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Lesetext

Kapitel 2, Modul 2

1a Lesen Sie den Text auf dieser und der nächsten Seite und notieren Sie
Stichworte zu den Phasen. Was passiert beim Sprachenlernen?
6 bis 8 Wochen
2 bis 6 Monate
5 bis 9 Monate
10 bis 20 Monate
ab 2 Jahren

ab 3 Jahren

ab 5 Jahren

Raus mit der Sprache


„Eine warme Suppe wäre heute das Lachen bewusst einsetzen und versteht
wunderbar“, sagt die dreijährige Paula und die Bedeutung von Gebärden.
schaut in die erstaunten Gesichter ihrer
Nun folgt eine Phase, auf die die meisten
Eltern. Bisher hatte Paula doch nur in sehr
Eltern sehnsüchtig warten. Die Kleinen
verkürzten Sätzen gesprochen und nun das:
spielen mit den Silben und bauen sie
Eine Äußerung, klar gegliedert und alle
aneinander. „Bebe“ und „Tata“ werden von
Wörter korrekt an ihrem Platz. Sogar einen
den Großen als Training hingenommen, bei
Konjunktiv hat Paula eingebaut. Was ist
„Mama“ und „Papa“ werden Eltern
passiert?
euphorisch und unterstellen, dass diese
Kinder orientieren sich an ihrer Umwelt, Wörter mit Absicht ausgesprochen werden.
und das vom ersten Tag an. Mit sechs bis Dies ist allerdings im Alter von fünf bis neun
acht Wochen nehmen sie schon vieles Monaten noch nicht der Fall.
wahr, auch wenn sie noch lange nicht
Es dauert jetzt aber nicht mehr lange, bis
sprechen. Sie hören den Erwachsenen
die Kinder die ersten Wörter bilden. In
ganz genau zu. Und was sie hören, ist
ersten Einwortäußerungen wählen sie vor
etwas ganz anderes als klar getrennte
allem Wörter aus, die für sie besonders
Wörter und korrekte Endungen, sondern
wichtig sind wie „schlafen“ und „essen“. In
eher Äußerungen wie „IsnochKaffeinna-
ihren ersten 18 Monaten können Kinder
Dose?“ oder „DaisOma“. Trotzdem ver-
nicht nur die ersten 50 Wörter sprechen,
stehen sie uns.
sondern damit auch ihre ersten Fragen
Mit zwei bis sechs Monaten entwickeln stellen, Dinge benennen oder Kommandos
Babys die ersten Laute, die sich deutlich geben. Sie wissen, was die Wörter be-
vom Schreien unterscheiden, meist sind es deuten und nach dem ersten Grund-
Vokale, aber auch die ersten Silben werden wortschatz folgt eine wahre Wort-Explosion,
produziert. Inzwischen kann ein Kind auch in der bis zum 20. Monat etwa 200 Wörter
aktiv verwendet werden.

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Kapitel 2, Modul 2

Bei den Wörtern geht es rasant weiter. spielt das Imitieren von Aussprache oder
Zwischen zwei und fünf Jahren bauen die ganzer Phrasen hier wie bei den Ein- und
Kinder ihren Wortschatz bis auf 3.000 Zweiwortäußerungen immer noch eine
Wörter aus. Sie beschränken sich dabei große Rolle. Und so kommt es zu diesen
nicht auf Alltagswörter, sondern probieren ungewöhnlich erwachsen klingenden Be-
auch viele Begriffe aus, von denen sich merkungen wie: „Du siehst heute einfach
Eltern fragen, wo sie sie denn her haben, traumhaft aus.“
wie z.B. „positiv“ oder „Begeisterung“. Diese
Bis zum fünften Lebensjahr erscheint der
Frage ist für Sprachforscher nach wie vor
Spracherwerb weitestgehend abge-
ungeklärt. Sicher ist aber, dass Kinder alle
schlossen. Trotzdem kämpfen die Kinder
Quellen nutzen, die sie bekommen können,
mit der Grammatik. Dass es in der Sprache
das Fernsehen genauso wie Gespräche in
Autos, aber keine Messers gibt oder dass
der Straßenbahn.
Opa nicht in die Stadt gegeht ist, muss
Aus den ersten einzelnen Wörtern verstanden und oft trainiert werden. Mit dem
werden schon bald einfache Zweiwortsätze. sechsten Lebensjahr erreicht der Mensch
Wenn Kinder „mehr holen“ oder „Ball eine „sensible Phase“, nach der Sprache
haben“ sagen, haben die Erwachsenen nie wieder erworben werden kann wie die
aber oft ihre Mühe, zu verstehen, was sie Muttersprache. Die weiteren Sprachen
sagen wollen. Die Äußerungen sind werden anders wahrgenommen als die
kontextabhängig und mehrdeutig. Der Ball erste Sprache, und so haben Chinesen mit
ist eben nicht nur der Ball, sondern auch dem r und l ihre Mühe und Deutsche
eine Orange oder eine Murmel. Und so kämpfen mit dem englischen th. Ein Trost
kann es schon einmal zu bleibt: Später können wir Regeln leichter
Missverständnissen kommen. lernen und korrekter anwenden. Fähigkeiten
der Kleinkinder, die wir aber wieder erlernen
Ab dem dritten Lebensjahr werden
können, sind, hemmungslos zu sprechen,
Verben, Präpositionen, Adjektive und
viele Fehler zu machen und aus ihnen zu
Pronomen verwendet. Vollständige Sätze
lernen. Also: Raus mit der Sprache!
sind nun keine Seltenheit mehr. Auch wenn
Kinder eigene Sätze bilden können, so

b Berichten Sie von den Phasen des Spracherwerbs. Erklären Sie sich die
Phasen abwechselnd zu zweit. Benutzen Sie dabei Ihre Notizen aus 1a.

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Kapitel 2, Modul 2
Lösung

1a
6 bis 8 Wochen: Kinder nehmen das Gesprochene der Erwachsenen bewusst wahr
und verstehen es auch.
2 bis 6 Monate: Entwicklung der ersten Laute (Vokale und auch erste Silben);
können Lachen bewusst einsetzen und verstehen die Bedeutung
von Gebärden
5 bis 9 Monate: Babys spielen mit Silben und bauen sie aneinander
10 bis 20 Monate: erste Einwortäußerungen, stellen Fragen, geben Kommandos,
benennen Dinge und wissen, was die Wörter bedeuten, benutzen
ca. 200 Wörter aktiv
ab 2 Jahren: der Wortschatz wird ausgebaut, probieren Wörter aus, die sie
irgendwo gehört haben, bilden einfache Zweiwortsätze
ab 3 Jahren: Verben, Präpositionen, Adjektive und Pronomen werden
verwendet, vollständige Sätze werden gebildet, weiterhin Imitieren
der Aussprache
ab 5 Jahren: Spracherwerb fast abgeschlossen, Ausbau der Grammatik

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