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www.soziologie-heute.at ISSN 2070-4674 3.

JAHRGANG HEFT 9 FEBRUAR 2010 Euro 5,30

soziologie heute
Februar 2010 soziologie heute

das erste populärwissenschaftliche Fachmagazin für Soziologie im deutschsprachigen Raum

Soziologie der Freimaurerei


Interview mit dem Soziologen und Freimaurer Peter Stiegnitz

Erfolgsfaktor Sinn
Auswege aus schwierigen Zeiten - Bernd Vonhoff im Interview

Schulheimat für Migrantenkinder!?


“Ich kann das Wort Integration nicht mehr hören!”

NPO-Challenges 2009
Chancen und Herausforderungen für Non-Profit-Organisationen

Archetypen der Führung


Warum Mose für Manager ein Vorbild sein kann

Michel Foucault
und der Wahn im Zeitalter der Vernunft
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NEU: I n t e r v i e w - S e r i e (Seite 14-15)


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„Soziologie als Beruf(ung)” mit Christine Schwarz


K
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Bertrand de Billy,
Chefdirigent und künstle-
rischer Leiter des ORF RSO
Wien widmet das Konzert
am 16. Februar 2010 im
Wiener Konzerthaus der
Kinder-Krebs-Hilfe

Bertrand de Billy, seit September 2002


Chefdirigent und künstlerischer Leiter
des RSO Wien, gehört heute zu den meist
gefragten Dirigenten der internationalen
Opern- und Konzertszene. Er wurde in Pa-
ris geboren, erhielt dort seine Ausbildung
und arbeitete zunächst als Orchestermu-
siker, sehr bald aber auch als Dirigent mit
verschiedenen Orchestern seiner Heimat-
stadt.

Mit dem Konzert im Wiener Konzerthaus


wird die Elterninitiative Kinder-Krebs-Hil-
fe unterstützt, die Menschen in besonders
belastenden Situationen Hilfe anbietet.

Eines von vielen Projekten ist der Externe


Onkologische Pflegedienst kurz EOP ge-
nannt, er bietet medizinische Betreuung
der kleinen Patienten in der gewohnten
Umgebung, ohne Trennung von Eltern und
Geschwistern.
Drei von vier Kindern, die an Krebs er-
kranken, haben gute Chancen zu überle-
ben. Leider ist es für einen kleinen Teil der
PatientInnen nicht möglich wieder gesund
zu werden, deshalb wurde der EOP in spe-
ziellen Kursen für eine Palliativbetreuung
ausgebildet.

Helfen Sie mit einem Besuch des Kon-


zertes, dessen Erlös zur Gänze den Pro-
jekten der Elterninitiative Kinder-Krebs-
Hilfe zu Gute kommt.
Februar 2010 soziologie heute 3

Editorial
Werte Leserin, werter Leser,
Mit der Februarausgabe von soziologie heute startet unser Magazin in den dritten Jahr-
gang. Die zahlreichen Mails und Zuschriften - nicht nur aus dem deutschsprachigen
Raum - zeigen uns, dass der „soziologische Virus“ im positiven Sinn hochgradig anste-
ckend ist. Durch die Auswahl der jeweiligen Beiträge möchten wir unsere Leserinnen und
Leser auf die Vielfalt gesellschaftlicher Phänomene aufmerksam machen und ermutigen,
die vor uns allen liegenden Herausforderungen mit teils bewährten, teils neuen Metho-
den zu bewältigen.

Dieses Mal versucht soziologie heute, einem organisationssoziologischen Phänomen -


der Freimaurerei - nachzugehen und interviewt hierzu den Soziologen und Freimaurer
Peter Stiegnitz. Sinn erfüllt in unserem Alltag eine wichtige stabilisierende Funktion. Dem
Sinn als Erfolgsfaktor ist Uwe Lammers im Interview mit dem Soziologen und Buchautor
Bernd Vonhoff auf der Spur.

Christine Schwarz, vielversprechende Soziologie-Studentin an der Universität Linz verstärkt


unser Team mit einer neuen Interview-Serie. In „Soziologie als Beruf(ung)“ geht Sie der
Frage nach, in welchen Bereichen einstige Soziologie-AbsolventInnen tätig werden. Der
Soziologe Hans Högl widmet seinen Beitrag den Migrantenkindern und bringt interessan-
te und aufschlussreiche Auszüge einer deskriptiven Fall-Studie an einer Wiener Schule.
Warum Mose für Manager ein Vorbild sein kann und welche Leitplanken Manager in der
Bibel vorfinden, darauf gehen Claudius Rosenthal und Matthias Schreiber in Ihrem Beitrag ein.
Breiter Raum wird auch der Markt- und Meinungsforschung gewidmet. Im Beitrag „NPO-
Challenges 2009“ werden die aktuellen Spendenmarktdaten kurz dargestellt und die der-
zeitigen und künftigen Herausforderungen für Non-Profit-Organisationen hinterfragt. In
der Folge haben wir für Sie die unseres Erachtens nach wichtigsten und interessantesten
privaten Markt- und Meinungsforschungsinstitute aus dem deutschsprachigen Raum
ausgewählt. Ein Besuch auf deren Homepages zahlt sich bestimmt aus.
-
O Einer, der frühzeitig auf unsere „moderne“ Überwachungsgesellschaft hinwies, war Mi-
t chel Foucault. Alfred Rammer hebt in seinem Artikel die wichtigsten Stationen und Werke
m
r Foucaults hervor und René Krempkow schließlich präsentiert eine Studie zu Berufserfolgs-
Determinanten von HochschulabsolventInnen.

Last not least finden Sie in diesem Heft wieder den bewährten „Public Observer“. Der
Mediensoziologe Bernhard Martin nimmt mit spitzer Feder die Staats- und Verwaltungsre-
2 form ins Korn. Und mit „Soziologie morgen“ eröffnet Hugo Bachinsky ein offenes Diskussi-
r onsforum.
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n
- Viel Lesevergnügen wünscht
g
- Ihre soziologie heute - Redaktion
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-
soziologie heute ist das erste und bislang einzige populärwissenschaftliche Magazin für Soziologie im deutsch-
sprachigen Raum.
s
soziologie heute informiert zweimonatlich über sozialwissenschaftliche Erkenntnisse, analysiert aktuelle ge-
-
sellschaftliche Entwicklungen und bereitet die behandelten Themen auch für Laien verständlich auf.
s
soziologie heute richtet sich vor allem an bildungsorientierte LeserInnen, welche gesellschaftliche Vorgänge
und Phänomene hinterfragen wollen, mit Studium, Lehre oder Forschung konfrontiert sind und als Mei-
nungsführer oder kritische Konsumenten auftreten. Dazu zählen neben StudentInnen der Sozial-, Kultur- und
e
Geisteswissenschaften vor allem auch PädagogInnen im Schul- und Erwachsenenbildungsbereich, Menschen
-
in Sozial- und Gesundheitsberufen sowie die in diesen Bereichen tätigen Institutionen und Organisationen.
g
Ein besonderes Anliegen ist dem Herausgeber die Pflege des Kontaktes mit den Nachbardisziplinen. Aus die-
n
sem Grund wird soziologie heute auch immer wieder Ausflüge in Bereiche der Kulturwissenschaft, Ethnolo-
d
gie, Verhaltensforschung, Psychologie, Psychoanalyse, Politologie, Geschichte, Wirtschaftswissenschaft usw.
wagen - um einfach aufzuzeigen, dass die Soziologie letztlich ein Sammelbecken ist, in dem Erkenntnisse aller
-
Wissenschaften vom Menschen zusammenfließen.
-
soziologie heute präsentiert Themen, welche uns Menschen als Mitglieder einer Gesellschaft im Wandel bewe-
r
gen. In Interviews erläutern führende ExpertInnen ihre Sichtweise, in Reportagen wird aktuellen Ereignissen
d
und möglichen Entwicklungen nachgegangen und die Markt- und Meinungsforschung präsentiert die neues-
-
ten Untersuchungen. Besonderer Raum wird den Klassikern der Soziologie gewidmet. Hier erfahren Sie alles
g
über die Wegbereiter dieser relativ jungen Wissenschaft. Darüber hinaus widmen sich spezielle Rubriken den
neuesten Publikationen, Veranstaltungen und erläutern Fachbegriffe.
soziologie heute ist allerdings auch ein Medium, welches - ganz im Sinne dieser interdisziplinären Wissenschaft
- vernetzen will. Im Kleinanzeiger haben Sie die Möglichkeit, auf Ihre Produkte, Dienstleistungen oder Treffen
-
aufmerksam zu machen. Hier können Sie auch Kontakte knüpfen oder neue MitarbeiterInnen gewinnen.
-
Mit soziologie heute begeben Sie sich auf die wohl spannendste Reise der Welt: Entdecken Sie mit uns die
-
Gesellschaft.
4 soziologie heute Februar 2010

Inhalt

Interview
Soziologie der Freimaurerei 6
Peter Stiegnitz im Interview
Foto: Jens Rusch, wikipedia. Bronzeplastik „Erster Grad” 2006.

Erfolgsfaktor „Sinn” 10
Bernd Vonhoff im Interview mit Uwe Lammers
Foto: Kathi Petras

Soziologie als Beruf(ung)?! 14


die unergründlichen Weiten der Praxisfelder
Christine Schwarz lädt zum Interview
Foto: Chr. Schwarz, privat

Reportage
Schulheimat für Migrantenkinder 16
„Ich kann das Wort Integration nicht mehr hören!”
von Hans Högl
Foto: Hans Högl

Archetypen der Führung 20


Warum Mose für Manager ein Vorbild sein kann
von Claudius Rosenthal und Matthias Schreiber
Bild: wikimedia commons - Ribera, José de (1638)

Markt- und
Meinungsforschung
NPO-Challenges 2009 24
Chancen und Herausforderungen für Non-Profit-Organisationen
von Bernhard Hofer
CO2-Emissionen im Alltagsverkehr unter der Lupe 28
Türen öffnen für ein besseres Verständnis 29
Die interessantesten Markt- und Meinungsforschungs- 30
institute in Deutschland, Österreich und der Schweiz

Aufgeschnappt
Multikulturelle Schule 32
Der österreichisch-russische Kulturverein „Trojka”
Foto:Verein Trojka

Klassiker
Michel Foucault 34
und der Wahn im Zeitalter der Vernunft Foto: Archiv
Februar 2010 soziologie heute 5

Soziologie weltweit
Phänomen Arbeitsstress in der Freizeit - Zuwanderer sollen sich an- 36
passen - Nicht alle atmen die gleiche Luft - Einzelne Wissensengel
helfen dem ganzen Unternehmen - Bildung bis ins hohe Alter

Foto: Stephanie Hofschlaeger, pixelio

Neues aus der Forschung


Schwerhörigkeit - eine Zukunftsplage? 38
von Karin Kirschhofer
Foto: A.-Reinkober, pixelio

Was haben sie, was ich nicht hab‘? 40


Erfolgsdeterminanten von HochschulabsolventInnen
von René Krempkow
Grafik: René Krempkow
- _________________________________________________
Leserbriefe 42

Buchvorstellungen 44

Veranstaltungen 45

Ihr Kleinanzeiger 46

Sonderbeiträge
SOZIOLOGIE MORGEN: 23
Beobachten oder Mitgestalten? (H. Bachinsky)

PUBLIC OBSERVER. 43 Foto: Ralph Stahl, pixelio


Am Ende der Staat - oder der Staat am Ende? (B. Martin)

Foto: B. Martin, privat

IMPRESSUM
Medieninhaber und Herausgeber: i-trans Gesellschaft für Wissenstransfer, A-4040 Linz, Aubrunnerweg 1,
Tel.: 0043 (0)732 254024, Fax: 0043 (0)732 254137, Mail: office@soziologie-heute.at, ZVR: 286123776.
Redaktion: Dr. Claudia Pass, Dr. Bernhard Hofer, Dr. Alfred Rammer; Mail: redaktion@soziologie-heute.at.
An der Ausgabe haben mitgewirkt: Peter Stiegnitz, Bernd Vonhoff, Uwe Lammers, Christine Schwarz, Hans Högl, Claudius Rosenthal, Matthias
Schreiber, Kulturverein Trojka, Karin Kirschhofer, René Krempkow, Bernhard Martin, H. Bachinsky.
Layout: i-trans Gesellschaft für Wissenstransfer; Fotos (Titelseite): Jens Rusch, Wikimedia Commons, Archiv. Foto (Rückseite): Archiv.
Hersteller: Easy Media GmbH, A-4020 Linz, Sandgasse 16.
Aboservice: soziologie heute - Aboservice, A-4040 Linz, Aubrunnerweg 1, Tel.: 0043 (0)732 254024, Fax: 0043 (0)732 254137, Mail:office@soziologie-heute.at.
Erscheinungsweise: 6x jährlich Auflage: 5.000 Stück vorzugsweises Verbreitungsgebiet: Deutschland, Österreich, Schweiz.
Blattlinie: soziologie heute versteht sich als populärwissenschaftliches Informationsmedium mit dem Ziel, gesellschaftliche Entwicklungen und
Herausforderungen darzustellen und zu analysieren. soziologie heute ist parteiunabhängig und tritt für demokratische Grundrechte und Werte
ein. soziologie heute bekennt sich zu den Grundsätzen der sozialen Gerechtigkeit bei Aufrechterhaltung der Eigenverantwortlichkeit des Staats-
bürgers, zu den Grundsätzen der sozialen Marktwirtschaft, zur freien unternehmerischen Initiative und zum Leistungswettbewerb. soziologie
heute tritt für die Wahrung der Menschenrechte und für die Grundfreiheiten ein - wo immer diese auch bedroht sein mögen.
6 soziologie heute Februar 2010

Soziologie der
Freimaurerei Peter Stiegnitz im Interview

Foto: Wapedia, Initiation eines Suchenden in die Freimaurerei, 1805.

Mit der Freimaurerei wird seit Jahrhunderten die Vorstellung von Geheimgesellschaft,
von mystischen Symbolen und Riten sowie die Annahme einer Weltverschwörung ver-
bunden.
soziologie heute versucht, diesem organisationssoziologischem Phänomen nachzugehen
und interviewt dazu den Soziologen und Freimaurer Peter Stiegnitz.
Februar 2010 soziologie heute 7

soziologie heute: Herr Stiegnitz, mit soziologie heute: Zum allgemeinen künfte die (christliche) Bibel stellen,
dem Freimaurertum verbindet die Vorurteil gegen die Freimaurerei akzeptieren wir keine Atheisten, weil
Öffentlichkeit oftmals die Vorstellung (Weltverschwörung) gesellt sich auch diese extremen Materialisten den
von Mystik, von geheimen Kulten, Zei- der Vorwurf der „Verjudung“. So wird geistigen Zugang zur Freimaurerei
chen etc. bis hin zur geheimen Welt- beispielsweise vor Beginn jeder ritu- nicht finden können. Genau das un-
verschwörung. Wer bzw. was sind ellen Arbeit das Alte Testament aufge- terscheidet die „englische“ von der
Freimaurer eigentlich und was hat es schlagen und in Frankreich, aber auch „französischen“ Freimaurerei, die
mit diesen Vorstellungen auf sich? in Österreich, finden sich zahlreiche auch Atheisten aufnimmt und statt
Juden als Freimaurer wieder. der Bibel ein weißes - weil textloses
Stiegnitz: Ich darf Sie beruhigen; wir - Buch aufschlägt.
Freimaurer kennen weder Mystik, Stiegnitz: Zunächst dazu eine Klar-
noch haben wir mit geheimen Kulten stellung: Das Alte Testament ist nicht Es stimmt, dass vom Ende des 19.
etwas zu tun. Allerdings haben wir die „jüdische Bibel“, sondern der Jahrhunderts bis zur Machtergrei-
bestimmte Zeichen, die aber nur im erste Teil der „christlichen Bibel“, fung der Nationalsozialisten mehre-
Rahmen unserer Zusammenkünfte, die aus Altem und Neuen Testament re assimilierte Juden „Brüder“ wa-
die wir „Arbeit“ nennen, verwendet besteht. Die heiligen Schriften der Ju- ren. Das aus einem verständlichen
werden. Die „Weltverschwörungs- den sind die „Fünf Bücher Mose“, die Grund: Bedingt durch den grossen
theorien“ sind uralt und sie stim- „Schriften“ und die „Propheten“. Die politischen Einfluss der katholischen
men überhaupt nicht. Unsere ge- so genannte „reguläre“ Freimaurerei, Kirche konnten liberale und konser-
sellschaftspolitischen Ziele heissen also die Logen und Großlogen, die in vativ eingestellte Juden nur in den
„Toleranz“, „Humanität“ und – nach einem gegenseitigen Anerkennungs- Logen eine „geistige Heimat“ finden.
innen gewandt – die Selbsterziehung verhältnis zur Großloge von England Ähnlich ist die Situation in Frank-
unserer Mitglieder im Sinne der allge- stehen, heissen „Johannislogen“, reich. Von einer „Verjudung“ kann
meinen Menschenrechte und eines benannt nach Johannes dem Täufer. man schon im Hinblick der so ge-
ethischen Verhaltens. Wir betrach- Wir nennen uns Johannislogen, weil nannten „christlichen Freimaurerei“,
ten uns als „Kinder der Aufklärung“, Johannes der Täufer der Schutzpat- wie das auch heute in Skandinavien
die nicht bereit sind, Menschen nach ron der alten Maurer und Steinmet- der Fall ist, nicht sprechen.
ihrer Rasse oder Religion, nach ih- ze war. Aus diesem Grund wird vor
rer Herkunft zu beurteilen. Auch die jeder „Arbeit“ die Bibel und zwar im soziologie heute: Mit Ihrem Buch
parteipolitische Einstellung unserer Bereiche des Neuen Testaments bei „Gott ohne Kirche. Religion und Frei-
„Brüder“, wie wir unsere Mitglieder Vers 1 des Evangeliums nach Johan- maurerei“ greifen Sie ein Thema auf,
nennen, spielt bei uns keine Rolle, nes aufgeschlagen. welches in der Geschichte oftmals
soweit sich diese im „Verfassungs- Ich erwähnte bereits, dass wir weder umstritten war: das Verhältnis zwi-
rahmen“ bewegt, also im Sinne der die parteipolitische noch die kon- schen Kirche und Freimaurerei. Hat
Demokratie. fessionelle Zugehörigkeit unserer die Kirche resp. die Religion über-
Seit der Gründung der Großloge von Mitglieder kennen. Da wir jedoch in haupt einen Platz in der humanis-
England (1717) heißt es: Nur ein den Mittelpunkt unserer Zusammen- tisch geprägten Freimaurerei?
„freier Mann von gutem Ruf“ kann
Freimaurer werden. „Frei“ bedeutet
heute: „frei wozu“, wie das Alexan-
der Giese in seinem Buch „Die Frei-
maurer“ schrieb: „Der Mann, der
Freimaurer werden will, sollte frei
sein von Vorurteilen und Aggressio-
nen, innerlich frei, sich zu einer Ge-
meinschaft zu bekennen, ohne seine
Persönlichkeit aufzugeben.“
Innerhalb der freimaurerischen Or-
ganisationen kennen wir nur zwei Ta-
buthemen: Eine parteipolitische und
eine konfessionelle Wertung und die
damit verbundenen Auseinanderset-
zungen. Mit gesellschaftspolitischen
und religionssoziologischen Fragen
beschäftigen wir uns schon, doch
immer nur im objektiven Rahmen.
Eines unserer wichtigsten Themen,
wie das unser Großmeister Nikolaus
Schwärzler bereits öfters und in al-
ler Öffentlichkeit betonte, sind die
Menschenrechte. Für uns sind die
UN-Erklärungen der „Allgemeinen
Menschenrechte“ bindend.
8 soziologie heute Februar 2010

Stiegnitz: Unsere Grundsätze, auch


Geschichte der Freimaurerei das erwähnte ich bereits, orientieren
sich an den Zielsetzungen von Tole-
Die nachweisbaren Ursprünge der heutigen Freimaurerei reichen in die Zeit der ranz, Humanität und Menschenrech-
operativen Werkmaurer zurück; diese waren keine einfachen Handwerker, sondern ten und dienen der freien geistigen
übten die hohe Kunst des aus der Antike stammenden Bauwesens aus. Der römi- Entfaltung der Menschen; ganz im
sche Architekt und Philosoph Vitruvius (1. Jahr. V.Chr.) schuf die „Prinzipien der Sinne der Aufklärung, so wie es auch
Architektur“, demnach der Architekt nicht nur die notwendigen technischen Fä- Immanuel Kant formulierte.
higkeiten und Fertigkeiten besitzen, sondern sich auch in Philosophie und in mög-
lichst vielen Kunstarten auskennen muss. soziologie heute: Wie unterscheidet
sich die Huntington’sche These vom
Im Gegensatz zu dieser operativen, entstand im 18. Jahrhundert die so genannte
„Kampf der Kulturen“ von der Über-
„spekulative“ Freimaurerei, die sich heute noch auf die mittelalterlichen Bauhütten
und ihre hervorragend funktionierenden Organisationen beruft. Am 24. Juni 1717 zeugung der Freimaurer?
entstand in London die erste Großloge. In diesem Jahrhundert der aufkeimenden
Aufklärung verbreitete sich die Freimaurerei in ganz Europa. Reverend James An- Stiegnitz: Freimaurer wollen nicht
derson war der Autor der heute noch gültigen „Alten Pflichten“ (1723), die das kämpfen, sondern überzeugen, ver-
grundsätzliche Leben in den Logen bestimmen. 1738 entstand dann die zweite Aus- mitteln, erst recht zwischen den Kul-
gabe, wo die allgemeinen Pflichten näher erläutert wurden. turen. „Kulturen“ sind nicht gleich,
ihre Unterschiede zu leugnen wäre
Günter K. Kodek behandelt in seinen beiden Büchern (Löcker-Verlag) die gesamte sinnlos. Wir vertreten die Meinung
historische Chronik der österreichischen Freimaurerei und listet auch die Mitglie- des zwischenmenschlichen und in-
der der Wiener Logen (1869-1938) auf. Demnach gibt es seit 1742 Freimaurerei im
nerkulturellen Respekts. Nur wer den
heutigen Österreich.
anderen Menschen und seine kulturel-
Kodek berichtet auch über die vier großen Perioden der heimischen Freimaurerei: len Eigenarten akzeptiert und darüber
- 1742-1793: Nach dieser Zeit ist die Freimaurerei fast 80 Jahre verboten hinaus auch respektiert, kann in einer
- 1868-1918: Innerhalb der Monarchie entstehen, damals auf ungarischem Boden, friedfertigen Gesellschaft leben; und
die so genannten „Grenzlogen“ genau das ist unser gesellschaftspoli-
- 1918-1938: Die Erste Republik lässt die Logen frei arbeiten tisches Ziel, unsere felsenfeste Über-
- Seit 1945: Die Freimaurerei kann sich in ganz Österreich frei entfalten Gegenwärtig zeugung. Allerdings: Respekt ist kei-
„arbeiten“ in rund 65 Logen ca. 3.000 Freimaurer. ne Einbahnstrasse, sondern verlangt
Im Jahre 1930 erhielt die damalige Großloge von Wien die Anerkennung der Groß- stets eine optimale Gegenseitigkeit.
loge von England, die heute noch ihre Gültigkeit besitzt.
soziologie heute: In Ihrem Buch sch-
reiben Sie u. a., dass die Freimaurer
Stiegnitz: Die Religion, wie ich das den Bund verdammt, verfolgt, in ihm zwar die Toleranz auf ihre Fahnen ge-
bereits erwähnt habe, spielt in der die Katholiken unter ihnen exkom- heftet haben und behaupten, frei von
Freimaurerei, im Gegensatz zu den muniziert.“ Dogmen zu sein, allerdings dulden sie
Konfessionen, eine nicht unwichtige keine Frauen und auch keine Atheis-
Rolle. Wir bekennen uns, wie wir es Dialoge mit der katholischen Kirche ten in ihren Logen. Wie ist dieser mo-
nennen, zum „Grossen Baumeister gab es in den letzten Jahrzehnten ralische Widerspruch – insbesondere
aller Welten“. mehrmals, so auch zwischen Dr. Kurt aus Ihren Augen als Soziologe - zu ver-
Das Verhältnis zwischen der katho- Baresch und Kardinal Dr. Franz Kö- stehen?
lischen Kirche und der Freimaurerei nig. So 1970 wurden in einer „Erklä-
war seitens der Kirche stets Problem rung in Lichtenau“ (Oberösterreich) Stiegnitz: Die „Dogmen“, die ich in
beladen. Dazu darf ich erneut aus Konfliktlösungen angeboten. In sei- meinem Buch erwähnt habe, bezie-
dem Buch von Alexander Giese zitie- ner Dissertation „Die katholische hen sich ausschließlich auf religiöse
ren: Seit der „Bulle ,In Eminenti` aus Kirche und die Freimaurerei“ hat der Dogmen, die wir tatsächlich nicht
dem Jahr 1738 haben die Päpste, eini- Religionssoziologe Harald Schrefler kennen und auch nie akzeptieren wür-
ge von ihnen zu wiederholten Malen, diese wechselseitige Beziehung mit den. Warum wir keine Atheisten – im
Hilfe zahlreicher Dokumente penibel Gegensatz zu den Agnostikern – in
genau aufgelistet. Gleichzeitig darf unseren Bund aufnehmen, das durfte
ich aus dem Vorwort von Michael ich bereits ausführen. Wenn jemand,
Foto: Jens Rusch, wikipedia. Bronzeplastik „Erster Grad” 2006.

Kraus zu meinem Buch „Gott ohne der den „Grossen Baumeister aller
Kirche – Religion und Freimaurerei“ Welten“, also unsere deistische Auf-
zitieren: „Religion und Freimaurerei fassung – die keine theistische ist
sind einander sehr nah, gleichzeitig - ablehnt, der würde den Zugang zur
ist es Wesensmerkmal der Freimau- Freimaurerei nie schaffen.
rerei, nicht dogmatisch und daher
nicht Religion zu sein.“ Ein anderes Thema sind die Frauen in
unserer Freimaurerei. Das aus mehre-
soziologie heute: An welchen Grund- ren Gründen. Zunächst aus Gründen
sätzen orientieren sich die Freimau- der Tradition: Die Großloge von Eng-
rer? land bestimmte bereits 1717, dass nur
Februar 2010 soziologie heute 9

werken Frauen gemeinsam mit Män-


nern. Nur: Der rituelle Rahmen unse-
rer Freimaurerei unterscheidet sich
von diesen und ähnlichen „profanen“
gesellschaftlichen Gruppen und Ge-
meinschaften. Außerdem vergessen
wir nicht, dass es auch zahlreiche
Frauenorganisationen (wie z.B. „Zon-
ta“ oder die „Soroptimistinnen“) gibt,
die wiederum keine Männer aufneh-
men.

soziologie heute: Herr Stiegnitz, Sie


selbst sind nun schon nahezu 40 Jah-
re bei den Freimaurern. Wie wird man
eigentlich Mitglied?

Original-Lithographie im Besitze von W. v. Zur WQesten


Stiegnitz: Ich bin heuer seit 40 Jahren
Freimaurer – und das „mit Leib und
Seele“. So habe ich in dieser Zeit mein
ganzes Leben auf drei „Beine“ gestell-
te: Meine Familie, meinen Beruf –als
Soziologe, Beamter und als Publizist
- und meine Zugehörigkeit zur Frei-
maurerei.
Die meisten Freimaurer waren „Su-
chende“, so nennen wir unsere Kan-
didaten, die von Freimaurern, die sie
gut und lange kennen, angesprochen
Männer Freimaurer werden können. (Alexander Giese). Unser Großmeis- werden. Dieser Freimaurer wird sein
Wir alle wissen, dass sich die Zeiten ter Nikolaus Schwärzler – und wir „Bürge“. Es gibt aber auch Männer,
seither geändert haben; nicht jedoch mit ihm – respektieren die „weibliche welche die Großloge von Österreich
die biologische und psychologische Freimaurerei“ und wissen, dass sie ge- anschreiben und mittels eines Le-
Eigenart der Geschlechter und ihre nauso ernst und überzeugt an ihren, benslaufes und einer ausführlichen
Beziehung zueinander, die unsere frei- uns durchaus ähnlichen Zielsetzun- Begründung um Aufnahme in einer
maurerische „Arbeit“ unter Umstän- gen „arbeiten“, wie wir. Vergessen wir der Logen ansuchen. Diese Männer
den negativ beeinflussen würden. Ver- nicht, dass im Leben oft verschiedene nennen wir „Suchende ohne Bürgen“,
gessen wir nicht, dass es auf der Welt, Wege zu einem gemeinsamen Ziel füh- die fast alle gute und ehrliche Absich-
auch in Österreich, auch so genannte ren. Deshalb die „Wege“ miteinander ten haben.
„Gemischtlogen“ gibt, wo Frauen und zu vermengen wäre unserer Meinung Auch ich kenne mehrere „Brüder“, die
Männer gemeinsam „arbeiten“. In nach und in Bezug auf die weibliche einst als solche „Suchende“ bei uns
anderen, rein weiblichen Logen gibt Freimaurerei nicht sinnvoll, sondern „angeklopft“ haben.
es wiederum keine Männer. „Solche vielleicht auch störend. ***
Logen benutzen ein eigenes, verän- Nicht nur in den Familien, sondern
dertes, für Frauen passendes Ritual“ auch im Berufs- und Vereinsleben

Peter Stiegnitz
Gott ohne Kirche: Religion und Freimaurerei
Eine Analyse
Verlag Edition va bene, 2003
199 Seiten
ISBN 3851671457, 9783851671452

Peter Stiegnitz, geb.1936 in Budapest, Österreicher, ehe-


maliger Ministerialrat beim Bundespressedienst, Soziologe.

Stiegnitz wurde mehrfach für seine wissenschaftlichen Ar-


beiten zur Migrationssoziologie ausgezeichnet und lehrt als
Gastprofessor an der Universität Budapest. Er ist wissen-
schaftlicher Kurator der Österreich-Sektion der Forschungs-
gesellschaft für das Weltflüchtlingsproblem.
10 soziologie heute Februar 2010

SINN
Erfolgsfaktor
Bernd Vonhoff im Interview

Sinn erfüllt in unserem Alltag eine wichtige stabilisierende Funktion. Die Fr


alltäglichen Handlungen führt zum Wissen, was einem im Leben wichtig
man langfristig befriedigen möchte, für die es sich lohnt, kurzfristige Bedür

Fast drei Viertel aller Arbeitnehmer wünschen sich eine sinnvolle beruflic
den dafür sogar Gehaltseinbußen in Kauf nehmen. Wie man gerade in wir
Zeiten als Unternehmen Erfolg haben kann, wie gruppendynamische Verstä
Unternehmenspraxis umgesetzt werden können und warum viele Fusion
lich erhofften Erfolg bringen, dies erläutert Bernd Vonhoff im Interview m
Februar 2010 soziologie heute 11

soziologie heute: Sie haben gemein- Im Gegensatz zu vielen philosophi- Es gibt also nicht einen einzigen Sinn,
sam mit dem Wiener Journalisten schen Überlegungen wird Sinn hier sondern viele. Der Sinnbegriff, wie ihn
Gerald Reischl ein Buch über den rein funktional gesehen, was die Be- die Soziologie verwendet, ist zumeist
„Erfolgsfaktor Sinn“ geschrieben. So- deutung, sich im Alltag stärker mit situtationsbezogen, kann von Person
ziologen wird oft vorgehalten, dass Sinn auseinanderzusetzen, an sich zu Person unterschiedliche Bedeutun-
sie zu praxisfern wären. Gerade beim schon hervorhebt. Wir haben des- gen haben und sich in den einzelnen
Thema „Sinn“ ist der Bezug zur Pra- halb Beispiele aus dem Arbeits- und Lebensphasen verändern. Und genau
xis vielleicht nicht für jedermann auf Lebensalltag genommen, um zu ver- hier liegt auch die Stärke eines Sinn-
den ersten Blick erkennbar. Welche anschaulichen, wie Sinn unser Han- Konstrukts, weil Menschen so immer
Wege sind Sie gegangen, um dieses deln nicht nur beeinflusst, sondern situationsadäquat reagieren können.
Vorurteil nicht zu bestätigen? sogar erst ermöglicht.
soziologie heute: Der Untertitel Ihres
Vonhoff: In diversen soziologischen Wir möchten keine philosophische Buches lautet „Die Entdeckung der
Theorien, z. B. der Systemtheorie, Suche nach „dem Sinn des Lebens“ Zufriedenheit“. Welche Rolle spielt
nimmt Sinn eine zentrale Rolle ein. anregen, sondern Leser dafür sen- Zufriedenheit in diesem Zusammen-
sibilisieren, dass wir ohne die Fä- hang?
higkeit, Sinn in unsere Handlungen
legen zu können, nicht in der Lage Vonhoff: Wir sehen die persönliche
wären, überhaupt Entscheidungen Zufriedenheit als einen wichtigen
zu treffen. Menschen können die Indikator an, der uns signalisiert, ob
immer schneller wachsende Alltags- wir auf dem richtigen Weg sind, un-
komplexität nur mit Hilfe von Sinn sere persönlichen Ziele zu erreichen.
reduzieren. Sie legen bewusst oder Wenn jemand unzufrieden ist, bedeu-
unbewusst fest, ob ein Verhalten für tet dies eigentlich nichts anderes als
sie Sinn macht oder nicht, ob etwas die Aufforderung: „Tu was, ändere
System stabilisierend oder destruk- deine Richtung!“ Es gibt Umfragen,
tiv ist. Wichtige Werte erkennen Men- die zeigen, dass annähernd zwei Drit-
schen nur als solche an, wenn sie tel der Arbeitnehmer mit ihrer Arbeit
ihnen einen Sinn zuordnen. Sinn er- unzufrieden sind. Mit der „Entde-
füllt also in unserem Alltag eine wich- ckung der Zufriedenheit“ gilt es, die-
tige stabilisierende Funktion, ist also sen Indikator wieder zu entdecken
deshalb hochgradig praxisrelevant. und für sich im Alltag zu nutzen. Er
Die Frage nach dem Sinn von alltägli- hilft einem dabei, Ziele zu definieren,
chen Handlungen führt zum Wissen, die Orientierung bieten.
was für einen im Leben wichtig ist,
welche Bedürfnisse man langfristig soziologie heute: Wir sind in der
befriedigen möchte, für die es sich größten Wirtschaftskrise seit Jahr-
lohnt, kurzfristige Bedürfnisse zu- zehnten und Sie schreiben, dass Un-
rückzustellen. ternehmen und Arbeitnehmer sich
wieder stärker an Sinn orientieren
soziologie heute: Die Soziologie sollen. Haben die Menschen nicht le-
spricht viel von sozialer Konstrukti- benswichtigere Sorgen?
on, die uns umgibt. Nehmen wir etwa
den Klassiker von Berger/Luckmann: Vonhoff: Die globale Wirtschaftskri-
„Die gesellschaftliche Konstruktion se ist sicherlich ein existenzieller
der Wirklichkeit“, der bereits 1966 er- Einschnitt, den unsere Gesellschaft
schienen ist. Auch dort wird viel über derzeit erlebt. Aber auch wenn die
Foto: Kathi Petras

Sinn gesprochen. Besteht nicht die Existenzsicherung eine elementare


Gefahr, Sinn künstlich herzustellen? Rolle in unserem Leben spielt, dür-
fen wir darüber hinaus nicht verges-
Vonhoff: Wir sehen hier keine Gefahr, sen, dass wir auch geistige, soziale
sondern gerade den Vorzug einer und kulturelle Bedürfnisse haben,
rage nach dem Sinn von Konstruktion von Sinn. Wir gehen da- die wir selbst in Krisenzeiten nicht
von aus, dass nicht nur ein einziger vernachlässigen sollten.
ist, welche Bedürfnisse Sinn existiert, der universell für alle
rfnisse zurückzustellen. Menschen gleich gilt. Vielleicht be- soziologie heute: Was bedeutet das
anspruchen einige Religionen, Sek- konkret?
che Tätigkeit. Viele wür- ten oder spirituelle Gemeinschaften
rtschaftlich schwierigen solch ein Wissen für sich, aber allein Vonhoff: Fast drei Viertel aller Ar-
die Tatsache, dass es mehrere dieser beitnehmer wünschen sich eine sinn-
ärker erzeugt und in die Zusammenschlüsse mit verschiede- volle berufliche Tätigkeit. Viele wür-
nen nicht den ursprüng- nen Ansichten über Sinn gibt, zeigt, den sogar Gehaltseinbußen in Kauf
mit soziologie heute. Sinn ist ein menschliches Konstrukt. nehmen, wenn die Arbeit ihren Nei-
12 soziologie heute Februar 2010

nehmen heute mehr denn je auf ihre ein Kostenfaktor. Sie sind eher ein
Kosten achten. Wie wollen Sie die Un- wichtiger Garant für Qualität und da-
ternehmer davon überzeugen, dass mit eine wichtige Investition für die
sie sich auch noch um die „Sinnerfül- Zukunft eines Unternehmens. Sinner-
lung“ ihrer Mitarbeiter kümmern sol- füllung und Identifikation sind gleich-
len. Für wen soll sich das rechnen? zeitig elementare Voraussetzungen
für Engagement im Unternehmen.
Vonhoff: Kosteneinsparung ist nur Und eine wichtige Voraussetzung für
auf den ersten Blick ein immer sinn- produktive und erfolgreiche Unter-
voller Aspekt wirtschaftlichen Han- nehmen sind ohne Frage engagier-
delns. Denn Kosteneinsparung allein te Mitarbeiter. Das sehen übrigens
schafft keine Potentiale für die Zu- Manager ebenso und nennen bei
kunft. Gerade Sparen muss sinnvoll Befragungen „Engagement der Mit-
erfolgen. Nicht nur für das Unter- arbeiter“ regelmäßig als wichtigen
nehmen, sondern auch für die Ge- Wettbewerbsfaktor.
sellschaft, denn diese orientiert sich
sehr wohl an dem, was Sinn macht. soziologie heute: Sie widmen ein
Deutlich wird dies an dem populären ganzes Kapitel dem Thema Verant-
Beispiel der Gammelfleischskandale, wortung. Ist die Botschaft, die da-
bei denen bereits lange abgelaufe- hinter liegt, zusammengefasst ganz
ne Waren umetikettiert und in den einfach: Jeder ist seines eigenen Glü-
Handel gebracht wurden. Es gibt ckes Schmied? Und wenn dir deine
einfach Grenzen des Kostensparens, Arbeit nicht gefällt, musst du halt
Foto: Kathi Petras

weil irgendwann die Qualität das kündigen?


Einzige ist, was eingespart werden
kann. Mitarbeiter, die vom Sinn des Vonhoff: Nein, die eigene Verantwor-
Produktes überzeugt wären, hätten tung sehen wir zwar als einen zent-
wahrscheinlich darauf geachtet, nur ralen Faktor für eine sinnerfüllte und
gungen entspräche. Untersuchungen beste Qualität zu liefen, weil es ih- zufriedenstellende Tätigkeit an. Aber
zeigen deutlich: Engagement korre- ren Arbeitsplatz langfristig gesichert sie liegt nicht ausschließlich bei der
liert nicht mit der Höhe des Gehalts, hätte. Dass immer mehr Kunden jeweils einen oder anderen Partei,
sondern mit dem Grad der Identifi- Qualität nicht um jeden Preis opfern während die andere passiv konsu-
kation mit dem Unternehmen oder wollen, zeigt auch deutlich das stei- mierendes Opfer der Situation wäre.
der Arbeit selbst. Die Arbeitnehmer gende Interesse der Nachhaltigkeits- Jeder muss zunächst selbst prüfen,
realisieren ganz deutlich: Arbeitszeit bewegungen. welche tieferen Bedürfnisse er hat,
ist Lebenszeit und auch deshalb so was ihm im Leben Sinn gibt, weil die
kostbar. Dies ist wahrscheinlich ei- Zufriedene, „sinnerfüllte“ Arbeitneh- Befriedigung dieser Bedürfnisse –
ner der Hauptgründe dafür, warum mer sind deshalb nur vordergründig wie das Wort ja schon andeutet - Zu-
bei Befragungen die Mehrzahl von
Arbeitnehmern den Wunsch nach ei-
ner sinnvollen Tätigkeit äußert.

Wenn es bei der Arbeit nur um rei-


ne Lebenserhaltung gehen würde,
könnte man nicht erklären, warum
so viele Menschen ehrenamtlich ar-
beiten. Dass Arbeit über den reinen
Broterwerb hinausgeht oder sinn-
stiftend sein kann, zeigt der hohe
Anteil an freiwillig Ehrenamtlichen.
Bis zu 40% in der Altersgruppe ab 15
Jahren verrichten in der Bundesre-
publik freiwillig Tätigkeiten, für die
sie nicht oder kaum bezahlt werden.
Sie wissen, dass sie für diese Arbeit
gebraucht werden und gebraucht zu
werden schafft Sinn. Leider wird dies
in unserer Arbeitswelt nicht mehr im-
mer gleich so deutlich. Hier ist für die
Unternehmen noch viel Potential.

soziologie heute: In der aktuellen


wirtschaftlichen Lage müssen Unter-
Februar 2010 soziologie heute 13

friedenheit schafft. Wenn dies bereits die Mitarbeiter langfristig freiwillig nikation sehr einseitig geworden.
während der Arbeit gelingt, dann ist an das Unternehmen binden, denn: Antworten werden nicht mehr abge-
Arbeitszeit keine verschwendete Sinn kann verbinden. Diese Erkennt- wartet. Man achtet seltener darauf,
Lebenszeit. Unternehmen können nis nutzen zum Beispiel ehrenamtli- was der andere zu sagen hat, um ent-
Arbeitnehmern dabei helfen, den che Organisationen, um für den Zu- sprechend wiederum darauf reagie-
Gesamtzusammenhang ihrer Tätig- sammenhalt ihrer sogar freiwilligen ren zu können.
keit und damit auch den indirekten Belegschaft zu sorgen. Warum set-
Nutzen und dahinterliegenden Sinn zen Unternehmen das so selten um? Um Sinn zu vermitteln und um Zu-
durch Kommunikation besser zu ver- Die oft angewandte Methode, über friedenheit und Engagement zu
deutlichen. Feindbilder gruppendynamische Ef- erhöhen, reicht es nicht, einseitig
fekte zu erzeugen, ist heutzutage ge- Informationen z. B. über das Intra-
soziologie heute: Verlieren die Unter- fährlich: Erst werden die Mitarbeiter net zu verbreiten. Die Erinnerung
nehmen dann aber nicht die Kontrol- gegen den Konkurrenten zusammen daran, dass Sinn dynamisch ist und
le, wenn die Mitarbeiter mehr Ver- beschworen, dann wird der Kon- sich ständig verändert, kann diesen
antwortung übernehmen? kurrent gekauft oder die Unterneh- Prozess erleichtern. Veränderungs-
men fusionieren und man soll nun maßnahmen werden von Mitarbei-
Vonhoff: Nein, eher im Gegenteil. Ich friedlich und erfolgreich nicht mehr tern nur getragen, wenn ihnen der
glaube, insbesondere vor der Wirt- gegeneinander-, sondern zusammen- Sinn dieser Maßnahmen deutlich ist
schaftskrise lebten viele Unterneh- arbeiten. Das ist einer der internen und von ihren persönlichen Zielen
men mit der Illusion der Kontrolle. Hauptgründe, warum Fusionen oder nicht zu sehr abweicht. Hier einen
Das Leben und auch die Wirtschaft Übernahmen weniger erfolgreich Konsens herzustellen kann nur die
funktioniert nicht unter kontrollier- sind als geplant. Kommunikation im Dialog bewirken,
baren, schon gar nicht unter kons- niemals ein einseitiger Informations-
tanten Randbedingungen, wie wir es soziologie heute: Wie kann dies kon- prozess. Es ist erstaunlich wie selten
manchmal in den Modellrechnungen kret in die Unternehmenspraxis um- diese einfachen Erkenntnisse heute
an der Uni lernen. Das wirkliche Le- gesetzt werden? in den Unternehmen wirklich umge-
ben ist niemals konstant. Mitarbei- setzt werden.
ter, deren Sinn ihrer Arbeit sich mit Vonhoff: Durch Kommunikation. In ***
ihren Lebenszielen deckt, reagieren den vergangenen Jahren haben vie-
verantwortungsvoller auf Unvorher- le Unternehmen zwar immer stärker
gesehenes und arbeiten automatisch ihre IT-Kommunikation ausgebaut Das Interview für soziologie heute führte Uwe
engagierter. Sie benötigen daher so- und verbessert, aber die zwischen- Lammers. Uwe Lammers ist studierter Sozialwirt
gar deutlich weniger Kontrolle. menschliche Kommunikation im und lebt als freier Journalist in Hamburg. Zu
gleichen Zug immer stärker vernach- seinen Hauptarbeitsgebieten gehören die Themen
soziologie heute: Was kann der Ein- lässigt. Durch die IT ist die Kommu- Arbeitsmarkt und Flexibilisierung der Arbeit.
zelne überhaupt in einem Unterneh-
men bewirken?

Vonhoff: Der Einzelne kann sich


umsehen, ob er GleichgeSINNte im
Unternehmen findet und kann hel-
Foto: Kathi Petras

Vonhoff, Bernd/Reischl, Gerald:


fen Sinnstrukturen aufzubauen. Die
Unternehmer müssen den Sinn ihres
Erfolgsfaktor Sinn
Die Entdeckung der Zufriedenheit
Unternehmens vermitteln können.
14,3 x 21,5 cm, 208 Seiten
soziologie heute: Sie sprechen in Verlag Carl Ueberreuter Ges.m.b.H., 2009.
ISBN: 978-3-8000-7444-0
diesem Zusammenhang davon, Un- Richtpreis: Euro 19,95; CHF: 34,80
ternehmen sollten Sinnstrukturen
implementieren. Was bedeutet dies Bernd Vonhoff
konkret? Geboren 1959. Sozialwissen-
schaftler und Geschäftsführer
einer Unternehmensberatung in
Vonhoff: Sinnstrukturen sind Kom- Hamburg (www.fsv.de). Er ana-
munikationsstrukturen, die Sinn lysiert seit über 20 Jahren Mit-
vermitteln. Zum Beispiel werden not- arbeiterkommunikation sowie
wendige Veränderungen von der Be- Ursachen für Arbeitszufriedenheit
legschaft deutlich stärker mitgetra- in Unternehmen.
gen, wenn der Sinn der Maßnahmen Gerald Reischl
transparent dargestellt wird. Geboren 1965. Studium der Pu-
blizistik und Theaterwissenschaft
Über einen gemeinschaftlich akzep- an der Universität Wien. Er ist seit
1992 Ressortleiter des »Kurier«,
tierten Sinn und über allgemein ak- Hightech-Experte des ORF und
zeptierte Ziele können gruppendyna- Autor zahlreicher Sachbücher, u.
mische Verstärker erzeugt werden, a. von »Die Google-Falle«.
14 soziologie heute Februar 2010

!?
neue Interview-Serie

Soziologie als Beruf(ung)


Die unergründlichen Weiten der Praxisfelder
von Christine Schwarz
Wo findet „angewandte Soziologie“ statt? Welche Berufe ergreifen SoziologInnen? Welchen
Aufgaben gehen sie nach? Und welche Berufsvorstellungen und -chancen haben Studierende
der Soziologie nach ihrem Abschluss?
Die folgende Interview-Serie geht diesen Fragen nach und versucht, die große Bandbreite der
Einsatzfelder für SoziologInnen darzustellen. Berufstätige SoziologInnen berichten über ihre
Arbeit, StudentInnen über ihre Berufsvorstellungen und Motivationsgründe.
Wenn auch Sie Ihren Beruf und Ihr Tätigkeitsfeld vorstellen möchten, senden Sie ein Mail an:
schwarz.christine@gmx.net

soziologie heute: Ihr habt ja schon viele Bürgerbeteiligung gemacht wird. Das war
Interview mit Mag.a Gerlinde Grubauer Projekte durchgeführt. Zum Beispiel „Ge- 1998; da war Bürgerbeteiligung noch über-
Grubauer ist gelernte Soziologin und seit 2002 müse Lust Region Eferding“; „ Förderbe- haupt nicht spruchreif.
Geschäftsführerin im Regionalentwicklungsver- reich Erneuerbare Energie“, das Projekt Aber ich bin damals ein wenig in das kom-
band Eferding (REGEF). „Jugendliche gestalten Freiräume“, oder munalpolitische Denken rein gekommen
den „Förderbereich Nahversorgung“. Das und das hat mir letztendlich sicher gehol-
sind also Sachen, wo die Leute beschlie- fen, dass ich diesen Job bekommen habe,
soziologie heute: Gerlinde, Du bist zu- ßen, das ist wichtig für uns, das wollen wir weil ich schon eine Idee hatte, worum es in
ständig für Information und Beratung, machen, und dann können sie ein Projekt den Gemeinden geht, und welche Modelle
Unterstützung von Initiativen und Pro- einreichen, und Du koordinierst es dann und Instrumente es für Bürgerbeteiligung
jektbegleitung, gibst Hilfestellung bei mit sämtlichen zuständigen Stellen. gibt.
Projektanträgen für EU-Leader-Förderun-
gen und übernimmst Prozessbegleitung. Grubauer: Genau, ich manage das Ganze. Im Soziologiestudium lernt man sehr gut
Das heißt, es geht um regionale Entwick- Man muss eigentlich sagen, dass schon die vernetzt zu denken. Denke oft an Prof. Dr.
lung und Projekte in der Region, die das regionale Strategie mit Bürgerbeteiligung Zapotoczky. Er hat uns immer gelehrt,
lokale Angebot verbessern sollen. erarbeitet und formuliert wurde. D.h. etwa dass es darum geht, Zusammenhänge zu
150 Menschen aus der Region haben sich erkennen. Und das ist in diesem Job das
Grubauer: Genau. Also, unterschied- zwei Tage Zeit genommen und bei einer Zu- Um und Auf. Ich bin eine Netzwerkerin in
lichste Projekte aus verschiedensten kunftskonferenz Gedanken gemacht, wohin der Arbeit, die immer schauen muss, was
Sektoren; aus der Landwirtschaft, dem sich ihre Heimatregion entwickeln soll. Da es in der Region gibt, wer was zu einem be-
Tourismus, Wirtschaft, Kulturprojekte; sind die Schwerpunktthemen und ersten stimmten Thema macht, wer der richtige
je nachdem was das Förderprogramm Projektideen entstanden. Gemüse, Obst, Ansprechpartner ist usw. Ich bin gefordert,
von den Richtlinien zulässt. Wenn es wo Erneuerbare Energie, Ausflugstourismus regionale Netzwerke zu knüpfen, aufrecht
eine gute Idee gibt, sei es von einem Ver- usw. Das wird jetzt umgesetzt. zu halten bzw. zu erweitern und zu ergän-
ein oder einer Privatperson, die sagt, sie zen. Und da denk ich mir, das hab ich im
möchte dieses oder jenes in der Region soziologie heute: Um auf die Soziologie Studium schon recht gut gelernt. Man lernt
machen, dann kümmere ich mich dar- umzuschwenken: Wann hast Du Dein Sozio- einfach, wie die Dinge in der Gesellschaft
um, dass das Projekt in die Wege kommt. logiestudium beendet? zusammenhängen und wie man dahinter
Also ich mach das Projektmanagement, kommt, warum das so läuft. Und das tu ich
ich achte darauf, dass wir Förderungen Grubauer: Ich bin 1999 fertig geworden. jetzt sehr oft in meinem Job. Also insofern
bekommen. In meiner Region haben sich hat es schon viel mit Soziologie zu tun.
12 Gemeinden zusammen geschlossen soziologie heute: Also sind es schon zehn
und ich habe eine regionale Strategie Jahre „soziologische Praxis“. Dein aktuel- soziologie heute: Und jetzt zurück zum Be-
umzusetzen. ler Beruf schaut auf den ersten Blick nicht ginn: Was war Dein erster Job?
sehr soziologisch aus.
soziologie heute: Und REGEF existiert Grubauer: Mein erster Job gleich nach
auf Vereinsbasis? Grubauer: Nein, auf den ersten Blick ei- dem Studium war bei einem Markt- und
gentlich gar nicht. Auf den zweiten Blick Meinungsforschungsinstitut. Da war ich
Grubauer: Richtig. Es ist aber nicht be- hilft mir das Studium.(...) Also erstens hat in der qualitativen Abteilung in der Markt-
zirksabhängig. Laut Programm ist es so, mir das Studium geholfen, dass ich den Job forschung und begann als Assistentin der
dass es immer ein gemeinsames Thema bekommen habe, weil ich Politische Sozio- Abteilungsleiterin. Ich habe da Kleingrup-
geben muss. Und da können sich auch logie gemacht habe und auch in meiner Di- pen-Diskussionen oder Tiefeninterviews
Gemeinden aus vier verschiedenen Be- plomarbeit schon über Bürgerbeteiligungs- vorbereitet und ganz viel Produktforschung
zirken theoretisch zum Thema „Obst“ modelle in Kommunen geschrieben habe. betrieben. Weniger mit Telefoninterviews,
zusammen schließen. Ich untersuchte, was in den Gemeinden an sondern wirklich Gruppendiskussionen.
Februar 2010 soziologie heute 15

Und nach zwei Jahren habe ich dann schon Kopf zusammen geschlagen, was die für
eigene Projekte bekommen und war Pro- Sachen analysiert haben! Aber damals hab
jektleiterin für gewisse Marktforschungs- ich die Interviewleitfäden geschrieben und
projekte - aber immer in der qualitativen telefoniert. Also so habe ich begonnen. Das
Abteilung. hat mir wahrscheinlich geholfen, dass ich
Gewechselt habe ich, weil ich wieder von den anderen Job bekommen habe.
Linz raus wollte, und auch, weil ich begon-
nen hatte, meine Arbeit zu bezweifeln. Auf- Beim Samariterbund bin ich für „Essen auf
stiegschancen waren nicht gegeben und Rädern“ gefahren. Das war halb ehrenamt-
der Verdienst war auch nicht sonderlich lich, halb mit Verdienst. Und da habe ich
attraktiv. So habe ich eine berufliche Ver- mit einer Kollegin eine Evaluierung ge-
änderung gesucht und eine neue Heraus- macht, was die alten Leute brauchen, und
forderung gefunden. Kosten-Nutzen-Faktoren errechnet - für das
Land. Das war meine erste größere empi-

Foto: Archiv
soziologie heute: Hast Du Dich durch das rische Arbeit. Da hab ich aber nicht viel
Studium gut vorbereitet gefühlt für diesen verdient. Und dann, die vorgeschriebenen
Job? Praktika. Ich war nie ganz fremd. Nur Kell- Regionalmanagerin Gerlinde Grubauer
nern war ich auch nicht.
Grubauer: Also ich bin da immer recht ziell mein Schwerpunkt „Politische Sozio-
unbefangen hingegangen. Das war nicht so soziologie heute: Hast Du, nachdem Du logie“ und die Diplomarbeit, wo ich mehr
ein Problem. Ich bin sowieso jemand, der mit dem Studium fertig warst, lange nach oder weniger unbewusst in eine Richtung
viel mit „learning by doing“ macht. Das Stu- einem Job gesucht? gegangen bin, die mich plötzlich zu inter-
dium ist nun mal theoretisch. Und für die essieren begonnen hat. Da bin ich hängen
Marktforschung hatte ich vorher schon Grubauer: Nein. Ich habe nur wenige Be- geblieben.
Erfahrung gehabt durch die Praktika. Auch werbungen geschrieben. Für mich war es
für den Samariterbund hatte ich eine kleine am einfachsten, in der Marktforschung zu soziologie heute: Und bist Du zufrieden?
Studie geschrieben, oder bei der Diplomar- starten, weil ich mir dachte, das kann ich Gefällt Dir Dein Beruf?
beit; (...) Auch Direktmarketing oder Tele- jetzt relativ gut. Das Handwerkszeug habe
fonmarketing - das machen eh alle Soziolo- ich. Grubauer: Ja sehr. Ich bereue keine Minute
gen irgendwann. meines Studiums. Es war extrem persön-
Beim zweiten Job war es so, dass es extre- soziologie heute: Wie glaubst Du, ist das lichkeitsbildend, und dann bekommt man
mes Neuland für alle gewesen ist, weil es zu jetzt? Hat sich da viel geändert? Haben es ja auch ein sehr breites Wissen vermittelt.
der Zeit gerade mal drei Leader-Regionen die SoziologInnen, die jetzt fertig werden, Das Fachwissen eignest Du Dir dann eh im
gegeben hat. Dann wurden es 11, also ha- schwerer? Beruf an. Also, ich würde es wieder ma-
ben acht ganz neu begonnen. Daher gab es chen. Und den Job sowieso.
auch kein Richtig oder Falsch. Ich hatte nur Grubauer: Ich glaube, das sie es nicht
ein Büro mit einem Schreibtisch im Stadt- schwerer haben. Ich glaube wirklich, dass soziologie heute: Zum Abschluss noch
amt und wusste, mach irgendwas! Ich hatte man einfach flexibel im Denken sein muss. eine Frage: Wenn Du an der Gesellschaft et-
also viel Eigenverantwortung. Soziologie ist sicher mittlerweile schon be- was ändern könntest – was wir Soziologen
kannter, und auch, was eine soziologische ja nicht tun, weil wir uns ja nicht normativ
soziologie heute: Während des Studiums Qualifikation ausmacht. Das war zu meiner äußern,...
– hast Du da Praktika gemacht? Vor allem Zeit noch nicht, und auch Du wirst dies
welche, die für das Studium relevant wa- sicher noch oft erklären müssen. Aber ein Grubauer: Eben. Genau. (lacht)
ren? bisschen mehr Bewusstsein gibt es schon,
was wir können. Und ich glaube, wenn soziologie heute: ...was würdest Du dann
Grubauer: (überlegt) Jein. Also ich hab man halbwegs flexibel ist, dann findet man tun?
ständig irgendwo gejobbt. Aber eher, da- auch einen Job. Gerade in diesen Zukunfts-
mit ich Geld verdiene. Einmal habe ich branchen. Es wird ja auch der Dienstleis- Grubauer: Ich würde an die Selbstverant-
bei einer Agentur gearbeitet, die haben tungssektor immer größer. Es entstehen wortung appellieren. Das ist mein größter
Direktmarketing und ganz einfach gestrick- permanent neue Jobs. Gerade diese Netz- Auftrag, glaub ich. Dass die Leute kapieren,
te Marktforschung betrieben. Als fertige werkfunktionen - das sind für mich klas- dass nichts selbstverständlich ist, und das
Soziologin hättest Du die Hände über dem sisch die Soziologen. Nur diese müssen ich überall meinen Beitrag dazu leisten
sich dessen bewusst sein, dass das auch muss. Vom Essen angefangen bis hin zu
ihr Berufsfeld ist. Dann sehe ich kein Prob- dem, welche Politiker uns regieren und wie
lem. Ich glaube, verabschieden müssen wir ich mit anderen Leuten umgehe.
uns ein bisschen von der Vorstellung, dass Diese Selbstverantwortung, die uns ver-
wir alle in die empirische Forschung gehen lernt worden ist, muss zurück in die Köpfe.
sollen. Immer mehr die Leute zu bedienen, damit
sie aus der Verantwortung genommen wer-
soziologie heute: Und wenn Du an das Stu- den, das geht nicht. Und das ist das, was
dium zurückdenkst: was war für die Berufe ich einfach irrsinnig gerne ändern würde.
eigentlich am Nützlichsten?
G. Grubauer:
„Die Selbstver- soziologie heute: Danke für das Interview!
antwortung, Grubauer: Also im ersten Job war es si- ***
die uns verlernt cher das „Handwerkszeug“ - die Statistik,
worden ist, muss
zurück in die die empirische Forschung... Wie werte ich
Köpfe.” Daten aus, was ist eine Korrelation? Also
diese Grund-Skills, die wir gelernt haben,
Foto: die habe ich da gebraucht. Und jetzt ist es In der nächsten Ausgabe werden ein Researcher aus der Pharma-
REGEF vielmehr das vernetzte Denken und spe- forschung und eine Studentin interviewt.
16 soziologie heute Februar 2010

!?
Schulheimat
für
Migrantenkinder
„Ich kann das Wort Integration nicht mehr hören!”
von Hans Högl

Bemühen, Gelingen und Frust, Fleiß und Überforderung werden an der Volksschule in der Treustraße
in Wien 20 (Brigittenau) spürbar. Sie ist eingebettet in ein multikulturelles, großstädtisches Umfeld.
Über 90 % dieser Schulkinder haben eine andere Muttersprache als Deutsch. Sie finden hier Auszüge
von der deskriptiven Schul-Fallstudie.

Die ministerielle Erlaubnis war dazu Leider dienen manche Gutachten heimeliger. Einzelne Schulbänke fügen
gegeben, Schulwirklichkeit anschau- und sozialwissenschaftliche Studien sich in nette Nischen ein. Hier ist der
lich-plastisch, ungeschminkt und nur als Legitimation für politische Kleingruppen-Unterricht durch Stütz-
sachgerecht darzustellen. Als ich aber Zwecke, und Kritisches dringt nicht bzw. BegleitlehrerInnen. Das Ambiente
Privatpersonen und den Stadtschul- in die Öffentlichkeit. Damit wird For- wirkt gepflegt – ordentlich.
rat von der hier kurz gefassten Studie schen zu einem Gutteil entbehrlich.
mündlich informierte und auf bekann- Die Widerstände, diese Studie zur
te massive Probleme der Integration Kenntnis zu nehmen, zeigten sich Frau Lehrerin A erklärte, warum auf
hinwies, erweckte dies Unbehagen: darin, dass sie vom Ministerium an dem Gang zu unterrichten ist:
den Stadtschulrat nicht weitergelei- „Architekten, die Schulgebäude entwer-
a) Scheuen es Ämter, öffentlich Fol- tet wurde, und letztere nur von mir fen, fehlt sehr oft der praktische Bezug:
gen der Migration zu formulieren? als Autor erfuhr. was braucht die Schule konkret. ...Unsere
Dies gilt auch für Qualitätsmedien. Schule wurde gebaut, als es in Wien kaum
b) Privatpersonen sagten: Dies wäre Dieser Beitrag fußt auf einem Dut- Ausländer gegeben hat. Als es zur Adap-
Wasser auf den politischen Mühlen zend auf drei Zeitphasen versetzten tierung kam, hat man, obwohl die neue
jener Kräfte, die in der Zuwanderung Leitfaden-Interviews – aufgenommen Situation bekannt war, die Pläne nicht
nur negative Auswirkungen sehen. auf Tonband und transkribiert. Ne- geändert.“
Dieses Verhalten (a/b) ist ein Zeichen ben sehr Kritischem gibt es auch Po-
von Ratlosigkeit; denn nur auf Basis sitiva zu berichten (siehe unten). Ein junger Begleitlehrer gestaltet mit
einer Sachdiagnose sind Folgerungen den Kindern die Gangräume.
und eventuell eine „Therapie“ mög- Stücke von bildnerischer Erziehung
lich. Wird nur der durchschnittliche Ein Blick in die Schule schmücken die Wände: Werkstü-
Ausländeranteil aller Wiener Pflicht- Hinter einem Paravent am Rande des cke, bunte, gefällige Papierschnitte,
schulen publiziert, so kommen die Ganges zu den Fenstern des Innenhofes Zeichnungen und Bilder. Von jedem
mit hohem Migrantenanteil nicht in hin sind ein paar Tische und eine Tafel. Kind gibt es ein kleines Foto. Der Be-
den Blick. Blumenstöcke machen die Schulwelt gleitlehrer: „Wir singen auch Lieder in ei-
Februar 2010 soziologie heute 17

ner anderen Sprache und haben dazu auch Auf die Frage, ob die Probleme auch
Material.“ außerhalb des Bezirks bekannt sind, „(Ich) bin im 17. Dienstjahr im Bezirk.
sagte die Leiterin: „Lehrer an ande- Die Grundvoraussetzungen für den Schul-
Die eigentlichen Klassenräume be- ren Schulen wissen, dass es das gibt, beginn sind immer weniger gegeben...Frü-
finden sich seitlich vom Gang, der aber wie man arbeiten muss, können her konnten sie den Namen schreiben, ein
ca. 6 m breit und ca. 25 m lang ist. sie sich nicht vorstellen.“ bisschen rechnen. Jetzt haben sie nicht
Aufgabe der BegleitlehrerInnen ist einmal einen Stift in der Hand gehabt,
die Integration von Kindern nicht- nehmen ihn in die Faust. Das Kind hat
Das Kollegium und Unterrichtssituation noch nie gemalt.“ Und sie fügt an: „Mi-
deutscher Muttersprache, fallweise In den acht Klassen sind insgesamt
werden sie leider anders eingesetzt. grantenkinder haben oft ein Allgemein-
198 SchülerInnen, davon sind 185 wissen von Drei- oder Vierjährigen.“(BB)
nichtdeutscher Muttersprache, also Und die Leiterin ergänzt: „Jedes österrei-
Migrantenmilieu, Integration und Sprach- 93 %. Es gibt 18 weibliche und zwei chische Kindergartenkind kann oft mehr.
kompetenz männliche Lehrkräfte: Davon acht Das ist oft zum Verzweifeln.“
Der Ausländeranteil im Stadtteil ist KlassenlehrerInnen, sechs Begleit-
sehr hoch. Die Daten dazu schwan- lehrerInnen, zwei Lehrkräfte für Zu-
ken. Im Einzugsbereich dieser Schu- satzunterricht in Türkisch und Ser- Im Sachunterricht werden lebensna-
le sind Sozial- und oft überzahlte bokroatisch: Ferner: 1 Stützlehrer, 1 he Themen aufgegriffen. Aber den
Mietwohnungen. Auch Eltern von Werklehrerin u. Religionslehrer für Kindern sagt das Wort Beißkorb und
Migrantenkindern verlassen den serbisch-orthodoxe Kinder, für mos- Leine nichts. „Wenn man von Tieren
Stadtteil hin zu besseren Wohnge- lemische und röm.-katholische Kin- im Bauernhof spricht, haben vie-
genden. Damit entstehen Fluktuati- der. Islamischer Religionsunterricht le Migrantenkinder keine Ahnung.
onen in Klassen, und Quereinsteiger ist in Österreich seit der Monarchie Türkische Kinder kennen gewis-
erschweren die Unterrichtssituation. gesetzlich verankert. Das christliche se Obstsorten nicht. Sie verlassen
Schulkreuz ist kein Problem. kaum ihren Wohnblock und kennen
Die Lehrerin BB sagt: weder Wiesen noch Pflanzen.“ So
„Der Bildungsstand der Eltern ist sehr Sprachprobleme werden von Lehr- mühen sich parallel die Klassen- und
niedrig. Vater und Mutter müssen arbei- kräften unterschiedlich erfahren: Es Türkischlehrerin. Es bedarf einer
ten, gehen teilweise in Schichtarbeit freut sich Frau B, in ihrer Klasse nur zweisprachigen Alphabetisierung.
– auch österreichische Eltern“… „Das 70 % (!) der Kinder nichtdeutscher Aber die Serbisch- und Türkischleh-
geht nicht, dass sechsjährige Kinder den Muttersprache zu haben. Es sind rerin unterrichten ganz wenige Stun-
ganzen Tag auf der Straße sind oder vor kroatische und serbische Kinder, die den in der Woche.
der Glotze sitzen – ohne Förderung durch den Kindergarten besuchten und
die Eltern. Da kommt nichts... Man meint, in der ersten Klasse schon Deutsch „Wer soll da wen wohin integrieren?“
irgendwo in der Dritten Welt zu sein… konnten. Eine andere Lehrerin ver- sagte indigniert eine Lehrerin, „wenn
Und in Kindergärten gehen sie nicht.“ weist auf den reduzierten Wort- auf ein einziges österreichisches Kind neun
(BB). „Weil es was kostet“, ergänzt die schatz der Kinder, auch in der Mut- Migrantenkinder in unserer Schule kommen.
Direktorin. tersprache. „Wie sollen sie es dann Maximal sollen in einer Klasse 50 % Kinder
auf Deutsch wissen?“ mit nichtdeutscher Muttersprache sein. Laut
Je ein Drittel der Schulkinder (69)
sind türkisch und ein Drittel (69) aus
Ex-Jugoslawien. Polnisch sind fünf,
albanisch sind elf Kinder, und ande-
re Muttersprachen haben 28 Kinder
oder 14,1 %: dies sind sechs rumä-
nische Kinder, drei indische, drei
afghanische, zwei persische, zwei
arabische und je ein ungarisches
und ukrainisches Kind.

Die Schulleiterin unterrichtete frü-


her im gleichen Stadtteil an einer
Ganztagsschule, an der ein Eltern-
beitrag für das Mittagessen und die
Nachmittagsbetreuung zu entrichten
war. Für Migrantenfamilien ist dies
eine finanzielle Hürde. In einer Klas-
se gab es dort drei bis vier Migran-
tenkinder, und der Unterricht hatte
eine andere Qualität als hier, wo auf
25 SchülerInnen ein einziges öster-
reichischen Kind kommt.
18 soziologie heute Februar 2010

einer deutschen Pisa-Studie gilt: Ein Auslän-


deranteil von zwanzig Prozent senkt das Ni-
veau in einer Klasse erheblich.“
Frau A konkretisiert den Mehrauf-
wand am Beispiel der zu korrigie-
renden Deutsch-Schularbeiten:
„Wenn Sie Hefte korrigieren, wo in der
Klasse 77% Österreicher sind, und Sie er-
ledigen das korrekt – einmal durchlesen,
einmal korrigieren und einmal nachkor-
rigieren - setze ich an drei verschiedenen
Tagen je 3 - 4 Stunden an. Im Kontrast
dazu brauche ich für Hefte, wo der Öster-
reicheranteil umgekehrt ist, die drei- bis
vierfache Zeit“.

Wahnsinn:
Englischunterricht – ab erster Klasse
Englisch-Unterricht in der 1. Klasse „ist
in Schulen wie unserer, die aus 90 % Auslän-
dern besteht, ein Wahnsinn! Ich kann nicht
mit Kindern, die keine drei Wörter Deutsch
können auch noch gleichzeitig mit Englisch
beginnen, darin sieht keiner einen Sinn. Es
gibt aber immer Kollegen, die sagen: Das Kinder, und das ist schon zu viel. Das ginge (Master`s Degree) ist Voraussetzung
ist kein Problem!“ Die Klassenschüler- noch gerade mit Begleitlehrern.“…„Ich kann und „ihr Engagement ist alles“.
Höchstzahl ist drastisch zu reduzieren das Wort Integration nicht mehr hören!“
- auf 20 Kinder!
In der Disziplin unterscheiden sich öster- Frau AA sieht dies teilweise anders:
„Ich kann nicht 30 Kinder, die nicht Deutsch reichische und Gastarbeiterkinder nicht. „Die Schwäche, die ich noch sehe, ist, dass
können, in eine Klasse stopfen. Das geht Manchmal haben türkische Buben und manche Lehrer, ich bezeichne sie mit einem In-
nicht. ...Zwei haben mit Mühe etwas verstan- auch Mädchen ab der 3. Schulstufe we- siderbegriff - die sogenannten Handtaschenleh-
den. Wir waren zu viert in einer Klasse, und niger Respekt vor den Lehrerinnen. rer-- bereits zu Mittag eine Staubwolke sind.“
es hat nicht funktioniert: Der Klassenlehrer, Hingegen stellt die Leiterin fest: Die
Begleitlehrer, Muttersprach- u. Zusatzlehrer LehrerInnen im medialen Kreuzfeuer meisten Lehrer bereiten schon in den
und Vorschullehrer. Und wir sind alle vier Beim Einkaufen hört ein Lehrer, „dass wir Ferien das nächste Schuljahr vor und
rotiert. Wir haben angefangen Kurvenmalen, (Lehrer) nichts zu tun haben“. Er verweist haben keine zwei Monate Ferien, son-
einer ist unter dem Tisch, fünf rennen raus. auf das hohe Berufsimage in Finnland, dern einen Monat davon arbeiten sie
Keiner weiß, was ein Bleistift ist. (BB).Es dem Land mit besten PISA – Qualifika- für die Schule. Und manche Lehrerin-
gehört drastisch reduziert- auf maximal 20 tionen. Die Qualität einer Ausbildung nen sind in ihrem Eifer „einzubremsen“.

Hans Högl, Prof. Dr. MMag.


E-Mail: medienkultur@medienkultur.at

Ausbildung/Beruf:
Lic. en sociologie, lic.communication sociale (Louvain), Dr. phil. Wien; Forschung: Institut für Ange-
wandte Soziologie; Prof. em. Pädag. Hochschule: Bildungs- u. Gemeindesoziologie, Medienanalyse. Leh-
re an der Universität: Tourismusfolgen, Medien u. Gewalt.
Publikationen/Forschungsberichte:
Textvergleich von Le Monde und der Frankfurter Allgemeinen zu den Pentagon Papieren,Wien 1980 (Dissertation).
Darstellung der Ausbildungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten. In: Bundesministerium für Wissenschaft,
Wien 1982, 4 – 66.
Praxisbegleitende Ausbildung in der Bewährung. Deutsches Institut für Pädagogik, Münster 1980. (46 p.)
Kleinbauernbefragung auf Kap Verde. Auftrag: Bundesministerium für Äußeres 1991.
Leoben unter der Lupe. Wünsche u. Sorgen von Paaren, Graz 1992.
Hinter den Fassaden des Tourismus, Innsbruck 1995 (StudienVerlag).
Freizeit von Jugendlichen in einer österr. Bezirks- und Schulstadt. Jugendstudie Horn 1995. Selbstverlag (80 p.).
Evaluation der Computerhauptschule. Neufeld / Burgenland 2000 (Manuskript p. 20).
Bin kein Tourist. Ich wohne hier. Fremdenverkehrsgemeinden in Stress, Wien 2001. (Verlag f. Ethik u. Gesellschaft).
Ausgewählte allgemeine Artikel:
Medienkritik und Erwachsenenbildung. In: bakeb informationen, Heft 1 - 1992, p. 18f.
Sonntagsarbeits-Orgie. In: Die Presse. Gastkommentar 19.3.1997
Kalkutta. Stadt der Paläste und Kultur. In: Wiener Zeitung, 22.10.2009

Hans Högl kandidiert bei der Wahl zum Publikumsrat des ORF 2010.
Februar 2010 soziologie heute 19

Resumé:
In den Gesprächen mit den Lehrerin- Auszüge aus der Homepage der Volksschule Treustraße in Wien
nen werden geballte Belastungen und
Sorgen transparent und das Gefühl, al-
lein gelassen zu sein – mitunter auch
von den Behörden. Aber das Kollegium
steht wacker zusammen und versucht,
so gut es geht, situationsadäquat um-
zugehen. Wir fanden eine wohl ausge-
stattete und eine partnerschaftlich gut
geführte Schule vor – mit Raum für
Freiheit und Spontaneität. Immerhin:
Ein Drittel der Kinder besucht nach der
4. Klasse eine höhere Schule.

Nachwort:
Es war angebracht, zu prüfen, was sich
seit der Haupterhebung von 2004 än-
derte. Laut Schulleiterin besserten sich
etwas die Sprachkenntnisse der Kinder
– und zwar wegen der sprachlichen
Frühförderung, empfohlen durch die
Zukunftskommission des Ministeriums.
Das im Herbst 2009 für alle – auch für
Ausländerkinder verpflichtend einge-
führte Gratis - Kindergartenjahr wirkt
sich noch nicht aus. Auch die Schü-
lerobergrenze pro Klasse wurde von
28 auf 25 Kinder gesenkt. Die Schule in
der Treustraße wurde vor einiger Zeit
von der amtlichen „Wiener Zeitung“ als
Schule des Monats ausgezeichnet.

Aber im Kern blieb die pädagogische


Situation fast gleich. Organisatorisch
gab es Änderungen. Die frühere im
gleichen Hause untergebrachte zweite
Schule untersteht jetzt nur einer Lei- Einmal im Jahr findet ein „Fest der Re- sigung des Mikrobereiches im deutsch-
tung. Aber der Prozentanteil von Kin- ligionen“ und ein „Polyglottes Lese- sprachigen Raum, hat Soziologie ihren
dern mit nichtdeutscher Muttersprache fest“ mit Musik der Völker statt und im Einfluss geschwächt.
blieb fast identisch. Zurzeit (Dezember Folgejahr Fußballwettkämpfe: „Mixed
2009) fehlen zwei Lehrkräfte, die der Matches“. Alle Kinder der dritten und
Behörde nicht zur Verfügung stehen. vierten Klassen (= 8 Klassen) sind dazu
eingeladen. Schon zu Beginn des Schul- Literatur:
Zu begrüßen sind folgende Initiativen: jahres werden die Eltern davon infor- Forschungsbericht: Högl, Hans, /Hager, Gerhard/
Die „Internationale Elternschule“ wur- miert und Väter und Onkeln gebeten, in Maier, Rudolf-Michael/ Schickermüller, Maria:
de 2005 gegründet. Ein fruchtbarer Bo- der Freizeit mit ihren Kindern Fußball Evaluation der Implementierung des Landes-
den für dieses Projekt sind Familien aus zu spielen und ihnen die Fußballregeln lehrer-Dienstgesetzes (LDG) anhand von Schul-
15 Herkunftsländern, einem „Vielvöl- zu erklären. Erwünschte Nebenwir- fallstudien. Bericht der Region Ostösterreich.
kerstaat“ mit reicher Kultur: Traditionen, kung: Die männlichen Familienmitglie- Forschungsauftrag des Unterrichtsministeriums.
Sprachen und Religionen. Der Abend- Projektleitung: Herbert Altrichter, Wien 2004. For-
der sind in die Erziehung eingebunden!
schungsbericht: 309 Seiten.
termin war nicht günstig, darum ent- Und auf einem Vereinssportplatz wer-
stand das Elterncafe am Montag von 8 den offiziell Preise verliehen.
bis 9 Uhr. Eltern kommen gern und sind
zu Tee, Kaffee und Keksen eingeladen, Als Autor bin ich glücklich über die Fotonachweis:
sie beteiligen sich rege am Gespräch Sprache dieser Zeitschrift: denn sozio- Hans Högl
über Lernen und Migration. Die drei logische Kenntnisse sollen öffentlich
projektleitenden (Sprach)Lehrerinnen bekannt und verstanden werden. So-
bieten Infoblätter u.a. auf Türkisch an ziologie erfasst das Soziale am Indivi-
und machen die Inhalte verständlich duum, die Ebenen der Gruppen und
und sie merken positive Folgen auf das der Organisationen und die Ebene der
Schulklima. Gesamtgesellschaft. Mit der Vernachläs-
20 soziologie heute Februar 2010

Management-Soziologie

Archetypen der Führung


Warum Mose für Manager ein Vorbild sein kann

von Claudius Rosenthal & Matthias Schreiber*)

Bild: wikimedia commons - Ribera, José de (1638)

*) Schreiber und Rosenthal sind


Autoren des 2009 bei Hänssler
erschienenen Buches
„Führungskräfte der Bibel.
Management mit Noah, Mose
und Paulus.“

Das Selbstbild vieler Manager, Führungskräfte und Entscheider entspricht


dem des „großen, starken Mannes“. Ja, mehr noch: Es gleicht dem des ar-
chaischen Kriegers.
Menschen suchen Sicherheit und Führung – und glauben beides am ehesten
dort zu finden, wo Physiognomie und Verhalten archetypischen Vorstel-
lungen entspricht.
Februar 2010 soziologie heute 21

Es ist eine dieser Geschichten, von deres von sich hermachen wollen, „Clans“ und „Companys“ nicht allein
denen man weiß, dass sie für die setzen sie sich nicht auf den Wolken- für interessante Anekdoten. Er hat
Hochglanzmagazine unserer Tage kratzer, sondern aufs hohe Roß. (...) nämlich ebenso einen realen Hinter-
verkaufsfördernde Wirkung hat. Und Ihr Gefühl hat noch nicht gelernt, grund wie er heuristische Wirkung
es ist eine dieser Geschichten, die sich ihres Verstandes zu bedienen zeitigen kann. Und beides liegt nicht
auch Jahre später immer mal wieder (...) man kommt darauf, dass der nur in der Selbstwahrnehmung der
als nette Anekdote zum Besten gege- Mensch in allem, was ihm für das Hö- Manager begründet, sondern in den
ben werden kann: Dass es doch auf here gilt, sich weit altmodischer be- Erfahrungen, die die Menschheit von
die Größe ankommt. Dass Technik nimmt, als es seine Maschinen sind.“ Anbeginn und immer wieder aufs
und Handwerk allein nicht ausrei- (Musil 1930: 37) Neue geprägt haben.
chen.
Und was Musil nicht ganz frei von Menschen suchen Sicherheit und
Das berichtete zumindest das Deut- sarkastisch angehauchtem Bedau- Führung – und glauben beides am
sche Institut für Wirtschaftsfor- ern bemerkt, ist so unverständlich ehesten dort zu finden, wo Physiog-
schung (DIW) Mitte des Jahres 2004 nicht. Im Gegenteil: Wenn indigene nomie und Verhalten archetypischen
– und stellte erstens die Behauptung Völker sich über den Namen ihres Vorstellungen entspricht. Mit ande-
auf, dass große Männer häufiger in Clans und moderne Unternehmen ren Worten: So wie der Häuptling
Chefetagen anzutreffen seien, dass sich über den Namen ihrer Marke eines Stammes nicht zuletzt des-
– zweitens – jeder zusätzliche Zen- identifizieren, wenn Sippen für ihre halb Häuptling wurde, weil er sich in
timeter vom Scheitel zur Sohle zu Werkzeuge und Kultgegenstände Kampf und Krieg bewährt und damit
durchschnittlich 0,6% mehr Monats- bestimmte tradierte Techniken und bewiesen hatte, dass er die Seinen zu
brutto bringe und dass schließlich – Unternehmen für ihre Produkte ein schützen in der Lage ist, so wird dem
drittens – dicke Frauen am unteren genau festgelegtes corporate design großen, starken, durchsetzungsfähi-
Ende der Gehaltsskala zu finden sei- verwenden, wenn Stämme ihr Totem gen Mann am ehesten zugetraut, ein
en (vgl. Voß 2004). und Firmen ihr Logo hochschätzen, Unternehmen sicher durchs vermin-
wenn Stammesmitglieder sich mit te Gelände zu führen.
Unabhängig von der Verifizierbar- Trachten und Tätowierungen als
keit und empirischen Belastbarkeit Mitglieder zu erkennen geben und Und vor diesem Hintergrund überra-
dieser Studie sowie ihres unstrittig Betriebe ihren Mitarbeitern Firmen- schen dann auch die Ergebnisse von
vorhandenen Übermaßes an politi- kleidung oder Uniformen zur Verfü- Studien nicht, denen zufolge Frauen
scher Inkorrektheit: Es ist ein nicht gung stellen – dann ist das hier wie mit breiten Schultern und schmalem
sonderlich gut gehütetes Geheimnis, dort weit mehr als ein Mangel an Mund eher Karriere machen als jene,
dass große Männer in Führungsposi- Modernität. Dann ist das im Falle tri- die von der Natur mit eher als weib-
tionen überrepräsentiert sind. baler Gemeinschaften kein Ausweis lich assoziierten Attributen bedacht
von Barbarei und im Falle eines Un- wurden (vgl. Der Männer-Bonus,
Losgelöst von der sicherlich span- ternehmens kein Rückfall in archai- Süddt. Zeitung v. 13.10.2004).
nenden Frage, was dafür Ursache sche Handlungsmuster, sondern in
Dr. Claudius Rosenthal ist Politikwissen-
und was Wirkung ist: Das Selbstbild beiden Fällen die Perzeption arche- schaftler und Journalist und lebt im Sauer-
vieler Manager, Führungskräfte und typischer, dem Menschen zutiefst land. Bis 2003 leitete er die Journalisten-Aka-
Entscheider entspricht dem des vertrauter Verhaltensweisen. demie der Konrad-Adenauer-Stiftung (Sankt
„großen, starken Mannes“. Ja, mehr Augustin) und war anschließend Chefredak-
teur einer in Süddeutschland er-scheinenden
noch: Es gleicht dem des archai- Aus diesem Grunde taugt der Ver- Wochenzeitung. Rosenthal arbeitet heute in
schen Kriegers (vgl. Erdheim 1988). gleich von „chiefs“ und „Chefs“, von der Staatskanzlei des Landes NRW..

In den siebziger Jahren wurde das


noch schlicht auf typische Stationen
in den Lebensläufen zurückgeführt.
Die seien nämlich, so konstatierte
damals der amerikanische Soziolo-
gie Michael Macoby (1977), oftmals
vom Militärdienst geprägt gewesen.
Doch drei Jahrzehnte, zwei New-Mar-
ket-Blasen und eine Weltwirtschafts-
krise später dürfte eine solche Er-
klärung wohl kaum noch tragen.
Erhellender ist da jene Beobachtung,
die Robert Musil – immerhin schon
in den 1930er Jahren – machte, als
er schrieb: „Man darf freilich nicht
glauben, die Menschen hätten bald
bemerkt, dass ein Wolkenkratzer
größer ist als ein Pferd; im Gegenteil,
noch heute, wenn sie etwas Beson-
22 soziologie heute Februar 2010

An alledem ist nun weniger interes- Doch eben in diesen grundsätzli- Da ist der Rat Jesu an seine Jünger,
sant, was damit ausgesagt wird über chen Fragen scheint das Reservoir unangenehmen Situationen nicht
das Verhältnis von Frauen und Män- an praktischer Hilfe, das sich in der auszuweichen – sondern ihnen ent-
nern. Viel aufschlussreicher scheint Bibel findet, unerschöpflich. Eine der gegenzugehen, d.h., sie im wahrsten
doch, dass die Menschheit seit ih- ältesten und bekanntesten Geschich- Sinne des Wortes zu bewältigen. Und
rem Bestehen Erfahrung mit Füh- ten beispielsweise – die von Jona, der welcher Entscheider kennt sie nicht,
rung gemacht hat – dass Führung nach Ninive geschickt wird, um des- diese Probleme, die von Tag zu Tag
ein menschheitsgeschichtliches sen Vernichtung zu verkünden – be- geschoben werden – wohl wissend,
Phänomen ist. Und wer würde wider- richtet von jenem doppelten Irrtum, dass sie damit nicht gelöst werden.
sprechen wollen, dass es durchaus dem eine Führungskraft unterliegen Im Gegenteil.
lohnend sein kann, diesen Schatz an kann: Ein schlechtes, menschen-
Erfahrungen zu heben? feindliches Bild von Management zu Da ist die spannende Geschichte
haben – und dieses gleichwohl für von Judith, die ihr Volk rettet – aber
Vor diesem Hintergrund mag dann erstrebenswert zu erachten. Denn um den Preis, einen Mord begehen
überraschen, die Bibel als jene Kar- Jona hält Gott für einen ziemlich zu müssen. Und welche Führungs-
te zu nutzen, die zu diesem Schatz unangenehmen, unberechenbaren, kraft könnte bestreiten, noch nie in
führt. Doch wer genauer hinsieht, nicht verlässlichen, autistisch-auto- einer Situation gewesen zu sein, in
der stellt fest, dass die existentiel- ritären, seine Allmacht immerzu aus- der man gewillt war, den Zweck das
len Fragen, vor die Führungskräfte nutzenden Entscheider – und so sehr Mittel heiligen zu lassen. Es muss ja
immer wieder gestellt werden, sich er selber auch unter diesem Bild von nicht gleich um Mord gehen.
eben dort wiederfinden – aufgeho- seinem Gott leidet, so sehr erfreut er
ben in Geschichten und Liedern, in sich doch an der Vorstellung, dass Die Bibel also als Handbuch für Ma-
Gleichnissen und Legenden, selbst in diese Allmacht anderen zum Todes- nager? Sicherlich nicht in dem Sinne,
Gebeten. urteil werden wird, er aber auf der dass durch sie die Betriebsführung
richtigen Seite steht. effizienter und die Bilanzen erfreu-
Das beginnt bereits bei einer der licher werden. Die Bibel hält auch
vielen Fragen, die Soziologen immer Und es gibt eine Vielzahl weiterer keine Erfolgsrezepte bereit, die in
wieder beschäftigt: Nämlich welches Geschichten, die die Grundfragen Windeseile Kontostände den Konto-
Bild vom Manager haben Führungs- menschlicher Existenz im Allgemei- nummern anzugleichen vermögen.
kräfte, welches Selbstbild haben nen, des Managers im Besonderen, Doch die Alten erzählten sich Ge-
sie? Welche Ziele setzen sie sich – berühren und die gekleidet sind in schichten, um auf die alltäglichen
beruflich, aber vor allem eben auch die Geschichten des Alten und Neu- und die existenziellen Probleme
privat? Und deshalb nimmt es nicht en Testaments. reagieren zu können, mit denen sie
Wunder, dass Manager regelmäßig sich konfrontiert sahen. Und in die-
zum Objekt der Forschung werden – Da ist die Erzählung von Mose, der sen Geschichten konservierten und
gerade dann, wenn es um grundsätz- an sich und seinen Fähigkeiten zwei- tradierten sie die Antworten auf die
liche Fragen geht (vgl. Siebenhütter felt. Der unsicher ist, ob er der neu- wichtigsten Fragen des Lebens. Ar-
2005). en, großen Aufgabe gewachsen ist, chetypische Antworten, die an den
die ihm übertragen werden soll. Wel- Lagefeuern erzählt werden konnten
cher Manager wollte leugnen, dass – einfach zu merken, einfach zu er-
er niemals in seinem Leben solche innern, einfach wiederzugeben und
Dr. Matthias Schreiber ist Pfarrer und ver-
antwortlicher Kirchenbeauftragter der Landes- Zweifel gehabt hätte oder noch hat? doch in ihrer Schlichtheit voller Tie-
regierung von NRW. fe und Lebensklugheit.

Wer diesen kultur- und menschheits-


geschichtlichen Hintergrund akzep-
tiert, vor dem die Bücher der Bibel
entstanden sind, der bedarf keiner
besonderen religiösen Musikalität,
um in der Bibel wenn nicht Blaupau-
sen für das Managerleben, so doch
Leitplanken zu erkennen, die das Le-
ben der Menschen bis in die Moder-
ne geprägt haben und wohl darüber
hinaus prägen werden. Und der stellt
dann – ganz nebenbei bemerkt –
auch noch fest, dass offenbar schon
die Israeliten großen Männern für
Führungsaufgaben den Vorzug ga-
ben. Über ihren ersten König heißt
es nämlich, dass er „alle anderen
um Haupteslänge überragte“ (1 Sam
10,23).
Februar 2010 soziologie heute 23

Literatur:

ERDHEIM, Mario (1988): Der Krieger und der


Manager. In: Brandes, Uta et al. (Hrsg.) Unterneh-
SOZIOLOGIE MORGEN
menskultur und Stammeskultur. Metyphysische
Aspekte des Kalküls. Darmstadt: Büchner. S. 40-42.
MACOBY, Michael (1977): Gewinner um jeden Beobachten
Preis. Der neue Führungstyp in den Großunterneh-
men der Zukunftstechnologie. Hamburg: Reinbek.
oder
MUSIL, Robert (1930): Der Mann ohne Eigen- Mitgestalten?

Foto: Ralph Stahl, pixelio


schaften. Hamburg: Reinbek. (Einladung zu einem offenen
SIEBENHÜTTER, Sandra (2005): Privatleben
nicht vorgesehen. Die Kunst noch Mensch zu blei- Diskussionsforum)
ben: Strategien der Abgrenzung bei Führungskräf-
ten. Wiesbaden: DUV. von Hugo BACHINSKY
VOß, Oliver (2004): Große Männer werden reich.
In: Manager-Magazin v. 4.5.2004. Was die Aufgaben der Soziologie, der Sozialwissenschaft überhaupt, sind, wurde
im Laufe der relativ kurzen Geschichte dieser neuen Disziplin unterschiedlich
gesehen und auch heute noch existieren sehr verschiedene Ansichten.

Bereits im berühmten Werturteilsstreit in den Sozialwissenschaften, der die Wiener


Tagung des Vereins für Socialpolitik 1908 prägte und der besonders heftig zwischen
den Kathedersozialisten auf der einen Seite und Max Weber und Carl Menger auf
der anderen Seite ausgetragen wurde, ging es darum, ob und in welcher Weise sich
Wissenschaftler in die Gesellschaftsgestaltung einmischen sollen. Der große franzö-
sische Soziologe Pierre Bourdieu hat immer wieder eine Lanze für die Einmischung
gebrochen und die Mitgestaltung der verschiedenen gesellschaftlichen Bereiche als
Verantwortung der Soziologen bezeichnet, der angesehene deutsche Soziologe Ri-
chard Münch hingegen plädiert für eine konsequente Beobachterposition.

Im Anschluss an Robert Lynd („Knowledge for What?“) müssen wir vielleicht in


Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verschiedene Aufgaben der SoziologInnen
unterscheiden, die auch arbeitsteilig geleistet werden könnten, aber zu einem Gan-
zen zu bündeln sind. Lynd meint, dass es Situationen gibt, in denen die Würde des
Menschen zugrunde zu gehen droht und die – wenn überhaupt – nur mit Hilfe der
Sozialwissenschaften adäquat erfasst werden können.

Matthias Schreiber, Claudius Rosenthal Nach der Erfassung dieser (unmenschlichen) Situationen sind entsprechende Maß-
Führungskräfte der Bibel nahmen zu ihrer Veränderung zu setzen, die von den Forschern (zunächst) angeregt
Management mit Noah, Mose und Paulus werden müssen.
Wie Management mit Gottvertrauen aussehen kann
– das zeigen große Persönlichkeiten aus dem Alten Auch morgen werden die SoziologInnen vor diesem Aufgabendilemma stehen und
und Neuen Testament. Ein nützliches Buch für jeden,
der in beruflicher Verantwortung vor mannigfache
ihre persönlichen Lösungen treffen müssen. Eine doppelte Frage ist sicher zu stellen
Entscheidungen gestellt ist. und wird auch in Zukunft nicht leichter sein als bisher: Welche Situationen gefähr-
SCM-Hänssler-Verlag, gebunden, 112 S. , 1. Aufl.2009 den die Menschenwürde und wie können sie adäquat erfasst werden? Diese Situati-
Preis: 16,95 EUR onserfassungen sind Voraussetzung für jedes Handeln, aber auch jede Situationser-
ISBN: 3-7751-4997-X
fassung bleibt unvollständig, wenn es nicht zu entsprechenden Handlungen kommt.

Wir müssen sowohl die „richtigen Situationen“ finden als auch diese „richtig“ erfas-
sen. Beides ist schwierig und erfordert in Zukunft – mehr als bisher – entschlosse-
nes und offenes Zusammenwirken möglichst vieler (unterschiedlicher) ForscherIn-
nen in den Sozialwissenschaften.

„Soziologie morgen“ könnte ein Forum werden, für das KollegInnen aus allen Bereichen
gesellschaftliche Gefährdungspotentiale ermitteln bzw. ihre Erfahrungen mit diesen
Potentialen weitergeben und auch Vorschläge zur adäquaten Erfassung machen und
Anregungen zum Handeln geben.

Zunächst gilt es wichtige Trends, Megatrends und ihre Chancen- und Gefährdungs-
potentiale zu ermitteln, möglichst exakte (adäquate) Feststellungsmethoden zu ent-
wickeln und selbst Gestaltungsvorschläge zu bringen oder zu solchen (fundiert)
Stellung zu beziehen.

Alle LeserInnen werden gebeten, aufgefordert, genötigt uns ihre Meinungen über ge-
sellschaftliche Zukunftstrends mitzuteilen, damit diese zur Diskussion gestellt wer-
den können. Folgende drei Trends sollten in der nächsten Zeit behandelt werden:
Globalisierung, Differenzierung und Individualisierung und alle Leser sind gebeten,
ihre Prioritäten bezüglich dieser drei Trends unter office@soziologie-heute.at mitzu-
teilen. Auch weitere Anregungen sind willkommen.
24 soziologie heute Februar 2010

Markt- und Meinungsforschung

NPO-Challenges 2009
Chancen und Herausforderungen
für Non-Profit-Organisationen
von Bernhard Hofer

In den Jahren 1996, 2000, 2004, 2005, 2006, 2007 und 2008 führte Public Opinion repräsen-
tative Bevölkerungsumfragen zur Spendensituation in Österreich durch. Im Laufe der Zeit
konnten so interessante Eindrücke von der Entwicklung am österreichischen Spendenmarkt
gewonnen werden. Darüber hinaus beschritt Public Opinion stets neue Wege: in den letzten
Jahren wurden zum Thema Spenden zusätzlich auch Unternehmen und Jugendliche befragt.
Im Jahr 2009 nahm Public Opinion nun auch die Non-Profit-Unternehmen unter die Lupe und
hinterfragte den künftigen Veränderungsbedarf.
Der vorliegende Report bietet einen kurzen Überblick zur aktuellen Situation am Spenden-
markt und gibt Auskunft über derzeitige und künftige Herausforderungen für Non-Profit-Or-
ganisationen.

Das Jahr 2009 steht für die spenden- Popularitätsverluste wirken sich auf SPENDER/INNEN UND NICHTSPEN
sammelnden Organisationen unter Spendenverhalten aus
keinem guten Stern. Sowohl bei der Selbst langjährig etablierte und im
Zahl der SpenderInnen als auch bei Bekanntheits- und Sympathieranking
der Höhe der Spenden ist ein emp- weit oben rangierende Organisationen
findlicher Rückgang zu verzeichnen. mussten Popularitätsverluste hinneh-
In den vergangenen 12 Monaten ha- men. Wenn die Bekanntheit aufgrund
ben nach eigenen Angaben rund 55 fehlender oder eingeschränkter Marke-
Prozent der ÖsterreicherInnen ge- tingmittel rückläufig ist, so wirkt sich
spendet. Der Anteil der SpenderIn- dies auch auf die Sympathiewerte und
nen hat sich gegenüber dem Vorjahr letztlich auf das Spendenverhalten aus.
um 9 Prozentpunkte verringert! Die Trotz der Kreativität und der immer
durchschnittliche Spendenhöhe im professioneller werdenden Kundeno-
Jahr 2009 beläuft sich auf rund 78 rientiertheit zahlreicher spendensam-
Euro. Damit liegt sie um 4 Euro unter melnder Organisationen macht sich
jenem Betrag, der im Jahr 2008 ge- im Jahr 2009 der Rückgang bei nahezu
spendet wurde; 2006 waren es noch allen Spendenformen bemerkbar. Be-
rund 88 Euro. sonders stark trifft es die Erlagschein-
Spenden (- 7 %), Spenden bei Haus-
Dies geht aus der aktuellen Spenden- sammlungen an der Wohnungstür,
marktuntersuchung des Linzer Sozi- den Kauf von Abzeichen/Briefmarken/
alforschungsinstituts Public Opinion Losen etc. für einen guten Zweck (- 6
hervor, welches im Zeitraum Okto- %) sowie Spenden bei Kirchensamm-
ber/November 1089 Personen re- lungen (- 5 %). Selbst die Beteiligung an
präsentativ für die österreichische einer Altkleidersammlung ist rückläufig
Bevölkerung befragen ließ. (- 5 %).
Februar 2010 soziologie heute 25

Wofür spenden die ÖsterreicherIn-


nen?
Kinder liegen mit rund 24 Prozent
nach wie vor an erster Stelle, ge-
folgt – mit relativ großem Abstand
– von der Zielgruppe Tiere. Nur
jede(r) zehnte Befragte spendet für
Katastrophenhilfe im Inland, rund
9 Prozent für Kirchen und religiöse
Vereinigungen sowie 8 Prozent für
die Bekämpfung des Hungers in der
Welt. Jeweils 6 Prozent spenden für
Katastrophenhilfe im Ausland, Na-
tur- und Umweltschutz, Obdachlose/
Bettler sowie für geistig und körper-
lich Behinderte.

Was bewegt Herrn und Frau Öster-


reicher zum Spenden?
Ebenso vielfältig wie unsere Gesell-
schaft sind auch die Beweggründe
zum Spenden. Es sind vor allem drei
Motive, welche die ÖsterreicherIn-
nen zum Spenden motivieren: Sym-
pathie gegenüber der Organisati-
on, Solidarität mit den Armen und
dieser Beweggrund von anderen und gerade der Dritte Sektor mit diesen
Schwachen und der überzeugende
offensichtlich wichtiger eingeschätz- Organisationen an vorderster Front
Aufruf einer Hilfsorganisation.
ten Gründen stark überlagert. kämpft und in einer Zeit der ver-
mehrten Kraftanstrengung mit we-
Das Spendenmotiv der „steuerlichen
Die ÖsterreicherInnen schätzen vor niger Mitteln das Auslangen finden
Absetzbarkeit“ ist hingegen am ge-
allem Organisationen, bei denen man muss.
ringsten vertreten. Einerseits dürfte
weiß, wofür sie eintreten. Allerdings
diese Möglichkeit in der breiten Öf-
gibt es auch aus Sicht der Befragten Herausforderungen für Non-Profit-
fentlichkeit noch zu wenig bekannt
viele Spendenorganisationen, die Organisationen
bzw. geübt sein, andererseits wird
sich inhaltlich kaum voneinander Die zweite aktuelle Untersuchung
unterscheiden. Für spendensam- von Public Opinion widmete sich
melnde Organisationen erscheint es den derzeitigen und künftigen He-
NDER/INNEN IM LANGZEITVERGLEICH deshalb besonders wichtig, dass sie rausforderungen der Non-Profit-
ein klares Profil zeigen. Organisationen. Insgesamt wur-
den dabei 845 Organisationen aus
In erster Linie spenden Frauen und Sozial-, Bildungs-, Kultur-, Natur/
Höhergebildete Umwelt-, Politik- und sonstigen Be-
Zur Hauptgruppe der SpenderInnen reichen via Internet in zwei Wellen
zählen nach wie vor Frauen und Per- befragt. Der Befragungszeitraum
sonen mit höherer Bildung. Perso- dieser Online-Erhebung erstreckte
nen der mittleren Einkommensgrup- sich vom 22. 11. bis 9. 12. 2009.
pe hingegen geben sich derzeit bei
Erlagschein-Spenden, Haussamm- Neben der Erfassung der Tätigkeits-
lungen und Mitgliedsbeiträgen für bereiche/felder der befragten Organi-
eine Hilfsorganisation eher zurück- sationen, der Beschäftigungsart ihrer
haltend. MitarbeiterInnen und der jeweiligen
Rekrutierungsformen folgten Einschät-
Mit der (globalen) Wirtschaftskrise, zungsfragen hinsichtlich der größten
den damit verbundenen Unsicher- Herausforderungen in den nächsten
heiten am Arbeitsmarkt bzw. Ar- drei bzw. zehn Jahren – sowohl auf die
beitsplatzverlusten und den bis dato Gesellschaft insgesamt bezogen als
noch wenig erfreulichen Prognosen auch auf die jeweiligen Organisationen
für das Jahr 2010 dürfte sich auch selbst. Ergänzt wurde dieser Bereich
die Lage für die spendensammeln- noch mit der Frage nach der Art des
den Organisationen nach derzeitiger Feedback für Förderer/Unterstützer.
Einschätzung kaum verbessern. Dies Im Zentrum der Betrachtung stand
erscheint umso bedenklicher als allerdings die Frage nach möglichen
26 soziologie heute Februar 2010

DIE GRÖSSTEN GESELLSCHAFTLICHEN HERAUSFORDERUNGEN IN DEN NÄCHSTEN 3 BZW. 10 JAHREN ne Kanäle. Dabei spielen zunächst
persönliche Empfehlungen (~ 73 %),
aus Sicht der Non-Profit-Organisationen interne Ausschreibungen/Vereinszei-
tung (~ 47 %) sowie Online-Rekrutie-
rungen via Homepage (~ 47 %) eine
Rolle.
Auf externe Hilfen wird eher weniger
zurück gegriffen. Für rund 36 Prozent
der befragten Organisationen kommt
beispielsweise eine Announce in einer
Zeitung zum Tragen. Auf die Hilfe ei-
nes Personalberatungsunternehmens
greifen lediglich 8 Prozent zurück.

Die größten Herausforderungen


für die nächsten 3 Jahre
Als größte Herausforderung für die
nächsten 3 Jahre sehen die befragten
Organisationen den Bereich Arbeit und
Kooperationen. Sympathien und all- •div. Selbsthilfegruppen Beschäftigung (~ 55 Prozent). Es folgen
fällige sich aus der Art der Tätigkeit •Aktivitäten für/mit Frauen/Jugendlichen/Kindern … die Bereiche Bildung (~ 42 %), die Über-
ergebende Berührungspunkte spie- •Entwicklungshilfe alterung der Gesellschaft (~ 36 %), Ge-
len hier eine große Rolle. Letztlich •Minderheiten, interkultureller Austausch … sundheit (~ 35 %), Zuwanderung/Migra-
wurde noch die Bedeutung der Spen- •Verkehr/Mobilität tion (~ 34 %), Natur/Umwelt/Klima (~ 33
denabsetzbarkeit aus Sicht der je- •Rechtsberatung %) sowie die Gefahr einer politischen
weiligen Organisationen hinterfragt. •Medien Polarisierung (~ 32 %). Rund ein Viertel
•Forschung der Befragten sieht in der Globalisie-
Tätigkeitsbereiche der befragten •usf. rung eine besondere gesellschaftliche
Organisationen Herausforderung und für 17 Prozent
Fragt man Non-Profit-Organisationen Beschäftigungsart der MitarbeiterInnen stellen Religion/Glaube dies dar. 15 Pro-
nach ihrem Tätigkeitsbereich, so Die Frage nach der Anzahl der jeweils zent fühlen sich durch die Regionali-
muss man schnell erkennen, dass hauptberuflich Beschäftigten und eh- sierung besonders gefordert; lediglich
mit der Zuordnung zu bloß einem renamtlichen/freiwillig Engagierten jede zehnte Organisation im Bereich
Bereich oftmals nicht das Auslan- zeigt die große Bandbreite bei den Or- Sicherheit/Datenschutz/Überwachung.
gen gefunden werden kann. Viele ganisationen auf.
Organisationen sind in mehreren Jeweils 23 Prozent der befragten Or- Die größten Herausforderungen
Bereichen/Feldern gleichermaßen ganisationen geben an, „1 bis 3“ bzw. für die nächsten 10 Jahre
tätig, wobei es einerseits sicherlich „mehr als 50“ hauptberufliche Mit- Der Bereich „Arbeit und Beschäfti-
Schwerpunkte gibt, diese jedoch an- arbeiterInnen zu beschäftigen. Wei- gung“ ist auch für die nächsten 10
dererseits zeitlich bzw. räumlich dif- tere 12 Prozent beschäftigen 4 bis 10
ferieren können. MitarbeiterInnen, 8 Prozent 11 bis 20 INTERNE HERAUSFORDERUNGEN FÜR
MitarbeiterInnen und 7 Prozent 21 bis
Insgesamt betrachtet stellt man fest, 50 MitarbeiterInnen. Relativ groß ist
dass der Großteil der befragten Or- allerdings der Prozentanteil jener Or-
ganisationen im Sozial- und Gesund- ganisationen, welche hierzu keine Ant-
heitsbereich tätig ist (~ 59 %). Mit wort geben (~ 28 %).
beachtlichem Abstand folgen Orga-
nisationen aus dem Bildungsbereich, Etwas anders stellt sich das Bild bei
Organisationen, welche sich mit Bür- den ehrenamtlich/freiwillig Engagier-
gerarbeit befassen, politischer Ar- ten dar: rund 40 Prozent der befragten
beit/Interessensvertretung, Kunst/ Organisationen verfügen über mehr
Kultur/Unterhaltung/Freizeit sowie als 50 Freiwillige, 16 Prozent zwischen
Organisationen aus dem Bereich Ka- 21 und 50, 11 Prozent zwischen 11 und
tastrophenhilfe und Rettung. Rund 20, 12 Prozent zwischen 4 und 10 und
18 Prozent der befragten Organisa- rund 8 Prozent zwischen 1 und 3 frei-
tionen finden sich im kirchlichen/ willige MitarbeiterInnen. Auch hier
religiösen Bereich wieder, rund 13 geben rund 13 Prozent der Befragten
Prozent im Bereich Sport/Bewegung keine Auskunft über die Anzahl ihrer
und 11 Prozent im Bereich Umwelt/ ehrenamtlich/freiwillig Engagierten.
Natur/Tierschutz.
Rekrutierung der MitarbeiterInnen
Unter „Sonstiges“ wurden u. a. zu- Die Rekrutierung der MitarbeiterIn-
sätzlich angeführt: nen erfolgt zum Großteil über inter-
Februar 2010 soziologie heute 27

Jahre die wohl größte Herausfor-


derung. Langfristig verändert sich „Non-Profit-Organisationen - in ihrer ganzen Viel-
jedoch das Herausforderungs-Ran- falt - sind unverzichtbarer Teil und Ausdruck einer
king. So tritt die Frage der „Überal- lebendigen, ja dynamischen und von gegenseitiger
terung der Gesellschaft“ an die zwei- Verantwortung geprägten Gesellschaft.
te Stelle, gefolgt von „Gesundheit“ Angesichts der großen Herausforderungen in den
sowie „Natur/Umwelt/Klima“. „Bil- nächsten Jahren, die viele gemeinsame Kraftan-
dung“ rutscht mit rund 37 Prozent strengungen erfordern, werden sich NPOs vermehrt
an die sechste Stelle – hinter „Zu- um Kooperationen bemühen müssen, um ihre Ziele/
wanderung/Migration“. Projekte etc. erfolgreich zu realisieren.
Nach Meinung der Befragten werden Manchmal ist es auch notwendig, überkommene
neben der „Überalterung der Gesell-
Vorstellungen und Vorbehalte über Bord zu werfen.
schaft“ insbesondere die „Globalisie-
rung“ und der Bereich „Natur/Um- Kooperationen bedürfen allerdings einer gründ-
welt/Klima“ an Bedeutung gewinnen. lichen Vorbereitung.
Wichtig bei all dem ist jedoch, dass NPOs ihre
Interne Herausforderungen für die Identität und Eigenständigkeit bewahren und damit
nächsten 3 bzw. 10 Jahre für ihre Klientel nicht nur unverwechselbar blei-
Neben den allgemeinen gesellschaft- ben, sondern auch das Gefühl der Nähe vermitteln
lichen Herausforderungen sehen sich können.”
die Organisationen auch intern gefor- Bernhard J. Hofer
dert. Als größte Herausforderung für
die nächsten 3 (bzw. auch 10 Jahre)
sehen die NPOs den Bereich „Finan- Relativ stabil in der Einschätzung da sich hieraus auch Rückschlüsse
zen/Subventionen/Förderungen“. Mit zeigt sich die „MitarbeiterInnen- auf das Image der jeweiligen NPOs
relativ großem Abstand folgen „Mar- Rekrutierung“ und die „Mitarbei- ergeben.
keting/Öffentlichkeitsarbeit“, „Mit- terInnen-Ausbildung“. Dies trifft
gliedergewinnung“ und „MitarbeiterIn- auch auf den Bereich „Programm-/ Besonders hohe Sympathiewerte
nen-Motivation“. Projektgestaltung/-umsetzung“ zu. erfährt die Organisation Ärzte ohne
Grenzen (~ 85 %). Mit etwas Abstand
Der Bereich „Kooperationen/Part- Arten des Feedback für Förderer folgen SOS-Kinderdorf (~ 66 %), das
nerschaften“ wird für die nahe Zu- und Unterstützer Rote Kreuz (~ 65 %) und die Rote Na-
kunft (die nächsten 3 Jahre) noch Für viele NPOs ist der Kontakt zu sen Clowndoctors (~ 65 %).
von rund 36 Prozent der Befrag- Förderern/Unterstützern überle- In der nächsten Gruppe der sympa-
ten als Herausforderung gesehen, bensnotwendig. Förderer möchten thischen Organisationen finden sich
schnellt jedoch in der langfristigen wissen, was mit ihrer Hilfe letztend- UNICEF (~ 57 %), Caritas (~ 56 %),
Prognose (die nächsten 10 Jahre) auf lich ermöglicht bzw. bewegt wird. Lebenshilfe (~ 55 %) und Amnesty In-
rund 41 Prozent hoch. Gut 60 Prozent der Organisationen ternational (~ 54 %).
halten Kontakt zu ihren Förderern Alle weiteren Organisationen liegen
mittels Newsletter, Zeitschriften, unter der 50-Prozent-Marke.
R DIE NÄCHSTEN 10 JAHRE Broschüren und Einladungsschrei-
ben. Jede zweite Organisation ver- Mögliche Kooperationspartner
sendet auch Dankschreiben und Interessanter als die Frage nach der
rund 38 Prozent nutzen den persön- Sympathie erscheint jedoch – gerade
lichen Kontakt/das persönliche Ge- im Hinblick auf die Antworten nach
spräch. den größten Herausforderungen in den
Rund 39 Prozent übermitteln ihren nächsten 10 Jahren – die Frage nach ei-
Förderern regelmäßig bzw. ab und ner möglichen Kooperation.
zu kleinere Aufmerksamkeiten/Ge- Insgesamt betrachtet findet sich hier
schenke etc. die Caritas mit rund 47 Prozent an der
Spitze. Die folgenden möglichen Ko-
Sympathische Organisationen operationspartner entstammen fast
Foto: S. Hofschlaeger, pixelio

Non-Profit-Organisationen sehen ausschließlich dem Sozial- und Ge-


sich ebenso wie Profit-Unternehmen sundheitsbereich. Es sind dies das Rote
oftmals der Konkurrenz ausgesetzt – Kreuz (~ 38 %), die Diakonie (~ 35 %),
sei es bei der Programmgestaltung, die Lebenshilfe (~ 34 %), das Hilfswerk
der Mitarbeiter- bzw. Mitgliederge- (~ 32 %) und die Volkshilfe (~ 27 %).
winnung, der Förderungs-/Unterstüt-
zungswerbung usf. Vergleicht man die Antworten mit
Die Frage hinsichtlich der Einstel- den jeweiligen Tätigkeitsfeldern der
lung zu (manchmal vielleicht konkur- befragten Organisationen, so lassen
rierenden) anderen Organisationen sich hieraus wertvolle Erkenntnisse -
ist deshalb besonders bedeutsam, vor allem für künftige Strategien der
28 soziologie heute Februar 2010

NPOs – gewinnen. (Näheres dazu im Ge-


samtbericht) EINSCHÄTZUNG DER SPENDENABSETZBARKEIT FÜR DIE EIGENE ORGANISATION

Bisherige Erfahrungen mit Koope-


rationspartnern
Befragt nach den bisherigen Erfah-
rungen mit Kooperationspartnern
ergibt sich – je nach Tätigkeitsfeld
der Organisationen – ein unter-
schiedliches Bild.
Gute Erfahrungen wurden vor allem
mit Bund/Land/Gemeinde gemacht
(~ 53 %). Es folgen Erwachsenenbil-
dungseinrichtungen (~ 36 %), andere
NPOs/Vereine (~ 34 %) und Schulen/
Universitäten (~ 34 %).
Eher schlecht beurteilt wurden hin-
gegen Kooperationen mit politischen
Parteien (~ 20 %).

Bedeutung von Spenden, Sponso-


ring, Beiträgen, Förderungen etc.
Organisationen aus dem sog. „Drit-
ten Sektor“ finanzieren sich größten-
teils durch Spenden, Mitgliedsbei- Neben Geldspenden und dem Spon- der Einführung noch zu kurz bzw.
träge und sonstigen Zuwendungen. soring (beide liegen über 50 Prozent) konnten diesbezüglich zu wenig Er-
Interessant ist dabei, wie sich diese sind für die befragten Organisatio- fahrungen gesammelt werden. Rund
Finanzquellen verteilen, denn da- nen auch Mitgliedsbeiträge (~ 41 % 9 Prozent nehmen der dzt. Form der
durch wird die tägliche Arbeit der sehr wichtig, ~ 11 % eher wichtig) von Spendenabsetzbarkeit gegenüber
jeweiligen Organisation maßgeblich Bedeutung. eine eher negative Haltung ein.
geprägt. Sachspenden (vor allem organisa- Als besondere Befürworter erweisen
Rund 83 Prozent der befragten Or- tionsabhängig) finden sich mit im- sich Katastrophenhilfs- und Rettungs-
ganisationen geben an, dass öffent- merhin noch rund 45 Prozent (sehr dienste, Organisationen im Sozial-
liche Förderungen/Unterstützungen wichtig bzw. eher wichtig) an letzter und Gesundheitsbereich sowie Orga-
für sie sehr bzw. eher wichtig sind. Stelle. nisationen aus dem Bereich Politische
Lediglich 11 Prozent meinen, dies sei Arbeit und Interessensvertretung.
wenig bzw. überhaupt nicht wichtig. Einschätzung der Spendenabsetz-
Die in der öffentlichen Diskussion barkeit aus Sicht der befragten Or-
oftmals vernachlässigte Unterstüt- ganisationen
zungsform der Zeitspende (freiwilli- Die seit dem Jahr 2009 bestehende
ge Mitarbeit) ist eine weitere wesent- Möglichkeit der Spendenabsetzbar-
liche (keinesfalls nur als ergänzend keit wird von rund 38 Prozent der
zu betrachtende) Säule für die Tätig- befragten Organisationen als sehr Die kostenpflichtigen Gesamtberichte können bei
keiten der Organisationen. Rund 88 bzw. eher positiv eingeschätzt. Rund Public Opinion GmbH/Institut für Sozialforschung
Prozent beurteilen sie als sehr bzw. 51 Prozent sind geteilter Meinung. (office@public-opinion.at) bestellt werden.
eher wichtig. Offensichtlich ist der Zeitraum seit Näheres unter http://www.public-opinion.at

CO2-Emissionen im Alltagsverkehr unter der Lupe


infas und Öko-Institut entwickeln neue Analysen für die regionalen Fenster der Studie
„Mobilität in Deutschland“
Individueller Autoverkehr in Das sind nur einige der überra- Im Auftrag des Bundesministeriums
Deutschland stagniert oder ist so- schenden Ergebnisse von „Mobi- für Verkehr, Bau und Stadtentwick-
gar leicht rückläufig, gleichzeitig lität in Deutschland“ (MiD), der lung (BMVBS) sowie einiger Bundes-
sind die Deutschen mehr zu Fuß bundesweit wichtigsten Studie zum länder und Regionen wurden dafür
oder mit Bus und Bahn unterwegs. Verkehrsverhalten, die vom Institut 2008 insgesamt 50.000 Haushalte
Während Senioren mobiler wer- für angewandte Sozialwissenschaft und über 100.000 Personen befragt,
den und häufiger Auto fahren, las- (infas) und dem Institut für Ver- die über mehr als 300.000 Wege be-
sen junge Erwachsene in den Bal- kehrsforschung am Deutschen Zen- richteten. Die in dieser Studie erho-
lungsräumen öfter den Pkw stehen trum für Luft- und Raumfahrt e.V. benen Daten dienen sowohl als Basis
und nutzen stattdessen den ÖPNV. (DLR) durchgeführt wurde. für die Verkehrsplanung als auch für
Februar 2010 soziologie heute 29

vielfältige wissenschaftliche Unter- infas und das Öko-Institut werden ten an. Spezielle regionale Studien
suchungen zur Alltagsmobilität. Die die Umweltauswertungen der regi- werden im Rahmen des von infas auf
Studie ermöglicht erstmals differen- onalen Stichproben, mit denen die der Grundlage der MiD entwickelten
zierte Auswertungen zu den CO2- Basiserhebung aufgestockt wurde, in Ansatzes „Mobilität in Regionen“ an-
Emissionen im Alltagsverkehr und enger Zusammenarbeit durchführen. geboten.
zu weiteren Umweltbelastungen.
Aufgabe wird es dabei sein, die regio-
Wie hoch ist der Anteil der verschie- nalen Ergebnisse ins Verhältnis zum Nähere Infos unter:
denen Verkehrsträger? Welche Ver- Bundesdurchschnitt zu setzen, zu
kehrsteilnehmer tragen in welchem bewerten und daraus Maßnahmen http://www.infas.de
Ausmaß zu den Belastungen bei? für den Klimaschutz im Verkehrs-
Sind der Berufsverkehr oder die sektor abzuleiten. Zudem bieten in-
Freizeitwege der Haupttreiber? Wo fas und Öko-Institut Umweltauswer-
liegen wirksame Hebel zu einer Re- tungen der Verkehrserhebung für
duzierung? Kommunen und andere Interessen-

ConsentMarktͲundSozialforschung
TürenöffnenfüreinbesseresVerständnis.
MitIMAGE&PRhabenwireinInstrumententwickelt,welchesdenUnternehmeneine
unabhängigeundobjektiveKontrolleihrerKommunikationmitMeinungsbildnernundeine
OptimierungderÖffentlichkeitsarbeit–imBesonderenderPressearbeit–ermöglicht.
DurchgeführtwirddieStudieseit15Jahren–gernelassenwirIhneneinExemplarunserer
Jubiläumsausgabezukommen!

Ergebnisse2009:ZurInformationsbeschaffungziehendieJournalistInnenpersönliche
GesprächedenPressekonferenzenvor–Exklusivitätistgefragt!DieKommunikationnach
außenmussnichtnurschnellerfolgen,sondernsollauchtransparentundoffensein.Das
ManagementsolltedabeiwiederverstärktindenVordergrundrücken.Eineständig
erreichbareAnsprechpersonmitFachkompetenzistderTraumallerJournalistInnen.Die
ÖsterreicherInnenmöchtenheuervermehrtüberinländischeGeschehnisseundThemenaus
denprivatenBereichen(Bildung,Unterhaltung)informiertwerden.  
 
IPR09

KriterienderPRͲArbeit


Schnelle Reaktion 98 2 +5% FürDetailsund


Informationen
Offene/ehrliche Komm. 89 9 +9%
stehtIhnen
Zugängl. Management 78 20 +12% FrauMag.
Gespräche mit Führungskräften von Unternehmen 77 21 +14% EvelynOprava
gernezur
Elektronische Medien 57 36 +10%
Verfügung.
Hintergrundgespräche bei Veranstaltungen 48 39 Ͳ 5%

Gespräche Pressestelle/PR-Abteilung 46 41 +3% 



Unternehmenshomepage 37 44 +9%

Pressekonferenzen 36 27 Ͳ 11% 
Angaben in %
0 20 40 60 80 100 
= seit 2008 gestiegen sehr wichtig eher wichtig 
= seit 2008 gesunken
Consent MarktͲ undSozialforschung
ConsentMarktͲ 
www.consentͲresearch.com


ConsentMarktͲundSozialforschung  AͲ1150Wien  +4312051525Ͳ0
www.consentͲresearch.com   Schweglerstraße37 +4312051525Ͳ35


30 soziologie heute Februar 2010

Die interessantesten Markt- und Meinungsforschungs


Unter Markt- und Meinungsforschung (einschl. Sozialforschung) versteht man grundsätzlich das systematische Einho-
len und Auswerten von Informationen über Personen oder Organisationen mit Hilfe statistischer und analytischer
Methoden und Techniken der angewandten Sozialwissenschaften.
Ziel ist es, Einsichten zu gewinnen und/oder künftige Entscheidungen zu unterstützen. Für das Marketing ist sie eines der
wichtigsten Werkzeuge.
Marktforschungsprojekte orientieren sich zumeist am Ablauf sozialwissenschaftlicher Studien und weisen üblicherweise
folgende Phasen auf:
- Problembeschreibung/Erkenntnisinteresse - Erstellung des Untersuchungsdesigns - Festlegung der Informationsquellen -
Informationsbeschaffung- Analyse und anschließende Interpretation der Daten - Ergebnispräsentation
Manche Markt- und Meinungsforschungsinstitute bieten als zusätzliche Leistung auch Beratung und (Hilfe bei der) Umset-
zung an. Zumeist ist die Markt- und Meinungsforschung in Verbänden organisiert. Diese definieren verbindliches Standes-
recht und Qualitätsrichtlinien. Insbesondere gehört dazu das Recht auf Anonymität der Befragten.
soziologie heute hat für Sie die interessantesten und u. E. nach wichtigsten privaten Markt-/Meinungs- und Sozialforschungs-
institute aus dem deutschsprachigen Raum zusammengestellt. Weitere Informationen erhalten Sie u. a. bei folgenden Links:
ADM - Arbeitskreis Deutscher Markt- und Sozialforschungsinstitute (http://www.adm-ev.de)
Berufsverband Deutscher Markt- und Sozialforscher e.V. (http://www.bvm.org)
Verband der Marktforscher Österreichs (http://www.bvm.org)
Verband der Schweizer Marketing- und Sozialforscher (http://www.swissresearch.org)

abs marktforschung Dreifaltigkeitsweg 13 89079 Ulm hallo@abs-marktforschung.de http://www.abs-marktforschung.de


AGEMAS: ARGE für Markt- und Meinungsforschung GmbH Neuhauser Str. 27 80331 München mail@agemas.de http://www.agemas.de
ARIS Umfrageforschung Rentzelstraße 10a 20146 Hamburg mail@arisumfrageforschung.de http://www.arisumfrageforschung.de
B & S Marktforschung Am Porscheplatz 5 45127 Essen info@bs-marktforschung.de http://www.bs-marktforschung.de
BaS Hamburg Peter R. Horak Leverkusenstr. 13 22761 Hamburg info@bas-hamburg.de http://www.bas-hamburg.de
BVM Berufsverband Deutscher Markt- u. Sozialforscher e.V. Breite Str. 24 13187 Berlin info@bvm.org http://www.bvm.org
CHD Expert GmbH Veerser Weg 2 b 27383 Scheeßel centrale@chd-expert.de http://www.chd-expert.de
COBUS Marktforschung GmbH Leopoldstr.1 76133 Karlsruhe info@cobus.de http://www.cobus.de
Dima Marktforschung GmbH O7, 7-8 68161 Mannheim kontakt@dima-mafo.de http://www.dima-mafo.de
Dr. Behrendt IMK Consulting Bruchweg 18 45659 Recklinghausen info@imkmedia.de http://www.imkmedia.de
EARSandEYES GmbH Institut f. Markt- u. Trendsforschung Brahmsallee 6 20144 Hamburg info@earsandeyes.com http://www.earsandeyes.com
emphasis Institut f. Marktforschung im Gesundheitswesen GmbH Destouchestr. 73 80796 München info@emphasis.de http://www.emphasis.de
DEUTSCHLAND

excellence in change gmbh & co. kg Europastraße 3 35394 Gießen info@eic-partner.de http://www.eic-partner.de
FOCUS Deutschland Marketing & IT-Research GmbH An der Bleiche 10A 61440 Oberursel office@de.focusmr.com http://www.focusmr.com
forsa GmbH – Ges. f. Sozialforschung u. stat. Analysen mbH Max-Beer-Str. 2 10119 Berlin info@forsa.de http://www.forsa.de
Forschungsgruppe Wahlen Postfach 101121 68161 Mannheim info@forschungsgruppe.de http://www.forschungsgruppe.de
FSV NETZWERK GmbH Stephanstr. 10-12 22047 Hamburg info@fsv.de http://www.fsv.de
GfK Marktforschung Nordwestring 101 90319 Nürnberg marktforschung@gfk.com http://www.gfk.com
iConsult Forschung & Consulting f. Marketingentsch. GmbH St.-Paul-Straße 11 80336 München info@iCONSULT.de http://www.iconsult.de
IFM MANNHEIM Inst. F. Marktpsychologie P 4, 4 68161 Mannheim info@ifm-mannheim.de http://www.ifm-mannheim.de
ifuma - Marketing- und Medienforschung Krahnenstraße 13 51063 Köln mail@ifuma.de http://www.ifuma.de
IM Leipzig Institut für Marktforschung GmbH Markt 10 04109 Leipzig andreas.czaplicki@imleipzig.de http://www.imleipzig.de
IMAS International Rosenheimer Straße 139 81671 München imas@imas-international.de http://www.imas.at
IMW-KÖLN Institut f. Markt- u. Werbeforschung Stadtwaldgürtel 33 50935 Köln info@imw-koeln.com http://www.imw-koeln.com
infas Institut f. angewandte Sozialwissenschaft GmbH Friedrich-Wilhelm-Straße 18 53113 Bonn info@infas.de http://www.infas.de
Infratest dimap Moosdorfstraße 7 - 9 12435 Berlin indi@infratest-dimap.de http://www.infratest-dimap.de
INSTITUT FÜR DEMOSKOPIE ALLENSBACH Radolfzeller Str. 8 78476 Allensbach am Bodensee info@ifd-allensbach.de http://www.ifd-allensbach.de
INTERCONNECTION CONSULTING GROUP GmbH Osterwaldstraße 98 80805 München dittmann@interconnectionconsulting.de http://interconnectionconsulting.de
INTRATEAM GmbH Holzgraben 1 60313 Frankfurt am Main info@intrateam-marktforschung.de http://www.intrateam-marktforschung.de
Ipsos GmbH Heidenkampsweg 100 20097 Hamburg mailbox@ipsos.com http://www.ipsos.de
IRES Ges. f. Unternehmens-, Marketing- u. Komm.forschung mbH Hunsrückstraße 54 40213 Düsseldorf info@ires.de http://www.ires.de
isi Institut f. Sensorikforschung u. Innovationsberatung GmbH Ascherberg 2 37124 Göttingen-Rosdorf mail@isi-goettingen.de http://www.isi-goettingen.de
IWD marketresearch GmbH Lorenzweg 42 / Haus I 39124 Magdeburg info@iwd-marketresearch.de http://www.marktforschungsinstitut.de
Krämer Marktforschung GmbH Hammer Straße 171 48153 Münster info@kraemer-germany.com http://www.kraemer-germany.com
LINK Institut für Markt- und Sozialforschung GmbH Burgstraße 106 60389 Frankfurt am Main info@link-institut.de http://www.link-institut.de
MAIX Market Research und Consulting GmbH Kackertstraße 20 52072 Aachen info@maix.de http://www.maix.de
Marktforschung Zentzis GmbH Kaufingerstr. 9 80331 München muenchen@mafo-zentzis.de http://www.mafo-zentzis.de
Media Markt Analysen Lyoner Straße 11 a 60528 Frankfurt am Main info@mma-frankfurt.de http://www.mma-frankfurt.de
Medupha–medizin.-pharm. Marketing- und Marktforsch. GmbH Wirtstr. 38 81539 München office-muenchen@medupha.com http://www.medupha.com
mifm München-Institut für Marktforschung GmbH Herzog-Heinrich-Str. 25 80336 München info@mifm.de http://www.mifm.de
OmniQuest Gesellschaft für Befragungsprojekte mbH Berliner Freiheit 36 53111 Bonn oq@omniquest.de http://www.omniquest.de
OPINION Market Research&Consulting GmbH Rollnerstr. 8 90408 Nürnberg info@opinion.de http://www.opinion.de
PSYMA GROUP AG Fliedersteig 15-17 90607 Rueckersdorf/Nürnberg info@psyma.com http://www.psyma.com/en/nuremberg.htm
puls Marktforschung GmbH Röthenbacher Straße 2 90571 Schwaig bei Nürnberg info@puls-navigation.de http://www.puls-navigation.de
(r)evolution GmbH Heussallee 12 53113 Bonn info@evolution-online.net http://www.evolution-online.net
respondi AG Huhnsgasse 34b 50676 Köln info@respondi-ag.com http://www.respondi.com
Schmiedl Marktforschung GmbH München Neuhauser Str. 27 80331 München info@schmiedl-marktforschung.de http://www.schmiedl-marktforschung.de
SenioRResearch Institut für Seniorenforschung Heerstraße 50 60488 Frankfurt am Main info@seniorresearch.de http://www.seniorresearch.de
SOCIOTREND Im Schilling 2 69181 Leimen-Baden info@sociotrend.de http://new.sociotrend.de
Synovate GmbH Carl-von-Noorden-Platz 5 60596 Frankfurt germany@synovate.com http://www.synovate.de
The Nielsen Company GmbH Insterburger Str. 16 60487 Frankfurt/Main info.deutschland@nielsen.com http://de.nielsen.com
TNS Infratest Holding GmbH&CoKG Landsberger Straße 338 80687 München tnsde@tns-infratest.com http://www.tns-infratest.com
Toluna Germany GmbH Wilhelm-Leuschner-Straße 41 60329 Frankfurt am Main martin.grupe@toluna.com http://www.toluna-group.com
trend-test GmbH Kolonnenstraße 26 10829 Berlin sandra.schmidtke@trendtest.de http://www.trendtest.de
TTR Group GmbH Dreieichstraße 59 60594 Frankfurt am Main info@ttr-group.de http://www.ttr-group.de
Unabhängiges Meinungsforschungsinstitut INFO GmbH Schönholzer Straße 1 a 13187 Berlin mail@infogmbh.de http://www.infogmbh.de
VOCATUS AG Marktforschung und Beratung Oppelner Straße 5 82194 Gröbenzell/München beratung@vocatus.com http://www.vocatus.com
WICKERT INSTITUTE Hohnsen 32 31134 Hildesheim mail@wickert-institute.de http://www.wickert-institute.de
YouGovPsychonomics AG Berrenrather Straße 154-156 50937 Köln info@psychonomics.de http://www.psychonomics.de
Februar 2010 soziologie heute 31

sinstitute in Deutschland, Österreich und der Schweiz


AC Nielsen GesmbH Dresdner Str. 91 1200 Wien info.at@nielsen.com http://www.acnielsen.at
Brandstätter-Matuschkowitz Marketing GesmbH Münzgrabenstr. 131A 8010 Graz bmm@bmm.at http://www.bmm.at
Bundesanstalt Statistik Österreich Guglgasse 13 1110 Wien office@statistik.gv.at http://www.statistik.at
CHI-QUADRAT e.U. Josef Schrafflstr. 11 6020 Innsbruck office@CHI-QUADRAT.com http://www.CHI-QUADRAT.com
comrecon KG – Marketing- u. Strategieberatung Balthasaar-Krauß-Gasse 6 2380 Perchtoldsdorf office@comrecon.com http://www.comrecon.com
Consent Markt- und Sozialforschung Schweglerstr. 37/5 1150 Wien research@consent.at http://www.consent-research.com
Creativ Research Umfrageservice Dr. M. A. Populorum Glanstr. 18 5082 Grödig office@marktforschung.co.at http://www.marktforschung.co.at
Das Österreichische Gallup Institut Dr. Karmasin GmbH Anastasius-Grün-Gasse 32 1180 Wien office@gallup.at http://www.gallup.at
Das sozialwissenschaftliche Forschungsbüro Westbahnstr. 5/9 1070 Wien erfolg@dasbuero.at http://www.dasbuero.at
ÖSTERREICH

DialogCenter der Diözese Graz-Seckau Lange Gasse 2 8010 Graz info@dialogcenter.at http://www.dialogcenter.at
domestic DATA Markt- u. Meinungsforschungs Ges.m.b.H. Am Fasangarten 31 1120 Wien info@domestic.at http://www.domestic.at
Dr. Auer Institut f. Management u. Marketing Milleniumspark 4 6890 Lustenau w.auer@auer-imm.at http://www.auer-imm.at
Dr. Brunmayr & Co GesmbH Buchmoserweg 11 4810 Gmunden inst.brunmayr@brunmayr.org k.A.
EGGER & PARTNER GmbH Keimlgutgasse 11 4040 Linz egger@partner.co.at http://www.egger-partner.at
FOCUS Media Research GesmbH Maculangasse 8 1220 Wien office@focusmr.com http://www.focusmr.com
GfK Austria GmbH Ungargasse 37 1030 Wien info.austria@gfk.com http://www.gfk.at
Hoffmann & Forcher Marketing Research OEG Josefsplatz 6 1010 Wien hoffmann.forcher@hf.co.at http://www.hoffmannforcher.at
IC Consulting GmbH Getreidemarkt 1 1060 Wien info@interconnectionconsulting.com http://www.interconnectionconsulting.com
IDV Central Europe GmbH Währinger Straße 1090 Wien office@idc-austria.at http://www.idc-austria.at
IGF Institut für Grundlagenforschung GmbH Anton-Breitner-Str. 9 5020 Salzburg office@igf.at http://www.igf.at
IMAD-Marktforschung Karl-Schönherr-Str. 7 6020 Innsbruck office@imad.at http://www.imad.at
IMAGE Markt- und Meinungsforschung Hauptstr. 63 5202 Neumarkt/Wallersee image@gstach.at http://www.image.or.at
IMAS International Institut f. Markt- u. Sozialanalysen GesmbH Gruberstr. 2-4 4020 Linz office@imas.at http://www.imas.at
IMS Health Marktforschung GmbH Gablenzgasse 11 1150 Wien bgeyrhofer@at.imshealth.com http://www.imshealth.at
INFO RESEARCH INTERNATIONAL Kaiserstr. 55 1070 Wien office@info-ri.at http://www.info-ri.at
Institut f. empirische Sozialforschung GesmbH (IFES) Teinfaltstr. 8 1010 Wien ifes@ifes.at http://www.ifes.at
Institut f. Kundenzufriedenheit u. Meinungsforschung GmbH Bahnhofstr. 8 9500 Villach office@qualimeter.at http://www.qualimeter.at
Institut f. statist. Analysen Jaksch & Partner GmbH Schillerstr. 8 4020 Linz office@jaksch-partner.at http://www.jaksch-partner.at
Institut f. Systemische Marktforschung – MAFOS GmbH Währinger Str. 18/3 1090 Wien office@mafos.at http://www.mafos.at
INTEGRAL Markt- und Meinungsforschungsges.m.b.H Mohsgasse 2 1030 Wien office@integral.co.at http://www.integral.co.at
intra-performance – m.bauer keg Krottenbachstr. 82-86/1/1-2 1190 Wien office@intra-performance.com http://www.intra-performance.com
ipr Umfrageforschung Dr. R. Költringer Seidengasse 39/25 1070 Wien iprmail@chello.at http://www.ipr.co.at
Joe&Co Marketing Research Keplerplatz 14/7 1100 Wien joe-co@joe-co.com http://www.joe-co.com
Karmasin Motivforschung GmbH Anastasius-Grün-Gasse 32 1180 Wien s.karmasin@motivforschung.at http://www.karmasin.at/kmo/
KeyQUEST Marktforschung GmbH Kirchholzstr. 8 4451 Garsten office@keyquest.at http://www.keyquest.at
Kocher C Marktforschung GmbH Tegetthoffplatz 4 8010 Graz office@ckmafo.at http://www.chmafo.at
M (Research Marktforschung Merchandising Consulting GmbH Grieskai 2/3. Stock 8020 Graz office@mresearch.at http://www.mresearch.at
Makam Market Research GmbH Amilienstr. 48/ Top 9 1130 Wien office@makam.at http://www.markant.cc
MANOVA GmbH Trautsong 8 1080 Wien office@manova.at http://manova.at
market Marktforschungs-Ges.m.b.H. & Co.KG Klausenbachstr. 67 4040 Linz research@market.at http://www.market.at
MARKETING DATA mobile-research.at Klostergasse 9, Top 12 1180 Wien info@marketingdata.at http://www.mobile-research.at
mBUZZ – New Media Research Zwerggrabengasse 19/11/96 1230 Wien office@mbuzz.at http://www.mbuzz.at
Medupha – medizin.-pharmazeut. Marktforschungs Ges.m.b.H Hauptstraße 76 2372 Gießhübl office-wien@medupha.com http://www.medupha.com
Mrm – Markt- u. Kommunikationsforschung GesmbH Am Schloßblick 8 3133 Gemeinlebarn office@mrm-research.at http://www.mrm-research.at
MWC Mag. Markus Weinhold Consulting Herrengasse 5/19 3002 Purkersdorf markus.weinhold@chello.at http://www.mwc.at
OGM Österr. Gesellschaft f. Marketing GesmbH Bösendorferstr. 2 1010 Wien marketing@ogm.at http://www.ogm.at
Pichler-Jessenko Agentur f. Marketing & Kommunikation Stempfergasse 1/2 8010 Graz office@pichler-jessenko.at http://www.pichler-jessenko.at
Pöschko u. Partner/innen Sozialforschung Softwarepark 21 4232 Hagenberg i. M. office@PundPsozialforschung.at http://www.pundpsozialforschung.at
psychonomics AG-Zweigniederlassung Österreich Rennweg 97-99 1030 Wien info@psychonomics.at http://www.psychonomics.at
PUBLIC OPINION GmbH/Institut für qualitative Sozialforschung Aubrunnerweg 1 4040 Linz office@public-opinion.at http://www.public-opinion.at
RegioData Research GmbH Theobaldgasse 8/14 1060 Wien office@regiodata.at http://www.regiodata.eu
Research & Consulting GmbH Bahnhofstr. 8 9500 Villach irc@irc-austria.com http://www.irc-austria.com
SDI-Research – Dr. Villani & Partner KEG Schenkendorfg. 48 1210 Wien office@sdi-research.at http://www.sdi-research.at
Sensor Marktforschung GesmbH Mariahilfer Str. 81/1 1060 Wien brauner@sensor.co.at http://www.sensor.co.at
SOFFI Marktforschungsinstitut Anichstr. 42 6020 Innsbruck info@soffi-institut.com http://www.soffi-institut.com
SORA Ogris & Hofinger GmbH Linke Wienzeile 244-246 1150 Wien office@sora.at http://www.sora.at
Spectra Marktforschungs GesmbH Brucknerstr. 3-5 4020 Linz office@spectra.at http://www.spectra.at
SURVEY & CONTROL – Ing. H. Neugebauer Donaufelder Str. 101/2 Top 15 1210 Wien office@surveycontrol.at http://www.surveycontrol.at
T-Factory Trendagentur Markt- & Meinungsforschung GmbH Alserbachstr. 18 1090 Wien trend@tfactory.com http://www.tfactory.com
ToPaz GmbH Wiedner Hauptstr. 142 1050 Wien austria@topaz-int.com http://www.topaz-int.com
TrendCom Consulting GesmbH Seidengasse 33-35/Top 25 1070 Wien trendcom@trendcom.at http://www.trendcom.at
tunc Marktforschung- u. Marketingberatung GmbH Währinger Str. 145/28 1180 Wien tunc@tunc.co.at http://www.tunc.co.at
Ziegler & Partner Marketingservice KG Bennogasse 21 1080 Wien office@market-scout.com http://www.market-scout.com

amPuls Market Research Hirschengraben 49 6000 Luzern 7 info@ampuls.ch www.ampuls.ch


blue eyes marketing Büttenenhalde 38 6006 Luzern markus.britschgi@blueeyesmarketing.ch www.blueeyesmarketing.ch
Concept Zürich Marketingforschung AG Lavatersr. 83 8002 Zürich info@concept-zuerich.ch www.concept-zuerich.ch
GfS-Forschungsinstitut Hirschengraben 5 3011 Bern info@gfsbern.ch www.gfsbern.ch
IHA GfK Institut für Marktanalysen AG Winkelriedstr. 37 6003 Luzern info.ch@gfk.com www.ihagfk.ch
Inform Consulting AG Hauptstr. 54 6045 Meggen inform@icag.ch www.icag.ch
Insight Institute AG Bergstr. 138 8032 Zürich mail@InsightInstitute.ch www.insightinstitute.ch
Institut für Kommunikationsforschung Mogartenstr. 7 6003 Luzern info@ikf.ch www.ikf.ch
SCHWEIZ

ISOPUBLIC Institut für Markt- und Meinungsforschung AG Ringstr. 7 8603 Schwerzenbach mail@isopublic.ch www.isopublic.ch
Le Cerf Consulting Rietstr. 6 8702 Zollikon info@lecerf-consulting.ch www.lecerf-consulting.ch
Linzk Marketing Services AG Spannortstr. 7/9 6003 Luzern 4 luzern@link.ch www.link.ch
LP Marktforschung GmbH Hasenberg 3 4011 Basel 11 info@lpf.ch www.lpmarktforschung.ch
MRC Marketing Research & Consulting AG Gotthardstr. 31 6300 Zug info@mrc.ch www.mrc.ch
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Polyquest AG Flurstr. 26 3014 Bern mail@polyquest.ch www.polyquest.ch
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Publica Data AG Thunstrasse 18 3000 Bern 15 info@publicadata.ch www.publicadata.ch
Publitest AG Institut für Markt- und Werbeforschung Stadelhoferstr. 42 8024 Zürich request@publitest.ch www.publitest.ch
Qualitative Marktforschung und Sozialforschung Eichwaldstr. 16 6300 Zug nicole.willi@quali-research.ch www.quali-research.ch
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TransferPlus AG Mühlebach 2 6362 Stansstad info@transferplus.ch www.transferplus.ch
Z-ANALYSE Markt- und Meinungsanalysen Sonnhaldenstr. 3 6052 Hergiswil u.zweifel@z-analyse.ch www.z-analyse.ch
32 soziologie heute Februar 2010

Multikulturelle Schule
Österreichisch-Russischer Kulturverein „Trojka”
Die Welt des Russischen beinhaltet sind Ziele unserer Vereinstätigkeit. on, die verbindende Amtsprache und
nicht nur die russischen MitbürgerIn- wurde dementsprechend gelehrt. Die-
nen, sondern auch all diejenigen, die Der russisch-österreichische Kultur- se verbindende Sprache verliert sich
fließend Russisch sprechen und nicht verein TROJKA hat ab dem Herbstse- nun in der neuen Heimat. Begründet
gerade mit Russland verbunden sind. mester 2009 erstmalig einen Unterricht ist dies dadurch, dass statt Russisch
Das betrifft viele GUS-BürgerInnen, der russischen Sprache für Kinder die ursprüngliche Muttersprache (im
BürgerInnen aus baltischen Ländern angeboten. Initiiert wurde dieses An- Familienumfeld) verwendet wird. Ein
usw., sowie diejenigen, die aus diesen gebot aufgrund von Nachfragen von weiterer Grund ist die Annahme der
Ländern stammen, und ihre Kinder, die Vereinsmitgliedern und Interessierten. deutschen Sprache (Schule, Freunde).
oft gut integriert sind und Teil der Be- Ziel war es, russischstämmigen Kin- Wir dehnten unser Schulungsangebot
völkerung der Gastländer wurden. Das dern mit der Hauptsprache Deutsch somit auch auf Linz aus.
sind auch die Einheimischen, Österrei- auch die russische Kultur und Sprache
cherInnen oder BürgerInnen anderer zu vermitteln. Wir planten das Projekt Das Projekt „Multikulturelle Schule“
Länder, die Russisch gelernt haben mit zwei Gruppen zu je acht SchülerIn- des Vereins TROJKA setzte hier an.
oder diese Sprache persönlich bzw. nen in Attnang-Puchheim. Die Nachfra- Drei Lernebenen werden angeboten:
beruflich verwenden. ge nach diesem Angebot sprengte be-
reits am ersten Tag unsere Planungen ...die Ebene des „Nicht-Verlernens“
In den letzten Jahren hat der Strom (Unterrichtsräume, Unterrichtsmateri- der russischen Sprache mit den kul-
von EinwanderInnen aus dem ehema- al). Gekommen waren über 75 interes- turellen Hintergründen:
ligen Sowjetblock stark zugenommen sierte Personen und Anmeldungen. Neben einer gelungenen Integration
und bildet damit eine in Österreich ist es uns wichtig, dass unsere eigene
„neuartige“, eher unbekannte Gruppe. Viele Zuwanderer aus der ehemali- Kultur und die dazugehörigen Elemen-
Die Menschen kommen aus Ländern gen Sowjetunion leben vor allem in te (Sprache) nicht verdrängt oder ver-
wie Georgia, Armenia, Ukraine, Kaz- Linz und haben die deutsche Sprache nachlässigt werden. Wir sehen dies als
achstan, Usbekistan u.s.w. Und auch als Hauptsprache angenommen. Die Potential für die Zukunft.
wenn es über 100 Minderheitenspra- sprachliche Angleichung ermöglicht Wir bieten dies auch Menschen aus
chen im ehemaligen Sowjetblock gibt, wesentlich schnellere Zugänge zu ei- dem russischsprachigen Raum an, wel-
so sprechen alle russisch. Russisch ist ner Gesellschaft. Kinder haben hier che geringe Aussichten auf einen dau-
die Amtssprache. Die russische Spra- die schnellste Auffassungsgabe. Das erhaften Aufenthalt in Österreich ha-
che und der Verein Trojka verbinden Russische war, neben den über hun- ben. Dieses Bildungsangebot soll die
viele Menschen mit unterschiedlichen dert anderen Sprachen der Sowjetuni- Ausgangssituation dieser Menschen
Kulturen, Traditionen und Religionen.

Um das Zusammenleben verschiede-


ner Menschen aus unterschiedlichen
Ländern mit ihren eigenen Kulturen in
der „Neuen Heimat“, dem Gastland mit
ebenfalls einer langjährigen Tradition
besser zu verstehen bemühen wir uns,
viel voneinander zu lernen. Wir finden
es ausgesprochen wichtig, wenn viele
Menschen mit Migrationshintergrund
und ÖsterreicherInnen zusammen
kommen und bei Spielen, Konzerten
und Unterhaltung sich besser kennen
und verstehen lernen.

Integration ist immer eine zweiseiti-


ge Arbeit. Der Verein hilft gerne, Ös-
terreicherInnen unseren Kulturkreis
zu offenbaren, denn es ist auch für
uns h i e r eine andere Kultur. Durch
Foto: Verein Trojka

ein Zusammentreffen der Menschen,


durch gemeinsames Musizieren, Mit-
einander-Sprechen und die „jeweilige“
Fremdsprache auch zu lernen, das
Februar 2010 soziologie heute 33

kunftskultur und die Wertschätzung


beider garantiert eine Integration und
die Standfestigkeit unser aller Gesell-
schaft.

Wie feiert man Silvester in Russland?

CEUSS | Center for European Security Studies


Sigmund Freud PrivatUniversität Wien Paris
Silvester ist der wichtigste Feiertag

E-Mail: siedschlag@european-security.info
A-1030 Vienna/Austria, Schnirchgasse 9a
Russlands. Gefeiert wird es wie in
Österreich am 31. Dezember. Beim

Homepage www.european-security.info
Familienfest wird der Tisch ausgiebig

Prof. Dr. Alexander Siedschlag


gedeckt. Das Essen bleibt in Russland

Fax +43 (0)1 798 62 90 52


Tel +43 (0)1 798 62 90 51
während der ganzen Feier am Tisch
stehen und wird nicht wie in Öster-
reich abgeräumt, nachdem gegessen

Veranstalter

Weitere Infos:
wurde. Väterchen Frost bringt den
Kindern Geschenke, die er unter dem
Foto: Verein Trojka

Weihnachtsbaum liegen lässt. Ge-


schmückt wird der Baum ein paar Tage
vor dem Silvesterabend.

Am Samstag, 2. Jänner, wurde in der


verbessern, egal wie deren weiterer multikulturellen Schule (Friedhof-
Lebensweg aussieht. strasse 6, im Hof) um 15.00 Uhr ein
abwechslungsreiches Programm ge-
...die Ebene des gegenseitigen Ken- boten. 75 Kinder verschiedener Nati-
nenlernens innerhalb der russischen onalitäten (Russen, Ukrainer, Tschet-
„Sprachgemeinschaft“ in Oberöster- schenen, Österreicher usw), die im
reich: Moment die multikulturelle Schule
Konflikte zwischen den Ethnien (Geor- besuchen, sind mit ihren Eltern zu die-
gier und Tschetschenen) sind immer ser Party erschienen. Väterchen Frost
wieder ein breit dargestelltes Problem mit seiner Enkelin Snegurotschka und
in den Medien. TROJKA möchte mit der russischen Hexe Baba-Jaga haben
der „Multikulturellen Schule“ verbin- die Geschenke gebracht. Dafür musste
dend wirken. Die Vorfälle betrachten jedes Kind ein Gedicht in russischer
wir als Einzelfälle und sehen diese Sprache auswendig vortragen. Außer-
nicht wie medial dargestellt als Dauer- dem wurden alle Kinder kostümiert
zustand. TROJKA und die „multikultu- und mussten zeigen, wie ihre Märchen-
relle Schule“ ordnen die Schüler zwar helden sich benehmen.
in Leistungsstufen. Wir möchten aber Unter den Eltern gab es auch einen
keinesfalls Gruppierungen aufgrund lustigen Wettbewerb. Sie mussten mit
bestimmter religiöser oder ethnischer geschlossenen Augen den Weihnachts-
Zuordnungen zulassen. baum malen. Zum Schluss konnte man
auch ein Geschenk im Lotto gewinnen.
...die Ebene des gegenseitigen Ken- Das war wirklich ein unvergessliches
nenlernens zwischen „Alt- und Neu- Erlebnis!
österreichern“:
Viele von den am ersten Tag anwesen- Die russische Silvesterparty hat die
den Interessierten (Kinder, Mütter) Schönheit Russlands mit seiner rei-
waren „Altösterreicher“. Ihnen war chen und vielfältigen Kultur präsen-
daran gelegen die russische Sprache tiert. Man konnte nicht nur die kul-
zu erlernen. Sie sahen es als gutes Po- turellen, sondern auch kulinarischen
tential für die künftige Berufe, zumal Vorzüge Russlands genießen.
die russische Sprache von über 240
Millionen Menschen gesprochen oder
verstanden wird.
Gemeinsames Lernen ist eine grund- Wenn Sie den Österreichisch-Russischen Kul-
legende Basis für die Integration in turverein Trojka fördern und unterstützen
die Gesellschaft. Interessierten und möchten, sich für eine Mitgliedschaft interes-
Zuwanderern wird ein Angebot berei- sieren oder ganz einfach Näheres über seine
tet, dass durch Zuwanderern selbst Arbeit erfahren wollen, dann setzen Sie sich
initiiert wurde. Gemeinsames Lernen mit der Vereinsobfrau Liudmila Wöss (Tel.:
bindet und gibt Identifikationsmög- 0699/11990242 oder Mail: office@trojka.at) in
lichkeiten. Das Wissen um die Her- Verbindung.
34 soziologie heute Februar 2010

Klassiker in der Gesellschaft und in der Spra-


che greifenden Machtstrukturen sowie

MICHEL FOUCAULT
die Beziehung zwischen Individuum
und Macht. Auch in den Regeln unter-
schiedlicher anonymer Diskurse, mit
deren Hilfe Wissen systematisiert wer-
den kann, strich er immer wieder den
direkten Bezug zwischen Wissen und
und der Wahn im Zeitalter der Vernunft Macht heraus.

von Alfred Rammer Gegen das Bemühen, Foucaults Den-


ken in einigen wenigen Sätzen zu skiz-
zieren, steht schon der Umstand, dass
es diesem nicht darum ging, einen
einmal gefundenen Grundgedanken
Schritt für Schritt und Werk für Werk
weitergehend zu systematisieren.
Viele seiner Schriften stellen die je
vorigen in Frage, einmal verwendete
Schlüsselbegriffe werden fallen gelas-
sen, neue Begriffe tauchen auf, die den
vormals verwendeten entgegengesetzt
scheinen. Bereits seine Doktorarbeit
„Wahnsinn und Gesellschaft“ stellen
den Leser vor große Verständnispro-
bleme. Er verzichtet auf eine klinische
Definition von Wahnsinn und präsen-
tiert diesen als eine Art verschüttete
Positivität, deren Reste aus unlesba-
Michel Foucault ren Texten großer Geister wie etwa
(1926 - 1984) Nietzsche oder Hölderlin schimmern.
Nicht die Zeichen – die Spra- Er zeichnet nach, wie der zunächst als
che also – bestimmen und len- göttliche Inspirationsgabe gedeutete
ken unser Handeln, sondern Wahnsinn zunehmend gesellschaftlich
die Kräfte-Verhältnisse, in die ausgegrenzt wird. So versucht er, den
jeder Sprecher verwoben ist Wahnsinn aus der Klammer der ihn
und in deren Rahmen er sich verstehen wollenden Vernunft zu be-
bewegt. freien.

Foucault war Historiker mit immenser


Michel Foucault stellt Überlegungen an, ob die Institution des Gefäng- Ausstrahlung in die Philosophie. Er
nisses auch wirklich eine humanere Form von Bestrafung als die Folter selbst verstand sich als skeptischen
darstellt. Besonderes Interesse widmet er den Disziplinierungsmaß- Denker, war kein Strukturalist, kein
nahmen der Gesellschaft, etwa dem körperlichen Training in Kasernen Relativist, aber auch kein Historist.
und Schulen. Er glaubte nur an die Wahrheit der
Auf Jeremy Benthams Projekt des „Panopticons“ gründet Foucault unzähligen historischen Fakten, nicht
seine Theorie von der Umstellung der Strafen. Der moderne Vollzug aber an die Wahrheit der allgemeinen
ersetzt die ursprünglichen Martern durch Zurichtungen der Disziplin. Ideen. So betreibt er als „Archäologe“
Die Macht des Panopticons besteht nicht darin, dass die Gefangenen eine „Genealogie“ der Humanwissen-
gefoltert, sondern dass sie beobachtet werden. Jeweilige Machthaber schaften. In Absetzung von Ferdinand
sind unsichtbar und dürfen wählen, wen und wie lange sie observie- de Saussure und Claude Lévi-Strauss
ren. Foucault weist damit frühzeitig auf unsere „moderne“ Überwa- sieht Foucault eine Pluralität von Sys-
chungsgesellschaft mit all ihren Auswüchsen hin. temen und Regeln, die die Systeme
organisieren. In der Geschichte des
Geboren wurde Michel Foucault am schichte der Denksysteme am Collége Wissens geht es, so Foucault, nicht um
15. Oktober 1926 in Poitiers, gestor- de France und verschaffte sich mit sei- Kontinuitäten, sondern um Schwellen
ben ist er am 25. Juni 1984 in Paris. An nen Vorlesungen, in denen er sich vor und Brüche, um kürzere oder längere
der Pariser École Normale Supérieure allem von Nietzsche, Marx, Freud und Serien, die sich voneinander absetzen
studierte er Psychologie und Philo- Heidegger beeinflusst zeigte, schnell oder sich verbinden und auch immer
sophie und wurde dann Professor in internationale Anerkennung. Ausge- wieder einmal verschwinden. Nicht
Clairmont-Ferrand und in Vincennes. hend von Nietzsches Idee des „Willens die Zeichen – die Sprache also – be-
1970 erhielt er den Lehrstuhl für Ge- zur Macht“ untersuchte Foucault die stimmen und lenken unser Handeln,
Februar 2010 soziologie heute 35

sondern die Kräfte-Verhältnisse, in die treffen ist. Die Macht tritt rechtsförmig ständige Gewaltwirkung und Marte-
jeder Sprecher verwoben ist und in de- auf, nicht „blank“, und das Machtin- rung erzwungen werden, sondern sie
ren Rahmen er sich bewegt. teresse im Recht ist darauf gerichtet, erfolgt über die „Disziplinierung“ der
die Wahrheit zu finden. Wir müssen die Individuen, die Gewalt einschließt,
Besonderes Augenmerk innerhalb des Wahrheit sagen und sind der Wahrheit aber nicht zum augenfälligen Merk-
Werkes Foucaults verdient demnach unterworfen auch in dem Sinne, dass mal macht. Der Befehl ist seitdem das
der für die Semiotik wichtige Begriff die Wahrheit das Gesetz macht, dass Scharnier zwischen Machtwillen und
des Dispositivs. „Dispositiv“ heißt sie den wahren Diskurs produziert, der Rechtsform geblieben. Wer etwas will,
nach Foucault eine Diskursformati- - zumindest teilweise - selbst Macht- befiehlt es, und wenn er von Rechts
on, in der Macht, Recht und Wahrheit wirkungen bestimmt, übermittelt, vo- wegen als einer eingesetzt ist, der be-
verknüpft und Praktiken institutionali- rantreibt. fehlen darf (sonst wäre er ein Narr),
siert sind, die menschliches Begehren dann ist das, was er sagt, legitimer
(désir) und gesellschaftliche Not (ur- In diesem Zusammenhang gehören Rechtsbefehl.
gence) befriedigen. Sex gilt Foucault Foucaults Überlegungen, ob die Insti-
als Beispiel eines solchen Dispositivs, tution des Gefängnisses auch wirklich Zuletzt sei noch hingewiesen auf die
die Justiz ist ein anderes. Im Falle der eine humanere Form von Bestrafung Nähe Foucault zur Biologie. Die Ge-
Justiz etwa formt das Dispositiv die als die Folter darstellt. Besonderes netik hält er als Bestätigung Darwins,
Gesamtheit der modernen rechtsstaat- Interesse widmet er den Disziplinie- doch weist er die nahe liegende Ver-
lichen Pflichten. Es gibt dem Rechtszei- rungsmaßnahmen der Gesellschaft, mutung zurück, dass damit die Vor-
chen seinen aktuellen Inhalt. Zwar sind etwa durch körperliches Training in stellung des Menschen ende, die Rück-
Macht, Recht und Wahrheit abstrakt Kasernen und Schulen. kehr zur Tier-Maschine unausweislich
zu unterscheiden, aber institutionell sei. Ein derartiges In-Frage-Stellen des
wirken sie zusammen. Macht schafft Auf Jeremy Benthams Projekt des „Pa- Menschen erscheint ihm überkom-
die Handlungsdisposition, Recht ver- nopticons“ gründet Foucault seine men. So wie man nun die Zelle wie
pflichtet zur konkreten Aktion, und Theorie von der Umstellung der Stra- eine Rechenmaschine betrachte, der
Wahrheit orientiert diese Pflichten mit fen. Führten Körper- und Leibesstrafen Begriff des Programms im Mittelpunkt
der Folge, dass wir von der Macht ge- zu Martern, so ersetzt der moderne der Biologie stehe, so sei auch über die
zwungen werden, die Wahrheit zu pro- Vollzug die Martern durch Zurichtun- nietzscheanische Dekonstruktion des
duzieren; sie fordert es, sie braucht sie, gen der Disziplin. Die Macht des Pan- Subjekts hinauszugehen.
um zu funktionieren: wir müssen die opticons besteht nicht darin, dass die
Wahrheit sagen, wir sind gezwungen Gefangenen gefoltert, sondern dass Foucault lokalisiert seine eigene Arbeit
oder dazu verurteilt, die Wahrheit zu sie beobachtet werden. Der zentrale an derselben Front wie jene der Gene-
bekennen oder sie zu finden. Rechts- Wachturm in der Mitte ermöglicht je- tiker, nämlich dort, wo der Mensch im
regeln, Machtmechanismen und Wahr- derzeit den allseitigen Einblick in die Verschwinden begriffen war.
heitswirkungen vereinheitlichen sich ringförmig an der Peripherie errich-
im juristischen „Dreieck“, in dem von teten Gefangenengebäude, in denen Interessante Werke:
einer Seite Handlungen befohlen, auf sich nicht mehr die amorphe, dicht
Archäologe des Wissens, Frankfurt/M.: Suhrkamp
der anderen für diese Befehle Gren- gedrängte, ruhelose Masse befindet, 1995 (Orig. 1969)
zen gesetzt und von einer dritten Seite sondern in jeder Minute der Tagesab- Die Ordnung der Dinge. Eine Archäologie der Hu-
Grenzen wie Befehle auf ihren wahren lauf der Individuen kontrolliert wird. manwissenschaften, Frankfurt/M.: Suhrkamp 1978
Inhalt nach der wirklichen Sachlage Während die Gefangenen immer mit ei- (Orig. 1966)
Sexualität und Wahrheit, 3 Bde., Frankfurt/M.: Suhr-
kontrolliert werden. ner Kontrolle rechnen müssen und kei- kamp 1983 ff (Orig. 1977 ff)
ne Privatheit beanspruchen können, Überwachen und Strafen. Die Geburt des Gefängnis-
Die Vernetzung der drei Diskurse des bleibt der Machthaber im zentralen ses, Frankfurt/M.: Suhrkamp 1976 (Orig. 1975)
Rechts, der Macht und der Wahrheit Turm unsichtbar und darf wählen, wen Wahnsinn und Gesellschaft. Eine Geschichte des
führt dazu, dass in der modernen Ju- er wie lange observiert. Die Befolgung Wahns im Zeitalter der Vernunft, Frankfurt/M.: Suhr-
kamp 1973 (Orig. 1961)
risprudenz keiner mehr „rein“ anzu- des Befehls muss nicht mehr durch

Vorrang
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Die öffentliche und die (ver)öffentlichte Meinung ist unser Anliegen. Ihr Partner bei „brennenden” Themen.
Kontakt: www.public-opinion.at
36 soziologie heute Februar 2010

Phänomen „Arbeitsstress in der Freizeit”


(Johannes Pernsteiner, pta)
Arbeitsstress in der Freizeit ist ein weit verbreitetes Phänomen. Zu diesem Schluss kommen
kanadische und US-amerikanische Forscher in der Zeitschrift American Sociological Review.
Sie erhoben unter 1.800 Berufstätigen, wie oft die Arbeit das Familien- und Sozialleben belastet
und wie häufig quälende Gedanken an die Arbeit in der Freizeit sind. „Bei fast der Hälfte der
Bevölkerung kommt das manchmal bis regelmäßig vor. Das ist bedenklich, da ein Ungleichge-
Foto: Stephanie Hofschlaeger, pixelio wicht in dieser Hinsicht die Gesundheit nachweislich schädigen kann“, so Studienleiter Scott
Schieman.

Die Wissenschaftler fanden einige Merkmale, die das Überschwappen von Arbeitsstress in die
Freizeit besonders fördern. Einerseits sind besonders Berufstätige mit höherer Ausbildung
und Qualifizierung sowie Besserverdienende betroffen. Das Risiko steigt jedoch in allen Be-
rufsgruppen, sobald es interpersonelle Konflikte im Job gibt, in Zeiten mit hohem Arbeitsdruck
oder unsicherer Beschäftigungslage. Zwar biete laut den Forschern die Möglichkeit, das eigene
Arbeitstempo selbst zu bestimmen, einen gewissen Stresspuffer. Ab 50 Arbeitsstunden pro
Woche stimme das jedoch meist nicht mehr.

Zuwanderer sollen sich anpassen


Soziologie weltweit

Die Balaton Zeitung - Ungarn, 17. 1. 2010

Einwanderer haben nach Ansicht einer großen Mehrheit in Ungarn die Pflicht, Ungarisch
zu lernen sowie sich an Sitten und Gesetze des Landes anzupassen. In einer repräsen-
tativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts TARKI mit mehr als 1000 Teilnehmern
antworteten 83 Prozent auf die entsprechende Frage mit ja. 42 Prozent der ungarischen
Bevölkerung stimmt damit völlig überein, während 41 Prozent überwiegend damit über-
einstimmen.
Weniger Übereinstimmung gab es in der Frage, was Zuwanderer Ungarn geben könnten. 42
Prozent meinten, dass sie Ungarn offener machen, und nur 27 Prozent meinen, dass sie für
die ungarische Wirtschaft nützlich sind. Dagegen sind 71 Prozent der Meinung, Zuwande-
rer nehmen Ungarn die Arbeit weg, 52 Prozent vertreten die Auffassung, durch sie steige
die Kriminalität.
Ein besonderer Fragenkreis suchte Antworten darauf, ob der Zugang von Angehörigen der
ungarischen Nationalität im Ausland zur ungarischen Staatsbürgerschaft erleichtert wer-
den sollte. Damit erklärten sich 72 Prozent einverstanden.
Ziel der Umfrage im Auftrag des Instituts für Soziologie und Gesellschaftspolitik der Buda-
pester Corvinus Universität war es, Haltungen gegenüber Zuwanderern zu erforschen. Die
Umfrage gehört zum Projekt „Staatsbürgerliche Beratung über die Integration der Einwan-
derer“, das vom Integrationsfonds der EU unterstützt wird.

Nicht alle atmen die gleiche Luft


Wie Sozialstatus und Umweltbelastung zusammenhängen
Josef König, Ruhr-Universität Bochum, 6. 1. 2010

Bei allen sozialen Unterschieden scheint doch eines klar: Wir atmen alle die gleiche
Luft. Das stimmt aber nicht, zeigte eine Studie von Bochumer und Essener Umwelt-
medizinern und Epidemiologen. Sie stützt die These, dass Kinder aus Familien mit
niedrigem Sozialstatus Umweltbelastungen stärker ausgesetzt sind als Kinder aus
Familien mit hohem Sozialstatus. Prof. Dr. Michael Wilhelm (Abteilung für Hygiene,
Sozial- und Umweltmedizin der RUB) und PD Dr. Barbara Hoffmann (Uniklinikum Es-
sen) berichten in der aktuellen Ausgabe von RUBIN, dem Wissenschaftsmagazin der
Ruhr-Universität Bochum.

Grundlage für die Untersuchung war die sog. Hot-Spot-Studie, die RUB-Umweltme-
diziner im Auftrag des NRW-Umweltministeriums (MUNLV) durchgeführt hatten. Sie
pickten sich im Jahr 2000 drei Standorte in NRW heraus, in denen wegen der Nähe
zur Industrie Grenzwerte für Luftschadstoffe überschritten wurden. Messungen der
Luftverschmutzung zeigten, dass sich die Verunreinigungen nicht, wie man anneh-
men könnte, schnell und gleichmäßig im Stadtteil verteilen. „In ein und demselben
Stadtviertel kann man sowohl in hoch belasteten Gebieten wohnen als auch in Gebie-
ten, in denen nur eine Hintergrundbelastung messbar ist”, verdeutlicht Prof. Wilhelm.
„Personen, die näher an Werken wohnen, sind natürlich auch stärker belastet.” Allein
im Stadtteil Bruckhausen in Duisburg Nord lag die Konzentration von Staub in der
Luft zwischen weniger als 50 Mikrogramm und bis 100 Mikrogramm pro Kubikmeter.
Zwischen diesen Extremwerten lagen mitunter nur wenige hundert Meter.
Februar 2010 soziologie heute 37

Wie wirkt sich diese Belastung auf die dort lebenden Menschen aus? Um diese Frage zu klären, untersuchten die Forscher insgesamt 968
Vorschulkinder aus den ausgewählten Stadtvierteln und zum Vergleich in Borken, wo die Schwerindustrie fehlt. Befragungen der Eltern,
Allergietests, Lungenfunktionstests, Blut- und Urinuntersuchungen fanden im Rahmen der Einschulungsuntersuchung im Jahr 2000 statt.
Die Fragebögen enthielten auch umfangreiche Fragen zum Sozialstatus der Familien, die Dr. Barbara Hoffmann dann zu den Befunden in
Beziehung setzte.
Und es zeigte sich tatsächlich: Kinder aus Familien, deren Eltern einen niedrigen Bildungsstand haben, arbeitslos oder arm sind, sind häufi-
ger einer stärkeren Luftverschmutzung ausgesetzt als andere und leben öfter in ungünstigen Wohnverhältnissen. „Es ist ganz einfach”, sagt
Prof. Wilhelm: „Wer es sich leisten kann, zieht aus den Gegenden mit starker Luftverschmutzung in direkter Nachbarschaft zum Werk weg.
Die, die es sich nicht leisten können, sind die, die zurückbleiben.”
Weitere Informationen
Prof. Dr. Michael Wilhelm, Abteilung für Hygiene, Sozial- u. Umweltmedizin, Fakultät für Medizin der Ruhr-Universität Bochum,
MA 1/31, Tel. 0234/32-22365, E-Mail: wilhelm@hygiene.ruhr-uni-bochum.de

Einzelne „Wissensengel” helfen dem ganzen Unternehmen


Kathrin Schwabe, Fraunhofer-Institut f. System- und Innovationsforschung (ISI), 14. 1. 2010

„Business Angels”, die ihre Firma durch besondere Fähigkeiten wirtschaftlich voran- Die Wissenschaftler des Fraunhofer ISI
bringen, sind bereits ein etablierter Begriff. Noch relativ neu hingegen ist die Vor- stellten zusammen mit ihren internationa-
stellung von „Knowledge Angels” in wissensintensiven Dienstleistungsunternehmen, len Forschungspartnern in Gesprächen mit
die nicht nur selbst außerordentlich innovativ sind, sondern auch andere mit ihrer potenziellen „Wissensengeln” in Deutsch-
Kreativität anstecken. Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung land, Frankreich, China, Spanien und Kana-
ISI hat analysiert, was diese Menschen ausmacht und wie sie dabei helfen, das Wissen da fest, dass es sich zumeist um Menschen
in dieser Branche aufzubauen, weiterzugeben und anzuwenden. mit hoher (Selbst-)Motivation, autodidakti-
scher Lernkapazität, Ambitionen, Flexibili-
Die zentrale Fähigkeit in wissensintensiven Dienstleistungsunternehmen ist Kreativität. tät und Kommunikationsgeschick handelt,
Die Fraunhofer-ISI-Forscher vermuten in diesen Firmen besonders kreative Einzelperso- die schnell auf Veränderungen reagieren
nen, die eine zentrale Rolle bei der Entwicklung von Innovationen spielen und für ihre können. Basierend auf ihrer Kreativität, ih-
Kollegen „Wissenskatalysatoren” sind: Sie überführen ihre individuelle Talente in Nutzen rer Erfahrung und ihrem vertieften Wissen
für die ganze Firma. über Märkte, Wettbewerber und Heraus-
Diese sogenannten Wissensengel „spüren” Entwicklungen vor den anderen Menschen forderungen sind die fähig, Visionen für
und können sie so eher verwendbar machen. Eine Eigenschaft der „Knowledge Angels” die zukünftige Entwicklung ihrer Firma zu
ist, dass sie häufig in einer beratenden und einflussreichen Position - sowohl unterneh- entwickeln.
mensintern wie auch im externen Umfeld - tätig sind und ihre Fähigkeiten bei Wettbewer-
bern oder Partnern wirken lassen. Diese Position gibt ihnen auch eine gewisse Unabhän- Diese Fähigkeiten einzelner gilt es für alle
gigkeit und Raum für Gestaltungsmöglichkeiten - ihre Freiheit und Selbstverwirklichung zu nutzen: Unternehmen sollten mögliche
ist ihnen oft sehr wichtig und essenziell für ihre Motivation. „Knowledge Angels” identifizieren und ih-
nen die Chance geben, entsprechend ihrer
Die Wissenschaftler haben fünf Dimensionen analysiert, die für die Entwicklung und Iden- Persönlichkeit zu wirken. Denn zusätzlich
tifikation der „Wissensengel” wichtig sind: zu ihrer Fähigkeit, Entwicklungen vor ande-
1. Sie haben ein hohes Bildungs- und Qualifikationsniveau sowie eine solide und breit ren zu spüren, brauchen sie eine Position,
gefächerte Berufserfahrung. Zumeist sind sie im Management tätig - aber mit Interesse die ihnen nach innen und außen die Mög-
am operativen Geschäft. lichkeit gibt, ihre Ideen, Strategien und Vi-
2. Im Hinblick auf ihr regionales Umfeld sind sie mit dem Unternehmensstandort zufrie- sionen zu realisieren. Sie unterstützen gern
den und fühlen sich mit der Umgebung verbunden. andere Menschen - und nützen so mit ihren
3. Sie nutzen Netzwerke und vielfältige Methoden des Wissenszugangs, unter anderem individuellen Talenten der ganzen Firma.
durch Erfahrungsaustausch mit externen Partnern, in gemischten Teams, durch wissen-
schaftliche Arbeiten und Qualifizierungsmaßnahmen. Das über externe Kanäle erlangte
Wissen nutzen sie für ihre firmeninterne Arbeit. Das Arbeitspapier „Entering the KIBS‘ black box: There
4. Bei Problemen haben „Wissensengel”, das Gespür dafür, genau die richtigen Personen must be an angel! (or is there something like a know-
zusammenzubringen, um gemeinsam zu einer Lösung zu kommen. ledge angel?)” steht unter http://www.isi.fraunhofer.
5. Die Unternehmen in denen „Knowledge Angels” arbeiten, sind oft hoch spezialisiert de/isi-de/p/download/arbpap_unternehmen_region/
oder bieten Nischenlösungen. Wichtig sind den Wissensträgern stetig wechselnde Auf- ap_r7_2009.pdf als Download-Datei zur Verfügung.
gaben, zudem streben sie neben dem Wachstum auch Kundenzufriedenheit an. Generell
identifizieren sie sich stark mit ihrem Unternehmen und seinen Zielen.

Bildung bis ins hohe Alter?


Sarah Maur, Deutsches Institut für Erwachsenenbildung-Leibnitz-Zentrum f. Lebenslanges Lernen, 12. 1. 2010
Die Bildung älterer Menschen wird besonders dann ein Thema in Politik und Gesellschaft, wenn es um die Bewältigung der Auswirkungen des
demografischen Wandels geht. Wer ist jedoch zu der Gruppe der Älteren zu zählen und welche Bildungsbedarfe entstehen in diesen Gruppen?
Bereits in der Altersgruppe der über 45-Jährigen macht sich eine geringere Weiterbildungsbeteiligung von 44 Prozent bemerkbar; diese sinkt
in der Gruppe der 65 bis 80-Jährigen noch weiter bis auf gerade mal 13 Prozent. Zudem ist anhand der Studien zu erkennen, dass die Bildungs-
beteiligung im Zusammenhang mit anderen Faktoren steht, insbesondere dem Bildungshintergrund. Die Weiterbildungsbeteiligung liegt bei
Personen mit einem höherem Bildungs- und /oder Berufsabschluss doppelt so hoch wie bei Personen mit geringem Bildungsabschluss.
Für erfolgreiche Strategien zum „aktiven Altern” wird jedoch eine Bildungsbeteiligung in allen Bevölkerungsgruppen benötigt. So fördert
die Weiterbildung die Teilhabe Älterer an der Arbeitswelt sowie deren soziale und politische Teilhabe, d.h. sie trägt zur Kommunikation in
sozialen Kontakten und zum Wissens- und Erfahrungsaustausch bei. Ein finanzpolitischer Rahmen, barrierefreie Bildungsangebote und eine
altersrelevante Forschung können die Grundlage für eine Strategie zur Steigerung der Lernaktivität Älterer bilden.
Infos unter: http://www.die-bonn.de/doks/friebe0901.pdf
38 soziologie heute Februar 2010

Neues aus der Forschung

Schwerhörigkeit
- eine Zukunftsplage?

Foto: A.-Reinkober, pixelio


von Karin Kirschhofer*)
Fast eine Million Österreicher berichtet bereits über eingeschränktes Hörvermögen – Ein
Problem mit unterschätzten sozialen Folgen – Empfehlung an TV und Radio: Akustischer TÜV
für Schwerpunktsendungen würde Quote gut tun
Die Österreicher werden immer älter lässt den Schluss zu, dass jeder vier- verstehen und die Worte von einan-
und damit nimmt unweigerlich auch te Österreicher im Seniorenalter mit der nicht abgrenzen zu können. Die
die Zahl der Schwerhörigen zu. Mitt- einer Beeinträchtigung seines Hör- Betroffenen nehmen das Gehörte nur
lerweile sind es 14 Prozent der über vermögens zu kämpfen hat. noch als ein konturloses Geräusch
16jährigen Personen, die laut einer wahr. Viele von ihnen klagen darü-
IMAS-Umfrage über eine Beeinträch- Abgesehen vom Alter lassen die ber, dass laute Töne für sie sogar un-
tigung ihrer Hörfähigkeit klagen. In Umfragebefunde einen auffallenden angenehm bis schmerzhaft wirken.
einer groben Projektion entspricht Zusammenhang der Hörfähigkeit
das rund 965.000 Menschen. Unter mit dem Bildungsgrad sowie dem Bekannt ist, dass das Sprachver-
ihnen befinden sich rund 140.000, Berufskreis erkennen. Demgemäß ständnis von Hörgeschädigten durch
bei denen eine extreme Hörbehinde- haben Personen, die lediglich eine Neben- und Hintergrundgeräusche
rung anzunehmen ist. Volks- oder Hauptschule besuchten, empfindlich gestört wird. Man nennt
sowie einfache Arbeiter, aber auch das im Fachjargon den „Partyeffekt“:
Bis etwa zum 50. Lebensjahr, so zeigt Selbständige aus Handel, Gewerbe In einer Gruppe, in der mehrere Per-
sich, bleibt das Hörvermögen ziem- und Landwirtschaft ein merklich sonen gleichzeitig sprechen und
lich unververändert. Ab dieser Al- schlechteres Hörvermögen als Ma- womöglich noch Hintergrundmusik
tersgrenze verschlechtert es sich al- turanten und Akademiker oder Lei- spielt, kann ein Schwerhöriger die
lerdings erheblich. Die erstaunliche tende Angestellte und Beamte. Die Aussagen von Gesprächspartnern
Ähnlichkeit des Zeitreihenvergleichs Vermutung drängt sich auf, dass der nicht mehr verstehen und zutreffend
beschriebene Sachverhalt auf eine deuten.
höhere Lärmbelastung zurückzu-
führen ist, der Personen mit einem Das beschriebene Phänomen gilt
einfachen sozialen und bildungsmä- auch für die Rezipienz von akusti-
ßigen Zuschnitt ausgesetzt sind. Es schen Medien.
kann als sicher gelten, dass Men- Demnach macht es die häufig recht un-
schen aus einfachem Milieu häufiger deutliche Artikulation von Schauspie-
in typischen „Lärmberufen“ wie z.B. lern in filmischen Szenen, verbunden
Straßenbau, Fabriken, Müllentsor- mit Begleitmusik, einer wachsenden
gung etc tätig sind, als die übrige Anzahl älterer Menschen kaum mög-
Bevölkerung. Anzunehmen ist über- lich, der Handlung zu folgen. Auch bei
dies, dass Menschen, die auf den un- Dokumentationssendungen im Fern-
tersten Sprossen der sozialen Leiter sehen, die um dramaturgischer Effek-
stehen, auch in ihrem Wohnmilieu, te willen zumeist akustisch untermalt
wie z.B. Durchzugsstraßen, mit einer werden, kann der gesprochene Text
höheren Lärmbelastung konfrontiert nur höchst mühsam oder gar nicht
sind als die Angehörigen gehobener verstanden werden. Dies alles bedeu-
Schichten. tet eine empfindliche Härte für Men-
Foto: S. Hofschlaeger, pixelio

schen, die aufgrund eines auch beein-


Der gefürchtete „Partyeffekt“ trächtigten Bewegungsapparates im
Schwerhörigkeit bedeutet nicht so Alter weniger mobil sind und für die
sehr, gewisse Töne nicht mehr zu das Fernsehen und Radio nicht selten
vernehmen, sondern hauptsächlich, unverzichtbare Tore zur Umwelt dar-
die Sprache nicht mehr richtig zu stellen.
Februar 2010 soziologie heute 39

Es ist außer Zweifel, dass bereits


eine relativ geringfügige Schwerhö-
rigkeit die Lebensqualität der Be-
troffenen erheblich beeinträchtigt.
Über die sozialen Auswirkungen der
Schwerhörigkeit wurde bisher wenig
diskutiert. Die Ergebnisse der IMAS-
Studie enthüllen jedoch ein bedrü-
ckendes Bild:

64 Prozent (also fast zwei Drittel


der Personen mit mäßigem oder
schlechtem Hörvermögen) müssen
bei Gesprächen nachfragen, wenn Quelle: IMAS-International
sie etwas nicht klar genug verstan-
den haben;
22 Prozent (mehr als ein Fünftel der ein merkwürdiges Gefühl der Stigma- musik (insbesondere in Informa-
Bezugsgruppe) berichten über häu- tisierung der Betroffenen behindert. tionssendungen, in denen es eher
fige Missverständnisse oder sogar Während das Tragen einer Brille um Wissenstransfer als um künst-
Konflikte mit dem Partner, weil sie längst eine Selbstverständlichkeit ist lerische Eindrücke geht) und nicht
etwas nicht verstanden haben; 15 und einen Niederschlag sogar in mo- zuletzt eine sorgsame Auswahl von
Prozent leiden innerlich darunter, dischem Design findet, sind Hörgeräte Sprecherinnen und Sprechern unter
dass sie an vielen Unterhaltungen einer unbewussten Ächtung unter- dem Aspekt ihrer stimmlichen Taug-
mit anderen nicht richtig teilnehmen worfen. Sie symbolisieren offenkundig lichkeit.
können, weil sie zu schlecht hören; die Zugehörigkeit zu einer im Abstieg
13 Prozent der Personen mit schlech- begriffenen Gruppe und bewirken Die Produzenten von TV- oder Radio-
tem Hörvermögen müssen beim damit eine im Grunde unsinnige Ab- programmen würden gut daran tun,
Fernsehen oder Radio auf viele Sen- wehrhaltung. Die Fehlreaktion der ihre Schwerpunktsendungen einer
dungen verzichten, weil sie einfach Betroffenen hat zur Folge, dass die Art von akustischem TÜV zu unter-
nicht genug verstehen können; Erstverwendung von Hörgeräten im ziehen, denn die Publikumswirk-
12 Prozent halten sich bei Gesprä- Schnitt sehr spät, nämlich mit rund 70 samkeit einer Dokumentation oder
chen mit Bekannten oder Freunden Jahren, stattfindet. Information bis hin zum Begleitkom-
zurück, weil sie ohnehin nicht viel mentar des morgendlichen Pasticcio
von der Unterhaltung verstehen; Die Hersteller von Hörgeräten unter- hängt nicht allein von der Nachrich-
9 Prozent sind Depressionen ausge- nehmen recht unterschiedliche Auf- tenqualität, sondern auch von der
setzt, weil sie schlecht hören und klärungs- und Werbestrategien, um Verständlichkeit der Kommunikation
fühlen sich isoliert ; die unbefriedigende Situation zu ver- ab.
8 Prozent vermeiden wegen ihres bessern. Es ist zu hoffen, dass eine
Gebrechens bewusst Kontakte mit davon wenigstens mittelfristig zu Die Quote des vornehmlich älteren
anderen Menschen. einer Verhaltensänderung der Hörge- und für diesen Programmtyp beson-
schädigten führen wird. ders prädestinierten Publikums wird
Bei der Suche nach Auswegen rich- es danken.
ten sich begründete Hoffnungen Einen wichtigen, nicht zu unter-
zunächst auf die Fortschritte in der schätzenden Beitrag zur Situations-
Hörgerätetechnik. Tatsächlich wur- verbesserung könnten aber auch
den die Geräte in der jüngsten Ver- die Funk- und AV-Medien durch eine AUTORENHINWEIS:
gangenheit nicht nur kleiner und verstärkte Rücksichtnahme auf die
damit ästhetischer, sondern auch sensorisch benachteiligten Bevöl- *) Dr. Karin Kirschhofer leitet die HNO-Abteilung
qualitativ hochwertiger, insbesonde- kerungsgruppen leisten. Die gestal- einer Wiener Klinik. Im Rahmen ihrer wissen-
re im Hinblick auf die Unterdrückung terischen Rezepte sind im Grunde schaftlichen Tätigkeit wurde sie 1999 mit dem
von Störgeräuschen. Der Gebrauch einfach: Deutliche Artikulation, spar- Preis der Höchst-Stiftung für Spitzenleistungen in
von Hörgeräten wird allerdings durch samer Gebrauch von Hintergrund- der biomedizinischen Forschung ausgezeichnet.

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40 soziologie heute Februar 2010

Neues aus der Forschung Im vorliegenden Beitrag von Interesse


ist dabei insbesondere, welche indivi-

Was haben sie,


duellen Merkmale von AbsolventInnen
– wie soziodemografische Eigenschaf-
ten, berufliche (Vor)Erfahrungen und
Einstellungen – und welche Rahmenbe-
dingungen sowie Ergebnisse der Hoch-
schulbildung welchen Zusammenhang

was ich nicht hab‘?


mit Berufserfolg haben.
Hierzu ist zunächst Berufserfolg zu
definieren. Dieser wurde in unserer
Studie multidimensional und für meh-
rere Zeitpunkte in Anlehnung an vor-
angegangene Studien als Einkommen,
Studie zu Berufserfolgs-Determinanten als Zufriedenheit mit der beruflichen
Situation, als die aktive Suchdauer bis

von HochschulabsolventInnen zur Aufnahme der ersten Tätigkeit und


als Ausbildungsadäquanz der Beschäf-
tigung operationalisiert. Für diesen
von René Krempkow1) Beitrag können nur Ergebnisse zum
derzeitigen Einkommen vorgestellt
werden.
Das Potential von AbsolventInnen- licher Nutzen exemplarisch anhand
befragungen für Berufserfolgsana- der Freiburger AbsolventInnenstudien Nachfolgend ist das für diesen Beitrag
lysen vorgestellt. etwas verkürzte Modell der Determi-
In Hochschulpolitik und Medien wird nanten beruflichen Erfolges grafisch
vielfach ungeprüft vorausgesetzt, Das Modell: Was ist (potentiell) dargestellt, welches Krempkow & Pa-
dass AbsolventInnen mit möglichst wichtig für Berufserfolg? stohr (2006) in Anlehnung an voran-
geringem Alter und besten Noten die Eine Analyse der Determinanten des gegangene Forschungen erarbeiteten
besten Berufschancen hätten. Wel- beruflichen Erfolges analog der vorlie- (u.a. Teichler & Schomburg, Enders &
chen Einfluss diese Aspekte tatsäch- genden wurde bereits in den Dresdner Bornmann). Dabei werden die Dimen-
lich und welche Bedeutung andere, AbsolventInnenstudien von Kremp- sionen und deren einzelne Aspekte
z.T. in der Bewerbungsratgeberlite- kow & Pastohr (2006) durchgeführt. dem Ausgangspotential (Input), dem
ratur genannte Einflussmöglichkei- Mittels multipler Regressionsanalysen Prozess und den Ergebnissen (Output)
ten auf den Berufserfolg haben (z.B. wurde der Berufsweg bzw. Berufser- der Hochschulbildung sowie einzelnen
Karriereorientierung, persönliche folg von AbsolventInnen mit kürzerer Etappen der Berufslaufbahn zugeord-
Kontakte), wurde bislang eher selten und längerer Studiendauer sowie das net. Für die Untersuchung werden mul-
untersucht. Gewicht verschiedener diskutierter tivariate Verfahren (Regressionsanaly-
Determinanten des Berufserfolges un- sen) eingesetzt, die laut Janson (2008)
Seit „Employability“ oder Beschäf- tersucht. Ein Ergebnis war, dass Studi- für AbsolventInnenstudien nach wie
tigungsbefähigung im Rahmen des endauer und Abschlussnoten nicht re- vor eher die Ausnahme darstellen.
Bologna-Prozesses unter den Zielen levant sind. Ist dies ein Einzelfall oder
der Hochschulbildung eine zentrale gilt dies auch für andere Hochschulen?
Rolle einnimmt, gewinnen Absolvent-
Innenstudien an Bedeutung. Um die Erste ähnliche Analysen anhand des
„European Standards and Guidelines Bayrischen Absolventen-Panels vom
for Quality Assurance“ an den Hoch- IHF München und von HIS Hannover
schulen zu gewährleisten, werden zeigen ebenfalls, dass nicht unbedingt
AbsolventInnenstudien erwartet und die postulierten Aspekte relevant sind.
zunehmend auch durchgeführt. Auch Für vorliegenden Beitrag wurde aus
hochschulübergreifende Institutionen Gründen der Vergleichbarkeit im We-
wie das IHF München bauen diese sentlichen die Methodik von Kremp-
aus. Damit besteht großes Potential kow & Pastohr (2006) auf die aktuellste
für ähnliche Analysen an zahlreichen AbsolventInnenstudie der Universität
Hochschulen. Wenn unterschiedli- Freiburg angewandt. Freiburg ist stär-
che Erfolgsfaktoren an den einzelnen ker geisteswissenschaftlich geprägt
Hochschulen gefunden werden, kann – im Gegensatz zur TU Dresden. Die
es jedoch wichtig sein, diese hoch- Gemeinsamkeiten und Unterschiede
schulspezifisch zu analysieren. Daher werden hiermit an einer zweiten, sich
werden nachfolgend das hier zugrun- deutlich unterscheidenden Stichprobe
degelegte Modell beruflichen Erfol- analysiert und so exemplarisch auch
ges, die Datenbasis für die Analysen, der Einfluss der Institution themati-
wesentliche Ergebnisse und ihr mög- siert.
Februar 2010 soziologie heute 41

Datenbasis (Geistes-, Sozial- und Verhaltenswis- sehr signifikanter Zusammenhang.


Als Grundlage dient die Erhebungswel- senschaftliche Studiengänge). Das Die Differenz von rund 400 Euro findet
le 2008/09 der Freiburger Absolven- durchschnittliche monatliche Brutto- sich trotz sehr unterschiedlicher ab-
tInnenstudien, welche ein Teilprojekt einkommen beträgt zum Befragungs- soluter Einkommenshöhe in allen drei
des bundesweiten Kooperationspro- zeitpunkt (ein bis zwei Jahre nach Fächergruppierungen wieder. Etwas
jektes am Internationalen Zentrum Studienabschluss): 1.600 Euro (Geis- anders sieht es für die Nutzung per-
für Hochschulforschung (INCHER) tesfächer), 2.700 Euro (Technikfächer) sönlicher Kontakte aus:
Kassel ist. Es ist eine Besonderheit und 3.600 Euro (Medizin).2
des Kooperationsprojektes, dass die Auch zwischen der Nutzung persönli-
Hochschulen maßgeblich Einfluss auf Ausgewählte Determinanten cher Kontakte bei der Beschäftigungs-
die Anlage und die Interpretation der des Berufserfolgs suche und dem Einkommen bestehen
Ergebnisse der AbsolventInnenstudie Im Folgenden werden einige beson- deutliche, aber in der Richtung ver-
haben (Schomburg 2008: 59) und selb- ders prägnante Ergebnisse der Zu- schiedene Zusammenhänge: Tech-
ständig Analysen durchführen kön- sammenhangsanalysen vorgestellt. nik-AbsolventInnen, die diese nicht
nen. Dabei wurden insgesamt rund Die zehn potentiellen Determinanten3 nutzten, erhalten ein höheres Gehalt.
2000 AbsolventInnen grundständiger ergaben sich aus den ins Modell ein- Vermutet werden kann, dass eher sol-
Studiengänge der Universität Freiburg bezogenen Hypothesen (siehe Abbildung che Technik-AbsolventInnen persön-
per E-Mail/postalisch angeschrieben. 1: H1 bis H10). liche Kontakte nutzen (müssen), die
schlechtere Chancen auf dem Arbeits-
Von den angeschriebenen Absolven- Wie erwähnt, weisen die Bruttomo- markt haben. Umgekehrt ist es in der
tInnen kamen von Oktober 2008 bis Ja- natseinkommen der einzelnen Fächer- Medizin. Hier erhalten diejenigen mit
nuar 2009 insgesamt 758 verwertbare gruppen deutliche Unterschiede auf. Nutzung persönlicher Kontakte ein
Fragebögen zurück. Die verwertbare Daher wurden getrennte Analysen höheres Gehalt.
Rücklaufquote liegt mit rund 40% im durchgeführt. Die Modelle haben für
mittleren Bereich der für solche Stu- die einzelnen Fächergruppierungen In Geistesfächern ist neben der Kar-
dien üblichen Werte. Die Repräsen- unterschiedliche Erklärungskraft, riereorientierung nur die Abiturnote
tativität wurde mittels Daten aus der sind aber alle statistisch signifikant. signifikant: Je besser die Note, desto
Hochschulstatistik überprüft. Für die Da Regressionskoeffizienten wenig an- mehr verdienen sie. Entgegen häufi-
Betrachtung der Fächergruppen gibt schaulich sind (vgl. Krempkow/ Wilke ger Annahme erweisen sich Studie-
es keine Abweichungen. Damit kann 2009), werden hier exemplarisch Sub- nabschlussnoten als nicht relevant.
die Stichprobe insgesamt als reprä- gruppenanalysen für zwei der zuvor Außerdem verdienen männliche Tech-
sentativ für die AbsolventInnen der mit multivariaten Verfahren ermittel- nikabsolventen mehr als ihre Kom-
einbezogenen Fakultäten gelten (vgl. ten Ergebnisse dargestellt: militoninnen. Am Altersunterschied
Krempkow u.a. 2009). z.B. durch Wehr- und Zivildienst liegt
Das Ergebnis stützt die zugrundege- dies nicht. Denn AbsolventInnen mit
Für die folgenden Analysen wurden legte Hypothese: Es verdienen die- einem höheren Berufseintrittsalter
die Befragten in drei Fächergrup- jenigen mehr, denen gute Aufstiegs- verdienen etwas weniger. Für die Be-
pierungen aufgeteilt: Technikfächer möglichkeiten (sehr) wichtig sind rufszufriedenheit, Suchdauer und Aus-
(inkl. Umwelt); Medizin (Human- und (überdurchschnittliche Karriereorien- bildungsadäquanz ergaben sich sehr
Zahnmedizin) sowie Geistes-Fächer tierung). Hier besteht ein starker und unterschiedliche Resultate für die Fä-
Abbildung 1: Grafische Darstellung der Hypothesen, nach Krempkow & Pastohr (2006)
42 soziologie heute Februar 2010

chergruppierungen (vgl. Krempkow ben sich z.B. aus Zusammenhängen ren-Modell bestätigt (lediglich die Abiturnote wird
u.a. 2010). Diese sind hier nicht in Kür- von fachlichen Vertiefungsmöglichkei- zusätzlich signifikant), ebenso für die Geistes-, So-
ze darstellbar. ten, Schwerpunktsetzungen und Be- zial- und Verhaltenswissenschaften: Hier werden zu-
rufsausbildungen mit besseren beruf- sätzlich Berufseintrittsalter sowie soziale und kom-
munikative Fähigkeiten signifikant (vgl. Krempkow
Was nützen solche Erkenntnisse? lichen Chancen. Ein Vergleich mit den
& Wilke 2009).
Solches Wissen kann für die Informati- Ergebnissen der Dresdner Absolven-
on der AbsolventInnen/Studierenden tInnenstudien (hier nicht dargestellt)
zeigt zudem: Zwar sind Abschlussno- Literatur
über Erfolgsfaktoren und für die Un- Krempkow, Rene & Pastohr, Mandy (2006): Was macht
terstützung beim Berufseinstieg sowie ten und Studiendauer/Berufseintritts- Hochschulabsolventen erfolgreich? Eine Analyse der De-
die Reflektion der Ausbildung zwecks alter weniger oder gar nicht relevant. terminanten beruflichen Erfolges anhand der Dresdner
Weiterentwicklungen genutzt werden. Welche Aspekte wichtig sind, kann je- Absolventenstudien 2000-2004, Zeitschrift für Evaluati-
doch nach Fach und Hochschule sehr on 1/2006, 7-37. (www.zfev.de/fruehereAusgabe/ausga-
Die Information der AbsolventInnen verschieden sein. be2006-1/abstracts/Flyer-ZfEv%202006-1.pdf)
kann z.B. über Dezernate für Studium/ *** Krempkow, Rene & Wilke, Ulrich (2009): Graduate sur-
Weiterbildung, Absolventenreferate veys as an outcome evaluation. Paper for the EAIR -The
und -vereine geschehen. So könnten Anmerkungen: European Higher Education Society Forum 2009: Vilni-
1) Für die Unterstützung bei Datenerhebung und us. (www.forschungsinfo.de/Publikationen/Download/
diese mit dem Wissen, dass bestimmte
Vorbereitung der Auswertungen möchte ich mich Krempkow_Wilke%20_2009_Graduate%20surveys%20
Aspekte die Chancen beim Berufsein- as%20an%20outcome%20evaluation.pdf)
stieg steigern, diese in Bewerbungen bedanken bei Angela Cho, Julia Kurfürst und Dr. Jac-
queline Passon, Annika Vissering, Ulrich Wilke und Krempkow, Rene / Vissering, Annika / Wilke, Ulrich &
stärker herausstellen bzw. gezielt ver- Lukas Bischof. Zur detaillierten Dokumentation der Bischof, Lukas (2010): Absolventenstudien als outcome
bessern, z.B. in privater Initiative oder Studie vgl. Krempkow u.a.(2010). evaluation. In: Sozialwissenschaften und Berufspraxis –
in Weiterbildungen der Hochschule. 2) Bei der Analyse wurde nicht zwischen Voll- und SuB, im Druck(!).
Außerdem könnten sie eigene Qualifi- Teilzeitbeschäftigten unterschieden, da hier das er- Schomburg, Harald (2008): Interview mit dem Leiter des
kationen im Vergleich zu anderen Ab- zielte Einkommen (nicht der Stundenlohn) im Fokus bundesweiten Absolventenprojekts, INCHER Kassel. In:
solventInnen besser einschätzen und stand und davon auszugehen ist, dass die meisten Qualität in der Wissenschaft (QiW), 3/2008, 58-61, Biele-
dies z.B. bei Gehaltsverhandlungen Absolvent-(inn)en eine Vollzeittätigkeit anstreben. feld: UniversitätsVerlag¬Webler.
einbeziehen. Und auch das Wissen Zu Details bei der Berechnung vgl. Krempkow u.a.
dürfte hilfreich sein, dass in vielen (2010). Dr. René Krempkow ist Projektleiter am iFQ
3) Darüber hinaus wurden alternative Modelle mit - Institut für Forschungsinformation und Quali-
Fächern nicht Studiendauer und Ab-
niedrigerer und höherer Anzahl Prädiktoren be- tätssicherung, Godesberger Allee 90, 53175 Bonn
schlussnoten über den Berufserfolg rechnet. Modelle mit 20 Prädiktoren (die eine noch (www.forschungsinfo.de).
entscheiden, sondern andere Aspekte bessere Vergleichbarkeit mit den Ergebnissen von Zuvor war er dies für die Freiburger Absolven-
wichtiger sind. Krempkow & Pastohr 2006 ermöglichen) ergaben tInnenstudien, sowie stellv. Leiter der Abteilung
Sinnvolle Ansatzpunkte für eine Reflek- sehr ähnliche Resultate: So wurden für die Medizin Qualitätssicherung in Lehre und Studium, Akkre-
tion der Ausbildungsprogramme erge- die signifikanten Prädiktoren aus dem 10-Prädikto- ditierung der Universität Freiburg/Br.

Leserbriefe
Bezugnehmend auf den Beitrag von Hermann Stras- ler und der `H-Sonderauftrag`“. In: Claudia von und nicht nach der Vorgabe irgendwelcher pa-
ser und Georg W. Oesterdiekhoff in soziologie heute Werlhof (Hrg.) „Aufbruch aus dem Patriarchat triarchalisierten Alchimisten (vgl. Claudia von
„Glauben Sie noch oder wissen Sie schon?” (Dez. – Wege in eine neue Zivilisation?“, Peter Lang Werlhof). Na ja, die gab es damals noch nicht!
2009) Internationaler Verlag der Wissenschaften 2009,
S. 230; vgl. Claudia von Werlhof 1996). Karina St., Moers
Auch wenn es berechtigt sein mag, den Schluss Wie wir in Ihrem Artikel lesen, wird in einem
zu ziehen, dass nicht nur der Ahnenkult, son- Ahnenkult der eigene Clan als „Herr der Welt“ Mit „soziologie heute” konnte ich bei meiner
dern die Religion insgesamt, sich aus dem kind- angesehen. Wie die moderne Matriarchatsfor- Seminararbeit gewaltig punkten. Ich freue mich
lichen Entwicklungszustand der Psyche ergibt schung nachweist, hatte in der „vorzivilisierten“ schon auf die nächsten Ausgaben. Danke.
und die heute kaum gefüllte Kirche keine mün- Zeit, als der Ahnenkult noch weiträumig selbst-
digen ZuhörerInnen mit ihren Predigten bannen verständlich war, die älteste weibliche Person Anita B., St. Pölten
kann, hat die Religion – hier meine ich die mono- in dem Clan über die Gemeinschaftsgefüge zu
theistisch ausgeprägte Anbetung Gottes in drei- entscheiden gehabt, weil sie das neue Leben in Ich dachte gar nicht, dass mein Vater so poli-
facher Mannesgestalt (Vater, Sohn und der hl. die Welt gebracht und mit dem eigenen Körper tisch denkt. Zweimal gab ich ihm soziologie
Geist) - verheerende Folgen, wie die Geschichte das Kind am Leben gehalten hatte. Der Begriff heute zum Lesen. Jetzt möchte er die Zeitschrift
gezeigt hat und weiterhin zeigt! Denn im Patriar- „Herr“ ist in unserer modernen Gesellschaft selbst abonnieren. Und wenn ich ihn besuche,
chalismus, der in unserem Kulturraum mit der nachvollziehbar, war aber zur Zeit des Ahnen- dann diskutieren wir über die Inhalte.
religiösen Schrift, der Bibel, legitimiert wird, kults unbekannt (sehe z. B. Claudia von Werlhof
„lässt sich der Impuls erkennen, weibliche Schaf- oder Heide Göttner-Abendroth). Hermann S., Berlin
fenskraft abzuwerten, um die vermeintliche Un-
zulänglichkeit und Unverlässlichkeit der Mütter Die Menschen damals machten sich Götter – Meine beiden Töchter studieren jetzt in den
zu verbessern und idealerweise überwinden zu wie es dem Artikel zu entnehmen ist – ihrer Psy- USA und schätzen die wertvollen Infos in sozi-
können. Der Ausgangspunkt ist der, dass die che entsprechend. Sie sahen die schöpferischen ologie heute sehr. Ich hoffe, Sie können die ak-
matriarchale Lebensweise überwunden werden Vorgänge in der Natur, z. B. wie eine Frau ein tuellen Ausgaben Ihrer Zeitschrift auch an die
soll, im Gegensatz hierzu eine Gesellschaftsform Kind gebar und sagten womöglich „Es ist ein neue Adresse (siehe unten) übermitteln.
forciert werden müsse, welche Mütter einmal Wunder!“, weil sie es noch nicht erklären konn-
überflüssig machen würde.“ (Fanco Rusalt „Der ten. Immerhin: Sie machten sich Götter, vermut- Anton H., Wien
Hexenjäger als Staatstechniker. Heinrich Himm- lich Göttinnen, nach eigener Vorstellungskraft
Februar 2010 soziologie heute 43

Public Observer
Am Ende der Staat – oder der Staat am Ende?
von Bernhard Martin

Im strukturell sich zunehmend verschul- Es eignet als Prinzip auch zur innerstaatli- lismus in Stellung gebracht und in der Zwei-
denden und politisch dysfunktionalen chen Kompetenzordnung zwischen den Ge- ten Republik quasi restauriert. Die österrei-
Staate Österreich erfordern drückende bietskörperschaften. Souveränitätsverluste chische Sozialpartnerschaft ist heute in der
Refinanzierungszwänge noch in dieser Le- sind nicht zu befürchten, weil in allen sup- westlichen Welt einmalig (anachronistisch)
gislaturperiode einschneidende Reformen ranationalen Regelwerken gemeinschaftli- in ihrem Vernetzungsgrad. Im Sozial- und
in der Staatlichkeit. Heftige Grabenkämp- che Souveränitätsausübung vorgesehen ist. Wohlfahrtsstaat wurde der Schutzschirm
fe zwischen Bund und Ländern behindern Lediglich realitätsferner Absolutismus ist in des Staates gegen vermeintlich destabili-
in der Republik seit Jahr und Tag die Ent- einer multilateralen und pluralistischen Welt- sierend wirkende, globale Einflüsse auf na-
wicklung zu einem liberalen und demokra- gemeinschaft zum Abdanken verurteilt. hezu alle Lebensbereiche ausgeweitet und
tischen Staat. Gerade nach dem EU-Beitritt Die Europäischen Verträge mit ihren Grund- hat die Grenzen nachhaltiger Finanzierbar-
1995 liegt es politisch auf der Hand, min- freiheiten sowie die Menschenrechtskon- keit längst überschritten. Dieses System ist
destens eine Verwaltungsebene (Bezirk, vention beinhalten den Rahmen für das durch die Liberalisierung weiter Teile der
Gemeinde, Land, Bund, EU) einzusparen. Verhältnis zwischen Staat und Privat in den Märkte – analog zu EU-Richtlinien – sowie
Allerdings würde keine Partei ohne Zwang Mitgliedsstaaten. Um regionale bzw. sozio- der Gesellschaft schrittweise abzuschaffen.
das Reformziel Abschaffung der neun Lan- kulturelle Unterschiede zu bewahren bedarf – Von der gegenwärtigen Regierung ist dies
desregierungsapparate betreiben. Denn es weder Berufspolitik auf allen Ebenen noch allerdings nicht zu erwarten da diese als
dafür würde jeder von der veröffentlich- eines überdimensionierten, sündteuren Be- eine ihrer ersten Taten nach Angelobung
ten Meinung in die politische Versenkung rufsbeamtentums. – In der Säkularisation die gesetzliche Zwangsmitgliedschaft in den
„campaigned“. Es liegt daher am Demos sind Folklore und Kultus Privatsache. Grund- Verfassungsrang gehoben hat.
als Souverän zu entscheiden, welche Staat- sätzlich gilt es den klassischen Satz: „So viel Solange Wirtschaft und Gesellschaft vom
lichkeit geschaffen werden soll. Staat wie notwendig, so wenig wie möglich“ postfaschistischen Sozial- und Wohlfahrts-
in gemeinschaftliche Modelle umzusetzen. staat derart zwangsverwaltet bleiben, droht
Im Arbeitsprogramm der gegenwärtigen ös- Dies bedeutet, dass zunehmend auch private der Aufbau zu einem liberal-demokratischen
terreichischen Bundesregierung ist das Ziel und zivilgesellschaftliche Verbände Aufgaben Staat auch in der Zweiten Republik zu schei-
einer Staats- und Verwaltungsreform wieder erledigen, welche bislang von Regierungsor- tern. Selbst Internet und globale Transfor-
einmal enthalten. Die Thematik wird schon ganisationen reguliert, garantiert und auch mationen können den notwendigen kollekti-
seit den 1960er Jahren in diversen Kommis- geleistet wurden. ven Bewusstseinswandel, der die Menschen
sionen juristisch und politisch diskutiert. – Etwa analog zur EU-Dienstleistungsrichtlinie, hierzulande aus ihrer „selbstverschuldeten
Bisherige Beratungen brachten jedoch nicht die in Österreich bis dato noch ihrer Um- Unmündigkeit“ (Kant) befreit, nur schwer-
den großen Wurf zur Erneuerung der Repu- setzung harrt – können bislang öffentlich- lich zum Durchbruch verhelfen. Wahlfreiheit
blik Österreich. Erhoffte Effizienzgewinne rechtlich geleistete Dienste künftig auch und aufgeklärte Eigenverantwortung als
sowie beträchtliche Einsparungen in der privatwirtschaftlich erbracht werden. Hier zentrale Aspekte eines freien Menschen fal-
Staatsbürokratie blieben aus. Auch im Ös- bestehen in Österreich weiterhin große Hin- len in Österreich geradezu unter deviantes
terreich-Konvent für eine Staats- und Verfas- dernisse für stärkere zivilgesellschaftliche Verhalten.
sungsreform kreißten vor einigen Jahren die Partizipation. Längst schon wäre es möglich
Berge – allein: Österreich steht vor den glo- gewesen, z.B. Bezirkshauptmannschaften EU und Privatisierung
balen Herausforderungen noch immer auf abzuschaffen und deren Kompetenzen den Angesichts zahlloser Skandale muss be-
konstitutionell klapprigen Beinen. Das für Gemeinden bzw. an privatwirtschaftlich orga- fürchtet werden, dass die institutionalisier-
die Bürger kaum überschaubare Flickwerk nisierte Dienstleister zu übertragen. te Politik in Österreich zu keiner Erneuerung
an Verfassungsrecht – teils noch aus der fähig ist. Das Verfassungsprinzip von checks
Monarchie stammend – wird entgegen aller Überholte Zwangsmitgliedschaft & balances funktioniert in Österreich wegen
Erfordernisse der Zeit von einer Verwaltung Während im anglo-amerikanischen Raum in politischer Absprachen allenfalls subop-
gehütet, deren Beamtengewerkschaft im den 1980er Jahren weitreichende Deregulie- timal. In EU-Mitgliedsstaaten ist gemein-
Staat nahezu allmächtig ist. – Klassische Vo- rungen vor allem im Finanzsektor sowie Steu- schaftliche Souveränitätsausübung mit
raussetzungen für eine berechtigte Revolu- ersenkungen (Stichwort: „Reagonomics“) EU-Institutionen verpflichtend. Damit Re-
tion gegen ein Ancient Régime, wenn jenes mit weltweiten Auswirkungen unumkehrbar formvorhaben nicht immer wieder von der
in Österreich nicht schon 1918 gescheitert eingeleitet wurden, strotzen in Österreich nächsten Wahl abgewürgt werden, ist das
wäre. weite Teile der Privatwirtschaft vor behördli- Volk darüber zu befragen. Die direkte Demo-
chen Auflagen bzw. Zugangsbeschränkungen, kratie muss über neue Modelle von öffent-
Subsidiaritätsprinzip die für internationale Anbieter kaum durch- lich-privater Zusammenarbeit entscheiden.
Der Widerstand, ganze Gebietskörperschaf- schaubar und für Konsumenten mangels Und damit gegen altösterreichische Tinten-
ten bzw. auch nur eine Verwaltungsebene Wettbewerb kaum Mehrwert bringen. burgen, deren erkennbarer Zweck in der
einzusparen, kommt vor allem aus den po- Die als „Sozialpartnerschaft“ bekannte Ur- Verteidigung herrschaftlicher Besitzstände
litischen Parteien, Gewerkschaften und Be- sache für die überregulierte Sozial- und liegt. – Ohne nachdrückliche Anstöße von
rufs- bzw. Standesvertretungen. Reformen Wirtschaftsordnung entspricht einer in den außen hat es dergleichen in Österreich aller-
innerhalb des EU-Reformvertrages wären 1930er Jahren von der römisch-katholischen dings noch nie gespielt.
aber höchste Zeit. Die dafür gleichsam als Kirche aufgrund der päpstlichen Enzyklika
Blaupause vorgesehene Subsidiarität kann „quadragesima anno“ inspirierten Sozialord-
nicht nur für das Verhältnis zwischen EU nung. Im autoritären Ständestaat wurde diese Dr. Bernhard Martin ist freischaffender
und Mitgliedsstaat heran gezogen werden. gegen die Prinzipien des politischen Libera- Mediensoziologe in Wien.
44 soziologie heute Februar 2010

Buchvorstellungen von Bernhard Hofer

... mit Hilfe der Zeichen


- Transnationalismus, soziale Bewegungen und kulturelle Praktiken in Lateinamerika

Der vorliegende Sammelband der beiden Herausgeber Kastner und Waibel


beinhaltet zahlreiche theoretische Überlegungen zum Transnationalismus,
soziale Bewegungen und kulturelle Praktiken in Lateinamerika und stellt die-
se - wie die Herausgeber betonen - ausdrücklich zur Diskussion.

In diesem (zum Teil zweisprachig) aufgebauten Buch wird versucht, die


Wechselwirkung kultureller und ökonomischer Erklärungen im Hinblick auf
soziale Bewegungen in Lateinamerika kritisch in den Blick zu nehmen. Aus
zahlreichen unterschiedlichen Perspektiven wird dabei die Auseinanderset-
zung um gesellschaftliche Deutungsmacht im heutigen Lateinamerika an-
hand von Strategien und Taktiken sozialer, kultureller und politischer Bewe-
gungen und deren Verwendung, Aneignung und (Neu)deutung von Zeichen
analysiert.

Für Lateinamerika-Neulinge ist dieser Band eine spannende Entdeckungsrei-


se in einen geo-kulturellen Raum, worin nicht nur soziale Verhältnisse mit
Hilfe kulturtheoretischer Methoden beschrieben werden, sondern soziale Jens Kastner, Tom Waibel (Hg.)
Bewegungen als gesellschaftliche Formationen ausgewählt werden, um die- ...mit Hilfe der Zeichen | por medio de signos...
se hinsichtlich ihrer Symbole, Institutionalisierungen und Bedeutungen zu Transnationalismus, soziale Bewegungen und
hinterfragen. Die von den sozialen Bewegungen ausgelösten ökonomischen
kulturelle Praktiken in Lateinamerika
und - in jüngster Zeit zunehmenden - kulturellen Verteilungskämpfe werden
- und das ist die Kernbotschaft des Buches - stets mit Hilfe der Zeichen/ Reihe: Atención!
Symbole geführt. Jahrbuch des Österreichischen Lateinamerika-Instituts
Bd. 13, 2009, 288 Seiten
Wohl wissend wie ausufernd und - je nach Sprache unterschiedlich - eine De- Preis: Euro 24,90
finition des Kulturbegriffes sein kann, hüten sich die AutorInnen davor und ISBN 978-3-643-50050-2
stellen stattdessen Überlegungen an, wie Kultur in den Sozialwissenschaften
funktioniert und welchen Funktions- und Bedeutungswandel sie in den letz-
ten Jahrzehnten erfahren hat.

Alles in allem: ein übersichtlich und zugleich abwechselungsreich aufge-


bautes Buch mit zahlreichen Quellenangaben, welches - obwohl in verein-
zelten Passagen zwar etwas mühsam zu lesen- nicht nur für Lateinamerika-
Interessierte, sondern für alle an kulturellen Praktiken, deren Hintergründe
und Auswirkungen Interessierten sehr nützlich ist.

Kultur
- Einsichten

Stephan Moebius hat mit seinem 248 Seiten umfassenden Band „Kultur” das Stephan Moebius
für den deutschsprachigen Raum bislang erste einführende Werk in die Kul- Kultur
tursoziologie geschaffen. Von der Kultursoziologie sind wohl die einfluss-
reichsten Impulse soziologischer Theoriebildung ausgegangen. Moebius transcript-Verlag, 2009
versteht es meisterhaft - ausgehend vom Kulturbegriff - die große Bandbreite Reihe Einsichten
der Kultursoziologie zu präsentieren. Es werden sowohl die zentralen Klas- 248 Seiten, kart.,
Preis: Euro 14,80
siker wie deren Theorieentwürfe behandelt, danach folgt die Darstellung der ISBN 978-3-89942-697-7
Entwicklung des modernen kulturtheoretischen Feldes im Zuges des Cultu-
ral Turn und die Analyse aktueller Kulturtheorien und -forschungen.

Das Werk besticht durch seinen klar strukturierten Aufbau, die auch für
Nicht-Soziologen verständliche Sprache und das umfassende Literaturver-
zeichnis.
Stephan Moebius ist seit 2009 Professor für Soziologie an der Karl-Franzens-
Universität Graz.
Februar 2010 soziologie heute 45

Veranstaltungen
Fachtagung Conflicts of Interest
Was ist wirtschaftliche Rationalität? Basel Institute on Governance
11.-12.2.2010, Universität Hamburg, 7.-8.5.2010, University of Basel, Switzerland
Edmund Siemers Allee 1, ESA West-
The Basel Institute on Governance has the
flügel, Raum 221, 20146 Hamburg pleasure of inviting you to submit proposals
for a two-day interdisciplinary and internatio-
Die soziologische Fachtagung will die Frage
diskutieren: Was ist wirtschaftliche Rationali- nal conference on “Conflicts of Interest”.
tät? Ziel ist es das Besondere wirtschaftlicher Selected contributions to the conference will
Rationalität aus soziologischen Perspektiven form the basis for an edited publication, to be
zu beleuchten. Sie richtet sich dabei an Inter- submitted to an internationally acknowledged
essierte aus der Allgemeinen und Wirtschafts- academic publishing house.
soziologie. The conference will be held on 7-8 May 2010 at
the University of Basel, Switzerland.
Nähere Infos:
http://www.soziologie.de/index.php?id=4
XVII ISA World Congress of
Sociology 2010
„Sociology on the Move”
11.-17.7.2010, Gothenburg, Schweden
Determinism is dead in the social sciences. Despi-
te a strong interest in social structures, social me-
chanisms, forms of reproduction, we are all aware
that human beings are not completely dominated
by them. The world changes, and this change to a
large extent depends on human action and ima-
gination.
If sociology is to be useful, it has to contribute to
an understanding of change – and it has to chan-
ge itself. It is on the move and has to be on the
move because the world, the societies, collective
and individual actors are on the move.
“Sociology on the move” means that our disci-
pline contributes to an understanding of our
world by defining new objects of research, de-
vising new approaches and reevaluating its rich
heritage. It implies a new openness with regard
to other disciplines and to normative questions.
The International Sociological Association offers
an enormous variety of perspectives – in terms of
cultures, gender and generation. They all contri-
bute to the vitality of our discipline.

Michel Wieviorka, ISA President


Hans Joas, ISA Vice-President, Programme
Conference on Applied Intercul- Ulla Björnberg, Chair, Local Organizing Committee
turality Research (cAIR), Univer-
sity of Graz,
7.-10. April 2010, Graz
cAIR combines the resources of research
(universities, institutes) and practice (govern-
ment, civil society, NGOs, schools, media) to
raise awareness about racism and xenophobia
and reduce its prevalence and impact. cAIR
helps practitioners to benefit from research,
and researchers from practice - and promotes
high standards in both areas. Keynote addres-
ses will be given by international leaders in
interculturality research and practice.

cAIR is a new and unique opportunity for


practitioners and researchers in all areas of
interculturality and all countries to meet, join
forces, and progress toward common goals.
46 soziologie heute Februar 2010

Ihr Kleinanzeiger
Werben Sie in soziologie heute mit ei-
ner Kleinanzeige für Ihr Unternehmen/ „LEBENsFROH in die Zukunft
Institution/Verein etc. Machen Sie auf
Ihr Angebot oder Ihre Veranstaltungen - Bildungsförderprojekte für Wirtschaft & Jugend”
aufmerksam. Sie erreichen damit rund ist meine große Leidenschaft und mein Hobby.
5000 Einzelpersonen, Institutionen und Damit halte ich kostenlose Seminare in Unternehmen,
Organisationen aus den Bereichen Bil-
dung, Politik, Wirtschaft, Soziales, Kul-
Städten und Gemeinden sowie in namhaften Hotels.
tur und Wissenschaft. Mein Hauptanliegen ist die Synergie von Jugend und
Der Anzeigenschluss für die nächste Wirtschaft.
Ausgabe ist der 15. März 2010. Gerald Häfele

Nähere Infos: Kontakt und nähere Infos:


i-trans Gesellschaft für Wissenstransfer http://www.lebensfroh.net/
Anzeigen SOZIOLOGIE HEUTE lebensfroh@die-optimisten.ne
Aubrunnerweg 1
A-4040 Linz
Fax: 0043 (0)732 25 40 24
Mail: office@soziologie-heute.at
MEDIATION Die Universität Konstanz ist eine der neun
Exzellenz-Universitäten der Bundesrepublik
VERMITTLUNG BEI KONFLIKTEN Deutschland.
Earth Hour 2010:
Licht aus als Zeichen für den Klimaschutz Fürstenberg ist als Kommunikationsexperte In der Fachgruppe Soziologie der Universität
und ausgebildeter Mediator als Konfliktma- Konstanz ist zum 01.04.2010 im Arbeitsbe-
Es war die größte Aktion aller Zeiten für das nager im privaten und geschäftlichen Bereich reich Empirische Sozialforschung (Prof. Dr.
Weltklima: Rund 4.000 Städte in 88 Ländern tätig. Hinz) die Postdoc-Stelle einer/eines
haben im Vorjahr an der WWF Earth Hour teil-
genommen. Heuer findet die Earth Hour am Durch Mediation können scheinbar unlösbare Akademischen Mitarbeiterin/Mitarbeiters
Samstag, den 27. März zwischen 20:30 Uhr und Probleme zwischen Konfliktparteien einver- (Entgeltgruppe 13 TV-L)
21:30 Uhr statt. Machen auch Sie mit! nehmlich beendet werden.
zunächst befristet für die Dauer von 3 Jahren
Nähere Infos: www.wwf.at zu besetzen.
Der Mediator ist dabei für Sie als neutraler
Vermittler tätig.
Zu Ihren Aufgaben gehören die Mitarbeit an
Bei innerbetrieblichen Personalproblemen, laufenden Forschungsprojekten, die Weiter-
wie Mobbing oder bei Konflikten mit Ge- entwicklung des Forschungsprofils der Ar-
schäftspartnern, unterstützt Sie Fürstenberg- beitsgruppe sowie die Übernahme von Lehre
eine friedliche Lösung zu finden. und Prüfungen.

Sie sparen dadurch nervliche Belastungen, Weitere Informationen zu der ausgeschrie-


Zeit und einen teuren Rechtsstreit. Nutzen Sie benen Stelle finden Sie unter:
einen friedlichen Weg. http://www.uni-konstanz.de/stellen.
Nähere Informationen erhalten Sie unter:
Bewerbungsschluss: 26. Februar 2010
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Bereichen Bildung, Ausbildung und Betreuung
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logischen, betriebswirtschaftlichen oder juri-
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und im außeruniversitären Bereich tätig? desweit einsetzbar und bereit, die Personal-
entwicklung des Trägers für Führungskräfte
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Berufsverbänden auf Ihre Bewerbung.
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in Österreich: kutieren über „Bildung in der Demokratie”. rufseinsteigern (m/w) sind willkommen. Der
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15. bis 17. März 2010 in Mainz Bewerbung wird zugesichert. Diese richten
Sie bitte an
in Deutschland: Weitere Informationen:
www.bds-soz.de Rechtsanwältin Sybille Krader-Börschel
http://www.dgfe2010.de Spemannstraße 10
72076 Tübingen
Februar 2010 soziologie heute 47

Buchreihe Land-Berichte
Band 4 erschienen!
Gerd Vonderach:

www.soziologie-heute.at
Erkundungen ländlicher Lebenswelten.
Berichte über lebensweltnahe Forschungs-
vorhaben aus vier Jahrzehnten.

Der Autor berichtet über zehn empirische


Forschungsvorhaben, die er seit der 1970er
Jahren durchgeführt bzw. geleitet hat.

Inhalt:
Ländliches Bildungsverhalten um 1970
Binnenschiffer im ländlich-kleinstädtischen
Milieu
Fremdenverkehr als Ortsgeschichte und Le-
bensform
Arbeitslosigkeit als Teil der Lebensgeschichte
Berufliche Rehabilitation als Teil der Lebens-
geschichte

Viele weitere kritische Beiträge und Texte finden Sie auf:


Milchbauern in einer Marschenregion
Landwirte im Vertragsnaturschutz

Seit kurzem gibt es hier auch ein Diskussionsforum.


Ehrenamtliches Engagement im ländlichen
Naturschutz
Museumsengagement auf dem Lande
Land-Pioniere. Kreative Initiativen im länd-
lichen Wirtschafts- und Kulturleben

zu bestellen bei:
Shaker-Verlag
Postfach 101818
52018 Aachen
Deutschland
ISBN 978-3-8322-8709-2
140 Seiten
Preis: Euro 10,--

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48 soziologie heute Februar 2010

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