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17. Glycogenstoffwechsel
Glucose, Hauptbrennstoff des Stoffwechsels, wird durch die Glycolyse abgebaut, wobei ATP
produziert wird. Höhere Organismen schützen sich vor potentiellem Brennstoffmangel durch
die Polymerisation überschüssiger Glucose, um sie in Form von Glucanen (Glucose-
Polysacchariden) mit hoher molarer Masse zu speichern. Die Glucane können dann im
Bedarfsfall leicht remobilisiert werden. Die Glucose-Speichersubstanz der Pflanzen ist die
Stärke (Abb. 10-17). Bei Tieren dient Glycogen (Abb. 17.1) als Speicherglucan. Es enthält
alle 8 bis 12 Reste Verzweigungen. Es kommt im Cytoplasma in form von Granula mit einem
Durchmesser von 10 bis 40nm vor; diese kommen gehäuft in Zellen mit dem grössten
Glycogenverbrauch vor, nämlich Muskel- (1-2% Massenanteil) und Leberzellen (bis 10%
Massenanteil). Die Granula enthalten auch die Enzyme, die Glycogensynthese und –abbau
katalysieren.

1. Glycogenabbau
Im Muskel führt der Bedarf an ATP zu einer Umwandlung von Glycogen in Glucose-6-
phosphat (G6P), das dann in die Glycolyse eintritt.
In der Leber löst ein niedriger Blutglucosespiegel den Abbau von Glycogen zu G6P aus;
dieses wird dann zu Glucose hydrolysiert und ins Blut überführt.
Am Glycogenabbau sind drei Enzyme beteiligt:
1. Glycogen-Phosphorylase (oder Phosphorylase) katalysiert Phosphorolyse von
Glycogen zu Glucose-1-phosphat (G1P)
Glycogenn + Pi  Glycogenn-1 + G1P
2. Glycogen-Debranching-Enzym beseitigt die Verzweigungen des Glycogens
3. Glucosephosphat-Mutase wandelt G1P in G6P um

A. Glycogen-Phosphorylase
Kinetik und Reaktionsmechanismus

Glycogen

Die Phosphorylase-Reaktion führt zur Spaltung der Bindung zwischen C(1) und O(1) einer
nichtreduzierenden terminalen Glucosyl-Einheit des Glycogens, wobei G1P gebildet wird.
Diese Reaktion verläuft unter Beibehaltung der Konfiguration. Es finden aber nicht, wie sich
vermuten lässt zwei aufeinanderfolgende nucleophile Substitutionen statt. Im
Reaktionsmechanismus der Glycogen-Phosphorylase wird zuerst ein Komplex mit Pi, Enzym
und Glycogen gebildet. Die Bindungsspaltung mit nachfolgender Bildung eines Oxonium-
Ions ist das Ergebnis einer Säurekatalyse durch das Enzym. Als Zwischenprodukt entsteht
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aus dem -verknüpften terminalen Glucosyl-Rest ein abgeschirmtes Oxonium-Ion. Dieses


liegt in der Halbsessel-Konformation vor:

Halbsessel-Oxonium-Ion-Zwischenprodukt

Pi reagiert nun mit dem Oxonium-Ion zu G1P.

G1P

Die Konfiguration am C(1) wird beibehalten.


Ein wirksamer Inhibitor der Phosphorylase ist das 1,5-Gluconolacton da es die gleiche
Sesselkonformation wie das Oxonium-Ion Zwischenprodukt.

Strukturdomänen und Bindungsstellen

Die Phosphorylase a und Phosphorylase b sind sich in ihrer Struktur sehr ähnlich. Beide sind
in zwei Hauptstrukturen unterteilt:

N-terminale Domäne (Reste 1-484) C-terminale domäne (Reste 485-842)


glycogenbindende
Kontaktsubdomäne (Reste 1-315) Subdomäne (Reste
316-484)
Bindungsstelle für sämtliche
Stelle der
den allosterischen Kontaktstellen der
kovalenten "Glycogenspeicher-
Effektor (das beiden
Modifikation stelle"
allosterische Untereinheiten
(Ser 14)
Zentrum) des Dimers
Das katalytische Zentrum liegt im Zentrum der Untereinheit, dort wo diese beiden
Subdomänen an die C-terminale Domäne grenzen.
Glycogen bildet eine linksgängige Helix mit 6.5 Glucoseresten pro Windung. Auf der
Oberfläche des Phophorylase-Monomers befindet sich ein ca. 3nm langer Spalt. Dieser hat
den gleichen Krümmungsradius wie Glycogen und verbindet die Glycogenspeicherstelle, an
der Glycogen gebunden wird, mit dem aktiven Zentrum, in dem das Glycogen zu G1P
umgewandelt wird. In den Spalt passt eine Kette aus vier bis fünf Zuckerresten. Grössere,
verzweigte Oligosaccharide passen jedoch nicht hinein. Deshalb kann die Phosphorylase
keine Glycosylreste abspalten, die näher als fünf Einheiten an einem Verzweigungspunkt
liegen.
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Pyridoxalphosphat ist ein essentieller Cofaktor der Phosphorylase

Phosphorylase benötigt für ihre Aktivität Pyridoxalphosphat (PLP). Nur die Phosphatgruppe
des PLP ist an der Katalyse beteiligt. Nur sie ist genügend nahe am aktiven Zentrum der
Phosphorylase. Man nimmt an, dass sie als allgemeiner Säure-Base-Katalysator wirkt. Da
sich in der näheren Umgebung des glycosidischen Bindung keine nucleophilen oder
Carboxygruppen des Proteins befinden, ist die PLP-Phosphorylgruppe nahe genug an P i, um
Wasserstoffbrücken zu bilden. Die Bildung des Oxonium-Ions wird dadurch erleichtert, dass
das reagierende Pi gleichzeitig von der PLP-Phosphorylgruppe in einer Art Protonenrelais
protoniert wird. Das Oxonium-Ion wird durch Bildung eines Ionenpaars mit dem anionischen
Pi stabilisiert. Aus dem Ionenpaar bildet sich G1P, in einem Reaktionsschritt,, in dem die
PLP-Phosphorylgruppe ein Proton von Pi abstrahiert.

B. Glucosephosphat-Mutase
Das G1P wird im Anschluss and die Phosphorylase durch die Glucosephosphat-Mutase in
G6P umgewandelt. Dieses tritt dann entweder in die Glycolyse (Muskel) ein oder wird
hydrolysiert (Leber). Eine Phosphorylgruppe wird vom aktiven Phosphoenzym auf G1P
übertragen, es entsteht Glucose-1,6-bisphosphat (G1,6P). Dieses wird durch das Enzym
rephosphoryliert, es entsteht G6P. Zur Aufrechterhaltung er vollen Aktivität der
Glucosephosphat-Mutase ist die Anwesenheit geringer Mengen von G1,6P erforderlich.
Dieses wird durch die Glucosephosphat-Kinase, die die Phosphorylierung der C(6)-OH-
Gruppe von G1P durch ATP katalysiert, bereitgestellt.

C. Das Glycogen-Debranching-Enzym
Das Glycogen-Debranching-Enzym überträgt eine -(1-4)-verknüpfte Trisaccharid-Einheit von
einem „Endzweig“ des Glycogens auf das nichtreduzierende Ende eins anderen Zweiges.
Durch diese Reaktion wird eine neue (1-4)-Bindung gebildet, an die angehängt drei weitere
Einheiten für die Phosphorylase-Reaktion zur Verfügung stehen. Die (1-6)-Verbindung die
den verbleibenden Glycosylrest mit der Hauptkette verbindet, wird vom gleichen
Debranching-Enzym hydrolysiert.
Da dieses Enzym zwei voneinander unabhängige katalytische Funktionen ausübt, erhöht es
die Effizienz des Debranching-Prozesses. Die Glycogen-Phosphorylase-Reaktion ist
wesentlich schneller als die Glycogen-Debranching-Reaktion. Die äussersten Reste des
Glycogens, die mehr als die Hälfte der Reste ausmachen, werden im Muskel innerhalb
weniger Sekunden abgebaut.

D. Thermodynamik des Glycogenstoffwechsels:


Die Notwendigkeit getrennter Wege für Synthese und Abbau
Unter physiologischen Bedingungen ist der Glycogenabbau exergonisch (die Synthese von
Glycogen aus G1P ist ohne Zufuhr von freier Energie unter physiologischen Bedingungen
nicht möglich). Synthese und Abbau von Glycogen müssen also auf verschiedenen Wegen
erfolgen. Der Grund hierfür liegt ausserdem darin, dass Reaktionen, die durch
verschiedenen Enzyme katalysiert werden, unabhängig voneinander reguliert werden
können und dadurch eine sehr genaue Kontrolle möglich wird. Dieses Prinzip wird in
Abschnitt 16-4B erklärt.
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2. Glycogensynthese
Da die Umwandlung von G1P in Glycogen und Pi bei allen physiologischen Pi-
Konzentrationen thermodynamisch ungünstig ist, ist für die Glycogen-Biosynthese ein
zusätzlicher exergonischer Reaktionsschritt erforderlich. Dies wird durch die Verknüpfung
von G1P mit Uridintriphosphat (UTP) zu Uridindiphosphatglucose (UDPG) erricht. Der
„energiereiche“ Status von UDPG ermöglicht eine spontane Übertragung von Glucosyl-
Einheiten auf die wachsende Glycogenkette. Die drei Enzyme, die die stufen der
Glycogensynthese katalysieren werden in den folgenden Abschnitten besprochen.

A. UDP-Glucose-Pyrophosphorylase
UDP-Glucose-Pyrophosphorylase katalysiert die Reaktion von UTP mit G1P. Das
Phosphorylsauerstoff von G1P greift das -Phosphoratom von UTP an, wodurch UDPG
gebildet und PPi freigesetzt wird. G°’ ist nahezu 0. Das PPi wird durch anorganische
Pyrophosphatase in einer stark exergonischen Reaktion hydrolysiert. Deshalb ist die
Gesamtreaktion exergonisch.

B. Glycogen-Synthase
In diesem Schritt wird die Glucosyl-Einheit des UDPG auf die C(4)-OH-Gruppe eines der
nichtreduzierenden Enden des Glycogens übertragen, wobei eine -(1-4)-glycosidische
Bindung entsteht. Man nimmt an, dass auch diese Reaktion über ein Glucosyloxonium-Ion
als Übergangszustand verläuft. G°’ für diese Reaktion ist –13,4kJ/mol und läuft daher
ebenso spontan ab wie der Glycogenabbau durch die Glycogen-Phosphorylase. Allerdings
wird pro umgewandeltes Glycogen und anschliessend regeneriertes G1P-Molekül ein
Molekül UTP zu UDP und Pi hydrolysiert. Der UTP-Vorrat wird über eine
Phosphatgruppenübertragung, die durch Nucleosiddiphosphat-Kinase katalysiert wird
angetrieben (Abschnitt 26-3B).

UDP + ATP  UTP + ADP

Die Glycogen-Synthase kann nur bereits bestehende (1-4)-verknüpfte Glucan-Ketten


verlängern. Indem die Glycogen-Synthase einen Glucose-Rest auf eine spezifische Tyr-OH-
Gruppe eines Proteins, Glycogenin, überträgt, kann eine Kette gestartet werden.

C. Glycogenverzweigung
Die Verzweigung bei der Glycogenbildung geschieht durch das Enzym Amylo-(1,4-1,6)-
transglycosylase. Diese bildet (1-6)-glycosidische Bindungen neu und löst (1-4)-
glycosidische Bindungen. Die Zweige werden durch die Übertragung von terminalen
Kettenabschnitten, die in der Regel aus sieben Glycosyl-Resten bestehen, auf die C(6)-OH-
Gruppen von Glucose-Resten der gleichen oder einer anderen Glycogen-Kette erzeugt.
Jeder übertragene Abschnitt muss aus einer Kette mit mindestens elf Resten stammen; der
neue Verzweigungspunkt muss wenigstens vier Reste von anderen Verzweigungspunkten
entfernt sein.

3. Die Kontrolle des Glycogenstoffwechsels


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A. Direkte allosterische Kontrolle von Glycogen-Phosphorylase und


Glycogen-Synthase
In Abschnitt 16-4A wird gezeigt, dass die bei einer Veränderung der Substratkonzentration
ausgelöste Veränderung des Flusses in einem Reaktionsschritt maximal wird, wenn dieser
nahe dem Gleichgewicht liegt. Der Fluss ist dann praktisch nicht kontrollierbar. Bei der PFK
und FBPase haben wir aber gesehen, dass eine Flusskontrolle dann möglich ist, wenn ein
Enzym, das weit entfernt vom Gleichgewicht arbeitet, dem ersteren entgegenwirkt. Dadurch
kann die Flussrichtung kontrolliert werden.
Im Glycogenstoffwechsel werden die Geschwindigkeiten der Glycogen-Phosphorylase und
der Glycogen-Synthase durch ATP, G6P und AMP allosterisch kontrolliert.

Glycogen-Phosphorylase Glycogen-Synthse
begünstigt gehemmt begünstigt gehemmt
AMP ATP und G6P G6P AMP
wenig ATP und G6P wenig AMP wenig AMP wenig ATP und G6P

Die Hemmwirkung des ATP auf die Phosphorylase ist leicht zu verstehen, da es mit dem
AMP um die Bindung an die Phosphorylase konkurriert und verhindert dadurch die für die
Phosphorylase-Aktivierung erforderlichen Bewegungen der drei Polypeptid-Abschnitte
gegeneinander.

B. Kovalente Modifikation von Enzymen durch cyclische Kaskaden:


Verstärkung des Effektor-„Signals“
Glycogen-Synthase und Glycogen-Phosphorylase kommen beide in zwei Formen mit
unterschiedlichen kinetischen und allosterischen Eigenschaften vor; sie werden mit einer
komplexen Reaktionsfolge (cyclische Kaskade) ineinander umgewandelt.
Enzymatisch ineinander umwandelbare Enzymsysteme haben, im Gegensatz zu anderen
regulatorischen Enzymen, folgende Eigenschaften:
1. können auf grössre Zahl von allosterischen Stimuli reagieren
2. ihre Kontrollabläufe sind flexibler
3. reagieren meist sehr viel empfindlicher auf Veränderungen der
Effektorkonzentrationen

Beschreibung einer allgemeinen cyclischen Kaskade

Abbildung 17-11 und 17-12 (S. 469 dt. Buch) od. 15-12 (S. 441 engl. Buch).

In der cyclischen Kaskade wird das Enzym durch eine Modifikation aktiviert.
Die modifizierenden bzw. demodifizierenden Enzyme sind nur dann aktiv wenn sie and ihre
jeweiligen Effektoren allosterisch gebunden sind. Diese Enzyme katalysieren in ihrer aktiven
Form die Modifikation (hier Phosphorylierung) der Zielenzyme.
Die Kaskade verstärkt die Empfindlichkeit des Systems gegenüber einem allosterischen
Effektor.
Nun betrachten wir eine bicyclische Kaskade, beider sowohl eines der modifizierenden
Enzyme als auch das Stoffwechsel-Zielenzym kovalent modifiziert werden. Sowohl bei der
Glycogen-Phosphorylase als auch bei der Glycogen-Synthase wird die Aktivität über
bicyclische Kaskaden reguliert.
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C. Bicyclische Glycogen-Phosphorylase-Kaskade
b-Glycogen-Phosphorylase benötigt zur Aktivität AMP, a-Glycogen-Phosphorylase hingegen
nicht. Der Unterschied liegt einzig in einem bestimmten Rest, Ser 14, das entweder
enzymatisch phosphoryliert oder dephosphoryliert vorliegt.

Glycogen-Phosphorylase: Das Zielenzym der Kaskade

Die Aktivität der Glycogen-Phosphorylase wird durch AMP-Aktivierung allosterisch


kontrolliert. Der allosterischen Kontrolle ist eine Regulation durch Umwandlung der beiden
Enzymformen ineinander überlagert; diese ist die folge der Wirkung dreier Enzyme:
1. Phosphorylase-Kinase, die spezifisch das Ser 14 der Glycogen-Phosphorylase b
phosphoryliert
2. cAMP-abhängige Proteinkinase, die die Phosphorylase-Kinase phosphoryliert und
dadurch aktiviert
3. Phosphoprotein-Phosphatase-1, die sowohl die Glycogen-Phosphorylase a als
auch die Phosphorylase-Kinase dephosphoryliert und dadurch inaktiviert
In einem System von ineinander umwandelbaren Enzymen bezeichnet man die „modifizierte“
Form als m-Form und das nichtmodifizierte „Original“ als o-Form, während die aktivste und
die weniger aktive Form des Enzyms durch ein angehängtes a bzw. b bezeichnet werden. In
diesem Fall unterliegt die o-Phosphorylase b (nichtmodifiziert, weniger aktiv) einer
allosterischen Regulation durch AMP, ATP und G6P. Nach Phosphorylierung zur m-
Phosphorylase a (modifiziert, hochaktive Form) haben diese allosterischen Modulatoren
praktisch keine Wirkung mehr auf das Enzym.
Die Phosphorylierung von Ser 14 verschiebt das Gleichgewicht der Enzymformen T (inaktiv)
und R (aktiv) fast völlig auf die Seit des R-Zustandes. Die Ser-14-Phosphorylgruppe der
Phosphorylase a fungiert dabei praktisch analog zu einem allosterischen Aktivator: Sie
begünstigt den sonst fehlgeordneten N-terminalen Abschnitt des Proteins an den
Kontaktbereich der beiden Untereinheiten auf eine Weise, die an den allosterischen Aktivator
AMP erinnert und fördert die Gleichgewichtsverschiebung von T nach R.
In der ruhenden Zelle wird die Posphorylase-Aktivität weitgehend dadurch bestimmt, wie viel
Phosphorylase a vorliegt, da die Phosphorylase b durch das vorliegende ATP und G6P
gehemmt wird.

Phosphorylase-Kinase: Zusammenhang der Enzymaktivierung mit [Ca2+]

Ca2+ aktiviert die Phosphorylase-Kinase, die die Phosphorylase b in Phosphorylase a


überführt. Wenn die Phosphorylase-Kinase voll aktiv sein soll, muss genügend Ca 2+
vorhanden sein und das Protein in der phosphorylierten Form vorliegen. Dieses enthält vier
nicht identische Untereinheiten (. Die isolierte -Untereinheit ist die einzige, die
Fähigkeit zur Umwandlung von Phosphorylase b in Phosphorylase a besitzt. Die restlichen
Untereinheiten hemmen diesen Vorgang. Wenn an eine der vier Bindungsstellen der -
Untereinheit (Calmodulin) Ca2+ gebunden ist, wird dieses Protein „umkonformiert“ und es
führt zur Aktivierung der Phosphorylase-Kinase. Auch mit den -und -Untereinheiten ist
dieser Mechanismus möglich. Das Enzym ist nur dann voll aktiv, wenn auch diese beiden
Untereinheiten phosphoryliert sind.

cAMP-abhängige Proteinkinase: ein regulatorisches Bindeglied

cAMP (3’,5’-cyclisches Adenosinmonophosphat) ist für die Aktivität der cAMP-abhängigen


Proteinkinase streng erforderlich. Dieses Enzym phosphoryliert spezifische Ser- und Tyr-
Reste zahlreicher Zellproteine, einschliesslich der Phosphorylase-Kinase und der Glycogen-
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Synthase. Erst die Bindung des cAMP an die regulatorischen Untereinheiten des Enzyms
bewirkt, dass eine Dissoziation in katalytisch aktive Monomere erfolgt. Die Konzentration des
cAMP bestimmt daher die Geschwindigkeit, mit der die Proteinkinase ihre Substrate
phosphoryliert.

Phosphoprotein-Phosphatase-1

Die Phosphoprotein-Phosphatase-1 hydrolysiert die Phosphorylgruppen bei der m-Glycogen-


Phosphorylase a, bei den - und -Untereinheiten von Phosphorylase-Kinase und bei
weiteren am Glycogenstoffwechsel beteiligten Enzymen.
Die Hemmung der Phosphoprotein-Phosphatase-1 erfolgt durch Bindung an das Protein
Phosphoprotein-Phosphatase-Inhibitor. Dieses Protein wird ebenfalls durch die cAMP-
abhängige Proteinkinase modifiziert und durch die Phosphoprotein-Phosphatase-1
demodifiziert. Das Protein ist nur in der phosphorylierten Form als Inhibitor wirksam. Die
cAMP-Konzentration kontrolliert den relativen Anteil eines Enzyms in seiner phosphorylierten
Form durch die Erhöhung der Geschwindigkeit seiner Phosphorylierung und durch die
Herabsetzung der Geschwindigkeit seiner Dephosphorylierung.
Die Aktivität der Phosphoprotein-Phosphatase-1 wird auch durch seine Bindung an m-
Phosphorylase a kontrolliert. Dabei erfährt die Phosphorylase vom T- zum R-Zustand eine
Verlagerung der Ser-14-Phosphorylsgruppe von der Oberfläche (T) zu einigen 100
Picometer unterhalb der Oberfläche (R). Beide Formen der Phosphorylase a gehen eine
feste Bindung mit Phosphoprotein-Phosphatase-1 ein. Die Ser-14-Phosphorylgruppe ist aber
nur im T-Zustand des Enzyms für die Hydrolyse, die Phosphorylase a in Phosphorylase b
überführt, zugänglich. Deshalb entzieht die Phosphorylase a, wenn sie in der R-Form
vorliegt, dem Kreislauf Phosphoprotein-Phosphatase-1.die Phosphorprotein-Phosphatase-1
hydrolysiert nun die freiliegende Ser-14-Phosphorylgruppe und überführt dadurch die m-
Phosphorylase a in o-Phosphorylase b. Einer der Effekte der Demodifikation von
Phosphorylase a besteht daher in der Aufhebung der Hemmung von Phosphorprotein-
Phosphatase-1. Diese kann nun in anderen Phosphoproteinen die Phosphorylgruppen
abspalten. Die Freisetzung von Phosphorprotein-Phosphatase-1 erfolgt nur dann, wenn
mehr als 90% der Glycogen-Phosphorylase als o-Phosphorylase b vorliegen, da die
Konzentration der Glycogen-Phosphorylase etwa 10mal so gross ist wie der der
Phosphoprotein-Phosphatase-1.
Auch die Glycogen-Synthase gehört zu den Proteinen die dann von der Phosphoprotein-
Phosphatase-1 dephosphoryliert werden. Die Glycogen-Synthase wird durch die
Dephosphorylierung aber aktiviert.

D. Bicyclische Glycogen-Synthase-Kaskade
Auch von der Glycogen-Synthase gibt es zwei enzymatisch ineinander umwandelbare
Formen:
1. die modifiziert Form (m-Form; phosphoryliert), die unter physiologischen
Bedingungen inaktiv ist (b-Form)
2. die Originalform (o-Form, dephosphoryliert), die aktiv ist (a-Form)
die m-Glycogen-Synthase b unterliegt einer allosterischen Kontrolle; sie wird durch
physiologische Konzentrationen von ATP, ADP und Pi stark gehemmt. Durch G6P kann diese
Hemmung aufgehoben werden. Da die physiologischen Konzentrationen von G6P im
Muskelgewebe aber zu niedrig ist, ist das modifizierte Enzym fas völlig inaktiv. Die
nichtmodifizierte Form ist von diesen Effektoren praktisch nicht abhängig, deshalb bestimmt
der Anteil der nichtmodifizierten Form des Enzyms die Glycogen-Synthase-Aktivität. Der
relative Anteil an nichtmodifizierter Glycogen-Synthase wird teilweise durch eine bicyclische
Kaskade reguliert, an der Kinase und Phosphoprotein-Phosphatase-1 beteiligt sind. Es sind
weitere sechs Proteinkinasen bekannt, die die menschliche Muskel-Glycogen-Synthase
zumindest zum Teil inaktivieren: die cAMP-abhängige Proteinkinase, die Galmodulin-
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abhängige Proteinkinase, die Proteinkinase C, die Glycogen-Synthase-Kinase-3,... Es ist


aber noch unklar, weshalb die Inaktivierung der Glycogen-Synthase im Vergleich zu ihrer
Aktivierung oder der Aktivierung/Inaktivierung der Glycogen-Phosphorylase so besonders
fein reguliert ist.

E. Integration der Glycogenstoffwechsel-Kontrollmechanismen


Mit welcher Geschwindigkeit die Synthese oder der Abbau von Glycogen erfolgt, häng vom
Verhältnis der aktiven Formen von Glycogen-Synthase und Glycogen-Phosphorylase ab.
Dieses ist von den Geschwindigkeiten in den beiden Kaskaden abhängig. Diese Kaskaden,
von denen eine die Geschwindigkeit des Glycogenabbaus und die andere die
Geschwindigkeit der Glycogensynthese kontrolliert, stehen über die cAMP-abhängige
Proteinkinase und die Phosphorylase-Kinase (sie aktivieren die Phosphorylase, inaktivieren
die Synthese) eng miteinander in Verbindung. Ebenfalls verbunden sind sie über die
Phophorprotein-Phosphatase-1 (wird durch Phosphorylase a gehemmt, kann daher die
Glycogen-Synthase nicht aktivieren, bevor sie nicht die Phosphorylase a inaktiviert hat).

Hormone triggern den Glycogenstoffwechsel

Der Glycogenstoffwechsel in der Leber wird letztlich durch das Polypeptidhormon Glucagon
kontrolliert. In Muskeln und verschiedenen Geweben erfolgt diese Kontrolle über die
Nebennieren-Hormone Adrenalin und Noradrenalin. Diese Hormone stimulieren an den
Zelloberflächen die Adenylylcyclase und erhöhen so das cAMP, welches dann innerhalb der
Zelle als sekundärer Botenstoff fungiert.
Wenn die cAMP-Konzentration erhöht wird, steigt die Aktivität der cAMP-abhängigen
Proteinkinase, die Phosphorylierung vieler Proteine wird beschleunigt und die
Geschwindigkeit ihrer Dephosphorylierung wird gesenkt. Dadurch wird der
Phosphorylierungsgrad des Phosphoprotein-Phosphatase-Inhibitors erhöht, der, wie auch die
Phosphorylase a, wiederum die Phosphoptrotein-Phosphatase-1 hemmt.
Wenn die Enzyme des Glycogenstoffwechsels zu einem grossen Anteil in ihren
phosphorylierten Formen vorliegen, läuft der Stoffwechselfluss in Richtung des
Glycogenabbaus, da die Glycogen-Phosphorylase aktiv und die Glycogen-Synthase inaktiv
ist. Bei einer cAMP-Abnahme läuft der Fluss in Richtung Synthese von Glycogen.

F. Aufrechterhaltung des Blutglucosespiegels


Eine wichtige Funktion der Leber ist es, die Konzentration der Glucose im Blut auf ca.
5mmol/L zu halten.
1. Eine niedrige Konzentration von Glucose im blut veranlassen die -Zellen der
Bauchspeicheldrüse zu einer Sekretion von Glucagon in das Blut.
2. Glucagon Rezeptoren auf der Oberfläche von Leberzellen reagieren auf die
Anwesenheit von Glucagon mit einer Aktivierung der Adenylylcyclase, wodurch der
cAMP-Spiegel in diesen Zellen steigt
3. der cAMP-Anstieg triggert einen Anstieg der Geschwindigkeit des Glycogenabbaus,
was zu erhöhter intrazellulärer G6P-Konzentration führt
4. Für G6P steht, anders als für Glucose, kein spezielles Transportsystem in der
Zellmembran zur Verfügung. Jedoch wird in der Leber, die Glucose nicht als
Hauptenergiequelle benötigt, G6P durch das Enzym Glucose-6-Phosphatase
hydrolysiert:
G6P + H2O  Glucose + Pi
In Muskel- und Gehirnzellen fehlt die Glucose-6-Phosphatase, so dass sie ihr G6P nicht
abgeben.
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Bei hoher Blutglucosekonzentration (nach dem Essen), nimmt der Glucagonspiegel ab und
die -Zellen der Bauchspeicheldrüse schütten Insulin aus. Glucose hemmt die
Phosphorylase, weil sie nur an das aktive Zentrum des inaktiven T-Zustandes dieses
Enzyms gebunden wird. Bei Anwesenheit von Glucose verschiebt sich daher das T-R-
Gleichgewicht der Phosphorylase in Richtung auf den T-Zustand. Dadurch wird die Ser-14-
Phosphorylgruppe für die Phosphoprotein-Phosphatase-1 (diese wird spezifisch an
Phosphorylase a gebunden) zugänglich, was zur Demodifikation der Phosphorylase a führt.
Dadurch wird die m-Glycogen-Synthase b aktiviert (dephosphoryliert). Oberhalb von 7mmol/L
wird der Fluss des Glycogenstoffwechsel umgekehrt und die Leber kann überschüssige
Glucose als Glycogen speichern.

Glucokinase bildet G6P mit einer Geschwindigkeit, die der Glucosekonzentration


proportional ist

In der Leber erfolgt die Umwandlung von Glucose in G6P um so rascher, je höher die
Blutglucose-Konzentration ist (die Geschwindigkeit des Glucosetransports wird bei ihnen
nicht durch Insulin beeinflusst). Bei niedriger Blutglucosekonzentration konkurriert die Leer
daher nicht mit anderen Geweben um den verfügbaren Glucosevorrat, während sie bei
hohem Blutglucose-Spiegel, wenn der Glucosebedarf der anderen Gewebe gedeckt ist, die
überschüssige Glucose in Glycogen umwandelt.
Die Glucosephosphat-Mutase (G6P in G1P) arbeitet unter physiologischen Bedingungen in
beiden Richtungen. Ein Teil des G6P wird daneben durch die Glucose-6-Phosphatase wieder
in Glucose zurückverwandelt. Dies ist der energetische Preis für die wirksame Glucose-
„Pufferung“ des Blutes.

Fructose-2,6-bisphosphat aktiviert die Glycolyse

Das F2,6P-Kontrollsystem im Herzmuskel arbeitet völlig anders als das der Leber. Im
Herzmuskel ist ein erhöhter Glycogenabbau mit einem anstieg der Glycolyse statt mit einem
Anstieg der Glucosesekretion verbunden. Infolgedessen bewirken Hormone, die den
Glycogenabbau stimulieren, auch eine Erhöhung der Herzmusekl-F2,6P-Konzentration,
wodurch auch die Glycolyse stimuliert wird.

G. Reaktion auf Stress


Adrenalin und Noradrenalin werden bei Stress von den Nebennieren ausgeschüttet.
Adrenalin-Rezeptoren auf der Oberfläche von Leber- und Muskelzellen reagieren mit einer
Aktivierung der Adenylylcyclase, wodurch die intrazelluläre cAMP-Konzentration steigt. Auch
die Ausschüttung von Glucagon durch die -Zellen der Bauchspeicheldrüse bewirken eine
zusätzliche cAMP-Konzentrarion in der Leber. Das G6P tritt in die Glycolyse ein und hilft den
Muskel, mit der Adrenalin-Belastung fertig zu werden. Die Leber schüttet gleichzeitig
Glucose in den Blutstrom aus, um die Muskeln mit weiterem Brennstoff zu versorgen.

4. Glycogenspeicherkrankheiten
Typ I: Glucose-6-phosphatase-Mangel (von Gierke-Krankheit)

Es wird einen anstieg der intrazellulären G6P-Konzentration verursacht, dies führt zu einer
starken Akkumulation von Glycogen in Leber und Nieren und zur Unfähigkeit, die
Blutglucose-Konzentration als Reaktion auf Glucagon oder Adrenalin zu erhöhen.
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Symptome:
Starke Vergrösserung der Leber, schwere Hypoglycämie (niedriger Blutglucose-Spiegel)
Behandlung:
Medikamentöse Hemmung der Glucoseaufnahme durch die Leber, regelmässige Zufuhr von
Nahrung durch eine Magensonde, operative Verlegung der Pfortader, Lebertransplantationen

Typ II: -1,4-Glucosidase-Mangel (Pompe-Krankheit)

Sie führt zu einer starken Akkumulation von Glycogen in den Lysosomen aller Zellen. Die
meisten Patienten sterben innerhalb des ersten Lebensjahres.

Typ III: Amylo-1,6-Glucosidase-Mangel (Cori-Krankheit)

Glycogen wird mit abnormaler Struktur (sehr kurze Aussenketten) in der Leber und Muskeln
akkumuliert, weil ein weiterer Abbau durch das fehlende Debranching-Enzym nicht möglich
ist.
Symptome:
Ähnlich wie bei der Gierke-Krankheit, aber weniger schwer.
Behandlung: häufige Nahrungszufuhr, proteinreiche Diät
Häufig verschwinden die Symptome im Verlauf der Pubertät.

Typ IV: Amylo-(1,41,6)-transglycosylase-Mangel (Andersen-Krankheit)

Die Struktur des Glycogens in der Leber ist abnormal: Da das Branching-Enzym fehlt,
werden sehr lange unverzweigte Ketten gebildet. Die Betroffenen werden selten älter als vier
Jahre

Typ V: Muskel-Phosphorylase-Mangel (McArdle-Krankheit)

Das Glycogen-Abbausystem stellt nicht genug Brennstoff für die Glycolyse zur Verfügung.
Körperliche Anstrengung bei erkrankten Menschen führt zu erhöhten ADP-Konzentrationen
im Muskel.
Symptome:
Schmerzende Muskelkrämpfe im frühen Erwachsenenalter beim Beginn einer Anstrengung.
Beim Fortführen der Anstrengung klingen die Krämpfe wider ab.

Typ VI: Leber-Phosphorylase-Mangel (Hers-Krankheit)

Die Aktivität der Glycogen-Phosphorylase ist unzureichend.


Symptome:
Ähnlich wie Patienten mit schwachen Formen der Glycogenspeicherkrankheit vom Typ I.

Typ VII: Muskel-Phosphofructokinase-Mangel

Es kommt aufgrund einer abnormalen Anreicherung der Glycolyse-Metaboliten G6P und F6P
zu einer Akkumulation von Glycogen im Muskel.
Symptome:
Ähnlich denen der Glycogenspeicherkrankheit vom Typ V
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Typ VIII: Leber-Phosphorylae-Kinase-Mangel (Tarui-Krankheit)

Ein Defekt an der Phosphorylase-Kinase, wodurch die Umwandlung der Phosphorylase b in


Phosphorylase a nicht mehr möglich ist.
Patienten zeigen die gleichen Symptome wie die Patienten der Glycogenspeicherkrankheit
vom Typ VI. ihre Struktur der Leber-Phosphorylase ist aber normal.

Typ IX: Leber Glycogen-Synthase-Mangel

Dies ist die einzige Krankheit, bei der ein Glycogenmangel vorliegt. Der Grund dafür muss
aber nicht unbedingt bei der Synthase selbst liegen; andere Stoffwechseldefekte könnten
dazu führen, dass das Gleichgewicht der cyclischen Glycogen-Synthase-Kaskade gestört ist.

18. Transport durch Membranen

1. Thermodynamik des Transports


Die Diffusion einer Substanz von einer Seite einer Membran auf die andere ähnelt
thermodynamisch einer chemischen Gleichgewichtseinstellung. Ein Unterschied zwischen
den Konzentrationen der Substanz auf den beiden Seiten einer Membran erzeugt eine
chemische Potentialdifferenz:

GA = GA(innen) – GA (aussen) =RT ln(([A]innen)/([A]aussen))

Ist die Konzentration von A auf der Aussenseite der Membran grösser als innen, so ist GA für
die Beförderung von A von aussen nach innen negativ, so dass der spontane Nettofluss von
A von aussen nach innen erfolgen kann. Ist jedoch A innen grösser als aussen, ist GA
positiv, ein Fluss von innen nach aussen erfolgt aber nur wenn ein exergonischer Prozess
wie die ATP-Hydrolyse so damit gekoppelt ist, dass die Gesamtänderung der freien Enthalpie
negativ ist.

Membranpotentiale Ergeben sich aus Transmembrankonzentrationsdifferenzen


ionischer Substanzen

Die Permeabilität biologischer Membranen für Ionen wird durch spezifische


Transportsysteme kontrolliert. Die sich daraus ergebenden Ladungsdifferenzen führen zu
einer elektrischen Potentialdifferenz . Die Ladung von A (ZA)sowie die Faraday-Konstante
(F=96 494 C/mol) müssen in der Gleichung berücksichtigt werden:

Elektrochemisches Potential GA =RT ln(([A]innen)/([A]aussen)) + ZA * F* 

 von –100mV (innen negativ9 sind nicht ungewöhnlich.

2. Kinetik und Mechanismus des Transports


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Es gibt katalysierten (erfolgt über spezifische Carrierproteine) und nichtkatalysierten (erfolgt


über einfache Diffusion) Transport. Der katalysierte Transport wird noch in zwei weitere
Kategorien unterteilt:

1. Passiv katalysierter Transport oder erleichterte Diffusion, wobei spezifische Moleküle


von hoher Konzentration zu niedriger Konzentration fliessen, so dass ihre
Konzentrationsgradienten ausgeglichen sind.
2. Aktiver Transport, bei dem spezifische Moleküle aus einem Bereich niedriger
Konzentration zu einem hoher Konzentration, d.h. gegen ihren
Konzentrationsgradienten, transportiert werden.

A. Nichtkatalysierter Transport
Die Nernst-Planck-Gleichung:
JA = -[A]UA (dGA/dx)
JA ist der Fluss von a, x die Entfernung, dG A/dx der elektrochemische Potentialgradient von A
und UA die Beweglichkeit von a im jeweiligen Medium. Für eine Membran der Dicke x gilt
entsprechend:
JA = DA/x ([A]aussen-[A]innen) = PA ([A]aussen-[A]innen)
DA ist dabei der Diffusionskoeffizient von A im Inneren der Membran, und P A = DA/x wird als
der Permeabilitätskoeffizient der Membran für A bezeichnet. Dieser gibt die Tendenz des
gelösten Stoffes an, vom wässrigen Lösungsmittel in das unpolare Innere einer Membran zu
wandern.

B. Kinetik des katalysierten Transports:


Glucosetransport in das Innere von Erythrocyten
Normalerweise besteht eine lineare Abhängigkeit zwischen dem Fluss und der
Konzentrationsdifferenz des gelösten Stoffes über die betreffende Membran. Bei zahlreichen
Kombinationen on gelösten Stoffen und Membranen ist dies aber nicht der Fall. Wenn der
Permeabilitätskoeffizient des Stoffes ist wesentlich grösser ist, weist es darauf hin, dass die
gelösten Stoffe von Carriermolekülen durch die Membran befördert werden. Die
Unterschiede von katalysierten zu nichtkatalysierten Transport sind im Glucosetransport
durch die Erythrocytenmembran zu erkennen:
1. Spezifität und hohe Geschwindigkeit
2. Sättigungskinetik
3. Empfindlichkeit gegenüber kompetitiver Hemmung
4. Empfindlichkeit gegenüber chemischer Inaktivierung

Spezifität und hohe Geschwindigkeit

Mit Versuchen in Olivenöl wurden die Permeabilitätskoeffizienten für D-Glucose und D-


Mannin bestimmt. Beide lagen etwa in der gleichen Grössenordnung. Der
Permeabilitätskoeffizient für D-Glucose in der Erythrocytenmembran liegt um vier
Grössenordnungen höher als der vorhergesagte Wert. Die Erythrocytenmembran muss
daher ein System enthalten, das Glucose rasch transportiert und D-Glucose von D-Mannin
unterscheidet.

Sättigungskinetik

Die Konzentrationsabhängigkeit des Glucosetransports zeigt, dass der Fluss der Beziehung
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JA = (Jmax[A])/(KM+[A])
KM kann als die Glucosekonzentration definiert werden, bei der der Transportfluss die halbe
maximale Geschwindigkeit hat (Jmax/2). Man konnte feststellen, dass beim Transport jeder
Substanz nur eine ganz bestimmte Anzahl von Stellen auf der Membran, die folglich
abgesättigt werden können, beteiligt ist.
Der Transportprozess kann durch vier Schritte beschrieben werden: Bindung, Transport,
Dissoziation und Rückkehr zum Ausgangszustand.

Empfindlichkeit für kompetitive Hemmung (Abschnitt 13-3A)

Viele Verbindungen, die in ihrer Struktur der D-Glucose ähneln, hemmen den
Glucosetransport. Dies zeigt, dass die Anzahl der Stellen für den katalysierten Transport
begrenzt ist.

Empfindlichkeit für chemische Inaktivierung

Die Behandlung von Erythrocyten mit HgCl2, das mit Sulfhydrylgruppen von Proteinen
reagiert und so viele Enzyme inaktiviert, unterbricht den raschen sättigbaren Fluss der
Glucose. Dies beweist, dass es sich bim Transportsystem um ein Protein handelt.

C. Ionophoren
Ionophoren können Carrier oder Kanalbildner sein

Viele Ionophoren sind Antibiotika bakterieller Herkunft. Die antibiotischen Eigenschaften von
Ionophoren hängen mit ihrer Tendenz zusammen, diese lebenswichtigen
Konzentrationsgradienten zu entladen. Es gibt zwei Typen von Ionophoren:
1. Carrier erhöhen die Permeabilität von Membranen für das von ihnen ausgewählte
Ion, indem sie es binden, damit durch die Membran diffundieren und es auf der
anderen Seite wider freisetzten.
2. Kanalbildner bilden Transmembrankanäle oder –poren, durch die bestimmte Ionen
diffundieren können
Beide diese Ionophoren arbeiten mit sehr hoher Geschwindigkeit. Ein Carrier-Antibiotikum-
Molekül Valinomycin transportiert bis zu 10 000 K +-Ionen pro Sekunde. Kanalbildner haben
einen noch grösseren Ionendurchsatz (bis zu 10 000 000 Ionen pro Sekunde). Da die
Ionophoren es den Ionen jedoch nur gestatten, passiv in beiden Richtungen durch eine
Membran zu diffundieren, kann ihr Effekt lediglich in einem Konzentrationsausgleich der von
ihnen selektierten Ionen durch die Membran bestehen.

Der K+-Valinomycin-Komplex ist innen polar und aussen hydrophob

Es ist ein cyclisches Depsipeptid mit sowohl D- als auch L-Aminosäure-Resten. Die Methyl-
und Isopropylseitenketten weisen zur Aussenseite des Reifs und verleihen dem
kugelförmigen Komplex eine hydrophobe Aussensite. Dadurch wird dieser in unpolaren
Lösungsmitteln und im hydrophoben Inneren von Lipiddoppelschichten löslich. In die
Koordinationslücke des Valinomycins passen optimal K+ und Rb+. Na+ und Li+ passen nicht
richtig in die Lücke. Die Bindungsaffinität für K+ ist 10 000mal grösser als für Na+ und K+.
Auch das Na+-bindende Ionophor Monensin zeigt in der Röntgenstrukturanalyse, dass das
Na+ hier oktaedrisch koordiniert ist und so eine unpolare Ummantelung erhält. Andere
Carrier-Ionophore haben ähnliche charakteristische Eigenschaften.
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Gramicidin A bildet heilcale Transmembrankanäle

Gramicidin A ist ein kanalbildendes Ionophor, das Protonen und Alkali-Ionen passieren lässt,
aber von Ca2+ blockiert wird. Alle Reste sind hydrophob, wie man es für ein kleines
Transmembran-Polypeptid erwartet. Die Röntgenbeugungsuntersuchungen deuten darauf
hin, dass Gramicidin A Kopf-Kopf dimerisiert, wodurch ein Transmembrankanal gebildet wird.
Dies wird durch die Beobachtung bestätigt, dass zwei Gramicidin-A-Moleküle deren N-
terminale Aminogruppen kovalent verknüpft sind einen funktionierenden Ionenkanal bilden.
Gramicidin A bildet eine -Helix, da sie einem aufgerollten parallelen -Faltblatt ähnelt. Infolge
der alternierenden D- und L-Reste ist die Aussenseite der -Helix mit ihren Seitenketten
überzogen, wodurch der Kanal die erforderliche hydrophobe Aussenseite erhält. Die polaren
Gruppen des Rückgrats kleiden so den zentralen Kanal aus, was den Durchtritt von Ionen
erleichtert.

D. Mechanismus des passiv katalysierten Glucosetransports


Der Glucosetransport erfolgt durch eine regulierte Pore

Das Glucosetransportsystem der Erythrocyten ist ein 55-dK-Glycoprotein, das laut


Sequenzanalyse drei Hauptdomänen hat:
1. ein Bündel von zwölf membrandurchspannenden -Helices, die vermutlich einen
hydrophoben Zylinder bilden, der einen hydrophilen Kanal umschliesst
2. eine grosse, hochgeladene, cytoplasmatische Domäne
3. eine kleinere extrazelluläre Domäne, die Kohlenhydrat-Reste trägt

Zwei Beobachtungen stützen die Hypothese, dass der Glucosetransporter der Erythrocyten
asymmetrisch in der Membran placiert ist:
1. Galactose-Oxidase oxidiert die Galctose-Reste in den Kohlenhydratteilen des
Glucosetransporters nur dann, wenn sie sich ausserhalb des Erythrocyten befindet.
2. Trypsin unterbricht den Glucosetransport nur dann, wenn es von der Innenseite eines
Erythrocyten-Ghosts aus wirksam werden kann

Beim Transport wird offensichtlich die Glucose auf einer Seite der Membran an das Protein
gebunden, dann folgt eine Konformationsveränderung, bei der sich die erste Seite schliesst,
die andere öffnet. Anschliessend kann die Glucose von dem Protein abdissoziieren; sie
wurde also durch die Membran befördert. Der Transportcyclus schliesst sich, indem der
Glucosetransporter in Abwesenheit von gebundener Glucose in seine Ausgangskonformation
zurückkehrt. Da dieser Cyclus in jeder Richtung ablaufen kann, verläuft der Glucose-
Nettotransport von hohen zu niedrigen Glucosekonzentrationen.

Die Glucoseaufnahme durch die Zelle wird durch die insulinsensitive


Exocytose/Endocytose von Glucosetransportern reguliert

Man nimmt an, dass Zellen im Normalzustand den grössten Teil ihrer Glucosetransporter in
zellinternen Membranvesikeln speichern. Bei Stimulation durch Insulin fusionieren diese
Vesikel in einem als Exocytose bezeichneten Prozess mit der Plasmamembran. Die dadurch
erhöhte Zahl der Glucosetransporter an der Zelloberfläche führt zu einem proportionalen
Anstieg der Geschwindigkeit der Glucoseaufnahme in die Zelle. Bei Insulinentzug wird der
Prozess durch die Endocytose von in die Plasmamembran eingebetteten
Glucosetransportern umgekehrt. Offensichtlich erhöht Insulin die Grundgeschwindigkeit der
Exocytose von Glucosetransporter-Vesikeln und/oder verringert die Grundgeschwindigkeit
der Endocytose; wie das Insulin dies bewerkstelligt ist bisher noch unbekannt.