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Acc... .
IIIIIIIIIII

F E

Date Due
“ - - - -
Geschichte

des Krieges im Jahre 1S13.


Geſchichte
des Krieges im Jahre 1815
für

Deutſchlands Unabhängigkeit.
Von

M. Bogdanow it ſch,
Kaiſerlich-ruſſiſcher General.

H weiter Band. – Bweiter Abſchnitt.


Mit ſieben Plänen.

Vom Verhalten der Parteigänger nach dem Schluſſe des Waffen


ſtillſtandes bis zum Ende des Feldzuges.

Aus dem Ruſſiſchen mit Genehmigung des Autors


von A. L.,
vormals Oberſt vom ruſſ.-kaiſerl. Generalſtabe.

F. C.
St. Petersburg.
Buchdruckerei von Eduard Pratz, Offizierſtraße Nº 26.
11SGS.
DD:
E -

I n h a lt
des zweiten Abſchnittes zweiten Bandes.

Kapitel XXXV. Das Verhalten der Parteigänger nach


dem Schluſſe des Waffenſtillſtandes. – Die Partei
gänger der böhmiſchen Armee. Oberſt Graf Mensdorf
und Generalleutnant Thielmann werden auf die Verbindungen
der feindlichen Armee gerichtet. – General Lefebvre-Desnouettes
rückt gegen ſie. – Graf Platow wird zur Unterſtützung der Partei
gänger beordert. – Gefechte bei Altenburg und Zeitz.
Die Parteigänger der Nord-Armee.
Expedition des Oberſten Marwitz auf Braunſchweig.
Expedition des General-Adjutanten Tſcherniſchew
auf Caſſel. –König Hieronymus und das Königreich Weſtphalen.
–Die weſtphaler Armee.–Die Aufſtellung der weſtphaler Truppen.
– Das Detaſchement Tſcherniſchew's: deſſen Ueberſchreitung der
Elbe und Aufſtellung bei Bernburg. – Bewegung auf Roſſla.
– Bewegung über Sondershauſen auf Caſſel. – Vertheilung der
Truppen. – Angriff gegen die Stadt – Rückzug auf Melſungen.
– Zerſtreuung des Detaſchements Baſtineller's. – Ankunft des
Detaſchements Zandt's. – Zuſtand der Garniſon von Caſſel. –
Formierung der weſtphaler Infanterie und Artillerie ſeitens der
Verbündeten. – Abermaliges Vordringen Tſcherniſchew's gegen

State University ºf Toza.


Seite.
Caſſel. – Unruhe in der Stadt. – Unterhandlungen. – Ueber
gabe Caſſel's. – Trophäen. – Verluſt des ruſſiſchen Detaſche
ments. – Auflöſung des Königreichs Weſtphalen. – Rückkehr
Tſcherniſchew's an die Elbe. – Folgen der Expedition auf Caſſel.
– Meinung des Kronprinzen von Schweden über dieſe Expe
dition.
Die Parteigänger der ſchleſiſchen Armee . . . . . . . 1.
Kapitel XXXVI. Operationen des Grafen Wallmoden.
Treffen bei Göhrde und Einnahme Bremens. – Rück
zug Davouſt's hinter die Stecknitz. – Bewegung des Grafen
Wallmoden auf das linke Elbufer. – Stellung des Detaſchements
Pecheux bei Göhrde. – Treffen bei Göhrde. – Verluſt beider
Seiten. – Eleonore Prohaſka. – Rückkehr Wallmoden's auf's
rechte Elbufer.
Aborderung des Generals Tettenborn aufs linke Elbufer. –
Expedition auf Bremen und Uebergabe dieſer Stadt. – Entſchie
dene Befreiung Bremen's. . . . . . . . . . . . . 25.

Kapitel XXXVII. Bewegung Blüchers von Bautzen aus


zur Elbe. Schlacht bei Wartenburg. Ueberſchreiten
der Elbe ſeitens des Kronprinzen von Schweden. –
Abſicht Blücher's die Elbe zu überſchreiten. – Das Corps des
Fürſten Stſcherbatow und die Diviſion des Grafen Bubna rücken
in die Lauſitz. – Umſtände, die auf die Wahl des geeigneten
Punktes zum Ueberſchreiten der Elbe einwirken. – Brückenbau
beim Dorfe Elſter.
Beſtand, Zahl und Eigenſchaft der Truppen Neys. – Deren
Stellung zur Vertheidigung des Uebergangs über die Elbe. –
Stellung der Truppen Bertrand's bei Wartenburg.
Schlacht bei Wartenburg – Blücher's militairiſche
Beredſamkeit. – Vorrücken der preußiſchen Truppen. – Dispo
ſition des Generals Mork. – Zahl der zum Angriffe auf die feind
liche Stellung beſtimmten Truppen. – Angriff des Prinzen von
Mecklenburg auf Bleddin. – Angriff Horn's auf Sauanger. –
- WII -

Seite.
Einnahme Wartenburgs. – Bewegung des Prinzen von Mecklen
burg zum Umgehen des Feindes. – Stellung Blüchers nach der
Schlacht. – Verfolgung. – Verluſt beider Seiten.
Errichtung eines befeſtigten Lagers bei Wartenburg. – Ueber
ſchreiten der Elbe ſeitens des Kronprinzen von Schweden und
Rückzug Ney's auf Eilenburg. – Bewegung der verbündeten
Truppen auf beiden Ufern der Mulde. – Im Hauptquartiere der
ſchleſiſchen Armee verfaßter Operationsplan. – Zuſammenkunft
des Kronprinzen von Schweden mit Blücher. – Abſicht der ver
bündeten Heerführer auf Leipzig zu rücken. – Die Verbündeten
ſind vom Vorrücken Napoleon's in Kenntniß geſetzt. – Sie ent
ſcheiden ſich die Elbe zu überſchreiten . . . . . . . . . 34.

Kapitel XXXVIII. Concentration der Kräfte beider Sei


ten auf Leipzig. Kavalerie-Gefecht bei Liebertwolk
witz. – Urſachen, die Napoleon veranlaſſen auf die Nord- und
die ſchleſiſche Armee zu rücken. – Seine Abſicht Dresden gänzlich
zu verlaſſen. – Lage der Truppen St. Cyr's. – Gleichzeitige
Aufſtellung der franzöſiſchen Armee. – Bewegung Napoleon's auf
Düben. – Napoleon und die ſächſiſchen Truppen. – Uebergang
Blücher's auf die linke Seite der Mulde; gefährliche Lage Sacken's
beim Rückzuge hinter die Mulde. – Schwankendes Verhalten des
Kronprinzen von Schweden. – Rückzug beider verbündeten Ar
meen hinter die Saale. – Aufſtellung der an der Elbe hinter
bliebenen Detaſchements.
Vorrücken Regnier's und Ney's zur Elbe. – Verſchiedenheit
der Anſichten der verbündeten Heerführer. – Abſicht Napoleon's
die Elbe aufwärts, am rechten Ufer des Flußes, zu rücken und die
Verbindungen der böhmiſchen Armee abzuſchneiden. – Napoleon
in Düben. – Seine adminiſtrativen Verfügungen. – Berath
ſchlagung über die bevorſtehenden Operationen. – Napoleon ent
ſcheidet ſich auf Leipzig zu rücken. – Seine letzten in Düben er
folgten Befehle.
- VIII -

Seite.
Vorrücken der Haupt-Armee aus Böhmen nach Sachſen. –
Langſamkeit und Schwanken in den Verfügungen Schwarzenbergs
beim Vorrücken auf Leipzig. – Seine Abſicht eine Seitenbewe
gung hinter die Elſter auszuführen und in Verbindung mit den
übrigen verbündeten Armeen zu treten. – Bennigſen und Collo
redo erhalten den Befehl auf Leipzig zu rücken.
Dispoſition Schwarzenberg's zur Recognoscierung der Stel
lung Murat's vor Leipzig. – Abſicht Murat's ſich hinter die
Partha zurückzuziehen. – Seine Stellung bei Wachau und Lie
bertwolkwitz – Kavalerie-Gefecht bei Liebertwolkwitz am Octo
ber. – Die böhmiſche Armee geht direkt auf Leipzig. – Die Auf
ſtellung der Truppen dieſer Armee am # Oetober.
Vorrücken auf Leipzig der Nord- und der ſchleſiſchen Armee.
Vorrücken der polniſchen Armee des Generals Ben
nigſen auf Dresden. – Aufſtellung der Truppen St. Cyr's. –
Gefechte bei Dresden. – Aborderung des Grafen Tolſtoy mit
einem Theile der Armee gegen Dresden und Bewegung Bennig
ſen's, Colloredo's und Bubna's auf Leipzig. – Zuſtand der pol
niſchen Armee.
Ankunft Napoleon's in Leipzig. – Er vertheilt ſeine Truppen.
– Deren Zuſtand. – Napoleon ſchiebt die Schlacht bis zum
October auf. – Urſachen, welche auch die Verbündeten veran
laſſen die Schlacht aufzuſchieben. – Napoleon hält Revue über
ſeine Armee. – Aufruf des Fürſten Schwarzenberg. . . . . 55.

Kapitel XXXIX. Die Völkerſchlacht bei Leipzig. – Die


Schlacht am i October bei Wachau und bei Linde
nau. – Eigenſchaft der Oertlichkeit in der Umgegend Leipzigs. –
Aufſtellung der Truppen Napoleon's am Morgen des j Oetober.
– Zahl der feindlichen Truppen. – Plan des Fürſten Schwar
zenberg. – Meinung Kaiſers Alexander. – Dispoſition des
Fürſten Schwarzenberg. – Beſtand und Zahl der verbündeten
zum Angriffe auf die feindliche Stellung beſtimmten Truppen. –
- IX -

Seite.
Sämmtliche Zahl der auf Leipzig vorgerückten ruſſiſchen, preußi
ſchen, öſtreichiſchen und ſchwediſchen Truppen.
1. Schlacht bei Wachau und Connewitz. – Vor
rücken der Truppen Kleiſt's und des Prinzen Eugen von Wür
temberg. – Die Ruſſen nehmen Wachau ein. – Heftige feind
liche Kanonade. – Einnahme Mark Kleebergs ſeitens der preußi
ſchen Truppen. – Deren Rückzug. – Vorrücken des Fürſten
Gortſchakow auf Liebertwolkwitz. – Angriff des Grafen Klenau
auf dieſen Ort. – Einnahme Kolmbergs ſeitens der Oeſtreicher.
– Vorrücken Macdonald's. – Die Truppen des Grafen Kle
nau, des Fürſten Gortſchakow und des Grafen Pahlen ſind zum
Rückzuge genöthigt. – Urſachen des Mißlingens im Angriffe der
Verbündeten. – Verſuch Meerfeldt's die Pleiſſe zu überſchreiten.
Ankunft Napoleon's auf dem Schlachtfelde. – Ankunft der
verbündeten Monarchen. – Anordnungen Kaiſers Alexander zum
Concentrieren der Kräfte bei Gülden-Goſſa und Auenhain. –
Anordnungen Napoleons zur Vertheidigung der von ſeinen Trup
pen eingenommenen Stellung. – Plan Napoleon's nachdem die
Verbündeten aus Wachau, Mark Kleeberg und Liebertwolkwitz
zurückgedrängt worden. – Kavalerie-Angriff Murat's. – Angriff
Orlow-Deniſſow's. – Rückzug des Prinzen von Würtemberg und
Klüx's auf Gülden-Goſſa und Auenhain. – Ankunft der ruſſi
ſchen Reſerven. – Thätigkeit der ruſſiſchen Reſerve-Artillerie. –
Der Angriff Murat's mißlingt. – Vorrücken Kellermann's und
Poniatowſki's auf Kleiſt. – Ankunft der öſtreichiſchen Reſerven.
– Sie nehmen Auenhain und Mark Kleeberg ein. – Napoleon
will den Angriff erneuern. – Uebergang Meerfeldt's bei Döhlitz.
II. Schlacht bei Lindenau. – Unthätigkeit Gyulay's.
– Deſſen Vorrücken und Rückzug auf Mark Ranſtädt.
Aufſtellung der Truppen beider Seiten in der Nacht vom i
auf den jOctober. . 104.
- - -

Kapitel XL. Die Völkerſchlacht bei Leipzig. (Fortſetzung) – Seite.


fe

III. Die Schlacht bei Möckern. – Aufſtellung Marſchalls


Marmont bei Lindenthal und ſein Rückzug auf Möckern. – Vor
rücken Blücher's; ſeine militairiſche Beredtſamkeit. – Die Auf
ſtellung der Truppen Marmont's. – Verfügungen Blücher's. –
Angriff Hiller's auf Möckern.
Die Truppen Langeron's nehmen Widderitzſch ein. – Angriff
Emanuel's.
Der Prinz von Mecklenburg greift Möckern an. – Marmont
geht ihm entgegen. – Kampf im Dorfe. – Angriff Steinmetz's.
Angriff der Brandenburger Huſaren und der übrigen Kava
lerie A)orf's.
Verhalten des linken Flügels der ſchleſiſchen Armee. – Lan
geron verliert Widderitzſch. – Abermaliges Vorrücken der ruſſi
ſchen Truppen. – Definitive Niederlage des Feindes und deſſen
Rückzug auf Euteritzſch und Golis. – Siegestrophäen. – Ver
luſt. – Bemerkungen.
Aufſtellung der ſchleſiſchen Armee am j October Abends nach
der Schlacht.
Umformierung des Corps Work. – Die Kavalerie Winzin
gerode langt am Morgens bei Lindenthal an. – Angriff
Waſſiltſchikow's. – Rückzug des Feindes nach dem Haller
Thore hin.
Die Verbündeten beſtimmen den # October zum Angriffe auf
Napoleon. – Ankunft der Verſtärkungen. – Napoleon entſchei
det ſich für den Rückzug. – Seine Unterredung mit General
Meerfeldt. – Verfügungen zum Rückzuge. – Berathſchlagung
Blücher's mit dem Kronprinzen von Schweden. . . . . . 146.

Kapitel XLI. Die Völkerſchlacht bei Leipzig. (Fortſetzung.)


– Die Schlacht am October. – Der Rückzug der
franzöſiſchen Armee auf die Stellung gegen Probſtheide zu. –
Aufſtellung der Truppen Napoleon's. – Deren Zahl. – Ver
Seite.
fügungen der Verbündeten zum Angriffe auf die feindliche Stel
lung; Beſtand der Kolonnen und Zahl der Truppen.
I. Verlauf des Kampfes von Sonnenaufgang an
bis zwei Uhr Nachmittags. – Bewegung Platow's auf
den Eulenburger Weg, Bubna's auf Melkau, Bennigſen's nach
den Kolmberg hin und weiter auf Holzhauſen und Zuckelhauſen;
Rückzug des Feindes auf Probſtheide und Stötteritz. – Vor
rücken der Truppen Barklay de-Tolli's auf Liebertwolkwitz und
Wachau. – Vorrücken des Kronprinzen von Heſſen-Homburg
die Pleiſſe entlang; der Feind ergreift die Offenſive; das Corps
Gyulay und ein Theil der ruſſiſchen Reſerven rücken zur Unter
ſtützung des Prinzen von Homburg vor. – Anfängliche Verfü
gungen Napoleon's. – Aufſtellung der ſächſiſchen Truppen. –
Uebergang des Corps Langeron auf die linke Seite der Partha.
– Erſter Angriff auf Schönfeld. – Ein Theil der ſächſiſchen
Truppen und die würtembergiſche Brigade Normann's gehen zu
den Verbündeten über. – Ueberſchreiten der Partha ſeitens der
Nord-Armee. – Angriff Sacken's auf Pfaffendorf.
II. Verlauf des Kampfes von zwei Uhr Nachmit
tags an bis zum Ausgange der Schlacht. – Vorrücken
Bülow's. – Die ſächſiſche Diviſion geht auf die Seite der Ver
bündeten über. – Bewegung der franzöſiſchen Reſerven zur Un
terſtützung Ney's. – Der Feind zieht ſich auf Stötteritz zurück.
– Verſuch Barklay's ſich Probſtheides zu bemächtigen. – Maß
regeln Napoleon's zur Vertheidigung dieſes Punktes. – Ver
halten der Oeſtreicher auf dem linken Flügel der böhmiſchen Ar
mee. – Verhalten Sacken's nördlich von Leipzig. – Work rückt
auf Merſeburg. – Verſuch Sacken's ſich Schönfeld zu bemäch
tigen. – Vorrücken der Nord-Armee; Verhalten der ruſſiſchen
Kavalerie. – Die Ruſſen nehmen Schönfeld ein. – Berath
ſchlagung der verbündeten Heerführer. – Plan für den folgen
den Tag.
Napoleon entſchließt ſich zum Rückzuge. – Aufſtellung der
- XII -
Seite.
Truppen beider Seiten in der Nacht vom auf den # October.

– Leipzig während des Kampfes. – Abſicht Napoleon's am


folgenden Tage zu kämpfen. – Wirkliche Urſache ſeines Rück
zuges. – Zahl der in der Schlacht bei Leipzig verbrauchten
Ladungen. . . . . . . . . . . . . . . . . 174.
Kapitel XLII. Die Völkerſchlacht bei Leipzig. (Schluß) –
Einnahme Leipzigs durch die Verbündeten. – Leipzig
im Jahre 1813. – Aufſtellung der napoleoniſchen Truppen zur
Vertheidigung der Stadt. – Abreiſe Napoleon's. – Vorrücken
der verbündeten Heere. – Die Deputation Leipzigs. – Der
dem Generale Toll und dem Oberſtleutnant von Natzmer gegebene
Auftrag.
I. Vorrücken der böhmiſchen und polniſchen Armee. – II.
Vorrücken der Nord-Armee. – HI. Vorrücken der ſchleſiſchen
Armee. – Ankunft der verbündeten Monarchen auf dem Markt
platze und Einnahme der Stadt durch ihre Truppen. – Spren
gung der Brücke auf der Elſter. – Verzweifelte Lage der in der
Stadt gebliebenen Truppen. – Tod des Fürſten Poniatowſki.
Kaiſer Alexander in Leipzig – Der König von Sachſen iſt
zum Kriegsgefangenen erklärt. – Verluſt beider Seiten in der
Völkerſchlacht. – Belohnungen.
Aufſtellung der Truppen beider Seiten in der Nacht vom
auf den # October. . . . . . . . . . . . . 213.
Kapitel XLIII. Verfolgung der Armee Napoleons von der
Elſter an bis zum Main. – Rückzug Napoleons auf
Weiſſenfels und weiter auf Freiburg. – Bewegung Gyulay's
auf Naumburg. – Bewegung Bertrand's auf dem Naumburger
Wege, Rückkehr auf Weiſſenfels und Bewegung gegen die Köſe
ner Brücke hin. – Die von den Verbündeten ergriffenen Maß
nahmen zur Verfolgung des Feindes. – Die bei Neu-Köſen und
Freiburg am # October erfolgten Treffen – Rückzug Napo
leons auf Erfurt. – Treffen am Ä October bei Weimar. –
- XIII -

Seite.
Ruſſiſche Truppen bilden die Avantgarde. – Fürſt Schwarzen
berg hält mit dem Vorrücken der böhmiſchen Armee an. – Er
folge der fliegenden Corps.
Napoleon in Erfurt. – Umformierung der Armee. – Ord
nung des weiteren Rückzuges. – Verfügungen Kaiſers Alexan
der im Kriegsweſen. – Central-Comité für Verwaltung der
eroberten Länder. – National-Bewaffnungen. – Verpflegung
der in Sachſen verſammelten Truppen. – Weiteres Vorrücken
der verbündeten Armeen. – Zuſtand der feindlichen Armee beim
Rückzuge von Erfurt gegen den Main hin. – Fehlerhafte Rich
tung der verbündeten Kolonnen. . . . . . . . . . . 241.
Kapitel XLIV. Die Schlacht bei Hanau. – Das Abfallen
Baierns von Frankreich. – Beſtand und Zahl der Truppen der
bairiſch-öſtreichiſchen Armee. – Bewegung des Generals Wrede
von Jena aus gegen den Main zu. – Belegung der Würzburger
Citadelle; die Diviſion Rechberg geht auf Frankfurt; Einnahme
der Stellung bei Hanau ſeitens der Verbündeten. – Bewegung
der Armee Napoleons auf Hanau. – Plan Wrede's. – Oert
lichkeit bei Hanau.–Die Aufſtellung bei Hanau.–Die Schlacht
( !!! #Oc tober.–Vorrücken Napoleon's.–Verſuch Macdonald's

aus dem Walde hervorzudringen. – Ausforſchung Drouot's und


Napoleon's.– Angriff der Franzoſen auf die Stellung Wrede's und
Rückzug der Verbündeten hinter die Kinzig. – Die Stadt wird
bombardiert. – Bewegung am Ä October. – Einnahme
Hanaus von den Franzoſen. – Bewegung der Hauptkräfte Na
poleon's auf Frankfurt und Aufſtellung der Arrieregarde. –
Einnahme Hanau's von den Verbündeten. – Rückzug der fran
zöſiſchen Arrieregarde auf Frankfurt. – Ereigniſſe bei Frankfurt.
– Verluſt beider Seiten. – Bemerkungen. – Rückzug der
franzöſiſchen Armee hinter den Rhein. – Einzug Kaiſers
Alexander und Kaiſers Franz in Frankfurt. – Treffen bei Hoch
heim. – Aufſtellung der Truppen beider Seiten. – Ankunft
- XIV -

Seite.
Blücher's an der Lahn. – Seine Abſicht den Rhein zu über
ſchreiten. – Seine Bewegung auf Mühlheim und Frankfurt.–
Aufſtellung der böhmiſchen und ſchleſiſchen Armee.
Ausſichten der Verbündeten. – Zuſtand der verbündeten
Truppen. – Abreiſe St.-Aignan's nach Paris mit Friedens
vorſchlägen. – Beitritt der deutſchen Fürſten zum Bündniſſe.–
Ihre Bewaffnungen und Geldbeiträge.
Verpflegung der ruſſiſchen Truppen. – Tarif von Aſchaffen
burg. – Bekleidung der Truppen.
Bewaffnungen in Deutſchland. – Beſtand der deutſchen
Corps. – Hinderniſſe an einen unverzüglichen Einfall der Ver
bündeten in die Grenzen Frankreichs . . . . . . . . . 258.
Kapitel XLV. Vorrücken der Verbündeten auf die Dänen
und Befreiung Hollands. – Bewegung der Nord-Armee
in der Umgegend Göttingens. – Bewegung des Kronprinzen
von Schweden auf Hannover. – Sein Aufbruch gegen die
Dänen. – Einnahme Lübecks und Rückzug des Prinzen Friedrich
von Heſſen auf Kiel. – Vorrücken der Verbündeten nach der
Eider hin. – Aufſtellung der däniſchen Truppen. – Ueber
ſchreiten der Eider ſeitens der Verbündeten. – Treffen bei
Seeſtädt. – Erfolge der Verbündeten. – Waffenſtillſtand in
Kiel. – Friedenstractat des j Januar 1814. – Bewegung
der Corps Bülow und Winzingerode gegen den unteren Rhein
zu. – Aufſtand in Holland. – Vorrücken Benkendorf's auf
Amſterdam. – Vorrücken Bülow's. – Einnahme von Arnheim.
– Rückzug Melitor's hinter die Waal – Einnahme von Breda
ſeitens Benkendorf's. – Ankunft des Prinzen von Oranien in
Amſterdam. – Maßnahmen Napoleon's zur Vertheidigung Bel
giens. – Vorrücken Roguet's auf Breda. – Vertheidigung
dieſes Ortes ſeitens der Verbündeten. – Maßnahmen beider
Seiten am Schluſſe des Jahres 1813. . « - - -
294.

Kapitel XLVI. Belagerungen der Feſtungen im Rücken der


verbündeten Armeen. – Die von Napoleon nach ſeinem
- XV -

Seite.
Rückzuge hinter den Rhein eingenommenen Feſtungen. – Zu
ſtand der Garniſonen. – Blokade Dresdens. – Verhalten des
Grafen Tolſtoy. – Die von ihm erhaltenen Verſtärkungen.
Graf Klenau übernimmt den Befehl über die verbündeten Trup
pen bei Dresden. – Uebergabe Dresdens. – Aufſtellung Ben
nigſen's an der Elbe und ſeine Bewegung auf Hamburg. –
Belagerung und Uebergabe Stettin's. – Belagerung und Ueber
gabe Zamoczs. – Belagerung und Uebergabe Modlins. –
Belagerung und Uebergabe Torgaus. – Belagerung und Ein
nahme Wittenbergs mit Sturm. – Belagerung und Uebergabe
Danzigs. – Belagerung und Uebergabe Erfurts. – Zahl der
Gefangenen und der in den eroberten Feſtungen aufgegriffenen
Geſchütze. – Die in den Händen der Franzoſen im Jahre 1814
gebliebenen Feſtungen. . 311.

B e il a g en
zum zweiten Abſchnitte zweiten Bandes.
Seite.

Beilagen zum Kapitel XXXV III.

– – XXXVl VII.

– – XXXVII X.

– – XXXVIII . XVIII.

– – XXXIX XXV.

- - XL - - - - - - - - - - XXXIV.

T – XLI . . . . . . . . . . XXXIX.

– – XLII XLIII.
- XVI -

Seite.

Beilagen zum Kapitel XLIII XLVI.

– – – XLIV LI.

– – – XLV LVIII.

– – – XLVI LXI.

Die für die Geſchichte des Krieges von 1813 benutzten Quellen . LXIX.
Kapitel XXXV.
Das Verhalten der Parteigänger nach dem Schluſſe
des Waffenſtillſtandes.

I n halt.
Die Parteigänger der böhmiſchen Armee. Oberſt Graf Mensdorf und
Generalleutnant Thielmann werden auf die Verbindungen der feindlichen Armee
gerichtet. – General Lefebvre-Desnouettes rückt gegen ſie. – Graf Platow wird
zur Unterſtützung der Parteigänger beordert. – Gefechte bei Altenburg
und Zeitz.
Die Parteigänger der Nord - Arme e.
Erpedition des Oberſten Marwitz auf Braunſchweig.
Er pedition des General-Adjutanten Tſchern iſch e w auf C aſ
ſel. – König Hieronymus und das Königreich Weſtphalen. – Die weſtphaler
Armee. – Die Aufſtellung der weſtphaler Truppen. – Das Detaſchement Tſcher
niſchew's: deſſen Ueberſchreitung der Elbe und Aufſtellung bei Bernburg. –
Bewegung auf Roſſla. – Bewegung über Sondershauſen auf Caſſel. – Ver
theilung der Truppen. – Angriff gegen die Stadt. – Rückzug auf Melſungen. –
Zerſtreuung des Detaſchements Baſtineller's. – Ankunft des Detaſchements
Zandt's. – Zuſtand der Garniſon von Caſſel. – Formierung der weſtphaler
Infanterie und Artillerie ſeitens der Verbündeten. – Abermaliges Vordringen
Tſcherniſchew's gegen Caſſel. – Unruhe in der Stadt. – Unterhandlungen. –
Uebergabe Caſſel's. – Trophäen. – Verluſt des ruſſiſchen Detaſchements. –
Auflöſung des Königreichs Weſtphalen. – Rückkehr Tſcherniſchew's an die Elbe. –
Folgen der Erpedition auf Caſſel. – Meinung des Kronprinzen von Schweden
über dieſe Erpedition. -

Die Parteigänger der ſchleſiſchen Armee.

Nach der Schlacht bei Kulm überreichte General Toll eine


ſchriftliche Vorlage, in welcher er die Erfolge der ruſſiſchen
Parteigänger im Kriege des Jahres 1812 hervorhob und die
1
– 2 –

Vortheile zu erkennen gab, die einige leichte, nach Sachſen auf


die Verbindungen des Feindes gerichteten, Detaſchements erlan
gen könnten. Zu dieſem Endzwecke ſollten, ſeiner Meinung nach,
zwölf Koſaken-Regimenter des ſchleſiſchen Heeres dem böhmi
ſchen zugetheilt werden. Auf dieſe Weiſe würde man nicht nur
die aus den ſächſiſchen Ländern dem Feinde zufließenden Hülfs
mittel entnehmen, ſondern Magazine in Zwickau und Hof für die
Hauptarmee, welche ſich in kurzer Zeit in Bewegung auf Leipzig,
zur Vereinigung mit der Nord-Armee, ſetzen ſollte, anlegen (!).
Der Vorſchlag Toll's wurde vom Oberfeldherrn Fürſt Schwar
zenberg genehmigt; alsbald, am Ä, war der öſtreichiſche
Oberſt Mensdorf, mit vier öſtreichiſchen Schwadronen und zwei
Koſaken-Regimentern, tauſend Mann an der Zahl, von Kom
motau aus auf Chemnitz geſendet; am andern Tage, den
Ä, rückte der in ruſſiſche Dienſte eingetretene General
leutnant Baron Thielmann mit acht Schwadronen, drei Koſaken
Regimentern und zwei doniſchen Geſchützen (*), an tauſend fünf
hundert Mann, dem Oberſt Mensdorf nach (*). General Thiel
mann, welcher die von ſeinen Truppen zu betretende Oertlichkeit
vollkommen kannte, da er im Jahre 1809 mit dem Herzoge von
Braunſchweig dort thätig geweſen, hoffte mit den Einwohnern in
Einverſtändniß zu treten, um dem Feinde, im Rücken ſeines
Heeres, wo Unordnung und Verwirrung herrſchten, weſentlichen
Schaden zuzufügen. Auf allen Straßen, gegen den Rhein zu,
zogen einzeln und haufenweiſe verwundete und unverwundete
Soldaten, welche von den Schlachtfeldern von Groß-Beeren und
Kulm entlaufen waren (*). Als Thielmann von Kommotau her
über Altenburg bei Weißenfels am Ä angelangt war, fand
er dort ein feindliches, aus viertauſend Mann Infanterie und
fünfhundert Mann Kavalerie beſtehendes Detaſchement, welches
zur Deckung von Wagenzügen mit Proviant und andern Vor
– 3 –

räthen, welche nach Leipzig zogen, beſtimmt war. General Thiel


mann überfiel den Feind bei Tagesanbruch plötzlich und nahm
an 1,300 Mann gefangen; am andern Tage ergab ſich auf Kapi
tulation die Stadt Naumburg dem Rittmeiſter GrafWartensleben,
welcher 1,000 Mann Franzoſen gefangen nahm. Am + Septem
ber bemächtigte ſich Thielmann Merſeburgs, wo er 700 bewaff
nete und 1,500 unbewaffnete Feinde aufgriff und 2,000 kranke
und verwundete Soldaten der verbündeten Armee aus der Ge
fangenſchaft befreite. Darauf nahmen Thielmann und Mensdorf
gemeinſchaftlich mehrere hundert Mann gefangen, griffen Cou
riere mit wichtigen Depeſchen auf und befreiten an ſechshundert
Mann öſtreichiſcher und ruſſiſcher Gefangenen (*).
Die Erfolge der verbündeten Parteigänger bewogen Napo
leon Maßregeln zur Vertheidigung ſeiner Verbindungen zu er
greifen: zu dieſem Zwecke erhielt der Diviſions-General Lefebvre
Desnouettes die Weiſung, mit der Garde-Diviſion reitender
Jäger, drei Batterien und nach Herbeiziehung der unter dem
Befehle des Generals Margaron in Leipzig ſtehenden Marſch
Bataillone und Kavalerie-Depots (") die Gegend im Rücken der
Armee von den verbündeten Parteigängern zu reinigen. Kaum
lief die Nachricht davon im Hauptquartiere des böhmiſchen Heeres
ein, als am Ä September das Koſaken-Detaſchement des Gra
fen Platow, an 2,000 Mann mit 10 Geſchützen (*), welchem die
kleinen Detaſchements des Fürſten Kudaſchew, Colomb's (")
und des Grafen Pückler (*) untergeordnet waren, zur Unter
ſtützung Thielmann's und Mensdorf's geſendet wurden. In Penig
am # September angelangt, kam Platow mit Thielmann und
Mensdorf, die in der Nähe ſtanden, überein, Lefebvre-Des
nouettes bei Altenburg am andern Tage anzugreifen. Am Ä früh
Morgens, ehe noch Thielmann von Zeitz her anlangen konnte,
griff der Fürſt Kudaſchew mit der Avantgarde Platow's den
– 4 –

Feind an den Ufern der Pleiße an, nahm den Ort Windiſch-Leyba
und den Weg der nach Leipzig führt ein. Lefebvre-Desnouettes,
der den Rückzug auf Zeitz ſichern wollte, ſtellte ſich hinter Alten
burg auf; als aber zwei Koſaken-Regimenter und eine öſtreichi
ſche Schwadron ihn in die rechte Flanke umgingen, fingen die
feindlichen Truppen an, ſich um neun Uhr Morgens eiligſt auf
Zeitz zurückzuziehen. Als ſie Meuſelwitz erreicht hatten, hielten
ſie an und behaupteten ſich gegen Kudaſchew; doch ſie wurden
in die rechte Flanke von den Truppen Thielmann's angegriffen
und ſetzten ihren Rückzug auf Zeitz fort. Thielmann marſchierte
parallel dem Feinde, beunruhigte ihn durch Angriffe und vernich
tete beinahe ſeine ganze Arrieregarde. Als Lefebvre-Desnouettes
ſich Zeitz genähert hatte, beſetzte er die vorwärts gelegenen Höhen
mit zwei Batterien, um ſeinen Truppen Zeit zu laſſen ihren
Rückzug durch die Stadt auszuführen. Die heſſen-homburgiſchen
und ſchleſiſchen Huſaren, welche ſich gegenüber dieſer Artillerie
aufgeſtellt, erlitten großen Verluſt; der Fürſt Kudaſchew aber
ſtellte in der Flanke des Feindes einige doniſchen Geſchütze auf,
enfilierte mit ſeinem Feuer deſſen Stellung und bewog die fran
zöſiſchen Batterien zum Rückzuge. In dieſem ſelbigen Moment
warf ſich die Kavalerie Platow's, Thielmann's und Mensdorfs
auf den Feind; an ihrer Spitze drang das tſchernomorſche Koſa
ken-Regiment zuerſt in die Stadt ein. Ein Theil der feindlichen
Infanterie hatte in der Vorſtadt das Albrechtſche Fabrik-Gebäude
eingenommen und feuerte auf die verbündete Kavalerie: dies
bewog ſie abzuſitzen und die Fabrik zu ſtürmen. Koſaken und
Huſaren, angeführt vom Prinzen Biron von Kurland, wetteifer
ten untereinander um den Feind zu bewältigen, vernichteten einen
Theil ſeiner Truppen, machten 36 Offiziere und 1,380 Mann
untern Ranges zu Gefangenen und erkämpften drei Fahnen und
fünf Geſchütze, von denen drei durch die Truppen Platow's und
– 5 –

zwei durch die Truppen Thielmann's. Die Verbündeten verloren


überhaupt an dreihundert Mann; unter der Zahl der leicht Ver
wundeten befand ſich der Prinz Biron ("). Kaiſer Alerander,
von dieſem Erfolge in Kenntniß geſetzt, befahl das Detaſchement
des Grafen Platow mit zwei Koſaken-Regimentern, dem 3-ten
orenburgſchen und 11-ten Baſchkiren-Regiment zu verſtärken (").

Während die Nord-Armee nach der Schlacht bei Dennewitz


in Unthätigkeit blieb, wirkten ihre Detaſchements unter der Lei
tung tapferer und geſchickter Anführer mit Erfolg auf dem linken
Elbufer.
Am September überſchritt der Oberſtleutnant Marwitz
mit dem 3-ten neumärkiſchen Regiment der preußiſchen Kavalerie
Landwehr, vierhundert Mann an der Zahl, die Elbe bei Ferch
land, zwei Meilen oberhalb Tangermünde, Am Ä näherte er
ſich bei Tagesanbruch Braunſchweigs, eine der bedeutendſten
Städte des Königreichs Weſtphalen, welche von achthundert
achtzig Mann verſchiedener Commando's, unter dem Befehle des
abgelebten, unentſchloſſenen Generals Klöſterlein, eingenommen
war. Am ſelbigen Tage, indeſſen Marwitz Anſtalten zum Angriffe
gegen die Stadt traf, hatte Klöſterlein ſeine ganze Wagenburg
auf die Straße nach Caſſel hin fortgeſchickt, und rückte ſelber mit
den Truppen auf Wolfenbüttel aus: Braunſchweig blieb von einer
Karabiner-Compagnie unter dem Befehle des Oberſten Bork be
ſetzt. Als Klöſterlein ſich entfernt hatte, griff Marwitz die Stadt
an, bemächtigte ſich ihrer beinahe ohne Schuß und ſandte den
Leutnant Graf Finkenſtein mit fünfzig Reitern um Klöſterlein
nachzuſetzen. Letzterer hatte in Wolfenbüttel die Einnahme Braun
ſchweigs erfahren und rückte weiter auf der Straße nach Goßlar
hin. Kaum war er aber das Dorf Halchter vorbei, als er von
den Preußen eingeholt wurde. Finkenſtein ſprengte ſelber zu den

– 6 –

Weſtphalen herbei und rief: „Ihr werdet doch nicht auf euere deut
ſchen Brüder feuern?“ Alsbald ergaben ſich die weſtphaler Sol
daten dem preußiſchen Detaſchement, Klöſterlein aber und einige
von den übrigen Anführern ſuchten ihr Heil in der Flucht. Die
Zahl der gefangenen Weſtphalen beſtand aus 25 Offizieren und
350 Mann untern Ranges. Deren größter Theil erbot ſich in
preußiſche Dienſte einzutreten. Viele der Zöglinge der braun
ſchweiger Militair-Schule folgten ihrem Beiſpiele; ſo wurde denn
aus allen dieſen Freiwilligen die Schwadron der reitenden Jäger
des 3-ten nenmärkiſchen Regiments gebildet. Die Einwohner
Braunſchweigs begegneten und begleiteten ihre Erretter mit
Jubel und in der Hoffnung einer beſſern Zukunft. Nach dieſem
glänzenden Erfolge kehrte das Detaſchement Marwitz über Burg
ſtall und Grieben nach Ferchland zurück (*).
Viel wichtiger waren die Folgen des Unternehmens des Ge
neral-Adjutanten Tſcherniſchew gegen das Königreich Weſt
phalen.
In dem Werke des heſſenſchen Hauptmanns Specht: „Das
Königreich Weſtphalen und ſeine Armee im Jahr 1813“ finden
wir ein finſteres Bild der Zuſtände dieſes Landes.
Nach Abſchluß des Tilſiter Vertrages hatte Napoleon das
Kurfürſtenthum Heſſen, Braunſchweig und Hannover mit den
preußiſchen Beſitzungen des linken Elbufers unter der Benen
nung des Königreichs Weſtphalen, als einen Theil der Länder
des Rheinbundes, unter dem Scepter ſeines jüngſten Bruders
Hieronymus, vereinigt. Der neue König war nicht nur der
Sprache, der Sitten und Gebräuche des ihm unterworfenen Lan
des unbewußt, ſondern trug auch nicht die geringſte Sorge ſie
jemals kennen zu lernen. Gaſtmähler und Feſtlichkeiten nahmen
ihn in Anſpruch; er dachte nicht an die Sicherung ſeiner zweifel
haften Rechte: es kam ihm nicht in den Sinn, daß eine weiſe
– 7 –

Verwaltung die Stütze ſeines Thrones ſein ſollte. Von natür


lichem Verſtande und gutherzig, hatte er doch aus Leichtſinn alle
diejenigen von ſich entfernt, auf welche er ſich in der Minute der Ge
fahr verlaſſen konnte. Nur käufliche Menſchen, welche die Meinung
ihrer Mitbürger nicht achteten, waren ſeine und der ihn umgeben
den Franzoſen ſtete Genoſſen. Die Einkünfte des Staats waren
von einer den Unterthanen keine Achtung gebietender Pracht des
Hofes verſchlungen. Vor ihren Augen war der Gebieter ein Sclave
ſeines mächtigen Bruders. Der König war gezwungen ſeine
Truppen dem Winke Napoleon's nach zu verwenden: der Krieg
in Spanien koſtete den Weſtphalen wenigſtens ſiebentauſend Mann;
der Krieg im Jahre 1809 gegen Oeſtreich erforderte neue Opfer;
nach Rußland waren fünfundzwanzigtauſend Mann geſendet; es
kehrten nicht mehr als zweitauſend Mann zurück; der Krieg im
Jahre 1813 entnahm achttauſend Mann, ein Drittel der Geſammt
zahl. Folglich waren im Verlaufe von fünf Jahren an vierzig
tauſend Weſtphalen im Kampfe für Napoleon umgekommen.
Zugleich war das durch das Continental-Syſtem und den Ver
fall des Handels verarmte Volk von unmäßigen Abgaben und
Zwangsanleihen erdrückt. Außer den ungeheueren Ausgaben für
den Unterhalt des Hofs und der Armee, welche aus 26,000 Weſt
phalen und 18,000 Franzoſen beſtand, mußte der König mehr
als dreißig Millionen Franken an Napoleon entrichten. Die
Staatseinnahmen erſtreckten ſich bis an 94 Millionen Franken
und die dem Lande auferlegte Kriegscontribution beſtand im
Jahre 1812, nach Abzug der ſchon bezahlten zwei Drittel, aus
ſechszehn Millionen Franken. Im Jahre 1813 zahlte jeder Weſt
phale dem Staate mehr als 18 Franken per Seele; bei alledem
betrug das Deficit an 9,500,000 Franken. Das Miniſterium der
Finanzen trug nur um augenblickliche Vermehrung des Geldes
Sorge, ohne an die Zukunft zu denken (*).
– 8 –

Zwei Drittel der dreißigtauſend Mann weſtphaler Truppen


waren unter verſchiedenen franzöſiſchen Corps vertheilt, die
übrigen zehntauſend Mann (6,850 Mann Infanterie, 3,046
Kavalerie und 416 Artillerie) ſtanden in der Umgegend Caſſels
und Braunſchweigs; die Grenzen aber des Königreichs waren
gänzlich offen. Eine kleine Abtheilung Gensd'armen ausgenom
men welche eine vorzügliche und den Franzoſen unbedingt er
gebene Kavalerie bildete, beſtanden alle übrigen Regimenter aus
neuangeworbenen, gezwungenerweiſe dienenden Leuten. Beinahe
täglich waren in der Umgegend Caſſels von den Gensd'armen
eingefangene Deſerteure erſchoſſen (*). Der König und die ihm
naheſtehenden Perſonen vertrauten den Truppen nicht und ſuchten
wenigſtens die Offiziere durch freigebige Verleihung von Orden
zu ködern; zur größeren Sicherheit aber war der König von
franzöſiſchen aus Conſcripten beſtehenden Truppen umringt,
welche in Caſſel umformiert und der Garde zugezählt wurden,
wobei ſie wichtige Vortheile erlangten. Die leichte Kavalerie
der Garde war genöthigt dieſen Huſaren Hieronymus's ihre be
ſten Pferde abzutreten; die Offiziere aber und überhaupt die
ganze Mannſchaft dieſer franzöſiſchen Garde kannte den Kriegs
dienſt nicht und verſtand nicht einmal zu reiten (*).
Die Beſorgniß der Franzoſen, bezüglich der Ergebenheit der
weſtphaler Truppen gegen ſie, wurde bald thatſächlich gerecht
fertigt. In der Nacht vom Ä auf den Auguſt gingen zwei der
beſten Regimenter der weſtphaler Armee, das 1-te und 2-te Hu
ſaren-Regiment, bei Reichenberg in Schleſien zu den Oeſtreichern
über. Zwei ihrer abgeorderten Schwadronen ergaben ſich als Gefan
gene (wahrſcheinlich freiwillig) am September bei Freiberg in
Sachſen dem öſtreichiſchen Parteigänger Oberſt Schnitter (*).
Die ſeitens der Heerführer Napoleon's erlittenen Nieder
lagen und die Ueberfälle der verbündeten Parteigänger bewogen
– 9 –

die weſtphaler Regierung Maßregeln zur Vertheidigung der


Hauptſtadt von der Seite der Saale zu ergreifen. Zu dieſem
Endzwecke waren auf allen Hauptwegen, welche von dorther
führten, folgende Abtheilungen aufgeſtellt: bei Göttingen zwei
Schwadronen, dreihundert Mann an der Zahl, unter dem Be
fehle des Generals Zandt, und zu deſſen Unterſtützung, bei Mün
den, das 1-te Bataillon des 7-ten Infanterie-Regiments, 840
Mann ſtark; bei Heiligenſtadt eine Küraſſier-Brigade, das 3-te
leichte Infanterie-Bataillon und zwei Geſchütze, in Allem 1,200
Mann Kavalerie, 1,000 Mann Infanterie und 70 Artilleriſten,
unter dem Befehle des Brigade-Generals Baſtineller ("). Die
Garniſon Caſſels beſtand aus 3,060 Mann Infanterie, 906
Mann Kavalerie und 336 Artilleriſten, überhaupt aus circa
4,300 Mann mit ſechs Geſchützen (*).
Im Hauptquartiere der Nord-Armee kannte man die Unzu
friedenheit, welche in Weſtphalen der König Hieronymus und
die Franzoſen ſich zugezogen. Der General-Adjutant Tſcherni
ſchew, einer der unternehmendſten ruſſiſchen Parteigänger, war
der Meinung, daß die Einnahme Caſſels ſeitens der Verbün
deten und die Auflöſung des Königreichs Weſtphalen die Erhe
bung auch der übrigen Länder Deutſchlands zur Folge haben
würde. Tſcherniſchew irrte ſich nicht. Die Eroberung aber, ohne
Infanterie, der von ziemlich zahlreichen Truppen beſetzten Haupt
ſtadt, deren örtliche Lage eine hartnäckige Vertheidigung erleich
terte, bot große Schwierigkeiten dar. Nichts deſto weniger hatte
ſich Tſcherniſchew für das Unternehmen entſchieden, weil er auf
die Mitwirkung der Einwohner und der Truppen des Landes
rechnete und der Erfolg des Angriffs, ſeiner Meinung nach, nicht
ſo ſehr von der nummeriſchen Stärke ſeines Detaſchements, als
von der Plötzlichkeit der Erſcheinung abhing.
Nachdem Tſcherniſchew die Einwilligung des Kronprinzen
– 10 –

von Schweden zu ſeinem Unternehmen gegen Caſſel erlangt, rückte


er an die Elbe. Sein Detaſchement beſtand aus acht Schwadro
nen und fünf Koſaken-Regimentern, mit vier (nach Andern, mit
ſechs) Geſchützen reitender Artillerie, in der Stärke von 2,300
Mann (*). Die Koſaken waren vom Oberſt Conſtantin Ben
kendorf, die Artillerie vom Grafen Balmen kommandiert; der
Quartiermeiſter des Detaſchements war der Oberſt Bogdano
witſch; in der Zahl der Freiwilligen befanden ſich der Oberſtleut
nant Graf Balmen (ſpäter ruſſiſcher Kommiſſair auf der Inſel
St. Helena während des Aufenthaltes Napoleon's), der Ma
jor Dörnberg und die preußiſchen Offiziere: Oberſt Barnekow,
die Rittmeiſter Arnim und Fabecki, und And. (*). Das Deta
ſchement ſetzte in der Nacht vom jº auf den Ä September über
die Elbe bei Acken auf Böten (*), hielt bei Bernburg und ſandte
nach verſchiedenen Seiten hin Abtheilungen, um die Aufmerk
ſamkeit des Feindes abzuleiten und Nachrichten über deſſen Be
wegungen einzuholen. Einer von dieſen Abtheilungen, achtzig
Koſaken an der Zahl, unter dem Befehle des Rittmeiſters Fa
becki, gelang es Querfurt zu überrumpeln und vierzig Offiziere
und fünfhundert Mann untern Ranges dort gefangen zu neh
men (*).
Am Ä September verließ das Detaſchement Tſcherniſchew's
Bernburg und langte den andern Tag in Roſſla an. Die Be
wegung über ein vom Feinde eingenommenes Land wurde mit
aller Vorſicht ausgeführt: die Truppen hielten ihr Nachtlager
auf ſehr kurze Zeit und in Entfernung von Wohnorten; wenn
ſie aber in Dörfern oder kleinen Orten Raſt machten, ſo wurden
ſolche von einer Koſakenkette umringt, um keinem Einwohner
den Ausgang zu erlauben; beim weitern Ausmarſche wurden die
Bürgermeiſter und andere örtlichen Beamten eingeladen die Trup
pen zu begleiten und wurden nicht eher entlaſſen, als nachdem
– 11 –

das Detaſchement einen bedeutenden Weg zurückgelegt hatte; die


Führer kannten das wirkliche Ziel des Marſches nicht, ſie wur
den ſogar über ſolche Wege befragt, die außer dem Plane der
Bewegung lagen; öfters lenkten die Truppen von der gehörigen
Richtung ab und nahmen ſie wieder auf, wenn ſich keine Fremd
linge mehr bei ihnen befanden, außer ſolche Spione auf deren
Treue man ſich verlaſſen konnte (*).
In Roſſla erhielt Tſcherniſchew die Nachricht, daß der Ge
neral Baſtineller, wie früher, bei Heiligenſtadt ſtand; demnach
ſchob er ſeine Vorpoſten in die Richtung von Nordhauſen vor.
Um die Bewegung der ruſſiſchen Truppen auf Caſſel möglichſt
zu verheimlichen, blieb dem General Tſcherniſchew nichts mehr
übrig, als auf Umwegen das Detaſchement Baſtineller's zu um
gehen. Um den Feind in der Fronte zu beſchäfftigen wurde auf
Nordhauſen eine große Patrouille gerichtet; Tſcherniſchew ſelbſt
rückte linkshin, auf Sonderhauſen, gab ſein Detaſchement für
die Avantgarde eines beträchtlichen Corps aus und ließ Proviant
für dreißigtauſend Mann vorbereiten; alle nach Caſſel reiſen
den wurden angehalten. Der regierende Prinz von Sonderhauſen
fügte ſich den Umſtänden, ritt den unerwarteten Gäſten mit ſeinem
Gefolge entgegen, bewirthete die Offiziere in ſeinem Schloſſe und
begleitete das Detaſchement bei ſeinem weitern Ausmarſche (*).
Am Morgen des Älangten die Truppen in Mühlhauſen an,
traten am ſelbigen Tage aus und nachdem ſie einen Gewaltmarſch
von 11 Meilen über Wanfried, Eſchwege und Waldcappel aus
geführt, erſchienen ſie am Äum /, 6 Uhr Morgens vor Caſſel.
Ein dichter Nebel, der die Umgegend der Stadt bedeckte, begün
ſtigte dieſe unbemerkte Bewegung. Unerachtet der Vorſichtsmaß
regeln Tſcherniſchew's zur Verheimlichung ſeines Unternehmens
war Baſtineller durch ausgeſchickte Patrouillen in Kenntniß
über die Bewegung des ruſſiſchen Detaſchements geſetzt; und
– 12 –

aus Mühlhauſen wurde nach Caſſel ein Courier mit der Nach
richt über deſſen Annähern geſchickt. Als Tſcherniſchew dießer
fuhr wurde eine Abtheilung Koſaken abgeordert um den Courier
einzuholen; obgleich es den Koſaken gelang ihn aufzufangen,
ſo entſchlüpfte doch ein verkleideter Gensd'arme, der von der
Finſterniß der Nacht begünſtigt Caſſel erreichte (*).
Demnach war die weſtphaler Regierung über die ihr dro
hende Gefahr vorgebeugt; allein die zur Abwehr ergriffenen
Maßnahmen waren unzureichend: ein unbedeutendes gegen die
ruſſiſchen Truppen aus der Stadt entſendetes Detaſchement
wurde mit Verluſt bis in die Vorſtadt Bettenhauſen geworfen:
ſechs Geſchütze, die ohne Bedeckung außerhalb der Stadt beim
Forſt ſtanden, wurden von den Koſaken aufgegriffen. Der noch
immer anhaltende Nebel verzögerte das Vorrücken des ruſſiſchen
Detaſchements bis halb zehn Uhr Morgens (*). General Tſcher
niſchew hoffte, daß die von den feindlichen Truppen erlittene
Niederlage den König Hieronymus zur Flucht aus Caſſel be
wegen würde. In der Abſicht ihn aufzufangen befahl er dem
Oberſt Benkendorf ſich mit dem Koſaken-Regiment Schiron und
einer Schwadron Rigaer Dragoner auf Neuemühle, die Fulda
oberhalb der Stadt überſchreitend, zuzuwenden und die Frank
furter Straße einzunehmen; indeſſen ein halbes Hundert Ko
ſaken auf Wolfsanger dirigiert war, um den Fluß unterhalb der
Stadt zu überſchreiten und die Straßen, die nach Paderborn und
Arelſen führen, zu unterbrechen. Der Angriff gegen die Stadt
war dem Obriſt Bedriaga anvertraut; er hatte zwei Schwadronen
Iſiumer Huſaren, die Koſaken-Regimenter Wlaſſow und Gre
kow nebſt zwei Geſchützen des Kapitains Liſchin unter ſeinem
Befehle. Um den Rücken des Detaſchements gegen Baſtineller
zu decken, welcher von Heiligenſtadt aus auf Witzenhauſen mar
ſchiert war, hatte einhundert Koſaken und eine Schwadron Dra
– 13 –

goner den Engpaß bei Kaufungen eingenommen und einen


Poſten bei Helſa aufgeſtellt. Die übrigen Truppen blieben in
Reſerve (*).
Oberſt Bedriaga warf die gegen ihn ausgerückte Compagnie
Garde-Jäger und nachdem zwei Kartätſchenſchüſſe die übrigen
Compagnien in's Schwanken gebracht, griffen ſie an. Obgleich
das Bataillon Zeit gehabt ein Carré zu bilden, wurde es in
Unordnung gebracht und gerieth größtentheils in Gefangenſchaft.
Die feindlichen Truppen zogen ſich hinter den Wahlebach zurück.
Dieſer Erfolg war aber theuer erkauft. Der Oberſt Bedriaga
wurde von zwei Flintenkugeln tödtlich verwundet (*).
Während dieſer Ereigniſſe ſetzte der Oberſt Benkendorf über
den Fluß bei Neuemühle und warf die gegen ihn erſchienenen
Garde-Huſaren; da er aber von den Gefangenen erfuhr, daß der
König Hieronymus Zeit gehabt, die Frankfurter Straße ein
ſchlagend, ſich davon zu machen, wollte er mit einem überlegenen
Feind ſich nicht einlaſſen und kehrte auf's rechte Ufer der Fulda
zurück. Aus dem Gefolge des Königs fielen 10 Offiziere und 250
Reiter in Gefangenſchaft. Als Tſcherniſchew erfahren hatte, daß
der König mit den am meiſten ihm ergebenen Truppen die Flucht
ergriffen und daß der General Allir zum Befehlshaber in der
Stadt ernannt war, entſchied er ſich den über den Wahlebach ſich
zurückgezogenen Feind anzugreifen. Um den Erfolg zu ſichern,
ließ Tſcherniſchew ſeine Reſerve vorrücken (*).
Kaum hatten die unermüdlichen Koſaken den Fluß durch eine
Furth überſchritten und den Feind in beiden Flanken umgangen,
führte Tſcherniſchew ſeinen Angriff in zwei Kolonnen aus. Die
Iſiumer Huſaren bildeten die Fronte, die Koſaken wandten ſich
links und umgingen die rechte Flanke des Feindes. Eines ſeiner
Geſchütze wurde umgeworfen; nach einigen Kartätſchenſchüſſen ſei
tens Liſchin gegen die Truppen, welche hinter der Brücke ſtanden,
– 14 –

warfen ſich beide ruſſiſchen Kolonnen auf die ihnen gegenüber


ſtehende Infanterie, zerſtreuten ſie, griffen das umgeworfene Ge
ſchütz auf und näherten ſich dem Leipziger Thore. Einige in die
Stadt geworfenen Granaten waren hinreichend um deren Verthei
diger in die Flucht zu ſchlagen; die Koſaken näherten ſich den
Thoren, öffneten ſie mit Hülfe einiger Bürger und rannten durch
die Untere-Stadt bis zur Brücke auf der Fulda. Da der Feind
keine Sorge trug das die Brücke und den großen Platz dominie
rende Schloß einzunehmen, ſo bemächtigten ſich die Ruſſen dieſes
feſten Gebäudes und behaupteten ſich in der Untern-Stadt. Doch
waren ſie bei der Brücke von einem heftigen Flintenfeuer aus den
nächſten Häuſern empfangen und genöthigt anzuhalten. Gegen
Benkendorf entwickelten ſich die von Infanterie unterſtützten Garde
Huſaren und im Rücken Tſcherniſchew's erſchienen zwei zum
Detaſchement Baſtineller's gehörende Küraſſier-Regimenter mit
zwei Geſchützen. Obgleich Baſtineller bald darauf ſein Vorhaben
auf Caſſel zu rücken änderte und ſich nach Lichtenau hin dirigierte,
ſo war dieſer Umſtand Tſcherniſchew nicht bekannt; daher glaubte
er ſich von überlegenen Kräften umringt und wagte nicht ſich ohne
Infanterie in der Stadt zu behaupten. Er entſchied ſich zum Rück
zuge auf Melſungen, in der Entfernung eines kleinen Marſches
von Caſſel (*).
Die von forciertem Marſch ermüdeten und entmuthigten
Truppen Baſtineller's zerſtreuten ſich größtentheils; die übrigen
geriethen in Unordnung, die von ihnen begleiteten zwei Geſchütze
ließ ihr Befehlshaber bei Alt-Morſchen in die Fulda werfen, da
die Pferde ſie nicht mehr ſchleppten (*).
Als Tſcherniſchew, der unterdeſſen mit ſeinen Hauptkräften
bei Melſungen angelangt war, den traurigen Zuſtand des feind
lichen Detaſchements erfuhr, ließ er es durch hundert Koſaken
unter der Anführung des Fähnrichs Sewaſtianow verfolgen. Die
– 15 –

Arrieregarde und die Nachzügler Baſtineller's wurden bei Alt


Morſchen eingeholt und in die Flucht, mit Verluſt von zwanzig
Küraſſieren, die in Gefangenſchaft geriethen, geſchlagen. Die
in die Fulda verſenkten zwei Geſchütze wurden herausgezogen.
Darauf kehrte Sewaſtianow nach Melſungen zurück (*).
Das Detaſchement Zandt, welches am Ä September ſich in
Göttingen befand, erhielt noch am Vorabende den Befehl nach
Caſſel, ſieben Meilen weit von Göttingen, zu rücken. Ein einziger,
wenn auch angeſtrengter Marſch, wäre dazu hinreichend geweſen.
Der General Zandt aber, kleinmüthig, unerfahren und nur
der Willkühr des Königs Hieronymus ſeine Erhöhung verdan
kend, anſtatt ohne Verzug auszutreten, ſchob dieß bis vier Uhr
Morgens des Ä auf, ließ aber dann nur das zwei Tage zuvor
aus Münden angelangte 1-te Bataillon des 7-ten Regiments nach
Caſſel rücken und blieb mit ſeiner Kavalerie an Ort und Stelle
mehrere Stunden. Darauf ging er auf Münden, holte dort ſeine
Infanterie ein und blieb mit ſeinem ganzen Detaſchement in Un
entſchiedenheit, ob er den nächſten Weg nach Caſſel über Lütter
berg und Landwehrhagen einſchlagen oder über die Fulda ſetzen
und auf Wilhelmshauſen rücken ſolle. Der dadurch entſtandene
Zeitverluſt hatte die ſchädlichſten Folgen. Die früher dort ein
quartierte Mannſchaft hatte von den Einwohnern übertriebene
Nachrichten erhalten, als hätten die Ruſſen, in Folge der Zer
ſtreuung aller weſtphaler Truppen, Caſſel ſchon in ihrer Gewalt;
zugleich ſuchten die Bürger Mündens die Truppen zum Ungehor
ſam zu bewegen, beredeten ſie nach Caſſel nicht zu gehen und ſich
für die Franzoſen gegen die Ruſſen und die deutſchen Brüder, die
als Befreier gekommen, nicht zu ſchlagen. Die Unentſchloſſenheit
und das Zögern Zandt's, welcher ſeine Infanterie von einem
Ufer des Fluſſes aufs andere mehreremals überführte, erregten
in den Reihen ſeiner Truppen Mißtrauen. Endlich, ſchon um
– 16 –

ſieben Uhr Abends, rückte Zandt auf dem linken Ufer der Fulda
vor. In der Dunkelheit der Nacht, auf ſchlechten Waldwegen,
verwandelte ſich das Detaſchement in einen unordentlichen Hau
fen und fing an ſich nach verſchiedenen Seiten hin zu zerſtreuen.
Zuvörderſt machten ſich die Hannoveraner und Braunſchweiger
davon; ihrem Beiſpiele folgten die Heſſen, je mehr ſie ſich ihren
Wohnorten näherten. Am Ä September, um zehn Uhr Morgens,
langte Zandt in Caſſel an. Er hatte nur einen kleinen Theil ſei
ner Mannſchaft unter den Waffen behalten. Ueberhaupt war die
Caſſeler Garniſon durch Deſertion und in Folge der Ereigniſſe
deß # September bedeutend geſchwächt. Sie zählte in Allem nur
500 Mann Infanterie und 350 Mann Kavalerie. Der General
Allir glaubte die Einwohner der Stadt durch folgenden Artikel
des Moniteurs vom Ä September zu beruhigen und die Truppen
zur Ergebenheit gegen die Franzoſen anzuregen:
„Einige hundert Koſaken erſchienen geſtern vor der Stadt,
wurden aber dergeſtalt empfangen, daß ihnen die Luſt vergehen
mußte wiederzukommen. Nach beträchtlichem Verluſte flüchteten
ſie ſich durch die Wälder.
„Die Ruhe in der Stadt iſt keinen Augenblick unterbrochen
worden; die Einwohner, ſo wie die Truppen, haben ſich vollkom
men gut betragen.“
Ungeachtet dieſer Verſicherungen ſah Allir ſelber die Unmög
lichkeit einer hartnäckigen Vertheidigung ein. Die Garniſon war
klein, die Mannſchaft unzuverläſſig, die feindliche Stimmuug der
Einwohner außer allen Zweifel. Daher beſchränkte er ſich auf
folgende ungenügenden Maßnahmen. Er ließ vor dem Friedrichs
platz zwei Geſchütze, eben ſo viel auf dem Weinberge, einer Höhe
hinter der Stadt, und am Ufer der Fulda die 6-te Jäger-Com
pagnie aufſtellen (*). -

Im Verlaufe des September ſtand General Tſcherniſchew


– 17 –

mit ſeinem Detaſchement bei Melſungen. Durch Spione, Ueber


läufer und Anhänger an die Sache Deutſchlands über Alles
was in Caſſel vorging und beſonders über den Geiſt der Truppen
in Kenntniß geſetzt, gab er dem Oberſt Barnekow und den Ritt
meiſtern Fabecki und Arnim die Weiſung, aus Gefangenen,
Ueberläufern und Freiwilligen ein Bataillon von 300 Mann zu
bilden. Alle aufgegriffenen Geſchütze wurden von Dragonern und
weſtphaler Artilleriſten, die ſich erboten hatten mit den Ruſſen zu
kämpfen, bedient. General Tſcherniſchew, der in Kenntniß geſetzt
wurde, daß die Einwohner zum Aufſtande gegen die Franzoſen
bereit waren, rückte mit ſeinem Detaſchement, welches aus dem
weſtphaler Bataillon und neun dem Feinde entnommenen Ge
ſchützen beſtand, gegen die Stadt vor. Allir, von dem Vordringen
Tſcherniſchew's unterrichtet, befahl die Thore mit Truppen zu
beſetzen, die Brücke über die Fulda mit Fuhren zu verſperren
und hinter ihr ein Geſchütz mit Bedeckung aufzuſtellen; die
zwei Geſchütze, die auf dem Weinberge ſtanden, wurden auf
den Friedrichsplatz übergeführt, wo eine Batterie von vier Ge
ſchützen unter der Bedeckung der Ueberbleibſel des 7-ten Re
giments und des Garde-Jäger-Regiments eingerichtet wurde; die
Kavalerie ſtellte ſich in der Lindenallee, zunächſt des Friedrichs
platzes, auf (*).
Als General Tſcherniſchew ſich der Stadt genähert hatte,
befahl er ſeiner Artillerie die Stadtgebäude und die Truppen, die
auf dem Friedrichsplatz ſtanden, zu beſchießen. Die Einwohner
beſchworen Allir ſie zu ſchonen und eine Kapitulation einzugehen,
allein ſie erhielten zur Antwort: „ich habe den Befehl die Stadt
bis zum Aeußerſten zu vertheidigen und werde ihn erfüllen.“
Dieſer Entſchluß wiegelte die Bürger auf. Die Jugend ging
in den Straßen haufenweiſe herum und erklärte, daß, da die
Franzoſen die Stadt zu vertheidigen nicht im Stande wären,
2
– 18 –

jede weitere Gegenwehr nur deren Zerſtörung herbeiführen


würde und ſie den Entſchluß gefaßt, die Thore der Stadt den
Ruſſen zu öffnen. Es kam ſo weit, daß die Caſſeler anfingen den
Truppen in der Erfüllung ihrer Pflicht hinderlich zu ſein; die
Garde-Huſaren feuerten alsdann auf die Volkshaufen, welche die
Truppen und Allir ſelber mit Steinen bewarfen. Viele Bürger
verließen die Stadt und gingen den Ruſſen entgegen. Kaum war
Oberſt Benkendorf mit dem weſtphaler Bataillon und zwei
Schwadronen abgeſeſſener Dragoner zum Leipziger Thore ge
rückt, als die dort ſtehende Karabiner-Compagnie, ohne einen
Angriff zu erwarten, ſich den Ruſſen übergab, welche das Thor
einnahmen und in die Stadt eintraten. Nichts deſto weniger
ſandte der General Tſcherniſchew, um die Einwohner zu ſchonen,
den Grafen Balmen als Parlementair an den General Allir,
machte ihn ſchriftlich auf die Vernichtung des Detaſchements Ba
ſtineller und auf den Entſchluß der weſtphaler Garde in den
Reihen der Ruſſen zu kämpfen, aufmerkſam und forderte ihn zur
Uebergabe der Stadt auf. Allir wollte anfänglich ſowohl Balmen,
als den nach ihm abgeſandten Oberſt Benkendorf anhalten, da
gegen ſtemmten ſich aber ſeine nächſten Kampfgenoſſen; zu
gleich hatte er einen allgemeinen Aufſtand der Einwohner Caſſels
zu erwarten. Demnach ſandte er den Oberſtleutnant Bolte an
den General Tſcherniſchew mit der Erklärung, daß die Uebergabe
der Stadt auf folgenden Bedingungen ſtattfinden könne: 1) die
Garniſon tritt nach Verlauf von zwei Tagen aus; 2) die Artil
lerie begleitet ſie; 3) das königliche Eigenthum bleibt unberührt.
In Erwartung, daß die Kapitulation abgeſchloßen ſei, verließ
Allir die Stadt mit der ihm nachgebliebenen Artillerie und bezog
Bivouaks vor dem Cölner Thore. Von ruſſiſcher Seite führ
ten die Unterhandlungen der Oberſt Benkendorf, der Graf Bal
men und der Major Dörnberg. Endlich, ſchon in der Dämmerung,
– 19 –

unterzeichnete Allir die von Tſcherniſchew geforderten Bedin


gungen, nämlich: 1) die weſtphaler und franzöſiſchen Truppen
verlaſſen die Stadt heute Abend und behalten ihre Waffen und
ihr Fuhrwerk; 2) die Stadt wird heute Abend von den kaiſer
lich-ruſſichen Truppen eingenommen; 3) zur Sicherheit der aus
getretenen Truppen, in Betracht der nach allen Seiten hin ge
ſendeten Koſaken-Detaſchements, werden jene Truppen von einem
Koſaken-Regiment, zwei Meilen weit von Caſſel, begleitet;
4) den Mitgliedern des diplomatiſchen Corps und den Bür
gern ſteht es frei die Stadt heute und morgen zu verlaſſen;
5) alles, was heute aus der Stadt unter der Bedeckung der
ruſſiſchen Truppen nicht fortgeführt wird, ſo auch jedes könig
liche Eigenthum, iſt als Beute betrachtet; 6) die Erfüllung
der Bedingungen dieſer Kapitulation findet nach zwei Stunden
ſtatt.
General Allir trat um ſieben Uhr Abends in die Richtung
auf Arolſen über Kirchditmold aus. Ihm folgten die franzöſiſchen
Generale und Beamten; einige weſtphaler Offiziere und Sol
daten begleiteten ihn nur bis zur Grenze des Königreichs und
kehrten von dort nach Caſſel zurück (*).
Nach erfülltem Dankgebet erfolgte der feierliche Einzug
Tſcherniſchew's in Caſſel an der Spitze der ruſſiſchen Truppen
am Morgen des Ä. Das Volk bewillkommnete ihn mit
freudigem Ausruf als deſſen Erreter. Er bezog ein Privathaus;
das königliche Schloß blieb unbewohnt und Alles darin befind
liche unberührt (*). In der Stadt fand man dreißig (nach
anderen Angaben zwanzig) Geſchütze (”), eine Menge verſchie
dener Waffen, Patronen, Munition und eine Kriegscaſſe von
79,000 Thaler. An tauſend Mann Franzoſen (die Kranken
in den Hospitälern inbegriffen) fielen in Gefangenſchaft. Zwei
und zwanzig von den aufgegriffenen Geſchützen wurden mit den
n
– 20 –

zu ihnen gehörenden Pulverkaſten nach Berlin, unter ſicherer


Bedeckung, befördert; von den vorgefundenen Summen wurden
15,000 Thaler unter den Truppen des Detaſchements vertheilt;
4,000 Thaler dem Major Dörnberg zur Bekleidung des neufor
mierten Bataillons verabfolgt, die übrigen 60,000 Thaler in die
Caſſe des Corps Winzingerode befördert (*).
Der Verluſt des Detaſchements an Todten und Verwun
deten überſtieg keine 70 Mann; unter den Letzteren befanden ſich
der Oberſtleutnant Rajewſki und die Majore Tſchelobitſchikow
und Dörnberg; getödtet war, wie ſchon geſagt, der Major Be
driaga (*).
S
Am Ä las man folgenden an allen Straßenecken ange
ſchlagenen Aufruf Tſcherniſchew's vom Ä.
„An die Bewohner des Königreichs Weſtphalen.
„Im Augenblick, wo das Glück der Waffen Eure Hauptſtadt
in meine Hand liefert, mache ich Euch im Namen Sr. Majeſtät
des Kaiſers von Rußland, meines allergnädigſten Herrn und
auf Befehl Sr. Königlichen Hoheit des Kronprinzen von Schwe
den, Oberbefehlshaber der Nord-Armee von Deutſchland, hier
durch bekannt, daß das Königreich Weſtphalen (welches aus
Provinzen zuſammengeſetzt wurde, die ihrem rechtmäßigen Ober
herrn mit Gewalt entriſſen waren) von heute aufhört zu beſtehen:
jedoch ſoll es nicht als erobertes Land behandelt werden, ſondern
es wird von der franzöſiſchen Herrſchaft befreit. Die edelen Ge
ſinnungen meines erhabenen Monarchen ſind bekannt. Um Deutſch
land vom fremden Joche zu erlöſen und der Welt den Frieden
zu ſchenken, rief Er ſeine Völker zu den Waffen und nicht eher
wird er gebieten, dieſelben niederzulegen, bis dieſes herrliche
Ziel erreicht ſei. -

„Der höchſte Gott ſegnet ſichtbarlich dies Unternehmen. Schon


hat der Feind ſeit wenigen Wochen über 300 Kanonen und
– 21 –

100,000 Gefangene verloren. Baiern, Würtemberg ſind von ihm


abgefallen und der größte Theil von Deutſchland ſteht bereits
gegen ihn unter den Waffen.
„Wer unter Euch ſich dieſem großen Bunde anſchließen und
dadurch Beweiſe geben will, daß er des Namens eines Deutſchen
nicht unwürdig ſei, wird von uns mit Freuden aufgenommen
werden; er wird unſer Bruder, unſer Kampfgefährte ſein und
der Kaiſer, mein Herr, wird ihn unter jedem Verhältniß zu
ſchützen wiſſen.
„Ich fürchte nicht, daß einer von Euch einer Regierung an
hängen werde, welche im Augenblick der Gefahr Euch kleinmü
thig verließ. Sollte dieß aber geſchehen und Jemand von Euch
für dieſelbe und zum Nachtheil des allgemeinen Beſten etwas
unternehmen, ſo werde ich gezwungen ſein die ſtrengſte Ahndung
auszuüben“ (”).
Dieſer Aufruf machte der Eriſtenz des Königreichs Weſtpha
len ein Ende. Obgleich, nach Abzug der Ruſſen, Allir wieder in
Caſſel einzog und dort neunzehn Tage, vom Ä an bis zum
October blieb, obgleich König Hieronymus in ſeine Haupt
ſtadt zurückkehrte und um ſeine Herrſchaft wieder herzuſtellen
Verſuche eingeleitet wurden, ſo war ſie doch für immer ver
loren.
Am Ä erſchien in Caſſel die Jäger-Schwadron des
Neumarker Dragoner-Regiments des Rittmeiſters Rohr, hun
dertfünfzig Mann an der Zahl. Nach der Einnahme Merſeburgs
ſeitens Thielmann am Ä September, wurde dieſe Schwadron
nach Halle geſendet, um ſich der dortigen Magazine zu bemächti
gen: von den Hauptkräften des Detaſchements durch das Vor
rücken des Generals Lefebvre-Desnouettes abgeſchnitten, warf
ſie ſich zuerſt auf Eisleben und hernach auf Caſſel, zur Vereini
gung mit Tſcherniſchew (*).
– 22 –

Es unterlag keinem Zweifel, daß die am Rhein organiſirten


» feindlichen Reſerven ſich auf Caſſel wenden würden und die ruſ
ſiſchen Parteigänger herausdrängen könnten. Daher unternahm
der General Tſcherniſchew die rückgängige Bewegung an die
Elbe.
Am Äs wurden die eroberten Trophäen auf die Straße,
die nach Hannover führt, befördert; die Truppen aber rückten
auf Göttingen, Nordheim, Braunſchweig und Salzwedel auf
Dömitz aus, überſchritten dort die Elbe und vereinigten ſich mit
der Nord-Armee (*).
Der Erfolg des Generals Tſcherniſchew erweckte im ganzen
Rheinlande die Sympathie Deutſchlands für die Sache der Ver
bündeten. Die Anhänger Napoleon's und der Franzoſen fühlten
ſich nirgends in Sicherheit; allenthalben witterten ſie Koſaken,
deren Schnelligkeit und Unermüdlichkeit der Ruf bis über die
Grenzen des Möglichen übertrieb. Einer der Vaſallen Napo
leon's, der Großherzog von Frankfurt und Primas (Dahl
berg), verließ ſeine Reſidenz Aſchaffenburg unb eilte nach Con
ſtanz (*).
Dem über die Einnahme Caſſels an den General Winzinge
rode abgeſandten Berichte fügte Tſcherniſchew die von Koſaken
aufgefangene Depeſche Königs Hieronymus an Napoleon über
den Verluſt ſeiner Hauptſtadt bei. Beide Schriftſtücke wurden an
den Kronprinzen von Schweden und vom Letzteren an den Kai
ſer Alerander nebſt folgender Aeußerung über General Tſcherni
ſchew befördert:
„Ew. Kaiſerl. Majeſtät habe ich ſchon das Ausrücken Tſcher
niſchew's im geheimen Auftrage gemeldet. Ohne allen Zweifel
würde ich ungenügend das Verdienſt der von dieſem tapfern und
talentvollen Offiziere ausgeführten That hervorheben, wenn ich
ſeinen Marſch, ſeine Kämpfe und Erfolge beſchriebe. Daher ziehe
– 23 –

ich es vor, Ew. Kaiſerlichen Majeſtät ſeinen Bericht an den


General Winzingerode im Original beikommen zu laſſen und
zugleich die von Letzterem empfangenen Schlüßel Caſſels Ew.
Majeſtät vermittelſt des an der Erpedition betheiligten Haupt
manns Dawydow vorzuſtellen. Es iſt mir um deſto angenehmer
Ew. Majeſtät die Einnahme der Hauptſtadt Weſtphalens zur
Kenntniß zu bringen, als ich über den Erfolg des Unternehmens
beunruhigt war. Tſcherniſchew befand ſich in ſo großer Entfer
nung von mir, daß ich ihm keinen Beiſtand leiſten konnte, obgleich,
unabhängig von den aus der Gegend von Halle und Bernburg
her getroffenen Verfügungen, ich eine Brücke über die Elbe bei
Ferchland habe ſchlagen laſſen und vier Schwadronen auf Gif
horn und Braunſchweig ihm entgegen geſendet wurden.....“(*).
Kaiſer Alerander verlieh dem General-Adjutanten Tſcherni
ſchew, zur Belohnung für die Einnahme Caſſels, den St. Wla
dimir-Orden 2-ter Claſſe.

Die ruſſiſchen Parteigänger der ſchleſiſchen Armee, Fürſt


Madatow und Oberſt Figner, die Preußen, Major Falken
hauſen und Rittmeiſter Schwanenfeld befanden ſich in zu großer
Entfernung von der Elbe, um über den Bereich der Verbindungen
Macdonald's hinaus in Thätigkeit zu ſein, aber im Rücken der
letzteren griffen ſie Couriere auf, vernichteten Parks und Fuhren
und ſchlugen ſogar bedeutende feindliche Detaſchements. Nach
dem Zeugniß einer kleinen Zahl lebender Genoſſen jener Zeit,
befanden ſich im Detaſchement Figner's Soldaten aller Natio
nen, auch einige Spanier, welche gezwungen waren unter Napo
leon zu dienen und zu den Verbündeten bei der erſten günſtigen
Gelegenheit übergetreten waren. Dieſe undisciplinierte Frei
ſchaar glich einer Räuberbande. Kein einziger Franzoſe, der in
– 24 –

die Hände der Parteigänger Figner’s fiel, erhielt Gnade.


Figner ſelber wurde ein Opfer der Unordnung und Fahrloſig
keit, die in ſeinem Detaſchement herrſchten. Bei Wörlitz von
überlegenen feindlichen Kräften überfallen, warf er ſich – wie
das Gerücht ging – mit einigen Koſaken in die Elbe, um das
andere Ufer zu erreichen und verſchwand ſpurlos.
läapitel XXXVI.
Operationen des Grafen Wallmoden. Treffen bei
Göhrde und Einnahme Bremens.

In halt.
Rückzug Davouſt's hinter die Stecknitz. – Bewegung des Grafen Wallmoden auf das
linke Elbufer. – Stellung des Detaſchements Pecheur bei Göhrde. – Treffen
bei Göhrde. – Verluſt beider Seiten. – Eleonore Prohaſka. – Rückkehr Wall
moden's auf's rechte Elbufer.
Aborderung des Generals Tettenborn auf's linke Elbufer. – Erpedition auf Bremen und
Uebergabe dieſer Stadt. – Entſchiedene Befreiung Bremens.

Das verfehlte Unternehmen des Marſchalls Oudinot auf


Berlin und die Niederlage Generals Girard bei Hagelberg be
wirkten den Rückzug des Corps Davouſt auf Ratzeburg und der
däniſchen Truppen auf Lübeck, wie dieß im Kapitel XXV dar
gelegt worden. Bald darauf zog ſich Davouſt hinter die Stecknitz
in eine Stellung zurück, welche von natürlichen und künſtlichen
Hinderniſſen gedeckt war.
Graf Wallmoden verfolgte ihn, mußte ſich aber, der überwie
genden Kräfte des Feindes wegen, auf deſſen Beobachtung und
unbedeutende Vorpoſtengefechte beſchränken. Doch wagten ſich
Tettenborn und andere unternehmende Parteigänger nicht ſelten
auf's linke Ufer der Elbe, welche ſie oberhalb Boitzenburgs über
ſchritten und beunruhigten die Verbindungen des Feindes. Ei
– 26 –

nem von dieſen Detaſchements gelang es einen franzöſiſchen


Artillerie-Offizier, Ueberbringer einer Depeſche, aufzugreifen,
aus welcher zu erſehen war, daß vom Corps Davouſt die Divi
ſion Pecheur auf das linke Elbufer abgeordert war und Proviant
für 10,000 Mann aufzutreiben hatte. Demnach bot ſich die Ge
legenheit dar einen Theil des feindlichen Corps mit überlegenen
Kräften anzugreifen; deshalb mußte man aber die gegenüber
der feindlichen Stellung haltenden Truppen ſchwächen. Graf
Wallmoden hoffte, daß Davouſt wie früher in Unthätigkeit blei
ben würde und entſchied ſich den General Pecheur mit den Haupt
kräften ſeines Corps anzugreifen (!).
Um die Flankenbewegung ſtromaufwärts längs der Elbe zu
decken, blieb die Diviſion Vegeſack an der Stecknitz, indeſſen einige
Bataillone Lützow's, die hanſeatiſche Infanterie und das 2-te
Huſaren-Regiment der ruſſiſch-deutſchen Legion den Raum zwi
ſchen Roggendorn (unweit Gadebuſch) und Boitzenburg einnah
men: überhaupt blieben gegenüber Davouſt an 11,000 Mann (*).
Mit ſeinen übrigen Truppen, ungefähr 10,000 Mann (*), rückte
Wallmoden am – September aus und nahm ſeine Richtung
über Vellahne, Langenheide und Lübtheen auf Dömitz. Im letz
teren Orte befand ſich eine Schiffbrücke; hier überſchritt er am
andern Tage die Elbe und langte am - September in Danne
berg an. Tettenborn, der gegen den Göhrde-Wald zu gerichtet
war, entdeckte den Feind am ſelbigen Tage (*). w

General Pecheur an der Spitze eines Detaſchements be


ſtehend aus ſechs Bataillonen, einer Schwadron reitender Jäger
und acht Geſchützen, in Allem viertauſendfünfhundert Mann an
der Zahl (*), hatte die Elbe am Ä September bei Zollenſpieker
überſchritten, war über Lüneburg gerückt und am 1. September
in Dillenburg angelangt. Seine reitenden Jäger waren einer
Abtheilung Koſaken begegnet, hatten einige Gefangene aufge
– 27 –

griffen und das Vorrücken auf Göhrde bedeutender verbündeter


Kräfte erfahren. Der geſchickte und tapfere General Pecheur
hielt in Folge dieſer Nachricht mit ſeiner Bewegung ein und be
richtete darüber dem Marſchall Davouſt. Letzterer hatte unterdeſſen
ſeine ganze Aufmerkſamkeit auf die ihm gegenüberſtehenden Haupt
kräfte Wallmoden's gewendet und hielt den erhaltenen Bericht
nicht für wichtig genug oder hatte nicht Zeit gehabt ſeine Ver
fügungen zu treffen. In der Nacht vom # auf den September
ſtellte General Pecheur ſein Detaſchement auf die Höhen zu beiden
Seiten der Lüneburger Straße zwiſchen Oldendorf und Eichdorf
auf und nahm mit ſeinen Schützen das vorwärts gelegene Jagd
ſchloß Göhrde ein (*).
General Wallmoden, der ſich über eine waldige und wellen
förmige Gegend bewegte, hoffte, daß das Vordringen ſeiner
Truppen unbemerkt vom Feinde bleiben und letzterer aus ſeiner
Stellung vordringen würde. Da dieß aber nicht ſtattfand, ſo
befürchtete Wallmoden den Rückzug des Feindes auf Hamburg
und entſchied ſich für den Angriff. Der General Tettenborn ſollte
mit ſeinen Koſaken-Regimentern, zwei Bataillonen, vier Schwa
dronen und vier Geſchützen reitender Artillerie Lützow's, in die
Fronte vorrücken; Oberſtleutnant Pfuhl mit ſechs Bataillonen,
vier Schwadronen und zwölf Geſchützen der ruſſiſch-deutſchen Le
gion war zum Umgehen der linken feindlichen Flanke beſtimmt;
die übrigen Truppen, unter dem unmittelbaren Befehle Wall
moden's, folgten der Kavalerie Tettenborn's als Reſerve (*).
Die Truppen Pfuhl's rückten aus ihrem Lager um 12 Uhr Mit
tags aus; die Druppen Tettenborn's, die um ein Uhr (nach an
dern Angaben um zwei Uhr) Nachmittags ausgerückt waren,
griffen mit den Koſaken beide Flanken der feindlichen Stellung
an. Zugleich traten die Jäger Lützow's, welche die rechte Seite
des Waldes eingenommen hatten, in einen hartnäckigen Kampf
– 28 –

mit den franzöſiſchen Schützen ein. Zur ſelbigen Zeit wurde eine
Kanonade vom rechten Elbufer her, in der Richtung auf Boitzen
burg, hörbar. Unzweifelhaft waren die verbündeten Truppen,
welche in der Fronte gegen den überlegenen Feind ſtanden, in
großer Gefahr. Wallmoden hatte nicht Zeit ihnen zur Hülfe
anzulangen und entſchied ſich den begonnenen Angriff fortzuſetzen.
Der Feind hielt hartnäckig in einem Graben, am Ausgange des
Waldes, war aber endlich gezwungen auf ſeine Hauptſtellung
zurückzugehen. Vor der von ihm eingenommenen Höhe lag ein
Moraſt; die Flanken ſeiner Stellung waren gedeckt von Dörfern.
Auf dem rechten Flügel ſtanden zwei, auf dem linken fünf Ge
ſchütze, im Centrum, auf der Lüneburger Straße, ſtand eine
Haubitze. Die Truppen Tettenborn's waren gleich nach ihrem
Erſcheinen aus dem Walde in die offne Gegend von einem hef
tigen Kanonenfeuer empfangen.
Unterdeſſen war das Detaſchement Pfuhl's, welches den rechten
feindlichen Flügel umgehen ſollte, an dem für ihn beſtimmten
Punkt noch nicht angelangt. In Erwartung deſſen eröffneten die
Geſchütze Tettenborn's ihr Feuer; allmählig vereinigten ſich mit
ihnen andere Batterien. Die verbündete Infanterie ſtellte ſich in
Kampfordnung auf; die Koſaken und die regulaire Kavalerie,
gedeckt von der Oertlichkeit, erwarteten den geeigneten Moment
zum Angriffe. Da aber in Folge der erhaltenen Nachrichten die
feindlichen Kräfte bedeutend überſchätzt waren, ſo hielt Graf
Wallmoden mit der Bewegung der Hauptkolonne gegen die feind
liche Fronte ein; er wollte den Angriff, gleich nachdem die ver
bündeten Truppen im Rücken des Feindes erſchienen ſeien, mit
Kraft beginnen. Schon ſenkte ſich der Tag als die Kavalerie
Dörnberg's den linken feindlichen Flügel umgangen hatte. Gleich
darauf wurde die Kanonade Pfuhl's, links hinter dem Walde,
hörbar. Die ruſſiſch-deutſche Legion erſchien im Rücken der feind
– 29 –

lichen Stellung: die Infanterie des Oberſtleutnants Pfuhl hatte


die Dörfer, welche deren Flanken decken ſollten, eingenommen
und ſchnitt den Franzoſen den Rückzug ab; der Oberſtleutnant
Lützow griff ſie mit ſeiner Kavalerie in der Fronte an und warf
die feindliche Schwadron bis hinter die Infanterie, welche mehrere
Carrés bildete, deren Angriffe die verbündete Kavalerie zurück
wies; die franzöſiſche Artillerie feuerte ihre Kartätſchen mit Er
folg und brachte den Verbündeten großen Verluſt bei. Lützow
ſelber erhielt zwei Wunden; ſeine „ſchwarzen Reiter“ waren zuu
Rückzuge gezwungen. Seine Jäger aber gingen raſch vor, war
fen den Feind auf der Höhe der Lüneburger Straße und griffen
die Haubitze auf. Zugleich wurden die hannoverſchen Bataillone
des Generals Lyon und neun Schwadronen des Generals Dörn
berg in's Feuer geführt; auch ging die Kavalerie Lützow's wieder
zum Angriffe vor. Alle franzöſiſchen Geſchütze wurden von den
Verbündeten genommen. Der von allen Seiten umringte, von
Kartätſchen bewältigte Feind, vertheidigte ſich mit Flintenfeuer,
gerieth aber endlich in vollkommene Unordnung. General Pecheur
verſuchte zur linken gegen die Elbe hin zu entgehen; kaum gelang
es ihm aber ſeine zerſtreute Mannſchaft zu ſammeln, als die ver
bündete Artillerie ſie eingeholt und mit Kartätſchen beworfen
hatte. Man erzählt, daß beſonders die Congrevſchen Raketen in
den feindlichen Reihen Schrecken und Verwirrung anrichteten.
Dieß iſt ein höchſt ſeltenes Beiſpiel vom Erfolge dieſer Waffe,
welcher wahrſcheinlich niemals eine wichtige Rolle in der Kriegs
kunſt beſchieden iſt. Der Oberſtleutnant Golz drang mit dem
1-ten Huſaren-Regiment in die Reihen eines von den feindlichen
Carrés ein und ergänzte mit der übrigen Kavalerie die Nieder
lage des feindlichen Detaſchements (*).
Die Finſterniß der Nacht verhinderte die weitere Verfolgung
des Feindes und erleichterte den Franzoſen ihren Rückzug durch
– 30 –

die Wälder über Lüneburg auf Zollenſpieker. Pecheur ſelber,


dem zwei Pferde unter dem Leibe erſchoſſen waren, rettete ſich
zu Fuß und zog an den Ufern der Elbe kaum die Hälfte ſeines
Detaſchements zuſammen. Seine ganze Artillerie fiel in die
Hände der Verbündeten. Der General Mielzinſki, hundert
Offiziere und tauſendneunhundert Mann untern Ranges (inclu
ſiv achthundert Verwundeter) fielen in Gefangenſchaft (*). Der
Verluſt der Verbündeten beſtand aus circa tauſend Mann Tod
ten und Verwundeten (”). Unter den erſteren befand ſich der
Major Deveaur. Die Geſchichte darf den Namen der preußiſchen
Heldinn, Eleonora Prohaſka, nicht unerwähnt laſſen. Einund
zwanzig Jahre alt, diente ſie in den Freiſchaaren Lützow's unter
dem Namen Renz. Hoher Wuchs, ſtarker Körperbau, ungewöhn
liche Gewandtheit und Fertigkeit im Kriegsdienſte, welchem ſie
ſich aus Liebe zum Vaterlande gewidmet hatte, zeichneten ſie aus.
Dieſe Jeanne d'Arc neuerer Zeit verheimlichte ihr Geſchlecht
vor ihren Kampfgenoſſen, den Jägern Lützow's, und verdiente
ihre Achtung. Im Treffen bei Göhrde zerſchmetterte eine Kar
tätſche ihren Fuß. Sie ertrug die größten Qualen mit Stand
haftigkeit und ging dem Tod mit Lächeln entgegen (*).

Der Angriff ſeitens Davouſt gegen die verbündeten Truppen,


die in ſeiner Fronte geblieben waren, bewog Wallmoden, nach
dem Treffen bei Göhrde, auf's rechte Ufer der Elbe über Dömitz
zurückzukehren. Er rückte am # September aus. General Tet
tenborn blieb auf dem linken Ufer mit drei Koſaken-Regimentern,
den Kavalerie- und Jäger-Detaſchements Lützow's, dem Batail
lon Reiche und vier Geſchützen reitender Artillerie, 2,100 Mann
an der Zahl (*). Tettenborn erhielt die Weiſung auf Lüneburg
zu rücken und von dort aus Abtheilungen auf Haarburg und auf
– 31 –

die Verbindungen des Feindes mit Bremen zu dirigieren. Darauf


wurde er angewieſen über Lüneburg auf Dömitz zurückzukeh
ren (*). Der glänzende Erfolg Tſcherniſchew's aber bei Caſſel
wirkte ſo ſehr auf die Einbildungskraft Tettenborn's, daß er
Wallmoden um die Erlaubniß anging einen Verſuch auf Bremen
auszuführen. Am Ä verließ Tettenborn Boitzenburg, über
ſchritt die Elbe bei Bleckade, rückte in Gewaltmärſchen über
Bünenbüttel, Soltau und Viſſelhöwede auf Werden und langte
dort am Ä an. Die Seitenwege, welche das Detaſchement
einſchlagen mußte, waren von Regengüſſen beinahe zerrüttet;
die Fuhren auf welchen die Infanterie befördert wurde, ver
ſanken auf jedem Schritt; mit Mühe konnten die Geſchütze den
Truppen folgen. Ungeachtet deſſen legte das Detaſchement in
drei Tagen zwanzig Meilen zurück. Noch hatte man den Weg
von Werden bis Bremen in tiefem Sand zurückzulegen. Es war
bekannt, daß letztere Stadt mit einem Wall von Erde, breitem
Waſſergraben und Palliſaden umgeben war und daß die Gar
niſon, an tauſendfünfhundert Mann, von einem alten, erfahrnen,
energiſchen Offiziere, Oberſt Thuillier, kommandiert war. Bei
ſolchen Umſtänden hing der Erfolg mehr von der Plötzlichkeit
des Angriffs, als von der numeriſchen Stärke der dazu be
ſtimmten Truppen ab. Das Detaſchement Tettenborn's rückte
unverzüglich gegen Bremen vor; zur ſchnellen Beförderung der
Artillerie waren Pferde als Relais vorausgeſchickt. Die Trup
pen langten in der Umgegend der Stadt am Ä October noch vor
Sonnenaufgang an. Zwei ſchweizeriſchen Compagnien, die im
Dorfe Hoſtädt, eine von den Vorſtädten Bremens, ſtanden, waren
überrumpelt und zerſtreut; nur wenigen von den Schweizern ge
lang es in die Stadt über ihre Zugbrücke zu flüchten. Die Ko
ſaken verfolgten den Feind beharrlich; einige von ihnen drangen
in die Stadt im ſelbigen Augenblick als die Brücke aufgezogen
– 32 –

wurde. General Tettenborn genöthigt in der Vorſtadt anzuhal


ten, ſtellte einige Geſchütze gegen den Stadtwall auf, von welchem
her ein ziemlich ſtarkes Flintenfeuer eröffnet war und befahl
einige Granaten in die Stadt zu werfen; dieſe platzten und be
wirkten einen Brand: doch waren die zahlreichen Bürger Bre
mens von der Garniſon in Gehorſam gehalten. Der Verſuch
den Kommandanten zur Uebergabe zu bewegen mißlang. Thuil
lier befahl auf die ihm als Parlementaire geſendeten Offiziere
zu ſchießen.
Bei dieſen Umſtänden mußte man ſich zum Sturm entſcheiden.
Die von den Verbündeten ausgeführten Recognoscirungen erwie
ſen die Möglichkeit den Wall in zwei Stellen, wo der Graben nicht
ſehr tief war und mit Faſchinen zugeworfen werden konnte, zu
überſteigen. Die wenig zahlreichen Schaaren Tettenborn's bereite
ten ſich zum Sturm vor, als Thuillier, der am # September vom
Wall aus die Stellung der Verbündeten mit einem Fernrohre
überſchaute, von einer Flintenkugel tödlich getroffen wurde.
Tettenborn war davon durch einen Bremer Einwohner, der über
Wall und Graben zu ihm gelangt war, in Kenntniß geſetzt. Zu
gleich erfuhr er, daß der neue Kommandant Oberſtleutnant
Devallant, ein Schweizer Eingeborner, bereit ſei die Stadt zu
übergeben, wenn ihm nicht gar zu läſtige Bedingungen geſtellt
ſein würden. Es erfolgte eine Kapitulation, auf Grund welcher
Tettenborn am September Bremen einnahm. Die franzöſi
ſchen Truppen, 1,200 Mann an der Zahl, traten gegen den
Rhein zu mit ihren Waffen und Fuhren aus und verpflichteten
ſich gegen die Verbündeten im Verlauf eines Jahres nicht zu
dienen.

Der Einzug der kühnen Parteigänger in Bremen war feier


lich. Die Einwohner umarmten ihre Befreier, bewillkommneten
ſie mit lautem Ausrufe, überhäuften ſie mit Blumenkränzen. Alles
– 33 –

Eigenthum der franzöſiſchen Regierung, die Geldſummen, die


Magazine mit Munition, ungeheuere Niederlagen von Tuch und
andern Vorräthen waren den Verbündeten geliefert. Ein bedeu
tender Theil der Beute wurde für ein Spottgeld öffentlich ver
kauft; einige hundert Fuhren mit Tabak, Tuch, fertigen Uni
formen, Cochenille, Colonialwaaren wurden unter Bedeckung in
die Mecklenburger Staaten befördert; 110,000 Franken wurden
unter den Truppen des Detaſchements vertheilt; 150,000 Fran
ken in's Hauptquartier des Kaiſers Alerander befördert. Die
Trophäen beſtanden aus ſechzehn Geſchützen. Der größte Theil
der Schweizer erbot ſich in den Dienſt der Verbündeten zu treten;
außerdem vereinigten ſich einige Bremer Studenten und junge
Handelsleute mit dem Detaſchement Lützow's (*).
Die von Nienburg aus zur Hülfe der Bremer Garniſon ge
ſendeten Truppen wurden von einer gegen ſie ausgerückten Ab
theilung angegriffen und geworfen. Gleich darauf flüchtete ſich
der von der Uebergabe Bremens in Schrecken verſetzte Komman
dant Nienburgs gegen den Rhein zu, nachdem er die Brücken auf
der Weſer in die Luft geſprengt (*).
Nachdem General Tettenborn die eroberte Beute hinter die
Elbe befördert hatte, trat er am Ä October auf Werden aus.
Eine Abtheilung Koſaken unter dem Befehle des Rittmeiſters
Schulz blieb in Bremen bis zum Ä October, als das Vorrücken
des Generals Laubardiere mit 1,500 Mann von Osnabrück aus,
die Koſaken zur Räumung der Stadt bewog. Die Tage der Herr
ſchaft Napoleon's aber über Deutſchland waren ſchon gezählt.
Die Nachricht von den Ereigniſſen bei Leipzig nöthigte die Fran
zoſen am Ä October auf Osnabrück auszurücken (").
1äapitel XXXVII.
Bewegung Blücher's von Bautzen aus zur Elbe.
Schlacht bei Wartenburg. Ueberſchreiten der Elbe
ſeitens des Kronprinzen von Schweden.

I n halt.
Abſicht Blücher's die Elbe zu überſchreiten. – Das Corps des Fürſten Stſcherbatow und
die Diviſion des Grafen Bubna rücken in die Lauſitz. – Umſtände, die auf die
Wahl des geeigneten Punktes zum Ueberſchreiten der Elbe einwirken. – Brücken
bau beim Dorfe Elſter.
Beſtand, Zahl und Eigenſchaft der Truppen Ney's. – Deren Stellung zur Vertheidi
gung des Uebergangs über die Elbe. – Stellung der Truppen Bertrand's bei
Wartenburg.
Schlacht bei Wartenburg. – Blücher's militairiſche Beredſamkeit. – Vor
rücken der preußiſchen Truppen. – Dispoſition des Generals Mork. – Zahl der
zum Angriff auf die feindliche Stellung beſtimmten Truppen. – Angriff des
Prinzen von Mecklenburg auf Bleddin. – Angriff Horn's auf Sauanger. –
Einnahme Wartenburgs. – Bewegung des Prinzen von Mecklenburg zum Um
gehen des Feindes. – Stellung Blüchers nach der Schlacht. – Verfolgung. –
Verluſt beider Seiten.
Errichtung eines befeſtigten Lagers bei Wartenburg. – Ueberſchreiten der Elbe ſeitens
des Kronprinzen von Schweden und Rückzug Ney's auf Eilenburg. – Bewegung
der verbündeten Truppen auf beiden Ufern der Mulde . – Im Hauptquartiere der
ſchleſiſchen Armee verfaßter Operationsplan. – Zuſammenkunft des Kronprinzen
von Schweden mit Blücher. – Abſicht der verbündeten Heerführer auf Leipzig zu
rücken. – Die Verbündeten ſind vom Vorrücken Napoleon's in Kenntniß geſetzt. –
Sie entſcheiden ſich die Elbe zu überſchreiten.

Nachdem die Truppen Napoleon's, welche gegen die ſchleſi


ſche Armee kämpften, am Ä September die Umgegend Bautzens
verlaſſen und ſich an die Elbe zurückgezogen hatten (wie dieß im
– 35 –

Kapitel XXXIII dargelegt worden) erleichterte Blücher die Be


wegung Bennigſen's aus Schleſien nach Böhmen hin und traf
Maßregeln zur Erfüllung ſeines Vorhabens die Elbe zu über
ſchreiten und in Vereinigung mit der Nord-Armee vorzurücken.
Bis zu dieſer Zeit waren die verbündeten Heere auf einem be
deutenden Raume getrennt von einander: die Lauſitzer Berge
trennten das böhmiſche von dem ſchleſiſchen Heere. Dieſe Berge
konnte man nur auf unbequemen Umwegen überſchreiten, ſo daß,
obgleich in gerader Linie Bautzen vom Töplitzer Thale nur zehn
Meilen entfernt iſt, man doch zwanzig Meilen zurücklegen mußte,
um von Bautzen aus über Zittau, Gabel, Böhmiſch-Leina nach
Leutmeritz zu gelangen. Die Entfernung zwiſchen den Haupt
kräften der ſchleſiſchen und der Nord-Armee betrug an fünfund
zwanzig Meilen. Napoleon, im Gegentheil, hatte eine Central
Stellung an der Elbe inne und Feſtungen ſchützten ſeine Ueber
gänge über den Fluß, mittlerweile die ſchleſiſche und die Nord
Armee nicht anders mit der böhmiſchen Armee in Verbindung
treten konnten, als auf Brücken, welche im Wirkungskreiſe der
Napoleoniſchen Hauptmaſſe und in der Nähe befeſtigter, von den
Franzoſen eingenommener Punkte zu errichten ſeien. Das gleich
zeitige Vorrücken ſämmlicher verbündeten Heere auf die Verbin
dungen des Feindes benahm ihm die Vortheile, welche ihm die
Elbe gewährte und verſetzte ihn in die Nothwendigkeit einen
Kampf in ſehr ungünſtigen Verhältniſſen aufzunehmen. Wir
haben ſchon erwähnt, daß die Abſichten Blücher's, obgleich das
Hauptquartier Schwarzenberg's ſie nicht theilte, dem Willen der
verbündeten Monarchen entſprachen. Nicht vielen von den Kampf
genoſſen Blücher's war dieß aber bekannt. Der preußiſche Gene
ral Rauch, welcher ſeinem Hauptquartiere beigegeben war, um
Maßregeln zur Sicherheit der ſchleſiſchen Feſtungen zu treffen,
fand die Seitenbewegung der Armee gegen die Elbe hin höchſt
– 36 –

gefährlich, weil ſeiner Meinung nach dieſe Feſtungen leicht in die


Gewalt des Feindes fallen konnten. Der ruſſiſche Reſident am
Hauptquartiere Blücher's, perſönlich tapfere, aber bis zur Zag
haftigkeit in ſeinen ſtrategiſchen Anſchauungen vorſichtige General
Theil, drang in den alten Feldherrn, ſich für ein ſo gefährliches
Unternehmen nicht fortreiſſen zu laſſen. Blücher liebte Theil,
welcher lange bei ihm gedient hatte und behandelte ihn als einen
alten Freund, wollte aber ſeinem Rathe nicht Folge leiſten.
„Seien Sie ruhig, mein Freund“, ſagte Blücher, „Alles iſt reif
lich überlegt worden.“ Als aber Theil förmlich gegen die Seiten
bewegung zu proteſtiren ſich erlaubt hatte, bemerkte ihm Blücher,
daß einem ruſſiſchen Agenten beim Hauptquartiere der ſchleſiſchen
Armee nicht das Recht eingeräumt ſei, Rathſchläge bezüglich der
Kriegsoperationen zu ertheilen. Die Vorſtellungen Rauch's waren
in einem noch herberen Ton erwidert; da der alte Feldherr
das Ergebniß ſeiner Unterhandlungen mit Theil und Rauch nicht
verheimlichte, ſo verließen beide bald das Hauptquartier Blü
cher's (!).
Als Blücher die Bewegung zur Elbe unternahm, hatte er die
Abſicht ſie bei Mühlberg zu überſchreiten, im Fall Napoleon ſich
auf Leipzig zurückzöge, und auf dem kürzeſten Wege in Verbindung
mit der Hauptarmee zu treten: ſollte aber Napoleon an der Elbe
bleiben, ſo würde Blücher den Fluß bei der Mündung der Schwar
zen-Elſter überſchritten und Verbindungen mit der Armee des
Kronprinzen von Schweden eingeleitet haben (*). Um den Weg
aus der Lauſitz nach Böhmen über Rumburg zu decken, war bei
Neuſtadt, eine große Meile öſtlich von Stolpen, die öſtreichiſche
leichte Diviſion des Grafen Bubna aufgeſtellt (*). Die Straße
von Dresden über Bautzen nach Schleſien war gedeckt vom 6-ten
Infanterie-Corps des Generalleutnants Fürſt Stſcherbatow, be
ſtehend aus zwei Diviſionen, mit zwei Kavalerie-Regimentern,
– 37 –

einem ukainſchen Koſaken-Regiment, 250 Koſaken vom donſchen


Regiment Iſayew 2. und fünf Geſchützen donſcher Koſaken-Ar
tillerie, ungefähr achttauſend Mann an der Zahl (*). Am
September begann die Seitenbewegung der Hauptkräfte der
ſchleſiſchen Armee, an ſiebenzigtauſend Mann, das Corps Stſcher
batow ausgenommen (*).
Das Corps Sacken deckte gegen die Elbe hin die übrigen
Truppen, rückte auf Großenhain, blieb dort ſtehen und ſchob
eine Avantgarde auf Meiſſen vor, welche ein ziemlich hitziges
Gefecht gegen den Feind dort zu beſtehen hatte ("), die übrigen
Corps langten in Elſterwerda am # an.
Blücher glaubte die Elbe bei der Mündung der Schwarzen
Elſter, Wartenburg gegenüber, überſchreiten zu können: der Fluß
bildet dort einen einſpringenden Bogen, wo auf Befehl des Kron
prinzen von Schweden eine Brücke über die Elbe errichtet wurde.
Noch am # September aber erhielt Blücher folgenden Brief
Tauenzien's: „Der große Feldherr auf dem rechten Flügel“ –
ſo iſt der Kronprinz ironiſch bezeichnet – „operirt auf eine Weiſe,
daß es Gottes Wille ſein muß, daß die Sachen noch ſo gut
ſtehen. . . . Ich erhielt ſoeben ein Schreiben vom General Bor
ſtell, laut welchem er mir anzeigt, daß er den Befehl erhalten,
die über die Elſter mit ſo vieler Mühe geſchlagene Schiffbrücke
wieder abzubrechen, weil einige feindlichen Bataillonen gegen An
legung eines Brückenkopfs ſich aufgeſtellt und widerſetzt haben. . . .
Ich werde hier die Poſition hinter der Elſter ſo lange halten, bis
ich in Uebereinkunft mit Ew. Erc. Armee zu größeren Zwecken
etwas beitragen kann“ (*).
In Folge dieſer Nachricht entſchied ſich Blücher eine Brücke
bei Mühlberg zu ſchlagen und dort über die Elbe zu gehen: in
taktiſcher Beziehung bot Mühlberg ebenfalls große Vortheile;
deſſen Lage aber zwiſchen Torgau und Meiſſen, wo der Feind
– 38 –

Brücken beſaß, würde Blücher Ausfällen des Feindes aufs rechte


Ufer der Elbe von dieſen beiden Punkten her ausgeſetzt haben.
Demnach bekam Sacken die Weiſung, die Brücke bei Meiſſen zu
vernichten. Dieß wurde von ſeiner Avantgarde und einem Theile
der Infanterie ausgeführt. Die Franzoſen aber, von den ruſſi
ſchen Truppen angegriffen, glaubten, daß die Verbündeten die
Abſicht hatten, dort die Elbe zu überſchreiten, brachen daher die
Brücke ſelber ab (*).
Ungeachtet dieſes Erfolges, welcher das Unternehmen bei
Mühlberg erleichterte, entſchied ſich Blücher gegenüber Warten
burg eine Brücke zu ſchlagen und dort die Elbe zu überſchreiten.
Die Veranlaſſung dazu war das Mißtrauen der preußiſchen Ge
nerale gegen den Kronprinzen von Schweden, welcher vorzugs
weiſe die ſchwediſchen Truppen ſchonte und den Ruſſen ſeine
beſondere Geneigtheit erwies. Nicht ſelten zeigte er ſich entzückt
über die Haltung der bei ſeinem Hauptquartiere angeſtellten
Pawlogradſchen Huſaren. Auch erzählt man, daß bei Dresden,
als ruſſiſche Jäger dem Kronprinzen vorbei defilierten, er ſich
gegen ſeine Begleitung folgenderweiſe ausſprach: „Sehen Sie,
meine Herren, auf dieſe Art muß man ins Feuer rücken“ (*).
Noch ernſtere Vorwürfe zog er ſich wegen ſeiner Unthätigkeit bei
Groß-Beeren und Dennewitz zu, als die geſchlagene Armee Ney's
in letzterer Schlacht, in Folge ſeines Verhaltens, ſeiner vollſtän
gen Niederlage entging. Während ſeines Aufenthalts mit dem
größten Theile ſeiner Armee in der Umgegend von Zerbſtwendete
der Kronprinz ſeine Aufmerkſamkeit ausſchließlich auf die däni
ſchen Truppen, welche er zum Abfall von Napoleon zu bewegen
wünſchte. Unter dieſem Vorwande befahl er Tauenzien die bedeu
tend überlegenen Kräfte Davouſt's in der vortheilhaften Stellung
hinter der Stecknitz anzugreifen und wollte dorthin auch einen Theil
der unter ſeinem Befehle ſtehenden preußiſchen Truppen rücken
– 39 –

laſſen. Unterdeſſen war aber Tauenzien ſchon in Verbindung mit


der ſchleſiſchen Armee bei Mühlberg getreten; ungeachtet des
Befehls ſeitens des Kronprinzen auf Meſſen und Schweinitz zu
rücken, machte Tauenzien Blücher den Vorſchlag, die Elbe mit der
ſchleſiſchen Armee, ſogar ohne die Einwilligung ſeines unmittel
baren Befehlshabers, zu überſchreiten. So groß war der Verdacht
gegen den Kronprinzen, deſſen Kaltblütigkeit für die allgemeine
Sache den preußiſchen Generalen auffiel. Bülow, deſſen Corps
näher zum Hauptquartiere des Kronprinzen ſtand, entſchied ſich
noch nicht für einen ſo gewagten Schritt wie Tauenzien, verſprach
aber Blücher ſeine Mitwirkung ſo weit es ſeine untergeordnete
Stellung nur irgend geſtatten würde. Allein der König Friedrich
Wilhelm widerſetzte ſich dem eigenwilligen Abfall der preußiſchen
Corps von der Nord-Armee, demnach entſchied ſich Blücher die
Elbe in der Nähe des Kronprinzen zu überſchreiten, um Letzteren
zum Vorrücken zu verleiten; unterdeſſen ſendete er zu ihm am
Ä September den Major Rühle von Lilienſtern, um ihn von ſeiner
Abſicht in Kenntniß zu ſetzen. Auf die Frage des Prinzen, mit
welcher Zahl Truppen Blücher die Elbe zu überſchreiten beabſich
tige, erklärte Major Rühle, daß die ganze ſchleſiſche Armee auf's
linke Ufer gehe. Alsdann verſprach der Kronprinz ſeine Mit
wirkung. Seiner Meinung nach war das Dorf Elſter der geeig
netſte Punkt für Blücher, um den Fluß zu überſchreiten. Darin
überzeugte ſich Major Rühle perſönlich.
Blücher erhielt ſchriftlich das Verſprechen des Prinzen auf die
linke Seite der Elbe zu rücken, ſobald nur ſeine Brückenbefeſti
gungen errichtet ſeien ("). Dieß bewog Blücher von dem Ueber
gange bei Mühlberg abzuſtehen: er rückte am Ä, die
Schwarze-Elſter abwärts, auf Herzberg und am folgenden Tage
auf Meſſen. Das Corps Sacken und ſeine Avantgarde ſchlugen
die nämliche Richtung ein. In der Nacht vom # auf den Ä
– 40 –

wurden von den ruſſiſchen Pontonniers, unter der Leitung der


Majore Iwanow und Schiſchkin, eine Ponton-Brücke und eine
Brücke auf Böcken erbaut. Blücher ſelber bezeugte, daß die Thä
tigkeit dieſer Offiziere den Uebergang der Armee am folgenden
Morgen um fünf Uhr ermöglichte ("). Die Errichtung der Brücken
erfolgte unter der Bedeckung einiger Bataillonen vom Corps
Bülow, welche von drei Bataillonen W)ork's, einer Com
pagnie reitender Artillerie und einer Compagnie Fuß-Artillerie,
unter dem Befehle des Oberſtleutnants Sieholm, verſtärkt
waren (*).

Zu der Zeit, als die ſchleſiſche und die Nord-Armee, an


hundertfünfzigtauſend Mann, ſich vorbereiteten die Elbe zu über
ſchreiten, konnte ihnen der Marſchall Ney nicht mehr als vierund
dreißig tauſend Mann entgegenſtellen; namentlich die Corps Ber
trand und Regnier, eine Kavalerie-Brigade, zuſammen dreißig
tauſend Mann, und das Kavalerie-Corps des Generals Arrighi,
welches, nach Aborderung einer Diviſion zu dem gegen die ver
bündeten Parteigänger verwendeten Detaſchement des Generals
Lefebvre-Desnouettes, viertauſend Mann betrug. Kaum die
Hälfte von dieſen Truppen beſtand aus Franzoſen, die übrigen
waren Würtemberger, Weſtphalen, Sachſen, Italiener. Auf die
deutſchen Soldaten, welche öfters zu den Verbündeten überliefen,
konnten ſich die Franzoſen nicht verlaſſen. Am # September
ging ein ſächſiſches Bataillon zu den Schweden in vollem Beſtande
über (*).
Die Truppen des Kronprinzen von Schweden ſchritten zur
Errichtung der Brücken auf der Elbe gleichzeitig bei Aken, Ros
lan und Elſter: zur Deckung dieſer Arbeiten erſchienen auf dem
linken Ufer des Fluſſes einige ſeiner leichten Abtheilungen. Zu
– 41 –

der Zeit hatte der Marſchall Ney ſeine Truppen ſo ziemlich in


Ordnung gebracht und richtete von Eilenburg aus die Corps
Bertrand und Regnier auf Deſſau. Vier Tage lang, vom
September an bis zum Ä, fanden hitzige Gefechte zwiſchen den
Truppen Regnier's und einem Theile des, die Brücke bei Aken
vertheidigenden, ſchwediſchen Corps ſtatt. Die Verbündeten ſchlu
gen den Feind zurück. Im Gegentheil, als kaum das Corps Ber
trand in der Nähe des Dorfes Elſter, bei Wartenburg, erſchien,
wurde die angefangene Brücke abgetragen, ein Theil der Materia
lien verſenkt und die übrigen weggerämt. Darauf ſtellte ſich das
Corps Bertrand zwiſchen Wartenburg und Pretſch auf; das
Corps Regnier blieb bei Deſſau: demnach beobachtete Ney den
Raum, den die Verbündeten zum Ueberſchreiten der Elbe ge
wählt und hoffte, daß ſie das linke Ufer nicht würden betreten
können, um ſo mehr, als ſich bis dahin ihm gegenüber, bei Aken
und Elſter, nur wenige Bataillonen zeigten und die Bewegungen
der Nord-Armee überhaupt langſam und unentſchieden waren.
Ueber das Erſcheinen Blücher's aber an der Mündung der Schwar
zen-Elſter waren die Franzoſen vollkommen in Unkenntniß. Die
Stellung der Detaſchements Fürſt Stſcherbatow und Graf Bubna,
bei Bautzen und Stolpen, dort wo früher die Vordertruppen der
ſchleſiſchen Armee ſtanden; die Bewegung links von der Armee
der leichten Detaſchements Waſſiltſchikow, Katzler und Rudſe
witſch, welche einen für den Feind undurchdringlichen Vorhang
bildeten; der Angriff Sacken's auf Meiſſen und der Verſuch der
Verbündeten eine Brücke bei Mühlberg zu errichten: alles dieß
lenkte die Aufmerkſamkeit der Franzoſen von dem Punkte ab,
welchen Blücher zum Uebergange der ſchleſiſchen Armee beſtimmt
hatte. General Bertrand, einer der beſten Ingenieure der Epoche
Napoleon's, fand die vom Kronprinzen von Schweden gewählte
Oertlichkeit bei Elſter zum Uebergange auf das linke Ufer der
– 42 –

Elbe ſehr vortheilhaft, zugleich aber ungeeignet für's Vorrücken


bedeutender Kräfte. Von der Stellung zwiſchen Wartenburg
und Bleddin aus, ſchrieb Bertrand dem Kaiſer, daß„er hoffe dem
Feinde die Luſt zum Uebergange auf dieſem Punkte zu vertrei
ben“ (*).
In der That, die Oertlichkeit bei Wartenburg war zur Ver
theidigung ſehr geeignet (*). Die Elbe bildet dort einen tief ein
ſpringenden Bogen, welchem ein Damm zur Baſis dient. Hinter
dieſem Damme ſtand das Corps Bertrand, deſſen Flanken von
den Ortſchaften Wartenburg und Bleddin gedeckt waren: vor dem
linken Flügel erſtreckte ſich ein tiefer Arm der Elbe; vor dem
Centrum lag ein Moraſt; der rechte Flügel war zugänglicher als
die übrigen Punkte. Eine Menge ſehr mooriger Gründe begün
ſtigten die Vertheidigung, indem ſie das Vorrücken der Angreifer
und deren Entwickelung in Schlachtordnung weſentlich erſchwer
ten. Außerdem verhinderte den Verbündeten, das den Raum
zwiſchen Fluß und Damm zum Theil einnehmende Geſtrüppe,
die Ueberſchauung der Stellung Bertrand's. Die Franzoſen hatten
einige Verhaue veranſtaltet und der Ort Wartenburg war in einen
der Vertheidigung angemeſſenen Zuſtand geſetzt.
Die Truppen des Generals Bertrand hatten folgende Aufſtel
lung: die franzöſiſche Diviſion Morand bei Wartenburg; die Di
viſion Frankemont, im Beſtande von 4 Bataillonen, ungefähr
2,000 Mann, bei Bleddin; die italieniſche Diviſion Fontanelli
rechts von Wartenburg; die weſtphaler-würtembergiſche Kava
lerie-Brigade, im Beſtande von 12 Schwadronen, vorwärts des
Dorfes Globig (*).

21. September 1813


(*) Plan der Schlacht bei Wartenburg am T3 October
– 43 –

General Blücher, in der Abſicht die Ankunft der ſchleſiſchen


Armee bei Wartenburg bis zum Zuſammenſtoß Bülow's mit dem
Feinde, welchem derſelbe gegenüberſtand, zu verheimlichen, hatte
General Mork zum Angriff auf die Poſition beſtimmt. Demnach
ging am Ä, um 7 Uhr Morgens, der Prinz Karl von
Mecklenburg mit drei Bataillonen des Oberſtleutnants Sieholm
über die Elbe und rückte auf Wartenburg (*).
Der Oberbefehlshaber begleitete dieſe Truppen und betrat an
ihrer Spitze das linke Ufer des Fluſſes. „Vorwärts Kinder“ –
ſagte er – „gut ausgehalten! Wartenburg muß erſtürmt werden.
Die Brücke laſſe ich hinter uns abbrennen.“ Dieſe kurze Anrede
mißfiel einigen alten Soldaten. „Er hat Unrecht uns nicht zu
trauen“, brummten ſie. „Gleichviel, ob wir die Brücken hinter uns
haben oder ob ſie abgebrannt ſind.“ „Seid doch geſcheidt, Kin
der,“ erwiderte Blücher, „ſo habe ich das nicht gemeint; wir ken
nen uns ja.“ Da erſchallte ein freudiger Ausruf der preußiſchen
Krieger.
Als bald darauf das ſchleſiſche Landwehr-Bataillon Fiſcher in
zerriſſener Kleidung, baarfuß und im unreinſten Ausſehen an
Blücher vorbei defilierte, rief er ihm zu: „Kerls, ihr ſeht ja aus
wie die Schweine! Aber an der Katzbach habt ihr die Franzoſen
gut geſchlagen. Damit iſt's noch nicht genug: ihr müßt ſie heute
wieder ſchlagen, ſonſt ſind wir Alle . . . . . . (").
Einige hundert Schritte von der Ponton-Brücke ſtieß der
Prinz Karl auf eine Kette feindlicher Schützen, welche ſich in der
Richtung auf Wartenburg in Ordnung zurückzog. Es unterlag
keinem Zweifel, daß die Franzoſen beträchtliche Kräfte in der
Stellung bei Wartenburg beſaßen. Daher waren zur Unterſtützung
des Prinzen Karl zuerſt die übrigen ſechs Bataillonen der 1-ten
Brigade des Oberſten Steinmetz mit einer ſechspfündigen Fuß
Batterie und hernach noch fünf Bataillonen der 2-ten Brigade ge
– 44 –

ſendet. Die 7-te und 8-te Brigade und zwei Huſaren-Regimenter,


das mecklenburgiſche und das Leib-Huſaren-Regiment, über
ſchritten ebenfalls die Elbe. Nachdem General Mork die feind
liche Stellung unter einem Hagel von Kartätſchen in ſofern
überſchaut hatte, als es ihm die durch verſchiedene Hinderniſſe
zerſchnittene Oertlichkeit erlaubte, traf er, um 9 Uhr Morgens,
folgende Anordnungen: „Der Oberſt Steinmetz iſt angewieſen,
ſich mit der 1-ten Brigade bis zum Aeußerſten in ſeiner Stellung
gegenüber Wartenburg zu halten und mit ſeiner Batterie M2 (*)
die feindliche Artillerie zu beſchießen. Oberſtleutnant Schmidt
enfiliert mit ſeinen auf dem rechten Ufer aufgeſtellten Zwölfpfün
dern von der linken Flanke aus die Stellung der Franzoſen. Die
Brigade des Prinzen Karl von Mecklenburg greift entſcheidend
das Dorf Bleddin an, drängt den Feind heraus und ſucht ſeine
Stellung von der rechten Flanke aus zu umgehen. Die Brigade
Horn ſtellt ſich unbemerkt vom Feinde hinterwärts der Truppen
des Prinzen Karl auf, die Brigade Hünerbein bleibt in Re
ſerve auf dem Wege gegen die Brücken zu. Wenn der Prinz Karl
Bleddin eingenommen und den rechten feindlichen Flügel umgan
gen haben wird, rücken die Brigaden Steinmetz und Horn zum
Angriff in die Fronte vor, ſtürmen mit einigen Bataillonen den
Ort Wartenburg und umgehen ihn mit den übrigen Bataillonen
in beiden Flanken (").
Ueberhaupt waren von den Truppen des Corps Mork 27 Ba
taillonen und 7 Schwadronen mit drei Batterien, fünfzehn bis
ſechzehn tauſend Mann an der Zahl, zum Angriff beſtimmt.

Die Vertheidigung Bleddins war vom General Bertrand der


würtembergiſchen Diviſion Frankemont aufgetragen. Sie beſtand
– 45 –

aus vier ſchwachen Bataillonen mit ſechs Geſchützen und hatte in


der Schlacht bei Dennewitz außerordentlichen Verluſt erlitten.
Frankemont machte Bemerkungen über die Unzulänglichkeit dieſer
Truppen zur Vertheidigung eines ausgedehnten und am meiſten
zugänglichen Theils der Stellung. Bertrand antwortete: „er
würde dem Feinde nicht geſtatten ſich mit bedeutenden Kräften,
Wartenburg vorbei, auf Bleddin zu werfen“. Er hatte hier außer
Acht gelaſſen, daß das moorige Terrain, welches den Verbünde
ten den Zutritt zu Wartenburg erſchwerte, ein nicht weniger be
deutendes Hinderniß zum Vorrücken ſeiner eignen Truppen
bildete. Die Diviſion Frankemont war folgendermaßen aufge
ſtellt: zwei Bataillonen mit vier Geſchützen nahmen die ziemlich
weite Fläche, Schützberg genannt, tauſend zweihundert Schritt
von Bleddin, ein; ihre Schützenkette war bis zur moorigen Nie
derung, die kleine Streng, vorgeſchoben; die übrigen zwei Ba
taillonen mit zwei Geſchützen hielten hinter dem Orte in Re
ſerve (”).
Der Prinz von Mecklenburg fand große örtliche Hinderniſſe
die Weiſung zu erfüllen, den bei Bleddin aufgeſtellten Feind an
zugreifen. Endlich gelang es ihm, geführt von einigen Einwoh
nern der Umgegend, mit ſeinen Truppen, der Batterie N 1 (*)
und der ſeitens Horn ihr beigegebenen Batterie N 3, die obenge
nannte Fläche einzunehmen. Das Erſcheinen der Artillerie des
Prinzen Karl überraſchte den Feind, welcher die Fläche vollkom
men von den moorigen Gründen geſchützt glaubte. Der Prinz
griff den Feind energiſch an und ſendete zwei Bataillonen zur rech
ten, um dem Umgehen von Wartenburg her vorzubeugen (*). Ge
neral Frankemont vertheidigte ſich bei Bleddin hartnäckig, wurde
aber geworfen und genöthigt ſich auf Globig, unter der Bedeckung
der ihm zur Hülfe herbeigeeilten weſtphaler-würtembergiſchen
Kavalerie Beaumont's zurückzuziehen. Um zwei Uhr Nachmittags
– 46 –

führte Prinz Karl durch das von ihm bereits eingenommene


Bleddin, zwei Huſaren-Regimenter gegen den Feind. Die Kava
lerie Beaumont's erwartete den Angriff nicht, kehrte um und ſtellte
ſich rechtshin von Globig auf. Oberſtleutnannt Warburg griff
mit den mecklenburgiſchen Huſaren beide Flanken der feindlichen
Kavalerie an, warf ſie und nahm mehr als zweihundert Ge
fangene, indeſſen der Major v. Stöſſel die ſich zurückziehende In
fanterie Frankemont's hinterwärts Globig angriff, fünf Geſchütze
und ſechs Pulverkaſten nahm und den Feind zum ſchnellen Rück
zug auf Düben zwang (*).
Gleichzeitig mit dieſen Ereigniſſen auf dem rechten Flügel des
preußiſchen Corps fand ein hitziges Gefecht im Centrum bei Sau
anger und bei Wartenburg ſtatt.
Um ein Uhr Nachmittags rückten auf Sauanger zwei Ba
taillonen der 7-ten Brigade Horn's, das Füſilier-Leib- und das
thüringiſche Regiment. Hier, ſüdlich von Wartenburg, waren
fünf feindliche Bataillonen von zwei Wällen außerordentlich ge
ſchützt. Die Infanterie Horn's zum nächſten Wall angelangt,
wurde vom Feuer einer ſehr dichten Schützenkette und von Kar
tätſchenſchüſſen einiger Geſchütze empfangen. Bald darauf über
ſtieg der Feind den Wall und warf ſich auf die angreifenden, vom
erlittenen Verluſt ſchon geſchwächten, Truppen. Alsbald ſandte
General Mork zu ihrer Aushülfe den Oberſt Welzien mit zwei
Bataillionen des 15-ten Landwehr-Regiments, welche Warten
burg in der rechten Flanke angriffen, indeſſen General Horn,
mit den übrigen vier Bataillonen ſeiner Brigade und drei Ge
ſchützen der Batterie N 3 linkshin rückte, um den Ort zu um
gehen und ſich der Wälle zu bemächtigen. Die Brigade Hüner
bein erhielt den Befehl vorzurücken und den Angriff zu unter
ſtützen. Unterdeſſen hatte das ganze Corps Langeron Zeit gehabt
die Elbe zu überſchreiten. Blücher perſönlich rannte zum Corps
– 47 –

Langeron, welches in Kolonnen bei den Brücken ſtand, in der


Erwartung es in's Feuer, für den Fall des Mißlingens Mork's,
zu führen, wendete er ſich an den General Kern mit der Bitte,
ſeine Worte in ruſſiſcher Sprache den Truppen zu verdeutlichen:
„Ihr alten Moscowiter, ihr habt euren Feinden noch nie den
Rücken gekehrt; ich werde mich an eure Spitze ſetzen. Ihr ſollt
die Kerls, die Franzoſen, da angreifen; ich weiß, Ihr werdet
ihnen auch heute nicht den Rücken zeigen. Paſcholl!“ Dieſe An
rede wurde mit einem lauten Hurrah empfangen! Die Ruſſen
eilten zur Unterſtützung ihrer Kampfgenoſſen, in demſelben Mo
ment aber erhielt man die Nachricht, daß General Horn die
Wälle eingenommen habe. Den Truppen Langeron's wurde be
fohlen Halt zu machen (*).
Die wahrhaft-heroiſche That Horn's iſt über alles Lob er
haben. Den Ausſchlag gab er perſönlich, indem er das 2-te
Bataillon des Leib-Regiments zum Sturme führte, laut ausru
fend: „Ein Hundsfott wer noch ſchießt! zur Attaque Gewehr
rechts!“ Das Bataillon folgt dem Beiſpiele des geliebten Be
fehlshabers, wirft ſich mit Trommelſchlag über den Graben bis
zum Gürtel in aufgelöſter Erde und erreicht blitzſchnell die Höhe
des Walles. Ihm folgen die übrigen Bataillonen der Brigade.
Der Feind, überraſcht von dem Erſcheinen der preußiſchen
Truppen, zieht ſich über den zweiten Wall zurück, hält aber auch
dort nicht Stand. General Horn benutzt den erlangten Erfolg,
nimmt beide Wälle ein und verfolgt den geworfenen Feind noch
einige hundert Schritte. Der Hauptmann Holleben an der Spitze
der Schützen des Leib-Regiments, greift ein Geſchütz auf. Oberſt
Welzien überſteigt mit ſeinen zwei Landwehr-Bataillonen eben
falls den Wall und dringt in den Ort Wartenburg. Die Trup
pen Morand's ſchlagen ihn zwar hinaus, doch nicht auf lange.
Den preußiſchen Artilleriſten gelang es zwei Geſchütze auf den
– 48 –

Wall hinaufzuſchleppen, welche den Ausgang aus dem Orte mit


Kartätſchen beſchoßen. Die feindlichen Schützen verſuchten eines
von dieſen Geſchützen zu nehmen, wurden aber vom Landwehr
Bataillon des Majors Kotulinſki zurückgeſchlagen. Darauf
drang dieſes Bataillon ſammt dem Bataillone Sommerfeld's in
Wartenburg ein und bemächtigte ſich des Ortes (*).
Oberſt Steinmetz trug zu dem Erfolge dieſes Angriffes bei,
indem er über die moorige Niederung unerachtet aller Hinder
niſſe des Bodens und des vom Feinde beſetzten Verhaues rückte
und Wartenburg von der nördlichen Seite umging. Der Feind
verließ den Ort und wurde von den preußiſchen Truppen ver
folgt.
Auf dem linken Flügel des Work'ſchen Corps rückte der
Prinz von Mecklenburg, nachdem er Bleddin eingenommen, auf
Wartenburg. Er begegnete auf dem Wege dahin die von Horn
geworfene italieniſche Diviſion Fontanelli. Der Feind zog ſich
in großer Unordnung auf Wittenberg zurück und wäre abge
ſchnitten worden, hätte der Prinz Kavalerie beſeſſen. Die Re
ſerve-Kavalerie aber ging erſt dann über die Elbe und die Hu
ſaren-Regimenter, die ſich bei der 1-ten Brigade befanden, wa
ren verleitet den Feind auf Globig zu verfolgen. Nichts deſto
weniger hatte der Oberſt Warburg Zeit gehabt zwei Schwa
dronen beider Regimenter zu ſammeln, mit welchen er beim Prin
zen erſchien und von ihm den Befehl zum Angriff erhielt. Die
Italiener verſuchten ein Carré zu bilden, wurden aber geworfen
und verloren vier Geſchütze. Major Stöſſel warf ſich mit einer
Schwadron Leib-Huſaren linkshin und nahm noch ein Geſchütz
und eine Menge Fuhren. General Horn vereinigte ſich nach der
Einnahme von Wartenburg mit dem Prinzen. Der Feind hielt
noch auf den Höhen hinter dem Orte. Da griff Horn die dort
aufgeſtellte Diviſion Morand's an und ſchlug ſie in die Flucht die
– 49 –

Elbe abwärts. Einige Bataillonen der 7-ten Brigade verfolgten


ſie beinahe bis Wittenberg (*).
In der Nacht nach der Schlacht ſtellten ſich die Truppen
R)ork's bei Wartenburg, mit der rechten Flanke an den Ort
gelehnt, auf. Das Corps Langeron, nachdem es die Elbe über
ſchritten, hielt vor der Brücke, ſammt dem Theile des Corps
W)ork's, welches nicht Zeit gehabt im Kampfe thätig zu ſein (”).
Das Corps Sacken überſtieg die Elbe erſt am andern Tage.
Zur Verfolgung des Feindes waren abgeordert: die Kava
lerie des Oberſten Katzler gegen Wittenberg zu; Generalmajor
Emanuel mit dem 1-ten und 3-ten ukrainiſchen und zwei don
ſchen Koſaken-Regimentern nebſt ſechs Geſchützen reitender Ar
tillerie des Oberſtleutnants Schucherin, auf Kemberg; der Ge
neralmajor Juſefowitſch, mit den Dragoner-Regimentern Kiew
und Charkow, einem Kalmücken-Regimente und zwei Geſchützen
donſcher Artillerie, die Elbe aufwärts gegen Pretſch und Schmie
deberg zu (*). Der Verluſt des Feindes in der Schlacht bei
Wartenburg an Todten und Verwundeten überſtieg keine fünf
hundert Mann, weil ſeine Truppen hinter Wällen, Zäunen und
andern örtlichen Hinderniſſen kämpften; um ſo mehr verlor er
an Gefangenen, deren Zahl ſich an tauſend Mann belief; dabei
waren ihm elf Geſchütze und ſiebenzig Fuhren und Pulverkaſten
genommen (*). Der Verluſt des preußiſchen Corps belief ſich
überhaupt auf 67 Offiziere und 2,012 Mann untern Ranges (”).
In dieſer Schlacht hatte ſich beſonders das 2-te Bataillon
des Leib-Regiments ausgezeichnet. Als es am andern Tage vor
R)ork defilierte, nahm dieſer General, der überhaupt finſter war
und ſelten Lob ſpendete, den Hut ab und behielt ihn in der Hand
bis der letzte Zug vorbei war. Dieſes tapfere Bataillon hat die
Achtung der ganzen Welt verdient, ſagte Mork ſeiner Umgebung,
welche ſeinem Beiſpiele folgend, dieſelbe Ehre den tapfern Krie
4
– 50 –

gern erwies. Ueber die ſchleſiſche Landwehr bemerkte Mork: „ſie


habe ihr Eramen auf ausgezeichnete Art beſtanden“. Von einem
der Helden des Tages, General Horn, ſagte er: „gegen ihn
wäre ſelbſt Bayard nur ein Lump geweſen“ (*). In der Folge
erhob König Friedrich Wilhelm Mork in den Grafenſtand mit dem
Beinamen „von Wartenburg“ (*).
Einer von den Offizieren des Hauptquartiers des Kronprin
zen von Schweden, welcher Zeuge des errungenen Sieges war,
wurde zum Kronprinzen mit dem Berichte über deſſen Ergebniß
geſendet. Blücher hoffte, daß der Kronprinz die Elbe überſchreiten
werde, er war aber in Zweifel, ob er einwilligen würde, eine ent
ſcheidende Schlacht zu liefern. Bei ſolchen Umſtänden mußte die
ſchleſiſche Armee für jeden Fall darauf bedacht ſein, ſich einen
Uebergang aufs rechte Ufer der Elbe wieder zu ſichern. Der ge
eignetſte Punkt dazu war das vom Siege der Preußen verherr
lichte Wartenburg. Demnach mußten alle Corps viertauſend Ar
beiter liefern, welche, in drei Ablöſungen vertheilt, Tag und
Nacht, unter Mitwirkung von Sappeurs und geleitet vom Inge
nieur-Generalmajor Rauch, arbeiteten. Es war ihnen angewie
ſen bis zum Ä, alſo in acht Tagen, die unternommenen
Befeſtigungen zu beendigen. Es war im Plane den ganzen Raum
zwiſchen Wartenburg und Bleddin in Vertheidigungszuſtand zu
ſetzen, drei Redouten auf dem rechten Flügel und zwei große
Batterien zu erbauen: die eine mit fünfzig Geſchützen vor Warten
burg, die andere mit hundert Geſchützen zwiſchen Wartenburg und
Bleddin (*). Allein der Mangel an Schanzinſtrumenten verzögerte
die Arbeiten außerordentlich (*).
Der Kronprinz von Schweden führte, ſeinem Verſprechen ge
mäß, auch ſeine Truppen aufs linke Ufer der Elbe über. Am
Ä überſtieg das Corps Winzingerode den Fluß bei Aken
und das ſchwediſche Corps bei Roslau. Dies bewog Ney ſich mit
– 51 –

den Truppen Regnier's auf Bittenfeld zurückzuziehen. Der Kron


prinz nahm ſein Hauptquartier am ſelben Tage in Deſſau. Die
Corps Bülow's und Tauenzien's überſtiegen die Elbe bei Ros
lau am Ä, ausgenommen der an der Elbe hinterbliebenen
Truppen, und zwar: das Detaſchement Hirſchfeld bei Roslau
zur Vertheidigung der Brücke; die Brigade Thümen zur Ein
ſchließung der Feſtung Wittenberg, vom rechten Ufer aus, und
die Brigade Wobeſer zur Beobachtung des Brückenkopfes von
Torgau. Zur ſelben Zeit zog ſich Ney auf Tilliſch zurück, wo
ſich beide franzöſiſche Corps, an dreißigtauſend Mann, vereinig
ten (*). Die ſchleſiſche Armee zählte, nach Abzug einiger tauſend
Mann für die Arbeiten bei Wartenburg und zur Begleitung der
Gefangenen, mehr als ſechzigtauſend Mann, die Nord-Armee an
achtzigtauſend Mann. Napoleon konnte Ney höchſtens mit hundert
tauſend Mann unterſtützen, folglich waren beide verbündeten
Heere mehr als genügend, um den Franzoſen die Stirn zu bieten.
Dabei muß in Betracht gezogen werden, daß die aus verſchiede
nen Nationalitäten beſtehenden Truppen Ney's, in Folge der
erlittenen Niederlagen vollkommen entmuthigt waren. Die zur
Verfolgung des Feindes ausgeſendeten leichten Detaſchements
brachten täglich mehrere hundert Gefangene ein. Die Ver
bündeten konnten dieſe für ſie günſtigen Umſtände benutzen und
dem Corps Ney noch größeren Verluſt zufügen. Der Kronprinz
aber, obgleich ſeine Armee die Elbe überſchritten hatte, rührte
ſich in der Umgegend von Deſſau nicht von der Stelle. Blücher,
in der Abſicht ihn durch ſein Beiſpiel zur Thätigkeit anzuregen,
ſchob das Corps Mork auf Gräfenhainchen, Langeron auf Düben,
Sacken in die Richtung auf Mockrehna, unweit Eilenburg, vor.
Dieſe Bewegungen, welche die Verbindungen Ney's mit den Haupt
kräften der franzöſiſchen Armee, welche in der Umgegend Dresdens
ſtand, bedrohte, nöthigte ihn alle Brücken auf der Mulde zu zer
– 52 –

ſtören und am Ä auf Eilenburg zu rücken, wo ſich Marmont


mit dem 6-ten Infanterie-Corps, den Kavalerie-Corps Latour
Maubourg's und Arrighi's (dem 1-ten und 5-ten) und der polni
ſchen Diviſion Dombrowſki's vereinigte. Dieſe Truppen betrugen
in Allem fünfzigtauſend Mann (*).
Nach dem Ueberſchreiten der Elbe war folgendes Programm
für die Operation beider verbündeten Armeen entworfen: -

1) Im Fall, daß der Feind mit überlegenen Kräften auf eine


dieſer Armeen anrückt, wird ſie ſich in die befeſtigte Stellung zu
rückziehen, indeſſen die andere Armee in die Flanke des angrei
fenden Feindes rückt.
2) Im Fall der Concentration der feindlichen Kräfte bei
Leipzig werden ſie von ſämmtlichen Kräften, gleichzeitig mit der
böhmiſchen Armee, angegriffen.
Endlich 3) wenn der Feind auf die böhmiſche Armee vordringt,
gehen die Avantgarden der übrigen Armeen, beſtehend jede aus
zwanzigtauſend Mann, meiſtens Kavalerie und reitende Artillerie,
in ſeinen Rücken (*).
In Folge dieſes Programms fand am Ä eine Berath
ſchlagung zwiſchen Blücher und dem Kronprinzen in Mühlbeck auf
Einladung ſeitens des Letzteren ſtatt (*). Blücher begleitete der
Bruder des Königs von Preußen Prinz Wilhelm, den Kronprin
zen die Generale Adlerkreuz und Bülow. Es wurde entſchieden,
beide Armeen auf Leipzig zu dirigieren (*).
Am andern Tage, den Ä, erfuhr man das Vorrücken
bedeutender feindlicher Kräfte über Oſchatz auf Wurzen und die
Durchreiſe Napoleon's über Meiſſen. Es fand in der Sachlage
eine vollkommene Umänderung ſtatt. Es war nicht zu bezweifeln,
daß die ſchleſiſche und die Nord-Armee, ehe ſie in Verbindung mit
der böhmiſchen Armee getreten, in ihrer Bewegung auf Leipzig die
Hauptmaſſe der napoleoniſchen Kräfte begegnen würden. Um ſich
– 53 –

zu überzeugen, welches in dieſem Falle das Verhalten des Kron


prinzen ſein würde, ſendete Blücher den Major Rühle zu ihm.
Rühle fand den Prinzen in Zerbſt und obgleich er in der Nacht
angelangt und der Prinz ſchon im Bette war, wurde er doch ſo
gleich empfangen. Kaum hatte Rühle das Verlangen Blücher's
mitgetheilt, von den Abſichten des Prinzen in Kenntniß geſetzt zu
werden, als Letzterer ihm erklärte, daß er den Angriff Napoleon's
nicht abwarten, die Elbe bei Roslau oder Aken überſchreiten und
die Brücken zerſtören würde und daß die ſchleſiſche Armee ebenfalls
die Elbe bei Wartenburg überſchreiten müſſe, um der Armee
Napoleon's nicht zu begegnen und Berlin zu decken. Major Rühle
antwortete, daß Blücher hinter die Elbe zu gehen nicht einwilligen
werde, um ſo mehr als dort die Eriſtenzmittel für die Truppen
vollkommen fehlten. Auf die Frage aber des Prinzen: „was Blücher
dann unternehmen würde?“ ſagte Rühle treffend: „er überſchreitet
dann die Saale.“ „Gut,“ antwortete der Prinz, „ich überſchreite
auch die Saale; wenn aber Napoleon uns folgt, ſo gehen wir
über die Elbe bei Ferchland, wo ſchon eine Brücke bereit iſt, und
decken wieder Berlin“. Major Rühle aber erklärte entſchieden, daß
Blücher nicht zurückgehen werde und wenn dieß die Abſicht des
Prinzen ſei, ſo würde die ſchleſiſche Armee allein auf Vereinigung
mit der böhmiſchen Armee rücken. „Und was wird dann aus Ber
lin?“ fragte der Prinz. „Wenn Moskau abgebrannt wurde, warum
ſollte man nicht Berlin opfern?“ erwiderte Rühle. Der Kron
prinz, erſtaunt über dieſe Worte, gab ſeine vorige Abſicht auf,
willigte in das Ueberſchreiten der Saale ein und verſprach eine
Brücke bei Wettin zu erbauen.
Als am Ä Rühle ins Hauptquartier der ſchleſiſchen
Armee zurückgekehrt war, erklärte Blücher, im Einverſtändniß
mit Gneiſenau, dem nach einer Antwort abgeſandten Adjutanten
des Prinzen, daß er einwillige, ſich hinter die Saale zurückzuzie
– 54 –

hen. Bei dieſer Bewegung der ſchleſiſchen Armee mußte deren


Oberbefehlshaber nicht nur die befeſtigte Stellung bei Warten
burg und die Brücken über die Elbe verlaſſen, ſondern vollkommen
auf jede Verbindung mit Schleſien, welches bis dahin die einzige
Verpflegungsquelle der Armee war, und mit der Mark Branden
burg verzichten. Nichtsdeſtoweniger entſchied ſich Blücher für die
ſen gewagten Schritt, um dem Kronprinzen keinen Anlaß zum
Rückzuge hinter die Elbe zu geben und in der Erwartung, daß
die Aufſtellung von hundertvierzigtauſend Mann verbündeter
Truppen auf dem linken Ufer der Saale, zwiſchen Merſeburg und
Bernburg, zur Eröffnung der Verbindung mit der böhmiſchen Ar
mee führen und Napoleon in eine ſehr gefährliche Lage bringen
könnte (").
Dieß war die Sachlage zu der Zeit, als Napoleon mit dem
größten Theile ſeiner Kräfte auf die Nord- und ſchleſiſche Armee
vorrückte. -
läapitel XXXVIII.
Concentration der Kräfte beider Seiten auf Leipzig.
Kavalerie-Gefecht bei Liebertwolkwitz.

I n halt.
Urſachen, die Napoleon veranlaſſen auf die Nord- und die ſchleſiſche Armee zu rücken. –
Seine Abſicht Dresden gänzlich zu verlaſſen. – Lage der Truppen St.-Cyr's. –
Gleichzeitige Aufſtellung der franzöſiſchen Armee. – Bewegung Napoleon's auf
Düben. – Napoleon und die ſächſiſchen Truppen. – Uebergang Blücher's auf
die linke Seite der Mulde ; gefährliche Lage Sacken's beim Rückzuge hinter die
Mulde. – Schwankendes Verhalten des Kronprinzen von Schweden. – Rückzug
beider verbündeten Armeen hinter die Saale. – Aufſtellung der an der Elbe
hinterbliebenen Detaſchements.
Vorrücken Regnier's und Ney's zur Elbe. – Verſchiedenheit der Anſichten der verbün
deten Heerführer. – Abſicht Napoleon's die Elbe aufwärts, am rechten Ufer des
Flußes, zu rücken und die Verbindungen der böhmiſchen Armee abzuſchneiden. –
Napoleon in Düben. – Seine adminiſtrativen Verfügungen. – Berathſchlagung
über die bevorſtehenden Operationen. – Napoleon entſcheidet ſich auf Leipzig zu
rücken. – Seine letzten in Düben erfolgten Befehle.
Vorrücken der Haupt-Armee aus Böhmen nach Sachſen. – Langſamkeit und Schwanken
in den Verfügungen Schwarzenberg's beim Vorrücken auf Leipzig. – Seine Ab
ſicht eine Seitenbewegung hinter die Elſter auszuführen und in Verbindung mit
den übrigen verbündeten Armeen zu treten. – Bennigſen und Colloredo erhalten
den Befehl auf Leipzig zu rücken.
Dispoſition Schwarzenberg's zur Recognoſcierung der Stellung Murats vor Leipzig. –
Abſicht Murat's ſich hinter die Partha zurückzuziehen. – Seine Stellung bei Wachau
und Liebertwolkwitz. – Kavalerie-Gefecht bei Liebertwolkwitz am –j October. –
Die böhmiſche Armee geht direkt auf Leipzig. – Die Aufſtellung der Truppen
dieſer Armee am October.

Vorrücken auf Leipzig der Nord- und der ſchleſiſchen Armee.


– 56 –

Vorrücken der polniſchen Armee des Generals Bennigſen auf Dresden. –


Aufſtellung der Truppen St.-Cyr's. – Gefechte bei Dresden. – Aborderung
des Grafen Tolſtoy mit einem Theile der Armee gegen Dresden und Bewegung
Bennigſen's, Colloredo's und Bubna's auf Leipzig. – Zuſtand der polniſchen
Armee.

Ankunft Napoleon's in Leipzig. – Er vertheilt ſeine Truppen. – Deren Zuſtand. –


Napoleon ſchiebt die Schlacht bis zum - October auf. – Urſachen, welche auch
die Verbündeten veranlaſſen die Schlacht aufzuſchieben. – Napoleon hält Revue
über ſeine Armee. – Aufruf des Fürſten Schwarzenberg.

Zu der Zeit, als die Verbündeten mit ihren bewaffneten


Kräften in zwei bedeutenden Maſſen, von entgegengeſetzten Seiten
her, auf Leipzig vorrückten, um ſich im Rücken der feindlichen
Armee zu vereinigen, waren die Truppen Napoleon's auf einem
kleinen Raume in der Umgegend Dresdens zuſammengedrängt.
Er entſchied ſich die Abſicht der Verbündeten zu vereiteln, ſie ein
zeln anzugreifen und zu ſchlagen. Es blieb die Frage übrig gegen
welchen Theil hin er ſich zuvörderſt wenden ſollte? Die Nord
und die ſchleſiſche Armee waren kaum zwei Märſche weit von Leip
zig, indeſſen die böhmiſche Armee kaum die Berge, welche ſie von
Sachſen trennten, überſtiegen hatten. Dabei war in Betracht zu
nehmen, daß ſie im Falle eines Mißlingens ſich hinter den Berg
rücken und weiter hinter die Eger zurückziehen und eine Nieder
lage vermeiden könnte; hingegen müßte ſich ſowohl die Nord- als
die ſchleſiſche Armee nach erlittenem Unfalle hinter die Elbe, zwi
ſchen den von franzöſiſchen Garniſonen beſetzten Feſtungen, zu
rückziehen. – Alle dieſe Umſtände bewogen Napoleon zuvör
derſt den Kronprinzen von Schweden und Blücher anzugreifen
und nur unbedeutende Kräfte der böhmiſchen Armee gegenüber zu
verwenden. Napoleon hatte ſogar die Abſicht Dresden zu ver
laſſen und die dortigen Truppen mit ſeinen Hauptkräften zu
– 57 –

vereinigen; er ſtand aber davon ab. Der Wunſch dieſen wichtigen


Punkt zu behalten und im Fall eines Erfolgs den Lauf der Elbe
wie früher zu vertheidigen, nahm die Oberhand (!).
St.-Cyr ſelber wollte Dresden, das ſeiner Vertheidigung
anvertraut war, verlaſſen. Die Lage der franzöſiſchen Truppen
in dieſer Stadt und in der Umgegend war drückend. Die Ver
ſorgung der Truppen mit Lebensmitteln, im Maße der Erſchöp
fung des Landes, wurde immer mehr beſchwerlich. Der Trans
port der Lebensmitteln auf der Elbe war unterbrochen; die
Magazine waren leer; die immerfort erneuerten Requiſitionen
gaben zu unzähligen Mißbräuchen ſeitens der fünf bis ſechstau
ſend Unterbeamten der Intendanz, welche unter der Fahne Daru's
das eroberte Land ausſaugten, Anlaß. Die hungrige Mannſchaft
war genöthigt zu fouragieren. Die Pferde entbehrten des Fut
ters und befanden ſich im traurigſten Zuſtande. Die Truppen in
der Umgegend Dresdens raubten Alles, was wegzutragen war
und verwüſteten das Land. Ohne Noth waren Frucht- und Ka
ſtanienbäume umgehauen, in eine Wüſtenei waren die Wieſen,
Felder und Gärten des ſchönen Sachſens umgewandelt (*).
Am Ä“, demſelben Tage als der Kronprinz von Schwe
den und Blücher ſich in Zerbſt und Düben befanden, hatten die
Truppen Napoleon's folgende Stellung: das 1-te und 14-te Corps,
unter dem Befehle des Marſchalls St.-Cyr, waren zur Verthei
digung Dresdens und der aus Böhmen hinführenden Straßen
hinterblieben; Murat, mit dem 2-ten, 5-ten und 8-ten Corps,
ſtand zwiſchen Penig und Freiberg, um die Bewegung der böh
miſchen Armee von Böhmen her auf Leipzig zu erſchweren; Na
poleon ſelber verließ mit der Garde Dresden am Ä und
traf den andern Tag in Wurzen ein. Die übrigen Truppen ver
ſammelten ſich bei dieſem Punkte und hatten folgende Aufſtellung:
das 3-te Corps Souham's in der Nähe von Wurzen; das 11-te
– 58 –

Macdonald's und 2-te Sebaſtiani's bei Dahlen; das 4-te Ber


trand's bei Schilda; das 7-te Regnier's, die polniſche Diviſion
Dombrowſki und die Kavalerie-Corps Latour-Maubourg und
Sebaſtiani, die Diviſion Fournier und die Brigade Defrance
vom 3-ten Kavalerie-Corps in der Umgegend von Eilenburg;
das 6-te Corps Marmont's mit der Diviſion Lorge vom 3-ten
Kavalerie-Corps bei Taucha, ein halber Marſch von Leipzig.
Die Zahl ſämmtlicher unter der unmittelbaren Anführung Napo
leon's concentrierten Truppen betrug hundertzwanzig bis hun
dertdreißigtauſend Mann. Außerdem ſtanden in Leipzig an fünf
zehntauſend Mann (*).
Gleichzeitig mit Napoleon verließ Dresden der König von
Sachſen begleitet bis Wurzen von der 2-ten Diviſion der alten
Garde; weiter bis Eilenburg und darauf bis Leipzig war er von
dreißig Mann der alten Garde und den ſächſiſchen Leib-Grena
dieren umgeben (*).
Napoleon fehlten ſichere Angaben über die Stärke und Stel
lung der verbündeten Armeen. Er vermuthete, daß der Kron
prinz von Schweden nicht über vierzigtauſend Mann verfüge und
mit Blücher noch nicht in Verbindung getreten ſei. In der Hoff
nung die ſchleſiſche Arme im vereinzelten Zuſtande zu bewältigen,
ließ Napoleon ſeine Truppen in drei Kolonnen auf Düben rü
cken: die rechte, beſtehend aus den Corps Bertrand und Macdo
nald, der Kavalerie Sebaſtiani und der Diviſion Chaſtel (vom
1-ten Kavalerie-Corps) ging auf Mokrehna; die mittlere, unter
dem Befehle Ney's, beſtehend aus der Diviſion Dombrowſki, der
Kavalerie Fournier und einer Brigade vom 3-ten Kavalerie
Corps, dem 3-ten und 7-ten Infanterie-Corps, den Reſerven (die
Garde und die Kavalerie-Corps Latour-Maubourg und Keller
mann) ging am rechten Ufer der Mulde auf Düben; die linke,
unter dem Befehle Marmont's, beſtehend aus dem 6-ten Corps und
– 59 –

der Diviſion Lorge (vom 3-ten Kavalerie-Corps) ging am linken


Ufer der Mulde auch auf Düben (*).
Napoleon, am Morgen des Ä in Külltſchau, in der Nähe
von Eilenburg, angelangt, hielt Heerſchau über das 7-te Corps,
nach Beendigung welcher er alle Offiziere und Unteroffiziere vor
die Fronte berief und Folgendes, von Caulaincourt in's Deut
ſche übertragen, zu ihnen ſprach: „tapfere Sachſen ! Ihr habt in
den letzten Kämpfen gegen den Feind kein Glück gehabt. Der
Kaiſer iſt angelangt; er wird ſich an euere Spitze ſtellen, um euch
die Möglichkeit zu verſchaffen auch euererſeits zu ſiegen. Ihr
werdet es mit den Preußen zu thun haben, welche Sachſen bezwin
gen wollen. Nicht zum erſten Mal wehen die ſächſiſchen Fahnen
neben den franzöſiſchen; von der Zeit des ſiebenjährigen Krieges
an haben wir in Gemeinſchaft gekämpft; ſo auch bei Friedland
und Wagram. Kann ſich der Kaiſer auf die tapferen Sachſen
verlaſſen, werden ſie ihrem König treu bleiben? Einer von euch,
welcher ſeine Erhöhung dem franzöſiſchen Dienſte verdankte, hat
euch und ſein Vaterland verrathen. Diejenigen, welche zum
Feinde übergingen, ſind Feinde ihres Landes geworden. Wer
von euch dieſe Ueberzeugung nicht theilt, der mag die Reihen un
ſers Heeres verlaſſen. Geht und ſagt es eueren Soldaten.“ Na
poleon's Worte, die der ihm gewöhnlich anwohnenden Energie
entbehrten und von Caulaincourt fehlerhaft und matt übertragen
waren, machten gar keinen Eindruck. Das mürriſche Schweigen
der ſächſiſchen Krieger war ein Vorbote ihres Abfalls von den
Franzoſen (*).
Am Ä, demſelben Tage als die franzöſiſchen Truppen
auf Düben ausrückten, war Blücher im Dorfe Puch in der
Nähe von Mühlbeck angelangt und von dieſer Bewegung des
Feindes in Kenntniß geſetzt. Dieß bewog Blücher das Ueber
ſchreiten der Mulde zu beſchleunigen. Das Corps Mork's, welches
– 60 –

am Abend bei Meſſen Bivouacs bezogen, erhielt den Befehl auf


das linke Ufer des Flußes, bei Meſſen und bei Raguhn, überzu
gehen und ſich auf jenem Ufer aufzuſtellen. Unterdeſſen langte
der Pontonspark an und bei Meſſen wnrde eine andere Brücke
erbaut. Das Corps Langeron's, welches die ganze Nacht in Be
wegung geweſen, überſchritt den Fluß am Morgen, der General
Sacken aber, welcher nicht zur rechten Zeit von der Umänderung
der ihm gebotenen Richtung in Kenntniß geſetzt war und auf
Düben ſeine Richtung genommen, hätte leicht den Hauptkräften
Napoleon's begegnen können. Der erfahrne Krieger aber ver
mied die Gefahr. Das Vorrücken bedeutender Kräfte auf ihn in
die Fronte und in die linke Flanke brachte ihn zuvörderſt auf den
Gedanken ſich auf Wartenburg zurückzuziehen, dieſe Bewegung
aber hätte ihn von den übrigen Corps der ſchleſiſchen Armee ab
geſondert, daher zog er es vor ſich über die Wälder auf Meßnitz
zu dirigieren. Als er Sköna, ſüd-öſtlich von Gräfenhainchen, er
reicht hatte, erhielt er die Vorſchrift Blücher's auf Raguhn zu
gehen und dort die Mulde zu überſchreiten. Am Morgen des
Ä ging er über dieſen Fluß und ſtellte ſich bei Weßnitz auf,
wo alle Theile ſeines Corps, welche weit zurückgeblieben waren,
ihn am ſelbigen Tage einholten. Bald darauf wurde die Pon
ton-Brücke abgetragen. Die übrigen Corps der ſchleſiſchen Ar
mee ſtellten ſich bei Zerbſt auf, wohin auch das Hauptquartier
Blücher's verlegt wurde. Die Vordertruppen waren vorgeſcho
ben: Katzler auf Brehna, Rudſewitſch auf Reitſch, Juſefowitſch
auf Bitterfeld (7).
Der Kronprinz von Schweden traf ungern die den Uebergang
auf's linke Ufer der Saale vorzubereitenden Maßnahmen. Er
ſpiegelte Blücher vor, daß die Nord-Armee ſich von der Elbe
nicht entfernen und ihre Verbindungen mit den von ihr abgeor
derten Blokade-Detaſchements nicht verlieren könne, daher ſprach
– 61 –

er den Wunſch aus, die ſchleſiſche Armee möchte auf den rechten
Flügel der allgemeinen Aufſtellung übertreten. Dieſer Vorſchlag
erregte in den dem Prinzen untergeorderten verbündeten Gene
ralen ſo großen Verdacht, daß Bülow und Winzingerode bereit
waren ihn zu verlaſſen und ſich mit Blücher zu vereinigen. Das
Corps Tauenzien hatte die Beſtimmung erhalten die Feſtungen
an der Elbe zu beobachten und Berlin zu decken. Folglich, wür
den ſich die übrigen Corps-Befehlshaber die Nord-Armee zu ver
laſſen erdreiſtet haben, ſo wäre beim Kronprinzen nur das ſchwe
diſche Corps geblieben. Es gelang aber dem General Gneiſenau
den Prinzen zur Erfüllnng ſeines Verſprechens, auf's linke Ufer
der Saale überzugehen, zu bereden. Andrerſeits erklärte dem
Prinzen der ihm beigegebene Agent der engliſchen Regierung, Sir
Charles Steward, daß im Fall der Weigerung des Prinzen, die
vertragsmäßig beſtimmten Subſidien aufgehoben ſein würden (*).
Am Ä um 5 Uhr Morgens rückte die ſchleſiſche Armee
auf Wettin, an der Saale, aus. Der Kronprinz hatte verſprochen
hier eine Brücke zu erbauen. Blücher befahl ſeinerſeits ſeine
Pontons aus Weßnitz dorthin zu ſchicken, um eine andere Brücke
aufzuſtellen. Das Corps Mork's ging auf Oſtrau und Kroſigk,
das Corps Langeron auf Rieda in die Richtung auf Trebitz und
Sacken über Radegaſt auf Lobegün; die Avantgarden der beiden
erſtern Corps blieben ſtehen, um die Bewegung der Armee zu
decken; die Avantgarde Sacken's aber folgte dem Corps. Als die
Kolonnen Work's und Langeron's in der Umgegend von Peters
berg angelangt waren, ging die Nachricht ein, daß die von Meß
nitz aus abgegangenen Pontons nicht vor dem Abende in Wettin
ankommen können und daß man bezüglich der ſeitens des Kron
prinzen von Schweden beabſichten Brücke gar nichts höre. Blücher
faßte ſogleich den Entſcheid ſich links, auf die Straße hin, die
aus Magdeburg nach Halle führt, zu wenden und im letzteren
– 62 –

Orte das linke Ufer der Saale zu erreichen. Deßhalb mußte man
in einem Tage ein Marſch von vier ſtarken Meilen ausführen
und da der Uebergang in Halle nur auf einer Brücke ſtattfinden
konnte, ſo kamen die Truppen Mork's, welche hinter dem Corps
Langeron marſchierten, auf das andere Ufer des Flußes erſt um
zwei Uhr nach Mitternacht an und nahmen theils die Dörfer
Nietleben und Scherben, weſtlich von Halle, theils die Stadt
und deren Vorſtädte ein; die Reſerve-Kavalerie Mork's blieb auf
dem rechten Ufer des Flußes bei Diemitz, eine viertel Meile von
der Stadt. Die Kavalerie Langeron's hatte den Befehl die Rich
tung auf Halle einzuſchlagen nicht rechtzeitig erhalten und mar
ſchierte auf Wettin: hier angelangt wurde ſie auf Halle dirigiert,
wo ſie um Mitternacht ankam; am andern Tage ging ſie über die
Saale und bezog Bivouacs zwiſchen Schletau und Beuchlitz; die
Druppen des Grafen St. Prieſt nahmen Merſeburg ein. Das
Corps Sacken nachdem es in Lobegün genächtigt, überſchritt am
Ä bei Wettin die Saale und nahm den rechten Flügel der
Armee zwiſchen Langenbogen und Deutſchenthal ein. Die Nord
Armee ging am Ä auch über die Saale bei Rothenburg und
Alsleben und ſtellte ſich bei Rothenburg auf. Das Detaſchement
Hirſchfeld war bei Aken geblieben; die Brigade Thümen be
obachtete Wittenberg und die Brigade Wobeſer Torgau. Graf
Tauenzien, der mit den übrigen Truppen ſeines Corps in Deſ
ſau ſtand, erhielt den Befehl die Brücke bei Roslau zu decken,
im Fall aber, daß der Feind die Elbe überſchritte, alle Detaſche
ments des rechten Ufers dieſes Flußes an ſich zu ziehen und den
Weg auf Berlin zu vertheidigen. Der General Fürſt Stſcher
batow hatte noch am Ä den Befehl Blücher's erhalten, in
Gewaltmärſchen das Dorf Elſter zu erreichen und dort weiterer
Weiſung zu erwarten; nur ein kleines Kavalerie-Detaſchement
ſollte bei Dresden hinterlaſſen werden (").
– 63 –

Nach dem Rückzuge der Nord- und der ſchleſiſchen Armee hinter
die Saale, blieben Napoleon nur die preußiſchen auf einem großen
Raume zerſtreuten Detaſchements gegenüber. Am Ä in
Düben angelangt, erfuhr Napoleon, daß ſeine Hoffnung, Blü
cher einzeln zu ſchlagen, nicht in Erfüllung gehen könne. Am
Ä wurden an die Elbe dirigiert: das 7-te Corps Regnier
auf Wittenberg, das 3-te Corps Ney auf Deſſau. So viel man aus
den ſeitens Napoleon's erlaſſenen Befehlen und aus ſeiner Cor
reſpondenz folgern kann, hatte er die Abſicht, Berlin zu bedrohen,
um die Nord- und die ſchleſiſche Armee zur Rückkehr aufs rechte
Ufer der Elbe zu zwingen. Napoleon hoffte, im Fall die Ver
bündeten eine Schlacht annehmen würden, ſie zu ſchlagen, ſich
dann auf Bennigſen zu wenden und Dresden zu befreien; Napo
leon erwartete, daß Schwarzenberg dadurch genöthigt ſein würde,
ſich nach Böhmen zurückzuziehen (”). Alle übrigen franzöſiſchen
Corps, die alte Garde ausgenommen, welche mit dem Hauptquar
tiere in Düben blieb, folgten der Bewegung Regnier's und Ney's.
Nachdem Regnier über Wittenberg marſchiert, zog ſich Thümen
auf Roslau zurück und vereinigte ſich dort mit den Truppen Tauen
zien's. Letzterer hatte die Brücke bei Roslau abgetragen. Darauf
gingen beide vereint auf Zerbſt. Der Verluſt der preußiſchen
Truppen im Kampfe gegen den dreifach ſtärkeren Feind überſtieg
keine achthundert Mann (500 Mann bei Tauenzien, 300 bei
Thümen). Graf Tauenzien, aus Furcht von Berlin abgeſchnitten
zu werden, zog ſich dorthin eiligſt zurück und langte mit ſeinen
von Müdigkeit erſchöpften Truppen in der Nacht vom Ä auf den
# October in Potsdam an (“), -

Das Vorrücken der Franzoſen gegen die Elbe zu wurde im


Hauptquartiere Blücher's als Demonſtration gedeutet; der Kron
prinz im Gegentheil hielt es für den Beginn einer entſchiedenen
Bewegung der napoleoniſchen Armee auf Berlin. Kaum hatte er
– 64 –

die Aufhebung der Blokade Wittenbergs, die Anhäufung bedeu


tender feindlicher Kräfte zwiſchen Mulde und Elbe und die An
kunft Napoleon's in Düben erfahren, als er ſeine Armee nach
Cöthen überführte, um ſich der Elbe zu nähern.
Am + October benachrichtigte er Blücher ſchriftlich, daß Na
poleon ſich mit vier Corps auf Wittenberg dirigiere, daher die
Nord-Armee auf die rechte Seite der Elbe bei Aken, wo die von
den Verbündeten errichtete Brücke noch ſtehe, gehen, und da,
zufolge einer Mittheilung des Kaiſers Alerander an ihn, Blü
cher in einigen Fällen dem Prinzen untergeordnet ſei, die ſchleſi
ſche Armee der Nord-Armee auf's rechte Elbufer folgen müſſe.
Der mit dem Briefe des Prinzen angelangte Offizier theilte die
übertriebenſten Gerüchte von den Abſichten Napoleon's mit. Nach
einigen Gerüchten bewege er ſich die Elbe abwärts zur Vereini
gung mit Davouſt; nach andern ſolle er Berlin einnehmen oder
ſich nach Stralſund hin dirigieren wollen; endlich gingen die
Befürchtungen ſo weit, daß man das Erſcheinen Napoleon's an
der Oder und die Erhebung Polens erwartete. Der Kronprinz
gab ſich zum Theil dieſen Befürchtungen hin und befahl dem Ge
nerale Rauch ſeine Pontons vom Dorfe Elſter aus, die Elbe ab
wärts, nach Aken überzuführen und dort eine zweite Brücke mit
einem Brückenkopfe auf der rechten Seite des Fluſſes einzurichten.
In dieſer Zeit aber hatten ſich die Franzoſen Aken von Roslau
aus genähert und der General Rauch bewegte ſich ſchon mit den
Pontons, auf Anordnung Blücher's, von Elſter her zur Saale:
demnach konnte der Kronprinz die Elbe bei Aken nicht überſchrei
ten und war genöthigt bei Cöthen Halt zu machen. In Beant
wortung ſeines Schreibens meldete ihm Blücher, daß die ſchleſi
ſche Armee auf die linke Seite der Saale, in Folge des Vorſchlags
des Prinzen ſelber, gegangen. „Dermalen,“ ſchrieb Blücher weiter,
„iſt es Ew. Königl. Hoheit gefällig die Elbe auf der Akenſchen
– 65 –

Brücke zu überſchreiten. In dieſem Falle bin ich von der Nord


Armee getrennt und in die Nothwendigkeit verſetzt mich mit der
böhmiſchen Armee zu vereinigen. Ich weiß nicht, wie es Ew.
Königl. Hoheit gelingen wird, den beabſichtigten Uebergang aus
zuführen und wie Sie auf dem engen Raume zwiſchen dem Feinde,
der Elbe, Magdeburg und Havel wirken werden. . . .“ Bezüg
lich der Unterorderung unter den Prinzen erwähnte Blücher mit
keinem Worte, um aber dem Prinzen bemerklich zu machen, daß
die Zuſtände gar nicht ſo hoffnungslos ſeien, wie man im Haupt
quartiere der Nord-Armee glaube, benachrichtigte er den Prinzen,
daß zwiſchen Oeſtreich und Baiern am Ä ein Vertrag in
Rieda abgeſchloſſen ſei und ein ſtarkes öſtreichiſch-bairiſches
Corps auf Würzburg marſchiere. Der Kronprinz aber ließ ſeinen
Entſchluß auf die rechte Seite der Elbe zu gehen nicht fallen und
ertheilte dem mit den Pontons in Cöthen angelangten General
Rauch den Befehl, nach Aken zurückzukehren und die Brücke wie
der aufzubauen. Dieſe Verfügung gab zu Mißhelligkeiten zwiſchen
den verbündeten Heerführern Anlaß; in derſelben Zeit aber wen
dete ſich Napoleon auf Leipzig. Der Kronprinz, davon ſeitens
Blücher in Kenntniß geſetzt, entſchied ſich neuerdings dem Feinde
in Gemeinſchaft mit ihm zu folgen, um ſich der böhmiſchen Armee
zu nähern (*).
In der That, Napoleon hatte ſeine Abſicht, ſeine ſämmtlichen
Kräfte auf's rechte Ufer der Elbe zu führen, geändert. Für jene
Bewegung hatte er ſich in der Hoffnung entſchieden, daß die bei
den Armeen, welche auf ihn vom Norden her vorrückten, auch die
Elbe überſchreiten würden und er ſie einzeln von der böhmiſchen
Armee ſchlagen oder wenigſtens ſie auf eine große Entfernung
von ihr zurückwerfen würde; ſodann glaubte er alle Uebergänge
über die Elbe, ausgenommen die, welche ſich in den von ſeinen
Truppen eingenommenen Feſtungen befanden, zu zerſtören, auf
5
– 66 –

dem rechten Ufer die Elbe aufwärts bis Torgau oder Dresden
zu rücken, in einem dieſer Punkte die Elbe wieder zu überſchreiten
und ſollte die verbündete Haupt-Armee ihr Vorrücken verfolgt
und Leipzig erreicht haben, ihr in den Rücken zu fallen und ſie von
ihren Verbindungen mit Böhmen zur Mulde und Elbe wegzu
drängen. Auf Grundlage dieſer Anſchauungen hatte Napoleon
ſeine Befehle in Zahlen ertheilt und Allen, die ſie erhielten, das
tiefſte Geheimniß empfohlen, von deſſen Beobachtung während
dreier Tage, nach ſeinen Worten, die Rettung des Kaiſerreichs
abhinge. Im Briefe des Herzogs von Baſſano (Maret) an den
Marſchall St.-Cyr leſen wir: „Der König von Neapel zieht ſich
auf Leipzig zurück; wenn er gezwungen iſt dieſe Stadt zu räumen,
ſo hat der Kaiſer die Abſicht die Nord- und die ſchleſiſche Armee
auf das rechte Ufer der Elbe hinüber zu drängen, ihnen zu folgen
und ſie zu vernichten; im Fall aber die Verbündeten auf der lin
ken Seite des Flußes blieben, auf Magdeburg und Dresden
ſeine Operationen zu ſtützen. Seine Majeſtät wünſcht, daß Sie
die Verbindung mit Torgau aufrecht hielten. Sobald die Sache
mit der Nord- und der ſchleſiſchen Armee beendigt iſt, wird Seine
Majeſtät mit Ihnen in Verbindung treten . . . .“ (*).
Der Stabschef Berthier ſchrieb auf Befehl Napoleon's am
Ä“ an Murat, er ſolle die Bewegung des Feindes ver
zögern und Leipzig behaupten, um dem Kaiſer Zeit zu geben die
ſchleſiſche Armee zu ſchlagen; ſollte der König gezwungen ſein,
Leipzig zu räumen, ſo wäre ſein Rückzug hinter die Mulde und
ſogar hinter die Elbe auf Torgau und Wittenberg, in Erwar
tung des Ueberganges der Hauptkräfte Napoleon's, aufs linke
Ufer bei Torgau oder Dresden und ſeiner Bewegung in den
Rücken der böhmiſchen Armee (*). General Arrighi erhielt den
Befehl, Lebensmittel, Munition, Kleidung und Fußbedeckung
aus Leipzig nach Torgau zu ſenden; auch wurde ihm die Weiſung
– 67 –

gegeben nach Erfurt und Mainz zu ſchreiben, um die Gemüther


dort, im Fall der Einnahme Leipzigs ſeitens des Feindes, zu
beruhigen. Leipzig könnte eingenommen werden in Folge von
Auffaſſungen, welche ſich durch einen Donnerſchlag löſen werden
(par un coup de foudre) (*). -

Demnach hatte Napoleon die Abſicht ſeine Verbindungen mit


dem Rhein zeitweilig zu unterbrechen. Sie waren ihm für den
Augenblick weniger wichtig als ſonſt, weil das Corps Angereau
und die Kavalerie, welche aus Spanien geſendet war, ſchon in
der Umgegend Leipzigs angelangt waren. Um aber die gewagten
Auffaſſungen des genialen Heerführers in Ausführung zu brin
gen, waren zwei Bedingungen erforderlich: 1) daß die Nord
und die ſchleſiſche Armee ſich von der böhmiſchen weit entferne;
2) daß die böhmiſche Armee in langſamer und unentſchiedener
Bewegung keine bedeutenden Erfolge, bis zum Erſcheinen in ih
rem Rücken der napoleoniſchen Hauptkräfte, zu erlangen Zeit
habe. Bei aller Unbeſtimmtheit der erſten Nachrichten, die Na
poleon in Düben erhielt, ſchienen die Zuſtände für ihn ziemlich
günſtig zu ſein, weil das ſchnelle Vorrücken der franzöſiſchen Ar
mee den Rückzug Blücher's hinter die Mulde und Saale und den
Uebergang des Kronprinzen von Schweden wieder aufs rechte
Ufer der Elbe bewirkte (*). Andererſeits berichtete Lauriſton
von den Erfolgen der Franzoſen über die Vordertruppen der
böhmiſchen Armee ("). Es erwies ſich aber bald, daß das Ver
meiden der Nord- und der ſchleſiſchen Armee, den Hauptkräften
Napoleon's zu begegnen, die Vereinigung aller verbünden Trup
pen oder wenigſtens der Haupt- und der ſchleſiſchen Armee, auf
den Verbindungen Napoleon's bezweckte ("). Unterdeſſen berich
tete Murat, daß er ſich zur Vermeidung eines Kampfes gegen die
überlegene auf ihn anrückende Armee zurückziehe, um ſich vor
Leipzig aufzuſtellen und dort ſich bis zum Aeußerſten zu halten (").
– 68 – >.

Napoleon blieb einige Tage in Düben in der Erwartung, daß


alle dieſe Umſtände ſich aufgeklärt haben würden. Seine glühende
Thätigkeit mußte ſich unterdeſſen auf Verfügungen über den Unter
halt und die taktiſche Einrichtung ſeiner Armee beſchränken. Die
ungeheueren Parks und beweglichen Magazine, welche bis jetzt
das Hauptquartier begleiteten, wurden unter die Corps, die Vor
räthe von Kleidung und Fußbedeckung unter die Truppen ver
theilt; mehreremal ſchrieb er über das Einfordern von der ört
lichen Regierung Sachſens der ihm vertragsmäßig zugeſtandenen
dreißigtauſend Paar Schuhe für die franzöſiſche Armee. In der
Vorausſicht eines nahen Zuſammenſtoßes mit den überlegenen
feindlichen Kräften, befahl Napoleon die Infanterie in zwei Rei
hen, nicht mehr in drei, zu formieren; ſeiner Meinung nach
ſchwächte dieß weder die Kraft des Feuers in entwickelter Fronte,
noch den Andrang der Kolonne und führte den Feind in Irr
thum bezüglich der Zahl der gegenüberſtehenden Infanterie. In
Unterhaltungen mit dem Marſchalle Marmont und ſeinen andern
Kampfgenoſſen wurden die geeignetſten Maßnahmen zur Abwehr
der ihm drohenden Gefahr in Berathſchlagung genommen. Sie
alle ſchlugen ihm vor das Vorrücken die Elbe abwärts fortzu
ſetzen, die Truppen St.-Cyr's und einen Theil des Corps
Davouſt an ſich zu ziehen, die herkömmliche Verbindung mit
Frankreich über Mainz aufzugeben und eine neue über Weſel ein
zurichten. Der Meinung St.-Cyr's nach würde dieſe Bewegung
Napoleon den Vortheil gewähren ſich auf Magdebnrg, einer
großen und ſtarken, mit Lebensmitteln und Kriegsmunition reich
lich verſehenen Feſtung, einſtweilen zu ſtützen und ſich von Böh
men zu entfernen, von wo aus die Verbündeten die Verbindungen
Napoleon's bedroheten ohne die eigenen blos zu ſtellen. Allein
ein ſolcher Operationsplan entfernte die Löſung des Zuſtandes,
da hingegen Napoleon alle verfügbaren Kräfte ſammeln und das
Schickſal des Krieges mit einem Schlage entſcheiden wollte (”).
Folgendes waren die Umſtände, welche die Grundlage ſeines Ent
ſchluſſes bildeten: die Völker Deutſchlands waren feindlich gegen
ihn geſtimmt; ihre Herrſcher, vom reiſſenden Strom des allge
meinen Haſſes hingeriſſen, waren in ihrer Ergebenheit gegen den
Eroberer ſchwankend geworden; die Italiener, welche unter ſei
nen Fahnen im Norden kämpften, ſehnten ſich nach ihrem far
niente; die Franzoſen endlich warteten mit Ungeduld auf Sieg
oder Frieden. Für den letzteren ſtimmten die Verbündeten durch
aus nicht. Der Vorſchlag der Marſchälle wurde alſo abgelehnt.
Um ſo mehr fand ſich Napoleon dazu veranlaßt, als am
Ä Murat über das Vorrücken der böhmiſchen Armee auf
Leipzig berichtete und zugleich die ſeitens Marmont ausgeſchickten
ſtarken Patrouillen den Rückzug nicht nur der ſchleſiſchen, ſondern
auch der Nord-Armee hinter die Saale zuverſichtlich meldeten.
Man mußte die Vereinigung der Verbündeten bei Leipzig ver
hindern. Demnach entſchied ſich Napoleon, Murat zu unterſtützen
und mit der böhmiſchen Armee zu kämpfen. Er benachrichtigte
Murat von ſeiner Abſicht und forderte ihn auf zu berichten, ob er
in der Stellung bei Leipzig ſich bis am Morgen des Ä October
halten könne, in welchem Falle Napoleon ihn mit ſeinen Haupt
kräften unterſtützen würde; müßte aber Leipzig geräumt werden,
ſo hatte Napoleon die Abſicht die Armeen au der Mulde zu ver
einigen, die Truppen Murat's zwiſchen Wurzen und Grimma und
die übrigen Corps zwiſchen Wurzen und Eilenburg aufzuſtel
len (*). Marmont's Truppen, zwanzigtauſend Mann an der
Zahl, ſollten ſich mit Murat vereinigen, was am October
ſtattfinden konnte; das Corps Augereau, an fünzehntauſend
Mann, war noch am Vorabende angelangt : folglich konnte Mu
rat am an neunzigtauſend Mann vereinigen. Die Garde und
das Kavalerie-Corps Latour-Maubourg, in Allem an fünfund
– 70 –

vierzigtauſend Mann, erhielten den Befehl am mit Tages


anbruch aus Düben aufzubrechen und auf Leipzig zu eilen. Dieſe
Truppen konnten dort am Ä eintreffen; Murat erhielt demnach
unter ſeine Fahnen eine Armee von mehr als hundertdreißigtau
ſend Mann. Gleichzeitig mit dem Ausrücken der Garde wurde
Bertrand aufgefordert die von Blücher bei Wartenburg errichteten
Befeſtigungen zu zerſtören und Macdonald, der auf Wittenberg
zur Unterſtützung Regnier's geſendet war, auf Düben zu eilen,
nachdem er das Kavalerie-Corps Sebaſtiani, welches jenſeits der
Elbe abgeordert war, an ſich gezogen hätte, für den Fall wenn
Regnier deſſen Mitwirkung nicht bedürfe; demnach hoffte Napo
leon am October an hundertſiebenzigtauſend Mann zu ver
einigen (*).
Die Ankunft Regnier's mit der Diviſion Dombrowſki, fünf
zehn bis zwanzigtauſend Mann an der Zahl, welche hinter die
Elbe zur Zerſtörung der Brücken bis Barby geſendet waren und
Ney's, welcher mit fünfzehntauſend Mann die Mulde abwärts
marſchierte, um ſich des Ueberganges bei Deſſau zu bemächtigen,
hätte die franzöſiſche Armee auf mehr als zweihunderttauſend
Mann gebracht, Napoleon aber wollte dieſe Corps nicht eher auf
Leipzig rücken laſſen, als nachdem ſie die ihnen gegebenen Aufträge
erfüllt haben würden; bei alledem hoffte er doch, daß Ney am
anlangen könnte (*).
Der letzte, von Napoleon ſeinem Stabschefe Berthier, ehe er
aus Düben nach Leipzig abreiſte, dictierte Befehl enthielt folgende
Verfügungen: „Die Generale Bertrand und Latour-Maubourg
müſſen frühzeitig ihre Ankunft in Göbſchelwitz (eine ſtarke Meile
von Leipzig entfernt) melden, damit ich Zeit habe ihnen beſtimmte
Weiſungen zukommen zu laſſen; ſollten ſie aber ſolche vor ihrer
Ankunft im genannten Dorfe nicht erhalten haben, ſo wird das
Corps Bertrand zu beiden Seiten der Deſſauer Straße Stellung
– 71 –

nehmen, ſo auch die Truppen Latour-Maubourg's; die Parks


und Fuhren werden ſich hinterwärts aufſtellen. General Latour
Maubourg wird Auskundſchafts-Abtheilungen auf die Wege nach
Delitzſch und Landeberg hin ausſenden. Der Herzog von Reggio
(Oudinot), wenn er nicht andere Befehle erhält, ſtellt ſich in der
Nähe Seehauſens auf, die rechte Flanke an die Partha ange
lehnt, und der Herzog von Treviſo (Mortier) bei dem Dorfe
Widderitzſch mit der rechten Flanke an die Straße nach Delitzſch,
mit der linken an die Elſter. Sollten Bertrand und Latour
Maubourg ein ſtarkes Kanonenfeuer von Leipzig her hören, wer
den ſie ihre Bewegung beſchleunigen. Ich werde mich auf dem Wege
von Düben aus nach Leipzig aufhalten. Ein Piquet auserleſener
Gensd'armen wird ſich bei der Pfaffendorfer Brücke befinden, um
den Punkt anzuzeigen auf welchem ich nach dem Ueberſchreiten der
Partha zu finden ſein werde. Schreiben Sie dem General Du
rieu, daß die Pontons, die Fuhrwerke des Hauptquartiers, der
Artillerie und des Genieparks auf dem linken Ufer der Mulde
aufzufahren ſeien, daß der bairiſche General Eilenburg zu ver
theidigen (*) und mit ihm ſeine Infanterie und Artillerie zu ver
einigen habe. Durieu wird den Befehl erhalten über den Beſtand
des Fuhrweſens, über die Zeit, in welcher es ausrücken und in
Leipzig ankommen kann, zu berichten. Er muß bereit ſein, eine
Stunde nach erhaltenem Befehle ſich mit allen Fuhren in Be
wegung zu ſetzen (“).

Wenden wir uns zum Vorrücken der böhmiſchen Armee auf


Leipzig und Bennigſen's auf Dresden.
Nachdem die Truppen der polniſchen Armee die Stelle der
-

(*) Daraus iſt zu erſehen, daß Napoleon den Abfall Baierns noch nicht kannte.
– 72 –

ruſſiſch-preußiſchen Truppen auf dem rechten Flügel der böhmi


ſchen Armee eingenommen hatten, brachen die Corps Wittgen
ſtein und Kleiſt am # September auf und gingen auf Kommo
tau, wo ſie am andern Tage anlangten. Ihnen folgte das Grena
dier-Corps und die ruſſiſch-preußiſche Garde und endlich von
Auſſig her das 2-te öſtreichiſche Corps des Grafen Meerfeldt. Die
Flankenbewegung der Truppen erfolgte mit großer Langſam
keit. Das Hauptquartier langte in Brür nicht vor dem ÄSeptem
ber an und blieb dort ganze vier Tage bis zum Ä; darauf legte
es zwei ſtarke Meilen bis Kommotau zurück, wo es wieder für
zwei Tage Halt machte und erreichte nach andern zwei Mei
len am Ä Sebaſtiansberg. Die Reſerve-Kavalerie blieb
während des Flankenmarſches, wie früher, zwiſchen dem Mit
telgebirge und dem Fluße Eger. Das öſtreichiſche Corps
Klenau, welches auf der linken Flanke der Armee bei Marien
berg, in ziemlich bedeutender Entfernung von dem es beobach
tenden Corps Victor, hatte Zufolge der allgemeinen Dispoſition
die Beſtimmung, beim Vorrücken der Armee nach Sachſen, die
Spitze der rechten Kolonne zu bilden; das Corps Gyulay, welches
ihm folgte, langte in Marienberg und die leichte Diviſion Mo
ritz Lichtenſtein in Annaberg nicht vor dem Ä an; die übri
gen öſtreichiſchen Truppen bewegten ſich noch hinterwärts lang
ſam und in großen Entfernungen die einen von den andern. Das
Corps des Grafen Wittgenſtein, welches die Spitze der linken
Kolonne bilden ſollte, verließ Kommotau nicht vor dem Ä,
überſtieg den Gebirgsrücken und langte gleichzeitig mit dem Corps
Kleiſt in Annaberg den ĺ an. Die übrigen ruſſiſchen und
preußiſcheu Truppen überſtiegen die Berge in den folgenden Ta
gen; das letzte Echelon, welches aus der ruſſiſch-preußiſchen
Reſerve-Artillerie beſtand, brach aus Sebaſtiansberg ſchon am
24. September
Ä aus, folglich erforderte der Uebergang der Armee nach
– 73 –

Sachſen acht Tage (*), während welcher das Hauptquartier


ſechs Meilen weit vorgerückt war.
Die franzöſiſchen Corps, welche die Zugänge nach Sachſen
vertheidigten, befanden ſich in Folge ihres ſchwachen Beſtandes
und der Unmöglichkeit die Truppen in einer vom Aufenthalte un
gehenerer Armee verwüſteten Gegend zu ernähren, in bedeuten
der Entfernung vom Gebirgsrücken. Das 1-te Corps Mouton's
und das 11-te, beide unter dem Befehle St.-Cyr's, deckten Dres
den und nahmen den Ranm zwiſchen Dippoldiswalde und Kö
nigſtein ein; die Truppen Murat's, die Leipzig vertheidigen ſollten
und mehr als vierzigtauſend Mann zählten, waren folgenderma
ßen aufgeſtellt: das 2-te Corps Victor's bei Freiberg, das 5-te
Lauriſton's bei Mitweide, das 8-te Poniatowſki's bei Froh
burg (*). Ungeachtet der dreifachen Ueberlegenheit der böhmiſchen
Armee über die Truppen Murat's, rückte der Feldmarſchall
Schwarzenberg, welcher alle Kräfte des Feindes in Sachſen
vereinigt glaubte, Schritt vor Schritt vor und je mehr er ſich
von den Bergen, welche er als ſeine Zuflucht betrachtete, ent
fernte, deſto größer wurden ſeine Befürchtungen. Nichts deſto
weniger die von ihm am Ä erhaltene Nachricht vom Ue
bergange und Siege Blücher's hätte ihn zu größerer Thätigkeit
anregen müſſen (”). Wenn der preußiſche Heerführer ſich erdrei
ſtet hatte die Elbe Angeſichts des Feindes zu überſchreiten, ſo
konnte ihn nichts hindern, vereint mit dem Kronprinzen auf Leip
zig zu rücken; in dieſem Falle hatte Schwarzenberg auf Grund
lage des Trachenberger Operationsplanes, die Pflicht auf Ver
einigung mit der Nord- und der ſchleſiſchen Armee zu eilen. Außer
dem ging die frühzeitige, aber für zuverläſſig anerkannte Nach
richt ein, welche geeignet war die ihn aufregenden Zweifel zu
zerſtreuen, daß Napoleon die Linie der Elbe verlaſſen habe (“).
Demnach war das beſchleunigte Vorrücken der vorderen Corps
– 74 –

entſchieden; am Ä ſtellten ſich die Truppen Wittgenſtein's


und Kleiſt's bei Zwickau auf. Die öſtreichiſchen Corps Klenau
und Gyulay bei Chemnitz und Waldkirch. Die Avantgarde Witt
genſtein's unter dem Befehle des Generalleutnants Graf Pah
len (*) war auf der Altenburger Straße vorgeſchoben, die Avant
garde Klenau's gegen Penig hin, die Avantgarde Gyulay's
unter dem Befehle des Feldmarſchall-Leutnants Graf Murrai
zum Flüßchen Flöhe. Murat, der damals mit dem Corps Victor
und der Brigade reitender Jäger Sulkowſki's bei Oederan ſtand,
hielt ein Niederlage des vorgeſchobenen feindlichen Detaſche
ments für das ſicherſte Mittel die Bewegung der gegen ihn vor
rückenden Armee aufzuhalten. Murrai wurde alſo bei dem Dorfe
Flöhe angegriffen, hinter das Flüßchen geworfen und weit ver
folgt (").
Schwarzenberg, am Ä in der Umgegend von Chemitz
angelangt, erfuhr die Niederlage ſeiner Avantgarde und ent
ſchloß ſich Murat, der mit dem Corps Victor und dem 4-ten
und 5-ten Kavalerie-Corps zwiſchen Flöhe und Tſchopau
ſtand, anzugreifen. In dieſer Abſicht rückten das 3-te und
4-te öſtreichiſche Corps; Murat wartete aber den Angriff nicht
ab und zog ſich auf Mitweide zurück. Die Oeſtreicher nahmen
Oederan ein. Zum Bedauern erhielt der Feldmarſchall alsdann
die Nachricht als rücke Napoleon mit der Hauptmaſſe ſeiner
Kräfte über Würſchen auf Leipzig; man kannte auch die Bewe
gung des Reſerve-Corps Augereau über Weimar gleichfalls auf
Leipzig; dieß alles ließ Schwarzenberg einen Angriff auf ſeinen
linken Flügel befürchten; die Bewegung Wittgenſtein's und
Kleiſt's auf Altenburg wurde eingeſtellt. Poniatowſki benutzte die
Unentſchloſſenheit der Verbündeten, griff die vorderen Truppen
der Diviſion Mohr, die Penig eingenommen hatten, an und ſchlug
ſie heraus. Am andern Tage erhielt Schwarzenberg die zuver
– 75 –

läſſige Nachricht von der Bewegung Napoleon's die Mulde und


Elbe abwärts, befahl daher das Vorrücken auf Leipzig auf das
ſchleunigſte fortzuſetzen. Die öſtreichiſchen Truppen, das Corps
Klenau, welches auf Penig vorgeſchoben war, ausgenommen,
ſtellten ſich bei Chemnitz auf. Die Corps Wittgenſtein und Kleiſt
uahmen Altenburg ein. Die Avantgarde Graf Pahlen ging auf
Borna; die Reſerven langten am Ä in Chemnitz an (").
Die verbündete Armee konnte die Umgegend Leipzigs leicht am
- October erreichen, anſtatt deſſen traf ſie dort nicht vor dem
j October ein: die vorderen Corps waren in fünf Tagen kaum
auf ſechs Meilen vorgerückt. Was hätte Suworow von den ſchleu
nigen Bewegungen Schwarzenberg's geſagt?
Da auf Murat nur ein Theil der Verbündeten Armee vorrückte,
die übrigen Corps aber ſich langſam hinter die vorderen Truppen
bewegten, ſo wagte der Feind auf dem Marſche von Penig und Al
tenburg aus auf Leipzig, den Kampfmit unſren Truppen mehremal
aufzunehmen. Die vorderen verbündeten Corps nahmen am Ä
folgende Stellung ein: die Avantgarde des Grafen Wittgenſtein
unter dem Befehle des Grafen Pahlen hielt bei Borna; die 3-te
und 5-te Diviſion auf dem Wege der aus Altenburg nach Borna
führt; ein kleines Kavalerie-Detaſchement des Generals Rüdi
ger war auf das Dorf Eſchfelde vorgeſchoben, zu deſſen Unter
ſtützung rückten dorthin über Windiſch-Leuba General Ziethen,
mit der 11-ten preußiſchen Brigade und Prinz Eugen von Wür
temberg mit der 4-ten Diviſion; die 10-te preußiſche Brigade ſtand
bei Windiſch-Leuba, Kleiſt ſelber mit der 9-ten und 12-ten Bri
gade bei Altenburg. Das Koſaken-Detaſchement des Grafen
Platow nahm Pegau ein und ſendete Streifpartien auf Naum
burg, Weißenfels, Lützen, Merſeburg und Halle aus. Das De
taſchement Thielmann's und die leichte öſtreichiſche Diviſion Mo
ritz Lichtenſtein's rückten auf Naumburg, welcher Punkt vom
– 76 –

Corps Augereau auf dem Marſche nach Leipzig hin eingenommen


war und zogen ſich den andern Tag, nach einem hartnäckigen
Kampfe bei Wetau, unter der Bedeckung der Arrieregarde des
Oberſten Orlow auf Zeitz zurück. Oberſt Graf Mensdorf wurde
während dem Treffen auf Weißenfels abgeordert. Das Vorrücken
Wittgenſtein's auf Borna war ohne den Befehl Schwarzenberg's
ausgeführt, welcher von dieſer Bewegung nichts wußte, doch aber
die Einnahme dieſes Ortes am Ä anorderte. Das Corps
Poniatowſki, welches gegenüber dem aus Penig, gleichzeitig mit
der Einnahme von den ruſſiſchen Truppen des Ortes Borna an
gelangten öſtreichiſchen Corps Graf Klenau zurückgeblieben,
wurde in die rechte Flanke von den Corps Wittgenſtein Und
Kleiſt umgangen. Unterdeſſen zog Murat ſeine Kräfte zwiſchen
Frohburg und Rochlitz zuſammen und zog ſich am Ä, um
die Verbindung mit Leipzig nicht zu verlieren über Prießnitz und
Flösberg auf das rechte Ufer des Flüßchens Jordan zurück und
nahm die Höhen von Göſtewitz, nördlich von Borna, ein. Fürſt
Poniatowſki, der dieſe Bewegung deckte, wurde von den Truppen
Ziethen's verfolgt, von der Avantgarde Pahlen's von Borna
aus in die Fronte angegriffen und verlor an Gefangenen einige
hundert Mann. Ziethen nahm Frohburg ein und verfolgte den
Feind bis zum Flüßchen Jordan. Ungeachtet aller dieſer Er
folge gelang es Murat ſeine Kräfte auf dem kürzeſten Wege
nach Leipzig hin zu concentrieren (*).
Am ſelbigen Tage erhielt man im Hauptquartiere Schwar
zenberg's die Nachricht, daß ſich gegenüber Bennigſen, welcher
damals auf Dresden vorrückte, nicht mehr als fünfzehn oder
zwanzigtauſend Mann feindlicher Truppen befanden und daß
die Armee Blüchers bei Düben und die des Kronprinzen bei
Radegaſt ſtanden. Da gegenüber keiner von den benannten ver
bündeten Armeen bedeutende Kräfte concentriet waren, ſo wurde
– 77 –

daraus der Schluß gezogen, daß Napoleon ſich vorbereite ſeine


Truppen bei Leipzig zu vereinigen. Um dieſem Vorhaben entge
genzutreten, beſchloß der öſtreichiſche Feldherr auch die verbün
dete Armee zu concentrieren. Anſtatt aber die auf einem bedeuten
den Raume ausgedehnten Truppen in der Fronte des Feindes auf
dem kürzeſten Wege zu vereinigen und Murat ehe er Verſtärkun
gen an ſich gezogen hätte, anzugreifen, war ein Linksabmarſch
und ein Umgehen des Feindes in die rechte Flanke entſchieden.
In dieſer Abſicht ſollten ſich Wittgenſtein und Kleiſt bei Borna
vereinigen, Klenau von Penig auf Rochlitz, die Corps Gyulay,
Meerfeldt und Prinz von Homburg und das ruſſiſche Grena
dier-Corps von Chemnitz und Tſchopau auf Altenburg, die ruſ
ſiſch-preußiſche Garde und die zwei erſten Küraſſier-Diviſionen
von Marienberg auf die Hälfte der Entfernung zwiſchen Penig
und Altenburg rücken (*).
Aus allen Verfügungen Schwarzenberg's erſieht man, daß
er fortwährend über die Stellung der ihm anvertrauten Corps
in Unkenntniß war, daher ſich ohne weſentlichen Anlaß Befürch
tungen preis gab; beſonders beunruhigte ihn die Verzögerung
des 1-ten öſtreichiſchen Corps des Grafen Colloredo, welches
zeitweilig bei der polniſchen Armee geblieben war und laut Be
fehl vom ĺ auf Leipzig rücken ſollte. Da man unterdeſſen
erfuhr, daß Dresden von unbedeutenden Kräften vertheidigt
war, ſo befahl Kaiſer Alerander I. dem Corps Colloredo
über Dippoldiswalde auf Freiberg, aber den Umſtänden nach,
anch weiter, auf Waldheim oder in eine andere Richtung, zur
Eröffnung einer Verbindung mit der böhmiſchen Armee, zu rücken.
Die Armee Bennigſen's erhielt den Befehl ebenfalls auf Leip
zig zu gehen, zur Beobachtung aber Dresdens und Königſteins
und um dem Ueberſchreiten der Elbe ſeitens der Detaſchements
des Fürſten Stſcherbatow und Grafen Bubna mitzuwirken, einen
– 78 –

Theil ſeiner Truppen unter dem Befehle des Grafen Tolſtoy zu


hinterlaſſen (*).
Am Ä hatten die Truppen der böhmiſchen Armee, auf
Grundlage der am Vorabende vom Oberbefehlshaber erlaſſenen
Dispoſition, die Bewegung zur beabſichtigten Umänderung ihrer
allgemeinen Stellung, ausgenommen die ruſſiſchen Grenadiere
und die Garde, ausgeführt; erſtere erreichten nur Langenleuba,
eine kleine Meile nord-weſtlich von Penig, die Garde langte hier
in der Dämmerung an (*).
In Folge der Saumſeligkeit Schwarzenberg's konnte Murat
ſeine Stellung bei Göſtewitz bis zum Ä behalten (*). Nach
andern Angaben zog ſich Murat am Ä auf Wachau und
Liebertwolkwitz zurück (*).
Anſtatt den Feind mit Nachdruck zu verfolgen, ſendeten die
Verbündeten am Ä gegen Murat nur die vorderen Trup
pen des Grafen Pahlen und Ziethen's, welche die Arrieregarde
Murat's, im Beſtande von vierzehn Schwadronen, auf Magde
born zurückdrängten und Mücken erreichten. Die Truppen Witt
genſtein's ſtellten ſich bei Espenhain und Borna auf, das Corps
Kleiſt bei Borna und Rohrbach, die Diviſion Mohr bei Lauſſig,
deſſen Vorpoſten bei Otterwiſch, das Corps Klenau nahm Froh
burg ein. Das Detaſchement Kaiſſarow ſchloß ſich den Vorpoſten
des Grafen Pahlen an. Platow war von Lützen aus auf Pegau
vom Corps Augereau, welches zu Verſtärkung der franzöſiſchen
Armee angelangt war, zurückgedrängt. Das 3-te öſtreichiſche
Corps Gyulay rückte auf Zeitz und vereinigte ſich dort mit dem
Detaſchement Thielmann und der Diviſion Moritz Lichtenſtein;
die Kavalerie-Brigade des Generals Sorbenberg (vom 2-ten
öſtreichiſchen Corps) ſtellte ſich bei Lucka auf, um die Verbindung
zwiſchen den bei Zeitz verſammelten Truppen und den bei Borna
aufgeſtellten Corps Wittgenſtein's zu unterhalten; die öſtreichiſchen
– 79 –

Corps Meerfeldt's und des Prinzen von Homburg und die


ruſſiſch-preußiſchen Reſerven nebſt dem Hauptquartiere Kaiſers
Alerander und Schwarzenberg's befanden ſich in Altenburg (”).
Am andern Tage, den # October, entſchied man ſich für eine
verſtärkte Recognoscierung der feindlichen Stellung wie dies am
Vorabende der Dresdner Schlacht ſtatt gefunden hatte. An ſech
zigtauſend Mann unter der Anführung des Grafen Wittgenſtein
ſollten ſie ausführen; namentlich waren dazu beſtimmt: das 1-te
und 2-te ruſſiſche Infanterie-Corps, die Kavalerie Pahlen, das
Koſaken-Detaſchement Platow, das preußiſche Corps Kleiſt und
das öſtreichiſche Klenau. Dieſe Truppen, unterſtützt von den ih
nen folgenden Corps, wäre hinlänglich geweſen, um vor der An
kunft Napoleon's Murat zu ſchlagen und Leipzig einzunehmen:
dieß hätte die Vereinigung der feindlichen Armee erſchwert. In
Folge aber der Dispoſition des Oberfeldherrn ſollte Graf Witt
genſtein am - October nur eine Recognoscierung vornehmen,
um den Feind zur Entwicklung ſeiner Kräfte zu verleiten „ohne
hierbei ſich auf einen vollkommenen Angriff einzulaſſen“(*). Dem
nach ſollte das Corps Klenau in zwei Kolonnen über Rohrbach
und Pombſen in die Richtung auf Otterwiſch und weiter vorrücken,
den Univerſitätswald einnehmen und den linkeu Flügel des Fein
des in Fronte und Flanken angreifen. Sobald die Kanonade des
Grafen Klenau erfolgt, nehmen vier Bataillonen der Avantgarde
Pahlen die Dörfer am Göſelbach ein, indeſſen ſechszehn Schwa
dronen mit einer reitenden Batterie ſich zwiſchen dem Göſelbach
und der Pleiſſe entwickeln; die übrigen Truppen der ruſſiſchen
Avantgarde und das 2-te Infanterie-Corps des Prinzen von
Würtemberg mit zwei Kavalerie-Regimentern und einer reiten
den Batterie des Corps Kleiſt bei Groß-Peltſchau ſo lange
bleiben bis das Feuer des Corps Klenau hörbar wird, darauf
überſteigen dieſe Truppen das Flüßchen, greifen den Störmtha
– 80 –

ler Wald an und ſuchen, unterſtützt von der 10-ten und 11-ten
preußiſchen Brigade, ſich des Dorfes Störmthal zu bemächtigen.
Der Fürſt Gortſchakow geht mit dem 1-ten Infanterie-Corps
über das Flüßchen bei Olſchau, trägt zum Angriffe Pahlen's auf
Störmthal bei und bleibt in Verbindung mit dem Corps Klenau;
die übrigen Truppen bilden die Reſerve zwiſchen Espenhain und
Möhlbus (*).
Dieſe Recognoscierung war bis zum andern Tage aufgeſcho
ben, weil Klenau, der das Signal zum allgemeinen Angriffe geben
ſollte, verſpätet hatte und bei Pombſen erſt Abends anlangte (”).
Seine Avantgarde, unter dem Befehle des Generals Mohr, nahm
Groß-Pößnan ein. Auf der linken Flanke begegnete Graf Pla
tow den feindlichen Vordertruppen bei Mark Kleeberg und warf ſie
hinter die Pleiſſe, entdeckte aber bei dieſem Orte ein bedeutendes
feindliches Lager und zog ſich auf Zwenkau zurück. Der Verluſt
beider Seiten war unbedeutend; unter den Schwerverwundeten
aber befand ſich der tapfere Parteigänger Fürſt Kudaſchew (").
Unterdeſſen hatte Murat, der ſich in die Umgegend Leipzigs
zurückgezogen, da er von den überlegenen Kräften der böhmiſchen
Armee erdrückt zu werden befürchtete, die Abſicht ſich hinter die
Partha zurückzuziehen (*), Napoleon aber ſchickte ihm Gourgaud
mit der Anzeige von ſeiner unausbleiblichen Ankunft in Leipzig am
j October. Murat, durch dieſes Verſprechen beruhigt, entſchied
ſich den Kampf vor Leipzig anzunehmen (*).
Die Truppen Murats hatten am Morgen des Ä October
folgende Aufſtellung: das 8-te Corps des Fürſten Poniatowſki,
an achttauſend Mann, von Connewitz bis Mark Kleeberg; das
2-te Corps Victor, an zwanzigtauſend Mann, auf den Höhen von
Mark Kleeberg bis Wachau; das 5-te Corps Lauriſton, ſiebzehn
tauſend Mann an der Zahl, auf den Höhen zwiſchen Wachau und
Liebertwolkwitz, welch letzterer Ort in Vertheidigungsſtand ge
– 81 –

ſetzt und von der Diviſion Maiſon ſtark beſetzt war; das Re
ſerve-Corps Augereau, an zehntauſend Mann, vor Leipzig bei
den Straſſenhäuſern; das 4-te und 5-te Kavalerie-Corps, an
ſiebentauſend Mann, hinter dem linken Flügel bei Liebertwolk
witz. Das 5-te Kavalerie-Corps beſtand größtentheils aus vor
züglichen Truppen, welche aus Spanien, gleichzeitig mit der am
Main formierten Infanterie Augereau, angelangt waren. Ueber
haupt befanden ſich bei Leipzig mehr als ſechzigtauſend Mann,
ohne das 6-te Corps Marmont's, an fünfundzwanzigtauſend
Mann, und verſchiedene Depots, die ſich theils in Leipzig, theils
nördlich und weſtlich von dieſer Stadt befanden, zu rechnen (*).
Feldmarſchall Schwarzenberg faßte den Entſchluß ſich der bei
Halle ſtehenden ſchleſiſchen Armee, mit welcher er über Weiſſen
fels und Merſeburg in Verbindung getreteu war, zu nähern. In
dieſer Abſicht ſetzte die böhmiſche Armee am und ÄOctober
ihre Bewegung zur linken auf die Verbindungen des Feindes fort,
indeſſen Graf Wittgenſtein die verſtärkte Recognoscierung in die
Fronte der feindlichen Stellung ausführen ſollte. Die Diviſion
Moritz Lichtenſtein mit den Detaſchements Thielmann und Mens
dorf ging von Zeitz aus auf Lützen und das 3-te öſtreichiſche
Corps Gyulay ebenfalls von Zeitz aus über Mölſen auf Muſch
witz (zwiſchen Pegau und Weiſſenfels); das öſtreichiſche 2-te
Corps und das öſtreichiſche Reſerve-Corps rückten auf dem Raume
zwiſchen Elſter und Pleiſſe nach Groitzſch hin; die ruſſiſchen Gre
nadiere und die 3-te Küraſſier-Diviſion folgten von Borna aus
zur Unterſtützung des Grafen Wittgenſtein; die ruſſiſch-preußiſche
Garde und zwei Küraſſier-Diviſionen richteten ſich von Altenburg
aus auf Zeitz (*). Nach Ausſage eines den General Toll beglei
tenden ruſſiſchen Generalſtabs-Offiziers, hatte der öſtreichiſche
Generalſtab den Entſchluß gefaßt, eine allgemeine Schlacht zu
vermeiden; als aber Toll dieß erfuhr beredete er den Oeſtreicher
6
– 82 –

von ihrer Abſicht abzuſtehen und die Hauptkräfte nicht auf Zeitz,
ſondern auf Pegau zu dirigieren (“).
Zum Angriffe auf die Stellung Murat's hatte Graf Wittgen
ſtein folgende Anordnungen getroffen: an der Spitze der linken
Kolonne ſollte der Generalleutnant Graf Pahlen auf Magdeborn
mit den Huſaren-Regimentern Sumy, Grodno, Lubny, dem
Tſchugujewſchen Uhlanen-Regiment und der 7-ten reitenden Bat
terie des Generalmajors Nikitin, 1,700 Mann an der Zahl, mit
12 Geſchützen, vorrücken. Zehn Schwadronen der preußiſchen
Regimenter Neumarker Dragoner, oſt-preußiſche Küraſſiere und
ſchleſiſche Uhlanen mit der reitenden Batterie MF 10, ferner
General Kleiſt mit den übrigen Regimentern der Reſerve-Kava
lerie Röder's, im Beſtande von ſechszehn Schwadronen mit einer
reitenden Batterie, ſollten Pahlen unterſtützen. Da die Zahl der
preußiſchen Kavalerie, die die Regimenter begleitenden Abthei
lungen freiwilliger Jäger mitgerechnet, an viertauſend Mann
betrug, ſo zählte Graf Pahlen unter ſeinem Befehle an ſechs
tauſend Mann (*). Auf den Flanken der ruſſiſchen Kavalerie
rückten die Koſaken-Regimenter Ilowaiſki 12. auf Cröbern und
Grekow auf Stermthal vor. Den Truppen Pahlen's folgte die In
fanterie Wittgenſtein's: Helfreich mit der 14-ten Diviſion in der
Richtung auf Cröbern; der Prinz Eugen von Würtemberg mit dem
2-ten Infanterie-Corps auf Gülden-Goſſa; der Fürſt Gortſcha
kow mit der 5-ten Diviſion auf Stermthal; das Corps Kleiſt
auf Magdeborn. An der Spitze der rechten Kolonne ſollte der
Feldmarſchall-Leutnant Mohr, welcher den Univerſitäts-Wald
ſchon eingenommen, ſich des Ortes Liebertwolkwitz, unterſtützt
von den übrigen Truppen des 4-ten öſtreichiſchen Corps unter
Graf Klenau's Befehl, bemächtigen (*).
Die Verbündeten waren überzeugt, daß der Feind die Eng
päſſe am Göſelbach bei Göhren und Cröbern vertheidigen würde;
– 83 –

Murat aber, um in ſeiner linken Flanke vom Univerſitäts-Walde


aus nicht umgangen zu werden, zog ſich zurück und ſtellte ſich (wie
ſchon dargelegt) auf den Höhen zu beiden Seiten Wachaus auf.
Graf Wittgenſtein glaubte, daß dieſe Stellung von den Fran
zoſen nur in der Abſicht eines weitern Rückzuges eingenommen
wäre, entſchied ſich unverzüglich den Feind anzugreifen. Kaum
hatte ſich die Kavalerie Pahlen's dem Schafſtalle Auenhain ge
nähert, als von Ilowaiſki die Nachricht vom Aufſammeln bedeu
tender feindlicher Kräfte bei Mark Kleeberg einlief; Graf Pahlen
hielt an, ehe er Auenhain erreicht hatte, ſendete den General
major Rüdiger mit den Grodnoſchen Huſaren zur Unterſtützung
Ilowaiſki's und dirigierte auf Liebertwolkwitz das Huſaren-Re
giment Lubny, um den Feind auszukundſchaften. Es erwies ſich,
daß dort eine bedeutende Linie Kavalerie ſtand, deren linke
Flanke ſich an den benannten Ort anlehnte. Demnach, überzeugt
von der Uebermacht des Feindes und deſſen Abſicht die von ihm
eingenommene Stellung zu behaupten, wollte Pahlen die Ankunft
der preußiſchen Kavalerie abwarten: in dieſem Augenblicke langte
bei ihm der General-Quartiermeiſter der Truppen Barklay's,
Diebitſch, an. Der feurige Diebitſch rieth den Feind augenblick
lich anzugreifen. Pahlen aber zog es vor das die Spitze der
preußiſchen Kolonne bildende Regiment der Neumarker Dragoner
abzuwarten; als dieſes den Damm bei dem Dorfe Gülden-Goſſa
überſtiegen hatte, rückte er mit dem Huſaren-Regiment Sumy
und der Batterie Nikitin rechts hin von dem Erlenwäldchen bei
dem Orte Wachau vor. Zu derſelben Zeit zeigte General Rüdi
ger die Verſtärkung des Feindes zwiſchen Mark Kleeberg und
Wachau an; daher wurden zu deſſen Unterſtützung neun Schwa
dronen Landwehr, welche ſich verſteckt bei Auenhain aufſtellten,
geſchickt. Letztere trugen zum Zurückſchlagen der polniſchen Kava
lerie ſeitens der Grodnoſchen Huſaren bei, bis daß die 3-te
– 84 –

Küraſſier-Diviſion auf dem Kampfplatze angelangt war. Auf


dem rechten Flügel ſprengte General Nikitin mit ſeiner Batterie
auf eine große Strecke vor und eröffnete ſein Feuer auf die feind
liche bei Liebertwolkwitz ſtehende Kavalerie. Murat, welcher die
Entfernung der ruſſiſchen Batterie von ihrer Bedeckung bemerkt
hatte, griff ſie mit den aus Spanien angelangten ausgezeichneten
Regimentern an. Die Batterie, welche in der Nähe auf ſie feuerte,
war der größten Gefahr ausgeſetzt. Die Huſaren Sumy kamen
ihr zu Hülfe. Als aber die Kavalerie Murat's die Huſaren ge
worfen hatte, gingen die Neumarker Dragoner und hinter ihnen
die oſt-preußiſchen Küraſſiere und ſchleſiſchen Uhlanen zum An
griffe vor. Dieſe Truppen wirkten in beiden Flanken des Fein
des und ſchlugen ihn in die Flucht. Bald darauf erſchienen auf
dem Kampfplatze die Regimenter der Tſchugujewſchen Uhlanen
und Grekowſchen Koſaken. Linkshin von dem oſt-preußiſchen Re
gimente entwickelten ſich die ſchleſiſchen und brandenburgiſchen
Küraſſiere; ihnen folgten die Neumarker Dragoner und die Hu
ſaren Sumy, welche ſich von Neuem formiert hatten, indeſſen die
Küraſſiere zur Attake vorgingen. Auf dieſe Art dauerte der Kampf
in Zwiſchenräumen einige Stunden fort. Die Attaken erfolgten
größtentheils mit einem Regimente, nur ſelten mit zwei Regimen
tern gleichzeitig. Murat hatte eine bedeutende Kavalerie-Maſſe
unter ſeinem Befehle, zugleich auch die vorzüglichen aus Spanien
angekommenen Dragoner mit ihr vereinigt. Er führte dieſe Ka
valerie kühn in das Handgemenge, indem er ſich augenſcheinlicher
Gefahr ausſetzte. Während eines der Zwiſchenräume des Kam
pfes, als die Regimenter beider Seiten, auf gleiche Art im hitzigen
Gefechte in Unordnung gebracht, ſich neu formierten um wieder
zu kämpfen, wurde Murat vom Leutnant Guido von Lippe in's
Auge gefaßt. Der König von Neapel, umringt von einem großen
Gefolge, prangte in ſeinem theatraliſchen Gewande an der Spitze
– 85 –

der franzöſiſchen Kavalerie. Genannter Offizier, in der Abſicht


ihn entweder aufzugreifen oder zu tödten, ſammelte in der Eile
einige Flankeurs, die zwiſchen beiden Linien ſtreiften, um ſich
herum, wirft ſich mit ihnen ſpornſtreichs auf das königliche Ge
folge und zerſtreut es. Ein einziger Reiter bleibt bei der Perſon
Murat's. „Halt, halt, König!“ ſchteit Guido mehrere Mal mit
lauter Stimme und verfolgt den beſtürzten Gegner; ſchon glaubt
ſich Guido ſeiner Beute gewiß, als der einzige Kampfgenoſſe Mu
rat's ihm einen tödtlichen Schlag beibringt und den Königrettet.
Aus dem Treffen bei Liebertwolkwitz, des bedeutendſten Kava
leriegefechtes im ganzen Kriege des Jahres 1813, war erſichtlich,
daß Murat große Reitermaſſen nicht zu führen verſtand: die Atta
ken folgten eine auf die andere, ohne beſtimmtes allgemeines
Ziel; das ganze Benehmen des verherrlichten Kavaleriſten zeigte
nur das Verlangen ſich mit dem Feinde zu meſſen. Das nummeriſche
Uebergewicht der Franzoſen gewährte ihnen die Möglichkeit das
Gleichgewicht im Kampfe für einige Stunden aufrecht zu halten;
am Schluße des Kampfes aber blieben die Verbündeten im Vor
theile. Unabhängig von der beſſern Anordnung ſeitens ihres Be
fehlshabers ſind folgende Urſachen des Erfolges zu bezeichnen:
1) der gute Zuſtand der Pferde der verbündeten Reiterei, und
2) die Bewaffnung der Koſaken und der erſten Reihe der Huſaren
und Uhlanen mit Pieken. Nach General Nikitin's Zeugniß:
„hat der Feind in dieſem Treffen viel Todte und Verwundete
verloren; das Feld war in Folge des erfolgreichen Wirkens un
ſerer Batterie und der Attaken der mit Pieken bewaffneten Kava
lerie mit Menſchen- und Pferdeleichen bedeckt. Dieſe Waffe iſt
für die Kavalerie die vorzüglichſte; beſonders iſt eine größere
Länge als die dermalige zu empfehlen.“
General Pahlen wünſchte den Kampf bis zur Ankunft Kle
nau's aufzuhalten; daher zog er ſeinen linken Flügel zurück und
– 86 –

unterſtützte ihn durch zwei preußiſche reitende Batterien; der rechte


Flügel hingegen wurde vorgerückt. Seitens der Franzoſen aber
entwickelten ſich auf ihrem rechten Flügel bedeutende Kräfte und
auf den Höhen zwiſchen Wachau und Liebertwolkwitz waren große
Batterien, welche in die linke Flanke der verbündeten Kavalerie
wirkten, errichtet. Murat glaubte ſie durch die früheren Attaken
vollkommen geſchwächt und dirigierte auf ſie, am Ausgange des
Kampfes, die Dragoner-Regimenter des 5-ten Corps. Die aus
gezeichneten Reiter erſchienen unerwartet, inmitten von Rauch
wolken, vor der verbündeten Kavalerie; die 7-te Batterie Niki
tin's aber und die 7-te preußiſche reitende Batterie, welche auf
der linken Flanke der Kavalerie Pahlen's ſtanden, empfingen den
Feind mit Kartätſchen und brachten die Spitze der franzöſiſchen
Kolonne in vollkommene Unordnung; dieß benutzten die ruſſiſchen
Huſaren, die preußiſchen Uhlanen und das Brandenburger Kü
raſſier-Regiment und warfen ſich auf den Feind; zu derſelben
Zeit, es war zwei Uhr Nachmittags, langte Klenau mit den
Hauptkräften ſeines Corps von Trähna bei Liebertwolkwitz an
und eröffnete auf dieſen von fcanzöſiſcher Infanterie eingenomme
nen Ort ein heftiges Artilleriefeuer, indeſſen ſich die Flanke der
Kavalerie Murat's das Küraſſier-Regiment Kaiſer und ein Theil
des Chevaurleger-Regiments Orelji warfen, die reitende Brigade
aber, unter der Bedeckung von zwei Schwadronen Huſaren Erz
herzog Ferdinand und dem Chevaurleger-Regiment Hohenzollern,
ſich der Art aufſtellte, daß ſie, in Vereinigung mit der verbündeten
Artillerie, den Feind in ein Kreuzfeuer brachte. Die Kavalerie
Murat's durch das Feuer der Batterien in Unordnung gebracht
und von den Angriffen Pahlen's und Klenau's geworfen, war
beinahe bis Probſtheide verfolgt und erſchien nicht mehr auf dem
Kampfplatze. Dagegen verſtärkte die feindliche Artillerie ihr Feuer
und brachte der verbündeten Kavalerie großen Schaden bei. Auf
– 87 –

dem linken Flügel der Pahlenſchen Truppen war die polniſche


Reiterei von den Grodnoſchen Huſaren, der ſchleſiſchen reitenden
Landwehr und den Koſaken Ilowaiſki's zurückgehalten; nachdem
aber die 3-te Küraſſier-Diviſion angelangt, hörten die feindlichen
Kavalerie-Attaken auf, bedeutende Infanterie-Maſſen erſetzten ſie
und wurden vorgeſchoben, geriethen aber in das Kreuzfeuer der
preußiſchen Batterien und zogen ſich auf die im Beginne des Kam
pfes eingenommenen Höhen zurück. Der Prinz von Würtemberg
ging Graf Pahlen um die Erlaubniß an, die vorrückende Infan
terie anzugreifen, erhielt aber ſolche nicht, weil Pahlen eineyu
Kampfe, der kein wichtiges Ziel hatte, keine weitere Entwickelung
geben wollte.
Nach dem Rückzuge der franzöſiſchen Infanterie beſchränkte
ſich der Kampf auf Artilleriefeuer. Graf Wittgenſtein hatte die
Abſicht mit ſeinen ſämmtlichen Kräften den Feind anzugreifen,
erhielt aber um 5 Uhr Abends vom Fürſten Schwarzenberg die
Weiſung, dem Kampfe ein Ende zu machen. Die ruſſiſche leichte Ka
valerie ſtellte ſich nach einer rückgängigen Bewegung rechts von Gül
den-Goſſa auf; die preußiſchen Küraſſiere links von dieſem Orte; die
reitende Landwehr vor Cröbern; die 14-te Diviſion unter Ge
neral Helfreich, mit den preußiſchen Brigaden 10 und 11, hinter
Cröbern in Reſerve; das Corps des Prinzen von Würtemberg
hinter Gülden-Goſſa; die 5-te Diviſion des Fürſten Gortſchakow
bei Stermthal; Kleiſt mit den preußiſchen Brigaden 9 und 12
bei Magdeborn; das Grenadier-Corps bei Espenhain; Wittgen
ſtein hatte ſein Hauptquartier in Mölbis aufgeſchlagen; Graf
Klenau, der Liebertwolkwitz eingenommen hatte, war auf Pomb
ſen zurückgedrängt. -

In dem Gefechte bei Liebertwolkwitz war der Verluſt der bei


den Theile bedeutend: die Franzoſen verloren ungefähr ſechshun
dert Mann an Todten und Verwundeten; unter den ſchwerver
– 88 –

wundeteu befanden ſich die Generale Pajol und Montmarie. Das


4-te öſtreichiſche Corps verlor überhaupt an tauſend Mann; der
Verluſt der übrigen verbündeten Truppen iſt nirgends angezeigt,
war aber groß, denn das ſchleſiſche Küraſſier-Regiment verlor
allein an Todten und Verwundeten dreizehn Offiziere und neun
undſechzig Mann untern Ranges (*).
Demnach hatte ſich die von den Verbündeten unternommene,
verſtärkte Recognoscierung wieder ihr Erwarten in ein blutiges
Treffen verwandelt. Der Oberfeldherr beſtand bis dahin immer
noch auf ſeine Abſicht, ſich vermittelſ eines Linksabmarſches der
ſchleſiſchen Armee zu nähern, indeſſen letztere ihrerſeits auf die
Merſeburger Straße übergehen und in Vereinigung mit dem Corps
Gyulay auf Lindenau vorrücken ſollte; Blücher aber lehnte den Vor
ſchlag ab, indem er den Weg über Skeuditz, als den kürzeſten nach
Leipzig, vorzog. Major Rühle, der in's Hauptquartier Schwarzen
berg's geſendet war, ſtellte in Ausſicht, daß der Kronprinz, ſeine
Verbindung mit Blücher einhaltend, mit mehr Beharrlichkeit ver
fahren, als wenn er entfernt von der ſchleſiſchen Armee bleiben
würde (").
Der Erfolg bei Wachau bewog die verbündeten Monarchen
dem Fürſten Schwarzenberg entſchieden die Forderung zu ſtellen,
ſeine ſämmtlichen Truppen direkt auf Leipzig zu dirigieren, nach
welchen Punkt hin auch die übrigen verbündeten Armeen vorrück
ten. Nichtsdeſtoweniger hatten die vorhergehenden Verfügungen
des öſtreichiſchen Hauptquartiers einen ungünſtigen Einfluß am er
ſten Tage der Leipziger Schlacht erzeugt: die unnütze Anhäufung be
deutender Kräfte in der moorigen Strecke zwiſchen Elſter und Pleiſſe
ſchwächte den auf der rechten Seite der Pleiſſe aufgeſtellten Theil
der Armee und (wie es in der Folge dargelegt werden wird)
hätte beinahe die Niederlage der Verbündeten herbeigeführt (*).
Am andern Tage, den , behielten die Truppen Wittgenſtein's
– 89 –

beinahe dieſelbe Stellung wie am Schluße des Treffens bei Lie


bertwolkwitz: die übrigen Truppen der böhmiſchen Armee waren
folgendermaßen aufgeſtellt: das 3-te öſtreichiſche Corps mit dem
Detaſchement Thielmann und der erſten leichten Diviſion Moritz
Lichtenſtein's, bei Lützen; das Detaſchement Mensdorf bei Mar
kranſtädt; das 2-te öſtreichiſche Corps bei Zwenkau; die öſtrei
chiſche Reſerve und die ruſſiſch-preußiſche Garde bei Audigaſt,
wo ſich das Haurtquartier Barklay de-Tolli's befand; das Ko
ſaken-Detaſchement Platow, nachdem es den Feind aus Gautzſch
herausgedrängt, rückte in der Nacht vom auf den H zur
Unterſtützung des Corps Klenau auf Seiffertshain. Das Haupt
quartier des Kaiſers Alerander und Fürſten Schwarzenberg
ging nach Pegau über, das Hauptquartier des Königs von
Preußen und das Hoflager des Kaiſers von Oeſtreich nach Al
tenburg (*).
Im Verlaufe des October, indeſſen die Truppen der böh
miſchen Armee ſich auf Leipzig zuſammenzogen, unternahm
Fürſt Schwarzenberg perſönlich eine Recognoscierung längs
dem Laufe der Pleiſſe in der Umgegend von Gautzſch, von wo aus
er ein Umgehen der rechten Flanke und des Rückens des Feindes
mit einem großen Theile ſeiner Truppen beabſichtigte. Wahr
ſcheinlich aber hatte dem Fürſten dieſe Ueberſchauung keinen hin
länglichen Begriff von der Oertlichkeit, welche zur Entwickelung
beträchtlicher Kräfte höchſt ungeeignet war. Gegen Mittag bemerk
ten die Vorpoſten das Vorrücken feindlicher Kavalerie, welche ſich
darauf mit der linken Flanke an Liebertwolkwitz anlehnte. Die
verbündeten Generale, welche ſich in die Vorpoſtenkette begaben,
glaubten, daß der Feind die Abſicht habe die vor ihm ſtehenden
Truppen anzugreifen, es erwies ſich aber bald, daß die Franzo
ſen ſich zur Heerſchau vorbereiteten. Von den Höhen bei Gülden
Goſſa konnte man mit einem Fernrohre einen Reiter, welcher,
– 90 –

gefolgt von vielen Andern, die Linie der Truppen entlang jagte.
Es war dies Napoleon, der am Vorabende in Leipzig angekom
men war (*).

Die ſchleſiſche Armee rückte auch auf Leipzig vor.


Blücher meldete dem Kronprinzen Schwarzenberg's Abſicht,
den von der Elbe und Düben aus ſich auf Leipzig zurückziehen
den Feind in Gemeinſchaft mit den übrigen verbündeten Armeen
anzugreifen, und daß auch der Kronprinz ohne Aufſchub an der
Bewegung auf Leipzig Theil nähme. Der Kronprinz überzeugt
von dem Entſchluße Napoleon's den Verſuch gegen Berlin auf
zugeben, blieb auf der linken Seite der Elbe; anſtatt aber am
j October, als er Blücher's Meldung erhalten, von Cöthen aus
den kürzeſten Weg auf Leipzig über Landsberg einzuſchlagen
und am Ä October in der Umgegend Leipzigs zu erſcheinen, rückte
er an dieſem Tage auf den Weg nach Halle und blieb nach einem
Marſche von drittehalb Meilen, bei Petersberg und dem Dorfe
Sylbitz ſtehen. Dort blieb er auch den ganzen Morgen am Oc
tober als die Schlacht bei Leipzig wüthete. Weder der Donner
der Kanonade, die von dort her ertönte, noch die Vorſtellungen
der verbündeten Kommiſſäre, der Generale Steward, Pozzo-di
Borgo und St.-Vincent, die ſeinem Hauptquartiere beigegeben
waren, vermochten ſeinen apathiſchen Zuſtand zu überwinden (“).
Endlich am Abende brach er auf, legte 3 Meilen zurück
und erreichte Landsberg, andere drei Meilen vom Schlachtfelde
entfernt (*). Mithin war die vom Kronprinzen dem Kaiſer
Alerander, im Schreiben vom Ä October geſtellte Ausſicht, am
Abende des , wenigſtens mit einem Theile ſeiner Kavalerie
auf dem Schlachtfelde einzutreffen, nicht erfüllt. Folgender
war der Wortlaut dieſes in franzöſiſcher Sprache verfaßten
– 91 –

Schreibens, welches das Verfahren des Prinzen beſchönigen


ſollte:
„Alle geheimen Agenten und die von meinen Vorpoſten er
haltenen Berichte ſchienen die Bewegung bedeutender feindlicher
Kräfte gegen die Elbe zu, um dieſen Fluß zu überſchreiten, zu
beſtätigen; daher hielt ich mit der Bewegung, welche ich in Ver
einigung mit General Blücher hinter die Saale unternommen,
ein. Bald darauf berichtete mir Graf Tanenzien, daß er genöthigt
war Deſſau zu verlaſſen, ſich auf das rechte Ufer der Elbe zu
rückzuziehen und die Brücke bei Roslau zu zerſtören. Eine ſtarke
franzöſiſche Kolonne rückte aus Wittenberg aus und nöthigte den
General Thümen zum Rückzuge. Die junge Garde und mehrere
Armee-Corps befanden ſich zwiſchen der Elbe und der Mulde. Die
Stadt Aken wurde von dieſer Seite her angegriffen, der Feind
aber zurückgeworfen; deren Beſchießung vom rechten Ufer der
Elbe aus hatte auch keinen Erfolg: ich ließ die Brücke abtragen.
Bei dieſer Sachlage und da alles die Abſicht Napoleon's ſich
mit großen Kräften auf Berlin zu werfen anzeigte, entſchied ich
mich von Rothenburg aus auf Cöthen zu gehen, um die Elbe bei
Aken zu überſchreiten und den Feind zu folgen; ich hoffte, daß
die große böhmiſche Armee indeſſen alle vor ihr ſtehenden Trup
pen werfen und darauf den Kaiſer der Franzoſen auf der Spur
nachfolgen würde. Der Feind, durch meine Bewegung in Irr
thum geführt, nimmt allem Anſcheine nach wieder die Richtung
von der Elbe her, auf Taucha und Leipzig. Man bemerkte ſogar
von Petersberg Kolonnen, die von Delitzſch her in die Richtung
auf Leipzig ziehen. Ich habe alſo den Entſchluß gefaßt heute von
Cöthen auf Halle zu gehen. Unterwegs iſt mir die Dispoſition
zur Schlacht, welche morgen erwartet wird, beigekommen. Ich
habe mit allen meinen Truppen, welche von einem beſchwerlichen
Marſche über die abſcheulichſten Wege ſehr ermüdet ſind, bei Pe
– 92 –

tersberg und Zörbig Halt gemacht. Wenn nichts meine linke


Flanke von der Seite der Mulde her bedroht, rücke ich morgen
auf Leipzig vor und werde immer, wenigſtens mit einem Theile
meiner Kavalerie, gegen Abend auf dem Schlachtfelde er
ſcheinen können, um im Fall der Noth die Anſtrengungen der
verbündeten Armee zu unterſtützen, wenn die große Schlacht
ſtattfindet.“
„In meinem Hauptquartiere Dorf Sylbitz, eine gute Meile von Halle,
den 15 October 1813.“

Im Gegenſatze zu der Langſamkeit des Kronprinzen wieder


holte Blücher, der das Hauptguartier der böhmiſchen Armee von
der Bewegung Napoleon's auf Leipzig in Kenntniß geſetzt, ſein
Verſprechen, Theil an der großen Schlacht zu nehmen. Blücher
hatte am Morgen des October aus dem Hauptquartiere der
böhmiſchen Armee eine Depeſche über die Abſicht Schwarzenbergs
Napoleon mit ſämmtlichen Kräften am H ſüdlich von Leipzig bei
Wachau anzugreifen und über das Vorrücken zu gleicher Zeit des
Corps Gyulay auf der Erfurter Straße nach Lindenau hin;
Schwarzenberg gab dabei die Hoffnung zu erkennen, daß die gleich
zeitige Bewegung der ſchleſiſchen und der Nord-Armee auf Leip
zig den Feind ſeine zerſtreuten Kräfte zu vereinigen verhindern
würde. Blücher beeilte ſich am ſelben Tage, + October, von Halle
her auf Skeuditz (anderthalb Meilen von Leipzig) vorzu
rücken, indeſſen er dem Corps St.-Prieſt die Weiſung gab,
von Merſeburg aus auf Lindenau zu gehen nnd das Gerücht zu
verbreiten, daß auf demſelben Wege die ganze Nord-Armee
folge. Indem Blücher ſein Vorrücken zur Kenntniß des Kron
prinzen brachte, ſchrieb er ihm, daß er deſſen Ankunft in Döllnitz
am # October erwarte und auf die Theilnahme des Prinzen an
der bevorſtehenden Schlacht rechne. Nichtsdeſtoweniger traf der
erfahrene Krieger für jeden Fall die geeigneten Maßnahmen
– 93 –

zum Angriffe auf den Feind ohne die Mitwirkung der Nord-Ar
mee (*).

Die Armee des Generals Bennigſen und das 1-te Corps


des Grafen Colloredo befanden ſich auf dem Marſche von Dresden
auf Leipzig, konnte aber zur Schlacht des October nicht an
langen.
Nachdem die böhmiſche Armee ihre Flankenbewegung auf
Kommotau ausgeführt hatte, erhielt die ſogenannte polniſche
Armee und das 1-te öſtreichiſche Corps die Beſtimmung die Eng
päſſe, welche über das Erzgebirge, auf dem Raume zwiſchen der
Elbe und Jonsdorf, führen, zu vertheidigen. Alle dieſe Ueber
gänge waren von ruſſiſchen Truppen, den Poſten von Nollendorf
ausgenommen, beſetzt; hier befand ſich eine aus beiden Nationa
litäten beſtehende Avantgarde unter dem Befehle des Feldmar
ſchall-Leutnants Graf Hardegg. Die Truppen Bennigſen's blie
ben bis zum Ä an Ort und Stelle. Am Vorabende ging
die Nachricht von dem Ausrücken der Hauptkräfte Napoleon's aus
Dresden ein. Da daraus auf die Schwächung der zur Deckung Dres
dens zurückgelaſſenen Truppen zu ſchließen war, ſo entſchloß ſich
Bennigſen eine verſtärkte Recognoscierung zu unternehmen. In
dieſer Abſicht rückte die 26-te Diviſion Paskewitſch mit vier Schwa
dronen auf Hellendorf, das Detaſchement Hardegg unterſtützt von
drei Bataillonen der Regimenter Poltawa und Ladoga und dem
Koſaken-Detaſchement Fürſt Bagration auf Breitenau und das
Detaſchement Kreutz auf Libſtadt. Ein dichter Nebel hinderte die
Ueberſchauung; ungeachtet deſſen überzeigten ſich die Verbündeten
daß der Feind die Stellung bei den Ausgängen aus den Bergen
verlaſſen habe. Dieß benutzend rückte Bennigſen mit allen ſei“
nen übrigen Truppen vor: die Corps Graf Markow und Graf
– 9i –

Tolſtoy gingen über Peterswalde auf Gieshübel, die Corps


Dochturow und Klenau über Schönwalde und Breitenau auf
Hemmersdorf. Mit drei Bataillonen der Jäger-Regimenter 5 und
12, vier Schwadronen der Uhlanen-Regimenter Taganrog und
Sibirien und einigen Geſchützen bemächtigte ſich General Pas
kewitſch am Abende, im Beiſein des Königs Friedrich Wilhelm,
der ſchwach vertheidigten Befeſtigungen bei Gieshübel. Hardegg
und Kreutz erreichten Breitenau und Libſtadt, die übrigen Trup
pen der polniſchen Armee, Hellendorf und Peterswalde. Bei Auſ
ſig blieb die Landwehr des Grafen Tolſtoy; das Corps Colloredo
erreichte Altenburg. Der König von Preußen kehrte nach Been
digung des Treffens bei Gieshübel nach Töplitz zurück (*).
Die Truppen des Marſchalls St.-Cyr, welche Dresden deck
ten, nahmen noch vom Ä September an folgende Stellung ein:
die 13-te Diviſion vom 14-ten Corps bei Pirna; die 42-te Divi
ſion vom 14-ten Corps bei Königſtein, auf beiden Seiten der
Elbe; das 1-te Corps in der Umgegend Gieshübels; die Divi
ſionen 44 und 45 unter dem Befehle des Generals Bonet bei
Borna und Dippoldiswalde. Das Vorrücken der Truppen Ben
nigſen's bewog das 1-te Corps des Generals Mouton ſich hinter
die Müglitz zurückzuziehen; die Truppen des 14-ten Corps, welche
bei Borna, Pirna und Königſtein ſtanden, folgten der Bewegung
des 1-ten Corps und zerſtörten die Brücke, die zur Verbindung
mit Lilienſtein auf Böten errichtet war (*). Bennigſen ver
folgte ſie unabläſſig. General Markow zog die 26-te Diviſion
Paskewitſch bei Zehiſta an ſich und ging mit ſeiner Avantgarde
auf Dohna, Hardegg von Borna aus zum Umgehen der rech
ten Flanke der feindlichen zwanzigtauſend Mann zählenden
Stellung St.-Cyr's. Die Franzoſen, welche am ĺ bei
Dohna, in Fronte von der 26-ten Diviſion und die linke Flanke
von der 16-ten Diviſion Bulatow angegriffen waren, verthei
– 95 –

digten ſich hartnäckig. Bedroht aber in beiden Flanken, zogen ſie


ſich in der Dämmerung in die Richtung auf Dresden zurück. Der
Verluſt des Feindes bei Dohna zählte allein an Gefangenen, wie
Plotho berechnet, an dreihundert Mann. Die 26-te Diviſion ver
lor an Todten und Verwundeten bis achthundert Mann (*).
Am Är zogen ſich die franzöſiſchen Truppen auf Dres
den zurück und ſtellten ſich zwiſchen Gruhna und Recknitz auf. Am
folgenden Tage wurden ſie auf den Höhen von Recknitz angegrif
fen und hinter die Befeſtigungen von Dresden zurückgedrängt:
nur unbedeutende Abtheilungen blieben in den nahen Dörfern.
Zu gleicher Zeit, in Folge wiederholter Befehle Napoleon's war
die Abfertigung von Fuhren, Parks und dreitauſend Kranken zu
Waſſer von Dresden aus nach Torgau verfügt. Das rechte Ufer
der Elbe aber war ſchon von den Abtheilungen, die Fürſt Stſcher
batow und Graf Bubna hinausgeſchickt, eingenommen; daher
gelang es nicht vielen von abgefertigten Böten ihren Beſtim
mungsort zu erreichen (").
Gleichzeitig mit der Ankunft der Armee Bennigſen's er
hielt der Graf Colloredo aus dem Hauptquartiere der ver
bündeten Monarchen den Befehl auf Verbindung mit der Haupt
armee über Dippoldiswalde und Freiberg zu eilen. Zur Ver
ſtärkung der polniſchen Armee war die öſtreichiſche 2-te leichte
Diviſion des Grafen Bubna, die ſich auf dem rechten Ufer der
Elbe befand, beſtimmt. Dieſe Diviſion überſchritt den Fluß auf
Flößen bei Pratſchwitz, Heidenau gegenüber; und auf dem rech
ten Ufer, unweit Dresden blieben die öſtreichiſchen Bataillonen
und drei ruſſiſche Schwadronen ("). Generalleutnant Fürſt
Stſcherbatow, der ebenfalls auf dem rechten Ufer der Elbe, Dres
den gegenüber ſtand, erhielt von Blücher am Ä den Befehl
aufs linke Ufer der Elbe überzugehen. Der Fürſt rückte auf das
Dorf Elſter, fand aber die dortige Brücke und die bei Roslau
– 96 –

zerſtört. Da in derſelben Zeit dort beträchtliche feindliche Kräfte


erſchienen und das preußiſche Corps Tauenzien ſich nach aufge
gebener Belagerung der Feſtung Wittenberg auf Berlin zurück
zog, ſo rückte Fürſt Stſcherbatow, um ſich ihm zu nähern auf
Jüterbogk. Nach der Schlacht bei Leipzig folgte er den Verbün
deten Armeen dem Rheine zu (*).
Am + October langte von Auſſig her, bei Dresden, die Land
wehr unter dem Befehle des Generalleutnants Graf Tolſtoy an.
Unterdeſſen hatte Bennigſen den Befehl des Kaiſers erhalten,
einen hinlänglichen Theil ſeiner Truppen zur Beobachtung des
Feindes bei Dresden und Königſtein zu hinterlaſſen und mit den
übrigen Kräften auf Leipzig zu eilen. Um ſeine Bewegung zu ver
heimlichen, befahl er dem General Paskewitſch die Franzoſen am
Ä anzugreifen. Der Feind räumte beinahe ohne Wieder
ſtand die von ihm vor den Befeſtigungen eingenommenen Dörfer
Goſtritz, Kaitz und Plauen. St.-Cyr aber, welcher nachdem Na
paleon Dresden verlaſſen hatte, Proviant nur auf eine Woche
und Fourage auf drei Tage behielt, fürchtete im engen Raume
der Stadt umlegt zu werden und entſchloß ſich daher die Ruſſen
mit ſeinen ſämmtlichen Kräften anzugreifen. Am - October um
ſieben Uhr in der Frühe rückten die Franzoſen vor, wandten ihre
Anſtrengungen beſonders gegen das Dorf Plauen und nahmen
es ein, nachdem ſie die Jäger-Regimenter 5 uud 12 herausge
worfen; auf Anordnung aber des Oberbefehlshabers hielten die
herbeigeeilten Regimenter Orel und Nijninowgorod und das 41-te
Jäger-Regiment mit vier Geſchützen, die ſich am Ausgange des
Dorfes auf den Höhen aufſtellten, den Feind zurück. Bennigſen
aber, welche die Garniſon von Dresden zur Entwickelung aller
ihrer Kräfte verleiten wollte, nahm die Höhen von Recknitz mit
ſtarken Batterien, unterſtützt von den Truppen Dochturow's und
Markow's ein. Der Kampf verwandelte ſich in ein heftiges Ka
– 97 –

nonen- und Flintenfeuer, welches bis in die Nacht dauerte. Die


franzöſiſchen Voltigeurs benutzten geſchickt die Oertlichkeit und
brachten große Verluſte den ruſſiſchen Jägern bei; letztere verlo
ren an Todten und Verwundeten an ſechshundert Mann; ſeitens
des Feindes aber, deſſen eignem Geſtändniße nach, verloren
die Diviſionen 42 und 45, welche am Kampfe in der Wirklichkeit
Theil genommen, 28 Offiziere und 500 Mann untern Ran
ges (*). Der König Friedrich Wilhelm und der Kronprinz von
Preußen, die am Vorabende aus Töplitz angekommen, brachten
den ganzen Morgen auf dem Schlachtfelde bei Plauen unter dem
heftigſten Kanonenfeuer zu (“).
Um zwei Uhr Nachmittags trat die Avantgarde Bennig
ſen's ("), unter dem Befehle des Generalleutnants Graf Stro
gonow, nach Willsdruf aus und in der Nacht war ſie von den
übrigen Truppen der Armee gefolgt, das combinierte Corps des
Generalleutnants Graf Tolſtoy ausgenommen, welches bei
Dresden blieb ("). Die leichte Diviſion des Grafen Bubna ver
einigte ſich auf dem Marſche mit den Hauptkräften Bennigſen's,
welche ſpät in der Nacht vom auf den October Waldheim,
achtehalb Meilen von Leipzig, erreichten ("). Das Corps Collo
redo befand ſich bei Penig, beinahe in derſelben Entfernung von
Leipzig, folglich konnte weder Bennigſen noch Colloredo vor dem
# October auf das Schlachtfeld anlangen. Dabei muß bemerkt
werden, daß die polniſche Armee von Gewaltmärſchen ſehr erſchöpft
war. Der Stabschef dieſer Armee, Generalleutnant Oppermann,
beſchrieb im Briefe an den Fürſten Wolkonſky den Zuſtand der
Truppen folgendermaßen: „Von Liegnitz an gehen wir auf den
Fußſtapfen anderer, ſowohl unſerer als feindlicher Truppen
während allen dieſen Bewegungen haben wir nirgends Lebens
mittel in genügender Quantität gefunden, daher litten Leute und
Pferde die größte Noth. Auf den Wegen über ſteile Berge zer
7
– 98 –

traten die Soldaten ihre Fußbedeckung und in Folge der un


glücklichen Langſamkeit der Verwaltung des Herzogthums War
ſchau ſind die im Auguſt an den Ufern der Weichſel angefertigten
Stiefel bis jetzt bei der Armee nicht angelangt. Sie erſehen daraus,
daß unſer Zuſtand nicht glänzend iſt und daß, wenn es unſere
Beſtimmung wäre, uns immer hinter andere Armeen zu bewegen,
uns eine gänzliche Vernichtung erwartet. Dazu muß bemerkt
werden, daß die unſern Truppen auferlegte Beobachtung Dres
dens, Sonnenſteins und Meiſſens unſere nummeriſche Kraft ſehr
geſchwächt hat. Den Beſtand der Armee bilden dermalen nur die
Diviſionen 12, 13, 26 und eine meiſtens aus Rekruten beſtehende
Kavalerie-Diviſion“ (").

Die Truppen Napoleon's waren nicht weniger als die Ver


bündeten beeilt, Leipzig zu erreichen.
Napoleon perſönlich verließ am # October, um 7 Uhr Mor
gens, Düben und langte in Leipzig gegen Mittag an. Lärm und
Verwirrung herrſchten in der Stadt; Truppen durchkreuzten ſie,
Ordonnanzen und Couriere eilten hin und her, Verwundete wur
den geführt und getragen, von Wachau aus ertönte Kanonen
donner; von Norden her hörte man Flintenfeuer, welches die
vorderen Truppen Blücher's und Marmont's unter ſich wechſel
ten. Das Wetter war trübe, kalt, mit heftigen Windſtößen. Als
Napoleon gleichzeitig mit einem Theile der alten Garde und der
Garde-Kavalerie das Haller Thor erreicht hatte, umritt er
die Stadt auf den Alleen bis zum Grimmaer Thor und hielt
außerhalb der Stadtlinie nördlich von der Wurzener Straße an.
Dort wurde ein großes Wachtfeuer angezündet, bei welchem er,
in Begleitung von Berthier und Caulaincourt, lange hin und
her ſchnellen Schritts herumging und von Zeit zu Zeit die auf
– 99 –

ſeinem Reiſetiſche aufgeſchlagene Karte betrachtete. Unaufhörlich


langten zu ihm Adjutanten und andere Offiziere mit den Berich
ten von Murat über den Gang des Kampfes an; einige von
ihnen, leicht verwundet und ohne Zeit gehabt zu haben ſich ver
binden zu laſſen, erſchienen vor Napoleon mit Blut befleckt. Er
ertheilte ihnen ſeine Befehle ſelber oder überließ es ſeinem
Stabschefe. Im Moment als man einen Teppich ausbreitete, um
das Mittagseſſen aufzutragen, erſchienen einige Stadtwagen un
ter Bedeckung von Truppen. Es war dieß der König von Sach
ſen mit Gemahlin und Tochter, die aus Eilenburg unter dem
Schutze ihres Bundesgenoſſen anlangten. Polniſche Uhlanen,
ſächſiſche Dragoner und Leib-Grenadiere begleiteten ſie; die 2-te
Diviſion der alten Garde Napoleon's und einige Kavalerie
Regimenter der Garde folgten ihnen. Nachdem Napoleon ſich
einige Minuten mit dem Könige und der Königin unterhalten,
kehrte er zu ſeinem Wachtfeuer zurück, der König aber begab ſich
zu Pferde in die Stadt. In dem Maße als die Truppen ſich Leip
zig näherten, wurden ſie nach den verſchiedenen Punkten der Um
gegend vertheilt. Die 2-te Diviſion der alten Garde wurde,
nachdem ſie Taucha erreicht, auf Holzhauſen geſendet und blieb
dort zur Nacht. Das 6-te Corps ſtellte ſich bei Breitenfeld auf.
Die junge Garde rückte links hin auf Euteritzſch. Gegen vier Uhr
Nachmittags kam ein Adjutant mit der Nachricht von der Ankunft
der 1-ten Diviſion der alten Garde, durch die Stadt zum Grim
maer Thore, angeſprengt. Napoleon befahl Vergatterung zu ſchla
gen, vereinigte die mit ihm angekommenen Truppen mit der 1-ten
Diviſion und ſtellte ſie zu beiden Seiten der Wurzener Straße
anf. Darauf begab er ſich in ſein Hauptquartier, das Landhaus
des Bankiers Wetter. Unterdeſſen vermehrte ſich die Zahl der
Verwundeten und der vom Schlachtfelde flüchtenden Einwohner.
Dieſe Maſſe von Menſchen verſperrte nebſt den Truppen die
– 100 –

Straßen dermaßen, daß man nur mit Gefahr durch die Stadt
kommen konnte.

Um ſieben Uhr Abends langte das 4-te Corps bei Hohen Oſ


ſig an; dort erhielt es die Weiſung auf Euteritzſch zu gehen, was
ſchon in der Nacht erfüllt wurde. Das 16-te und 2-te Kavalerie
Corps ſtellte ſich zwiſchen Gebſchellwitz und Podelwitz, Blücher
gegenüber, auf, nachdem ſie leichte Kavalerie nach Delitzſch hin,
zur Beobachtung geſendet hatten. Das 11-te Corps langte zum
Nachtlager bei Welkau, drittehalb Meilen von Leipzig, an; das
3-te Corps überſtieg auf der Brücke von Düben die Mulde ſchon
am ſpäten Abende, das 7-te Corps langte von Wittenberg
aus in der Nacht vom Ä auf den Ä in Kemberg an. In
der Dämmerung gingen durch die Stadt auf Straſſenhäuſern
und Stötteritz die junge Garde und das 1-te Kavalerie-Corps (").
Morgens am October erſchien bei Napoleon der König von
Neapel mit dem mündlichen Berichte über den Kampf bei Liebert
wolkwitz. Napoleon bezweckte am ſelbigen Tage die verbündete
Haupt-Armee anzugreifen, ſtand aber von dieſem Entſchluße ab,
weil am Morgen noch nicht alle Corps Zeit gehabt ſich auf Leip
zig zuſammenzuziehen. Von den Truppen des 3-ten Corps, wel
ches den Befehl erhalten ſich am bei Mockau an der Parthazn
verſammeln, langten nur zwei Diviſionen an, die dritte, Gene
rals Delmas, die zurückbleiben ſollte um die Brücke bei Roslau
zu zerſtören und die Parks und Fuhren des ganzen Corps zu
begleiten, bewegte ſich auf der Dübener Straße in der Entfer
nung eines ganzen Marſches von Leipzig. Die Kavalerie-Divi
ſion Fournier nebſt einem Bataillone blieb bei der Dübener Brücke
bis zur Ankunft des 7-ten Corps. Das 11-te Corps rückte zwar
aus Welkau um zwei Uhr aus, langte aber in Panitſch, unweit
Taucha, nicht vor vier Uhr Nachmittags an (”). Und überhaupt
waren die franzöſiſchen Truppen durch die forcirten und nächt
– 101 –

lichen Märſche auf ſchlechten Wegen und bei regnigtem Wetter


außerordentlich erſchöpft. Die Soldaten bekamen keinen Proviant
oder bekamen ihn in verminderter Quantität und mußten für ſich
ſelber ſorgen. Von verhungerten, durchfrornen, bis auf die Haut
durchnäßten Leuten konnte man kein Mitleid mit den Einwoh
nern des Landes erwarten, obgleich es dem treueſten der Bun
desgenoſſen Frankreichs gehörte. Die Soldaten raubten alle
Lebensmittel, führten das Vieh weg, trugen ganze Dörfer ab;
um ſich Brennholz zu verſchaffen, verbrannten ſie Bücher, Bilder,
muſikaliſche Inſtrumente: nichts und niemand war verſchont.
Alleen, Gärten, die Zierde der Gegend, waren ausgehauen. Um
ſich einigermaßen gegen das Unwetter zu ſchützen, machten die
Franzoſen Feuer in der Nähe von Wohngebäuden, dort wo letzere
nicht abgetragen waren, an und verurſachten öfters Feuersbrünſte.
Der Ort Liebertwolkwitz ging während des Kampfes am j Oe
tober in Flammen auf. Die ſächſiſchen Krieger, erzürnt über den
von ihren Mitkämpfern angerichteten Unfug, gaben ihren Un
willen zu erkennen und geriethen unaufhörlich mit den Franzoſen
in Zwiſt, welcher manchmal mit Todtſchlag endete. Leicht waren
die Folgen einer ſolchen Sachlage zu erſehen: die ſächſiſchen
Truppen, obgleich ihrem Könige und Vaterlande ergeben, waren
aber gegen den genialen Heerführer aufgeregt, welcher ihr Land
allem möglichen Elende preisgab und ſein Opfer mit dem Glanze
des Sieges nicht mehr vollenden konnte (”).
Napoleon entſchied ſich die böhmiſche Armee am folgenden
Tage, den F October, anzugreifen; er hoffte, daß die übrigen ver
bündeten Truppen nicht Zeit haben würden an der Schlacht Theil
zu nehmen, anſtatt aber drei Corps an der Partha zurückzulaſſen,
hätte er nur eins hinter derſelben, um Blücher hinzuhalten, aufſtel
len und mit möglichſt größerer Macht ſich auf die böhmiſche Armee
werfen ſollen; auch hätte Leipzig befeſtigt und in der Vorausſetzung
– 102 –

eines Rückzugs auf Naumburg, einige Brücken an der Pleiſſe und


Elſter erbaut werden müſſen.
Im Hauptquartiere der Verbündeten war auch der Entſcheid
gefaßt die feindliche Armee am October anzugreifen, obgleich
die Nord- und die polniſche Armee, an hunderttauſend Mann an
der Zahl, nicht vor dem Ä anlangen konnten. Die verbündeten
Heerführer ſchritten zum unverzüglichen Angriffe, um der Verei
nigung aller napoleoniſchen Kräfte vorzubeugen und Blücher der
Gefahr einer Niederlage, im Fall er mit aller Macht einzeln an
gegriffen werden ſollte, nicht auszuſetzen.
Im Verlaufe des October ruhten die in der Umgegend
Leipzigs verſammelten Truppen beider Seiten in Erwartung
von Verſtärkungen. Napoleon (wie ſchon geſagt) hielt über ſeine
Truppen Heerſchau. Um zwei Uhr Nachmittags bildeten ſie eine
lange Linie von Mark Kleeberg aus bis Liebertwolkwitz.
Napoleon begab ſich für's erſte zu Poniatowſki nach Döhlitz,
erkundigte ſich umſtändlich über die Eigenſchaften der Pleiſſe und
befahl einige Brücken auf den Armen dieſes Flußes abzutragen,
was aber nicht erfüllt wurde. Darauf beritt er im Galopp die
ganze Linie bis Liebertwolkwitz, von lautem Ausrufe: «Vive l'Em
pereur!» bewillkommnet. Stumm blieben nur die ſächſiſchen Leib
Grenadiere. Drei Regimenter des Reſerve-Corps Augereau er
hielten Adler mit der gewöhnlichen Feierlichkeit. Nach Beendi
gung der Heerſchau, ſchon in der Dämmerung, kehrte Napoleon
nach Reidnitz zurück (*). -

Fürſt Schwarzenberg bereitete ſich zum entſcheidenden Kampfe.


Folgender war der von ihm ſeinem Heere erlaſſene Tagesbefehl:
„Die wichtigſte Epoche des heiligen Krieges iſt erſchienen,
wackere Krieger! Die entſcheidende Stunde ſchlägt, bereitet Euch
zum Streite! das Band, das mächtige Nationen zu einem Zwecke
vereint, wird auf dem Schlachtfelde enger und feſter geknüpft.
– 103 –

Ruſſen ! Preußen! Oeſtreicher! ihr kämpft für Eine Sache!


Kämpft für die Unabhängigkeit Eurer Sache, für die Unſterblich
keit Euerer Namen! Alle für Einen! Jeder für Alle! Mit dieſem
erhabenen männlichen Rufe eröffnet den heiligen Kampf ! bleibt
ihm treu in der entſcheidenden Stunde, und der Sieg iſt Euer.“
„Carl, Fürſt zu Schwarzenberg, Feldmarſchall (”)“
Um acht Uhr Abends flogen drei weiße Raketen aus der Um
gegend von Plauen auf: einige Minuten ſpäter ſchwangen ſich
drei rothe Raketen aus der Umgegend von Halle hoch in die Luft;
es waren dies die Signale, der Haupt- und ſchleſiſchen Armee
um ſich gegenſeitig die Bereitſchaft zum bevorſtehenden Kampfe
anzuzeigen (”).
Kapitel XXXIX.
Die Völkerſchlacht bei Leipzig.
Die Schlacht am October bei Wachau
und bei Lindenau.

In halt.
Eigenſchaft der Oertlichkeit in der Umgegend Leipzigs. – Aufſtellung der Truppen Na
poleon's am Morgen des # October. – Zahl der feindlichen Truppen. – Plan
des Fürſten Schwarzenberg. – Meinung Kaiſers Alexander. – Dispoſition des
Fürſten Schwarzenberg. – Beſtand und Zahl der verbündeten zum Angriffe auf
die feindliche Stellung beſtimmten Truppen. – Sämmtliche Zahl der auf Leipzig
vorgerückten ruſſiſchen, preußiſchen, öſtreichiſchen und ſchwediſchen Truppen.
I. Schlacht bei Wachau und Connewitz. – Vorrücken der Truppen Kleiſt's
und des Prinzen Eugen von Würtemberg. – Die Ruſſen nehmen Wachau ein. –
Heftige feindliche Kanonade. – Einnahme ſeitens der preußiſchen Truppen Mark
Kleebergs. – Deren Rückzug – Vorrücken des Fürſten Gortſchakow auf Liebert
wolkwitz. – Angriff des Grafen Klenau auf dieſen Ort. – Einnahme Kolm
bergs ſeitens der Oeſtreicher. – Vorrücken Macdonald's. – Die Truppen des
Grafen Klenau, des Fürſten Gortſchakow und des Grafen Pahlen ſind zum Rück
zuge genöthigt. – Urſachen des Mißlingens im Augriffe der Verbündeten. –
Verſuch Meerfeldt's die Pleiſſe zu überſchreiten.
Ankunft Napoleon's auf dem Schlachtfelde. – Ankunft der verbündeten Monarchen. –
Anordnungen Kaiſers Alexander zur Concentrierung der Kräfte bei Gülden-Goſſa
und Auenhain. – Anordnungen Napoleon's zur Vertheidigung der von ſeinen
Truppen eingenommenen Stellung. – Plan Napoleon's nachdem die Verbündeten
aus Wachau, Mark Kleeberg und Liebertwolkwitz zurückgedrängt worden. – Ka
valerie-Angriff Murat's. – Angriff Orlow-Deniſſow's. – Rückzug des Prinzen
von Würtemberg und Klür's auf Gülden-Goſſa und Auenhain. – Ankunft der
ruſſiſchen Reſerven. – Thätigkeit der ruſſiſchen Reſerve-Artillerie. – Der An
griff Murat's mißlingt. – Vorrücken Kellermann's und Poniatowſki's auf Kleiſt, –
– 105 –

Ankunft der öſtreichiſchen Reſerven. – Sie nehmen Auenhain und Mark Klee
berg ein. – Napoleon will den Angriff erneuern. – Uebergang Meerfeldt's bei
Döhlitz.
II. Schlacht bei Lindenau. – Unthätigkeit Gyulay's. – Deſſen Vorrücken und
Rückzug auf Mark Ranſtädt.
5
Aufſtellung der Truppen beider Seiten in der Nacht vom _*16 auf den T7T October.

Mehr als einmal haben blutige Schlachten das Schickſal der


Völker auf den Feldern Leipzigs entſchieden. Die Urſachen dieſes
Factums ſind folgende: 1) der Reichthum dieſer Stadt und die
Fruchtbarkeit des ſächſiſchen Landes, welche den Unterhalt großer
Truppenmaſſen erleichterten und ſie an die Stadt heranzogen;
2) die Verzweigung der Hauptſtraßen des nördlichen Deutſch
lands auf dieſem Punkte; 3) die Vortheile, welche die Oert
lichkeit den Leipzig und die Umgegend einnehmenden Truppen
gewährte.
Leipzig liegt auf einer großen fruchtbaren Ebene, welche von
vielen Flüßen und Flüßchen, die in nicht tiefen Thälern fließen,
zerſchnitten iſt. Ueberhaupt iſt dieſe ganze Oertlichkeit wellenför
mig, beſitzt aber keine bedeutenden Höhen. Die Gegend um Leip
zig herum iſt offen, etwas über drittehalb Meilen von der Stadt
liegt nur der ziemlich große Univerſitäts-Wald. Viele Dörfer mit
ſteinernen Gebäuden, feſten Zäunen und mit Kirchen, die auf
freien Plätzen einzeln liegen, ſind der Vertheidigung günſtig; eine
Menge Gewäſſer aber, welche die Oertlichkeit in vielen Richtun
gen durchlaufen, ſind den Bewegungen angreifender Truppen be
ſonders hinderlich. Das wichtigſte dieſer Hinderniſſe bildet der
in viele Kanäle und Arme zertheilte Lauf der Elſter und der
Pleiſſe. Dieſe Flüße ziehen ſich über eine umfangreiche Niede
rung hin, welche aus Wieſen und Moräſten beſteht, die von Grä
ben durchſchnitten und an einigen Stellen mit Geſträuch bedeckt
– 106 –

ſind; Dämme und kleine Brücken vereinigen die einzelnen Theile.


Auf dieſe Art findet die Verbindung der Stadt mit Lindenau (auf
der Lützener Straße) über einen Damm ſtatt, welcher, eine halbe
Meile lang, ſechs Brücken beſitzt; namentlich: die erſte bei der
Ausfahrt aus der Stadt in die Ranſtädter Vorſtadt, über die
Pleiſſe; die zweite bei der Ausfahrt aus dieſer Vorſtadt über
einen Arm der Elſter; die dritte und vierte über andere Arme der
Elſter; die fünfte über das Kuhburger Waſſer und die ſechste
über das Flüßchen Luppe bei dem Orte Lindenau. Ein anderes
wichtiges Hinderniß bildet die Partha, welche nördlich von Leip
zig, beinahe im rechten Winkel, in die Pleiſſe mündet. Obgleich
man ſie an den meiſten Stellen zu Fuß durchwaten kann, iſt es
doch nicht leicht in dem untern Theile ihres Laufes ſie mit Kava
lerie und Geſchütz zu überſchreiten; daher kann dieſer Fluß,
nebſt den an ſeinen Ufern liegenden Dörfern, zur Bedeckung
von Truppen dienen. Die Vertheidigungslinie, welche der
Lauf der Elſter, Pleiſſe und Partha bildet, zertheilt die Umge
gend Leipzigs folgendermaßen: 1) weſtlich von der Pleiſſe
und Elſter, bei Lindenau; 2) öſtlich von der Pleiſſe und
ſüdlich von der Partha, bei Wachau, und 3) öſtlich von der
Pleiſſe und nördlich von der Partha, bei Möckern. Auf dieſen
Räumen erfolgten die Kämpfe, vom oben dargelegten Kavalerie
Gefechte bei Liebertwolkwitz an bis zur Einnahme Leipzigs ſeitens
der Verbündeten am j October.
Das Wetter war beinahe während dieſer ganzen Zeit trübe.
In der Nacht vom j- auf den Ä wüthete ein heftiger Sturm,
der 14 Dächer abriß, große Bäume umwarf und mit einem Platz
regen endete, der alle Wachtfeuer auslöſchte (!).
Napoleon hatte die Abſicht die Verbündeten mit aller Macht
am - in der Frühe anzugreifen, aber ſeine Truppen waren noch
nicht alle verſammelt, er mußte daher den Angriff aufſchieben. Anſtatt
– 107 –

ſolchen auszuführen, war er von den Verbündeten in ſeiner Stel


lung bei Wachau überfallen, gegen die bei Möckern angelangte
ſchleſiſche Armee einen Theil ſeiner Truppen abzuordern und da
durch ſich auf dem weſentlichſten Punkte des Schlachtfeldes zu
ſchwächen genöthigt.
Am Morgen des October hatten die Truppen Napoleon's
in der Umgegend Leipzigs folgende Aufſtellung:
Das 8-te Corps Poniatowſki in Echelons zwiſchen Mark
Kleeberg, Döſen und Connewitz*); das 2-te Corps Victor zu
beiden Seiten Wachau's; das 5-te Corps Lauriſton zwiſchen
Wachau und Liebertwolkwitz; das 4-te Kavalerie-Corps Keller
mann rechtshin von Döſen, hinter dem 8-ten Corps; vier Divi
ſionen der jungen Garde, unter dem Befehle von Mortier und
Oudinot, hinter dem 5-ten Corps, und hinter den beiden letzteren
die 2-te Diviſion der alten Garde unter General Curial; das
1-te und 5-te Kavalerie-Corps Latour-Maubourg und Milhaud,
mit der 1-ten Diviſion der alten Garde unter General Friand
und der Garde-Kavalerie Nanſouty's, vor und rechts von
Probſtheide, von wo das 1-te Kavalerie-Corps mit 18 Geſchützen
reitender Artillerie um 9 Uhr Morgens auf Meisdorf übergeführt
wurde. Das 11-te Corps Macdonald befand ſich noch auf dem
Marſche nach Holzhauſen hin; dem 2-ten Kavalerie-Corps Se
baſtiani wurde befohlen ſich hinter dieſem Dorfe aufzuſtellen,
dem Reſerve-Corps Augereau hinter Zuckelhauſen. Die ſämmt
liche Zahl dieſer ſüdlich von Leipzig verſammelten Truppen be
trug an hundertzwanzigtauſend Mann (*). Nördlich von Leipzig
ſtanden: das 6-te Corps Marmont zwiſchen Breitenfeld und Rade
feld; das 4-te Corps Bertrand bei Euteritzſch; das Hauptquar
tier Ney's in letzterem Orte; zwei Diviſionen des 3-ten Corps
(*) Plan der Schlacht bei Wachau und Connewitz am # October 1813
– 108 –

Souham (Braier und Ricard) und die Kavalerie-Diviſion De


france bei Mockau; die Diviſionen Dombrowſki und Fournier
unweit, längs dem Laufe der Partha; die Diviſion Lorge vor
der Stellung der übrigen Truppen. Die Zahl dieſer nördlich
von Leipzig verſammelten Truppen betrug an fünfzigtauſend
Mann (*). Wenn man die Leipziger Garniſon und das Depot,
an ſechstauſend Mann (*), zuzählt, ſo erweiſt ſich, daß Napoleon
in der Umgegend Leipzigs hundertſechzig bis hundertdreiund
ſiebenzigtauſend Mann und mit den nicht angelangten 7-ten Corps
Regnier und der Diviſion Delmas, vom 3-ten Corps (*), an
hundertneunzigtauſend Mann, worunter dreiundzwanzig bis vier
undzwanzigtauſend Mann Kavalerie, mit ſiebenhundert Geſchü
tzen, beſaß (").
Aus der vom Feinde ſüdlich von Leipzig eingenommenen
Stellung erſieht man, daß die Pleiſſe und die zwiſchen dieſem
Fluße und der Elſter ſich befindenden Moräſte ſeine rechte Flanke
vollkommen ſicherten. Im Gegentheile war die linke Flanke bei
Liebertwolkwitz der Gefahr eines Umgehens augenſcheinlich aus
geſetzt; darum verlängerte ſie Napoleon auf Holzhauſen, beinahe
rechtwinkelig nach hinten zu. Fürſt Schwarzenberg aber folgte
dem Rathe des Generals Langenau und zog es vor den Haupt
angriff auf das Dorf Connewitz zu führen, es einzunehmen und
dem Feinde in den Rücken zu fallen ("). Bei allem Beſtreben par
theilicher Schriftſteller die Wahrheit zu verdunkeln, indem ſie die
am Vorabende der Schlacht erlaſſene Dispoſition mit Schweigen
übergehen, erſieht man doch aus der von ihnen vorgeführten Dis
poſition des October, den erſten Tag der Leipziger Schlacht,
welch' eine falſche Anſicht der Oberfeldherr und ſein General
guartiermeiſter Langenau von der Oertlichkeit hatten, wo es ih
nen beſtimmt war das Schickſal des Feldzugs zu entſcheiden. Das
Prinzip des Fürſteu Schwarzenberg war, den entſcheidenden An
– 109 –

griffen in die Fronte das Umgehen immer und allenthalben vor


zuziehen. Demnach wünſchte er zwei öſtreichiſche Corps auf Linde
nau, an der Lützener Straße, abzuordern; die öſtreichiſche Re
ſerve, die ruſſiſch-preußiſche Garde und die ruſſiſchen Küraſſiere
über Audigaſt, in den unwegſamen Raum zwiſchen Elſter und
Pleiſſe und die übrigen Truppen der böhmiſchen Armee auf die
rechte Seite der Pleiſſe rücken zu laſſen. So wäre alſo die Armee
der Verbündeten, bei ihrem Vorrücken auf Leipzig, in drei ein
zelne Theile zerſplittert! General Jomini erhielt Kenntniß von
dieſer Anordnung und bemerkte dem Kaiſer, daß, obgleich die
Abſicht den Feind links zu umgehen in ſtrategiſcher Hinſicht zu
rechtfertigen ſei, ſo müßte man doch die weſentlichſten Grundſätze
der Taktik dabei nicht verläugnen und die Armee augenſcheinlicher
Gefahr nicht ausſetzen. Wollten die Verbündeten zwiſchen Leipzig
und Lützen vorgehen, ſo hätte es, ſeiner Meinung nach, mit den
Hauptkräften der böhmiſchen Armee in Vereinigung mit der Nord
und der ſchleſiſchen Armee geſchehen ſollen, nicht aber mit fünf
vereinzelten Theilen, die unter ſich keine Verbindung haben konn
ten (*).
General Toll beſtritt ſeinerſeits die Zweckmäßigkeit der öſt
reichiſchen Dispoſition und ſuchte dieß dem Fürſten Schwarzen
berg und ſeinen Rathgebern zu beweiſen. Der Meinung Toll's
zufolge wäre der Uebergang bei Connewitz, unter Kartätſchen
und Schützenfeuer, unmöglich; ſollte es auch gelingen dort über
den Fluß und die Moräſte zu kommen, ſo würde es nur in
einer engen Kolonne geſchehen können, welche viel Zeit erfordern
müßte um ſich in Kampfordnung aufzuſtellen, mithin dem Feinde
die Möglichkeit geboten wäre mit Uebermacht die Vordertruppen
zu vernichten, ehe die übrigen Theile ſich aus dem Engpaſſe her
ausgearbeitet und den angegriffenen Truppen Hülfe zu leiſten
Zeit gehabt hätten. Auf Grundlage dieſer Beweiſe rieth General
– 110 –

Toll die Hauptkräfte der Armeen auf die rechte Seite der Pleiſſe
rücken zu laſſen und die linke Flanke des Feindes zu umgehen.
Da alle Bemühungen Toll's die öſtreichiſchen Strategen von ih
rem Entſchluße abzubringen nichts vermochten, bat er den Fürſt
Schwarzenberg die Dispoſition den Corpsbefehlshabern nicht zu
ſenden, bis zur erfolgten Genehmigung ſeitens des Kaiſers Ale
rander; zugleich eilte er zum Kaiſer, um ihm über den Entſchluß
Schwarzenberg's zu berichten. Nicht ſchwer wurde es Toll ſeinen
Ueberzeugungen, welche von Barklay de-Tolli, Diebitſch und Jo
mini unterſtützt waren, beim Kaiſer Eingang zu verſchaffen.
Schwarzenberg wurde ſogleich zum Kaiſer berufen, erſchien in
Begleitung Radetzky's nnd Langenau's und vertheidigte hart
näckig ſeine Anſichten. Der gewöhnlich ſo ſanfte und in den Be
rathſchlagungen nachgiebige Kaiſer verlor endlich durch die Hals
ſtarrigkeit des Feldmarſchalls die Geduld und ſagte ihm mit
ſichtbarem Mißvergnügen: «Eh bien, monsieur le maréchal,
puisque Vous persistez, Vous ferez avec l'armée autrichienne
ce que Vous voudrez, mais quant aux troupes russes du Grand
Duc Constantin et de Barclay, elles iront à la droite de la Pleisse,
oü elles doivent étre, et pas ailleurs.» („Alſo, Herr Marſchall,
da Sie Ihre Anſichten feſthalten, können Sie über die öſtreichi
ſchen Truppen nach Belieben verfügen, was aber die ruſſiſchen
Truppen des Großfürſten Conſtantin und Barklay's betrifft, ſo
gehen ſie auf die rechte Seite der Pleiſſe, wo ſie bleiben müſſen,
und nicht anderswo.“) (").
Die nächſtfolgenden Ereigniſſe rechtfertigten vollkommen die
Beharrlichkeit des Kaiſers.
Der Fürſt Schwarzenberg ohne die Warnung der talent
vollen Kriegsmänner, die ſich in der Umgebung des Kaiſers
Alerander befanden, zu berückſichtigen, veränderte nur ſehr
wenig die von ihm am Vorabende der Schlacht getroffenen
– 111 –

Anordnungen. Die am - October erlaſſene Dispoſition lautete


alſo:
„In Folge der getroffenen Uebereinkunft bricht die Armee
des Generals von Blücher früh um 7 Uhr von Skeuditz auf
und marſchiert nach Leipzig.
„Die 3-te Armee-Abtheilung des Feldzeugmeiſters Grafen
Gyulay verſammelt ſich um 6 Uhr mit der 1-ten öſtreichiſchen
leichten Diviſion des Fürſten Moritz Lichtenſtein und dem Gene
ral von Thielmann bei Mark Ranſtädt; wahrſcheinlich nimmt
die Kolonne des Generalleutnants Grafen St.-Prieſt von der
Blücherſchen Armee denſelben Weg und vereinigt ſich zu gleichem
Zwecke mit der 3-ten Armee-Abtheilung. Auf die eine oder die
andere Weiſe bricht der General Graf Gyulay um 7 Uhr von
Ranſtädt auf, greift den Feind an, den er vor ſich hat, und rückt
nach Leipzig. Die Hauptbeſtimmung dieſer Kolonne iſt, die Com
munication zwiſchen der Haupt-Armee und der des Generals von
Blücher zu unterhalten und durch ihren Angriff ihrerſeits auf
Leipzig, den der andern Kolonnen zu erleichtern. Sie hat daher
von Lindenau aus, ſobald es thunlich, rechts zu detachieren, um
den Angriff der Meerfeldtſchen Kolonne auf Connewitz zu erleich
tern. Im Fall die Kolonne des Feldzeugmeiſters Grafen Gyu
lay mit großer Uebermacht zurückgedrängt würde, geht ihr Rückzug
auf Mölſen und von da auf Zeitz, wenn ſie ſich von Mölſen zu
rückziehen müßte, müſſen die beiden Bataillonen, ſo in Weiſſen
fels, und die Beiden, ſo in Naumburg ſtehen, davon benachrich
tiget werden und ſich ſofort nach Zeitz zurückziehen.
„Die 2-te Armee-Abtheilung des Grafen Meerfeldt ſteht um 6
Uhr zum Angriffe in eine Kolonne formiert bei Zwenkau, an ihrem
Queue nimmt ſie eine ihrer 12-pfündigen Batterien, dicht hinter
derſelben angeſchloſſen, folgt die Diviſion Noſtitz, dann die Diviſion
Bianchi, dann das Reſerve-Geſchütz der 2-ten Armee-Abtheilung,
– 112 –

und endlich die Diviſion Weiſſeuwolf. Um 7 Uhr bricht dieſe


Kolonne, unter dem Befehle des Erbprinzen von Heſſen-Hom
burg auf, marſchiert nach Connewitz, bemächtigt ſich der Brücke
und des Orts und marſchiert, wenn dieſes gelungen iſt, derge
ſtalt in Bataillonsmaſſen auf, daß das Meerfeldtſche Corps das
erſte Treffen, die Diviſion Bianchi das zweite Treffen und die
Weiſſenwolf's das dritte Treffen bilden. Die Kavalerie des Gra
fen Noſtitz muß während des Marſches der Kolonne ſich ſo viel
als möglich rechts von derſelben halten und zwar gleich von der
Stelle aus. Wenn Connewitz genommen iſt, muß der General
Noſtitz ſo viel als möglich eilen, um den rechten Flügel des
Meerfeldtſchen Corps zu erreichen und daſelbſt regimentweiſe in
geſchloſſenen Kolonnen auf halbe Diſtancen, in der Breite von
halben Diviſionen, formiert in Echiquier, aufmarſchieren.
„Zur Erleichterung des Angriffs auf Connewitz brechen die
beiden Bataillonen der Diviſion Bianchi mit der ihnen zugetheilten
Kavalerie früh um 7 Uhr von Wiederau auf, marſchieren über
Knautheim und Klein-Zſchocher und von da aus rechts durch
Connewitzer-Holz auf die Straße von Zwenkau nach Leipzig.
Iſt bei ihrer Ankunft daſelbſt Connewitz noch vom Feinde beſetzt,
ſo müſſen ſie ihn im Rücken angreifen.
„Um die Brücke in Connewitz in brauchbaren Stand zu ſetzen,
erhält der General Graf Meerfeldt eine halbe Pionnier-Com
pagnie mit einer großen Laufbrücke.
„Alle ruſſiſche Kavalerie- uud Infanterie-Reſerven brechen
nebſt den ruſſiſchen und preußiſchen Garden um 4 Uhr früh aus
ihren Stellungen auf und marſchieren über Pulger und Rötha,
wo ſie die Pleiſſe paſſieren und ſich auf dem rechten Ufer der
ſelben dergeſtalt in Kolonnen formiert aufſtellen, daß ſie in glei
chem Maße die Reſerve des Generals Wittgenſtein und des
Erbprinzen von Heſſen-Homburg bilden. Die Kavalerie dieſes
– 113 –

Corps ſtellt ſich am rechten Flügel der Infanterie ebenfalls in


Maſſen auf in Echiquier. Der commandierende General en Chef
Barklay commandiert alle Kolonnen auf dem rechten Ufer der
Pleiſſe.
„Der General Graf Wittgenſtein greift präciſe um 7 Uhr,
mit ſeinem, dem Klenauſchen und Kleiſtſchen Corps den Feind
an, den er gegen ſich hat und drückt ihn gegen Leipzig.
„Das ruſſiſche Grenadier-Corps und die ruſſiſche Küraſſier
Diviſion dienen vorzüglich ſeinem rechten Flügel zur Reſerve,
deren Soutien er ſich nur im äußerſten Nothfalle bedienen darf.
„Beim Angriffe empfehle ich im Allgemeinen die Aufſtellung
in Bataillonen und Regimentmaſſen in Echiquier, nicht allein bei
der Kavalerie und Infanterie, ſondern auch bei den Batterien,
die ſich ſämmtlich in Echiquier vor- und rückwärts bewegen ſollen.
„Im Falle eines Rückzugs dirigiert ſich:
„Die Kolonne des Erbprinzen von Heſſen-Homburg über
Pegau nach Zeitz. -

„Die Kolonne des Generals Grafen Wittgenſtein auf Alten


burg.
„Die Kolonne des Generals Grafen Klenau auf Penig.
„Die Kolonne der ruſſiſchen Reſerven wird ſich nach den er
gebenden Umſtänden entweder auf Zeitz oder auf Altenburg diri
gieren.
„Die 1-te Armee-Abtheilung des Feldzeugmeiſters Grafen
Colloredo pouſſiert, ſo weit ſie kommen kann, von Borna aus,
vorwärts auf Leipzig und dient dem General Grafen Klenau zur
Reſerve; ihr Rückzug geht auf Chemnitz.
„Die Armee des Generals Baron Bennigſen trifft morgen in
Colditz ein und pouſſiert bis gegen Grimma und Wurzen.
„2 Bataillonen von der ruſſiſchen Garde bleiben in Pegau zu
rück und beſetzen die Brücke über die Elſter.
S
– 114 –

„Die öſtreichiſche Geſchütz-Reſerve bleibt bis auf weitern Be


fehl in Pegau.
„Alle Equipagen ohne Ausnahme gehen auf Zeitz zurück und
ſtellen ſich hinter den Ort auf der Straße nach Gera auf. Es
darf ſich bei der ſchwerſten Verantwortung kein Wagen bei den
Kolonnen zeigen.
„Ich ſelbſt werde mich zu Anfange des Gefechts bei der Ko
lonne des Erbprinzen von Heſſen-Homburg aufhalten, ſpäter
aber bei den ruſſiſchen Reſerven zu erfragen ſein.
„Der Hauptverbandplatz iſt vom linken Flügel bei Zwenkau.
„Die ſämmtlichen Corps-Commandanten ohne alle Ausnahue
ſenden mir während des Gefechts alle Stunden Rapporte (").“
Die verbündeten Truppen nahmen bei ihrem Vorrücken auf
Leipzig folgende Stellungen ein:
Das 3-te öſtreichiſche Corps Gyulay, die erſte leichte Divi
ſion Moritz Lichtenſtein und die Detaſchements Thielmann und
Mensdorf, an zwanzigtauſend Mann, mit 60 Geſchützen ("),
dirigierten ſich von Klein-Zſchoſcher (am linken Ufer der Elſter)
auf Lindenau.
Das 2-te öſtreichiſche Corps Meerfeldt, unterſtützt von den
Reſerven des Kronprinzen von Heſſen-Homburg, an neunund
zwanzigtauſend Mann mit hundertvierzehn Geſchützen (*), diri
gierte ſich zwiſchen Elſter und Pleiſſe, von Zwenkau auf Conne
witz.
Auf der rechten Seite der Pleiſſe, unter dem allgemeinen Be
fehle Barklay de-Tolli's ſtanden vierundachtzigtauſend Mann
mit vierhundertvier Geſchützen, nebſt der Reſerve, in zwei Linien:
in der 1-ten Linie, unter dem Befehle des Grafen Wittgen
ſtein, ſtanden auf dem linken Flügel, bei Cröbern, der Gene
ralleutnant Kleiſt, mit der 12-ten preußiſchen Brigade, der 14-ten
ruſſiſchen Infanterie-Diviſion, der zweiten Brigade der 3-ten
– 115 –

Küraſſier-Diviſion und dem Huſaren-Regimente Lubny (*); im


Centrum, bei Gülden-Goſſa, der Prinz von Würtemberg, mit
dem 2-ten Infanterie-Corps und der 9-ten preußiſchen Brigade;
zwiſchen Gülden-Goſſa und Stermthal, der Generalleutnant Graf
Pahlen mit der Kavalerie der Avantgarde des Grafen Wittgen
ſtein; bei Stermthal, der Fürſt Gortſchakow mit der 5-ten ruſſiſchen
Infanterie-Diviſion und der 10-ten preußiſchen Brigade (“); auf
dem rechten Flügel, unter dem Befehle des Grafen Klenau: bei
Groß-Peſſnau, das 4-te öſtreichiſche Corps, die 11-te preußiſche
Brigade und die preußiſche Reſerve-Kavalerie; bei Seiffertshain
das Koſaken-Detaſchement Platow (*); in der 2-ten Linie, un
ter dem Befehle des Generalleutnants Rayewſki, hinter dem Cen
trum der 1-ten Linie, ſtanden das Grenadier-Corps und die 1-te
Brigade der 3-ten Küraſſier-Diviſion ("); in der Reſerve,
hinter Magdeborn und Cröbern, unter dem Befehle des Ceſare
witſch Conſtantin Pawlowitſch, die Infanterie des Generals
Graf Miloradowitſch, beſtehend aus dem ruſſiſchen Garde-Infan
terie-Corps Mermolow's und der preußiſchen Garde-Infanterie
Brigade; die Kavalerie des Generalleutnants Fürſt Golitzin 5,
beſtehend aus der 1-ten und 2-ten Küraſſier-Diviſion, der preu
ßiſchen Garde-Kavalerie-Brigade und der ruſſiſchen leichten
Garde-Kavalerie-Diviſion; die ruſſiſche Reſerve-Artillerie (").
Von Skeuditz her rückte Blücher mit den ruſſiſchen Corps
Langeron und Sacken und dem preußiſchen Corps Mork, in
Allem ſechzigtauſend Mann an der Zahl, mit dreihundertfünfzehn
Geſchützen, vor (*). Folglich hatten die Verbündeten in der
Schlacht vom F October an hundert dreiundneunzigtauſend
Mann, ohne die Koſaken zu rechnen. Dabei befanden ſich acht
hundertdreiundneunzig Geſchütze, welche in den folgenden zwei
Tagen um achtundfünfzigtauſend Mann mit zweihundertſechsund
fünfzig Geſchützen der Nord-Armee und um vierundfünfzigtau
– 116 –

ſend Mann, mit hundertſechsundachtzig Geſchützen, der polniſchen


Armee Bennigſen's und der öſtreichiſchen Truppen Colloredo und
Bubna, vermehrt wurden (").
Demnach zählten die Verbündeten bei Leipzig über dreihun
derttauſend Mann worunter an 65,000 Kavalerie, mit 1,335
Geſchützen. In dieſer Zahl befanden ſich:
Ruſſen Preußen Oeſtreicher Schweden

In der böhmiſchen Armee 38,870 29,751 65,457 -

„ ſchleſiſchen „ 39,000 21,500 - -

„ Nord- 20,000 20,000 - 18,000


„ polniſchen , 30,000 24,000 - -

Ueberhaupt 126,870 71,251 89,457(”) 18,000

Das Vorrücken der verbündeten Truppen auf Leipzig am


October hatte drei Schlachten zur Folge: 1) ſüdlich von der
Stadt, bei Wachau und Connewitz; 2) weſtlich, bei Lindenau und
3) nördlich, bei Möckern.

I. Die Schlacht bei Wachau und Connewitz.

Die verbündeten Truppen rückten gegen 7 Uhr Morgens


zum Angriffe vor. General Kleiſt und der Prinz Eugen von
Würtemberg erreichten gegen acht Uhr Mark Kleeberg und Wa
chau, Klenau aber, der rechtshin auf Liebertwolkwitz rückte,
hatte etwas verſpätet. Die feindlichen Vordertruppen, die ſehr
ſchwach zu ſein ſchienen, zogen ſich zurück und ſtellten auf der
Höhe zwiſchen Wachau und Liebertwolkwitz ſieben Geſchütze auf,
welche ihr Feuer eröffneten als ſich der Prinz von Würtemberg
ihnen auf Schußweite genähert hatte. Die Truppen des Prinzen
gingen zum Angriffe in drei Kolonnen vor: der Oberſt Reibnitz,
mit drei Bataillonen der Regimenter Tobolſk und Minſk, über
– 117 –

den Damm unterhalb Gülden-Goſſa auf Wachau (); der Fürſt


Schachowſkoi und Pyſchnitzki, rechtshin von Reibnitz, über das
Dorf Gülden-Goſſa; 24 Geſchütze von der 24-ten Batterie und
6-ten leichten Compagnie, unter dem Befehle des Oberſten Dietrichs,
gingen den beiden letzteren Kolonnen vor, eröffneten ihr Feuer
auf den Feind und nöthigten die franzöſiſche Batterie, deren
Pulverkaſten in die Luft flog, zum Rückzuge. In derſelben Zeit
nahm Reibnitz das Dorf Wachau ein. Der Graf Wittgenſteiu war
entzückt über dieſe Erfolge, bald aber nahm der Kampf eine an
dere Wendung. In einer viertel Stunde ſtellte der Feind auf
der Höhe zwiſchen Wachau und Liebertwolkwitz an hundert Ge
ſchütze auf. Die Kanonade dieſer ungeheueren Batterie brachte
eine fürchterliche Wirkung hervor. Nach dem Zeugniſſe eines
Theilnehmers an der Schlacht ſchien die ganze Umgegend vom
Donner der Geſchütze erſchüttert. Die nächſten Gegenſtände
waren von Rauch und Flammen umhüllt. In einigen Minuten
wurden ſiebzehn (nach andern Ausſagen neunzehn) ruſſiſche und
fünf preußiſche Geſchütze umgeworfen. Eine Menge Leute wurden
getödtet und verwundet. Reibnitz ſchwer verwundet, wurde vom
Kampfplatze fortgetragen; der Feind nahm Wachau wieder ein.
General Klür ſchickte den Ruſſen zu Hülfe das Füſilier-Ba
taillon des 1-ten weſt-preußiſchen und das 1-te Bataillon des
6-ten Reſerve-Regiments und unterſtützte dieſe Truppen mit
drei und ein halb Bataillonen ſeiner Brigade. Die tapferen Fü
ſiliere drangen um halb 10 Uhr in's Dorf und obgleich ſie
wieder hinausgedrängt wurden, hielten ſie ſich doch im Geſträuche
nächſt dem Dorfe mit Hülfe der übrigen Truppen Klür's bis
drei Uhr Nachmittags. Während dieſer Ereigniſſe führte der
Prinz von Würtemberg von der rechten Flanke ſeines Gorys auf

(")Dermalen führt über dieſen Damm der Weg aus Leipzig nach Borna.
– 118 –

die linke, nach Wachau hin, das Regiment Tſchernigow und


das 4-te Jäger-Regiment. Nicht nur erfüllten die Ruſſen den
erhaltenen Befehl Wachau einzunehmen, ſondern verfolgten den
Feind bis an die Mündung der auf der Höhe ſtehenden Geſchütze.
Der Feind vernichtete viele Tapfere durch Kartätſchen, warf ſich
auf die übrigen mit dem Bajonette, drängte ſie zurück und nahm
aufs Neue das Dorf ein. Die preußiſche Batterie, welche
nächſt dem von den Füſilieren eingenommenen Geſträuche ſtand,
wurde bis zum letzten Geſchütze umgeworfen, alle Anſtrengungen
des Feindes aber, aus dem Dorfe in's Feld hinauszurücken
blieben fruchtlos. Der Kampf beſchränkte ſich während mehrerer
Stunden auf eine Kanonade, von welcher die Verbündeten, da
ſie unvergleichlich weniger Artillerie beſaßen, großen Verluſt er
litten. Deſſen ungeachtet befahl der Prinz von Würtemberg,
welcher die Wichtigkeit des von ihm in der Linie des Angriffs
eingenommenen Punktes einſah, ſeinen Truppen an Ort und
Stelle zu bleiben und verbot ſogar ſeine Batterien, welche alle
Munition verſchoßen hatten, abzuführen. Er ſelber ſetzte ſich der
größten Gefahr aus: einige Schritte von ihm platzte eine Gra
nate, welche 25 Mann tödtete und verwundete; bald darauf,
eben ſo nahe von ihm, flog ein Pulverwagen in die Luft, und
endlich wurde ſein Pferd unter ihm von einer Kanonenkugel ge
tödtet (*).
General Klür griff den Feind um 8 Uhr Morgens an.
Oberſtleutnant Löbel rückte mit zwei Bataillonen der 12-ten
preußiſchen Brigade über Kroſtewitz auf Mark Kleeberg; die
Diviſion Helfreich mit zwei ruſſiſchen und acht preußiſchen Ge
ſchützen, rückte gegen die Höhen zwiſchen Mark Kleeberg und
Wachau zu, das Huſaren-Regiment Lubny beobachtete den
ziemlich bedeutenden, leeren Raum zwiſchen den Truppen Klür's
und des Prinzen von Würtemberg. Nach einem hartnäckigen
– 1 19 –

Schützenkampfe, der von beiden Seiten von einer Kanonade un


terſtützt war, bemächtigten ſich die preußiſchen Truppen Mark
Kleebergs, im Verfolgen des Feindes aber geriethen ſie in ei
nen Hinterhalt und verloren an hundert Mann, die von polni
ſchen Uhlanen gefangen wurden. Durch dieſen Erfolg aufgemun
tert griff der Feind Mark Kleeberg mit Infanterie an und be
mächtigte ſich dieſes Ortes, welcher mehreremal aus einer Hand
in die andere überging. Napoleon hatte zur Unterſtützung Ponia
towſki's das Corps Augereau berufen; dieſes verſchaffte dem
Feinde das Uebergewicht. Die Truppen Helfreich's, welche eine
Vertiefung des Terrains benutzten und ſich den Höhen nähern
wollten, waren durch die Kartätſchen franzöſiſcher Batterien voll
kommen in Unordnung gebracht. Der Feind warf ſich alsdann
über den leeren Raum, zwiſchen den Kolonnen des Prinzen von
Würtemberg und Kleiſt's, in die Flanke der preußiſchen Batte
rien, deren ganze Beſpannung beinahe erſchlagen wurde; der
Graf Pahlen aber ſchickte auf die Bitte Kleiſt's die Neumarker
Dragoner und eine Diviſion ſchleſiſcher Uhlanen zu deſſen Un
terſtützung. Obgleich dieſe Kavalerie großen Verluſt von der
Kanonade erlitt, diente ſie doch zur Bedeckung der Artillerie, bis
daß ſie andere Beſpannpferde erhielt. Zu derſelben Zeit wurden
zur Unterſtützung der rechten Flanke Kleiſt's einige Bataillonen
vom linken Flügel her geſchickt: mit dieſen Truppen vereinigte
ſich das vom Prinzen von Würtemberg entſendete 4-te Jäger
Regiment; der Angriff auf die Höhen zwiſchen Mark Kleeberg
und Wachau wurde wiederholt; die feindlichen Schützen wurden
bis auf ihre Reſerven zurückgeworfen. Nichtsdeſtoweniger ſchlu
gen die Franzoſen zwei Bajonettangriffe der Truppen Kleiſt's
zurück und drängten ſie auf Cröbern. Die polniſche Kavalerie
des 4-ten Corps warf ſich auf die Kleiſtſchen Truppen, um ſie zu
verfolgen, war aber von den Küraſſieren Lewaſchow's, welche
– 120 –

während des ganzen Kampfes die Infanterie Kleiſt's tapfer un


terſtützten, geworfen (*).
Die Kolonnen des Prinzen von Würtemberg und Kleiſt's
waren, wie oben geſagt, die erſten im Kampfe. Im Gegentheil
wartete der Fürſt Gortſchakow, der den Befehl Liebertwolkwitz
anzugreifen erhalten, auf die Ankunft des Generals Klenau.
Als aber die heftige Kanonade der franzöſiſchen Batterien gegen
das 2-te Infanterie-Corps ausbrach, rückte Gortſchakow zu deſſen
Unterſtützung mit der 5-ten Diviſion von Stermthal über den
Univerſitäts-Wald vor und trat in einen heißen Kampf mit dem
Feinde bei Liebertwolkwitz. Unterdeſſen langte die 10-te preußi
ſche Brigade Pirch's an und ſtellte ſich in zweiter Linie auf. Als
die Franzoſen bei ihrem Vorrücken die Truppen der 5-ten Divi
ſion mit Umgehen bedroheten, führte ſie der Fürſt Gortſchakow
rechts und ſchob die Brigade Pirch's in die erſte Linie an die
Stelle der 5-ten Diviſion vor. Seine ausgedehnten Truppen aber
waren nicht im Stande einen entſchiedenen Angriff auf Liebert
wolkwitz zu unternehmen; es beſchränkte ſich der Kampf auf eine
heftige Kanonade, an welcher, außer den Batterien des Fürſten
Gortſchakow, die 6-te und 7-te der Kavalerie Pahlen's beigege
benen reitenden Compagnien Theil nahmen. Die ruſſiſche Artil
lerie erlitt ſehr großen Verluſt an Mannſchaft und an Pferden,
der Commandeur der 6-ten Compagnie, Oberſt Sacharſchewſki,
verlor ein Bein durch eine Kanonenkugel. Zwei preußiſche Bat
terien löſten die ruſſiſchen ab, waren aber bald genöthigt ſich
ebenfalls zurückzuziehen (*).
Kaiſer Alerander, welcher ſich auf die öſtreichiſchen Generale
nicht ganz verließ, gab den General Toll den Truppen Klenau's
bei. Die Anweſenheit Toll's war ſowohl Klenau, als ſeinem
Stabschefe, Oberſt Rothkirch, unangenehm und hatte daher
keinen weſentlichen Einfluß auf den Erfolg des Kampfes.
– 121 –

Graf Klenau bezweckte Liebertwolkwitz in der Flanke zu um


gehen; daher befahl er der Avantgarde Mohr's, im Beſtande von
drei Bataillonen und vierzehn Schwadronen mit ſechs Geſchützen,
in jene Richtung um 9 Uhr Morgens auszutreten und unter
ſtützte Mohr mit vier Bataillonen der Regimenter Erzherzog
Karl uud Kerpen (von der Diviſion Mayer), denen ebenfalls
ſechs Geſchütze beigegeben waren. Zwei Bataillonen Erzherzog
Karl griffen den Ort an und zwei Bataillonen Kerpen, mit den
beiden Batterien, warfen ſich rechtshin. Auf den Trümmern des am
j October abgebrannten Ortes entſpann ſich der hartnäckigſte
Kampf; die Oeſtreicher aber, bedroht in der linken Flanke,
waren endlich gezwungen ſich zurückzuziehen. Graf Klenau be
merkte die Bewegung ſtarker Kavalerie-Kolonnen von Holz
hauſen her auf Hirſchfeld und ſprach die Hülfe von einem Theile
der Kavalerie an; er erhielt zur Verſtärkung die preußiſchen
Brigaden Wrangel und Mutius, im Beſtande von 16 Schwa
dronen mit einer reitenden Batterie. Da die Franzoſen die do
minierende Anhöhe, den Kolmberg, einzunehmen verſäumt hat
ten (*), ſo ſtellten die Oeſtreicher daſelbſt zwölf Geſchütze und zu
beiden Seiten einige Schwadronen auf, indem zugleich die am
nördlichen Fuße der Anhöhe gelegene Schlucht für eine Schützen
kette benutzt wurde. Die Hauptkräfte aber der Kolonne, nament
lich die öſtreichiſche Diviſion des Prinzen von Hohenlohe-Barten
ſtein und die 11-te preußiſche Brigade Ziethen's blieben zwiſchen
Seiffertshain und Groß-Peſſnau, in der Entfernung von mehr als
2,000 Schritte vom Kolmberge zurück. General Toll ſah von der
Anhöhe aus die dichten Maſſen des Macdonaldſchen Corps ſich

(*) General Toll hatte bei Tagesanbruch die Gegend recognosciert, dies Verſäumniß
des Feindes dem General Klenau angezeigt und die Beſetzung der Anhöhe veranlaßt.
Anmerkung des Ueberſetzers, der ſich zu der Zeit in der
Umgebung Toll's befand.
– 122 –

von Holzhauſen her nähern und bemerkte dem General Klenau


die gar zu große Entfernung ſeiner zweiten Linie von der erſten.
„Es iſt noch weit bis zum Abend, entgegnete Klenau. – Wir
haben Zeit die Reſerven zu verwenden.“ Bald darauf aber über
zeugte ſich Klenau und Rothkirch von dem Vorrücken der Kava
lerie Sebaſtiani's auf dem linken Flügel der franzöſiſchen In
fanterie und befahlen dem Prinzen Hohenlohe einige Bataillonen
nach dem Kolmberge vorrücken zu laſſen. Es war aber zu ſpät.
Schon waren die öſtreichiſchen Schützen aus der Schlucht hinaus
geworfen und die ganze Diviſion Charpentier, viertauſend Mann
an der Zahl, eilte in Regiments-Kolonnen dem Kolmberge zu, die
Diviſionen Marchand und Ledru aber mit der Kavalerie Seba
ſtian auf Seiffertshain. Napoleon hatte die zerſtörende Wirkung
der öſtreichiſchen Batterie geſehen und ſich im Galoppe zur Diviſion
Charpentier begeben, welche ſich nicht rührte und das Bajonett zu
fällen ſich nicht entſchied. Er eilte an die Spitze der Kolonne und
fragte: „Sollte es das 22-te Regiment ſein, welches ohne Nutzen
unter Kartätſchen ſteht?“ Dieſe Worte wirkten. Die Soldaten
des 22-ten Regiments warfen ſich in Sturmſchritt vorwärts; die
ganze Diviſion folgte ihnen und fällte das Bajonett unter Trom
melſchlag, klingendem Spiele und wehenden Fahnen.
Die Bataillonen Kerpen zogen ſich zurück; die Batterie verließ
ihre Stellung, es konnten ſich aber nur acht Geſchütze retten, vier
wurden vom Feinde genommen. Klenau ſelber warf ſich an der
Spitze des 2-ten Bataillons des vorderen Regiments der Divi
ſion Hohenlohe dem Feinde entgegen und entging kaum der Ge
fangenſchaft. Gleichzeitig mit dem Kampfe auf dem Kolmberge
ſtieß Sebaſtiani auf die Kavalerie des Corps Klenau und der
Brigade Ziethen (*). Zuvörderſt hatten die Angriffe der Ver
bündeten Erfolg; es gelang ihnen ſogar drei von den verlornen
Geſchützen zu erbeuten, in der Folge aber wurde dieſe Kavalerie
– 123 –

in vollkommener Unordnung geworfen. Doch zum Glück erſchienen


zwei preußiſche Küraſſier- und zwei Landwehr-Regimenter (*),
jedes von acht Schwadronen. Die Küraſſiere, in Linie formiert,
ließen die geworfenen Reiter ſich durch ihre Reihen zurückziehen
und griffen die feindliche Kavalerie in der Fronte an. Zu gleicher
Zeit erſchien unerwartet, von Peſſnau her, der Graf Platow;
ſeine Koſaken warfen ſich in die linke Flanke der Franzoſen.
Sebaſtiani, überrumpelt von dieſen Angriffen, zog ſich hinter
den Kolmberg zurück. Dies gab Klenau die Möglichkeit ſein
Corps zwiſchen Groß-Peſſnau und Fuchshain wieder zu ord
nen (*).
Die Kolonne des Fürſten Gortſchakow konnte ebenfalls dem
Andrange des überlegenen Feindes nicht widerſtehen und zog ſich
in den Univerſitäts-Wald zurück; der Graf Pahlen aber, nach
dem er ſechszehn Schwadronen zur Unterſtützung Klenau's und
ſechs zur Deckung der Kleiſtſchen Batterien geſendet, ging mit
den übrigen ſechsundzwanzig Schwadronen bis auf ein hochgele
genes Terrain etwas zurück (”).
Demnach waren alle Angriffe des Fürſten Wittgenſtein, un
geachtet der Tapferkeit der Truppen und der geſchickten Anord
nung und Selbſtverläugnung der einzelnen Befehlshaber, zurück
geſchlagen. Die Truppen Napoleon's, welche im Beginne des
Kampfes etwas hinterwärts der von ihnen zu behauptenden Stel
lung, geſchützt gegen das Feuer der verbündeten Batterien, hiel
ten, konnten den angreifenden Truppen auf jedem bedroheten
Punkte mit überlegenen und friſchen Kräften begegnen. Die
Angriffe der Verbündeten, im Gegentheil, fanden auf dem ganzen
Raume zwiſchen der Pleiſſe und Liebertwolkwitz, entlang eines
Bogens von mehr als einer Meile, ſtatt; um alſo die Verbindung
zwiſchen den einzelnen Theilen der Armee einzuhalten, mußten
die Kräfte ausgedehnt werden; ſie waren dem Artilleriefeuer, ehe
– 124 –

ſie den Feind erreichten, ausgeſetzt und erlitten unermeßlichen


Verluſt.
Die öſtreichiſchen Truppen zwiſchen der Elſter und Pleiſſe
hatten noch weniger Erfolg. General Meerfeldt, deſſen Beſtim
mung die Einnahme des Uebergangs bei Connewitz war, rückte
auf dieſes Dorf über dichtes Gehölz und Geſträuch. Die Franzoſen
hatten beinahe alle Brücken, welche zur Verbindung zwiſchen den
Armen der Pleiſſe dienten, zerſtört, und die moraſtige Oertlich
keit erlaubte nicht vom Wege abzulenken.
Als endlich das die Spitze der Kolonne bildende Regiment
Bellegarde die Brücke bei Connewitz erreicht hatte, erwies es ſich,
daß der Feind das rechte Ufer des Fluſſes mit ſtarken Batterien,
das Dorf aber und das Geſträuch mit einer dichten Schützenkette
beſetzt hatte: ſowohl die Schützen als die hinter ihnen ſtehenden
Kolonnen waren vollkommen verborgen. Die Oeſtreicher konnten
nirgends einen geeigneten Punkt zum Aufſtellen einiger Geſchütze,
welche der feindlichen Artillerie entgegen wirken ſollten, finden.
Die Schützen aber, die ans Ufer geſchickt waren, mußten auf's
Gerathewohl ſchießen, weil ſie den Feind nicht ſahen, der ſie der
Wahl nach traf. Im Verlaufe der erſten zwei Stunden verlor das
Regiment Bellegarde 5 Offiziere und 200 Mann untern Ranges.
Dabei ſchoſſen die Rekruten, die den größten Theil des Regi
ments Wenzel Colloredo bildeten, welches hinter dem Regimente
Bellegarde ſtand, aus dem Dickichte des Waldes auf ihre eigenen
Truppen. Es überzeugten ſich die Oeſtreicher endlich, daß der
Uebergang bei Connewitz unmöglich ſei; ſie verſuchten die Brücke
zwiſchen dieſem Orte und Lößnig zu erneuern, um noch weiter
oberhalb den Fluß zu überſchreiten, alles dieß gelang ihnen aber
nicht (*).
– 125 –

Nach 8 Uhr langte Napoleon ſchon auf dem Galgenberge,


zwiſchen Wachau und Liebertwolkwitz, an. Dort erwartete ihn
Murat. Er überblickte durch ein großes Fernrohr die vorrücken
den Kolonnen der böhmiſchen Armee und änderte ſeine Anord
nungen nicht um (*).
Die verbündeten Monarchen langten auf dem Wachtberge,
zwiſchen Gülden-Goſſa und Göhren, bald nach 9 Uhr an,
Kaiſer Alerander aus Pegau, Kaiſer Franz aus Borna, der
König von Preußen aus Gruhna. Hinter die Höhe ſtellte ſich
das Convoi des Kaiſers, das Leib-Koſaken-Regiment, unter
dem Befehle des General-Adjutanten Graf Orlow-Deniſſow,
auf (”).
Nicht lange vorher, als der Kaiſer Alerander Magdeborn
vorbei auf die Höhe ritt, von wo aus er die ungeheuren feind
lichen Kräfte, die bereit waren gegen die Verbündeten zu rücken,
überblicken konnte, befahl er ſeinem Flügel-Adjutanten, Oberſt
Wolzogen, ſich zum Fürſten Schwarzenberg, der ſich noch immer
unweit Connewitz befand, zu begeben und im Namen des Kaiſers
die öſtreichiſchen Reſerven auf's rechte Ufer der Pleiſſe herüber
zu fordern. Wolzogen war von einigen Koſaken begleitet, welche
die Berichte Wolzogen's über die Sachlage zwiſchen der Elſter
und der Pleiſſe, ſo auch in der Blücher'ſchen Armee, dem Kaiſer
überbringen ſollten. Mit großer Mühe konnte Wolzogen über die
Pleiſſe bei Gaſchwitz kommen; er fand den Feldmarſchall und in
deſſen Begleitung den Stabschef Radetzky unweit Gautzſch und
überbrachte ihm den Wunſch des Kaiſers. Fürſt Schwarzenberg
berief ſich auf den bei Connewitz erlittenen Verluſt. „Meerfeldt
hat viertauſend Mann verloren“, ſagte er, „und es iſt wenig Hoff
nung vorhanden, daß die Lage ſich verbeſſern könne.“ Radetzky
ſetzte hinzu, daß er niemals etwas Beſſeres von ſolch einem Un
ternehmen erwartet habe und überredete den Feldmarſchall den
– 126 –

Uebergang der Reſerven zu beſchleunigen, weil für die Bewegung


auf Gaſchwitz, das Ueberſchreiten der Pleiſſe bei dieſem Punkte
und zum Vorrücken auf Mark Kleeberg man nicht weniger als
vier Stunden bedürfe (*). General Jomini, der ſich damals bei
dem Fürſten Schwarzenberg befand und mehrmals ohne Erfolg
ihn von dem Angriffe auf Connewitz abzubringen verſucht hatte,
erſuchte den Feldmarſchall einen ſeiner Adjutanten den Glocken
thurm von Gautzſch, welcher eine weite Fernſicht gewährte, be
ſteigen zu laſſen. Da aus der Richtung der Kanonade auf das
Vordringen der Franzoſen zu ſchließen war, ſo befahl der Ober
befehlshaber den öſtreichiſchen Offizieren Graf Klam und Wrbna
den Feind mit dem General Jomini vom beſagten Thurme aus
zu recognoscieren. Aus dieſer Ueberſchauung gewann man die
Ueberzeugung von der Gefahr, welcher die Verbündeten auf dem
rechten Ufer der Pleiſſe ausgeſetzt waren. Nachdem der Feldmar
ſchall den Bericht dieſer Offiziere vernommen hatte, befahl er den
Reſerven des Prinzen von Homburg auf Gaſchwitz und Deuben
zu rücken; doch aber mußte Meerfeldt zwiſchen der Elſter und der
Pleiſſe bleiben, um den Angriff auf Döhlitz zu erneuern. So war
es alſo General Jomini gelungen den Fürſten Schwarzenberg
zu überreden, ſeine Reſerven folgerecht zu verwenden. Darauf
ſchickte er mit einem Adjutanten, Baron Friedrichs, dem Kaiſer
Alerander einen in der Eile mit Bleiſtift geſchriebenen Zettel, in
welchem er das bevorſtehende Vorrücken der Franzoſen und die
Nothwendigkeit, die ruſſiſchen Reſerven herbeizuziehen, in Aus
ſicht ſtellte (*).
Ehe aber der Kaiſer dieſen Zettel erhalten, hatte er ſchon,
überzeugt von der Gefahr der Verbündeten, der leichten Garde
Kavalerie befohlen auf Cröbern, den Küraſſieren Duka's, den
Grenadieren Rayewſki's auf Auenhain, der 1-ten und 2-ten Kü
raſſier-Diviſion nach den Höhen zwiſchen Magdeborn nud Gülden
– 127 –

Goſſa hin und den übrigen ruſſiſch-preußiſchen Diviſionen auf


Magdeborn zu rücken (*).

Napoleon ergriff ſeinerſeits Maßregeln zur Verſtärkung ſei


ner Stellung bei Wachau.
Als Kleiſt und der Prinz von Würtemberg den rechten Flü
gel der franzöſiſchen Armee angegriffen hatten, wurde unverzüg
lich das Reſerve-Corps Augereau zur Verſtärkung Poniatowſki's
von Zuckelhauſen her geſchickt. Es langte auf dem Raume zwi
ſchen Wachau und Döſen gegen 10 Uhr an. Latour-Maubourg
ſtellte ſich mit dem 1-ten Kavalerie-Corps bei Wachau in zweiter
Linie hinter dem Corps Victor auf, wo er von der Kanonade des
Prinzen von Würtemberg und des Fürſten Gortſchakow empfind
lichen Verluſt erlitt : während einer Stunde Zeit wurden elf
Geſchütze von den dreißig, die er beſaß, umgeworfen. Latour
Maubourg ſelber wurde ein Bein abgeriſſen. Hinter dem 1-ten
Kavalerie-Corps, bei Meisdorf, ſtellten ſich die 1-te Diviſion
der alten Garde und die Garde-Kavalerie auf; am linken Flü
gel, in zweiter Linie, vier Diviſionen der jungen Garde und
hinter ihnen, als Reſerve, die 2-te Diviſion der alten Garde, die
von Holzhauſen her über Zuckelhauſen angelangt war. Als aber
die Franzoſen durch die ruſſiſch-preußiſcheu Truppen aus Wachau
zurückgedrängt wurden, ſchickte Napoleon zur Unterſtützung Vic
tor's die 3-te und 4-te Diviſion der jungen Garde; die 1-te und
die 2-te Diviſion blieben bei Liebertwolkwitz. Nach allem dieſen
Hin- und Herrücken nahm die franzöſiſche Armee um elf Uhr
Morgens folgende Stellung ein:
Das 8-te Corps des Fürſten Poniatowſki zwiſchen Connewitz
und Mark Kleeberg; das Reſerve-Corps Augereau zwiſchen
– 128 –

Döſen und Wachau; das 4-te und 5-te Kavalerie-Corps Keller


mann und Milhaud, rechtshin vom Corps Augereau; das 2-te
Corps Victor hinter Wachau; hinter Victor, in zweiter Linie,
das 1-te Kavalerie-Corps Latour-Maubourg; in Reſerve, vor
Meisdorf, die Garde-Kavalerie Nanſouty und die 1-te Divi
ſion der alten Garde Friand's; Oudinot rückte mit der 3-ten
und 4-ten Diviſion der jungen Garde von Liebertwolkwitz auf
Wachau; das 5-te Corps Lauriſton ſtand zwiſchen Wachau und
Liebertwolkwitz; hinter ihm, in zweiter Linie, die 1-te und die 2-te
Diviſion der jungen Garde Mortier's, und in Reſerve die 2-te
Diviſion der alten Garde Curial's; das 2-te Kavalerie-Corps
Sebaſtiani rückte zwiſchen Liebertwolkwitz und Seiffertshain vor;
das 11-te Corps Macdonald langte am linken Flügel bei Holz
hauſen an und ſtellte ſich neben dem Corps Lauriſton auf.
Napoleon hoffte dieſe Truppen durch das 3-te und 6-te Corps
zu verſtärken, obgleich Marſchall Marmont ihm noch am Vor
abende das Vorrücken der Nord- und ſchleſiſchen Armee gemeldet.
Napoleon wendete auf dieſen Bericht nicht die gehörige Aufmerk
ſamkeit (*) und hielt das 4-te Corps Bertrand für hinlänglich,
um die Stadt von der Nordſeite her zu decken. Als aber das
Corps Gyulay ſich von Mark Ranſtädt auf Lindenau richtete, ſo
erſuchte der mit vier Bataillonen dort ſtehende General Arrighi
den Marſchall Ney um Verſtärkung. Da von Halle aus dem An
ſcheine nach keine Gefahr drohte, ſo ließ Ney Lindenau, einen
ſehr wichtigen Punkt, der die einzige Verbindung der franzöſi
ſchen Armee mit dem Rheine bildete, vom 4-ten Corps einneh
men. Die Diviſion Defrance, vom 3-ten Kavalerie-Corps, war
nach Leipzig geſchickt, um die Verbindung mit den Hauptkräften
der Armee zu unterhalten. Die übrigen Truppen, als das 3-te
und 6-te Infanterie-Corps und ein Theil des 3-ten Kavalerie
Corps, waren auf Liebertwolkwitz geſchickt (*). Zu derſelben
– 129 –

Zeit (nach 10 Uhr Morgens) berichtete Marmont über das Er


ſcheinen des Feindes auf den Straßen von Halle und Landsberg
aus und über ſeine Abſicht, ungeachtet deſſen auf Liebertwolk
witz zu gehen ("). In der That hatte Ney die Abſicht das 6-te
Corps bei Lindenthal durch das 3-te Corps abzulöſen. Da dieß
aber unnützen Zeitverluſt verurſacht hätte, ſo blieb Marmont bei
Lindenthal und Ney ging mit den zwei Diviſionen des 3-ten
Corps, welche bei Mockau ſtanden, auf Schönfeld; er erhielt aus
dem Hauptquartiere Napoleon's einige ſich widerſprechende Be
fehle und brachte den Reſt des Tages in unnützem Hin- und Her
rücken zu, ohne an den Kämpfen bei Wachau und Möckern Theil
genommen zu haben (”).
Nachdem Napoleon die am meiſten bedrohten Punkte ſeiner
Stellung verſtärkt und die Angriffe der Verbündeten zurückge
ſchlagen hatte, entſchied er ſich für einen entſcheidenden Schlag
im Centrum, bei Gülden-Goſſa, mit einer bedeutenden Maſſe
Kavalerie vom 1-ten und 5-ten Corps, worauf das Vorrücken
der Hauptkräfte ſüdlich von Leipzig erfolgen ſollte. Marſchall
Victor mit dem 2-ten Corps, unterſtützt von zwei Diviſionen der
jungen Garde (der 3-ten und 4-ten) müßte Auenhain, Ge
neral Lauriſton mit dem 5-ten Corps Gülden-Goſſa, Marſchall
Mortier, mit zwei Diviſionen der jungen Garde (der 1-ten uud
2-ten), den Univerſitäts-Wald einnehmen und Marſchall Mac
donald mit dem 11-ten Infanterie- und 2-ten Kavalerie-Corps
die rechte Flanke der Verbündeten über Seiffertshain umgehen.
Napoleon hoffte die Linie der verbündeten Truppen im Centrum
zu durchbrechen, oder ſie an die Pleiſſe und Elſter zu drängen
und ſie von ihrer direkten Verbindung mit Böhmen abzuſchnei
den (*).
Zum Glück der Verbündeten verhinderten die Höhen, die
zwiſchen Gülden-Goſſa, Stermthal, Magdeborn und Göhren
9
– 130 –

liegen, dem Feinde zu bemerken, daß ſich gegen denſelben Punkt,


den er zum Durchbruche mit einer ungeheuren Maſſe Kavalerie
beſtimmt hatte, ſtarke Reſerven concentrierten, welche den Unter
gang der verbündeten Armee abwendeten.
Indeſſen die Kavalerie des 1-ten Corps Latour-Maubourg
und eines Theils des 5-ten Corps Milhaud, im Beſtande von
hundert Schwadronen und achttauſend Mann an der Zahl, ſich
zum Angriffe formierten, kämpften die Truppen Kleiſt's, unter
ſtützt von den Küraſſier-Regimentern Klein-Rußland und Now
gorod und dem Huſaren-Regimente Lubny, mit abwechſelndem
Erfolge gegen den bedeutend überlegenen Feind (die Corps Po
niatowſki, Augereau und die Kavalerie Kellermann). Endlich
aber war Kleiſt genöthigt ſich auf Cröbern zurückzuziehen. Der
Prinz von Würtemberg wünſchte die Verbindung mit den Truppen
Kleiſt's beizubehalten und orderte zur linken das Regiment Kre
mentſchug und die Jäger-Regimenter 20 und 21 ab. Dieß ſchwächte
das 2-te Corps, das ohnehin großen Verluſt erlitten hatte (*).
Oben iſt ſchon erwähnt, daß Klenau gezwungen war Liebert
wolkwitz und den Kolmberg zu räumen und ſich auf die im Beginne
des Kampfes eingenommene Stellung zurückzuziehen und daß
der Fürſt Gortſchakow und Graf Pahlen ebenfalls zum Univer
ſitäts-Wald und auf die Höhen beim Grünen-Teich zurückgingen.
Der Prinz von Würtemberg, deſſen viele Geſchütze umgeworfen
waren, ſchickte ſeinen Adjutanten Wachten um ſich Artillerie zu
erfragen und damit das Feuer ſeiner Batterien zu verſtärken. Er
erhielt die Garde-Batterie-Compagnie des Grafen Araktſcheew,
welche ſich auf die linke Flanke des 2-ten Corps ſtellte und eine
ſehr wirkſame Kanonade auf den Feind eröffnete (").
Gegen zwei Uhr Nachmittags formierte ſich in zwei Linien
öſtlich von Wachau die zum Hauptangriffe beſtimmte franzöſiſche
Kavalerie; die Garde-Kavalerie bildete die Reſerve. Murat
– 131 –

ſollte den Angriff führen; unter ſeinem Befehle ſtanden Borde


ſoult, der Latour-Maubourg abgelöſt hatte, und Milhaud. Kurze
Zeit vor dem Angriffe rückte General Drouot mit ſechzig Ge
ſchützen der Reſerve-Artillerie vor und verſtärkte das Feuer einiger
geſchwächten franzöſiſchen Batterien. Um drei Uhr Nachmittags
gaben Trompeter das Signal zum Angriffe. Die nächſte feindliche
Batterie ſtellte ihr Feuer ein. Es erfolgte das Commando:
«marche! marche!» Die Kavalerie rückte im Trott vor, beſchleu
nigte allmählig ihren Gang, warf ſich zuerſt gegen Gülden-Goſſa
und hernach rechts zu den Teichen, weſtlich von dieſem Dorfe.
Ueber die Art, wie ſie ſich zum Angriffe formiert hatte, ſind die
Angaben der Augenzeugen verſchieden; die einen ſagen, ſie ſei in
Linien vorgerückt, die andern verſichern, das Vorrücken und der
Angriff ſollen in Kolonnen ſtatt gehabt haben (").
Als der Prinz von Würtemberg die ſich gegen ihn aufthür
mende Maſſe Kavalerie erblickte, ließ er den General Duka um
Verſtärkung erſuchen, welcher mit ſeiner 3-ten Küraſſier-Diviſion
hinter Auenhain, rechtshin von Cröbern, ſtand. Allein ſchon rennt
die feindliche Kavalerie in vollem Galoppe; an ihrer Spitze wirft
ſich Murat mit den Küraſſieren der Brigade Berkheim auf die
Batterie von dreißig Geſchützen und auf das in ihrer Nähe ſte
hende Regiment Krementſchug. Das 2-te Bataillon dieſes Re
giments iſt theils vernichtet, theils mit ſeinem Commandeur,
Oberſtleutnant Kiſſelewſki, gefangen genommen, die Fahne des
Bataillons aber iſt von einem verwundeten Portepéejunker ge
rettet und vermittelſt eines preußiſchen Landwehrkavaleriſten dem
1-ten Bataillone dieſes Regiments, welches ſich unter dem Befehle
des Oberſtleutnants Tſcheodayew befand, übertragen. Die Be
deckung der Batterie iſt von der franzöſiſchen Kavalerie zerſtreut,
ſie wirft ſich auf die Geſchütze, haut die Mannſchaft und die Pferde
nieder, zerhaut das Geſpann, ſetzt beinahe die ganze Artillerie des
– 132 –

Prinzen von Würtemberg in Unthätigkeit und rennt dann zum


Damme bei Gülden-Goſſa, nachdem ſie die Linie des 2-ten Corps
auf ihrem ſchwächſten Punkte, namentlich dort wo ſie die Ueber
bleibſel der 4-ten Diviſion fand, durchbrochen. Die 3-te ruſſiſche Di
viſion und die preußiſche Brigade Klür mit den ihr beigegebenen
ruſſiſchen Regimentern bildet in der Eile Bataillons-Carrés und
bleibt feſt ſtehen. Gleichzeitig mit dem Angriffe auf die große Bat
terie iſt das ſächſiſche Garde-Küraſſier-Regiment auf die Batte
rie Araktſcheew zur Rechten gerichtet. Die ausgezeichneten Panzer
träger werfen ſich auf die Geſchütze, welche einige hundert Schritt
vor den Teichen, weſtlich von Gülden-Goſſa, ſtehen, hauen die
Mannſchaft nieder und verſuchen die Artillerie wegzuführen (*).
Zu derſelben Zeit befand ſich zufälliger Weiſe der Leutnant
Maroſchewitzky, von der Garde-Batterie-Compagnie Seiner Ho
heit, in der Nähe der angegriffenen Batterie. Er war Zeuge der
unglücklichen Lage ſeiner Waffenbrüder und da er zugleich ruſ
ſiſche Kavalerie in der Entfernung von ungefähr 1,500 Schritt
bemerkte, welche von Göhren her in die Richtung auf Cröbern
rückte, eilte er zu ihr und zeigte dem Commandeur des nächſten
Regiments die Einnahme der Batterie an. Oberſt Chilkow kehrte
mit ſeinen Leib-Dragonern ſogleich um und eilte der bedrängten
Artillerie zu Hülfe; ihm folgten das Leib-Uhlanen- und Leib
Huſaren-Regiment. General Schewitſch, der ſich an der Spitze
der leichten Garde-Diviſion befand, glaubte, daß ſeine Kava
lerie den Befehl erhalten habe zum Angriffe vorzugehen, folgte
ihrer Bewegung; kaum hatte er aber ſein Pferd gewandt, als er
von einer Kanonenkugel tödtlich getroffen wurde; dem Comman
deur des Leib-Huſaren-Regiments Oberſt Dawydow wurden von
einer Kugel beide Beine abgeriſſen. Ungeachtet des Verluſtes
ihrer Anführer warf ſich die Garde-Kavalerie dennoch kühn auf
den Feind und zog ſich nicht eher zurück, als bis ſie auf die Bri
– 133 –

gade des Generals Beſſières, welche die Reſerve Bordeſoult's


bildete, geſtoßen war; alsdann watete ſie durch die Moräſte und
Kanäle, welche die Teiche, deren Reihe ſich weſtlich von Gülden
Goſſa hinzieht, unter ſich verbinden (*).
Der Feind, welcher mit Beharrlichkeit die ruſſiſchen Regi
menter verfolgte, erſchien an den Teichen und in der Nähe des
Dorfes, nicht mehr als achthundert Schritt von der Höhe ent
fernt, auf welcher vom Morgen an die verbündeten Monarchen
und der aus Connewitz ſpäter zu ihnen angelangte Fürſt Schwar
zenberg ſich befanden. Schon reichten bis dorthin die feindlichen
Kanonenkugeln. Einige von den Generalen der Umgebung Kai
ſers Alerander baten ihn ſich zu entfernen, der Kaiſer aber
wandte keine Aufmerkſamkeit auf die Gefahr und war nur für die
Unterſtützung der bei Gülden-Goſſa und Auenhain kämpfenden
Truppen beſorgt: ein Theil der 1-ten Grenadier-Diviſion und
die preußiſche Brigade Pirch erhielten den Befehl auf Gülden
Goſſa zu rücken; die 2-te Grenadier-Diviſion wurde auf Auen
hain gerichtet. Kaiſer Alerander ließ den ſoeben von Liebert
wolkwitz her angelangten General Suchoſanett, welcher die Ar
tillerie der ruſſiſchen activen Armeen, an Stelle des krank be
fallenen Fürſten Maſchwil, commandierte, zu ſich kommen, zeigte
ihm das Schlachtfeld, welches ſich unter ſeinen Füßen ausbreitete,
und ſagte: „ſiehſt Du, jetzt gilt am meiſten derjenige, welcher
zuerſt hier anlangt; wie weit iſt Deine Reſerve-Artillerie?“ –
„Sie wird nach zwei Minuten hier ſein“, antwortete Suchoſanett,
welcher frühzeitig durch ſeine Adjutanten der ganzen Reſerve
Artillerie befohlen hatte, im Trott auf Gülden-Goſſa zu rücken.
In der That, ſie näherte ſich ſchon an der Spitze des Garde
Corps, nach welchem der Kaiſer ſelber geſchickt hatte. Als der
Kaiſer die reitenden Compagnien ſich im vollen Galoppe formieren
ſah, ſagte er mit dem ihm eigenthümlichen melancholiſchen Lä
– 134 –

cheln: „Gut“. Darauf ritt er in Begleitung des Königs von


Preußen etwas rückwärts und befahl ſeinem Convoi die vorge
ſchobene 10-te reitende Compagnie zu decken. Der General-Ad
jutant Graf Orlow-Deniſſow bemerkte durch Rauch und Nebel
dieſe Bewegung der Leib-Koſaken, als er eben von Barklay de
Tolli zurückgekehrt war, dem er den Befehl des Kaiſers, die
Küraſſiere ſchleunigſt vorrücken zu laſſen, überbracht hatte. Der
Graf, welcher den Koſaken, deren Commandeur er war, zum
nächſten Damme folgte, erwog, daß die Artillerie-Compagnie allein
gegen die ungeheueren feindlichen Kräfte ſich nicht würde halten
können; daher ließ er ſie dieſſeits des Engpaſſes ſtehen und führte
die Koſaken in Reihen über den ſehr engen Damm; er formierte
jenſeits die erſte Schwadron und führte ſie zum Angriffe, indeſſen
die übrigen Schwadronen ſich entwickelten. Zu gleicher Zeit er
öffneten die 10-te und die 23-te reitende Compagnie des Oberſten
Markow, welche General Suchoſanett unmittelbar am Teiche
aufgeſtellt hatte, ihr Kartätſchenfeuer auf die franzöſiſche Kava
lerie. Die Franzoſen wurden über den unerwarteten Angriff der
Leib-Koſaken in ihre linke Flanke beſtürzt und in ihrem Andrange
zurückgehalten. Dieß gab den in Unordnung gebrachten Regi
mentern der leichten Garde-Kavalerie die Zeit ſich zu erholen.
Der Generalmajor Tſchitſcherin ſammelte ſie in der Eile, unter
ſtützte die Leib-Koſaken und trug zu ihrem glänzenden Erfolge
bei. Kaiſer Alerander bezeugte dem Grafen Orlow-Deniſſow
perſönlich ſeine Zufriedenheit in den ſchmeichelhafteſten Aus
drücken; Kaiſer Franz verlieh dem Grafen an demſelben Tage
auf Vorſtellung des Fürſten Schwarzenberg, welcher Zeuge des
Angriffs der Leib-Koſaken war, den Maria-Thereſien-Orden (*).
Die Heldenthat des Grafen iſt vom Kaiſer Nikolaus verewigt
worden, indem der 4 October zur Kirchenfeier des Leib-Koſa
ken-Regiments feſtgeſetzt wurde.
– 135 –

Obgleich Graf Pahlen ſelber von bedeutenden feindlichen


Kräften angegriffen war, ſandte er doch zur Unterſtützung des
Centrums der Wittgenſteinſchen Truppen, deren gefährliche Lage
er erkannte, die Neumarker Dragoner und das ſchleſiſche Küraſ
ſier-Regiment. Dieſe Truppen hieben in die feindliche Kavalerie
ein, vermengten ſich mit ihr im Fauſtkampfe und verfolgten ſie
bis zu den Batterien. General Bordeſoult befürchtete den Ver
luſt der ſämmtlichen Garde-Artillerie und erſuchte ihren Befehls
haber, Drouot, die im vollen Galoppe angreifende Kavalerie mit
Kartätſchen zu empfangen. Dieſe Bitte ward erfüllt. Auch lang
ten friſche franzöſiſche Truppen an. Die tapfere preußiſche Kava
lerie wurde zurückgehalten (*).
Der Kavalerie-Angriff Murats zertheilte die Truppen des
Prinzen von Würtemberg und nöthigte ſie zum Rückzuge nach
verſchiedenen Seiten hin: die Regimenter Murom, Reval, die
Jäger-Regimenter 20 und 21 und das Bataillon Krementſchug
mit einigen Geſchützen auf Gülden-Goſſa; alle übrigen Truppen
des 2-ten Corps und die Brigade Klür auf Auenhain. Die ruſ
ſiſchen Regimenter waren ſo ſehr geſchwächt, daß einige von ihnen
kaum hundert Mann behalten hatten. Zur Unterſtützung des 2-ten
Corps wurden geſchickt: die 2-te Grenadier-Diviſion Tſchoglo
kow's, welche ſich in Carrés rechtshin von den ſich auf Auenhain
zurückziehenden Truppen aufſtellte und die Brigade der 1-ten
Grenadier-Diviſion, beſtehend aus den Regimentern St. Peters
burg und Taurien, welche nebſt der Brigade Pirch Gülden-Goſſa
einnahmen (").
Während ein hartnäckiger Kampf bei Gülden-Goſſa und
Auenhain brauſete, nahm die ſämmtliche Reſerve-Artillerie, an
hundert Geſchütze, die Höhen hinter dem Dorfe Gülden-Goſſa
und den Teichen ein und eröffnete ein Feuer, welches die Fran
zoſen mit ebenſo verſtärktem Feuer ihrer Batterien beantworteten.
– 136 –

Dieſe Kanonade dauerte ganze anderthalb Stunden auf der Ent


fernung von nicht mehr als tauſend Schritt. Miloradowitſch
ſprach ſich über dieſes Artilleriefeuer dahin aus, daß es heftiger
als das von Borodino ſei. Die in Gülden-Goſſa kämpfenden
Truppen hatten Zeit von dem Leib-Grenadier-, dem Pawlow
ſchen, dem Leibjäger- und dem finnländiſchen Regimente und das
Centrum von den übrigen Reſerven unterſtützt zu werden. An
fangs wirkten die Batterien beider Seiten mit gleichem Erfolge,
endlich aber erlangte die ruſſiſche Artillerie entſchiedenes Ueber
gewicht und nöthigte die franzöſiſchen Batterien zum Rückzuge auf
die größte Schußweite. Die Kanonade dauerte zwar fort, war
aber ſo ſehr geſchwächt, daß es dem General Suchoſanett gelang,
die jenſeits des Teiches umgeworfenen Geſchütze des 2-ten Corps
wegzuführen. Bei dem Artillerie-Kampfe hatte ſich beſonders die
23-te reitende Compagnie des Oberſten Markow ausgezeichnet
und großen Verluſt erlitten. Die von ihm angeführte Epiſode
verdient hier erwähnt zu werden. Als nach Beendigung des Kam
pfes Markow ſeine Verwundeten beſuchte, fragten ihn die Ster
benden: Väterchen Alerander Iwanowitſch! haben wir es un
ſerm Zaren genug gethan ? biſt Du mit uns zufrieden?“ Und als
Markow ihnen ſeine Dankbarkeit bezeugte, erwiederten ſie:
„Nun ſo ſegne uns, Du warſt uns ja ein leiblicher Vater, ſegne
uns, auf daß wir nicht mit Unehre in die feuchte Erde getragen
werden!“ (*)
Als Napoleon von der Einnahme des Kolmbergs ſeitens
Macdonald's und vom Durchbruche der Kavalerie Murat's in
Kenntniß geſetzt war, ließ er ſeinen Glückwunſch zum erlangten
Siege dem Könige von Sachſen überbringen und in Leipzig und
in den von den franzöſiſchen Truppen eingenommenen Dörfern
der Umgegend die Glocken läuten (*). Der hartnäckige Wider
ſtand aber des Prinzen von Würtemberg und Kleiſt's, der ent
-– 137 –

ſchloſſene Angriff des Leib-Koſaken-Regiments, die erfolgreiche


Wirkung der ruſſiſchen Artillerie und die rechtzeitige Ankunft der
Reſerven zum entſcheidenden Punkte des Schlachtfeldes entriſſen
dem genialen Feldherrn den Sieg und bereiteten den Triumph
unſers zur Vertheidigung ſeiner Unabhängigkeit bewaffneten
Welttheils.
Oben iſt ſchon erwähnt, daß die mit abwechſelndem Erfolge
gegen Poniatowſki und Augereau, unterſtützt von Kellermann's
Kavalerie, während einiger Stunden kämpfenden Truppen
Kleiſt's endlich genöthigt waren ſich von Mark Kleeberg in die
Richtung auf Cröbern zurückzuziehen. Napoleon bezweckte den
Erfolg auf dieſem Punkte zu vollenden und verſtärkte das Corps
Kellermann durch die Garde-Dragoner-Brigade Letort, welche
auf die Truppen Kleiſt's gerichtet war. Dieſer Angriff war von
der in Carrés formierten Infanterie Poniatowſki's und ſtarken
Batterien unterſtützt. Der Commandeur aber der öſtreichiſchen
Reſerve-Kavalerie, Graf Noſtitz, beſchleunigte die Bewegung
ſeiner Truppen von Gautzſch auf Cröbern und erſchien zu Hülfe
Kleiſt's und Helfreich's, die beinahe bis Göſelbach zurückgedrängt
waren. Um zwei Uhr Nachmittags waren ſeine Vordertruppen
Cröbern vorbei und griffen die polniſche Kavalerie Kellermann's
und die Garde-Dragoner Letort's an. Der Feind wurde gewor
fen. Darauf warf ſich Noſtitz auf die Infanterie und durchbrach
die Carrés. Während dieſer Angriffe überſchritt die Infanterie
Diviſion Bianchi die Pleiſſe. Deren ausgezeichneten ungariſchen
Regimenter verließen um drei Uhr Cröbern, rückten auf Mark
Kleeberg und löſten die von achtſtündigem Kampfe geſchwächten
Truppen Kleiſt's ab. Letztere zogen in die zweite Linie zurück.
Die öſtreichiſchen Batterien enfilierten die feindliche Linie, welche
vor Wachau geſchoben war und nöthigten die Franzoſen zum
Rückzuge. Dieß benutzte der General Graf Haugwitz, deſſen
– 138 –

rechte Kolonne der Diviſion Bianchi, im Beſtande von zwei Ba


taillonen des Regiments Prinz von Heſſen-Homburg, drängte
den Feind noch weiter zurück und nahm die während des Rück
zugs der Truppen Kleiſt's hingeworfenen preußiſchen fünf Ge
ſchütze und ein franzöſiſches (*). Bianchi ſelbſt rückte über Mark
Kleeberg mit der linken Kolonne, die aus den Regimentern Hil
ler und Colloredo und einem Bataillone Eſterhazy beſtand, ver
trieb den Feind aus dem Geſträuche, verfolgte ihn beinahe bis
Döhlitz und nahm noch drei Geſchütze (").
In Folge des großen Kavalerie-Angriffs war der Theil
des 2-ten Corps, welcher ſich auf Auenhain zurückgezogen, von
dort durch das von zwei Diviſionen der jungen Garde unter
ſtützte Corps Victor hinausgedrängt. Das weitere Vorrücken aber
der Franzoſen war durch die 2-te Grenadier-Diviſion unter der
perſönlichen Anführung Rayewſki's verhindert. Die tapferen
Grenadiere ſchlugen den Feind beinahe blos mit dem Bajonette
zurück ohne Flintenſchuß. Rayewſki war in die Achſel von einer
Flintenkugel verwundet. Darauf übertrug Kaiſer Alerander den
Befehl über das Grenadier-Corps dem General-Adjutanten
Fürſt Trubetzkoy (").
Um fünf Uhr Nachmittags waren alle Angriffe der Franzoſen
zurückgeſchlagen, der Feind beſetzte aber noch Auenhain, dieſen
wichtigſten Punkt im Centrum der Verbündeten, nach deſſen
Verluſt die von ihnen eingenommene Stellung nicht haltbar wäre.
Da entſchied ſich Fürſt Schwarzenberg den Kampf durch Einnahme
dieſes Punktes zu beſchließen und dadurch den Geiſt der Truppen zu
heben. Er beſtimmte zu dem Angriffe das Regiment Simbſchen,
welches der General Bianchi bei Cröbern zurückgelaſſen hatte und
unterſtützte es mit der ganzen Diviſion Weiſſenwolf. Victor hatte
Auenhain ſtark beſetzt; zu beiden Seiten dieſes Gebäudes hatte
er Batterien aufgeſtellt und vertheidigte ſich hartnäckig; allein die
– 139 –

Oeſtreicher, ungeachtet der Kartätſchen, welche ihre Reihen lich


teten, drängten den Feind heraus. Der Verluſt Auenhains nö
thigte die Franzoſen zum Rückzuge auf ihre frühere Stellung bei
Wachau (*).
Napoleon hatte die Abſicht einen entſcheidenden Angriff um
fünf Uhr auszuführen, in Folge aber des Alarms der hin
ter ſeinem rechten Flügel entſtand, hielt er ein. Die Ur
ſache davon war die dort ſtattgehabte Erſcheinung Meer
feldt's (*).
Das Vordringen der Diviſion Bianchi auf Mark Kleeberg,
in die Richtung auf Döhlitz, erleichterte den Truppen Meerfeldt's
das linke Ufer der Pleiſſe einzunehmen. Nach vier Uhr Nachmit
tags ſtellte der Feldmarſchall-Leutnant Lichtenſtein zwei Haubitzen
mit zwei Compagnien des Regiments Kaunitz unweit des Döh
litzer Schloſſes auf und feuerte in die Flanke der jenſeits des
Fluſſes ſich zurückziehenden Franzoſen, die in Folge deſſen die
Flucht ergriffen. Meerfeldt wollte die günſtigen Umſtände benutzen
und den Fluß auf einem erbauten Stege überſchreiten. Der Feind
bemerkte aber das Einrichten des Stegs, ſtellte ihm gegenüber eine
Batterie auf und zu deren beiden Seiten, in einige Kolonnen, die
Brigade der alten Garde des Generals Rothenburg. Als Gene
ral Meerfeldt ſich dem Stege genähert hatte, hielt er dieſe Trup
pen für ungariſche Infanterie, ritt mit dem Bataillone Strauch
über den Steg, ohne die Warnung Alois Lichtenſtein's und des
Oberſten Wolzogen, die ihn begleiteten, beachtet zu haben und
näherte ſich dem Feinde auf zwanzig Schritt. Die Franzoſen ga
ben eine Salve. Meerfeldt fiel verwundet vom Pferde, welches
unter ihm getödtet wurde. Die Franzoſen nahmen ihn gefangen
und erreichten im Laufe, untermengt auf dem Stege mit dem
Bataillone Strauch, das linke Ufer der Pleiſſe. Hier wurden ſie
von den nächſten öſtreichiſchen Truppen des Regiments Wenzel
– 140 –

Colloredo und der übrigen Bataillonen Strauch's empfangen und


aufs rechte Ufer der Pleiſſe zurückgeworfen (“).
Das Treffen bei Döhlitz war unbedeutend, lenkte aber die
Aufmerkſamkeit Napoleon's von dem Punkte ab, auf welchem er
einen entſcheidenden Schlag auszuführen die Abſicht hatte. Un
terdeſſen wurde es Abend und die Schlacht kam zum Schluße,
ohne weſentlichen Erfolg für keine der beiden Seiten. Napoleon
verlor, wie oben geſagt, den Punkt von Mark Kleeberg und zog
ſich von Auenhain und Gülden-Goſſa auf Wachau und Liebert
wolkwitz zurück. Mortier verſuchte ſich des Univerſitäts-Waldes
mit zwei Bataillonen der jungen Garde zu bemächtigen, war aber
von den Truppen des Fürſten Gortſchakow zurückgehalten. Mac
donald gelang es beinahe Seiffertshain zu nehmen; er konnte ſich
aber dort nicht halten und ging zum Kolmberge und auf Klein
Peſſnau zurück (*).
In Bezug auf den Verluſt beider Seiten in der Schlacht des
- October bei Wachau fehlen zuverläſſige Angaben. Doch iſt es
bekannt, daß das 2-te Corps des Prinzen von Würtemberg und
das 2-te Corps Kleiſt's am meiſten gelitten hatten. Das Erſtere
verlor beinahe zwei Drittel ſeiner Mannſchaft, namentlich: 15
Stabs-, 125 Oberoffiziere und 3,400 Mann untern Ranges; das
Letztere: 160 Stabs- und Oberoffiziere und 6,425 Mann untern
Ranges, ohne den nirgends angezeigten Verluſt der 11-ten Bri
gade Ziethen's und der Reſerve-Kavalerie Röder's zu rechnen.
Die Truppen Wittgenſtein's hatten – wie man glaubt – fünf
zehn bis zwanzigtauſend Mann verloren.
Der Verluſt der franzöſiſchen Truppen ſüdlich von Leipzig
konnte nicht weniger betragen haben (*).
– 141 –

II. Die Schlacht bei Lindenau.

Weſtlich von Leipzig ſtanden am Morgen des October in


Allem nur vier franzöſiſche Bataillonen. Graf Gyulay benutzte
dieſe Schwäche des Feindes nicht; er wartete auf das Vorrücken
der ſchleſiſchen Armee. Da aber um acht Uhr nichts von Blücher
verlautete, unterdeſſen vom Mark Ranſtädter Glockenthurme die
Bewegung der verbündeten Truppen die Pleiſſe abwärts zu er
kennen war, ſo entſchieden ſich endlich die öſtreichiſchen Truppen
aus ihrer Stellung aufzubrechen und näherten ſich Leipzig zu der
Zeit ſchon, als Bertrand mit ſeinem 4-ten Corps, zehntauſend
Mann ſtark, bei Lindenau anlangte und die dortigen, in Angriff
genommenen Befeſtigungen, jedes mit zehn oder zwölf Geſchützen
bewaffnete. Gegen neuu Uhr, als der Kampf bei Wachau voll
kommen entbrandt war, rückte Gyulay, zwanzigtauſend Mann
ſtark, in drei Kolonnen vor: die rechte, des Generals Czollich,
beſtehend aus deſſen Brigade und der leichten Diviſion Moritz
Lichtenſtein, auf Klein-Zſchocher und Plagwitz; die mittlere, un
ter dem perſönlichen Befehle Gyulay's, beſtehend aus drei Ba
taillonen und der Kavalerie Creenville's, Thielmann's und Meis
dorfs mit vier Batterien, auf dem großen Wege Schönau vorbei;
die linke Kolonne, des Prinzen Philipp von Homburg, beſtehend
aus der Brigade Weigel und den Bataillonen des 2-ten Jäger
und St.-Georger-Regiments, mit einem Koſaken-Regimente, di
rigierten ſich auf Leitſch. Zwei Bataillonen des Regiments
Collowrat blieben in Reſerve hinter Schönau, eine halbe
Meile von Lindenau. Gyulay bezweckte mit der mittleren Ko
lonne ſich Lindenau zu nähern, den Feind in der Fronte zu be
ſchießen und mit den Seiten-Kolonnen entſcheidende Angriffe in
die Flanken auszuführen. Die öſtreichiſche Kavalerie warf die
feindliche zwei Mal. Darauf entwickelte Gyulay die Infanterie
– 42 –

der mittleren Kolonne gegenüber Lindenau, ſchob vierundzwan


zig Geſchütze vor und eröffnete ein heftiges Feuer. General
Czollich nahm nach einem ſehr hartnäckigen Kampfe bei Klein
Zſchocher dieſes Dorf ein, wurde aber bei ſeinem weitern Vor
rücken auf Plagwitz zurückgeworfen. Der Oberſt Orlow aber
griff mit ſeinem Koſaken-Regimente den Feind in der Flanke und
im Rücken an. Die Oeſtreicher erholten ſich. Der Prinz von Heſ
ſen-Homburg ſchlug die Franzoſen aus Leitſch heraus und drang
zwei Mal in Lindenau ein, wurde aber vom heftigſten Feuer der
hinter dem Dorfe aufgeſtellten Batterien jedes Mal auf Leitſch
zurückgeworfen. Die kleinen Abtheilungen, welche der Verbin
dung wegen mit Blücher abgeordert waren, kehrten ohne ihren
Zweck erfüllt zu haben zurück, die halbe Compagnie des 2-ten
Jäger-Regiments ausgenommen, mit welcher der Leutnant Gel
ber die Luppe und mehrere Arme der Elſter überſchritt und ſich bei
Stahmeln, unweit Möckern, mit den Truppen der ſchleſiſchen
Armee vereinigte.
Gegen Abend zog ſich Gyulay auf Mark Ranſtädt zurück,
nachdem er vier Bataillonen in Klein-Zſchocher und Leitſch zu
rückgelaſſen und mit Vorpoſten in Linie zwiſchen dieſen beiden
Ortſchaften beſetzt hatte. Der Verluſt ſeiner Truppen betrug an
zwanzigtauſend Mann (*).

Die übrigen Truppen der böhmiſchen Armee waren in der


Nacht vom auf den - October folgendermaßen aufgeſtellt:
das 2-te öſtreichiſche Corps des Prinzen von Alois Lichtenſtein,
auf der linken Seite der Pleiſſe, zwiſchen Connewitz und Oetzſch;
die öſtreichiſchen Reſerven, zwiſchen Mark Kleeberg und Auen
hain; die Truppen Kleiſt's bei Cröbern; die 3-te Küraſſier-Di
– 143 ––

viſion rechtshin von dieſem Orte in der Richtung auf Gülden


Goſſa; die 2-te Grenadier-Diviſion bei Auenhain; die leichte
Garde-Kavalerie zwiſchen Auenhain und den Teichen von Gül
den-Goſſa; die Brigade Klür und ein Theil des 2-ten Infante
rie-Corps hinter der leichten Garde-Kavalerie; die übrigen
Regimenter des 2-ten Corps und die Brigade Pirch hinter Gülden
Goſſa; eine Brigade der 1-ten Grenadier-Diviſion und die
Regimenter der Garde: die Leib-Jäger, das ſinnländiſche und
das Pawlowſche in Gülden-Goſſa; die Kavalerie des Grafen
Pahlen und hinter ihm die 2-te Küraſſier-Diviſion zwiſchen
Gülden-Goſſa und dem Univerſitäts-Walde; die 5-te ruſſiſche
Infanterie-Diviſion in dieſem Walde; hinter ihr ſtand die 1-te
Grenadier-Diviſion, die preußiſche Infanterie-Garde hinter den
Teichen von Gülden-Goſſa; fünf Regimenter der ruſſiſchen In
fanterie-Garde, die 1-te Küraſſier-Diviſion und die preußiſche
reitende Garde rechtshin von Magdeborn; die ruſſiſche Re
ſerve-Artillerie hinter Gülden-Goſſa und den Teichen; das Corps
Klenau, die Brigade Ziethen und die preußiſche Reſerve-Kava
lerie zwiſchen Groß-Peſſnau und Fuchshain; eine Abtheilung
dieſer Truppen in Seiffertshain; das Koſaken-Detaſchement
Platow rechtshin von Seifertshain (*). Ueberhaupt war die
Fronte der Schlachtordnung der verbündeten Truppen, am rech
ten Ufer der Pleiſſe folgende: von Mark Kleeberg an über
Auenhain auf Gülden-Goſſa, und weiter, einen einſpringenden
Winkel bildend, längs dem äußern Rande des Univerſitäts-Wal
des und über die Dörfer Groß-Peſſnau und Fuchshain. Das
Hauptquartier des Kaiſers Alerander und Fürſten Schwarzen
berg's befand ſich in Rötha, des Königs von Preußen in Borna,
das Hoflager des Kaiſers von Oeſtreich in Pegau (*).
Seitens Blücher ging bis in die Nacht gar keine beſtimmte
Nachricht ein; nach dem Kanonendonner aber zu urtheilen, konnte
– 144 –

man ſchließen, daß die Verbündeten ſich Leipzig näherten. Das


öſtreichiſche Corps Colloredo traf in Borna ein. Die Avantgarde
der polniſchen Armee und das Hauptquartier Bennigſen's er
reichten Grimma um Mitternacht, das Corps Dochturow am
October um ſechs Uhr Morgens (").
Die franzöſiſche Armee hatte in der Nacht nach der Schlacht
bei Wachau auf der rechten Seite der Pleiſſe folgende Aufſtel
lung:
Das 8-te Corps des Fürſten Poniatowſki von Döhlitz bis
Connewitz; die 2-te Diviſion der alten Garde Curial hinter dem
rechten Flügel des 8-ten Corps; das 4-te Kavalerie-Corps Kel
lermann zur Rechten von Döſen, das Reſerve-Corps Augereau
zwiſchen Döſen und Wachau; das 2-te Corps Victor theils zwi
ſchen Wachau und Auenhain, theils hinter Wachau; die 3-te und
4-te Diviſion der jungen Garde, unter Oudinot, in und bei Wa
chau, auf den Höhen vor Gülden-Goſſa; das 5-te Corps Lauri
ſton zwiſchen Wachau und Liebertwolkwitz; die 1-te und 2-te
Diviſion der jungen Garde, unter Mortier, in und am Nieder
holze; die Diviſion Charpentier, vom 11-ten Corps Macdonald's,
vor Groß-Peſſnau; die Diviſion Ledru vor Seiffertshain; die
Diviſion Marchand auf dem Kolmberge; die Diviſion Gerard bei
Klein-Peſſnau, wo auch das 2-te Kavalerie-Corps Sebaſtiani
ſtehen blieb. Das 1-te und 5-te Kavalerie-Corps zogen ſich nach
Stötteritz hin; die 1-te Diviſion der alten Garde Friand nahm
Bivouacs bei der Ziegelei hinter Meisdorf ein, das 4-te Corps
Bertrand ſtand in und hinter Lindenau, ſo wie auch in Plagwitz
und nach Leipzig zu. Bertrand nahm ſein Quartier für dieſe
Nacht in Leipzig, Poniatowſki in Connewitz, Murat in Wa
chau (").
Die Vorpoſten beider Seiten ſtanden ſehr nahe bei ein
ander und von Zeit zu Zeit hörte man einzelne Schüſſe
– 145 –

fallen. Nach zehnſtündigem, hartnäckigem Kampfe waren die Trup


pen der Ruhe benöthigt; da ihnen aber Stroh fehlte, mußten die
hungrigen, von Kälte durchdrungenen Soldaten auf naſſer Erde
liegen. Inmitten der Anrufe: qui vive, wer da, Kto idett, konn
ten ſie die Augen beinahe nicht ſchließen. Leicht kann man ſich
den Zuſtand der Verwundeten vorſtellen, welche größtentheils auf
dem Kampfplatze liegen blieben (*).
Napoleon befand ſich noch auf dem Schlachtfelde, als ihm der
gefangene General Meerfeldt vorgeführt wurde. Von der Zeit
der Unterhandlungen über den Leobener Waffenſtillſtand im Jahre
1797 her von Napoleon gekannt, wurde der General mit Gewo
genheit empfangen. Napoleon befahl ſeine Wunde zu verbinden und
für ihn Sorge zu tragen. Selber begab ſich der ermüdete Feldherr
zum Nachtlager hinter die Ziegelei von Meisdorf. Hier waren auf
einem freien Raume, der ſich von einem abgelaſſenen Teiche gebil
det hatte, die fünf Zelte aufgeſchlagen, welche gewöhnlich der Kai
ſer mit ſeinem Hauptquartiere einnahm. Dabei brannte ein unge
heuerer Holzhaufen. Rings um Napoleon ſtellte ſich in Bivouacs
die 1-te Diviſion der alten Garde auf. Die von verſchiedenen
Punkten des Schlachtfeldes her während der Nacht eingegange
nen Meldungen, beſonders die Berichte Marmont's und Ponia
towſki's, überzeugten Napoleon, daß er den blutigen Kampf vom
j October nicht als Sieg betrachten konnte.
Vom 7-ten Corps des Generals Regnier hatte man gar keine
Nachricht (*).
Kapitel XL.
Die Völkerſchlacht bei Leipzig.

(Fortſetzung.)

I n h a l t.
III. Die Schlacht bei Möckern. – Aufſtellung Marſchalls Marmont bei Linden
thal und ſein Rückzug auf Möckern. – Vorrücken Blücher's; ſeine militairiſche
Beredtſamkeit. – Die Aufſtellung der Truppen Marmont's. – Verfügungen
Blücher's. – Angriff Hiller's auf Möckern.
Die Truppen Langeron's nehmen Widderitzſch ein. – Angriff Emanuel's.
Der Prinz von Mecklenburg greift Möckern an. – Marmont geht ihm entgegen. –
Kampf im Dorfe. – Angriff Steinmetz's.
Angriff der Brandenburger Huſaren und der übrigen Kavalerie Mork's.
Verhalten des linken Flügels der ſchleſiſchen Armee. – Langeron verliert Widderitzſch. –
Abermaliges Vorrücken der ruſſiſchen Truppen. – Definitive Niederlage des Fein
des und deſſen Rückzug auf Euteritzſch und Golis. – Siegestrophäen. – Ver
luſt. – Bemerkungen.
Aufſtellung der ſchleſiſchen Armee am October Abends nach der Schlacht.
Umformierung des Corps Mork. – Die Kavalerie Winzingerode langt am - Morgens
bei Lindenthal an. – Angriff Waſſiltſchikow's. – Rückzug des Feindes nach dem
Halleſchen Thore hin.
Die Verbündeten beſtimmen den i October zum Angriffe auf Napoleon. – Ankunft der
Verſtärkungen. – Napoleon entſcheidet ſich für den Rückzug. – Seine Unter
redung mit General Meerfeldt. – Verfügungen zum Rückzuge. – Berathſchla
gung Blücher's mit dem Kronprinzen von Schweden.
– 147 –

III. Die Schlacht bei Möckern.


Noch in der Nacht vom auf den # October erhielt Mar
ſchall Marmont den Befehl Napoleon's ſich nördlich von Leipzig
aufzuſtellen, um die Stadt von der Seite von Halle und Lands
berg zu decken. Marmont berichtete ihm, daß die bei Lindenthal
unweit Breitenfeld ſich vorfindende Stellung zwar zu ausgedehnt
für das 6-te Corps ſei, verſtärkt aber durch Befeſtigungen und
von dreißigtauſend Mann eingenommen, die Nord- und die ſchle
ſiſche Armee auf ganze vierundzwanzig Stunden zurückgehalten
werden könnte. Napoleon antwortete, der Marſchall möge unver
weilt die Arbeiten vornehmen und gab ihm zu wiſſen, daß das
6-te Corps durch das 3-te rechtzeitig verſtärkt werden würde. In
Folge dieſes Befehls ordnete Marmont Verhaue im Walde zwi
ſchen Radefeld und Lindenthal an und beſetzte mit ſeiner Avant
garde das erſtere dieſer Dörfer. Am folgenden Tage und in der
Nacht vom auf den meldete er Napoleon das Annähern der
Nord- und der ſchleſiſchen Armee und bat um Unterſtützung; an
ſtatt deſſen aber erhielt er am i um 8 Uhr Morgens, den Be
fehl durch Leipzig zu marſchieren und ſich als Reſerve der Armee
aufzuſtellen, weil Napoleon die Zuverläſſigkeit der Berichte des
Marſchalls in Zweifel ſtellte. Dieſer Fehler Napoleons entſtand
wahrſcheinlich in Folge des von St.-Prieſt verbreiteten Gerüchts
von dem Annähern der ganzen ſchleſiſchen Armee von Merſeburg
her.
Die Truppen des 6-ten Corps verließen ihre Stellung vor
Lindenthal und fingen ihre Bewegung auf Leipzig an; aber ver
folgt von Blücher waren ſie genöthigt anzuhalten und eine neue
Stellung zwiſchen Möckern und Euteritzſch einzunehmen. Letztere
war nicht ſo vortheilhaft wie die vorige, konnte aber von den
Truppen Marmont's vertheidigt werden, um ſo mehr als Ney
– 148 –

ihm zu wiſſen gab, daß das 3-te Corps bereit ſei ihn mit ſeiner
ganzen Kraft zu unterſtützen.
Die franzöſiſchen Truppen zogen ſich unter der Bedeckung der
bei Radegaſt als Arrieregarde zurückgelaſſenen Brigade Köhorn
und der würtembergiſchen Kavalerie Normann's zurück und ſtell
ten ſich zwiſchen Euteritzſch und Möckern auf: ihre rechte Flanke
war vom erſteren Dorfe und dem Flüßchen Ritſchke, ihre linke
vom Dorfe Möckern gedeckt; die Diviſion Dombrowſki nahm vor
der rechten Flanke jenſeits des Flüßchens das Dorf Widderitzſch
ein (*), bedrohete die vorrückenden verbündeten Truppen umgan
gen zu werden und deckte den Weg aus Düben, auf welchem Del
mas mit einer Diviſion des 3-ten Corps vorrückte ('). Marmont
hatte überhaupt an 22,000 Mann mit vierundachtzig Ge
ſchützen (*).
Am October, um 11 Uhr Morgens, brachen die Truppen
der ſchleſiſchen Armee aus der Umgegend von Halle auf und er
reichten Schkeuditz, wo ſie folgende Aufſtellung einnahmen: das
Corps Mork vor dieſem Dorfe zu beiden Seiten der großen
Straße; das Corps Langeron etwas über eine viertel Meile
links hin; das Corps Sacken in Reſerve bei Cröbern, in der
Entfernung von einer halben Meile von den übrigen Corps. Die
Avantgarde des Corps Mork war in der Richtung auf Hähnichen,
eine halbe Meile vor Schkeuditz, vorgeſchoben.
Am Morgen des October veranſtalte Blücher ſelber eine
verſtärkte Recognoſcierung mit der ſämmtlichen Kavalerie der
drei verbündeten Corps. Es erwies ſich, daß Radefeld, Linden
thal und der Wald zwiſchen beiden Orten vom Feinde ſtark be
ſetzt waren und daß ſeine Truppen ſich auch bei Podelwitz befan
den. Nach 9 Uhr erließ Blücher folgende Dispoſition: das

(*) Plan der Schlacht bei Möckern.


– 149 –

Corps Langeron ſoll auf Radefeld, das Corps Mork auf Lüt
ſchen und dann links von der großen Straße auf Lindenthal vor
rücken; Sacken in Reſerve folgen; das Detaſchement St.-Prieſt
bei Schkeuditz aufs rechte Ufer der Elſter überſetzen und den
Truppen Langeron's folgen. Zum Kampfe ſich vorbereitend,
beritt Blücher mit ſeinem Stabe die Linie ſeiner Lieblingstrup
pen – der Kavalerie, und ſprach das oſt-preußiſche National
Regiment mit folgenden kurzen Worten an: „Kinder, heut haut
einmal auf altpreußiſche Art ein“. Den andern Regimentern ſagte
er: „Wer heute Abend nicht entweder todt oder wonnetrunken iſt,
der hat ſich geſchlagen wie ein infamer Hundsfott“ (*).
Um halb 1 Uhr Nachmittags begegnete Langeron bei Rade
feld der Avantgarde Marmont's, drängte ſie aus dem Walde,
nöthigte ſie zum Rückzuge, ließ Lindenthal zur Linken und rückte
auf Breitenfeld; die Truppen Work's aber bewegten ſich auf der
großen Straße, indeſſen die Kavalerie der Avantgarde, unter
dem Befehle des Oberſten Katzler, ſich zur Linken entwickelte, um
das Vorrücken der übrigen Truppen zu decken. Als Katzler einige
feindliche Schwadronen bemerkte, welche vor Lindenthal ſtanden,
befahl er dem National-Regimente ſie anzugreifen. Empfan
gen vom Feuer der den Wald einnehmenden Infanterie und dem
Angriffe der würtembergiſchen Kavalerie Normann's, ward das
National-Regiment geworfen; die preußiſche reitende Batterie
./F 2, die ihre ganze Munition verbraucht hatte, ging zurück;
bald darauf aber wurden die feindlichen Vordertruppen von über
legenen Kräften angegriffen und zum Rückzuge auf die Haupt
poſition genöthigt. Zur ſelben Zeit bemächtigte ſich die Infanterie
der Avantgarde, unter dem Befehle Hiller's, der Dörfer Stah
meln und Wahren und näherte ſich Möckern (*).
Marmont erwartete, daß der Hauptangriff der Verbündeten
auf der großen Straße, die nach Möckern führt, ſtattfinden
– 150 –

würde; daher ordnete er eine Schwenkung der Fronte brigaden


weiſe an, mit der rechten Flanke vorwärts; auf dieſe Art bilde
ten ſich ſechs Echelons, von denen das linke, welches den übrigen
vorging, Möckern und die dieſem Dorfe nahgelegene Oertlichkeit
einnahm und die übrigen eine ſchräge, ſich mit der rechten Flanke
an das Flüßchen Ritſchke lehnende Linie bildeten. Die Divi
ſion Dombrowſki, welche die Dörfer Klein- und Groß-Widde
ritzſch vor dem rechten Flügel einnahm, hatte die Beſtimmung in
die Flanke der gegen die Poſition vorrückenden Truppen zu wir
ken. Das 2-te Marine-Regiment war zur Vertheidigung des Ortes
Möckern beſtimmt; die ſämmtliche Artillerie war auf den Höhen
vor der Infanterie vertheilt, zwölf Batterien Geſchütze beſchoſſen
Möckern von der rechten Seite und der großen Straße; die Ka
valerie ſtand in der zweiten Linie hinter dem linken Flügel und
dem Centrum (*).
Als die Verbündeten bemerkt hatten, daß der Feind ſeinen
linken Flügel an die Elſter gelehnt hatte, ſo rückte General
Mork, anſtatt zur Linken, auf Lindenthal, derart, daß der rechte
Flügel der Hauptkräfte ſeines Corps die Verbindung mit der
auf Möckern gerichteten Avantgarde unterhielt. Da unterdeſſen
das Corps Langeron links vom Walde auf Breitenfeld rückte, ſo
bildete ſich ein großer Zwiſchenraum im Centrum der Armee.
Der Oberfeldherr befahl der Kavalerie Sacken's und den Trup
pen des Grafen St.-Prieſt dieſen Raum einzunehmen; auf Po
delwitz war die Kavalerie des Corps Langeron abgeordert, um
die linke Flanke gegen den von Düben her vorrückenden Feind
zu decken. Die Kavalerie des Corps Sacken aber rückte, durch
ein Mißverſtändniß, nach dem linken Flügel hin und ſtellte ſich
in der Folge ſüdlich von Lindenthal auf (*).
Da man zu der Zeit weder die Kräfte noch die Aufſtellung
des Feindes nördlich von Leipzig kannte, ſo ſuchte Blücher ſeine
– 151 –

linke Flanke vor etwaigem Umgehen zu ſichern und hielt ſich fort
während bei dem Corps Langeron auf, indeſſen Mork auf dem
rechten Flügel kämpfen ſollte (").
Gegen 2 Uhr Nachmittags näherten ſich die Verbündeten den
Dörfern, welche vom Feinde auf den Flanken ſeiner Stellung
beſetzt waren. Nach 2 Uhr erhielt der Major Hiller den Befehl,
mit acht Bataillonen und drei Compagnien Jäger der Avant
garde Mork's Möckern einzunehmen (*). Seine Infanterie rückte
in einer Schlucht vor; die ihm beigegebene ſechspfündige Batterie
vWF 12 mußte ſich zu beiden Seiten der Infanterie bewegen und
an dem Angriffe Theil nehmen; die Batterien vWF 3 und MF 15
von den Brigaden 7 und 8, unterſtützt von den zwölfpfündigen
Reſerve-Batterien vWF 1 und MF 2 und den reitenden Batterien
./WF 1 und MF 3, waren dem Centrum der feindlichen Stellung
gegenüber vorgeſchoben; ihnen folgten in erſter Linie die 7-te
Brigade Horn's und die 8-te Hünerbein's (*), in zweiter Linie
die 2-te Brigade des Prinzen Karl von Mecklenburg und die
1-te Brigade des Oberſten Steinmetz; hinter dieſen Truppen be
wegte ſich die Reſerve-Kavalerie Jürgaß ("), mit welcher ſich
auch die Kavalerie Katzler vereinigte (").
Mit dem Beginne der beiderſeitigen Kanonade griff Major
Hiller Möckern an. Einigemal fielen die preußiſchen Truppen in
den Ort ein, wurden aber jedesmal von dem heftigen Feuer der
auf den Höhen aufgeſtellten franzöſiſchen Batterien zurückgedrängt;
am Kampfe der preußiſchen Avantgarde betheiligte ſich eine kleine
Abtheilung öſtreichiſcher Jäger von der Diviſion des Prinzen
Moritz Lichtenſtein, welche mit außerordentlicher Mühe die Mo
räſte und Arme der Elſter und Pleiſſe nach Stahmeln hin über
ſchritten. Marſchall Marmont unterſtützte das 2-te Marine-Regi
ment mit dem 4-ten Marine- und dem 37-ten leichten Regimente,
welche hartnäckig kämpften; doch gelang es den preußiſchen Trup
– 152 –

pen ſich in einigen Häuſern des von Flammen ergriffenen Ortes


feſtzuſetzen. Dieſer Erfolg war theuer erkauft: eine Menge tapfe
rer Krieger waren gefallen; Hiller und Major Klür, der ihn
erſetzt hatte, waren verwundet. General Mork war der Meinung,
daß von der Einnahme Möckerns hauptſächlich der Erfolg des
Kampfes abhinge; daher unterſtützte er die Infanterie der Avant
garde mit der 2-ten Brigade des Prinzen von Mecklenburg, welche
zur Reſerve die 1-te Brigade Steinmetz erhielt. Marmont
verſtärkte ſeinerſeits die Möckern vertheidigende Diviſion La
grange durch die zunächſtſtehenden Regimenter der Diviſion
Compans. Die Franzoſen hielten ſich mehr als drei Stunden in
dieſem Orte und brachten den preußiſchen Truppen durch ihre
auf den Höhen rechtshin vom Orte ſehr vortheilhaft aufgeſtellte
Artillerie bedeutenden Verluſt bei (*).
Zu der Zeit dieſer Ereigniſſe auf dem linken Flügel Mar
mont's bei Möckern, kämpfte auf ſeinem rechten Flügel Dom
browſki.
Die Truppen des Grafen Langeron waren über Breitenfeld
gegangen und rückten weiter in zwei Richtungen vor: das 10-te
Corps Kapzewitſch und hinter ihm die 9-te Diviſion des 9-ten
Corps Olſufiew, auf Klein-Widderitzſch, und der General Rudſe
witſch mit der von der Kavalerie Korfs unterſtützten Avant
garde, linkshin, in den Raum zwiſchen Klein- und Groß-Widde
ritzſch und Seehauſen. Seitens Dombrowſki hatten vier oder
fünf Bataillonen Klein-Widderitzſch eingenommen; die Kava
lerie ſtand rechtshin. Graf Langeron griff Klein-Widderitzſch
mit den Regimentern des 10-ten Corps an und richtete den Gene
ralmajor Emanuel mit den Dragoner-Regimentern Charkow,
Kiew und Neurußland und der Brigade reitender Jäger des Ge
neralmajors Pahlen 2 (die Regimenter Dorpat und Lievland)
auf die feindliche Kavalerie. Die Polen, welche Klein- und Groß
– 153 –

Widderitzſch einnahmen, vertheidigten ſich hartnäckig, wurden aber


geworfen und zogen ſich auf Euteritzſch zurück; der Generalmajor
Emanuel aber warf ſich auf die Kavalerie gleichzeitig mit den
in ihre Flanke eingefallenen 1-ten und 3-ten ukrainiſchen Regi
mentern, unter dem Befehle der Generalmajore Graf Witt und
Fürſt Obolenſki. Dieſer Angriff hatte vollkommenen Erfolg:
die polniſche Kavalerie war geworfen und verlor ſieben Geſchütze
und fünfhundert Gefangene (*).
Indeſſen dauerte auf dem rechten Flügel der Verbündeten
ein verzweifelter Kampf in Möckern fort. Der Prinz von Meck
lenburg rückte ſchnell auf die Batterien zur linken vom Orte ge
rade vor und näherte ſich ihnen auf dreihundert Schritte. Mar
mont ſelber eilte mit den nächſten Bataillonen zur Hülfe der
Artillerie. Die Regimenter des Prinzen von Mecklenburg, von
Kartätſchen empfangen, erlitten großen Verluſt. Dieß benutzten
einige franzöſiſche Bataillonen und rückten auf die angreifenden
Truppen vor. Das Marine-Bataillon der Garde (mariniers de
la garde) läßt das Füſilier-Bataillon des 1-ten oſt-preußiſchen
Regiments ſich auf fünfzig Schritt nähern und giebt eine Salve,
welche die Füſiliere in Verwirrung bringt: ſie ſuchen Zuflucht in
Möckern. Der Oberſtleutnant Lobenthal wirft ſich mit zwei
Bataillonen deſſelben Regiments auf das Marine-Bataillon,
welches ſich in Unordnung zurückzieht. Die Preußen gehen mit
Trommelſchlag auf die nächſte Batterie. Dort aber begegnen ſie
feindliche Bataillonen unter dem perſönlichen Befehle Marmont's.
Der Prinz Karl iſt ſchwer verwundet und übergiebt das Com
mando über die Brigade dem tapfern Lobenthal. Oberſt Siöholm
ſtellt das combinierte Bataillon des 2-ten oſt-preußiſchen Regi
ments in einer Schlucht auf, von wo aus er ſichere Schüſſe auf
die Mannſchaft der franzöſiſchen Batterien und die ſie deckende
Infanterie richtet. In derſelben Zeit ſprengt der Oberſtleutnant
– 154 –

Schmidt, Befehlshaber der Artillerie Mork's, vier feindliche


Pulverkaſten in die Luft: eine von den zwölfpfündigen Batterien
Marmont's wird zum Schweigen gebracht; deren Bedeckung zieht
ſich zurück. Die oſt-preußiſchen Bataillonen werfen ſich auf die
nächſten zwei Geſchütze und vernichten deren Mannſchaft mit dem
Bajonette. Marmont iſt genöthigt die ganze Diviſion Compans
zu verwenden; er führt die zeitweiligen Regimenter (provisoires)
20 und 25 mit dem Bajonette gegen die Preußen. „Noch niemals
– ſagt er – traf ich ſo nahe mit dem Feinde zuſammen“. Die
tapferen Preußen mußten der Uebermacht weichen. Die Franzoſen
verfolgten ſie, waren aber vom Feuer der ſechspfündigen Batterie
„MF 1 und der zwölfpfündigen MF 2 und vom Angriffe der Mecklen
burger Huſaren empfangen und blieben ſtehen. Die 2-te Brigade
hatte die Hälfte ihrer Mannſchaft verloren; alle Bataillons-Com
mandeure waren entweder getödtet oder verwundet; unter den
Letzteren befand ſich Lobenthal (").
In Möckern hatte der blutige Kampf nicht aufgehört. Die
preußiſchen Truppen, in Abtheilungen von dreißig bis vierzig
Mann, ſtürmten allmählich die Häuſer und übrigen von den Fran
zoſen eingenommenen Gebäude. Der beiderſeitige Verluſt ſtei
gerte die Wuth der Kämpfenden dermaßen, daß nach Einnahme
der Gebäude ihre Vertheidiger ohne Mitleiden mit Bajonett
und Kolbe vernichtet wurden. Endlich, gegen 5 Uhr Abends, ver
ließen die Franzoſen den Ort vollſtändig (“).
Zu derſelben Zeit war die 1-te preußiſche Brigade ſchon in
den Kampf eingeführt ("). Das Vorrücken dieſer Truppen war
von dem Feuer beider zwölfpfündigen Batterien, der 1-ten und
2-ten und der ſechspfündigen Batterie vWF 2 unterſtützt, indeſſen
zur Linken von ihnen 14 Geſchütze der 1-ten und 3-ten reitenden
Batterien und fünf Geſchütze der ſechspfündigen Batterie .MF 15
zu wirken fortfuhren. Der Commandeur der Brigade, Oberſt
– 155 –

Steinmetz, führte ſeine Infanterie zum Angriffe; ſeine Richtung


hatte er der Art genommen, daß die Bataillonen, welche in beiden
Linien ſeine Flanke bildeten, über Möckern, alle Uebrigen aber
auf die vom Feinde beſetzten Höhen vorrücken ſollten. Zwei Ba
taillonen des 13-ten Landwehr-Regiments näherten ſich den fran
zöſiſchen Batterien auf hundertfünfzig Schritt, verloren aber
viele Leute und alle ihre Stabsoffiziere; ſie machten Halt und
ſchoſſen aus der Kolonne ohne Erfolg. Major Malzahn, mit
dem 1-ten oſt-preußiſchen Grenadier-Bataillone und zwei Bataillo
nen des 5-ten Landwehr-Regiments, welche in der zweiten Linie
ſtanden, überholten die 1-te Linie und griffen mit dem Bajonette
an. Hier wurden verwundet: die Oberſten Steinmetz und Loſthin,
die Majore Mumm und Leſſly; getödtet, die Majore Malzahn
und Koſſetzki; viele Offiziere und Soldaten wurden theils ver
wundet theils getödtet; die Landwehrmänner aber ſchritten über
die Leichen ihrer Waffenbrüder und rückten immer weiter vor;
hinter ihnen ordnete ſich von Neuem die erſte Linie und ſchloß
ſich ihnen an.
Die Bataillonen, welche auf der rechten Flanke kämpften,
vertrieben die Franzoſen aus dem von Flammen umfaßten Mö
ckern und verfolgten ſie mit Betheiligung der Brandenburger
Huſaren ("). Schon war aber die ganze Infanterie Mork's bis
zum letzten Bataillone verwendet; die 1-te und die 2-te Brigade
hatten großen Verluſt erlitten und waren in Unordnung gerathen;
die preußiſche Artillerie hörte allmählich auf zu wirken, hingegen
verſtärkte die feindliche ihr verwüſtendes Feuer. Der Erfolg der
Schlacht war zweifelhaft.
Da entſchied ſich der unerſchütterliche Mork, welcher einiges
Schwanken in den Reihen der vorrückenden Franzoſen bemerkt
hatte, ſeine ſämmtlichen Kräfte in den Kampf zu führen. Major
Sohr erhielt den Befehl, mit ſeinen drei Schwadronen Branden
– 156 –

burger Huſaren ſich auf den Feind zu werfen; zugleich wurde die
Reſerve-Kavalerie herbeigeholt; die Brigaden Horn und Hü
nerbein aber, welche am Handgemenge noch nicht Theil genom
men, griffen mit dem Bajonette an.
Zu derſelben Zeit ſendete der Oberbefehlshaber dem Corps
des Generals Sacken die Weiſung auf Möckern zu rücken.
Als Major Sohr ſich im dichten Pulverrauche der feindlichen
Infanterie genähert, ließ er mit dem Horne das Zeichen zur
Attake geben und warf ſich mit lautem Zurufe Hurrah! auf die
nächſten zwei Kolonnen, zerſtreute ſie und griff ſechs Geſchütze
auf. General Normann ging ihm mit der würtembergiſchen Ka
valerie ſchnell entgegen, wurde aber von den Brandenburger
Uhlanen und dem 5-ten ſchleſiſchen Landwehr-Regimente, die der
Adjutant Reiher herbeigeholt hatte, in der Flanke angegriffen
und auf die eigene Infanterie geworfen ("), einige Carrés in
Unordnung gebracht und die zweite Linie der feindlichen Kava
lerie (eine von den Brigaden der Diviſion Lorge) zum Rück
zuge genöthigt. Die Huſaren nahmen noch zehn Geſchütze, fünf
Pulverkaſten und viele Gefangene. Sohr ſelber wurde beim
zweiten Angriffe in die rechte Hand von einer Flintenkugel ver
wundet, blieb aber bei ſeiner Kavalerie. Major Stöſſel drang
mit zwei Schwadronen des 2-ten Leib-Huſaren Regiments, die
zur 1-ten Brigade gehörten, in eines der Carrés ein; darauf,
von feindlicher Kavalerie angegriffen, zog er ſich zwar zurück,
ordnete doch ſeine Huſaren ſchnell, griff den Feind von Neuem
an, warf ſeine Kavalerie und eroberte fünf Geſchütze (nach an
dern Angaben – zwei) und zwei Fahnen. Linkshin von ihm ver
nichtete der Oberſt Warburg mit den Mecklenburger Huſaren ein
Carré und nahm einen Adler („einen Vogel“, wie ſich die preußi
ſchen Huſaren ausdrückten) und ſiebenhundert Gefangene. Die
ſämmtliche Kavalerie, die Reſerve nicht ausgenommen, erreichte
– 157 –

den Feind und griff ihn unter dem perſönlichen Befehle Mork's
an. Das 1-te weſt-preußiſche und das National-Kavalerie-Regi
ment nahmen je vier Geſchütze (*).
Gleichzeitig mit dem allgemeinen Angriffe der Kavalerie
W)ork's auf den linken Flügel des Feindes, warfen ſich die Bri
gaden Horn und Hünerbein auf deſſen Centrum und rechten Flü
gel mit dem Bajonette; auf der äußern linken Flanke rückte ruſ
ſiſche Artillerie vor, die 32-te Batterie des Oberſten Bellingshau
ſen und die 32-te leichte Compagnie des Oberſten Baſchmakow,
unter der Bedeckung des Regiments Willmanſtrand, und zwei
Schwadronen der Brandenburger Huſaren. Graf Schwerin führte
auf Befehl Horn's das Leib-Regiment aus der zweiten in die
erſte Linie über und warf ſich mit dem Bajonette bei lautem Aus
rufe, Hurrah! es lebe der König! auf die franzöſiſche Batterie.
Die feindliche Kavalerie ging dem preußiſchen Regimente ſchnell
entgegen, Schwerin aber, ohne ſeine Aufmerkſamkeit auf ſie zu
wenden, ging immer weiter vor, bewog die ihn bedrohende Ka
valerie ſich hinter die Infanterie zurückzuziehen, trug zum glän
zenden Angriffe der Mecklenburger Huſaren auf's Carré bei und
nahm ein Haubitze. Graf Reichenbach ſchlug mit einem Bataillone
der ſchleſiſchen Landwehr einen Angriff feindlicher Kavalerie
zurück. Obgleich die 8-te Brigade beinahe alle ihre Offiziere ver
loren hatte, ordnete ſie ſich ſchnell in eine Linie und griff den
Feind an; drei franzöſiſche Carrés wurden geworfen und bis zum
Engpaß, den die Brücke auf dem Rietſchegraben bildete, ver
folgt (”).

Auf dem linken Flügel des kämpfenden Heeres hatte Lan


geron (wie ſchon oben dargelegt) ſich der Dörfer Klein- und
Groß-Widderitzſch bemächtigt. In der Folge, gegen drei Uhr
– 158 –

Nachmittags, griff Dombrowſki, verſtärkt von den Truppen der


Diviſion Delmas, welche die Fuhren und Parks auf dem Wege
von Düben nach Leipzig deckte, die Ruſſen an. Dombrowſki nahm
beide Dörfer ein: Langeron erlitt großen Verluſt von der feind
lichen Artillerie und wurde hinter das Flüßchen zurückgedrängt,
Der Oberſtleutnant des Regiments Staroſkol, Wojewodſki, war
getödtet; der Commandeur des Regiments Archangelogorod,
Oberſt Schenſchin und des 4-ten Jäger-Regiments Oberſtleut
nant Prigara waren verwundet.
Zur ſelben Zeit erſchien auf dem Wege von Düben her, bei
Hohen-Oſſig, eine ſtarke Kolonne. Daher bekam General Ol
ſufiew den Befehl ſich auf dem linken Flügel in vorſpringendem
Winkel mit der Linie der übrigen Truppen aufzuſtellen. Die Re
ſerve-Kavalerie entwickelte ſich noch mehr linkshin, in der Rich
tung auf Podelwitz. Die feindliche auf dem Dübener Wege
bemerkte Kolonne beſtand aus den Parks und Fuhren des 3-ten
franzöſiſchen Corps, welche ſich mit einer kleinen Bedeckung zur
Vereinigung mit der Armee bewegte. Langeron wußte es aber
nicht und glaubte ſeinen Flügel verſtärken zu müſſen; daher
konnte er Mork nicht beiſtehen und Kapzewitſch wurde von
St. Prieſt getrennt. Um den zum Umgehen der linken Flanke
vorrückenden Feind zurückzuhalten, befahl Olſufiew dem Gene
ral Udom mit dem 10-ten und 38-ten Jäger-Regimente und den
Schützen des Naſcheburger, Jakutzkiſchen und Apſcheronſchen Re
giments, welches letzteres ſich kurz vorher mit dem Corps Lan
geron vereiniget hatte, eine kleine, mitten im Felde liegende
Waldgruppe einzunehmen. Die Truppen des Generals Delmas
griffen den Wald an; Olſufiew ſchob aus der Reſerve die zwölf
Geſchütze der 29-ten leichten Compagnie des Oberſten Saſjatko
vor und unterſtützte Udom mit den Regimentern Rjaſchſk und
Kolywan Auf dieſem Punkte entbrannte ein hitziger Kampf, in
– 159 – s

welchem ſich beſonders erſteres Regiment auszeichnete: es er


oberte die Fahne des 125-ten Regiments. Die Franzoſen waren
genöthigt ſich über Seehauſen auf Plöſen und Neutzſch zurück
zuziehen und gingen dort über Legen aufs linke Ufer der Partha.
Ein Theil der franzöſiſchen Parks und Fuhren wurde von
den Koſaken eingeholt; ſechs Geſchütze, ungefähr hundert Fuhren
und an fünfhundert Gefangene fielen in ihre Hände. Die Gene
rale Langeron und Rudſewitſch griffen, ohne einen Schuß zu
verlieren, die Dörfer Klein- und Groß-Widderitzſch mit dem
tapfern von Jägern unterſtützten Regimente Schlüßelburg an und
ſchlugen den Feind in's Feld hinaus; die Kavalerie Emanuel's
folgte der Infanterie über den Rietſchegraben. Indeſſen hatte
Dombrowſki dieſes Gewäſſer unterhalb der Dörfer überſchritten
und verſuchte die Truppen Langeron's vom Corps St. Prieſt
abzuſchneiden; es rückten aber auf ihn ſeitens des Erſteren der
Generalmajor Waſſiltſchikow 2 mit den Regimentern Wjatka und
Archangelogorod und der Batterie-Compagnie /WF 34 des Ober
ſten Magdenko, ſeitens des Grafen St.-Prieſt der General
major Biſtrom 2 mit dem 1-ten und 33-ten Jäger-Regimente;
Dombrowſki zog ſich in Folge deſſen hinter die Partha auf
Schönfeld zurück, das 6-te Corps aber und die Kavalerie Lorge
auf Euteritzſch und Golis (*).
Um acht Uhr Abends ſchickte Blücher vom Schlachtfelde aus
einen ſeiner Ordonnanz-Offiziere über Schkeuditz in's Hauptquar
tier der verbündeten Monarchen mit dem Berichte über den errun
genen Sieg. Dieſer Offizier aber verfehlte in der Nacht den Weg
über die moorigen Niederungen der Elſter; die erſte Nachricht über
den Sieg bei Möckern erhielt man im Hauptquartiere am fol
genden Tage um drei Uhr Nachmittags mit dem Adjutanten des
Oberbefehlhabers, Oberſt Graf Goltz, der auch den eroberten
Adler überbrachte (*).
- – 160 –

Die Trophäen der verbündeten Truppen waren: ein Adler,


drei Fahnen, von denen eine die Ruſſen genommen, 53 Geſchütze
(vierzig von den Preußen und dreizehn von den Ruſſen aufge
griffen). Zweitauſend Mann waren gefangen, nicht weniger als
ſechstauſend Mann todt und verwundet. Unte Letztern befand ſich
Marſchall Marmont und die Diviſions-Generale Compans und
Friedrichs (*). Der Verluſt der Verbündeten, beſonders der
preußiſchen Truppen war ſehr groß: an Todten und Verwun
deten im Corps Mork 172 Offiziere und 5,508 Mann untern
Ranges; unter den Todten befanden ſich die Stabsoffiziere:
Malzahn, Kroſigk, Rekowſki, Koſſetzki, Gädeke, Schleuſe und
Wedell. Das Corps Langeron verlor überhaupt 1,500 Mann (*).
Einige Militaire meinen, daß die Niederlage Marmonts leich
ter und nicht mit ſo großen Opfer erlangt wäre, wenn Mork den
Angriff aufs Centrum oder den linken Flügel des Feindes, nicht
auf Möckern gerichtet hätte. Sobald dieſer Ort umgangen wäre,
ſo hätten die Franzoſen ihn nothwendigerweiſe verlaſſen müſſen,
weil deſſen weitere Vertheidigung ſie der Gefahr ausgeſetzt hätte
an die Elſter gedrängt zu werden. Auch iſt in Betracht zu neh
men, daß das Vorrücken Mork's in jener Richtung ihm die Ver
bindung mit Langeron ſicherte, im Fall aber eines Mißlingens
hätte die ſchleſiſche Armee ſich auf der Magdeburger Straße nach
Landsberg hin, von wo her ſich die Nord-Armee näherte, zurück
ziehen können (*). Die Abweichung Mork's von der Anordnung
Blücher's und ſein Feſthalten an der Halleſchen Straße erklärt
ſich aller Wahrſcheinlichkeit nach, durch den Mangel ſicherer An
gaben über die Aufſtellung des Feindes und über die Eigenſchaf
ten der von Letzterem eingenommenen Oertlichkeit. Die am Mor
gen vor der Schlacht ausgeführte Recognoſcierung erwies die
Aufſtellung eines Theils feindlicher Kräfte bei Hohen-Oſſig und
Podelwitz. Es mußte entſchieden werden – ob die ſchleſiſche
– 161 –

Armee die feindliche Stellung angreifen oder gerade auf Leipzig


zu gehen ſolle. Blücher hoffte auf die Mitwirkung des Kron
prinzen von Schweden und hörte die von Wachau her ertönende
Kanonade. Demnach entſchied er ſich auf Leipzig zu rücken; zu
gleicher Zeit aber langte aus dem Hauptquartiere des Prinzen
der engliſche Commiſſair, Lord Steward, an und brachte die
Nachricht, daß die Nord-Armee auf Halle gerückt ſei. Das be
wog Blücher die feindliche Stellung anzugreifen. Marmont hatte
unterdeſſen Hohen-Oſſig und Podelwitz verlaſſen und ſich zwi
ſchen Lindenthal und der Elſter aufgeſtellt. Der ſchwächſte Punkt
dieſer Stellung war ohne Zweifel deren rechter Flügel, auf
welchen Blücher den Angriff perſönlich führte; Mork hätte das
Corps Langeron unterſtützen ſollen, die franzöſiſchen Truppen
aber auf den Höhen bei Möckern verleiteten ihn ſeinen Haupt
angriff auf dieſen Ort zu richten und die Hälfte ſeines Corps
dabei zu verwenden: er konnte alſo auf das Centrum der feindli
chen Stellung keinen entſcheidenden Angriff ausführen (*).
Abends nach der Schlacht war die Aufſtellung der ſchleſiſchen
Armee folgende: das Hauptquartier Blücher's im Dorfe Groß
Widderitzſch; das Corps Mork auf dem Schlachtfelde vor Mö
ckern; das Corps Sacken, als Reſerve, hinter Möckern; das
Corps Langeron bei Widderitzſch (*).

Mit Tagesanbruch am ſtellte ſich das Corps Sacken in


erſter Linie bei Möckern auf; das Corps Mork ging auf Wahren
zurück, um nach erlittenem Verluſte auszuruhen und ſich neu zu
ordnen. Je zwei Bataillonen waren in ein Bataillon zuſammen
gebracht und aus vier Brigaden waren zwei Diviſionen gebildet
und den Generalen Hünerbein und Horn zugetheilt (*).
11
– 162 –

Der Kronprinz von Schweden ſendete, auf Beſtehen Lords


Stewart, zur Unterſtützung Blücher's den General Winzingerode
mit der ganzen Kavalerie ſeines Corps, an fünftauſend Mann
an der Zahl. Winzingerode langte am Ä Morgens bei Linden
thal an und rückte auf Taucha, um ſich der dortigen Brücke auf
der Partha zu bemächtigen und die Verbindung mit der Haupt
Armee zu eröffnen (*).
Am früh Morgens begab ſich Blücher auf die Vorpoſten
und fand, daß der Feind immer noch die Dörfer Euteritzſch und
Golis beſaß, daß ſeine Schützen längs der obern Ritſchke zer
ſtreut waren und Schüſſe mit den ruſſiſchen Jägern wechſelten.
In Folge erhaltener Weiſung ſtellte Graf Langeron vor Widde
ritzſch vierundzwanzig Batterie-Geſchütze, unter der Bedeckung der
Truppen des Generals Kapzewitſch, auf. General Waſſiltſchikow
mit der 2-ten Huſaren-Diviſion und einigen Koſaken-Regimen
tern und der Graf St.-Prieſt mit ſeinem Corps rückten auf Eute
ritzſch, zum Umgehen dieſes Ortes, vor; das Corps Sacken rückte
auf Golis. Der Feind hielt ſich anfänglich in Euteritzſch, bedroht
aber vom Umgehen zog er ſich auf Golis zurück; zur Bedeckung
diente ihm das 3-te Kavalerie-Corps Arrighi's, welches ſich auf
den rechten Flügel, mit der Flanke an die Partha gelehnt, ſtellte.
Die Infanterie Dombrowſki's ſtand ebenfalls in und bei Golis.
General Sacken griff dieſen Ort in der Fronte mit den Infan
terie-Regimentern Ochotzk und Kamtſchatka und dem 8-ten Jäger
Regimente, unter dem Befehle des Oberſten Rachmanow, und in
der linken Flanke, längs der Elſter, mit dem 50-ten Jäger-Re
gimente, des Oberſten Kologriwow, an; der Feind aber verthei
digte ſich ſo hartnäckig, daß alle Truppen Sacken's und noch ein
Theil der Truppen W)ork's auf dieſem Punkte verwendet werden
mußten. Der Oberbefehlshaber erſchien vor dem rechten feind
lichen Flügel und befahl den Huſaren Waſſiltſchikow's die fran
– 163 –

zöſiſche Kavalerie anzugreifen. Die Regimenter Mariupol und


Achtyrka, Waſſiltſchikow's 2, welche ſich in einer Marſch-Kolonne
bewegten, warfen ſich auf den Feind ohne auf's Deployiren Zeit
zu verwenden; ihnen folgten in ſchnellem Laufe die Regimenter
Alerandria und Weißrußland. Der Feind empfing ſie mit dem
heftigſten Kartätſchenfeuer; nichts konnte ſie aber zurückhalten.
Die franzöſiſche Kavalerie, von Schrecken erfaßt, flieht hinter
ihrer Infanterie zum Halleſchen Schlagbaume. Die ruſſiſchen Hu
ſaren verfolgen die Franzoſen, die feindliche Infanterie und Ar
tillerie vorbei, bis zur Brücke, greifen fünf Geſchütze auf, hauen
Kavalerie und Infanterie nieder und nehmen viele Gefangene.
Die Truppen Dombrowſki's bilden ſchnell ein Carré und ſchießen
mit Flinten und Kartätſchen auf die kühnen Reiter. Die ruſſi
ſchen Huſaren aber vollenden ihre glänzende Waffenthat, um
ringen von allen Seiten ihre Beute, fünf Geſchütze und an fünf
hundert Gefangene, und ſchlagen ſich zu den bei Golis kämpfen
den Truppen Sacken's durch (*).
Dieſer Kavalerieangriff erzeugte im Feinde die Befürchtung
ſeinen einzigen Rückzugsweg, der über die Brücke auf der Partha
beim Halleſchen Schlagbaume führte, zu verlieren und beſchleu
nigte die Einnahme von Golis ſeitens Sacken's. Die Truppen
Marmont's und die ihm zur Hülfe angelangten Truppen Ney's
mußten ſich auf die Einnahme des Guts Pfaffendorf, der Halle
ſchen Vorſtadt und der naheliegenden Befeſtigungen beſchränken,
Da zu dieſer Zeit Blücher aus dem Hauptquartiere der verbün
deten Monarchen die Nachricht erhielt, daß der Angriff auf das
feindliche Heer bis zum Ä October aufgeſchoben ſei, ſo blieben
die Corps Sacken und Work gegenüber beſagter Vorſtadt ſtehen
und hinter ihnen das Corps Langeron (*).
Im Kavalerie-Treffen am # October erlitt der Feind be
deutenden Verluſt. Beſonders hatte es einen ungünſtigen morali
– 164 –

ſchen Eindruck auf das 7-te franzöſiſche Corps zur Folge, welches
um vier Uhr Nachmittags bei Taucha anlangte, von dort am
Morgen früh aufbrach und bei dem Vorwercke Heiterblick große
Haufen von Truppen und Fuhren, die vom Schlachtfelde flohen,
begegnete (*).
Blücher war über dieſes Treffen entzückt. Verleitet von der
Erinnerung an ſeine eignen Waffenthaten, gab er den Kavalerie
Angriffen den Vorzug vor allen andern Kriegsoperationen; jede
Schlacht, an welcher Kavalerie keinen Theil genommen, ſchien
ihm unvollendet zu ſein (*).

Nach Beendigung der Schlacht bei Wachau hatte Fürſt Schwar


zenberg die Abſicht den Kampf am folgenden Tage zu erneuern;
da aber die erwarteten Verſtärkungen, namentlich das öſtreichi
ſche Corps Colloredo's und die Armee Bennigſen's, am früh
Morgens, nicht anlangen konnten und der Ruhe bedurften, ſo
entſchied der Kriegsrath, welchen der Feldmarſchall in Söſtewitz
verſammelte, die Vereinigung der Armee Bennigſen's abzuwar
ten und den Angriff auf den Feind mit vereinten Kräften am
- October auszuführen. Kaiſer Alerander ließ Bennigſen ſagen,
daß die für den folgenden Tag beſtimmte Schlacht den von ihm
bei Tarutino erfochtenen Sieg, mit welchem die ruſſiſchen Erfolge
begonnen, in Erinnerung bringen würde und daß der Kaiſer
daſſelbe von ſeinen Talenten und ſeiner militairiſchen Erfahrung
morgen erwarte (*).
Das Corps des Grafen Colloredo langte bei Magdeborn ge
gen elf Uhr Morgens an, die Avantgarde Bennigſen's bei Fuchs
hain um vier Uhr Nachmittags, ſeine Hauptkräfte Abends ſpät
zwiſchen Naunhof und Fuchshain; die Diviſion des Grafen Bubna
– 165 –

kam bei Brandis an; das Koſaken-Detaſchement des Grafen


Platow in der Nacht vom 5-ten auf den 6-ten bei Beicha. Der
Kronprinz von Schweden brach mit ſeinen Hauptkräften am i,
um zwei Uhr nach Mitternacht, von Landsberg auf und erreichte
um acht Uhr Morgens Breitenfeld; ſeine Avantgarde war, wie
geſagt, bis Taucha vorgeſchoben (*).

Am # October Morgens überzeugte ſich Napoleon aus den


erhaltenen Berichten, daß ſich bedeutende Verſtärkungen dem ver
bündeten Heere näherten. Im Gegentheile, die franzöſiſche Armee
konnte nur auf das am Kampfe nicht Theil genommene Corps
Ney und das nicht angelangte Corps Regnier, in Allem auf un
gefähr dreißigtauſend Mann, rechnen, von denen einige tauſend
bereit waren auf die Seite der Verbündeten überzutreten. Der
Ueberlegenheit der feindlichen Kräfte und der Niederlage bei
Möckern ungeachtet, wünſchte Napoleon ſeine Bereitwilligkeit für
Erneuerung des Kampfes zur Schau zu tragen und befahl ſeiner
Armee am Ä bei Tagesanbruch unter die Waffen zu treten. Auf
dem ganzen Raume von der Pleiſſe an bis Liebertwolkwitzentwickel
ten ſich die franzöſiſchen Truppen; die Sappeure hatten ſich in der
vorigen Nacht mit der Befeſtigung des Kolmbergs beſchäftigt und
am Morgen war eine zwölfpfündige Batterie unter Bedeckung badi
ſcher Truppen dort aufgefahren. Da auch ſeitens der Verbündeten
(llN - October, ausgenommen den Kavalerie-Angriff am Halleſchen
Schlagbaume, nur unaufhörliches Hin-und Herrücken ſtattfand, ſo
bereiteten ſich beide Seiten für den bevorſtehenden Kampf vor (*).
Mit dem ihm eigenthümlichen Scharfblicke hatte Napoleon
alle Umſtände richtig erwogen. Die Nothwendigkeit des Rückzuges
leuchtete ihm ein; ſeine Truppen waren aber ermüdet, in Unord
– 166 –

nung verfallen; man mußte die Armee einigermaßen wieder zu


ſammenfügen und die Ankunft des zurückgebliebenen Corps Reg
nier's abwarten. Dabei war in Betracht zu nehmen, daß nach der
Abtretung Leipzigs Napoleon bis zum Rheine ſich nicht halten
konnte. Nicht nur mußte er auf die Herrſchaft über Deutſchland
verzichten, ſondern ein noch größeres Opfer bringen: es blieben
in Danzig und in den Feſtungen an der Oder und Elbe mehr als
hunderttauſend Mann vorzüglicher Truppen, die als verloren
betrachtet werden mußten. Unſchlüſſigkeit war für Napoleon eine
natürliche Folge dieſer verzweifelten Lage. Um Zeit zu gewinnen
und in der Hoffnung die Verbündeten zu Unterhandlungen zu
verleiten, welche mit bedeutenden Conceſſionen ſeinerſeits verbun
den ſein ſollten, gerieth er auf den Gedanken den am Vorabende
in Gefangenſchaft gefallenen General Meerfeldt in's Hauptquar
tier der verbündeten Armee zu ſenden. Am , um zwei Uhr
Nachmittags, berief ihn Napoleon zu ſich, lobte den Verſuch der
Oeſtreicher die franzöſiſche Armee im Rücken anzugreifen und er
klärte ihm darauf, daß er ihm zum Beweiſe ſeiner Achtung die
Freiheit aufs Ehrenwort gebe. Darauf ſtellte er ihm einige
Fragen bezüglich der nummeriſchen Stärke der verbündeten
Heere und geſtand, daß er ſie nicht ſo bedeutend geglaubt
hätte.
„War es Ihnen bekannt, daß ich mich bei der Armee befände?“
fragte er.
„Ohne Zweifel“, antwortete Meerfeldt.
„Sie wollten mir alſo eine Schlacht liefern?“
„Ja, Ew. Majeſtät.“
„Sie ſind im Irrthume bezüglich meiner Kräfte; wie ſtark
halten Sie ſie?“
„An 120,000 Mann.“
„Ich habe deren 200,000 Mann. Aller Wahrſcheinlichkeit nach
– 167 –

überſteigen Sie auch meine Berechnung; wie viel Truppen haben


Sie?“
„Ueber 350,000 Mann.“
Auf die Frage Napoleon's, ob die Verbündeten ihn am
folgenden Tage angreifen würden ? antwortete Meerfeldt be
jahend.
„Wird dieſer Krieg ein Ende haben ?“ fragte Napoleon. „Es
wäre Zeit ihn zu beendigen.“
„Majeſtät! Es iſt das der allgemeine Wunſch; es hing von Ew.
Majeſtät ab, Frieden auf dem Prager Congreße zu ſchließen.“
„Man hat mich gewiſſenlos behandelt und Pfiffe gebraucht (on
a finassé); der mir beſtimmte Termin von zehn Tagen war für
einen ſo wichtigen Zweck nicht ausreichend. Oeſtreich hat die Ge
legenheit, an die Spitze der Angelegenheiten Europas zu treten,
verſäumt; ich hätte dem Wunſche Oeſtreichs gemäß gehandelt
und wir würden Alle bewogen haben unſerm Willen beizutreten.“
„Ich darf es Ew. Majeſtät nicht verheimlichen, daß man in
Oeſtreich am meiſten die Herrſchaft Frankreichs fürchtet.“
„Es muß doch Jemand die Unterhandlungen einleiten; es
kann dieß Oeſtreich überlaſſen werden. Rußland iſt unter dem
Einfluße Englands, welches den Frieden nicht wünſcht.“
General Meerfeldt erwiederte, daß ihm die Abſichten der öſt
reichiſchen Regierung unbekannt ſeien, daß ſie aber ohne Zweifel
nicht anders als in Gemeinſchaft mit ihren Verbündeten unter
handeln würde. Bezüglich des Vorwurfs den Napoleon England
machte, bemerkte Meerfeldt, daß dieſe Regierung ſelber des
Friedens bedürfe, zugleich aber ſolche Bedingungen für den Frie
densvertrag anſtrebe, welche eine Bürgſchaft für deſſen Dauer
haftigkeit gewähren.
„Worin beſtehen denn, Ihrer Meinung nach, dieſe Bedingun
gen?“ fragte Napoleon.
– 168 –

„Im Gleichgewichte der europäiſchen Mächte, welches der


Obergewalt Frankreichs Grenzen ſetze.“
„England möge mir die Inſeln zurückgeben; ich gebe ihm
Hannover zurück, werde die Frankreich zugetheilten Departements
und die hanſeatiſchen Städte abtreten.“
„Ich glaube, daß die Verbündeten die Wiederherſtellung Hol
lands wünſchen werden.“
„O! Holland kann nicht ſelbſtſtändig eriſtieren; es würde in
Abhängigkeit von England verfallen.“ -

„Es ſcheint mir, daß die Maßregeln Englands eine Folge


des Krieges waren und mit ihm verſchwinden werden. In ſolchem
Falle hätten Ew. Majeſtät keine Urſache, die Erhaltung Hollands
anzuſtreben.“
Napoleon zeigte großes Verlangen Frieden zu ſchließen. „Ich
werde Opfer bringen, ſogar große Opfer“, ſagte er, „es giebt
aber Conceſſionen, welche zu gewähren meine Ehre mir nicht
erlaubt: zum Beiſpiel, ich kann auf das Protektorat Deutſch
lands nicht verzichten“ . . . (Mais ily a des choses auxquelles
mon honneur tient, et dont surtout dans ma position je ne saurais
me départir: par exemple le Protectorat de l'Allemagne.)
„Ew. Majeſtät iſt es wohl bekannt, in welchem Maße der
Einfluß Frankreichs auf Deutſchland der Wiederherſtellung des
politiſchen Gleichgewichts in Europa hinderlich iſt, man kann
daher nicht vorausſetzen, daß ein ſolcher Einfluß durch einen
Friedensvertrag bekräftigt werden könne. Unſere Verbindungen
mit Baiern und andern Staaten des Rheinbundes, die Hoffnung
auf die Einnahme Sachſens ſeitens unſerer Truppen : alles die
ſes bringt Ew. Majeſtät um einen Theil Verbündeter, und wir
ſind überzeugt, daß unſer entſchiedenes Uebergewicht auch die
Uebrigen ihrem Beiſpiele zu folgen veranlaſſen wird.“
„O! diejenigen, welche meinen Schutz nicht wünſchen, können
– 169 –

thun was ihnen gefällt. Sie werden es bereuen; meine Ehre


erlaubt mir aber nicht, auf den Titel des Protektors aller Uebri
gen zu verzichten.“
„Ew. Majeſtät haben einſt für die Ruhe Europas eine Reihe
kleiner ſelbſtſtändiger Staaten, welche Frankreich von den Groß
mächten abſonderten, für nothwendig gehalten. Dieſer Grundſatz
würde in ſeiner Anwendung Gewähr für die Wohlfahrt Europas
leiſten.“
Napoleon ſchwieg einen Augenblick und ſagte darauf: „gut,
wir wollen ſehen; Alles dieſes wird aber nicht zum Frieden füh
ren; iſt es möglich mit den Engländern zu unterhandeln, welche
mir nicht mehr als dreißig Schiffe gewähren?“
General Meerfeldt erwiederte, daß dieſe Einſchränkung eine
Folge der Befürchtung ſei, welche Frankreich, im Beſitz der un
geheueren Seeküſte vom Deutſchen bis zum Adriatiſchen Meere,
erzeuge, und daß, wenn Italien abgetreten ſei, Europa beruhigt
wäre; dieſes großmüthige Opfer der franzöſiſchen Regierung hätte
jede Forderung einer der Würde Frankreichs nicht angemeſſenen
Beſchränkung der Flotte abgewendet.
Napoleon geſtand, daß jene Conceſſion weniger drückend ſei.
„In jedem Falle aber werde ich niemals einwilligen“, ſagte Napo
leon, „daß in Italien die früheren Zuſtände erneuert werden.
Dieſes Land muß in einen einzigen Staat vereinigt werden.“
„Ew. Majeſtät werden wahrſcheinlich auf das Herzogthum
Warſchau verzichten.“
„Ja, ich habe dieß vorgeſchlagen, man hat aber meine Con
ceſſion nicht annehmen wollen.“
„Spanien kann auch einen Anlaß zur Friedensſtörung ab
geben.“
„Nein, die ſpaniſchen Angelegenheiten bilden eine dynaſtiſche
Frage.“
– 170 –

„Freilich; ich glaube aber, daß die kriegführenden Mächte


über die Wahl der Dynaſtie nicht einig ſind.“
„Ich war gezwungen Spanien zu räumen, folglich iſt die
Sache ſchon entſchieden.“
„Es ſcheint alſo, daß man Frieden ſchließen könne.“
„Nun, ſo ſenden Sie mir Jemand von Ihren Vertrauensmän
nern und wir werden die Sache zu Stande bringen. Man be
ſchuldigt mich, als ob ich nur Waffenſtillſtände vorſchlüge, daher
werde ich einen ſolchen nicht vorſchlagen, obgleich dieß zum all
gemeinen Beſten ausfallen würde. Meinetwegen, ich werde mich
hinter die Saale zurückziehen, die Ruſſen und die Preußen hinter
die Elbe; Sie nach Böhmen, und das unglückliche Sachſen,
welches ſo großen Verluſt erlitten, würde neutral bleiben.“
„Sachſen gewährt uns Erhaltungsmittel; dabei iſt das
Uebergewicht an Kräfte auf unſrer Seite, und wir hoffen, daß
Ew. Majeſtät ſich noch dieſen Herbſt hinter den Rhein zurück
ziehen werden.“
„Dieß wäre die Folge einer verlormen Schlacht; es kann ge
ſchehen, noch iſt es aber nicht. . . .“
Napoleon entließ Meerfeldt und gab ihm ein Schreiben an
den Kaiſer von Oeſtreich (*). Es erfolgte keine Antwort; eine
ſolche konnte auch nicht erfolgen. Die verbündeten Monarchen
waren feſt entſchieden jeden Verſuch des Kaiſers der Franzoſen,
einen ſeparaten Frieden zu ſchließen, abzuweiſen. Die Herrſcher
von Rußland und Preußen wünſchten nicht den Kampf zu einer
Zeit abzubrechen in welcher die Coalition ſichern Erfolg erwartete.
Die nach Beendigung des Waffenſtillſtandes von ihnen errunge
nen Siege hatten die Sachlage vollkommen umgeändert. Die
deutſchen Fürſten, und ſogar der Kaiſer Franz ſelber, ungeach
tet des dem Habsburger Hauſe angebornen Stolzes, erkannten
den Kaiſer Alerander ſtillſchweigend als den Agamemnon des
– 171 –

europäiſchen Bundes an. Preußen, kurz vorher entkräftet, vom


ſtolzen Eroberer erniedrigt, erlangte durch die Einſicht ſeines
Herrſchers und den Muth ſeiner Bürger eine entſchiedene Stimme
in allen Angelegenheiten der deutſchen Familie. Die regierenden
Fürſten ſuchten die Gönnerſchaft der preußiſchen Helden, welche
ihnen öfters die überwiegende Macht Preußens zu fühlen gaben.
Einige Tage vor der Schlacht bei Leipzig, im Vereine des ganzen
Generalſtabs Mork's bei dem Kronprinzen von Heſſen, der als
Freiwilliger bei dem Corps dieſes Generals ſtand, wendete ſich
der Prinz an den General Hünerbein und fragte ihn: „kann man
hoffen, daß nach glücklicher Beendigung des Krieges, das Gebiet
ſeines Vaters, der ſo bedeutende Summen für die Befreiung
Deutſchlands geopfert, ihm zurückgegeben werde?“ Hünerbein
antwortete: „geht es nach meinem Willen, ſo bekommen Ew. Ho
heit nicht ſo viel zurück, als Schmutz unter meinem Nagel iſt“.
Als aber der Prinz die Meinung Morks zu erfahren wünſchte,
bekam er zur Antwort: daß Hünerbein ſich nicht ſo grob hätte
ausdrücken ſollen (*).

Als Napoleon um ſieben Uhr Abends keine Antwort auf ſeine


Sendung erhalten hatte, entſchied er ſich für den Rückzug; an
ſtatt aber aus ſeiner Stellung am Abende aufzubrechen und in
der Nacht die Engpäſſe der Elſter zu überſchreiten, ſchob er den
Rückzug bis zum folgenden Morgen auf. Marſchall Ney erhielt
den Befehl das Corps Bertrand, verſtärkt durch die Diviſion
Guilleminot (vom 7-ten Corps), mit einer zwölfpfündigen Bat
terie auf Lützen zu ſenden; alle Parks ſollten auch in der Nacht
hinter die Engpäſſe auf demſelben Wege befördert werden; die
Truppen, welche die Stellung bei Wachau behaupteten, zogen ſich
etwas zurück und nahmen eine weniger umfangreiche Stellung
– 172 –

zwiſchen der Pleiſſe und der Partha ein. Napoleon bezweckte den
weitern Rückzug hinter die Elſter am folgenden Tage Angeſichts
der Verbündeten auszuführen; er hoffte, daß ſie ſich begnügen
würden ihm eine goldene Brücke zu bauen (“). Auf dieſe Art
würde der Rückzug den Anſchein einer freiwilligen Bewegung
gehabt haben, welche in den Augen Napoleon's von großer Be
deutung geweſen wäre und ſeine Herrſchaft über die Mitglieder
des Rheinbundes, wenn auch auf kurze Zeit, erhalten hätte. Der
Vollzieher ſeiner Verfügungen, Berthier, fürchtete aber Anlaß
zu ungünſtigen Gerüchten zu geben und unterließ die Errich
tung von Brücken und das frühzeitige Ausrücken der Artillerie,
der Parks und des Fuhrweſens anzuordnen. Einige von den
Parks, welche auf Weiſſenfels und Freiberg abgeführt waren,
mußten gegen Leipzig hin zurückkehren, weil der Verſicherungen
Berthier's nach der Kaiſer durchaus wieder angriffsweiſe
verfahren wollte (*).
Bezüglich der Abſichten der Verbündeten befand ſich ſowohl
Napoleon als ſein Stabschef im Irrthume. Bei Gülden-Goſſa
nicht zurückgedrängt, Sieger bei Möckern, verſtärkt am folgenden
Tage durch mehr als hunderttauſend Mann, ſehnten ſich die Ver
bündeten mit voller Zuverſicht auf Erfolg nach einem neuen
Kampfe. Sogar der Kronprinz von Schweden, welcher bis zu
dieſer Zeit einen thätigen Antheil an dem Kampfe Europas ge
gen Frankreich vermieden hatte, wurde von dem allgemeinen Auf
ſchwung ſeiner Kampfgenoſſen hingeriſſen. Sowohl die ruſſiſchen
als die preußiſchen Generale verheimlichten ihre Zweifel in die
Geſinnungen des Prinzen gegen die allgemeine Sache nicht; die
Schweden endlich, als ſie die Felder Breitenfelds betraten, wo

(') Eine alte Regel der Kriegskunſt lautete: - il faut ſaire un pont d'or à un
ennemi qui se retire. -
– 173 –

jeder Schritt die Heldenthaten ihrer Vorfahren bezeichnet, gaben


dem Kronprinzen vermittelſt des Stabschefs ihres Corps, Ge
neral Adlerkreutz, ihren Wunſch zu erkennen ſich mit den Fran
zoſen zu meſſen. Zwar gab der Kronprinz der allgemeinen Stimme
nach, ſeiner Abneigung aber ſelbſtſtändig zu handeln blieb er treu.
Er machte Blücher den Vorſchlag die ſchleſiſche Armee auf die
linke Seite der Partha überzuführen und wollte ſelber nördlich
von Leipzig halten. Blücher willigte aber hierin nicht ein; in einer
Berathſchlagung zwiſchen beiden Heerführern, welcher der Prinz
Wilhelm, Bruder des Königs von Preußen, beiwohnte, wurde
entſchieden, daß die Nord-Armee die Partha überſchreite und mit
dreißigtauſend Mann der ſchleſiſchen Armee verſtärkt werde.
Blücher gab der Forderung des Kronprinzen von Schweden nach
und beſtimmte das Corps Langeron, welches die Hälfte der ſchle
ſiſchen Armee betrug, zur Vereinigung mit der Nord-Armee; da
durch wollte Blücher dem Prinzen jeden Vorwand zur Vermei
dung eines Antheils an der zu erwartenden Hauptſchlacht
benehmen. Die übrigen Truppen der ſchleſiſchen Armee ſollten
auf die linke Seite der Partha rücken, wo aller Wahrſcheinlichkeit
nach das Schickſal des großen Kampfes entſchieden werden
mußte.
Kaum war Blücher am Ä October Morgens nach Euteritzſch
zurückgekehrt, als der Kanonendonner auf dem ganzen von den
Franzoſen eingenommenen Raume um Leipzig herum ertönte.
Es war dieß der Beginn der Völkerſchlacht für die Unabhängig
keit Deutſchlands und Europas (").
Rapitel XLI.
Die Völkerſchlacht bei Leipzig.

(Fortſetzung.)

Die Schlacht am Oetober.

I n h a l t.
Der Rückzug der franzöſiſchen Armee auf die Stellung gegen Probſtheide zu. – Auf
ſtellung der Truppen Napoleon's. – Deren Zahl. – Verfügungen der Verbündeten
zum Angriffe auf die feindliche Stellung: Beſtand der Kolonnen und Zahl der
Truppen.
I. Verlauf des Kampfes von Sonnenaufgang an bis zwei Uhr
Nachmittag s. – Bewegung Platow's auf den Eulenburger Weg, Bubna's
auf Melkau. Bennigſen's nach den Kolmberg hin und weiter auf Holzhauſen
und Zuckelhauſen; Rückzug des Feindes auf Probſtheide und Stötteritz.–Vorrücken
der Truppen Barklay de-Tolli's auf Liebertwolkwitz und Wachau. – Vorrücken
des Kronprinzen von Heſſen-Homburg die Pleiſſe entlang; der Feind ergreift die
Offenſive; das Corps Gyulay und ein Theil der ruſſiſchen Reſerven rücken zur
Unterſtützung des Prinzen von Homburg vor. – Anfängliche Verfügungen Na
poleon's – Aufſtellung der ſächſiſchen Truppen. – Uebergang des Corps Lan
geron auf die linke Seite der Partha. – Erſter Angriff auf Schönfeld. – Ein
Theil der ſächſiſchen Truppen und die würtembergiſche Brigade Normann's gehen
zu den Verbündeten über. – Ueberſchreiten der Partha ſeitens der Nord-Armee.
– Angriff Sacken's auf Pfaffendorf.
II. Verlauf des Kampfes von zwei Uhr Nachmittags an bis zum
Ausgang e der Schlacht. – Vorrücken Bülow's. – Die ſächſiſche Diviſion
– 175 –

geht auf die Seite der Verbündeten über. – Bewegung der franzöſiſchen Re
ſerven zur Unterſtützung Ney's. – Der Feind zieht ſich auf Stötteritz zurück. –
Verſuch Barklay's ſich Probſtheide zu bemächtigen. – Maßregeln Napoleon's
zur Vertheidigung dieſes Punktes. – Verhalten der Oeſtreicher auf dem linken
Flügel der böhmiſchen Armee. – Verhalten Sacken's nördlich von Leipzig. –
Mork rückt auf Merſeburg. – Verſuch Sacken's ſich Schönfeld zu bemächtigen. –
Vorrücken der Nord-Armee; Verhalten der ruſſiſchen Kavalerie. – Die Ruſſen
nehmen Schönfeld ein. – Berathſchlagung der verbündeten Heerführer. – Plan
für den folgenden Tag.
Napoleon entſchließt ſich zum Rückzuge. – Aufſtellung der Truppen beider Seiten in
der Nacht von # auf den # October. – Leipzig während des Kampfes. –
Abſicht Napoleon's am folgenden Tage zu kämpfen. – Wirkliche Urſache ſeines
Rückzuges. – Zahl der in der Schlacht bei Leipzig verbrauchten Ladungen.

In der Nacht vom auf den October zog ſich die Armee
Napoleon's auf die Stellung bei Probſtheide zurück. Die Truppen
verließen ihren früheren Standort unter einem heftigen Regen;
ihre Vorpoſten unterhielten das Feuer der Bivouacs; das Vor
rücken der Verbündeten ſollte ſo viel als möglich verzögert wer
den. Napoleon verließ ſein Nachtlager um zwei Uhr nach Mitter
nacht und begab ſich aus Stötteritz in offnem Wagen, die Bivouacs
der alten Garde vorbei, in die Richtung auf Probſtheide. In der
Nähe dieſes Ortes hatte damals die franzöſiſche Artillerie Feuer an
den Pulverkaſten, welchen man wegen Mangel an Pferden nicht
fortbringen konnte, angelegt, da aber einige von ihnen die Ladun
gen nicht verbraucht hatten, ſo fanden unaufhörlich Erploſionen
ſtatt. Napoleon kehrte um und begab ſich nach Reidnitz, wo er
Ney ſprechen wollte. Er fand ihn und ſeinen ganzen Stab noch
im tiefſten Schlafe. Darauf fuhr er über Leipzig nach Lindenau,
wo er Bertrand den Befehl ertheilte mit dem 4-ten Corps auf
Weiſſenfels zu rücken. Gegen acht Uhr kehrte er nach Stötteritz
zurück.
– 176 –

In dieſer Zeit hatten die franzöſiſchen Truppen folgende


Aufſtellung (*): die linke Flanke des rechten Flügels der Armee
war zurückgetreten, mithin nahm die Fronte jenes Flügels die
Linie zwiſchen Connewitz und Probſtheide ein, namentlich blieb
der am Vorabende zum Marſchalle beförderte Fürſt Poniatowſki
mit dem 8-ten Corps am äußerſten rechten Flügel, an die Pleiſſe
bei Connewitz und Lößnig gelehnt; ein Theil des Reſerve
Corps Augereau ſtand linkshin von den Truppen Poniatowſki's
und ein anderer Theil nahm das Gebüſch zwiſchen Döhlitz und
Lößnig ein; die Reſerve dieſer Truppen bildeten das von der
Kavalerie der Diviſion Dombrowſki, unter dem Befehle des
Generals Krukowetzki, verſtärkte 4-te Kavalerie-Corps Keller
mann und Oudinot mit der 2-ten Diviſion der jungen Garde.
Linkshin von Oudinot ſtanden die Truppen des 2-ten Corps
Victor und hinter ihnen das 5-te Kavalerie-Corps. Zur Unter
ſtützung Victor's war auch Mortier mit zwei Diviſionen der
jungen Garde beſtimmt, der aber in der Folge den Befehl
erhielt Bertrand bei Lindenau abzulöſen. Das 1-te Kavalerie
Corps ſtand hinter Stötteritz. Alle hier bezeichneten Truppen des
rechten Flügels der Armee ſtanden unter dem allgemeinen Be
fehle Murat's. Im Centrum befanden ſich: das 11-te Corps
Macdonald bei Holzhauſen, hinter ihm das 5-te Corps Lauri
ſton vor Stötteritz; das 2-te Kavalerie-Corps zwiſchen Holzhau
ſen und Baalsdorf. Auf dem linken Flügel, unter dem allgemeinen
Befehle Ney's, ſtanden: die ſächſiſche Diviſion des 7-ten Corps
Regnier bei Paunsdorf und Heiterblick; die franzöſiſche Divi
ſion Durutte deſſelben Corps zwiſchen Paunsdorf und Schönfeld,
ein Theil des 3-ten Corps Souham und des 6-ten Marmont
nahm zuvörderſt das linke Ufer der Partha von Schönfeld an

(“) Plan der Schlacht bei Leipzig am # October 1813.


– 177 –

bis Kleiden ein, in der Folge aber als die Truppen der Nord
Armee dieſe Stellung in der rechten Flanke umgangen hatten,
veränderte er die Fronte indem er ſeine rechte Flanke zurückzog;
das 6-te Corps ſtand am äußerſten linken Flügel bei Schönfeld,
das 3-te Infanterie-Corps rechtshin von ihm, das 3-te Kava
lerie-Corps hinter ihnen, in Reſerve. Die Garde-Kavalerie Nam
ſouty zur Linken von Stötteritz und die alte Garde zur Rechten
von dieſem Orte bildeten die allgemeine Reſerve. Die Diviſion
Dombrowſki endlich nahm nördlich von Leipzig die Landhäuſer
von Pfaffendorf und Roſenthal ein. Die Zahl der Truppen Na
poleon's auf dem linken Ufer der Partha, zwiſchen dieſem Fluſſe
und der Pleiſſe, betrug an hundertachtunddreißigtauſend Mann,
die Diviſion Dombrowſki aber und die Leipziger Garniſon mit
gezählt, an hundertfünfzigtauſend Mann (').
Die Verfügungeu der Verbündeten zum Angriffe auf den
Feind am + October waren folgende:
Mit Ausnahme des Corps Gyulay, welches auf dem linken
Ufer der Elſter geblieben war und der Diviſion Lederer, die ſich
zwiſchen der Elſter und der Pleiſſe befand, ſollte die böhmiſche
Armee, verſtärkt von den Truppen Bennigſen's und des Grafen
Colloredo, hundertfünfzigtauſend Mann an der Zahl, in drei Ko
lonnen vorrücken: die linke, unter dem Befehle des Kron
prinzen von Heſſen-Homburg, auf Döhlitz und Döſen; die
mittlere, Barklay de-Tolli's, auf Wachau, Liebertwolkwitz
und Probſtheide; die rechte, General Bennigſen's, auf
Holzhauſen, Baalsdorf und Zweinaundorf (*). Die verbündeten
Monarchen befanden ſich im Beginne der Schlacht auf dem Gal
genberge, öſtlich von Wachau, und in der Folge auf dem Hügel
nördlich von Liebertwolkwitz, in der Nähe der alten Ziegelei,
welcher ſeit der Zeit die Benennung „der Monarchenhügel“ er
hielt (*).
12
– 178 –

Die Truppen der Nord-Armee, achtundfünfzigtauſend Mann


an der Zahl, waren nach acht Uhr Morgens aus Breitenfeld auf
gebrochen und rückten auf Plauſſig, Seegeritz, Grasdorf und
- Taucha vor. Im letztern Orte ſollten ſie die Partha überſchreiten.
Das Corps Langeron mit den Truppen St.-Prieſt, fünfund
zwanzigtauſend Mann ſtark, rückte auf Mockau und Plöſen, um
ebenfalls über die Partha zu gehen. In Mockau war in der Eile
eine Brücke erbaut; in der Folge aber ging ein Theil des Corps
Langeron durch die Furth. Unterdeſſen hatte der Kronprinz von
Schweden, Langeron den Befehl ertheilt auf Taucha zu rücken
und an dieſem Punkte die Partha zu überſchreiten: dieß wäre für
Langeron ein Zeitverluſt von vier Stunden geweſen; Blücher
aber, welcher ſich zu der Zeit beim ruſſiſchen Corps befand, ant
wortete dem Prinzen, daß „der General Langeron ſeine Befehle
auf dem linken Ufer der Partha bei Naundorf erwarten würde“,
und gab dem Corps die Weiſung ſeine Bewegung auf Mockau
fortzuſetzen (*). Die übrigen Corps der ſchleſiſchen Armee, Sacken
und M)ork, fünfundzwanzigtauſend Mann an der Zahl, ſollten
auf Leipzig von Golis und Euteritzſch rücken; das Corps Gyulay,
achtzehntauſend Mann ſtark, von Lindenau aus. Folglich hatten
die Verbündeten an dieſem Tage zweihundertachtzigtauſend Mann
auf dem Schlachtfelde (*). -

Zur leichtern Ueberſicht kann die Schlacht am - October in


zwei Abſchnitte getheilt werden: 1) vom Tagesanbruch an bis
zwei Uhr Nachmittags, und 2) von zwei Uhr Nachmittags bis
zur Nacht. Im Verlaufe des erſten Akts der Schlacht rückten die
Truppen der Haupt- und polniſchen Armee von den Punkten aus,
welche die feindlichen Vorpoſten eingenommen hatten, bis Probſt
heide und Zweinaundorf, wo die Nord-Armee mit dem Corps
Langeron die Partha überſchritten und auf Schönfeld und Pauns
dorf gerückt war. Der zweite Akt enthält: die Angriffe der Haupt
– 179 –

und polniſchen Armee auf Probſtheide und Zweinaundorf, den


Uebergang der ſächſiſchen Truppen auf die Seite der Verbünde
ten, den Angriff auf Pfaffendorf ſeitens der ſchleſiſchen Armee,
das Erſcheinen der Nord-Armee auf dem Schlachtfelde, die An
griffe dieſer Armee und des Corps Langeron auf den linken Flü
gel der feindlichen Stellung, den Verſuch der Verbündeten ſich
Stötteritz zu bemächtigen und die vom Feinde am Schluſſe der
Schlacht ergriffenen Maßregeln zur Vertheidigung ſeiner Stel
lung (“).

I. Verlauf des Kampfes vom Tagesanbruch an


bis zwei Uhr Nachmittags.

Verhalten des Koſaken-Detaſchements Platow's


und der Armee Bennigſen's.

Noch um drei Uhr nach Mitternacht rückte Platow, der ſich


am äußerſten rechten Flügel der polniſchen Armee befand, von
Zweinfurth aus zum Umgehen der linken Flanke der feindlichen
Armee auf Hirſchfeld, durchſchnitt die Wurzener Straße und trat
auf der Eilenburger Straße in Verbindung mit den Patrouillen
des Generals Emanuel. Das unerwartete Erſcheinen der Koſa
ken erzeugte eine große Verwirrung in den feindlichen Fuhren,
welche zwiſchen Sommerfeld und Melkau ſtanden. Graf Bubna
rückte von Machern aus, um drei Uhr nach Mitternacht, über Bran
dis auf Beicha, um dort die Partha zu überſchreiten und ſich der
rechten Flanke der polniſchen Armee zu nähern, da aber die
Brücke von anhaltendem Regen weggeſchwemmt war, ſo mußten
die Geſchütze und die Truppen den Fluß über die mehr als zwei
Fuß tiefe Furth überſchreiten; die Pulverkaſten gingen über die
Brücke bei Borsdorf. Um acht Uhr Morgens hatte die Diviſion
– 180 –

des Grafen Bubna den Fluß überſchritten und rückte darauf nach
Melkau hin. Die Truppen der polniſchen Armee aber nahmen
folgende Richtung: das Detaſchement des Generals Kreutz und
hinter ihm die Avantgarde des Grafen Stroganow und die Ka
valerie Tſchaplitz über Klein-Peſſnau auf Baalsdorf; der Gene
ral Dochturow, mit der 12-ten und 26-ten Diviſion, auf Klein
Peſſnau und weiter zum Umgehen des Feindes auf Holz
hauſen; das Corps Klenau, mit der 13-ten Diviſion Iwa
now und der Brigade Ziethen, ſollte den Kolmberg von bei
den Seiten umgehen und ihn einnehmen (*). Ueberhaupt, um
die Verbindung mit dem Kronprinzen möglichſt ſchnell zu er
öffnen, hatte Bennigſen ſeine Armee auf einen großen Raum
ausgedehnt. -

Die Truppen des Letzteren hatten ihr Nachtlager noch vor


Tagesanbruch verlaſſen und waren bei Seifertshain um ſieben
Uhr Morgens angelangt. Der Feind hatte den Kolmberg bereits
geräumt. Kreutz und Graf Stroganow bemächtigten ſich Baals
dorfs beinahe ohne Widerſtand. Zu derſelben Zeit rückte Klenau
auf Holzhauſen, welches von der aus heſſen-darmſtädtſchen und
badenſchen Truppen beſtehenden Diviſion Marchand eingenommen
war, und Ziethen auf Zuckelhauſen, wo die franzöſiche Diviſion
Charpentier ſtand. Die Einnahme dieſer Orte war nothwendig,
um das weitere Vorrücken Bennigſen's zu ſichern. Vor genann
tem Orte und auf der Höhe, der Steinberg, waren ſtarke Batte
rien aufgeſtellt. Hinter dem Steinberge ſtand die Diviſion Gerard;
ein Hohlweg zwiſchen beiden Orten war von einer dichten Schützen
kette beſetzt. Als Graf Klenau ſich der feindlichen Stellung ge
nähert hatte, ſchob er einige Batterien, unter der Bedeckung des
Infanterie-Regiments Lichtenſtein, der Chevaurlegers Hohen
zollern und der Küraſſiere Kaiſer, vor. Nach einer hitzigen Kano
nade griff General Beſt mit den Regimentern Würtemberg und
– 181 –

Kerpen Holzhauſen an, und General Abel mit dem Regimente


Lichtenſtein und der preußiſchen Brigade Ziethen ſtürmten Zuckel
hauſen. Der Feind vertheidigte ſich hartnäckig in Holzhauſen;
obgleich die Oeſtreicher in den Ort eindrangen, waren ſie doch
zurückgedrängt. Die Franzoſen nahmen auch Baalsdorf ein.
Bennigſen unterſtützte die Oeſtreicher mit dem Infanterie-Regi
mente Narwa und der 45-ten Batterie-Compagnie des Oberſten
Begunow; dieſe Truppen, die bald darauf von den übrigen Re
gimentern der 12-ten Diviſion, den beiden Regimentern der 18-ten
Diviſion des Generalmajors Iwanow, der 47-ten und 55-ten
leichten Compagnie und der 10-ten reitenden Halb-Compagnie
verſtärkt wurden, nöthigten die Franzoſen um zwei Uhr Nach
mittags den Ort gänzlich zu räumen.
Da der Feind übrigens die von ihm eingenommene Stellung
hartnäckig vertheidigte, ſo rückte General Paskewitſch mit der
26-ten Infanterie-Diviſion in ſeine Flanke gegen den Steinberg
zu. Die Franzoſen eröffneten eine heftige Kanonade, welche den
angreifenden Kolonnen einen bedeutenden Verluſt beibrachte;
unter den Verwundeten befand ſich Generalmajor Lindfors, wel
chem von einer Kanonenkugel ein Bein abgeriſſen wurde. Darauf
warf ſich die Kavalerie Sebaſtiani's auf die 12-te Infanterie
Diviſiou, wurde aber von den Regimentern Smolenſk und Narwa
zurückgedrängt: dieſe Regimenter zeichneten ſich beſonders aus
und griffen zwei Geſchütze auf. Die öſtreichiſche Kavalerie, unter
der perſönlichen Anführung des Grafen Klenau, verfolgte den
Feind, welcher ſich aus Holzhauſen nach den Steinberg zurück
zog, und eroberte drei Geſchütze. Der Rückzug der Franzoſen
zwang auch die heſſen-badenſchen Truppen ſich auf Stötteritz
zurückzuziehen. Das Detaſchement Kreutz, unterſtützt von einem
Theile der Kavalerie Tſchaplitz, unter dem Befehle des Generals
Dechtiarew, und von drei Schwadronen der Penſaer Landwehr
– 182 –

des Oberſten Beſobraſow, marſchierte durch das von den Trup


pen Stroganow's eingenommene Dorf Zweinaundorf und trat in
einen hitzigen Kampf mit feindlichen Küraſſieren. Die franzöſi
ſchen Batterien brachten unſrer Kavalerie großen Verluſt bei,
wurden aber von der 56-ten leichten Compagnie des Oberſtleut
nants Taube zum Schweigen gebracht.
Die feindlichen Truppen, welche den Steinberg einnahmen,
fürchteten abgeſchnitten zu werden und zogen ſich auf Propſtheide
zurück. Dieß benutzte Bennigſen und befahl jene Höhe von einigen
öſtreichiſchen Batterien und zwei ruſſiſchen Batterie-Compagnien
zu beſetzen. Dieſe Artillerie eröffnete unverzüglich ihr Feuer auf
die ſich nach Stötteritz hin zurückziehenden feindlichen Truppen
und Batterien.
Am äußerſten rechten Flügel hatte ſich die Diviſion des
Grafen Bubna Paunsdorfs bemächtigt, wurde aber von den
Truppen der Diviſion Durutte, vom 7-ten Corps, zurückge
drängt (").

Verhalten der Truppen Barklay de-Tolli's.

Um ſieben Uhr Morgens ſtellten ſich die Corps des Grafen


Wittgenſtein in Kampfordnung zwiſchen Gülden-Goſſa und dem
Univerſitäts-Walde auf. Linkshin von ihnen ſtellten ſich die Trup
pen Kleiſt's auf; die Grenadiere aber, die Garde und die ruſſi
ſchen Küraſſiere bildeten die Reſerve. Die verbündeten Monarchen
und der Oberfeldherr folgten allmählig den vorrückenden Trup
pen und ſtellten ſich auf die Höhe zur Rechten von Meisdorf (der
Monarchenhügel), von wo aus man den Verlauf der Schlacht
leicht überſchauen konnte. Um acht Uhr rückte der Fürſt Gortſcha
kow mit dem 1-ten Corps auf Liebertwolkwitz, der Prinz Eugen
von Würtemberg mit dem 2-ten Corps in den Raum zwiſchen
– 183 –

Liebertwolkwitz und Wachau; Kleiſt, mit drei Brigaden ſeines


Corps, gerade auf Wachau; der Generalleutnant Graf Pahlen
mit ſeiner leichten Kavalerie und den Küraſſieren der 2-ten Di
viſion unterhielt die Verbindung zwiſchen den Kolonnen Bennig
ſen's und Barklay's. Nach einigen regnigten Tagen wurde das
Wetter heiter; die Truppen rückten mit Trommelſchlag und Muſik
raſch vor. Die feindlichen Vorpoſten, gegenüber Kleiſt bei Meis
dorf, zogen ſich auf die Hauptſtellung zurück. Die Truppen Witt
genſtein's begegneten den Feind, gegen zehn Uhr, hinter Liebert
wolkwitz, eröffneten auf ihn eine heftige Kanonade, bekamen aber
den Befehl einzuhalten, in der Erwartung des weitern Vorrückens
der Kolonnen Bennigſen's und des Prinzen von Heſſen-Hom
burg. Der Angriff auf den Ort Probſtheide mit ſeinen vielen
ſteinernen Häuſern und Ringmauern bot außergewöhnliche Hin
derniſſe dar. Der Feind überzeugte ſich von der großen Wichtig
keit dieſes Punktes, mit deſſen Verluſt er die Vertheidigung ſei
ner Stellung aufgeben und ſich auf Leipzig zurückziehen mußte.
Probſtheide wurde alſo ſtark mit Infanterie beſetzt, hinter dem
Orte ſtanden zahlreiche Reſerven und zu beiden Seiten große
Batterien, die ein Kreuzfeuer auf alle Zugänge unterhielten. Da
unterdeſſen die Truppen des Prinzen von Heſſen-Homburg, die
auf dem linken Flügel längs der Pleiſſe vorrückten, mit Verluſt
zurückgeſchlagen wurden und die Armee Bennigſen's noch nicht
Zeit gehabt hatte in eine Linie mit den vorgeſchobenen Truppen
Barklay's zu treten, ſo befahlen die verbündeten Monarchen Letz
terem mit ſeinem Vorrücken einzuhalten. Die Schlacht beſchränkte
ſich auf dieſem Punkte bis zwei Uhr Nachmittags auf Artillerie
und Flintenfeuer. Der General Graf Pahlen aber war ange
wieſen den ſich in Unordnung von Holzhauſen auf Stötteritz zu
rückziehenden Feind anzugreifen. Seine Kavalerie warf ſich
ungeſtüm auf ihn, ohne von den bei Propſtheide ſtehenden Batte
– 184 –

rien abgehalten zu ſein, konnte aber die feindliche Infauterie


nicht abſchneiden; nur ein Theil ihrer Artillerie fiel in die Hände
der Grodnoſchen Huſaren (*).

Verhalten der Truppen des Prinzen von Heſſen


Homburg.

Die öſtreichiſchen Truppen des Prinzen von Heſſen-Homburg


und die ruſſiſchen unter dem Befehle Barklay de-Tolli's hatten
die Beſtimmung, einſtweilen bei Mark Kleeberg im Vertheidi
gungsſtande zu bleiben; kaum aber war der Rückzug des Feindes
von Wachau her bemerkt, als die Oeſtreicher in den Raum zwi
ſchen Döſen und Löſſnig vorrückten, ihre linke Flanke an die
Pleiſſe lehnten und mit der rechten Flanke ihre Verbindung
mit den auf Probſtheide anrückenden Truppen Kleiſt's unterhiel
ten: in der erſten Linie befand ſich die Diviſion Bianchi, in der
zweiten, die Diviſion Weiſſenwolf, hinter ihnen die Kavalerie und
endlich in Reſerve, die Diviſion Alois Lichtenſtein und das 1-te
Corps des Grafen Colloredo. Die Truppen des Fürſten Ponia
towſki, welche Döſen, Döhlitz uud Löſſnig einnahmen, wurden
zurückgedrängt. Als aber Napoleon, welcher ſich zu der Zeit bei der
Windmühle, ſüdlich vom Thonberge, aufhielt, die Erfolge der
verbündeten Truppen gewahr wurde, ſchickte er zur Unterſtützung
ſeines rechten Flügels zwei Diviſionen der jungen Garde unter
dem Befehle des Marſchalls Oudinot. Der Kampf erneuerte ſich
mit Wuth; der Verluſt beider Seiten war ſehr groß; unter den
Verwundeten befand ſich der Prinz von Heſſen-Homburg ſelber.
Sein Nachfolger im Commando, Graf Noſtitz, war gezwungen,
genannte drei Dörfer dem Feinde zu überlaſſen; die ganze öſt
reichiſche Reſerve war ſchon verwendet. Der Oberfeldherr, be
unruhigt über die zweifelhafte Sachlage auf dieſem Punkte, ſchickte
– 185 –

den Hauptmann vom Generalſtabe, Adelſtein, zum General Gyu-


lay mit dem mündlichen Befehle, auf Cröbern, zur Unterſtützung der
auf dem rechten Ufer der Pleiſſe kämpfenden Truppen, zu rücken.
Die Bewegung Gyulay's erfolgte zu derſelben Zeit als das fran
zöſiſche Corps Bertrand's, abgelöſt von zwei Diviſionen der jun
gen Garde unter dem Befehle Mortier's, von Lindenau auf
Mark Ranſtädt ausgerückt war. Demnach war der einzige Rück
zugsweg des Feindes nach dem Rheine hin geöffnet. In der Folge
(1820) rechtfertigte Schwarzenberg ſeine Verfügung dadurch, daß
man, ſeiner Anſicht nach, einen Feind, der noch bedeutende Kräfte
behalten, nicht auf's Aeußerſte bringen müſſe. Wenn man aber
die Richtigkeit dieſer Erwägung zugeſtände, müßte man freiwil
lig auf jede Gelegenheit, dem Gegner einen empfindlichen Schlag
beizubringen, verzichten. Viele haben verſucht die Maßnahme
Schwarzenberg's der Politik des Wiener Cabinets beizumeſſen,
welches die Herrſchaft Napoleon's nur ſchwächen, nicht gänzlich
unterdrücken wollte. In jedem Falle war die Gyulay angewie
ſene Bewegung unnütz, weil er nicht zur rechten Zeit auf das
rechte Ufer der Pleiſſe anlangen konnte und den ganzen Tag in
zweckloſen Märſchen zugebracht hatte, anſtatt die Gelegenheit zu
benutzen, auf die Verbindungen des Feindes entſchieden zu wirken.
Nur die Brigade Czollich konnte bei Gautzſch anlangen und das
ſchon zu der Zeit als die Gefahr entfernt war. Ein Theil der
ruſſiſchen Reſerven (namentlich die 2-te Grenadier- und die
3-te Küraſſier - Diviſion) waren auch zur Unterſtützung der
Oeſtreicher geſendet; das allgemeine Vorrücken aber der Ver
bündeten bewog den Feind ſeine Aufmerkſamkeit ausnahms
weiſe der Vertheidigung der von ihm eingenommenen Stellung
zuzuwenden (").
– 186 –

Vorläufige Maßnahmen Napoleon's.

Während des gemeinſamen Vorrückens der böhmiſchen und


polniſchen Armee befand ſich Napoleon bei der Windmühle, ſüd
lich vom Thonberge. Die alte Garde ſtellte ſich dort auf. Nach
dem er auf nackter Erde einige Minuten ausgeruhet, ſetzte er ſich
wieder aufs Pferd und begab ſich zu den auf die Höhen bei
Probſtheide vorgeſchobenen Garde-Batterien. Die Kanonade
verſtärkte ſich unaufhörlich; einige Kugeln flogen über den Kopf
Napoleon's und der ihn begleitenden Berthier und Murat. Als
er die Vorbereitungen der Verbündeten zum Angriffe bemerkte,
befahl er der 2-ten Diviſion der alten Garde ſich in Kolonnen
hinter die Batterien aufzuſtellen. Die ſächſiſchen und weſtphaler
Garde-Bataillonen wurden zur Unterſtützung Poniatowſki's ge
ſendet (").
Die ſächſiſchen Truppen, welche kein großes Vertrauen in
ihrer Ergebenheit gegen die Franzoſen einflößten, bekamen noch
früh Morgens den Befehl nach Torgau zu gehen. Als es ſich aber
aus der vom General Regnier perſönlich ausgeführten Recog
noscierung erwies, daß der Weg über Eilenburg nach Torgau
von den Verbündeten verſperrt war, ſo wurde die ſächſiſche In
fanterie-Diviſion, welche ſchon von Paunsdorf auf Heiterblick
aufgebrochen war, zurückgeführt und ſtellte ſich mit ihrer Artil
lerie und einer Schwadron Huſaren, zu beiden Seiten der Wur
zener Straße bei Paunsdorf auf; die übrigen ſächſichen Truppen
(die Brigade leichter Kavalerie, das Schützen-Bataillon Sahr's
und die reitende Batterie Birnbaum's) blieben zwiſchen Heiter
blick und Taucha; ihre Vorpoſten waren bis zur Partha vorge
ſchoben; ein Bataillon beſetzte Tancha. Demnach befanden ſich
dieſe wenig zahlreichen Truppen und beſonders die leichte Ka
– 187 –

valerie und die weit vorgeſchobenen zwei Bataillonen, in einer


ſehr gefährlichen Lage. Der das 7-te Corps, in welchem die ſäch
ſiſche Diviſion zählte, commandierende General Regnier, genoß
die tiefſte Achtung ſeiner Untergebenen, überhaupt aber waren
die Franzoſen von den Sachſen gehaßt. Wie konnte es anders
ſein? Ihr ſchönes Land war von den Truppen Napoleon's ver
wüſtet; im Kampfe gegen ihre Stammgenoſſen für eine dem
Intereſſe ihres Vaterlandes fremde Sache, litten ſie fort
während den größten Mangel an Unterhalt; dabei fühlten
ſie ſich tief beleidigt von den Franzoſen, welche ſie im Ver
luſte der Dennewitzer Schlacht beſchuldigt hatten. Unter der
Einwirkung aller dieſer Umſtände befanden ſich die ſächſiſchen
Truppen, als am Ä October die verbündeten Krieger vor ihnen
erſchienen (*).

Uebergang des Corps Langeron auf die linke Seite der


- Partha.

Langeron, der, wie wir geſehen, mit Einwilligung Blücher's


unter den Befehl des Kronprinzen von Schweden getreten war,
wurde vom Letzteren, als er mit ſeiner Armee auf Taucha auf
gebrochen war, angewieſen, bei Mockau und Plöſen auf dem rech
ten Ufer des Fluſſes, den Uebergang der Nord-Armee zu decken
und ihr auf's linke Ufer zu folgen. Die Truppen Langeron's
und St.-Prieſt's näherten ſich um neun Uhr Morgens Mockau;
ſechsunddreißig Batterie-Geſchütze eröffneten ſogleich ihr Feuer
auf die Truppen des 3-ten Corps Souham's, die bei Neutzſch
ſtanden. Um zehn Uhr brachte dieſe, von noch ſechsunddreißig auf
dem Keulenberge aufgeſtellten Geſchütze verſtärkte, Artillerie die
franzöſiſchen Batterien zum Schweigen. Dieß benutzte der Gene
ral Rudſewitſch, der die Avantgarde Langeron's comman
– 188 –

dierte (*); bis zum Gürtel im Waſſer überſchritten ſeine Trup


pen die Partha bei Mockau und bemächtigten ſich des vom
Feinde mit Schützen und Artillerie ſtark beſetzten Kirchhofs der
heiligen Thekla und drängten ihn auf Schönfeld zurück. Die Ka
valerie des Generals Korf überſchritt die Partha durch eine Furth
bei Plöſen und betrat die Straße, die von Leipzig nach Taucha
führt. Unterdeſſen hatte der Kronprinz letzteren Ort mit großem
Zeitverluſte auf Umwegen erlangt und wollte Langeron auch dort
hin, die Partha aufwärts, rücken laſſen; Blücher aber, der ſich
zu der Zeit beim ruſſiſchen Corps befand, widerſetzte ſich dieſer
Verfügung des Prinzen und berichtete ihm, „daß Graf Langeron
in der Erwartung ſeiner Befehle ſchon aufs linke Ufer der
Partha übergegangen ſei“. Darauf erbat ſich Langeron vom
Prinzen die Erlaubniß Schönfeld anzugreifen. Um ein Uhr Nach
mittags rückte er auf jenen Ort an der Spitze des 8-ten und 10-ten
Corps vor; ihnen folgte das 9-te Corps und die Kavalerie
Korfs, die Regimenter Emanuel's ausgenommen, die auf Hei
terblick dirigiert waren. Die Jäger-Regimenter 29, 37, 45
nnd das Infanterie-Regiment Staroſkol nahmen den Ort mit
Sturm, ungeachtet des hartnäckigen Widerſtandes der Franzoſen
unter der perſönlichen Anführung des Marſchalls Marmont.
Der Feind aber, verſtärkt von friſchen Truppen, nahm Schön
feld wieder ein, wobei beſonders das Regiment Staroſkol Ver
luſte erlitt. Der Major Philipow wurde getödtet; General Kap
zewitſch und Artillerie-Oberſt Magdenko wurden verwundet.
Kapzewitſch brachte die geworfenen Truppen wieder in Ordnung,
verſtärkte ſie bei Naundorf mit den Regimentern Wjatka und
Olonetz, unter dem Befehle des Generalmajors Turtſchaninow,
und befahl den Angriff zu erneuern; das 9-te Infanterie-Corps
Olſufiew folgte in Reſerve. An der Spitze der ſtürmenden Ko
lonne drang der Oberſt Waſſiltſchikow mit dem Regimente Wjatka
– 189 –

in Schönfeld ein; die Truppen beider Seiten untermengten ſich


im Kampfe mit Bajonett und Kolbe; endlich waren die Ruſ
ſen gezwungen die von ihnen eingenommenen Häuſer zu räumen.
General Langeron befahl Olſufiew in's Feuer zu rücken. Die
Regimenter Naſcheburg, Jakutzk und Staro-Ingermanland grif
fen den Ort an. Es war dieß der dritte Verſuch. Zu gleicher
Zeit rückten im Sturme vor: der Oberſt Kern mit den Regimen
tern Rjaſan und Bieloſersk, und der General Pillar mit den
Regimentern Breſt und Wilmanſtrand; ihnen folgten die Trup
pen St.-Prieſt's. Eine fürchterliche Feuersbrunſt im ganzen Orte
und die verzweifelte Vertheidigung der Franzoſen nöthigte die
Ruſſen zum Rückzuge. Eine Menge Verwundeter beider Seiten
wurden ein Opfer der Flammen (").
Beinahe gleichzeitig mit dem Angriffe Olſuſiew's auf Schönfeld
gingen die ſächſiſchen Truppen: die leichte Kavalerie-Brigade
und das Bataillon Sahr, zum General Emanuel über.
Dieſe Truppen ſtanden, wie ſchon geſagt, zwiſchen Heiter
blick und Taucha, vor der Hauptpoſition. Noch um neun Uhr
Morgens überzeugte ſich der Commandeur eines von den ſächſi
ſchen Regimentern, Major Fabris, von der Bereitwilligkeit ſei
ner Untergebenen zu den Verbündeten überzugehen. Dießtheilte
er vermittelſt eines Offiziers dem Generale Zeſchau, der mit In
fanterie bei Paunsdorf ſtand, mit, zugleich ſetzte er den General
von der gefährlichen Lage ſeiner Truppen in Kenntniß. General
Zeſchau berathſchlagte über dieſen Umſtand mit den Comman
deuren der Infanterie-Brigade, Generalmajor Ryſſel und Oberſt
Krauſe, und erklärte dem Abgeſandten: „daß er ohne den beſtimm
ten Befehl des Königs ſeiner Pflicht nicht untreu werden könne.“
Dieſer Beſcheid änderte doch die Abſicht der zum Abfalle von den
Franzoſen geneigten Sachſen nicht. Nach zehn Uhr Morgens er
ſchienen unterdeſſen bei Heiterblick die Dragoner Emanuel's
– 190 –

und die Koſaken Platow's; etwas ſpäter, von der Seite von
Taucha, die Kavalerie Winzingerode's. Die Sachſen, ungefähr
ſiebenhundert Reiter an der Zahl, warfen ſich auf die Verbünde
ten, wurden aber zurückgeſchlagen; darauf gingen ſie zum zweiten
Male den Koſaken entgegen, doch ohne die Säbel zu ziehen;
ſie blieben in nicht großer Entfernung ſtehen und bewillkommten
die Ruſſen mit einem lauten Hurrah! General Emanuel ritt
den ſächſiſchen Offizieren, welche ihrer Mannſchaft zuvorgekom
men, entgegen, überzeugte ſich von ihrem Entſchluſſe in den
Reihen der Verbündeten zu kämpfen und berichtete darüber dem
Grafen Langeron. Das Bataillon Sahr's folgte dem Beiſpiele
der Kavalerie; die reitende Batterie Birnbaum's aber und ei-.
mige Kavalerie-Offiziere und Soldaten begaben ſich zu der bei
Paunsdorf ſtehenden Infanterie-Diviſion (*).
Gleichzeitig ging die würtembergſche Kavalerie-Brigade, un
gefähr ſechshundert Mann an der Zahl, zu Platow über. Der
ſie commandierende General Normann aber erklärte, daß ſeine
Truppen ohne den Befehl ihres Königs gegen die Franzoſen
nicht kämpfen würden (").

Uebergang der Nord-Armee über die Partha.

Die Armee des Kronprinzen von Schweden, welche von


Breitenfeld aus auf Umwegen bei Taucha angelangt war, über
ſchritt die Partha ſpäter als das Corps Langeron; die Truppen
Winzingerode's waren nach acht Uhr Morgens von ihrem Nacht
lager aufgebrochen, rückten auf Grasdorf, erneuerten dort die
Brücke unter dem Feuer der feindlichen Schützen und gingen aufs
linke Ufer des Fluſſes über, nachdem ſie einen Theil der Kava
lerie, unter dem Befehle des Generalmajors Graf Pahlen, auf
dem rechten Ufer, nach Taucha hin dirigiert hatten. Das ſächſi
– 191 –

ſche Bataillon, welches mit einigen Geſchützen dieſen Ort ein


nahm, wurde von den ruſſiſchen Truppen umringt. Nachdem es ein
ziemliches Gefecht, in welchem der Commandeur der 13-ten rei
tenden Compagnie, Oberſt Arnoldi, ein Bein verlor, beſtanden
hatte, legte es die Waffen nieder. Darauf ging die Kavalerie
Pahlen's über die Partha. Ihr folgten die Truppen des Corps
Bülow: die Brigade des Prinzen von Heſſen-Homburg bei Gras
dorf, die Brigade Borſtell's und Krafft's und die Kavalerie Op
pen's bei Taucha, und um ein Uhr Nachmittags das ſchwediſche
Corps: die Infanterie bei Plauſſig, über die dort erneuerte Brücke,
die Kavalerie über die Furth. Darauf gingen über die Brücke
die Reſerve-Artillerie, die Parks und die Fuhren der Nord-Ar
mee. Um drei Uhr nahm ſie die ihr beſtimmte Stellung, zwiſchen
dem Corps Langeron und den gegenüber Paunsdorf und Stötte
ritz haltenden Truppen Bennigſen's, ein ("). -

Verhalten der ſchleſiſchen Armee nördlich von Leipzig.

Blücher befand ſich beim Corps Langeron. Gegen neun Uhr


Morges bemerkte er von der Windmühlen-Höhe, beim Dorfe
Mockau, aus das Annähern der böhmiſchen Armee. Alsbald
befahl er Sacken das Gut Pfaffendorf anzugreifen und ſich
des Haller Thores zu bemächtigen; Mork der ſeine Truppen
in zwei Diviſionen umformiert hatte, erhielt um neun Uhr die
Weiſung ſich zwiſchen Golis und Euteritzſch aufzuſtellen und
Sacken zu unterſtützen. Die ruſſiſchen Truppen rückten vor. Die
Kavalerie des Herzogs von Padua (Arrighi) war bis in die
Vorſtadt zurückgeworfen, die Infanterie Dombrowſki's aber, un
terſtützt von den Truppen des franzöſiſchen Depots, vertheidigte
ſich mit außerordentlicher Hartnäckigkeit. Generalleutnant Ne
werowſki griff mit den Truppen der 27-ten Diviſion Pfaffendorf
– 192 –

an; der Oberſt Rachmanow ("), mit den Regimentern Ochotsk


und Kamtſchatka, rückte von Golis her auf Roſenthal. General
major Güne ſtellte 24 Geſchütze der 13-ten Batterie-Compagnie
des Hauptmanns Erir und die 35-te leichte Compagnie des
Oberſtleutnants Nowoſilzow linkshin von Roſenthal, in der Ent
fernung eines Piſtolenſchuſſes von der Stadtmauer, auf und
führte die Truppen durch den Haller Schlag. Güne wurde
tödtlich verwundet. Oberſt Rachmanow und Major Salmanow,
Commandeur des Regiments Kamtſchatka, wurden getödtet. Der
Feind, unterſtützt von einem Theile der Garde, ſchlug die ruſſi
ſchen Truppen zurück. Verſtärkt durch die ſeitens Horn geſen
deten Füſilier-Bataillonen des Leib- und oſt-preußiſchen Regi
ments, hielt Sacken den Feind, welcher Golis einzunehmen
drohte, auf (*).
Um zwei Uhr Nachmittags waren demnach alle Angriffe der
böhmiſchen und ſchleſiſchen Armee von den Franzoſen zurückge
ſchlagen, die Truppen Bennigſen's hatten die Franzoſen bis zu
den ſtark von ihnen beſetzten Dörfern Stötteritz und Paunsdorf
zurückgedrängt und hielten an, in der Erwartung der Mitwir
kung der übrigen Heere; die Truppen der Nord-Armee waren
kaum aufs Schlachtfeld angelangt, indeſſen die Truppen Gyu
lay's im unnützen Hin- und Herrücken Zeit verloren hatten. Al
lein ſchon war der ununterbrochene Bogen von Feuer und Eiſen
auf dem Raume zwiſchen der Pleiſſe und Partha gegen die
franzöſiſchen Heere gebildet. Er war bereit ſich in erneuertem,
das Schickſal Europas entſcheidenden Kampfe zu entladen.

(') Bekannt als Herausgeber eines, dem Zuſtande der damaligen ruſſiſchen Mili
tair-Litteratur gemäß, ſehr gediegenen Militair-Journals.
– 193 –

II Gang des Kampfes von zwei Uhr Nachmittags an


bis zum Schluße der Schlacht.

Weiteres Vorrücken der Truppen Bennigſen's und


Uebergang der übrigen ſächſiſchen Truppen auf die
Seite der Verbündeten.

Ungefähr um zwei Uhr Nachmittags, in derſelben Zeit, als


Graf Bubna, aus Paunsdorf herausgedrängt, die Diviſion
Durutte zu beſchießen anfing, bemerkte man das Vorrücken der
Nord-Armee von Taucha her. Dieß bewog den General Regnier
die ſächſiſche Diviſion auf Sellerhauſen zurückzuführen.
Um drei Uhr Nachmittags ſtießen die Spitzen der Truppen
Bülow's mit ihrem linken Flügel an den rechten Flügel der
Diviſion des Grafen Bubna, rückten auf Paunsdorf vor, bemäch
tigten ſich dieſes Ortes (wie dieß ſpäter ausführlicher darge
legt werden wird) und drängten Durutte auf Sellerhauſen. In
derſelben Zeit faßten die ſächſiſchen Truppen den Entſchluß auf
die Seite der Verbündeten überzugehen (").
Schon längſt warteten ſie auf eine günſtige Gelegenheit um
überzugehen. Als der ſie commandierende General Zeſchau das
Uebergehen der leichten Kavalerie erfahren hatte, meldete er es
ſchriftlich dem Könige Friedrich Auguſt und erbat ſich des Königs
Befehle. Zeſchau berichtete dabei, daß das partielle Uebergehen
auf die Seite der Verbündeten, welches alle ſächſiſchen Truppen
bezweckten, viel ſchädlicher für das Land ſei, als ein entſcheidender
Abfall von den Franzoſen. Der mit dieſem Berichte geſendete
Hauptmann Noſtitz kehrte nach zwei Uhr mit einem eigenhändigen
Zettel des Königs, folgenden Inhalts, zurück:
13
– 194 –

„Herr Generalleutnant Zeſchau! Ich vertraute immer mei


nen Truppen, und in dieſer Zeit mehr als jemals: ſie können
ihre Ergebenheit zu mir nur durch die Erfüllung ihrer Pflicht
darthun; ich bin überzeugt, daß ſie mein Zutrauen rechtfer
tigen werden. Darauf bitte ich Gott ſie unter ſeinem heiligen
Schutze zu nehmen“ (*").
General Zeſchau theilte die Antwort des Königs den Bri
gade-Commandeuren mit und beredete ſie den Willen des Königs
pünktlich zu erfüllen, ſeine Untergebenen aber fanden dieſe Ant
wort zweideutig; ſie glaubten, daß der König, da er ſich in der
Abhängigkeit von Napoleon befand, nicht anders ſchreiben konnte,
nnd daß das Wohl Sachſens das Uebergehen auf die Seite der
Verbündeten erfordere (*).
General Regnier befand ſich während des Rückzuges der
Diviſion Durutte bei den ſächſiſchen Truppen. Um die ihnen bei
gegebene zwölfpfündige Batterie ſicher zu ſtellen, befahl er ihr
ſich hinter der zweiten Brigade, die bei Sellerhauſen ſtand, zu be
geben. Anſtatt deſſen aber rückten ſie in einer Peloton-Kolonne
den Truppen Bennigſen's entgegen. Die Kavalerie Sebaſtiani's
und Walter's, welche ſich anſchickten die ausgedehnte Armee Ben
nigſen's anzugreifen, konnten ſich die Bewegung der Batterie nicht
erklären und bewillkommten die Sachſen mit dem Ausrufe: «Vive
'Empereur!» Die Infanterie der erſten ſächſiſchen Brigade folgte
der Batterie, die zweite Brigade rückte in ſchnellem Schritte ihr
nach. General Zeſchau und Regnier ſelber wollten dieſe Truppen
zurückhalten, alle ihre Anſtrengungen aber waren vergebens; die
übrigen ſächſiſchen Geſchütze folgten hinter ihrer Infanterie. Un
terdeſſen war die Diviſion Durutte mit Kugeln, Granaten und
Congrev-Raketen von der ruſſiſchen Artillerie und der engliſchen
Congrev-Batterie beworfen.
Die zu den Verbündeten übergegangenen ſächſiſchen Truppen
– 195 –

erhielten einen ſehr guten Empfang, es wurde aber nur ihren


vier Geſchützen reitender Artillerie gewährt am Kampfe Theil zu
nehmen; die übrige Artillerie und die ſämmtliche Infanterie nah
men Bivouacs bei Engelsdorf ein und die leichte Kavalerie-Bri
gade beim Corps Mork. General Regnier zog ſich mit vierund
zwanzig Stabs- und Oberoffizieren und ſechshundert Mann untern
Ranges ſächſiſcher Truppen auf Leipzig zurück. Seitens Napoleon's
und aller franzöſiſchen militairiſchen Schriftſteller fand bezüglich
des Abfalls der Sachſen eine große Uebertreibung ſtatt. Es wurde
ihm der Verluſt der großen Schlacht beigemeſſen. Dieſe Mei
nung iſt aber ſehr irrig, oder vielmehr es iſt nur ein Vorwand.
Die Zahl der ſächſiſchen Truppen war ſo unbedeutend, daß ihr
Uebergehen auf die Seite der Verbündeten keinen Einfluß auf
den Gang eines Kampfes, an welchem von beiden Seiten mehr
als vierhunderttauſend Mann Theil nahmen, üben konnte. Am
- October zählte die ſächſiſche Infanterie in ihren Reihen 96 Of
fiziere und 3,246 Mann untern Ranges; die Artillerie (von
deren 22 Geſchützen nur 19thätig ſein konnten) zählte 15 Offi
ziere und 506 Mann untern Ranges (*). Wenn man aber den
von dieſer Diviſion am Ä erlittenen Verluſt und die nach Leipzig
Zurückgekehrten abrechnet, ſo waren es kaum dreitauſend Mann,
die bei Stünz zu den Verbündeten übergingen (*).
Nachdem die verbündeten Monarchen den Bericht Bennigſen's
über dieſes Ereigniß erhalten, gaben ſie den Wunſch zu erkennen,
die Brigade-Commandeure, Generalmajor Ryſſel und Oberſt
Krauſe, zu empfangen. Dieſen Offizieren wurde der Ausdruck
des Wohlwollens der Monarchen für die gegen die allgemeine
Sache Deutſchlands erwieſene Ergebenheit zu Theil. Doch be
merkte ihnen der König von Preußen, daß „die Sachſen lange
auf ſich haben warten laſſen“ (*).
Als Ney über den Abfall der ſächſiſchen Truppen von Regnier
– 196 –

in Kenntniß geſetzt wurde, ergriff er Maßregeln zur Vertheidi


gung des von ihnen verlaſſenen Raumes. Die von Napoleon un
längſt zur Trennung der polniſchen von der ſchleſiſchen Armee
beſtimmten Truppen, namentlich die Garde-Kavalerie Nanſouty's
mit zwanzig Geſchützen der Garde-Artillerie und die Jäger-Bri
gade der alten Garde, unter General Chriſtiani, warfen ſich um
drei Uhr Nachmittags von Krotendorf her auf die 26-te Diviſion
und die leichte öſtreichiſche Diviſion des Grafen Bubna, welche
auf dem rechten Flügel der Bennigſenſchen Truppen vorrückten;
das 2-te und 5-te Kavalerie-Corps unterſtützten dieſen Angriff.
Bennigſen wäre beinahe von den blitzſchnell herbeigeſtürzten fran
zöſiſchen Reitern aufgegriffen worden; Dochturow aber hatte die
Batterie-Compagnien Begunow's und Schulmann's gegen den
Feind gerichtet und ihn zurückgehalten. Der Kampf beſchränkte
ſich auf eine ziemlich hitzige Kanonade (*), an welcher die vier
ſächſiſchen reitenden Geſchütze Theil nahmen. Ihr Commandeur,
Hauptmann Birnbaum, wurde verwundet. Zur Unterſtützung der
ſächſiſchen Batterie waren zu ihren beiden Seiten eine ruſſiſche
reitende Compagnie und eine öſtreichiſche Kavalerie-Batterie auf
geſtellt, deren kräftiges Feuer die Artillerie Nanſouty's zum
Schweigen brachte. General Tſchaplitz benutzte dieſen Erfolg,
griff die feindliche Garde-Kavalerie an und warf ſie mit großem
Verluſte.
Zu derſelben Zeit (es war vier Uhr Nachmittags) langte der
Großfürſt Conſtantin auf dem rechten Flügel des verbündeten
Heeres mit dem Auftrage an, Bennigſen für ſeine Erfolge die
Zufriedenheit des Kaiſers Alerander zu bezeugen und den Kron
prinzen von Schweden zu ſeiner Erſcheinung auf dem Schlacht
felde zu beglückwünſchen. Unterdeſſen war es Stroganow gelun
gen ſich Zweinaundorfs zu bemächtigen; die Truppen Macdonald's
drängten ihn zwar von dort heraus, General Paskewitſch nahm
– 197 –

aber mit der 26-ten Diviſion dieſen Ort wieder ein. Zugleich be
mächtigte ſich Generalmajor Glebow mit den Jäger-Regimentern
6 und 11 des Wäldchens rechtshin von Zweinaundorf. Die Fran
zoſen verſuchten die Erfolge der Verbündeten durch Kavalerie-An
griffe aufzuhalten, wurden aber, von der Kavalerie Tſchaplitz
und Kreutz unterſtützt, von dem Penſaſchen Koſaken-Regimente
und der 56-ten leichten Compagnie des Oberſtleutnants Taube
jedesmal geworfen. In der Dämmerung verminderte ſich die Ka
nonade und verſtummte endlich vollkommen; bei Propſtheide
und Stötteritz aber dauerte die Kanonade und das Flintenfeuer
die ganze Nacht hindurch. Die Truppen des Generals Paske
witſch gingen durch Zweinaundorf und nahmen die vor dieſem
Orte gelegene Windmühlen-Höhe ein; der Graf Klenau, der mit
Sturm deſſen obern Theil (Ober-Zweinaundorf) genommen hatte,
führte von dort aus, zum Angriffe auf Stötteritz, die Regimen
ter Zach und Joſeph Colloredo, wurde aber von einem Regen
von Kartätſchen empfangen und zog ſich mit Verluſt auf Zwei
naundorf zurück (*).

Angriff der Truppen Barklay's auf Probſtheide.

Die Verbündeten bezweckten Probſtheide nicht eher anzugrei


fen, als nachdem die Kolonnen Bennigſen's und des Kronprinzen
von Heſſen-Homburg weit vorgeſchoben ſeien, dieſer Ort in den
Flanken umgangen und deſſen Vertheidigung geſchwächt ſei. An
ſtatt deſſen aber erhielten die 10-te und 12-te Brigade des preußi
ſchen Corps Kleiſt den Befehl Probſtheide unverzüglich anzugrei
fen; die 9-te Brigade ſollte die angreifenden Truppen unterſtützen,
die 11-te Brigade aber, zeitweilig unter dem Befehle Bennig
ſen's, trat, nachdem ſie Zuckelhauſen erreicht hatte, in Verbindung
mit den übrigen Brigaden Kleiſt's,
– 198 –

Das Dorf Probſtheide, welches eine hervortretende Stellung


des franzöſiſchen Heeres bildete, beſteht aus feſten ſteinernen Ge
bäuden; es iſt von Mauern aus Stein und Lehm umgeben. Zur
Vertheidigung des Ortes war das ganze 2-te Corps Victor's und
ein Theil des 5-ten Corps Lauriſton's, unterſtützt von dem in der
Nähe aufgeſtellten Kavalerie-Corps Sebaſtiani's, beſtimmt. Zu
den Seiten des Dorfes ſtanden ſtarke Batterien. Der Angriff er
folgte beinahe gleichzeitig von zwei Seiten aus: das 9-te Land
wehr-Regiment von der 10-ten Brigade Pirch's überſtieg die dop
pelte Reihe von Gartenmauern der ſüdweſtlichen Seite des Dorfes
und die Regimenter der 12-ten Brigade des Prinzen Auguſt, das
2-te ſchleſiſche und das 11-te Reſerve-Regiment, gingen zum
Sturme an der öſtlichen Seite, gegenüber Zuckelhauſen, vor.
Die preußiſchen Truppen drangen in's Dorf, von Kartätſchen
feuer aber bewältigt, waren ſie zum Rückzuge auf 600 bis 800
Schritt weit gezwungen. Die 11-te Brigade Ziethen's, nachdem
ſie Zuckelhauſen eingenommen, betheiligte ſich ebenfalls am Au
griffe auf Probſtheide: zwei Bataillonen des 10-ten Reſeve
Regiments und das Füſilier-Bataillon des ſchleſiſchen Regiments
mit einer Compagnie Schützen drangen raſch in das Dorf, konn
ten ſich aber in demſelben ebenfalls nicht halten und gingen auf
Zuckelhauſen zurück. Der Prinz Eugen von Würtemberg, welcher
mit dem Reſte ſeines Corps, in Allem 1,800 Mann an der Zahl,
hinter den preußiſchen Truppen ſtand, wünſchte ihnen Zeit zu
laſſen wieder in Ordnung zu kommen und griff das Dorf eben
falls an. Der Fürſt Schachowſkoy, an der Spitze der 3-ten Divi
ſion, überſtieg die gegen Liebertwolkwitz hin gekehrte Mauer, der
Feind drängte ihn aber in's Feld hinaus und nöthigte ihn ſich
unter dem Feuer der die Umzäunung beſetzt habenden Schützen
kette zurückzuziehen. Der Verluſt des 2-ten Infanterie-Corps in
dieſem Gefechte belief ſich beinahe anf ſechshundert Mann. Die
– 199 –

Franzoſen fingen an die ſich zurückziehenden Verbündeten zu ver


folgen, wurden aber von Kartätſchen empfangen und zogen ſich
auf ihre Stellung zurück. Napoleon ſelber, beunruhigt über den
Angriff auf den weſentlichen Punkt ſeiner Stellung, eilte nach
Probſtheide. Er verſtärkte die Vertheidigung des Ortes mit den
Füſilieren der alten Garde und einigen hundert Dragonern. Zur
Ermunterung ſeiner Krieger begab er ſich in ihre erſten Reihen
und ſetzte ſich der größten Gefahr aus. Als er erfuhr, daß Man
gel an Ladungen in der Artillerie eingetreten war, befahl er
ſeltener zu ſchießen. Die Franzoſen, welchen es nicht mehr um
den Sieg, ſondern um ihre eigene Rettung zu thun war, kämpf
ten mit einem ihres Ruhmes würdigen Muth. Beſonders zeich
neten ſich die Linien-Regimenter 2, 4 und 18 aus: ſie ſtanden
unter dem Befehle des Diviſions-Generals Vial, der von einer
Kanonenkugel jählings getödtet wurde. Auch fiel hier der General
Rochambeau (”),
Der Abfall der ſächſiſchen und würtembergiſchen Truppen,
anſtatt den Muth der franzöſiſchen Soldaten zu ſchwächen, ſtei
gerte im Gegentheile ihre Selbſtverläugnung und reizte ihre
Rache. Dagegen verheimlichten die im napoleoniſchen Heere zäh
lenden deutſchen Truppen ihren Abſcheu nicht, gegen ihre Lands
leute zu kämpfen. Der Befehlshaber der ſächſiſchen Küraſſier
Brigade, General Leſſing, welcher die Batterie bei Stötteritz
deckte, wies den Befehl des Generals Bordeſoult, die die Batte
rie bedrohende ruſſiſche Kavalerie anzugreifen, zurück. Unter dem
Vorwande der Erſchöpfung ſeiner Pferde rührte er ſich nicht.
Napoleon gab ſich Mühe die Untreue der Sachſen vor den
Truppen des Rheinbundes zu verheimlichen und befahl ſogar
unter die ſächſiſchen Küraſſiere das Gerücht zu verbreiten, als
wäre der General Thielmann mit ſechstauſend Mann in Gefan
genſchaft gerathen u. ſ. w. Dieſe Schlauheit verfehlte aber ihr
– 200 –

Ziel: die ſächſiſchen Küraſſiere, ſo auch das Leib-Grenadier


Bataillon, welches bei der 2-ten Diviſion der alten Garde ſtand,
erfuhren am ſelbigen Tage und in der folgenden Nacht das
Uebergehen ihrer Waffenbrüder auf die Seite der Vertheidiger
Deutſchlands (*).

Verhalten der öſtreichiſchen Truppen des Grafen


Noſtitz.

Nachdem die Franzoſen die Angriffe der Oeſtreicher auf Dö


ſen, Döhlitz und Lößnig zurückgeſchlagen, beſchränkte ſich die
Diviſion Wimpfen, welche rechtshin von dem Döſenſchen Wäld
chen ſtand, auf eine Kanonade auf das Dorf Propſtheide; um
zwei Uhr Nachmittags entſpann ſich ein hitziges Flintenfeuer
zwiſchen der Diviſion Alois Lichtenſtein und dem Feinde und die
Truppen der Diviſion Bianchi ſchlugen ſich in Döhlitz gegen Po
niatowſki. Die Brigade Beck derſelben Diviſion griff Lößnig an,
fand aber ſehr hartnäckigen Widerſtand; die Truppen Augereau's
nahmen Connewitz ein und die Diviſion der jungen Garde De
couz ſtellte ſich unter dem Befehle Oudinot's hinter den Lößniger
Teichen auf und hielt das Vorrücken der Oeſtreicher zurück. Col
loredo führte perſönlich die Diviſion Greth zum Sturme auf
Lößnig. Dieß bewog Napoleon die Brigade der alten Garde des
Generals Rothenburg zur Unterſtützung des rechten Flügels ſei
ner Stellung zu verwenden. Doch bemächtigte ſich Graf Colloredo
Lößnigs, welches Dorf er mit zwei Bataillonen des Regiments
Czartoryski beſetzte; darauf ſtellte er ſeine erſte Linie in Kolon
nen vor Döhlitz und Döſen auf und griff den Friedhof von Con
newitz an, wurde aber von Poniatowſki zurückgeſchlagen. Auf
dieſem Punkte dauerte die Schlacht mit abwechſelndem Erfolge
bis in die Nacht fort. Graf Noſtitz erhielt eine ſtarke Contuſion
– 201 –

am Fuße, blieb aber doch ſowohl an dieſem als am folgenden


Tage bei ſeinen Truppen. In der Dämmerung ließ Napoleon
die ſächſiſchen und weſtphaler Garde-Bataillonen und die Brigade
Rothenburg zur Windmühle, ſüdlich vom Thonberge, zurück
kehren. Dorthin langte auch die Brigade Chriſtiani, von Stötte
ritz und Reidnitz aus, an. Napoleon, welcher den Punkt ſeines
Nachtlagers deutlicher zu bezeichnen wünſchte, ließ bei der Mühle
ein großes Feuer anzünden; kaum aber entbrannte der Holz
haufen, als eine feindliche Granate ihn traf und das Holz nach
allen Seiten hin herumwarf. Napoleon blieb ruhig im Wirkungs
kreiſe der geplatzten Granate; als aber der wiederzuſammenge
legte Holzhaufen von einer Kugel nochmals umgeworfen wurde,
erging der Befehl ihn nicht mehr anzuzünden (*).

Verhalten der ſchleſiſchen und der Nord-Armee von


zwei Uhr Nachmittags bis zum Schluße des Kampfes.

Nachdem das Dorf Golis von einem Theile der Truppen


Morks eingenommen war, rückte General Sacken mit ſeinem
Corps auf das Gut Pfaffendorf und nahm die dortigen ſteiner
nen Gebäude ein, als aber der Feind von Roſenthal her und
aus der vor dem Haller Schlage aufgeſtellten Batterie auf
die vorrückenden Truppen zu feuern anfing, ſo waren die Ruſſen
gezwungen das Gut zu räumen, nachdem ſie es den Flammen
Preis gegeben. Das Feuer griff ſo ſchnell um ſich, daß viele von
den Verbündeten deſſen Opfer wurden. Am Abend überſchritten
die Truppen Sacken's die Pleiſſe und nahmen Roſenthal ein,
konnten ſich aber dort nicht halten und zogen ſich auf Golis zu
rück. Uebrigens wirkten die Angriffe Sacken's auf den allgemei
nen Gang des Kampfes, indem ſie die Bewegung der aus Leipzig
anf Schönfeld geſchickten Truppen verzögerten. Das Corps
– 202 –

Mork's blieb bis zum Abend zwiſchen Golis und Enteritzſch; als
aber die Erfolge der Verbündeten, ſüdlich von Leipzig, den Rück
zug des feindlichen Heeres unumgänglich machten, ſendete Blü
cher, der ſich immerfort bei Mockau und Euteritzſch aufhielt, mit
dem Generale Rauch, um ſieben Uhr Abends, den Befehl an
Mork, die Uebergänge bei Halle und Merſeburg einzunehmen
und die Franzoſen zu verfolgen. Mork zog unverweilt zwei Ba
taillonen, die auf Golis geſendet waren, an ſein Corps; auch
wurden ihm zwei Koſaken-Regimenter, eine Abtheilung des 2-ten
Jäger-Bataillons, welches mit den preußiſchen Truppen am
October vereinigt wurde, und die ſächſiſche leichte Kavalerie
beigegeben (”).
Langeron erhielt um drei Uhr Nachmittags gleichzeitig ſeitens
Blücher's und des Kronprinzen von Schweden den Befehl, Schön
feld wieder zu ſtürmen, als kaum die Nord-Armee die ihr auf dem
Schlachtfelde angewieſene Stelle eingenommen hatte. Die Ka
nonade auf dies Dorf wurde vom Feuer einiger Batterien, die
Blücher auf dem rechten Ufer der Partha hatte aufſtellen laſſen,
verſtärkt.
Die Truppen St.-Prieſt's griffen dieſes Dorf, welches von
zwei Diviſionen des 6-ten Corps unter dem Befehle Lagrange's
vertheidigt war, unter dem heftigſten Kartätſchenfeuer an. Nach
dem Zeugniße Marmont's „haben Truppen noch nie ſo helden
mäßig gekämpft“. Keine von den Seiten wollte der andern in
Selbſtverläugnung nachgeben; die Angriffe erneuerten ſich be
ſtändig. Inmitten der Ausrufe der Soldaten, des Donners der
Kanonade, des kniſternden Flintenfeuers, der geplatzten Grana
ten, ſtürzte der in Flammen gerathene Kirchthurm jählings ein,
Rauch und Staub verdunkelten das Licht des Tages und auf
einige Minuten unterbrach dieſe Nacht die Anſtrengungen der
Kämpfenden. St.-Prieſt wurde vom General Olſufiew mit den
– 203 –

Diviſionen Rudſewitſch und Udom verſtärkt. Marſchall Ney, der


Paunsdorf den Verbündeten überlaſſen mußte, entſchied ſich bis
auf's Aeußerſte Schönfeld, welches ſeiner linken Flanke zur Stütze
diente, zu behaupten; die rechte Flanke führte er in die Richtung
auf Stünz zurück, ſtellte die Kolonnen ſeiner Infanterie in
Schachordnung auf und vor allen Batterien. Dieß waren die An
ordnungen gegen den Angriff der Nord-Armee, welche in die
Linie der allgemeinen Stellung der verbündeten Truppen in der
ſelben Zeit eingetreten war, als die franzöſiſche Diviſion Durutte,
durch die wiederholte Einnahme von Paunsdorf, die Truppen
Bennigſen's von der Nord-Armee getrennt hatte. General Bü
low griff unverzüglich den Feind mit den an der Spitze ſeines
Corps vorrückenden Truppen an, namentlich: die Brigade des
Prinzen von Heſſen-Homburg, die Reſerve-Kavalerie Oppen's,
eine preußiſche reitende, zwei ruſſiſche Batterie-Compagnien
des Oberſten Dietrichs und die Reſerve-Artillerie Holzendorf's;
die übrigen Brigaden, Borſtell's und Krafft's, erhielten den Be
fehl zwei Bataillonen mit drei Geſchützen, zur Vertheidigung der
Brücke bei Taucha zurückzulaſſen und aufs Schlachtfeld zu eilen.
Eine ruſſiſche und eine preußiſche reitende Batterie waren raſch
auf den Weg der aus Taucha führt, zur Unterſtützung der
Kavalerie-Brigade Generalmajors Pahlen, vorgeſchoben, in
deſſen Bülow ſelber, mit der Brigade des Prinzen von Heſſen
Homburg zur linken vom großen Wege gerade auf Paunsdorf
eilte, ſeine Kavalerie aber noch mehr linkshin zur Verbindung
mit der Diviſion des Grafen Bubna ſendete. Die ruſſiſche Bat
terie des Oberſten Dietrichs, die ſechspfündige Batterie des
Hauptmanns Glaſenap und die engliſche Raketen-Batterie des
Hauptmanns Bogue eröffneten ihr Feuer auf Paunsdorf, indeſſen
die preußiſche Brigade, in zwei Linien formiert, zum Sturme
vorrückte. Zwei Bataillonen des 4-ten Reſerve- und ein Bataillon
– 204 –

des 3-ten oſt-preußiſchen Regiments, warfen ſich, mit Betheili


gung des 6-ten öſtreichiſchen Jäger-Bataillons, in das Dorf und
ſchlugen die Franzoſen heraus; mit Verluſt von vier Geſchützen
und 60 Mann Gefangener flohen ſie auf Sellerhauſen. Zu der
ſelben Zeit näherten ſich dem Feinde die auf dem Wege aus
Taucha vorrückenden Batterien, von denen eine ruſſiſche und eine
preußiſche, und fingen an ihn zu beſchießen; die Raketen-Bat
terie aber hatte ſich unvorſichtiger Weiſe zu weit vorgewagt; ſie
ſtellte ſich vor der preußiſchen reitenden Batterie, welche dadurch
am Feuer verhindert wurde. Die feindlichen Schützen bemerkten
dieß, warfen ſich auf die Mannſchaft der Raketen-Batterie und
ehe eine einzige Rakete abgefeuert werden konnte, tödteten ſie
den Commandeur der Batterie und verwundeten viele Pferde.
Bald darauf aber wurden einige Raketen gegen den Feind ge
worfen, die ihn zum Rückzuge nöthigten. Die franzöſiſchen Kü
raſſiere aber, welche ſich auf die gegen Sellerhauſen vorrückenden
zwei preußiſchen Bataillonen warfen, wurden von den Kartätſchen
des Oberſten Dietrichs und Hauptmanns Glaſenap zurückge
ſchlagen.
Nach vier Uhr langten aufs Schlachtfeld die übrigen Trup
pen der Nord-Armee an. Die Brigade Borſtell's ſtellte ſich zwi
ſchen Paunsdorf und dem Wege, der nach Taucha führt, auf die
erſte Linie in entwickelter Fronte, die zweite in Kolonnen, die
Brigade Krafft's in Reſerve. Das Corps Winzingerodes nahm
den Raum zwiſchen dem genannten Wege und den Truppen Lan
geron's ein; das ſchwediſche Corps bildete die gemeinſame
Reſerve. Der linke Flügel der feindlichen Armee, zwiſchen
Schönfeld und Stünz, war von ſtarken Batterien beſetzt. Die
von den Truppen des Grafen Woronzow ausgeſendeten 24 ruſ
ſiſchen Geſchütze, um unter der Bedeckung einer Kavalerie-Abthei
lung gegen dieſe Artillerie zu wirken, brachten den Feind in Un
– 205 –

ordnung. Dieß benutzte der Oberſt Machontow; er warf ſich mit


ſeinen Freiwilligen auf die feindliche Infanterie, griff vier Ge
ſchütze und 800 Gefangene auf, wurde aber ſchwer verwundet.
Da der Feind noch immer einen Angriff auf den Prinzen von
Heſſen-Homburg und Bubna auszuführen verſuchte, ſo verſtärkte
Bülow ſeine Schlachtlinien mit vier Bataillonen der Brigade
Krafft und empfing die Franzoſen mit dem Feuer von ſechsund
ſiebzig Geſchützen. Die Kavalerie Nanſouty, zu gleicher Zeit,
von der andern Seite, dem Feuer der Batterien Bennigſen's und
Bubna's ausgeſetzt, war zum Rückzuge genöthigt.
Der Kronprinz von Schweden, welcher ſich auf der linken
Flanke der Nord-Armee befand, ſetzte ſich dem heftigſten Feuer
aus und traf, inmitten von tauſend Gefahren, mit der größten
Kaltblütigkeit die gehörigen Anordnungen bei Anführung ſeiner
Truppen. Er war nicht mehr unter dem Einfluße politiſcher An
ſchauungen, ſondern gab ſich der angebornen Neigung zum
Kriegsmetier hin. Nach fünf Uhr erhielt Bülow den Befehl ſich
der Dörfer Stünz und Sellerhauſen zu bemächtigen. Um ſie zu
beſchießen, wurden noch einige Batterien angefahren, unter andern
die ruſſiſche Batterie des Oberſtleutnants Taube; überhaupt
wirkten ſeitens der Nord-Armee hundertfünfzig Geſchütze. Die
Batterie-Compagnie des Oberſten Dietrichs eröffnete in der
Nähe des Dorfes Stünz ein ſtarkes Feuer, welches zur Einnahme
des Dorfes ſeitens der Majore Müllenheim und Frizius, mit
zwei Bataillonen des 3-ten oſt-preußiſchen Regiments, beitrug.
Darauf nahmen die Jäger des 2-ten Bataillons dieſes Regi
ments (nach andern Mittheilungen, das 3-te Bataillon des
1-ten neumärkiſchen Landwehr-Regiments und der Schützen des
1-ten Colbergiſchen) Sellerhauſen mit Sturm und griffen zwei
Geſchütze auf. Zu derſelben Zeit bemächtigten ſich die Truppen
Stroganow's und Bubna's des Dorfes Melkau, von wo aus
– 206 –

die Franzoſen ſich auf Krotendorf zurückzogen. Nach Einnahme


beſagter Dörfer ſeitens dieſer Truppen verſtärkte ſie Bülow mit
einem Theile ſeiner Reſerven und ſtellte ſein ganzes Corps zur
Nacht in Schlachtordnung auf.
Während dieſes Verhaltens Bülow's griff die Kavalerie
des Corps Winzingerode's, unter dem Befehle der Generale
Orurk und Manteuffel, die von Volkmarsdorf her vorrückende
Diviſion Delmas und die Brigade Börmann (vom 3-ten Corps)
an, warf dieſe Truppen und griff vier Geſchütze auf, verlor aber
einen der ausgezeichnetſten Kavalerie-Generale Graf Manteuffel.
Die Franzoſen hielten noch immer die Höhen zwiſchen Schön
feld und Volkmarsdorf beſetzt. Die ruſſiſche Artillerie, welche ge
gen die franzöſiſchen Batterien wirken ſollte, hatte beinahe ihre
ganze Munition verſchoßen, daher ſchickte der Kronprinz aus der
Reſerve den General Cardell mit zwanzig ſchwediſchen Geſchützen,
welche vereint mit den Batterien St.-Prieſt's den Feind aus ſeiner
Stellung verdrängten. Die Truppen Rudſewitſch's und des Gra
fen Woronzow benutzten dieß und rückten vor. Die Franzoſen
verſtärkt von der Diviſion Ricard (vom 3-ten Corps), welche aus
Reidnitz aufgebrochen, verſuchten die Ruſſen aufzuhalten, wurden
aber mit großem Verluſte geworfen. Unter den Todten befand ſich
Delmas, unter den Verwundeten Ney und Souham. Unterdeſſen
hatten die Truppen Langeron's mehrmals Schönfeld geſtürmt;
endlich als die zur Hülfe Marmont's herbeigeeilte Diviſion
Ricard geworfen war, eroberten ſie, gegen ſechs Uhr Abends,
zum achten Male dieſen wichigen Punkt und behaupteten den
zerſtörten Ort, der nachfolgenden Anſtrengungen der Franzoſen
ungeachtet.
Der Verluſt der ruſſiſchen Truppen bei den Angriffen auf
Schönfeld betrug an viertauſend Mann; der Feind verlor nicht
weniger. Der Stabschef des 6-ten Corps, General Richemont,
– 207 –

wurde getödtet; verwundet wurden: die Generale Friedrichs,


Cöhorn, Compans, Pelleport und Choiſi. Eine große Menge
von den Adjutanten und Ordonnanz-Offizieren Marmont's fielen
als ein Opfer des verzweifelten Kampfes; von ſeinen Adjutan
ten blieben unverletzt nur Damremon und Fabvier (*).
Nach der Einnahme Schönfelds beſetzten die Truppen Rud
ſewitſch's, Woronzow's, Winzingerode's und Bülow's die Höhen,
deren Reihe ſich von jenem Orte an über Sellerhauſen auf
Stünz hinzieht. Der Verluſt Schönfelds ſetzte die Franzoſen der
Gefahr aus von Leipzig abgeſchnitten zu werden; dieß hätte ſie
bewogen ihre Stellung vor der Stadt unverzüglich zu verlaſſen,
wenn die eingebrochene Nacht nicht Grenzen den Erfolgen der
verbündeten Truppen geſetzt hätte (*).
In der Dämmerung verſammelte der Oberfeldherr alle ſich
in der Nähe befindenden Corps-Commandeure auf dem Monar
chen-Hügel und traf, mit Einwilligung des Kaiſers Alerander
und des Königs von Preußen, Anordnungen für den folgenden
Tag. Unterdeſſen, um ſechs Uhr Abends, war der Kaiſer von
Oeſtreich nach Rötha abgegangen. Die Truppen wurden ange
wieſen ſich mit Tagesanbruch zu einem neuen Kampfe vorzube
reiten; ſollte aber der Feind ſeine Stellung verlaſſen haben, auf
Leipzig vorzurücken und die Stadt zu ſtürmen. Kaiſer Alerander
machte den Vorſchlag die ruſſiſch-preußiſchen Reſerven über Pe
gau auf's linke Ufer der Elſter und in die Flanke des ſich zurückzie
henden Feindes rücken zu laſſen. Nach dem Zeugniße des wahr
heitsliebenden Plotho erweckten des Monarchen Klarheit,
Beſtimmtheit und Würde der ſtrategiſchen Anſchauungen allge
meine Bewunderung (*); es wurde ihm aber die Ermüdung
der Truppen und der Mangel an Lebensmitteln vorgehalten;
daher der Ausmarſch der Reſerven bis zum andern Morgen
aufgeſchoben: auf dieſe Art ging die Gelegenheit, dem napoleo
– 208 –

niſchen Heere einen entſcheidenden Schlag beizubringen, verlo


ren! Um die Verbindungen des Feindes zu bedrohen wurden
die Corps Mork und Gyulay beſtimmt. Obgleich das Erſtere
noch am Abende des Ä aufgebrochen und die Elſter aufwärts
marſchiert war, konnte der moorigen Oertlichkeit zwiſchen der
Elſter und der Luppe wegen nicht rechtzeitig auf der Rückzugs
linie des Feindes erſcheinen und nahm auf Umwegen die
Richtung über Merſeburg auf Freiburg. Das Corps Gyulay,
welches ſich ſchon auf dem linken Ufer der Elſter befand, konnte
am leichteſten in die Flanke des Feindes fallen, es erhielt aber
die Beſtimmung auf Pegau, fammt der 1-ten leichten Diviſion
Moritz Lichtenſtein und den Detaſchements Thielmann und Graf
Mensdorf, zu marſchieren, demnach ſich vom Feinde zu entfernen.
Gyulay war ausdrücklich angewieſen eine Niederlage zu vermei
den und ſobald der Weg zum Rückzuge der Franzoſen offen ſei,
ſie nur mit Kavalerie zu verfolgen (*). Wie konnte man bei
ſolchen Anordnungen entſcheidende Reſultate erlangen? Zur
Verfolgung des Feindes waren nur die 2-te leichte Diviſion des
Grafen Bubna und das Koſaken-Detaſchement Platow's be
ſtimmt; beide Truppentheile aber befanden ſich auf dem rechten
Flügel der Verbündeten, anderthalb Meilen von der Elſter ent
fernt. Uebrigens kümmerte man ſich im Hauptquartiere Schwar
zenberg's ſehr wenig um eine thätige Verfolgung des Feindes.
Bubna erhielt den Befehl zum Ausrücken auf Pegau erſt am
andern Dage um acht Uhr Morgens (*).
Der Rückzug des feindlichen Heeres begann ſchon am
October vor Mittag. Zuvörderſt rückte auf Lützen das 4-te
Corps Bertrand's; ihm folgte das Fuhrweſen; gegen fünf Uhr
Nachmittags erhielt das 1-te Kavalerie-Corps die Richtung über
Leipzig auf Lindenau; darauf folgte das 3-te und 5-te Kavalerie
Corps; in der Nacht traten die Artillerie-Parks aus, nachdem
– 209 –

ſie die Batterien mit Ladungen verſehen und einen Theil leerer
Munitionskaſten verbrannt hatten. Napoleon ſelber verließ nach
ſechs Uhr Abends ſein Bivouac an der Windmühle und begab
ſich in's Hotel de Pruſſe. Der größte Theil der Nacht brachte
er in verſchiedenen Anordnungen im Bereiche der Truppen zu.
Nach dem Zeugniſſe Pelet's (Spectateur militaire) und Fain's
(Manuscrit de 1813. 11. 442) ſoll Napoleon die Errichtung zeit
weiliger Brücken befohlen haben, dieſe Anordnung blieb aber
unerfüllt; weder Napoleon ſelber noch ſein nächſter Gehülfe
Berthier hatten ſich um die Erfüllung bekümmert (*).
In der Nacht vom Ä auf den October blieb der rechte
Flügel der franzöſiſchen Armee zwiſchen Connewitz und Probſt
heide; weiter ſtanden unter einem rechten Winkel die Truppen
des Centrums, von Probſtheide an über Stötteritz auf Krotten
dorf; der linke Flügel erſtreckte ſich von Krottendorf an, über
Volkmarsdorf auf Reidnitz und weiter über die Haller Vorſtadt
bis Roſenthal. Die Reſerven befanden ſich hinter Stötteritz.
Um ihren Rückzug möglichſt zu verheimlichen, umſtellten die Fran
zoſen die äußere Linie ihrer Bivouacs mit einer dichten Kette von
Wachtpoſten, unterhielten deren Feuer und beſetzten mit ſtarken
Abtheilungen die im Kreiſe der Aufſtellung ihrer Armee gelege
nen Ortſchaften.
Die verbündeten Truppen waren in der Nacht folgendermaßen
aufgeſtellt: die ſchleſiſche Armee, von Golis bis zur Partha
und weiter von Schönfeld bis Sellerhauſen; die polniſche Ar
mee, mit den ihr beigegebenen Truppen Bubna's und Ziethen's,
bei Melkau, Zweinaundorf, Holzhauſen und Zuckelhauſen; die
Kavalerie des Generalleutnants Grafen Pahlen und
die 2-te Küraſſier-Diviſion ſtanden mit der rechten Flanke
vor Zuckelhauſen, mit der linken angeſchloſſen an die Truppen
Wittgenſtein's, welche gegenüber Probſtheide hielten; die
14
– 210 –

Truppen Colloredo's bei Döſen, Döhlitz und Lößnig; die


2-te ruſſiſche Grenadier-Diviſion hinter den Truppen
Wittgenſtein's; die leichte Garde-Diviſion und die 3-te
Kavallerie-Diviſion hinter Kleiſt; die preußiſche Re
ſerve - Kavallerie linkshin von ihnen; die 1-te ruſſiſche
Grenadier-Diviſion ſüdlich von der alten Ziegelei, zu beiden
Seiten des Kolditzer Weges; die ruſſiſch-preußiſche Garde
zwiſchen Liebertwolkwitz und Wachau; die Diviſion Lederer
auf dem linken Ufer der Pleiſſe, gegenüber Döhlitz und Conne
witz; das Corps Gyulay auf dem rechten Ufer der Elſter bei
Knauthain.
Die Vorpoſten beider Seiten ſtanden ſo nahe aneinander,
daß man den Zuruf der feindlichen Wachen hören konnte (*).
Im Verlaufe der Völkerſchlacht vom Ä October, an welcher
bis vierhunderttauſend Mann mit tauſendfünfhundert Geſchützen
Theil nahmen, waren die Einwohner Leipzigs den quälendſten
Erwartungen aller möglichen Drangſale ausgeſetzt. Vom frühe
ſten Morgen an ertönte die immer mehr und mehr dem Gange
des Kampfes gemäß ſich der Stadt nähernde Kanonade; unauf
hörlich wurden Verwundete durchgeführt oder getragen; andere
ſchleppten ſich in langen Reihen zu Fuß. Die umliegenden Dörfer
ſtanden in unheildrohenden Flammen. Gegen Abend fingen Ka
nonenkugeln und Granaten die Stadt zu erreichen an. Einwohner
waren getödtet, Gebäude angezündet. Einige von den Bürgern
flohen aus der Stadt mit ihrer werthvollſten Habe, andere klet
terten anf die Böden und Dächer ihrer Häuſer, um von dort aus
den Gang der Schlacht zu beobachten. In allen Vorſtädten, be
ſonders in der Haller, herrſchte Verwirrung, welche mit dem
Annähern der Nacht, als die Truppen und die übrigen Fuhren
ſich beim Ausgange auf der Lützener Straße anhäuften, ſich ſtei
gerte. Infanterie und Kavalerie flohen in untermengten Haufen;
– 211 –

Soldaten warfen ihre Waffen weg, auf allen Straßen lagen


Flinten und Patrontaſchen. Der Mangel an Lebensmitteln und
beſonders an Brod war ſo groß, daß man mit Mühe für den per
ſönlichen Bedarf Napoleon's und ſeiner nächſten Umgebung Brod
erlangen konnte, und das auch nur für 17/ Groſchen (*).
Der König von Sachſen, ein Opfer der Herrſchaft Napo
leon's, war von Kummer erfüllt beim Anblicke ſo vieler Leiden
ſeiner Unterthanen, denen er keine Erleichterung verſchaffen
konnte. Die Eigenliebe des Eroberers erlaubte ihm das Geſtänd
miß der erlittenen Niederlage nicht. Um acht Uhr Abends, als die
Verbündeten ſchon an den Thoren der Stadt ſtanden, ſendete der
Herzog von Baſſano (Maret) dem Könige Friedrich Auguſt einen
Offizier mit der Meldung, „daß die Schlacht gewonnen ſei und
daß die Verbündeten ſich in der Nacht unausbleiblich zurückziehen
würden“ (*). Pelet bezeugt hingegen, daß der Herzog ſich zum
Könige begab und ihn zum Abfalle vom Bündniſſe mit Frank
reich zu bewegen ſuchte. Wie dem auch ſei, Friedrich Auguſt ent
ſchied ſich nicht der franzöſiſchen Armee zu folgen und zog es vor
in Leipzig zu bleiben. -

Die franzöſiſchen Schriftſteller verſichern als habe Napoleon,


nachdem er alle Angriffe der verbündeten Truppen auf die von
ihm vor Leipzig eingenommene Stellung zurückgeſchlagen, den
Entſchluß gefaßt, ſich auch am folgenden Tage auf ihr zu halten,
daß aber der Mangel an Artillerie-Munition ihn zum Rückzuge
genöthigt (”). Dieß iſt aber eben ſo unwahr als die Angabe,
als ſei der Abfall der ſächſiſchen Truppen die Urſache der Nieder
lage Napoleon's geweſen. Ohne zu ſolchen Erfindungen Zuflucht
zu nehmen, erſieht man, daß die ungeheuere nummeriſche Ueber
macht der Verbündeten ſein Mißlingen hat erzeugen müſſen: am
Ausgange der Schlacht am F October waren alle Truppen Na
poleon's in's Feuer, einen kleinen Theil der alten Garde aus
– 212 –

genommen, geführt; hingegen hatten die Verbündeten ihre Reſer


ven behalten. Bei ſolchen Umſtänden würde Napoleon, hätte er
auf die Fortſetzung eines ungleichen Kampfes hartnäckig beſtan
den, ein ähnliches Schickſal wie auf den Feldern Waterloos erlit
ten haben: er würde in die Unmöglichkeit, innerhalb vier Monaten
eine neue Armee zu ſchaffen, verſetzt worden ſein.
Seit der Zeit der Einführung der Feuerwaffen hatte noch
keine ſo blutige Schlacht ſtattgefunden wie die am Ä October
auf den Feldern Leipzigs. Wahrſcheinlich wird ſich eine ſolche auch
fernerhin nicht bald wiederholen. Man berechnet, daß die Zahl
der von den Franzoſen verbrauchten Artillerie-Ladungen ſich am
i October an 84,000, am an 95,000 und überhaupt vom j
bis zum Ä 220,000 belief. Seitens der Verbündeten, der Zahl
ihrer Artillerie nach zu urtheilen, muß noch mehr Munition ver
braucht worden ſein, daher kann man ohne alle Uebertreibung
annehmen, daß von beiden Seiten am Ä October an 250,000
und in den letzten fünf Tagen an eine halbe Million Artillerie
Ladungen und einige Millionen Flintenkugeln verbraucht worden
ſind (").
Kapitel XLII.
Die Völkerſchlacht bei Leipzig.
(Schluß)

I n h a l t.
E in nahm e Leipzigs durch die Verbündeten. – Leipzig im Jahre 1813. –
Aufſtellung der napoleoniſchen Truppen zur Vertheidigung der Stadt. – Abreiſe
Napoleon's. – Vorrücken der verbündeten Heere. – Die Deputation Leipzigs. –
Der dem General Toll und dem Oberſtleutnant von Natzmer gegebene Auftrag.
I. Vorrücken der böhmiſchen und polniſchen Armee. – II. Vorrücken der Nord-Armee. –
III. Vorrücken der ſchleſiſchen Armee. – Ankunft der verbündeten Monarchen auf
dem Marktplatze und Einnahme der Stadt durch ihre Truppen. – Sprengung der
Brücke auf der Elſter. – Verzweifelte Lage der in der Stadt gebliebenen Trup
pen. – Tod des Fürſten Poniatowſki.
Kaiſer Alerander in Leipzig. – Der König von Sachſen iſt zum Kriegsgefangenen er
klärt. – Verluſt beider Seiten in der Völkerſchlacht. – Belohnungen.
Aufſtellung der Truppen beider Seiten in der Nacht vom auf den # October.

In der Nacht, welche auf den blutigen Kampf vom October


folgte, hörten die verbündeten Vordertruppen ein großes Getöſe
und bemerkten ein unaufhörliches Hin- und Herrücken auf der
feindlichen Stellung. Es konnte dieß für ein Zeichen des Rück
zuges der Franzoſen gelten; Einige meinten aber, daß ſie an der
– 214 –

Vertheidigung der Stadt arbeiteten. Am Ä Morgens, als der


Nebel verſchwand, die Sonne aufging und ein heller Tag heran
rückte, ſah man den Feind die Stellung von Probſtheide ver
laſſen und ſich ſchnell auf Leipzig zurückziehen (!).
Nach Verlauf eines halben Jahrhunderts ſeitdem der koloſ
ſale Kampf bei Leipzig ſtattgefunden, haben einige Thore und
Straßen andere Benennungen erhalten und ſind beinahe alle
Thore auf andere Stellen verſetzt. Im Jahre 1813 hatte die
innere Stadt eine alte, ziemlich ſchwache Ringmauer mit vier
Thoren: das Peters Thor, durch welches der Weg auf Pegau
führte; das Grimmaer Thor, wo ſich die Wege aus Rochlitz,
Grimma und Wurzen vereinigten; das Haller Thor auf der
Nord- und das Ranſtädter Thor auf der Weſtſeite der Stadt.
Die innere Stadt war von den ſie umgebenden umfangreichen
Vorſtädten durch einen ziemlich großen, theils mit Alleen be
pflanzten, theils in Esplanaden verwandelten freien Raum ab
geſondert. Aus den Vorſtädten führten in's Feld zehn äußere
Thore, namentlich: 1) das Floß Thor, 2) das äußere Peters
Thor, 3) der Windmühlenſchlag, auf dem Wege vom Thonberge
her, 4) das Sand Thor, 5) das Hoſpital Thor, 6) das äußere
Grimmaer Thor, 7) das Hinter Thor, auf dem Wege aus
Schönfeld, 8) das Gerber Thor, mit einer ſteinernen Brücke über
die Partha auf dem Wege aus Halle, 9) das Roſenthaler Thor,
auf dem Wege aus Golis und 10) das äußere Ranſtädter Thor.
Die äußere Mauer der Vorſtädte beſtand aus Ziegeln und dün
nen Brettern mit Schießſcharten und die Thore waren mit Schlag
bäumen, Palliſaden c. verſperrt. Der Feind hatte die Abſicht,
nachdem er die Ranſtädter Vorſtadt paſſirt, ſie anzuzünden; des
halb ſollte die Stadt 36 Centner Theer liefern; dieſe Abſicht
kam jedoch nicht zur Ausführung (*).
– 215 –

Die zur Vertheidigung Leipzigs beſtimmten Truppen waren


in den Vorſtädten folgendermaßen aufgeſtellt: das 8-te Corps
Poniatowſki und das 11-te Macdonald, welche die Arrieregarde,
nachdem alle übrigen Theile der Armee die Stadt verlaſſen ha
ben würden, bilden ſollten, ſtanden zwiſchen der Pleiſſe und
dem Grimmaer Wege; das 3-te Corps Souham zwiſchen dem
Grimmaer und Gerber Thore; das 6-te Marmont, mit den
Diviſionen Durutte und Dombrowſki, in der Haller Vorſtadt
und in Pfaffendorf; eine Diviſion des 11-ten Corps ſtand in
Reſerve auf der Esplanade vor dem innern Peters Thor (heute
der Königsplatz); Macdonald hatte die Weiſung ſich wenigſtens
bis zum Mittag in der Stadt zu halten, ſich dann mit dem 8-ten
und 11-ten Corps über die Elſterbrücke zurückzuziehen und darauf
die Brücke zu ſprengen (*).
Der Rückzug der Armee auf dem einzigen Wege über Lin
denau auf Mark Ranſtädt war mit großen Beſchwerlichkeiten
verbunden. Einige zerbrochene Fuhren waren hinlänglich, um die
Bewegung aller ihnen folgenden Truppen und Wagenzüge zu
hemmen. Einige von den Waffengenoſſen Napoleon's machten
ihm den Vorſchlag, die Vorſtädte Leipzigs zu verbrennen und ſich
hinter den Stadtmauern zu vertheidigen; er entſchied ſich aber
nicht die ſeinem treueſten Bundesgenoſſen gehörende Stadt, eine
der anſehnlichſten Deutſchlands, der Zerſtörung Preis zu geben:
was ihm als Heerführer nothwendig erſcheinen konnte, mußte er
als Monarch, dem Völkerrechte nach, zurückweiſen. Um neun Uhr
Morgens, nachdem Napoleon die Anordnungen zur Vertheidigung
der Vorſtädte getroffen, beſuchte er den König Friedrich Auguſt,
ließ bei ihm die ſächſiſche Garde, nahm von ihm Abſchied und
begab ſich zum Ranſtädter Thore; der Weg war aber ſo ſehr von
Menſchen und Wagenzügen verſperrt, daß er nur nach langen
– 216 –

Umwegen und mit großer Mühe aus der Stadt herauskommen


konnte (*).
Die verbündeten Truppen rückten auf Leipzig noch mit Tages
anbruch: die böhmiſche Armee, von der Südſeite der Stadt aus,
aufs Peters Thor; die polniſche auf's Sand und Hoſpital Thor;
die Nord-Armee, von Oſten her, auf's Gerber Thor. Das
Koſaken-Detaſchement Platow's und die leichte Diviſion Bubna's
erhielten den Befehl die Pleiſſe und die Elſter oberhalb Leipzig
zu überſchreiten und auf Pegau, die Kavalerie der ſchleſiſchen
Armee aber, die Elſter bei Schkeiditz zu überſchreiten und auf
Lützen zu rücken (*).
Als der Kaiſer Alerander und der König von Preußen in
Begleitung des Oberfeldherrn auf den Thonberg anlangten, kam
ihnen die Deputation der Leipziger Bürger und der vom Könige
Friedrich Auguſt geſendete Oberſt Ryſſel entgegen; ſie ſchlugen
die Uebergabe der Stadt mit der Bedingung vor, daß die ſich
dort befindenden Truppen freien Abzug erhielten. Das Schickſal
der Bürger überließen ſie der Großmuth der Sieger. Kaiſer
Alerander gab den Deputirten ſeine Bereitwilligkeit zu erkennen,
daß die Stadt geſchont werde. Zu derſelben Zeit wurde der Ge
neral Toll und der Flügel-Adjutant des Königs von Preußen,
Oberſtleutnant von Natzmer, zum Könige Friedrich Auguſt mit
folgendem Briefe geſendet: -

„Von Unterhandlungen mit dem Könige von Sachſen kann


nicht einmal die Rede ſein, da alle früheren Vorſchläge der Ver
bündeten zurückgewieſen worden. Die Stadt wird verſchont
werden, wenn der Feind ſie unverzüglich räumt; die ſächſiſchen
Truppen werden nicht als feindliche betrachtet, ſobald ſie ſich
jeder Theilnahme am Kampfe enthalten und ihre Flinten in
Pyramiden ſtellen" (").
– 217 –

Der General Toll erhielt den Auftrag dem Könige zu er


klären, daß für die Annahme beſagter Bedingungen eine halbe
Stunde Zeit gewährt ſei. Eine weitere Verzögerung würde die
vom raſchen Vorrücken der verbündeten Armeen bedrohten feind
lichen Truppen und Wagenzüge retten. Der Auftrag aber, wel
cher Toll und Natzmer gegeben war, konnte in ſo kurzer Zeit
nicht erfüllt werden. Das Getümmel und die Verwirrung in der
Stadt waren außerordentlich. Man mußte den Weg durch's Ge
dränge über umliegende Straßen, Flintenſchüſſen ausgeſetzt,
ſuchen. Zuvörderſt wurden die Abgeſandten zum Fürſten Ponia
towſki, dann zu Augereau, zu Victor und endlich zum Könige von
Sachſen geführt. Hier ſagte man ihnen, daß der „König beſchäf
tigt ſei“; als aber Toll dem Miniſter Einſiedel erklärte, daß der
ruſſiſche Monarch augenblickliche Antwort erwarte und daß die
geringſte Verzögerung das größte Unheil herbeiführen könnte,
empfing der König Toll und Natzmer. Friedrich Auguſt war in
demſelben Anzuge, in welchem er vor einer halben Stunde Napo
leon empfangen: eine weiße Uniform mit Stern, ſeidene Strümpfe
und Schuhe. General Toll überbrachte ihm den Brief und die
Worte Alerander's. Ohne des von ihm Ryſſel gegebenen Auf
trags zu erwähnen, berief ſich der König, bezüglich der zur Er
haltung der Stadt zu ergreifenden Maßregeln, auf den Herzog
von Padua (Arrighi), den der Kaiſer Napaleon, „ſein hoher Alli
irter“, zum Commandanten Leipzigs ernannt habe. Die ſächſiſchen
Truppen, meinte der König, könnten nicht die Waffen niederle
gen, weil ſie unter dem Befehle ſeines hohen Alliirten und
ſeiner Marſchälle ſtänden. Toll entgegnete dem Könige, daß
eine ſolche Antwort den Worten der Stadtabgeordneten, welche
vor den verbündeten Monarchen im Namen des Königs ſelber
erſchienen waren, nicht entſpräche. Darauf erklärte Frie
– 218 –

drich Auguſt, er habe zuvor geglaubt, daß der Kaiſer Napoleon


die Sache aufgegeben habe, daß aber der Kaiſer ihn vor einer
halben Stunde beſucht und in Kenntniß geſetzt, daß er Leipzig
blos in der Abſicht verlaſſe, um im Felde zu manöverieren und
nach zwei oder drei Tagen die Stadt zu befreien. Nach dieſer
Aeußerung des Königs konnte man von ihm nichts mehr erwar
ten; daher wollte Natzmer ſich mit Einſiedel und dem Generale
Zeſchau zum Herzoge von Padua begeben; Letzterer war aber
nicht zu finden, und unterdeſſen erſchienen die Verbündeten ſchon
in der Stadt, die Unterhandlungen waren alſo unterbrochen. Oberſt
leutnant Natzmer eilte den preußiſchen Füſilieren entgegen, de
ren eine Compagnie er, mit der ſächſiſchen Garde, am Hauſe,
welches der König Friedrich Auguſt bewohnte, als deſſen Sicher
heitswache aufſtellte. Unterdeſſen warf ſich General Toll, der den
Klang der Jägerhörner und einzelne Flintenſchüſſe hörte, an's
Fenſter und ſchrie den auf den Markplatz eilenden preußiſchen
Jägern zu, ſie ſollten ſich enthalten auf die königlich-ſächſiſche
Wache zu ſchießen; darauf lief er die Treppe hinunter und wandte
ſich an die vorbeigehenden badenſchen Truppen, zeigte ihnen die
preußiſchen Schützen und ſagte: „das ſind Euere Freunde, ſie
kämpfen für die Freiheit Deutſchlands, vereinigt Euch mit ihnen
gegen unſere gemeinſamen Feinde, die Franzoſen. Es lebe Kaiſer
Alerander! Es leben die verbündeten Monarchen.“ Zugleich be
redete der Oberſtleutnant Natzmer die Sachſen ſich als würdige
Söhne Deutſchlands zu zeigen und ihre Waffen gegen die Fran
zoſen zu wenden. Die Einwohner aller Nachbarhäuſer bewill
kommten die Abgeſandten, als Boten des Friedens und der
Rettung Leipzigs; aus allen Fenſtern weheten Tücher der
Damen, welche ihre Mitbürger, die ſächſiſchen Krieger, zu
bewegen ſuchten „für die gerechte Sache zu kämpfen“. Das Gre
– 219 –

nadier-Bataillon Anger und ein Theil der ſächſiſchen Garde,


hingeriſſen vom allgemeinen Jubel, ging unvorzüglich zu den
Verbündeten über (?).
Der Angriff auf Leipzig war von allen vier verbündeten Ar
meen ausgeführt.

I. Das Vorrücken der böhmiſchen und polniſchen Armee.


Die vorderen Truppen der böhmiſchen Armee, beſtehend, auf
dem rechten Flügel, aus den Corps des Grafen Wittgenſtein, im
Centrum, aus dem Corps Kleiſt's, auf dem linken Flügel, aus
dem Corps des Grafen Colloredo, rückten gegen acht Uhr Mor
gens auf Probſtheide und Döhlitz; die Franzoſen hatten ſich aber
ſchon in die Vorſtädte Leipzigs zurückgezogen, nachdem ſie an
fünfzig Pulverkaſten geſprengt und zwölf Geſchütze in die Erde
vergraben hatten. Die Truppen Barklay de-Tolli's erhielten um
10 Uhr den Befehl weiter vorzurücken und näherten ſich dem
Sand Thore und Windmühlenſchlage. Der Feind fing aus den,
an den Eingängen in die Vorſtädte, aufgeſtellten Batterien an zu
feuern; die verbündete Artillerie antwortete ihnen. Die Ruſſen
bekreuzten ſich und bereiteten ſich vor die Stadt zu ſtürmen, be
kamen aber den Befehl einzuhalten, weil die übrigen Kolonnen
ſchon in die Vorſtädte auf andern Punkten eindrangen und der
Rückzug des Feindes leicht vorauszuſehen war. Die öſtreichiſchen
Truppen des Grafen Colloredo, welche linkshin von Kleiſt, auf
das Peters Thor gerichtet waren, griffen die ſich zurückziehenden
Truppen an, wurden aber am Eingange in die Vorſtadt auch zu
rückgehalten und erhielten um drei Uhr Nachmittags den Befehl
über Gautzſch auf Pegau zu marſchieren. General Bennigſen war
um ſieben Uhr Morgens Stötteritz mit der Infanterie der polni
ſchen Armee vorbeigegangen, rückte auf das Sand und Hoſpital
– 220 –

Thor und ſchob ſechzig Geſchütze ſeiner Reſerve-Artillerie unter


dem Befehle des Generals Reſwoy, auf die Entfernung von
dreihundert Schritt von der äußern Mauer, vor (*). Die ruſſi
ſchen Batterien brachten den Feind bald zum Schweigen, hörten
aber zu feuern auf, als die Abgeordneten der Stadt vor den ver
bündeten Monarchen erſchienen waren. Da aber die Unterhand
lungen bald unterbrochen wurden, erneuerten die Batterien ihr
Feuer; es wurde entſchieden die Stadt zu ſtürmen, doch mit
dem ausdrücklichen Befehle des Kaiſers, Leipzig zu ſchonen und
daß es unter Todesſtrafe verboten ſei, in der Stadt und in den
Vorſtädten zu rauben. Der Angriff hatte vollkommenen Erfolg:
Bennigſen ſelber drang an der Spitze der 26-ten Diviſion Pas
kewitſch in's Grimmaer Thor; die 12-te Diviſion brach in die
Peters Vorſtadt ein und die 13-te durch die von den tapfern
Sappeuren der Compagnie des Oberſtleutnants Afanaſſiew in der
Mauer gemachte Breſche. Der hartnäckigen Vertheidigung der in
den Gärten verborgenen franzöſiſchen Schützen ungeachtet er
reichten die Ruſſen die Allee, welche die Vorſtadt von der Stadt
abtheilt, griffen ein Theil der Artillerie und viele Gefangene
auf. Der General-Major Sawoyni mit den Regimentern Ladoga
und Poltawa, nahm 18 Geſchütze; das Orlowſche Regiment 3,
das 5-te Jäger-Regiment 8 Geſchütze; der Major Semenowitſch
mit dem 2-ten Bataillone des Regiments Narwa griff den Gene
ral Malachowſki, 15 Offiziere, 300 Mann untern Ranges, 17
Geſchütze und 27 Pulverfuhren auf (").

II. Das Vorrücken der Nord-Armee,

Das Corps Bülow brach vom Nachtlager bei Paunsdorf um


ſieben Uhr Morgens auf, nahm die von den Franzoſen verlaſſe
nen Dörfer ein und erreichte um acht Uhr Leipzig, als kaum die
– 221 –

Truppen Bennigſen's ihre Bivouacs verlaſſen hatten. An der


Spitze des preußiſchen Corps rückte die Brigade des Prinzen
Ludwig von Heſſen-Homburg auf das äußere Grimmaer Thor;
rechtshin, etwas hinterwärts, folgte die Brigade Borſtell, in der
Richtung aufs Hinter Thor; in Reſerve folgte die Brigade
Krafft. Nach acht Uhr entſtand ſeitens der preußiſchen Truppen
ein Artillerie- und Flintenfeuer, an welchem ſich eine Stunde
ſpäter auch die Truppen Bennigſen's betheiligten; um elf
Uhr ging die Brigade des Prinzen von Heſſen-Homburg zum
Sturme vor. Das Königsberger Landwehr-Bataillon des Ma
jors Friccius (*) brach zuerſt über die Erdaufwürfe, welche das
Thor verſperrten ein und erlitt großen Verluſt; ihm folgten
zwei Bataillonen des 3-ten oſt-preußiſchen Infanterie-Regiments.
Der Feind focht ſehr hartnäckig; unter den Verwundeten befand
ſich der Prinz Ludwig von Heſſen-Homburg ſelber. „Kinder!
Haltet Euch ferner brav", ſagte er den Kriegern des benannten
Majors, als man ihn vom Kampfplatze wegtrug. General Bor
ſtell übernahm den Befehl über die vorderen Truppen Bülow's
und gab ſeiner Brigade die Richtung auf's Hinter Thor; die
tapferen pommerſchen Bataillonen brachen in die Vorſtadt ein und
eroberten 25 Geſchütze. Der Kronprinz von Schweden unter
ſtützte alsdann Borſtell mit zwei ſchwediſchen Bataillonen und
ſchickte zum Hospital Thor den Grafen Woronzow mit fünf Ba
taillonen, welche den Feind aus der Vorſtadt auf die Stadt
warfen und den Roßplatz erreichten. Hier zeichnete ſich beſonders
der Oberſt Kraſſowſki mit dem 14-ten Jäger-Regimente aus; es
eroberte mehrere Geſchütze (").

(') Autor eines ſehr guten Werkes: Geſchichte des Krieges in den Jahren 1813
und 181 mit beſonderer Rückſicht auf Oſt-Preußen und das Königsberger Landwehr
Bataillon.
– 222 –

III. Das Vorrücken der ſchleſiſchen Armee.


Der Angriff auf die Stadt von der Nordſeite her bot große
Schwierigkeiten, weil der Feind ſeine beſondere Aufmerkſamkeit
auf die Vertheidigung Pfaffendorfs und der Haller Vorſtadt,
welche in der Nähe ſeines Rückzugweges auf Lützen liegen, ver
wand hatte. In der Erwartung, daß die Truppen Langeron's
auf der rechten Seite der Partha angelangt ſeien, bekam Sacken
den Befehl Blücher's ſich Pfaffendorfs zu bemächtigen. Dieß war
mit Erfolg ausgeführt. In derſelben Zeit beſchoß eine von
Blücher ſelber auf dem rechten Ufer des Flußes aufgeſtellte Bat
terie-Compagnie den Raum zwiſchen der Stadt und dem Orte
Reidnitz und erleichterte weſentlich das Vorrücken Bülow's.
Gegen elf Uhr näherten ſich dem Kampfplatze die Truppen des
Grafen Langeron. General Kapzewitſch erhielt den Befehl die
Fleſche beim äußern Haller Thore, welche die Partha-Brücke
deckte, zu ſtürmen. Dieſe Befeſtigung war mit drei Geſchützen be
waffnet und die Häuſer und Gärten auf dem entgegengeſetzten
Ufer des Flußes von Artillerie und Schützen ſtark beſetzt. Die
Wirkung der ruſſiſchen Batterien aber auf die Haller Vorſtadt
bewog den Feind und den Magiſtrat von Leipzig um Schonung
der Stadt zu bitten; Blücher antwortete aber, daß das Feuer
nur dann eingeſtellt werde, wenn die Stadt ſich ergeben hat; zu
gleich befahl er Sacken und Langeron unverzüglich die Haller
Vorſtadt einzunehmen. Um ein Uhr Nachmittags, als die Trup
pen Bülow's ſchon in der Stadt eingedrungen und die Fleſche
von hinten zn umgehen bedrohten, war ihre Vertheidigung ge
ſchwächt; General Kapzewitſch griff die Befeſtigung mit den
Regimentern Stadt Archangel und Alt-Ingermanland an; Blü
cher betheiligte ſich perſönlich am Sturme, indem er die vor
– 223 –
-*

rückenden Kolonnen mit dem Ausrufe: „Vorwärts! Vorwärts!“


anregte. Hier zeichnete ſich insbeſondere das Regiment Stadt
Archangel des Oberſtleutnants Schenſchin aus: es erlitt einen
ſo großen Verluſt, daß nach der Einnahme von Leipzig es nur
30 Offiziere und 180 Mann untern Ranges zählte.
Gleichzeitig mit dieſem Sturme erhielt Graf St.-Prieſt den
Befehl die Fleſche durch eine Bewegung zur Linken, längs des
Ufers der Partha, zu umgehen; allein ſeine Anſtrengungen aber
in die Vorſtadt einzudringen waren vergebens, weil die ſumpfige
von vielen Armen des Flußes durchſchnittene Oertlichkeit jede
Bewegung nach der beabſichtigten Richtung hin verhinderte: dieß
bewog St.-Prieſt die Fleſche in die Fronte, gemeinſchaftlich mit
den Truppen Generals Kapzewitſch, anzugreifen. General Adam
Biſtrom rückte zum Sturme mit den Regimentern Ekaterinburg
und Rylſk vor. Die Franzoſen, unter dem Befehle Durutte’s,
vertheidigten ſich verzweiflungsvoll; die ruſſiſchen Truppen ver
loren an tauſend Mann. Endlich aber drang der Major Bogda
nowitſch mit dem Regimente Ekaterinburg in die Befeſtigung ein,
bemächtigte ſich der dort ſtehenden drei Geſchütze, überſchritt die
Brücke und verfolgte den geworfenen Feind auf der Gerberſtraße,
wo Bogdanowitſch ſchon verwundet wurde. Hinter ihm warfen
ſich die übrigen Truppen der Generale Kapzewitſch und Sacken,
welch' Letzterer, während des Sturmes auf die Befeſtigung, ſich
Roſenthals bemächtiget hatte. Der Feind war von den Siegern
mit dem lauten Ausrufe Hurrah! über die Haller Vorſtadt bis
zu den Alleen verfolgt, von wo aus ein Theil ſeiner Truppen
in der größten Unordnung auf das Ranſtädter Thor floh; die
anderen ergaben ſich Langeron und Sacken mit ihrer ſämmtlichen
Artillerie, mehr als fünfzig Geſchütze an der Zahl. Von den
Truppen Sacken's zeichneten ſich insbeſondere die Jäger-Regi
– 224 –

menter 8 und 39 des Oberſten Achleſtyſchew aus. Letzterer


wurde verwundet (").
Ungefähr um zwölf Uhr Mittags, als die Truppen Bülow's
und Bennigſen's ſchon in die Vorſtädte eingedrungen waren,
erhielten die Corps Wittgenſtein und Kleiſt den Befehl ihr Vor
rücken fortzuſetzen. Nicht lange vorher ſollte der mit der baden
ſchen Brigade der Diviſion Marchand, beim Grimmaer Thore
ſtehende General Stockhorn zur Unterſtützung der das Peters
Thor vertheidigenden Truppen rücken; ehe aber die Badenſer
Zeit hatten den ihnen angezeigten Punkt einzunehmen, ging eines
von dieſen Regimentern, auf Anordnung Marchand's, zum Grim
maer Thore zurück, darauf aber führte es der Markgraf Wil
helm von Baden auf den Marktplatz; ein anderes Regiment,
welches beim Peters Thore ſtand, wurde von den Truppen Ben
nigſen's umgangen und legte die Waffen nieder. Die mit ihm
beiſammen ſtehenden polniſchen Truppen ergaben ſich gleich
falls (*).
Die verbündeten Monarchen befahlen den Truppen Witt
genſtein's und Kleiſt's in die Stadt einzurücken und begleiteten
ſie. Kaiſer Alerander gab den zum Sturme gehenden Truppen
ſeine Zufriedenheit für die am Vorabende erwieſene Tapferkeit
zu erkennen und erinnerte ſie daran, daß die feindlichen Ein
wohner geſchont werden müſſen: „Kinder, ſagte er, Ihr habt Euch
neuerdings als tapfere Krieger erwieſen; ſeid auch großmüthig
gegen die Ueberwundenen und gegen die friedlichen Einwohner
der Stadt. Euch bittet darum Euer Kaiſer, und wenn Ihr mir
zugethan ſeid, wovon ich überzeugt bin, ſo werdet Ihr meine
Befehle pünktlich erfüllen“ (*). Alſo, als die Donner des Krie
ges ertönten, im Rauſche eines entſchiedenen Sieges, welcher
durch den Preis langjähriger Sorgen, Mühen und Opfer erkauft
– 225 –

war, reizte der geſegnete Monarch ſeine Krieger nicht zum Zorne
an, ſondern ſprach Worte des Friedens zur Schonung der Be
ſiegten. Und Offiziere und Soldaten, ſo ſchreibt Plotho (der Krieg
in Deutſchland und Frankreich in den Jahren 1813 und 1814),
gelobten mit lauter Stimme und tief bewegt, ſo wie er geboten,
treu zu erfüllen; denn das wahrhaft Große und Erhabene er
greift jede unverdorbene für die Tugend empfängliche Seele.
Noch ertönten einzelne Schüſſe in der Stadt, als Kaiſer
Alerander, der König von Preußen und Fürſt Schwarzenberg,
das Grimmaer Thor vorbei mit zahlreichem Gefolge, um ein
Uhr Nachmittags die Vorſtadt zurückgelegt hatten und ihren
Triumphzug durch die Reihen ihrer ſiegreichen Krieger nach den
Markplatz hin fortſetzten. Es untermengten ſich untereinander die
Klänge der militairiſchen Muſik, der Schall der Kanonade beim
Ranſtädter Thore, das laute Hurrah! der verbündeten Krieger
und der freudige Zuruf der Einwohner, welche die Rettung der
Stadt und die Befreiung Deutſchlands feierten. Als die Monar
chen auf dem Marktplatze angelangt waren, kamen ihnen der
Kronprinz von Schweden und der General Bennigſen entgegen;
allmählig vereinigten ſich dort auch andere Befehlshaber der ver
bündeten Truppen. Der König von Sachſen trat aus dem von
ihm bewohnten Hauſe heraus und blieb auf der Außentreppe
ſtehen in der Erwartung, daß die verbündeten Monarchen ihn
beſuchen würden; nachdem ſie ſich über einige Minuten mit dem
Kronprinzen von Schweden unterhalten hatten, begaben ſie ſich
zum Ranſtädter Thore. Auf dem Wege dahin begegneten ſie Blü
cher, welcher aus der Haller Vorſtadt angelangt war; ſie erwie
ſen ihm ihre Dankbarkeit; ſie wollten die Ranſtädter Chauſſee
erreichen, mußten aber von ihrer Abſicht abſtehen, da der Weg
wie von Truppen, Fuhren, weggeworfenen Waffen, ſo auch von

15
– 226 –

Todten und Verwundeten verſperrt war. Dabei platzten in der


Nähe des Kaiſers Alerander einige feindlichen Granaten, die
von Lindenau her abgefeuert waren, was die ihn Umgebenden
auf ſeine Entfernung zu beſtehen bewog. Die verbündeten Mo
marchen übertrugen den Befehl über die in der Stadt eingetrete
nen Truppen dem Kronprinzen von Schweden und begaben ſich
zum Grimmaer Thore. Anf dem Wege dahin begegneten ſie
dem Kaiſer Franz; ſie ſtiegen von den Pferden und beglück
wünſchten ihn zum Siege. Darauf begab ſich der Kaiſer von
Oeſtreich über den Marktplatz und das Peters Thor nach Rötha,
der Kaiſer Alerander aber hielt, auf Einladung des Kronprin
zen, Heerſchau über das ſchwediſche Corps, welches bei Reidnitz
ſtand, und kehrte mit dem Könige von Preußen nach Leipzig
zurück (*).
Gleichzeitig mit dem feierlichen Einzuge der verbündeten Mo
narchen in die eroberte Stadt, war Napoleon bemüht ſich auf dem
einzigen mit Truppen und Fuhren angefüllten Lindenauer Wege
zu retten. Kaum war er die ſteinerne Brücke, welche über die
Elſter führt, vorbei, als ein fürchterliches Krachen die Sprengung
der Brücke bezeichnete. Die in der Stadt hinterbliebenen Truppen
erwartete entweder Tod oder Gefangenſchaft. Die Tadler Na
poleons verſichern, er habe, auf ſeine perſönliche Rettung bedacht,
die Sprengung der Brücke, ſobald er und ſein Gefolge ſie über
ſchritten haben würden, befohlen. Dieſe Beſchuldigung aber iſt
nicht erwieſen; Napoleon war eines ſo verzweifelten Mittels nicht
bedürftig und es wäre unnütz die Beweisgründe dafür zu liefern.
Beſchuldigen muß man aber ihn und den Vollzieher ſeiner An
ordnungen, die Errichtung von Nebenbrücken über die langen
Engpäſſe, welche die Arme der Elſter und Pleiſſe bilden, ver
ſäumt und für den Rückzug eines Heeres von hundert bis hun
– 227 –

dertzwanzigtauſend Mann mit ungeheueren Parks und Fuhren,


uach einer verlornen Schlacht, eine einzige Brücke, welche zu jenen
Engpäſſen führte, angewieſen zu haben. Um aber das Ueber
ſchreiten der Elſter ſeitens der verbündeten Truppen, unmittel
bar hinter der franzöſiſchen Arrieregarde, zu verhindern, wurde
in der Nacht vom anf den F October ein Kahn mit drei Pul
verfäſſern unter der ſteinernen Brücke angebracht und befohlen ſie
zu ſprengen ſobald die franzöſiſche Armee den Fluß überſchritten
habe. Der Befehlshaber der Ingenieure, General Dulauloy,
übertrug die Erfüllung dieſes Befehls ſeinem Stabschefe, Oberſt
Montfort. Letzterer begab ſich zu Berthier nach Lindenau, um
von ihm genau zu erfahren, wann die Brücke geſprengt werden
ſollte. Unterdeſſen blieb ein Korporal mit drei Sappeuren an der
Brücke. Berthier hatte aber keine Kenntniß von der Sachlage in
der Stadt und konnte die Zweifel Montfort's nicht entſcheiden.
Montfort ſelber, anſtatt an ſeinem Poſten zu bleiben, entfernte
ſich abermals und gab jenen Sappenren den Befehl „die Brücke zu
ſprengen, ſobald ſich der Feind gezeigt haben würde“. Unterdeſſen
hatten ſich die Schützen Sacken's, von Roſenthal aus, über eine
kleine unzerſtört gebliebene Elſter-Brücke am Jakobs-Spital
hinübergeſchlichen, näherten ſich durch Gärten der ſteinernen
Brücke und fingen an auf die vorübergehendeu Truppen und Fuh
ren zu feuern. Der Korporal, ein Menſch ohne Intelligenz, der
ſeine Beſtimmung nicht begriff, – wie der franzöſiſche Bericht
lautete, – glaubte, daß nicht mehr zu zögern ſei, zündete die
Pulverfäſſer an und ſprengte die Brücke. Schnell verbreitete ſich
unter den Truppen, welche die Stadt noch nicht verlaſſen hatten,
die Nachricht von dieſem Ereigniſſe; es ergiff ſie die größte Be
ſtürzung. Von allen Seiten bedrängt, warfen ſie die Waffen
weg und ergaben ſich zu Gefangenen oder zerſtreuten ſich in den
– 228 –

Niederungen der Pleiſſe und Elſter; einige warfen ſich in's


Waſſer und ſchwammen über die Arme der Flüße oder ertranken.
Generalmajor Emanuel war einer der erſten, die Leipzig be
traten; mit einer Begleitung von 14 Mann nahm er zuerſt
12 Garde-Küraſſiere, dann den General Viſſaut gefangen;
als er an der ſoeben geſprengten Brücke angelangt war und
einige Franzoſen über den Fluß auf Brettern flüchteten, zwang
er ſie zurückzukehren. Unter ihnen befand ſich Lauriſton. Aleran
der kannte ihn perſönlich, da er in Petersburg die Stelle eines
franzöſiſchen Botſchafters eingenommen hatte. Der Kaiſer nahm
ihn ſehr gnädig auf und befahl allen ſeinen Bedürfniſſen Genüge
zu leiſten und ihm ſo viel als möglich Gefälligkeiten zu erwei
ſen. Zu derſelben Zeit erſchien am Ufer des Flußes eine feind
liche Kolonne. Die Franzoſen, erſtaunt ihren Corps-Comman
deur und einen ruſſiſchen General beiſammen zu ſehen, hielten
an. Emanuel benutzte ihre Unentſchloſſenheit, näherte ſich ent
ſchieden der Kolonne und bewog ſie die Waffen niederzulegen:
die Offiziere behielten ihre Degen auf's Ehrenwort, weil es un
möglich war ſie alle zu entnehmen. Demnach hatte Emanuel mit
einer kleinen Begleitung zwei Generale, 17 Offiziere und an
400 Mann untern Ranges gefangen genommen. Ein anderer
Corps-Commandeur, General Regnier, und die Generale Ka
menſki und Grabowſki waren von den Truppen Bülow's auf
gegriffen (”). -

Unter den umgekommenen Feinden befand ſich der Marſchall


Fürſt Poniatowſki. Eine kleine Zahl übriggebliebener polniſcher
Truppen war in die auf der linken Seite der Pleiſſe liegenden
Gärten hineingedrängt und ſuchte von dort auf den Lützener Weg
herüberzukommen. Dorthin kam auch der Fürſt Poniatowſki an
geſprengt, welcher am j, H und j October verwundet war.
– 229 –

Als er den Richterſchen Garten erreicht hatte, wandte er ſich an


die ihn umringenden polniſchen Offiziere mit kurzer Rede: „Hier
müſſen wir mit Ehre umkommen!“ ſagte er, indem er in einen von
den Gräben, welche die Pleiſſe mit der Elſter vereinigen, den
Diebsgraben, mit ſeinem Pferde ſprang. Als es aber in den
moorigen Grund des Grabens anfing einzuſinken, verließ er das
Pferd und wurde von ſeiner Begleitung auf die andere Seite des
Grabens verholfen. Seine Kräfte waren vollkommen geſchwächt;
deſſen ungeachtet beſtieg er ein anderes Pferd, ſprengte an die
Elſter hin und warf ſich in den Fluß. Von preußiſchen Schützen
verfolgt, wurde er von einer Kugel tödlich getroffen. Mit ihm
ertranken viele Offiziere, welche auch den reißenden Fluß durch
ſchwimmen wollten. Ein gleiches Schickſal erreichte den franzöſi
ſchen General Dumoutier, Stabschef des 11-ten Corps. Dem
Marſchalle Macdonald gelang es hingegen die Elſter zu durch
ſchwimmen und vor Napoleon zu erſcheinen. Letzterer blieb mit
ſeinem Stabschefe bis drei Uhr Nachmittags in der Lindenauer
Mühle, wonach er ſich zum Nachtlager nach Mark Ranſtädt be
gab (").
Kaiſer Alerander brachte die ganze Nacht vom auf den j
October in diplomatiſchen Beſchäftigungen und militairiſchen An
ordnungen zu. Nach dem Zeugniße von Augenzeugen war das
vom Kaiſer bewohnte Haus Keller, in der Catharinenſtraße,
der Mittelpunkt der europäiſchen Politik. Der König von Sachſen
ſendete den General Zeſchau an die Monarchen Oeſtreichs und
Preußens, um ſich eine Zuſammenkunft mit ihnen zu erbitten.
Anſtatt einer Antwort aber erhielt der General den Befehl der
verbündeten Monarchen ſich beim Kaiſer von Rußland zu melden.
Alerander verſprach eine Antwort ſpäter zu ſenden. Um acht Uhr
Abends erſchien bei Friedrich Auguſt der ruſſiſche Geheimrath
– 230 –

Anſtett nnd erklärte dem Könige, im Namen des Kaiſers, daß


„die perſönliche Ruhe und Sicherheit des Königs deſſen Abreiſe
nach Berlin erforderten, daß dort alle Vorbereitungen zu
ſeinem Aufenthalte getroffen ſein werden und daß er (Anſtett)
beſtimmt ſei den König mit ſeiner Familie und ſeinem Ge
folge zu begleiten“. Demgemäß war Friedrich Auguſt zum
Kriegsgefangenen erklärt. Im Briefe, welcher als Antwort des
Königs auf dieſen Entſcheid erfolgte, waren die Urſachen darge
legt, welche ihn bewogen hatten, die Seite Napoleon's, nach der
Lützener Schlacht zu ergreifen, worauf der Brief mit folgenden
Worten ſchloß: „Der Sieg hat entſchieden. Ich bin in der Gewalt
Eurer Kaiſerlichen Majeſtät. Ohne Zweifel werden die Bedin
gungen, welche zu beſtimmen Sie für gut finden werden, der
Gerechtigkeit und ſowohl meinem als meines Volkes Nutzen ent
ſprechen. In dieſem Falle bin ich bereit ſolche anzunehmen und
mit derſelben Genauigkeit zu erfüllen, welche alle meine Hand
lungen bezeichnet hat. Ich erſuche Eure Kaiſerliche Majeſtät mir
einen neuen Beweis Ihrer Wohlgeneigtheit zu gewähren und mich
ohne Verzug über Ihre und der verbündeten Monarchen Abſich
ten in Kenntniß zu ſetzen“ (”). Der Kaiſer antwortete: „Die
Achtung, die ich der unglücklichen Lage, in welcher Eure Majeſtät
ſich befindet, ſchuldig bin, erlaubt mir die Erörterung der Be
weggründe nicht, welche Ihre Politik geleitet haben. In den der
maligen Verhältniſſen muß ich bezüglich Eurer Majeſtät aus
ſchließlich die militairiſchen Gründe in Erwägung nehmen“ (*).
Ungeheuer war der Verluſt beider Seiten im viertägigen
Kampfe bei Leipzig, obgleich er, wenn die Zahl der betheiligten
Truppen in Erwägung genommen wird, weniger blutig war,
als die Schlachten bei Preußiſch-Eylau und Borodino.
Die Ziffern des Verluſtes waren folgende:
Verwun
und
Todten
An
13,000M.
.
deten 66,000M.
.
Allem
In eberhaupt. (Der
U12,653
M. Oetober
vom
Verluſtverzeichnet.) M.
nicht
iſt 1,844
.
Todten.
An 14,541
.
Allem
In
M.

Aſter.
Bei
Gefangenen
An

30,000 Verwunde ten
An Ge
und
23,000
.
Kranken
An
„ 12,697
.
fangenen.

Verwundeten u.
Todten,
An wenigſtensMann,
Gefangenen60,000
als
mehr Gefangenen
u.
Todten
An Verwundeten
u.
Todten
An Verwundeten
u.
Todten
An Ranges
Untern
Unterof iziere,
Mann.
103
Allem:
In
42065 115
952 4826
276
199
Geſchütze.
300 Mann.
22,604 Mann.
16,430 Mann.
8,399
Schulz.
Bei Beitzke.
Bei

Verwun
und
Todten
An Verwundeten
u.
Todten
An Verwundeten
u.
Todten
An Verwundeten
u.
Todten
An
38,000M.
.
deten M.
68,000
Allem.
In Mann.
310
Allem:
In
Hofmann.
Bei Geſchütze.
300 Mann.
20,800 Mann.
14,170 Mann.
7,360 Oberof iziere.
95 568 663
Gefangenen
An

30,000
Hoſpitälern
Leipziger
den
in
die
Kranke,
23.000
Worunter
lagen

Stabsof iziere

5 117

Geſchütze,90 verkaſten
300
Pul Fuhren. u.
andere
u. Verwundeten
Todten,
An Verwundeten
u.
Todten
An 102
Verwundete
M.
2,058 8,406M.
.
Allem
In Mann.
310
Allem:
In
15,000M.
Todten.
An 60,000M.
Allem.
In Gefangenen
(*)
M.
19,535 .
Todte
Mann.
15,470
Plotho.
Bei
Verwundeten 1,040„
An
5,308„ Gefangenen
An
Verwun
An Gefan
An .
Todten.
An
30,000 genen
.
deten
„(!) „
15,000
...

Worunter:
(2)
-

franzöſiſchen ruſſiſchen
der
In Armee. Armee
ßiſchen öſtreichiſchen In diſchen
ſchwe
der Armee
preu
der
In
der
In Armee. der
In Armee.
– 232 –

Aus allen dieſen Angaben kann man den Schluß ziehen, daß
die franzöſiſche Armee in den Schlachten bei Leipzig, vom
- an bis zum j October incluſiv, überhaupt mehr als 60,000
Mann und 300 Geſchütze verloren hat. Vaudoncourt ſelber ge
ſteht, daß die franzöſiſche Armee 20,000 an Todten, 30,000 an
Gefangenen und 150 Geſchütze verloren hat. Nach der Anzeige
von Thiers aber hat die franzöſiſche Armee zwiſchen 60 und 70,000
Mann verloren und 100 bis 110,000 Mann behalten, welche ſich
im traurigſten Zuſtande befanden. Die verbündeten Armeen haben
an 50,000 Mann verloren, worunter 22,000 Ruſſen, 16,000
Preußen, 12,000 Oeſtreicher und zwiſchen 100 und 300 Schwe
den (").
Von den franzöſiſchen Generalen waren getödtet: der
Marſchall Fürſt Poniatowſki, die Diviſions-Generale: Vial,
Rochambeau, Delmas, Friedrich, Richemont und Dumoutier
(Letzterer ertrank in der Elſter); verwundet waren: die Mar
ſchälle: Ney, Marmont und Macdonald, der Prinz Emil von
Heſſen-Darmſtadt; die Corps-Commandeure: Lauriſton, Regnier,
Latour-Maubourg (Letzterer ſtarb nach einigen Tagen), Seba
ſtiani, Souham und Pajol; die Diviſions-Generale: Maiſon,
Compans, Charpentier, Rojnecki und der Brigade-General Kra
ſinski; gefangen wurden: der Prinz Emil von Heſſen-Darm
ſtadt, der Markgraf Wilhelm von Baden, Lauriſton, Regnier,
Charpentier, Rojnecki; die Brigade-Generale: Bertrand (Com
mandant von Leipzig), Pino, Denain, Dorſenne, Dubois, Cou
lomy, Aubry, Monmarie, Dogeranville, Brenoville, Berger,
Bon, Valory, Ezko, Bony, Malachowſki, Bronikowſki, Kra
ſinſki, Uminſki, Sliwowicz und Rautenſtrauch; der bairiſche Ge
neralleutnant Raglowicz; die badenſchen Generale: Stockhorn,
Hochberg und Schäffer; der würtembergiſche Generalleutnant
– 233 –

Beurnonville; die ſächſiſchen Generalleutnante: Zeſchau und


Gersdorf; der Generalmajor Boſe (*).
Ruſſiſcherſeits waren getödtet: die Generalleutnante: Sche
witſch und Newerowſki; die Generalmajore: Manteuffel, Hüne,
Rewen, Fürſt Kudaſchew und Lindfors; verwundet waren:
die Generalleutnante: Rayewſki, Duka und Kretow; die Gene
ralmajore: Lewaſchew, Kreutz, Piſſarew, Lieven, Stawitzki, Pah
len, Benkendorf und Kryſchanowſki; die Oberſten: Arnoldi und
Dietrichs. Preußiſcherſeits waren getödtet: die Oberſten Mal
zahn und Kroſſigk; verwundet waren: der Prinz Ludwig von
Heſſen-Homburg, der Prinz Karl von Mecklenburg-Strelitz; die
Oberſten: Steinmetz, Katzler c. Oeſtreichiſcherſeits waren ge
tödtet: die Generale: Fenner und Giffing; verwundet waren:
der General von der Kavalerie Erbprinz von Heſſen-Homburg;
die Feldmarſchall-Leutnante: Noſtitz, Hardegg, Mohr und Graf
Radetzky; der Generalmajor. Spleny (*).
Kaiſer Alerander ließ die Nacht, welche das Schickſal Leip
zigs entſchied, nicht verſtreichen ohne ſeinen Kriegsgenoſſen
Belohnungen zu verleihen. Fürſt Schwarzenberg und Blücher
erhielten den St.-Georgen-Orden 1-ter Klaſſe (*) (*). Der Ce
ſarewitſch Conſtantin Pawlowitſch erhielt denſelben Orden 2-ter
Klaſſe, Bennigſen und Barklay de-Tolli wurden in den Grafen
ſtand erhoben; Graf Miloradowitſch und Graf Platow erhielten
den St.-Andreas-Orden; Graf Wittgenſtein einen goldenen Säbel -

mit Lorbeeren; Konownitzin, Fürſt Gortſchakow und Sabaneew


den St.-Wladimir-Orden 1-ter Klaſſe; Graf Langeron die bril

(*) Varnhagen von Enſe (Leben des Fürſten Blücher von Wahlſtadt, 2-te Auflage,
S. 250–251) ſchreibt, als habe der Kaiſer Alexander dem Fürſten Blücher für die
Schlacht bei Leipzig einen koſtbaren Säbel verliehen.
– 234 –

lantenen Inſignien des St.-Alerander-Newſki-Ordens; Fürſt


Wolkonſky, die Generalleutnante Graf Pahlen, Waſſiltſchikow,
Graf Woronzow, Graf Schuwalow, Graf Stroganow und der
preußiſche General Gneiſenau den St.-Alerander-Newſki-Orden.
General Rayewſki wurde zum Generale von der Infanterie,
Uwarow und Winzingerode wurden zu Generalen von der Ka
valerie, Diebitſch und Paskewitſch zu Generalleutnanten beför
dert. Blücher, vom Könige von Preußen zum Feldmarſchalle
ernannt, erhielt vom Kaiſer Franz das Großkreuz des Maria
Thereſien-Ordens, welches auch dem Feldmarſchalle Fürſt
Schwarzenberg verliehen wurde. Beide erhielten zugleich den
preußiſchen ſchwarzen Adler-Orden.
Nach der Einnahme Leipzigs wurden zweitauſend Mann
ruſſiſcher und preußiſcher Truppen zur Garniſon der Stadt be
ſtimmt; zum Gouverneur Leipzigs war einſtweilen der General
Schuwalow ernannt. Am Abende des October ſtellten ſich die
Corps Wittgenſtein's und Kleiſt's nahe an der Stadt in Bi
vouacs auf; alle öſtreichiſchen Truppen, das 3-te Corps Gyulay's
und die zwei leichten Diviſionen ausgenommen, die ganze polniſche
Armee Bennigſen's, mit Ausnahme der 26-ten Diviſion und des
Kavalerie-Detaſchements Kreutz, die ganze Nord-Armee, das
Detaſchement Tſcherniſchew's ausgenommen. Zur Verfolgung des
Feindes waren folgende Maßregeln getroffen: nachdem das im
Beſtande der Nord-Armee zählende Corps Mork's, 13,400 Mann
ſtark, die Uebergänge bei Merſeburg und Halle eingenommen,
ſandte es die Reſerve-Kavalerie des Oberſten Jürgaß auf die
Lützener Straße; dorthin dirigierte ſich auch die Kavalerie des
Corps Sacken's, unter dem Befehle Waſſiltſchikow's; die Corps
Langeron's und Sacken's gingen am Abende auf Schkeiditz. Ge
neral Gyulay, der ſich mit dem 3-ten öſtreichiſchen Corps auf der
– 235 –

linken Seite der Elſter befand, hatte noch am Abende des


Ä October die Weiſung erhalten dem Feinde in Naumburg zu
vorzukommen, den Engpaß von Köſen einzunehmeu und den
dortigen Uebergang über die Saale bis zum Aeußerſten zu ver
theidigen; Gyulay ſendete ſogleich die Detaſchements Thielmann
und Mensdorf auf Naumburg, die 1-te leichte öſtreichiſche Divi
ſion auf Pegau, und am Ä rückte er um zwei Uhr nach Mitter
macht, mit den übrigen Truppen ſelber aus. Zu ſeiner Unterſtü
tzung waren die Diviſion Lederer und die Reſerve-Kavalerie No
ſtitz geſendet, dieſe beiden Armee-Theile aber hatten nicht Zeit an
demſelben Tage die Elſter zu überſchreiten; Gyulay, nach
dem er Pegau erreicht, erhielt den entſchiedenen Befehl – den
Engpaß von Köſen einzunehmen, rückte demnach auf Naumburg.
Auf dem Wege dorthin trafen die öſtreichiſchen Truppen, in Folge
eines Fehlers ſeitens des Hauptquartiers, bei Dobergaſt mit einem
großen Koſaken-Detaſchement in einem mit Artillerie und Fuhr
werk verſperrten Hohlweg zuſammen; dieß nöthigte die Oeſtrei
cher beim Engpaſſe zur Nacht zu bleiben und ſchon am andern Tage
die Bewegung gegen die Saale hin fortzuſetzen. Zum Glücke der
Verbündeten hatte der Feind nicht Zeit gehabt ihre Nachläſſig
keit zu benutzen und den ſo wichtigen Uebergang bei Köſen einzu
uehmen. Noch um acht Uhr Morgens langten bei Naumburg die
Detaſchements Thielmann und Mensdorf an; vereinigt mit fünf
dort ebenfalls angekommenen Compagnien des Majors Graf
Gatterburg, ſtellten ſie ſich an der Köſener Brücke auf. Die Vor
dertruppen Bertrand's erſchienen an der Brücke am Abende,
Graf Gatterburg aber hielt ſie zurück und gab ſeinem kleinen
Detaſchement den Anſchein eines viel beträchtlicheren, dieß bewog
den Feind, den Uebergang auf dieſem Punkte aufzugeben und ſich
über Weiſſenfels auf die Freiburger Straße hin zu wenden. Den
– 236 –

andern Tag, am Ä Abends, langten Gyulay und Noſtitz bei


Naumburg an, anſtatt aber den Engpaß bei Köſen ſogleich ein
zunehmen, hielten ſie an und brachen auf Köſen erſt am andern
Morgen auf. Bertrand benutzte dieſen Fehler, warf Graf Gat
terburg auf die rechte Seite der Saale und nahm das linke Ufer
des Flußes ein, konnte aber dem Feuer der das entgegengeſetzte
Ufer der Saale einnehmenden öſtreichiſchen Truppen ausgeſetzt,
die Brücke nicht zerſtören (*).
Die Verbündeten hatten demnach Napoleon's direkte Rück
zugslinie, durch die Einnahme von Naumburg und Merſeburg,
abgeſchnitten. Um Erfurt zu gewinnen war er gezwungen die
unbequemen Straßen über Weiſſenfels und Freiburg einzu
ſchlagen. Am Abends machte er bei Mark Ranſtädt Halt;
ſeine Hauptkräfte ſtellten ſich in den Umgebungen dieſes Punktes
auf; das 4-te Corps Bertrand's wurde auf Weiſſenfels vorge
ſchoben und der Marſchall Oudinot mit der aus der jungen Garde
beſtehenden Arrieregarde nahm die Stellung hinter Lindenau,
nachdem er die Brücken auf den Armen der Elſter und der Luppe
zerſtört hatte. Die verbündeten Truppen aber, diejenigen aus
genommenen, welche zur Verfolgung des Feindes beſtimmt und
in den Bivouacs bei Leipzig hinterblieben waren, hatten in der
Nacht nach der Schlacht folgende Aufſtellung: die ruſſiſch-preu
ßiſchen Reſerven bei Pegau; das Hauptquartier Barklay de-Tol
li's in Audigaſt; die Kavalerie des Generals Kreutz, welche die
Pleiſſe und Elſter durchſchwommen hatte, brachte die feindliche
Artillerie, die Leipzig zu beſchießen fortgeſetzt hatte, zum Schwei
gen; und die 26-te Diviſion überſchritt die Pleiſſe über eine
zeitweilige Brücke und ſtellte ſich in der Nähe Leipzigs in Bi
vouacs auf (*).
Sehr wichtige Umſtände bewogen Napoleon eine Schlacht
– 237 –

anzunehmen in welcher die Verbündeten eine doppelt größere


ZahlTruppenconcentriert hatten. Wäre er hinter die Saale zurück
gegangen, würde er nicht nur Sachſen verloren haben, ſondern
aller Wahrſcheinlichkeit nach in die Nothwendigkeit verſetzt worden
ſein, den Rhein zu überſchreiten und ſomit den Rheinbund aufzu
geben. Der Rückzug des franzöſiſchen Heeres auf die linke Seite
der Saale würde die Garniſonen der Feſtungen an der Elbe von
ihrer Baſis abgeſchnitten haben: folglich war die Schlacht bei
Leipzig für Napoleon unvermeidlich. Auf daß aber deren Ver
luſt nicht nur größeres Verderben zur Folge habe, indem die
Garniſonen der Feſtungen rettungslos verloren wären und ſeine
Armee in vollkommene Unordnung gerathen würde, mußte Napo
leon nicht nur das in Dresden hinterbliebene Corps St.-Cyr's,
ſondern auch einen Theil der Garniſonen von Torgau, Witten
berg und Magdeburg an ſich gezogen und auf dieſe Art am er
ſten Tage der Leipziger Schlacht beinahe gleiche Kräfte den
Verbündeten entgegengeſtellt haben.
Darauf, als er den Entſchluß gefaßt ſich zuerſt auf die böh
miſche Armee zu werfen, hätte er Blücher gegenüber, auf der
Partha und in Leipzig, nur den unumgänglichſten Theil ſeiner
Truppen, um Blücher zurückzuhalten, verwenden, alle übrigen
aber bei Wachau und Liebertwolkwitz verſammeln und entſchieden
auf die Haupt-Armee der Verbündeten vorrücken laſſen ſollen. Die
Bewachung des Ranſtädter Ausgangs war ſehr wichtig, der Rück
zug der franzöſiſchen Armee auf dem Wege nach Lützen hätte
auch dann geſichert werden können, wenn es Blücher gelun
gen wäre Leipzig einzunehmen: die Errichtung einiger Brücken
über die Pleiſſe und Partha oberhalb Leipzigs hätten dazu aus
gereicht. -

Das Vorrücken eines bedeutenden Theils der napoleoniſchen


– 238 –

Kräfte am F October auf Gülden-Goſſa blieb ohne entſchie


dene Reſultate, weil der Kaiſer Alerander rechtzeitig die
Reſerven der Verbündeten gegen den bedroheten Punkt gerichtet
hatte. Uebrigens ſo viel man aus den widerſprechenden An
gaben über dieſen Angriff erſehen kann, war ſolcher ohne
allen Zuſammenhang geführt. Wie hätte ſonſt eine Handvoll
Leib-Koſaken dem Andrange mehrerer tauſend Reiter wieder
ſtehen können?
Als es Napoleon nicht gelungen war die Verbündeten am
- Oetober zu ſchlagen, hätte er ſeine weiteren Operationen auf
einen Rückzug hinter die Elſter beſchränken ſollen. Man behaup
tet, daß der Rückzug Napoleon's deshalb nicht ſogleich ſtattge
funden, weil zu der Zeit noch nicht alle von ihm erwarteten
Truppen bei Leipzig angelangt. Dieß iſt aber der Wahrheit nicht
angemeſſen: nach der Schlacht am October blieb auf dem
Marſche nach Leipzig nur das Corps Regnier's und auch dieſes
langte am Morgen des Ä an. Folglich, hätte Napoleon ſeine
Parks und Fuhren in der vergangenen Nacht auf die Lützener
Straße abgefertigt, ſo hätten ſich alle ſeine Truppen rechtzeitig,
ohne Zuſammenſtoß in Leipzig und auf den Uebergängen über
die Pleiſſe und Elſter, zurückziehen können. Was aber das Un
terlaſſen zeitweiliger Uebergänge, die Unverſehrtheit der von den
Verbündeten ſpäter benutzten Brücken und das voreilige Sprengen
der ſteinernen Brücke auf der Elſter anbelangt, ſo kann Alles
dieſes nur der Nachläſſigkeit, welche gewöhnlich in der franzöſi
ſchen Verwaltung herrſchte, beigemeſſen werden. Höchſt unrecht
war ſie geprieſen; ihr Verdienſt beſtand nur in der Kunſt die
letzten Eriſtenzmittel der von Napoleon unterjochten Länder aus
zubeuten: das Elend der Einwohner hier vorzugsweiſe in Be
tracht zu nehmen, wäre nicht überflüſſig geweſen.
– 239 –

Im Verhalten der Verbündeten fehlte es überhaupt an Ein


heit und Zuſammenhang. Dieſem Umſtande, nicht weniger als der
fehlerhaften Vertheilung der Kräfte (die Wahrheit erfordert dieſes
Geſtändniß), muß das Mißlingen im Vorrücken des Octobers
beigemeſſen werden. Auch am Ä October haben die Verbünde
ten ihre ungeheuere nummeriſche Uebermacht nicht benutzt:
ſie haben die Gelegenheit, dem Feinde einen entſchiedenen
Schlag beizubringen, verſäumt. Anſtatt die Stellung auf
dem ganzen Raume zwiſchen Connewitz und Melkau gleich
zeitig anzugreifen, hätten ſie in der Erwartung, daß die
Nord-Amee und das Corps Langeron angelangt ſeien, in
Echelons vorrücken und Zweinaundorf und Stötteritz, durch
die Truppen Bennigſen's, unterſtützt von einer ſtarken Re
ſerve, angreifen ſollen. Die Truppen aber des Kronprinzen von
Heſſen-Homburg und des Grafen Wittgenſtein hätten außer dem
Kanonenſchuſſe bleiben, auf die Einnahme von Connewitz und
Probſtheide nicht beharren und ſich allenfalls auf ein Artillerie
feuer beſchränken müſſen. Die Einnahme von Stötteritz ſeitens
der Verbündeten hätte die Vertheidigung von Probſtheide, Con
newitz und Schönfeld für den Feind ſehr erſchwert und aller
Wahrſcheinlichkeit nach würde ihn die Furcht abgeſchnitten zu
werden, zum Rückzuge auf Leipzig bewogen haben. Auch kann
man nicht unbemerkt laſſen, daß die Verbündeten, in der Unmög
lichkeit einen großen Theil ihrer Kavalerie, am Ä October, in
den Kampf zu führen, ſie auf dem Rückzugswege des Feindes,
dem Vorſchlage Blücher's gemäß, vollkommen benutzt haben könn
ten, und Napoleon unvergleichlich größeren Verluſt erlitten hätte.
In Betracht der doppelten Uebermacht der verbündeten Truppen
war ein kleinerer Verluſt als der feindliche zu erwarten; in
der That aber war dieß nicht der Fall, die Urſachen waren:
– 240 –

1-tens, die Behendigkeit der franzöſiſchen Schützen in zerſtreuter


Fronte und 2-tens, noch mehr, die ſchwache Verfolgung nach der
gewonnenen Schlacht. Die Tapferkeit der verbündeten Truppen
und die Geſchicklichkeit ihrer Anführer waren durch die Unent
ſchiedenheit des Fürſten Schwarzenberg erfolglos.
Kapitel XLIII.
Verfolgung der Armee Napoleon's von der Elſter
an bis zum Main.

I n halt.
Rückzug Napoleon's auf Weiſſenfels und weiter auf Freiburg. – Bewegung Gyulay's
auf Naumburg. – Bewegung Bertrand's auf dem Naumburger Wege, Rückkehr
auf Weiſſenfels und Bewegung gegen die Köſener Brücke hin. – Die von den
Verbündeten ergriffenen Maßnahmen zur Verfolgung des Feindes. – Die bei
Neu-Köſen und Freiburg am Ä October erfolgten Treffen. – Rückzug Napo
leon's auf Erfurt. – Treffen am # Oetober bei Weimar. – Ruſſiſche Trup
pen bilden die Avantgarde. – Fürſt Schwarzenberg hält mit dem Vorrücken der
böhmiſchen Armee an. – Erfolge der fliegenden Corps.
Napoleon in Erfurt. – Umformierung der Armee. – Ordnung des weitern Rückzuges. –
Verfügungen Kaiſers Alerander im Kriegsweſen. – Central-Comité für Verwal
tung der eroberten Länder. – National-Bewaffnungen. – Verpflegung der in
Sachſen verſammelten Truppen. – Weiteres Vorrücken der verbündeten Armeen. –
Zuſtand der feindlichen Armee beim Rückzuge von Erfurt gegen den Main hin. –
Fehlerhafte Richtung der verbündeten Kolonnen.

Als Napoleon Lindenau am October Morgens erreicht


hatte, befahl er den zu beiden Seiten der Lützener Straße hinter
laſſenen Offizieren, die zerſprengten Theile der Armee auf die
Sammelpunkte zu dirigieren, ſelber, bewältigt von Müdigkeit,
ſuchte er Ruhe auf der Lindenauer Mühle, bald aber nach der
Sprengung der ſteinernen Brücke begab er ſich nach Mark Ran
16
– 242 –

ſtädt. Unterdeſſen zogen ſeine Truppen in der größten Unordnung


weiter. Viele Soldaten zerſtreuten ſich zu beiden Seiten des We
ges; dieſe Marodeurs, welche das Land plünderten und verwüſte
ten, erhielten von ihren Cameraden ſelber den charakteriſtiſchen
Beinamen der fricoteurs. Da das nächſte Ziel der franzöſiſchen
Armee die Erreichung der Feſtung Erfurt war, wo die Truppen
Proviant, Patronen, Munition und Fußbedeckung erhalten konn
ten, ſo rückte Napoleon ſchon am # um ein Uhr nach Mitter
nacht, auf dem Weiſſenfelſer Wege mit ſeiner Garde aus, ent
ſchied ſich in Weiſſenfels die Saale zu überſchreiten und weiter
auf Erfurt den ſehr unbequemen Umweg über Freiburg einzu
ſchlagen, indem Bertrand, der mit dem 4-ten Infanterie-Corps
auf die Erfurter Straße über Weiſſenfels geſendet war, die Ein
nahme Naumburgs und des Engpaſſes von Köſen von den ver
bündeten Truppen angezeigt. In der That, Graf Gyulay hatte
ſich mit dem 3-ten öſtreichiſchen Corps und mit fünf Compagnien,
unter dem Befehle des Grafen Gatterburg, am 8-ten Morgens
bei Naumburg aufgeſtellt. Die Truppen Gyulay's waren aber
nicht im Stande weder Bertrand aufzuhalten, noch die ſehr feſte
Brücke in Köſen zu zerſtören, und hätte Bertrand ſeine Bewegung
auf Naumburg fortgeſetzt, ſo würden ſich die Oeſtreicher zurück
gezogen haben; ſomit wäre der nächſte und bequemſte Weg auf
Erfurt für die Hauptkräfte Napoleon's geöffnet geweſen. Anſtatt
deſſen aber ging Bertrand auf Weiſſenfels zurück. Dieß benahm
Napoleon die Möglichkeit über den Engpaß von Köſen ange
ſichts der öſtreichiſchen Truppen, die er für ſtärker hielt als ſie in
der Wirklichkeit waren, durchzudringen: daher erhielt Bertrand
die Weiſung ſich auf der linken Seite der Saale nach Köſen hin
zu dirigieren, die dortigen Höhen einzunehmen und die Brücke zu
zerſtören, um die Bewegung der franzöſiſchen Armee auf Freiburg
und Eckartsberg zu decken.
– 243 –

Die Truppen Bertrand's beſtanden aus ſeinem 4-ten Corps,


den Diviſionen Guilleminot (vom 7ten Corps), Margaron und
Defrance (vom 3-ten Kavalerie-Corps) und dem 5-ten Kavale
rie-Corps. Napoleon ſelber nächtigte vom j auf den Ä in
Markröhlitz, zwiſchen Weiſſenfels und Freiburg. Oudinot langte
mit der aus den zwei Diviſionen der jungen Garde und dem t-ten
Kavalerie-Corps beſtehenden Arrieregarde ſchon in der Nacht
bei Weiſſenfels an (!).
Die Anordnungen der Verbündeten behufs der Verfolgung
des Feindes waren folgende: die Haupt-Armee mußte auf
Erfurt in zwei Kolonnen vorrücken; die rechte auf Pegau, Naum
burg und Buttelſtädt, die linke auf Draſchwitz, Zeitz, Groſſen
und Jena (*). Die ſchleſiſche Armee ebenfalls in zwei Ko
lonnen: das Corps Mork, von Halle und Merſeburg aus, über
Lauchſtädt und Frankleben, auf Laucha und Freiburg an der Un
ſtrutt; die Corps Langeron und Sacken von Schkeiditz aus über
Lützen auf Weiſſenfels (*). Das zur polniſchen Armee gehö
rende Detaſchement Kreutz verfolgte den Feind im Rücken und
griff insgeſammt mit der unter dem Befehle Waſſiltſchikow's
ſtehenden Avantgarde des Corps Sacken am October an drei
tauſend Mann Gefangener nnd viele franzöſiſche Fuhren bei
Lützen auf; die Hauptkräfte Bennigſen's aber wurden unter den
Befehl des Kronprinzen von Schweden, der mit der Nord-Armee
bis zum Ä in Leipzig blieb, geſtellt.
Die Truppen Bennigſen's brachen am aus der Umgegend
Leipzigs auf und folgten der ſchleſiſchen Armee nach Lützen hin,
die Nord-Armee aber, um die Beſchwerlichkeit in der Verpflegung
zu vermeiden, dirigierte ſich von Leipzig aus, am Ä UUd ÄOcto
ber, über Merſeburg und Querfurt auf Artern, parallel der
Bewegung Bennigſen's. Das zur Nord-Armee zählende 4-te
preußiſche Corps des Generals Grafen Tauenzien blieb an der
– 244 –

Elbe und Oder, zur Belegung der von den Franzoſen einge
nommenen Feſtungen. Das Detaſchement Tſcherniſchew's, nebſt
allen übrigen Parteigängern, verfolgte den Feind bis zum Rheine,
ſeinen Rückzugsweg, von der nördlichen Seite her, beſtändig
unterbrechend. Das Detaſchement des Grafen Woronzow war
nach Caſſel hin gerichtet und nahm, vereint mit dem zur ſchleſi
ſchen Armee zählenden Corps des Grafen St.-Prieſt, dieſe Stadt
am Ä October ein. Dieß hatte die allendliche Auflöſung des
Königreichs Weſtphalen zur Folge (*).
Am Ä October, Morgens, brach Gyulay mit ſeinem Corps
von Naumburg auf und ſandte die 1-te leichte Diviſion des Für
ſten Moritz Lichtenſtein und die Brigade des Generals Salins
zur Unterſtützung der den Engpaß von Köſen vertheidigenden
Truppen. Die Oeſtreicher blieben im Beſitze des rechten Ufers der
Saale, alle ihre Anſtrengungen aber den Feind auf dem linken
Ufer zu werfen und ſich auf demſelben zu entwickeln blieben frucht
los. Bertrand hatte alſo ſein Ziel, den Rückzug Napoleon's auf
Freiburg zu decken, erreicht. Darauf verließ er in der Nacht ſeine
Stellung bei Neu-Köſen und zog ſich auf Eckartsberg zurück.
Doch beſtand der Verluſt des Feindes aus tauſend Mann an
Todten und Verwundeten und beinahe vierhundert Gefangenen;
ſeitens der Oeſtreicher aber war der Verluſt nicht weniger be
trächtlich. Die Brigade Salins verlor allein an achthundert Mann.
Obgleich es dem Feinde nicht gelang die Köſener Brücke zu zer
ſtören, ſo wurden die Oeſtreicher dort doch einen ganzen Tag
aufgehalten und rückten erſt am andern Morgen weiter (*).
General Mork verfolgte den Feind mit mehr Nachdruck und
holte ihn bei Freiburg an der Unſtrutt ein. Dieſer Ort liegt in
einem tiefen, von ſteilen Bergen umgebenen Keſſel. Die dorthin
über Gärten und Weinberge führenden Wege ſind ſo eng, daß
die Truppen mit Mühe nur in Abtheilungen vorrücken konnten.
– 245 –

Bei Freiburg angelangt, war das Aufſteigen bei Eckartsberg


ſehr beſchwerlich. Dazu war das Waſſer in der Unſtrutt bedeu
tend geſtiegen. Die Oeſtreicher hatten die Brücke im Orte zwei
Tage vorher verbrannt; die von den Franzoſen neuaufgebaute
hielt kaum; oberhalb derſelben, tauſendfünfhundert Schritt weit
vom Orte, war eine andere errichtet, und eine dritte, noch weiter
oberhalb, bei Laucha. Die in den Bergen heftig ſchallende Kano
nade bewog die ſich zurückziehenden Truppen ihre Bewegung zu
beſchleunigen; Alle warfen ſich den ſteilen Abhang hinunter ge
gen die Brücke bei Freiburg zu, wo Gedränge und Unordnung
unvermeidlich waren. Eine Menge Fuhren wurden in den Fluß
geworfen. Endlich ſtellte die Ankunft Napoleon's die Ordnung
her: jeder Waffengattung war eine beſondere Brücke von den
drei erbauten angewieſen, wodurch die Bewegung einigermaßen
erleichtert wurde. Um drei Uhr Nachmittags, als das Thal des
Flußes und die zu ihm führenden Schluchten noch mit Fuhren
verſperrt und ſchon die preußiſchen Truppen erſchienen waren,
begab ſich Napoleon über die mittlere Brücke auf's rechte Ufer.
Das Corps Mork rückte in zwei Kolonnen vor; die rechte, be
ſtehend aus acht Bataillonen und ſechzehn Schwadronen mit zwei
Batterien, unter dem Befehle des Oberſten Graf Henkel-Don
nersmark (*), bewegte ſich über Baumerode auf Laucha; die
linke, beſtehend aus den Diviſionen Horn und Hünerbein, welche
ſich um ſieben Uhr Morgens bei Petſchkendorf, in der Nähe
Müchelns, vereinigt hatten, gingen über Schlegberode auf Frei
burg. Als Graf Henkel Baumerode erreicht hatte, erfuhr man,
daß ein bedeutender Transport verbündeter Gefangenen mit einer
ſchwachen polniſchen Bedeckung aus Laucha ſoeben aufgebrochen
war. Graf Henkel übertrug den Befehl über die Infanterie ſei
nes Detaſchements dem älteſten ſeiner Offiziere, Major Burg
hoff, und eilte mit der Kavalerie dem Feinde nach. Als die tapfe
– 246 –

ren Huſaren die Franzoſen bei Gleina einholten, hieben ſie einen
Theil der Begleitung nieder, nahmen drei Offiziere und vier
hundert Mann untern Ranges gefangen und befreiten viertauſend
Mann gefangener Verbündeten (*). Da ſich in der Umgegend
von Laucha kein Feind mehr befand, ſo wurde das Detaſchement
Henkel's angewieſen auf die Dorfſchaft Zeiplitz, wo die Fran
zoſen bei der Mühle über den Fluß ſetzten, zu marſchieren; die
Diviſion Horn rückte linkshin, ihr folgte als Reſerve die Divi
ſion Hünerbein, die Reſerve-Kavalerie Jürgaß richtete ſich auf
Markröhlitz. Dem Feinde gelang es den größten Theil ſeiner
Truppen, ſeiner Artillerie und Fuhren auf die rechte Seite des
Flußes überzuführen; einige Pulverkaſten wurden geſprengt.
Die auf den Höhen vor dem Orte aufgeſtellten und von Infan
terie gedeckten Batterien verhinderten den Andrang Mork's und
hielten ihn bis in die Nacht auf. Die Trophäen der preußiſchen
Truppen beſtanden aus einundzwanzig Geſchützen, tauſendzwei
hundert Gefangenen und einer Menge Fuhren. Die Preußen
verloren an achthundert Mann. Beim Rückzuge von Freiburg
gingen viele deutſche und polniſche Soldaten zu den Verbündeten
über.

Am ſelben Tage, den , brachen die Corps Langeron's und


Sacken's von Lützen auf und gingen auf Weiſſenfels, wo die
feindliche Arrieregarde die Saale überſchritt und die Brücken
zerſtörte. Blücher, der ſich zu der Zeit bei den ruſſiſchen Truppen
befand, befahl ſogleich ſtarke Batterien aufzuſtellen, welche die
Franzoſen nöthigten das von ihnen betretene linke Ufer zu ver
laſſen. Darauf, als eine von den Brücken errichtet war, rückte
die Avantgarde Waſſiltſchikow's auf Freiburg. Die Koſaken
Detaſchements Platow's und Ilowaiſki's 12. waren über Cam
burg auf Weimar geſendet, um den Feind auf ſeinem Rückzuge
aufzuhalten (").
– 247 –

Noch auf dem Marſche nach Weiſſenfels, am - October, traf


Prinz Wilhelm von Preußen im Hauptquartiere der ſchleſiſchen
Armee ein und kündigte Blücher den Feldmarſchallsrang, wel
cher ihm, wie geſagt, für die Schlacht bei Leipzig verliehen, an.
Die ruſſiſchen Truppen, welche ihm ſchon längſt den Beinamen:
„Feldmarſchall Vorwärts“ gegeben, waren darüber ſehr er
freut (").
In der Nacht vom Ä- auf den # ging die franzöſiſche Arriere
garde über die Unſtrutt und ſetzte ihren Rückzug auf Eckartsberg
fort. Hier vereinigten ſich die Truppen Bertrand's mit den
Hauptkräften Napoleon's. Am andern Tage, den Ä, hatte
Blücher alle ſeine Corps in der Umgegend Freiburgs in der Ab
ſicht vereinigt, unverweilt über die Unſtrutt zn ſetzen; der Feind
hatte aber alle Brücken zerſtört: man mußte bis zu deren Wieder
aufbau warten. Feldmarſchall Blücher entſchied ſich über Langen
ſalza auf Eiſenach in die Flanke und den Rücken der feindlichen
Armee zu rücken, um Napoleon zu verhindern ſich in Erfurt zu
halten.
Ungeachtet des Verluſtes, welchen die franzöſiſchen Truppen
in den Kämpfen bei Köſen und Freiburg erlitten, gelang es
Napoleon die Verbündeten an der Saale und Unſtrutt aufzu
halten. Dieß gab ihm die Möglichkeit ſeine zerrüttete Armee et
was in Ordnung zu bringen. Am Ä nächtigte er in Eckarts
berg; während der ganzen Nacht zogen ſeine weichenden Truppen
an ihm vorbei. Am Ä, nach acht Uhr Morgens, verließ er
Eckartsberg. Der bequemſte Weg führte über Weimar; am
Vorabende war aber ſchon die Nachricht eingegangen, daß dieſe
Stadt von den verbündeten Truppen eingenommen ſei ("), daher
zog es Napoleon vor auf Buttelſtädt zu gehen, den Angriff
auf Weimar und, wie es ſich ſpäter erwies, die Gefangennehmung
des Herzogs und ſeiner Familie dem Generale Lefebvre-Des
– 248 –

nouettes, unter deſſen Befehl ein großes Kavalerie-Detaſchement


geſtellt wurde, aufzutragen. Dieſer unwürdige Verſuch wurde
aber vereitelt. Kurz vor dem Erſcheinen der Franzoſen war die
Stadt von dem Detaſchement des Grafen Platow eingenommen
und in der Nähe ſtand das Koſaken-Detaſchement des Generals
Ilowaiſki 12. Lefebvre benutzte einen dichten Nebel, um ſich un
bemerkt von einer Seite, wo man ihn nicht erwarten konnte, zu
nähern: er drang in die Straßen, warf ſich auf das herzogliche
Schloß, wurde aber von den tapferen Koſaken geſchlagen und
mehr als eine Meile weit auf der Buttelſtädter Straße ver
folgt (").
In Ollendorf (halbwegs zwiſchen Buttelſtädt und Erfurt)
wollte Napoleon nächtigen, das unaufhörliche Erſcheinen aber,
während des Marſches, von Koſaken-Partien, bewog ihn Ollen
dorf um Mitternacht zu verlaſſen: erlangte in Erfurt noch vor Ta
gesanbruch an. Seine Truppen waren von der immerwährenden
Bewegung außerordentlich ermüdet, wendeten aber ihre letzten
Kräfte an, um Erfurt ſo ſchnell als möglich zu erreichen. Die
Arrieregarde hielt in Eckartsberg; Gyulay aber ging nicht
weiter als bis Poppel. Dort langte auch die ihm beigegebene
3-te Küraſſier-Diviſion an (*).
Wäre Gyulay, dem erhaltenen Befehle zufolge, den Fran
zoſen bei Köſen, Freiburg und Laucha zuvorgekommen, ſo würde
ohne allen Zweifel die Lage des Feindes, angegriffen in der
Fronte von den Oeſtreichern und im Rücken von Mork, verzwei
felt geworden ſein; Gyulay aber erfüllte nicht nur ſeine Beſtim
mung nicht, indem er in Poppel ſtehen blieb, ſondern hielt die
Bewegung der hinter ihm folgenden Truppen Barklay's und
Wittgenſtein's auf. Graf Barklay de-Tolli hingegen wünſchte die
Verfolgung zu beſchleunigen und befahl am dem Grafen Witt
genſtein Gyulay zu überholen und die Franzoſen mit ſeinem
– 249 –

Corps und der preußiſchen Reſerve-Kavalerie in die Richtung


von Eckartsberg auf Buttelſtädt zu verfolgen; zur gleichen Zeit
wurde auf Befehl des Kaiſers Aleranders der General-Adjutant
Ojarowſki mit zwei Bataillonen und zwölf Garde-Schwadronen
auf Auerſtädt geſendet, um die linke Flanke der Avantgarde der
Wittgenſteinſchen Truppen zu decken (*). Dieſe Avantgarde,
unter dem Befehle des Grafen Pahlen, beſtand aus ſeiner leich
ten Kavalerie, verſtärkt von der 3-ten Küraſſier-Diviſion und
der Reſerve-Kavalerie des Generals Röder mit der 23-ten rei
tenden Compagnie und den preußiſchen reitenden Batterien vWF 7
und 8 (*). Graf Pahlen erreichte die Franzoſen zwiſchen Eckarts
berg und Buttelſtädt, griff ſie, vereint mit dem Detaſchement
Kreutz, an und warf ſie. Die Ruſſen nahmen ſechshundert Mann,
größtentheils von der jungen Garde, gefangen (*).
Fürſt Schwarzenberg glaubte, daß Napoleon eine Schlacht
bei Erfurt annehmen würde; daher hielt er mit dem Vorrücken
der verbündeten Truppen ein und traf Maßregeln zum Concen
trieren der böhmiſchen Armee vor Weimar, unterdeſſen die ſchle
ſiſche Armee über Tennſtädt und Langenſalza, die linke Flanke
des Feindes umgehen, und die Nord-Armee in derſelben Abſicht
auf Artern gehen ſollte. Zugleich warfen ſich die leichten Deta
ſchements Ilowaiſki 12, Graf Platow und Thielmann (*) in den
Rücken der napoleoniſchen Armee, im Raume zwiſchen Erfurt
und Gotha. Die ruſſiſchen Parteigänger erlangten große Er
folge. -

Am Ä October griff der Oberſt (S. S.) Chrapowitzki uner


warteter Weiſe Gotha an. Sein Detaſchement beſtand aus
(') Das Detaſchement Generals Thielmann ging zugleich mit dem Detaſchement
des Oberſtleutnants Graf Mensdorf unter den Befehl des General-Adjutanten Graf
Orlow-Deniſſow über, weil Thielmann zum Befehlshaber aller ſächſiſchen, zu den Ver
bündeten übergegangenen Truppen, ernannt wurde.
– 250 –

fünfhundert Mann vom Pawlogradſchen Huſaren-, Wolhynſchen


Uhlanen- und Koſaken-Regimente Diatſchkin. Der franzöſiſche
Reſident bei den herzoglich-ſächſiſchen Höfen, Baron St. Aignan,
73 Offiziere und 900 Mann untern Ranges wurden aufgegriffen
und dreißig Pulverkaſten geſprengt. Baron St. Aignan berief ſich
auf das Völkerrecht, auf Grundlage deſſen er nicht als Gefan
gener betrachtet werden könne; Oberſt Chrapowitzki erwiederte
aber, daß er „nicht Diplomat ſei und dem Baron den Rath er
theile mit dem Einpacken ſeiner Sachen zu eilen, ſonſt müßte
man ihm Kammerdiener ertheilen, welche ihm mißfallen könn
ten“. Drei Tage darauf vereinigte ſich Chrapowitzki mit dem vom
Koſaken-Regimente Koſtin verſtärkten Detaſchement Ilowaiſki 12
und griff die franzöſiſche Kavalerie-Diviſion Generals Fournier
hinter Eiſenach an. Der Feind wurde geworfen und verlor an
Gefangenen 7 Offiziere und ungefähr 400 Mann untern Ranges.
Die Ruſſen verloren an Todten und Verwundeten überhaupt
vierzig Mann. Am andern Tage griff Generalmajor Ilowaiſki
zwiſchen Vach und Hünfeld zwei Geſchütze und viele Fuhren
auf. Zur ſelben Zeit ergaben ſich dem Hetmann Platow zwei
bairiſche Bataillonen, welche unverſäumt gegen den Main hin
zur Vereinigung mit der Armee Wrede's, welche auf die Verbin
dungen der franzöſiſchen Armee rückte, geſendet wurden. Die
Ueberbleibſel der würtembergiſchen Diviſion Frankemont ver
einigten ſich mit dem Detaſchement Orlow-Deniſſow (").
Die auf jedem Schritte zunehmende Entkräftung der feindlichen
Armee in Folge von Zurückgebliebenen, Marodeurs und Ueber
läufern beſchleunigte den Abmarſch Napoleon's aus Erfurt, um ſo
mehr als er die Nachricht von der Bewegung der bairiſch-öſtrei
chiſchen Armee Generals Wrede, zum Verſperren ſeines Rück
zugsweges, erhielt. Zwei Tage lang während ſeines Aufenthaltes
in Erfurt, wo er daſſelbe Cabinet bewohnte, in welchem er vor
– 251 –

fünf Jahren mit dem Kaiſer Alerander über das Schickſal


Europa's verfügte, beſchäftigte ſich Napoleon mit der Umgeſtal
tung ſeiner Armee. Von den vierzehn Infanterie-Corps langten
in Erfurt nur ſechs an, namentlich: das 2-te Victor's, das 3-te
Ney's, das 4-te Bertrand's, das 6-te Marmont's, das 9-te Au
gereau's und das 11-te Macdonald's ("). Die Artillerie erhielt
aus dem Erfurter Arſenal Geſchütze und Pulverkaſten. Die
Truppen waren mit Proviant, Kleidung und Fußbedeckung mög
lichſt verſehen. Verkleidete Offiziere und Auskundſchafter waren
nach Hamburg und Dresden mit dem Befehle an die Marſchälle
Davouſt und St.-Cyr, die franzöſiſchen Garniſonen dieſer Fe
ſtungen gegen den Rhein hin zu dirigieren, geſendet.
In derſelben Zeit verließ Murat die Armee Napoleon's.
Man verſichert, er habe ſich ſchon damals vorgenommen, Napo
leon untreu zu werden.
Am Ä October brach aus Erfurt in die Richtung nach Gotha
hin die Avantgarde auf. Sie beſtand aus den Corps Victor,
Macdonald und der Kavalerie Sebaſtiani; ihr folgten am an
dern Tage zwei Diviſionen der jungen Garde, unter dem Befehle
Oudinot's; die übrigen vier Infanterie-Corps, die alte Garde
Friant's und Curial's, die Küraſſiere Bordeſoult's, die Garde
Kavalerie Nanſouty's, die Artillerie-Parks Sorbier's, Neigre's
und Dulauloy's, und endlich in der Arrieregarde, zwei Diviſio
nen der jungen Garde, unter dem Befehle Mortier's (*).
Nach der Schlacht bei Leipzig blieb Kaiſer Alerander in die
ſer Stadt, um Anordnungen in Kriegs- und diplomatiſchen An
gelegenheiten zu treffen. Der Oberbefehlshaber der Reſerve-Ar
mee, Fürſt Lobanow-Roſtowſki, erhielt Befehle über die Ab
ſendung der Reſerven zu den activen Corps; zur Ergänzung
aber der Reſerve-Armee war die am 21. Auguſt a. St. veröffent
lichte Rekrutenaushebung, je acht Mann von fünfhundert Seelen,
– 252 –

beſtimmt. In dieſer Aushebung waren die kleinruſſiſchen Koſa


ken des Poltawſchen und Tſchernigowſchen Gouvernements nicht
inbegriffen ("). In Sachſen waren Hoſpitäler eingerichtet und
Sammelpunkte für die Geneſenen beſtimmmt; alle Parks waren
vorgeſchoben; zur Ergänzung der Garde-Artillerie waren bei der
Reſerve-Armee drei Compagnien mit Geſchützen formiert: eine
Batterie, eine leichte und eine reitende Compagnie und für die
donſche Artillerie eine Koſaken-Compagnie. In Altenburg war
ein Hauptdepot für Reparatur der Geſchütze und Ergänzung der
Artillerie-Compagnien errichtet; das Hauptlaboratorium für
Anfertigung von Artilleriemunition und Patronen befand ſich in
Prag.
Die wichtigſte aller von den verbündeten Monarchen zu der
Zeit entſchiedenen Fragen war die Verwaltung der eroberten
Länder und die Benutzung der Mittel, welche ſie zum allgemeinen
Beſten boten. Stein und W. Humboldt hatten einen Entwurf
ausgearbeitet, welcher von den bevollmächtigten Miniſtern,
Metternich, Hardenberg und Neſſelrode am 21 October n. St.
beſtätigt wurde; Schweden trat ihm am 22, England einige Tage
ſpäter bei. Es war entſchieden ein Central-Comité für die Verwal
tung ſämmtlicher Länder, deren Herrſcher dem Bündniße gegen
den allgemeinen Feind nicht beigetreten waren, zu errichten, in
den Ländern aber deren Herrſcher auf die Seite der Verbündeten
treten würden, Agenten vom Central-Comité zu ernennen. Stein
war von den verbündeten Monarchen zum Präſidenten des Cen
tralcomités beſtimmt: ihm war die Wahl der Mitglieder des
Comités und die Einrichtung aller untergeordneten Verwaltungen
überlaſſen. Das Central-Comité wirkte in den eingenommenen
Ländern vermittelſt ſpeciell ernannter Generalgouverneure. Die
Einkünfte dieſer Länder ſollten unter die Verbündeten, der Zahl
der von jedem Reiche gelieferten Truppen gemäß, getheilt werden,
– 253 –

namentlich erhielten Oeſtreich, Rußland und Preußen gleiche


Theile für hundertfünfzigtauſend Mann ein jedes, Schweden für
dreißigtauſend Mann, Hanover der Zahl der von ihm geliefer
ten Truppen gemäß. Eine von den ſeitens des Comités vorge
ſchlagenen Anordnungen, welche von den Bevollmächtigten nicht
angenommen wurde, beſtand darin, daß in allen Ländern, wo
Landſtände einberufen ſein werden, vermittelſt dieſer auf die all
gemeine Stimmung zu wirken und das Volk zur Theilnahme an
der allgemeinen Sache anzuregen ſei (”). Da Dresden von den
franzöſiſchen Truppen beſetzt war, errichtete das Central-Comité
die Verwaltung Sachſens in Leipzig. Am F October wurde
ſeitens des am ſelben Tage eingerichteten Comités der Gene
ralleutnant Fürſt Repnin zum Generalgouverneur von Sachſen
ernannt. Der Fürſt, früher ruſſiſcher Reſident in Caſſel, war in
die Sitten und die Geſetze Deutſchlands vollkommen eingelebt
und der deutſchen Sprache mächtig. Die Deutſchen, welche über
haupt, was das Lob der Ruſſen anbelangt, nicht freigebig ſind,
laſſen volle Gerechtigkeit der Großmuth und den adminiſtrativen
Talenten des Fürſten Repnin wiederfahren (**). Die weſent
lichſte Beſchwerlichkeit beſtand in der Verpflegung der in Sachſen
hinterbliebenen Truppen. Deren Zahl, inbegriffen das nenzu
formierende ſächſiſche Corps, die Blokade-Detaſchements und die
durchmarſchierenden Reſerven, belief ſich auf 87,000 Mann, ohne
40,000 Kranke und Verwundete zu rechnen. Die Verpflegung
dieſer Maſſe erforderte jeden Monat eine Million Thaler. Au
ßerdem wurden Requiſitionen für die Bekleidung und Verſor
gung der ſächſiſchen Truppen und der aus den Hoſpitälern ent
laſſenen Verbündeten enthoben. Zur Erleichterung des Landes
wurden auf Vorſchlag Stein's Zufuhren von Getreide aus Böh
men und Schleſien, auch Reguiſitionen und Ankäufe von Getreide
und Vieh im Herzogthume Warſchau und in Mecklenburg veran
– 254 –

ſtaltet; die Dresden blokierenden Truppen erhielten Proviant


aus den Thereſienſtädter und Königsgrätzer Magazinen. Die
Bewaffnungen in Sachſen waren mit großer Thätigkeit ausge
führt. General Thielmann, welcher fünfzehntauſend Mann ſäch
ſiſcher Truppen formierte, hatte in zwei Wochen Zeit zwei Drittel
dieſer Anzahl eingeſammelt und bewaffnet. Gleichzeitig hatte
Sachſen 20,000 Landwehrmänner zum activen Dienſte und eine
ebenſo zahlreiche Reſerve geſtellt (*).

Der zweitägige Aufenthalt Napoleon's in Erfurt, um ſeine


Armee einigermaßen in Ordnung zu bringen, gab dem Fürſten
Schwarzenberg die Gelegenheit ihn mit überlegenen Kräften an
zugreifen. Der verbündete Oberbefehlshaber fürchtete aber einen
entſchiedenen Zuſammenſtoß mit dem Gegner; er verlor viel
Zeit im Concentrieren ſeiner Truppen und rückte nicht eher
als am Ä Oetober vor; die Armee Napoleon's hatte aber ſchon
am Vorabende Erfurt verlaſſen. Die böhmiſche Armee brach aus
der Umgegend Weimars in drei Kolonnen auf: die rechte be
ſtand aus allen Truppen Wittgenſtein's und Kleiſt's; die mitt
lere aus allen öſtreichiſchen Truppen (“); die linke aus den
ruſſiſch-preußiſchen Reſerven Barklay de-Tolli's; dieſe Kolonnen
richteten ſich auf Erfurt, Arnſtadt und Kranichfeld. Graf Witt
genſtein hinterließ zur Blokade der Erfurter Citadelle den Gene
ral-Adjutanten Fürſt Gortſchakow mit der 11-ten Diviſion und
einem Theile des Corps Kleiſt's (*) und umging ſelber zur

(*) Das 4-te Corps Klenau ausgenommen, welches am # October zur Unterſtü
Fung des Grafen Tolſtoy nach Dresden hin geſendet war. (Befehl an den General
leutnant Graf Tolſtoy, vom 11 October, Journal eingehender Schriftſtücke. N 132.)
– 255 –

Rechten Erfurt in der Richtung auf Gotha. Seine Avantgarde,


unter dem Befehle des General-Adjutanten Graf Pahlen, beſte
hend aus ſeiner Kavalerie, der 5-ten Diviſion Meſenzow's und
der 10-ten preußiſchen Brigade Pirch's, näherte ſich Gotha,
indeſſen Wittgenſtein ſelber mit dem 2-ten Infanterie-Corps des
Prinzen Eugen von Würtemberg und der 11-ten preußiſchen
Brigade Ziethen's bei Töttelſtädt, einen halben Tagmarſch weit
von Gotha, ſtehen blieb. Am ſelbigen Tage richtete ſich die ſchle
ſiſche Armee von Langenſalza aus auf Eiſenach, deren Kavalerie
und die Avantgarde des Corps Langeron's auf den Weg, der
dorthin aus Gotha führt. General Mork griff bei Hörſelberg,
vor Eiſenach, die feindliche unter dem Befehle Bertrand's
marſchierende Arrieregarde an und brachte ihr einen gro
ßen Verluſt bei; die Avantgarde Langeron's, unter dem Be
fehle Generals Rudſewitſch, verfolgte den Feind von Gotha
her und griff viel Gefangene auf; die Franzoſen ſelber ge
ſtehen zweitauſend Mann im Kampfe bei Gotha verloren zu
haben.
Die polniſche Armee erhielt am # October eine ſpecielle
Beſtimmung. Als Kaiſer Alerander erfahren, daß St.-Cyr aus
Dresden auf Torgau ausgerückt ſei, um die Blokade der Feſtun
gen an der Elbe aufzuheben und mit deren vereinigten Garniſo
nen auf Weſel zu rücken, befahl er Bennigſen, mit den Truppen
Dochturow's zur Unterſtützung des Grafen Tolſtoy und Tauen
zien's auszurücken, den übrigen Theil ſeiner Armee aber zur
Verfügung des Kronprinzen von Schweden zu ſtellen. In Folge
deſſen ſendete Bennigſen den Generalleutnant Graf Stroganow
mit der 12-ten, einer Brigade der 13-ten Diviſion, drei Batte
rien und zwei Baſchkiren-Regimentern (*) von Raſtenburg aus
über Goldrungen auf Heiligenſtadt, zur Vereinigung mit der
Nord-Armee, und rückte ſelber mit dem Detaſchement Krentz, der
– 256 –

Kavalerie Tſchaplitz, der 26-ten und einer Brigade der 13-ten


Diviſion auf Halle (*).
Die feindliche Armee mußte ſich bei ihrem weitern Rückzuge
auf Vach und Fulda in Gewaltmärſchen bewegen. Jeder Schritt
bezeichnete ihre Zerrüttung. Die Zahl der Leute, welche von
Hunger, Erſchöpfung und vom Nervenfieber umkamen, vermehrte
ſich mit jedem Tage. Beſtändig traf man an dem Wege Leichen
und todte Pferde, hingeworfene Geſchütze und Fuhren. Die zu
beiden Seiten des Weges gelegenen Wälder und Berge waren
von Nachzüglern und Kranken angefüllt. Gleich dem wie in der
letzten Zeit des Krieges im Jahre 1812, war die franzöſiſche
Armee von leichten Detaſchements umringt: ſie begleiteten den
Feind, kamen ihm öfters zuvor, vernichteten ſeine Magazine und
zerſtörten die Brücken auf ſeinem Rückzugswege (*). Bei dieſer
Sachlage konnte man keine energiſchen Maßregeln Napoleon's
gegen die ſeine Armeen verfolgenden leichten Detaſchements er
warten; daher ſtellte Blücher ſeine Truppen auf den Nachtlagern
in Quartiere. Die Erhaltung der Leute auf dem beſchleunigten
Marſche, nach einem beſchwerlichen Feldzuge, erforderte ein Nach
laſſen von der Verfolgung; nur die leichten Detaſchements ließen
den Feind nicht aus den Augen. Die ſchleſiſche Armee war am
Ä October, dem Tage an welchem Napoleon bei Hanau anlangte,
bei Fulda, zehn Meilen von Hanau, und die böhmiſche Armee
bei Vach und Meiningen, mehr als vierzehn Meilen von da ent
fernt. Da die Berichte der leichten Detaſchements nicht zur rech
ten Zeit in den Hauptquartieren eingingen, ſo war der Fürſt
Schwarzenberg in vollkommener Unkenntniß über die Bewegun
gen der feindlichen Armee; er glaubte Napoleon auf dem Wege
nach Coblenz hin, um Wrede auszuweichen; daher bekam Blü
cher die Weiſung über Heſſen auf Wetzlar zu rücken; Wittgen
ſtein mit einem Theile der Kavalerie Kleiſt's ſollte über Hersfeld
– 257 –

auf Alsfeld gehen; zur Blokade der Erfurter Citadelle blieb das
Corps Kleiſt, drei Küraſſier-Regimenter und eine reitende Bat
terie ausgenommen, welche ſich mit den Truppen Wittgenſtein's
vereinigten. Die übrigen Truppen der böhmiſchen Armee, nach
dem ſie den Thüringer Wald überſchritten, erhielten am Ä Oc
tober Raſttag in Schmalkalden und Meiningen. Dem gemäß
lenkten die Truppen des Grafen Wittgenſtein und Blücher's vom
Rückzugswege der feindlichen Armee zur Rechten ab, der größte
Theil der böhmiſchen Armee zur Linken. Nur die leichten Deta
ſchements verfolgten den Feind ohne Unterlaß. Daher konnte ſich
Napoleon mit aller Wucht auf die bairiſch-öſtreichiſche Armee
des Generals Wrede werfen (*).
läapitel XLIV.
Die Schlacht bei Hanau.

I n h a l t.
Das Abfallen Baierns von Frankreich. – Beſtand und Zahl der Truppen der bairiſch
öſtreichiſchen Armee. – Bewegung des Generals Wrede von Jena aus gegen den
Main zu. – Belegung der Würzburger Citadelle; die Diviſion Rechberg geht auf
Frankfurt; Einnahme der Stellung bei Hanau ſeitens der Verbündeten. – Be
wegung der Armee Napoleon's auf Hanau. – Plan Wrede's. – Oertlichkeit bei
Hanau. – Die Aufſtellung bei Hanau. – Die Schlacht am # Oeto
ber. – Vorrücken Napoleon's. – Verſuch Macdonald's aus dem Walde hervor
zudringen. – Ausforſchung Drouot's und Napoleon's. – Angriff der Franzoſen
auf die Stellung Wrede's und Rückzug der Verbündeten hinter die Kinzig. –
Die Stadt wird bombardiert. – Bewegung am # Oc to be r. – Ein

nahme Hanaus von den Franzoſen. – Bewegung der Hauptkräfte Napoleon's auf
Frankfurt und Aufſtellung der Arrieregarde. – Einnahme Hanaus von den Ver
bündeten. – Rückzug der franzöſiſchen Arrieregarde auf Frankfurt. – Ereigniſſe
bei Frankfurt. – Verluſt beider Seiten. – Bemerkungen. – Rückzug der fran
zöſiſchen Armee hinter den Rhein. – Einzug Kaiſers Alexander und Kaiſers
Franz in Frankfurt. – Treffen bei Hochheim. – Aufſtellung der Truppen beider
Seiten. – Ankunft Blücher's an der Lahn. – Seine Abſicht den Rhein zu über
ſchreiten. – Seine Bewegung auf Mühlheim und Frankfurt. – Aufſtellung der
böhmiſchen und ſchleſiſchen Armee.
Ausſichten der Verbündeten. – Zuſtand der verbündeten Truppen. – Abreiſe St.-Aig
nan's nach Paris mit Friedensvorſchlägen. – Beitritt der deutſchen Fürſten zum
Bündniſſe. – Ihre Bewaffnungen und Geldbeiträge.
– 259 –

Verpflegung der ruſſiſchen Truppen. – Tarif von Aſchaffenburg. – Bekleidung der


Truppen.
Bewaffnungen in Deutſchland. – Beſtand der deutſchen Corps. – Hinderniſſe an einen
unverzüglichen Einfall der Verbündeten in die Grenzen Frankreichs.

Kurz vor der Schlacht bei Leipzig erfolgte das Abfallen


Baierns von dem Bündniſſe mit Napoleon.
Das Königreich Baiern verdankte viel dem Kaiſer der Fran
zoſen; es ſollte ſcheinen, daß die Baiern auf der Seite Frank
reichs bis zum letzten Aeußerſten bleiben würden, gleich dem, wie
ſie immerwährend Frankreich gegen ihre natürlichen Feinde, die
Oeſtricher, beiſtanden. Die Vergrößerung Baierns aber war
theuer erkauft: im Kriege des Jahres 1812 war beinahe das
ganze bairiſche Contingent, fünfundzwanzigtauſend Mann, um
gekommen, und im Kriege des Jahres 1813 war Baiern ver
pflichtet an zehntauſend Mann in die active franzöſiſche Armee zu
ſenden. Wenige Familien nur hatten ihre Nächſten, der Willkür
Napoleon's geopferten, nicht zu beweinen. Das Volk haßte die
Franzoſen und ihren Herrſcher, und wenn die Regierung noch
auf deſſen Seite blieb, ſo geſchah dieß theils in Folge der Ränke
des Napoleon ergebenen bairiſchen Staatsminiſters Montgelas,
theils aus Furcht, die von Oeſtreich erworbenen Provinzen zu
verlieren. Kaiſer Alerander und Metternich gelang es aber die
Zweifel des Münchener Cabinets zu beſchwichtigen (!); am
Ä“ war in Ried die Convention abgeſchloſſen, auf Grund
lage welcher die öſtreichiſche Regierung die Integrität des bairi
ſchen Beſitzes, oder, im Falle einer Zurückgabe der von Oeſtreich
erworbenen Länder, eine angemeſſene Entſchädigung ſicherte, die
bairiſche Regierung aber ihre Armee mit den gegen Napoleon
kämpfenden Truppen zu vereinigen ſich verpflichtete (*).
– 260 –

Am # October erklärte der König von Baiern Frankreich


den Krieg und am andern Tage vereinigten ſich ſeine Truppen,
unter der Anführung des Generals von der Kavalerie Grafen
Wrede, mit dem öſtreichiſchen Corps des Feldmarſchall-Leutnants
Fresnel am Inn, bei Braunau.
Die verbündete bairiſch-öſtreichiſche Armee zählte an 50,000
Mann mit 116 Geſchützen, namentlich:
Infanterie. Kavalerie. Artillerie. In Allem.

F 30 Bataillonen, 31 Schwadro- 11 Batterien mit Baiern:


-S an der Zahl nen, an der Zahl 74 Geſchützen u. 26,518 M., mit
8N 22,218 Mann | 3,500 Mann. 800 Mann. 74 Geſchützen.

18 Bataillonen, 36 Schwadro- 7 Batterien mit | Oeſtreicher:


k- an der Zahl nen, an der Zahl 42 Geſchützen, 24,750 M, mit
#) 19,800 Mann. 4,320 Mann, eine Pionnier, 42 Geſchützen.
E - eine Sanitäts
Q Compagnie und
600 Mann.

# 48 Bataillonen, 67 Schwadr, 18 Batterien, an 51,000 M.


E 42,018 Mann. | 7,820 Mann. | 116 Geſchütze, mit 116 Ge
# 1,430 Mann. | ſchützen (*).
Graf Wrede brach mit ſeiner Armee aus den Umgebungen
Braunaus am October auf, rückte über Donauwerth auf
Uffenheim am Ä aus; ſeine Avantgarde, im Beſtande von zehn
Bataillonen der 1-ten bairiſchen Diviſion und zehn Schwadronen
der 3-ten leichten Kavalerie-Brigade, erreichte Ochſenfurt und
ging auf's rechte Mainufer über. Eine von den bairiſchen Di
viſionen mit einem Theile von Kavalerie beobachtete die ſieben
tauſend Mann ſtarke würtembergiſche Diviſion, welche ſich hinter
den Kocher zurückgezogen hatte. Dem gemäß hatte die bairiſch
öſtreichiſche Armee in ſieben Märſchen vierzig Meilen ohne Raſt
– 261 –

tag zurückgelegt. Solch' angeſtrengte Bewegung, theilsaufſchlech


ten Wegen, bei ungeſtümem Wetter, wirkte ſehr nachtheilig auf
die zur Hälfte aus Neugeworbenen beſtehenden Truppen. Ob
gleich dieſe Armee der Erholung bedürftig war, traf General
Wrede dennoch Maßregeln, um ſich Würzburgs zu bemächtigen.
Am # October belegten beide öſtreichiſche Diviſionen, nebſt
der 2-ten bairiſchen Diviſion und der 2-ten Kavalerie-Bri
gade, die Stadt. Da der Feſtungs-Commandant, Diviſions
General Tharrean, in die Uebergabe der Feſtung nicht einwil
ligte, ſo wurde eine Beſchießung der Stadt, zuerſt aus 12 und
hernach, in der Nacht vom Ä auf den Ä, aus 82 Geſchützen
unternommen. Ueberhaupt erfolgten dreitauſend Schüſſe. Am
andern Tage wollte Wrede Würzburg ſtürmen, der Commandant
aber, ohne den Angriff abzuwarten, übergab die Stadt und rückte
mit der Garniſon in die Citadelle von Marienberg. Darauf
wurde zur Einnahme der Stadt und Blokade der Citadelle
der General Graf Sprethy mit drei öſtreichiſchen Bataillonen be
ſtimmt; die übrigen verbündeten Truppen rückten auf Aſchaffen
burg aus, wo am Ä October, nachdem der König von Würtem
berg dem Bündniſſe gegen Napoleon beigetreten, die ganze Armee
Wrede's ſich concentrierte (*).
General Wrede erhielt vom Fürſten Schwarzenberg die Wei
ſung ſich auf den vermeintlichen Rückzugsweg Napoleon's auf
Frankfurt oder Fulda zu dirigieren. Dieſer von den auf den
Flanken der franzöſiſchen Armee wirkenden Koſaken-Detaſche
ments getheilte Irrthum Schwarzenberg's verleitete Wrede zu
der Vermuthung, daß Napoleon auf Bonn oder Coblenz rücke
und daß ſich von Fulda aus auf Frankfurt nur an zwanzigtau
ſend Mann Franzoſen bewegen. Solchen Umſtand glaubte Wrede
benutzen zu können und rückte auf Hanau, um dem Feinde den
Rückzug abzuſchneiden. Am # October, um acht Uhr Morgens,
– 262 –

brach das 1-te Regiment der bairiſchen Chevaurlegers un


erwartet in die Stadt ein und griff den italieniſchen General
Santa-Andrea und eine Menge Gefangener auf. Nach der Ein
nahme Hanaus begegnete die von dort auf den Weg nach Geln
hauſen geſendete 1-te bairiſche Kavalerie-Brigade der dreitau
ſend Mann ſtarken Reſerve, unter dem Befehle des Generals
Grouvelle, und war genöthigt ſich hinter Hanau zurückzuziehen;
als aber um acht Uhr Morgens die 3-te bairiſche Diviſion La
Motte aus Aſchaffenburg anlangte, wurde Hanau wieder von den
Verbündeten eingenommen, wobei ſeitens der Franzoſen 20 Of
fiziere und 500 Mann untern Ranges in Gefangenſchaft geriethen.
Am Ä wurde eine andere Kolonne franzöſiſcher Reſerven, unter
dem Befehle des Generals Guérin, welche ſich der Stadt bemäch
tigen wollte, geworfen und genöthigt ſich zur Rechten von der
großen Straße, mit Verluſt von zwei Geſchützen und vieler Ge
fangenen, zu wenden (“). General Wrede hatte von Aſchaffen
burg aus die 1-te bairiſche Diviſion des Grafen Rechberg auf
Frankfurt abgeordert und langte mit ſeinen Hauptkräften gegen
Mittag bei Hanau an. Dort kamen die Parteigänger: Kaiſſa
row, Tſcherniſchew, Graf Orlow-Deniſſow, Ilowaiſki 12 und
Mensdorf, mit ihren Detaſchements an. Die in die Avant
garde beſtimmte Diviſion La-Motte nahm Langenſelbold ein
und ſtellte ſich zwiſchen dieſem Orte und dem nahe gelegenen
Walde mit zwei Batterien auf. Die öſtreichiſche Brigade Volk
mann, verſtärkt von dem 3-ten Jäger-Bataillone, dem Uhlanen

(') Von den übrigen Truppen der am Rheine formierten und zur Ergänzung des ac
tiven Heeres gerückten Reſerven langten fünftauſend Mann, unter dem Befehle des
Generals Preval, von Eſchwege her in Frankfurt an, ohne die verbündeten Truppen be
gegnet zu haben; die vierte Kolonne aber, unter der Anführung des Generals Rigaud,
wurde nach Caſſel hin dirigiert und begleitete den König auf ſeinem Rückzuge nach
(Söln. -
– 263 –

Regimente Schwarzenberg und dem Huſaren-Regimente Erzher


zog Joſeph, war durch die Wälder zur Rechten auf Alzenau, in
die Flanke des Feindes, geſendet. Um drei Uhr Nachmittags
langten die vorderen Truppen der franzöſiſchen Armee (zwei Di
viſionen der jungen Garde, das 11-te Corps und beinahe die
ganze Kavalerie) bei Langenſelbold an, bemächtigten ſich dieſes
Ortes und drängten die Baiern auf Rückingen zurück; das Deta
ſchement Volkmann erreichte auf einem Seitenwege Gelnhauſen;
die Uhlanen des Oberſten Mengen begegneten der Kavalerie Se
baſtiani, führten einige glückliche Angriffe aus, indeſſen die Jäger
des 3-ten Bataillons Gelnhauſen einnahmen und ſich dort ganze
anderthalb Stunden hielten. Als aber Volkmann den Befehl
Wrede's, keinen entſchiedenen Kampf mit dem Feinde aufzuneh
men erhielt, ging er unter der Bedeckung der beiden Kavalerie
Regimenter über Langenſelbold auf Rückingen zurück. In der
Nacht vom # auf den # war die verbündete Armee folgender
maßen aufgeſtellt: die dritte bairiſche Diviſion La-Motte und die
öſtreichiſche Brigade Volkmann bei Rückingen; die 2-te bairiſche
und die 1-te öſtreichiſche Diviſion vor Hanau, zu beiden Seiten
der großen Straße; eine Brigade der öſtreichiſchen 2-ten Grena
dier-Diviſion nahm die Stadt ein; die andere Brigade derſelben
Diviſion mit der öſtreichiſchen Kavalerie ſtand vor der Nürnber
ger Pforte, auf dem Wege nach Aſchaffenburg.
Ein Theil der Armee Napoleon's überſchritt die Kinzig auf
drei Brücken; er ſelber nahm das Langenſelbolder Schloß des
Fürſten von Mſenburg ein. Am andern Tage wurde Frankfurt
von der bairiſchen Diviſion Rechberg genommen (*).
Während dieſer Ereigniſſe in der Umgegend Hanaus blieb
Graf Wrede immerfort in der Meinung, daß ihm gegenüber ſich
nur ein Theil der franzöſiſchen Armee bewegte. Am Ä October
ſchrieb er dem Fürſten Schwarzenberg: „es ſcheint, daß die ſtärkſte
– 264 –

feindliche Kolonne ſich auf Wetzlar dirigiert“. Am andern Mor


gen aber dachte er anders: „ich habe die Ehre Ew. Durchlaucht
zu berichten, ſchrieb er dem Fürſten, daß die in voriger Nacht
vom ruſſiſchen Generale Graf Orlow und Oberſten Scheibler
eingegangenen Nachrichten mit den früheren Vermuthungen nicht
übereinſtimmen; man glaubte, der Feind bewege ſich auf Wetzlar
oder Coblenz, dermalen berichten beide über das Vorrücken eines
ſehr bedeutenden Corps auf mich“ (“). Demgemäß hatte Wrede
die Wahl zwiſchen ungleichen Kampf oder Rückzug. In der Folge,
als er geſchlagen war, beſchuldigte man ihn unüberlegter Kühn
heit. Nur zum Theile verdient Wrede dieſen Vorwurf. Und in
der That, wenn die Verbündeten auf dem Kriegsſchauplatze keine
anderen Kräfte beſaßen als die, welche Wrede anführte, ſo hätte
er einem ſtärkeren Feinde den Weg nicht verſperren ſollen. Der
bairiſche General wußte aber, im Gegentheile, daß der im Kam
pfe bei Leipzig geſchwächten Armee bedeutende Kräfte der Ver
bündeten folgten und ihm eine entſchiedene Niederlage beibringen
konnten. Es iſt wahr, daß aus der letzten Meldung des Fürſten
Schwarzenberg aus Elleben (auf dem Wege von Weimar nach
Arnſtadt) zu erſehen war, daß die böhmiſche Armee Gelnhauſen
KZ
am Ä October nicht erreichen konnte, da aber Wrede zu der Zeit
keine Nachricht über die ſchleſiſche Armee erhalten, ſo konnte er
auf die Mitwirkung des unternehmenden Blücher rechnen. Folg
lich mußte General Wrede den Feind aufhalten, auf daß die
übrigen verbündeten Armeen Zeit gewännen ihn einzuholen. Der
weſentliche Fehler Wrede's beſtand aber darin, daß er nicht bei
Hanau, wo er einen bedeutenden Fluß im Rücken hatte, ſondern
bei Gelnhauſen dem Feinde hätte entgegentreten ſollen (").
Die Stadt Hanau, von einem Graben umgeben, liegt in
einer Krümmung der Kinzig, bei deren Vereinigung mit dem
Main. Die Kinzig umfließt Hanau von der Nord- und Weſt
– 265 –

Seite; die Süd-Seite der Stadt befindet ſich in der Nähe des
Mains: ein Canal läuft aus Hanau in dieſen Fluß (“). Die
Verbindung der Stadt mit dem gegenüberliegenden Ufer der Kin
zig wird vermittelſt der einzigen, ſogenannten Kinziger Brücke,
die in der Weſt-Seite der Stadt liegt, unterhalten. Eine andere
Brücke, genannt die Lamboi Brücke, liegt oberhalb der Stadt in
der Entfernung von mehr als einer Viertelmeile nach Oſten hin,
beim Vorwerke Neuhof. Der Raum um die Stadt herum iſt auf
mehr als eine Viertelmeile vollkommen offen; weiterhin liegen
Wälder: öſtlich der Bulau und Lamboi Wald, nördlich der
Puppen und Bruchköbeler Wald; die erſteren zwei ſind durch die
Kinzig zertheilt; zu beiden Seiten des Flußes erſtrecken ſich die
Wege nach Gelnhauſen; auf der linken die Chauſſee, auf der
rechten der alte Weg. Ueber den Bruchköbeler Wald geht der
Weg nach Friedberg; nördlich und weſtlich von der Stadt die
Straße nach Frankfurt; die Aſchaffenburger Straße endlich führt
zwiſchen der Kinzig und dem Main, dem Vorwerke Lehrhof vorbei.
Die verbündete Armee Wrede's, an 40,000 Mann ſtark,
hatte am Ä October Morgens folgende Aufſtellung: am rech
ten Flügel, die 2-te bairiſche Diviſion Bekker, zu beiden Sei
ten der Kinzig, vom Vorwerke Neuhof an bis zur Chauſſee; in
der Reſerve, hinter dem Lamboi Walde, die öſtreichiſche Grena
dier-Brigade des Grafen Klenau; im Centrum, die öſtreichiſche
Diviſion Bach und die am Vorabende ſich aus Rückingen zurück
gezogene 3-te bairiſche Diviſion La-Motte; vorwärts, beim
Ausgange aus dem Walde, fünfzig Geſchütze, unter dem Befehle
des öſtreichiſchen Generals Strotnik; am linken Flügel, die
öſtreichiſche und bairiſche Kavalerie in mehreren Linien, zwiſchen
dem alten Gelnhauſer Wege und dem Bruchköbeler Walde; hinter

(*) Plan der Schlacht bei Hanau.


– 266 –

dem linken Flügel, auf dem Friedberger Wege, die ruſſiſchen


Parteigänger; in der Stadt die öſtreichiſche Grenadier-Brigade
Diemar (").
Da Napoleon ſich entſchieden, geradezu auf die verbündete
Armee zu gehen, ſo ſendete er auf den Landweg, der aus Langen
ſelbold über Bergen nach Mainz führt, das ſämmtliche Fuhr
weſen, die Verwundeten, Kranken und Unbewaffneten, unter der
Bedeckung des 3-ten Kavalerie-Corps Arrighi; bei Tagesanbruch
am Ä brach er ſelber auf und rückte auf die große Straße. Die
Avantgarde bildete das 11-te Corps Macdonald und die Kavale
rie Sebaſtiani; ihr folgte die alte Garde und die Infanterie
Victor, Marmont und Bertrand: die Diviſionen Oudinot konnten
erſt am Abende das Schlachtfeld erreichen, die Truppen Mor
tiers und das 1-te Kavalerie-Corps langten zur ſelben Zeit bei
Gelnhauſen an.
Um acht Uhr Morgens griff Macdonald mit zweitauſend
Mann Kavalerie und zwei Geſchützen die Vordertruppen La
Motte's bei Rückingen an ("). Ihrer kleinen Zahl ungeachtet
(kaum 200 Mann ohne Artillerie) vertheidigten ſie ſich hartnäckig
bis zehn Uhr. Macdonald war genöthigt die Diviſion Charpen
tier ſeines Corps und die Diviſion Ercelmann vom Corps Se
baſtiani mit einer großen Zahl Geſchütze gegen Rückingen zu ver
wenden. Alsdann zogen ſich die bairiſchen Truppen in vollkom
mener Ordnung auf die Stellung bei Hanau zurück. Macdonald
folgte ihnen raſch über den Lamboi Wald; ſeine Truppen erſchie
nen an dem den Verbündeten zugewandten Saume des Waldes
gegen 12 Uhr Mittags, waren aber vom tödtlichen Feuer der
bairiſch-öſtreichiſchen Artillerie zurückgehalten. Napoleon befahl
dem Generale Dubreton, mit zweitauſend Schützen des 2-ten Corps
und einigen leichten Geſchützen aus dem Walde auf den rechten
Flügel der verbündeten Armee vorzudringen. Hier dauerte lange
– 267 –

ein Kampf mit abwechſelndem Erfolge; der auf der linken Seite
der Kinzig ſtehende Graf Pappenheim überſchritt die Lamboi
Brücke und griff den Feind im Walde an, mußte aber den Wald
räumen; allein die Franzoſen konnten aus dem Walde nicht de
bouchieren und mußten ſich auf Plänkeln beſchränken.
Drei Uhr Nachmittags war ſchon vorbei. Napoleon hielt ſich
an dem Langenſelbold zugekehrten Saume des Waldes auf; dort
ſaß er am Bivouac-Feuer auf ſeinem Feldſtuhle, unter Bäumen,
in der Nähe von zwei in der Eile aufgeſchlagenen Zelten. Un
aufhörlich erſchienen Berichte über die Unmöglichkeit aus dem
Walde zu debouchieren. Tief in ſich gekehrt, ſendete Napoleon den
Befehlshaber ſeiner Artillerie, Drouot, auf den Kampfplatz, um
ſich zu überzeugen, ob man nicht dem Feinde hinlänglich ſtarke
Batterien entgegenſtellen könnte. Nach einer halben Stunde kehrte
Drouot mit dem Berichte zurück, daß er zur Rechten von der großen
Straße einen Querweg entdeckt habe, längs welchem der Wald
bis zu dem gegen den Feind hin zugekehrten Saume ſo undicht
war, daß fünfzig Geſchütze mit der Bedeckung von zwei Garde
Bataillonen durchgeführt werden könnten. Napoleon ſetzte ſich ei
lig zu Pferde und begab ſich mit Drouot, Caulaincourt und ei
nigen Offizieren ſeines Gefolges an den bezeichneten Ort. Dieſe
Recognoscierung erfolgte unter einem Hagel von Kartätſchen
und Flintenkugeln. Drouot erklärte ſeinen Plan: ſeiner Mei
nung nach mußte man einige Geſchütze über die große Straße
aus den Wald führen und ſobald der Feind ſeine Aufmerkſam
keit auf ſie gerichtet hätte, ſollten die übrigen Batterien rechtshin
von der Straße ihr Feuer eröffnen. Napoleon beſtätigte dieſe
Anſicht und entſchied ſich gleichzeitig mit dem Eröffnen der Ka
nonade einen allgemeinen Angriff auf die Stellung der bairiſch
öſtreichiſchen Armee auszuführen. Die Garde-Kavalerie näherte
ſich über die große Straße dem Saume des Waldes; die Artil
– 268 –

lerie, mit der Bedeckung von zwei Bataillonen der alten Garde Cu
rial's, rückte rechtshin über den Seitenweg; die Kavalerie Seba
ſtiani's folgte Nanſouty auf die große Straße und die Garde-In
fanterie zur Rechten zur Unterſtützung des Kavalerie-Angriffs;
Macdonald ſollte den rechten Flügel der Verbündeten in Unthä
tigkeit halten. Dieſe vorzügliche Combination war mit vollkom
menem Erfolge ausgeführt. General Curial nahm mit zwei Ba
taillonen den Saum des Waldes raſch ein, beſchüttete mit Kugeln
die Bedienung der großen verbündeten Batterie und nöthigte die
Artillerie zum Rückzuge. Dieß benutzen Nourrit und Desveaur
und führen aus dem Walde einige leichte Geſchütze; ihnen folgt
die Batterie-Artillerie und eröffnet ihr Feuer. Wrede wirft ſeine
Kavalerie auf die franzöſiſchen Batterien; ſie wird aber vom
Kartätſchenfeuer und gleichzeitig von einem Angriffe der Garde
Kavalerien, welche von den Diviſionen St.-Germain und Er
celmann gefolgt iſt empfangen. Blitzſchnell bildete dieſe Kavalerie
unter dem Kartätſchenfeuer der verbündeten Artillerie drei Li
nien, greift das Centrum der bairiſch-öſtreichiſchen Stellung an,
haut die Bedienung der großen Batterie nieder, wirft die Kava
lerie, richtet ſich auf die Infanterie und verſucht die Schlachtlinie
der Verbündeten zu durchbrechen. Doch der überlegenen Zahl
der feindlichen Reiter ungeachtet formierte ſich von Neuem die
bairiſch-öſtreichiſche Kavalerie; gleichzeitig griff das Detaſche
ment Tſcherniſchew's die Franzoſen in die Flanke an. Sie waren
genöthigt ſich zurückzuziehen. Die Verbündeten verfolgten den
Feind energiſch, empfangen aber vom Kartätſchenfeuer der fran
zöſiſchen Batterie, zogen ſie ſich mit bedeutendem Verluſte zurück.
Die große bairiſch-öſtreichiſche Batterie hatte ihre Munition ver
ſchoßen und den größten Theil ihrer Bedienung verloren; ſie
konnte der franzöſiſchen Artillerie nicht entgegenwirken. Gene
ral Wrede war genöthigt ſeine Armee hinter die Kinzig zurück
– 269 –

zuführen. Der Rückzug des Centrums und des rechten Flügels


der Verbündeten über die Lamboi Brücke war großer Gefahr aus
geſetzt. Die Brücke war eng, die ſchwachen hölzernen Geländer
hielten nicht; daher kamen viele Leute in den Wellen des tiefen
Flußes um. Die Truppen des linken Flügels zogen ſich über die
Kinziger Brücke zurück und weiter über die Stadt. Ein öſtreichi
ſches Bataillon, unter dem Befehle von Jordis, und einige hun
dert Baiern, vom Feinde an die Herrn-Mühle gedrängt, ge
langten größtentheils, mit Hülfe des unerſchrockenen Müllers
Koch, über die Stauung in die Stadt, einige aber ertranken. Es
drangen Franzoſen in die Stadt über die Stauung, wurden aber
alle aufgegriffen.
Nachdem Wrede ſich hinter die Kinzig zurückgezogen, ſtellte er
ſeine Armee in der Umgegend von Lehrhof auf. Die Lamboi
Brücke war von einer Batterie mit hinlänglicher Bedeckung ver
theidigt; die Stadt war von drei öſtreichiſchen Grenadier-Bat
terien unter dem Befehle des Generals Diemar beſetzt. Die
Kanonade an der Brücke dauerte bis Mitternacht. Zitternder
warteten die Einwohner von Hanau die Entſcheidung ihres
Schickſals. Um zwei Uhr nach Mitternacht befahl Napoleon die
Stadt mit Haubitzen und Granaten zu beſchießen; hiebei hatte er
wahrſcheinlich die Abſicht, die Aufmerkſamkeit der Verbündeten
von dem Wege nach Bergen hin, auf welchem ſich ſeine Truppen
zurückzogen, abzulenken. Es entſtanden in der Stadt viele Feuers
brünſte. Am Ä erhielt Marmont früh Morgens den Befehl die
Lamboi Brücke, die Stauung der Herrn-Mühle und die Kinzin
ger Brücke anzugreifen; es gelang ihm aber ſich nur der letztern
zu bemächtigen. Um die Stadt von vollkommener Zerſtörung zu
retten, befahl Graf Wrede ſie zu verlaſſen. Der Feind nahm
Hanau mit einem Theile ſeiner Truppen ein, indeſſen die übrigen
ihren Rückzug nach Frankfurt auf der Chauſſee und auf dem
– 270 –

Seitenwege über Bergen fortſetzten. Napoleon brachte beiuahe den


ganzen Morgen im Puppen Walde zu. Dorthin berief er die Abge
ordneten der Hanauer Bürgerſchaft. Sie wurden mit Vorwürfen
wegen der den Verbüudeten mit freudigem Ausrufe gewährten Auf
nahme überhäuft. „Freilich, ſagte er, iſt es nicht in meiner Gewalt
die Gefühle zu bemeiſtern. Ihr hättet aber überlegen ſollen, daß
Ihr auf der Seite Frankreichs, welches näher zu Euch als Ruß
land iſt und daher Euch leichter vertheidigen kann, ſtehen müßt.
Um Euch zu ſtrafen habe ich in der vergangenen Nacht die Stadt
beſchießen laſſen“. – Als darauf auf ſeine Frage: „wie viel ab
gebrannt ſei“ die Abgeordneten antworteten, daß die Feuers
brünſte in vielen Stellen ausgebrochen wären und großen Scha
den angerichtet hätten, ſagte Napoleon: „ich habe die Hälfte der
Stadt verbrennen wollen“. Der Prefect erinnerte ihn aber an
die Selbſtverläugnung ſeiner Mitbürger und der Marſchall
Augereau lobte die Anhänglichkeit der ſtädtiſchen Verwaltung.
Da entließ Napoleon die Abgeordneten mit den Worten: „Ich
weiß, daß die Rathsglieder würdige Leute, die Bürger aber Ca
maillen ſind!“ (Je sais que les magistrats sont de braves gens, mais
la bourgeoisie est de la canaille !) Gegen elf Uhr Morgens hatte
ein bedeutender Theil der franzöſiſchen Armee Hanau verlaſſen
und die leichte Kavalerie näherte ſich Frankfurt; Napoleon blieb
immer noch im Puppenwalde, als er aber die Nachricht über die
Einnahme Frankfurts von den Verbündeten erhielt, begab er
ſich dorthin mit der Garde und übertrug Marmont und Ber
trand die Operationen bei Hanau. Gegen ein Uhr Nach
mittags rückte Erſterer mit dem 3-ten und 6-ten Corps auf
Frankfurt aus; Bertrand erhielt die Weiſung Hanau mit dem
4-ten Corps zu vertheidigen und die Verbündeten zurückzuhalten.
Die Diviſion Fontanelli beſetzte Hanau; die Diviſion Guillemi
not ſtellte ſich mit vierzehn Geſchützen bei der Lamboi Brücke,
– 27 –

deren Dielenlegung verbrannt war, auf; die Diviſion Morand


blieb in Reſerve. Seitens der Verbündeten befand ſich der rechte
Flügel in der Entfernung von tauſendfünfhundert Schritt von
der Lamboi Brücke; zur Linken vom rechten Flügel ſtand die bai
riſche zwölfpfündige Batterie, welche den ganzen Tag mit großem
Erfolge wirkte; der linke Flügel war achthundert Schritt weit
von der Stadt aufgeſtellt. Im Verlaufe einiger Stunden be
ſchränkte ſich der Kampf an der Kinzig auf Kanonade und Flin
tenfeuer; vor der Stadt, an der Nürnberger Pforte, plänkelten
unter ſich Flankeurs.
Um zwei Uhr Nachmittags hatte General Wrede die Abfahrt
Napoleon's erfahren und die Bewegung eines bedeutenden Thei
les der feindlichen Armee auf Frankfurt bemerkt. Daher entſchloß
er ſich den Feind von verſchiedenen Seiten her anzugreifen.
Zur Lamboi Brücke wurden zweiunddreißig Geſchütze geſendet, um
unter ihrem Feuer einen Theil der Truppen auf das rechte Ufer
der Kinzig überzuführen; Wrede ſelber griff mit ſechs in der
rechten Flanke von der Batterie Danners unterſtützten öſtreichi
ſchen Bataillonen die Stadt von der Seite der Nürnberger
Pforte an ("). Wrede ſtieg zu allererſt in den Graben und
beſtieg die Mauer; der Major Jambein aber an der Spitze eines
Bataillons des Regiments Erzherzog Rudolph öffnete die Pforte
und bahnte den Weg in die Stadt den übrigen Truppen. Der
Feind verſuchte die Verbündeten zurückzuhalten, alle ſeine An
ſtrengungen aber waren vergebens; über die Kinziger Brücke in
die Flucht geſchlagen verlor er zwei Generale, viele Offiziere
und eine Menge Leute untern Ranges, welche in die Gefangen
ſchaft der Oeſtreicher fielen. General Wrede warf ſich an der
Spitze der vorrückendeu Kolonne an die Brücke und wurde von
einer Flintenkugel ſchwer verwundet. Den Befehl über die
Armee übernahm der Feldmarſchall-Leutnant Fresnel. Die
– 272 –

Baiern, erbittert über den Verluſt ihres Anführers, wetteiferten


mit den Oeſtreichern um den Beſitz der Brücke. Die Diviſion
Morand konnte ſie nicht zurückhalten und zog ſich von der Brücke
mit großem Verluſte zurück; die franzöſiſchen Generale Lejeune
und Hulot fielen an der Spitze des 8-ten leichten und 23-ten
Linien-Regiments. Es war aber dem Feinde gelungen die Die
lenlegung der Brücke zu verbrennen; die Verbündeten waren
genöthigt am Ufer der Kinzig anzuhalten. Die öſtreichiſchen Hu
ſaren nur überſchwammen den Fluß und griffen viele Gefangene
auf. Die Infanterie aber blieb in der Stadt und mußte ſich auf
das Aufräumen der Häuſer vom Feinde und Löſchen der Feuers
brünſte beſchränken. Der rechte Flügel der verbündeten Armee
überſtieg die Lamboi Brücke ſchon am Abende. Das Corps Ber
trand's zog auf der Chauſſee nach Frankfurt hin; die franzö
ſiſche Arrieregarde vierzehntauſend Mann ſtark, unter dem
Befehle des Marſchalls Mortier, ging über Hochſtädt auch auf
Frankfurt. Die Detaſchements Platow ("), Tſcherniſchew, Ilo
waiſki 12, Graf Orlow-Deniſſow und Kaiſſarow brachten dem
Feinde großen Verluſt bei und griffen mehr als dreitauſend Ge
fangene auf (*).
General Rechberg hatte mit der 1-ten bairiſchen Diviſion,
wie oben geſagt, am 18 October Frankfurt eingenommen; er
ſendete den Major Karwinſki mit dem 5-ten bairiſchen Regimente
Chevaurlegers an den Fluß Nidda; dieſes Detaſchement er
reichte bei Rödelsheim zwei Schwadronen franzöſiſcher Chaſ
ſeurs à cheval von der Garde und warf ſie. Die Bewegung der
Hauptkräfte Napoleon's von Hanau auf Frankfurt bewog
Rechberg auf die linke Mainſeite nach Sachſenhauſen hin über
zugehen und die Dielenlegung und die Querbalken der Brücken
aufzuheben. Die Franzoſen verſuchten den Fluß zu überſteigen,
waren aber von den Baiern zurückgehalten und das Gefecht be
– 273 –

ſchränkte ſich auf eine Kanonade und ein Flintenfeuer, welche bis
in die Nacht dauerten (*).
Am # October Abends hatte die Armee Napoleon's fol
gende Aufſtellung: die Garde, das 11-te und 2-te Corps in
Frankfurt; die Kavalerie Sebaſtiani an der Nidda; das 3-te
und 6-te Corps näherte ſich Frankfurt; das 4-te Corps und die
Arriere-Garde Mortier befanden ſich auf dem Marſche von Ha
nau nach Frankfurt (”).
Der Verluſt der franzöſiſchen Armee in der Schlacht bei
Hanau an Todten und Verwundeten belief ſich überhaupt auf
ungefähr fünfzehntauſend Mann; an Gefangenen, die Kranken,
Zurückgebliebenen und von den Parteigängern Aufgegriffenen
mitgerechnet, vier Generale, namentlich Santa-Andrea, Meroni
Aveſani und Martel, 280 Offiziere und zehntauſend Mann un
tern Ranges; zwei Geſchütze waren von den Verbündeten erobert.
Letztere verloren überhaupt mehr als neuntauſend Mann, näm
lich:
Todt e. Verwundete. Verſchollene
Von den bairiſchen
Truppen . . . 21 Off. 324u.R. 54 Off. 1,014 u. R. 15 Off. 2,709 u. R.
Von den öſtreichi
ſchen Truppen. 14 – 1,400 – 50 – 1,961 – 16 – 1,655 –

In Allem . . . . 35Off. 1,724u.R. 104 Off2,975u.R. 31 Off.4,364u.R.

Verwundet waren außer Graf Wrede, die bairiſchen Gene


rale: Graf Pappenheim und Janſon v. d. Stokh, Letzterer töd
lich; öſtreichiſcher Seits: der Feldmarſchall-Leutnant Baron
Trautenberg und der Generalmajor Graf Klenau (*).
Beide Seiten machten Anſpruch auf den Sieg: die Verbün
deten, weil ſie Hanau im Kampfe genommen, die Franzoſen, weil
ſie ſich den Weg nach dem Rheine zu mit den Waffen in der
Hand gebahnt hatten. Da Graf Wrede die Verſperrung dieſes
18
– 274 –

Weges, Napoleon aber die Rettung der Ueberbleibſel ſeiner Ar


mee bezweckte, ſo gehört Letzterem ohne Zweifel der Ruhm des
Sieges. Die Franzoſen verloren mehr Leute als die Verbünde
ten, dieß kann aber durchaus nicht der tactiſchen Ueberlegenheit
der bairiſch-öſtreichiſchen Armee beigemeſſen werden, gegen welche
die auserleſenſten Schaaren Napoleon's – die alte und junge
Garde – kämpften, ſondern der allgemeinen Schwächung der
franzöſiſchen Armee, die mehr Leute von Erſchöpfung und vom
Marodieren, als in den Kämpfen verlor. Napoleon hat auch
hier, wie an der Bereſina, ſeine Armee aus einer ſehr gefährli
chen Lage zu retten verſtanden; man muß aber geſtehen, daß er
in beiden Fällen den Fehlern ſeiner Gegner viel zu verdanken
hatte. Hätten die Verbündeten nach der Schlacht bei Leipzig die
Franzoſen ohne Unterlaß verfolgt, ſo würde die Armee Napo
leon's, bedrängt von allen Seiten bei Hanau, eine vollkommene
Niederlage erlitten haben. Mit Recht beſchuldigt man Graf
Wrede ganze drei Tage bei Würzburg verloren zu haben, wo
ihn ein paar tauſend Mann feindlicher Truppen beſchäftigten.
Wäre er am Ä October bei Gelnhauſen angelangt, ſo hätte er
ſich des Wirthheimer Engpaſſes, wo die Kinzig in einem tiefen,
von beiden Seiten mit hohen Bergen umfaßten Thale fließt, be
mächtigen können. In dieſer Stellung, welche noch mit künſtli
chen Mitteln hätte verſtärkt werden können, würde Napoleon
aufgehalten worden ſein, bis daß der Fürſt Schwarzenberg, un
geachtet ſeiner Saumſeligkeit, ihn eingeholt hätte (*).

Am Ä zog ſich die franzöſiſche Armee aus der Umge


gend von Frankfurt auf der Mainzer Straße zurück. Napoleon
verließ die Stadt um zwei Uhr Nachmittags; die Truppen der
– 275 –

Arriere-Garde rückten am andern Morgen aus. Das Detaſche


ment Orlow-Deniſſow's holte den Feind bei Bergen ein, griff
zwei Geſchütze, fünfzehn Pulverkaſten und 1,300 Mann Gefan
gene auf. General Fresnel rückte mit der bairiſch-öſtreichiſchen
Armee von Hanau auf der Chauſſee nach Frankfurt hin,
ſtellte ſich zum Nachtlager vom , auf den Ä bei Dörnig
heim auf und ging am andern Tage auf Frankfurt; vor ihm be
wegten ſich die Koſaken Platow's und die Parteigänger Graf
Orlow-Deniſſow, Kaiſſarow und Tſcherniſchew, welche am Vor
abende, beim Rückzuge der Franzoſen von Hanau auf Frankfurt,
mehr als dreitauſend Gefangene aufgegriffen ("). Am ſelbigen
Tage, den Ä überſchritt die franzöſiſche Arme in Mainz den
Rhein. Die Diviſionen Morand und Guilleminot, unter dem Be
fehle Bertrand's, blieben in den Befeſtigungen von Hochheim und
Caſtell. Die Koſaken Platow's griffen den Feind zwiſchen der
Dorfſchaft Wickert und Hochheim an und „kämpften mit ihm bis
in die Nacht, der Ueberlegenheit aber ſeiner Kräfte an Infante
rie und Kavalerie und der großen Zahl von Geſchützen wegen
konnten ſie den Feind nicht bewältigen,“ ſo ſprach ſich Platow in
ſeinem Briefe an den General-Adjutanten Tſcherniſchew aus (*).
Die bairiſch-öſtreichiſche Armee ſchob ihre Vordertruppen in
der Richtung auf Höchſt vor und nahm Quartiere in der Um
gegend von Frankfurt (").

Im Verlaufe der dargelegten Ereigniſſe bei Hanau näherten


ſich dem Rheine auch die Hauptkräfte der Verbündeten. Das Vor
rücken der böhmiſchen Armee war vom Generalſtabe des Fürſten
Schwarzenberg derart eingerichtet, daß die öſtreichiſchen Truppen
den übrigen Verbündeten in Frankfurt zuvorkämen und daß der
– 276 –

feierliche Einzug des Kaiſers Franz in dieſe Stadt drei Tage


früher als die Ankunft des Kaiſers Alerander ſtattfände. Vom
Könige von Preußen war nicht die Rede, weil er nach Berlin ab
gereiſt war. Die öſtreichiſchen Diplomaten hofften, daß der Kaiſer
Franz, an der Spitze der verbündeten Truppen, in der alten
Reichsſtadt als das Haupt des Bündniſſes gegen Napoleon er
ſcheinen würde. In dieſer Abſicht waren die ruſſiſch-preußiſchen
Truppen Barklay de-Tolli's, welche ſich ſeit dem Beginne des
Feldzuges immerfort auf dem rechten Flügel der böhmiſchen Ar
mee befanden, auf den linken Flügel übergeführt. Die öſtreichi
ſchen Truppen rückten von Schmalkalden über Fulda auf dem
nächſten Wege nach Frankfurt, die Truppen Barklay de-Tolli's
aber auf einem großen Umwege gegen dieſe Stadt; ſie gingen
von Meiningen aus über Mellrichſtadt, Münnerſtadt, Veits
Hochheim, Homburg und Aſchaffenburg. Der Beſtimmung des
öſtreichiſchen Generalſtabs nach ſollte Kaiſer Franz am Är
ſeinen Einzug in Frankfurt halten, Kaiſer Alerander aber am
Ä. Letzterer wendete anfänglich auf dieſe „politiſche Marſch
route“ keine Aufmerkſamkeit; als der Kaiſer aber hernach die
Abſichten der Oeſtreicher durchſchaute, wollte er ſich nicht über
liſten laſſen und ergriff mit der ihm eigenen Behendigkeit folgende
Maßregel: da die ruſſiſche Infanterie weit hinter der öſtreichi
ſchen zurückgeblieben war, ſo erhielt die ſämmtliche ruſſiſch
preußiſche Kavalerie den Befehl, in Gewaltmärſchen, ſieben
Meilen täglich, vorzurücken; dieſelbe erreichte mit dem Haupt
quartiere des Kaiſers Alerander Frankfurt am Vorabende des
für den feierlichen Einzug des Kaiſers Franz beſtimmten Tages.
Am Ä erſchien unerwartet der ruſſiſche Monarch und um ein
Uhr Nachmittags defilierten durch die Stadt, ihm vorbei, in feſt
lichem Anzuge, die leichte Garde-Kavalerie-Diviſion, zwölf ruſſiſche
Küraſſier-Regimenter und die preußiſche Garde-Kavalerie, mehr
– 277 –

als 7,500 Reiter an der Zahl. Die Einwohner empfingen ihre


Befreier mit freudigem Ausrufe. Am andern Tage hielt der Kai
ſer Franz ſeinen ebenſo feierlichen Einzug; den größten Theil
aber der in den Straßen, auf welchen er ſich von der Stadtpforte
in den Dom begab, aufgeſtellten Truppen bildeten nicht die Oeſt
reicher, ſondern die ruſſiſchen Küraſſiere: dabei empfing der Kai
ſer Alerander ſeinen Bundesgenoſſen in der Eigenſchaft eines
Wirthes und begleitete ihn von der Stadtpforte an bis zum
Dom (*).
Am ſelbigen Tage, den Är, löſte, auf Anordnung des
Fürſten Schwarzenberg, die von den Truppen des 2-ten öſtreichi
ſchen Corps verſtärkte Avantgarde des Grafen Bubna, bei Wickert,
gegenüber Hochheim, die Avantgarde der bairiſch-öſtreichiſchen
Armee ab. Letztere rückte in die Umgegend Darmſtadts; die öſt
reichiſchen Truppen der böhmiſchen Armee ſtellten ſich auf dem
rechten Mainufer bei Frankfurt und Hanau auf; die ruſſiſch
preußiſchen Reſerven in Frankfurt und auf dem linken Mainufer,
von Offenbach an bis Obernburg; die Truppen Wittgenſtein's in
der Umgegend Friedbergs, an der Nidda.
Da der Feind immer noch Hochheim mit zweitauſend Mann
und zwanzig Geſchützen beſetzt hatte, ſo erhielt Gyulay vom Für
ſten Schwarzenberg den Befehl, mit der Avantgarde des Grafen
Bubna und dem 2-ten und 3-ten öſtreichiſchen Corps die Franzo
ſen anzugreifen. Dieß war am Ä erfüllt. Der Feind war
aus Hochheim vertrieben, verlor eine Fahne, vier Geſchütze und
30 Offiziere, die nebſt tauſend Mann untern Ranges in Gefan
genſchaft fielen. Damit war das rechte Rheinufer vom Feinde
befreit, ausgenommen die Brückenköpfe von Caſtell, gegenüber
Mainz, und Kehl, gegenüber Straßburg. Die Avantgarde des
Grafen Bubna ſtellte ſich bei Caſtell auf, das Koſaken-Detaſche
ment Platow bei Wiesbaden und Bieberich. Die Hauptquartiere
– 278 –

der beiden Kaiſer Alerander und Franz, des Königs von Preußen,
der am 1. November aus Berlin zur activen Armee zurückgekehrt
war, des Fürſten Schwarzenberg, des Großfürſten Conſtantin,
der Grafen Barklayde-Tolli und Miloradowitſch waren in Frank
furt; das Hauptquartier der bairiſch-öſtreichiſchen Armee war in
Groß-Gerau bei Darmſtadt (*).

Am Ä October, zu der Zeit, als die Truppen der böhmiſchen


Armee Schmalkalden und Meiningen an der Werra erreicht hat
ten und Wrede bei Hanau kämpfte, langte Blücher mit ſeiner
Armee bei Fulda und Hünefeldt an.
Da damals die Hauptanführer der Verbündeten von der Be
wegung Wrede's von der Donau her gegen den Main zu in
Kenntniß geſetzt waren, ſo konnten ſie vorausſetzen, daß Napo
leon, um die Gefahr von den Verbündeten umringt zu werden zu
vermeiden, nicht auf Mainz, ſondern zur Rechten über das Vogels
gebirge auf Coblenz rücken würde. In der Abſicht dieſen Weg
dem Feinde zu verſperren, wendete ſich Blücher, in Verabredung
mit dem Fürſten Schwarzenberg, auf Gieſſen und Wetzlar. Am
Ä erreichte Blücher dieſe Punkte und legte ſeine von un
aufhörlichen Bewegungen ermüdete Armee in Quartiere, um ihr
einige Ruhe zu gewähren. Die Unthätigkeit Blücher's war nicht
von Dauer; er entſchied ſich die Zerrüttung der feindlichen Armee
zu benutzen und in das Gebiet Frankreichs einzufallen.
Die ſchleſiſche Armee ſollte den Rhein bei Mühlheim, unweit
Cöln, am Ä und + November überſchreiten. Die Nord-Armee,
welche ſich zu der Zeit ſchon Hannover näherte, konnte über Hol
land nach Belgien rücken und die böhmiſche Armee den mittleren
Rhein überſchreiten; darauf würden alle drei Heere ihre Richtung
– 279 –

auf Paris nehmen. Die Verbündeten hofften die Erhebung Hol


lands, die Mitwirkung der anglo-ſpaniſchen Armee und den aller
Wahrſcheinlichkeit nach zu erfolgenden Abfall Murat's von dem
Bündniſſe mit Frankreich. Napoleon hatte nicht mehr als 60 bis
70,000 Mann erſchöpfter Truppen behalten; das Volk in Frank
reich ſehnte ſich nach Frieden. Alle dieſe Umſtände in ihrer Ge
ſammtheit beſtimmten ein raſches, entſchiedenes Vorrücken Blü
cher’s. In der Abſicht den Fürſten Schwarzenberg für ein gleiches
Verhalten zu gewinnen, ſendete er den General Gneiſenau in's
Hauptquartier der verbündeten Monarchen, um aber, in der Er
wartung einer Antwort, keine Zeit zu verlieren, rückte er unverweilt
nach dem Rheine hin. Am Ä brach die ſchleſiſche Armee
aus ihren Quartieren in zwei Kolonnen auf: die linke, beſtehend
aus den Corps Sacken und Mork, rückte auf Weilburg, Alten
kirchen und Siegburg; das Hauptquartier befand ſich bei dieſer
Kolonne; das Corps Langeron bildete die rechte Kolonne und
ging auf Dillenburg und Siegen; im letzteren Orte ſollten ſich die
Truppen des Grafen St.-Prieſt und des Fürſten Stſcherbatow
mit dieſer Kolonne vereinigen (*). Nachdem alle Corps bei
Mühlheim verſammelt ſein würden, ſollte am andern Tage eine
Brücke auf Böten, die an den Ufern des Rheins zuſammengebracht
waren, errichtet, dieſer Fluß überſchritten werden, die Armee in
die Niederlande einfallen und über Aachen und Lüttich raſch vor
rücken. Die im Hauptquartiere Blücher's eingegangenen Nach
richten gewährten die Gewißheit, daß der Feind nirgends ernſt
haften Widerſtand leiſten konnte, daß die Feſtungen nicht in
Kriegsſtand geſetzt waren und die Bewohner Frankreichs nicht
feindlich gegen die Verbündeten geſtimmt ſeien. Der unermüdete
Waffengenoſſe Blücher's, Gneiſenau, war überzeugt, daß man
ſchnell, ohne Zeitverluſt wirken müßte. „Man muß das Eiſen
ſchmieden, ſo lange es heiß iſt; man muß dem beſiegten Feinde
– 280 –

keine Ruhe laſſen,“ ſchrieb er dem engliſchen Diplomaten, Sir


Charles Stewart (*). Am Ä aber erhielt Blücher aus
dem Hauptquartiere der verbündeten Monarchen den Befehl auf
Frankfurt zu rücken und den Brückenkopf von Mainz zu belegen.
Dort am Ä November angelangt, löſte die ſchleſiſche Armee die
öſtreichiſchen Truppen bei Caſtell ab, nahm Quartiere in der
Umgegend dieſes Punktes und beſetzte mit Poſten das rechte
Rheinufer zwiſchen der Mainmündung und Düſſeldorf. Das
Hauptquartier Blücher's wurde nach Höchſt verlegt (*). Die
böhmiſche Armee nahm das linke Mainufer bis zum Fluße Kocher
ein (*).
Als die Verbündeten das Rheinufer erreicht hatten, konnten
ſie ohne Zeitverluſt den Fluß überſchreiten, wie Gneiſenau es
vorgeſchlagen, auf Paris rücken und mit einem entſcheidenden
Schlage den Krieg beendigen. Freilich waren ihre Heere
ermüdet, theils in Unordnung gerathen, die feindliche Armee
aber konnte ihres zerrütteten Zuſtandes wegen an einen Wider
ſtand nicht einmal denken. Deſſen ungeachtet war der im
Hauptquartiere der ſchleſiſchen Armee verfaßte Plan, welcher
am Ät einem Kriegsrathe im Beiſein des Kaiſers Alerander
unterbreitet war, von der „Friedenspartei“ zurückgewieſen. Noch
im Beginne des Krieges im Jahre 1813 glaubten viele ruſſiſche
Generale, unter ihnen Kutuſow ſelber, daß nach der Niederlage
des Feindes im Jahre 1812 es für Rußland vortheilhafter wäre
Frieden zu ſchließen, als den Kampf gegen Napoleon für „eine
fremde Sache“, die Befreiung Deutſchlands, fortzuſetzen. Die
ſpäteren Ereigniſſe rechtfertigten die Anſichten der Friedensmän
ner nicht. Der Kaiſer Alerander erſchien an der Spitze der von
Frankreich bedrückten Völker. Er verſtand es die Eintracht unter
den Cabinetten, welche zur Vernichtung der Heere Napoleon's
führte, zu erhalten, und frei athmeten die Völker. Bei alle dem
– 281 –

meinten die Ruſſen, daß nach einem ſo beſchwerlichen, obgleich


ruhmvollen Feldzuge, es endlich an der Zeit wäre Frieden zu
ſchließen und die Fortſetzung eines Krieges, der Rußland keinen
materiellen Vortheil gewährte, ein grober Fehler in politiſcher
Hinſicht ſei. Nur der Kaiſer Alerander allein hielt einen dauer
haften Frieden mit Napoleon für eine Unmöglichkeit und wollte
den Kampf mit ihm bis zum letzten Aeußerſten führen. Auch in
der preußiſchen Armee hatte die „Kriegspartei“ die Oberhand.
Blücher, Gneiſenau und viele Andere waren überzeugt, daß es
unumgänglich nothwendig ſei, gegen Napoleon entſchieden aufzu
treten. Doch erſchienen auch im preußiſchen Lager Stimmen zu
Gunſten des Friedens. Der König ſelber hielt einen Einbruch in
Frankreichs Grenzen für gefährlich. General Kneſebeck glaubte
auch, daß man nicht immer auf Erfolge rechnen könne und daß
man einen vortheilhaften Frieden bezwecken müßte. Den Sturz
Napoleon's vom Throne betrachtete man im Kreiſe Kneſebeck's
„als einen romantiſchen Gedanken der Unſinnigen des Blücher
ſchen Hauptquartiers“. Die Erinnerungen an den unglücklichen
Feldzug des Jahres 1792 ließen ihn die verzweifeltſte Vertheidi
gung gleich beim Ueberſchreiten der alten Grenzen Frankreichs
vorausſehen (*). Die Befürchtungen Kneſebeck's unterſtützte Ge
neral Mork, der in einem Briefe an ihn den Zuſtand ſeines Corps
mit den ſchwärzeſten Farben ſchilderte. Seinem Zeugniſſe nach
zählte die ſchleſiſche Armee in ihren Reihen nicht mehr als 36,000
Mann, mit welchen ein beſchwerlicher Winterfeldzug inmitten
einiger Reihen feindlicher Feſtungen zu unternehmen ſei. Das
preußiſche Corps, welches im Auguſt mehr als hundert Geſchütze
beſaß, hatte deren nur zweiundvierzig behalten, und auch dieſe
bewegten ſich auf unterbundenen Achſen und ſchlechten Rädern.
Die noch vor der Schlacht bei Möckern complettierte Artillerie
Munition war verbraucht und nur theilweiſe durch die dem Feinde
– 282 –

entnommenen Parks erſetzt. Von Feuchtigkeit waren die Waffen


untauglich geworden, einem großen Theile der Mannſchaft fehl
ten ſogar gänzlich Flinten. Die Bekleidung befand ſich in einem
kläglichen Zuſtande: die Truppen, welche am Feldzuge des Jah
res 1812 Theil genommen, trugen noch die im Jahre 1811 er
haltenen Uniformen. Die Litewka der ſchleſiſchen Landwehr, aus
ſchlechtem ungekrummtem Tuche verfertigt, war eingeſprungen
und außerordentlich kurz und eng. Für den bevorſtehenden Win
terfeldzug fehlte es den Soldaten an Tuchhoſen. Ein großer
Theil von ihnen, beſonders die Landwehrmänner und Freiwilli
gen, waren baarfuß. Mäntel beſaßen nur diejenigen, welche ſie
von den Gefangenen entnommen. Das Fuhrweſen war von den
Truppen zurückgeblieben; viele von den Kavalerie- und Artillerie
pferden waren für den Dienſt untauglich geworden (*). Dieſes
ſo traurige Gemälde erzeugte auf Viele, beſonders auf den vor
ſichtigen Kneſebeck, einen tiefen Eindruck.
Seitens der Oeſtreicher fand noch mehr Neigung zum Frieden
ſtatt. Dort herrſchte die Einwirkung Metternichs. In dem Maße
als die Befürchtungen bezüglich der Alleinherrſchaft Napoleon's
ſchwanden, entſtanden in den Begriffen der öſtreichiſchen Staats
männer Zweifel bezüglich der Abſichten des Kaiſers Alerander.
Nicht ohne Grund glaubten die Oeſtreicher, daß die Opfer Ruß
lands und die Einbuße, die es erlitten, nur durch die Vereinigung
des Herzogthums Warſchau mit dem Reiche zu erſetzen ſeien:
dabei erwachte in ihnen die Befürchtung Galizien zu verlieren.
Nicht weniger ängſtigten die öſtreichiſche Regierung die Volks
bewaffnungen, welche der Kampf der Verbündeten mit Napoleon
hervorgerufen. Bei dieſen Umſtänden hatte ſich Metternich aus
ſchließlich vorgenommen, Unterhandlungen über den Frieden zu
eröffnen und ihn zum Vortheile Oeſtreichs zu ſchließen. Die Ab
weſenheit Stein's, welcher den Sturz Napoleon's als unbedingt
– 283 –

nothwendig für die Ruhe Europa's betrachtete, begünſtigte die


Abſichten des öſtreichiſchen Diplomaten (*).
Noch am Ä October, während des Aufenthaltes der verbün
deten Monarchen in Weimar, wurde dem franzöſiſchen Diploma
ten, Baron St. Aignan, ein Wink über die Bereitwilligkeit der
Verbündeten Frieden zu ſchließen, wenn nur Napoleon ihn wirk
lich wünſche, gegeben. Als das Hauptquartier in Frankfurt an
gelangt war, fand am Ä eine Zuſammenkunft Metternichs
mit St. Aignan ſtatt. Erſterer ſprach von der Gährung der
Gemüther in Deutſchland, der Nothwendigkeit Frieden zu ſchlie
ßen, c. Am andern Tage überreichte er St.-Aignan einen Brief
ſeines Kaiſers an Marie-Louiſe und theilte ihm die Bedingungen
mit, auf Grundlage welcher die Verbündeten Frieden mit Na
poleon zu ſchließen beabſichtigten. Der unterdeſſen angelangte
Graf Neſſelrode erklärte, daß Alles in der Berathſchlagung be
ſchloßen vom Baron Hardenberg ſei. Aus den erſten Worten des
Fürſten Metternich konnte der franzöſiſche Diplomat ſchließen,
daß die Verbündeten ſich auf den Continental-Frieden, über
welchen in Prag verhandelt wurde nicht beſchränken würden, ſon
dern einen allgemeinen Frieden mit Betheiligung Englands an
ſtrebten. Bezüglich der Bedingung eines ſolchen Friedens ſagte
Metternich, daß die verbündeten Monarchen im Erhalten der
Macht Frankreichs und deſſen, von natürlichen Grenzen, dem
Rheine, der Alpen und Pyrenäen, bedingtem Uebergewichte über
eingekommen ſeien. Die Unabhängigkeit Deutſchlands, fügte
Metternich bei, wäre eine unumgängliche Bedingung (sine qua
non) des Friedens, daher mußte Frankreich, ohne den unver
meidlichen Einfluß einer großen Macht auf ihre ſchwächere Nach
barn zu verlieren, auf die direkte Herrſchaft über die deutſchen
Länder verzichten, um deſto mehr als Napoleon ſelber die Ab
ſonderung der großen Mächte durch kleinere für zweckmäßig hielt.
– 284 –

Die Unabhängigkeit Spaniens und Wiederherſtellung der frühe


ren Dynaſtie ſind eben ſo unabläßliche Bedingungen des Friedens.
In Italien wird die Grenze der öſtreichiſchen Beſitzungen in Ver
einbarung mit Piemont beſtimmt; dieſe Frage ſo wie überhaupt
der Zuſtand Italiens wird der Gegenſtand von Unterhandlungen
ſein, auf Grundlage vollkommener Unabhängigkeit dieſes Landes
vom Einfluße Frankreichs und anderer Großmächte, wie dieß
bezüglich Deutſchlands beſtimmt iſt. Der Zuſtand Hollands wird
ebenfalls Unterhandlungen unterzogen, welche die Unabhängig
keit dieſes Landes bezwecken ſollen. England hat eingewilligt.
große Opfer zu bringen, um den Frieden auf obenbezeichneten
Bedingungen und mit dem Zwecke freier Schifffahrt und freien
Handel zu ſchließen. Schließlich machte Metternich den Vor
ſchlag, im Falle der Annahme beſagter Bedingungen ſeitens des
Kaiſers Napoleon, irgend eine Stadt auf dem rechten Rheinufer
für neutral zu erklären und dort die Bevollmächtigten aller
kriegsführenden Mächte zu verſammeln, um die Unterhandlungen
doch ohne die Kriegsoperationen aufzuheben, zu führen. Nachdem
Baron St. Aignan dieſe Vorſchläge vernommen, gab er den
Wunſch zu erkennen einen ſchriftlichen Aufſatz über Alles ihm
mitgetheilte zu verfaſſen. Das Cabinet des Fürſten Metternich
wurde ihm vom Letzteren angewieſen, um dies auszuführen. Als
darauf St. Aignan wieder in das Zimmer eintrat, wo Graf
Neſſelrode und Fürſt Metternich geblieben, fand er mit ihnen
den engliſchen Bevollmächtigten, Lord Aberdeen. Auf Wunſch des
Fürſten las St. Aignan ſeinen Aufſatz, und als die Stelle bezüglich
Englands an die Reihe kam, erneuerte Aberdeen die Verſicherung,
daß ſeine Regierung zu ſehr großen Conceſſionen bereit ſei. Als
dann gaben die verbündeten Diplomaten St. Aignan zu verſtehen,
daß es ihnen angenehmer wäre mit Caulaincourt als mit Murat
zu unterhandeln. Am Schluße der Berathſchlagung erſchien der
– 285 –

Fürſt Schwarzenberg, welcher alle erwähnten Bedingungen be


ſtätigte und St. Aignan einen Brief an den Marſchall Berthier
einhändigte. In der Nacht vom Ä auf den Än reiſte St.
Aignan über Mainz nach Paris ab (*).

Das Hauptquartier der Verbündeten, während der unfrei


willigen Unthätigkeit der Heere am Rheine, bot eine deſto grö
ßere Bewegung der Diplomaten dar. Die Herrſcher des Rhein
bundes, bis dahin blinde Werkzeuge Napoleon's, wetteiferten
unter einander, um ihren Verrath an der Sache Deutſchlands,
ihres gemeinſamen Vaterlands in Vergeſſenheit zu bringen. Der
Herzog von Naſſau beeilte ſich den auf Befehl Napoleon's er
folgten Beſchlag auf die Güter Stein's aufzuheben. Der König
von Würtemberg folgte dem Beiſpiele Baierns und ſchloß am
3 November n. St. in Fulda einen Vertrag, der ihn verpflich
tete ein Corps von 12,000 Mann mit der öſtreichiſchen Armee
zu vereinigen; wogegen die öſtreichiſche Regierung die Unver
letzlichkeit der uralten Länder des würtembergiſchen Hauſes und
eine Entſchädigung, für den Fall eines Verluſtes zu Gunſten
anderer Fürſten Deutſchlands, der neuerworbenen Beſitzungen,
verbürgte. Obgleich die Mitglieder des Rheinbundes auf die
Seite der Coalition nicht gleichzeitig trafen, einige von ihnen ſich
dazu gegen ihre eigene Ueberzeugung entſchieden, ſo beſtand
Metternich doch darauf, daß ihnen der volle und unumſchränkte
Beſitz aller von Napoleon ihnen gewährten Länder geſichert
werde. Die Urſache ſolcher Geneigtheit mochte in der Abſicht der
öſtreichiſchen Regierung liegen, eine Partei im Kreiſe der rhei
niſchen Fürſten zu bilden, oder, was noch wahrſcheinlicher er
ſcheint, in der Sorgloſigkeit bezüglich des künftigen Schickſals
– 286 –

des deutſchen Bundes. Nicht ſelten verneinte Metternich die Eri


ſtenz Deutſchlands, welche er als eine „geographiſche Idee“ be
zeichnete. Die ſpeciellen Verträge Oeſtreichs mit den deutſchen
Fürſten enthoben ſie von der Unterwürfigkeit der Central-Ver
waltung. Demnach war der Vorſchlag Stein's, daß die Verbün
deten die eroberten Länder verwalteten und ihre Mittel zur
Kriegsführung gegen den allgemeinen Feind, bis zum Friedens
ſchluß, benutzten, beſeitiget. Nicht viele von den deutſchen Für
ſten, der Großherzog von Frankfurt und der Fürſt von Iſenburg
und der Graf von der Legen, waren von der allgemeinen
Amniſtie ausgeſchloßen: der Erſtere, Erzkanzler des Reichs,
Vorſtand des Rheinbundes und Fürſt Primas der katholiſchen
Kirche in Deutſchland, flüchtete aus Frankfurt, was die Ueber
gabe ſeiner Beſitzlichkeiten in die Verwaltung des Central-Comi
tés zur Folge hatte. Der Fürſt Iſenburg, General-Major
im Dienſte Frankreichs im Kriege des Jahres 1806 gegen
Preußen und der Graf von der Legen, der den Unterthanseid der
franzöſiſchen Regierung geleiſtet, konnten nicht Mitglieder des
deutſchen Bundes bleiben. Der König von Weſtphalen entlief
über den Rhein; ſeine Länder, nebſt dem Großherzogthume Berg
und den dem oraniſchen Hauſe in Deutſchland gehörenden Län
dern, bildeten zwei dem Central-Comité untergeordnete Verwal
tungen ähnlich dem Sachſenlande. Zum General-Gouverneur
Frankfurts war zuerſt der öſtreichiſche General, Prinz von Heſ
ſen-Homburg, ſpäter der Prinz von Reuß ernannt. Stein be
ſtimmte zum General-Gouverneur des Großherzogthums Berg
anfänglich den preußiſchen Staatsrath Gruner, ſpäter den Gene
ral Fürſt Solms. -

Die Central-Verwaltung beeilte ſich in den ihr untergebenen


Ländern den Volksgeiſt zu wecken. Die Mittel dazu waren: Ein
ſetzung örtlicher Behörden aus zuverläſſigen Beamten, gewiſſen
– 287 –

haftes Einſammeln und richtiger Gebrauch der Einkünfte, endlich


unverzügliche Bildung activer Truppen und einer Landwehr.
In beiden Ländern ſollten 17,000 Mann Linientruppen und
eine ebenſo zahlreiche Landwehr ausgehoben werden. Die Lie
ferungen der Vorräthe in Natur und die von den regierenden Für
ſten gelieferten Gelder waren von einer beſondern, aus Staats
männern und Generalen beſtehenden und unter Vorſitz des
Fürſten Metternich ſtehenden Commiſſion verwaltet. Die vori
gen Mitglieder des Rheinbundes waren für Beſtreitung der
jährlichen Kriegsauslagen mit der Einzahlung von ſiebzehn
Millionen Gulden belegt. Dieſe Summe ſollte aus den Einkünf
ten ihrer Beſitzungen in 24 dreimonatlichen Raten eingezahlt
werden und die zu erfolgende Ausgabe ſechsprocentiger Obli
gationen dieſe Einzahlung ſichern. Rußland, Oeſtreich und
Preußen erhielten je Ä der ganzen Summe dieſer Obligationen,
Schweden H. Alle drei Monate ſollte der vierundzwanzigſte Theil
der Obligationen eingelöſt werden (").
Die Lieferung der Lebensmittel für die Truppen war folgen
der Weiſe eingetheilt: jedes Mitglied des Bundes war verpflich
tet ſo viel Lebensmittel in Natur unentgeldlich zu liefern, als
der jährliche Unterhalt des von ihm ausgeſtellten Contingents es
erforderte. Auch hatten ſie die Obliegenheit ihre eigene und die durch
ihre Länder ſich bewegenden Transporte zu befördern und den
durchziehenden Pferden Weide zu geben. Die verbündeten
Mächte aber, Rußland, Oeſtreich und Preußen, verpflichteten ſich
den ſechsmonatlichen Bedarf von Proviant und Fourage für
ihre Truppen zu Waſſer oder zu Lande zu liefern, behielten ſich
doch das Recht vor, den Forderungen des General-Intendanten
oder derCorps-Befehlshaber nach, Lebensmittel von den Bun
desländern, gegen Bezahlung mit obenerwähnten Obligationen
zu entheben (*).
– 288 –

Nachdem die verbündeten Heere am Rheine angelangt, wur


den die ruſſiſchen Truppen auf Grundlage des ſogenannten Aſchaf
fenburger Tarifs, der vom Grafen Barklay de-Tolli angeordnet
war, verſorgt. Dieſer Tarif war in der Folge von allen verbün
deten Armeeu angenommen. Solcher beſtimmte für die Manu
ſchaft untern Ranges folgende tägliche Portion:
Roggen- oder Weißbrod . . . . . . 2 Pfund (“)
Graupen oder Reis, Bohnen, Erbſen, Linſen / , (")
Rindfleiſch . . . . . . . . . . . / ,
Branntwein eine Portion . . . . . ."/e Maß (“)
Salz, monatlich . . . . . . . . . 1 Pfund
Die Offiziere erhielten täglich:
Brod . . . . . . . . . . . . 2 Pfund
Rindfleiſch . . . . . . . . . . . 2 ,
Reis oder Graupen . . . . . . . . % ,
Eine Portion Branntwein, Bier, oder Wein.
Die Fourage war in öſtreichiſchen Rationen, /, Metze (“)
Hafer und 10 Pfund Heu, verabfolgt. Die Küraſſier-, Offizier
und Artillerie-Pferde erhielten um die Hälfte mehr Hafer, 10
Pfund Heu und 2 Pfund Stroh.
Kaum war das Hauptquartier in Frankfurt angelangt, als
für die Bekleidung der Truppen, folgende Anordnungen getroffen
wurden: 1) in Nürnberg war eine Niederlage von fertigen Sa
chen errichtet; 2) auf Forderung des Generals Graf Wittgenſtein

() Kann erſetzt werden durch 1/, Pfund Zwieback oder 1 Pfund Mehl, oder letzte
res durch / Pfund Rindfleiſch.
(“) Erſetzt durch ein Pfund Kartoffel oder anderes rohes Gemüſe.
(“) Ungefähr */oo eines ruſſiſchen Wedro, erſetzt durch "/oo eines Wedro Bier.
(“) %, Metze, ungefähr 2% ruſſiſche Garnitze. Vier Rationen Hafer waren durch
drei Rationen Gerſte oder Roggen erſetzt. Die halbe Ration Hafer durch fünf Pfund
Heu; fünf Pfund Heu durch fünf Pfund Stroh mit einem Pfunde Mehl.
– 289 –

war dem Intendanten ſeiner Truppen, Schukowſki, eine Summe


Geldes für Ankauf in Schwaben von Tuch, c. verabfolgt. In
Folge aber des Feldzugs nach Frankreich verſpäteten die ange
kauften Materialien ſo ſehr, daß die Schneiderarbeit erſt nach
Beendigung des Krieges erfüllt war, einige Kleidungsſtücke
waren den Truppen auf ihrem Rückmarſche in Thorn geliefert.
Die aus Prag geſchickten kurzen Schaafpelze konnten ebenfalls
die Armee nicht vor Antritt des Frühlings, als man deren nicht
mehr bedurfte, einholen; daher war der Verkauf der Pelze ange
ordnet: er fand in Böhmen für 500,000 Gulden mit bedeutendem
Verluſte ſtatt.
Die Hoſpitäler wurden theils auf Rechnung der Obligatio
nen, theils auf dem Wege der Reguiſition von den Einwohnern
des Landes unterhalten (*). -

Die Bewaffnung Deutſchlands war nach dem Beiſpiele Preu


ßens eingerichtet: in allen Ländern waren außer den Linientrup
pen, freiwillige Kriegsſchaaren und Landwehren gebildet: wo
es nöthig erſcheinen ſollte, würde man auch zum Landſturme
ſchreiten. Alle Mitglieder des Rheinbundes waren verpflichtet
ein eben ſo großes Contingent von Linientruppen zu liefern, als
Napoleon von ihnen erhalten, und auch noch eben ſo viel Land
wehr, mit hinlänglichen Reſerven für deren etwaiger Ergänzung.
Eine ſpecielle Commiſſion, deren Mitglieder der Fürſt Schwar
zenberg, Stein, der Fürſt Wolkonſky, Radetzky und Gneiſenau
waren, entſchied am Ä November, daß die deutſchen Regenten
145,000 Mann Linientruppen und eben ſo viel Landwehr for
mieren ſollten. Dieſe bewaffneten Kräfte würden in ſechs Corps
vertheilt werden, deren Beſtand die Baiern, die Hannoveraner,
19
– 290 –

die Sachſen, die Würtemberger, die Heſſen und die Badenſer,


mit Einverleibung der Contingente der kleinern Staaten, bilden
ſollten. Um die deutſchen Fürſten zur ſchnelleren Organiſation der
Truppen anzuhalten, ſollten die Allianzverträge mit ihnen nicht
eher beſtätiget werden, als nach erfüllter Einrichtung der Con
tingente und der längſte Termin war: für die Linientruppen der
31 December, für die Landwehr der 12. Januar 1814 neuen
Styls. In der Sitzung der Commiſſion vom November, wel
cher Metternich, Neſſelrode, Hardenberg, Kneſebeck und der
preußiſche General-Intendant Graf Lottum beitraten, erhielten
die neuformierten Corps folgende Befehlshaber: das 1-te den
General Wrede, das 2-te den General Wallmoden, das 3-te
den Herzog von Weimar, das 4-te den Herzog von Coburg,
das 5-te den Prinz Philipp von Heſſen-Homburg, das 6-te den
Kronprinzen von Würtemberg. Das 1-te, 5-te und 6-te Corps
waren der Haupt-Armee beigegeben; das 3-te und 4-te ſollten
unter den Befehl Blücher's, und das 2-te in den Beſtand der Nord
Armee treten.
Die Ausführung der Vorſchriften des Central-Comités,
welche ſich auf die allgemeine Bewaffnung Deutſchlands bezogen,
fanden viele Widerſprüche und verdankten das gewünſchte Ziel
erreicht zu haben nur der Energie und der Thätigkeit Stein's
und ſeiner Genoſſen. Beinahe alle deutſchen Herrſcher, welche
von den verbündeten Mächten wieder eingeſetzt oder verſchont
wurden, ſuchten die Erfüllung ihrer Pflichten zu vermeiden.
Dieſelben Fürſten, welche ſich vor Napoleon auf die ſchändlichſte
Art erniedrigten und ihm das Blut und Eigenthum ihrer Unter
thanen willig opferten, waren augenblicklich aus gemeinen Knech
ten in hochfahrende Herrſcher verwandelt und erfüllten die die
Unabhängigkeit Deutſchlands bezweckenden Forderungen des
Kaiſers Alerander nicht. Ohne die Ergebenheit ihrer Unterthanen
- 291 –

zu beſitzen und ohne Zutrauen zu ihnen, befürchteten viele von


dieſen Fürſten die Errichtung der Landwehr und des Landſturms
und glaubten, daß ihre perſönliche Sicherheit es erfordere, ſich
den Volksbewaffnungen möglichſt zu widerſetzen. Nicht weniger
ſchadeten der allgemeinen Sache Deutſchlands die perſönliche
Ergebenheit einiger Fürſten der Sache Napoleon's, die Ueber
zeugung von ſeiner Unbeſiegbarkeit und die Furcht vor ſeiner
Rache. Als der König von Würtemberg den bei ſeinem Hofe
accredetierten franzöſiſchen Reſidenten entließ, gab er ihm ſein
aufrichtiges Bedauern über die Zeitumſtände und die läſtige
Nothwendigkeit von Napoleon abzufallen, zu erkennen. Der Kö
nig verleugnete die heilige Pflicht, ſich für die Vertheidigung des
allgemeinen deutſchen Vaterlandes zu erheben, er entließ die
Mannſchaft ſeiner Kavalerie-Regimenter, welche bei Leipzig auf
die Seite der Verbündeten übergegangen und verabſchiedete die
Offiziere dieſer Brigade; ihr Commandeur, General Normann,
theilte nicht nur dieſes Schickſal, ſondern war auch in der Ver
bannung verfolgt und in den öſtreichiſchen Dienſt nicht angenom
men. Der König, in der Abſicht die Volksbewaffnungen zu ver
hindern, befahl auf alles Schießgewehr in ſeinen Ländern Beſchlag
zu legen; zugleich ſuchte er auf alle mögliche Weiſe die Verbin
dungen mit der Central-Verwaltung zu unterbrechen und befahl
ſogar den Oberſt Rühle, welcher den Auftrag erhalten, die
Volksbewaffnungen in den Ländern des vormaligen Rheinbundes
einzurichten, in Karlsruhe zu verhaften. Der Großherzog von
Baden hielt es für nöthig, als er Bignon entließ, ihm ſein
Allerhöchſtes Bedauern über die Sachlage zu erkennen zu geben,
welche ihn gegen ſeinen Willen bewog auf die Seite der Feinde
Frankreichs zu treten. In Baiern ſuchte das Miniſterium Mont
gelas die Verfügungen der Central-Verwaltung zu hemmen. Der
dem allgemeinen Beſten Deutſchlands ergebene Kronprinz war
– 292 –

um die Einwirkung auf die Regierungs-Angelegenheiten gebracht.


In Hannover verzögerte die Unfähigkeit des Herzogs von Cum
berland die Volksbewaffnungen: die aus Göttingen, um in die
freiwilligen Schaaren einzutreten, angekommenen jungen Leute,
kehrten nach mehrwöchentlichem, unnützen Zeitverluſte zurück. Die
ganze Thätigkeit des Großherzogs beſchränkte ſich auf die Ein
richtung eines Kavalerie-Regiments, deſſen Offiziere ausnahms
weiſe adeliger Herkunft waren. In den badenſchen und darm
ſtädtiſchen Ländern verzögerten ſich die Volksbewaffnungen. Die
Heſſen-Caſſeler erſchienen erſt beim Schluße des Feldzuges und
die Hannoveraner blieben gänzlich aus. Von allen deutſchen
Fürſten erfüllten ihre Pflichten mit Genauigkeit nur der Herzog
von Anhalt, die ſächſiſchen Herzöge, die Fürſten von Schwarz
burg und Lippe-Bückeburg; gleichfalls die Städte Bremen und
Lübeck (*).
Viele militairiſche Schriftſteller beſchuldigen die Verbündeten,
die Zerrüttung der napoleoniſchen Armee nicht benutzt und den
Rhein unmittelbar hinter ihr nicht überſchritten zu haben. Dieſe
ſtrengen Richter aber vergeſſen, daß auch die verbündeten Heere
nach ſo beſchwerlichem Feldzuge unumgänglich der Ruhe, der
Ergänzung und Verſorgung an Bekleidung, Fußbedeckung, Waf
fen, Patronen und Artillerie-Munition bedurften. Die Magazine
und Hoſpitäler mußten auf Rechnung der rheiniſchen Länder,
deren Fürſten feindlich oder gleichgültig gegen die Sache Deutſch
lands geſtimmt waren, errichtet werden. Das voreilige Ueber
ſchreiten des Rheins mit Armeen, die in ihren Reihen nicht mehr
als hundertfünfzigtauſend Mann zählten, die Nothwendigkeit auf
dem rechten Rheinufer hinlängliche Kräfte zur Beobachtung der
von den Franzoſen beſetzten Feſtungen und zum Bezähmen ver
dächtiger Bundesgenoſſen zu hinterlaſſen, die fernere Schwächung
der auf Paris vorzurückenden Armee durch Abordern von Truppen
– 293 –

zur Belegung mehrerer befeſtigten Punkte und zur Vertheidigung


der Verbindungen mit dem Rheine, die Erreichung endlich der
Hauptſtadt Frankreichs mit unzulänglichen Kräften – dieß Alles
würde die Verbündeten der Gefahr ſicherer Niederlage und dem
Ausbruche eines Volkskrieges in ihrem Rücken ausgeſetzt haben.
Im Verlaufe der zweimonatlichen Raſt am Rheine kamen, im
Gegentheile, die Verbündeten in die Verfaſſung ihre Armeen mit
den geneſenen Leuten zu ergänzen, einige zurückgebliebene Corps,
theils auch die von den deutſchen Fürſten formierten Truppen,
ferner die bedeutenden Reſerven und die Parks an ſich zu ziehen.
Napoleon hingegen, ungeachtet aller ſeiner Staunen erregenden
Thätigkeit, konnte keine hinlänglichen Kräfte auftreiben, und nur
die Uneinigkeit und die Fehler ſeiner Gegner gewährten ihm die
Möglichkeit einen ungleichen Kampf, deſſen Ausgang vom Schick
ſale ſchon entſchieden war, fortzuſetzen.
Kapitel XLV.
Vorrücken der Verbündeten auf die Dänen
und Befreiung Hollands.

In halt.
Bewegung der Nord-Armee in der Umgegend Göttingens – Bewegung des Kronprinzen
von Schweden auf Hannover. – Sein Aufbruch gegen die Dänen. – Einnahme
Lübecks und Rückzug des Prinzen Friedrich von Heſſen auf Kiel. – Vorrücken
der Verbündeten nach der Eider hin. – Aufſtellung der däniſchen Truppen. –
Ueberſchreiten der Eider ſeitens der Verbündeten. – Treffen bei See
ſtädt. – Erfolge der Verbündeten. – Waffenſtillſtand in Kiel. – Friedens
tractat des j Januar 1814. – Bewegung der Corps Bülow und Winzingerode

gegen den untern Rhein zu. – Aufſtand in Holland. – Vorrücken Benkendorfs


auf Amſterdam. – Vorrücken Bülow's. – Einnahme von Arnheim. – Rückzug
Molitor's hinter die Waal. – Einnahme von Breda ſeitens Benkendorf's. –
Ankunft des Prinzen von Oranien in Amſterdam. – Maßnahmen Napoleons zur
Vertheidigung Belgiens. – Vorrücken Roguet's auf Breda. – Vertheidigung
dieſes Ortes ſeitens der Verbündeten. – Maßnahmen beider Seiten am Schluße
des Jahres 1813.

Ausgang Octobers n. St. ging die Nord-Armee von Merſe


burg aus über Sondershauſen, Mühlhauſen und Heiligenſtadt
in die Umgegend von Göttingen. Der Kronprinz glaubte dadurch
den Marſchall Davouſt zum ſchnellen Rückzuge hinter den Rhein
zu nöthigen. Davouſt blieb aber in ſeiner Stellung an der Steck
nitz, dem Grafen Wallmoden gegenüber; daher ſendete der Kron
– 295 –

prinz von Schweden die Corps Bülow und Winzingerode nach


dem untern Rheine hin und rückte mit dem ſchwediſchen Corps und
den Truppen der Grafen Woronzow und Stroganow, welch
Letztere von der Armee Bennigſen's abgeordert waren, auf Ham
burg, um ſich dieſer Stadt zu bemächtigen und gegen die Dänen
die eigennützigen Zwecke der ſchwediſchen Regierung zu verfolgen.
Am Är war das Hauptquartier des Prinzen nach Hannover
verlegt; die ſchwediſchen Truppen nahmen Hannover, Braun
ſchweig und Hildesheim ein, die ruſſiſchen die Umgegend von
Lübeck. Einige Tage ſpäter erhielt Davouſt vom Generale Carra
St.-Cyr eine Depeſche, die den Befehl enthielt, Mainz mit einer
hinlänglichen Garniſon zu beſetzen, mit den übrigen Truppen
aber nach Holland zu rücken. Davouſt, abgeſchnitten vom Rheine,
konnte dieſem Befehle nicht nachkommen, doch glaubte er ſeine
Kräfte concentrieren zu müſſen, daher verließ er Ratzeburg und
ſtellte ſein Corps an der Stecknitz zwiſchen Lauenburg und Mölln
auf; die unter ſeinem Befehle ſtehenden däniſchen Truppen ſtellten
ſich den Fluß abwärts bis Lübeck auf (!).
Am H November brach der Kronprinz mit dem ſchwediſchen
Corps aus der Umgegend von Hannover auf, rückte über Celle
auf Boitzenburg und überſchritt dort die Elbe am Ä: zu derſel.
ben Zeit nahmen die Corps Woronzow und Stroganow den
Raum zwiſchen Winſen und Staden ein und belegten Harburg.
Die Kräfte der Verbündeten an der untern Elbe erſtreckten ſich
bis an achtzigtauſend Mann (*).
Graf Stroganow, der die Beſtimmung erhalten die Blokade
von Harburg zu beengen, unternahm am Ä November einen An
griff auf Stade. Dieſe ſtark befeſtigte Stadt war von dreitauſend
Mann beſetzt. Der Commandant ließ alle Dämme, die zur Stadt
führten, einen einzigen ausgenommen, durchgraben und verwan
delte vermittelſt künſtlicher Ueberſchwemmungen die Umgegend in
– 296 –

einen großen See. Deſſen ungeachtet warfen ſich die tapferen


Regimenter Saratow und Penſa, unter dem Kreuzfeuer der fran
zöſiſchen Batterien, auf den einzigen, die Verbindung mit der
Stadt unterhaltenden Damm; als ſie aber deſſen Ende erreich
ten, fanden ſie, daß die Brücke, die über einen tiefen Graben führte,
abgetragen war. Der Commandeur des Regiments Saratow,
Oberſt Graf Raſtiniae, ließ ſich mit ſeinen Offizieren in den Gra
ben hinunter und verſuchte den Wall zu beſteigen, ihnen folgten
die Sturm-Kolonnen; da aber viele Offiziere und mehr als 300
Mann untern Ranges getödtet und verwundet waren, ſo ließ
Graf Stroganow Appel ſchlagen. Nichts deſtoweniger ſetzte die
Garniſon in der nächſtfolgenden Nacht in Böten über die Elbe
und hinterließ in der Stadt drei Geſchütze und einige hundert
Kranke und Verwundete. Nachdem die ruſſiſchen Truppen Stade,
Kurhaven und andere Punkte auf dem linken Elbufer eingenom
men und dabei mehr als tauſend Mann und dreißig Geſchütze
aufgegriffen hatten, belegte Graf Stroganow die von fünftauſend
Mann beſetzte Feſtung Harburg, Graf Woronzow aber rückte am
Ä November über Lüneburg auf Boitzenburg zur Vereinigung
mit den Schweden. Der Kronprinz, welcher, das Corps Wall
moden inbegriffen, mehr als fünfzigtauſend Mann zählte, hatte
die Abſicht den Marſchall Davouſt anzugreifen, die Franzoſen
verließen aber freiwillig ihre Stellung an der Stecknitz und zogen
ſich am Ä hinter das Flüßchen Bille zurück, die däniſchen
Truppen aber, abgeſondert von ihren Verbündeten, ſtellten ſich
hinter die Trave, zwiſchen Oldeſloe und Lübeck auf. Der Rück
zug Davouſt's erleichterte dem Kronprinzen die Erfüllung ſeiner
Abſicht ſich auf die Dänen zu werfen. Demnach ergriff er folgende
Maßregeln: das Detaſchement des Generals Woronzow, 8,000
Mann mit 56 Geſchützen, und das Detaſchement Lützow, 1,900
Mann an der Zahl, rückten über Bergedorf auf Hamburg, um
– 297 –

die Truppen Davouſt's zu beobachten; das Detaſchement Tetten


born, 1,600 Mann an der Zahl mit zwei Geſchützen, ging zwi
ſchen Bergedorf und Mölln, um die Verbindungen Davouſt's mit
den däniſchen Truppen abzuſchneiden; das Corps Wallmoden,
10,460 Mann an der Zahl mit 52 Geſchützen, war auf Oldens
loe dirigiert, um die rechte Flanke der Dänen auf ihrem Rück
zugswege nach Rendsburg hin zu umgehen. Der Kronprinz ſelber
mit dem ſchwediſchen Corps und der Brigade Vegeſack (vom Corps
Wallmoden), in Allem 31,500 Mann an der Zahl mit 68 Ge
ſchützen, rückte auf Lübeck, um ſich dieſer Stadt zu bemächtigen
und die linke Flanke der feindlichen Aufſtellung zu umgehen (*).
General Wallmoden, der ſich zwiſchen Mölln und Ratzeburg
dirigierte, überſchritt die Stecknitz am Ä: ſeine Avant
garde, unter dem Befehle Dörnberg's, drängte die vorderen
Truppen des däniſchen Corps hinter die Trave zurück. Allein die
Verbündeten blieben den ganzen folgenden Tag bei Siebenbäu
men, zwiſchen Ratzeburg und Oldesloe, in der Erwartung der
vom Prinzen verſprochenen Mitwirkung der Diviſion Vegeſack,
ſtehen. An demſelben Tage näherten ſich die Hauptkräfte des
Kronprinzen Lübeck und bereiteten ſich zum Sturme vor; der
General Lallemand aber wartete ihn nicht ab, übergab die Stadt
auf Capitulation und ging auf Seeberg: dieß nöthigte den Prinzen
Friedrich von Heſſen mit dem däniſchen Corps die Stellung bei
Oldesloe zu verlaſſen und über Seeberg auf Kiel zu rücken. Als
General Tettenborn den Rückzug des Feindes erfuhr, warf er
ſich in ſeine Flanke und erreichte am Ä eine von den däni
ſchen Kolonnen bei Bramſtädt und griff viele Gefangene auf,
indeſſen Graf Wallmoden den General Dörnberg mit vier Ba
taillonen und acht Schwadronen auf Seeberg aborderte und auf
Neumünſter rückte.
Am folgenden Tage verlegte der Kronprinz ſein Hauptquar
– 298 –

tier nach Lübeck, befahl Wallmoden den Feind mit Nachdruck zu


verfolgen und ihn von Rendsburg abzuſchneiden; er ſendete zu
ſeiner Verſtärkung nicht nur die Brigade Vegeſack, ſondern auch
vierzehn ſchwediſche Schwadronen unter dem Befehle des Gene
rals Skiöldebrand. In der Abſicht mit allen übrigen Truppen
Wallmoden an die Eider zu folgen, ſchrieb ihm der Kronprinz:
„die däniſchen Truppen können auf keine Unterſtützung rechnen.
Rendsburg hat weder Artillerie, noch Proviant, und keine Gar
niſon. Glückſtadt, von Truppen entblößt, wird ſich ergeben. Von
der Seite Hamburgs her iſt Nichts zu befürchten: General Wo
ronzow wird Davouſt in Unthätigkeit halten. Die däniſche Armee,
kaum 12,000 Mann ſtark, iſt vollkommen demoraliſiert; die Ko
ſaken Tettenborn's drängen ſie in die rechte Flanke und die
Kavalerie Skiöldebrand's umgeht ihre linke Flanke. Das unter
Ihrem Befehle ſtehende Corps giebt dem Feinde an Kräften nicht
nach (*). - -

In der That hatte die däniſche Regierung, wahrſcheinlich in


der Ueberzeugung von der Unbeſiegbarkeit ihres mächtigen Ver
bündeten, die Vertheidigung Holſteins und Schleswigs gänzlich
vernachläſſigt; die Truppen waren zerſtreut; die Feſtungen ohne
alle Vertheidigungsmittel. Der König ſendete dem Prinzen von
Heſſen den Befehl ſich auf Colding zurückzuziehen, um Jütland
und Fühnen zu decken und womöglich einen Waffenſtillſtand ein
zugehen. Eine Abſchrift dieſer Depeſche war von den Verbündeten
aufgegriffen: dieß beſtärkte den Kronprinzen im Entſchluße den
Waffenſtillſtand abzuweiſen und den Feind mit Nachdruck zu
verfolgen (*).
Große örtliche Hinderniſſe aber erwarteten die Verbündeten
auf ihrem Marſche, beſonders beim Eidercanale, welcher das
deutſche Meer mit dem Baltiſchen vereinigt. Canal und Fluß
bilden hier eine vortheilhafte Vertheidigungslinie, welche von
– 299 –

den Feſtungen Friedrichsort beim Kieler Meerbuſen, Rends


burg beinahe im Centrum der Linie und der Schanze Vollerwick
mit 28 Geſchützen an der Mündung der Eider, verſtärkt iſt. Seen,
kleine Flüſſe, Moräſte und Wälder durchkreuzen das Land ſüd
lich von dieſem Fluße bis zur Trave und Elbe. Die Wege
waren ſchlecht, die Hauptſtraßen nicht ausgenommen, namentlich:
1) Aus Lübeck nach Preetz und Kiel, 2) aus Oldesloe nach See
berg und Neumünſter, und 3) aus Hamburg nach Itzehö; alle
dieſe Straßen münden in Rendsburg (").
Beim Rückzuge des Prinzen von Heſſen von Seeberg auf
Kiel, am Ä, wurde ſeine Arrieregarde von der ſchwediſchen
Kavalerie bei Borheft am Vorabende eingeholt und verlor 300
Mann Gefangene und ſechs Geſchütze. Das Koſaken-Detaſche
ment Tettenborn, an der Spitze der Truppen Wallmoden's,
rückte über Neumünſter und Nartorp in die Umgegend von
Rendsburg. Nicht ſelten verſanken die Pferde bis an den Leib
im theils aufgelöſten theils halbzugefrornen moraſtigen Boden;
die Koſakenpartien aber, welche in die Richtungen auf Itzehö
und Kiel geſendet, griffen viele Offiziere mit wichtigen Depe
ſchen, Fuhren, Pulverkaſten und ein Kavaleriedepot auf. Am
#-Ä ſetzten die Koſaken Tettenborn's über die Eider unweit
Friedrichſtadt, nahmen dieſen Ort, ſo wie auch Tönningen und
Huſum ein, griffen zehn Geſchütze auf, entwaffneten in allen
dieſen Städten den Landſturm, ſendeten Partien in allen Rich
tungen aus und belegten Vollerwick.
Graf Wallmoden überließ dem Generale Skiöldebrand die
Verfolgung des Feindes auf dem Wege nach Kiel, ſendete Ab
theilungen auf Rendsburg und Achterwär, um ſeine beiden Flan
ken vor Umgehen zu ſichern, den General Dörnberg aber mit 5
Bataillonen und 10 Schwadronen am Ä
9 December über Kluvenſick
aufs rechte Ufer der Eider und folgte ſelber, mit 9 Bataillonen,
– 300 –

4 Schwadronen und 24 Geſchützen, viertauſend Mann an der


Zahl, ihm nach. General Dörnberg hatte die Weiſung erhalten,
den Rückzugsweg des Feindes zu durchſchneiden; er glaubte, daß
das däniſche Corps ſich von Kiel auf Eckernfährde zurückziehen
würde, daher nahm er die Richtung auf Wittenſee, warf einen
Theil der feindlichen Truppen und griff ſieben Geſchütze auf; zu
derſelben Zeit aber rückten die Hauptkräfte des däniſchen Corps,
zehntauſend Mann an der Zahl, von Gottorp aus auf Rendsburg
und begegneten unverhofft den Truppen Wallmoden's bei Seeſtädt,
warfen und griffen zwei Geſchütze auf. Der Verluſt der Verbün
deten belief ſich auf mehr als tauſend Mann. Unter den Verwun
deten zählte der Major Prinz Guſtav von Mecklenburg-Schwerin.
Wallmoden ſelber ſetzte ſich der größten Gefahr aus. Die Dänen
verloren 17 Offiziere und 530 Mann untern Ranges. General
Vegeſack langte mit ſeiner Brigade erſt am Ausgange des Kam
pfes bei der Kolonne Wallmoden's an.
Dem Kronprinzen war es vorzugsweiſe immer um das Er
halten ſeines ſchwediſchen Corps zu thun, daher erhielt Stedingk
die Weiſung die Eider nicht zu überſchreiten, Tettenborn und
Dörnberg aber ſich bei Kroop zu vereinigen und im Falle ihnen
überwiegende feindliche Kräfte begegnen ſollten, ſich auf die linke
Seite der Eider über Friedrichſtadt zurückzuziehen. Indeſſen
aber nahmen die Angelegenheiten der Verbündeten eine vor
theilhafte Wendung. Tettenborn gelang es noch 400 Gefangene
und 8 Geſchütze aufzugreifen; darauf formierte er eine Bedienung
für die eroberte Artillerie und näherte ſich der Schanze Voller
wick, eröffnete auf deren Vertheidiger ein heftiges Feuer und
nöthigte die Garniſon zur Uebergabe auf Capitulation mit der
Bewilligung freien Ausmarſches. Achtzehn Geſchütze, zehn
Mörſer und eine bedeutende Menge Kriegsmunition fielen
in die Hände der Sieger; überhaupt hatte Tettenborn ſeit
– 301 –

ſeinem Einbruche in die däniſchen Herzogthümer 38 Geſchütze


erobert (*).
Wallmoden trat nach dem Treffen bei Seeſtädt wieder in
Verbindung mit der Avantgarde Dörnberg's und gab ſeinem
Corps Zeit auszuruhen. Es nahm Quartiere auf der linken Seite
der Eider bei Weſtenſee und Nortorp; die hanſeatiſche Brigade
nahm Kluvenſick ein und blieb in Verbindung mit dem Detaſche
ment Dörnberg's, welches bei Wittenſee ſtand. Das Detaſche
ment Tettenborn's befand ſich in Tönningen. Das Hauptquartier
des Kronprinzen ging am Ä December nach Kiel; das ſchwe
diſche Corps nahm Quartiere ſüdlich von dieſer Stadt; über
haupt waren Anordnungen getroffen, um im Nothfalle im Ver
laufe von drei Tagen an 35,000 Mann auf der rechten Seite der
Eider zu vereinigen. Die Belegung der Feſtungen Friedrichsort
und Glückſtadt war den Generalen Poſſe und Boye über
tragen (").
Nach der Ankunft des Kronprinzen in Kiel ſchloß er mit dem
Obergenerale der däniſchen Truppen, Prinz Friedrich von Heſ
ſen-Caſſel, einen Waffenſtillſtand, deſſen Bedingungen folgende
waren: 1) Vom 15 December n. St. an bis zum 29 dieſes Mo
nats iſt Waffenruhe, die Feſtungen Glückſtadt und Friedrichsort
ausgenommen; 2) die verbündeten Truppen werden das Herzog
thum Schleswig verlaſſen und ſich ſüdlich von der Linie, von
Eckernfährde her über Holtebuy und Hollingſtädt bis Huſum
aufſtellen; 3) die große Straße von Rendsburg nach Schleswig
bleibt offen, ſowohl für die Depeſchen als für die Verproviantie.
rung der in Rendsburg blokierten Truppen, doch nur in der
Quantität von 10,000 bis 12,000 Portionen täglich; 4) im Ver
laufe des Waffenſtillſtandes findet keine Vermehrung der Rends
burger Garniſon und keine Verſorgung der Feſtung mit Patro
nen und Artillerie-Munition ſtatt. Der Obergeneral der däniſchen
– 302 –

Truppen verpflichtet ſich keine neue Befeſtigungen in Rendsburg


zu errichten; die Verbündeten werden keine Belagerungsarbei
ten gegen die Feſtungen unternehmen. Die Linie über Jewe
ſtädt, Oſtenfeld, Bünstorf, Hon und Elsdorf iſt neutral und
kann von den Vorpoſten der Garniſon eingenommen werden;
5) die Garniſon der Stadt Schleswig darf keine tauſend Mann
überſchreiten; die Truppen, welche aus dem Innern anlangen,
dürfen nicht weiter als bis Flensburg gehen. Die Verbündeten
verpflichten ſich ihrerſeits die Truppen, welche im Herzogthume
Schleswig ſtehen, während des Waffenſtillſtandes nicht zu ver
mehren (*).
Bald darauf nahmen die ſchwediſchen Truppen die Feſtungen
Friedrichsort und Glückſtadt ein: in der Erſteren fand man 110
Geſchütze, 600 Pulverfäſſer und viele andere Kriegsmunition,
und in Letzterer 325 Geſchütze. Außerdem hatte die verbündete
Armee ſeit ihrem Einbruche in Holſtein 470 Geſchütze erobert. Die
Garniſonen beider Feſtungen waren entlaſſen: die von Frie
drichsort mit der Bedingung einer Auswechſelung gegen die im
Treffen bei Seeſtädt aufgegriffenen verbündeten Gefangenen, die
von Glückſtadt, im Verlaufe eines Jahrs gegen die Verbündeten
nicht zu dienen (”).
Die Unterhandlungen über den Frieden in Kiel machten
keine Fortſchritte. Die däniſche Regierung hoffte, daß die Sach
lage eine unerwartete Wendung nehmen könnte und ſuchte Zeit
zu gewinnen. In dieſer Abſicht willigte ſie zwar in die Abtretung
Norwegens ein, doch nur gegen die Entſchädigung durch die han
ſeatiſchen Städte, einen Theil von Hannover und das ganze
Ufer des deutſchen Meeres bis Friesland. Der Kronprinz von
Schweden, welcher kein Recht hatte ſolche Vorſchläge anzuneh
men, legte dem in Kiel angelangten däniſchen Bevollmächtigten,
im Beiſein der Reſidenten der verbündeten Mächte das feind
– 303 –

ſelige Verhalten ſeiner Regierung gegen die allgemeine Sache


dar und ſchloß ſeine Rede mit folgenden Worten: „übrigens,
unabhängig von der Wendung, welche die Umſtände nehmen
können, erkläre ich feierlich und gebe darauf mein Ehrenwort, daß
Napoleon weder Herrſcher von Frankreich noch König von Rom
bleiben wird; vielleicht glaubt man, daß ich ſeine Stelle einneh
men möchte, meine Abſichten beſchränken ſich aber auf ein anderes
Ziel; das Volk möge die Wahl treffen und ſein Schickſal dem
Würdigſten anvertrauen“. Zugleich wurde der Waffenſtillſtand
auf eine Woche, bis zum 5. Januar n. St. 1814, verlän
gert. Da hofften die Dänen, daß der größte Theil der Nord
Armee, dem Wunſche der verbündeten Mächte gemäß, gegen den
Rhein zu dirigiert werden würde. Und in der That, Sir Charles
Stuart, welcher im Hauptquartiere des Kronprinzen angelangt
war, ſuchte ihn zu bereden nach Holland zu rücken. Der Prinz
aber lehnte dieſen Vorſchlag von ſich ab und erneuerte gleich nach
Beendigung des Waffenſtillſtandes die Kriegsoperationen. Ge
neral Tettenborn trat in Schleswig ohne Hinderniſſe ein und
Skiöldebrand nahm Flensburg mit der ſchwediſchen Kavalerie
ein. Der Feind zog ſich ſchnell auf Colding zurück. Die Armee
des Kronprinzen, unvergleichlich zahlreicher als die däniſche,
wurde noch vom Corps des Grafen Woronzow verſtärkt, welcher
von Hamburg nach Holſtein, als kaum die Truppen Bennigſen's
ihn abgelöſt hatten, rückte. Alle dieſe Umſtände führten zum Frie
den. Dem in Kiel am Ä Januar abgeſchloſſenen Traktate zu
folge trat die däniſche Regierung Schweden das Königreich Nor
wegen ab, die Inſeln Faröer und Island ausgenommen. Als
Entſchädigung erhielt Dänemark die Inſel Rügen und Schwediſch
Pommern (). Derſelbe Traktat beſtimmte den Abfall Dänemarks
(*) In der Folge wurde Schwediſch-Pommern an Preußen abgetreten und Dänemark
erhielt dafür das Herzogthum Lauenburg.
– 304 –

von Frankreich und erſtere Macht ſollte ein Corps von zehntauſend
Mann gegen Napoleon aufſtellen, gegen eine Entſchädigung von
33,333 Pfund Sterling (ungefähr 225,000 Rubel Silber) uno
natlicher Subſidien (“).

Oben haben wir ſchon erwähnt, daß Anfangs Novembern. St.


die Nord-Armee in der Umgegend Göttingens anlangte und daß
darauf die vom Corps Stroganow, das zur Armee Bennigſen's
gehörte, verſtärkten Corps Stedingk und Woronzow, unter der
perſönlichen Anführung des Kronprinzen von Schweden, auf
Hannover und weiter gegen die Dänen und den Marſchall Da
vouſt rückten. Zur Eroberung aber der preußiſchen Länder in
Weſtphalen wurde das von der Brigade Thümen verſtärkte und
ſich nach dem Rheine zu dirigierende preußiſche Corps Bülow und
das Corps Winzingerode beſtimmt.
General Bülow hatte vom Kronprinzen den Befehl erhalten,
irgend eine von den ſchwächſten Feſtungen an der Pſſel zu neh
men. Bülow wollte ſich aber auf ein ſo kleinliches Ziel nicht
beſchränken und entſchied ſich Holland zu befreien.
Die Hoffnung auf die Mitwirkung des Corps Winzingerode
und den Aufſtand der Einwohner, welche Napoleon haßten, er
muthigte Bülow in ein Land einzufallen, wo der Feind auf jedem
Schritte den vordringenden Truppen natürliche und künſtliche
Vertheidigungsmittel entgegenſtellen konnte. Das feindliche Corps,
unter dem Generale Molitor, das Holland einnahm, zählte
nicht mehr als vierzehntauſend Mann ſchlechter Truppen, von
denen an fünftauſend bei Utrecht verſammelt waren; die übrigen
waren in den Feſtungen zerſtreut. Ein anderes franzöſiſches
Corps, unter Macdonald, zählte fünfzehntauſend Mann Infan
– 305 –

terie und ſiebentauſend Mann Kavalerie; es vertheidigte den


untern Rhein. Macdonald hatte den General Amey mit zwei
tauſend Mann auf Deventer abgeordert. Dieß Detaſchement,
vereinigt mit der Zollwache und den vom Generale Lauberdière
zuſammengebrachten Gensd'armen bildete die einzige Vertheidi
gung für den Lauf der Mſſel (*).
General Bülow war mit ſeinem Corps am Ä aus der
Umgegend von Göttingen aufgebrochen, langte am Ä in
Minden an. Hier wurde er von den Einwohnern mit Glocken
geläute und freudigem Ausrufe empfangen. Nach vier Raſttagen
brach das Corps Bülow am Ä November von Minden auf und
ging über Herfort, Bielefeld und Münſter auf Dülmen, und am
- ſendete er vom letzteren Orte aus eine Avantgarde unter An
führung des Generals Oppen über Borken gegen die Pſſel zu
und die Brigade des Generals Borſtell auf Weſel, um dieſe
Feſtung zu belegen (*).
Die Vordertruppen Winzingerode's verließen die Umgegend
von Göttingen, rückten auf Caſſel und verfolgten Anfang No
vembers n. St., in Vereinigung mit der Avantgarde des Corps
St.-Prieſt, welche ſich von Caſſel aus nach dem Rheine hin diri
gierte, die Diviſion Rigaud und bemächtigten ſich am Ä
Düſſeldorfs; das Detaſchement des Generalmajors Juſefowitſch
nahm das Großherzogthum Berg ein; Winzingerode ſelber ging
über Bremen und nahm Oldenburg und Friesland mit ſeinem
Corps ein: zugleich ſendete er die Detaſchements der Generale
Benkendorf und Tſcherniſchew und des Oberſten Naryſchkin gegen
die Grenzen von Holland hin.
Kaum hatte Molitor das Vorrücken der Verbündeten erfah
ren, als er ſich beeilte Amſterdam und die übrigen an der See
liegenden Punkte zu verlaſſen und ſeine Truppen in der Nähe
von Utrecht zu concentrieren. Der Rückzug der Franzoſen war
20
– 306 –

das Zeichen zum Aufſtande der Einwohner Amſterdams. Am


j November zerſtörten ſie die Zollgebäude, verjagten den fran
zöſiſchen Prefect und richteten eine Nationalgarde und eine zeit
weilige Regierung unter dem Vorſitze Van-der-Hoop's ein. Die
ganze Stadt ertönte vom Ausrufe: „es lebe Oranien!“ (Oranien
boven !) In Haag, Rotterdam, Dortrecht, Haarlem, Leyden c.
war die Unabhängigkeit des Landes ausgerufen. Eine Deputa
tion der vornehmſten Bürger begab ſich nach London zum Prinzen
von Oranien, um ihn einzuladen in der Eigenſchaft eines regie
renden Fürſten die Herrſchaft über die Niederlande zu überneh
men. Der General Benkendorf, welcher vom Generale Winzinge
rode am ÄNovember von Bremen aus an die Grenze Hollands
geſendet war, benutzte die Gelegenheit um das Land vom Feinde
zu reinigen. Sein Detaſchement beſtand aus 1,100 Mann In
fanterie, 800 Mann Kavalerie und 1,600 Koſaken mit 4 Ge
ſchützen (*); es waren auch noch zwei Detaſchements unter ſeinen
Befehl geſtellt, das des Generals Tſcherniſchew, welches in ſeiner
Abweſenheit unter dem Oberſten Balabin ſtand und fünf Koſa
ken-Regimenter zählte, und das aus drei Koſaken-Regimentern
beſtehende Detaſchement des Oberſten Naryſchkin. General Ben
kendorf ließ Doesburg und Harderwick durch Abtheilungen be
ſetzen, rückte mit ſeinen Hauptkräften auf Zwoll und überſchritt
die Mſſel theils bei dieſer Stadt, theils zwiſchen Deventer und
Zütphen. Am Ä November griff der Major Fürſt Gagarin mit
dreihundert abgeſeſſenen Koſaken und Baſchkiren den in Deven
ter ſtehenden Feind an, ſchlug ihn heraus und nahm 60 Mann
gefangen; am Ä November ſchlich ſich eine von ſeinen vordern
Abtheilungen, zweihundert Koſaken an der Zahl, unter dem
Befehle des Majors Marklay, bis Amſterdam durch, obgleich
das Land noch vom Feinde eingenommen war. Die Ruſſen wur
den von den Einwohnern freudig empfangen. Benkendorf folgte
– 307 –

dieſer Handvoll Truppen, ſendete den General Stahl mit einem


Theile von Kavalerie auf Amersfort, um gegen Molitor, der
bei Utrecht ſtand, zu demonſtrieren, und rückte ſelber nach Harder
wick: dort angelangt, ſetzte er ſechshundert Mann Infanterie auf
Böte und ging mit ihnen in der Nacht auf den Ä über den
Zuyderſee nach Amſterdam. Obgleich auf dem See noch eine
große feindliche Flotille kreuzte, langten die Ruſſen doch glücklich
in die Hauptſtadt der Niederlande, wurden von den Einwohnern
mit Entzücken empfangen und trugen zur Vermehrung der Volks
bewaffnung bei. Unverweilt rückten die bewaffneten Schaaren,
vereinigt mit ihren Errettern, auf Murden und Halweg, nahmen
dieſe Befeſtigungen ein, griffen 20 Geſchütze und über tauſend
Gefangene auf. Das Detaſchement des Oberſten Naryſchkin
nahm am Ä November Amersfort ein (*).
Die Truppen Bülow's hatten auch wichtige Erfolge erlangt.
Der General Oppen rückte mit der Avantgarde des preußiſchen
Corps am Ä November auf Doesburg, nahm im Kampfe dieſe
befeſtigte Stadt ein, vernichtete einen Theil ihrer Vertheidiger
und griff über hundert Gefangene und zwei Geſchütze auf; am
folgenden Tage nahm der auf Zütphen mit dem 1-ten Leib-Huſa
ren-Regimente und einem Bataillone geſendete Major Sandrart
dieſe Stadt ein und griff dreihundert Mann Gefangene auf. Ge
neral Bülow folgte ſeiner Avantgarde, näherte ſich dem feindlichen
befeſtigten Lager vor Arnheim, welches, unter dem Befehle des
Generals Charpentier, viertauſend Mann zählte, griff ihn am
Ä November an, bemächtigte ſich ſowohl des Lagers als der
Stadt und griff vierzehn Geſchütze und tauſend Gefangene auf.
In der Zahl Letzterer befanden ſich vierundzwanzig Offiziere und
der General St.-Marin. Charpentier war verwundet. Der Ver
luſt der Sieger belief ſich auf ſiebenhundert Mann. Die preußiſche
Avantgarde überſchritt den Leck und verfolgte die Franzoſen auf
– 308 –

dem Wege nach Nimwegen; Bülow ſelber rückte auf Utrecht, den
Sammelpunkt der feindlichen Kräfte; Molitor aber, als er die
Einnahme Arnheims und den Uebergang der preußiſchen Avant
garde über den Leck erfuhr, hielt es für unmöglich dieſe Linie fer
ner zu behaupten, zog ſich hinter die Waal zurück und nahm Hor
kum ein.
Der Aufſtand der Niederlande und das Erſcheinen der Ver
bündeten an der W)ſſel bewog Napoleon den General Roguet mit
einer Diviſion der jungen Garde dahin zu ſenden. Unzufrieden
mit Molitor, erſetzte er ihn durch den General Decaen und trug
ihm die Vertheidigung Belgiens, wo die Franzoſen ſechzehn bis
achtzehntauſend Mann concentriert hatten, auf. Der Rückzug
Molitor's auf Horkum begünſtigte die Erfolge der verbündeten
Truppen: General Bülow nahm Utrecht ein und ſtellte ſein Corps
in der Umgegend der Stadt auf, und General Benkendorf, der
Concentration der feindlichen Kräfte bei Horkum ungeachtet, ent
ſchied ſich in das Land hinter der Waal einzubrechen. In dieſer
Abſicht vereinigte er ſeine Truppen bei Rotterdam und nachdem
er auf Befehl Winzingerode's die Detaſchements Balabin und
Naryſchkin auf Düſſeldorf geſendet, ging er am Ä über ei
nen Arm der Meerwede auf Dortrecht, nahm dieſe Stadt ein,
ſchickte Partien um Wilhelmſtadt und Gertruidenberg zu beobach
ten und näherte ſich Breda. Zu gleicher Zeit nahm, auf Befehl
Bülow's, der General Oppen die zwiſchen der Waal und Maas
gelegene Inſel Bommeler-Waard ein. Der General Ambert,
welcher Breda mit neunhundert Neulingen und drei Geſchützen
eingenommen hatte, verließ dieſe befeſtigte Stadt auf Befehl
Decaen's, weil Letzterer ſeine Aufmerkſamkeit der Vertheidi
gung Antwerpens zuwendete. Benkendorf nahm Breda am
Ä ein und der Generalmajor Stahl bemächtigte ſich mit
ſeinem Koſaken-Detaſchemente Wilhelmſtadts und Gertruiden
bergs, wo große Vorräthe von Kriegsmunition gefunden wur
den (").
Indeſſen die Verbündeten ihre Erfolge häuften, erſchien in
London beim Prinzen von Oranien Wilhelm Friedrich die oben
erwähnte Deputation aus Holland mit dem Antrage die Regierung
des befreiten Landes anzutreten. Die Einwilligung erfolgte; die
Deputirten berichteten darüber nach Haag. Alsbald landeten in
Scheweningen 6,000 Mann engliſcher Truppen unter dem Be
fehle des Generalleutnants Graham, um der allgemeinen Sache
wirkſam beizutreten. Darauf beſchränkte ſich die engliſche Regie
rung nicht, ſie lieferte den Holländern Waffen und Uniformierung
für 25,000 Mann. Am 2 December n. St. langte der Prinz
von Oranien in Amſterdam an (").
Als Napoleon von dem Rückzuge Decaen's auf Antwerpen in
Kenntniß geſetzt war, trug er den Befehl über die Truppen in
Belgien dem Generale Maiſon auf; Lebrun trat an die Spitze der
Verwaltung des Landes; der General Rampon erhielt die Wei
ſung Horkum bis zum Aeußerſten zu vertheidigen, der General
Roguet ſich Bredas zu bemächtigen und mit Rampon in Verbin
dung zu treten, und Macdonald, der ſchon ein beträchtliches Corps
bei Nimwegen verſammelt hatte, Bülow hinter die Waal zurück
zudrängen. Roguet brach mit 6,000 Mann Infanterie, 800 Mann
Kavalerie und 30 Geſchützen am Ä December aus Antwerpen
auf und langte am folgenden Tage vor Breda an. Benkendorf
hatte bei ſeinem Detaſchemente in Allem vier leichte Geſchütze. Am
Ä December bewarf der Feind die Stadt mit Granaten. Abends
langten achtzehn zwölfpfündige Geſchütze, doch ohne Bedienung,
aus Wilhelmſtadt zu Waſſer bei den Verbündeten an. Benken
dorf und der preußiſche Major Steinäcker formierten Kanoniere
aus holländiſchen Freiwilligen, Koſaken und Jägern des Majors
Colomb, welcher ſich mit ſeinem Detaſchemente damals in Breda
– 310 –

befand. Nach dem Zeugniße Colomb's wetteiferten unter ſich Hol


länder, Preußen und Ruſſen, waren aber dadurch ſehr gehindert,
daß ſie einander nicht verſtanden; doch ungeachtet deſſen, daß die
Vertheidigung von Breda an den babyloniſchen Thurmbau erin
nerte, feuerten am Ä bei Tagesanbruch zehn Batterie-Geſchütze
auf den das Glacis einnehmenden Feind und nöthigten ihn zum
Rückzuge. Darauf langten die preußiſche Brigade Krafft und ein
Theil der engliſchen Truppen Graham's zur Hülfe Benkendorfs
an. Der General Lefebvre-Desnouettes, welcher den Befehl über
das Blokade-Detaſchement erhalten, zog ſich auf Hoogſtraten zu
rück (*).
Da die feindlichen Truppen, welche Belgien einnahmen, mit
dem bei Nimwegen ſtehenden Corps Macdonald's an 30,000
Mann zählten, ſo zog Bülow, der nach Aborderung der zur Ein
nahme des eroberten Landes nothwendigen Detaſchements nur
12,000 Mann zählte, die Brigade Borſtell an ſich. Letztere wurde
bei Weſel durch die Avantgarde des Corps Winzingerode erſetzt.
Bülow behielt keine hinlänglichen Kräfte, um mit Entſchiedenheit
zu verfahren, mußte ſich bis zum Schluße des Jahres auf den
kleinen Krieg beſchränken und blieb mit ſeinem Corps bei Breda.
Demnach war der ganze nördliche Theil der Niederlande vom
Feinde befreit und die Verbündeten konnten die Mittel, welche
ihnen das eingenommene reiche Land gewährte, benutzen (").
Kapitel XLVI.
Belagerungen der Feſtungen im Rücken der
verbündeten Armeen.

I n h a l t.
Die von Napoleon nach ſeinem Rückzuge hinter den Rhein eingenommenen Feſtungen. –
Zuſtand der Garniſonen. – Blokade Dresdens. – Verhalten des Grafen Tol
ſtoy. – Die von ihm erhaltenen Verſtärkungen. – Graf Klenau übernimmt den
Befehl über die verbündeten Truppen bei Dresden. – Uebergabe Dresdens. –
Aufſtellung Bennigſen's an der Elbe und ſeine Bewegung auf Hamburg. –
Belagerung und Uebergabe Stettins. – Belagerung und Uebergabe Zamoczs. –
Belagerung und Uebergabe Modlins. – Belagerung und Uebergabe Torgaus. –
Belagerung und Einnahme Wittenbergs mit Sturm. – Belagerung und Ueber
gabe Danzigs. – Belagerung und Uebergabe Erfurts. – Zahl der Gefangenen
und der in den eroberten Feſtungen aufgegriffenen Geſchütze. – Die in den
Händen der Franzoſen im Jahre 1814 gebliebenen Feſtungen.

Nach dem Rückzuge Napoleon's hinter den Rhein waren viele


Feſtungen im Herzogthume Warſchau und in Deutſchland von
den Franzoſen beſetzt geblieben, namentlich: Zamocz auf der
rechten Seite der Weichſel; Modlin und Danzig an der Weichſel;
Glogau, Cüſtrin und Stettin an der Oder; die Befeſtigungen
vor Dresden, Torgau, Wittenberg, Magdeburg und Hamburg
an der Elbe; Erfurt und Marienberg (die Citadelle von Würz
burg) zwiſchen der Elbe und dem Rheine, endlich Kehl, Caſtell
– 312 –

gegenüber Mainz und Weſel am Rheine. In allen dieſen Feſtun


gen und befeſtigten Städten befanden ſich an hundertvierzigtau
ſend Mann (!) größtentheils franzöſiſcher Truppen. Um ſo weni
ger behielt Napoleon in ſeiner activen Armee, daher war die
Belegung und Belagerung dieſer Feſtungen ſeitens der Verbün
deten von großer Einwirkung auf den Gang des Feldzuges im
Jahre 1814. Beinahe alle Feſtungen im Herzogthume Warſchau
und in Deutſchland unterwarfen ſich den Verbündeten im Jahre
1813. Indem ich die Beſchreibung der Belagerungen in der Ord
nung, wie die Feſtungen von den Verbündeten genommen wurden,
unternehme, wird es nicht überflüßig ſein, wenn ich einen Blick
auf den Zuſtand der Garniſonen werfe.
In allen deutſchen Feſtungen waren die Einwohner feindlich
gegen die Franzoſen geſtimmt und erwarteten die Verbündeten
als Erretter vom verhaßten Joche. Dieſer Umſtand vermehrte
die Drangſale ſowohl der Vertheidiger als der Bevölkerung der
Feſtungen. Die von außen umringten Franzoſen begegneten auf
jedem Schritte einer ſichtbaren Feindſeligkeit der Einwohner und
hielten ſich demnach für berechtigt ſie nicht zu ſchonen. Nicht nur
Lebensmittel, ſondern Geld und werthvolle Sachen wurden mit
Gewalt entnommen, als geſetzliche Beute. Die ärmſten der Ein
wohner waren aus den Feſtungen und befeſtigten Städten ver
jagt: im October und November 1813 wurden 3,000 Einwohner
aus Glogau verwieſen. Die Franzoſen ſchonten weder Geſchlecht
noch Alter. Die in den belegten Städten und Feſtungen geblie
benen Einwohner waren allen Schrecken des Hungers ausgeſetzt:
Pferdefleiſch war die gewöhnliche Nahrung; Truppen und Ein
wohner aßen Hunde, Katzen, und man ſagt, daß es in Danzig ſo
weit kam, daß die Belagerten ſich von Menſchenfleiſch ernährten.
Die Unterdrückungen und Gräuel, welchen die friedlichen Ein
wohner ausgeſetzt waren, vermehrten ſich durch den Leichtſinn der
– 313 –

Franzoſen, welche es für kein Verbrechen hielten, die Familien


ruhe ihrer Wirthe zu verletzen, indem ſie die Weiber ſchändeten.
Die Tempel Gottes und ihre Diener waren mißachtet und be
raubt, die Kirchen in Magazine und Pferdeſtälle verwandelt.
Die kranken Soldaten, welche nach dem Feldzuge in Rußland die
Hoſpitäler überfüllten, blieben ohne Aufſicht und jedem Man
gel ausgeſetzt, verbreiteten daher unter den Einwohnern an
ſteckende Krankheiten und Sterblichkeit; die Todten aber wurden
in großen Fuhren hinausgeführt und haufenweiſe in Gruben ein
geſcharrt. Nicht ſelten theilten die Leidenden, welche noch einen
Lebensfunken behielten, das Schickſal ihrer todten Gefährten und
wurden ein Opfer der Haſtigkeit ſeitens der Hoſpitaldiener. Es
verſteht ſich, daß die Franzoſen kein Mitgefühl bei einem Ein
wohner des Landes fanden, ausgenommen einige verächtliche Leute,
welche für Geld als Angeber und Spione dem Feinde dienten.
Nicht nur wurde die ganze Privatcorreſpondenz in den Feſtungen
entſiegelt und die Adreſſaten in Verantwortung geſetzt, ſondern
ein unvorſichtig im Familienkreiſe ausgeſprochenes Wort gab
Anlaß zur Verfolgung. Die Beſchuldigten wurden mit Verluſt
ihres Eigenthums, Gefängniß oder Verbannung beſtraft. Nicht
ſelten waren ſie zum Erſchießen oder zum Galgen verurtheilt (*).

Die Blokade Dresdens.

Der erſte von den ſeitens der Verbündeten belegten und von
ihnen eroberten Punkte war Dresden. Als Napoleon dieſe Stadt
am Ä verließ, blieb dort der Marſchall St.-Cyr mit dem
1-ten und 14-ten Corps und einem kleinen Theile von Kavale
rie, im Beſtande welcher ſich ein polniſches und ein italieniſches
Regiment befanden. In Allem zählte die Garniſon, die Kranken
– 314 –

inbegriffen, mehr als 35,000 Mann. General Graf Durosnel


war Commandant, Graf Dumas General-Intendant; viele Be
amten von der Intendantur befanden ſich auch in der ſächſiſchen
Hauptſtadt. Als Bennigſen mit ſeinen Hauptkräften ſich nach
Leipzig hin dirigierte, blieb der General Graf Tolſtoy mit
24,000 Mann und 64 Geſchützen zur Belegung der Stadt auf
der linken Seite der Elbe, von Recknitz an bis Plauen (*), und
auf dem rechten Ufer ſtellte ſich die öſtreichiſche Brigade des Ge
nerals Seebach auf (*). Der Brückenkopf gegenüber Pirna wurde
am Ä von den Truppen des Grafen Bubna mit Sturm
genommen. Ein Theil der verbündeten Truppen beobachtete das
ſtark befeſtigte Schloß Sonnenſtein; die nur von ſächſiſchen Trup
pen beſetzte Befeſtigung Königſtein war neutral erklärt (*).
Der vollkommene Mangel an Lebensmitteln bewog St.-Cyr
einen ſtarken Ausfall zu machen, um die Truppen Tolſtoy's zu
rückzudrängen und die Subſiſtenzmittel der umliegenden Gegend
Dresdens zu benutzen. Am # October führten die Franzoſen
einen Angriff in mehreren Kolonnen ſowohl in die Fronte als
zum Umgehen der linken Flanke Tolſtoy's, über Potſchapel und
Gitterſee, aus. Der Uebermacht der feindlichen Truppen unge
achtet kämpften die Ruſſen tapfer, die unerfahrnen, ſchlecht be
waffneten, beinahe nicht eingeübten Landwehrmänner konnten ſich
gegen die alten Krieger nicht halten und waren bis Zehiſta, mit
Verluſt von mehreren hundert Mann und ſieben Geſchützen, zu
rückgeworfen. Nach dem Zeugniße eines unparteiiſchen Geſchicht
ſchreibers „würden die Ruſſen ihre Stellung behauptet haben,
wenn die Truppen erfahrner und im Manövrieren geſchickter
geweſen wären. Die von den aſiatiſchen Grenzen her angelangte
Infanterie und die meiſtens aus Koſaken und Baſchkiren beſte
hende Kavalerie kämpften mit der ihnen angebornen Tapferkeit
beharrlich, gaben aber dem Feinde in der ſchnellen Bewegung
– 315 –

nach und konnten ihm nicht auf jedem Punkte mit hinreichenden
Kräften entgegentreten“ (*). Uebrigens war das Hauptreſultat
des Treffens vom - October die vollſtändige Ausplünderung der
Umgegend Dresdens ſeitens der Bundesgenoſſen des treuherzi
gen Königs von Sachſen. Alle Scheunen mit Getreide und Heu,
die Weinberge und alle Bienenſtöcke in der ganzen Gegend waren
vernichtet, das letzte den Einwohnern übrig gebliebene Vieh und
alles Gemüſe ohne Ausnahme war geraubt: beim Ausräuchern
der Bienen brannten viele Gebäude ab (*).
Einige Tage darauf langte aus Thereſienſtadt der Marquis
Chaſteller mit den übrigen Kräften ſeines Corps, 10,000 Mann
ſtark, zur Verſtärkung des ruſſiſchen Corps an (*). Am # Octo
ber rückten die Verbündeten auf den Feind vor und drängten ihn
von Neuem gegen Dresden zu ("), und am Ä erſchien von Leipzig
her der General von der Kavalerie Graf Klenau mit dem 4-ten
öſtreichiſchen Corps und übernahm den Befehl über die bei Dres
den verſammelten Truppen, deren Zahl ſich auf mehr als 45,000
Mann belief. Eine von den öſtreichiſchen Diviſionen, unter dem
Befehle des Fürſten Wied-Runkel, ſtellte ſich auf dem rechten Ufer
der Elbe auf, um die Verbindung St.-Cyr's mit Torgau zu
unterbrechen; die übrigen verbündeten Truppen beengten den
blokierten Feind auf dem linken Ufer. In der Stadt erwies ſich
Mangel an den unumgänglichſten Lebensmitteln, als Mehl und
Salz, anſtatt deſſen Pulver gebraucht wurde. Es fehlte auch an
Brennholz. Anfänglich wollte man die ärmſten Einwohner aus
der Stadt verjagen, ſpäter aber verzichtete man darauf, aus
Furcht, daß die obdachloſen Einwohner ſich den belagernden
Truppen anſchließen könnten. Zudem, in der Abſicht die Garni
ſon bis zum Aeußerſten zu beengen, erlaubten die Verbündeten
Niemandem Dresden zu verlaſſen. Die Franzoſen legten Be
ſchlag auf alle bei den Einwohnern nachgebliebenen Lebensmittel.
– 316 –

Der General-Intendant Dumas ertheilte den Gensd'armen den


Befehl die ſtrengſten Hausſuchungen anzuſtellen, um Vorräthe
aufzufinden, dabei äußerte er ſich: „mögen alle Dresdner Be
wohner umkommen ehe ein einziger franzöſiſcher Soldat vor Hun
ger ſtirbt“.
Die Nachricht von der Niederlage Napoleon's bei Leipzig und
das Vorrücken Klenau's auf Dresden bewogen St.-Cyr erwei
terte Maßregeln zur Vertheidigung der Stadt zu treffen: alle
Hauptſtraßen in den Vorſtädten wurden mit Verhauen, Palliſa
den, Barrikaden aus Fäſſern, Kiſten c. geſperrt. Viele Häuſer,
beſonders bei dem Willsdrufer und Pirnaſchen Schlage, wurden
in Blockhäuſer verwandelt. Endlich wurden die ſächſiſchen und
weſtphaler Truppen, auf welche die Franzoſen ſich nicht verlaſſen
konnten, entwaffnet und entlaſſen (").
Mehr und mehr wurde der Mangel an Lebensmitteln fühl
bar. St.-Cyr mußte ſich demnach zum Ausrücken nach Torgau
entſcheiden, um ſich mit den Garniſonen jener Feſtung und Wit
tenbergs auf Vereinigung mit Davouſt nach Magdeburg und
Hamburg hin zu wenden. Es unterliegt keinem Zweifel, daß dieß
ihm zu der Zeit gelungen wäre, als er den Grafen Tolſtoy zu
rückgedrängt hatte: die günſtige Gelegenheit war aber für immer
verſäumt.
Als St.-Cyr ſich für die Bewegung über das verwüſtete Land
entſchieden, befahl er ein drittel aller Vorräthe der reichſten Ein
wohner Dresdens zu entnehmen. Am Ä, bei Tagesanbruch,
rückten die franzöſiſchen Truppen, 14,000 Mann an der Zahl,
unter dem Befehle Mouton's, auf die Großenhainer Straße aus.
Zweihundert mit Proviant und verſchiedenen Gütern beladene
Wagen folgten ihnen. Die Vorpoſten der Diviſion Wied-Runkel
wurden geworfen, als aber die auf Prahmen von der linken
Seite der Elbe her abgefertigten Verſtärkungen zu ihr anlang
– 317 –

ten, konnten die Franzoſen ihre Bewegung nicht fortſetzen und


kehrten um vier Uhr Nachmittags nach Dresden zurück. Nach die
ſem mißlungenen Verſuche blieb ihnen nichts mehr übrig, als die
Stadt zu übergeben: die letzten Vorräthe waren verzehrt; Pferde
fleiſch ſchien ein Leckerbiſſen zu ſein; täglich ſtarben in den Mili
tair-Hoſpitälern zwei- bis dreihundert Mann und eben ſo viel
Einwohner. Eine Deputation der Dresdner Bürger erſchien mit
einem Briefe der Gemahlin des ſächſiſchen Prinzen Anton, Schwe
ſter des Kaiſers Franz, beim Generale Klenau; zugleich langten
bei ihm die ſeitens St.-Cyr's abgeſendeten Oberſten Rothkirch
und Marion an, um über die Uebergabe der Stadt zu unterhan
deln ("). Am Ä war die Capitulation unterzeichnet, in Folge
welcher „die Garniſon freien Abzug nach Frankreich erhielt, mit
der Bedingung, gegen die Verbündeten bis zum Auswechſeln nicht
zu dienen“. -

Graf Klenau ſetzte doch St.-Cyr ſchriftlich in Kenntniß, daß


er keine Vollmacht für den Abſchluß einer für die Garniſon ſo
vortheilhaften Capitulation beſitze und daher einer großen Ver
antwortung ausgeſetzt ſei; St.-Cyr aber ließ dieſe Warnung un
bemerkt, weil er ſobald als möglich Dresden verlaſſen und Klenau
ſeinerſeits die friedlichen Einwohner einem definitiven Untergange
nicht ausſetzen wollte, daher die ihm verliehenen Rechte über
ſchritt. Vom 12. bis zum 17. November n. St. dauerte der
Ausmarſch der franzöſiſchen Truppen aus der Stadt in mehreren
Echelons, nachdem jedes die Waffen niedergelegt. Sie rückten
über Sachſen nach Baiern; kaum aber hatte das erſte Echelon
Coburg erreicht, als die Nachricht anlangte, daß der Fürſt
Schwarzenberg, dem Willen der verbündeten Monarchen gemäß,
die Capitulation nicht beſtätigt habe, und daß es der Garniſon
freigeſtellt ſei, entweder ſich in Gefangenſchaft zu ergeben, oder
nach Dresden zurückzukehren und die Vertheidigung der Stadt
– 318 –

fortzuſetzen. St.-Cyr legte Einſprache gegen die Verletzung der


Capitulation ein, entſchied ſich aber nicht ſeine Truppen dem
Hunger auszuſetzen und zog die Gefangenſchaft vor. Die Gar
niſon, welche 1,759 Offiziere und 33,741 Mann untern Ranges
zählte (*), wurde nach Mähren und Ungarn abgeführt. In Ge
fangenſchaft geriethen: die Corps-Befehlshaber Marſchall St.
Cyr und Mouton (Graf Lobau), die Diviſions-Generale: Du
rosnel, der General-Intendant Dumas, Claparède, Bonnet,
Mouton-Duvernet, Bertezene, Rahout, Dumonceau, Gerard,
Caſſagne, Freire, und zwanzig Brigade-Generale. In der Stadt
fand man 94 franzöſiſche und 150 ſächſiſche Geſchütze; überhaupt
belief ſich die Kriegsbeute bis auf fünf Millionen Thaler.
Napoleon warf den Verbündeten die Verletzung des Vertrags
vor, Klenau trug aber hier allein die Schuld, da er ſich beeilt
hatte Bedingungen zu unterſchreiben, welche der ihm ertheilten
Weiſung nicht entſprachen. General Tolſtoy meldete dem Fürſten
Wolkonſky, daß „St.-Cyr bereit ſei die Stadt zu übergeben, wenn
er die Erlaubniß erhalte, ſich mit ſeinen Truppen in die andern
Feſtungen an der Elbe zu begeben“ (*). Darauf erhielt er fol
gende Antwort: „Der Kaiſer befiehlt, daß es dem Feinde durch
aus nicht erlaubt werde, aus Dresden in irgend eine andere
Feſtung überzugehen; in Betracht aber des bekannten Mangels
an Lebensmitteln in Dresden ſollte man deſſen Gefangenſchaft
zwecken (“). Dabei muß bemerkt werden, daß Niemand weniger
Recht hatte auf eine unbedingte Erfüllung der Verträge zu beſte
hen, als Napoleon, welcher in deren Verletzung niemals ſchwankte.
Nach der Uebergabe Dresdens rückten die Truppen des Gra
fen Tolſtoy nach Magdeburg und Hamburg hin; eine von den
Diviſionen des Corps Klenau wurde mit der böhmiſchen Armee
vereinigt, die übrigen zwei wurden nach Italien geſendet; die
Truppen Chaſteller's aber kehrten nach Bremen zurück (*).
– 319 –

General Bennigſen hatte am # October den Befehl des


Kaiſers Alerander erhalten, einen Theil der polniſchen Armee
zur Verſtärkung des Kronprinzen von Schweden abzuordern und
ſich mit den übrigen Truppen zwiſchen Dresden und Magdeburg
aufzuſtellen, um ihre gegenſeitige Verbindung zu unterbrechen.
Demnach ſendete er den Generalleutnant Graf Stroganow mit
18 Bataillonen, drei Artillerie-Compagnien und zwei Baſchkiren
Regimentern (*) und rückte ſelber mit den übrigen Kräften (")
auf Halle. Darauf, als Bennigſen am Ä das Blokade
Corps des Generals Hirſchfeld bei Magdeburg verſtärkt hatte
und ſelber auf Hamburg zu rückte, ſendete er den Generalmajor
de-Roſſi zeitweilig mit ſechs Bataillonen, einem Koſaken- und
einem Baſchkiren-Regimente und achtzehn Geſchützen (*) auf Mag
deburg und ging mit den übrigen Truppen der polniſchen Ar
mee (") auf Hamburg, belegte dieſe Stadt am Ä December (*)
vom rechten Elbufer aus, insgeſammt mit dem Corps des Grafen
Wallmoden, welcher Haarburg blokierte.

Die Belagerung Stettins.

Nach Beendigung des Waffenſtillſtandes war die Blokade


Stettins dem Generalmajor v. Pletz übertragen. Er beſaß
19 Bataillonen, 4 Schwadronen, 3 Batterien und eine Pionnier
Compagnie, in Allem 14,600 Mann (*). Die Garniſon, 8 (nach
andern Angaben 10) tauſend Mann, ſtand unter dem Befehle des
Generals Grandeau. Die Truppen und die Einwohner litten
großen Mangel an Lebensmitteln; die Krankheiten und die
Sterblichkeit, welche in der Stadt herrſchten, kann man daraus
ermeſſen, daß von den 22,000 Bürgern, welche die Februar
Liſten enthielten, im November nur 6,000 nachgeblieben waren,
– 320 –

die übrigen 16,000 hatten die Stadt verlaſſen oder waren ge


ſtorben. Die beträchtliche Zahl der Deſerteure bewog die fran
zöſiſche Armeepolizei zu erklären, daß der Eigenthümer jedes
Hauſes, aus welchem ein Soldat entläuft, einer Strafe von
600 Thalern unterworfen ſein würde, und, im Falle einer Zah
lungsunfähigkeit des Hausherrn, die Stadtcaſſa die Strafe von
6,000 Thalern zu entrichten habe (*).
General Pletz erhielt die Garniſon in immerwährender Un
ruhe, beſchoß die Stadt unaufhörlich und unternahm ſogar Erd
arbeiten, als habe er die Abſicht zu einer förmlichen Belagerung
zu ſchreiten. Solche Demonſtrationen waren um deſto nothwendi
ger, als im October das 8-te Reſerve-Regiment an die Elbe ab
ging und nur Landwehr nachblieb. Uebrigens wäre ein Bom
bardement für die Garniſon weniger ſchädlich geweſen, als der
den Verfall der Disciplin bewirkende Hunger. Die unaufhör
lichen Klagen der Einwohner über die von ihnen erlittenen Be
drückungen bewogen endlich den General Grandeau am Ä No
vember Unterhandlungen einzuleiten; da aber Tauenzien die
ſeitens Pletz bewilligten Bedingungen der Capitulation abwies,
auf deſſen Grund
ſo erfolgte am # November ein neuer Vertrag,
lage die Garniſon am Ä die Stadt mit allen in ihr ent
haltenen Kriegsvorräthen übergab und auf die rechte Seite der
Weichſel abgeführt wurde. Die Garniſon zählte 7 Generale,
250 Offiziere und 7,280 Mann untern Ranges, inbegriffen
1,400 Holländer, welche unverzüglich in ihr Vaterland entlaſſen
wurden. In der Stadt fand man 350 Geſchütze und eine große
Kriegsbeute. Die Sieger hielten ihren feierlichen Einzug in
Stettin mit Glockengeläute (*).
– 321 –

Die Belagerung Zamoezs.


Dieſe Feſtung war, wie früher, mit einundzwanzig Batail
lonen, drei Artillerie-Compagnien, fünf Schwadronen und drei
Koſaken-Regimentern, ungefähr 15,000 Mann an der Zahl, mit
36 Geſchützen, unter dem Befehle des Generals Ratt, belegt (*).
Dieſe Truppen waren theils mit Piken bewaffnet und beendigten
ihre taktiſche Ausbildung während der Blokade der Feſtung. Die
Nachricht vom Rückzuge Napoleon's hinter den Rhein bewog den
Commandanten, General Hauke, ſich am Ä November auf Ca
pitulation zu übergeben. Die Garniſon beſtand aus viertauſend
Mann Polen. Sie waren in ihre Wohnungen entlaſſen. In der
Feſtung fand man 130 Geſchütze (*).

Die Belagerung Modlins.


Im Verlaufe des Waffenſtillſtandes verſtärkte ſich die Garni
ſon durch die aus den Hoſpitälern entlaſſenen Geneſenen; es
waren ihrer an 6,500 Mann, größtentheils Litthauer Truppen.
Die Feſtung beſaß einen großen Vorrath von Lebensmitteln,
welche noch vor dem Kriege im Jahre 1812 geſammelt, doch
theilweiſe verdorben waren. Der Mangel an Unterkunft für die
Truppen entwickelte im Herbſte epidemiſche Krankheiten. Nach
Abzug des Corps Paskewitſch und der übrigen Truppen Bennig
ſen's nach Böhmen, blieb Modlin von neuntauſend Mann Land
wehr, unter dem Befehle des Generalleutnants Kleinmichel, be
legt. Da es ihm an Mitteln zur förmlichen Belagerung fehlte,
ſo willigte er in den freien Abzug der Garniſon ein. Kaiſer
Alerander aber beſtätigte dieſe Bedingung nicht; demnach war
der Commandant, Diviſions-General Dändels, genöthigt, ſich
mit allen ſeinen Truppen am 1 December n. St. in Gefangen
21
– 322 –

ſchaft zu ergeben. Von den dreitauſend Mann der Modliner Gar


niſon, waren die Franzoſen nach Grodno abgeführt, die Polen
und Litthauer in ihre Heimath entlaſſen und die Sachſen und
Würzburger erhielten die Erlaubniß nach Deutſchland zurückzu
kehren und ihre Waffen zu behalten. In der Feſtung wurden
120 Geſchütze gefunden (*).

Die Belagerung Torgaus.


Dieſe Feſtung beſtand aus acht, mit Curtienen vereinigten
Baſtionen, die einen Halbzirkel auf der linken Seite der Elbe
bildeten; vor der Feſtung liegt die ſtarke Befeſtigung Zinna,
welche man einnehmen muß, um ſich dem Hauptwalle zu nähern,
und die Befeſtigung Mahla; auf dem rechten Ufer der Elbe iſt
ein bedeutender Brückenkopf errichtet und zu deſſen beiden Seiten
ſind die Lünetten Zwetau und Werda erbaut. Bei Beendigung
des Waffenſtillſtandes beſtand die Garniſon aus 20,000 Mann,
unter welchen jedoch viele Kranken zählten. Am # September
kam der neue Gouverneur, Graf Narbonne, vormals Botſchaf
ter Napoleon's am Wiener Hofe, in Torgau an. Es war dieß
ein leutſeliger, rechtſchaffener Mann, von ſtandhaftem Charakter
und ſtreng in der Erfüllung ſeiner Pflichten.
Gleichzeitig mit der Schlacht bei Leipzig belegte die Brigade
des Generalleutnants Wobeſer Torgau von der rechten Seite der
Elbe; die Blokade auf dem linken Ufer war nach erwähnter
Schlacht den ſächſiſchen Truppen des Generals Ryſſel anvertraut.
Am # October rückte General Graf Tauenzien mit ſeinen
übrigen Truppen von Berlin auf Zerbſt, indem er die Brigade
des Generalmajors Dobſchütz und das 1-te Reſerve-Regiment
vom Corps des Generals Hirſchfeld zur Belagerung Wittenbergs
– 323 –

aborderte und ſelber mit der Brigade des Generalmajors Lin


denau die Elbe bei Coſwig überſchritt und am Ä Torgau
am linken Ufer belegte. Mitte November n. St. gingen die ſäch
ſiſchen, Torgau blokierenden Truppen und die Brigade Lindenau
nach Leipzig, um dort vom Generale Thielmann umformiert
zu werden. Am # ſtarb Graf Narbonne in Folge eines Sturzes
vom Pferde. Er war erſetzt vom Diviſions-Generale Graf Du
taillis. Beim Beginne der Belagerung beſchränkte ſich Tauenzien
auf Beſchießung der Feſtung; am Ä October aber ſchritt er zum
förmlichen Angriffe. In der Nacht vom Ä auf den Ä wurde die
erſte Parallele gegen die Befeſtigung Zinna angelegt und am fol
genden Morgen bei Tagesanbruch wurde ein heftiges Feuer aus
zwei Batterien eröffnet. Am # fand ein heftiger Ausfall der
Garniſon ſtatt, der aber mit Verluſt zurückgeſchlagen wurde. Un
geachtet des Froſtes, der die Erdarbeiten erſchwerte, wurden noch
einige Batterien auf beiden Ufern der Elbe errichtet. Darauf
forderte Graf Tauenzien den Commandanten zur Uebergabe der
Feſtung auf. Es erfolgte ein Waffenſtillſtand; da aber Dutaillis
die ihm vorgeſchlagenen Bedingungen abwies, ſo wurde das
Bombardement am Ä erneuert. In der Nacht vom #
auf den Ä verließ der Feind die wichtige Befeſtigung
Zinna. Der Verluſt dieſes Punktes und die große Einbuße an
Leuten in Folge der epidemiſchen Krankheiten bewogen den Com
mandanten zur Uebergabe der Feſtung. Am ? December wurde
die ganze Garniſon, 10,000 Mann an der Zahl, 4,000 Kranke
inbegriffen, gefangen und nach Schleſien abgeführt. In der
Feſtung fand man 250 Geſchütze und große Vorräthe von Kriegs
munition. Der König von Preußen ernannte den General Schü
ler von Senden zum Commandanten von Torgau. Da in allen
Kaſernen, Kaſematten und Hoſpitälern epidemiſche Krankheiten
niſteten, ſo traten die Trnppen, welche die Garniſon bilden ſoll,
– 324 –

ten, namentlich das 17-te ſchleſiſche Landwehr-Regiment und ein


Bataillon des 11-ten ſchleſiſchen Landwehr-Regiments, nicht eher
in die Stadt ein, als nachdem ſie vollkommen gereinigt war,
namentlich am Är.
Es ging das Gerücht in Deutſchland, als beſäße Napoleon
in Torgau große Schätze; demnach wurde eine eigene Commiſſion
eingeſetzt um ſie zu entdecken; das Gerücht bewies ſich aber als
ein falſches (*).

Die Belagerung Wittenbergs.


Die Feſtung Wittenberg, mit einer Garniſon von mehr als
dreitauſend Mann, war reichlich mit Lebensmitteln und Kriegs
vorräthen verſorgt; daher war eine förmliche Belagerung unum
gänglich, um ſich ihrer zu bemächtigen. Am Ä October belegte
die Feſtung die Brigade des Generals Dobſchütz und beunruhigte
die Garniſon im Verlaufe von zwei Monaten mit Bombardieren
aus Feldhaubitzen. Nachdem aber Torgau eingenommen war,
wurde die Belagerungs-Artillerie mit der gehörigen Munition
auf Wittenberg abgefertigt, und Tauenzien langte am # Decem
ber perſönlich in Coſwig an. In der folgenden Nacht wurde die
erſte Parallele eröffnet; der an die vorhergehenden Demonſtra
tionen gewöhnte Feind wendete keine Aufmerkſamkeit auf die Ar
beiten der Belagerer, welche demnach die erſte Parallele an der
Stelle der zweiten, 400–500 Schritt vom Hauptwalle und nicht
mehr als 200 von den, zwiſchen den Baſtionen errichteten, vorde
ren Werken anlegten. Unter der Leitung des Ingenieur-Oberſten
Plautzen und des Artillerie-Hauptmanns Bardeleben gingen die
Belagerungsarbeiten raſch vorwärts. In der Nacht vom #- auf
den 8.Är
Januar 18T wurde zur Errichtung der Breſche-Batterien ge

ſchritten. Letztere eröffneten ihr Feuer am Ä, ſetzten es


– 325 –

den ganzen folgenden Tag, gleichzeitig mit dem ſenkrechten Feuer


von vier Mörſern, fort. Da der Commandant der Feſtung, Divi
ſions-General Lapoype, einige Mal die Aufforderung zur Ueber
gabe der Feſtung zurückwies, ſo entſchied ſich Graf Tauenzien ſie
in der Nacht auf den F Januar zu ſtürmen. Der Prinz Auguſt
von Preußen, welcher ſich zwanzig Meilen weit von Wittenberg
befand, erhielt die Einladung ſich am Sturme zu betheiligen und
kam zeitig an. Da es den Belagerern nicht gelang eine Breſche
zu durchbrechen, ſo benutzten die preußiſchen Pionniere die Dun
kelheit der Nacht, um Stiegen aus Faſchinen herzuſtellen.
Die zum Sturme beſtimmten Truppen wurden unter den Be
fehl des Generalmajors Dobſchütz geſtellt (*). Um ein Uhr
Nachmittags hatten die Sturmkolonnen alle äußeren Befeſti
gungstheile und den Hauptwall eingenommen. General Lapoype,
der frühzeitig das Schloß, das Rathhaus und andere Gebäude
befeſtigt hatte, vertheidigte ſich in denſelben lange, war aber end
lich genöthigt die Waffen niederzulegen. Ueberhaupt wurden mehr
als 1,500 Gefangene, zwei Adler und 96 Geſchütze aufgegriffen.
Der Verluſt der preußiſchen Truppen bei dem Sturme beſtand
aus 8 Offizieren und 259 Mann untern Ranges; überhaupt
während der Belagerung aber aus 13 Offizieren und 632 Mann
untern Ranges. Das 11-te ſchleſiſche Landwehr-Regiment blieb
in der Feſtung; drei Bataillonen und drei Schwadronen wurden
auf Magdeburg geſendet, die übrigen Truppen über Erfurt nach
dem Rheine hin.
Der General von der Infanterie Graf Tauenzien erhielt für
die Einnahme Wittenbergs das große Kreuz des Ordens des
eiſernen Kreuzes und den Titel eines Grafen von Wittenberg (*).
– 326 –

Die Belagerung Danzigs.


Nicht lange vor der Einnahme Wittenbergs erlag die mäch
tige Feſtung, Danzig, den Waffen der Verbündeten.
Der Moniteur vom 26. Januar 1813 meldete: „Danzig, zur
Zeit eine unbezwingbare Feſtung, iſt von dreißigtauſend Mann
der beſten Truppen, unter der Anführung guter Generale, ver
theidigt; der Gouverneur der Stadt, General Rapp, iſt ein un
erſchrockener Krieger. Im Beſtande der Garniſon befinden ſich
viele Artillerie- und Genie-Offiziere; die Feſtung iſt mit Allem
für zwei Jahre verſehen“.
Während des Waffenſtillſtandes wurde das Blokade-Corps
des Herzogs Alerander von Würtemberg bis auf 35,000 Mann
gebracht. In dieſer Zahl befanden ſich 10 Bataillonen und
6 Schwadronen der oſt-preußiſchen Landwehr, mit einer ſechs
pfündigen Batterie, unter dem Befehle des Oberſten Dohna (*).
Beide Seiten benutzten den Waffenſtillſtand, um die Erdarbeiten
thätig auszuführen, und obgleich, auf Grundlage der abgeſchloſ
ſenen Convention, alle fünf Tage der nöthige Bedarf an Pro
viant in die Feſtung verabfolgt werden mußte, ſo war dieſe Be
dingung (wahrſcheinlich zur Vergeltung für den treuloſen Angriff
auf die Truppen Lützow's) nicht erfüllt. Es entſtand Mangel an
vielen nothwendigſten Bedürfniſſen und Verbreitung epidemiſcher
Krankheiten. General Rapp hatte keine Mittel zur Befriedigung
ſeiner Truppen mit dem Gehalte, daher belegte er die Stadt mit
einer Contribution von drei Millionen Franken. Um dieſes Geld
ſchneller einzutreiben, ließ er viele der reichſten Bürger verhaften
und drohete jeden zehnten Mann von ihnen erſchießen zu laſſen.
Als die Kriegsoperationen erneuert wurden, erging der Be
fehl, vierhundert in Bewahranſtalten aufgenommene Waiſen und
mehrere Tauſend der ärmſten, größtentheils bejahrter Einwohner
– 327 –

aus der Stadt zu verjagen. Dieſe Unglücklichen, dem Elende


preisgegeben, verdankten ihre Rettung blos der Großmuth des
Herzogs Alerander von Würtemberg, welcher ſich ihrer annahm.
Die Bedrückung der Bürger verbeſſerte die Lage der Truppen
nicht; Krankheiten vermehrten ſich mit jedem Tage, die Sterb
lichkeit nahm zu; aus den Offizieren, welche die ihnen unter
gebene Mannſchaft verloren, bildete ſich das ſogenannte „Regi
ment des Königs von Rom“, 1,600 Mann an der Zahl: Offi
ziere dienten hier als Soldaten; viele von ihnen, unter dem
Befehle des Capitains Chambure, der den Arm verloren hatte,
bildeten eine beſondere Schaar, die für Ausfälle und andere ge
fährliche Unternehmungen beſtimmt war und den Namen „der
Teufelsbrüder“ und „der hölliſchen Kolonne“ führte (").
Nach Beendigung des Waffenſtillſtandes, am Ä Auguſt, hatte
der Herzog von Würtemberg viele Waffen und Congrev-Raketen
ans England erhalten: darauf entſchied er ſich zur förmlichen
Belagerung Danzigs zu ſchreiten, unterdeſſen aber unterließ er
nicht den Feind, wie früher, durch unaufhörliche Angriffe zu be
unruhigen und zu ermüden. Der Hauptanordner der Belage
rungsarbeiten war der preußiſche Major Pullet, der im Jahre
1807 einen thätigen Antheil an der Bewaffnung und Vertheidi
gung Danzigs genommen hatte.
1
Am Ä Auguſt nahmen die Belagerer zwei Redouten unweit
%29

Ohra (') und am folgenden Tage den Wald in der Nähe der
Vorſtadt Langefuhr ein. General Rapp machte ſeinerſeits einen
großen Ausfall bei Pitzkendorf, wurde aber mit Verluſt zurück
geworfen. Bei dieſer Gelegenheit zeichnete ſich beſonders der
Oberſt Traſkin mit dem Infanterie-Regimente Aſow aus;
darauf wendete ſich der Feind auf den Langefuhrter Wald, auch

(') Plan der Umgegend Danzigs.


– 328 –

dort aber ohne Erfolg. Sein Verluſt belief ſich überhaupt auf
mehr als 1,600 Mann; die Verbündeten verloren nicht mehr als
600 Mann, deſſen ungeachtet, daß die Artillerie der Belagerten
mehr als 10,000 Schüſſe gemacht hatte (*).
Am ÄF griff der Herzog den Feind wieder an; es galt
die Einnahme der Vorſtadt Langefuhr und des Höfchens Schel
mühle. „Da ich erfahren, daß der General Rapp ſehr lange am
Tiſche ſitzt – ſchrieb der Herzog in ſeinem Berichte über dieſen
Angriff – hatte ich einen unerwarteten Ueberfall um 5 Uhr Nach
mittags angeordnet“. Der Feind wurde überrumpelt und geworfen.
Um ihn von der Feſtung abzuſchneiden, rückte auf den Weg der
dorthin aus Langefuhr führt, der Oberſt Fürſt Balatuk mit zwei
tartariſchen Regimentern, unterſtützt von einem Bataillone des
2-ten Jäger- und zwei Bataillonen des Niſowſchen Regiments,
vor. In einer halben Stunde waren Langefuhr und beinahe alle
nächſten äußeren Werke genommen. Als aber der Feind aus den
letzten zwei Blockhäuſern vertrieben war und ſich in die Feſtung
zurückzog, warfen ſich die tartariſchen Regimenter ihm entgegen
und tödteten viele Leute. Da rückte General Rapp auf die Ver
bündeten in drei Kolonnen, deren jede nicht weniger als zwei
tauſend Mann enthielt, aus und unterſtützte ſie mit Feldartille
rie und mit 50 vierundzwanzigpfündigen Geſchützen. Rapp war
aber mit Bajonetten empfangen und zog ſich in die Feſtung mit
einem Verluſte von mehr als 1,500 Mann zurück. Der Verluſt
der Verbündeten belief ſich auf mehr als 500 Mann (*).
Auf dieſe Art hatten ſich die Belagerer ſo ſehr der Feſtung
genähert, daß ſie den Angriff auf den Hauptwall beginnen konn
ten. Die Kanonier-Flotille, unter dem Befehle des Contre
Admirals Greig, fuhr mehrere Mal in die Mündung der
Weichſel ein und bombardierte Weichſelmünde und Neufahr
waſſer (").
– 329 –

Der Herzog von Würtemberg, in der Abſicht die erſte Paral


lele zu eröffnen, wollte ſie in der Flanke decken, weshalb die
Vorſtadt, die Schottenhäuſer und die vor derſelben erbauten drei
Redouten genommen werden mußten; um aber die Aufmerkſam
keit des Feindes abzuleiten, wurde ein falſcher Angriff von Lange
fuhr aus auf das Oliwaer Thor angeordnet. Beim Eintritte der
Nacht vom Ä auf den Ä fing der Kampf mit einer Ka
nonade, einem Bombardement und dem Feuer von Congrev
Raketen von der Seite des Oliwaer Thors an. Die Stadt fing an
mehreren Stellen Feuer. Dieß bewog Rapp den größten Theil
der Garniſon gegen Langefuhr hin zu concentrieren. Darauf rück
ten die verbündeten Truppen (*) raſch auf die Vorſtadt Schotten
häuſer und nahmen die davor gelegenen Redouten ein. Als end
lich General Rapp das wahre Ziel der Belagerer erkannte, wen
dete er ſich auf die Schottenhäuſer und bemächtigte ſich zwar der
Vorſtadt und der Redouten, verlor ſie aber wieder und wurde
auch noch aus einigen Blockhäuſern hinausgeworfen. Dieſes
Treffen dauerte ganze zehn Stunden und koſtete den Franzoſen
bis an tauſend Mann, worunter an vierhundert Tapfere von der
Schaar Chambure's. Seitens der Verbündeten belief ſich der
Verluſt überhaupt auf ungefähr 680 Mann (430 Ruſſen, 246
Preußen). In der Zahl der Todten befand ſich der Oberſt Boga
jewſki vom 3-ten Jäger-Regimente. Beſonders hatten ſich hervor
gethan: der preußiſche Oberſt Graf Dohna, Major Julius vom
Regimente Brianſk, Major Grinewitſch vom Regimente Wolhy
nien, Stabs-Capitain Korf von der reitenden Artillerie-Com
pagnie MF 19, Oberſt Campel im engliſchen Dienſte und Leut
nant Gelbel, Commandeur der engliſchen Raketen-Batterie (*).
Die Einnahme der Schottenhäuſer erleichterte dem Herzoge
von Würtemberg die Mörſerbatterien in der Nähe der Feſtung
einzurichten und mit ſenkrechten Schüſſen auf den Centralpunkt
– 330 –

der Stadt, die Speicher-Inſeln, wo ſich größtentheils die feind


lichen Magazine befanden, zu wirken. In der Nacht vom
Ä. auf den Ä wurden mehr als hundert Gebäude mit
2. November

Mehl, Zwieback und anderm Proviante verbrannt. In der folgen


den Nacht bemächtigten ſich die Verbündeten der Vorſtädte Schied
litz und Stolzenberg (“) und legten die erſte Parallele gegenüber
dem Biſchofsberge, der ſchwächſte Punkt der Feſtung, an. In der
Nacht vom #- auf den Ä wurde die Redoute auf dem Zi
gankenberge mit Sturm genommen. Dieſer Erfolg deckte die
Laufgräben in der linken Flanke. Der Verluſt der Verbündeten
in dieſen Gefechten überſtieg keine fünfhundert Mann (*).
Am - November wurde das Feuer aus allen Batterien der
erſten Parallele (in Allem 130 Geſchütze) eröffnet. Sie erlangten
bald das Uebergewicht über die feindliche Artillerie; viele von
den Feſtungswerken, unter andern die Redoute Frioul und die
Lünette Clarke, wurden zerſtört und von den Franzoſen verlaſ
ſen. Die Belagerer beeilten ſich die erſtere einzunehmen und da
durch die rechte Flanke ihrer Laufgräben zu decken. In der Nacht
auf den Ä November verließ der Feind gutwillig die Redouten
in der Nähe des Biſchofsberges, genannt die Jeſuiten- und Juden
ſchanze, und gab die Häuſer in der Vorſtadt Alt-Schottland und
die Jeſuitenkirche den Flammen preis. Eine von den Bomben
der Belagerer ſprengte den Pulverkeller auf dem Biſchofsberge.
Die Beſtürzung, welche dieſes Ereigniß in der Garniſon hervor
brachte, trug zum Erfolge der Belagerungsarbeiten bei. Die Ver
bündeten errichteten ſechs neue Batterien, näherten ſich dem Pe
tershager Thore und zerſtörten den Biſchofsberg dermaßen, daß
ſie in kurzer Zeit ſchon zum Sturme ſchreiten konnten. Alle dieſe
Umſtände nöthigten Rapp Unterhandlungen anzuknüpfen(*). Am

(') Plan der Belagerung Danzigs im Jahre 1813.


– 331 –

erfolgte Waffenſtillſtand und zwei Tage darauf wurde die


Capitulation Danzigs unterſchrieben, in Folge welcher die Gar
niſon dieſer Feſtung ſich verpflichtete am ÄT die Feſtung
zu räumen; die Befeſtigungen Weichſelmünde und Holm aber, ſo
auch die Schlüſſel des Oliwaer Thors, den Verbündeten am ÄDe
cember übergeben werden ſollten, und die Garniſon mit Kriegs
ehren freien Abzug nach Frankreich unter der Bedingung auf
Ehrenwort erhielt, gegen die Verbündeten ein Jahr und einen
Tag bis zur Auswechſelung nicht zu dienen, c. (").
Kaiſer Alerander beſtätigte dieſe Capitulation nicht und for
derte, daß der General Rapp mit allen ſeinen Truppen ſich ge
fangen gebe. Der Herzog von Würtemberg berief einen Kriegs
rath. Es wurde dem Kaiſer vorgeſtellt, daß es nicht möglich ſei
die Belagerung fortzuſetzen und die Truppen, beſonders aber die
Belagerungs-Artillerie, beim Uebergange aus dem Belagerungs
zuſtande in die Blokade großer Gefahr ausgeſetzt ſein würden.
Der Kaiſer beſtand aber auf die unabweisbare Erfüllung der von
ihm bezüglich der einzunehmenden Feſtungen vorgeſchriebenen
Regeln ("). Unterdeſſen verließen Danzig Anfangs December
a. St. drei Bataillonen und eine Artillerie-Abtheilung von den
Truppen des Rheinbundes (*).
In Folge der Beharrlichkeit des ruſſiſchen Monarchen wurde
(l. Ä December eine neue Capitulation abgeſchloſſen, auf Grund
lage welcher General Rapp die Feſtung am Ä7 verließ
und ſich mit der ſämmtlichen Garniſon gefangen gab (*). Auf
dieſe Art wurde die Blokade Danzigs, welche elfeinhalb Monate
gedauert hatte, zu Ende gebracht. Gefangen wurden die Divi
ſions-Generale: Graf Rapp, Grandjean, Heudelet, Franceschi,
Bachelu, Cavaignac, Lepune und Campredon, ſechs Brigade
Generale, mehr als tauſend Offiziere und 9,000 Mann untern
Ranges franzöſiſcher Truppen; an 6,000 Polen wurden in ihre
– 332 –

Heimath-entlaſſen. In der Feſtung fand man mehr als 1,300


Geſchütze. Von 60,000 Einwohnern waren 13,000 am Leben ge
blieben; von 4,000 Häuſern hatten vom Bombardement 970
gelitten. Nach der Uebergabe der Feſtung, welche unverzüglich
von der preußiſchen Regierung in Beſitz genommen war, wurde
zum Gouverneur der Generalleutnant Maſſenbach ernannt; die
preußiſche Landwehr zog in die Stadt ein, die ruſſiſchen Milizen
wurden in ihre Heimath entlaſſen und die ruſſiſchen regulairen
Truppen vereinigten ſich mit der im Herzogthume Warſchau can
tonierenden Armee (*).

Die Belagerung Erfurts.


Dieſe Stadt und deren Citadellen Petersberg und Cyriaks
burg, ehedem Klöſter, waren auf Befehl Napoleon's ſorgfältig
befeſtigt und nach ſeinem Rückzuge erhielten ſie eine Beſatzung
von 5,000 Mann, von welchen doch nur 2,000 waffenfähig waren.
Den Befehl führte der Diviſions-General d'Alton. Ende Octo
bern. St. belegte das preußiſche Corps Kleiſt die Stadt; wegen
Mangel aber an Belagerungs-Geſchütz konnte er nicht ſogleich
zum förmlichen Angriffe ſchreiten. Nachdem aber öſtreichiſches
ſchweres Geſchütz eintraf, errichtete General Kleiſt einige Bat
terien, fing am Ä das Bombardement an und verwandelte
mehr als hundert Häuſer in Aſche. In Folge deſſen wurde ein
Waffenſtillſtand abgeſchloſſen, in welchen Kleiſt in der Hoffnung
einwilligte, daß der Feind ſich zur Uebergabe entſcheiden würde.
Der Waffenſtillſtand dauerte vierzehn Tage und gewährte den
Belagerern den Vortheil, daß ſie aus Thereſienſtadt und Baiern
Artillerie und die dazu gehörige Munition erhalten konnten. Ge
neral d'Alton benutzte ſeinerſeits dieſe Zeit, um den Erfurter
Bürgern eine beträchtliche Contribution an Geld, Brennholz,
Tuch c. aufzuerlegen.
– 333 –

Am Ä November fingen die Belagerungsarbeiten wieder an


und wurden thätig fortgeſetzt. General d'Alton überzeugte ſich
von der Unmöglichkeit den Angriff auf die Stadt mit Erfolg ab
zuwehren und ging am Ä December eine Convention ein, in
Folge welcher Erfurt geräumt und er ſich am Ä in die Ci
tadelle zurückziehen ſollte. Unterdeſſen war ein Waffenſtillſtand
abgeſchloſſen.
Nachdem die preußiſchen Truppen Erfurt eingenommen, rückte
das Corps Kleiſt zur Vereinigung mit den Hauptkräften Blü
cher's nach dem Rheine hin. Zur Beobachtung der Citadelle von
Erfurt blieb der Generalmajor Magow mit ſechs Bataillonen des
6-ten und 10-ten Reſerve-Regiments, vier ſchleſiſchen Landwehr
Regimentern, dem 7-ten, 8-ten, 9-ten und 10-ten (jedes im Be
ſtande von einem ſchwachen Bataillone), dem 1-ten und 2-ten
ſchleſiſchen Landwehr-Kavalerie-Regimente, der ſechspfündigen
Fuß-Batterie vMF 14 und der 7-ten Feld-Pionnier-Compag
nie (*).
Auf dieſe Art waren zu Anfange des Jahres 1814 acht befe
ſtigte, vom Feinde in Deutſchland und im Herzogthume Warſchau
eingenommenen Städte und Feſtungen von den Verbündeten be
zwungen. An achtzigtauſend Mann hatten das Gewehr geſtreckt;
die Zahl der in den Feſtungen aufgegriffenen Geſchütze belief
ſich bis an zweitauſendfünfhundert. Im Rücken der verbündeten
Heere weheten die feindlichen Fahnen nur auf den Mauern von
Glogau, Cüſtrin, Magdeburg, Hamburg und den Citadellen von
Erfurt und Würzburg. Die Beſchreibung der Belagerungen dieſer
befeſtigten Punkte, welche ſich erſt nach Beendigung des Krieges
ergaben, gehört zur Beſchreibung der Ereigniſſe des Jahres 1814.
– 234 –

S ch l u ß.
Der Krieg im Jahre 1813 für die Unabhängigkeit Deutſch
lands endete mit dem Rückzuge der traurigen Ueberbleibſel der
mit bewundernswerther Energie, während der kurzen Zeit des
Waffenſtillſtandes, von Napoleon formierten Armee. Wenn man
in Betracht nimmt, daß er in dieſem Jahre zwei Heere zuſammen
gebracht hatte, ſo erweiſt es ſich, daß der Verluſt der Franzoſen
im Kampfe, den ſie in Deutſchland beſtanden, beinahe eben ſo
beträchtlich war, als derjenige, welchen ſie im ruſſiſchen Kriege
erlitten. Aus der Zahl der im April 1813 verſammelten Trup
pen hatte Napoleon vor dem Waffenſtillſtande an vierzigtauſend
Mann verloren; nach dem zweiten Feldzuge aber blieben von
den vierhunderttauſend Mann, welche bei deſſen Beginn formiert
waren, kaum ſiebzigtauſend nach, die den Rhein überſchritten,
und in der Folge wurde deren größter Theil auch noch ein Opfer
epidemiſcher Krankheiten. Demnach erweiſt es ſich, daß Napoleon
in dieſem Feldzuge an dreihundertdreißigtauſend Mann verloren
hat. Außerdem zählten im Ausgange des Jahres 1813 und im
Beginne des Jahres 1814 die franzöſiſchen Garniſonen in den
Feſtungen Deutſchlands und des Herzogthums Warſchau an
Todten und Gefangenen einen Verluſt von wenigſtens achtzig
tauſend Mann. Es betrug alſo der Verluſt Napoleon's im Kriege
des Jahres 1813 mehr als 410,000 Mann.
Obgleich ſich „die große Armee“ bei der Zurückkunft Napo
leon's nach Paris im elendeſten Zuſtande befand, ſo konnte
Frankreich doch mit Hülfe ſeiner Vaſallen mit Erfolg Krieg
gegen Rußland und Preußen führen. Die Siege bei Lützen und
Bautzen, wenn auch deren Ergebniſſe ärmlich ausgefallen waren,
gaben Napoleon doch die Mittel die Ruſſen hinter die Oder zu
rückzutreiben und die preußiſche Armee zu erdrücken, ehe ſie Zeit
– 335 –

gehabt hätte Verſtärkungen an ſich zu ziehen. Napoleon fehlten


aber beſtimmte Anzeigen ſowohl über die Schwächung der ruſ
ſiſch-preußiſchen Truppen, als über die Zerwürfniſſe unter den
Verbündeten – die gewöhnlichen Folgen mißglückter Unterneh
mungen. Er wußte nur, daß ſeine eigenen, meiſtens aus fremden
Nationalitäten beſtehenden, in Kämpfen und Feldzügen nicht ein
geübten Truppen, in Unordnung gerathen und höchſt erſchöpft
waren. Ohne in Betracht nehmen zu können, daß ſeine Gegner
ſich in keinem beſſern Zuſtande befanden, willigte er in den Waf
fenſtillſtand ein. Während dem zweimonatlichen Unterbrechen der
Feindſeligkeiten hatte er eine ungeheuere Armee aufgetrieben.
Die Verbündeten wußten dieß, und obgleich ſie die Mitwirkung
Oeſtreichs erwarteten, machten ſie Napoleon doch ſolche Friedens
vorſchläge, welche ihn in die Verfaſſung ſetzten, ſich zu verſtärken
und im Verlaufe einiger Jahre wieder die Herrſchaft über Eu
ropa zu erlangen. Napoleon begriff aber ſeine Lage nicht: er
entſchied ſich den gordiſchen Knoten, mit welchem die öſtreichiſche
Politik ihn umſtrickt hatte, mit dem Schwerte zu zerhauen.
Des nummeriſchen Uebergewichts der verbündeten Kräfte un
geachtet, blieb beim Beginne des zweiten Feldzuges die Sieges
göttin ihrem Lieblinge treu. Den im Kampfe bei Dresden er
rungenen, glänzenden und vollkommen verdienten Erfolg aber
benutzte Napoleon nicht. Die Folge davon war die Niederlage
Vandamme's bei Kulm. Und unterdeſſen rechtfertigten die wür
digſten von den Kampfgenoſſen Napoleon's ſein Zutrauen nicht:
der obgleich vorſichtige Macdonald war voreilig genug, um auf
einen viel zahlreicheren Gegner zu ſtoßen und erlitt an der Katz
bach eine vollſtändige Niederlage; der unerſchrockene Oudinot,
Ney, der tapferſte aller Tapferen (le brave des braves), wirkten
ſchwach, unentſchieden und wurden beſiegt bei Groß-Beeren und
Dennewitz; Davouſt ließ mehr als einmal die Gelegenheit ent
– 336 –

ſchlüpfen, das ihm gegenüberſtehende ſchwache Corps Wall


moden's zu vernichten. Ueberhaupt erwies es ſich, daß Napoleon,
nach zwanzigjährigen adminiſtrativen Mühen und unaufhörlichem
Kriegsgetümmel, noch ſeine volle, zur Ausführung großer Thaten
erforderliche Energie bewahrt hatte, daß aber im Gegentheile
ſeine Marſchälle, überſättigt mit Ruhm und Ehren, ſich nach
friedlichem Leben und Ruhe ſehnten.
Zuletzt, nach vielen blutigen Kämpfen, ſchloſſen die Verbün
deten Napoleon von mehreren Seiten in einen engen Kreis ein.
Es ſchlug die Stunde der Völkerſchlacht bei Leipzig! Hier, zum
letzten Mal, hatte das kriegeriſche Genie die Gelegenheit, unge
achtet der Uebermacht der verbündeten Heere, den Erfolg auf ſeine
Seite heranzuziehen. Napoleon führte bei Gülden-Goſſa einen
fürchterlichen Schlag aus, wiederholte ihn aber nicht mit friſchen
Kräften und verſchaffte ſeinem, für die Freiheit Deutſchlands und
unſers ganzen Welttheils kämpfenden Gegner Zeit hinlängliche
Kräfte beim bedroheten Punkte zu vereinigen und die Gefahr
abzuwenden. Es gelang Napoleon nicht das Centrum der Haupt
Armee zu durchbrechen. Seine Truppen waren zum Rückzuge ge
nöthigt, konnten ſich darauf noch ein Mal mit ſeinen Feinden
meſſen, erlitten aber großen Verluſt und zogen ſich in elendem
Zuſtande hinter den Rhein zurück.
Die Verbündeten eröffneten den erſten Feldzug in Deutſch
land unter der Anführung des Grafen Wittgenſtein, welcher großen
Ruhm in Rußlands vaterländiſchem Kriege geerntet hatte. In
Deutſchland befand er ſich aber in andern perſönlichen Verhält
niſſen als im Jahre 1812: anſtatt der eifrigen Mitwirkung der
ihm untergebenen Generale und örtlichen Behörden, fand er auf
jedem Schritte Hinderniſſe ſeitens der Verwaltung eines von
Napoleon verwüſteten Landes, nicht weniger auch ſeitens der
ihm untergebenen älteren Generale: Barklay, Miloradowitſch,
– 337 –

Blücher. Nach der Schlacht bei Bautzen wurde der Oberbefehl


über die verbündeten Armeen Barklay de-Tolli übertragen. Nicht
lange führte ihn Barklay, der ſich nur durch ſehr verſtändige An
ordnungen in adminiſtrativer Hinſicht, im Bereiche der ruſſiſchen
Armee, ausgezeichnet hatte. Bei Beendigung des Waffenſtillſtan
des war kein Oberbefehlshaber über die verbündeten Truppen
ernannt. Dieß gab den auswärtigen Schriftſtellern Anlaß zu be
haupten, daß die verbündeten Monarchen der Meinung geweſen
ſeien, als ob Niemand von den ältern ruſſiſchen Generalen die
Eigenſchaften eines Oberfeldherrn beſäße. Ganz anders aber
verhielt ſich die Sache: dem Kaiſer Alerander war es um den
Erfolg ſeines Unternehmens, nicht um einen flüchtigen Eintags
ruhm zu thun. Von dem Kaiſer ging der Vorſchlag aus den
Oberbefehl auswärtigen Feldherren zu übertragen: Schwarzen
berg – über die Armee, welche zur Hälfte aus öſtreichiſchen
Truppen beſtand und Böhmen decken ſollte; Blücher – über die
zur Vertheidigung Schleſiens beſtimmte Armee; dem Kronprinzen
von Schweden – über die ſeiner Operationsbaſis am nächſten
ſtehende Armee. Indem der Kaiſer ſich für dieſe Einräumung
entſchied, behielt er ſich das Recht vor, nicht nur über ſeine Trup
pen, ſondern auch über die ſeines treuen Bundesgenoſſen, Frie
drich Wilhelm, zu verfügen. Die Betheiligung des ruſſiſchen
Kaiſers hatte die vortheilhafteſten Folgen in der Schlacht bei
Kulm und beſonders in der Völkerſchlacht bei Leipzig. Die unter
dem Befehle fremder Feldherren kämpfenden Ruſſen pflückten
allenthalben Lorbeeren. Bei Kulm retteten ſie – und ſie allein –
die Haupt-Armee. An der Katzbach entſchieden ſie den Sieg. Bei
Leipzig hielten ſie den im Centrum der Haupt-Armee durchge
brochenen Feind zurück und eroberten einen der ſtärkſten Punkte
der feindlichen Stellung, den Ort Schönfeld; den Verluſt, den
die ruſſiſchen Truppen in dieſer blutigen Schlacht erlitten, giebt
22
– 338 –

allein ſchon das Maß ihrer Betheiligung an der Befreiung


Deutſchlands. Lüneburg, Halberſtadt, Göhrde, Altenburg, Caſ
ſel waren Zeuge von der Tapferkeit und Geſchicklichkeit der
ruſſiſchen Parteigänger. Mehr als ein halbes Jahrhundert iſt
verfloſſen: das Gute, welches der Kaiſer Alerander erfüllt hat,
lebt noch im Gedächtniße der Völker, welche ſeinem hellen Ver
ſtande, ſeiner Großmuth ihre Unabhängigkeit verdanken. Einige
militairiſche Schriftſteller nur, welchen Dankbarkeit eine drückende
Bürde iſt, ſuchten den Ruhm des ruſſiſchen Kaiſers und der ruſ
ſiſchen Krieger zu verdunkeln. Wir wollen parteiiſche Ausſagen
nicht widerlegen. Aus den zuverläſſigen, von Zeugen und Theil
nehmern vorgeführten Thatſachen, möge die Wahrheit hervor
leuchten !

E n d e.
Er r a t a

des zweiten Bandes zweiten Abſchnittes.

Das Wort „Bataillonen“ im Nominativ, Genitiv und Accuſativ des Pluralis


iſt mit „Bataillone“ zu erſetzen.
Seite Zeile Anſtatt Lies

8 6. 7 ausgenommen welche ausgenommen, welche


12 19 Regiment Schiron Regiment Schirow
12 v. unt. 7 Arelſen Arolſen
19 8 Erreter Erretter
117 8 Wittgenſteiu Wittgenſtein
219 8 den DeN

226 2 feindlichen feindliche


Beilagen.
Beilagen zum Kapitel XXXW.

(1) Schriftliche Vorlage des Generalmajors Toll dem Fürſten Schwarzen


berg vom Ä
(2) Beſtand des Detaſchements des Generals Thielmann: Ruſſiſche Trup
pen, unter dem Befehle des Oberſten Orlow: drei Koſaken-Regimenter und zwei,
Geſchütze Koſaken-Artillerie; öſtreichiſche Truppen: von dem Huſaren-Regimente
Heſſen-Homburg und dem Regimente der Chevauxlegers Klenau je zwei Schwa
dronen; preußiſche Truppen, unter dem Befehle des Generalmajors Prinz Biron
von Kurland: vom 2-ten ſchleſiſchen Huſaren- und ſchleſiſchen National-Huſaren
Regimente je zwei Schwadronen.
(3) Plotho. Der Krieg in Deutſchland und Frankreich in den Jahren 1813
und 1814. II. 180–181.
(4) Förſter. Geſchichte der Befreiungskriege 1813, 1814 und 1815. II.
28–29.

(5) Beitzke. Geſchichte der deutſchen Freiheitskriege. II. 398–399.


(6) Bezüglich des Beſtandes und der Zahl der Truppen Lefebvre-Des
nouette's ſind die Anzeigen ſehr verſchieden: bei Vaudoncourt (Histoire de
la guerre soutenue par les Français en Allemagne en 1813. 182.)
viertauſend Mann; bei Richter (Geſchichte des deutſchen Freiheitskrieges. Il.
113.) und Beitzke (II. 399.) achttauſend Mann u. ſ. w.
(7) In den Detaſchements Graf Platow und Fürſt Kudaſchew befanden
ſich die Regimenter: Ataman, Grekow 5, Tſchernoſubow 5, das 1-te Teptiar
ſche, Tſchikilew 1 und das Tſchernomorſche mit 10 Geſchützen der donſchen
Artillerie. Plotho. 218. – Laut des Verzeichniſſes der Truppen vom 1. Sep
tember, unterſchrieben von Barklay de-Tolli, hatte der Fürſt Kudaſchew zwei
Geſchütze, Platow gar keine. -
(8) Im Detaſchement des Rittmeiſters Colomb befanden ſich 9 Offiziere
und 160 Mann unteren Ranges verſchiedener Regimenter der preußiſchen Ka
valerie. Aus dem Tagebuche des Rittmeiſters v. Colomb. 87.
(9) Im Detaſchement des Grafen Pückler befanden ſich 50 Huſaren des
Brandenburger Regiments und 30 Koſaken des 4-ten ukrainiſchen Regiments.
Plotho. II. 218.
(10) Plotho II. 232–234. – Journal der Kriegsoperationen, unter
ſchrieben vom Fürſten Wolkonsky. – Vaudoncourt. 182–183.
(11) Schreiben des General-Adjutanten Fürſt Wolkonsky an den Grafen
Platow, vom 20. September a. St. (Journal der abgehenden Schriftſtücke.)
(12) Plotho II. 307–308. – Richter. II. 115–116. – Beitzke. II.
453–454. – Specht. Das Königreich Weſtphalen und ſeine Armee im Jahre
1813 97–105.

(13) Specht. 4–36


(14) Specht. 69–83.
(15) Specht 86–88.
(16) Specht 88–89.
(17) Specht. 95–96
(18) Specht. 137–139.
( 19) Beſtand des Detaſchements Tſcherniſchew:
Bei Specht 146. Bei Balmen, Oberſtleutn.(Manuſcript)
Vom comb. Huſaren-Regim. 3 Schw. Vom Huſaren-Regim. Iſium 2 Schw.
„ Huſaren-Reg. Iſium 3 „ „ Dragoner-Reg. Riga 2 „
„ Drag-Reg. Finnland 2 „ / „ Finnland 2 „,
Koſaken-Regimenter: Koſaken-Regimenter:
Syſoew 3. Syſoew 3.
Schirow. Schirow.
Grekow 18. Grekow 18
Wlaſſow 3. Wlaſſow 3.
Balabin 2. Balabin 2.
Sechs Geſchütze reitender Artillerie. Vier Geſchütze reitender Artillerie.
In Allem: 2,300 Mann In Allem: 1,200 bis 1,300 Mann.
- W –

(20) Aufzeichnungen des Oberſtleutnants Balmen (Manuſcript).


(21) Dem Zeugniſſe des Capitäns Liſchin nach, der an der Expedition
Theil genommen, ſetzten die Pferde mit Satteln und übrigem Beſpanne auf
Böten über, die Pferde ſchwimmend und die Geſchütze, Protzwagen und Pulver
kaſten einzeln auf Böten, deren je zwei zuſammengebunden und mit Brettern
bedeckt waren. -

(22) Plotho. II. 305.


(23) Aufzeichnungen des Capitains Liſchin (Manuſcript)
(24) Aufzeichnungen Balmen's. – Specht. 148.
(25) Aufzeichnungen Balmen's. – Specht. 149.
(26) Specht. 151–154.
(27) Specht. 183–185. d

(28) Aufzeichnungen Liſchin's. – Rapport Tſcherniſchew's an den General


Winzingerode, vom Ä, aus Caſſel (Journal der eingehenden Schrift
ſtücke, Nº 1,580). – Specht. 157. 185.
(29) Specht. 186.
(30) Aufzeichnungen Liſchin's. – Bericht des Generals Tſcherniſchew aus
Caſſel. – Specht. 186–190.
(31) Specht. 196.
(32) Bericht Tſcherniſchew's aus Caſſel. – Specht. 199.
(33) Specht. 200–210.
(34) Aufzeichnungen Liſchin's. – Bericht Tſcherniſchew's aus Caſſel. –
Specht. 210–213.
(35) Aufzeichnungen Balmen's. – Bericht Tſcherniſchew's aus Caſſel.
– Specht. 213–223.
(36) Bericht des Generals Tſcherniſchew. – Specht. 226.
(37) Im Rapporte des Generals Tſcherniſchew an den Baron Winzinge
rode POIN Ä iſt angezeigt, daß zehn Geſchütze im Kampfe aufgegriffen
und ſiebzehn in der Stadt gefunden worden ſind.
(38) Specht. 223 238–239 und 241.
(39) Bericht Tſcherniſchew's an den Baron Winzingerode, vom Ä=
– Specht. 223. -

(40) Aufruf des General-Adjutanten Tſcherniſchew vom Är


(41) Specht. 237–238.
(42) Plotho. II. 312
(43) Richter. Geſchichte des deutſchen Freiheitskrieges vom Jahre 1813.
II. 123.

(44) Original-Brief des Kronprinzen von Schweden an den Kaiſer von


Rußland, vom 5 October n. St. (Journal der eingehenden Schriftſtücke,
M 15,810.)
Sire!

J'ai déjà instruit Votre Majesté Impériale du départ du général


Czernicheff pour une expédition secréte. J'atténuerais sans doute le
mérite de cet intrépide et intelligent officier sije faisais à Votre Ma
jesté la description de sa marche, de ses combats et de ses succès:
je croisdonc ne pouvoir mieux faire qu'en mettant sous les yeux de
Votre Majesté les rapports originaux qu'il a adressés au général
Winzingerode. Ce général vient de m'envoyer les clefs de Cassel,
que je m'empresse de transmettre à Votre Majesté Impériale par le
capitaine Davidoff qui a accompagné le général Czernicheff, et je
me trouve d'autant plus heureux de pouvoir annoncer à Votre Ma
jesté la prise de la capitale du royaume de Westphalie que je n'étais
pas sans inquiétude sur l'issue de cette entreprise, vu l'éloignement
oü se trouvait le général Czernicheff de tout secours. Indépendam
ment des dispositions prises pour le soutenir du côté de Halle et de
Bernbourg, j'ai fait jeter un pont sur l'Elbe à Ferckland et j'ai fait
passer quatre escadrons pour aller à sa rencontre aux environs de
Giffhorn et de Brunswic.
Beilagen zum Kapitel XXXWI.

(1) Beitzke. Geſchichte der deutſchen Freiheitskriege 1813 und 1814. 11


459–460.

(2) In der öſtreichiſchen militairiſchen Zeitſchrift (1827. IV. 40) iſt an


geführt, daß gegen Davouſt folgende Truppen verwendet wurden: die Diviſion
Vegeſack (die mecklenburg-ſchweriner und die ſchwediſch-pommerſche Brigade),
7,500 Mann; die hanſeatiſche Brigade, 2,450 Mann; das 2-te Huſaren-Re
giment der ruſſiſch-deutſchen Legion und zwei Geſchütze des Detaſchements Lützow,
vier hanſeatiſche Schwadronen und ein Koſaken-Regiment, 1,900 Mann; in
Allem, außer der Diviſion Vegeſack: 4,000 Mann Infanterie und 800 Mann
Kavalerie; folglich waren gegen Davouſt überhaupt 12,300 Mann verwendet.
Da aber hier die Truppen, welche beim Beginne des Feldzuges zählten, ange
zeigt ſind, ſo konnte dieſer Theil des Corps Wallmoden nach Verlauf eines gan
zen Monats nicht mehr als elftauſend Mann enthalten.
(3) In der öſtreichiſchen militairiſchen Zeitſchrift (1827. IV. 41.) iſt ange
zeigt, daß für die Operationen auf den General Pechet folgende Truppen ver
einigt waren: ſechs Bataillonen der ruſſiſch-deutſchen Legion, ſechs hannover
ſche Bataillonen, ein engliſches Bataillon des 73-ten Regiments, das aus
Stralſund angekommen, das Bataillon Reiche, das Infanterie-Detaſchement
Lützow's, 400 Mann ſtark, drei Koſaken-Regimenter, zwei Huſaren-Regimenter
(worunter das 1-te Huſaren-Regiment der ruſſiſch-deutſchen Legion), zwei
Schwadronen hannoverſcher Huſaren, ein Kavalerie-Detaſchement Lützow's,
300 Mann ſtark; in Allem: 16 (15?) Bataillonen, 3 Koſaken-Regimenter
– VIII –

und 20 (?) Schwadronen, 7,800 Mann Infanterie und 2,800 Mann Kava
lerie an der Zahl, mit 28 Geſchützen. (Außerdem befand ſich beim Detaſchement
eine engliſche Raketen-Batterie.) Alle dieſe Truppentheile konnten beim Beginne
des Feldzuges an elftauſend und einen Monat ſpäter an zehntauſend Mann
zählen. Beitzke (II. 460.) berechnet 12,000 Mann, Plotho (II. 323.) 16,000
Mann. Beides iſt augenſcheinlich übertrieben.
(4) Plotho. Der Krieg in Deutſchland und Frankreich in den Jahren 1813
und 1814. II. 322–323.

(5) Beſtand des Detaſchements Pechet: vom 3-ten Linien-Regimente vier


Bataillonen; vom 105-ten Linien-Regimente zwei Bataillonen; vom 28-ten Re
gimente reitender Jäger eine Schwadron; acht Geſchütze. (Auszug aus dem
Werke Bernhard's: Denkwürdigkeiten des Grafen v. Toll. III. Beilagen 501.)
Bei Vaudoncourt (Histoire de la guerre soutenue par les Françaisen
Allemagne en 1813. 187–188.) ſind folgende Truppen angezeigt: vom
3-ten Linien-Regimente vier Bataillonen; vom 105-ten Linien-Regimente ein Ba
taillon; vom 28-ten Regimente reitender Jäger eine Schwadron; ſechs Geſchütze.
Die in der öſtreichiſchen militairiſchen Zeitſchrift (1827. IV. 41.) angezeigte
Ziffer, ſieben bis achttauſend Mann, iſt eine augenſcheinliche Uebertreibung.
(6) Plotho. II. 323. – Vaudoncourt. 187–188. – Beißke II. 460
–461.

(7) Plotho. II. 323. Nach anderen Angaben hatte Tettenborn: zwei Ba
taillonen, vier Schwadronen, drei Koſaken-Regimenter und vier Geſchütze;
Pfuhl: ſechs Bataillonen, ein Huſaren-Regiment, 12–16 Geſchütze; Dörn
berg: ſeine Kavalerie mit einer halben Raketen-Batterie. – Beitzke. II. 461.
– Nach der öſtreichiſchen militairiſchen Zeitſchrift (1827. IV. 42–43) hatte
Tettenborn: zwei Bataillonen, vier Schwadronen, drei Koſaken-Regimenter und
vier Geſchütze; Pfuhl (Ahrenſchild): ſechs Bataillonen, ein Huſaren-Regiment
und zwei Batterien; Dörnberg: zehn Schwadronen, vierzehn Geſchütze und eine
halbe Raketen-Batterie. Die Reſerve des Generals Lyon zählte ſechs Bataillo
nen und zwölf Geſchütze. -

8) Plotho. II. 323–324. – Oeſtreichiſche milit. Zeitſchrift 1827. IV.


43–46 – Sporſchill. Die große Chronik. I. 609–613. – Beitzke. II.
461–463.
(9) Oeſtreichiſche milit. Zeitſchrift. 1827. IV. 46. – Rau und Hänel.
Der Krieg der Verbündeten gegen Frankreich in den Jahren 1813, 1814 und
1815. I. 131.

(10) Plotho. II. 324. – Nach anderen Angaben verloren die Verbündeten
nicht mehr als 500 Mann. Oeſtr. milit. Zeitſchrift 1827. IV. 46.
(11) Eleonore Prohaſka ſtarb in Dannenberg am 5 October n. St. För
ſter. Geſchichte der Befreiungskriege 1813, 1814, 1815. I. 859–860.
(12) Beſtand des Detaſchements Tettenborn: drei Koſaken-Regimenter,
800 Mann; 450 Mann Kavalerie Lützow's; 800 ſeiner Jäger und Reiches;
vier hanſeatiſche Geſchütze. Oeſtreich. milit. Zeitſchrift 1827. IV. 43–48. –
Förſter. I. 625–627.
(13) Oeſtr. milit. Zeitſchrift 1827. V. 120. – Sporſchill. I. 615–617.
(14) Plotho. II. 506–507. – Oeſtr. milit. Zeitſchrift 1827. V. 127–
129. – Sporſchill. I. 618–621. – Beitzke. II. 465–466. – Förſter. I.
863–869.

(15) Oeſtr milit. Zeitſchrift 1827. V. 129.


(16) Förſter. I. 869.
Beilagen zum Kapitel XXXWII.

(1) Müffling. Aus meinem Leben. Zw. Aufl. 71–72. – Beitzke. Ge


ſchichte der deutſchen Freiheitskriege in den Jahren 1813 und 1814. II. 417
–418.

(2) Brief des Generals Baron Theil an den Fürſten Wolkonsky, aus Elſter
werda, vom # September. (Journal der eingehenden Schriftſtücke, N 1,491.)

(3) Beſtand der öſtreichiſchen leichten Diviſion des Grafen Bubna:


Brigade des Generalmajors Baron Zechmeiſter:
Bataillon Peterwardein.
Jäger-Bataillon Nº 6.
Huſaren-Regiment Lichtenſtein (ſechs Schwadronen).
3-pfündige Brigade-Batterie.
Brigade des Generalmajors Graf Neupperg:
Jäger-Bataillon Nº 5.
Huſaren-Regiment Blankenſtein (ſechs Schwadronen).
6-pfündige Kavalerie-Batterie.
In Allem: drei Bataillonen, zwölf Schwadronen und zwei Batterien.
(4) Beſtand des Detaſchements des Fürſten Stſcherbatow:
7-te Infanterie-Diviſion des Generalmajors Talyſin . . . 9 Bataillonen.
8-te / * // Benardoß . . 6 f
Regiment reitender Jäger Tſchernigow . . . 3 Schw.
Dragoner-Regiment Twer . . . . . . 2 „
Unter dem Befehle
2-tes ukrainſches Koſaken-Regiment.
des Generalmajors
Anderthalb Hundert vom Koſaken-Regiment Iſajew 2.
Pantſchulidſew.
Fünf Geſchütze Koſaken - Artillerie von der Compagnie
JN 2.

Leichte Artillerie-Compagnien N 28 und 34.


(Militairiſches Tagebuch des 6-ten Infanterie-Corps in den Jahren 1812,
1813 und 1814. Arch. des mil. top. Depots, N 44,585.)
(5) Beitzke. II. 418.
(6) Journal des Corps Sacken, vom 2. Januar 1813 an bis zum 19. März
1814.

(7) Auszug aus dem Briefe des Generals Tauenzien an den General
Blücher, aus Elſterwerda.
(8) Der Angriff auf die Brücke in Meiſſen war vom 8-ten und 49-ten
Jäger-Regimente und den Infanterie-Regimentern Kamtſchatka und Ochotzk aus
geführt. Rapport des Generals Sacken vom 1 October an Barklay de-Tolli.
(Arch. des mil. top. Depots, Nº 16,644.) Bericht Blücher's an den Kaiſer
Alexander I, vom September. (Journal d. eingehenden Schriftſtücke, N 1,503.)
(9) Aufzeichnungen des Oberſtleutnants Balmen (Manuſcript).
(10) Brief des Kronprinzen von Schweden P Blücher, vom 29. September
n. St., aus Zerbſt (Journal der eingehenden Schriftſtücke. Beil zu N 1,503.)
(11) Bericht Blüchers vom Ä aus Wartenburg. (Journal der ein
gehenden Schriftſtücke, zu N 1,547.)
(12) Beſtand des Detaſchements der ſchleſiſchen Armee, welches die Errich
tung der Brücken auf der Elbe bei Elſter deckte: 1-te Brigade, zwei Bataillonen
des 2-ten oſt-preußiſchen Regiments; 2-te Brigade, Landwehr-Bataillon Fiſcher.
Plotho. Der Krieg in Deutſchland und Frankreich in den Jahren 1813 und
1814. II. 279. – Beitzke. II. 426.
(13) Vaudoncourt. Histoire de la guerre soutenue par les Fran–
çais en Allemagne en 1813. 180. – Plotho berichtet (II. 306.), daß das
ſächſiſche Bataillon zu den Verbündeten am September übergegangen ſei.
(14) Beitzke. 426 – 28. – Ausgang September n. St. hatten die übri
- XII -

gen Corps Napoleon's folgende Aufſtellung: die Garde, das 1-te, 3-te, 5-te,
11-te und 14-te Infanterie-Corps und das 2-te, 3-te und 4-te Kavalerie-Corps
bei Dresden, Weiſſig und Pirna; das 2-te Infanterie-Corps bei Freiberg;
Fürſt Poniatowſki mit dem 8-ten Infanterie-Corps und der Kavalerie Lefebvre
Desnouette's bei Penig und Altenburg; Marmont mit dem 6-ten Infanterie
Corps und dem 1-ten und 5-ten Kavalerie-Corps bei Leipzig; Augereau auf
dem Wege vom Main her nach Jena.
(15) Wagner. Pläne der Schlachten und Treffen, welche von der preußi
ſchen Armee in den Feldzügen der Jahre 1813, 1814 und 1815 geliefert wor
den II. 58–59.
(16) Bericht Blücher's an den Kaiſer Alexander I, vom Ä, aU6
Wartenburg. -

(17) Richter. Geſchichte des deutſchen Freiheitskrieges vom Jahre 1813


bis zum Jahre 1814. II. 142–143. – Varnhagen v. Enſe. Leben des Für
ſten Blücher von Wahlſtadt. 209.
(18) In der Dispoſition war angeordnet, daß die zurückgebliebenen vier
Geſchütze der Brigade-Batterie des Prinzen Karl zu dieſer Batterie ſtoßen ſoll
ten, ſie vereinigten ſich aber mit der Batterie, zu der ſie gehörten und wirkten
auf dem linken Flügel.
(19) Droyſen. A)ork's Leben. III. 109–110. – Plotho berichtet, daß die
7-te und 8-te Brigade die Elbe ſchon um 11 Uhr überſchritten und daß zu der
ſelben Zeit vom General Work die Dispoſition zum Angriffe erfolgte
(20) Beitzke. II. 431–432.
(21) Wagner berichtet, daß vier Geſchütze der Batterie N 1 zurückgeblieben
waren und daß die Brigade des Prinzen Karl nur die anderen vier Geſchütze
dieſer Batterie behielt. Auf dem ſeiner Beſchreibung der Schlacht beigelegten
Plane aber ſind alle acht Geſchütze insgeſammt mit den fünf Geſchützen der
Batterie N 3 angezeigt.
(22) Wagner. II 61–62. – Droyſen. III. 111.
(23) Wagner. II. 62.
(24) Droyſen. III. 115 – Wagner. II. 63 – Beitzfe II. 1.
(25) Droyſen. III. 116–117. – Richter II. 149–150. – Wagner.
- XIII -

II. 63–64. Er berichtet, daß bei der Einnahme Wartenburgs vier Geſchütze
aufgegriffen wurden.
(26) Droyſen. III. 117–118. – Wagner. II. 64. – Beitzke. II. 444
–446.
(27) Die Truppen des Corps Mork, welche nicht Zeit hatten an der Schlacht bei
Wartenburg Theil zu nehmen: von der 7-ten und 8-ten Brigade je zwei Landwehr
Bataillonen; die ſämmtliche aus 8%, Bataillonen und 20 Schwadronen be
ſtehende Avantgarde und die Reſerve-Kavalerie im Beſtande von 17 Schwa
dronen, vier reitende Batterien, eine dreipfündige und zwei ſechspfündige Fuß
Batterien.

(28) Tagebuch der Bewegungen des Corps des General-Adjutanten Baron


Korf – Plotho. II. 283. – Wagner. II. 64–65. – Beitzke II. 447.
(29) Droyſen. III. 119. – Wagner. II. 64. – Beitzke. II. 447. –
Vaudoncourt. 192. Seiner Angabe nach hätten die Franzoſen nicht mehr
als hundert Mann verloren.
(30) Plotho. II. Beilagen 104. Seiner Angabe nach betrug der Verluſt
des Corps A)ork:
Offiziere. Unteren Ranges.
An Todten . . . . . . . . . . . . 11 291

„ Verwundeten . . . . . . . . . . . 56 1539
„ Verſchollenen . . . . . - 182
Bei Beitzke (II. 447.) und Förſter (Geſchichte der Befreiungskriege. I.747) iſt
der Verluſt des Corps Work folgendermaßen angezeigt:
67 Offiziere und 1,550 Mann unteren Ranges.
(31) Droyſen. III. 120.
(32) Das vom Könige Friedrich Wilhelm unterſchriebene Patent vom
3. Juni 1814.
(33) Plotho. II. 284. – C. v. W. (Müffling.) Zur Kriegsgeſchichte der
Jahre 1813 und 1814. Zw. Aufl. 62.
(34) Beitzke. II. 449.
(35) Plotho. II. 314–315. – Vaudoncourt. 193.
(36) Bericht Blüchers an den Kaiſer Alexander I, vom 5 October n St,
aus Kemberg. (Journal der eingehenden Schriftſtücke, N 1,570.) – Plotho.
– XIW –

II. 286 und 288. – C. v. W. 62–63. – Beitzke. II. 450–452. Mar


mont, der mit ſeinen Truppen einige
º - A- -- --
Tage vor dem Ä in Leipzig
22. September
ge
24. September
blieben war, rückte auf Düben am “Ä und auf Eilenburg am Ä
Mémoires du maréchal Marmont. V. 166–167.

(37) Die Abſchrift des Operations-Projects Blücher's mit ſeiner Unter


ſchrift iſt zu Nº 1,570 der eingehenden Schriftſtücke beigelegt.
(38) Brief des Kronprinzen von Schweden an Blücher:

«Mon cher général de Blücher!


J'ai reçu la lettre que vous m'avez adressée hier de Kemberg.
Le Mémoire qu'elle contient est parfaitement d'accord avec mes
idées, quant à l'ensemble, car avant de l'avoir lu j'avais fait part
d'un projet semblable au comte de Goltz. Cependant dans des cir
constances qui peuvent devenir aussi décisives, nous ne saurions trop
nous prémunir contre les événements. Cette considération et le désir
de renouveler avec Vous une ancienne connaissance me font vive

ment désirer qu'il Vous soit possible de nous réunir à Mühlbeck,


oü nous pouvions nous concerter ensemble et abréger par une con
férence tout ce qu'une correspondance entraine de lenteur. Je porte
demain mon quartier-général à Radegast et demain au soir nous
pouvons nous voir. Je Vous renouvelle l'assurance de mon sincère
attachement étant
Votre affectionné etc.
frére d'armes
ChARLEs JEAN. »

à mon quartier-général
de Dessau, le 6 octobre, 1813.
(Journal der eingehenden Schriftſtücke, zu N 1,607.)

(39) Brief des Barons Theit an den Fürſten Wolkonsky, vom Ä


aus Düben. (Journal der eingehenden Schriftſtücke, N 1,612.) – Beitzke.
II. 479.
(40) Brief des Barons Theil an den Fürſten Wolkonsky, vom 8 und 9
- XV –

October (Journal der eingehenden Schriftſtücke, N 1,612 und 1,613.) –


Plotho. 287–292 und 316–317.

V e r ze ich niß
21 September
über die Truppen des Corps Mork vom 3 October "

Avantgarde
unter dem Befehle des Oberſten Katzler.
Kavalerie.
Brandenburger Huſaren-Regiment . . . . . . . . . 5 Schwadr.
Vom 2-ten Leib-Huſaren-Regiment . . . . . . . . . 2 f

Brandenburger Uhlanen-Regiment . . . . . . . . . 4 /

Oſt-preußiſches National-Kavalerie-Regiment . . . . . . 5 //

5-tes Landwehr-Kavalerie-Regiment . . . . . . . . . 4 /

In Allem: 20 Schwadr.
Reitende Batterie N 2.
Infanterie
unter dem Befehle des Majors Hiller.
Leib-Grenadiere - - - - 1 Bataill.
Weſt-preußiſches Grenadier-Bataillon . 1 f

2-tes Bataillon des 12-ten Reſerve-Regiments 1 f

1-tes Bataillon des Brandenburger Regiments 1 //

2-tes oſt-preußiſches Füſilier-Bataillon . 1 f

Landwehr-Bataillon Rekowſki 1 /

/ f Thiele . 1 /

ſf f/ Wedell . . . . . . . 1 f

Drei Compagnien Jäger . . . . . . . . . . % m


In Allem 8% Bataill.
Brigade des Prinzen von Mecklenburg.
Schleſiſche Grenadiere . . . . . . . . . . . . . 1 Bataill.
1-tes oſt-preußiſches Regiment . . . . . . . . . . . 3 „
2-tes Bataillon des 2-ten oſtpreußiſchen Regiments . . . . 1 „
Landwehr-Bataillon Koſſetzki . . . . . . . . . . . 1 „
– XVI –

Mecklenburger Huſaren . . . . . . . . . . . . 4 Schwadr.


2-tes Leib-Huſaren-Regiment . . . . . . . . . . . 3 r

6-pfündige Batterie Nº 1.
Fünf Geſchütze der 6-pfündigen Batterie N 3.
In Allem: 6 Bataillonen, 7 Schwadronen, 13 Geſchütze.
Brigade des Oberſten Steinmetz.
1-tes oſt-preußiſches Grenadier-Bataillon . . . . . . . . 1 Bataill
1-tes Bataillon des 2-ten oſt-preußiſchen Regiments . 1 „
Landwehr-Bataillon Fiſcher . 1 „
// // Mumm 1 „
/ Seydlitz 1 „
r f/ Walter und Kronegk 1 „
/ „ Lariſch . 1 „
f/ Martitz. - 1 „
In Allem: 8 Bataill.
(Das Bataillon Borwitz blieb in Görlitz)
Brigade des Generalmajors Horn.
Leib-Regiment . . . . . . . . . . . . . . . . 3 Bataill.
Thüringer Bataillon . -

Landwehr-Bataillon Sommerfeld
Petingkofer
//

// „ Reichenbach
// „ Kotulinſki und Knorr
Drei Geſchütze der 6-pfündigen Batterie Nº 3.
In Allem: 8 Bataillonen, 3 Geſchütze
(Die Bataillonen Reibnitz und Courbiere blieben in der Brücken-Bedeckung.)
Brigade des Oberſten Hünerbein.
Brandenburger Regiment . . . . . . . . . . . . 2 Bataill.
12-tes Reſerve-Regiment . . . . . . . . . . . . . 2 „
Landwehr-Bataillon Kempſki . . . . . . . . . . . 1 „
In Allem: 5Bataill.
(Die Bataillonen Brixen und Gfuh blieben am Ufer der Elbe.)
Reſerve - Kavalerie
unter dem Befehle des Oberſtleutnants Jürgaß.
Litthauiſches Dragoner-Regiment . . . . . . . . . . 5 Schwadr.
1-tes weſt-preußiſches Dragoner-Regiment . . . . . . . 4 f

10-tes ſchleſiſches Landwehr-Regiment . . . . . . . . 4. r

1-tes neumärkiſches Landwehr-Regiment . . . . . . . 4 f/

Reitende Batterien Nº 1 und 3.

In Allem: 17 Schwadronen, 16 Geſchütze.


Beilagen zum Kapitel XXXVIII.

(1) St-Cyr. Mémoires. Campagne de 1813 en Saxe. 185–189.


(2) Odeleben. Relation circonstanciée de la campagne de 1813
en Saxe. II. 202–204. – Napoleon in Dresden. Il. 54.
(3) Vaudoncourt. Histoire de la guerre soutenue par les Français
en Allemagne. 193–194. – Bernhardi. Denkwürdigkeiten des Grafen
v. Toll. III. 366–367.
(4) Förſter. Geſchichte der Befreiungskriege 1813, 1814, 1815. II. 7.
(5) Bernhardi. III. 369.
(6) Odeleben. II. 5–6. – Förſter. II. 11–12.
(7) Brief des Barons Theil an den Fürſten Wolkonsky, vom Ä
aus Meßnitz. (Journal der eingehenden Schriftſtücke, N 1,623) Plotho. Der
Krieg in Deutſchland und Frankreich in den Jahren 1813 und 1814. II. 293
–295. – Beitzke. Geſchichte der deutſchen Freiheitskriege in den Jahren 1813
und 1814. Il. 485–486.

(8) Beitzfe. II. 486–487.


(9) Tagebuch des Corps des General-Adjutanten Korf. – Rapport Ge
nerals Sacken an Barflay de-Tolli, vom 1 October, Nº 274, aus Deutſchen
thal. (Arch. des mil. top. Depots, Nº 16.) Militairiſche tägliche Aufzeichnun
gen des 6-ten Infanterie-Corps des Fürſten Stſcherbatow. – Plotho. II. 331.
334–335 und 340. – Beitzke. II. 487–489.
(10) ..... L'Empereur est à Wittenberg (?), que Sa Majesté adé
bloqué. L'armée de Silésie est en retraite de tous côtés sur la rive
- XIX -

gauche. Demain Sa Majesté obligera l'ennemi à recevoir bataille,


ou à se laisser enlever ses ponts de Dessau et de Wartenbourg. Peut
étre se décidera-t-elle alors à passer sur la rive droite avec toute
son armée; c'est par la rive droite que l'Empereur seporterasur
Dresde. (Extrait de la lettre du Major-général au Maréchal St-Cyr.
Duben, le 10 octobre.)
(11) Vaudoncourt. 197. Seinem Zeugniſſe nach hätten die preußiſchen
Truppen bei ihrem Rückzuge auf Roslau dreitauſend Mann und ſechs Ge
ſchütze verloren. – Plotho. II. 332.333.338–340. 348 und 356. – Hof
mann. Zur Geſchichte des Feldzuges von 1813 Zw. Aufl. 234
(12) Beitzke. II. 503–509. – Müffling. Zur Kriegsgeſchichte der Jahre
1813 und 1814. Die Feldzüge der ſchleſiſchen Armee. Zw. Aufl. 72–73.
(13) St-Cyr. 448–449.
(14) Brief des Stabschefs an Murat, aus Düben, vom 10 October n. St.
(15) Thiers. Histoire du Consulat et de l'Empire. XVI. Edit.de
Brux. 566–567.
(16) Thiers. XVI. 573.
(17) ......«Le 8, le prince Poniatowsky a battu à Fröhburg 3000
hommes de cavalerie. Il a tué beaucoup de monde et fait des prison
niers. Le général Sokolnicki a été attaqué à Penig. Il a repoussé
I'ennemi et l'a poursuivi une lieue. Le roi de Naples s'est porter à
Fröhburg avec le 2–me corps. II a fait marcher le prince Ponia
towsky sur Altenburg avec le 5-me corps de cavalerie. »..... (Auszug
aus dem Briefe des Grafen Lauriſton an den Herzog von Baſſano, aus Rochlitz,
vom 9 October n. St.)
(18) Am 12 October n. St. ſchrieb der Stabschef Berthier dem Könige
von Neapel: „Der Kaiſer hat mir aufgetragen die Ehre zu haben, Ew. Majeſtät
zu berichten, daß wir uns der Brücken des Feindes bemächtigt haben; daß dem
Anſcheine nach (?) der Prinz von Schweden mit der Berliner Armee auf's rechte
Elbufer zurückgekehrt ſei. Bei dieſer Sachlage iſt der Kaiſer bereit, mit ſeinem
ganzen Heere auf Leipzig zu gehen, wo in Vereinigung mit dem Ihrigen eine
Geſammtmaſſe von mehr als zweimalhunderttauſend Mann ſich befinden
würde. Der Marſchall, Herzog von Raguſa, langt dieſen Abend zwiſchen Düben
und Leipzig an, könnte alſo morgen in der Frühe bei dieſer Stadt eintreffen.
Morgen iſt der Kaiſer mit ſeiner ganzen Garde in der Nähe Leipzigs, und über
morgen den 14, iſt die ganze Armee dort beiſammen. Allein alle dieſe Verfügungen
hängen von dem Verhalten Ew. Majeſtät ab. Wenn es Ihnen möglich ſein
wird Ihre Stellung ſowie auch die Stadt Leipzig im Verlaufe des 13 zu be
haupten, ſo wird der Kaiſer unverzüglich die beſagte Bewegung anordnen.
Wenn, im Gegentheil, Ew. Majeſtät die Stellung und die Stadt Leipzig am 13
nicht möglich ſei zu behaupten, ſo würde dem Kaiſer die Zeit zum Ausführen der
Bewegung fehlen und Sie müßten dann Ihrer Abſicht gemäß an die Mulde in die
Richtung auf Wurzen gehen. Alſo beſteht die ganze Sache darin, ja oder
nein, ob Sie Ihre Stellung und Leipzig bis am Morgen des 14. behaupten
können.“...... St-Cyr. 450–451.
(19) Thiers. XVI. 575–576.
(20) St-Cyr. 229–231. – Marmont. Mémoires. V. 169.
(21) Verhaltungsbefehle an Murat und an den Herzog von Baſſano (der
ſich in Eilenburg befand) vom 12 October n. St.
(22) Verhaltungsbefehle vom 13 October n. St. um 5 und 6 Uhr
Morgens. -

(23) Verhaltungsbefehl vom 14. October um 3 Uhr. Morgens.


(24) Verhaltungsbefehl vom 14. October n. St.
(25) Journal der Kriegsoperationen der ruſſiſch-preußiſchen Armee, unter
ſchrieben von Barklay de-Tolli. (Arch des mil. top. Depots, N 29.) – Jour
nal der Kriegsoperationen, unterſchrieben vom Fürſten Wolkonsky. – Plotho.
II. 224–247. Seinem Zeugniſſe nach traten die letzten Kolonnen der böhmi
ſchen Armee in Sachſen nicht vor dem Ä ein.
(26) Bei Beitzke (II. 390.) iſt die Zahl der Truppen Murats auf 37,000
Mann, die Kavalerie des Generals Sebaſtiani, welcher zu der Zeit bei Witten
berg ſtand, inbegriffen, angegeben. Dieſe Ziffer iſt wahrſcheinlich Vaudoncourt
entnommen; dieſer Schriftſteller ſucht bei jeder Gelegenheit die Kräfte der Fran
zoſen ſchwächer, als ſie in der Wirklichkeit waren, anzugeben.
Plotho (II. 369.) berechnet die Armee Murat's, die Leipziger Depots aus
genommen, auf 43,000 Mann; Schulz (Geſchichte der Kriege in Europa ſeit
dem Jahre 1792. XI. 1. Band. 182–185) auf 42,550 Mann.
- W XI -

(27) Plotho. II. 236. – Im Journal der Kriegsoperationen, von Barklay


de-Tolli unterſchrieben, iſt geſagt, daß die Nachricht über den Sieg Blücher's
bei Wartenburg in's Hauptquartier der böhmiſchen Armee am Ä ange
langt ſei.
(28) Plotho II 236.
(29) Beſtand der Avantgarde des Grafen Pahlen: Koſaken-Regiment Ilo
waiſki 11 (12?), Huſaren-Regimenter Grodno und Sumy; preußiſches neu
märker Dragoner-Regiment; vier Regimenter der 11-ten Infanterie-Diviſion;
reitende Batterie N 7 und vier Batterie-Geſchütze. Plotho. II. 238. – In den
Aufzeichnungen des Generals Nikitin iſt geſagt, daß die Avantgarde Pahlen's
folgenden Beſtand enthielt: Regimenter Sumy, Grodno und Lubny; Uhlanen
Regiment Tſchugujew; reitende Batterie Nº 7 des Generalmajors Nikitin; in
Allem: 1,700 Mann mit 12 Geſchützen.
(30) Plotho. II. 239. – Beitzke. II. 391–392.
(31) Dispoſition des Fürſten Schwarzenberg auf den 9 October n. St. –
Journal der Kriegsoperationen, von Barklayde-Tolli unterſchrieben. – Beitzke.
II. 393.
(32) Journal der Kriegsoperationen, von Barklay de-Tolli unterſchrieben.
– Journal des Prinzen Eugen von Würtemberg. (Arch. des mil. top. Depots,
N 47,344.) – Bernhardi. III. 401–403.
(33) Dispoſition des Fürſten Schwarzenberg auf den 10 und 11 October
n. St. – Sporſchill meint, daß die Seitenbewegung der böhmiſchen Armee auf
dem Marſche nach Leipzig hin die Verbindung mit der ſchleſiſchen Armee und
die Belegung Leipzigs bezweckte. Die große Chronik. I. 667.
(34) Mittheilungen des General-Adjutanten Fürſt Wolkonsky an den Ge
neral Bennigſen, vom 26 und 27 September. (Journal der abgehenden Schrift
ſtücke, N 108 und 114.)
(35) Journal der Kriegsoperationen, von Barklay de-Tolli unterſchrieben.
– Alex. Andr. Stſcherbinin. Aufzeichnungen (Manuſcript).
(36) Plotho. II. 336. – In den Aufzeichnungen Stſcherbinin's iſt ge
ſagt, daß ſich der Feind noch am 29. September a. St. in die Umgegend Leip
zigs zurückgezogen habe. Dieß beſtätigt auch Vaudoncourt. Histoire de la
guerre soutenue par les Français en Allemagne. 198.
– XXII -

(37) Journal des Prinzen Eugen von Würtemberg (Manuſcript). Plotho.


336–337. – Sporſchill. I. 667–668.
(38) Dispoſition des Fürſten Schwarzenberg auf den 13 Oetober n. St.
(Journal der eingehenden Schriftſtücke, N 1,608.)
(39) Dispoſition des Grafen Wittgenſtein, vom # October.
(40) General Toll, den Graf Wittgenſtein nach Espenhain geſendet hatte,
ſchrieb von dort aus am i October um ein Viertel auf 4 Uhr Nachmittags:
„Ich zweifle ſehr, daß wir heute die Recognoscierung unternehmen können, weil
bis jetzt über Klenau Nichts zu hören iſt. General Mohr iſt erſt nach 12 Uhr
Mittags in Otterwiſch angekommen und hat Partien auf Pombſen ausgeſchickt.
Klenau aber ſoll in Lauſſig zu Mittag geſpeiſt haben, nachdem er heute aus
Frohburg aufgebrochen war. Ohne Zweifel wußte dies Radetzky nicht, da der
Dispoſition nach Klenau auf Köhra gehen ſollte, was ungefähr 5 Meilen be
trägt. Ich bleibe noch hier; vielleicht langt Klenau an, um Zuſchauer des Ge
fechts zu ſein.“ (Journal der eingehenden Schriftſtücke, Nº 1,602.) – Im
Journal der Kriegsoperationen, von Barklay de-Tolli unterſchrieben, lieſt man:
„Da die öſtreichiſchen Truppen an den beſtimmten Punkten nicht angelangt
waren, fand dieſer Angriff nicht ſtatt.“ s

(41) Journal der Kriegsoperationen, von Barklayde-Tolli unterſchrieben.


(42) Brief Berthiers an Murat. (Siehe Beilage 18 zu dieſem Kapitel)
– Brief Murat's an Marmont, vom 13 October n. St. um 9 Uhr Abends.
Aſter. Die Schlachten bei Leipzig im October 1813. I. 243. – Marmont er
wähnt aber in ſeinen Aufzeichnungen dieſen Brief nicht und ſagt, daß er aus
Stötteritz auf die rechte Seite der Partha in Folge des Befehls Napoleon's zu
rückgekehrt ſei. Mémoires de Marmont. V. 174.
(43) Aſter. I. 244.
(44) Aſter. I. 252. – Hofmann ſchreibt, daß Murat an 70,000 Mann
hatte. Zur Geſchichte des Freiheitskrieges von 1813. Zw. Aufl. 248.
(45) Hofmann. 243.
(46) Stſcherbinin. Aufzeichnungen (Manuſcript).
(47) Graf Nikitin. Aufzeichnungen (Manuſcript). – Hofmann. 243. –
Aſter. I. 254. – Beitzke. II. 524.
(48) Hofmann. 244. – Aſter. 1. 255.
– XX 111 - –

(49) Graf Nikitin. Aufzeichnungen (Manuſcript). – Plotho II. 353–


354. – Hofmann. 243–247. – Aſter. I. 255–257. – Bernhardi. III.
410–412. – Beitzke. II. 524–528.
(50) Bernhardi. Ill. 414.
(51) Beitzke. II. 529.
(52) Plotho. II. 359. – Aſter. I. 317–319.
(53) Aſter. 308–309 und 312–313.
(54) C. v. W. (Müffling.) Die Feldzüge der ſchleſiſchen Armee. Zw. Aufl.
77. – Hofmann. Zur Geſchichte des Feldzuges von 1813. Zw. Aufl. 249–
250. – Beitzke. II. 508–512.
(55) Plotho. II. 394.
(56) Varnhagen v. Enſe. Leben des Fürſten Blücher von Wahlſtadt. Zw.
Aufl. 222–223.
(57) Journal der polniſchen Armee, unterſchrieben vom Stabschef General
leutnant Oppermann. (Journal der eingehenden Schriftſtücke, Nº 1,822) –
Plotho. II. 245–247.
(58) St-Cyr. 176–177 et 198.
(59) Journal der polniſchen Armee.
(60) St-Cyr. 198–201.
(61) Journal der polniſchen Armee.
(62) Tagebuch des 6-ten Infanterie-Corps.
(63) Journal der polniſchen Armee. – Im Briefe aber des Generals Ben
nigſen an den Kaiſer, vom i October, iſt der Verluſt auf ungefähr 150 Mann
berechnet. – Plotho. II. 345–346. – St-Cyr ſchreibt (Campagne de
1813 en Saxe. 204.): ......... «Ils (les Russes) y perdirent beaucoup
demonde, parceque l'on y combattit des deux côtés avec vaillance
et opiniatreté, mais avec plus d'adresse du nôtre.»......... (Sie (die
Ruſſen) verloren viel Leute, weil von beiden Seiten tapfer und hartnäckig ge
kämpft wurde, unſererſeits aber mit mehr Gewandtheit....... )
(64) Plotho. II. 346. – Brief des Generals Bennigſen an den Kaiſer,
VON i Oetober, aus Wilsdruf. (Journ. d. eingehenden Schriftſtücke, Nº 1,628.)
(65) Beſtand der Avantgarde des Generalleutnants Graf Stroganow: vier
Jäger-Bataillonen, ein Huſaren- und zwei Koſaken-Regimenter, ſechs Geſchütze.
- XXIW –

(66) Beſtand des Corps des Grafen Tolſtoy: Truppen der Landwehr (ſiehe
63-te Beilage zum Kapitel XXXIII), die 16-te Infanterie-Diviſion, zwei Uh
lanen-Regimenter, ein doniſches Koſaken- und ein Baſchkiren-Regiment und zwei
Batterien, ſämmtlich unter dem Befehle des Generalleutnants Markow. (Brief
Bennigſen's an den Kaiſer, vom i October, aus Wilsdruf.) Dieſe Truppen
zählten an 24,000 Mann, mit 64 Geſchützen.
(67) Brief Bennigſen's an den Fürſten Wolkonsky, vom October, aus
Waldheim. (Journal der eingehenden Schriftſtücke, Nº 1,635.)
(68) Brief des Generals Oppermann, vom 2 October n. St, aus Noſſen.
(Journal der eingehenden Schriftſtücke, N 1,637.)
(69) Aſter. I. 281–287. – Hofmann. 251.
(70) Aſter. I. 293–294.
(71) Aſter. I. 288–289.
(72) Hofmann. 252.
(73) Aſter. I. 229–230. – Berneck. Die Schlachten bei Leipzig. 101.
(74) Plotho. II. 366.
(75) Beitzke. II. 540.
Beilagen zum Kapitel XXXIX.

(1) Beitzke. Geſchichte der deutſchen Freiheitskriege in den Jahren 1813


und 1814. II. 535–536.
(2) Zahl der Truppen Napoleon's ſüdlich von Leipzig nach den verſchiedenen
Angaben:

Bei Bei Wau- Bei


Plotho. | doncourt. Schulz.

2-tes Corps, Marſchall Victor . . | 15,000 M. 16,000 M. 16,800 M.


5-tes „ General Lauriſton . . | 10,000 „ | 9,000 „ | 13,400 „
8-tes „ Fürſt Poniatowsky . | 10,000 „ | 8,000 „ | 5,400 „
Reſerve-Corps, Marſchall Augereau | 10,000 „ 10,000 „ | 10,000 „
11-tes Corps, Marſchall Macdonald | 14,000 „ | 15,000 „ | 19,000 „
1-tes Kavalerie-Corps, General La
tour-Maubourg . . . . . 6,000 „ | 4,500 „ | 7,100 „
2-tes Kavalerie-Corps, General Se
baſtiani . . . . . . . . . 5,000 „ | 4,500 „ | 4,420 „
4-tes Kavalerie-Corps, General Kel
lermann . . . . . . . . 4,000 „ 3,000 „ 2,150 „
5-tes Kaval.-Corps, Gen. Milhaud 4,000 „ | 3,000 „ | 4,600 „
Junge Garde . . . . . . . | 15,000 „ | 16,000 „ | 22,500 „
Alte Garde . . . . . . . . . 4,000 „ | 4,000 „ | 8,500 „
Garde-Kavalerie . . . . . . . 5,000 „ | 4,800 „ | 5,600 „

In Allem 102,000 M 97,300 M.119,470 M.


- XXWI -

Plotho. Der Krieg in Deutſchland und Frankreich in den Jahren 1813 und
1814. II. 369. – Vaudoncourt. Histoire de la guerre soutenue par
les Français en Allemagne en 1813. 201–202. – Schulz. Geſchichte
der Kriege in Europa ſeit dem Jahre 1792. XI. 1. Band. 181–185.
(3) Zahl der Truppen Napoleon's nördlich von Leipzig, am Morgen des
j October:
Bei Bei Vau- Bei
Plotho. | doncourt. Schulz

4-tes Corps, General Bertrand . . | 14,000 M. 15,000 M. 9,695 M.


6-tes „ Marſchall Marmont . | 20,000 „ | 18,000 „ | 17,700 /

Zwei Diviſionen des 3-ten Corps


Souham . . . . . . . . | 12,000 „ | 15,000 „ | 12,000 „
Diviſion des Generals Dombrowſki - 3,000 „
-

3-tes Kavalerie-Corps des Generals


Arrighi . . . . . . . . . 3,000 „ | 3,000 „ | 5,340 „
In Allem 49,000 M 51,000 M. 47,735 M.

Plotho. II. 369. – Vaudoncourt. 201–202. – Schulz. Geſchichte der


Kriege in Europa ſeit dem Jahre 1792. XI. 1. Band. 185.
(4) Garniſon von Leipzig: 3500 Mann und Depot des Generals Lefo
2,250 Mann. Schulz. XI. 1. Band. 185.
(5) 7-tes Corps General Regnier's 13,800 Mann und Diviſion Delmas
4,000 Mann. Schulz. XI. 1. Band. 182 und 185.
(6) Schulz. XI. 1. Band. 181–185. Seiner Angabe nach zählten die von
Napoleon am – October bei Leipzig verſammelten Corps überhaupt 190,775
Mann, worunter an 30,000 Mann Kavalerie (363 Bataillonen und 400
Schwadronen). Der Angabe Hofmann's nach hatte Napoleon 170,000 Mann,
worunter an 24,000 Mann Kavalerie mit 700 Geſchützen. Zur Geſchichte des
Feldzuges von 1813. Zw. Aufl. 260. – Bei Vaudoncourt (201–202) ſind
22,800 Mann Kavalerie angezeigt, ohne diejenige zu rechnen, welche den In
fanterie-Corps beigegeben war.
- XXWII -

(7) Die am j October erfolgte Dispoſition des Fürſten Schwarzenberg.


(8) Ferd. Lecomte. Legénéral Jomini, sa vie et ses écrits. 206
–207.

(9) Bernhardi. Denkwürdigkeiten des Grafen v. Toll. III. 422–424.


(10) Angriffs-Dispoſition auf den 16 October 1813. (Journal der ein
gehenden Schriftſtücke, N 1,642.) Obgleich Plotho und Hofmann ſchreiben,
daß dieſe Dispoſition in Pegau am 14. October n. St. erfolgte, ſo erſieht man
doch aus dem Journal der eingehenden Schriftſtücke, daß ſie im Hauptquartiere
des Kaiſers Alexander am # Oetober erhalten war.
(11) Beſtand der Kolonne Gyulay's:
- Bataill. Schwadr. Mann.
3-tes öſtreichiſches Corps (Diviſionen Creenvilles,
Murray's, des Prinzen Philipp von Heſſen
Homburg) . . . . . . . . . . . 15 9 13,678
1-te leichte Diviſion des Prinzen Moritz Lichtenſtein 4 16 4,537
öſtreich. – 4 442
Detaſchement des Generals Thielmann preuß. – 4 400

Detaſchement des Oberſten Mensdorf, öſtreich. – 6 680

In Allem: 19 Bataill,39 Schwadr, 19737 Mann, mit 60 Geſchützen


(12) Beſtand der Kolonne des Kronprinzen von Heſſen-Homburg:
Bataill. Schwadr. Mann.
2-tes öſtreichiſches Corps (Diviſionen Lederer und
Alois Lichtenſtein . . . . . . . . . 17 10 13,050
Küraſſier-Corps des Grafen Noſtitz . . . . - 40 3,840
Reſerve des Prinzen von Heſſen-Homburg (Divi
ſionen Bianchi und Weiſſenwolf) . . . . . 20 - 12,060
In Allem: 37 Bataill., 50 Schwadr, 28,950 Mann, mit 114 Geſchützen.
(13) Beſtand der Truppen Kleiſt's:
Bataill. Schwadr. Mann.
12-te preußiſche Brigade des Prinzen Auguſt . . 8 - 5,400
14-te ruſſ. Infanterie-Diviſion des Gen. Helfreich 8 - 1,600
Brigade ruſſ. Küraſſiere und Huſaren-Reg. Lubny – M4 1,400
In Allem: 16 Bataill, 14 Schwadr, 8,400 Mann, mit 20 Geſchützen.
- XXVIII -

(14) Beſtand der Truppen des Prinzen Eugen von Würtemberg, Grafen
Pahlen und Fürſten Gortſchakow:
Bataill. Schwadr. Mann.
2-tes Infanterie-Corps (Diviſionen des Fürſten
Schachowſkoy und Pyſchnitzki . . . . . . 15 - 5,200
9-te preußiſche Brigade des Generals Klüx . . . 8% - 5,820
Kavalerie Pahlen's . . . . . . . . . . – 20 2,000
5-te ruſſiſche Diviſion des Generals Meſenzow . . 11 - 4,100
10-te preußiſche Brigade des Generals Pirch . . 7 - 4,770
In Allem: 41% Bataill, 20 Schwadr, 21,890 Mann, mit 62 Geſchützen.
(15) Beſtand der Truppen des Grafen Klenau:
- Bataill. Schwadr. Mann.
4-tes öſtreichiſches Corps (Diviſionen Mohr, Ho
henloe und Mayer) . . . . . . . . . 24 14. 17,170
11-te preußiſche Brigade des Generals Ziethen . . 7/2 6 5,661
Preußiſche Reſerve-Kavalerie des Generals Röder . – 26 2,600
In Allem: 31% Bataill,46 Schwadr, 25,431 Mann, mit 72 Geſchützen.
(16) Beſtand der zweiten Linie der Truppen Barklay de Tolli's:
Bataill. Schwadr. Mann.
Ruſſiſches Grenadier-Corps des Generals Rayewſki
(Diviſionen Sulima und Tſchoglokow) . . . 24 9,100
-

1-te Brigade der 3-ten Küraſſier-Diviſion des Ge


nerals Duka . . . . . . . . . . - 8 800

In Allem: 24 Bataill., 8 Schwadr., 9,900 Mann, mit 34 Geſchützen.


(17) Beſtand der Reſerve des Ceſarewitſch Großfürſten Conſtantin Pawlo
witſch:
Bataill. Schwadr. Mann.
Garde-Infanterie-Corps des Generalleutnants A)er
molow (Diviſionen Roſen und Udom) . . . 21% - 8,070
Preußiſche Garde-Infanterie-Brigade des Oberſt
leutnants Alvensleben (die Freiwilligen inbe
griffen). . . . . . . . . . . . . 8 - 4,300
- XXX –

Bataill. Schwadr. Mann.


1-te Küraſſier-Diviſion des Generals Deprerado
witſch und 2-te Küraſſier-Diviſion des Generals
Duka . . . . . . . . . . . . . – 34 3,400
Preuß. Garde-Kaval-Brigade des Oberſten Werder – 14 800
Leichte Garde-Kavalerie-Diviſion des Generals
Schewitſch . . . . . . . . . . . – 22 2,200

In Allem: 29% Bataill, 67 Schwadr, 18,770 Mann, mit 60 Geſchützen.


Ruſſiſche Reſerve-Artillerie 92 Geſchütze und preußiſche Reſerve-Artillerie 64
Geſchütze.
Die Angaben bezüglich des Beſtandes und der Zahl der Truppen ſind den
von Barklay de-Tolli unterzeichneten Verzeichniſſen über die Truppen und den
bei Plotho vorhandenen Tabellen entnommen. (II. Beilagen. 38–44.) –
Hofmann (312–315.) und Schulz (XI. 1. Band. 175–179.)
21 Septemb - -

(18) Dem vom Grafen Langeron am Ä unterzeichneten Verzeich


niſſe nach belief ſich die Zahl ſeiner verwendbaren Truppen bis auf 36,000
Mann unteren Ranges und Unteroffiziere; hiervon iſt aber abzuziehen: 1-tens,
das auf dem linken Ufer der Elbe zurückgebliebene Corps des Fürſten Stſcher
batow, an neuntauſend Mann, und 2-tens, der im Verlaufe von 13 Tagen, vom
Ä bis zum i October erfolgte Verluſt, an tauſend Mann. Darauf
blieben im Corps Langeron's 26,000 Mann, mit 151 Geſchützen (incluſiv der
ſieben Geſchütze doniſcher Artillerie). Dem vom Baron Sacken am Ä
unterzeichneten Verzeichniſſe nach belief ſich die Zahl ſeiner verwendbaren Trup
pen bis auf 13,540 Mann. Der Verluſt im Verlaufe von neun Tagen, bis zum
i October, überſchritt keine 500 Mann. Folglich hatte Sacken 13,000 Mann,
mit 60 Geſchützen.
Nach Droyſen (A)orfs Leben. III.481–483.) hatte Mork am October
an 21,000 Mann, mit 104 Geſchützen.
(19) Den vom Generale Winzingerode unterſchriebenen Verzeichniſſen nach
enthielt die Nord-Armee nicht nur vor, ſondern auch nach der Schlacht bei Leip
zig mehr als 20,000 Mann ruſſiſcher Truppen, das ſchwediſche, unbedeutenden
Verluſt erlittene Corps, an 18,000 Mann und das preußiſche Corps Bülow's
- XXX –

20,000 Mann. (Schulz. XI. 1. Band. 180.) An Geſchützen beſaß die Nord
Armee 92; das Corps Bülow's 80 preußiſche und 22 ruſſiſche Geſchütze; das
ſchwediſche Corps Stedingk's 62. – Verzeichniſſe, vom Generale Winzingerode
unterzeichnet. – Bernhardi. III. 517–518.
Die Truppen der Armee Bennigſen's, dem Verzeichniſſe des 15. September
nach, ohne das combinierte Corps des Grafen Tolſtoy und nach Abzug des
Verluſtes ſeit der Ankunft der Armee in Böhmen vor der Schlacht bei Leipzig,
zählten an 30,000 Mann, mit 132 Geſchützen; das Corps des Grafen Collo
redo (Diviſionen Hardegg, Wimpfen und Greth) enthielt 20,000 Mann mit
48 Geſchützen; die Diviſion des Grafen Bubna zählte nach Plotho und Hof
mann zwiſchen 7,500 und 8,000 Mann; dieſe Angabe iſt aber augenſcheinlich
übertrieben.

(20) Nach Plotho (II. 368–369.) zählten die öſtreichiſchen vier erſten
Corps, das Reſerve-Corps und die 1-te leichte Diviſion 70,000 Mann und die
2-te leichte Diviſion 8,000 Mann, überhaupt 78,000 Mann öſtreichiſcher Trup
pen. Bei dieſer Berechnung ſind aber die Verſtärkungen, welche aus den böhmi
ſchen Depots anlangten, nicht in Betracht genommen.
(21) Journal des Prinzen Eugen von Würtemberg. (Manuſcript, Archiv
des mil. top. Depots, N 47,344.) – Hofmann. 261–263. – Aſter. Die
Schlachten bei Leipzig im October 1813. I. 376–383.
(22) Hofmann. 260–261. – Aſter. I. 383–387. – Berneck. Die
Schlachten bei Leipzig. 108–109.
(23) Aufzeichnungen des Generals Nikitin. (Manuſcript, Archiv des mil.
top. Depots, N 47,355.) Aſter. I. 387–388. – Berneck. 109.
(24) Am Angriffe auf dem rechten Flügel der verbündeten Armee waren
- folgende öſtreichiſche Regimenter betheiligt: das Chevauxleger-Regiment Ho
henzollern und die Huſaren-Regimenter Palatinat und Erzherzog Ferdinand (in
Allem 14 Schwadronen); das preußiſche 1-te ſchleſiſche Regiment (4 Schwa
dronen) und 2 Schwadronen ſchleſiſcher Landwehr.
(25) Die Brigade des Oberſten Wrangel beſtand aus dem oſt-preußiſchen
und dem Brandenburger Küraſſier-Regimente und die Brigade des Oberſten
Mutius aus dem 7-ten und 8-ten Kavalerie-Regimente der Landwehr
– XXXI –

(26) Hofmann. 263–264. – Aſter. I. 388–390 und 413–417. –


Bernhardi. III. 429–433.
(27) Hofmann. 264–265. – Berneck. 109.
. (28) Aſter. I. 396–400. – Beitzke II. 500–562.
(29) Aſter. I. 301.
(30) Aſter. I. 391.
(31) Wolzogen. Memoiren. 212–213
(32) Aſter. I. 394. – Lecomte. 209–210.
(33) Aſter. I. 394. – Im Journal der Kriegsoperationen, unterzeichnet
von Barklay de-Tolli, iſt erwähnt, daß die 1-te Grenadier-Diviſion in den Uni
verſitäts-Wald dirigiert war und die 2-te Grenadier-Diviſion auf Auenhain.
(34) Marmont. Mémoires. V. 174–175.
(35) Bericht des Marſchalls Ney, aus Euteritzſch, vom 16 Oetober n. St.
um 10% Uhr Morgens.
(36) Bericht des Marſchalls Marmont, aus Radefeld, vom 16 October
n. St. um 10% Uhr Morgens.
(37) Marmont. V. 180.
(38) Aſter. I. 408.
(39) Aſter. 1.411. – Hofmann ſagt (268.), daß der Zwiſchenraum,
welcher ſich zwiſchen der 3-ten ruſſiſchen Diviſion und der preußiſchen 9-ten
Brigade gebildet, ſich durch die Nothwendigkeit die Flanken zu verſtärken noch
mehr vergrößert hatte. In dieſem Zwiſchenraume blieb nur das Regiment Kre
mentſchug.
(40) Hofmann. 268–269.
(41) Hofmann. 269. – Aſter. I. 430–431. – General Bordeſoult,
welcher das 1-te Kavalerie-Corps commandierte, nahm an dieſem Angriffe nur
mit zwei Diviſionen Theil: ſeiner eigenen, welche drei Linien bildete, und die
als Reſerve hinter ihr ſich bewegende Diviſion Doumerc, in Allem an 4,000
Mann.
(42) Journal des Prinzen Eugen von Würtemberg. – Hofmann. 269.
– Aſter. I. 433–435.
(43) Hofmann. 269–270. – Aufzeichnungen Maroſchewitzki's über die
Schlacht bei Leipzig am 4. October (Manuſcript).
- XXXII –

(44) Aufzeichnungen des Generals Suchoſanett über die Schlacht bei Leip
zig (Manuſcript). – Aufzeichnungen des Grafen Orlow - Deniſſow über die
Schlacht bei Leipzig am 4. Oetober (Manuſcript).
(45) Aſter I. 440–441. -

(46) Journal des Prinzen Eugen von Würtemberg. – Der vom General
Diebitſch unterzeichnete Plan der Schlacht bei Leipzig am 4, 6 und 7 Oetober.
(Arch. des mil. top. Depots, Nº 20,012.) – Plan der Schlacht bei Leipzig am
October. (Arch. des mil. top. Depots, N 20,015)
(47) Aufzeichnungen des Generals Suchoſanett.
(48) Odeleben. Relation circonstanciée de la campagne de 1813
en Saxe. II. 21. – Beitzke. II. 566. – Aſter. I. 423.
(49) Plotho. II. 377.
(50) Die vom Kriegsrathe verfaßte Relation der Schlacht bei Leipzig.
(51) Michailowſki-Danilewſki. Aufzeichnungen über den Feldzug im Jahre
1813.381 – Deſſelben, Beſchreibung des Krieges im Jahre 1813. 2-teAus
gabe. II. 131–132.
(52) Oeſtreichiſche Relation – Plotho. II. 379.
(53) Hofmann. 273.
(54) Vaudoncourt. 208. – Aſter. I. 463–464.
(55) Aſter. I. 473–474.
(56) Journal des Prinzen Eugen von Würtemberg. – Aſter. I. 487–
488.

Das 2-te Infanterie-Corps hatte alle Regiments-Commandeure verloren.


Als einer von den Bataillons-Commandeuren des 21-ten Jäger-Regiments,
Oberſtleutnant Buſchen, dem Befehlshaber der 3-ten Diviſion, Fürſt Scha
chowskoy, den Tod ſeines Commandeurs, Oberſt Stepanow, meldete, erwiderte
Schachowskoy: „Nun – was denn? Sie und ich, wir werden auch getödtet
werden; übernehmen Sie den Befehl über das Regiment.“ Die Kaltblütigkeit
des Fürſten, der mit Stepanow ſehr befreundet war, ſetzte ſeine ganze Umgebung
in Erſtaunen; als aber der Kampf beendigt war, zerfloß der tapfere Krieger in
Thränen wie ein Kind.
(57) Hofmann. 274–275. – Aſter. 1.401–404. 450–452 und
468.
– XXXIII –

(58) Plan der Schlacht bei Leipzig am i October. (Archiv des milit. top.
Depots, N 20,015.) – Hofmann. 275 – 276. – Vaudoncourt. 208.
(59) Hofmann. 276.
(60) Plotho. II. 386. – Hofmann. 276.
(61) Aſter. I. 473–474.
(62) Aſter. I. 476–477.
(63) Aſter. I. 477–485.
Beilagen zum Kapitel XL.

(1) Marmont. Mémoires. V. 174–177.


(2) Schulz, Geſchichte der Kriege in Europa ſeit dem Jahre 1792. XI.
1. Band. 183 und 185. Seiner Angabe nach befanden ſich die Truppen Mar
mont's in folgendem Beſtande:
Diviſion Compans . . 14 Bat. – Schw. 5,600 Mann.
6-tes Corps
d. Marſchalls „ Lagrange . . 14 „ – „ 5,600 „
º A „ Friedrichs . . 14 „ – „ 5,600 „
ArM ONt. Kavalerie-Brig. Normann – „ 8 „ 900 „

In Allem: 42 Bat. 8 Schw. 17,700 Mann.


Diviſion Dombrowſki . . . . . . 4 „ 10 „ 3,000 „
Diviſion Lorge vom 3-ten Kavalerie-Corps – „ 30 „ 1,500 „
In Allem: 46 Bat. 48 Schw. 22,200 Mann.
Die Zahl der Geſchütze belief ſich nach Marmont (Mémoires. V. 177.) auf
84. Dieß nähert ſich der Angabe Pelet's (Spectateur militaire. IV. Ta–
bleau de la grande armée en septembre et octobre 1813).
(3) Bericht Sacken's an Barklay de-Tolli, vom 18 October, Nº 284, aus
Rothkirchen. – Droyſen. A)ork's Leben. III. 143–145.
(4) Wagner. Pläne der Schlachten und Treffen, welche von der preußiſchen
Armee in den Feldzügen der Jahre 1813, 1814 und 1815 geliefert worden. II.
81–82. – Droyſen. III. 145 – Aſter. Die Schlachten bei Leipzig I. 517
–522.

(5) Wagner. II. 84. – Marmont. V. 177–178.


- XXXV -

(6) Hofmann. Zur Geſchichte des Feldzuges von 1813. 277. – Aſter. I.
5 7–520.

(7) Aſter. I. 522–523.


(8) Beſtand der Infanterie der Avantgarde Hiller's: Bataillonen: Füſiliere
des 2-ten oſt-preußiſchen Regiments, Leib-Grenadiere, weſt-preußiſche Grena
diere, 4-tes Bataillon des Brandenburger und 2-tes Bataillon des 12-ten Re
ſerve-Regiments, drei Bataillonen Landwehr, zwei Compagnien oſt-preußiſcher
Jäger und eine Compagnie Garde-Jäger; Fuß-Batterie N 12. In Allem: 8
Bataillonen, 3 Compagnien mit 8 Geſchützen; 4,000 Mann an der Zahl.
Wagner. II. 96.
(9) Beide Brigaden waren in Bataillons-Kolonnen in zwei Linien aufge
ſtellt; die 7-te Brigade, in erſter Linie: das 1-te Bataillon des 15-ten und
zwei Bataillonen des 4-ten Landwehr-Regiments und das Thüringer Bataillon;
in zweiter Linie: das Leib-Regiment und das 2-te Bataillon des 15-ten Land
wehr-Regiments; vier Schwadronen Landwehr; die Batterie N 3. Die 8-te
Brigade, in erſter Linie: das 2-te und 3-te Bataillon des Brandenburger und
das 3-te Bataillon des 12-ten Reſerve-Regiments; in zweiter Linie: das 1-te
Bataillon des 12-ten Reſerve-Regiments und ein Landwehr-Bataillon; zwei
Schwadronen Brandenburger Huſaren; die Batterie N 15; in Allem in beiden
Brigaden: 13 Bataillonen und 6 Schwadronen, mit 16 Geſchützen, 7,000
Mann an der Zahl. Wagner. II. 83 und 97.
(10) Die 2-te Brigade war in zwei Linien aufgeſtellt; in erſter Linie:
das 1-te oſt-preußiſche Regiment; in zweiter Linie: beide Musketier-Bataillo
nen des 1-ten Regiments; das Landwehr-Bataillon bildete eine zerſtreute
Schützenkette. Vier Schwadronen Mecklenburger Huſaren und die Batterie N 1
ſchloſſen ſich der Brigade an. Die 1-te Brigade war auch in zwei Linien auf
geſtellt; in erſter Linie: drei Bataillonen des 13-ten Landwehr-Regiments und
das ſchleſiſche Grenadier-Bataillon; in zweiter Linie: drei Bataillonen des
5-ten Landwehr-Regiments und das oſt-preußiſche Grenadier-Bataillon. Zwei
Schwadronen des 2-ten Leib-Huſaren-Regiments und die Batterie N 2 ſchloſſen
ſich der Brigade an. In Allem beſtanden die beiden Brigaden aus 13 Batail
lonen und 6 Schwadronen mit 16 Geſchützen, 7,000 Mann an der Zahl. Die
Reſerve-Kavalerie, unter dem Befehle des Oberſten Jürgaß, nämlich die Dra
- XXXWI -

goner-Regimenter Litthauen und Weſt-Preußen und das Neumärker Landwehr


Regiment, in Allem: 13 Schwadronen, mit den reitenden Batterien N 1 und
M 3, zählte an 1,500 Mann. Wagner. II. 86. 88 und 96–97.
(11) Die Kavalerie der Avantgarde, unter dem Befehle des Oberſten Katzler,
beſtand aus zwei Schwadronen des 2-ten Leib-Huſaren-Regiments, drei Schwa
dronen des Brandenburger Huſaren-Regiments und den Regimentern: das
Brandenburger Uhlanen-, das oſt-preußiſche National- und das 5-te Landwehr
Regiment, mit der reitenden Batterie N 2, 1,800 Mann an der Zahl Wag
ner. II. 96.

(12) Wagner II. 85–86. – Beitzke. II. 576–577. – Marmont. V.


178. – Aſter. I 523–527.
(13) Journal des Corps Langeron. – Aſter. I. 527–528.
(14) Droyſen. III. 154–155. – Marmont. V. 178–179. – Aſter
behauptet (1.537–538), daß die Sprengung der Pulverkaſten etwas ſpäter
erfolgte, namentlich während des Vorrückens der 1-ten preußiſchen Brigade.
(15) Aſter. I. 535.
(16) Aſter. I. 535.
(17) Wagner. II. 87–89. – Aſter. I. 536–537.
(18) Marmont (V.178.) ſchreibt: «Je donnai l'ordre à la brigade
de cavalerie wurtembergeoise, commandée par le général Normann,
de charger cette infanterie présentant à la vue la plus grande confu
sion. Elle refusa d'abord d'exécuter mes ordres, et le moment passé,
il n'y avait rien à entreprendre de bien utile. A l'arrivée du second
ordre, elle s'ébranla cependant, mais se jettant sur un bataillon du
1-er regiment de marine, le culbuta au lieu de se précipiter sur l'en
nemi') qui se retablit et recommença son offensive. »...... (Ich befahl
der würtembergiſchen Kavalerie - Brigade des Generals Normann dieſe Infan
terie, welche ſich in augenſcheinlicher Verwirrung befand, anzugreifen. Der Be
fehl blieb unerfüllt; der günſtige Augenblick zum Angriffe war verſäumt. Nach
erfolgtem zweiten Befehle ſetzte ſie ſich zwar in Bewegung, griff aber nur ein

') Es müßte heißen: au lieu de se précipiter sur la masse de l'ennemi.


- XXX WII -

Bataillon des 1-ten Marine-Regiments an, anſtatt ſich auf die Maſſe des
Feindes zu werfen; obgleich das Bataillon geworfen wurde, ſtellte ſich der
Feind zurecht und erneuerte die Offenſive.)
(19) Wagner. II. 90–91. – Droyſen. 111. 160–163 und 165–167.
– Aſter. I. 538–540. -

(20) Aſter. I. 541–542.


(21) Journal des Corps Langeron. – Wagner. II. 92–94. – Aſter. I.
528–53 1. – Marmont V. 180.

(22) C. v. W. (Müffling.) Die Feldzüge der ſchleſiſchen Armee Zweite


Auflage 84–86.
(23) Plotho. II. 392–393. –- Droyſen. III. 169. – Nach der Angabe
Aſter's eroberten die verbündeten Truppen 43 Geſchütze, mehr als 200 Fuhren,
einen Adler und eine Fahne. – Marmont (V. 179.) zeigt in Allem 27 und
Vaudoncourt (210.) 10 Geſchütze an.
(24) Plotho. II. 393. – Aſter. I. 547.
(25) Aſter. I. 554–555.
(26) C. v. W. (Müffling) Die Feldzüge der ſchleſiſchen Armee. Zweite
Auflage. 78–79.
(27) Journal des Corps Sacken. – Journal des Corps Langeron. –
Plotho. II. 393
(28) Plotho. II. 396.
(29) C. v. W. (Müffling.) 87.
(30) Journal des Corps Sacken. – Journal des Corps Langeron. –
Müffling 88–89. – Aſter II. 43–44.
(31) Müffling. 90. – Aſter. II. 44–45.
(32) Aſter. II. 46–47.
(33) Richter. Geſchichte des deutſchen Freiheitskrieges vom Jahre 1813
bis zum Jahre 1815. II. 261. – Varnhagen v. Enſe. Leben des Fürſten
Blücher von Wahlſtadt. Zweite Auflage. 232.
(34) Bernhardi. Denkwürdigkeiten des Grafen v. Toll. III. 445–446.
– Aſter II. 15 und 20–21.
– XXXVIII –

(35) Plotho. II. 397. – Aſter. II. 19–20 und 23. – Bernhardi. III.
446–447.

(36) Aſter. II. 27–28.


(37) Bernhardi. III. 445 und 521–524.
(38) Droyſen. III. 130.
(39) Aſter. II. 33. – Thiers. Edit. de Brux. XVI. 655.
(40) Müffling. 92–94. – Varnhagen v. Enſe. 234–238.
Beilagen zum Kapitel XLI.

(1) Schulz, Geſchichte der Kriege in Europa ſeit dem Jahre 1792. XI.
1. Band. 117–118. – Aſter. Die Schlachten bei Leipzig im October 1813.
II. 73–77.

(2) Beſtand der Kolonnen der böhmiſchen Armee: die linke Kolonne, des
Kronprinzen von Heſſen-Homburg: Corps Colloredo 19,800 Mann; Corps
des Kronprinzen von Heſſen-Homburg 15,400 Mann; Diviſion Alois Lichten
ſtein 8,400 Mann; in Allem 43,600 Mann öſtreichiſcher Truppen; die mitt
lere Kolonne, Barklay de-Tolli's: Corps des Fürſten Gortſchakow und des
Prinzen Eugen von Würtemberg mit der Kavalerie des Grafen Pahlen, unter
dem Befehle des Grafen Wittgenſtein, 8,400 Mann; preußiſches Corps
Kleiſt's: die Brigaden Klüx, Pirch und des Prinzen Auguſt, mit der Reſerve
Kavalerie Röder's, 9,800 Mann; ruſſiſch-preußiſche Reſerven 28,900 Mann,
überhaupt 47,100 Mann, worunter 32,600 Ruſſen und 14,500 Preußen;
die rechte Kolonne, des Generals Bennigſen: polniſche Armee 28,000 Mann;
Corps Klenau und Diviſion Bubna 23,500 Mann; Brigade Ziethen 5,000
Mann; Koſaken-Detaſchement Platow 3,000 Mann; in Allem 59,500 Mann,
worunter 31,000 Ruſſen, 23,500 Oeſtreicher und 5,000 Preußen. – Schulz.
XI. 1. Band. 119–120.

(3) Aſter. II. 78.


(4) Varnhagen v. Enſe. Leben des Fürſten Blücher von Wahlſtadt. Zw.
Aufl. 238–239. – Aſter. II. 82.
(5) Verbündete Truppen, die an der Schlacht vom # October Theil ge
IONNEN :

Des Kronprinzen von Heſſen-Homburg . . . . . . . 43,600 Mann.


„ Generals Barklay de-Tolli . . . . . . . . . 47,100 „
„ Generals Bennigſen . . . . . . . . . . . 59,500 „
„ Kronprinzen von Schweden und Generals Graf Lan
geron . . . . . . . . . . . 83,000 „
Der Generale Sacken und Mork . . . . . . . . . 15,000 „
Des Grafen Gyulay . . . . . . . . . . . . 18,000 „
Diviſion des Generals Lederer . . . . . . . . . 4,000 „
In Allem: 280,200 Mann.
(6) Aſter. II. 87–88.

(7) Journal der Operationen des Grafen Bennigſen (Eingehende Schrift


ſtücke, Nº 1,822). – Hofmann. Zur Geſchichte des Feldzuges von 1813. Zw.
Aufl. 291. – Aſter. II. 89–90. -

(8) Journal des Generals Bennigſen. – Plotho. Der Krieg in Deutſch


land und Frankreich in den Jahren 1813 und 1814. II.407–409. – Hof
mann. Zw. Aufl. 291–292. – Aſter. II. 90–97.
(9) Journal Barklay de-Tolli's. (Arch. des mil top. Depots, N 29,188.)
– Journal des Prinzen Eugen von Würtemberg. (Arch. des mil. top. Depots,
N 47,344.) – Plotho. II. 402–405. – Beitzke. Geſchichte der deutſchen
Freiheitskriege in den Jahren 1813 und 1814. 602 und 605. – Aſter. II.
98–102.

(10) Plotho. II. 402. – Aſter. II. 103–110 und 115–116. – Ber
neck. Die Schlachten bei Leipzig. 135–136.
(11) Aſter. II. 116–118.
(12) Aſter II. 119–120. – Beigte. II. 611.
(13) Beſtand der Avantgarde unter dem Befehle des Generals Rudſe
witſch: Jäger-Regimenter: 7, 12, 22, 30 und 48. Infanterie-Regimenter:
Schlüſſelburg und Olonetz; Dragoner-Regimenter der Brigade Emanuel:
- XLI -

Charkow und Kiew. Journal des Corps Langeron. – Journal des Corps des
General-Adjutanten Korf. – Aſter. II. 133.
(14) Aſter. II. 137–138.
(15) Aſter. II. 121 und 123–125.
(16) Aſter. II. 126. -

(17) Plotho. II. 410–411. – Aſter. II. 139–141. – Beitzfe. II.


618 – 619.

(18) Journal des Corps Sacken. (Arch. d. mil. top. Depots, N 16,643.)
– Aſter II. 141–142.
(19) Journal der polniſchen Armee. – Aſter. II. 148–149.
(20) Aſter. II. 141.
(21) Aſter. II. 128–129 und 144–145
(22) Aſter. II. 152–153.
(23) Aſter (II. 150–155.) beſchreibt die Einzelnheiten des Uebergangs
der ſächſiſchen Diviſion auf die Seite der Verbündeten.
(24) Aſter. Il. 156.
(25) Journal der polniſchen Armee.
(26) Idem. – Aſter. II. 158–162.
(27) Journal des Prinzen Eugen von Würtemberg – Vaudoncourt.
Histoire de la guerre soutenue par les Français en Allemagne en
1813. 214–215. – Aſter. II. 163–169.
(28) Aſter. II. 169–170.
(29) Aſter. II. 171–173.
(30) C. v. W. (Müffling) Zur Kriegsgeſchichte der Jahre 1813 und
1814. Zw. Aufl. 96–97. – Aſter. II. 180–183.
(31) Marmont. Mémoires. V. 183–185. – Varnhagen von Enſe.
Zw. Aufl. 241. – Aſter. II. 183–195.
(32) Aſter. II. 195
(33) Plotho. II. 414.
(34) Aſter. II. 178–179.
(35) Bernhardi. Denkwürdigkeiten des Grafen v Toll. III. 460.
(36) Aſter. II. 198. – Nach Pelet (Spect. milit. 1830.) und Fain
(Manuscrit de 1813. II. 442.) ſoll Napoleon die Errichtung zeitweiliger
– XLII -

Brücken auf dem Wege ſeines Rückzuges angeordnet haben, dieß wurde aber
nicht erfüllt.
(37) Hofmann. Zw. Aufl. 298. – Aſter. II. 200–203.
(38) Aſter. II. 225–226 und 230–232.
(39) Aſter. II. 228.
(40) Vaudoncourt. 218–219. – Fain. Manuscrit de 1813. 2-me
édit. II. 430–432. – Norvins. Portefeuille de 1813. Il. 414.
(41) Beitzke. II. 634. – Hofmann (305.) ſchreibt, daß die franzöſiſche
Artillerie in den letzten vier Tagen 175,000 Ladungen verſchoſſen habe. –
Vaudoncourt (218.) zeigt 350,000 Ladungen an
Beilagen zum Kapitel XLII.

(1) Beitzke. Geſchichte der deutſchen Freiheitskriege in den Jahren 1813


und 1814. Il. 636.
(2) Sporſchill. Die große Chronik. I. 768–769. – Aſter. Schlachten bei
Leipzig II. 266 und 270. -

(3) Vaudoncourt. Histoire de la guerre soutenue par les Fran


Lais en Allemagne. 220. -

(4) Fain. Manuscrit de 1813. II. 436–440.


(5) Plotho. Der Krieg in Deutſchland und Frankreich in den Jahren 1813
und 1814. II. 416. – Bernhardi. Denkwürdigkeiten des Grafen v. Toll. III.
461–462.

(6) Bernhardi. III. 464.


(7) Plotho. II. 416–417. – Bernhardi. III. 464–469.
(8) Im Journale Bennigſen's iſt geſagt, daß die polniſche Armee den
Grimmaer Schlag angegriffen habe.
(9) Journal der polniſchen Armee. – Aſter. II. 275.
(10) Plotho. II. 419–420. – Aſter. II. 283–292. – Beitzke. II.
644–646. -

(11) Journal des Corps Sacken. – Journal des Corps Langeron. –


Plotho. II.420. – Richter. Geſchichte des deutſchen Freiheitskrieges vom Jahre
1813 bis zum Jahre 1815. II. 315–316. – Aſter. II. 292–294.
(12) Vaudoncourt (221.), Norvins (Portefeuille de 1813. 11.420.)
und auch andere franzöſiſche Schriftſteller verſichern, daß die badenſchen Truppen
- XLI W -

den Peters - Schlag freiwillig den Verbündeten übergeben hätten; es iſt dieß
aber eine der Wahrheit nicht angemeſſene Angabe. Milit. Wochenblatt. 1830.
JN 714 und 715.

(13) Förſter. Befreiungskriege 1813, 1814, 1815. II. 322–323.


(14) Aſter. II. 324–327.
(15) Moniteur du 30 octobre 1813. – Richter. l I. 323. – Aſter.
11. 300–304 und 320. – Beitzke. II. 649–650. – Oberſt Montfort und
der Corporal, der die Brücke anzündete, wurden unter Kriegsgericht geſtellt.
(16) Aſter. II. 317–318
(17) «La victoire en a décidé. Je suis entre les mains de Wotre
Majesté Impériale. Les conditions qu'Elle daignera m'offrir ne peu
vent étre que justes et conformes à mes intérêts et à ceux de mes
peuples. Je suis prét dans ce cas à y accéder et à les maintenir avec
la méme rigueur qui a été jusqu'ici la régle de mes démarches. Que
Votre Majesté Impériale veuille m'accorder une marque nouvelle a
Sa bienveillance, en ne tardant pas à me faire savoir à cet égard Ses
intentions et celles de Ses puissants alliés.»
(18) «Les egards que je dois à la position malheureuse oü Votre
Majesté se trouve, mimposent le devoir de ne pas entrer en discus
sion sur les motifs qui ont guidé sa marche politique. L'intérét mi–
litaire doit dans les circonstances actuelles diriger seul les vues que
je puis suivre à l'égard de Votre Majesté.»
(19) Plotho. II. 422–424. – Hofmann. Zur Geſchichte des Feldzuges
vom Jahre 1813. Zw. Aufl. 305. – Vaudoncourt. 222. – Schulz. Ge
ſchichte des Krieges in Europa ſeit dem Jahre 1792. XI. 1. Band. 152–153.
– Aſter. II. 221–224. – Beitzke. II. 654. – Thiers. Histoire du Con
sulat et de l'Empire. Edit. de Brux. XVI. 699–700.
(20) Sporſchill. I. 934–935. – Aſter. II. 356–357.
(21) Sporſchill. I. 936–937. – Aſter. II. 357.
(22) Während des Angriffes auf Leipzig verliehen der Kaiſer Alexander
und der König Friedrich Wilhelm dem Fürſten Schwarzenberg den St. Georgen
Orden 1-ter Klaſſe und den ſchwarzen Adler-Orden und beglückwünſchten ihn
– XLW –

zum Siege, welcher ſeinen Namen verewigen werde. Der Feldmarſchall erwi
derte: „daß er nur der Vollzieher der Befehle der verbündeten Monarchen ge
weſen ſei und daß der Ruhm des Sieges ſowohl ihnen als den Heerführern und
Truppen, die für die Unabhängigkeit Deutſchlands gekämpft, gebühre.“ Plotho.
II. 4.17–4 18.

(23) Oeſtr. milit. Zeitſchrift. 1830. VIII. Heft. – Plotho. II. 426–
427 und 429. – Hofmann. 308–309.
(24) Plotho II. 426 –427.
Beilagen zum Kapitel XLIII.

(1) Vaudoncourt. Histoire de la guerre soutenue par les Fran–


çais en Allemagne en 1813. 224. – Aſter. Schlachten bei Leipzig. II.
361 – 363.

(2) Für den 20, 21 und 22 October n. St. beſtimmte die Dispoſition
folgende Bewegung:
In der rechten Kolonne der böhmiſchen Armee ſollten marſchieren:
Den # October:

Das 3-te Corps Gyulay, die 1-te leichte Diviſion des Prinzen Moritz Lichten
ſtein und die Kavalerie Noſtitz nach Naumburg.
Die ruſſiſch-preußiſchen Reſerven nach Teuchern.
Die Corps Wittgenſtein und Kleiſt nach Pegau.
Den Ä October:
Die Truppen Gyulay's, Lichtenſtein's und Noſtitz's nach Eckartsberg
Die ruſſiſch-preußiſchen Reſerven nach Haſſenhauſen.
Wittgenſtein und Kleiſt nach Stöſſen.
Den ÄOctober: -

Die Truppen Gyulay's u. ſ. w. nach Buttelſtädt.


Die ruſſiſch-preußiſchen Reſerven nach Auerſtädt.
Wittgenſtein und Kleiſt nach Eckartsberg.
In der linken Kolonne der böhmiſchen Armee:
Den October:
Das 1-te Corps Colloredo, das 2-te Corps Alois Lichtenſtein und die Infan
terie-Reſerve B