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VIº GIB Geschichte Totalitäre und Einparteienstaaten am Besipiel Kubas

Vorgeschichte und Bedingungen

Kuba und die USA

1492 entdeckt Christoph Kolumbus die Insel Kuba und nimmt sie für Spanien in Besitz, das für
Jahrhunderte Kolonialmacht der Karibikinsel wird. 1868 kommt es zum ersten Unabhängigkeitskrieg, in
dem Kuba der Kolonialmacht unterliegt. 1895 kämpft die Karibikinsel erneut für ihre Autonomie, wobei die
USA unterstützend eingreift, was zu einer schnellen militärischen Niederlage Spaniens führt. Die USA und
Spanien verhandeln ohne Kuba über einen Friedensvertrag und die Karibikinsel steht daraufhin für einige
Jahre unter US-Militärverwaltung. Kuba ist für die USA aus militärischen und aus wirtschaftlichen Gründen
von großer Bedeutung. US-amerikanische Investoren besitzen einen Großteil des Landes und der Industrie,
ihnen gehören Zuckerfabriken und Banken. Außerdem haben die USA in der Bucht von Guantanamo eine
Militärbasis. Erst 1902 kommt es zur Gründung der Republik Kuba, wobei die Verfassung eine Klausel
enthält, mit der die USA das Recht zugeschrieben bekommt, jederzeit in Kuba zu intervenieren. Von Anfang
an fehlt es Kuba an einer vollständigen Souveränität und mit der formalen Unabhängigkeit von den
Amerikanern besteht eine Art Pseudo-Republik. In den frühen 1920er Jahren boomt Kubas Wirtschaft durch
den besonders erfolgreichen Zuckerexport. Mit der Weltwirtschaftskrise werden die Gewinne um die Hälfte
reduziert und aus der Unzufriedenheit der Bevölkerung entwickelt sich eine politische Krise, die zum Sturz
des amtierende General Machado führt. Das Regime seines Nachfolger, Sergeant Fulgenico Batista, ist
durch brutale Gewalt und Vetternwirtschaft geprägt. Neben der politischen Korruption wird das Gefälle
zwischen Armut und Reichtum in Kubas Gesellschaft immer größer. Von dem Reichtum der amerikanischen
„Zuckerbarone“ bekommt die kubanische Bevölkerung nichts ab. Besonders in den Gewerkschaften und bei
Studentenorganisationen wird in den 1950er Jahre die Ablehnung und der Widerstand gegen herrschende
politische und wirtschaftliche Verhältnisse immer lauter.

Im zweiten kubanischen
Unabhängigkeitskrieg (1895-
1898) besiegen die USA die
Kolonialmacht Spanien. US-
Soldaten landen an der
kubanischen Küste
The Platt Amendment, 1901

The United States occupied Cuba for five years after 1898. In 1901 Secretary of War Elihu Root drafted a set of articles
(later known as the Platt Amendment) as guidelines for future United States-Cuban relations. Despite considerable Cuban
resistance, they became a part of the 1902 Cuban Constitution. In following years the United States used the amendment
several times to send troops to maintain or place friendly governments in power and to protect investments. The
amendment was abrogated in 1934.
Whereas the Congress of the United States of America, by an Act approved March 2, 1901, provided as follows:Provided
further, That in fulfillment of the declaration contained in the joint resolution approved April twentieth, eighteen hundred
and ninety-eight, entitled "For the recognition of the independence of the people of Cuba, demanding that the
Government of Spain relinquish its authority and government in the island of Cuba, and withdraw its land and naval
forces from Cuba and Cuban waters, and directing the President of the United States to use the land and naval forces of
the United States to carry these resolutions into effect," the President is hereby authorized to "leave the government and
control of the island of Cuba to its people" so soon as a government shall have been established in said island under a
constitution which, either as a part thereof or in an ordinance appended thereto, shall define the future relations of the
United States with Cuba, substantially as follows:"I.-That the government of Cuba shall never enter into any treaty or
other compact with any foreign power or powers which will impair or tend to impair the independence of Cuba, nor in any
manner authorize or permit any foreign power or powers to obtain by colonization or for military or naval purposes or
otherwise, lodgement in or control over any portion of said island.""II. That said government shall not assume or contract
any public debt, to pay the interest upon which, and to make reasonable sinking fund provision for the ultimate discharge
of which, the ordinary revenues of the island, after defraying the current expenses of government shall be
inadequate.""III. That the government of Cuba consents that the United States may exercise the right to intervene for
the preservation of Cuban independence, the maintenance of a government adequate for the protection of life, property,
and individual liberty, and for discharging the obligations with respect to Cuba imposed by the treaty of Paris on the
United States, now to be assumed and undertaken by the government of Cuba.""IV. That all Acts of the United States in
Cuba during its military occupancy thereof are ratified and validated, and all lawful rights acquired thereunder shall be
maintained and protected.""V. That the government of Cuba will execute, and as far as necessary extend, the plans
already devised or other plans to be mutually agreed upon, for the sanitation of the cities of the island, to the end that a
recurrence of epidemic and infectious diseases may be prevented, thereby assuring protection to the people and
commerce of Cuba, as well as to the commerce of the southern ports of the United States and the people residing
therein.""VI. That the Isle of Pines shall be omitted from the proposed constitutional boundaries of Cuba, the title thereto
being left to future adjustment by treaty.""VII. That to enable the United States to maintain the independenceof Cuba,
and to protect the people thereof, as well as for its own defense, the government of Cuba will sell or lease to the United
States lands necessary for coaling or naval stations at certain specified points to be agreed upon with the President of the
United States.""VIII. That by way of further assurance the government of Cuba will embody the foregoing provisions in a
permanent treaty with the United States."

Source:"The Platt Amendment," in Treaties and Other International Agreements of the United States of America, 1776-
1949, vol. 8, ed. C.I. Bevans (Washington, D.C.: United States Government Printing Office, 197 1), pp. 1116-17.

Das Platt Amendment wurde am 2. März 1901 vom Kongress der Vereinigten Staaten beschlossen, ursprünglich als Ergänzung
zum Armeehaushaltsgesetz der USA. US-Verteidigungsminister Elihu Root hatte die Ergänzung ausgearbeitet; benannt wurde sie
nach Senator Orville H. Platt aus Connecticut, der sie dem US-Senat vorlegte. Das Platt Amendment sollte die Bedingungen für
den Rückzug der amerikanischen Truppen aus Kuba und die kubanisch-amerikanischen Beziehungen regeln, nachdem Kuba 1898
im Spanisch-Amerikanischen Krieg von den Vereinigten Staaten besetzt worden war.
Auf Druck der US-Regierung wurde das Platt Amendment als Zusatz (englisch amendment; spanisch enmienda) in die Verfassung
Kubas aufgenommen. Die konstituierende Versammlung Kubas lehnte in der ersten Abstimmung das Platt Amendment mit 24:2
Stimmen ab. Nach einem Besuch in Washington ergab die Abstimmung einer geänderten Interpretation des Vertrages immerhin
15:14 Stimmen. Erst die dritte Abstimmung am 12. Juni 1901 ergab 16:11 Stimmen für die ursprüngliche Fassung, nachdem die
USA gedroht hatten, Kuba solange besetzt zu halten, bis eine Regierung das Platt Amendment annehme.
Der Zusatz wurde 1903/04 in einem Vertrag zwischen den Vereinigten Staaten und Kuba verifiziert. Kernpunkt ist „das Recht der
USA, in Kuba, zur Wahrung der kubanischen Unabhängigkeit, zur Erhaltung der Regierung, die den Schutz des Lebens,
Eigentums und der individuellen Freiheit garantiert, zu intervenieren“. (Artikel III) Außerdem legt das Platt Amendment in Artikel
VII das Recht der USA fest, Landstrecken von Kuba „zu kaufen oder zu pachten“ und als Marinestützpunkte zu nutzen.
Tatsächlich intervenierten die Vereinigten Staaten mehrfach in der kubanischen Geschichte, um ihre nationalen und
wirtschaftlichen Interessen zu sichern; so setzten sie beispielsweise 1934 den kubanischen Präsidenten Ramón Grau San Martín
ab.
Der Vertrag wurde im Mai 1934 im Rahmen der „Politik der guten Nachbarschaft“ (Good Neighbor Policy) des amerikanischen
Präsidenten Franklin D. Roosevelt aufgehoben, wobei Abschnitt VII, dessen Abschaffung den Bestand des amerikanischen
Marinestützpunkts Guantánamo Bay gefährdet hätte, beibehalten wurde.
(Wikipedia)
Batista – der Schrecken Kubas

Fulgencio Batista y Zaldívar war ein kubanischer Militär und Politiker. 1940 bis 1944 amtierte er als
gewählter und von 1952 bis 1958 als diktatorisch regierender Staatspräsident Kubas.

Im Jahre 1940 wurde Batista zum Präsidenten gewählt. Für die Wahlen 1944, bei denen Batista nicht mehr
persönlich antreten konnte, wurde sein amtierender Ministerpräsident ins Rennen geschickt. Es gewann
jedoch der bürgerliche Kandidat Grau. Batista zog sich vorerst aus der Politik zurück und ließ sich nach
einer Lateinamerikareise schließlich in Florida nieder.

Staatsstreich
1948 kehrte Batista in die kubanische Politik zurück. Er wurde zum Senator gewählt, hatte jedoch kaum
politischen Einfluss. Im Vorfeld der Wahlen 1952 gründete Batista eine eigene Partei, fand jedoch nicht
genügend Unterstützer in Form von Wahlbündnissen, um sich realistische Siegeschancen ausrechnen zu
können. So nahm er das Angebot von einigen Offizieren an, sich an die Spitze eines Militärputsches zu
stellen, welcher dann auch im Rahmen der Karnevalsfeiern in Havanna relativ reibungslos durchgeführt
wurde. Der mit Korruptionsvorwürfen traktierte amtierende Präsident Prío flüchtete über Mexiko in die
USA.

Ein Versuch, einen Generalstreik auszurufen wurde im Keim unterdrückt. Es wurde jedoch niemand
verhaftet oder getötet. Die Verfassung wurde kurzfristig außer Kraft gesetzt und der Kongress beurlaubt.

Im November 1954 ließ Batista Wahlen durchführen, die er nach Meinung von Beobachtern
möglicherweise sogar hätte gewinnen können. Sie wurden jedoch von der Opposition weitgehend
boykottiert und zusätzlich von Batista manipuliert und gerieten damit zur Farce.
Unter der Diktatur Batistas und seines Geheimdienstes wurden nach Angaben der Castro-Regierung ca.
20.000, nach anderen Quellen ca. 2.000 Menschen, oft nach schweren Folterungen, ermordet. Viele der
Leichen wurden aus fahrenden Autos auf die Straße geworfen, um die Bevölkerung abzuschrecken. Batista
begründete seinen Staatsstreich mit dem Kampf gegen Korruption. Demonstrationen und Streiks wurden
verboten, jedoch herrschte weiterhin eine weitgehende Pressefreiheit.

Sturz durch die kubanische Revolution und das Exil


Der Widerstand gegen Batista wuchs besonders nach dem missglückten Sturm der Gruppe um Fidel Castro
auf die Moncada-Kaserne in Santiago de Cuba 1953, der eigentlich als Fanal für einen Volksaufstand
gedacht war. Die Bewegung gegen Batista erfasste zunehmend alle Gesellschaftsschichten. Die USA
verhängten – abweichend von ihrer vorherigen Politik – 1958 ein Waffenembargo.
Nach dem letzten erfolgreichen Kampf der Revolutionäre am 31. Dezember 1958 mit dem Fall der Stadt
Santa Clara floh Batista am 1. Januar 1959 mit einigen Gefolgsleuten in die Dominikanische Republik, im
Gepäck rund 40 Millionen Dollar in bar, und fand später sein dauerhaftes Exil in Portugal und Spanien, wo
er 1973 an der Costa del Sol an einem Herzinfarkt verstarb.

Lebensdaten von Flugencio Batista


* 16. Januar 1901 in Kuba; U 6. August 1973 in Spanien

Regierungsdaten
1940 – 1944 gewählter Präsident
1952 – 1958 Diktator
Die Bewegung des 26. Juli

Ein Motiv, welches in Kuba allgegenwärtig ist, aber auch bei uns in Zusammenhang mit der
kubanischen Revolution immer wieder auftaucht, ist die Fahne mit der weißen 26 auf rot-schwarzem
Untergrund. Die Geschichte der Bewegung des 26. Juli ist zugleich die Geschichte des revolutionären
Kampfes, der am 1. Januar 1959 siegreich endete und eine neue Zeitrechnung einleitete.

Fahne El Movimiento 26 de Julio


(M-26-7) Schuldschein der Bewegung “M-26-7″. Mit solchen
Anleihen wurden Mittel für den revolutionären Kampf
zusammengetragen.

Im März 1952 riss der Ex-General Fulgencio Batista mit einem Putsch kurz vor dem nationalen Wahltermin
die Macht an sich. Batista hatte bereits von 1934-40 als Diktator und von 1940-44 als nach “freien Wahlen”
ernannter Präsident auf Kuba regiert. Seinem Coup folgte die Absage der Wahl, bei der eine fortschrittlich
orientierte Reformbewegung, die Orthodoxe Partei, als Favorit galt. Durch ihren möglichen Wahlsieg
fühlten sich gesellschaftliche Kreise bedroht, die eng mit US-amerikanischen Wirtschaftsinteressen
verbunden waren. Diese Vorgänge verstärkten die Unzufriedenheit mit der politischen Situation auf Kuba
über die Grenzen aller gesellschaftlichen Schichten hinweg.

Fidel Castro, ein junger Rechtsanwalt, war Teil der wachsenden Oppositionsbewegung. Er hatte sich bereits
als studentischer Aktivist, als Mitglied der orthodoxen Jugendorganisation und als sozial engagierter
Anwalt eine gewisse Bekanntheit erworben. Unter seiner Planung und Führung erfolgte am 26. Juli 1953 in
der zweitgrößten Stadt des Landes, Santiago de Cuba, ein bewaffneter Angriff auf die Moncada-Kaserne.
Ziel der Aktion war es, die dort lagernden Waffen zu übernehmen und an die Bevölkerung der Stadt zu
verteilen, um einen Volksaufstand einzuleiten. Aufgrund ungünstiger Umstände und der Unerfahrenheit der
meist jungen Angreifer schlug der Angriff fehl. Viele von ihnen wurden gefangengenommen, gefoltert und
ermordet. Fidel Castro, sein Bruder Raúl und einige weitere Mitkämpfer, die zunächst aus der Stadt
flüchten konnten, wurden später gefasst und vor Gericht gestellt. Vor dem nicht öffentlich tagenden Gericht
hielt Fidel Castro seine berühmt gewordene Verteidigungsrede “Die Geschichte wird mich freisprechen”,
die später im Gefängnis rekonstruiert und, in Fragmenten hinausgeschmuggelt, von seinen Anhängern
gedruckt und verbreitet wurde. Sie wurde der Auslöser für eine Amnestiebewegung, auf deren Druck die
Gefangenen nach weniger als zwei Jahren Haft entlassen wurden. Die Revolutionäre gingen nach Mexiko,
bereiteten eine Invasion vor und kehrten im Dezember 1956 mit der Yacht “Granma” zurück. Der 1. Januar
1959 gilt als Tag des Sieges der Revolution.

Die politische Bewegung, die Fidel Castro noch in Mexiko ins Leben rief, wurde nach dem Datum des
Angriffs auf die Moncada “Bewegung des 26. Juli” oder verkürzt “M-26-7″ genannt. Sie war von Anfang
an nicht als politische Partei konzipiert, sondern sollte als breite Bewegung alle diejenigen einschließen, die
unabhängig von ihrer politischen Ausrichtung die Diktatur stürzen wollten. In Kuba breitete sie sich im
Untergrund über das ganze Land aus und unterstützte den bewaffneten Kampf des Rebellenheeres. Sie ging
später in der neu formierten Kommunistischen Partei Kubas auf.
16.10.1953, Santiago de Cuba: Die historische Verteidungsrede »Die Geschichte wird mich
freisprechen!«

Meine Herren Richter:

(...) Als Ergebnis so vieler trüber und illegaler Machenschaften stehe ich nach dem Willen der
Herrschenden und durch die Schwäche derer, die Recht sprechen, in diesem Zimmerchen des Bürgerspitals,
um heimlich abgeurteilt zu werden, so daß niemand mich hören kann, meine Stimme erstickt wird und
niemand etwas von den Dingen erfährt, die ich sagen werde. Wozu ist eigentlich unser ehrfurchtgebietender
Justizpalast da, wo es die Herren Geschworenen ohne Zweifel viel bequemer hätten? Ich mache Sie darauf
aufmerksam, daß es nicht sehr geschickt ist, von einem Krankenhauszimmer aus Recht zu sprechen,
umgeben von Wachen mit gezogenem Bajonett, denn unsere Bevölkerung könnte daraus schließen, daß die
Justiz selber krank und gefangen ist. Ich erinnere Sie daran, daß Ihre Prozeßordnung vorschreibt, die
Verhandlung habe »mündlich und öffentlich« zu sein; man hat dem Publikum jedoch den Zutritt zu dieser
Sitzung vollkommen verwehrt. Nur zwei Rechtsgelehrte und sechs Journalisten, denen die Zensur nicht ein
Wort zur Veröffentlichung in ihren Zeitschriften freigeben wird, wurden zugelassen. Mein einziges
Publikum sind, wie ich sehe, etwa hundert Soldaten und Offiziere im Saal und in den Gängen. Dank für die
ernsthafte und liebenswürdige Aufmerksamkeit, die sie mir geschenkt haben! Hätte ich doch das ganze
Heer vor mir!
(...) Als letztes muß ich noch sagen, daß mir in meine Zelle nicht eine einzige juristische Abhandlung zum
Strafrecht gebracht werden durfte. Ich verfüge nur über dieses winzige Strafgesetzbuch, das mir eben ein
Anwalt geliehen hat, der mutige Verteidiger meiner Gefährten: Doktor Baudilio Castellanos. Ebenfalls
wurde verboten, daß die Werke Martís in meine Hände gelangten; die Gefängniszensur hat sie wohl für zu
umstürzlerisch gehalten. Oder war sie dagegen, weil ich gesagt habe, Marti sei der geistige Vater des 26.
Juli? Außerdem verhinderte man, daß irgendein Nachschlagewerk über andere Materien in diesem Prozeß
verwendet werden konnte.
Das ist absolut unwichtig! Ich trage die Lehren des Meisters im Herzen, und im Kopf die edlen Gedanken
aller Menschen, die die Freiheit der Völker verteidigt haben. Nur um eins bitte ich das Gericht, und ich
hoffe, daß es mir gestattet wird als Ausgleich für die vielen Ordnungswidrigkeiten und Verstöße, die ich als
Angeklagter ohne jeden Rechtsschutz habe erdulden müssen: daß mein Recht, mich völlig frei ausdrücken
zu dürfen, respektiert wird. (...) Meine Herren Richter: weshalb dieses Interesse daran, daß ich schweige?
Weshalb verzichtet man sogar auf jede Art von Begründungen, um mir kein Ziel zu liefern, auf das ich die
Angriffe meiner Argumente richten könnte? Gibt es vielleicht überhaupt keine juristische, moralische und
politische Basis für eine ernsthafte Diskussion? Fürchtet man die Wahrheit so sehr? Möchte man, daß auch
ich nur zwei Minuten 3 rede und also hier die Punkte nicht berühre, die gewissen Leuten seit dem 26. Juli
den Schlaf rauben? (...) (I)n diesem Prozeß geht es um mehr als nur um die Freiheit eines Individuums: hier
wird um fundamentale Fragen gestritten, es wird über das Recht des Menschen, frei zu sein, zu Gericht
gesessen, wir kämpfen um die Grundlagen unserer Existenz als freie und demokratische Nation. Wenn ich
schließe, möchte ich mir nicht vorwerfen müssen, ein Prinzip nicht verteidigt, eine Wahrheit nicht
ausgesprochen, ein Verbrechen nicht angeklagt zu haben.
(...) Wer hat ihm gesagt, daß wir einen Aufstand gegen die verfassungsmäßige Staatsgewalt verursacht
haben? Zwei Dinge springen ins Auge, Zunächst einmal ist die Diktatur, die die Nation unterdrückt, keine
verfassungsmäßige, sondern eine verfassungswidrige Macht; sie wurde gegen die Verfassung, über die
Verfassung hinweg eingeführt, sie ist eine Vergewaltigung der legitimen Verfassung der Republik. Eine
legitime Verfassung ist die, die direkt vom souveränen Volk ausgeht.
(...) Es ist mit großem Nachdruck von der Regierung immer wieder betont worden, daß das Volk unserer
Bewegung nicht geholfen hat. Ich habe niemals eine so naive und zugleich so böswillige Behauptung
gehört. (...) (W)ir waren sicher, daß wir auf das Volk rechnen konnten. Wenn wir Volk sagen, meinen wir
nicht die etablierten und konservativen Schichten der Nation, denen jede Art von Unterdrückung, jede
Diktatur, jeder Despotismus gerade recht kommt und die sich vor dem jeweiligen Herrn verneigen, bis sie
sich die Stirn am Boden aufschlagen. Wir verstehen, wenn wir vom Kämpfen reden, unter Volk die große
unerlöste Masse, der alle Versprechungen machen und die von allen betrogen und verraten wird, die ein
besseres und würdigeres und gerechteres Vaterland ersehnt (...).
Cuba könnte das Dreifache seiner jetzigen Bevölkerung wunderbar ernähren, es gibt keinen Grund dafür,
daß seine Bewohner im Elend leben müssen. Die Märkte müßten von Produkten überquellen; die
Speisekammern in den Häusern müßten voll sein; alle Arme könnten arbeiten und produzieren. Nein, das
ist nicht unbegreiflich. Unbegreiflich ist, daß es Menschen gibt, die sich hungrig schlafen legen, solange es
noch eine Handvoll unbebautes Land gibt; unbegreiflich ist, daß Kinder ohne ärztliche Hilfe sterben, daß
dreißig Prozent unserer Landbevölkerung nicht ihren Namen schreiben kann und neunundneunzig Prozent
nichts von kubanischer Geschichte weiß; unbegreiflich ist, daß die meisten Familien auf dem Lande unter
schlechteren Bedingungen leben als die Indianer, die Columbus traf, als er das schönste Land entdeckte, das
Menschenaugen je gesehen haben. [...]
Verurteilt mich; das hat nichts zu bedeuten; die Geschichte wird mich freisprechen.