- Dabei handelt es sich um eine hochdichte Streich- bzw. Spach-
liert. telmasse aus Polymerdispersion, Kunststoff-Mörtel-Kom-
15 Ein Strahlregler (Strahlzerteiler, Perlator) am Auslauf der Ar- binationen oder Reaktionsharzen, die i. d. R. in zwei Schichten
matur (Brauseköpfe ausgenommen) verhindert durch Luft- auf dem grundierten Untergrund aufgebracht wird. Nach dem
16 anreicherung ein Spritzen beim Auftreffen des Wasserstrahls Erhärten der Dichtungsschicht, kann der keramische Belag
auf das Becken. Sie können auch zusätzlich als Durchfluss- im Dünnbettverfahren verlegt und verfugt werden.
17 begrenzer ausgebildet sein. Durchdringungen (Armaturen, Rohrdurchführungen, Boden-
Durchflussbegrenzer können dazu beitragen, erhebliche Was- abläufe etc.) müssen mit Dichtflanschen und/oder Dichtman-
18 sermengen und Energie einzusparen. Die kleinen ringförmi- schetten in die Flächenabdichtung eingebunden werden. An
gen Metalleinsätze werden zwischen Auslauf der Armatur den Eckübergängen zwischen Wand und Boden und zwischen
und Strahlregler geschraubt. Sie verhindern eine unbeabsich- zwei Wänden werden Gewebe- bzw. Fugenbänder eingearbeitet.
19 tigt hohe Wasserentnahme bei höherem Druck. Mit zuneh- Zu Bodenabläufen hin ist ein Gefälle vorzusehen. Mindest-
mendem Druck verkleinert sich der Wasserdurchlass und gefälle wurden bisher in technischen Regelwerken nicht auf-

--
20 bleibt ab einem bestimmten Fließdruck nahezu konstant. Je geführt. Als sinnvolles Bodengefälle gelten:
nach Verwendungszweck können Ausflussmengen zwischen 1 % bei geringem Wasseranfall,
21
22
5 und 12 Liter pro Minute gewählt werden.
Das Schließen und Öffnen eines Beckenablaufes erfolgt üb-
licherweise durch Betätigung eines armaturenintegrierten
Hebels bzw. Zugknopfes. Dabei wird über ein Exzenter-Ge-
- 2 % bei normalem Wasseranfall,
3 % bei starkem Wasseranfall.

Der Abstand zwischen Einlaufrost und Wand sollte 10 cm nicht


23 stänge der Verschluss des Ablaufes vertikal in die Schließ- unterschreiten, um einen einwandfreien Anschluss der Flächen-
oder Öffnungsposition bewegt. dichtung an den Flansch des Ablaufkörpers zu ermöglichen.
Hinweise zur Ausführung der Abdichtungsarbeiten finden sich
in DIN 18 195 sowie im Merkblatt des Zentralverbands Deut-
2.1  •  Wirtschafts- und Sanitärräume in Wohnungen
57 2

≥ 15 cm über OKF

.. Abb. 2.39  Eckanschluss in einem Wohnungsbad über einer Geschoss- .. Abb. 2.40  Eckanschluss in einem Wohnungsbad über einer Geschossdecke
decke mit einlagiger Dichtungsbahn für mäßig beanspruchter Abdichtung im Verbund mit keramischen Fliesen für mäßig beanspruchte Dichtungen
gem. DIN 18 195
(Ton, Kaolin) hergestellt und bei etwa 1.000 °C gebrannt. Eine
sches Baugewerbe „Hinweise für die Ausführung von flüssig zu Glasur verhindert das Eindringen von Spritzwasser und er-
verarbeitenden Verbundabdichtungen mit Bekleidungen und möglicht eine problemlose Reinigung. Aufgrund der geringen
Belägen aus Fliesen und Platten für den Innen- und Außen- Oberflächenhärte und Frostempfindlichkeit der Fliesen, sind sie
bereich“, vergl. . Abb. 2.39 und 2.40. nur für den Einsatz, in erster Linie als Wandfliesen, im Innen-
bereich geeignet. Steingutfliesen mit dickem Scherben können
zz Wand- und Bodenbeläge in Sanitärräumen auch in gering beanspruchten Räumen, wie z. B. in Bädern im
Die Auswahl geeigneter Materialen für die Oberflächen von privaten Wohnbereich, als Bodenfliesen verlegt werden.
Boden und Wänden sowie deren fachgerechte Verarbeitung Steinzeugfliesen werden bei Temperaturen oberhalb der Sin-
ist entscheidend für die Gebrauchstauglichkeit und Lang- tergrenze, bei etwa 1.200 °C, gebrannt. Auf diese Weise ent-
lebigkeit. Neben funktionalen Aspekten spielt die Ästhetische steht ein gegenüber mechanischer, chemischer und ther-
Wirkung eine große Rolle. Neben keramischen Boden- und mischer Beanspruchung widerstandsfähiger Scherben, der
Wandbelägen kommen Naturstein, Beton, Holz, Kunstharze sowohl glasiert als auch unglasiert im Wand- und Boden-
u. v. m. zum Einsatz. Aufgrund des hohen Marktanteils, wird bereich eingesetzt werden kann.
das Augenmerk hier jedoch in erster Linie auf die kera- Hinweis auf die Belastbarkeit und den Verschleiß der Fliesen
mischen Beläge gerichtet. gibt die Abriebklasse nach DIN EN ISO 10 545-6 (unglasierte
Fliesen und Platten) und DIN EN ISO 10 545-7 (glasierte
Wand- und Bodenfliesen werden in einer Vielzahl an Größen Fliesen und Platten). Die Anforderungen an Fliesen unter-
und Formaten angeboten. Die Abmessungen (ehemals scheiden sich je nach Einsatzort. Bodenfliesen in privaten
DIN 18 155) sind nicht mehr genormt. In den letzten Jahren Bädern sollten mindestens der Abriebklasse 2, von insgesamt
ließ sich ein Trend einerseits zu großformatigen Fliesen (z. B. 5 Klassen, entsprechen.
30 × 60, 60 × 60, 90 × 45 60 × 120), andererseits zu kleintei- Die Eigenschaften des Fliesenbelags im Hinblick auf die
ligen Mosaikfliesen mit wenigen Zentimetern Kantenlänge Rutschsicherheit, werden im gewerblichen Bereich durch die
ablesen. Einstufung in fünf Bewertungsgruppen, R 9 bis R 12, gem.
Große Fliesenformate schaffen durch den geringen Fugen- DIN 51 130 ausgewiesen. R 9 steht dabei für geringe Rutsch-
anteil ruhige und großzügige Oberflächen. sicherheit und R 13 für höchste Rutschsicherheit. Für private
Mosaikfliesen hingegen eignen sich aufgrund der geringen Wohnungsbäder (und Küchen) gibt es keine bindenden Vor-
Größe für die Bekleidung gewölbter Flächen und passen sich schriften bezüglich der Trittsicherheit des Bodenbelags. Ab-
gut dem Gefälle eines geneigten Fußbodens an. Die Kom- hängig vom individuellen Sicherheitsbedürfnis empfiehlt es
bination unterschiedlicher Fliesenformate eignet sich für die sich dennoch, sich mindestens an der untersten Rutschfestig-
Unterteilung verschiedener Funktionsbereiche im Bad. keitsklasse (R 9) zu orientieren. Darüber hinaus bieten kleine
Steingutfliesen werden aus einem Gemisch von anorganischen Fliesenformate und der damit verbunden höhere Fugenanteil
Hartstoffen (Feldspat, Quarz, Schamotte) und Weichstoffen ebenfalls ein gewisses Maß an Trittsicherheit.
58 Kapitel 2 • Sanitärräume

20
1

4
≥ 45
≥ 45
2
3
A B C A B

4 10 20-30 20-30
.. Abb. 2.42  Übliche Konstruktionshöhen keramischer Beläge auf einer
.. Abb. 2.41  Übliche Konstruktionsdicken von Wandverfliesungen: Dämmschicht: A Bodenfliesen im Dünnbettverfahren auf Zementestrich,
B Bodenfliesen im Dickbettverfahren auf Zementestrich
5 A Wandfliesen im Dünnbett auf ebenem Untergrund, B Wandfliesen im
Dünnbett auf Putz, C Wandfliesen im Dickbett

6
- Steinzeug- und Steingutfliesen ≤ 10 cm Seitenlänge:

-
zz Verlegung der Wandfliesen
Wandflächen von Sanitärräumen wurden in der Vergangen- 1–3 mm,
7 heit üblicherweise bis zu einer Höhe von etwa 2 m (Türhöhe) Steinzeug- und Steingutfliesen ≥ 10 cm Seitenlänge:
mit Wandfliesen versehen. Mittlerweile werden, vornehm- 2–8 mm.
8 lich aus ästhetischen Gründen, nur noch die direkt Spritz-
wasserbelasteten Bereiche hinter dem Waschtisch und in der zz Verlegung der Bodenfliesen
Dusch- und Badewannennische mit Fliesen belegt. Die Auch die keramischen Bodenbeläge können sowohl im Dick-
9
restlichen Wandflächen werden i. d. R. mit einem Kalk- bett- und im Dünnbettverfahren verlegt werden (. Abb. 2.42).
zementputz versehen und (ggf. mit spezieller Feuchtraum- Die Verlegung der Bodenfliesen im Dickbett kommt beson-
10 farbe) gestrichen. ders dann zur Anwendung, wenn der Verlegeuntergrund
größere Un­ebenheiten aufweist, die Fliesen rückseitig stark
11 Das Ansetzen der Wandfliesen erfolgt entweder im Dickbett- profiliert sind oder Fliesen unterschiedlicher Dicke verlegt
oder im Dünnbettverfahren (. Abb. 2.41). Bei der Verlegung werden sollen. Geeignete Untergründe für die Dickbettver-
12 im Dickbett werden die Fliesen auf einen Spritzbewurf aus legung sind Beton sowie Zementestriche als Verbundestrich
Zementmörtel von mind. 15  mm Dicke (gem. VOB oder als schwimmender Estrich. Nicht geeignet sind hingegen
13 DIN 18 352) aufgesetzt, indem sie auf ihrer Rückseite mit Trockenbaukonstruktionen. Das Mörtelbett aus Zementmör-
einem Mörtelbatzen versehen, an die Wand gedrückt und an- tel wird auf eine Haftbrücke aufgetragen, leicht verdichtet und
geklopft werden. Begonnen wird dabei mit der unteren Reihe, glatt abgezogen. Die Dicke des Mörtelbetts beträgt bei Boden-
14 um die folgenden abzustützen. Überschüssiger Mörtel in den belägen mind. 20 mm, variiert gemäß VOB DIN 18 352 je-

15
16
Fugen wird ausgekratzt. Die Gesamtdicke des Wandbelags
beträgt i. d. R. 25–30 mm. Bei extremen Unebenheiten in der
Wand kann ein Ausgleichsputz erforderlich werden.
Voraussetzung für die Verlegung im Dünnbett sind planebene
--
doch je nach Verlegeuntergrund:
Bodenbelägen auf einer Trennschicht: 30 mm,
Bodenbelägen auf Dämmstoffschichten: 45 mm.

Wandflächen z. B. aus Fertigbetonteilen oder Gipskarton- Die Verlegung im Dünnbett erfolgt auf einem planebenen
17 platten. Bei größeren Unebenheiten ist zuvor ein Wandputz Verlegeuntergrund mit gleichmäßig dicken Fliesen. Das Aus-
aufzubringen. gleichen von Unebenheiten ist aufgrund der geringen Schicht-
18 Beim Floating-Verfahren wird der Dünnbettmörtel/-kleber dicken des Mörtel- bzw. Kleberbetts bei diesem Verfahren
dünn mit einer Glättkelle auf die Ansetzfläche aufgetragen nicht möglich. Ggf. muss eine Glätt- oder Ausgleichschicht
und mit einem Kammspachtel abgezogen. Danach wird die aufgebracht werden. Das Verfahren eignet sich sowohl für
19 Wandfliese in das Mörtel- bzw. Kleberbett eingedrückt. massive Untergründe als auch für Trockenbaukonstruktio-
Beim Buttering-Verfahren wir der Dünnbettmörtel auf die nen. Der Dünnbettmörtel oder Fliesenkleber wird gleich-
20 Fliesenrückseite aufgetragen. Das Verfahren wird vorwiegend mäßig mit einer Kelle auf der Verlegefläche aufgetragen und
zum Ansetzen einzelner Fliesen, die z. B. auszuwechseln sind, mit einem Kammspachtel abgezogen (Floating-Verfahren).
21 oder zum Ansetzen von Sockelstreifen angewendet. Die Schichtdicke beträgt je nach Fliesenformat 2–5 mm. Die
Bei ungünstiger Beschaffenheit des Untergrunds oder zum Fliese wird in das frische Mörtel-/Kleberbett eingelegt.
22 Verlegen von großformatigen Fliesen werden gelegentlich Die Verfugung erfolgt nach ausreichender Trocknungszeit
auch beide Verfahren kombiniert. (Dickbettverlegung ca. 7–14  Tage, Dünnbettverlegung ca.
23 Das Verfugen erfolgt durch einschlämmen des Fugenmate­ 1–3 Tage). Der Fugenmörtel wird mit einem Spachtel bis zur
rials. Die übliche Fugenbreite bei 15 × 15 cm Wandfliesen be- Oberkante des Fliesenbelags in die Fugen eingeschlämmt. Die
trägt 2,3 mm, bei größeren Formaten bis zu 6 mm. Die VOB Fugenbreite variiert je nach Fliesenart und -breite zwischen
DIN 18 532 geht von folgenden Fugenbreiten aus: 2–10 mm.
2.1  •  Wirtschafts- und Sanitärräume in Wohnungen
59 2

A B

.. Abb. 2.43  Die Bewegungsfugenteilung des Keramikbodens sollte unter


Berücksichtigung der Fugenteilung des Estrichs erfolgen (A). Liegen die
A B
Fugen von Estrich und Belag nicht übereinander (B), besteht die Gefahr der
Rissbildung über der Estrichfuge
Rest mind. 1/2 Platte

Bewegungsfugen (. Abb. 2.43) sollten in folgenden Fällen in

-
der Fußbodenkonstruktion vorgesehen werden:
Als Feldbegrenzung, etwa 8–10 mm breit, über Fugen
des Estrichs. Maximale Feldgröße: 40 m² bei max. 8 m
Seitenlänge. Ein möglichst gedrungenes Seitenverhältnis
1 2 3 4

Wandmitte
5 6 7 8

der Felder ist anzustreben, Einschnürungen und

- Versprünge sind zu berücksichtigen. .. Abb. 2.44  Wandflächen werden symmetrisch aufgeteilt. Je nach Breite der
Fläche (gerade oder ungerade Anzahl der Fliesen) liegt die Symmetrieachse
Als Randfuge an allen Wandanschlüssen (auch Stützen) entweder in einer Fuge (A) oder in der Plattenmitte (B). Selten geht eine
des Bodenbelags, mind. 5 mm breit. Fliesenreihe in ganzen Platten auf. Im Regelfall sind Ausgleichstreifen mit
geschnittenen Fliesen vorzusehen. Diese sollten mindestens die Breite eines
halben Fliesenformats haben
Mit elastischen Dichtstoffen oder Fugenprofilen geschlossene
Fugen sind nicht wasserdicht. Je nach Beanspruchungsgrad
sind die Fugen wartungsbedürftig. ein Vielfaches des Formats haben. Trennwände, Versprünge
durch Schächte und Vorwandinstallationen, Bodeneinläufe
zz Fliesenplan (. Abb. 2.46), Stützen u. ä. sollen nach Möglichkeit in den
Es empfiehlt sich, gestalterische Vorüberlegungen für die Fugenschnitt einbezogen werden. Kann das Fugennetz des
Sanitärräume in einem Fliesenplan, in Form einer Draufsicht Fußbodens nicht an das Fugennetz der Wandfliesen ange-
und einer Abwicklung der Wände, im Maßstab 1:10 oder 1:20 passt werden, kann ein diagonales Fliesenraster gewählt
festzuhalten. Dem Plan sollte das Fugenraster der Fliesen, die werden. Die diagonale Verlegung empfiehlt sich auch für
Position der sanitären Einrichtungsgegenstände, Elektro- nicht exakt rechtwinklige Bodenflächen.
installationen und die Auslässe für Wasser und Abwasser zu Die sanitären Einrichtungsgegenstände und die Installations-
entnehmen sein. Die Bemaßung in den Installationsplänen auslässe sollten nach Möglichkeit symmetrisch zum Fugen-
bezieht sich auf die Mittelachsen der sanitären Einrichtungs- raster angeordnet sein und entweder am Fugenkreuz oder der
gegenstände und Santitärauslässe. Plattenmitte ausgerichtet sein, . Abb. 2.47.
Wandflächen werden in den meisten Fällen symmetrisch im
Kreuzfugenverband gefliest. Je nach Breite der Wandfläche er- zz Barrierefreie Sanitärräume
gibt sich eine gerade oder ungerade Anzahl ganzer Fliesen. Die Die Planung barrierefreier Sanitärräume sollte so erfolgen,
Symmetrieachse liegt entweder in einer Fuge oder in Platten- dass sie von Menschen mit Behinderung weitgehend selbst-
mitte (. Abb. 2.44). Nur in Ausnahmefällen geht eine Fliesen- ständig, ohne fremde Hilfe benutzt werden können. Dafür
reihe in ganzen Platten auf. Im Regelfall sind Ausgleichsstreifen sollte nach Möglichkeit eine Abstimmung mit dem Nutzer
vorzusehen. Schmale Ausgleichsstreifen wirken unansehnlich, erfolgen, um die Auswahl der erforderlichen Ausstattung und
besonders wenn in einer Raumecke zwei schmale Streifen auf- die Anordnung der Sanitäreinrichtung auf die individuellen
einander treffen. Teilfliesen sollten deshalb mindestens eine Bedürfnisse abzustimmen. Hinweise für die Einrichtung bar-
halbe Fliesenbreite aufweisen. Üblicherweise geht die Wandver- rierefreier Sanitärräume in Wohnungen finden sich in
fliesung der Bodenverfliesung voraus. Falls die Plattenaufteilung DIN 18 040-2 und VDI 6000-1.
in der Höhe nicht aufgeht, wird der Passstreifen aus kleineren Die Raumgrößen ergeben sich aus den Stellflächen der sani-
Platten unten angeordnet. Geflieste Flächen enden am oberen tären Einrichtungsgegenstände, den Mindestbewegungsflä-
Rand stets mit Reihen aus ganzen Platten. chen und den Mindestabständen zwischen den Sanitärobjek-
Der Übergang von Wand- zu Bodenfliesen sollte im Fugen- ten untereinander sowie zu den Wänden. Vor den
schnitt ausgeführt werden, so dass die senkrechten Wand- Sanitärobjekten wie WC, Waschbecken, Badewanne und im
fugen am Boden fortgeführt werden (. Abb. 2.45). Das be- Duschplatz sind folgende Bewegungsflächen anzuordnen
dingt, dass Wand- und Bodenfliesen das gleiche Format oder (vergl. . Abb. 2.48, 2.49 und 2.50):
60 Kapitel 2 • Sanitärräume

1
2 A B

3
4
5
C D

6 .. Abb. 2.47  Varianten zur Ausrichtung der Armaturen am Fliesenraster:


A Mitte der senkrechten Fugen, B Mitte der Fliesen, C Auf den Fugenkreuzen,
D Mitte auf der waagerechten Fuge
7
≥ 90 ≥ 30
8 65-70
.. Abb. 2.45  Verlegung von Wand- und Bodenfliesen im Fugenschnitt
9

≥150
≥ 150
≥ 150

≥150
10
11 ≥150 ≥150 ≥150
g!
un

.. Abb. 2.48  Bewegungsflächen und Mindestabstände vor und neben


12
an

sanitären Einrichtungsgegenständen in rollstuhlgerechten Bädern gem.


DIN 18 040-2
Pl

13
e
tig

In rollstuhlgerechten Wohnungen mit mehr als 3  Wohn-/


ns

Schlafräumen, ist neben dem barrierefreien Sanitärraum, ein


14

zusätzliches nicht barrierefreies Bad mit mind. einem Wasch-


un

tisch und einem WC-Becken vorzusehen.


15 Die nachfolgenden Planungshinweise gelten für Sanitärräume
.. Abb. 2.46  Bodeneinläufe werden von einem Fliesenkranz mit stärkerem für Rollstuhlfahrer:
16 Gefälle eingefasst. Dabei sind Eckfliesen diagonal auf Gehrung zu schneiden.
A Kranz im Fugenschnitt zum übrigen Belag, B Der Bodeneinlauf konnte
nicht in dem Fugenschnitt entsprechend angeordnet werden. Stückelung zz WC-Becken
17 Die Sitzhöhe von WC-Becken einschließlich Sitz sollte 46–

--
von Fliesen um den Kranz herum
48 cm über OKF betragen. An der Zugangsseite, rechts oder
18 120 × 120 cm bei barrierefreier Nutzung, links neben dem WC-Becken, ist eine Bewegungsfläche von
150 × 150 cm bei rollstuhlgerechter Nutzung. mind. 90 cm Breite und 70 cm Tiefe vorzusehen. Auf der ge-
genüber liegenden Seite werden mind. 30 cm benötigt. Die
19 Die Bewegungsflächen dürfen sich jedoch überlagern. WC-Spülung sollte sich, mit der Hand oder dem Arm bedien­
Die Wände sind bauseits so auszubilden, dass sie bei Bedarf bar, im Greifbereich des Sitzenden befinden.
20 mit senkrechten und waagerechten Stütz- und/oder Halte­ Außerdem müssen hochklappbare Stützklappgriffe an jeder
griffen neben dem WC-Becken sowie im Bereich der Dusche Seite des WC-Beckens mit einem Abstand von 65–70 cm
21 und der Badewanne nachgerüstet werden können. zwischen den Griffen vorgesehen werden, die 15 cm über die
Die Türen (Drehflügeltüren) in barrierefreien Sanitärräumen Vorderkante des WC-Beckens hinausragend und 28 cm über
22 dürfen aus Sicherheitsgründen nicht in den Raum aufschla- Sitzhöhe angebracht werden.
gen, um ein blockieren der Tür zu vermeiden. Die lichte
23 Durchgangsbreite sollte mind. 90 cm und die Höhe über OKF zz Waschplatz
mind. 205 cm betragen. Waschplätze müssen so gestaltet sein, dass sie im Rollstuhl
sitzend benutzt werden können. Das bedeutet, dass der
2.1  •  Wirtschafts- und Sanitärräume in Wohnungen
61 2

1 4 65-70

≥100
3 4 ≤40

1 46-48

28

≤ 80

≥67
2

85
≥ 35
2 OKF

≤10
A B ≥ 30 ≥ 90 ≥30 ≥150
≥90 ≥90
≥55 ≥225
.. Abb. 2.49  Beispiel Überlagerung von Bewegungsflächen in rollstuhlge- .. Abb. 2.50  Bewegungsflächen und Montagehöhen für rollstuhlgerechte
rechten (A) bzw. barrierefreien Sanitärräumen (B) gem. DIN 18 040-2. 1 vor Sanitärraume gem. DIN 18 040-2. Das nachträgliche Aufstellen einer
dem WC-Becken (150 × 150 bzw. 120 × 120), 2 vor dem Waschtisch (150 × 150 Badewanne, z. B. im Bereich der Dusche muss möglich sein
bzw. 120 × 120), 3 vor der Badewanne (150 × 150), 4 im Duschplatz (150 × 150
bzw. 120 × 120)

Waschtisch unterfahrbar sein sollte und der Abstand der Ar-


matur zum vorderen Rand des Waschtisches max. 40 cm be-
trägt. Die Höhe des Waschtischs sollte 80 cm über OKF nicht
überschreiten.
Als Armatur sollte eine Einhebelmischbatterie mit Tempera-
turbegrenzer und schwenkbarem Auslauf vorgesehen werden.

zz Duschplatz
Duschplätze müssen mit dem Rollstuhl möglichst stufenlos
befahrbar sein. Dementsprechend sind sie niveaugleich zum .. Abb. 2.51  Heizregister, die sowohl für die Beheizung eines Badezimmers
als auch zum Trocknen von Handtüchern geeignet sind, gibt es in vielfältigen
angrenzenden Bodenbereich auszuführen. Variationen. Die flächigen, aus horizontal angeordneten Röhren bestehenden
Der Duschbereich ist so einzurichten, dass nachträglich die Heizflächen erhalten i. d. R. eine Elektro-Heizpatrone, um Badetücher auch
Möglichkeit besteht, einen Klappsitz mit einer Sitzhöhe von außerhalb der Heizperiode trocknen zu können

46–48 cm und hochklappbare Stützgriffe auf beiden Seiten des


Sitzes anzubringen. Eine Einhebelduscharmatur muss aus der heizen, können sogenannte Handtuchheizkörper eingesetzt
Sitzposition in 85 cm über OKF erreichbar sein. werden, die i. d. R. mit einer elektrischen Heizpatrone betrie-
Das nachträgliche Aufstellen einer Badewanne, z. B. im ben werden, . Abb. 2.51.
Duschbereich muss möglich sein. Diese muss mit einem Lif- Möglichkeiten zur Trinkwarmwasserbereitung sind ausführ-
ter nutzbar sein. lich im ▶ Abschn. 3.4.10 beschrieben.
Fensterlose Bäder und WC-Räume sind gem. § 3 der MBO
zz Installationen zulässig, wenn eine wirksame Lüftung gem. DIN 18 017 ge-
Bäder in Wohnungen müssen gem. DIN 12 831 auf 24 °C und währleistet ist. Üblicherweise kommen ventilatorgestützte
WC-Räume auf 20 °C beheizbar sein. Die Heizflächen müssen Abluftanlagen als Einzelraum- oder Zentrallüftung zum Ein-
einerseits so positioniert werden, dass sie die Nutzung der satz. Die Steuerung erfolgt in WC-Räumen zweckmäßiger-
sanitären Einrichtungsgegenstände nicht beeinträchtigen, weise über den Lichtschalter mit programmierbarem Zeit-
andererseits die Wärmeabgabe der Heizfläche nicht durch die nachlauf und ggf. einer Einschaltverzögerung. In Räumen mit
Badezimmereinrichtung beeinträchtigt wird. Aufgrund der Badewanne/Dusche können zusätzlich Feuchtesensoren ein-
Fußwärme und der gleichmäßigen Temperaturverteilung gesetzt werden. Ist ein kontrolliertes Lüftungssystem mit Wär-
über die Höhe des Raumes, empfiehlt sich im Sinne des Nut- merückgewinnung vorhanden, können Bäder und WC-
zerkomforts der Einsatz einer Fußbodenheizung, entweder Räume darin idealerweise als Ablufträume integriert werden.
als alleiniges Heizsystem oder als Ergänzung zu statischen Weitere Hinweise finden sich in ▶ Abschn. 5.3.
Heizflächen. Die Mindestausstattung mit Elektroanschlüssen und Steck-
dosen in Wohngebäuden ist durch die DIN 18 015-2 festgelegt
Um das Badezimmer auch außerhalb der Heizperiode (un- (. Tab. 2.9). Von den zwei geforderten Lichtauslässen, emp-
abhängig von einem zentralen Heizsystem) kurzzeitig zu be- fiehlt es sich einen als Deckenauslass für die Grundbeleuch-
62 Kapitel 2 • Sanitärräume

1 .. Tab. 2.9  Erforderliche Anzahl der Steckdosen und Elektroanschlüs-


se für Bad- und WC-Räume gem. DIN 18 015-2, Tab. 2
.. Tab. 2.10  Geltungsbereich von Richtlinien zur Ausstattung von
Sanitärräumen in öffentlich zugänglichen Gebäuden.

2 Bad WC-Raum Normen/Richtlinien/


Verordnungen
Sanitärräume

Anschlüsse ohne eigenen Stromkreis


3 Steckdosen allgemein 2a 1
VDI 3818 Öffentliche Gebäude ( Bahnhof,
Raststätten, Schwimmbäder, Camping-
Beleuchtungsanschlüsse 2 1 plätze etc.)
4 Anschluss für Lüfterb 1 1 AMEV – Sanitärbau 2011 Öffentliche Gebäude (staatliche,
kommunale Gebäude/Bauvorhaben)
Anschlüsse mit eigenem Stromkreis
5 Waschmaschinec 1 –
DIN 18040-1 Öffentlich zugängliche Gebäude
(barrierefrei)

6 Wäschetrocknerc 1 – VDI 6000-2 Arbeitsstätten und Arbeitsplätze


Warmwassergerät d
1 1 ASR A4.1

7 Heizgerät d
1 – VDI 6000-3 Versammlungsräume und Versamm-
lungsstätten
a
Davon ist eine Steckdose in Kombination mit der Waschtischleuch-
8 te zulässig. VStättVO Versammlungsstätten
b
Sofern eine Einzellüftung vorgesehen ist. Bei fensterlosen Bädern VDI 6000-4 Hotelzimmer
oder WC-Räumen ist die Schaltung über die Allgemeinbeleuchtung
9 mit Nachlauf vorzusehen. VDI 6000-5 Seniorenwohneinrichtungen
c
In einer Wohnung nur jeweils einmal erforderlich - entweder in VDI 6000-6 Kindergärten, Kindertagesstätten und
Küche, Bad oder Hausarbeitsraum.
10 d
Sofern die Heizung/Warmwasserversorgung nicht auf andere
Schulen

Weise erfolgt.

11 2.2 Öffentliche und gewerbliche


tung und einen als Wandanschluss für die Spiegelbeleuch- Sanitäranlagen
12 tung, vorzusehen. Bei der Anordnung von Schaltern,
Steckdosen und Aufputzleitungen in Räumen mit Bade- Bei der Planung öffentlicher Sanitäranlagen bzw. Sanitärräu-
13 wanne/Dusche sind die Schutzbereiche gem. DIN VDE 0100- men, die von einem größeren, ständig wechselnden Personen-
701 zu beachten. Sie dürfen nicht im Sprüh- und Handbereich kreis genutzt werden, gelten andere Kriterien als in privat
von Wannen/Duschen (Schutzbereich  0 bis 2) angeordnet genutzten Bädern und WCs in Wohnungen. Merkmale wie
14 werden (. Abb. 6.44, 6.45, 6.46 und 6.47). Elektrische Betriebs- z. B. Funktionalität, Hygiene, Haltbarkeit und Pflegeleichtig-
mittel dürfen innerhalb der Schutzbereiche nur bei entspre- keit stehen hier im Vordergrund.

--
15 chender Bauart eingesetzt werden: Empfehlungen für Ausstattung und Mindestabmessungen
Bereich 0 (Innenbereich Bade-/Duschwanne): sowie Planungsbeispiele finden sich in den folgenden Richt-

-
16 Schutzart IPX7. linien (. Tab. 2.10):
Bereich 1 (Fläche unter- und oberhalb der Bade-/ Die VDI 3818 beschäftigt sich mit Planung, Errichtung, Be-
17
18 --
Duschwanne bis OKF 225 cm; Radius 120 cm um die
Wasseraustrittsstelle bei einer Dusche ohne Wanne):
Schutzart IPX4. -
trieb und Instandhaltung von öffentlichen Sanitäranlagen in:
Gebäuden bzw. auf Grundstücken, die neben den dort
Beschäftigten bestimmungsgemäß von Publikum

19
-
Bereich 2 (60 cm seitlicher Abstand von Bereich 1 bis
225 cm OKF):
IPX4. - aufgesucht werden, oder
eigens für den Zweck der Benutzung von Sanitärräumen
errichteten Gebäuden.

20 Außerdem sind für Stromkreise in Sanitärräumen eine oder Nicht in der Richtlinie angesprochen sind Sanitärräume, die
mehrere Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen vorzusehen. in den Geltungsbereich der Arbeitsstättenverordnung bzw.
21 Bei der Planung der Beleuchtung im Badezimmer sollte eine VDI 6000-2 bis 6 fallen (▶ Abschn. 2.2.1 bis 2.2.4).
ausreichend helle Grundbeleuchtung von ca. 200 Lux sicher- Öffentliche Sanitärräume unterliegen unterschiedlichen An-
22 gestellt sein. Darüber hinaus sollte der Waschtisch im Bereich forderungen, die bei der Planung der Räume, der Ausstattung
des Spiegels heller ausgeleuchtet werden. Eine Anordnung und deren Ausführung berücksichtigt werden müssen.
23 von Leuchten oberhalb und beidseitig des Spiegels ermöglicht Planungsrichtwerte für die Anzahl von sanitären Ausstat-
ein nahezu schattenfreies Spiegelbild. tungsgegenständen, abhängig von der Nutzung des Gebäudes/
Hinweise für die Planung von Wasser- und Abwasserinstalla- der Anlage sind . Tab. 2.11 zu entnehmen.
tionen finden sich in ▶ Abschn. 3.1 und 3.4.
2.2  •  Öffentliche und gewerbliche Sanitäranlagen
63 2

.. Tab. 2.11  Planungsrichtwerte für Sanitärräume in öffentlichen Gebäuden (Auszug aus VDI 3818).

Nutzung Gebäude/ Bezugseinheit max. Größe der Bezugseinheit, Anzahl WCs Anzahl WCs max. Größe der Bezugsein-
Anlage die 1 WC/Urinal erfordert barrierefrei mit heit, die eine Dusche
je Anlage Handwasch- erfordert
WC Urinal becken

Frauen Männer Männer Frauen Männer

Gebäude mit Kunden/ 75 100 100 1 1 – –


Publikumsverkehr Besucher

Bahnhöfe, Busbahn- Reisende 100 100 50 1 1 – –


höfe, Flughafen- und (gleichzeitig)
Hafengebäude

Raststätten Sitzplätze 30 40 30 1 1–2 2 je Raststätte

Gaststätten bis 120 Sitz- 20 40 20 1 1 – –


plätze

121–480 Sitz- 30 60 30 1 1–2
plätze

Hallenbäder Wasserfläche 150 150 150 1 1 15 15


bis 150 m²

Wasserfläche 250 500 250 1 1 25 25


151–500 m²

Trockenbereich 1 1 1 1 1 – –

Saunen Saunaplätze 10–15 20–25 20–25 1 1 3–8 3–8

stationäre med. Station 2 1 1 1 1 – –


Einrichtungen

ambulante med. Arztplätze 4 4 4 1 1 – –


Einrichtungen

Turn- und Sporthallen Sportfläche in 50–100 50–100 150– 1 1–2 10–20 10–20
m² 200

Verkaufseinrichtun- Verkaufsfläche 1.000 2.000 2.000 1 1 – –


gen ab 2.000 m² in m²
Verkaufsfläche

90 90 90 150
35 35 40 40
70 70 80 80 45 90 90 45 45 90 90 45 45 90 90 625 425
70 90

70 60
100 70 50

160
100 60 40

130
90

100

100
100

Verkehrsfläche Verkehrsfläche Verkehrsfläche Verkehrsfläche Verkehrsfläche

A B C D E

.. Abb. 2.52  Beispiele für sanitäre Ausstattungsgegenstände mit den erforderlichen Bewegungsflächen für die Benutzung sowie Verkehrsfläche für einen
störungsfreien Zu- und Abgang: A Reihenwaschbecken: Die Tiefe der Verkehrsfläche vor dem Reihenwaschbecken ändert sich von 100 cm auf 150 cm, wenn
Reihenwaschbecken gegenüber angeordnet werden. B Urinale: Die Tiefe der Verkehrsfläche vor den Urinalbecken ändert sich von 100 cm auf 150 cm, wenn
Urinale gegenüber angeordnet werden. C Reihenduschen: Die Tiefe der Verkehrsfläche vor der Reihendusche ändert sich von 100 cm auf 150 cm, wenn
Reihenduschen gegenüber angeordnet werden. D Duschkabinen: Die Tiefe der Verkehrsfläche vor den Duschkabinen ändert sich von 100 cm auf 200 cm,
wenn Duschkabinen gegenüber angeordnet werden bzw. in 205 cm, wenn gegenüber der Duschkabinen ein Waschbecken angeordnet ist. E WC-Kabinen: Die
Tiefe der Verkehrsfläche vor den WC-Kabinen ändert sich von 100 cm auf 155 cm, wenn ein Vorraum vor den Kabinen vorgesehen ist, in 200 cm, wenn
WC-Kabinen gegenüber angeordnet werden, in 205 cm wenn gegenüber der Kabinen Urinale angeordnet sind. Bei Vorwandinstallationen ergibt sich an den
Urinalen eine Ablage in etwa 120 cm Höhe, während bei den WC-Kabinen mit Rücksicht auf den Anschluss der Trennwände Vorwandinstallationen wandhoch
ausgeführt werden sollten
64 Kapitel 2 • Sanitärräume

Der Abstand zwischen Fußboden und Unterkante Trennwand


1 .. Tab. 2.12  Maße von Kabinen und Vorräumen in öffentlichen
Gebäuden in Anlehnung an VDI 3818. bzw. Tür sollte höchstens 10–15 cm betragen.

2 Breite* [cm] Tiefe* [cm]

WC-Kabine 90 130 2.2.1 Sanitärräume in Arbeitsstätten


3 und Arbeitsplätzen
WC-Kabine mit 115 130
Handwaschbecken an

4 der Seitenwand Die Anforderungen an sanitäre Einrichtungen im gewerb-


WC-Kabine mit 155 130 lichen Bereich werden in der Arbeitsstättenverordnung (Arb­
Handwaschbecken StättV) einschließlich der Arbeitsstättenrichtlinien ASR A4.1
5 neben dem WC-Becken
(Sanitärräume) festgelegt. Weitere Hinweise finden sich in
Urinalkabine 80 110 VDI 6000-2 (Arbeitsstätten und Arbeitsplätze). Die Richt-
6 Duschkabine 90 160 linien gelten für Wasch- und Toilettenräume, Waschplätze in
Arbeitsräumen, Sanitätsräume, Kantinen, Teeküchen, Um-

--
Raumtiefe vor den Kabinen (Vorraum) 155
7 Raumtiefe vor den Kabinen bei WC-Anlagen 205
kleideräume und Pausenräume in:
Gewerbe- und Industriebauten,

--
mit gegenüberliegenden Urinalen
8 Raumtiefe vor den Kabinen (Vorraum) bei 200
Büro- und Verwaltungsgebäude,
gegenüberliegenden WC-Kabinen Werkstätten,
Ausbildungsstätten, Schulen, Kindergärten (sofern sie
9 * Ohne Maße für Vorwandinstallation und Türaufschlag zum Vorraum.
nicht in den Geltungsbereich der VDI 6000-6 fallen).

10 WC-Räume, Wasch- und Vorräume sollen unmittelbar ver- Bei der Planung von Sanitäreinrichtungen sind neben den Be-
bunden sein, jedoch als jeweils separate Räume ausgeführt langen der Funktionstauglichkeit, Hygiene und sicherheits­
11 werden. In den Vorräumen ist ausreichend Verkehrs- und ggf. technischen Anforderungen vor allem die Mindestanzahl an
Wartefläche vorzusehen. Toiletten-, Dusch- und Waschräume sanitären Ausstattungsgegenständen sowie ausreichend be-
12 sind nach Geschlechtern getrennt zu planen. messene Bewegungs- und Verkehrsflächen zu beachten.
WC-Anlagen bestehen i. d. R. aus einem WC-Raum mit WC- Hinweise zur Planung barrierefreier Sanitärräume finden sich
13 Kabinen (. Tab. 2.12 und 2.15) und einem vollständig getrenn- in ▶ Abschn. 2.2.4.
ten Vorraum. In WC-Räumen für Männer sind zusätzlich
Urinale einzuplanen. Die Türen der WC-Kabinen müssen in
14 öffentlichen Gebäuden nach außen aufschlagen, um im Notfall
zz Toilettenräume
Toilettenräume müssen gut erreichbar, in max. 100 m Ent-
eine in der Kabine liegende Person bergen zu können. fernung zu den Arbeitsplätzen, zur Verfügung stehen. Der
15 Die WC-Kabinen sollten mit Kleiderhaken, Papierhalter, ggf. Weg dahin darf nicht über mehr als eine Etage oder durchs
Toilettenbürstengarnitur (wandhängend) ausgestattet sein Freie führen. Außerdem sollten Toilettenanlagen in unmittel-
16 sowie mit Hygienebeutelspender und Abfallbehälter mit De- barer Nähe von Kantinen, Pausen-, Bereitschafts-, Umkleide-
ckel in den Frauen-WCs. und Wasch­räumen vorhanden sein.
17 Zu einem Waschplatz gehören Spiegel, Ablage, Seifenspender,
ggf. Desinfektionsmittelspender, Vorrichtung zur Hände- Grundsätzlich müssen bei mehr als 5 Beschäftigten getrennte
18 trocknung (Papier-, Stoffhandtuchspender oder Warmluft- Toilettenräume für Männer und Frauen eingerichtet werden,
trockner) und Abfallbehälter. die ausschließlich den Arbeitnehmern zur Verfügung stehen.
Die Oberflächen von Wänden, Decken und Fußböden in öf- Für Besucher sind separate Toiletten vorzusehen. Werden die
19 fentlichen Sanitärräumen müssen für eine lückenlose Rei- gleichen Toilettenräume von beiden Geschlechtern benutzt,
nigung und Desinfektion glattflächig und fugenarm, mit müssen sie als vollständig getrennte, abschließbare Toiletten-
20 wenigen Vor- und Rücksprüngen oder Nischen ausgeführt zelle ausgebildet werden. Angaben zur Mindestausstattung
werden. Für die Fußböden sind außerdem rutschhemmende der Toilettenräume finden sich in . Tab. 2.13 und 2.14.
21 Bodenbeläge gem. Unfallverhütungsvorschrift GUV-I 8527 Bei Toilettenräumen mit mehr als einer Toilettenzelle oder bei
zu wählen. Eine hygienische Bodenreinigung wird außerdem unmittelbarem Zugang zum Toilettenraum aus einem Ar-
22 durch wandhängende WC-Becken und von der Decke abge- beits-, Pausen-, Wasch- oder Umkleideraum ist ein Vorraum
hängte Trennwandsysteme für WC-Kabinen (anstatt Boden- vorzusehen (. Abb. 2.53). Zur Ausstattung des Vorraums ge-
23 aufständerung) erleichtert. Die Wandbeläge sollten raum- hören (Hand-)Waschbecken, Spiegel, Ablage, Abfallbehälter,
hoch, mindestens jedoch 230 cm hoch geführt werden. Seifenspender, ggf. Kleiderhaken sowie Mittel zum Trocken
Die Oberkante der Trennwände von WC-, Wasch- und der Hände (Einmalhandtücher, Warmlufttrockner etc.). Ein
Duschkabinen sollte sich mind. 200 cm über OKF befinden. Urinal darf sich nicht im Vorraum befinden.
2.2  •  Öffentliche und gewerbliche Sanitäranlagen
65 2

.. Tab. 2.13  Erforderliche Anzahl sanitärer Ausstattungsgegenstände in Toilettenräumen, wenn die Anzahl der beschäftigten Männer und Frauen
bekannt ist (nach VDI 6000-2, Tab. 3)

Frauen Männer

Anzahl Beschäftigte WC Handwaschbecken Kabine mit WC und Handwaschbecken WC Urinal Handwaschbecken

bis 10 1 1 – 1 1 1

bis 20 2 1 – 1 2 1

bis 50 2 1 1 2 2 2

bis 75 4 2 1 2 4 2

bis 100 5 3 1 2 5 3

bis 150 7 3 2 3 7 4

bis 200 8 4 2 4 8 5

bis 250 10 5 2 5 10 5

.. Tab. 2.14  Erforderliche Anzahl sanitärer Ausstattungsgegenstände in Toilettenräumen, wenn nur die Anzahl der Beschäftigten, nicht aber der
Männer- und Frauenanteil bekannt ist (nach VDI 6000-2, Tab. 3)

Frauen Männer

Anzahl Beschäftigte WC Handwaschbecken Kabine mit WC und Handwaschbecken WC Urinal Handwaschbecken

bis 10 1 1 – 1 1 1

bis 20 1 1 – 1 1 1

bis 50 2 2 – 1 2 2

bis 75 2 2 1 2 3 2

bis 100 4 2 1 2 4 2

bis 150 5 3 1 2 5 3

bis 200 7 3 2 3 7 4

bis 250 8 4 2 4 8 5

.. Tab. 2.15  Maße von Kabinen und Vorräumen in Arbeitsstätten gem. VDI 6000-2 bzw. ASR A4.1.

Breite* [cm] Tiefe* [cm]

WC-Kabine mit Türanschlag nach außen 90 125

WC-Kabine mit Türanschlag nach innen 90 150

WC-Kabine mit Handwaschbecken neben dem WC-Becken, Türanschlag nach außen 150 125

WC-Kabine mit Handwaschbecken neben dem WC-Becken, Türanschlag nach innen 150 150

Duschkabine 90 160

Raumtiefe vor den Kabinen (Vorraum) 115/155

Raumtiefe vor den Kabinen bei einbündigen WC-Anlagen mit gegenüberliegenden Urinalen, Türanschlag nach außen 205

Raumtiefe vor den Kabinen bei einbündigen WC-Anlagen mit gegenüberliegenden Urinalen, Türanschlag nach innen 165

Raumtiefe vor den Kabinen bei zweibündigen WC-Anlagen, Türanschlag nach außen 200

Raumtiefe vor den Kabinen bei zweibündigen WC-Anlagen, Türanschlag nach innen 125
66 Kapitel 2 • Sanitärräume

125 155 125 205 125 200 125


1

25 40 25
25 40 25

25 40 25

25 40 25
2
3
20 45 45 20

20 45 45 20

20 45 45 20
20

20

20
4
5 A B C

150 115 150 165 150 125 150


6

25 40 25
25 40 25
25 40 25

25 40 25
7
8
20 45 45 20
20 45 45 20

20 45 45 20
9
20

20

20
10 D E F

.. Abb. 2.53  Abmessungen für WC-Kabinen gem. ASR A4.1 bzw. VDI 6000-2: A einbündig, Türaufschlag nach außen. B einbündig, Urinale gegenüber,
11 Türaufschlag nach außen. C zweibündig, Türaufschlag nach außen. D einbündig, Türaufschlag nach innen. E einbündig, Urinale gegenüber, Türaufschlag nach
innen. F zweibündig, Türaufschlag nach innen. Bei Vorwandinstallationen ergibt sich an den Urinalen eine Ablage in etwa 1,2 m Höhe, während bei den
WC-Kabinen mit Rücksicht auf den Anschluss der Trennwände Vorwandinstallationen wandhoch ausgeführt werden sollten
12
13 zz Waschräume
Waschräume, getrennt für Männer und Frauen sind gem. ASR
A4.1 bei mäßig bis sehr stark schmutzenden Tätigkeiten bzw.
14 bei der Arbeit mit geruchsbelästigenden Stoffen, unter be-
85 cm sonderen klimatischen Bedingungen (Hitze/Kälte), Nässe
15
190

65 cm
42 cm oder schwerer körperlicher Arbeit vorzusehen.
10-15

16 Der Weg vom Arbeitsplatz zum Waschraum darf 300 m nicht


Verkehrsfläche überschreiten und soll nicht durchs Freie führen. Allerdings
17 150 165 35 45 ≥100 darf der Waschraum in einem anderen Geschoss als der Ar-
.. Abb. 2.54  Abmessungen für eine einbündige Toilettenanlage mit beitsplatz untergebracht werden. Die erforderliche Anzahl
18 WC-Kabinen, Urinalen und Vorraum mit Handwaschbecken gem. ASR A4.1
und VDI 6000-2. Aufschlag der Kabinentüren nach innen
von Wasch- und Duschplätze sowie Umkleideschränke finden
sich in . Tab. 2.16.
In den Waschräumen dürfen sich keine Toiletten oder Um-
19 Jede Toilettenkabine muss abschließbar und mit Kleiderha- kleideeinrichtungen befinden. Es sollte jedoch ein direkter
ken, Papierhalter und Toilettenbürstengarnitur (wandhän- Zugang zu den Umkleideräumen bestehen. Bei gleichzeitiger
20 gend) ausgestattet sein sowie mit Hygienebeutelspender und Nutzung der Wasch- und Duscheinrichtungen durch mehrere
Abfallbehälter mit Deckel in den Frauen-WCs. Urinale in den Personen, dürfen sich die Bewegungs- und Verkehrsflächen
21 Herren-WCs sollten durch eine Sichtschutzwand voneinander nicht überschneiden.
getrennt, so positioniert werden, dass Einblicke von außen Je nach Anzahl der erforderlichen Waschplätze können Ein-
22 nicht möglich sind. zel-, Reihenwaschtische, Reihenwaschanlagen, Doppel-Rei-
Toilettenkabinen müssen entweder mit raumhohen oder mind. henwaschanlagen, Hygienewachplätze oder Rundwasch-
23 1,9 m hohen Trennwänden und Türen ausgestattet sein. Wer- anlagen zum Einsatz kommen (. Abb. 2.52A). Zur
den die Kabinenwände und -tür nicht bodengleich ausgeführt, Ausstattung der Waschplätze gehören Seifenspender, Hand-
darf der Abstand zwischen OKF und Unterkante Trennwände trockenvorrichtungen, Ablagen, Spiegel und Desinfektions-
bzw. Tür max. 10 bis 15 cm betragen (. Abb. 2.54). mittelspender.
2.2  •  Öffentliche und gewerbliche Sanitäranlagen
67 2

.. Tab. 2.16  Erforderliche Anzahl Wasch- und Duschplätze sowie


Duschplätze in Waschräumen können als Einzeldusche, Ein-
Umkleideschränke bei nicht schmutzender, mäßig schmutzender, zeldusche mit Trennwand oder Kabine, Reihendusche oder
schmutzender und stark schmutzender Tätigkeit gem. VDI 6000-2 Runddusche ausgeführt werden (. Abb. 2.52C und D). Die
Anzahl Wasch- und Umkleideraum
Duschplätze sollten mit Seifenablage und Handtuchhaken
Beschäftigte eingerichtet werden.
Wasch- Dusch- Umkleideschränke
plätze plätze

Tätigkeit nicht schmutzend 2.2.2 Sanitärräume in Versammlungsstätten


bis 10 – – wenn Arbeitskleidung

bis 20
getragen werden muss: Neben den Anforderungen gem. § 12 Toilettenräume der Ver-
1 Umkleideschrank je
sammlungsstättenverordnungen der Länder (VStättVO),
bis 50 Beschäftigtem
finden sich in der VDI 6000-3 detaillierte Hinweise zur An-
bis 75 zahl und Ausstattung von Sanitärräumen in Versammlungs-
stätten und Versammlungsräumen. Die Richtlinie gilt für

-
bis 100

bis 150 Sanitärräume in:


bis 200
Versammlungsstätten mit Bühnen und Szenenflächen
mit > 100 Besuchern sowie Versammlungsräume, die
bis 250
gemeinsam > 100 Besucher fassen (Aulen, Kinos,

-
Tätigkeit mäßig schmutzend Konzertsäle, Theater),
bis 10 1 1 1 Umkleideschrank je Versammlungsstätten die einzeln oder gemeinsam > 200
Beschäftigtem Personen fassen (Kantinen, Hörsäle, Mehrzweckhallen,
bis 20 2 1
Sporthallen mit Zuschauerplätzen, Gemeinde- und

-
bis 50 4 2
Jugendhäuser, Begegnungsstätten),
bis 75 6 3
Hörfunk- und Fernsehstudios, die > 200 Besucher

-
bis 100 9 4 fassen,
Versammlungsstätten im Freien > 1.000 Besucher

-
bis 150 13 5

bis 200 17 7 (Freilichtbühnen),


bis 250 23 9
Versammlungsstätten im Freien > 5.000 Besucher
(Stadien).
Tätigkeit schmutzend

bis 10 1 1 1 Umkleideschrank je In Versammlungsstätten müssen getrennte Sanitärräume für


Beschäftigtem
bis 20 2 2 Frauen und Männer vorgesehen werden. Die Anzahl der er-
bis 50 4 3 forderlichen Sanitärräume und der sanitären Ausstattungs-
gegenstände richtet sich nach der Anzahl der Besucher, der
bis 75 8 6
Nutzung des Gebäudes, der Art der Veranstaltung und der
bis 100 11 8
damit verbundenen zu erwartenden Gleichzeitigkeit der Be-

-
nutzung der Sanitärräume.
bis 150 16 12

Niedrige Gleichzeitigkeit – Veranstaltungen ohne

-
bis 200 22 18

bis 250 28 23 Pausenzeiten


(Bälle, Messen, Ausstellungen, Versammlungen etc.),
Tätigkeit stark schmutzend
Mittlere Gleichzeitigkeit – Veranstaltungen mit Pausen-


bis 10 1 2 1 Umkleideschrank je
Beschäftigtem für
zeiten
bis 20 2 3 (Tagungen, Seminare, Filmvorführungen, Vorlesungen

-
Arbeitskleidung +
bis 50 4 4 1 Umkleideschrank für etc.),
Straßenkleidung
Hohe Gleichzeitigkeit – Veranstaltungen mit wenigen


bis 75 8 8
Pausenzeiten
bis 100 11 11
(Theater, Konzerte, Hörfunk- und Fernsehveranstaltun-
bis 150 16 16
gen).
bis 200 22 22

bis 250 28 28 Um lange Wartezeiten zu verringern empfiehlt sich eine Be-


darfsermittlung nach . Tab. 2.17.
Jeder Toilettenraum muss einen Vorraum haben der mit
(Hand-)Waschbecken ausgestattet ist (sofern sich diese nicht
68 Kapitel 2 • Sanitärräume

1 .. Tab. 2.17  Bedarfszahlen für die Mindestausstattung von Sanitärräu-


me in Versammlungsstätten gem. VDI 6000-3. Die Zahlen in der Tabelle
.. Tab. 2.17 (Fortsetzung) Bedarfszahlen für die Mindestausstattung
von Sanitärräume in Versammlungsstätten gem. VDI 6000-3. Die Zahlen
gelten bei gleichem Frauen- und Männeranteil der Besuchergruppe. Ist in der Tabelle gelten bei gleichem Frauen- und Männeranteil der
2 eine andere Aufteilung zu erwarten, sind entsprechend zusätzliche
sanitäre Einrichtungsgegenstände einzuplanen.
Besuchergruppe. Ist eine andere Aufteilung zu erwarten, sind ent­
sprechend zusätzliche sanitäre Einrichtungsgegenstände einzuplanen.­

3 Besucher­
plätze
Frauen Männer barriere­
freie
Besucher­
plätze
Frauen Männer barriere­
freie
WC WB UR WC WB WCs WC WB UR WC WB WCs
4 niedrige Gleichzeitigkeit hohe Gleichzeitigkeit

5 25 2 1 1 1 1 1 1.500 22 11 15 7 11 4

50 2 1 1 1 1 2.000 27 13 18 9 13

6 100 3 2 2 2 2 3.000 32 16 21 11 16

300 4 2 2 2 2 4.000 40 20 26 14 20 6

7 500 6 3 4 2 3 2 5.000 50 25 33 17 30

ü700 7 3 4 3 3 6.000 60 30 40 20 30
8 1.000 9 4 6 3 4 WC – Klosettbecken, WB – Waschbecken, UR – Urinal
1.500 11 5 7 4 5 4
9 2.000 14 7 9 5 7
.. Tab. 2.18  Maße von Kabinen und Vorräumen in Versammlungs-
3.000 16 8 10 6 8
10 4.000 20 10 13 7 10 6
stätten gem. VDI 6000-3, Tab. 3.

ohne Waschplatz mit Waschplatz

11 5.000 25 12 16 9 12
Türanschlag nach außen
6.000 30 15 20 10 15

12 mittlere Gleichzeitigkeit Breite der WC-Kabine 90 115

25 2 1 1 1 1 1 Tiefe der WC-Kabine 125 125

13 50 3 2 2 1 2 Raumtiefe vor den Kabinen 155 155

100 4 2 2 2 2 Raumtiefe vor den Kabinen 205 205


bei einbündigen
14 300 5 3 3 2 3 Toilettenanlagen mit
500 8 4 5 3 4 2 gegenüberliegenden

15 700 10 5 6 4 5
Urinalen

Raumtiefe vor den 200 200


1.000 12 6 8 4 6 Kabinen bei zweibündi-
16 1.500 15 7 10 5 7 4
gen Toilettenanlagen

2.000 18 9 12 6 9
17 direkt in den WC-Kabinen befinden). Darüber hinaus sollten
3.000 22 11 14 8 11
Spiegel über dem Waschplatz (ggf. zusätzlich großer Flächen-
18 4.000 27 13 18 9 13 6 spiegel), Ablage, Abfallbehälter, Seifenspender, sowie Mittel
5.000 35 17 23 12 17 zum Trocken der Hände (Einmalhandtücher, Warmlufttrock-
ner etc.) vorhanden sein. In Vorräumen der Damentoiletten
19 6.000 40 20 26 14 20
empfiehlt sich u. U. die Einrichtung von Schminkplätzen mit
hohe Gleichzeitigkeit
Ablagefläche und Kleiderhaken.
20 25 3 1 1 2 1 1
Die WC-Kabinen sollten mit Kleiderhaken, Papierrollenhalter
50 4 2 2 2 2 und einer Toilettenbürstengarnitur (wandhängend) ausgestattet
21 100 6 3 4 2 3 sein sowie mit Hygienebeutelspender und Abfallbehälter mit
300 8 4 5 3 4
Deckel in den Frauen-WCs. Urinale in den Herren-WC’s sollten
22 500 11 5 7 4 5 2
durch eine Sichtschutzwand voneinander getrennt, so positio-
niert werden, dass Einblicke von außen nicht möglich sind.
700 14 7 9 5 7
23 Hinweise für die Abmessungen der Toilettenräume finden
1.000 18 9 12 6 9 sich in . Tab. 2.18 und . Abb. 2.52 und . Abb. 2.53.
WC – Klosettbecken, WB – Waschbecken, UR – Urinal
Hinweise zur Planung barrierefreier Sanitärräume finden sich
in ▶ Abschn. 2.2.4.
2.2  •  Öffentliche und gewerbliche Sanitäranlagen
69 2
90 90 90
.. Tab. 2.19  Ausstattungsbedarf von Sanitärräumen in Schulen,
Kindergärten und Kindertagesstätten. Auszug aus VDI 6000-6, Tab. 3.

125
125

Schulen Schülerinnen Schüler

Stunden-Toi- 1 Waschtisch je 1 Waschtisch je


155 lettenraum Etage Etage
155

2 WC-Becken je 1 WC-Becken je
Etage Etage
1 Urinal je
135

Etage

Pausen-Toi- 1 Waschtisch 1 Waschtisch


A B lettenraum für 60 Per- für 60 Per-
sonen sonen
150 165 165 150 125 150
1 WC-Becken 1 WC-Becken
für 20–30 Per- für 40–50 Per-
sonen sonen
90

1 Urinal für
20–30 Per-
sonen

Klassen-Toi- 1 Waschtisch
lettenraum 2 WC-Becken

Lehrerinnen Lehrer

Lehrer-Toi- 1 Waschtisch 1 Waschtisch


lettenraum für 20 Per- für 20 Per-
sonen sonen
1 WC-Becken 1 WC-Becken
70

für 20 Per- für 20 Per-


sonen sonen
=150

1 Urinal für
20 Personen

Kinder- Mädchen | Jungen


C gärten |
Kinder- Wasch- und 1 Waschtisch für 2–6 Kinder
tagestätten Toilettenraum 1 Waschtisch für Personal
.. Abb. 2.55  Grundrissbeispiele für Klassen-WC (A), Stunden-WC (B) und in Kinder- 1 WC-Becken für 8–10 Kinder
Pausen-WC (C) in Schulgebäuden in Anlehnung an die VDI 6000-6 krippen 1 Handwaschbecken je
Toilettenraum

2.2.3 Sanitärräume in Schulen Wasch- und 1 Waschtisch für 2–6 Kinder


Toi­lettenraum 1 Waschtisch für Personal
und Kindergärten
in Kinder- 1 WC-Becken für 6–10 Kinder
gärten/ 1 Urinal für 10 Kinder (Hort, Kita)
Neben den Verordnungen und Richtlinien der einzelnen Kindertages- 1 Dusche für 10 Kinder
stätten 1 Handwaschbecken je
Bundesländer finden sich auch in der VDI 6000-6 detaillierte Toilettenraum
Hinweise zur Planung und Ausstattung von Sanitärräumen
in Kindergärten, Kindertagesstätten und Schulen, vergl.
. Abb. 2.55. nen. Dabei können die Sanitäreinrichtungen für zwei Grup-

--
Die Empfehlungen der Richtlinie gelten für Sanitärräume in:
Kinderkrippen (Kinder bis 3 Jahre),
pen in einer Anlage zusammengefasst werden. Während die
Wasch- und Toilettenräume in Kinderkrippen von Jungen

- Kindergarten (Kinder von 3 bis 6 Jahre),


Kinderhort/Kindertagesstätte (Kinder von 6 bis
und Mädchen gemeinsam genutzt werden, können in Kinder-
gärten die WC-Räume nach Geschlechtern getrennt und die

-- 14 Jahre),
Vorschule/Schulkindergarten (Kinder von 5 bis 7 Jahre),
Waschräume gemeinsam genutzt werden. In Kindertages-
stätten sollte eine Trennung sowohl für WC- als auch für

--
Grundschulen (Kinder von 5 bis 12 Jahre),
Weiterführende Schulen (Kinder ab 10 Jahre),
Berufsschulen und Weiterbildungseinrichtungen
(Jugendliche ab 16 Jahre).
Waschräume bestehen.
Ein Sichtschutz zwischen einzelnen WC-Becken sollte entwe-
der mit halbhohen Trennwänden und Türen oder als halbhohe
Trennwände ohne Türen ausgeführt werden. Besonders in
Kindergärten, Kindertagesstätten und Grundschulen müssen
Für Kindergärten und Kindertagesstätten wird empfohlen die die Montagehöhen der sanitären Einrichtungsgegenstände der
WC- und Waschräume direkt den Gruppenräumen zuzuord- Körpergröße der Kinder angepasst werden (. Tab. 2.20).
70 Kapitel 2 • Sanitärräume

≥90 ≥90 ≥90 ≥90


1 .. Tab. 2.20  Montagehöhen von Sanitärobjekten über Oberkante
Fertigfußboden in Schulen, Kindergärten und Kindertagesstätten gem. 65-70 65-70
VDI 6000-6, Tab. 3.
2 Einzel- Hand- WC WC Urinal

70
15 55
wasch- wasch- Spülung Spülung
3 tisch becken vor der
Wand
Wand-
einbau
0
. 15
in d
4 Kinder 55–65 55–65 35* 35* – 46-48

≥ 90
205

28
bis
m
6 Jahre

5 Kinder 7 65–75 65–75 35* 35* 50


bis
11 Jahre
6 Kinder | 75–85 75–85 42* 42* 57
.. Abb. 2.56  Mindestabmessungen und Montagehöhen für barrierefreie
WC-Räume gem. DIN 18 040-1. Vor dem WC-Becken und dem Waschtisch ist
Jugend- eine mind. 150/150 cm große Bewegungsfläche zu berücksichtigen, neben
7 liche 12 dem WC-Becken beidseitig mind. 90/70 cm
bis
15 Jahre
8
* OK Keramik bei wandhängender Ausführung. gend) ausgestattet sein. An den Waschplätzen sind Spiegel,
Hakenleisten für Waschlappen und Handtücher, Ablagen für
9
Zahnputzutensilien und Seifenspender erforderlich. Hand-
waschbecken werden mit Seifen- und Papierhandtuchspender
10 .. Tab. 2.21  Maße für Toilettenräume in Kindergärten, Kindertages-
stätten und Schulen gem. VDI 6000-6, Tab. 3. sowie einem Abfallbehälter versehen.
Alle WC-Kabinen in Schulen sollten mit Kleiderhaken, Pa-
11 Türanschlag
nach außen
Türanschlag
nach innen pierrollenhalter, einer Toilettenbürstengarnitur (wandhän-
Breite der WC-Kabine 90 90
gend) ausgestattet sein sowie mit Hygienebeutelspender und
12 Tiefe der WC-Kabine 125 150
Abfallbehälter mit Deckel in den Mädchen-/Frauen-WCs. In
den Vorräumen sind Spiegel, Seifenspender, Papierhandtuch-
13 Raumtiefe vor den Kabinen 155 155 spender und Abfallbehälter erforderlich.
Raumtiefe vor den Kabinen bei 205 165
einbündigen Toilettenanlagen
14 mit gegenüberliegenden
2.2.4 Barrierefreie Sanitärräume in öffentlich
Urinalen
zugänglichen Gebäuden
15 Raumtiefe vor den Kabinen bei 200 125
zweibündigen Toilettenanlagen
Barrierefreie Sanitärräume sind so zu gestalten, dass sie von
16 Menschen mit Rollstühlen und Rollatoren sowie von blinden
In Schulen werden die WC-Anlagen grundsätzlich nach Ge- und sehbehinderten Menschen weitestgehend eigenständig ge-
17 schlechtern getrennt (Ausnahme Klassenraum-WC) und mit nutzt werden können. Die Anforderungen an barrierefreie
einem Vorraum mit (Hand-)Waschbecken ausgestattet. Zen- Sanitärräume im öffentlichen Bereich sind in der
18 tral angeordnete Pausen-WCs müssen unmittelbar vom Pau- DIN 18 040-1„Barrierefreies Bauen – Planungsgrundlagen –
senhof zugänglich sein und sollten nicht als innenliegende Teil 1: Öffentlich zugängliche Gebäude“ geregelt.
Räume ausgeführt werden. In mehrgeschossigen Schulgebäu- Bei der Planung von rollstuhlgerechten Toiletten, Wasch- und
19 den sind in jedem Geschoss dezentrale Stunden-WCs, deren Duschplätzen ist in erster Linie der größere Platzbedarf für
Entfernung vom letzten Klassenraum höchstens 40 m betra- Bewegungsflächen von 150 cm × 150 cm vor den sanitären
20 gen sollte. Direkt dem Klassenraum zugeordnete WCs werden Einrichtungsgegenständen zu berücksichtigen, wobei sich die
von Mädchen und Jungen gleichzeitig genutzt. Für Rollstuhl- Bewegungsflächen überlagern dürfen.
21 fahrer ist je ein barrierefreies WC, möglichst nach Geschlech- Die Türen müssen mit einer lichten Durchgangsbreite von
tern getrennt, pro Geschoss vorzusehen. WC-Anlagen für mind. 90 cm und einer lichten Höhe über OKF von mind.
22 Lehrer und Mitarbeiter befinden sich i. d. R. gesondert in der 205 cm ausgeführt werden. Der Türaufschlag von Drehflügel-
Nähe der Verwaltungsräume. türen ist nach außen zu richten, um im Notfall eine im Toi-
23 Hinweise zur Bemessung und Ausstattung von WC- und lettenraum liegende Person bergen zu können.
Waschräumen finden sich in den . Tab. 2.19 und . Tab. 2.21. Sind Kleiderhaken vorgesehen, müssen sie sowohl für die Be-
Die WCs in Kindergärten und Kindertagesstätten sollten mit nutzung im Sitzen als auch im Stehen positioniert werden.
Papierrollenhalter und Toilettenbürstengarnitur (wandhän-
2.2  •  Öffentliche und gewerbliche Sanitäranlagen
71 2

zz Toiletten
Je Sanitäranlage in öffentlichen Gebäuden ist ein barriere-
freies WC gefordert, das entweder in die geschlechterspe-
zifisch getrennten nicht barrierefreien Sanitärräume integriert
oder separat und geschlechtsneutral ausgeführt ist.

Die Sitzhöhe des Beckens einschließlich Sitz sollte 46–48 cm


über OKF betragen. Eine Rückenstütze muss 55 cm hinter der
Vorderkante des WCs angeordnet sein. Für eine beidseitige
Anfahrbarkeit des WC-Beckens muss durch jeweils eine Be-
wegungsfläche von mind. 90 cm Breite und 70 cm Tiefe
(. Abb. 2.56) gesorgt werden. Die WC-Spülung sollte sich,
mit der Hand oder dem Arm bedienbar, im Greifbereich des
Sitzenden befinden. Hochklappbare Stützklappgriffe an jeder
Seite des WC-Beckens mit einem Abstand von 65–70 cm
zwischen den Griffen, die 15 cm über die Vorderkante des
WC-Beckens hinausragend und 28 cm über Sitzhöhe an-
gebracht werden, sind unbedingt erforderlich.
Außerdem muss der Toilettenraum mit einer Notrufanlage
ausgestattet sein, die vom WC aus sitzend und vom Boden aus
liegend betätigt werden kann.
73 3

Abwasser- und Wassertechnik


3.1 Abwasseranlagen – 75
3.1.1 Schwemmkanalisation – 75
3.1.2 Einleitung von Niederschlagswasser an Ort und Stelle
in den Untergrund  –  76
3.1.3 Entwässerungsanlagen für Gebäude und Grundstücke  –  76
3.1.4 Entwässerungssysteme – 76
3.1.5 Bezeichnungen der Rohrleitungs-Teilstrecken  –  77
3.1.6 Wasserablaufstellen – 78
3.1.7 Anschlussleitungen – 79
3.1.8 Fallleitungen – 80
3.1.9 Lüftungsleitungen – 84
3.1.10 Grund- und Sammelleitungen  –  86
3.1.11 Planungshinweise zu Grundleitungen  –  88
3.1.12 Reinigungsöffnungen – 93
3.1.13 Schächte – 94
3.1.14 Rohrgräben – 95
3.1.15 Anschlusskanäle – 96
3.1.16 Abläufe – 96
3.1.17 Abscheider – 98
3.1.18 Sicherung gegen Rückstau  –  101
3.1.19 Abwasserhebeanlagen – 103
3.1.20 Einleitung von Niederschlagswasser in den Untergrund  –  107
3.1.21 Regenwassernutzungsanlagen – 111
3.1.22 Grauwassernutzungsanlagen – 114
3.1.23 Dimensionierung von Entwässerungsanlagen  –  114
3.1.24 Bemessungsbeispiele – 121

3.2 Kleinkläranlagen – 130
3.3 Gebäudedränung – 141
3.4 Wasseranlagen – 153
3.4.1 Wasserbeschaffenheit – 153
3.4.2 Wasseraufbereitung – 154
3.4.3 Rohrleitungsmaterial für Kalt- und Warmwasserleitungen  –  156
3.4.4 Hausanschluss – 157
3.4.5 Leitungsinstallation in Gebäuden  –  158
3.4.6 Wasserdruck – 159
3.4.7 Leitungsdimensionierung – 160
3.4.8 Wasserdruckerhöhungsanlagen – 160
3.4.9 Regenwasser- und Grauwassernutzungsanlagen  –  161
3.4.10 Warmwasserversorgung – 165

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019
D. Bohne, Technischer Ausbau von Gebäuden, https://doi.org/10.1007/978-3-658-21437-1_3
3.5 Feuerlöschanlagen – 181
3.5.1 Hydrantenanlagen – 181
3.5.2 Sprinkleranlagen – 183
3.5.3 Inertgas-Löschsysteme – 185
3.1 • Abwasseranlagen
75 3
3.1 Abwasseranlagen

3.1.1 Schwemmkanalisation

Auf bebauten Grundstücken fällt sowohl Niederschlagswasser


als auch Schmutzwasser an. Schmutzwasser z. B. von Wasch-
tischen, WC-Becken, Küchenspülen oder Bodenabläufen wird
in senkrechten Leitungen einem im Erdreich befindlichen
liegenden Rohrnetz zugeführt, . Abb. 3.1.
Von hier aus gelangt es im Normalfall in die Straßenkanäle
der öffentlichen Kanalisation und fließt, nachdem es in einer
kommunalen Sammelkläranlage aufbereitet wurde, einem
oberirdischen Gewässer (Vorfluter) zu. Das gleiche gilt auch .. Abb. 3.1  Niederschlagswasser wie auch Abwässer, die im Gebäude
für das auf Dach- und Hofflächen anfallende Niederschlags- anfallen, fließen über senkrechte Fallstränge einem liegenden Leitungssystem
wasser (Regenwasser, schmelzender Schnee, Hagel), sofern zu, welches sich im Regelfall unterhalb des Kellerfußbodens befindet. Von hier
aus werden die Abwässer dem Straßenkanal zugeleitet. Die Leitungssysteme
keine Versickerung auf dem Grundstück möglich ist. Eine
von Niederschlagswasser und Schmutzwasser sind im Regelfall zu trennen
Reinigung von Niederschlagswasser in Kläranlagen erübrigt
sich jedoch. Je nach Ortssatzung ist vorgeschrieben, ob bei
einem Bauvorhaben nach dem Misch- oder nach dem Trenn-
Mischwasser
verfahren zu entwässern ist. K
Eine Mischkanalisation (. Abb. 3.2) leitet Regen- und
Schmutzwasser ungetrennt in einem gemeinsamen Rohrsys-
tem ab. Der Kanalquerschnitt ist aus Gründen der Wirtschaft- Mischsystem
lichkeit und eines optimalen Wasserabflusses nicht für Spit-
zenbelastungen dimensioniert, wie sie durch besonders
heftige Wolkenbrüche etwa einmal jährlich verursacht wer-
den. Regenfälle überdurchschnittlicher Intensität können
daher von Zeit zu Zeit die Aufnahmefähigkeit der Misch-
kanalisation überfordern und bewirken, dass an tiefgelegenen
ungeschützten Schmutzwasserabläufen rückstauendes Wasser Mischwasser
austritt und Kellerüberschwemmungen verursachen. K
Eine Trennkanalisation (. Abb. 3.2) führt Regen- und Regenwasser
Schmutzwasser in voneinander getrennten Leitungssystemen
ab. Der öffentliche Regenwasserkanal hat zwar im Durchschnitt Trennsystem
geringere Wassermengen abzuleiten, erhält aber mit Rücksicht .. Abb. 3.2  Beim Mischsystem werden Regen- und Schmutzwasser
auf zeitweilig auftretende Belastungsspitzen einen größeren ungetrennt der kommunalen Kläranlage (K) zugeführt. Starke Niederschläge
Querschnitt als der Schmutzwasserkanal. Rückstauendes Re- können bewirken, dass rückstauendes Wasser aus tief gelegenen, ungesi-
cherten Schmutzwassereinläufen austritt. Im Trennsystem werden Regen-
genwasser gefährdet die angeschlossenen Gebäude nicht mehr: und Schmutzwasser getrennt abgeführt und auf diese Weise die Klärein-
alle tief liegenden Abflüsse, aus denen rückstauende Abwässer richtungen entlastet. Rückstauendes Regenwasser kann innerhalb von
austreten könnten, sind von den regenwasserführenden Lei- Gebäuden keinen Schaden mehr anrichten
tungssträngen abgekoppelt. Nur das Schmutzwasser wird in
der kommunalen Kläranlage einem Reinigungsprozess unter-
worfen, deshalb kann die Kläranlage kleiner als bei der Misch-
kanalisation ausfallen. Um die abzuleitende Regenwasser-
menge gering zu halten und um den Grundwasserspiegel nicht
zu beeinträchtigen soll Niederschlag möglichst am Grundstück Schwemmtiefe
versickert werden.
Eine Teilkanalisation nimmt nur Regenwasser und weniger ver- .. Abb. 3.3  Die Schleppfähigkeit abfließenden Wassers ist abhängig von
unreinigtes Schmutzwasser auf. Das Schmutzwasser durchläuft seiner Schwemmtiefe. Eine Vergrößerung runder Rohrprofile, um größere,
eine auf dem Grundstück befindliche Kleinkläranlage (vgl. i. d. R. nur selten eintretende Belastungsspitzen aufzufangen, hat bei
▶ Abschn. 3.2). Dort sich ansammelnde Feststoffe werden ein- normaler Belastung eine geringere Schwemmtiefe zur Folge und ist daher
hydraulisch unbefriedigend. Eiprofile, die größere Rohrquerschnitte ohne
bis zweimal jährlich abgefahren. Dies ist ein überholtes, bei Reduzierung der Schwemmtiefe ermöglichen, werden für Straßenkanäle,
Neubauten allenfalls noch als Provisorium angewandtes System. nicht aber für Grundstücksentwässerungsanlagen eingesetzt
76 Kapitel 3 • Abwasser- und Wassertechnik

3.1.2 Einleitung von Niederschlagswasser


1 an Ort und Stelle in den Untergrund

Grundstücksgrenze
2 Im Sinne eines natürlichen Wasserkreislaufes sollte stets eine
dezentrale Regenwasserentsorgung in Erwägung gezogen
3 werden: Das Regenwasser wird dort, wo es anfällt, dem Boden
bzw. Grundwasser zugeführt. Aufwendige Trennkanalisati-
4 ons-Systeme entfallen weitgehend, ebenso wie Rückstaupro-
bleme der Mischkanalisation. Abzuleiten ist nur noch anfal-
lendes Schmutzwasser. Voraussetzung ist ein ausreichend
5 wasseraufnahmefähiger Boden sowie ein nicht zu hoch lie-
gender Grundwasserspiegel. In den Landeswassergesetzen
6 einiger Bundesländer ist die Regenwasserversickerung bereits
vorgesehen und wird von den Kommunen in zunehmendem DIN EN 12 056 DIN EN 752
7 Maße bauaufsichtlich zur Auflage gemacht, soweit die örtli- DIN 1986-100 DIN 1986-100
DIN EN 1610
chen Rahmenbedingungen dies zulassen. Mit der einzuholen-
ATV A 127
8 den wasserrechtlichen Zustimmung kann im Regelfall ge-

--
ATV A 139
rechnet werden. Als Sickermaßnahmen kommen in Betracht: ATV A 142
Muldenversickerung,
9
--
.. Abb. 3.4  Schwerkraftentwässerung: Gültigkeitsbereiche für Normen und
Rohr-Rigolenversickerung, Vorschriften
Mulden-/Rohr-Rigolenversickerung,

-
10 Schachtversickerung,
Teichrandzonen-Versickerung. munen. In einer Abwassersatzung sind Anschluss- und Be-
11 nutzungsregelungen festgelegt, die vor allem bei gewerblich/
Die Beschreibung dieser Anlagen findet sich in industriell zu nutzenden Neubauvorhaben zu berücksichtigen
12 ▶ Abschn. 3.1.20. Bereits im Bebauungsplan sollte eine natur-
nahe Regenwasserableitung Berücksichtigung finden. Kom-
--
sind. Unter anderem sind dies:
Einzelheiten zum Anschluss- und Benutzungsrecht,
13
14
munale Behörden sind angehalten zu prüfen, inwieweit sich
bei Neubauvorhaben Regenwasser-Versickerungsanlagen
realisieren lassen, um ggf. ihre Entwässerungssatzung ein-
schließlich Gebührenordnung den neuen Erfordernissen an-
-- unzulässige Inhaltsstoffe von Abwässern,
Erstellung von Anschlusskanälen,
Maßnahmen gegen Rückstau.

zupassen. Der Gebäudeplaner kommt unter dieser Prämisse Die Genehmigungspflicht für die Erstellung einer Grund-
15 nicht umhin, ein zu bebauendes Grundstück daraufhin zu stücksentwässerungsanlage, wie auch die Überwachung ihrer
überprüfen, ob und in welcher Form Sickeranlagen angelegt Erstellung, beschränkt sich in den meisten Bundesländern
16 werden können, d. h. er muss sich bereits bei Beginn seiner (z. B. in Nordrhein-Westfalen) auf den Anschluss an das kom-
Planung mit der Gestaltung der Außenanlagen befassen. munale Kanalnetz, soweit nur häusliche Abwässer anfallen.
17 Eine Benutzungsgenehmigung ist zu beantragen, wenn Ab-
wässer aus Gewerbe- und Industriebetrieben in die öffentliche
3.1.3 Entwässerungsanlagen für Gebäude
18 und Grundstücke
Kanalisation eingeleitet werden sollen. Sonderabwässer sind
in dem Genehmigungsantrag zu erläutern. Bei der Einleitung
von Regenwasser in das Kanalsystem ist eine ggf. vorliegende
19 Entwässerungsanlagen für Gebäude werden möglichst nach Einleitungsbegrenzung zu beachten. Sofern diese vorliegt,
dem Schwerkraftprinzip erstellt. Es gilt die europäische Nor- können bei Überschreitung ein Regenrückhaltebauwerk oder
20 menreihe DIN EN 12 056 für alle Entwässerungsanlagen, die andere Retentionsmaßnahmen erforderlich werden.
unter Schwerkraft betrieben werden. Die Normreihe gilt aus-
21 schließlich für Wohn-, Geschäfts-, Instituts- und industrielle
Bauten innerhalb der Gebäude. Zusätzliche Bestimmungen 3.1.4 Entwässerungssysteme
22 für Deutschland sind in der DIN 1986-100 aufgeführt. Außer-
halb des Gebäudes gilt außerdem die DIN EN  752 sowie Wegen der unterschiedlichen Entwässerungssysteme inner-
23 weitere Bestimmungen, vergl. . Abb. 3.4. halb Europas definiert die DIN EN 12 056-2 vier verschiedene
Außerdem sind die Teile der Ortssatzungen zu berücksichti- Entwässerungssysteme. Die Systeme unterscheiden sich nach
gen, die sich mit Grundstücksentwässerungsanlagen befassen. dem Füllungsgrad der Anschlussleitung und der Aufteilung
Im Regelfall existiert eine Abwassersatzung bei den Kom- von Leitungssystemen:
3.1 • Abwasseranlagen
77 3

- System I – Einzelfallleitungsanlage mit teilbefüllten

- Anschlussleitungen (Füllungsgrad h/di = 0,5).


System II – Einzelfallleitungsanlage mit Anschlussleitun-

- gen geringer Abmessung (Füllungsgrad h/di = 0,7).


System III – Einzelfallleitungsanlage mit vollgefüllten

- Anschlussleitungen (Füllungsgrad h/di = 1,0).


System IV – Anlage mit getrennten Schmutzwasserfall-
leitungen (Anschlussleitungen nach System I, II
oder IV).

In Deutschland sind ausschließlich das System I oder Sys-


tem IV anzuwenden (. Abb. 3.5). Im System I werden die
einzelnen Entwässerungsgegenstände in gemeinsamen, teil-
befüllten (h/di = 0,5) Sammelanschlussleitungen der Falllei-
tung zugeführt. Im System IV werden die Schmutzwasserfall-
System I (h/di=0,5) System IV
leitungen nach fäkalienhaltigem Schmutzwasser und
fäkalienfreiem Grauwasser getrennt. Die Anschlussleitungen
entsprechen dem System I.
.. Abb. 3.5  Entwässerungsanlage System I und IV. Für Deutschland zulässig
sind das System I (linkes Bild) sowie das System IV (rechtes Bild)
3.1.5 Bezeichnungen der
Rohrleitungs-Teilstrecken
4

Grundstücksgrenze
In DIN EN 12 056 bzw. DIN 1986-100 werden Bezeichnungen 2
für die verschiedenen Leitungsabschnitte einer Grundstücks­ 1
entwässerungsanlage festgelegt, . Abb. 3.6.
Die Fallleitung ist die senkrechte Leitung im Gebäude, die
3
Schmutz- oder Regenwasser in eine liegende Leitung führt
und über Dach entlüftet wird.
Die Grundleitung ist die unzugänglich im Erdreich oder in
einer Bodenplatte liegende Leitung, die Erdwasser aus Fall- 5
leitungen, Anschlussleitungen und Bodeneinläufen aufnimmt. 6 7
Die Lüftungsleitung ist die Verlängerung der Fallleitung über
Dach, um einen Druckausgleich über die Freispiegelentwäs-
serung herzustellen.
Die Sammelleitung entspricht der Funktion der Grundleitung, 1 Einzelanschlussleitung 5 Sammelleitung
liegt jedoch frei unter der Kellerdecke oder an Kellerwänden. 2 Sammelanschlussleitung 6 Grundleitung
Die Anschlussleitung ist die Leitung vom Geruchverschluss 3 Fallleitung 7 Anschlusskanal
des Entwässerungsgegenstandes bis zur weiterführenden 4 Lüftungsleitung
Leitung. In DIN 1986-100 wird zwischen Einzelanschluss- .. Abb. 3.6  Schematische Darstellung der Leitungsabschnitte einer
leitung (EAL) und Sammelanschlussleitung (SAL) unterschie- Entwässerungsanlage
den. Dabei schließt die Einzelanschlussleitung einen einzigen
Entwässerungsgegenstand mit Geruchsverschluss an die Sam-
melanschlussleitung, Fallleitung, Sammel- oder Grundleitung
an. Die Sammelanschlussleitung schließt mehrere Entwässe- Die Rohrgrößen der Leitungsabschnitte werden durch die
rungsgegenstände an die Fallleitung, Sammel- oder Grund- Nennweite DN (engl. Diameter Nominal) bezeichnet. Da-
leitung an. bei handelt es sich um eine dimensionslose Kenngröße, die
Der Anschlusskanal ist die Leitung vor der letzten Rei- den Durchmesser von Rohrleitungen, Geräteanschlüssen
nigungsöffnung auf dem Grundstück bis zum öffentlichen und Armaturen angibt. Den Nennweiten ist jeweils ein
Abwasserkanal. Mindest-Innendurchmesser (di,min) in mm zugeordnet
Die Symbole für die zeichnerische Darstellung von Entwässe- (. Tab. 3.1) auf den sich alle Leistungsangaben der Norm
rungsanlagen gemäß DIN 1986-100 sind in . Abb. 3.7 auf- beziehen. Die Nennweitenstufen sind in der DIN EN
geführt. ISO 6708 festgelegt.
78 Kapitel 3 • Abwasser- und Wassertechnik

Abwasser- und
1 Lüftungsleitungen Grundriss Aufriss Sanitär- Ausstattungs-
gegenstände
Grundriss Aufriss
Schmutzwasserleitung
2 Druckleitung wird mit DS

DS
DS
gekennzeichnet Badewanne
Regenwasserleitung
3 Druckleitung wird mit DR

DR
DR
gekennzeichnet Duschwanne

4 Mischwasserleitung
Waschtisch,
Handwaschbecken
5 Lüftungsleitung
Sitzwaschbecken

6 Lüftungsleitung,
Richtungshinweis, z.B. Urinalbecken
7 beginnend und aufwärts
verlaufend Urinalbecken mit
automatischer Spülung
8 Fallleitung je nach Leitungsart
Klosettbecken
9 Richtungshinweise:
a) hindurchgehend
Ausgussbecken
10 b) beginnend und abwärts
verlaufend je nach Leitungsart
c) von oben kommend und Spülbecken, einfach
11 endend
d) beginnend und aufwärts
verlaufend
12 Spülbecken, doppelt
100
Nennweitenänderung 100 125
13
125 Geschirrspülmaschine

14 Waschmaschine
Reinigungsrohr mit runder
15 oder rechteckiger Öffnung
Wäschetrockner

Reinigungsverschluss
16 Klimagerät

17 Rohrendverschluss
.. Abb. 3.7 (Fortsetzung)  Sinnbilder für Entwässerungsanlagen nach
DIN 1986-100

18 Geruchsverschluss

Trennsystem angehören, da in Regenwasserkanälen kaum Ka-


19 Belüftungsventil
nalgase entstehen. Die Sperrwasserhöhe innerhalb eines Ge-

20
21
.. Abb. 3.7  Sinnbilder für Entwässerungsanlagen nach DIN 1986-100
--
ruchverschlusses muss mind. betragen:
60 mm bei allen Geruchverschlüssen für Schmutzwasser.
100 mm bei Abläufen für Regenwasser (berücksichtigt
längere Trockenperioden).
3.1.6 Wasserablaufstellen
22 Man rechnet mit einer Verdunstungsgeschwindigkeit von im
Alle Wasserablaufstellen sind, um ein Austreten von Kanalga- Mittel 1 mm/Tag (0,3 bis 2,5 mm je nach Luftfeuchte, Wasser-
23 sen zu verhindern, mit einem Geruchverschluss zu versehen und Lufttemperatur). In Räumen, in denen Unter- oder
bzw. an einen mit eigenem Geruchverschluss ausgerüsteten Überdrücke bestehen, wie z. B. in Zentralen von Raumluft-
Entwässerungsgegenstand anzuschließen. Ausgenommen sind technischen Anlagen, müssen entsprechend größere Ver-
Mündungen und Zuläufe von Regenfallleitungen, die einem schlusshöhen vorgesehen werden.
3.1 • Abwasseranlagen
79 3

Abläufe, Abscheider, .. Tab. 3.1  Nennweite (DN) mit entsprechendem Mindest-Innen-


Grundriss Aufriss
Hebeanlagen, Schächte durchmesser di, min (entspricht Tab. 1 in DIN EN 12 056-2
Ablauf oder
Nennweite DN Innendurchmesser
Entwässerungsrinne ohne
di, min [mm]
Geruchsverschluss
Ablauf oder 30 26
Entwässerungsrinne mit
40 34
Geruchsverschluss
Ablauf mit 50 44
Rückstauverschluss für 56 49
fäkalienfreies Abwasser
60 56
Schlammfang S S 70 68

80 75

Fettabscheider F F 90 79

100 96

Stärkeabscheider St St 125 113

150 146
Benzinabscheider
B B 200 184
(Abscheider für
Leichtflüssigkeiten) 225 207
Heizölabscheider
250 230
(Abscheider für H H
Leichtflüssigkeiten) 300 290

Heizölsperre
H Sp H Sp

Regenfallleitung
Heizölsperre mit
Rückstauverschluss H Sp H Sp ≥2m Aufenthaltsraum

Rückstauverschluss für
fäkalienfreies Abwasser

Rückstauverschluss für
fäkalienhaltiges Abwasser
≥ 100

Kellerentwässerungspumpe
.. Abb. 3.8  Regenwasserabläufe im Freien mit einem Geruchverschluss zu
versehen wäre unzweckmäßig, da gefrierendes Sperrwasser den Ablauf
Fäkalienhebeanlage zerstören würde. Falls Regenwasserabläufe von Terrassen/Balkonen an eine
Mischkanalisation anzuschließen sind, empfiehlt sich ein Geruchverschluss
an frostfreier Stelle, z. B. am Fuße der Regenfallleitung, um ein Austreten
Schacht mit offenem übelriechender Kanalgase zu unterbinden. Verbindlich vorgeschrieben ist
Durchfluss (dargestellt mit dies gem. DIN 1986-100 nur für Ablaufstellen, die weniger als 2 m von
Schmutzwasserleitung) Fenstern und Türen von Aufenthaltsräumen entfernt sind
Schacht mit
geschlossenem Durchfluss

.. Abb. 3.7 (Fortsetzung)  Sinnbilder für Entwässerungsanlagen nach


DIN 1986-100

3.1.7 Anschlussleitungen
≥ 60 mm

≥ 60 mm

Anschlussleitungen müssen, wie auch die Fallleitungen, aus


heißwasserbeständigen Materialien (für eine maximale Was-

-
sertemperatur von +95 °C) bestehen. Hierzu zählen:
Gusseiserne Rohre,
.. Abb. 3.9  Rohr- und Flaschengeruchverschluss. Die Sperrwasserhöhe
beträgt 60 mm
80 Kapitel 3 • Abwasser- und Wassertechnik

-- Stahlrohre,

-
1 Faserzementrohre,
.. Tab. 3.2  Für die verschiedenen Entwässerungsgegenstände
anzusetzende Anschlusswerte (DU) (gemäß DIN 1986-100) und
Heißwasserbeständige Kunststoffrohre, so genannte Dimensionen von Einzelanschlussleitungen (DN)
2 HAT-Rohre (Hotwater-Tubes) aus PP, ABS, ASA,
Entwässerungsgegen- Anschlusswert Einzelanschluss­
PE-HD (früher: PE-hart), PVC-C. stand DU [l/s] leitung
3 Waschbecken, Bidet 0,5 DN 40
Die orangebraunen PVC-U-Rohre sind, da nicht heißwasser-
Dusche ohne Stöpsel 0,6 DN 50
4 beständig, nur als Anschlussleitungen von WC- und Urinal-
becken sowie für Bodenabläufe ohne seitlichen Zulauf im Dusche mit Stöpsel 0,8 DN 50
Wohnungsbau zugelassen. Es empfiehlt sich jedoch, auch in
5 diesen Fällen HT-Rohre zu verwenden, da i. d. R. nicht aus-
Einzelurinal mit
Spülkasten
0,8 DN 50

zuschließen ist, dass später einmal ein Heißwasser erzeugen- Urinal mit Druckspüler 0,5 DN 50
6 des Gerät angeschlossen wird. Die erforderlichen Nennweiten Standurinal 0,2 DN 50
sind aus . Tab. 3.2 ersichtlich. Im Wohnungsbau wird der mit
7 Abstand größte Querschnitt meist für den WC-Anschluss er-
Urinal ohne Wasserspü-
lung
0,1 DN 50

forderlich.
Badewanne 0,8 DN 50
8 Die mit Gefälle annähernd horizontal zu führenden An-
Küchenspüle und 0,8 DN 50
schlussleitungen sind, folgt man der Wärmeschutznorm
Geschirrspüler*
DIN 4108 und der Schallschutznorm DIN 4109, in Wand-
9 Küchenspüle, 0,8 DN 50
schlitzen so gut wie nicht mehr unterzubringen. In Betracht Ausgussbecken
kommt eine Verlegung im Fußbodenaufbau oder eine Vor-
10 wandinstallation.
Geschirrspüler 0,8 DN 50

Für belüftete und unbelüftete Einzelanschlussleitungen gelten Waschmaschine bis 6 kg 0,8 DN 50
11 gemäß DIN 1986-100 die in . Tab. 3.6 aufgeführten Anwen- Waschmaschine bis 1,5 DN 56/60
dungsgrenzen. 12 kg

12 WC mit 4,0/4,5 l 1,8 DN 80/DN 90


Spülkasten
3.1.8 Fallleitungen
13 WC mit 6,0 l Spülkasten/
Druckspüler
2,0 DN 80 bis DN 100

Regen- und Schmutzwasser müssen in getrennten Fallleitun-


14 gen abgeführt werden (. Abb. 3.10).
WC mit 7,5 l Spülkasten/
Druckspüler
2,0 Nicht gebräuchlich

Am Fuße aller Fallstränge sind Reinigungsöffnungen vorzu- WC mit 9,0 l Spülkasten/ 2,5 DN 100
15 sehen. Fallleitungen neigen kaum zu Verstopfungen. In be- Druckspüler

schädigten Grundleitungen kann dagegen ein Rohrquer- Bodenablauf DN 50 0,8 DN 50
16 schnitt durch einwachsende Wurzeln meterlang verschlossen Bodenablauf DN 70 1,5 DN 70
werden. Verstopfungen können sich auch in intakten Rohr- Bodenablauf DN 100 2,0 DN 100
17 leitungen durch sich festsetzende Feststoffe und Fette bilden.
* Mit gemeinsamen Geruchverschluss.
Frei liegende Rohrleitungen sollen nicht an Wänden anliegen.
18 Bei Durchfahrungen von Bauteilen, an die Anforderungen
hinsichtlich ihrer Feuerwiderstandsdauer gestellt werden,
sind die entsprechenden bauaufsichtlichen Vorschriften der am Fuße einer Fallleitung beim Auftreffen des Wassers auf
19 Länder zu beachten. Da Kunststoffrohre im Brandfalle erwei- den Fußbogen. Hierbei wirkt sich auch die Fallhöhe aus, ob-
chen, müssen ggf. Maßnahmen getroffen werden, um die auf wohl bei größeren Strömungsgeschwindigkeiten erhöhte
20 diese Weise entstehenden Öffnungen in Brandabschnitte Rohrreibungsverluste die zusätzliche Fallhöhenenergie auf-
trennenden Bauteilen, wie z. B. Decken oder Wohnungs- zehren. Da alle Richtungsänderungen unerwünschte Geräu-
21 trennwänden, brandschutztechnisch zu schließen. Bewährt sche zur Folge haben können, sind Fallleitungen möglichst
haben sich sogenannte Brandschutzmanschetten, deren bei geradlinig und ohne Änderung ihrer lichten Weite durch die
22 großer Hitze stark expandierende Dichtstoffe Decken- bzw. Geschosse zu führen. Wird Wert darauf gelegt, dass die oft als
Wanddurchbrüche wirksam abschotten können. Brand- sehr störend empfundenen Fließgeräusche gedämpft werden,
23 schutzmanschetten gibt es in mehreren, auf die verschiedenen empfehlen sich Rohrmaterialien hohen Flächengewichts wie
Rohrmaterialien abgestimmten Varianten. z. B. gusseiserne Rohre oder spezielle HT-Rohre mit verbes-
Bei der Abwasserableitung unterscheidet man Fall-, Aufprall- sertem Luftschalldämmverhalten. Rohrschellen sollten eine
und Fließgeräusche. Fall- und Aufprallgeräusche entstehen schalldämmende Einlage erhalten.
3.1 • Abwasseranlagen
81 3

s ig ss ig
ä s zu l ä
zul un

.. Abb. 3.10  Regen- und Schmutzwasser müssen in getrennten Fallleitungen abgeführt werden, auch in Mischsystemen. Bei einem gemeinsamen Fallstrang
bestünde die Gefahr, dass bei einer Verstopfung im unteren Rohrbereich rückstauendes Regenwasser an den Schmutzwassereinläufen (wie z. B. Waschtischen
und WC-Becken) austräte. Am Fuße aller Fallleitungen sind Reinigungsöffnungen vorzusehen

Bei der Befestigung der Rohrleitungen mittels Fixschellen,


Losschellen und Pendelaufhängungen sind, nicht zuletzt der
Gewährleistungen wegen, die Verlegeanleitungen der Her-
ss ig
steller zu berücksichtigen. Allgemeingültige Regeln lassen
zu l ä
sich bei der Vielzahl der Rohrwerkstoffe, Rohrsysteme und
Verbindungsmöglichkeiten nicht aufstellen. un
zz Fallleitungen für Schmutzwasser
Schmutzwasserfallleitungen müssen, wie die Anschlussleitun-
gen, heißwasserbeständig sein. Die für Schmutzwasserfalllei-
tungen zugelassenen Kunststoffrohre werden als HT-Rohre
(Hotwater-Tubes) bezeichnet. Der lichte Mindestquerschnitt
beträgt DN 70 (Nennweite 70 mm), ist ein WC-Becken an-
geschlossen DN 80, DN 90 oder DN 100, je nach WC-Typ (vgl.
.. Abb. 3.11  Fallrohre in halbsteinigen Wänden schwächen den Zusammen-
. Tab. 3.2). Beim Übergang hoher Fallleitungen in liegende
halt der Wandscheiben, insbesondere an Kreuzungspunkten. Ihre Unter-
Leitungen kann das nach unten stürzende Wasser im Bereich bringung in nicht tragenden und nicht aussteifenden Wänden ist zwar
der früher üblichen 87°-Bögen erhebliche Drücke erzeugen, zulässig, aber nicht empfehlenswert. Auch schalltechnisch bilden sie
Schwachpunkte. Senkrechte Aussparungen in Wänden ab 24 cm Dicke wie
was bei Schmutzwasserfallleitungen oft Unzuträglichkeiten an
auch Vorwandinstallationen können den Anforderungen der 4108 und 4109
Geruchverschlüssen angeschlossener Entwässerungsgegen- gerecht werden. Neben Tür- und Fensteröffnungen sind Auflagerflächen für
stände zur Folge hat. Daher sind ab 4 Geschossen bzw. 10 m die Stürze zu berücksichtigen
Fallleitungshöhe besondere Vorkehrungen zu treffen (vgl.
. Abb. 3.12 und 3.13). Richtungsänderungen, die nicht flacher wie Beton haben, können sie ohne Bedenken einbetoniert
verlaufen als 45° zur Waagerechten, unterliegen dagegen kei- werden. Das vergleichsweise hohe Flächengewicht der
nerlei Beschränkung. Nebeneinander liegende Wohnungen Gussrohre bewirkt, dass Fließgeräusche stark gedämpft
dürfen nicht an eine gemeinsame Schmutzwasser-Fallleitung werden. Die elastischen Dichtungen der Rohrverbindun-
angeschlossen werden. Folgende Rohrleitungsmaterialien gen verhindern eine Weiterleitung von Körperschall.

-
kommen für Schmutzwasserfallleitungen in Frage:
Gusseiserne Rohre (SML-Rohre) ohne Muffe gem.
DIN 19 522 haben außen eine rotbraune Farbgrundierung
Muffenlose Gussrohre mit Sonderbeschichtung (KML-
Rohre) oder Emaillierung (EML-Rohre) ermöglichen eine
Ableitung stark aggressiver Abwässer. Gusseiserne Rohre
und innen eine Teer-Epoxidharz-Beschichtung
(. Abb. 3.14). Rohrverbindungen durch Manschetten aus
kochendwasserbeständigem Elastomer und Spannhülsen
aus korrosionsbeständigem Edelstahl (z. B. CV-Verbin-
- mit Muffe (GA-Rohre) werden nicht mehr hergestellt.
Stahlabflussrohre gemäß DIN EN 1123 innen und außen
feuerverzinkt, innen zusätzlich kunststoffbeschichtet.
Rohrverbindungen mittels Steckmuffen mit Lippendich-
dungselemente). Die muffenlosen gusseisernen Rohre tung. Stahlabflussrohre können mit Muffen an beiden
werden in Längen von 3 m geliefert und vom Verarbeiter Enden geliefert werden, so dass beim Ablängen keine
mit Hilfe einer Trennscheibe bedarfsgerecht zugeschnit- muffenlose Abfallstücke anfallen. Schnittstellen kunst-
ten. Da sie den gleichen Wärmeausdehnungskoeffizienten stoffbeschichteter Rohre sind mit einer Korrosions-
82 Kapitel 3 • Abwasser- und Wassertechnik

1
2
4
3

≥ 2m
4 ≥
25
≥ 10 m

3 cm

5
2
6
≥1m ≥1m

7 1

8
.. Abb. 3.12  Damit sich an den Fallleitungsfußbögen kein zu hoher Überdruck aufbaut, sind ab 4 Geschosse bzw. 10 m FallrohrIänge die Übergänge in

9
Iiegende Leitungen durch ein Zwischenstück von ≥ 25 cm Länge aufzulösen. Um ein Herausdrücken von Sperrwasser aus den Geruchverschlüssen nahegele-
gener Ablaufstellen zu vermeiden, ist die Fallleitung oberseitig des zulaufseitigen Bogens in mind. 2 m Höhe von Anschlüssen freizuhalten. Anschlüsse an die
Iiegende Leitung sind in einem Mindestabstand von 1 m zu den Iotrechten Leitungsteilen vorzunehmen. Verzüge unter 2 m Länge erhalten eine Umgehungs-

10 leitung, wenn in ihrem Bereich Entwässerungsgegenstände anzuschließen sind (vgl. . Abb. 3.13). Ein Zwischenstück kann dann entfallen

11
12
45°
13
Umlüftung
≥ 1,5 m

14
≥2m

Umgehung

15
45°
≥1m

Verzug
16 Umlüftung
≥2m
≥ 1,5 m

17
≥2m

Umgehung

18
19 ≥ 1,5 m

.. Abb. 3.13  Umgehungsleitungen bei Verzügen. Am Fuße von Fallleitungen, die mehr als 8 Geschosse durchlaufen bzw. Iänger als 22 m sind, müssen
20 Umgehungsleitungen eingebaut werden. Umgehungsleitungen werden auch erforderlich, wenn am Fuße von Fallleitungen, die 4 bis 8 Geschosse durchlaufen
bzw. 10 bis 22 m Iang sind, Entwässerungsgegenstände im Bereich eines Verzuges anzuschließen sind, der weniger als 2 m Iang ist (d. h. die Mindestabstände
von 1 m zu den zu- und ablaufseitigen Bögen nicht eingehalten werden können (vgl. . Abb. 3.12). Entwässerungsgegenstände sind stets an die Umgehungs-
21

-
leitungen anzuschließen

22 schutzpaste zu behandeln. Zinkschichten entwickeln Faserzementrohre (FZ-Rohre) nach DIN EN 12 763


i. A. an den Schnittstellen eine kathodische Schutz- bestehen aus einer Mischung aus Beton, Zellstoff- und
23 wirkung, die Unterrostungen entgegenwirkt. Bei Synthetikfasern. Innen erhalten die Rohre eine Acryl-
Edelstahlrohren für aggressive Abwässer entfällt dieses beschichtung. Verbindungen der muffenlosen Rohre:
Problem. Infolge geringer Muffendurchmesser sind Spannmuffen (z. B. Connect-Spannmuffen) aus Elasto-
Stahlrohre gut in engen Schlitzen unterzubringen. mermanschette und Edelstahlspannhülse.
3.1 • Abwasseranlagen
83 3

- PP-Rohre (aus Polypropylen) gemäß DIN 19 560-10.


Steckmuffenverbindung. Bei längerer Lagerung müssen
PP-Rohre vor direkter Sonneneinstrahlung bzw. zu
starker Lichteinwirkung geschützt werden. Das Material
ist schwer entflammbar. Farbe: Unterschiedlich nach

- Hersteller. Verschiedene Spezifikationen.


ABS- und ASA-Rohre (aus Acrylnitril-Butadien-Styrol
bzw. Acrylester-Styrol-Acrylnitril) gemäß. DIN 19 561-
10. Steckenmuffenverbindung. Bei längerer Lagerung
müssen auch ABS- und ASA-Rohre vor direkter
Sonnen- bzw. Lichteinwirkung geschützt werden. Das
Material ist normal entflammbar. Farbe: grau mit

- ununterbrochenem gelben Schriftzug versehen.


PE-HD-Rohre (Polyethylenrohre hoher Dichte) gemäß
DIN 19 535-10. Steckmuffen- oder Schweißverbindungen.
Das Material ist normal entflammbar. Farbe: schwarz, mit
A

.. Abb. 3.14  Rohrverbindungen gusseiserner Rohre: A SML-Rohre mit


B

heißwasserbeständiger Elastomermanschette und Spannhülse aus rostfreiem

-
Stahl. Ein Distanzring in Manschettenmitte fängt temperaturbedingte
ununterbrochenem gelben Schriftzug versehen. Längenänderungen auf und verhindert die Weiterleitung von Körperschall.
PVC-C-Rohre (aus chloriertem PVC-U) gemäß B Gusseiserne Muffenrohre (GA-Rohre) werden nicht mehr hergestellt.
DIN 19 538-10. Steckmuffenverbindung. Das Material Anschlüsse von SML- an GA-Rohre bei Umbaumaßnahmen sind möglich
ist schwer entflammbar. Farbe: grau, mit ununterbroche-
nem rotem Schriftzug versehen.

Bei der Verarbeitung von Rohren aus thermoplastischen


Kunststoffen sollte berücksichtigt werden, dass dieser Werk-
stoff bei Kälte an Elastizität verliert und empfindlicher auf
Schlag- und Stoßbeanspruchungen reagiert als bei den übli-
chen Verarbeitungstemperaturen. Alle Kunststoffe sind brenn-
bar und entwickeln im Brandfalle größere Rauchmengen, z. T.
10

auch giftige Dämpfe wie z. B. PVC. In größeren mehrgeschos-


sigen Gebäuden sollten Kunststoffrohre nur unter konsequen-
ter Beachtung brandschutztechnischer Gesichtspunkte Ver-
wendung finden. Hauptanwendungsbereich: Ein- und
Zweifamilienhäuser. Die Körperschallfortleitung ist bei Kunst-
stoffrohren infolge ihrer elastischen Struktur geringer als bei
Rohren aus metallischen Werkstoffen. Dies wirkt sich z. B.
.. Abb. 3.15  Steckmuffenverbindung von Kunststoffrohren. Das Spitzende
überall dort günstig aus, wo ein starrer Kontakt mit Wänden ist nach vollständigem Einschieben wieder um 10 mm herauszuziehen, damit
oder Decken (Schallbrücken) nicht sicher auszuschließen ist. keine temperaturbedingten Zwängungen auftreten. Die Rohre sind durch Be-
Luftschall wird dagegen in relativ hohem Maße emittiert. Dies festigungsschellen unter der Muffe zu halten, um zu verhindern, dass die
Rohre nachrutschen
hat die Hersteller veranlasst, HT-Rohre mit verbessertem Luft-
schall-Dämmverhalten zu entwickeln. Erreicht wird dies durch
dickere Wandungen (größere Masse) aus z. B. mineralisch ver- Umhüllen von Rohren mit Dämmfolien ausgesuchter Mate-
stärktem PVC (Wavin AS1) bzw. PP (Geberit db  20*) oder rialkombinationen (z. B. Geberit lsol*) aus luftschalldämpfen-
durch Ausbildung als Zweischichtenrohr z. B. aus ABS/ASA/ der Bleifolie  +  körperschalldämmender Schaumstoff-
PVC (friaphon*) bzw. als Dreischichtenrohr z.  B. aus schicht + dampfsperrender Kunststofffolie. Bei Rohrverlegung
PE + Dämmschicht + PE-Schutzschicht (Geberit PE-Silent*). in einem Wandschlitz kann der Schlitz zusätzlich in Breite des
Diese HT-Kunststoffrohre sind kompatibel mit den übrigen Putzträgers mit Dämmfolie abgedeckt werden, was allerdings
HT-Rohren der Hersteller. Sie sollen in den schalltechnisch die erforderliche Dicke des Putzauftrages der Wandflächen
kritischen Leitungsstrecken eingesetzt werden, z. B. in Fall- neben der Schlitzabdeckung merklich vergrößert.
und Sammelleitungen. Eine weitere Möglichkeit, Schallemis-
sionen von Rohrleitungsteilstrecken zu reduzieren, ist das zz Fallleitungen für Niederschlagswasser
Grundsätzlich sollte angestrebt werden, Regenwasser nicht in
1 Anmerkung: Herstellerangaben ohne Anspruch auf Vollständigkeit und die Kanalisation abzuleiten, sondern versickern zu lassen
Richtigkeit. (sofern kein Gewässer zur Verfügung steht). Möglich ist dies
84 Kapitel 3 • Abwasser- und Wassertechnik

vor allem bei kleinen Regenwassermengen, z. B. von Garagen- Kaltluft


1 dächern. Voraussetzung ist ein ausreichend durchlässiger
Untergrund und ein tief liegender Grundwasserstand
2 (▶ Abschn. 3.1.2).
Innen liegende Regenfallleitungen sind durch Dämmmaß-
3 nahmen gegen Kondenswasser zu sichern, . Abb. 3.16. Kalte, Wärmedämmung
von oben in die Regenfallleitung eindringende Außenluft kann
4 eine Kondensation der in der Raumluft enthaltenen Feuchtig-
keit an der Rohraußenseite auslösen und auf diese Weise
Durchfeuchtungen von Wand und Decke nach sich ziehen.
5 Es empfiehlt sich, Regenfallleitungen nicht dort anzuordnen, .. Abb. 3.16  Nach innen entwässernde Flachdächer sollten ringsum mit
wo die Fließgeräusche schlafende Personen stören könnten. einem wasserdichten Rand (Attika) eingefasst werden. Dachaustritte und
6 Eine Dämpfung von Fließgeräuschen kann vornehmlich mit Aufbauten sind in gleicher Höhe wasserdicht auszuführen. Zumindest im
obersten Geschoss müssen innen liegende Regenfallleitungen durch eine
Rohrmaterialien eines hohen Flächengewichtes erzielt wer- wärmedämmende Umhüllung gegen Kondensat gesichert werden.
7 den, aber auch durch spezielle mehrschichtige Kunststoff- Andernfalls sind Wanddurchfeuchtungen nicht auszuschließen. Geschlossen-
rohre. In Schmutzwasserfallleitungen darf Regenwasser nicht zellige Dämmstoffe mit hohem Dampfdiffusionswiderstand sind zu

8 eingeleitet werden, wie umgekehrt auch nicht (vgl. bevorzugen. Offenzellige und faserige Materialien sollten eine annähernd
dampfdichte Außenhaut mit abgedichteten Stößen erhalten
. Abb. 3.10). Eine Bogenauflösung am Fuße von Regenfall-
leitungen durch zwei 45°-Bögen wie bei Schmutzwasserfall-
9
leitungen wirkt sich hydraulisch und akustisch günstig aus. gerechnet werden muss, z. B. am Gebäudefuß bis zu etwa 1 m

10
--
Gebräuchliche Rohrleitungsmaterialien sind:
Gusseiserne SML-Rohre,
über Gelände, enden Regenfallleitungen in so genannten
Standrohren aus Gusseisen oder Stahl (in einigen Bundes-

11
12
- Stahlrohre,
Kunststoff-HT-Rohre, wie unter Fallleitungen für
Schmutzwasser beschrieben.
ländern obligatorisch, da bei Stoßbelastung weniger rissanfäl-
lig als Gusseisen). Oberer Abschluss: Dichtkappen (gleich-
zeitig Revisionsmöglichkeit).
Balkone und Loggien erhalten Bodenabläufe. Geschlossene
Geneigte Dächer mit äußerer Entwässerung erhalten Dach- Brüstungen sind zusätzlich mit einer Durchflussöffnung von
13 rinnen aus Kunststoff (PVC) gem. DIN EN 607 oder Metall mindestens 4 cm lichter Weite zu versehen, und zwar so, dass
(Zink- oder Kupferblech, seltener Aluminium bzw. nichtros- sich bei Verstopfung des Bodenablaufs kein Wasser aufstauen
tendes oder verzinktes Stahlblech) gem. DIN EN 612. Hän- kann. Sind die Brüstungen nicht allseits umschlossen, darf bei
14 gerinnen haben meist einen halbrunden Querschnitt, auf- Anschluss an die Trennkanalisation das Regenwasser in die
gesetzte Rinnen i. d. R. einen kastenförmigen Querschnitt. Sie Fallleitung der Dachentwässerung eingeleitet werden, da an-
15 sollten in einem Gefälle von mind. 1 mm/m, besser  3  bis zunehmen ist, dass infolge ausreichenden Luftaustausches ein
5 mm/m verlegt werden. Ohne Gefälle verlegte Rinnen kön- evtl. aus der Regenfallleitung austretender Luftstrom nicht zu
16 nen, besonders wenn sie an einer hölzernen Dachkonstruk- einer Geruchsbelästigung führt. Eine direkte Ableitung über
tion befestigt sind, im Laufe der Zeit ihr Gefälle verlieren, evtl. Wasserspeier oder Tropfleisten ist nur zulässig, wenn hier-
17 auch Gegengefälle bekommen. durch die Belange anderer nicht beeinträchtigt werden (Ge-
Die Vorderkante einer Dachrinne muss wenigstens 8 mm fahr durch herabfallende Eiszapfen).
18 tiefer liegen als die Rinnenhinterkante. Damit Dachrinnen Außen sichtbar angeordnete Fallleitungen beeinflussen das
sich ausdehnen können, sollte die Länge metallischer Rinnen Erscheinungsbild eines Gebäudes nicht unerheblich. Gestal-
auf höchstens 15 m, die von Kunststoffrinnen auf höchstens terische Probleme durch eine Vielzahl von Fallsträngen kön-
19 12 m begrenzt werden. Größere Rinnenlängen sind sinn- nen sich ergeben, wenn geneigte Dächer an ihrer Traufe keine
gemäß in Gefällelängen aufzuteilen und mit Dehnungsvor- durchgehende Rinne aufweisen, weil Dachfenster, Gauben
20 richtungen auszustatten. Hieraus ergibt sich, dass auf 12– o. ä. diese unterbrechen. Bei erkerartigen, weit vorstehenden
15 m Rinnenlänge eine Regenfallleitung vorgesehen werden Bauteilen mit Dachrinne ist eine optisch und technisch be-
21 sollte. Die Bemessung von Dachrinnen erfolgt nach DIN EN friedigende Führung der Regenwasserableitung stets ein be-
12  056-3. (Einzelheiten zu Dachrinnenheizungen siehe sonderer Problempunkt.
22 . Abb. 4.195).
Üblicherweise werden für außen angeordnete Regenfall­
3.1.9 Lüftungsleitungen
23 leitungen die gleichen Materialien wie für Dachrinnen ver-
wendet. Die strömungstechnisch ungünstigere rechteckige
Querschnittsform wird seltener gewählt. Wo mit mecha- Jede Fallleitung für Schmutzwasser ist ab der Einmündung
nischen Beschädigungen außen liegender Regenfallleitungen der obersten Anschlussleitung als Lüftungsleitung ohne Quer-
3.1 • Abwasseranlagen
85 3
.. Abb. 3.17  Hauptlüftung von Fallleitungen, beginnend am obersten
Anschluss eines Entwässerungsgegenstandes. Die Lüftungen mehrerer
Fallleitungen können zusammengeführt werden (betrifft insbesondere eng ≥ 2% 45°
beieinanderliegende Fallleitungen z. B. in Hotels)

Statt Umlüftung oder indirekter Umlüftung Indirekte Nebenlüftung Direkte Nebenlüftung


Nebenlüftung ist auch ein
Belüftungsventil zulässig

.. Abb. 3.18  Varianten von Lüftungssystemen für Sonderfälle: Umlüftungen entlüften Sammelanschlussleitungen. Indirekte und direkte Nebenlüftungen
sowie auch Sekundärlüftungen entlasten stark beanspruchte und lange Fallleitungen

schnittsverengung bis über Dach zu führen, . Abb. 3.17. Die systems bewirkt einen Druckausgleich zum atmosphärischen
Mündungshöhe über Dach soll mind. 15 cm betragen, senk- Druck. Auf diese Weise wird ein gleichmäßiger Wasserabfluss
recht bemessen zwischen Oberkante Mündung und Wasser- begünstigt und die Gefahr eingeschränkt, dass eine fallende
lauf der Dachfläche/Dachpfanne, in schneereichen Gegenden Wassersäule größere Druckunterschiede innerhalb von Fall-
entsprechend mehr. Auf einen dichten sachgerechten An- leitungen bewirkt und damit das Wasser nahegelegener Ge-
schluss ist zu achten. ruchverschlüsse in Bewegung setzt.
So genannte Dunstrohre als Rohrendung über geneigten Dä- Über die Lüftungsleitungen können auch Kanalgase, die sich
chern lassen sich i. d. R. stufenlos jeder Dachneigung anpas- beim Zerfall organischer Substanzen bilden und feuergefähr-
sen. Ein seitlicher Versatz zwischen Dunstrohr und darunter lich sein können, ins Freie gelangen. Je nach Wetterlage stei-
befindlicher Lüftungsleitung kann mittels flexibler Wellrohre gen die gegenüber der Außenluft wärmeren Kanalgase mit
überbrückt werden. Lüftungsleitungen sind möglichst gerad- einer Geschwindigkeit von 1–5 m/s auf. Bei mehrfach ver-
linig und lotrecht zur Mündung zu führen. Verziehungen zogenen Fallleitungen, wie z. B. bei Terrassenhäusern unver-
(Schleifungen) müssen ein Mindestgefälle von 1:50 haben, um meidbar, können infolge ungünstiger Druckverhältnisse
Kondenswasser abzuleiten und sind ab  6  Geschossen schwere Störungen in der Schmutzwasserableitung auftreten
mit  45°-Bögen auszuführen. Die Belüftung des Abwasser- (Ausführungsbeispiele in DIN 1986-100). Neben der Haupt-
86 Kapitel 3 • Abwasser- und Wassertechnik

Dunstrohr

Lüftung
1
≥ 1m
2 ≤ 1m
≥ 2m

3
DN 100
4

≤ 4m
5
6
7
.. Abb. 3.20  Ein einzelnes WC und ein Waschtisch können über eine
unbelüftete Anschlussleitung, bei max. 4 m Höhenunterschied, an eine
8 .. Abb. 3.19  Mündet eine Lüftungsleitung in der Nähe von Öffnungen eines Grundleitung (Sammelleitung) angeschlossen werden. Grundleitungen
Aufenthaltsraumes, so ist sie bis mind. 1 m über den Sturz oder so zu führen, (Sammelleitungen), an die Entwässerungsgegenstände direkt angeschlossen

9 dass sie mind. 2 m seitlich der Öffnung austritt werden, müssen an ihrem (oberen) Ende entlüftet sein

lüftung wird unterschieden in die Umlüftung und indirekter abfluss > 2,0 l/s ist, kann die Bewässerung nach der Tabelle
10 bzw. direkter Nebenlüftung, siehe . Abb. 3.18. für Sammelanschlussleitungen erfolgen (Mindestquerschnitt
Grundleitungen in Gebäuden ohne Schmutzwasserfallleitun- DN 50). Grundleitungen sind ebenso zu bemessen und mit
11 gen (z. B. in eingeschossigen, nicht unterkellerten Gebäuden) einem Mindestquerschnitt von DN 80 auszulegen. Misch-
sind an ihrem oberen Ende mit einer über Dach geführten wasser außerhalb des Gebäudes ist mit einer Mindestfließ-
12 Lüftung zu versehen. Der Anschluss eines Regenfallrohres in geschwindigkeit von 0,7 m/s und einer Höchstgeschwindig-
einem Mischsystem kann nicht als Lüftung gelten, da diese keit von 2,5 m/s zu berücksichtigen. Nach der Einleitung eines
13 bei Regen unwirksam ist. Volumenstroms aus einer Abwasserhebeanlage kann die
Grundleitung hinter einem Schacht mit offenem Durchfluss
auch mit einem Füllungsgrad von h/di = 1,0 bemessen wer-
14 3.1.10 Grund- und Sammelleitungen den. Grundsätzlich können Grundleitungen bis zum nächst-
gelegenen Schacht außerhalb von Gebäuden mit der Mindest-
15 Ein Rohrnetz aus liegenden Leitungen übernimmt die aus nennweite DN 80 (di = 75 mm) ausgeführt werden, wenn die
Fallsträngen und Bodenabläufen zufließenden Abwässer und hydraulischen Berechnungen dies zulassen. Unabhängig da-
16 führt sie dem Anschlusskanal zu. Im Regelfall handelt es sich von wird empfohlen, wegen der besseren Zugänglichkeit der
hierbei um Grundleitungen, d. h. Rohre einer gewissen äu- Grundleitungen bei Inspektion und Reinigung die Nennweite
17 ßeren Belastbarkeit, die sich im Erdreich unter dem Bauwerk, DN 100 zu wählen.
etwa in Höhe der Fundamente, befinden. Liegt der Straßen- Der Mindestquerschnitt für Grundleitungen wird auch des-
18 kanal so hoch, dass die Anbindung eines Grundleitungssys- halb mit 100 mm (DN 100) empfohlen, da zahlreiche Ein-
tems unter Einhaltung des vorgeschriebenen Mindestgefälles bauteile wie Bodenabläufe, Abscheider u. ä. nicht in DN 80
nicht mehr möglich ist, lässt sich durch erhöhte Anordnung oder DN 90 verfügbar sind. Grundleitungsquerschnitte klei-
19 des liegenden Rohrnetzes im Gebäude, beispielsweise unter ner als DN  100 wären hydraulisch zwar vertretbar (wenn
der Kellerdecke, oft noch die erforderliche Höhe gewinnen. rechnerisch ausreichend), der größere Querschnitt vermin-
20 Für diese freiliegenden und zugänglichen so genannten Sam- dert jedoch das Risiko von Verstopfungen durch größere
melleitungen können die gleichen Rohrmaterialien verwendet Fremdkörper (Küchenabfälle, Müll) in den unzugänglich ver-
21 werden wie für Schmutzwasser-Fallleitungen. legten Grundleitungen. Nächstgrößere in Grund- und Sam-
Innerhalb des Gebäudes sind Sammelleitungen mit einem melleitungen verwendete Querschnitte: DN 125, DN 150 und
22 Füllungsgrad von h/di = 0,5 mit einem Mindestgefälle von DN 200. Die erforderlichen Nennweiten sind nach DIN 1986-
0,5 cm/m und einer Mindestfließgeschwindigkeit von 0,5 m/s 100 zu errechnen (siehe ▶ Abschn. 3.1.23).
23 zu bemessen. Nach Einleitung eines Volumenstromes aus Im Gegensatz zu Anschluss-, Fall- und Sammelleitungen
einer Abwasserhebeanlage kann die Sammelleitung mit einem werden für Grundleitungen keine heißwasserbeständigen
Füllungsgrad von h/di = 0,7 bemessen werden. Der Mindest- Materialien gefordert. Sie müssen für eine Abwassertempera-
querschnitt beträgt DN 80. Sofern der Gesamtschmutzwasser­ tur von +45 °C mit kurzzeitig höheren Spitzen geeignet sein.
3.1 • Abwasseranlagen
87 3

Sammelleitung

.. Abb. 3.21  Die Anordnung des liegenden Leitungsnetzes in Form von


Sammelleitungen unter der Kellerdecke erleichtert oft den Anschluss an
einen hoch liegenden Straßenkanal. In der Regel müssen die Rohrleitungen .. Abb. 3.22  Verbindung von Steinzeugrohren mittels Steckmuffe L
an den Wänden verlegt werden unter Berücksichtigung zu querender Türen
und Fenster (Kopfhöhe). Um unterschiedliche Setzungen von Gebäude und
Baugrubenverfüllung aufzufangen, sind bei Durchfahrungen von Außen-
wänden elastische Rohrummantelungen vorzusehen. Auch gelenkige
Anschlüsse direkt vor der Wandaußenseite wirken auftretenden Scherkräften
entgegen. Der Anschluss an die äußere Sperrschicht am Gebäude ist
sorgfältig mit dauerelastischen Dichtmaterialien vorzunehmen. Sind die
Wanddurchfahrungen druckwasserdicht und/oder gasdicht auszubilden,
sollten Fachfirmen eingeschaltet werden

Eingeführte Rohrleitungsmaterialien für Grundleitungen im

-
Erdreich sind, vergl. . Tab. 3.3:
Steinzeugrohr nach DIN EN 295. Nennweiten: DN 100
bis DN 200 mit Steckmuffe L nach Verbindungssystem F.
Die Steckmuffe L, ein in die Muffe eingeklebter Lippen-
ring aus Elastomer gleicht herstellungsspezifisch be-
dingte Maßtoleranzen der Rohre sicher aus. F kenn-
zeichnet nach DIN EN 295 die deutsche und belgische
Maßreihe (maßgebende Größe ist der Außendurchmes-
ser des Spitz­endes). Seit langem eingeführtes Rohr-
leitungsmaterial für die Gebäudeentwässerung. Farbe:
.. Abb. 3.23  Rohrverbindung erdverlegter Kunststoffrohre aus PVC-U mit
braun, innen und außen säurefest glasiert. In den Rollringdichtung
Nennweiten DN 100–150 wird das Steinzeugrohr auch
nur innen glasiert, außen hellbraun und damit etwas . Abb. 3.15). Höchste thermische Dauerbelastung

- preisgünstiger hergestellt.
Steinzeugrohr nach DIN EN 295. Nennweiten: DN 200
bis DN 1400 mit Steckmuffe K nach Verbindungssystem
C. Kommt für die Gebäude- und Grundstücksentwässe-
+60 °C. Bei Temperaturen um oder unter 0 °C sind
größere Beanspruchungen auf Druck oder Stoß zu
vermeiden. Das Material ist leicht zu handhaben.
Preisgünstiges Grundleitungsrohr. Die im Spritzgussver-
rung in Betracht, wenn größere Nennweiten erforderlich fahren hergestellten Formstücke (Abzweige, Bögen usw.)
werden sollten. Die Steckmuffe K besteht aus einem sind teurer als die extrudierten geraden Rohre. Im
härteren Elastomer-Ausgleichelement in der Muffe und Gegensatz zu Rohren anderer Materialien kennzeichnet
einem weicher eingestellten am Spitzende. C kennzeich- die Nennweite DN bei Kunststoffrohren nicht den
net die Muffenabmessungen der deutschen und belgi- inneren, sondern den äußeren Durchmesser, was bei der

- schen Produktion.
Kunststoffrohre PVC-U (früher als PVC-hart bezeich-
net) in orange-brauner Farbe gem. DIN EN 1401-1.
Steckmuffenverbindung wie bei PVC-Fallleitungen (vgl.
- Bemessung von Grundleitungen zu berücksichtigen ist.
Faserzement-Kanalrohre (FZ-Rohre) nach DIN EN
12 763, Typ B, geeignet für Grund- und Sammelleitun-
gen. Verbindungen der muffenlosen Rohre durch
88 Kapitel 3 • Abwasser- und Wassertechnik

überschiebbare Kupplungen mit eingelegten Elastomer-


1 ringen. Beim Verlegen der Leitungen in aggressivem
Boden oder in Grundwasser ist ein äußerer Rohrschutz-
2
3 - anstrich erforderlich.
Gusseiserne Rohre werden als Grundleitungen im
Allgemeinen nur dort verwendet, wo diese mechanischen
Belastungen durch Bauteile ausgesetzt sind. Für längere
4 Grundleitungsstrecken sind nun auch sog. TML-Rohre
A
aus Grauguss auf dem Markt mit korrosionsbeständigen
Beschichtungen innen und außen. Sie sind mit dem
5 SML-Programm kompatibel. Farbe: braun. Die Rohrver-
bindungen erfolgen durch Doppelmuffen aus glasfaser-
6 verstärktem Kunststoff mit eingelegten Lippendichtungs-
Manschetten. Spannbänder in Verbindung mit
7 Spannschrauben bewirken dichte Verbindungen bei der

8
9
- Dichtheitsprüfung bis zu 0,5 bar Innendruck.
Betonrohre kommen für Grundleitungen weniger in
Betracht, da sie eine nur geringe Abriebfestigkeit
aufweisen und zudem wenig Widerstandsfähigkeit
gegenüber aggressiven Abwässern und aggressiven
Einwirkungen von außen aufweisen.
10 B
.. Abb. 3.24  Rohrverbindungen erdverlegter Rohre aus Gusseisen und
Verbindungen von Rohrleitungen unterschiedlicher Werk-
11 stoffe dürfen nur unter Verwendung hierfür entwickelter An-
Faserzement. A Rohrverbindung erdverlegter Graugussrohre (TML) mittels
Doppelmuffen mit Lippendichtungen und Spannbändern. B Kupplungsver-
schlussformstücke und Dichtungsringe vorgenommen wer- bindung erdverlegter Faserzementrohre mit Distanzring und Dichtungs-
12 den, wobei unterschiedliche Außendurchmesser und ringen

Muffeninnenmaße einander anzupassen sind. Zudem werden


13 für Richtungsänderungen, Querschnittsänderungen und Zu-
Formteil PVC Steinzeug
sammenführungen besondere Formstücke erforderlich.
Wird Kondensat aus Feuerungsanlagen, z. B. von Brennwert-
14 kesseln, in das Abwassersystem eingeleitet, muss dieses aus
Bogen
ausreichend säurebeständigen Rohren bestehen. Die Eignung
15 zur Ableitung nicht neutralisierter Kondensate von Gasfeue-
15°/30°/45°/60°/90°

rungen kann DIN  1986-4, . Tab. 1 und dem Arbeitsblatt


16 DWA -A 251 (Kondensate aus Brennwertkesseln) entnom-
men werden. Es kann davon ausgegangen werden, dass alle Abzweig
17 seit den 1960er Jahren verwendeten Rohrwerkstoffe geeignet 45°/90°
sind, mit folgenden Einschränkungen: bei gusseisernen Roh-
18 ren und Faserzementrohren muss eine planmäßige Verdün-
nung durch andere Abwässer stattfinden oder diese Rohre Übergangsrohr
müssen mit einer Sonderbeschichtung versehen sein. Eine
19 planmäßige Verdünnung kann durch die Abwässer regel-
(Reduzierstück)

mäßig genutzter Entwässerungsgegenstände (Wohnung mit


20 Küche, Bad, WC) erfolgen, nicht jedoch über nur selten ge-
nutzte Ablaufstellen wie Bodenabläufe im Keller.
21 Reinigungsöffnung

.. Abb. 3.25  Die wichtigsten Formstücke, die für Grundleitungen benötigt


22 3.1.11 Planungshinweise zu Grundleitungen werden und für alle Rohrmaterialien zur Verfügung stehen (hier Steinzeug
und PVC)

23 Für die Planung von Leitungen und Anlageteilen im Erdreich


einschließlich ihrer fachgerechten Ausbildung ist i. A. der Ar-
chitekt bzw. der Bauleiter zuständig. Bei größeren Bauvorhaben
werden Beratende Ingenieure eingeschaltet. Planungs- und
.. Tab. 3.3  Verwendungsbereich der wichtigsten Abwasserrohre

Rohrart DIN-Norm Farbe Ken­n­zeichn.-­ Schmutzwasser Sam- Regenwasserleitung Grundleitung Einleitung Brandver-
(Werkstoff) Prüfzeichen Schriftzug mel- von halten nach
lei- DIN 4102-1
An- Fallleitung Lüf- tung Im Im Als Un- Im Kondensa-
schluss- Schmutz­ tungs- Ge- Freien Stand­ zugäng- Erd- ten aus
3.1 • Abwasseranlagen

leitung wasser leitung bäude rohr lich im reich Feuerungs-


Bau- anlagen
körper

Steinzeugrohr (DIN 1230) + + + + + A1 nicht


mit DIN EN 295 brennbar
Steckmuffe

PVC-U-Rohr DIN EN 1401 Orange-braun – (+)a (+)a + + + B1 schwer


entflammbar

Faserzement­ DIN EN 12 + + + + + + + + + (+)b A2 nicht


rohr 763 brennbar

Gusseisernes DIN EN 1123 + + + + + + + + + (+)b,d A1 nicht


Rohr ohne T. 1 u. 2 brennbar
Muffe (TML)

Feuerver- DIN EN 1123 + + + + + + + + (+)c (+)b A1 nicht


zinktes brennbar
Stahlrohr

Edelstahlrohr Zulassung + + + + + + + + (+)c + A1 nicht


brennbar

PE-HD-Rohr DIN 19 535-10 Schwarz Gelb + + + + + + + + + B2 normal


für Haus- entflammbar
abflussleitun-
gen

PVC-C-Rohr DIN 19 538 Grau Rot + + + + + + + + B1 schwer


entflammbar

PP-Rohr DIN 19 560 Grau Rot + + + + + + + B1 schwer


entflammbar

ABS-Rohr DIN 19 561 Grau Gelb + + + + + + + B2 normal


ASA-Rohr entflammbar

a
Sofern keine höhere Abwassertemperatur als 45 °C zu erwarten ist.
b
 erwendbar, sofern eine planmäßige Verdünnung mit anderen Abwässern stattfindet (relevant bei Gebäuden im Bestand). Bei Neuinstallationen wird empfohlen, nur Kondensat resistente Werkstoffe zu
V
89

verwenden.
c
Sind außen mit Korrosionsschutz zu versehen.
d
Auch SML und ältere Gusswerkstoffe wie LNA- oder GA-Rohre sind zur Ableitung nicht neutralisierter Kondensate ungeeignet.
3
9
8
7
6
5
4
3
2
1

23
22
21
20
19
18
17
16
15
14
13
12
11
10
90

.. Tab. 3.3 (Fortsetzung)  Verwendungsbereich der wichtigsten Abwasserrohre

Rohrart DIN-Norm Farbe Ken­n­zeichn.-­ Schmutzwasser Sam- Regenwasserleitung Grundleitung Einleitung Brandver-
(Werkstoff) Prüfzeichen Schriftzug mel- von halten nach
lei- DIN 4102-1
An- Fallleitung Lüf- tung Im Im Als Un- Im Kondensa-
schluss- Schmutz­ tungs- Ge- Freien Stand­ zugäng- Erd- ten aus
leitung wasser leitung bäude rohr lich im reich Feuerungs-
Bau- anlagen
körper

Blechrohre DIN EN 612 + A1 nicht


aus Zink, brennbar
Kupfer,
Aluminium,
verz. Stahl
Kapitel 3 • Abwasser- und Wassertechnik

PP-Rohr Zulassung + + + + + + + B2 normal


mineralver- entflammbar
stärkt

ABS/ASA/PVC Zulassung + + + + + + + B2 normal


mit entflammbar
mineralver-
stärkter
Außenschicht

a
Sofern keine höhere Abwassertemperatur als 45 °C zu erwarten ist.
b
 erwendbar, sofern eine planmäßige Verdünnung mit anderen Abwässern stattfindet (relevant bei Gebäuden im Bestand). Bei Neuinstallationen wird empfohlen, nur Kondensat resistente Werkstoffe zu
V
verwenden.
c
Sind außen mit Korrosionsschutz zu versehen.
d
Auch SML und ältere Gusswerkstoffe wie LNA- oder GA-Rohre sind zur Ableitung nicht neutralisierter Kondensate ungeeignet.
3.1 • Abwasseranlagen
91 3

.. Abb. 3.27  Entwässerungsgegenstände in Geschossen über dem Erdreich


sind einzeln an das Grundleitungssystem anzuschließen. Zusammenfassun-
gen von Anschlussleitungen oberhalb der Bodenplatte sind möglich

.. Abb. 3.26  Eine Zusammenfassung der Entwässerung mehrerer Objekte


unterhalb von Decken oder als Vorwandinstallation ist möglich. Der Freiraum
unter Badewannen erlaubt zudem eine relativ freizügige Anordnung der
Wannenanschlussleitung. Unterhalb von Decken verlaufende Rohrleitungen
können durch Abhängungen der Sicht entzogen werden. Eine daraus
resultierende Verringerung der Iichten Raumhöhe unter 2,50 m (bzw. 2,40 m)
Schmutzwasser
ist bei Sanitärräumen baurechtlich zulässig, weil diese nicht zu den
Regenwasser
Aufenthaltsräumen zählen. Wegen der meist kleinen Raumabmessungen
sind auch die Raumproportionen trotz geringer Höhe i. A. akzeptabel .. Abb. 3.28  Das Kellergeschoss eines Mehrfamilienhauses mit Grundleitun-
gen im Trennsystem. Richtungsänderungen bzw. Abzweigungen jeweils
unter 45°. Die Regenwassergrundleitungen Iiegen an den Kreuzungspunkten
Ausführungsfehler erdverlegter und von Bauteilen verdeckter etwa 20 cm höher als die Grundleitungen für Schmutzwasser. Bei außen
Leitungen lassen sich nur mit einem unverhältnismäßig hohen parallel zum Gebäude verlaufenden Grundleitungen ist planerisch zu
Aufwand beheben. Vor Planungsbeginn sind mit der zuständi- berücksichtigen, dass hierfür i. d. R. nur der Arbeitsraum in der Baugrube zur

--
Verfügung steht, und zwar in einer Breite von 50 cm am Böschungsfuß gem.
gen Stelle der Bauaufsicht folgende Punkte zu klären: DIN 4124. Es empfiehlt sich, die Regenwasser-Nebengrundleitungen vor dem
Misch- oder Trennsystem,

--
außen Iiegenden Übergabeschacht in die RW-Hauptgrundleitung einzulei-
Rückstauebene, ten. Ein Zusammenführen innerhalb des Schachtes wirft Probleme auf: Bei
geschlossener Leitungsführung im Schacht erschweren die in den Schacht
Anschlusshöhe und Lage am Straßenkanal,

--
eingebundenen Abzweige gelenkige Außenanschlüsse. Bei offenem Gerinne
Einleitung von Niederschlagswasser in den Untergrund, neigen seitliche Zuflüsse in Schächten zu Ablagerungen. Zudem ist dann,
Regenspende wegen austretender Kanalgase, ein gewisser Abstand (mind. 5 m) zu Fenstern
und Türen von Aufenthaltsräumen einzuhalten. Grundleitungen sollten auf
Einleitungsbegrenzung.
kürzestem Weg außerhalb des Gebäudes verlaufen

Bei Grund- und Sammelleitungen eines Mischsystems sind


Regenwasser- und Schmutzwassergrundleitungen erst außer- mehrere Entwässerungsobjekte (Wanne, Waschtisch, WC-
halb von Gebäuden zusammenzuführen. Auf diese Weise Becken usw.) an eine Fallleitung angeschlossen werden.
wird eine spätere Umstellung von Misch- auf Trennkanalisa- In Kellerräumen stören unverdeckte Leitungen meist nicht. In
tion erleichtert. Auch könnte zu einem späteren Zeitpunkt Toiletten lässt sich ggf. die Anschlussleitung des Handwasch-
eventuell in Betracht gezogen werden, Regenwasser öko- beckens an den Fallstrang des WC-Beckens anschließen und die
logisch sinnvoll an Ort und Stelle dem Grundwasser zuzulei- Leitung durch eine Deckenabhängung aus Gipskartonplatten
ten. Fall- und Anschlussleitungen von Schmutz- und Regen- verdecken. Für größere Sanitärräume, wie z. B. Badezimmer in
wasser sind stets getrennt zu führen. Im Gebäude beginnt die Wohnungen, sind Deckenabhängungen nicht ohne weiteres zu
Planung eines Grundleitungssystems mit der Anordnung der empfehlen, da niedrige Deckenhöhen meist einen ungünstigen
Fallrohre. Nicht jeder Entwässerungsgegenstand muss einen Raumeindruck vermitteln. Eine Zusammenfassung von An-
eigenen Fallstrang erhalten. Wenn eine frei unter der Decke schlüssen im Grundleitungsbereich, das betrifft vor allem nicht-
liegende Leitung nicht stört oder eine Vorwandinstallation unterkellerte Räume im Erdgeschoss und installierte Keller-
gewählt wird, können über eine Sammelanschlussleitung räume, sind natürlich nicht möglich. Dort schließt jeder
92 Kapitel 3 • Abwasser- und Wassertechnik

Entwässerungsgegenstand einzeln an das Grundleitungssystem


1 an, sofern keine Vorwandinstallation gewählt wurde.
Die räumliche Konzeption eines Grundleitungsnetzes wird
2 von der Anordnung der Fallrohre beeinflusst. Nötigenfalls
sind die Fallstränge durch seitliches Verschieben in eine für
3 das Grundleitungssystem günstigere Position zu bringen.
Dabei ist darauf zu achten, dass sie das konstruktive Gefüge
4 des Bauwerks nicht beeinträchtigen. Grundleitungen sollten
so wenige Richtungsänderungen wie möglich aufweisen.
Richtungsänderungen dürfen nur mit 15°-, 30°- oder 45°-Bö-
5 gen ausgeführt werden (die DIN EN 295-1 sieht außerdem
noch die Bogenradien 11°, 25° und 22,5° vor). Ein Überschrei-
6 ten der Richtungsänderung von 45° würde, abgesehen von .. Abb. 3.29  Mit 45°-Bögen und 45°-Abzweigen lassen sich i. d. R. alle
Zuflüsse erfassen. 30°-Bögen und 15°-Bögen werden nur selten benötigt.
hydraulischen Erfordernissen, Schwierigkeiten beim Führen Eine Beschränkung auf Bögen von 45° erleichtert sowohl die Planung als
7 von Reinigungsgeräten (Schläuchen, Spiralen) und Fernseh- auch ein Vorhalten von Formstücken bei der Ausführung
Kontrollgeräten bereiten. Für Leitungszusammenführungen
8 stehen 45°-Abzweige zur Verfügung. Abzweige und Bögen
von 45° ergänzen einander. Doppelabzweige sind unzulässig.
Parallel zu Wänden bzw. deren Fundamenten verlaufende
9

40-50
Grundleitungen sind mit Rücksicht auf Fundamentbreite und

21-26
Druckverteilungswinkel in ausreichendem Abstand vorzu-
10 sehen. Kreuzungen bzw. Durchfahrungen von Streifenfun-
damenten können an allen Stellen (mit Ausnahme von Stüt- ssig
11 ul ä
zen- und Schornsteinfundamenten) vorgenommen werden, z
da die verhältnismäßig kleinen Fundamentaussparungen von un
12 den Wänden gewölbeartig überbrückt werden und die ver-
bleibenden Fundamente zur Aufnahme von Wandlasten
.. Abb. 3.30  Doppelabzweige sind in Iiegenden Leitungssystemen
13 i. d. R. ausreichen. Vor dem Betonieren der Fundamente unzulässig (erhöhte Gefahr von Ablagerungen). Der Abstand zweier 45°-Ab-
sollten Rohre, die Fundamente durchfahren, mit einer Defor- zweigungen entspricht der Baulänge der Abzweige
mationsschicht aus Dämmstoffen o. ä. umgeben werden, da-
14 mit Setzungsdrücke des Bauwerks nicht unmittelbar auf die
Rohrleitungen einwirken können (. Abb. 3.32).
15
ig

Verbindungen von Rohren gleicher Nennweite sind gemäß


ss

DIN EN 476 sohlengleich vorzunehmen. Innerhalb von Ge-


16
zu

bäuden sollte sich über den Rohren bzw. deren Muffen eine
möglich besser
un

Erdüberdeckung von etwa 15 cm befinden, um eine punk-


17 tuelle Druckbelastung der Rohre mit Sicherheit auszuschlie-
ßen (. Abb. 3.33). Steinzeugrohre
18 Außerhalb von Gebäuden sind Abwasserleitungen in frost-
freier Tiefe zu verlegen. Den jeweiligen klimatischen Bedin-
gungen entsprechend muss der Abstand zwischen Oberkante
19 Gelände und Rohrscheitel mind. 80 cm z. B. in Hamburg, bis
1,20 m z. B. in München (hier bis zur Rohrsohle gemessen),
20 betragen. Damit liegende Rohrleitungen leerlaufen können,
sind sie in einem gleichmäßigen Gefälle zu verlegen, welches zu eng besser
21 nicht steiler als 5 % bzw. 1:50 sein soll. Mit steilerem Gefälle
verringert sich die Schwemmtiefe und damit die Schleppkraft PVC-U-Rohre
22 des Wassers (Feststoffe werden vom Wasser überholt). Das
.. Abb. 3.31  90°-Bögen sind in liegenden Leitungssystemen unzulässig.
hydraulisch günstigste Gefälle liegt bei 2 % bzw. 1:50 und sollte
Richtungsänderungen um 90° können mit zwei Bögen von 45° hergestellt
23 nach Möglichkeit durchgängig in Entwässerungssystemen An- werden. Der Radius sollte nicht zu klein sein. Eine gerade Strecke zwischen
wendung finden. Die DIN EN 12 056 erlaubt jedoch auch weit- den Bögen wirkt sich hydraulisch günstig aus
aus kleinere Gefälle (siehe . Tab. 3.4). Muss ein Gefällewechsel
in einem Leitungsstrang vorgenommen werden (z. B. von 1:50
3.1 • Abwasseranlagen
93 3
± 0,00

≈ 12
≥ 15
- 0,42 DN 100

15
.. Abb. 3.32  Fundamente brauchen nicht im rechten Winkel, sie können
auch unter 45° durchfahren werden. Auf der Baustelle ist darauf zu achten,
dass die Rohre nicht fest eingebaut werden. Dämmstoffpackungen als .. Abb. 3.33  Die anzustrebende Erddeckung von etwa 15 cm bedingt an
Deformationsschicht oder auch Mantelrohre können verhindern, dass den höchstgelegenen Stellen des Grundleitungssystems eine Höhendifferenz
Rohrleitungen durch Fundamentdrücke zerstört werden von etwa 40 cm zwischen Oberkante Fußboden und Rohrsohle, je nach
Rohrwerkstoff und Ausbildung der Bodenplatte

.. Tab. 3.4  Mindestgefälle für Freispiegelentwässerung

Leitungsbereich Mindestgefälle Hinweis auf Norm und Abschnitt

Unbelüftete Anschlussleitungen 1,0 % DIN EN 12 056-2, . Tab. 5



DIN 1986-100,  Abschnitt 14

Belüftete Anschlussleitungen 0,5 % ▶


DIN 1986-100,  Abschnitt 8.3.2.2
DIN EN 12 056-2, . Tab. 8

Grund- und Sammelleitungen

a) Für Schmutzwasser 0,5 % DIN 1986-100, ▶ Abschnitt 14


b) Für Regenwasser (Füllungsgrad 0,7) 0,5 % DIN 1986-100, ▶ Abschnitt 14
Grund- und Sammelleitungen DN 90 (Klosettbecken mit Spülwasservolumen 4,5–6 l) 1,5 % DIN 1986-100, . Tabelle A.2

Grundleitungen für Regenwasser außerhalb des Gebäudes (Füllungsgrad 0,7) DIN 1986-100, ▶ Abschnitt 9.3.5.2


Bis DN 200 0,5 %*

Ab DN 250 1:DN*

* Fließgeschwindigkeit max. 2,5 m/s. Hinter einem Schacht mit offenem Durchfluss kann für die Vollfüllung ohne Überdruck bemessen werden.

auf 1:667, wie bei Übergang von DN 100 auf DN 125 zulässig), 3.1.12 Reinigungsöffnungen
sollte dies möglichst an einer Reinigungsöffnung erfolgen.
Mindestgefälle finden sich in . Tab. 3.4. Am Fuße aller Fallleitungen für Schmutz- und Regenwasser
Für größere Höhenunterschiede sind ggf. Absturzschächte mit sind Reinigungsöffnungen, etwa 30–40 cm über dem Fuß-
Reinigungsmöglichkeit anzuordnen. Grundleitungen werden boden (Eimerhöhe), vorzusehen, d. h. Rohre mit einer ver-
i. d. R. nach dem Ausheben der Fundament- und Rohrgräben schließbaren, i. d. R. runden Öffnung, um Verstopfungen von
noch vor dem Betonieren der Fundamente verlegt. Abwasser- hier aus mit Hilfe einer langen Spirale beseitigen zu können.
und Lüftungsleitungen müssen bei bis zu 0,5 bar (5 m WS) Münden die Fallleitungen in eine Sammelleitung, sollte im
dauernd dicht sein. Das Bauordnungsrecht der jeweiligen Län- Bereich darüber befindlicher Aufenthaltsräume (Wohnungen
der sieht daher vor, dass alle Grundleitungen nach ihrer Ver- o. ä.) darauf verzichtet werden. Sinnvoller ist in diesen Fällen
legung einer Dichtheitsprüfung nach DIN EN 1610 zu unter- der Einbau von Reinigungsöffnungen in den i. d. R. frei zu-
ziehen sind. Die Prüfung kann wahlweise mit Luft oder Wasser gänglichen Sammelleitungen unterhalb der Fallrohreinmün-
erfolgen und wird i. d. R. von einem Sachkundigen durch- dungen. Am zweckmäßigsten dürfte es sein, für diese Sam-
geführt, der über das erforderliche, relativ kostspielige Instru- melleitungen ein Rohrmaterial mit muffenlosen
mentarium verfügt. Prüfungsmethoden und deren Durchfüh- Rohrverbindungen zu wählen, da diese es erlauben, Teilstücke
rung sind in DIN 1986-30 dargestellt. Es ist der Bauherrin oder an beliebigen Stellen zu Revisionszwecken auszubauen. Rei-
dem Bauherrn oder in deren Auftrag der oder dem Sachkundi- nigungsöffnungen sind auch in Grundleitungen vorzusehen.
gen freigestellt, welche der Methoden angewendet wird (mit Von hier aus können die Grundleitungen mit Hilfe von Spi-
Wasserdruck, mit Luftüberdruck, mittels Kanalfernsehanlage). ralen mit oder ohne Motorantrieb oder mittels Hochdruck-
94 Kapitel 3 • Abwasser- und Wassertechnik

1 1 unbelüftete Anschlussleitung
mind. 1,0 %
2
2 Belüftete Anschlussleitung
mind. 0,5 %
3
3 Grund- und Sammelleitungen
für Schmutzwasser DN 90
4 2 mind. 1,5 % A B C

5 4 Grund- und Sammelleitungen


für Regenwasser mind. 0,5 %
.. Abb. 3.35  Innerhalb von Gebäuden angeordnete Reinigungsöffnungen:
A Ein im Keller angeordneter Revisionsschacht mit Reinigungsrohr. B Fuß-
bodenbündiger Reinigungsverschluss mit Stutzen und Klappe aus Grauguss
6 im Nebenschluss. C Der gleiche Reinigungsverschluss reitend angeordnet.
Ausbildungen B und C erlauben Inspektionen nur in eine Richtung

7
1
8

ig
ss
3


4
9

zu
un
.. Abb. 3.34  Mindestgefälle für liegende Leitungen nach DIN EN 1986-100
bei Freispiegelentwässerung, siehe auch . Tab. 3.4
10
reiniger gesäubert und ggf. von einem Prüfgerät mit Fernseh-
11 auge kontrolliert werden. Mit Rücksicht auf die Länge bzw.
~70 ~100
Reichweite von Reinigungsgeräten und Inspektionsgeräten
12 schreibt DIN 1986-100 Reinigungsöffnungen in max. 20 m .. Abb. 3.36  Bei Trennsystemen sind gem. DIN 1986-100 für Schmutz- und
Abständen vor. In Strecken ohne Richtungsänderung (betrifft Regenwasser getrennte Schächte vorzusehen, da ein gemeinsamer Schacht

13 insbesondere Anschlusskanäle) sind Abstände von max. 40 m im Falle einer Verstopfung, z. B. des Anschlusskanals für Schmutzwasser,
durch Entfernung der Reinigungsrohrdeckel dazu verleiten könnte, das
bis DN  150 zugelassen. In Grundleitungen ≥ DN  200 in Schmutzwasser in den Regenwasser-Anschlusskanal umzuleiten. Aus den
Schächten mit offenem Durchfluss kann der Abstand auf 60 m
14 erhöht werden.
Mindestabmessungen innerhalb und außerhalb von Gebäuden angeord-
neter Schächte ergeben sich unter Berücksichtigung von Schachtwanddicke
und Rohrdurchmesser bestimmte Mindestabstände der Leitungsachsen
15
3.1.13 Schächte
16
Um die in Grundleitungen eingebauten, mit rechteckigen Rei-
17 nigungsöffnungen versehenen Reinigungsrohre zugänglich zu
machen, werden sie in Schächten (Revisionsschächten) an-
18 geordnet, . Abb. 3.35. Revisionsschächte geringerer Tiefe
müssen mind. die lichte Weite von 0,60 × 0,80 m bzw. einen
Durchmesser von 0,80 m aufweisen, Schächte ab 80 cm Tiefe

--
19 benötigen folgende Lichtweiten nach DIN EN 476:
bei rechteckigem Querschnitt: ≥ 0,75 m × 1,20 m,

-
20 bei quadratischem Querschnitt: ≥ 0,90 m × 0,90 m,
bei rundem Querschnitt: ≥ d = 1,00 m. .. Abb. 3.37  In Kellern angeordnete Revisionsschächte haben naturgemäß
21 eine geringere Tiefe als Schächte im Freien und sind daher kostengünstiger
Bei Entwässerungsanlagen im Trennverfahren sind für
22 Schmutzwasser und Regenwasser getrennte Schächte vorzu- zweckmäßigerweise mittels einer Steinzeug-Halbschale. Die
sehen, . Abb. 3.36. daneben anschließenden Auftrittsflächen sind in einer Nei-
23 Außerhalb von Gebäuden sind Schächte mit offenem gung von 1:20 herzustellen, unten in Scheitelhöhe der an-
Durchfluss zugelassen, sofern der Schachtdeckel über der geschlossenen Rohre beginnend. Offene Zusammenführun-
Rückstauebene liegt bzw. gegen Wasseraustritt gesichert ist. gen mehrerer Leitungen innerhalb eines Schachtes neigen
Die Schachtsohle ist dann als offenes Gerinne herzustellen, zu Ablagerungen. Schächte, die an einer Verzweigung an-
3.1 • Abwasseranlagen
95 3
mechanische Verdichtung erst ab 80 cm über Rohrscheitel

Hauptverfüllung

Seitenverfüllung
und Abdeckung

30
Bettung * obere Bettung*

15
untere Bettung**

DN +40
(bis DN 225)

* nach statischer Berechnung


(ersetzt den bisherigen Bettungswinkel)

** 10 cm bei normalen Bodenverhältnissen


.. Abb. 3.38  Schacht mit geschlossenem Durchfluss gem. DIN 1986-100. Die 15 cm bei Fels oder festgelagertem Boden
Schachtanschlüsse müssen gelenkig sein, so dass alle auftretenden Boden-
bewegungen und -verlagerungen ohne Nachteile für Schachtbauwerk und .. Abb. 3.39  Möglichkeiten von Rohrbettungen nach DIN EN 1610 auf
Rohrleitungen aufgenommen werden können. Oberhalb einer Arbeitshöhe vorbereiteter Grabensohle. Eine Verlegung direkt auf der Grabensohle setzt
von 2 m über Schachtsohle können gem. DIN 1986-100 Schächte auf einen bestimmte feinkörnige Böden voraus. Bei ungeeignetem Untergrund, z. B.
Durchmesser von 80 cm eingezogen werden. Einstiegsöffnung: ≥ 60 cm. Bei Fels oder Moränenkies, ist eine untere Bettung aus verdichtetem Sand, Kies
Schächten mit offenem Durchfluss wird die Sohle als Rinne ausgebildet o. ä. einzubringen. Unter Muffen bzw. Kupplungen sind Vertiefungen im

-
Auflager herzustellen

gelegt werden, sollten besser in Fließrichtung hinter dem Beton- und Stahlbetonteilen nach DIN V 4034-1 und
Zusammenfluss angeordnet werden. Schächte mit offenem
Durchfluss, die Schmutz- oder Mischwasser führen, müs-
-- DIN 4034-10,
Steinzeug nach DIN EN 295-6,
sen, sofern nicht ein Austreten von Gasen verhindert wird,
mind. 5 m von Fenstern bzw. Türen von Aufenthaltsräumen
und von Terrassen angeordnet werden. Soweit möglich,
sollten außerhalb von Gebäuden Schächte mit geschlos-
-- Faserzement nach DIN 19 850-3,
glasfaserverstärktem Polyesterharz nach DIN EN 15 383,
PE-HD nach DIN 19 537-3.

senem Durchfluss vorgesehen werden (Gerüche, Ablage-


rungen, Rückstau). 3.1.14 Rohrgräben
Das Grundleitungssystem endet am sogenannten Übergabe-
schacht mit Reinigungsöffnung im Bereich der Grund- Richtlinien für die Verlegung von Abwasserleitungen in Rohr-
stücksgrenze. Der Übergabeschacht ist i. d. R. nicht weiter gräben enthält DIN EN 1610. Mindestbreite von Rohrgräben
als 15 m vom öffentlichen Abwasserkanal anzuordnen. Ist mit betretbarem Arbeitsraum = Rohrdurchmesser + 40 cm
der Anschlusskanal länger als 15 m, sind weitere Schächte (bis DN 225, darüber hinaus siehe . Tab. 1 der Norm). Tiefen-
mit Revisionsöffnungen vorzusehen. Wird der Übergabe-
schacht mit geschlossener Rohrdurchführung erstellt
--
abhängige Grabenbreiten:
0,80 m bei > 1,00 ≤ 1,75 m Tiefe,
(. Abb. 3.38), sollte das Reinigungsrohr bei Dimensions-
wechsel in der Nennweite des Anschlusskanals (i. d. R.
DN 150) vorgesehen werden, um Inspektions-, Prüf- und
Reinigungsgeräte in Richtung Anschlusskanal besser ein-
- 0,90 m bei > 1,75 ≤ 4,00 m Tiefe,
1,00 m bei > 4,00 m Tiefe, vergl. . Abb. 3.39.

Die Grabensohle ist dem Gefälle der Rohrleitung entsprechend


bringen zu können. Die Schächte müssen standsicher und herzustellen. Werden Rohre auf der Grabensohle verlegt (nur
wasserdicht, gemauerte Schächte müssen innen verfugt sein. in/auf gleichmäßigen, feinkörnigen Böden), muss diese ent-
Andere Rohrleitungen oder Kabel dürfen nicht durch sprechend vorbereitet werden (Gefälle, Vertiefungen für die
Schächte oder deren Wandungen geführt werden. Außen Rohrmuffen, ggf. auch für den Rohrschaft). Steht in der Gra-
liegende Kontrollschächte aus Fertigteilen weisen gegenüber bensohle kein geeigneter Boden für ein unmittelbares Auflager
konventionell erstellten Schächten einen erheblichen Kos- an (grober Kies, Steine, Fels), ist die Grabensohle tiefer aus-
tenvorteil auf, wohingegen innen liegende Revisionsschächte zuheben und eine untere Bettung aus verdichtungsfähigem
aus Fertigteilen kaum preisgünstiger sind. Eingeführte Fer- Sand, Kies oder Split einzubringen. Mindestdicke: 15 cm. Soll
tigschächte bestehen aus: bei normalen Bodenverhältnissen eine Bettung unter dem
96 Kapitel 3 • Abwasser- und Wassertechnik

Rohr vorgesehen werden, beträgt die Mindestdicke 10 cm. konzept vorgenommen werden (ggf. Sammel- anstelle Grund-
1 Nach dem Verlegen sind die Rohre in steinfreien, verdich- leitungen/Hebeanlagen).
tungsfähigen Boden einzubetten. Dabei ist der Boden beider-
2 seits der Rohrleitung und oberhalb des Scheitels lagenweise
anzuschütten. Größtkorn: 22 mm bei DN  200, 40 mm ab 3.1.16 Abläufe
3 DN 200.
Aggressive Asche, Schlacke oder andere Materialien, die Innerhalb von Gebäuden muss unter jeder Zapfstelle eine Ab-
4 Rohrleitungen einschließlich ihrer Dichtungen schädigen laufstelle vorhanden sein. Hiervon ausgenommen sind An-
könnten, wie auch Bodenarten, die ein späteres unregelmäßi- schlüsse für Feuerlöschzwecke sowie für Wasch- und Ge-
ges Nachgeben zur Folge haben, wie Grassoden, Holzstücke schirrspülmaschinen. Bodenabläufe brauchen sich nicht
5 oder gefrorener Boden, eignen sich zum Überschütten nicht. direkt unterhalb der Zapfstelle zu befinden. Es reicht aus,
Ein Einschlämmen sollte nur in Ausnahmefällen und bei ge- wenn ihnen das Wasser über einen wasserdichten Fußboden
6 eigneten nichtbindigen Böden vorgenommen werden, nicht ohne Pfützenbildung zufließen kann. Alle Bodenabläufe, mit
aber bei Feinsanden und im Bereich der Bettung. Eine statisch Ausnahme von Balkon- und Ferneinläufen, haben einen Ge-
7 erforderliche Lagerdichte des Bodens ist durch entsprechende ruchverschluss im Ablaufkörper und eine verschließbare Rei-
Verdichtung herzustellen und auf Anforderung nachzuweisen nigungsöffnung. Einige, vor allem größere Bodenabläufe, sind
8 (z. B. durch Messung der Proctordichte). Beginn und Fertig- mit einem Schlammeimer ausgerüstet. Abläufe bestehen aus
stellung der Arbeiten sind der Bauaufsichtsbehörde mitzutei- Gusseisen, Edelstahl, Messing, Beton bzw. Stahlbeton oder
len (landesrechtlich unterschiedliche Regelungen). Zur Ab- Kunststoff (PE, GFK, PP, ABS, ASA oder PVC).
9
nahme müssen alle Teile zugänglich und zu überprüfen sein, Hinsichtlich ihrer mechanischen Belastbarkeit ist gem. DIN

10
das heißt, mit dem Verfüllen der Rohrgräben ist bis zur Ab-
nahme zu warten. Nach der Abnahme sind die Rohrgräben
-
EN 1253-1 folgende Klassifizierung zu berücksichtigen:
Klasse H 1,5 für nicht genutzte Flachdächer, z. B.

11
12
ohne Verzögerung zu verfüllen.

3.1.15 Anschlusskanäle
- Kiesschüttdächer.
Klasse K 3 für Flächen ohne Fahrverkehr, wie z. B.
Kel­lerräume, Terrassen, Loggien, Baderäume von
Wohnungen, Heimen, Hotels, Schulen, Schwimmbad-

13 Alle Leitungen der Gebäude- und Grundstücksentwässerun-


- hallen.
Klasse L 15 für Flächen mit leichtem Fahrverkehr in

14
gen münden in den Anschlusskanal. Dieser beginnt in aller
Regel mit dem letzten Kontrollschacht auf dem Baugrund-
stück, dem Übergabeschacht (Hauskasten), und endet am öf-
fentlichen Straßenkanal. Anschlusskanäle werden hinsichtlich
- gewerblich genutzten Räumen, ohne Gabelstapler.
Klasse M 125 für Flächen mit Fahrverkehr in Werk-
stätten, Fabriken und Parkhäusern.

15 Erstellung und Bemessung örtlich unterschiedlich behandelt, Im Zweifelsfall ist die höhere Klasse zu wählen. Abläufe mit
als Teil der öffentlichen Entwässerung oder als Teil der Grund- ausreichend breitem Klebeflansch (Kleberand, Kragen) zum
16 stücksentwässerungsanlage. Auch wer für die Kosten des An- Anschluss von Abdichtungen sind zu bevorzugen. Keller-
schlusskanals aufzukommen hat, ist in den Ortssatzungen der abläufe entwässern frostfreie Kellerräume.
17 Gemeinden unterschiedlich geregelt. Der Mindestquerschnitt Ferneinläufe haben keinen Geruchverschluss im Ablaufkör-
wird von der zuständigen Behörde meist mit DN 150 fest- per, weil sie entweder im Freien bzw. nicht frostfreien Bereich
18 gelegt. Eine der ersten und wichtigsten Planungsmaßnahmen (z. B. in Garagen) angeordnet werden, wo gefrierendes Sperr-
ist die Ermittlung der Sohlenhöhe des Straßenkanals, an den wasser den Ablauf zerstören könnte, oder weil sie Abwasser
angeschlossen werden soll. Dabei ist zu überprüfen, ob die zur einem Abscheider zuleiten und die Ansammlung abzuschei-
19 Verfügung stehende Höhendifferenz, unter Berücksichtigung dender Leichtflüssigkeit im Ablauf unerwünscht ist. Im ersten
der zu überbrückenden Entfernungen, für das vorgesehene Fall kann bei Bedarf der Geruchverschluss ins Gebäudeinnere
20 Gefälle ausreicht. Die Höhenlage der Rohrsohle eines Straßen- verlegt werden.
kanals lässt sich leicht an den Schächten des Kanals ermitteln. Balkonabläufe entsprechen in ihrer Bauweise Ferneinläufen
21 Zur Kontrolle sollte Oberkante Schachtdeckel ebenfalls ein- mit niedrigem Einlaufkörper und Anschlussmöglichkeit für
gemessen werden. Ist nicht auszuschließen, dass kreuzende Dichtungsbahnen.
22 Versorgungsleitungen oder Kabel Gefälle und Höhenlage des Deckenabläufe sind vorgerichtet zum Einbau in Geschoss-
Anschlusskanals beeinflussen, sollte der Anschlusskanal bis decken. Sie haben einen Flansch zum Anschluss von Dich-
23 zum Übergabeschacht verlegt werden, bevor die Verlegearbei- tungsbahnen. Badabläufe unterscheiden sich von Decken-
ten auf dem Grundstück beginnen. Musste die Rohrsohle im abläufen durch einen oder mehrere Zulaufstutzen, an die
Übergabeschacht höher oder tiefer gelegt werden als geplant, Bade- und/ oder Brausewannen angeschlossen werden
können so noch rechtzeitig Korrekturen im Grundleitungs- können. Für diese erübrigen sich dann eigene Geruchver-
3.1 • Abwasseranlagen
97 3
A B rung zu gewährleisten. Andernfalls erinnern Kanalgerüche
nach allmählichem Absinken des Sperrwasserspiegels infolge
Verdunstung daran, Sperrwasser von Hand nachzufüllen.
In Nassräumen ist unter den keramischen Belägen eine Ab-
dichtung erforderlich. Bodenkonstruktion und Abdichtungs-
art sollten rechtzeitig feststehen, um die Konstruktion des
C D Ablaufs festlegen zu können. Bei höherem Wasseranfall wie
z. B. in öffentlichen Bädern oder gewerblichen Küchen ist
stets eine normengerechte Abdichtung nach DIN 18 195-5 aus
i. d. R. zwei Lagen heiß verklebter Pappe oder Bitumen-
schweißbahnen erforderlich. Sicheren Anschluss an den Ab-
laufkörper bieten Pressdichtungsflansche (Fest- und Gegen-
E
flansch). Einlagige Abdichtungen sind für nur mäßig
feuchtigkeitsbeanspruchte Räume geeignet und können je
nach Art der Dichtungsbahnen mittels Klebeflansch oder An-
schweißflansch an den Ablauf angeschlossen werden. In den
nur wenig feuchtigkeitsbeanspruchten Räumen des Woh-
nungsbaus (Bäder, Toiletten) ist in Verbindung mit einer
Dünnbettverlegung der Bodenfliesen die „integrierte Ab-
F G dichtung“ als wirtschaftliche Alternative zum aufwendigen
Dichtungsverfahren mittels Dichtungsbahnen weit verbreitet
und kann als Stand der Technik gelten: Der keramische Belag
wird in ein dichtklebendes Dünnbett verlegt, welches wasser-
dicht und rissüberbrückend ist (Nachweis durch Prüfzeugnis
des Dichtkleber-Herstellers). Für einen wasserdichten An-
schluss sind spezielle Dünnbett-Abläufe mit z. B. Manschet-
ten aus Gittergewebe zu bevorzugen. Bodeneinläufe in Gefäl-
.. Abb. 3.40  Bodenabläufe für unterschiedliche Einsatzbereiche: A Keller- leflächen sollten einen ausreichenden Wandabstand einhalten,
ablauf, B Kellerablauf mit seitlichem Zulauf, C Ferneinlauf, D Hofablauf,
E  Deckenablauf, F  Balkonablauf, G Badablauf (Durchlaufgully) um einwandfreie Dichtungsbahnanschlüsse bei nicht zu
steilem Gefälle zur Wand hin zu ermöglichen.
schlüsse. Baderäume in Wohnungen können, Baderäume in Abläufe für Verkehrsflächen, Höfe und Gärten führen Nieder-
anderen Gebäuden (z. B. Altenheimen, Hotels, Schulen) schlagswasser ab. Im Umkreis von mindestens 1 Meter ist die
müssen gemäß DIN  1986-100 einen Badablauf erhalten Umgebung zu befestigen, um Sand und Split wassergebunde-
(landesrechtliche Abweichungen). Tauglichkeitsmerkmale ner Flächen fernzuhalten. Ein Geruchverschluss, dessen Sperr-

-
von Decken- und Badabläufen:
Geringe Bauhöhe des Ablaufkörpers, im Hinblick auf die
oft geringen Deckendicken. Ein ausreichend breiter
Flansch zum Anschluss von Dichtungsbahnen oder eine
wasserspiegel sich in frostfreier Tiefe befinden muss, ist nur
dann obligatorisch, wenn der Ablauf an eine Mischkanalisa-
tion angeschlossen ist und weniger als 2 m von Fenstern oder
Türen von Aufenthaltsräumen entfernt ist. Im Bereich befes-

- Manschette für dichtenden Dünnbettkleberanschluss.


Höhenverstellbarkeit des Einlaufes. Die Höhe zwischen
Klebeflansch (Kragen) und Einlaufrost, die sog. Kragen-
höhe, sollte sich der jeweiligen Höhe des Fußbodenauf-
tigter Verkehrsflächen wie KFZ-Stellplätzen, Rampen und dgl.
wird anstelle einzelner Abläufe vorzugsweise eine Linienent-
wässerung in Form von Entwässerungs-Kastenrinnen mit
U-förmigem Querschnitt verwendet, siehe . Abb. 3.41. Sie
baues oberhalb der Sperrschicht anpassen lassen. (Für ermöglichen auch an Außentüren eine niveaugleiche Verbin-
Dünnbett-Verfliesung wurden von den Herstellern dung von Innenraum und Freifläche ohne Gefährdung des

- spezielle Aufsatzstücke entwickelt.)


Seitenverschiebbarkeit des Einlaufs und Drehbarkeit des
Rostes, zur Anpassung an den Fugenschnitt des Boden-
belages.
Innenraumfußbodens durch stauendes Regenwasser oder
Schnee. Stufenlose Zugänge sind z. B. für Rollstuhlfahrer bei
allen öffentlich zugänglichen Gebäuden, wie Rathäusern,
Schulen oder Postämtern, vorzusehen (max. Schwellenhöhe
2,5 cm). Entwässerungsrinnen nach DIN 19 580 aus Guss-
An Bodenabläufe in Gebäuden (Bad-, Decken- oder Keller­ eisen, Beton, Stahlbeton, Kunstharz- oder Faserbeton werden
einlauf) sollte nach Möglichkeit über einen seitlichen Zulauf in mehreren Beanspruchungsklassen hergestellt. Ist Gefälle
ein Entwässerungsgegenstand (Waschbecken, Dusche) an- innerhalb der Rinnenelemente vorzusehen, so sind mind.
geschlossen werden, um eine regelmäßige Sperrwassererneue- 0,5 % anzunehmen. Von befestigten Hauseingangs- und Ga-
98 Kapitel 3 • Abwasser- und Wassertechnik

A
1
2 ≥ 100

3
4
B
5
Garage
6
7
8 .. Abb. 3.41  Entwässerungs-Kastenrinnen werden zur Entwässerung .. Abb. 3.42  Flachdachablauf mit wärmegedämmten Einlauftrichter
größerer Verkehrsflächen im Freien eingesetzt, wie auch an Rampen (A). Sie
9 ermöglichen zudem einen tagwassergeschützten stufenlosen Zugang an
Außentüren, z. B. für Rollstuhlfahrer (B) laufrost oberflächenbündig mit dem Terrassenbelag abschlie-
ßen. Eine Ablaufheizung mittels Heizstab (ca. 50–125 W), ggf.
10 ragenvorplätzen nicht gewerblich oder industriell genutzter witterungsgeführt durch Außenthermostaten, kann ein Ver-
Grundstücke kann i. d. R. Niederschlagswasser oberirdisch auf eisen des Ablaufs verhindern. Normalerweise verhindert, bei
11 öffentliche Straßen abgeleitet werden, wenn ihre Fläche 25 m² innen liegenden Fallrohren, die aus dem Kanalsystem auf-
nicht überschreitet. steigende warme Luft ein Vereisen des Ablaufs.
12 Abläufe in Kellerniedergängen, Außentreppen und derglei-
chen können bei hinreichend aufnahmefähigem Boden das
3.1.17 Abscheider
13 anfallende Regenwasser auch einer Sickerpackung aus gro-
bem Kies zuführen, die dann unter der Bodenplatte ein-
zubringen ist. Das Verfahren, auf kleineren befestigten Flä- Grundsätzlich ist Abwasser gewerblicher oder industrieller
14 chen anfallendes unverschmutztes Niederschlagswasser Herkunft so zu behandeln, dass es in das Schmutzwasserlei-
versickern zu lassen, entspricht einer auch bei Kellerlicht- tungsnetz eingeführt werden darf. Gegebenenfalls sind dafür
15 schächten allgemein geübten Praxis und ist, sofern die Ver- entsprechende Abscheider- oder Aufbereitungsanlagen ein-
sickerungsfähigkeit des Bodens unter Berücksichtigung von zubauen. Dazu gehören z. B. Abscheideranlagen für Fette,
16 Regenhäufigkeit und -intensität dies zulässt, einem Anschluss Abscheideranlagen für Leichtflüssigkeiten, Stärkeabscheider
an die Kanalisation vorzuziehen. oder Emulsionsspaltanlagen.
17 Flachdächer mit nach innen abgeführter Entwässerung müs- Bei Mineralöl oder Leichtflüssigkeiten sind Abscheider nach
sen mindestens zwei Abläufe oder anstelle des zweiten Ab- DIN EN 858-1 und -2, Abscheideranlagen für Leichtflüssig-
18 laufes (. Abb. 3.42) einen Sicherheitsüberlauf erhalten. Die keiten dimensioniert. Die Anlagen bestehen in der Regel aus
Anordnung von Fallleitungen und damit auch die Anzahl der Schlammfang, Abscheider und Probeentnahmeschacht (siehe
Fallleitungen sind letztendlich von der Grundrisskonzeption . Abb. 3.44). Insbesondere Flächen, auf denen Fahrzeuge ge-
19 abhängig. Gemäß DIN 18 531 sollten die Flanschaußenkanten waschen, gewartet oder betankt werden, sind über Abscheider-
in einem Abstand von mind. 50 cm zu Dachaufbauten, auf- anlagen für Leichtflüssigkeiten an die Entwässerungsanlagen
20 gehenden Bauteilen, Fugen o. ä. angeordnet werden, und zwar anzuschließen. Können Leichtflüssigkeiten (z. B. Mineralöle),
möglichst an der tiefsten Stelle einer Dachfläche. Dabei sind die feuergefährlich sind bzw. explosive Gas-Luft-Gemische
21 zu erwartende Verformungen, z. B. die Durchbiegung einer bilden, in das Entwässerungsnetz gelangen, sind in der Nähe
Deckenplatte, zu berücksichtigen. Eine Anordnung unmittel- der Einlaufstellen geeignete Einrichtungen zum Abscheiden
22 bar am Dachrand wirft Anschluss- und Abdichtungsprobleme dieser Schadstoffe vorzusehen. Substanzen, die leichter sind als
auf. Flachdachabläufe beheizter Gebäude sollten zur Ver- Wasser, können in Abscheidern für Leichtflüssigkeiten sepa-
23 meidung von Schwitzwasserbildung innerhalb des Decken- riert und gesammelt werden. Zum Vorabscheiden von Sink-
bereiches einen wärmegedämmten Einlauftrichter haben, an und Feststoffen sind ggf. Schlammfänge den Abscheidern
den die mindestens geschosshohe Wärmedämmung des Re- vorzuschalten. Schlammfänge sind im Regelfall erheblich
genfallrohres anschließt. Bei Dachterrassen muss der Ein- größer als die dazugehörigen Abscheider. Abscheider dürfen
3.1 • Abwasseranlagen
99 3

wirkungsgrad von 97 % nachzuweisen. Erforderlichenfalls


Parkplätze können Warnanlagen installiert werden, die optisch und
akustisch anzeigen, dass die maximale Speichermenge er-
reicht und die Leichtflüssigkeit aus dem Abscheider zu ent-
fernen ist. Abscheider ohne selbsttätigen Abschluss bedürfen
für ihren Einbau der besonderen behördlichen Zustimmung.
Waschplatz Koaleszenzabscheider für mineralische Leichtflüssigkeiten
werden entsprechend dem Wasserhaushaltsgesetz (WHG)
§ 7 i. d. R. für Tankstellen, KFZ-Wartungs- und -Reparatur-
betriebe sowie andere Gewerbezweige vorgeschrieben, die
mit der Herstellung, Verarbeitung oder Aufbereitung von
Mineralölprodukten befasst sind. In diesen Betrieben können
unter hohen Drücken feinstdispergierte Öle anfallen, bei-
spielsweise bei Verwendung von Hochdruckreinigungsgerä-
ten. In Benzinabscheidern nach DIN EN 858, bei denen die
Gemischtrennung ausschließlich durch Ausnutzung der
Schlammfang und Schwerkraft erfolgt, können diese mikroskopisch kleinen Mi-
Benzinabscheider neralöltröpfchen nicht erfasst werden, da sie nicht genügend
Koaleszenzabscheider Auftrieb entwickeln. Koaleszenzabscheider bewirken die Ver-
Probeentnahmeschacht einigung dieser im Schmutzwasser fein verteilten Leicht-
flüssigkeitstropfen zu größeren abscheidbaren Tropfen mit
größerem Auftrieb. In der Bauweise entsprechen sie weit-
gehend Benzinabscheidern mit zusätzlichem Stauraum und
.. Abb. 3.43  Entwässerung eines Tankstellengrundstückes. Abscheider und
einem oleophilen Filter. Wasser dringt durch diesen hin-
Schlammfang sind nach Möglichkeit nicht in geschlossenen Räumen und/ durch, Öltröpfchen werden aufgehalten, sie koaleszieren und
oder befahrenen Flächen anzulegen. Schlammfang und Benzinabscheider steigen nach oben. Bei hohem Anfall mineralischer Leicht-
sind hier in einer Kompaktanlage zusammengefasst
flüssigkeiten kann folgende Reihung vorgeschrieben werden:
Schlammfang  +  Benzinabscheider  +  Koaleszenzabschei-
sich nur in den Leitungen solcher Ablaufstellen befinden, für der + Probeentnahmeschacht.
die Abscheider notwendig sind. Schmutzwasser von anderen Für emulgierte, durch Koaleszenzabscheider nicht abscheid-
Zulaufstellen oder Regenwasser dürfen ihnen nicht zugeleitet bare Kohlenwasserstoffe kann bauaufsichtlich zusätzlich eine
werden. Diese Abwässer dürfen erst hinter dem Abscheider in (i. d. R. oberirdisch anzuordnende) Emulsions-Spaltanlage
die Grundleitung eingeführt werden. Bei einer Trennkanalisa- unter Zwischenschaltung eines Stapelbehälters gefordert wer-
tion sind Abscheider schmutzwasserseitig anzuschließen. den. Einzelheiten regelt die „Verwaltungsvorschrift über die
Benzinabscheider (Abscheider für Leichtflüssigkeiten) nach Genehmigung von Abwassereinleitungen aus Betriebsstätten
DIN EN 858 sind bei Garagen und Stellplätzen vorzusehen, zur Instandhaltung, Entkonservierung und Reinigung von
wenn dort Kraftfahrzeuge gewaschen, gewartet oder betankt Fahrzeugen in öffentliche Abwasseranlagen“, die auf Bundes-
werden sollen. Wo Kraftfahrzeuge nur abgestellt werden, ist ebene verfasst und von den Ländern übernommen wurde.
die Einschaltung eines Benzinabscheiders i. A. nicht erforder- Heizölsperren (Kombinationen von Kellerablauf und Leicht-
lich. Autowaschplätze sind gegenüber anschließenden Flä- flüssigkeitsabscheider) nach DIN EN 1253-5 sind anstelle ein-
chen etwas höher anzulegen, so dass Niederschlagswasser facher Bodenabläufe dort einzubauen, wo unplanmäßig mit
angrenzender Flächen vom Benzinabscheider ferngehalten einem Anfall von Leichtflüssigkeit (Benzin, Diesel- bzw.
wird. Für die Bemessung des Abscheiders ist DIN EN 858-2 Heizöl, Schmieröl usw.) gerechnet werden muss, z. B. in Be-
heranzuziehen. Funktionsweise: Innerhalb des Benzin-/Heiz­ triebsräumen von Ölheizungsanlagen, . Abb. 3.45. Nur bei
ölabscheiders bewirkt die Volumenvergrößerung eine Beru- regelmäßigem Anfall von Leichtflüssigkeiten sind (kostenauf-
higung des Gemisches, so dass spezifisch leichtere Stoffe wie wendigere) Abscheider vorzusehen. In rückstaugefährdeten
Benzin oder Öl aufsteigen und an der Flüssigkeitsoberfläche Gebieten müssen Heizölsperren mit einem Rückstaudoppel-
eine Schwimmschicht bilden können. Ein Schwimmkörper, verschluss (. Abb. 3.49) versehen werden, sofern sie nicht in
der zwar leichter als Wasser, aber schwerer als Mineralöl ist, eine Hebeanlage entwässern.
folgt der absinkenden Wasseroberfläche. Nach Ansammlung Fettabscheider nach DIN 4040-100 sind in Betrieben ein-
einer bestimmten Leichtflüssigkeitsmenge schließt ein am zubauen, in denen fetthaltiges Wasser anfällt, . Abb. 3.46 und
Schwimmkörper befestigter Ventilteller die Abflussöffnung 3.47. Sie sollen verhindern, dass sich abkühlendes Fett
des Abscheiders. Bei der Zulassungsprüfung ist ein Mindest- (pflanzliche wie auch tierische Fette und Öle) an den Wan-
100 Kapitel 3 • Abwasser- und Wassertechnik

1
2
3
4 Probeentnahmeschacht

5
6
7 Schlammfang Koaleszenzabscheider mit
selbstätigem Abschluss

8
9
10
11
12
13 Probeentnahmeschacht

14
15
16 Schlammfang Koaleszenzabscheider mit
selbstätigem Abschluss
Koaleszenzabscheider

17 .. Abb. 3.44  Koaleszenzabscheider (nach Werkbild Kessel) werden in verschiedenen Größen und Ausführungen hergestellt. Im Abscheideraum verlangsamt
sich die Einlaufströmung, und Leichtflüssigkeiten separieren sich, indem sie an die Oberfläche aufsteigen. In Dispersionen mikroskopisch fein verteilte
Leichtflüssigkeiten entwickeln nicht genügend Auftrieb. Sie schließen sich am Koaleszenzeinsatz, der wasser-, aber nicht öldurchlässig ist, zu größeren Tropfen
18 zusammen und schwimmen als größere Tropfen nach oben auf. Das so gereinigte Wasser fließt aus dem Koaleszenzeinsatz über den Ablauf in einen
Probenahmeschacht. Wenn mehr Leichtflüssigkeit zugeflossen ist als die Abscheidekammer speichern darf, senkt sich ein auf Wasser tarierter Schwimmer mit
sinkendem Wasserspiegel ab und verschließt mit einem Ventilteller den Abfluss. Eine Alarmanlage kann rechtzeitig auf eine anstehende Entsorgung
19 hinweisen. Der Zulauf erfolgt i. A. über Bodenabläufe oder Entwässerungsrinnen ohne Geruchverschluss. Zulaufleitungen sollten kurz sein

20
21
22
23 .. Abb. 3.45  Heizölsperren sind Bodenabläufe, die Leichtflüssigkeiten
zurückhalten. Der Schwimmer ist schwerer als Leichtflüssigkeiten und
bewirkt nach Absinken des Wasserspiegels, d. h. nach Ansammlung einer
bestimmten Menge Leichtflüssigkeit (ab 3 l), den Verschluss des Abflusses
3.1 • Abwasseranlagen
101 3
Zulauf Fettseperation Abwasser

Zulauf

Fette und Öle

Öl- und fettfreies


Schlamm Abwasser

Sinkstoffbehälter Fettsammelbehälter
.. Abb. 3.46  Fettabscheider mit Probeentnahmeschacht für Erdeinbau. Die
Anordnung im Außenbereich erfordert eine Möglichkeit der Anfahrt des .. Abb. 3.47  Systemskizze eines Fettabscheiders mit integriertem Schlamm-
Entsorgungskonzeptes. Der separate Probeentnahmeschacht ermöglicht die fang (nach Werkbild Passavant). Im oberen Konus erfolgt die Abscheidung
einwandfreie Entnahme qualifizierter Proben von lipophilen Leichtstoffen, im unteren Konus fallen Sinkstoffe an. Die
Leichtstoffe werden über einen Fettabzug in 60 Liter-Sammelbehälter
befördert und diese, soweit möglich, einer Wiederverwendung zugeführt. Die
dungen der Abflussrohre absetzt und die Querschnitte ver- Sinkstoffe sind separat zu entsorgen. Für die ein- bis zweimalige Inspektion
engt. Flüssiges Fett schließt zudem, ebenso wie Leichtflüssig- pro Monat (Leerung und Reinigung) wird ein Saugwagen benötigt. Hierfür,
wie auch für den Abtransport der Behälter, ist eine Zufahrt vorzusehen
keiten, das Abwasser in den Kläranlagen vom dringend für
die Regeneration verschmutzter Abwässer benötigten Luft-
sauerstoff ab. Einbaupflichtige Betriebe sind unter anderem gende Inkrustationen im abwasserseitigen Leitungsnetz. Hinzu
Verpflegungsstätten (z. B. Gaststätten, Werksküchen, Hotels), kommen übelriechende Geruchemissionen infolge von Gä-
Grill-, Brat- und Frittierküchen, Fleischereien, Schlachthöfe, rungs- und Faulprozessen. Stärkeabscheider kommen z. B. für
Ölmühlen, Fischverwertungsbetriebe und ähnliche gewerb- größere gewerbliche Küchen (ab etwa 500 Portionen/Tag), für
liche Betriebe. Ein dem Abscheider voranzuschaltender Konservenfabriken o. ä. Anlagen in Betracht. Funktionsweise:
Schlammfang kann auch in den Abscheider integriert werden Zunächst ist stärkehaltiger Schaum mittels einer Duschvor-
(einteilige Anlage). Normengerechte Volumina des Fett- richtung niederzuschlagen. Anschließend sinken die Stärke-
abscheideraums sind 0,5–7,5 m³ ohne Zu- und Ablaufraum. partikel gewichtsbedingt auf den Boden des Abscheiders. Das
Die Bemessung der Anlage erfolgt nach DIN EN 1825-1. gereinigte Wasser fließt der Kanalisation zu. Absetzkammern
Fettabscheider weisen einen Geruchverschluss auf, um die werden durch Abpumpen des Inhalts in Saugwagen entleert.
Emission übelriechender Gase zu verhindern. Sie sollen au- Stärkeabscheider werden mit kurzen Zulaufleitungen am güns-
ßerhalb von Gebäuden, jedoch so nahe wie möglich an den tigsten im Freien vorgesehen. Eine Norm ist in Vorbereitung.
Ablaufstellen angeordnet werden. Gegebenenfalls sind die Zerkleinerungsgeräte für Küchenabfälle, Müll o. ä. dürfen
Leitungen wärmegedämmt auszuführen. Um Geruchsbeläs- nicht an Abwasserleitungen angeschlossen werden (landes-
tigungen zu vermeiden, sollten Fettabscheider möglichst rechtliche Varianten). Dies gilt auch für Handtuchspender mit
nicht in der Nähe von Aufenthaltsräumen, Fenstern oder Spülvorrichtungen und ähnliche Anlagen. Entwässerungs-
Lüftungsöffnungen angeordnet werden. Innerhalb von Ge- anlagen sind nicht in der Lage, Aufgaben der Müllentsorgung
bäuden sind sie in einem geruchssicher abgeschlossenen, be- zu übernehmen.
und entlüfteten Raum so einzubauen, dass Geruchsbelästi-
gungen nicht auftreten. Die Sink- und Fettstoffe werden über
Entleerungsleitungen zu einer Gebäudeaußenwand geführt 3.1.18 Sicherung gegen Rückstau
oder aber in transportable Behälter geleitet. In beiden Fällen
ist eine Zufahrt für Fahrzeuge erforderlich. Alle Teile der Ab- Ein Rückstau von Abwässern tritt ein, wenn das Aufnahme-
scheideranlage müssen zur Wartung und Probeentnahme vermögen des Entwässerungssystems überfordert bzw.
zugänglich sein (Abscheider und Schlammfänge sind ein- bis blockiert ist, . Abb. 3.48. In Schmutzwasserleitungen tritt
zweimal monatlich vollständig zu leeren und zu säubern). Bei Rückstau i. A. nur als Folge von Verstopfung auf. Misch-
Einbau unterhalb der Rückstauebene ist eine Abwasserhebe- kanalisationen sind besonders gefährdet, da starke Regen-
anlage nachzuschalten. fälle bewirken können, dass zeitweilig sowohl die öffentliche
Stärkeabscheider werden gem. DIN 1986-100 für Betriebe, in Kanalisation als auch die oberirdischen Vorfluter (Bäche,
denen stärkehaltiges Wasser anfallen kann, vorgeschrieben. Flüsse) nicht mehr aufnahmefähig sind. Weitere Regen- und
Stärke, vornehmlich in Großküchen mit Kartoffelschälmaschi- Schmutzwasserzuflüsse führen dann zu einem unbeeinfluss-
nen anfallend, bildet in relativ kurzer Zeit kaum zu beseiti- baren Ansteigen des Wasserspiegels im Abwasserleitungs-
102 Kapitel 3 • Abwasser- und Wassertechnik

netz und zum Austritt von Abwässern aus tiefliegenden


1 ungesicherten Abläufen. Rückstauebene
Ein gewisser Anteil der austretenden Abwässer eines Misch-
2 systems besteht aus Schmutzwasser mit Fäkalienanteilen. In
gefährdeten Ortsteilen wird von der zuständigen Behörde
3 (Ortssatzung) eine Rückstauebene festgelegt. Ist dies nicht
der Fall, gilt gemäß DIN 1986-100 als Rückstauebene die
4 Straßenoberkante (Oberkante Dammkrone oder auch Ober-
kante Bordstein) an der Anschlussstelle. Rückstauendes
Wasser steigt, sich ausbreitend, über dieses Niveau i. A. nicht
5 weiter an. Unterhalb dieser Ebene sind alle Abläufe gegen
.. Abb. 3.48  Rückstau in den Abflussleitungen eines Mischsystems infolge
Überlastung der Vorflut nach einem Starkregen. An den tiefst gelegenen
Abläufen tritt, sofern diese ungesichert sind, mit Schmutzwasser vermischtes
Rückstau zu sichern (im Zweifelsfalle ist die Höhe des Was-
6 serspiegels im Geruchverschluss des Ablaufs maßgebend).
Regenwasser aus

In Ausnahmefällen kann für stark abschüssige Straßen auch


7 die höchstgelegene Anschlussstelle als Rückstauebene fest-
gelegt werden bzw. die höchstgelegene Öffnung (Schacht-
8 deckel) der Kanalhaltung, an die angeschlossen wird. Ein-
richtungen zur Sicherung von Ablaufstellen fäkalienfreier
9
10
-
Abwässer sind:
Kellerablauf mit Rückstauverschluss gemäß DIN EN
13 564-1. Die Absperrvorrichtungen bestehen aus einem
von Hand zu betätigenden Verschluss (Notverschluss),
der nur im Bedarfsfalle zu öffnen und danach sogleich
11 wieder zu schließen ist, sowie mindestens einem
weiteren Verschluss (Betriebsverschluss, in Form eines .. Abb. 3.49  Kellerablauf mit Rückstauverschluss. Der von Hand zu

12 Schwimmerventils oder einer Klappe), der sich bei


betätigende Verschluss soll ständig geschlossen sein und nur zeitweilig bei
Bedarf geöffnet werden. Da das manuelle Verschließen vergessen werden
Rückstau selbsttätig schließt und nach Beendigung des kann, hat der Ablauf einen zweiten Verschluss (Klappe oder/und Schwim-

13 Rückstaus wieder öffnet (vgl. . Abb. 3.49). Gegebenen- mer), der sich bei rückstauendem Wasser selbsttätig schließen soll

falls können weitere Entwässerungsgegenstände


angeschlossen werden. In diesem Falle sind die Ablauf- während des rückstaufreien Betriebes durch natürliches
14 körper mit Zulaufstutzen DN 70 versehen. Kellerabläufe Gefälle abgeleitet werden können, kommen Aggregate
kommen nur für untergeordnete Räume wie Wasch- (Bodenablauf + Pumpe) in Betracht, die anfallendes
15 küchen oder Trockenräume in Betracht. Sie gefährden in Abwasser nur im Rückstaufalle gegen den Staudruck in
rückstaubedrohten Gebieten auch die benachbarten die Kanalisation fördern. Die Pumpe schaltet sich bei
16 Räume. Daher sollte nach Möglichkeit auf Kellerabläufe Rückstaudruck automatisch ein. Energiesparende
verzichtet werden. Der manuell zu betätigende Notver- Variante. (Im Prinzip wie . Abb. 3.53, Ableitung aber
17 schluss stellt insbesondere dort ein Risiko dar, wo ein mit Gefälle anstelle Druckleitung).
größerer wechselnder Personenkreis für das Schließen
18 verantwortlich ist (Waschküchen in Mehrfamilienhäu- Einrichtungen zur Sicherung von Ablaufstellen fäkalienhalti-

19
sern). Der Betriebsverschluss bietet ebenfalls keine
Sicherheit, da Feststoffe im Abwasser bewirken können,
dass Schwimmerventil und Klappe nicht dicht schließen.
Zur Entleerung einer Heizungsanlage im Keller kann bei
-
ger Abwässer:
Rückstauverschluss zum Einbau in Abwasserleitungen
gem. DIN EN 13 564, die das Abwasser mit natürlichem
Gefälle befördern (. Abb. 3.50). Die Armatur besteht
20 einer Mischkanalisation ein Bodenablauf mit integrier- aus einem bei Rückstau selbsttätig schließenden
ter Entwässerungspumpe, wie nachfolgend beschrieben, Betriebsverschluss und einem Handschieber als
21
22 - eingebaut werden.
Schmutzwassersammelbehälter mit Pumpe. Ermöglicht
eine kontinuierliche Entsorgung auch bei Rückstau.
Meist als Bodenablauf ausgebildet, mit Anschlussmög-
Notverschluss. Der Betriebsverschluss kann z. B. als
röhrenförmiger Schlauchquetschverschluss ausgebildet
sein, der staudruckorientiert mittels Druckluft zusam-
mengepresst werden kann und somit einen Flüssigkeits-
23 lichkeit für weitere Entwässerungsgegenstände. Die durchgang solange unterbindet, wie der Rückstau
Abwässer werden über eine Rohrschleife gepumpt, die anhält. Voraussetzung ist, dass der Benutzerkreis der
höher liegt als die Rückstauebene. Sofern keine Rohr- Anlage klein ist, wie z. B. bei Einfamilienhäusern mit
schleife vorgesehen werden soll und die Abwässer oder ohne Einliegerwohnung, und dass ein WC
3.1 • Abwasseranlagen
103 3

oberhalb der Rückstauebene zur Verfügung steht.


Anlagen dieser Art können gleichzeitig mehrere 1
2
Ablaufstellen schützen. Allerdings darf nur Schmutz-
wasser abgeleitet werden, das unterhalb der Rückstau-
ebene anfällt. Die oberen Stockwerke müssen in
Fließrichtung hinter dem Rückstauverschluss eingeleitet
werden. Ein Elektroanschluss (230 V) ist vorzusehen.
Bei Stromausfall müssen NiCd-Batterien mit ausrei- 3
chender Gangreserve bewirken, dass die Funktions-
abläufe über einen gewissen Zeitraum erhalten bleiben 4
bzw. der Betriebszustand des Verschlusses optisch und 5
akustisch angezeigt wird. Für die Anlage ist i. d. R. im
Keller ein Schacht vorzusehen und Leitungsverbindun- 6
gen zum wandhängenden Steuerteil zu berücksichtigen.
Die Reaktionszeit bis zum vollständigen Verschluss der
Anlage kann je nach Fabrikat unterschiedlich ausfallen.
Anlagen dieser Art sind gem. DIN EN 12 056-4 zweimal

- jährlich zu warten.
Fäkalienhebeanlagen bieten mit ihrer über die Rück-
stauebene geführten Rohrschleife (siehe nächste Seiten)
den sichersten Schutz gegenüber Rückstau, selbst bei
1
2
Netzanschluss
Elektropneumatische Steuerung und Kompressor
Stromausfall oder defekter Anlage. Sie sind im Übrigen 3 Druck- und Steuerschläuche
unumgänglich, wenn die Kanalisation so hoch liegt, dass 4 Notverschluss (Handschieber)
ein Anschluss mit ausreichendem Gefälle nicht realisier- 5 Druckdifferenzschalter (Sensor)
bar ist. Rückstau tritt häufig erst nach einigen Jahren ein, 6 Schlauchquetschventil
infolge von Neuanschlüssen, die das Kanalsystem .. Abb. 3.50  Automatische, für fäkalienhaltige Abwässer zugelassene
überlasten. Die Gemeinden können für Schäden, die ein Rückstausicherung. Ermöglicht die Installation eines WCs unterhalb der
Rückstauebene sowie weitere Abwasseranschlüsse. Bei ansteigendem
Rückstau verursacht, i. d. R. nicht haftbar gemacht
Rückstau in der Abwasserleitung bewirkt der Staudruck, dass der im
werden. Eine Möglichkeit, sich gegen Rückstauschäden Rohrscheitel angeordnete Sensor einen Kompressor einschaltet. Über eine
zu versichern, gibt es für den Bauherrn nicht. Versiche- Druck­Ieitung einströmende Druckluft quetscht den Elastomerschlauch im
rungen lehnen aus Rückstauschäden abgeleitete Scha- Ventilteil abwasserdicht zusammen (auch Varianten mit Klappenverschlüssen
sind im Handel). Eingebaute Batterien gewährleisten die Funktion der Anlage
densansprüche im Regelfall ab, wenn Ablaufstellen bei Stromausfall über einen gewissen Zeitraum. Da während eines Rückstaus
unterhalb der Rückstauebene nicht gegen Rückstau der Abfluss blockiert ist, eignet sich eine solche Anlage nur für Toiletten
gesichert wurden, d. h. gegen Bauordnungsrecht geringer Nutzungsfrequenz. Zudem muss ein weiteres WC oberhalb der
Rückstauebene zur Verfügung stehen
verstoßen wurde. Für Niederschlagswasser, welches
unterhalb der Rückstauebene entwässert wird, sind
ebenfalls Abwasserhebeanlagen vorzusehen. Diese sind
dabei so auszulegen, dass bei Auftreten eines Jahrhun- 3.1.19 Abwasserhebeanlagen
dertereignisses R5,100 keine Schäden auftreten können
(Flächen wie z. B. Hauseingänge, Kellereingänge, Hebeanlagen bestehen aus Pumpenaggregaten mit davor-
Garageneinfahrten, Innenhöfe). Bei größeren Flächen geschalteten Sammelbehältern sowie den dazugehörigen
unterhalb der Rückstauebene, die nicht Gebäude- oder Leitungen und Armaturen. Sie werden eingesetzt, um unter-
Sachwerte gefährden, ist ein Überflutungsnachweis nach halb der Rückstauebene anfallende Abwässer rückstausicher
DIN EN 752 mit einer Regenspende von R15,30 durch- der öffentlichen Kanalisation zuzuführen. Hebeanlagen wer-
zuführen. Die Abwasserhebeanlage ist dann mind. mit den auch benötigt, wenn der Straßenkanal für den Anschluss
R5,2 zu bemessen. Dachflächen, die ohne Notüberlaufein- einer Gebäudeentwässerung mittels Freiflussleitung zu hoch
richtung entwässert werden können, müssen mit den zu liegt. Die Druckleitungen der Hebeanlagen sind, sofern mit
erwartenden Überflutungshöhen mit dem Tragwerks- der Bauaufsichtsbehörde keine andere Vereinbarung getroffen
planer abgestimmt und überprüft werden. Außerdem ist wird, mit einer Schleife über die Rückstauebene zu führen
ein Überlastungsnachweis für nach innen abgeführte (siehe . Abb. 3.51). Generell sollte angestrebt werden, unter-
Entwässerungsanlagen bis zu einem Entspannungspunkt halb der Rückstauebene anfallendes Regenwasser auf dem
durchzuführen. Überflutungs- und Überlastungsnach- Grundstück in das Erdreich einzuleiten oder, sofern vorhan-
weise sind für Jahrhundertregen R5,100 durchzuführen. den, in ein oberirdisches Gewässer. Abwasserhebeanlagen, bei
104 Kapitel 3 • Abwasser- und Wassertechnik

1
2
Rückstauebene Rückstauebene
3
4
5
6
7 A C

8
9
10
Rückstauebene Rückstauebene
11
12
13
14
15 B D

16 .. Abb. 3.51  Abwasserbeseitigung unter Berücksichtigung der Rückstauebene (RSE): A Abwasseranfall oberhalb der RSE. Keine Maßnahme gegen Rückstau
erforderlich. B Unterhalb der RSE fällt nur fäkalienfreies Abwasser an. Einfache automatisch arbeitende Schmutzwasserhebeanlage (Sammelbecken + Pumpe)

17 erforderlich. (. Abb. 3.52 und 3.53). C Unterhalb der RSE fällt fäkalienhaltiges Abwasser an. Fäkalienhebeanlage erforderlich. (. Abb. 3.54 und 3.55). D Anfall
von fäkalienhaltigem Abwasser im Bereich untergeordneter Nutzung bei kleinem Benutzerkreis (z. B. Einfamilienhaus, auch mit Einliegerwohnung). Sofern ein
WC oberhalb der Rückstauebene zur Verfügung steht, kann eine automatische hierfür zugelassene Rückstausicherung (. Abb. 3.50) vorgesehen werden.
18 Manuell zu bedienende Absperrvorrichtungen bieten eine nur geringe Sicherheit

denen der Abwasserzufluss nicht unterbrochen werden darf, tur- und Brennwertkesseln sind möglich. Im letzteren Falle
19 sind als Doppelhebeanlage einzubauen. sollten Behälter, Pumpe und Rohrleitungen ausreichend re-
Hebeanlagen für Abwässer, die keine Geruchbelästigungen sistent gegenüber dem sauren Kondensat sein (siehe
20 verursachen, können aus einfachen Entwässerungspumpen . Tab. 3.3), sofern dies nicht neutralisiert ist.
in Verbindung mit wasserdichten, oben abgedeckten Sammel- Die Industrie liefert Tauchmotorpumpen mit Förderleis-
21 gruben bestehen. Anstelle bauseitig zu erstellender Sammel- tungen bis über 200 m³/h bei etwa 30 m Förderhöhe. Üblich
becken können ferner serienmäßig hergestellte, auch als Bo- sind Pumpen für etwa  8–25 m³/h bei 10 m Förderhöhe.
22 denabläufe ausgebildete Kunststoffbehälter verwendet Hierfür reicht ein mit 16 A abgesicherter 230 V-Anschluss
werden. Sie enthalten eine schwimmergeschaltete Tauch- aus. Das Aggregat kann auch als Rückstausicherung in einem
23 motorpumpe, die druckseitig an eine Steigleitung mit Rück- Leitungssystem mit ausreichendem Gefälle zur Kanalisation
stauschleife anzuschließen ist (vgl. . Abb. 3.53). Anschlüsse (Freiflussleitung) vorgesehen werden. Bei einsetzendem
z. B. von Duschen, Waschmaschinen, Ausgüssen sowie auch Rückstau schaltet die Pumpe ein und fördert dem Wasser-
Heizölsperren und Kondensatabläufen von Niedertempera- stau entgegen. Anlagen dieses Systems kommen auch zur
3.1 • Abwasseranlagen
105 3

einrichtungen treten in Aktion, wenn der Abwasserspiegel


im Behälter über den Einschaltpunkt der Pumpe ansteigt.
Eine Druckleitung fördert das Abwasser über eine Rohr-
schleife bis über die Rückstauebene und das Abwasser fließt
in freiem Gefälle der Kanalisation zu. Rückstauendes Wasser
aus der Kanalisation kann allenfalls bis an die Rohrschleife
gelangen. Ist eine Hebeanlage vorzusehen, bedeutet dies,
dass zwischen Oberkante Erdgeschossfußboden und Stra-
Aus
ßenniveau im Regelfall ein entsprechend großer Höhen-
unterschied (Sockel) vorzusehen ist, sofern nicht über der
Rohrschleife ein Deckenausschnitt angehoben werden soll.
Ein Hierfür eignen sich nur untergeordnete Räume. An die
Druckleitung dürfen keine Entwässerungsgegenstände an-
geschlossen werden. Ein Anschluss der Druckleitung an eine
Schmutzwasserfallleitung ist ebenfalls unzulässig. Der Auf-
.. Abb. 3.52  Tauchpumpen für geruchfreie Abwässer ohne Dickstoffe, links
mit Sonden-Niveauautomatik, rechts mit Schwimmerschaltung. Eine
stellungsraum ist so zu bemessen, dass neben und über zu
empfehlenswerte Alternative bieten Hebeanlagen mit einbaufertigem bedienenden bzw. zu wartenden Teilen mind. 60 cm Frei-
Kunststoffschacht und Abdeckung (mit Einlaufrost) ggf. auch mit Anschluss- raum zur Verfügung steht.
flanschen für Dichtungsbahnen, z. B. zum Einbau in eine „weiße Wanne“
Oberkante Pumpenraumfußboden ist etwa 0,50 bis 0,90 m
(Schutz gegen drückendes Wasser)
unter der Zuflussleitung und damit mind.  1,00 bis 1,50 m
unter Oberkante Kellerfußboden abzusenken. Kleine Fäka-
lienhebeanlagen für Einfamilienhäuser kommen auch mit
Druckleitung einer geringeren Absenkung der Pumpenstellfläche aus. Die
kleinsten Aggregate haben eine Grundfläche von etwa
Kabel im Schutzrohr
0,60 × 0,70 m und bei etwa 2–6 m Förderhöhe bereits Förder-
leistungen von 20–50 m³/h. Für Mehrfamilienhäuser werden
mind. 2 bis 3 m², für größere Objekte wie Schulen oder Hotels
bis zu etwa 8 m² Aufstellraumfläche mit entsprechend tiefer
Absenkung benötigt.
Die Anlagen erhalten i. d. R. einen 230/400 V-Drehstrom-
anschluss. Eine Lüftungsleitung ist bis über Dach zu führen.
Die Entwässerung des Aufstellungsraumes erfolgt über einen
Pumpensumpf (eine Sammelgrube) mit Hilfe einer Hand-
oder kleineren Motorpumpe. Um zu verhindern, dass die oft
erheblichen Pumpengeräusche und Schwingungen auf das
Gebäude übertragen werden, müssen alle Leitungsanschlüsse
von Hebeanlagen schalldämmend und flexibel ausgeführt
Zulauf weiterer Entwässerungsgegenstände sein. Hebeanlagen sollten in Bereichen hohen Grundwasser-
.. Abb. 3.53  Bodenablauf mit schwimmergeschalteter Tauchmotorpumpe standes auftriebssicher mit dem Boden verbunden werden. Es
für unterhalb der Rückstauebene anfallendes fäkalienfreies Abwasser. Ein kann zweckmäßig sein, die Abwässer mehrerer Gebäude in
Geruchverschluss befindet sich im Pumpengehäuse. Das zu einer
einer Hebeanlage zusammenzufassen. Diese kann sich inner-
230 V-Steckdose führende Kabel sollte in einem Schutzrohr geführt werden,
mit wasserdichtem Abschluss am Einlaufkörper. Der Anschluss weiterer halb oder außerhalb von Gebäuden befinden. Im letzteren Fall
Entwässerungsgegenstände, wie Duschen, Waschtische, Waschmaschinen bestehen die Fäkalienhebeanlagen i. A. aus mit zwei Tauch-
oder weitere Bodenabläufe, ist bei ausreichend großem Einlaufkörper pumpen ausgestatteten Behältern in Betonfertigteilbauweise.
möglich. Auch Kombinationen mit einer Heizölsperre sind erhältlich
Für den Fall, dass bei Umbau- oder Sanierungsmaßnahmen
ein WC sowie weitere Sanitäreinrichtungen installiert werden
Förderung anfallenden Sickerwassers aus Dränagen sollen, eine Abwasserleitung DN  100 jedoch nicht heran-
(▶ Abschn. 3.3), ggf. auch zur Entwässerung eines äußeren geführt werden kann, bieten Hersteller Fördereinheiten ge-
Kellerabganges in Betracht, wenn eine Ableitung auf andere ringer Abmessungen an (z. B. 15/32/26 cm), . Abb. 3.56. Die
Art nicht möglich ist. Fäkalienhebeanlagen bestehen aus hinter dem WC-Becken aufzustellenden oder auch im Fuß
geruchdichten Behältern mit möglichst zwei angeflanschten des WC-Beckenkörpers einbezogenen Minihebeanlagen zer-
Motorpumpen. Eine Handpumpe sollte die Aufrechterhal- kleinern und fördern Feststoffe (mit Ausnahme von Grob-
tung eines Notbetriebes sichern. Netzunabhängige Alarm- und Faserstoffen) durch relativ dünne Druckleitungen (d = ca.
106 Kapitel 3 • Abwasser- und Wassertechnik

1
1
2 2
4 3
Rückstauebene
3
5 6

4
7
DN 100

8
5 9
DN 70

10
6 11
12
7 13

8 14

9 1 örtlich festgelegte Rückstauebene


2 Rückstauschleife
10 3
4
Entlüftung DN > 70 bis über Dach
Steueranlage
5 Steuerleitung für Niveauschaltung
11 6 Druckleitung DN 100
7 Motorkabel
8 Handmembranpumpe
12 9 Absperrschieber
10 Rückschlagventil
13 11
12
Sammelbehälter
Abwasserzulauf
13 Tauchmotorpumpe
14 14 Pumpensumpf mit Entwässerungspumpe
30 70 mind. 60
15
16
30

17 2,00
60

18
30

19
20 2,75
.. Abb. 3.54  Schmutzwasserhebeanlage (Abbildung nach Werkbild KSB)
eines Einfamilienhauses. Neben und über Teilen, die zu bedienen sind, ist ein
21 Arbeitsraum von mind. 60 cm freizuhalten. Ein Pumpensumpf wird für die
.. Abb. 3.55  Leistungsstarke Schmutzwasserhebeanlage (Abbildung nach
Werkbild ABS), geeignet für größere Objekte wie Mehrfamilienhäuser,
Raumentwässerung erforderlich Großhotels, Verwaltungsgebäude, Krankenhäuser usw. Förderstrom bei 4 m

22 Förderhöhe: 40–75 l/s

23 32 mm) zur nächstgelegenen Abwasserleitung mit der erfor- normenkonforme Variante des Abwassertransports auf Aus-
derlichen Nennweite DN 100. Förderhöhe: bis ca. 3 m, För- nahmefälle beschränkt bleiben. Problempunkte: erhöhte Stör-
derweite: bis ca. 30 m. Waschbecken, Bidets, Wannen usw. anfälligkeit durch Verstopfungen, Schwingungsemissionen,
können angeschlossen werden. Allerdings sollte diese nicht Funktionsunfähigkeit bei Stromausfall.
3.1 • Abwasseranlagen
107 3
Bewuchs
Befestigung

Druckleitung DN 100
Lüftung DN 70
Mutterboden
Kies

gewachsener Boden
A B

C1 C2
18

.. Abb. 3.56  Kleinhebeanlagen mit minimierter Zulaufhöhe erleichtern


durch die Möglichkeit einer niveaugleichen Aufstellung die nachträgliche
Installation eines WCs. Der Anschluss weiterer Entwässerungsgegenstände ist D E
möglich
.. Abb. 3.57  Eingeführte Methoden, Niederschlagswasser durch Versicke-
rung dem Untergrund zuzuführen: A Muldenversickerung, grabenartig oder
auch in größeren Flächen. B Sickerschacht. Geeignet für kleinere Flächen mit
abzuleitendem Niederschlagswasser (z. B. von Einfamilienhäusern). C Rigole
(kiesgefüllter Graben) mit perforiertem Rohrstrang in frostfreier Tiefe
(Rohrrigole). Hier unter befestigten Flächen (C1) und mit parallel verlegten
Sickerrohren in flächiger Anordnung (C2) dargestellt. D Kombination von
Muldenversickerung und Rohrrigole. Hier im Bereich befestigter Flächen.
E Teich mit sickerfähigem Rand oberhalb der Abdichtungsgrenze (des
Wasserspiegels). Weitere Varianten sind möglich

Gefälle Gefälle Gefälle Gefälle


Rasengittersteine
Belebte Bodenzone 3-5 cm Sand|Split Belebte Bodenzone
15-30 cm Kies- oder 15-30 cm Kies- oder Kiespackung mit
Schotterschicht Schotterschicht Filterflies

Untergrund Untergrund Untergrund


A B C

.. Abb. 3.58  Beispiele für Versickerung: A Muldenversickerung, B Flächenversickerung mit Rasengittersteinen, C Versickerung mit Füllkörper-Rigolen

3.1.20 Einleitung von Niederschlagswasser dings spielen kanalisierte Abwässer hierbei eine untergeord-
in den Untergrund nete Rolle. Grundsätzlich ist die Versickerung von Nieder-
schlägen der direkten Einleitung in die Kanalisation
Beim natürlichen Wasserkreislauf fließt nur wenig Nieder- vorzuziehen. Voraussetzungen sind ein aufnahmefähiger
schlagswasser oberflächig ab. Der größte Teil des anfallenden Boden, ein nicht zu hoher Grundwasserstand sowie eine ge-
Wassers versickert und reichert das Grundwasser an, soweit eignete Topographie. In stark hängigem Gelände kann z. B.
es nicht von Pflanzen aufgenommen wird oder verdunstet. nicht ausgeschlossen werden, dass in den Boden eingeleitetes
Die fortschreitende Versiegelung der Bodenflächen in Niederschlagswasser auf einem talwärts benachbarten
Deutschland wie auch die Kanalisierung der anfallenden Grundstück wieder austritt. Hier sollte der Verlauf der Bo-
Niederschlagsmengen haben zur Folge, dass bei überdurch- denschichtungen vorher untersucht werden. Aufgrund der
schnittlichen Regenereignissen immer häufiger ein Rückstau höheren Reinigungswirkung hat die oberirdische Versicke-
entsteht. Die unerwünschten Folgen sind: Wasseraustritt an rung (Flächen-, Mulden- und Retentionsraumversickerung)
tiefgelegenen Einläufen; großräumig gesehen treten Flüsse Vorrang vor unterirdischen Versickerungsmethoden (Rigo-
über ihre Ufer und verursachen Hochwasserschäden. Aller- len- und Schachtversickerung).
108 Kapitel 3 • Abwasser- und Wassertechnik

Eine natürliche flächenhafte Versickerung von Niederschlags- zur Versickerung


1 wasser auf Freiflächen ist bei Neubauten grundsätzlich zulässig nicht geeignet!
und unterliegt keinen besonderen Vorschriften und Gesetzen.
2 Unter der Erdoberfläche angelegte Sickereinrichtungen sind
allerdings wasserrechtlich genehmigungspflichtig, da sie einen Grobkies

3 Grundwassernutzungs-Tatbestand darstellen. So unterliegen


Versickerungsanlagen in Wasserschutzgebieten gewissen Ein- Fein-/ Mittelkies

4 schränkungen. Bei bestehenden Gebäuden muss geprüft wer-


sandiger Kies
den, ob ein Kanal-Abschluss-/Benutzungszwang vorliegt und
eine Befreiung davon möglich ist. Besondere Vorkehrungen
5 sind bei durch Schadstoffe verunreinigtem Niederschlags- Grobsand
wasser vorzusehen. Dies kann beispielsweise Niederschlags-
6 wasser sein, welches von KFZ-Stellplätzen oder befahrenen Mittelsand
Verkehrsflächen abfließt und vor Einleitung in das Grund-
7 wasser einer Vorreinigung mittels Leichtflüssigkeitsabscheider Feinsand
(. Abb. 3.43) zu unterziehen ist. Niederschlagswasser von
schluffiger Sand/
8 Dach- und Terrassenflächen in Wohngebieten und vergleich- sandiger Schluff
baren Gewerbegebieten gilt allgemein als unbelastet. Hinweise
zur Beurteilung der Anlage und Bemessung von Versicke- Schluff
9
rungsanlagen bietet das DWA-Regelwerk, Arbeitsblatt
DWA-A 138 – Planung, Bau und Betrieb von Anlagen zur Ver- toniger Schluff
10 sickerung von Niederschlagwasser. Versickerungsanlagen
setzen eine ausreichende Durchlässigkeit der zur Verfügung schluffiger Ton
11 stehenden Grundstücksfläche voraus, ausgedrückt im Durch-
lässigkeitsbeiwert (kf-Wert). Dieser sollte 5 × 10−6 m/s nicht
10-10 10-8 10-6 10-4 10-2 100
12 unterschreiten, was umgerechnet einer Versickerungs-
geschwindigkeit von 5 m/1.000.000 s bzw. mind. 1,8 cm pro Durchlässigkeit kf (m/s)
13 Stunde entspricht (. Abb. 3.59). Die Durchlässigkeit kann
.. Abb. 3.59  Die Beschaffenheit des Bodens ist ausschlaggebend für die
durch Abschätzen oder Sickerversuche ermittelt werden. Für Aufnahmefähigkeit von Sickerwasser. Ein Durchlässigkeitsbeiwert (kf-Wert)
größere Bauvorhaben wird empfohlen, vor Planungsbeginn
14 eine hydrogeologische Untersuchung vornehmen zu lassen.
von mind. 5 × 10–6 m/s ist für eine dauerhafte Funktionsfähigkeit erforderlich.
Die Grafik entspricht Bild 1 des Arbeitsblattes DWA-A 138
Die für eine Bemessung von Versickerungsanlagen zu berück-
15 sichtigende Niederschlagsmenge fällt in Deutschland, von Schlammfänge geräumt werden. Rohrrigolen können mit Ka-
Norden nach Süden zunehmend, örtlich unterschiedlich aus. meras befahren und bei Bedarf einer Hochdruckreinigung
16 Gemäß DWA-Arbeitsblatt A 138 ist für eine Bemessung die unterzogen werden. Kontrollschächte an den Strang­enden
ortsspezifische Regenspende um den Faktor 1,78 zu erhöhen. erleichtern Kontrolle und Reinigungsmaßnahmen. Mulden-
17 Zugrunde gelegt wird ein Bemessungsregen von 15 Minuten rigolen müssen ausreichend bewachsen sein und sind regel-
Dauer, dessen Intensität nur einmal in 5 Jahren erreicht oder mäßig vom Herbstlaub zu befreien. Bewährt haben sich be-
18 überschritten wird. Kennzeichnung: T = 15 min, n = 5/a bzw. sonders Versickerungsrigolen aus Hohlraumblöcken, die
r15,5. In Deutschland liegt die einer Berechnung zugrunde zu größeren Speicherraum aufweisen. Die Einsatzmöglichkeiten
legende Regenmenge zwischen etwa 135 und 355 l/s ha. Zwi- verschiedener Versickerungssysteme sind qualitativ in
19 schen höchstem Grundwasserstand und Unterkante Ver- . Abb. 3.60 dargestellt.
sickerungsanlage ist mind. 1 m einzuhalten. Zu unterkellerten Eine Muldenversickerung kommt für Seitenräume befestigter
20 Gebäuden sollte mind. 6 m Abstand eingehalten werden, bei Wege und Plätze wie auch für Grundstücke mit größeren un-
stark durchlässigem Boden auch mehr. genutzten Grünflächen in Betracht. Der Untergrund sollte
21 Sickeranlagen sollten prophylaktisch großzügig bemessen ausreichend durchlässig sein. Die streifenförmig anzulegende
werden. Es muss damit gerechnet werden, dass das Aufnah- Mulde erhält einen Rasenbewuchs (. Abb. 3.61). Nicht aus-
22 mevermögen einer Sickereinrichtung im Laufe der Zeit nach- zuschließen ist eine allmähliche Verschlickung und Verdich-
lässt und die Anlage dann an anderer Stelle neu zu installieren tung der Oberfläche. Ausbildung von Versickerungsmulden:
23 ist. Der Zeitraum ist von der Bodenbeschaffenheit abhängig. zur Aufnahme des vom Dach eines Ein- oder Zweifamilien-
Dies setzt voraus, dass eine hierfür geeignete ausreichend haus abfließenden Regenwassers: Die Mulde sollte mind. ein
große Grundstücksfläche zur Verfügung steht. Sickeranlagen Zehntel der angeschlossenen Auffangfläche haben, mit 2–4 m³
sollen gemäß DWA-A  138 halbjährlich überprüft und die Mindestvolumen, je nach Bodenart.
3.1 • Abwasseranlagen
109 3

Versickerung Speicherung Ableitung 1-5 m


Gefälle Befestigung
hoch

Flächenversickerung

50
Muldenversickerung
Flächenverfügbarkeit

Mulden-Rigolen-Versickerung

Mulden-Rigolen-System mit gedrosselter Ableitung Boden ausreichender Durchlässigkeit (ggf. Kiespackung)

Rohr-/Rigolen-Versickerung .. Abb. 3.61 Begrünte Versickerungsmulde zwischen bzw. neben befestig-


ten Flächen. Rechts mit Verteilerrinne. Auf einen gleichmäßig verteilten
Beckenversickerung Übergang des Wassers auf die Versickerungsfläche ist zu achten
gering

Schachtversickerung
tungszuwegungen angelegt werden. Ein frostsicherer Einbau
hoch Versickerungsfähigkeit des Untergrunds niedrig ist anzustreben. Auch hängiges Gelände schließt eine Anlage
von Rohrrigolen nicht aus, wenn die parallel zu den Höhen-
.. Abb. 3.60  Einsatzmöglichkeiten von Versickerungsanlagen abhängig von
der Flächenverfügbarkeit und der Versickerungsfähigkeit des Untergrunds linien verlaufenden Rigolenelemente untereinander durch
Absturzschächte verbunden werden.

--
(nach DWA-A 138)
Die Speicherkapazität ist in weiten Grenzen durch folgende

-
4 m3 bei lehmigem Sand,
3 m3 bei Feinsand,
2 m3 bei Mittel- bis Grobsand. --
Maßnahmen zu verbessern:
Optimierung des Porenvolumens der Kiesbettung.
Vergrößerung der wasserübergebenden Mantelfläche der

Gebäudeabstand: > 4–6 m. Die Zuleitung sollte gepflastert


sein, um Auswaschungen zu vermeiden. Beispiel einer grob - Kiesbettung, seitlich und unten.
Vergrößerung des Rohrquerschnittes.

--
überschläglichen Bemessung:
Dachfläche: 120 m²,
Bei geringer Aufnahmefähigkeit des umgebenden Bodens
(Schluffe) müssen Belastungsspitzen in ein Fließgewässer

--
Versickerungsfläche > 12 m², gewählt 4 × 4 m = 16 m²,
Muldentiefe: 0,25 m,
Muldenvolumen: 4 m³.
Rigolen sind lineare wasseraufnahmefähige filterstabile Kies­
oder einen Regen- bzw. Mischwasserkanal (mit Zustimmung
der Bauaufsicht) abgeleitet werden können. Von einer Unter-
grundverrieselung (. Abb. 3.85 und 3.86) unterscheiden sich
Rohrrigolen durch den größeren Durchmesser des Sicker-
packungen (z. B. Betonierkies B 32 nach DIN 1045) in wasser- rohres (stauraumbildend) wie auch durch einen Absetzraum
aufnahmefähigem Erdreich. Bei Rohrrigolen (. Abb. 3.62) (in einem Schacht) für im Wasser mitgeführte Sedimente.
wird ihnen Niederschlagswasser über ein perforiertes Rohr Kombinationen von Muldenversickerung und Rohrrigolen
DN  300 zugeführt und verteilt. Ein Rohrgefälle von nicht sind gut geeignet, anfallendes Oberflächenwasser, z. B. von
mehr als 0,2 % bewirkt eine möglichst gleichmäßige Vertei- angrenzenden befestigten Flächen aufzunehmen. Sie be-
lung. Zum Absetzen von im Niederschlagswasser mitgeführ- anspruchen ca. 10 % der versiegelten Fläche. Grasbewachsene
ten Feststoffen sind Absetz- und/oder Filtereinrichtungen der Mulden nehmen das von den versiegelten Flächen zugeführte
Rigole in der Zulaufleitung vorzuschalten. Die Kiespackung Wasser auf und leiten es nach unten ab. In der etwa 30 cm
soll das Rohr allseitig mind. 15 cm ummanteln, so dass sich dicken Mutterbodenschicht werden die im Regenwasser ent-
ein Gesamtquerschnitt von mind. 60/60 cm ergibt. Der Ein- haltenen Schmutzstoffe gefiltert und z. T. biologisch abgebaut.
trag von Bodenfeinstteilen kann durch eine Abdeckung oder Anschließend gelangt das Wasser zur darunter befindlichen
auch Umhüllung der Kiespackung mit Filtervlies (einem Geo- Rohrrigole, wie zuvor beschrieben. Überlaufschächte be-
textil) vermindert werden. Zu Beginn der Einleitung wie auch schränken bei überdurchschnittlichem Regenwasseranfall den
am Ende längerer Rohrrigolen werden zweckmäßigerweise Aufstau in den Mulden auf 15–20 cm. Im Winter sollen die
belüftete Kontrollschächte DN 300 angeordnet, ggf. auch in- Überlaufschächte auch Schmelzwasser auftauender Eisschich-
nerhalb der Stränge in 50 m Abständen. Sie erleichtern das ten in die Rigole ableiten. Als Muldenzuflüsse kommen außer
Verdrängen der Luft aus der Rigole bei einströmendem Was- unmittelbar anschließenden versiegelten Flächen auch offene
ser. Gehen mehrere Rohrrigolen von einem Verteilerschacht oder abgedeckte Rinnen sowie Rohre in Betracht. Eine Ein-
ab, sollte dieser einen Durchmesser von 1 m besitzen. Flächig beziehung von Teichen ist möglich. In Gebieten mit ungüns-
angelegte Rohrrigolen mit nebeneinander liegenden Rohren tigem kf-Wert (bindige bis stark bindige Böden) können Ri-
(. Abb. 3.63) ermöglichen eine Versickerung größerer Was- golsysteme mittels Überlauf an einem Regen- bzw. Mischkanal
sermengen. Mindestabstände: Rigolenhöhe. Rigolen können oder an einen natürlichen Vorfluter angebunden werden, um
auch unter befestigten Hofflächen, Parkplätzen oder Ret- Starkregenmengen ohne Aufstau ableiten zu können.
110 Kapitel 3 • Abwasser- und Wassertechnik

1 Produktionshalle
DN 1000

2
3
4
5
6 DN 300
DN 300
7
P
8 Deckel mit Lüftungsöffnungen
Mutterboden/Befestigung
9
Schacht DN 300

.. Abb. 3.63  Großflächige Rigolen leiten bei ausreichend aufnahmefähigem

10 Zulauf
frostfreie Tiefe Boden auch größere Regenwassermengen in den Untergrund. Die zur
Rigolfläche führenden Sammelstrecken können ebenfalls als Sickerstränge
ausgebildet werden. Kontrollschächte an den Strangenden ermöglichen
15 30 15

11 DN 300 Kontrollen und ein Spülen der Rohre

60
12 mind. 1 m über Grundwasser
Kiespackung
wie auch als Regenrückhaltebecken. Aufgrund der relativ
hohen mechanischen Belastbarkeit der Wabenstruktur eignen
Absetzraum
13 sich die Speicherkörper auch zum Einbau unter KFZ-Stell-
plätzen und wenig befahrenen Straßen. Die Mindestüber-
deckung beträgt dann 50 cm einschließlich befestigter Ober-
14 .. Abb. 3.62  Rohrversickerung in einer Rigole, bestehend aus einem
perforierten Versickerungsrohr DN 300 in einer Kiespackung, z. B. Betonier- fläche. Die maximale Überdeckung 2,80 m.
kies B 32 nach DIN 1045. Eine Abdeckung über der Kiespackung kann den
Sickerschächte (. Abb. 3.88) bestehen aus einem wasserdurch-
15 Eintrag von Bodenfeinstteilen verringern. Lichter Schachtdurchmesser: mind.
30 cm. Bei Abzweigung mehrerer Rohrstränge sollte er etwa 1 m betragen lässigen Schacht, in dem zufließendes Niederschlagswasser
(obere Abb.). Unterhalb des Rohranschlusses befindet sich zweckmäßigerwei- zwischengespeichert und dann verzögert an das Erdreich
16 se ein Absetzraum für im Wasser mitgeführte Feststoffe weitergegeben wird. Das Volumen und damit die Versicke-
rungsrate ist begrenzt durch die vorgegebenen Standardmaße
17 Speicherkörper aus wabenstrukturiertem Kunststoff (PP) der Betonringe gem. DIN 4034 sowie durch den einzuhalten-
ersetzen Kiespackungen. Die Hohlraumkörper besitzen im den Mindestabstand (≥ 1,50 m) zwischen Oberkante Filter-
18 Vergleich zu Kies ein 3–4fach größeres Speichervolumen und schicht und höchstem Grundwasserstand. Daher kommen
ermöglichen somit im Vergleich zu herkömmlichen Bauwei- Sickerschächte im Allgemeinen nur für kleinere Nieder-
sen deutlich kompaktere Anlagen. Mit 95 % Hohlraumanteil schlagsflächen (z. B. Einfamilienhäuser) in Betracht. Größere
19 lassen sich pro Kubikmeter Speicherkörper 950 l Wasser spei- Flächen können ggf. über sogenannte Sickergalerien, beste-
chern. Das wabenbildende Röhrensystem aus Polypropylen hend aus mehreren hintereinander geschalteten Sickerschäch-
20 verläuft senkrecht. Abmessungen eines Blocks z.  B.: ten, entwässert werden. Dabei entwässert der Überlauf des
2,00/1,00/0,48 m. Bei einem Gewicht von 42 kg/m³ ist das einen jeweils in den Zulauf des nächsten Schachtes. Abstand
21 Material von Hand verarbeitbar. Die Hohlraumblöcke werden der Schächte untereinander: mind. 10 m. Wie auch bei ande-
auf einer mind. 15 cm dicken, abgezogenen Kiesschicht ver- ren Sickeranlagen verlängert ein vorgeschalteter Absetzraum
22 legt, Größtkorn 32 mm (z. B. 16/32). Zur optimalen Wasser- (Schlammfang) die Sickerfähigkeit eines Sickerschachtes. Eine
verteilung sind in die Kiesschicht zusätzlich perforierte Rohre, flächige Versickerung (Mulden- oder Rigolenversickerung),
23 möglichst DN 300, einzubauen. Speicherkörper einschl. Kies- wie zuvor beschrieben, ist einer punktuellen Versickerung
schicht werden allseitig mit einem Filtervlies ummantelt. Ver- über Schächte vorzuziehen, da erstere das natürliche Schutz-
wendung: als Speicherraum bei Versickerungsrigolen potential des Bodens in höherem Maße mit einbeziehen. Si-
(. Abb. 3.65), auch in Verbindung mit Muldenversickerung, ckerschächte sind nicht in allen Bundesländern zugelassen.
3.1 • Abwasseranlagen
111 3
Oberflächenabfluss Bewuchs 2,5

30-35
15-20

Mutterboden ~ 30
Geotextil
Betonierkies
Perforiertes Rohr DN 300

50
50

50 15
15 50
Revisionsschacht belüftet Mögliche Aufstauung bei
starkem Regen

15 50
Überlaufschacht

.. Abb. 3.65  Versickerungsrigolen aus Hohlraumblöcken haben eine


etwa 3–4fach größere Speicherkapazität als Kiespackungen. 95 % der
Kubatur steht als Speichervolumen zur Verfügung. Die Blöcke bestehen aus
wabenförmig strukturiertem und damit auch hochbelastbaren Polypropylen.
Abmessungen eines Blocks ca. 2,00/1,00/0,48 m. Der Speicherkörper erhält
DN 300 eine Umhüllung aus Geotextil. Zulaufendes Wasser wird über die im Kiesbett
befindlichen Sickerrohre verteilt und steigt in die Blöcke auf, um später zu
versickern. Links: Kleinbecken für Dachflächenwasser. Rechts: Sickerbecken
unter einer Verkehrsfläche (Parkplatz, wenig befahrene Straße). Bei einer
befestigten versiegelten Oberfläche ist oberhalb des Speicherkörpers
.. Abb. 3.64  Kombination von Muldenversickerung und Rohrrigole in Kies 16/32 als Entlüftung einzubringen
Quer- und Längsschnitt. Das vorübergehend vom bewachsenen Muldenbett
(aus Mutterboden) aufgenommene Oberflächenwasser gelangt verzögert in
die Kiespackung zur Versickerung in das Erdreich. Die Sohllinie der Mulde soll in die Natur wie z. B. Uferbegradigungen oder Versiegelun-
horizontal ohne Gefälle verlaufen. Lange Mulden sind bei Geländegefälle
durch Bodenschwellen zu unterbrechen. Bei Starkregen sich in der Mulde
gen von Oberflächen. Bevorzugt wird deshalb bei der Regen-
aufstauendes Wasser gelangt über einen Überlaufschacht in das perforierte wasserableitung von Grundstücken eine geeignete Versicke-
Sickerrohr. Dieses bewirkt eine gleichmäßige Verteilung des anfallenden rung von Oberflächenwasser vor Ort, siehe ▶ Abschn. 3.1.20.
Wassers und bildet gemeinsam mit der Kiespackung einen bei Starkregen zu
Diese Schutzmaßnahme lässt sich aber nicht immer durch-
nutzenden Speicherraum. Eine Kopplung mehrerer Mulden-Rohrrigolen ist
möglich führen. Daher ist die Regenwassernutzung von Dachflächen
für Nichttrinkwasserzwecke eine mittlerweile anerkannte
Methode, um die Grundwasservorkommen zu schonen und
Eine Teichrandversickerung kann einem der zuvor beschrie- den Trinkwasserverbrauch zu reduzieren. Durch die Regen-
benen Versickerungssysteme nachgeschaltet werden, um ex- wassernutzung ist neben der Reduktion des Trinkwasserver-
treme Regenereignisse abzupuffern. Sie setzt neu anzulegende, brauchs auch eine Entlastung der Klärwerke gegeben.
entsprechend große Teiche voraus. Dichtende Sohl- und Für eine Regenwassernutzunganlage wird ein Teil oder die
Seitenflächen (Ton, Folien) sollten etwa 30 cm unter der gesamte Dachfläche eines Gebäudes über ein Leitungssystem
obersten Uferkante enden. Der darüber befindliche schmale mit einem Sammelbehälter (Pufferspeicher) verbunden. Vor
Randstreifen wie auch der daran anschließende Boden muss dem Eintritt in den Sammelbehälter muss das Regenwasser
in ausreichender Ausdehnung aus sickerfähigem filterstabilen ein oder mehrere Filter durchlaufen. Über Tauchmotorpum-
Material bestehen, um bei steigendem Wasserspiegel eine pen oder selbstansaugende Pumpen kann das Regenwasser
Überlauf-Funktion zu übernehmen (. Abb. 3.57). aus dem Sammelbehälter über ein, im Gebäude verlegtes,
Nichttrinkwasserleitungsnetz zu den Verbrauchern verteilt
werden. Der prinzipielle Aufbau ist in . Abb. 3.66 dargestellt.
3.1.21 Regenwassernutzungsanlagen Das Herz einer Regenwassernutzungsanlage ist der Speicher.
Zur Ermittlung der Speichergröße ist eine genaue Analyse der
Der Trinkwasserbedarf in Deutschland wird überwiegend Nichttrinkwasserverbrauchsstruktur notwendig.
aus Grundwasservorkommen gedeckt. Über 95 % aller Ge- Nicht an Regenwassernutzungsanlagen angeschlossen werden
bäude in der Bundesrepublik Deutschland sind an das öffent- dürfen Flächen von Straßen und Parkflächen wegen des Rei-
liche Trinkwassernetz angeschlossen. Kritisch wird das seit fenabriebs und der möglichen Benzin- und Ölrückstände.
einigen Jahren beobachtete Absinken des Grundwasserspie- Auch sind Dachflächen von Industriegebäuden oder von Ge-
gels betrachtet. Die Ursache sind unterschiedliche Eingriffe bäuden in Gegenden mit hohen Schadstoffanteilen in der Luft
112 Kapitel 3 • Abwasser- und Wassertechnik

Verdunstung
1 1

2
2
Niederschlag
3
4
NTW-Versorgung Trinkwassernachspeisung

5
6 3

Zulauf
7 4
Überlauf

8 5 FIL .. Abb. 3.67  Prinzip einer Regenwassernutzungsanlage


Hmax
9 6
geschlossen ist. Die je nach Lage eines Gebäudes sehr unter-
schiedliche Belastung des Niederschlagswassers kann durch
10 Hmin
Simulationsrechnung nicht vorhergesagt werden. Empfohlen
1 Auffangfläche | Dachablauf
wird vereinfachend als Maß für die Wasserqualität die ab-
11 2
3
Toilettenspülung
Waschmaschine zuschätzende Algendichte einzusetzen. Nach der EG-Badege-
4 Zapfstelle für Nichttrinkwasser wässerrichtlinie liegt der Grenzwert für Badewasser bei
12 5 Kompaktanlage zur Regenwasserversorgung 20 mg/m³ bei 1 m Sichttiefe. Wird dieser Grenzwert auch bei
inkl. Pumpe und Trinkwassernachspeisung den Standzeiten in Regenwasserspeichern nicht oder nur
6 Überlauf zum Regenwasserkanal oder zur Versickerung
13 unwesentlich überschritten, genügt das Regenwasser den äs-
.. Abb. 3.66  Schematischer Aufbau einer Regenwassernutzungsanlage thetischen Anforderungen an Transparenz und Geruchs-
(FIL: Filter, Hmin: Mindestfüllstand, Hmax: maximaler Füllstand) freiheit.
14 Der Wasserzulauf von den Dachflächen eines Gebäudes ist
ungeeignet. Eine maßgebliche Rolle spielt außerdem die Art von der Niederschlagsmenge bzw. von dem Regenwasser-
15 der Dacheindeckung. Bituminöse Teerpappen sind vollkom- strom und der Beschaffenheit und Neigung des Daches ab-
men ungeeignet. Bei den metallenen Dacheindeckungen ist hängig. Die benötigte Nichttrinkwassermenge in Gebäuden
16 vor allem das unbehandelte Kupfer nicht zu verwenden. Auch unterscheidet sich wesentlich von dem, starken Schwankun-
andere Oberflächen sind bezüglich des Anschlusses an eine gen unterliegendem, Regenwasserzulauf. Daher ist der dar-
17 Regenwassernutzungsanlage zu überprüfen. Die Mechanis- gestellte Sammelbehälter (Pufferspeicher) erforderlich. Die
men, die zur Aufnahme und anschließender Deposition von Dimensionierung eines Regenwasserspeichers wird durch die
18 Ablagerungen der Dachflächen führen, sind komplex. Man Form des Gebäudes (Dachflächen) und die Nutzung (Nicht-
unterscheidet zwischen „nasser“ bzw. „trockener“ und trinkwasserbedarf) bestimmt. In der . Abb. 3.68 sind die
„feuchter“ Deposition, je nach Mitführung der Schadstoffe im wesentlichen Einflussgrößen für die Dimensionierung eines
19 Niederschlag oder Einbringung über Staubniederschläge. Bei Regenwasserspeichers dargestellt.
der Regenwassernutzung müssen folgende Stoffgruppen be- Der Niederschlag gelangt über die Dachflächen in die Regen-

--
20 rücksichtigt werden: wassersammel- und Anschlussleitungen zum Speicher,
partikuläre Bestandteile, . Abb. 3.67. Ein Teil der Regenwassermenge verdunstet an
21
22 -- Säure des Wassers,
Schwermetalle,
toxikologisch relevante Stoffe.
den Dachflächen. Aus dem Speicher wird der Nichttrink-
wasservolumenstrom abgenommen. Im Speicher wird bei
einem Niedrigstand aus der öffentlichen Trinkwasserversor-
gung Wasser nachgespeist. Wesentliche Beurteilungsgröße bei
23 Aus zahlreichen Untersuchungen ist mittlerweile zu konsta- der Dimensionierung von Speicheranlagen ist der sogenannte
tieren, dass bei bestimmungsgemäßer Anwendung von ge- Bedarfsdeckungsgrad. Unter der Voraussetzung, dass genü-
speichertem Regenwasser (Toilettenspülung, Kfz-Wäsche, gend Dachfläche zur Verfügung steht und die gewünschte
Gartenbewässerung) eine Gefährdung des Menschens aus- Menge zur Verfügung gestellt werden kann, steigt das not-
3.1 • Abwasseranlagen
113 3

.. Abb. 3.68  Regenwasserspeicher außerhalb (links) und innerhalb (rechts) des Gebäudes

wendige Speichervolumen mit dem Bedarfsdeckungsgrad. Je wird ein Filter innerhalb des Speichers im Zulauf unter-
größer, bei sonst gleichen Bedingungen, die anzuschließende gebracht. Innerhalb der Zisterne sollten die Oberflächen nicht
Dachfläche ist, desto kleiner wird das Speichervolumen, da gereinigt werden. Im Speicher bildet sich ein Biofilm mit einer
bei Regenfall bei größerer Fläche mehr Wasser in den Spei- deutlichen Selbstreinigungskraft. Bei größeren Betonspei-
cher nachströmen kann. Aus Simulationsmodellen mit Be- cherbecken kann ein zusätzliches Absetzbecken vorgesehen
rechnung der täglichen Regenwassermenge und des Nicht- werden. Bei den Speichern (Zisterne) unterscheidet man
trinkwasserbedarfs wird aus einer Optimierung die geeignete zwischen innenliegenden, im Gebäude aufgestellten Spei-
Speichergröße ermittelt. chern, und Außenspeichern (. Abb. 3.68). Außenspeicher im
Bei größeren Gebäuden sollten Simulationsrechnungen Erdreich weisen den Vorteil auf, dass sie gleichmäßige nied-
durchgeführt werden. Bei kleineren Wohngebäuden bzw. Ein- rige Erdreichtemperaturen haben, was einer Algenbildung
familienhäusern kann auf die Berechnung normalerweise ver- entgegenwirkt. Alle Speicher müssen einen Überlauf mit An-
zichtet werden, da eine Vorhersage des täglichen Nichttrink- schluss an das Versickerungs- oder Regenwasserleitungsnetz
wasserverbrauchs kaum möglich ist. Es wird empfohlen, 1 m³ haben, da bei größeren Niederschlagsereignissen das Auf-
Speicher je 25 m² Dachfläche und je Nutzer anzusetzen. Be- fangvolumen ggf. nicht ausreicht. Wird eine Anlage falsch
währte Größen sind danach bei Kellerspeichern 3–4 m³, bei dimensioniert und der Speicher ist zu klein, wird bei einem
Außenspeichern 6 m³ Zisterne. größeren Regen­ereignis der Speicher schnell gefüllt und ein
großer Teil des eigentlich aufzufangenden Regenwassers wird
zz Hinweise zur Anlagentechnik direkt über den Überlauf abgeführt.
Gegenüber früheren Systemen mit Filtern in der Betriebs- Außenspeicher können als Fertigspeicher in Kunststoff oder
wasserleitung werden heute Fallrohrfilter verwendet. Auf den Beton gebaut werden. Innenspeicher sind in der Regel aus
nachgeschalteten Feinfilter wird verzichtet. Für den Fall, dass Kunststoff hergestellt. Andere Materialien wie Edelstahl wer-
Nichttrinkwasser für Waschmaschinen eingesetzt wird, wird den selten eingesetzt. Grundsätzlich muss Tageslichteinfall ver-
ein eigenes Schutzsystem im Zulaufsystem der Wasch- mieden werden, da eine starke Algenbildung vor allem bei
maschine verwendet. Bei den Fallrohrfiltern unterscheidet längeren Standzeiten im Speicher nicht zu verhindern ist. Bei
man Filter mit Schmutzabtrennung, bei denen ein Teilstrom Erdeinbau oder Kellereinbau ist eine frostgeschützte Anord-
(10 %) Wasser mit Filterrückstand nicht in den Speicher ge- nung erforderlich. Für die notwendige Druckerhöhung zur
langen. Bei anderen Systemen wird 100 % des Regenwassers Förderung des Nichttrinkwassers im Gebäude werden in der
aus dem Fallrohr in den Speicher geführt. In letzterem Fall Regel elektrisch betriebene Pumpen eingesetzt. Regenwasser-
114 Kapitel 3 • Abwasser- und Wassertechnik

pumpen werden als normalsaugende, mehrstufige Pumpen,


1 elektronische Kreiselpumpen oder mehrstufige, selbstansau-
gende Pumpen vorgesehen. Bei größeren Anlagen werden auch
2 drehzahlgeregelte Druckerhöhungsanlagen vorgesehen. Bei
kleineren Anlagen sind auch Tauchmotorpumpen möglich.
3 Eine Nachspeisung mit Trinkwasser aus dem öffentlichen
Netz darf grundsätzlich nur als „freier Auslauf “ vorgesehen
4 werden. Eine direkte Verbindung zwischen Trinkwassernetz
und Nichttrinkwassernetz bzw. Speicher darf grundsätzlich
nicht existieren. Es besteht auch die Möglichkeit, über einen
5 Zwischenbehälter zwischen Speicher und Nichttrinkwasser-

Abwasser öffentl. Kanal


verteilung eine bedarfsorientierte Trinkwassernachspeisung
6 vorzusehen. Dies hat den Vorteil, dass Frischwasser nicht zu-
nächst in den Speicher eingeleitet wird. Mittlerweile werden
7 zahlreiche Kompaktmodule für unterschiedliche Anwendun-
gen und Bedarfsgrößen angeboten. FIL

8 Für Nichttrinkwasser ist in Gebäuden grundsätzlich ein zwei-


tes Leitungsnetz vorzusehen, was in keiner Verbindung mit
dem Trinkwassernetz stehen darf. Entsprechende Sicherheits-
9 .. Abb. 3.69  Bevorratung und Aufbereitung von Abwasser für die
vorkehrungen sind gemäß vorzusehen. Die Leitungen für Grauwassernutzung
Nichttrinkwasser müssen korrosionsbeständig sein. In Frage
10 kommen z. B. Polypropylen oder Edelstahl. Edelstahl wird vor Im Unterschied zur Nichttrinkwassernutzung von Regen-
allem bei größeren Dimensionen eingesetzt. Im Gebäude wasser kann bei der Grauwassernutzung eine Wärmerück-
11 müssen Entnahmestellen für Nichttrinkwasser grundsätzlich gewinnung z. B. aus Duschwasser erfolgen.
gekennzeichnet sein.
12
3.1.23 Dimensionierung
3.1.22 Grauwassernutzungsanlagen von Entwässerungsanlagen
13
Unter Grauwasser versteht man fäkalienfreies, gering ver- Die Berechnung von Entwässerungsanlagen basiert auf an-
14 schmutztes Abwasser, wie Abwasser aus Duschen, Badewan- genommenen Belastungen der Leitungssysteme, die vom
nen, Handwaschbecken und Waschmaschinen. Dieses Ab- Nutzungstyp und von der Art der Entwässerung abhängig
15 wasser kann aufbereitet als Betriebswasser dienen, . Abb. 3.69. sind. Grundsätzlich wird zwischen Schmutz- und Regen-
Die Grauwassernutzung dient wie die Regenwassernutzung wasser unterschieden. Weiterhin wird unterschieden, ob das
16 zur Verringerung des Trinkwasserverbrauchs. Insbesondere anfallende Schmutz- und Regenwasser zu einem Mischsystem
die Entlastung der Klärwerke ist hilfreich. Besonders Gebäude zusammengeführt wird oder nach Auflage der kommunalen
17 mit einem hohen Nichttrinkwasserbedarf (Hotels, Schulen, Satzung getrennt abgeführt werden muss.
Kliniken) können durch ein zusätzliches Leitungssystem bei
18 der Abwasserentsorgung und Nichttrinkwasserversorgung zz Bemessung der Schmutzwasserleitung
häufig wirtschaftlich mit einer Grauwassernutzungsanlage Der erwartete Schmutzwasserabfluss berechnet sich nach
ausgestattet werden.
19 Zur Aufbereitung des Grauwassers gibt es unterschiedliche Qww D K 
p
˙.DU/
technische Ansätze. Die Technologien variieren stark in ihrer
20 Komplexität, Größe, Aufbereitungsleistung und Aufberei- mit
tungsqualität. So finden sich Direktverwender-Systeme, Qww: Schmutzwasserabfluss (Quantity of waste water)
21 Rückhalte-Systeme, physikalische, chemische, biologische [l/s]
sowie bio-mechanische Systeme. Einzuhalten sind die Quali- K: Abflusskennzahl (dimensionslos) nach . Tab. 3.5
22 tätsvorgaben der EU-Badegewässer Richtlinie. Ziel ist die si- DU: Anschlusswerte (Design Units) [l/s]
chere und vollständige Rückhaltung von jeglichen Schmutz-
23 partikeln, der vollständige Bakterienrückhalt und eine hohe
Rückhalterate von Viren. Grauwasser kann für die Toiletten-
spülung, zu Reinigungszwecken, zur Autowäsche und für die
Bewässerung von Grünflächen eingesetzt werden.
3.1 • Abwasseranlagen
115 3

.. Tab. 3.5  Typische Abflusskennzahlen K nach DIN EN 12 056 .. Tab. 3.7  Anwendungsgrenzen für unbelüftete Sammelanschluss-
leitungen (entspricht Tab. 7 in DIN 1986)
Gebäudeart K
Anwendungsgrenzen Unbelüftete SAL
Unregelmäßige Benutzung: z. B. in Wohnhäusern, 0,5
Pensionen, Büros < DN 80 > DN 80
Regelmäßige Benutzung: z. B. in Krankenhäusern, 0,7
Max. Rohrlänge [m] 4 10
Schulen, Restaurants, Hotels
Max. Anzahl von 90°-Bögen* 3
Häufige Benutzung: z. B. in öffentlichen Toiletten 1,0
und/oder Duschen Max. Absturzhöhe [m] 1

Spezielle Benutzung: z. B. Labor 1,2 Mindestgefälle [%] 1

* Den Anschlussbogen beim Entwässerungsgegenstand nicht


eingeschlossen.
.. Tab. 3.6  Anwendungsgrenzen für unbelüftete Einzelanschluss-
leitungen und für belüftete Sammel- und Einzelanschlussleitungen
(entspricht Tab. 5 und 8 in DIN EN 12 056-2)
.. Tab. 3.8  Bemessung von unbelüfteten Sammelanschlussleitungen
Anwendungs- Unbelüftete EAL Belüftete EAL/SAL
(entspricht Tab. 7 in DIN 1986-100)
grenzen
System I System IV System I System IV
K = 0,5 K = 0,7 K = 1,0 DN di, min
[mm]
Max. Rohrlänge 4,0 10,0 10,0 10,0
[m] ∑DU [l/s] ∑DU ∑DU

Max. Anzahl 3 3 – – 1,0 1,0 0,8 50 44


von 90°-Bögen*
2,0 2,0 1,0 56/60 49/56
Max. Absturz- 1,0 1,0 3,0 3,0
9,0 4,6 2,2 70* 68
höhe [m]
13,0** 8,0** 4,0 80 75
Mindestgefälle 1 1 0,5 0,5
[%] 13,0** 10,0** 5,0 90 79

* Den Anschlussbogen beim Entwässerungsgegen- 16,0 12,0 6,4 100 96


stand nicht eingeschlossen.
* Keine Toiletten.
** Maximal zwei Toiletten.
Der gesamte Abwasserabfluss ergibt sich aus:

Qtot D Qww C Qc C Qp .. Tab. 3.9  Bemessung von belüfteten Sammelanschlussleitungen


gem. DIN 1986-100, Tab. 7 (vereinfachte Bemessung anstelle der
Berechnung nach den Regeln für Sammelleitungen, nach Prandtl-
mit Colebrook
Qtot: G
 esamtschmutzwasserabfluss (Quantity total)
[l/s] K = 0,5 K = 0,7 K = 1,0 DN di, min
[mm]
Qc: Dauerabfluss (Quantity constant) [l/s] ∑DU ∑DU ∑DU
Qp: Pumpenförderstrom (Quantity from pumps) [l/s]
3,0 2,0 1,0 50 44

Wegen unterschiedlicher Entwässerungssysteme innerhalb 5,0 4,6 2,2 56/60 49/56


Europas definiert die DIN EN 12 056-2 vier verschiedene 13,0 10,0 5,0 70* 68
Entwässerungssysteme. Die Systeme unterscheiden sich nach 16,0 13,0 9,0 80 75
dem Füllungsgrad, der Anschlussleitung und in die Auftei-
20,0 16,0 11,0 90 79
lung von Leitungssystemen; . Tab. 3.2. Die ermittelte Dimen-
25,0 20,0 14,0 100 96
sion ist in der Einheit DN anzugeben, der damit verbundene
Mindest-Innendurchmesser ist in . Tab. 3.1 aufgeführt. * Keine Toiletten.

zz Bemessung von Anschlussleitungen


Die Einzel- und Sammelanschlussleitungen werden nach den
. Tab. 3.2 bis 3.9 bemessen. Die Anwendungsgrenzen für die der genannten Grenzwerte nicht eingehalten werden, muss
verschiedenen unbelüfteten Systeme (Einzelanschlussleitun- die Anschlussleitung belüftet werden und die dafür entspre-
gen und Sammelanschlussleitungen) dürfen gemäß . Tab. 3.6 chenden Anwendungsgrenzen gem. . Tab. 3.6 (rechte Spal-
(linke Spalten) bzw. . Tab. 3.7 ausgeführt werden. Kann einer ten) eingehalten werden.
116 Kapitel 3 • Abwasser- und Wassertechnik

nierten Leitungsnetzes oder in Form eines Bauwerks herzu-


1 .. Tab. 3.10  Zulässiger Schmutzwasserabfluss Qmax und Nennweite
DN für Fallleitungen mit Hauptlüftung (entspricht Tab. 8 in DIN 1986- stellen. Die Entwässerungsanlage ist so bemessen, dass ein
100) ausreichender Schutz vor unplanmäßiger Überflutung, Was-
2 Schmutzwasserfallleitungen mit Hauptlüftung
seraustritt im Gebäude, Überflutung von außen, oder Über-
flutung von Flächen mit wassergefährdenden Stoffen gegeben
3 DN Qmax[l/s] ist. Jede Dachfläche muss mindestens einen Ablauf und einen
Notüberlauf mit freiem Abfluss erhalten. Regenwasser, auch
Abzweige ohne Abzweige mit
4 Innenradius Innenradius von kleinen Dachflächen, darf nicht in Schmutzwasserfall-
leitungen eingeleitet werden. Leitungsanlagen werden für ein
60c 0,5 0,7
mittleres Regenereignis bemessen. Da mit starken Regen-
5 70 1,5 2,0 ereignissen zu rechnen ist, sind Überlastungen des Leitungs-
80 a,b
2,0 2,6 netzes durch geeignete Maßnahmen (Notüberläufe, Druck-
6 90 a,b
2,7 3,5 entlastung von Freispiegelleitungen) zur Vermeidung von
100 4,0 5,2
Schäden zu begrenzen.
7 125 5,8 7,6
Der Regenwasserabfluss wird nach DIN EN 12 056-2 bzw.
DIN 1986-100 gerechnet:
8 150 9,5 12,4

200 16,0 21,0 1


Q D r.D,T/  C  A 
9 a
Ergänzend zu DIN EN 12 056-2:2001-01, . Tab. 11 und 12 darf die
10:000
Nennweite für Fallleitungen im System I bei Verwendung von
Klosett­anlagen mit 4,0 und 6,0 l Spülwasservolumen mindestens mit
10 DN 80 betragen.
r(D,T): B
 erechnungsregenspende (Fünfminutenregen-
b
Mindestnennweite bei Anschluss von Klosetts.
spende, die einmal in 2 Jahren erwartet werden
11 c
Nennweite nach DIN EN 12 045-2, in Deutschland jedoch nicht
gebräuchlich.
muss) ermittelt auf statistischer Grundlage
[l/(s ha)]
12 C:  er Abflussbeiwert (nach . Tab. 3.14), wird
D
zz Fallleitungen unterschieden nach:
13 Fallleitungen sind nach . Tab. 3.10 zu bemessen. Cs Spitzenabflussbeiwert für die Berechnung der
abflusswirksamen Fläche (Au) zur Bemessung
der Dachentwässerung und Grundleitungen;
14 zz Grund- und Sammelleitungen
Innerhalb des Gebäudes sind Sammel- und Grundleitungen C m mittlerer Abflussbeiwert für die Berechnung des
mit einem Füllungsgrad von h/di = 0,5 unter Berücksichti- Volumens von Niederschlagswasserrückhalte-
15 gung des Mindestgefälles von 0,5 % auszulegen, nach dem räumen (VRRR) bei einer schrittweise ermittelten
Anschluss einer Abwasserhebeanlage auch mit einem Fül- maßgebenden Regendauerstufe (siehe Berech-
16 lungsgrad von h/di = 0,7 zu bemessen. Außerhalb von Ge- nungsverfahren bei Einleitungsbeschriftung);
bäuden sind eine Mindestfließgeschwindigkeit von 0,7 m/s A: im Grundriss projizierte Niederschlagsfläche
17 und eine Höchstgeschwindigkeit von 2,5 m/s zu berücksich- (m²).
tigen. Der zulässige Füllungsgrad ist h/di = 0,7 und das Min-
18 destgefälle J = 1:DN. Hinter einem Schacht mit offenem Die für die Bemessung maßgebende Regendauer ist mit D = 5
Durchfluss kann für die Vollfüllung ohne Überdruck bemes- Min. zu berücksichtigen. Die Jährlichkeit wird durch die Auf-
sen werden (h/di = 1,0). gabenstellung festgelegt.
19 Die Jährlichkeit des Berechnungsregens für Grundstücksflä-
zz Bemessung der Regenwasserableitung chen ohne geplante Regenrückhaltung muss mindestens ein-
20 Das auf Dachflächen und befestigten Grundstücksflächen an- mal in zwei Jahren (T = 2) betragen. Für Dachflächen wird die
fallende Regenwasser wird über ein Leitungssystem abge- Jährlichkeit des Berechnungsregens mit 5 Jahren (T = 5) an-
21 führt. Wichtigstes Ziel ist es, das Regenwasser von bebauten gesetzt. Die Ermittlung der Regenspenden erfolgt durch das
Flächen möglichst auf dem Grundstück dem Grundwasser Institut für Wasserwirtschaft, Leibniz Universität Hannover
22 über geeignete Versickerungssysteme wieder zuzuführen. Ist unter Verwendung von KOSTRA-DWD 2000 (Deutscher
dies nicht möglich, wird das Regenwasser über ein Misch- Wetterdienst). Einen Auszug daraus zeigt . Tab. 3.15.
23 oder Trennsystem abgeleitet. Bei der Einleitung in den An- Abflusswirksame Flächen sind Dachflächen, Fassadenflächen
schlusskanal ist ggf. eine Einleitungsbegrenzung zu beachten. und befestigte Grundstücksflächen. Dachflächen werden als
Unter Umständen ist zur Einhaltung der Einleitungsbegren- projizierte Flächen angesetzt. Fassadenflächen sind nur an-
zung eine Regenrückhaltung in Form eines überdimensio- zusetzen, wenn durch Wind Einfluss auf den Regenwasser-
3.1 • Abwasseranlagen
117 3

.. Tab. 3.11  Abflussvermögen von Entwässerungsleitungen bei einem Füllungsgrad von h/di = 0,5 (entspricht Tab. A.3 DIN 1986-100)

Gefälle DN 100 DN 125 DN 150 DN 200 DN 225 DN 250 DN 300


di = 96 mm di = 113 mm di = 146 mm di = 184 mm di = 207 mm di = 230 mm di = 290 mm

J Q v Q v Q v Q v Q v Q v Q v

cm/m l/s m/s l/s m/s l/s m/s l/s m/s l/s m/s l/s m/s l/s m/s

0,20 6,3 0,5 8,6 0,5 11,4 0,5 21,0 0,6

0,30 4,2 0,5 7,7 0,6 10,5 0,6 14,0 0,7 25,8 0,8

0,40 2,4 0,5 4,8 0,6 8,9 0,7 12,2 0,7 16,2 0,8 29,9 0,9

0,50 1,8 0,5 2,7 0,5 5,4 0,6 10,0 0,8 13,7 0,8 18,1 0,9 33,4 1,0

0,60 1,9 0,5 3,0 0,6 5,9 0,7 11,0 0,8 15,0 0,9 19,8 1,0 36,7 1,1

0,70 2,1 0,6 3,2 0,6 6,4 0,8 11,8 0,9 16,2 1,0 21,4 1,0 39,6 1,2

0,80 2,2 0,6 3,5 0,7 6,8 0,8 12,7 1,0 17,3 1,0 22,9 1,1 42,4 1,3

0,90 2,4 0,7 3,7 0,7 7,3 0,9 13,4 1,0 18,4 1,1 24,3 1,2 45,0 1,4

1,00 2,5 0,7 3,9 0,8 7,7 0,9 14,2 1,1 19,4 1,2 25,7 1,2 47,4 1,4

1,10 2,6 0,7 4,1 0,8 8,0 1,0 14,9 1,1 20,4 1,2 26,9 1,3 49,8 1,5

1,20 2,7 0,8 4,2 0,8 8,4 1,0 15,5 1,2 21,3 1,3 28,1 1,4 52,0 1,6

1,30 2,9 0,8 4,4 0,9 8,7 1,0 16,2 1,2 22,1 1,3 29,3 1,4 54,1 1,6

1,40 3,0 0,8 4,6 0,9 9,1 1,1 16,8 1,3 23,0 1,4 30,4 1,5 56,2 1,7

1,50 3,1 0,8 4,7 0,9 9,4 1,1 17,4 1,3 23,8 1,4 31,5 1,5 58,2 1,8

2,00 3,5 1,0 5,5 1,1 10,9 1,3 20,1 1,5 27,5 1,6 36,4 1,8 67,2 2,0

2,50 4,0 1,1 6,1 1,2 12,2 1,5 22,5 1,7 30,8 1,8 40,7 2,0 75,2 2,3

3,00 4,4 1,2 6,7 1,3 13,3 1,6 24,7 1,9 33,7 2,0 44,6 2,1 82,4 2,5

3,50 4,7 1,3 7,3 1,5 14,4 1,7 26,6 2,0 36,4 2,2 48,2 2,3

4,00 5,0 1,4 7,8 1,6 15,4 1,8 28,5 2,1 39,0 2,3 51,5 2,5

4,50 5,3 1,5 8,3 1,6 16,3 2,0 30,2 2,3 41,3 2,5

5,00 5,6 1,6 8,7 1,7 17,2 2,1 31,9 2,4

abfluss möglich ist. Grundstücksflächen von befestigten Flä- Q: R  egenwasserablauf der Dach- bzw. Teilfläche
chen – sofern an das Leitungssystem angeschlossen – müssen [l/s],
berücksichtigt werden. QDA: Abflussvermögen des Ablaufs [l/s] (Hersteller-
Dachabläufe werden nach dem Abflussvermögen des Ablauf- angaben).
systems und nach konstruktionsbedingten Voraussetzungen

--
ermittelt. Kriterien sind:
jeder Tiefpunkt muss einen Ablauf erhalten,
konstruktionsbedingt zusätzliche Abläufe (Öffnungen,
Alle Dachentwässerungen müssen ein Entwässerungs- und
Notentwässerungssystem haben. Flachdächer können über
Öffnungen in der Attika oder über einen freien Notablauf

- Aufbauten),
bei gleicher Höhenlage max. Abstand 20 m voneinander.

Die Berechnung erfolgt nach DIN 1986-100:


gesichert werden. Bei Regenrinnen erfolgt die Notentwässe-
rung über die Rinnenvorderkante. Die Notentwässerung be-
rechnet sich wie folgt (siehe . Abb. 3.70):

A
QNot D r.5;100/  r.D, T/  C 
 
Q 10:000
nDA D
QDA
mit
mit QNot: M
 indestabflussvermögen der Notentwässerung
nDA: Mindestanzahl Dach- bzw. Rinnenabläufe, [l/s],
118 Kapitel 3 • Abwasser- und Wassertechnik

1 .. Tab. 3.12  Abflussvermögen von Entwässerungsleitungen bei einem Füllungsgrad von h/di = 0,7 (entspricht Tab. A.4 DIN 1986-100)

Gefälle DN 100 DN 125 DN 150 DN 200 DN 225 DN 250 DN 300


2 di = 96 mm di = 113 mm di = 146 mm di = 184 mm di = 207 mm di = 230 mm di = 290 mm

J Q v Q v Q v Q v Q v Q v Q v
3 cm/m l/s m/s l/s m/s l/s m/s l/s m/s l/s m/s l/s m/s l/s m/s

4 0,20 5,7 0,5 10,5 0,5 14,4 0,6 19,0 0,6 35,1 0,7

0,30 3,5 0,5 7,0 0,6 12,9 0,6 17,6 0,7 23,3 0,8 43,1 0,9

5 0,40 2,6 0,5 4,1 0,5 8,1 0,6 14,9 0,8 20,4 0,8 27,0 0,9 49,9 1,0

0,50 2,9 0,5 4,6 0,6 9,0 0,7 16,7 0,8 22,8 0,9 30,2 1,0 55,8 1,1
6 0,60 3,2 0,6 5,0 0,7 9,9 0,8 18,3 0,9 25,0 1,0 33,1 1,1 61,2 1,2

7 0,70 3,5 0,6 5,4 0,7 10,7 0,9 19,8 1,0 27,1 1,1 35,8 1,2 66,1 1,3

0,80 3,7 0,7 5,8 0,8 11,5 0,9 21,1 1,1 29,0 1,2 38,3 1,2 70,7 1,4

8 0,90 4,0 0,7 6,1 0,8 12,2 1,0 22,5 1,1 30,7 1,2 40,6 1,3 75,0 1,5

1,00 4,2 0,8 6,5 0,9 12,8 1,0 23,7 1,2 32,4 1,3 42,8 1,4 79,1 1,6
9 1,10 4,4 0,8 6,8 0,9 13,5 1,1 24,9 1,3 34,0 1,4 45,0 1,4 83,0 1,7

10 1,20 4,6 0,8 7,1 0,9 14,1 1,1 26,0 1,3 35,5 1,4 47,0 1,5 86,7 1,8

1,30 4,8 0,9 7,4 1,0 14,6 1,2 27,1 1,4 37,0 1,5 48,9 1,6 90,3 1,8

11 1,40 5,0 0,9 7,7 1,0 15,2 1,2 28,1 1,4 38,4 1,5 50,8 1,6 93,7 1,9

1,50 5,1 1,0 7,9 1,1 15,7 1,3 29,1 1,5 39,7 1,6 52,5 1,7 97,0 2,0
12 2,00 5,9 1,1 9,2 1,2 18,2 1,5 33,6 1,7 45,9 1,8 60,7 2,0 112,1 2,3

2,50 6,7 1,2 10,3 1,4 20,3 1,6 37,6 1,9 51,4 2,0 67,9 2,2 125,4 2,5
13
3,00 7,3 1,3 11,3 1,5 22,3 1,8 41,2 2,1 56,3 2,2 74,4 2,4

14 3,50 7,9 1,5 12,2 1,6 24,1 1,9 44,5 2,2 60,9 2,4

4,00 8,4 1,6 13,0 1,7 25,8 2,1 47,6 2,4


15 4,50 8,9 1,7 13,8 1,8 27,3 2,2 50,5 2,5

5,00 9,4 1,7 14,6 1,9 28,8 2,3


16
17 r(5/100): 5-Minuten-Regenspende, die einmal in ein-
hundert Jahren erwartet wird [l/(s ha)],
18 Notüberlauf in
der Attika
r(D,T): Berechnungsregenspende [l/(s ha)],
D: Regendauer [min],
max. Überflutungshöhe T: Jährlichkeit des Regenereignisses,
19 1 2
C: Abflussbeiwert,
A: wirksame Niederschlagsfläche [m²].
20
Überlastungen bzw. Überflutungen sind durch geeignete
21 r(5, 5) Maßnahmen für den Einbau von Notüberläufen, Druckent-
lastung von Freispiegelleitungen usw. zu begrenzen. Die Ab-
22 flussbeiwerte C zur Ermittlung des Regenwasserabflusses sind
1 erforderliche Druckhöhe am Dachüberlauf Notüberlauf frei in der . Tab. 3.14 aufgeführt (. Tab. 9 DIN 1986-100). Die
23 2 erforderliche Druckhöhe am Notüberlauf r(5, 100) - r(5, 5) Bemessung ist mit der maßgebenden Regendauer von D = 5
Min. zu berücksichtigen. Die Jährlichkeit (T) wird durch die
.. Abb. 3.70  Ermittlung der Überflutungshöhe bei Notentwässerungen
Aufgabenstellung festgelegt und muss nach Art und Nutzung
des Gebäudes vorgenommen werden. Niederschlagsflächen
3.1 • Abwasseranlagen
119 3

.. Tab. 3.13  Abflussvermögen von Entwässerungsleitungen bei einem Füllungsgrad von h/di = 1,0 (entspricht Tab. A.5 DIN 1986-100)

Gefälle DN 100 DN 125 DN 150 DN 200 DN 225 DN 250 DN 300


di = 96 mm di = 113 mm di = 146 mm di = 184 mm di = 207 mm di = 230 mm di = 290 mm

J Q v Q v Q v Q v Q v Q v Q v

cm/m l/s m/s l/s m/s l/s m/s l/s m/s l/s m/s l/s m/s l/s m/s

0,20 12,5 0,5 17,2 0,5 22,7 0,5 42,1 0,6

0,30 8,3 0,5 15,4 0,6 21,1 0,6 27,9 0,7 51,7 0,8

0,40 4,9 0,5 9,6 0,6 17,8 0,7 24,4 0,7 32,3 0,8 59,7 0,9

0,50 3,5 0,5 5,4 0,5 10,8 0,6 20,0 0,8 27,3 0,8 36,2 0,9 66,9 1,0

0,60 3,9 0,5 6,0 0,6 11,8 0,7 21,9 0,8 30,0 0,9 39,7 1,0 73,3 1,1

0,70 4,2 0,6 6,5 0,6 12,8 0,8 23,7 0,9 32,4 1,0 42,9 1,0 79,3 1,2

0,80 4,5 0,6 6,9 0,7 13,7 0,8 25,3 1,0 34,7 1,0 45,9 1,1 84,8 1,3

0,90 4,7 0,7 7,3 0,7 14,5 0,9 26,9 1,0 36,8 1,1 48,7 1,2 90,0 1,4

1,00 5,0 0,7 7,7 0,8 15,3 0,9 28,4 1,1 38,8 1,2 51,3 1,2 94,9 1,4

1,10 5,2 0,7 8,1 0,8 16,1 1,0 29,8 1,1 40,7 1,2 53,8 1,3 99,5 1,5

1,20 5,5 0,8 8,5 0,8 16,8 1,0 31,1 1,2 42,5 1,3 56,2 1,4 104,0 1,6

1,30 5,7 0,8 8,8 0,9 17,5 1,0 32,4 1,2 44,3 1,3 58,6 1,4 108,2 1,6

1,40 5,9 0,8 9,2 0,9 18,2 1,1 33,6 1,3 46,0 1,4 60,8 1,5 112,4 1,7

1,50 6,1 0,8 9,5 0,9 18,8 1,1 34,8 1,3 47,6 1,4 62,9 1,5 116,3 1,8

2,00 7,1 1,0 11,0 1,1 21,7 1,3 40,2 1,5 55,0 1,6 72,7 1,8 134,4 2,0

2,50 7,9 1,1 12,3 1,2 24,3 1,5 45,0 1,7 61,5 1,8 81,4 2,0 150,4 2,3

3,00 8,7 1,2 13,5 1,3 26,7 1,6 49,3 1,9 67,4 2,0 89,2 2,1 164,8 2,5

3,50 9,4 1,3 14,5 1,5 28,8 1,7 53,3 2,0 72,9 2,2 96,4 2,3

4,00 10,1 1,4 15,6 1,6 30,8 1,8 57,0 2,1 77,9 2,3 103,0 2,5

4,50 10,7 1,5 16,5 1,6 32,7 2,0 60,5 2,3 82,7 2,5

5,00 11,3 1,6 17,4 1,7 34,5 2,1 63,8 2,4

ohne geplante Regenrückhaltung sind mit T = 2 zu berech- Grundstücken ist DIN EN 752 bzw. DWA-A 118 zu berück-
nen. Die Abgrenzung der Anwendungsbeispiele nach DIN EN sichtigen.
12 056, DIN 1986-100 und DIN EN 752 zeigt . Abb. 3.71.
zz Freispiegelentwässerung
zz Überflutungs- und Überlastungsnachweise Fallleitungen müssen mind. in der Anschlussnennweite des
Intensivere Regenereignisse der letzten Jahre haben dazu ge- zugehörigen Dachablaufs geführt werden. Der Füllungsgrad
führt, dass Überflutungs- und Überlastungsfälle im Rahmen kann bis zu f = 0,33 betragen (. Tab. 3.18). Sammel- und
der Regenentwässerung stärker zu berücksichtigen und zu Grundleitungen innerhalb des Gebäudes sind mit einem
berechnen sind. Die Nachweise sind für den Jahrhundert- Füllungsgrad von 0,5 und einem Mindestgefälle von 0,5 cm/m
regen (r(5)100) durchzuführen. Für Dachflächen, die über keine zu bemessen (. Tab. 3.11). Außerhalb des Gebäudes ist die
Notentwässerung verfügen, müssen die zu erwartenden Maximalgeschwindigkeit von 2,5 m/s zu berücksichtigen. Der
Überflutungshöhen gerechnet werden, siehe DIN 1986-100. max. Füllungsgrad beträgt hier 0,7 (. Tab. 3.12). Hinter einem
Außerhalb von Gebäuden kann bei kleinen Grundstücken Schacht mit offenem Durchfluss kann die Vollfüllung ohne
(< 800 m2 abflusswirksame Fläche, Anschlusskanal bis Überdruck bemessen werden (. Tab. 3.13). Das Mindest-
DN 150) auf eine Überflutungsprüfung verzichtet werden. gefälle beträgt bis DN 200 0,5 cm/m, ab DN 250 1: DN. Der
Vorausgesetzt ist, dass kein Wasser bei Überstau in das Ge- Mindestdurchmesser von Grundleitungen beträgt DN 100.
bäude bzw. Nachbargebäude eindringen kann. Bei größeren Außerhalb von Gebäuden sind auch die angeschlossenen
120 Kapitel 3 • Abwasser- und Wassertechnik

1 .. Tab. 3.14 Abflussbeiwerte C zur Ermittlung des Regenwasserabflusse (entspricht Tab. 9 in DIN 1986-100)

Nr. Art der Flächen Spitzenabflussbeiwert Mittlerer AbflussbeiwertC


2 Die Abflussbeiwerte beziehen sich ausschließlich auf Flächen, die potenziell
einen Abfluss zum Entwässerungssystem haben
Cs Cm
Berechnung von VRRR

3 1 Wasserdurchlässige Flächen, z. B. Dachflächen

– Schrägdach

4 – Metall, Glas, Schiefer, Faserzement 1,0 0,9

– Ziegel, Abdichtungsbahnen 1,0 0,8

5 – Flachdach (Neigung bis 3° oder etwa 5 %)

– Metall, Glas, Faserzement 1,0 0,9


6 – Abdichtungsbahnen 1,0 0,9

– Kiesschüttung 0,8 0,8


7 – Begrünte Dachflächen a

– Extensivbegrünung (> 5°) 0,7 0,4


8 – Intensivbegrünung ab 30 cm Aufbaudicke (≤ 5°) 0,2 0,1

9 – Extensivbegrünung ab 10 cm Aufbaudicke (≤ 5°) 0,4 0,2

– Extensivbegrünung unter 10 cm Aufbaudicke (≤ 5°) 0,5 0,3

10 Verkehrsflächen (Straßen, Plätze, Zufahrten, Wege)

– Betonflächen 1,0 0,9

11 – Schwarzdecken (Asphalt) 1,0 0,9

– Befestigte Flächen mit Fugendichtung, z. B. Pflaster mit Fugenverguss 1,0 0,8

12 Rampen

– Neigung zum Gebäude, unabhängig von der Neigung und der Befestigungart 1,0 1,0
13 2 Teildurchlässige und schwach ableitende Flächen, z. B. Verkehrsflächen (Straßen, Plätze, Zufahrten, Wege)

– Betonsteinpflaster, in Sand oder Schlacke verlegt, Flächen mit Platten 0,9 0,7
14 – Pflasterflächen, mit Fugenanteil > 15 %, z. B. 10 cm × 10 cm und kleiner oder 0,7 0,6
fester Kiesbelag
15 – Wassergebundene Flächen 0,9 0,7

– Lockerer Kiesbelag, Schotterrasen, z. B. Kinderspielplätze 0,3 0,2


16 – Verbundsteine mit Sickerfugen, Sicker‑/Drainsteine 0,4 0,25

– Rasengittersteine (mit häufigen Verkehrsbelastungen, z. B. Parkplatz) 0,4 0,2


17 – Rasengittersteine (ohne häufige Verkehrsbelastungen, z. B. Feuerwehrzufahrt) 0,2 0,1

18 Sportflächen mit Dränung

– Kunststoff-Flächen, Kunststoffrasen 0,6 0,5

19 – Tennenflächen 0,3 0,2

– Rasenflächen 0,2 0,1

20 3 Parkanlagen, Rasenflächen, Gärten

– Flaches Gelände 0,2b 0,1


21 – Steiles Gelände 0,3 b
0,2

a
Siehe auch [7] in Tab. 9 DIN 1986-100 für die Planung, Ausführung und Pflege von Dachbegrünung, die dort genannten Werte sind Cs-Werte
22 b
Bei diesen Flächen ist für den Überflutungsnachweis ein möglicher höherer Abflussbeitrag je nach örtlichen Gegebenheiten (z. B. Gefälle, Boden,
Vegetation) zu prüfen

23 Aufgrund der Anwendung einer einheitlichen Wiederkehrzeit (T = 2 a) und des begrenzten Anwendungsspektrums für die Bemessung von VRRR
c

wird hier jeweils nur ein Wert für Cm genannt. Die in den DWA-Regelwerken genannten Wertespektren beziehen sich auf unterschiedliche
Wiederkehrzeiten und Planungssituationen
3.1 • Abwasseranlagen
121 3

Dachflächen mit dem 2-jährigen Berechnungsregen zu er- tungslängen (< 4 m) die Anwendungsgrenzen für unbelüftete
mitteln. SAL nach . Tab. 3.7 eingehalten werden. Hierzu werden die
Design Units (DU) der angeschlossenen Entwässerungs-
zz Dachentwässerung mit Druckströmung gegenstände aufsummiert, siehe . Abb. 3.73. Zu beachten ist
Für dieses System ist ein auf das Objekt bezogener hydrau- dabei, dass einzelne angeschlossene Entwässerungsgegen-
lischer Nachweis zu erbringen. Der für die Funktion erfor- stände, insbesondere WCs, die Leitungsdimension bestim-
derliche Anstau im Bereich des Ablaufs gilt nicht als Über- men und die Sammelanschlussleitung nicht kleiner sein darf
flutung der Dachfläche, sofern die Festlegung für Abläufe als die Nennweite der größten Einzelanschlussleitung des
nach DIN EN 1253 nicht überschritten wird. Dachflächen Entwässerungsgegenstandes.
mit z. B. planmäßiger Überflutung sind bis zur Überflu- Zur Fallleitungsdimensionierung (FL) werden die Design
tungshöhe abzudichten und statisch zu bemessen. Für das Units (DU) aller daran angeschlossenen Sanitärobjekte ad-
Regenwasserdruckleitungssystem ist als verfügbare Höhe diert und daraus der Schmutzwasserstrom (Qww) nach der
max. der Abstand zwischen Dachablauf und Rückstauebene bekannten Beziehung berechnet, siehe . Abb. 3.73. Es handelt
einzusetzen. Bei der Einführung eines Druckleitungssystem sich um Fallleitungen mit Hauptlüftung. Aus . Tab. 3.10 kön-
in eine Freispiegelleitung ist die Umwandlung der hohen nen die erforderlichen Nennweiten ermittelt werden. Gewählt
kinetischen Energie durch Reduzierung der Fließgeschwin- werden hier Standardabzweige ohne Innenradius.
digkeit auf < 2,5 m/s sicherzustellen. Ein Rechenverfahren Für die Fallleitungsdimensionierung im Beispiel werden die
ist in der VDI 3806 Dachentwässerung mit Druckströmung DU-Werte eines Geschosses mit Faktor 4 multipliziert, da das
angegeben. betrachtete Objekt vier übereinander liegende Wohngeschosse
mit identischen Sanitärinstallationen hat. Die Dimension der
zz Mischwasser Fallleitung ist konstant über die gesamte Höhe, einschließlich
Der Mischwasserabfluss Qm setzt sich aus dem Schmutzwas- der Hauptlüftungsleitung über Dach.
serabfluss Qww und dem Regenwasserabfluss Qr zusammen: Die Grundleitungen werden auf kürzestem Weg unter der
Bodenplatte herausgeführt. Die Grundleitungsdimensionie-
Qm D QWW C Qr rung erfolgt abschnittsweise zwischen den Einleitungen der
Fallleitungen und den Bodenabläufen durch Aufsummierung
mit der DU und Berechnung der zugehörigen Schmutzwasser-
Qm: Mischwasserabfluss in l/s, menge, Qww. Dimensionierungsgrundlage für die Grundlei-
Qww: Schmutzwasserabfluss in l/s, tungen sind die . Tab. 3.11 und 3.12. Innerhalb der Gebäude-
Qr: Regenwasserabfluss in l/s. grundfläche ist mit Füllungsgrad h/di = 0,5, außerhalb mit
Füllungsgrad 0,7 gerechnet worden. Aus Gründen der Inspi-
Die Leitungen werden nach . Tab. 3.12 mit einem Füllungs- zierbarkeit und Herstellbarkeit wird für die Grundleitung ent-
grad von h/di = 0,7 oder hinter einem Schacht mit offenem sprechend der Normempfehlung jedoch mindestens die Di-
Durchfluss mit Vollfüllung ohne Überdruck nach . Tab. 3.13 mension DN 100 gewählt.
ausgelegt.
zz Mehrgeschossiges Wohngebäude – Bemessung
der Anlage zur Regenwasserableitung
3.1.24 Bemessungsbeispiele Die zu entwässernde Dachfläche des Satteldachs wird
in 4 Einzelabschnitte unterteilt, die jeweils an separate Fall-
zz Mehrgeschossiges Wohngebäude – Bemessung des leitungen angeschlossen werden sollen, . Abb. 3.75. Halb-
Schmutzwasserleitungssystems runde, vorgehängte Dachrinnen nehmen die Bemessungs-
(. Abb. 3.72/. Tab. 3.19) regenspende (. Tab. 3.15) auf und sind über Rinnenabläufe
Bei dem Berechnungsbeispiel handelt es um ein 4-geschossi- mit Einlauftrichtern und Laubfangkörben an die Fallrohre
ges Wohngebäude mit Anschluss an die Trennkanalisation. angeschlossen. Aufgrund der Verwendung von Laubfang-
Voraussetzung für die nachfolgenden Berechnungen ist die körben wird das Abflussvermögen der Rinnenabläufe um die
Einhaltung der in DIN 12 056 und DIN 1986-100 festgelegten Hälfte reduziert. Anhand der Fließweglängen zu den Fall-
Anwendungsgrenzen für Schmutzwasserleitungen. Als Ab- rohren werden die Regenrinnen dimensioniert, . Tab. 3.21.
flusskennzahl gilt K = 0,5, da es sich um Wohngebäude han- Die Notentwässerung der vorgehängten Rinnen erfolgt über
delt (. Tab. 3.5). Der Schmutzwasserabfluss und die Nenn- die Rinnenvorderkante (. Abb. 3.75) an den Längsseiten des
weiten der Einzelanschlussleitungen (EAL) werden aus Gebäudes, d. h. diese laufen bei größeren Regenspenden als
. Tab. 3.2 abgelesen, siehe . Abb. 3.73. r(5, 2) über. Falls dies unbedingt zu vermeiden ist, muss eine
Die Sammelanschlussleitungen (SAL) werden nach . Tab. 3.6 höhere Bemessungsregenspende, z. B. r(5, 30) oder r(5, 100) zur
bzw. . Tab. 3.7 ausgelegt, wobei aufgrund der geringen Lei- Ermittlung der Anzahl der Dachabläufe bzw. der Rinnendi-
122 Kapitel 3 • Abwasser- und Wassertechnik

1 .. Tab. 3.15  Regenspenden in Deutschland. (Auszug aus Tab. A1, DIN 1986-100)

Ort Dachflächen Grundstücksflächen


2 Regendauer D = 5 min Regendauer D = 5 min Regendauer D = 10 min Regendauer D = 15 min

3 Bemessung Notent-
wässerung
Bemessung Überflutungs-
prüfung
Bemessung Überflutungs-
prüfung
Bemessung

4 r(5,5) r(5,100) r(5,2) r(5,30) r(10,2) r(10,30) r(15,2) r(15,30)

[l/(s ha)] [l/(s ha)] [l/(s ha)] [l/(s ha)] [l/(s ha)] [l/(s ha)] [l/(s ha)] [l/(s ha)]
5 Aachen 266 463 206 384 161 290 133 241

6 Berlin 331 582 254 481 196 359 162 296

Bremen 246 434 189 358 149 269 125 223

7 Cottbus 348 686 245 550 182 372 148 292

Dortmund 339 630 250 513 188 365 153 293

8 Dresden 333 630 242 510 185 364 153 293

Erfurt 277 463 220 388 168 293 138 242


9 Frankfurt/ 339 630 250 513 188 365 153 293
Main

10 Göttingen 333 630 242 510 185 364 153 293

Hamburg 266 463 206 384 161 290 133 241

11 Hannover 266 463 206 384 161 290 133 241

Kiel 243 437 183 359 144 268 120 222


12 Köln 341 693 233 551 175 370 143 290

Leipzig 365 682 268 554 193 375 153 293


13 Lübeck 267 477 202 393 153 278 125 223

14
Magde- 307 581 223 471 168 325 137 257
burg

München 356 642 268 527 209 398 174 330


15 Neubran- 365 682 268 554 193 375 153 293
denburg
16 Osnabrück 340 649 245 525 191 393 159 326

Rosen- 440 775 337 641 248 459 199 369


17 heim

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