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Brandschutz im ausgebauten Dach

Dipl.- Ing. Heinz Zanger


Allgemeines Die brandschutztechnische Einstufung verschiedenen Landesbauverordnun-
von Baustoffen und Bauteilen wird gen (LBauO) erschweren darüberhin-
Der bauliche Brandschutz ist eines der
ausführlich in der deutschen Brand- aus eine Gesamtdarstellung. Im vorlie-
umfangreichsten Kapitel im deutschen
schutz-Norm DIN 4102 geregelt. genden Fachbeitrag wird der Versuch
Bauordnungsrecht. Baustoffe müssen
Die Musterbauordnung (MBO) und die unternommen, neben einigen Grund-
so gewählt werden, daß die Anforde-
darauf basierenden Landesbauordnun- lagen, die zum Gesamtverständnis
rungen des vorbeugenden Brandschut-
gen enthalten darüber hinaus ausführ- erforderlich sind, vom Grundsatz her
zes erfüllt sind.
liche Anforderungen für die verschie- das steildach-relevante Wissen im vor-
Die Einhaltung der Brandschutz-Anfor-
denen Bauteile und die in diesen beugenden Brandschutz, das Regel-
derungen wird im Baugenehmigungs-
Bauteilen verwendeten Baustoffe. werk und einige Ausführungsdetails
verfahren – zumindest bisher – streng
Um die Komplexität des Gesamt- zusammenzutragen. Ein Anspruch auf
überwacht.
themas kurz zu umreißen, wird in der Vollständigkeit kann nicht erhoben
Die Brandschutz-Vorschriften sollen vor
Abbildung 1 eine Übersicht dargestellt, werden. Da die Ausführungen lediglich
allem
die eine Einordnung der hier behandel- einer Groborientierung dienen sollen, ist
■ der Entstehung von Bränden vor- ten Thematik erlaubt. in der Praxisanwendung immer auch
beugen, auf die Regelwerke insbesondere auf
Neben der Fülle der Einzelthemen/Vor- den Brandschutzatlas [5] zurück-
■ Brände auf bestimmte Abschnitte schriften etc. sind auch die teilweise zugreifen.
begrenzen und weitergehenden Auffassungen der
■ Flucht- und Rettungswege vom Sachversicherer zu berücksichtigen, da Im folgenden werden einige wichtige
Feuer freihalten und dadurch auch hierdurch auch eine Reduzierung der brandschutztechnische Begriffe der
den Löschangriff der Feuerwehr Prämienzahlungen ermöglicht wird. DIN 4102 und der Landesbauordnun-
ermöglichen. Unterschiedliche Aussagen in den gen erläutert.

Abb. 1:
Grundsatzforderungen und Einzelanforderungen zum Brandschutz in der
Musterbauordnung

GRUNDSATZFORDERUNGEN

Öffentliche Sicherheit oder Ordnung dürfen Der Entstehung und Ausbreitung von
nicht gefährdet werden Schadenfeuern muß vorgebeugt werden

EINZELANFORDERUNGEN

Lage auf dem Brandverhalten Größe und Schutz Lage und


Grundstück und von Baustoffen der Gestaltung der
zur und Bauteilen Brandabschnitte Rettungswege
Nachbarbebauung

Betrachtungs-
bereich:
Geneigtes Dach
1. Einleitung gen. Das europäische Regelwerk wird wichtige Aspekte die Brandsicherheit
hier nicht betrachtet (siehe Tabelle 3). von Gebäuden beeinflussen. Beson-
1.1 Baustoffklassen nach
ders günstig wirkt sich dabei in allen
DIN 4102-1 [1]
Fällen die Verwendung nichtbrennbarer
Eines der wichtigsten Kriterien für die 1.3 Bauaufsichtliche Anforde- Baustoffe aus. Im Wohnungsbau wer-
Beurteilung von Baustoffen ist ihr Ver- rungen den in den Prämienrichtlinien der Sach-
halten im Brandfall. Die brandschutz- Die Brandschutz-Anforderungen an versicherer die folgenden Bauartklas-
technische Einstufung von Baustoffen Bauteile sind in den Bauordnungen der sen unterschieden (siehe Tabelle 10).
erfolgt nach DIN 4102-1. Dort wird Bundesländer, den zugehörigen Durch- Analog gibt es entsprechende Einstu-
unterschieden zwischen nicht brenn- führungsverordnungen, Verwaltungs- fungen für Fertighäuser (siehe Tabelle
baren Baustoffen (Baustoffklasse A) vorschriften und -richtlinien festge- 11).
und brennbaren Baustoffen (Baustoff- schrieben. Obwohl bei der Neufassung Die Einstufungen gelten nur für Gebäu-
klasse B). der Landesbauordnungen Anfang der de mit „harter“ Bedachung, z. B. Dach-
Die Einstufung in Baustoffklassen 90er Jahre von der Arbeitsgemein- ziegel, Dachsteine, Schiefer, Faserze-
erfolgt entweder mit genormten Brand- schaft der für das Bauwesen zuständi- ment. Im Industriebau unterscheiden
versuchen nach DIN 4102-1 oder bei gen Minister und Senatoren der die Sachversicherer in ihren Prämien-
entsprechend bewährten Baustoffen Bundesländer (ARGEBAU) erneut eine richtlinien ebenfalls drei Bauklassen
anhand einer Klassifizierung in DIN Musterbauordnung (MBO, letzte Fas- (siehe Tabelle 12).
4102-4 (siehe Tabelle 1). sung vom Juni 1996) [3] erarbeitet Ebenfalls auf Grundlage ihrer Scha-
Die Wahl nichtbrennbarer Baustoffe ist wurde, unterscheiden sich die Vor- denserwartungen stellen die Feuerver-
eine wesentliche Voraussetzung für die schriften der einzelnen Bundesländer sicherer über die Bauordnungen hin-
Erfüllung von Brandschutzanforderun- weiterhin in gravierenden Details. ausgehende Anforderungen an die
gen an Bauteile. Sie ist allein jedoch Die folgenden Ausführungen beziehen Brandwände (siehe Tabelle 13).
noch nicht ausreichend, wenn das sich auf Wohngebäude und Gebäude
Brandverhalten des aus den Baustoffen vergleichbarer Nutzung. Für andere
hergestellten Bauteils nicht den Anfor- Bauten, z. B. Versammlungstätten, 2. Vorbeugender Brandschutz im
derungen genügt. So haben z. B. Krankenhäuser und Industriebauten, ausgebauten Dachgeschoß
ungeschützte Bauteile aus dem nicht- gelten darüber hinaus in den einzelnen 2.1 Brandentwicklungen im Dach-
brennbaren Baustoff Stahl keinen Bundesländern spezielle Verordnungen. bereich
Feuerwiderstand. Die meisten Landesbauordnungen
unterscheiden bei der Festlegung von Die Abbildung 2 zeigt exemplarisch 6
Anforderungen im Bereich von üblichen Fälle von Brandentwicklung im Dach-
Mauerwerksbauten, d. h. unterhalb der geschoßbereich
1.2 Feuerwiderstandsklassen nach
Hochhausgrenze von 22 m, nach 5 Fall 1: Der Primärbrand breitet sich
DIN 4102-2 [2]
Gebäudeklassen (siehe Tabelle 4). vom darunterliegenden Geschoß ins
Bauteile bestehen aus Baustoffen. Die Die Tabellen 5 bis 9 enthalten die wich- Dachgeschoß aus.
brandschutztechnische Einstufung tigsten brandschutztechnischen Anfor- Fall 2: Der Wind verursacht einen
eines Baustoffes läßt jedoch noch derungen der Musterbauordnung, Brand, Übertritt über die Brandschutz-
keinen Schluß auf das Brandverhalten Fassung 06.1996, für wand.
eines Bauteils zu.
Bauteile werden daher entweder durch ■ tragende Bauteile, Fall 3: Strahlende Wärme und Flugfeuer
Klassifizierung nach DIN 4102-4 oder ■ Trennwände, übertragen den Brand auf das Nach-
aufgrund von Brandversuchen nach ■ Brandwände, bardach.
DIN 4102-2 in Feuerwiderstandsklas- ■ Decken und Fall 4: Wie 3 aber Primärbrand im
sen eingestuft. ■ Treppenraumwände. Geschoßbereich mit Austritt aus Fen-
In der Prüfung nach DIN 4102-2 wird steröffnung.
die Zeit ermittelt, die das Bauteil dem auf einen Bick. Die Bauordnungen aller
16 Bundesländer nehmen im wesent- Fall 5: Flugfeuer und herabstürzende
Feuer widersteht, ohne seine Funktion,
lichen darauf Bezug. Da alle entspre- brennende Trümmer führen zum
z. B. Tragfähigkeit und/oder Raumab-
chenden Bauteile auch im ausgebauten Brandüberschlag auf Flachdach.
schluß, zu verlieren. DIN 4102-2 unter-
scheidet 5 Feuerwiderstandsklassen. Dachgeschoß auftreten können, wurde Fall 6: Wind treibt Primärbrand auf die
In Abhängigkeit von der Einstufung der der Vollständigkeit wegen das gesamte über der Austrittsöffnung liegende
verwendeten Baustoffe bezüglich ihrer Tabellenwerk hierzu zusammengefaßt. Dachfläche.
Brennbarkeit nach DIN 4102-1 werden
an die Feuerwiderstandsklasse die In allen dargestellten Fällen ist der
1.4 Weitergehende Anforderungen
Kurzzeichen A, AB oder B angefügt Feuerwiderstand, der den Aufenthalts-
der Sachversicherer
(siehe Tabelle 2). bereich der Menschen umgebenden
In der Musterbauordnung und in den Die langjährige Erfahrung der Feuerver- Bauteile, von Bedeutung für eine aus-
Landesbauordnungen finden sich die in sicherer zeigt, daß neben den Anforde- reichend bemessene Flucht- oder
der Tabelle 3 aufgeführten Bezeichnun- rungen der Bauordnungen weitere Rettungschance.
– mit einem Nachweis durch ein all-
gemeines bauaufsichtliches Prüf-
zeugnis über eine Prüfung nach
DIN 4102-7,
– mit einer Zustimmung im Einzelfall
der Obersten Baubehörde (des
Staatsministeriums des Innern)
= Ausnahmefall.
Bedachungen werden als „weiche“
Bedachungen bezeichnet, wenn sie
weder im „Katalog“ DIN 4102-4, Ab-
schnitt 8.7 aufgeführt sind noch der
Nachweis erbracht wurde, daß sie die
Anforderungen der Prüfung nach
DIN 4102-7 erfüllt haben (Prüfzeugnis)“

und an anderer Stelle [5]:

„Während die im „Katalog“ der DIN


4102-4 aufgeführten Bedachungen
unabhängig von der Dachneigung als
widerstandsfähig gegen Flugfeuer und
strahlende Wärme gelten, gibt die
Prüfnorm DIN 4102-7 zwei Anwen-
dungsbereiche hinsichtlich der Dach-
neigung an: 15° und 45°. Deshalb ist
bei Bedachungen mit einer Prüfung
nach DIN 4102-7 zu beachten, für
welche Dachneigung das allgemeine
bauaufsichtliche Prüfzeugnis gilt. Die
Prüfung nach DIN 4102-7 wird auch
auf Lichtplatten, Lichtbänder etc. ange-
wendet, für welche „harte“ Bedachung
nachzuweisen ist.“

2.3 Systematik des vorbeugenden


Brandschutzes
Die Abbildung 3 veranschaulicht, daß
erst im Zusammenwirken unterschied-
licher Elemente eine entsprechende
Feuerwiderstandsklasse erreicht wird,
die Einzelmaterialien an sich sind nur
Abb. 2 zur Erzielung dieser Feuerwiderstands-
klasse bei entsprechendem Aufbau
geeignet. Alle brandvorbeugenden
Überlegungen folgen zunächst der
2.2 Zum Begriff der „harten“ Baustoffe verhindern/verzögern eine Prämisse, Menschen die Flucht und
Bedachung Brandübertragung von der Eindeck- Rettern einen befristet sicheren Zugang
ebene in das Innere des Gebäudes. zu ermöglichen, und in zweiter Linie,
Gegen strahlende Wärme und Flug-
Zur Erfüllung der Anforderungen führt Werte zu schützen.
feuer widerstandfähige Eindeckungen
der Brandschutzatlas [5] nachstehende
werden als „harte“ Bedachung verstan-
Möglichkeiten an:
den. In DIN 4102-4 sind einige „harte“
Bedachungen aufgeführt, die aus „Verwendung von Bedachung,
künstlichem oder natürlichem Stein – die allgemein gebräuchlich und
bestehen. Dachsteine, Dachziegel, bewährt sind = klassifizierte Be-
Faserzementerzeugnisse und Natur- dachungen nach DIN 4102-4,
schiefer sind hier zu nennen. Diese Abschnitt 8.7,
3 Ausführungsdetails zum vorbeu- 3.2 Dachöffnungen
genden Brandschutz
3.1 Brandwandausbildungen im
Bereich der Dacheindeckung

Abb. 3

Abb. 5

Abb. 4
Abb. 8
Abb. 6

2.4 Regelkonstruktionen und ihre


brandschutztechnische Einord-
nung
Die Abbildung 4 zeigt beispielhaft drei
Regelkonstruktionen mit ihrer brand-
schutztechnischen Einordnung.

Abb. 7
3.3 Zweiter Rettungsweg

Abb. 9
Tabelle 1
Baustoffe werden in DIN 4102-1 nach ihrem Brandverhalten in folgende Baustoffklassen eingeteilt

BAUSTOFFKLASSE BAUAUFSICHTLICHE BENENNUNG

A nichtbrennbare Baustoffe
A1
A2
B brennbare Baustoffe
B1 schwerentflammbare Baustoffe
B2 normalentflammbare Baustoffe
B3 leichtentflammbare Baustoffe (unzulässig am Bau)

Tabelle 2
Benennung von Bauteilen nach DIN 4102-2 am Beispiel der Feuerwiderstandsklasse F 90

BAUSTOFFKLASSE NACH DIN 4102-1 BENENNUNG KURZBEZEICHNUNG

wesentliche Teile übrige Bestandsteile


A A Feuerwiderstandsklasse F 90 und aus F 90-A
nichtbrennbaren Baustoffen
A B Feuerwiderstandsklasse F 90 und in F 90-AB
den wesentlichen Teilen aus
nichtbrennbaren Baustoffen
B B Feuerwiderstandsklasse F 90 F 90-B

Tabelle 3
Anforderungen der Musterbauordnung und der Landesbauordnungen und zugehörige Feuerwiderstandsklassen nach
DIN 4102-2 und DIN 4102-4 (Mindestanforderungen fett gedruckt)

BENENNUNG/ ANFORDERUNG NACH MBO FEUERWIDERSTANDSKLASSE NACH


DIN 4102-2
feuerhemmend F 30-B, F 30-AB, F 30-A
feuerhemmend und in den tragenden Teilen aus nichtbrennbaren F 30-AB, F 30-A
Baustoffen
feuerhemmend und aus nichtbrennbaren Baustoffen F 30-A
feuerbeständig F 90-AB, F 90-A
feuerbeständig und aus nichtbrennbaren Baustoffen F 90-A
Tabelle 5

Erforderliche Feuerwiderstandsdauer von tragenden Wänden, Pfeilern und Stützen nach § 25 MBO

Gebäudeklasse 1 2 3 4 -

Gebäudeart freistehende Wohngebäude Wohngebäude und andere bauliche Anlagen und


1
Wohngebäude Gebäude Räume besonderer Art
Wohnungen 1 Wohnung £2 > 2 Wohnungen und Nutzung
Wohnungen
Gebäudehöhe geringe Höhe mittlere Höhe
Höhe des obersten Aufenthaltsraum h£7m h£7m h> 7m
Aufenthaltsraums bzw. in max. 2 h £ 22 m
Geschosses Geschossen
Normalgeschosse - feuerhemmend feuerhemmend feuerbeständig siehe entsprechende
(F 30-B) (F 30-B) (F 90-AB) Sonderbauverord-
Kellergeschosse - feuerhemmend feuerbeständig feuerbeständig nungen bzw. Ver-
und wesentl. (F 90-AB) (F 90-AB) waltungsvorschriften
Teile
nichtbrennbar
(F 30-AB)
oberste Geschosse von - - - -
Dachräumen
Aufenthaltsraum und - feuerhemmend feuerhemmend feuerhemmend
Wohnung im Dachraum (F 30-B) (F 30-B) (F 30-B)
1
sowie andere freistehende Gebäude ähnlicher Größe und freistehende landwirtschaftliche Betriebsgebäude.
Tabelle 6
Erforderliche Feuerwiderstandsdauer und Ausführung von Trennwänden nach § 27 MBO.

Gebäudeklasse 1 2 3 4 -

Gebäudeart freistehende Wohngebäude Wohngebäude und andere Gebäude bauliche Anlagen


Wohngebäude1 und Räume
Wohnungen 1 Wohnung £ 2 Wohnungen > 2 Wohnungen besonderer Art
Gebäudehöhe geringe Höhe mittlere Höhe oder Nutzung
Höhe des Aufenthlatsraum in h£7m h£7m h>7m
obersten max. 2 h £ 22 m
Aufenthaltsraums Geschossen
Erfordernis - Zwischen Wohnungen sowie zwischen Wohnungen und Siehe
fremden Räumen entsprechende
Normalgeschosse - feuerhemmend (F 30-B) feuerbeständig Sonderbauver-
(F 90-AB) ordnungen bzw.
Oberste - feuerhemmend (F 30-B) Verwaltungs-
Geschosse von vorschriften
Dachräumen
Kellergeschosse - feuerhemmend feuerbeständig (F 90-AB)
(F 30-B) Zwischen Aufenthaltsräumen ohne
Beleuchtung durch Tageslicht und
anderen Räumen (§ 46 (2) MBO)
Ausführung - - Bis zur Rohdecke oder bis unter die
Dachhaut2
4 3
Öffnungen - - unzulässig
1
sowie andere freistehende Gebäude ähnlicher Größe und freistehende landwirtschaftliche Betriebsgebäude.
2
gilt auch für Trennwände zwischen Wohngebäuden und landwirtschaftlichen Betriebsgebäuden sowie dem landwirtschaftlichen Betriebsteil und den
Wohnteil eines Gebäudes.
3
Öffnungen können gestattet werden, wenn die Nutzung des Gebäudes dies erfordert und sie mit mindestens feuerhemmenden, selbstschließenden
Abschlüssen versehen sind oder der Brandschutz auf andere Weise sichergestellt ist.
4
Sicherung von Öffnungen in feuerbeständigen Trennwänden.
Tabelle 7

Wesentliche Anforderungen und Ausführung von Brandwänden nach § 28 MBO

Gebäudeklasse 2 3 4 -

Gebäudeart Wohngebäude Wohngebäude und andere Gebäude angebaute


Wohnungen £ 2 Wohnungen < 2 Wohnungen landwirtschaftliche
Gebäudehöhe geringe Höhe mittlere Höhe Betriebsgebäude auf
Höhe des obersten h£7m h£7m h>7m demselben
Aufenthaltraums h £ 22 m Grundstück
1
Erfordernis: 3. Zwischen
1. Zum Abschluß von Gebäuden, bei denen die Abschlußwand bis zu Wohngebäuden und
Brandwände sind zu 2,5 m von der Nachbargrenze errichtet wird, es sei denn, daß ein angebauten
errichten Abstand von mindestens 5 m zu bestehenden oder nach den landwirtschaftlichen
baulichen Vorschriften zulässigen Gebäuden gesichert ist. Betriebsgebäuden auf
demselben
Grundstück sowie
2. Zur Unterteilung ausgedehnter Gebäude und bei zwischen dem
aneinandergereihten Gebäuden auf demselben Grundstück in Wohnteil und dem
Abständen von höchstens 40 m; größere Abstände können landwirtschaftlichen
gestattet werden, wenn es die Nutzung des Gebäudes erfordert und Betriebsteil eines
wenn keine Bedenken wegen des Brandschutzes bestehen. Gebäudes, wenn der
umbaute Raum des
Betriebsgebäudes
oder des Betriebsteiles
> 2.000 m³ ist.
Wandbauart feuerbeständige Brandwand
Wände zulässig
Ausbildung im Brandwände sowie Wände, die anstelle von Überdachführung 30 cm
Dachbereich Brandwänden zulässig sind, sind bis oder
unmittelbar unter die Dachhaut zu führen. in Höhe der Dachhaut Abschluß mit einer
beidseits 50 cm auskragenden
feuerbeständigen Platte. Darüber dürfen
brennbare Teile des Daches nicht
hinweggeführt werden.
Bei weicher Bedachung:
Überdachführung 50 cm.
Bauart und · feuerbeständig und aus nichtbrennbaren Baustoffen,
Ausführung von · dürfen bei einem Brand Standsicherheit nicht verlieren,
Brandwänden (BW) · müssen die Verbreitung von Feuer auf andere Gebäude oder Gebäudeabschnitte verhindern,
· dürfen nicht von Bauteilen mit brennbaren Stoffen überbrückt werden,
· Bauteile dürfen nur soweit eingreifen, daß der verbleibende Wandquerschnitt feuerbeständig
bleibt.
Für Leitungen, Leitungsschlitze und Schornsteine gilt dies entsprechend.
1 gilt nicht für seitliche Wände von Vorbauten wie Erker, die nicht mehr als 1,5 m vor die Flucht der vorderen oder hinteren Außenwand des
Nachbargebäudes vortreten, wenn sie von dem Nachbargebäude oder der Nachbargrenze einen Abstand einhalten, der ihrer eigenen Ausladung
entspricht, mindestens jedoch 1 m beträgt.
£ >
£



$XVQDKPHQ%D\HUQXQG+HVVHQIHXHUKHPPHQG )% 
Tabelle 10
Bauartklassen von Wohngebäuden nach den Prämienrichtlinien der Sachversicherer

Bauartklasse I Bauartklasse II Bauartklasse III

J J J
Außenwände: Außenwände: Außenwände:
· Massiv (z. B. Mauerwerk), · Holzfachwerk (ausgemauert) · Holzkonstruktion
· Stahlbetonskelett mit · Stahl- oder Betonskelett mit · Tragwerk und/oder Fassade
Ausmauerung nichtbrennbarer vorgehängter Holz oder brennbar (hierzu zählt
Fassade (Trapezblech) auch Stahlblech mit brennbaren
Isolierungen)

Die Einstufungen gelten nur für Gebäude mit "harter" Bedachtung (z. B. Dachsteine, Dachziegel, Faserzement, Schiefer).

Tabelle 11
Fertighausgruppen nach den Prämienrichtlinien der Sachversicherer

Gruppe 1 Gruppe 2 Gruppe 3

J J J
Bauart: Bauart: Bauart:
In allen Teilen (einschließlich der Tragende Konstruktion aus Stahl, Wie Gruppe 2, jedoch ohne
tragenden Konstruktion) aus Holz, Leichtbauteilen oder feuerhemmende Ummantelung
feuerbeständigen Bauteilen dergleichen. Außenwände innen bzw. Verkleidung
und außen mit mindestens
feuerhemmenden,
nichtbrennbaren Baustoffen
ummantelt bzw. verkleidet.

Die Einstufungen gelten nur für Gebäude mit "harter" Bedachtung (z. B. Dachsteine, Dachziegel, Faserzement, Schiefer).
Tabelle 12
Bauartklassen von Industriegebäuden nach den Prämienrichtlinien der Sachversicherer

Bauteile Bauartklasse R Bauartklasse N Bauartklasse Z

Tragwerke feuerbeständig und aus feuerhemmend (³ F 30-B) keine besonderen


Pfeiler, Stützen, tragende nichtbrennbaren Baustoffen oder Gebäude überwiegend Anforderungen
Außen- und Innenwände (F 90-A) aus nichtbrennbaren
Baustoffen
Nichttragende Wände feuerhemmend oder aus Gebäude überwiegend aus keine besonderen
nichtbrennbaren Baustoffen nichtbrennbaren Baustoffen Anforderungen
(³ W 30 oder
aus A-Baustoffen)
Dachtragwerke feuerhemmend (³ F 30-B) feuerhemmend (³ F 30-B) keine besonderen
oder Gebäude überwiegend Anforderungen
aus nichtbrennbaren
Baustoffen
Dachschalung feuerhemmend und aus - keine besonderen
nicht brennbaren Baustoffen Anforderungen
(F 30-A)
Dachunterseite keine unterseitig - keine besonderen
angebrachten brennbaren Anforderungen
Baustoffe
Bedachung hart hart keine besonderen
Anforderungen

Tabelle 13
Über die Musterbauordnung hinausgehende Anforderungen der Feuerversicherer an Brandwände

● Die Mindestdicke von Brandwänden aus Mauerwerk muß 24 cm betragen. Diese Anforderung ist mit Mauerwerk aus
Ziegeln nach DIN 105 problemlos zu erfüllen.

● Brandwände müssen bei feuerbeständigem Dach mindestens an dieses anschließen.

● Bei nicht feuerbeständigem Dach müssen Brandwände mindestens 30 cm über das Dach, bei Sheddächern
über die Shedspitze hinausragen.

● Brandwände müssen unversetzt durch alle Geschosse geführt werden.

● Dachöffnungen müssen von Brandwänden mindestens 5 m entfernt sein.

● Brandwände dürfen weder von brennbaren Baustoffen noch von nicht feuerbeständigen Baustoffen überbrückt werden.

Literatur [3] MBO = Musterbauordnung, [6] Regelgerechte Bauausführung im


Fassung 06. 96 Dachdeckerhandwerk, Jürgen Lech
[1] DIN 4102-1 Brandverhalten von (Hrsg.), WEKA Fachverlage GmbH,
[4] DIN 4102-4 Brandverhalten von
Baustoffen und Bauteilen; Baustoffe; Augsburg 1996
Baustoffen und Bauteilen; Zusammen-
Begriffe, Anforderungen und Prüfun-
stellung und Anwendung klassifizierter
gen, 05. 98
Baustoffe, Bauteile und Sonderbauteile,
03. 94
[2] DIN 4102-2 Brandverhalten von
Baustoffen und Bauteilen; Baustoffe; [5] Brandschutzatlas, Josef Mayr
Begriffe, Anforderungen und Prüfun- (Hrsg.), Feuer-Trutz GmbH, Wolfrats-
gen, 09.77 hausen 1995