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VOR U R T E I L E

ABBAUEN
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VORURTEILE, FEINDBILDER, SÜNDENBÖCKE? Die Roten Falken


kämpfen gegen stereotype Darstellungen in Medien und für ein Miteinander
frei von rassistischen, frauenfeindlichen und demokratiefeindlichen Vorurteilen.
Inhaltsverzeichnis

Teil I: Texte und Informationen 4 Diese Gruppenmappe gliedert sich in drei


Teile. Im Teil I haben wir einführende Infor-
Was sind Vorurteile? 4 mationen zum Thema Vorurteile in verschie-
denen Bereichen übersichtlich zusammen-
Vorurteile und Medien 6
gestellt.
Abbau von Vorurteilen 7

Vorurteilsbehaftete Bereiche
Rassismus 10
Arm & Reich 14
Mann & Frau 20

Teil II besteht aus einer Sammlung von


Teil II: Methoden 27
Übungen und Methoden, um den Themenbe-
reich mit Kindern und Jugendlichen aufzuar-
Übungen zu Vorurteilen allgemein 28 beiten.
Übungen zu Rassismus 38
Übungen zu Arm und Reich 42
Übungen zu Mann und Frau 45


Teil III: Arbeitsblätter 51 Im Teil III findest du die für einige Übungen
notwendigen Kopiervorlagen, die Arbeitsblät-
ter.
Quellen 81

Legende im Methodenteil Materialien

Alter Inhalte und Ziele

Dauer Anleitung

Methode Arbeitsblätter

Impressum: Hrsg. Rote Falken Österreich, rote.falken@kinderfreunde.at, Rauhensteingasse 5/5, 1010 Wien. Redaktion: Karin Blum, Daniel
Bohmann, Karoline Buchberger, Martin Heim, Christian Irndorfer, Martin Mensing-Braun, Melanie Peschek. Layout: Melanie Peschek
Oktober 2009
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r w o r t
Vo

In regelmäßigen Abständen greifen wir Themen Neben dem medienkritischen Ansatz ist die
auf, die für Kinder und Jugendliche relevant sind, zweite Ebene der Kampagne, die konkrete Aus-
und die wir intensiver in unserer Organisation einandersetzung mit diversen Vorurteilen, die
behandeln wollen. medial transportiert werden.

Als Thema unserer neuen Kampagne haben wir Anhand von drei Unterbereichen haben wir
„Vorurteile und Stereotype in Medien“ gewählt. versucht zu skizzieren: Welche Vorurteile herr-
schen vor? Was wird behauptet? Wem nutzen
In unserem Medienzeitalter nutzt jeder und jede die Vorurteile? Was stimmt tatsächlich? Im Text-
von frühester Kindheit an die unterschiedlichen teil findest du Antworten auf diese Fragen und im
Formen von Medien wie Zeitung, Fernsehen, In- Methodenteil wiederum Vorschläge zur Bearbei-
ternet und Radio. Medien sind praktisch dauernd tung der Unterbereiche mit deiner Gruppe.
präsent und durch Kommerzialisierung und Mo-
nopolbildung nahezu gleichen Inhalts. Dies führt Wir hoffen, dass dir diese Mappe für die prak-
dazu, dass die Entwicklung eines kritischen Me- tische Arbeit in deiner Falkengruppe hilft und
dienkonsums für Kinder und Jugendliche immer wünschen dir viel Spaß und Erfolg bei der Um-
schwieriger wird. setzung!

Unsere Kampagne soll dazu anregen, Medien


und die von ihnen produzierten Bilder kritisch zu
hinterfragen. Im Methodenteil finden sich Infor-
mationen und Vorschläge, wie das Thema in der
Gruppenstunde umgesetzt werden kann und wie
Medienkritik geübt werden kann.

Martin Heim Karin Blum


Bundesvorsitzender Rote Falken Bundessekretärin Rote Falken

Vorurteile abbauen.
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r t e i l e ?
s i nd Voru
W a s
„Es ist leichter ein Atom zu spalten, als ein Vorurteil“
(Albert Einstein, 1879-1955)

Vorurteile - jede/r von uns wächst mit ihnen auf, Vorurteil und Stereotyp
ist mit welchen behaftet, egal ob positive oder Diese beiden Begriffe werden meist synonym
negative. Doch was sind Vorurteile genau, wie verwendet, daher ist eine genaue Abgrenzung
entstehen, wie wirken sie und vor allem, was nur schwer zu vollziehen. Genau genommen
kann man gegen sie machen? unterscheidet sich ein Stereotyp von einem Vor-
urteil in der sozial geteilten Überzeugung. Von
Vorurteilen spricht man eher auf der individu-
Definition ellen Ebene, während bei Stereotypen ein Groß-
teil der Gesellschaft ein annähernd gleiches Bild
Vorurteile sind Bewertungen von Personen, von bestimmten Gruppen „im Kopf“ hat.
Gruppen oder Sachverhalten, die nicht auf ei-
gener Erfahrung beruhen, sondern auf Genera- Beispiel: Wie sieht für dich ein typischer Deut-
lisierung. Man schreibt Personen aufgrund ihrer scher aus? Wie sieht eine praktizierende Musli-
Gruppenzugehörigkeit Eigenschaften zu, ohne min aus? Egal wie viele man befragt, jeder wird
diese zu überprüfen. Vorurteile werden häufig ungefähr dasselbe Bild beschreiben. Probiert es
dazu verwendet, die eigene Gruppe von „ande- aus!
ren“ zu unterscheiden. Sie stärken das „Wir-Ge-
fühl“ und somit den Zusammenhalt der eigenen Wir werden hier keine Unterscheidung der bei-
Gruppe. Die zugeschriebenen Eigenschaften den Begriffe machen.
können sowohl positiv als auch negativ sein und
haben daher auch einen starken emotionalen
Charakter. Wie entstehen Vorurteile?
Vorurteile sind bequemer als die kritische oder
rationale Sicht und sie ersparen das eigene Eine allgemeine Theorie zu Vorurteilen und
Nachdenken. Sie helfen unsere Umwelt zu struk- ihren Ursachen gibt es nicht. Es gibt mehrere
turieren, sind grundsätzlich übernommen und verschiedene theoretische Ansätze, die versu-
auch durch entgegengesetzte Erfahrungen nur chen zu erklären wann oder warum Menschen
schwer zu korrigieren. Vorurteile werden vom Vorurteile haben. Diese sind aber schwer ver-
Einzelnen einfach für wahr gehalten. gleichbar, da sie alle auf anderen Erklärungs-
prinzipien und Analysemethoden basieren. Um
zu verstehen, warum es Vorurteile gibt, ist es
wichtig zu wissen, welche Funktionen sie haben
und wie sie auf den Einzelnen wirken.

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Funktionen und Wirkungen von Sonnenbrand, jeder Franzose einen Schnurrbart


Vorurteilen und jede/r AmerikanerIn Übergewicht. Vorurteile
sind also ein Stück weit „bequem“.
• Vorurteile dienen der Orientierung. Sie re-
duzieren die eigene Unsicherheit und bieten Vorurteile entstehen demnach, weil wir in un-
Verhaltenssicherheit, da sie das Beurteilen serer Wahrnehmung darauf angewiesen sind,
von Situationen erleichtern. bestimmte Sachverhalte dadurch zu vereinfa-
• Vorurteile ermöglichen die Herstellung und chen, dass wir sie zu Stereotypen zusammen-
Aufrechterhaltung von Selbstwertgefühl. fassen und sie in bestimmte Kategorien einord-
Vorurteile helfen bei der Angst gegenüber nen. Vorurteile sind also Pauschalurteile, da nur
Neuem, Fremdem und Ungewohntem. die Zugehörigkeit zu einer fremden Gruppe ge-
• Vorurteile haben eine Abgrenzungsfunktion sehen wird und nicht der einzelne Mensch und
gegenüber anderen Gruppen und deren Wer- dessen Verhalten.
ten. Sie ermöglichen die Entwicklung eines So werden Menschen schnell aufgrund ihrer
besseren Selbstbildes der Eigengruppe und andersartig erscheinenden Kultur oder Religion
rücken Fremdgruppen in ein schlechteres in bestimmte Schubladen gesteckt. Man spricht
Licht. Aggressive oder schlechte Gefühle zum Beispiel allgemein von „den Ausländern“
werden auf die Fremdgruppe projiziert und und vergisst, dass es auch hier einige wesent-
erhöhen damit den Zusammenhalt innerhalb liche Unterschiede gibt.
der eigenen Gruppe.
• Vorurteile dienen der Bereitstellung von Vorurteile können dazu führen, dass sich Per-
„Sündenböcken“. Die Sündenbocktheorie sonen (unbewusst) entsprechend eines existie-
besagt, dass sich unsere Vorurteile gegen renden Vorurteils verhalten. Jeder Mensch fühlt
Ersatzobjekte oder –personen richten, wenn sich einer oder mehreren Gruppen zugehörig und
die wahren Ursachen unserer Frustration weiß auch über bestehende gesellschaftliche
entweder unbekannt oder nicht erreichbar Vorurteile über die eigene Gruppe Bescheid.
sind. So beobachtete man in Kanada, dass So „wissen“ wir, dass Frauen emotionaler sind,
Vorurteile gegenüber Immigranten mit der schlechter in technisch-mathematischen Aufga-
Arbeitslosenquote stiegen und fielen. ben abschneiden und nicht Autofahren können.
Dafür können Männer nicht zuhören, sind hand-
Tatsache ist aber, dass wir Vorurteile oder zu- werklich begabt und für Führungspositionen
mindest Voraus-Urteile für unsere Orientierung besser geeignet.
im Leben brauchen. Erlebte Ereignisse würden
uns in ihrer Vielzahl überschwemmen, wenn wir Man hat in Studien nachgewiesen, dass Mäd-
sie einzeln analysieren würden. Selbst wenn chen in Mathematiktests tatsächlich schlechter
wir einen Menschen wahrnehmen und über ihn abschneiden, wenn sie vor Beginn mit dem Vor-
nachdenken, bilden wir uns eine bestimmte Mei- urteil „Mädchen sind schlechter in Mathematik“
nung. Wir neigen dazu, diesen Menschen zu konfrontiert werden. Vorurteile neigen dazu, sich
bewerten und ihm angeblich typische Merkmale selbst zu erfüllen!
zuzuordnen. Diese sind uns vielleicht bei Men-
schen der gleichen Staatsangehörigkeit, Religi-
on, des gleichen Geschlechtes usw. auch schon
mal zufällig begegnet. So bildet sich schnell ein
Vorurteil gegen die ganze Bevölkerungsgruppe
und so hat plötzlich jede/r EngländerIn im Urlaub

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e d i e n
e i l e u nd M
Vorur t

Immer wieder wird diskutiert, ob Medien einen Verfügbarkeit und Zugänglickeit


Einfluss auf die Vorurteilsbildung haben. Medien Bisher gibt es noch keinen wissenschaftlichen
sind allgegenwärtig. Ohne Radio, Fernsehen, In- Nachweis, dass Medien die Verfügbarkeit von
ternet, Zeitung, Handy,… können wir uns unser Stereotypen fördern, dennoch gibt es einige Bei-
Leben gar nicht mehr vorstellen. Und alle diese spiele die darauf schließen lassen. So werden
verschiedenen Medien wirken auf uns und un- vor allem auch in Comedy-Shows bestimmte
sere Meinungen, Werte und Haltungen ein, da Personengruppen mit Eigenschaften in Verbin-
sie sich sehr gerne und häufig der immer selben dung gebracht, die so angeblich in der Realität
Vorurteile bedienen. Vor allem im Kino, im Fern- existieren.
sehen und in Computerspielen kommen oft die
gleichen Vorurteile und Bilder zum Einsatz: Wenn etwas 1000 mal wiederholt wird, wird es
nicht richtiger, aber mehr Menschen glauben da-
Frauen sind typischerweise sehr schlank und ran.
kümmern sich um den Haushalt und die Kinder
während der, meist erfolgreiche, Ehemann das Beispiel: In der Harald-Schmidt-Show werden
Geld verdient. Hier werden sowohl Männer als Polen-Witze erzählt. „Wer hat den Kreisverkehr
auch Frauen in sehr eng definierte Rollen ge- erfunden?“ – „Die Polen, weil sie mit einge-
steckt. rastetem Lenkradschloss fahren.“ Oder „Fahren
Sie nach Polen, Ihr Auto ist schon dort.“ Diese
Auch rassenbezogene Vorurteile sind auffällig Witze erwecken den Eindruck, dass alle Polen
häufig. Sowohl in Computerspielen als auch Autos stehlen.
in diversen Serien oder Spielfilmen sind nahe-
zu immer lateinamerikanische oder afroame- Durch ihre Reichweite machen Medien Vorur-
rikanische Menschen die Drogendealer oder teile für ein breites Publikum verfügbar.
Gangmitglieder, vor allem in amerikanischen
Produktionen sind die „Bösen“ immer der selben Je häufiger man sieht, hört oder liest, dass
Nationalität und anscheinend sind alle Taxifahrer Ausländer kriminell sind, desto leichter erinnert
in Amerika Araber. man sich daran. Wer also häufig Medien nutzt,
Damit machen es sich die Filmemacher ziemlich kommt häufiger mit den durch Medien vermit-
leicht. Dadurch, dass die gleichen Vorurteile und telten Vorurteilen in Berührung. Bekommt man
Klischees immer wieder bedient werden, ist für eine bestimmte Kombination von Eigenschaften
die Zuseher von Anfang an offensichtlich, wer z.B. arbeitslos und arbeitsscheu, arm und Sozi-
der Schurke ist. alschmarotzer, Ausländer und kriminell – häufig
zu hören, kann ein Vorurteil in der individuellen
Medien neigen dazu, bestimmte Gruppen Wahrnehmung leichter zur „Wahrheit“ werden.
(Frauen, ethnische Minderheiten, Arbeitslose,…)
in eng definierten Rollen zu zeigen und machen
Vorurteile dadurch einerseits verfügbar und an-
dererseits leichter zugänglich.

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r t e i l e n
v o n Voru
Abb a u
„Es ist ganz natürlich, dass wir gegen jede neue Absicht, über deren Gegenstand
wir irgendein Urteil uns schon festgestellt haben, uns abwehrend und vernei-
nend verhalten, denn sie dringt feindlich in das vorläufig abgeschlossene Sy-
stem unserer Beziehungen, erschüttert die dadurch erlangte Beruhigung, mutet
uns neue Bemühungen zu, erklärt alte für verloren.“
(Arthur Schopenhauer)

Vorurteile sind aufgrund ihrer psychischen, sozi- Selbstwertgefühl


alen und gesellschaftspolitischen Funktionen nur Die Stärkung des Selbstwertgefühls eines Men-
schwer abbaubar. Dies gilt vor allem dann, wenn schen, kann dazu beitragen Vorurteile abzubau-
sie schon in der frühen Kindheit gelernt wurden, en. Menschen mit einem gesunden Selbstwert-
stark emotional besetzt und für das Selbstver- gefühl, lassen sich nicht so leicht von anderen
ständnis einer Person oder die Absicherung der beeinflussen und suchen die Gründe für eigenes
eigenen Machtposition bedeutsam sind. Versagen nicht bei anderen.

Angesichts der Vielfalt wissenschaftlicher Er- Zu einem positiven Selbstwertgefühl gehört


klärungsansätze und Definitionen überrascht auch eine bestimmte sprachliche Ausdrucksfä-
es kaum, dass die Frage, ob und wie Vorurteile higkeit. Diese ist notwenig, wenn es darum geht
verringert werden können, sehr unterschiedlich Vorurteile aufzudecken und zu widerlegen. Wer
beantwortet wird. Schwierigkeiten damit hat sich auszudrücken,
wird eher die Meinungen anderer annehmen,
Grundsätzlich ist ein gesellschaftliches Klima ihnen zustimmen, sie „schlucken“ oder dazu
wichtig, das die Vielfalt der Lebensweisen bzw. schweigen. Kinder müssen dazu ermutigt wer-
Lebensstile begrüßt. Auch die Auseinanderset- den, ihre Meinung zu sagen.
zung mit Vorurteilen, deren Entstehen und Wir-
ken in den Gruppenstunden, ist beim Abbau von Handlungsspielraum lassen
Vorurteilen behilflich. Kinder und Jugendliche sollten lernen Pro-
bleme und Zusammenhänge zu erkennen, zu
durchschauen und einzuordnen um selber ihre
Erziehung Schlüsse ziehen zu können. Dies erfordert, dass
Viele Vorurteile werden bereits im Kindesalter man ihnen den nötigen Freiraum lässt, sie dazu
ausgebildet. Kinder, die in einem Familien- und auffordert selbständig zu denken und sie ihre ei-
Schulklima aufwachsen, das ihre Unsicherheit gene Meinung äußern können. Selbständigkeit
bestärkt, sie ängstigt und ihnen zeigt, dass man und Eigeninitiative sollten daher gefördert wer-
mit Aggressionen oft mehr erreichen kann, nei- den.
gen stärker dazu Vorurteile beizubehalten. Je
nachdem wie oft Kinder damit konfrontiert wer- Menschen, die selbst nie dazu angehalten wur-
den, haben sich Stereotype oft schon im Alter den die eigene Meinung zu vertreten, werden
von sechs bis acht Jahren gefestigt (z.B. natio- später unbewusst diese Haltung an ihre Kinder
nale Stereotype, Geschlechter-Stereotype). weitergeben.

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Auf gesellschaftliche Probleme eingehen melt und dadurch Vorurteile abgebaut werden.
Gesellschaftliche Probleme, wie beispielsweise Hier ist es aber wichtig einige Dinge zu beach-
Armut oder Arbeitslosigkeit, betreffen nicht nur ten: Kontakt alleine reicht nicht aus und auch die
Erwachsene. Auch Kinder und Jugendliche sind Anzahl der Kontakte führt nicht zum Abbau von
davon betroffen. Vorurteilen. Situationen die durch Konkurrenz
und Spannungen geprägt sind, können Vorur-
Eine wichtige Aufgabe ist es daher, gerade auch teile verstärken. Es kommt also auf die Qualität
mit Kindern und Jugendlichen solche Themen der sozialen Kontakte an.
zu bearbeiten, ihnen die notwendigen Informa-
tionen über Hintergründe zur Verfügung zu stel- Treffen Personen mit gleichem oder ähnlichem
len und ihre Fragen zu beantworten. So können Status (Bildungsgrad, soziale Lage) aus ver-
sie sich ein möglichst umfassendes Bild von der schiedenen Gruppen aufeinander, wird es zu
Situation verschaffen, sich ihre eigene Meinung weniger Konkurrenzverhalten kommen. Ge-
bilden und sind somit weniger gefährdet Vorur- meinsame Interessen oder Ziele vereinfachen
teile zu entwickeln. den Kontakt untereinander. Wichtig ist auch,
dass diese Treffen freiwillig stattfinden und es
Soziale Kontakte fördern eine grundsätzliche Bereitschaft gibt, offen auf
Wie schon erwähnt, entstehen Vorurteile oft aus den anderen zuzugehen.
Angst vor dem Unbekannten. Durch den Kontakt
zu Mitgliedern anderer Gruppen können zusätz-
liche Informationen über die „Anderen“ gesam-

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Vorurteile
-
ausgewählte Themen

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s i s m u s
Ras

Fremdenangst und Fremdenhass kommen nicht Wissen zum Thema:


von ungefähr. Es gibt Gründe dafür, dass die
Fremdenfeindlichkeit in Österreich immer stär- Asylwerber: Asyl bedeutet, dass man aus sei-
ker wird und die Parolen aus dem rechten Eck nem Heimatland flüchten musste, weil man dort
bei vielen Leuten auf fruchtbaren Boden fallen. um sein Leben fürchtete. Die Tatsache, dass
diese Flüchtlinge von anderen Ländern aufge-
Einer dieser Gründe ist sicher die Darstellung nommen werden müssen, ist in der Genfer Kon-
von „Ausländern“ in den Medien. Doch schon bei vention geregelt, die in 194 Ländern auf der Welt
der Bezeichnung als „Ausländer“ spürt man be- gilt.
reits die erste Halbwahrheit durchscheinen, die
in Verbindung mit den behandelten Vorurteilen Der Staat Österreich hat also die Pflicht, Men-
so gefährlich sind. schen aufzunehmen, die um Asyl ansuchen. Da-
„Ausländer“ wird medial sehr häufig als Über- nach muss der Staat prüfen, ob tatsächlich ein
begriff für Menschen mit Migrationshintergrund Asylgrund vorliegt, also ob er oder sie in seinem/
gebraucht, ungeachtet dessen, ob diese Men- ihrem Heimatland verfolgt wird. Das bezeichnet
schen schon seit ihrer Geburt in Österreich sind, man als Asylverfahren. Stellt sich für den Staat
die österreichische Staatsbürgerschaft besitzen heraus, dass es keinen Grund für Asyl gibt, wird
oder tatsächlich aus dem Ausland zugewandert der/die Asylwerber/in wieder abgeschoben und
sind. Das sind die bewussten Ungenauigkeiten muss zurück in sein/ihr Heimatland. Die Kosten
in der Formulierung, die dazu dienen, Menschen für den Aufenthalt dieser Menschen trägt der
mit Migrationshintergrund in einen Topf zu wer- Staat und es ist ihnen verboten, für ihren Le-
fen und negative Eindrücke auf eine ungenau bensunterhalt zu arbeiten.
definierte Masse übertragen zu können.
Im Jahr 2008 wurden in Österreich knapp 12.000
Asylanträge gestellt, das sind etwa 0,15 Prozent
Rassismus in den Medien der Gesamtbevölkerung von Österreich. Von
diesen 12.000 wird nicht einmal der Hälfte Asyl
Nicht selten hört man in Fernsehnachrichten gewährt, rund 5.000 Personen dürfen bleiben,
über ausländische Räuberbanden, illegal Zuge- der Rest wird wieder abgeschoben. (www.asyl.at)
wanderte oder Asylmissbrauch. Was damit ge-
Zuwanderer: Zuwanderung bedeutet, dass je-
schaffen wird, ist eine Grundunsicherheit gegen-
mand in unser Land kommt, um hier zu leben.
über allem, was fremd aussieht oder klingt.
Im Jahr 2006 sind insgesamt 85.400 Menschen
nach Österreich gekommen. Insgesamt leben in
Das Gefühl spürt man selbst, wenn man diese
Österreich rund 870.000 Menschen ohne öster-
Medienberichte sieht. Ohne an rechtes Gedan-
reichische Staatsbürgerschaft. Davon kommen
kengut zu glauben, ist es ein unbewusster Pro-
etwa 130.000 aus Deutschland, knapp 300.000
zess, dass man bei Verbrechen, wie zum Bei-
aus Ex-Jugoslawien und nur 110.000 aus der
spiel Einbrüchen, grundsätzlich an Ausländer
Türkei. (http://www.statistik.at/web_de/statistiken/bevoel-
denkt oder bei Gruppen türkischstämmiger Ju- kerung/bevoelkerungsstruktur/bevoelkerung_nach_staats-
gendlichen Angst vor einer Jugendbande hat. angehoerigkeit_geburtsland/022498.html)

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Die Vermischung dieser zwei Bereiche und die zu verbinden.


Verzerrung der Dimension bei Kriminalität füh-
ren zur starken Ablehnung gegenüber Nicht- Ein Beispiel für diese Verbindung ist ein Vorfall
Österreichern in diesem Land und zur durchge- im Februar 2009, als ein US-amerikanischer
henden Verunsicherung der Bürger/innen. Diese Lehrer in einer U-Bahnstation in Wien von der
Tendenzen in Medien sind es, die dazu führen, Polizei attackiert und zusammengeschlagen
dass wir heute in Österreich einen Rechtsruck wurde. Sie hatten ihn für einen flüchtigen Dro-
verspüren, der für jeden weltoffenen Menschen gendealer gehalten - weil er schwarz ist. Das
in diesem Land nicht mehr zu ertragen ist. zeigt: Die öffentliche Meinung ist voreingenom-
men, was Menschen mit schwarzer Hautfarbe
Ein weiterer Punkt ist die andauernde Verbin- betrifft. Das spürt man auch, wenn man in der
dung des Themas Migration/Integration mit dem Straßenbahn sitzt: Die Leute zucken zusammen,
Thema Sicherheit, vor allem durch die Politik. wenn sie einen Mitbürger mit schwarzer Hautfar-
Wenn die Rede von MigrantInnen ist, geht es um be sehen. Egal, ob er/sie in Wirklichkeit Lehrer/
Asylmissbrauch, Menschenhandel, Ehrenmord in, Botschafter/in, Fußballspieler/in, Maurer/in,
und Drogenhandel. Die Thematik der Integration Computerspezialist/in oder Chemiker/in ist.
und wie Menschen mit Migrationshintergrund in
Österreich aufgenommen und behandelt wer- Angenommen wird, dass er/sie im Drogenge-
den, ist kein Thema. Die gesamte Bevölkerungs- schäft tätig ist, oder zumindest als Asylwerber/in
gruppe wird als Problemgruppe dargestellt, was dem Staat auf der Tasche liegt. Diese negative
die Bevölkerung für die einfachen Lösungen von Stimmung ist vor allem die Schuld der Medien,
Strache und Co empfänglich macht. Dies gilt es die ein Bild von einer schwarzen Drogenhändler-
zu verhindern, indem man schon Jugendliche invasion zeichnen, die im Übrigen nicht einmal
zum kritischen Medienkonsum erzieht, sodass statistisch belegbar ist: Von 24.000 Anzeigen
sie selbst Informationen verarbeiten, vergleichen wegen Suchtmittelvergehen oder -verbrechen
und in eine Relation setzen können und nicht im Jahr 2007 wurden rund 5.000 gegen „Auslän-
durch die Medien auf der emotionalen Ebene zu der“ erstattet. Das heißt, dass drei Viertel aller
Angst und Verunsicherung verleitet werden. Drogendelikte von österreichischen Staatsbür-
ger/innen begangen werden. Nur zur Erinne-
rung: 870.000 Menschen ohne österreichische
Wie wirken die Vorurteile auf uns? Staatsbürgerschaft leben in diesem Land, 5.000
wurden im Jahr 2007 angezeigt. Das ist nicht
Schöpfung der Krone einmal ein Prozent.
(http://www.bmi.gv.at/cms/BK/publikationen/files/Jahresbe-
Auch viele Printmedien spielen mit Vorurteilen richt_Suchtmittelbericht_2007.pdf)
und Ressentiments gegenüber „Ausländern“.
Ähnlich wie bei Fernsehnachrichten ist es vor Importierte Bösewichte
allem das Thema Kriminalität, wo diese Vorur- Das Thema Inländer-Ausländer wird in Medien
teile eingeflochten werden. In diesem Zusam- nicht nur im realistischen Zusammenhang wie in
menhang muss die auflagenstärkste Zeitung des Nachrichtensendungen oder Magazinen behan-
Landes genannt werden: Die Kronen Zeitung delt. Auch in Filmen ist ein klarer Trend abzu-
spielt seit Jahren im Chronik-Bereich mit den sehen, wie hier mit Vorurteilen und Stereotypen
Begriffen „Asylanten“, „Schwarzafrikaner“ usw. gespielt wird. Wenn man bewusst beobachtet,
und hat es geschafft, Menschen mit schwarzer woher Filmfiguren mit negativen Eigenschaften
Hautfarbe in der öffentlichen Meinung tatsäch- oder gar Filmbösewichte stammen, so zeigt
lich fest mit Drogenhandel und Asylmissbrauch sich, dass eine Verschiebung stattgefunden hat,

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die auch den Einzug in die öffentliche Meinung Argumentieren unmöglich


geschafft hat. In einem Land wie Österreich ist es meistens
nicht so, dass sich jemand zu seinen Vorurtei-
In vielen Mainstream-Blockbuster-Produktionen len bekennt. „Ich hab’ ja nix gegen Ausländer,
aus den USA waren die Bösewichte bis in die ABER...“ ist oft genau die Einleitung, die Ste-
späten 90er Jahre sehr häufig aus Russland, reotype offen legt. Was darauf folgt, ist fast im-
was sich natürlich durch die Auseinanderset- mer eine Mischung aus negativen persönlichen
zung im Kalten Krieg erklären lässt. Heutzuta- Erfahrungen, einer latenten Angst vor Fremden
ge kommen negativ behaftete Filmfiguren am und den Stereotypen, die man Tag für Tag über
ehesten aus dem arabischen Raum, sind Terro- die verschiedensten Medienkanäle präsentiert
risten ohne Moral und gefährden alle Menschen bekommt. In einem Gespräch mit Menschen, die
auf der Welt. eine solche Einstellung haben, stößt man oft an
die argumentativen Grenzen. Ist man nämlich
Dieses Bild endet leider nicht im Kinosaal: Mus- emotional von einem Thema betroffen, wird oft
lime werden in Österreich stark diskriminiert, das nicht mehr rational gedacht. Persönliche Erfah-
reicht von Kopftuchverboten über Bürgerinitiati- rungen kann man nicht widerlegen und demnach
ven gegen muslimische Gebetsstätten bis hin zu auch nicht die Schlüsse, die aus persönlichen
plumper Stimmungsmache gegen den Lebens- Erfahrungen gezogen werden.
stil von Muslimen in Österreich. Als Muslime wird
man prinzipiell verdächtigt, gegen die Demokra- Konkret gesagt: Jugendlichen, die negative Er-
tie zu sein, eine Parallel-Gesellschaft aufbauen fahrungen mit türkischstämmigen Jugendlichen
zu wollen, sich nicht an die Kultur in Österreich gemacht haben, kann man das nicht ausreden.
anpassen zu wollen und im allerschlimmsten Argumente wie „Ist ja nicht so schlimm“ oder
Fall sogar Terrorist zu sein. Muslime werden auf „Die sind nicht alle so“ ziehen nicht. Das macht
Flughäfen genauer durchsucht, schikaniert und die Konfrontation so schwierig.
stehen einer breiten Ablehnung in der Bevölke-
rung gegenüber. Nicht umsonst schmierten Ne- Für Jugendliche bedarf es einer irrsinnigen
onazis auf die Mauer des Konzentrationslagers Reflexionsleistung und Abgeklärtheit, um eine
Mauthausen folgenden Satz: „Was für unsere Schlägerei mit türkischen Jugendlichen von der
Väter der Jud’, ist für uns die Moslembrut.“ Tatsache zu trennen, dass es türkische Jugend-
liche waren. Da muss man selbst gar nicht Op-
Es fängt genau so an: Einer Religionsgemein- fer dieser Schlägerei gewesen sein. Man hört
schaft werden gewisse negative Eigenschaften davon am Schulhof oder in der Straßenbahn
zugeschrieben und siehe da - der neue Sün- und fühlt sich bestätigt. Weil man sowieso eine
denbock für alles und jeden ist gefunden. Etwas leichte Angst vor den türkischen Jugendlichen in
Ähnliches hat Österreich vor 75 Jahren erleben der Straßenbahn hat, die eine andere Sprache
müssen. Diesmal werden wir es verhindern. Dis- sprechen und weil man sowieso auch überall in
kriminierung beginnt in den Medien und bereitet Zeitungen und im Fernsehen mitbekommt, dass
den Boden für den Hass. Es muss uns daher ein türkische Jugendbanden in Österreich ihr Unwe-
Anliegen sein, schon im Jugendalter zu vermit- sen treiben.
teln, dass Informationen aus Medien zwar wich-
tig, aber nicht immer die absolute Wahrheit in Unser Ziel ist es daher, diese Faktoren zu unter-
der richtigen Dimension und Relation sind. binden. Wir können nicht verhindern, dass Bou-
levardmedien und rechte Hetzer mit den Stereo-
typen spielen. Doch wir können gemeinsam mit

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Jugendlichen genau diese Methoden aufdecken einem begegnen?


und ihnen die Fähigkeit geben, hinter die Vorur-
teile zu blicken. Wenn sich ein Vorurteil gefestigt Das alles sind Fragen, die man sich auch als
und vielleicht sogar durch persönliche Erfahrung BetreuerIn stellen muss. Denn eine Kampagne,
bestätigt hat, ist es fast unmöglich, diese Erfah- ein Schwerpunkt unserer Arbeit muss bedeuten,
rungen vom im Kopf gespeicherten Stereotyp dass wir uns auch selbst einem Thema stellen
zu trennen. Wir müssen Jugendlichen deshalb und bei unseren eigenen Ansichten anfangen.
schon im Vorfeld zeigen, wie versucht wird, sie Man kann Kindern und Jugendlichen nichts
auf gewisse Vorurteile zu programmieren und über Vorurteile erzählen, wenn man selbst seine
wie sie ihre Lebenssituation richtig analysieren Angst vor Fremden nicht einordnen und reflek-
können, ohne die Sündenbock-Strategie aus tieren kann, welche Eindrücke auf einen selbst
Medien und Politik zu übernehmen. Wenn Ju- wirken.
gendliche stark genug sind, diesen „einfachen
Antworten“ („Ausländer sind an meiner schlech-
ten Lebenssituation schuld“) gegenüberzutre-
ten und zu differenzieren, ob Probleme wirklich
mit der „Ausländerflut“ und „Überfremdung“, die
rechte Parteien und Medien seit Jahren propa-
gieren, in einem direkten Zusammenhang ste-
hen, dann ist unser Ziel erreicht.

Was können wir dagegen tun?

Die Arbeit mit dem Thema


Dieses heikle Thema ist natürlich nicht gerade die
einfachste Kost für die Arbeit mit Kindern und Ju-
gendlichen, jede Debatte zu diesem Thema führt
schnell in den persönlichen und emotionalen Be-
reich. Deshalb ist es gerade hier entscheidend,
dass auch Betreuerinnen und Betreuer in die-
sem Themenbereich fit sind und Kindern ein re-
spektvolles Miteinander mit Menschen aus allen
Kulturen und Ländern der Welt vorleben. Es ist
uns daher auch ein Anliegen, Vorurteile nicht nur
im Bereich der Kinder und Jugendlichen aufzu-
arbeiten, sondern auch im BetreuerInnenbereich
eine lebhafte Diskussion zum Thema Vorurteile
und Stereotypen anzufangen. Einige Fragen
könnte man provokant stellen: Geht man als Be-
treuerIn mit Kindern mit Migrationshintergrund
gleich um wie mit den anderen? Spielt man mit
der eigenen Gruppe in einem Park, in dem ge-
rade eine Gruppe türkischer Jugendlicher ist?
Tritt man selbst Vorurteilen gegenüber, wenn sie

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R e i c h
A rm &

In Österreich müssen rund 200.000 Personen schlechte Wohnverhältnisse…) spricht man von
von Arbeitslosengeld bzw. Notstandshilfe leben. manifester Armut.
Insgesamt geht man davon aus, dass 400.000
in Österreich lebende Menschen von Armut und Nach diesen Begriffsdefinitionen sind in Öster-
sozialer Ausgrenzung betroffen sind. Sehr oft reich 13% armutsgefährdet und 6% manifest
machen den Betroffenen nicht nur die finanzielle arm.
und materielle Not, sondern auch Vorurteile und
Ablehnung, die sie von der Gesellschaft erfah- Es ist nicht eine bestimmte Personengruppe, die
ren, das Leben schwer. von Armut betroffen ist: Häufig trifft es Alleinerzie-
herinnen, Langzeitarbeitslose, MigrantInnen, die
Wie auch andere Vorurteile, sind die gegen so- nicht aus EU-Staaten kommen und Pensionist-
zial Benachteiligte erlernt. Und wie bei anderen Innen, die alleine leben. Generell sind Frauen
Stereotypen auch, erscheinen durch die Brille und ältere Personen stärker armutsgefährdet.
des Vorurteils „die Armen“ als eine gleichförmige
Masse:
Armut in den Medien
ALLE Arbeitslosen sind selbst schuld, denn wer
arbeiten will, findet auch Arbeit. Das Bild, das wir von armen Menschen haben,
ALLE Armen sind ungebildet und asozial. ist wesentlich von den Medien beeinflusst. Es ist
ALLE Sozialhilfeempfänger sind faul und ar- daher unerlässlich, dass wir kritisch beleuchten,
beitsscheu. wie Arme und sozial Benachteiligte in den Medi-
ALLE Ausländer sind arm, selbst schuld, unge- en dargestellt werden:
bildet, asozial, faul und arbeitsscheu…
In der Regel werden uns von den Medien zwei
unterschiedliche Bilder von armen Menschen
Definition Armut vermittelt:

Wie wird Armut bzw. Armutsgefährdung defi- Der „echte Arme“


niert? Arm ist nicht nur, wer arbeits- oder gar ob- Auf der einen Seite werden sozial Benachteiligte
dachlos ist, sondern wer am Alltagsleben nicht als schwach und bemitleidenswert dargestellt.
teilhaben kann. Sehr oft wird dieser Stereotyp mit Kindern in
Verbindung gebracht. Es gibt kaum eine Spen-
In der Statistik werden jene Personen als ar- denkampagne für Afrika, die nicht ein armes
mutsgefährdet bzw. sozial ausgegrenzt geführt, Kind (ein Opfer, bittend, passiv) für ihre Werbe-
die ein geringes Einkommen haben (derzeit gilt zwecke verwendet.
als Grenze 912 € an Einkommen pro Kopf im
Haushalt ). Kommen zum geringen Einkom-
men noch andere Umstände hinzu (Das Nicht-
Leisten-Können von Heizung, neuer Kleidung,
Urlaub, der erzwungene Verzicht auf Nahrung,

14 Vorurteile abbauen.
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Bild eines „typischen“ armen Kindes

Wahlwerbung des BZÖ im Gemeinderatswahlkampf in Graz


2007
Der „falsche“ Arme
Andererseits gibt es das Stereotyp des for- Besonders hart gehen BZÖ und FPÖ gegen die
dernden, des arbeitsscheuen Armen, der meist Gruppe der Allerärmsten in unserer Gesellschaft
als Sozialschmarotzer dargestellt wird. Es wird vor. Sind Bettler und Bettlerinnen doch nicht nur
vermittelt, dass sozial Benachteiligte an ihrer arm, sondern oftmals auch nicht-österreichischer
Not selbst schuld sind. Als Beispiel sind hier die Herkunft.
zahllosen deutschen Talkshows und Reality-
Soaps zu nennen, die in geradezu sozialporno- Zusätzlich zur groben Einteilung in „echte“ Arme
graphischer Art Hartz IV EmpfängerInnen vor- und „falsche“ Arme werden sozial Benachteilig-
führt, die die Rolle „arbeitslos, faul und dumm“ ten in den Medien noch spezifischere Eigen-
zu spielen haben. schaften zugeschrieben:

Häufig wird das Thema Armut in den Medien und UNATTRAKTIV, KRIMINELL, SELBST SCHULD,
von PolitikerInnen unter dem Aspekt der öffent- UNGEBILDET, FAUL, AUSLÄNDER, ASOZIAL
lichen Sicherheit diskutiert. Seit Jahren wird zum
Beispiel die Not der in Graz bettelnden Personen
ausgenutzt, um gegen diese Bevölkerungsgrup- Faul, arbeitsscheu und asozial? -
pe Stimmung zu machen und schärfere Gesetze Beispiele
zu fordern. In einem Krone-Interview im Juli
2009 fordert der Grazer Bürgermeister Nagel Arbeitslosigkeit
(ÖVP) die Bevölkerung auf: „Man kann nicht Derzeit (Juli 2009) sind in Österreich 291.920
länger zuschauen! Ich sage es ganz deutlich: Personen ohne Job, 53.000 sind in Kurzarbeit.
Man soll den Bettlern, vor allem den behinder- Soziale Benachteiligung und Arbeitslosigkeit
ten Bettlern, kein Geld geben!“. Er argumentiert, gehen oft Hand in Hand. Neben der materiellen
die (behinderten) Bettler würden von kriminellen Not, die sich aus der Arbeitslosigkeit ergibt, ist
Hintermännern ausgenützt und überdies die Be- das Fehlen von Beschäftigung oft mit großen
völkerung belästigen. In diesem Fall schaffen die psychischen Belastungen und gesellschaftlicher
Rechtspopulisten den Spagat: Bettler werden Stigmatisierung verbunden.
zum einen als Opfer (skrupelloser Geschäftema-
cher) dargestellt und gleichzeitig als aggressive Langzeitarbeitslose sind besonders stark von
Täter, die unser Mitleid (und Almosen) nicht ver- Armut bedroht.
dient haben.

Vorurteile abbauen.
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Die gesellschaftliche Entwicklung geht dahin, Weiters wird oft behauptet, dass Arbeitslose und
dass auch immer mehr Menschen, die in einem SozialhilfeempfängerInnen sich „in die soziale
aufrechten Arbeitsverhältnis sind, von Armut be- Hängematte legen“, d.h., dass sie selbst nichts
troffen sind – dieses Phänomen nennt man „wor- zur Verbesserung ihrer Situation beitragen, son-
king poor“. In Zeiten der Wirtschaftskrise, in der dern bequem von der staatlichen Hilfe leben
Massenkündigungen und Kurzarbeit auf der Ta- würden.
gesordnung stehen, verschärft sich die Situation
für die arbeitenden Menschen weiter. Ergebnisse der dynamischen Armutsforschung
zeigen ein anderes Bild: In Deutschland gab
Die Feindschaft gegenüber sozial Benachtei- es eine Langzeitstudie, die untersucht hat, wie
ligten fußt oft auf der Fiktion der Vollbeschäfti- lange im Schnitt Sozialhilfe bezogen wird. Das
gung. Im Alltag findet sie im Ausspruch „Wer Ergebnis der Studie belegt, dass der überwie-
arbeiten will, findet auch Arbeit“ ihren Ausdruck. gende Teil der SozialhilfebezieherInnen nur kurz
So werden bewusst oder unbewusst wirtschaft- den sozialen Transfer bezieht. Nur knapp 10%
liche Realitäten ausgeblendet, um die pauscha- erhielten fünf Jahre oder länger Sozialhilfe. Die
le Herabsetzung von Sozialhilfeempfängern und große Mehrzahl der Betroffenen kann die Sozi-
Arbeitslosen aufrecht zu erhalten. alhilfe so nutzen, wie sie vom Gesetzgeber ge-
dacht ist: Als Hilfe, um sich wieder selbst helfen
Sozialschmarotzer zu können.
Eines der gängigsten Vorurteile gegenüber sozial
Schwachen behauptet, sie würden das Sozialsy- Obdachlose
stem ausnützen. Bei der Stimmungsmache rech- Obdachlose, oft als „Sandler“ oder „Penner“ ver-
ter Gruppierungen und des Boulevards wird oft unglimpft, stehen ganz unten auf der sozialen
der Eindruck erweckt, man müsse seine Bedürf- Leiter und sind eine dankbare Zielscheibe für
tigkeit nur behaupten (bzw. nur einer bestimmten hartnäckige Vorurteile und Stereotypen. Sehr oft
Gruppierung angehören – Ausländer...), um so- wird angenommen, dass alle Obdachlosen Alko-
ziale Hilfeleistungen zu bekommen. In der Rea- holikerInnen und überdies selber schuld an ihrer
lität muss einE AntragstellerIn eine beträchtliche Situation sind. Die Lage eines Wohnungslosen
Anzahl an bürokratischen Hürden nehmen. Es kann unterschiedlichste Ursachen haben. Meist
müssen die Lebens- und Einkommenssituation stehen der Verlust der Arbeitsstelle, die Entlas-
offen gelegt werden, Kontoauszüge und persön- sung aus der Haft oder einem Heim, Suchtpro-
liche Dokumente vorgelegt werden. Viele Betrof- bleme, das Ende einer Beziehung, Mietschulden
fene empfinden diese bürokratische Mühle als usw. am Anfang eines Lebens auf der Straße.
erniedrigend. Oft kommen mehrere dieser Auslöser zusam-
men und selten ist es reines Selbstverschulden,
Tatsächlich gibt es keine Belege dafür, dass eine das einen Menschen in diese Situation bringt.
größere Anzahl von SozialhilfeempfängerInnen Die Zahl der Obdachlosen spiegelt auch das
oder EmpfängerInnen von Arbeitslosengeldern Fehlen von Arbeitsplätzen, leistbarem Wohn-
das soziale System missbräuchlich ausnutzt. raum und einem wirkungsvollen sozialen Netz
Im Gegenteil: Viele Betroffene verzichten aus einer Gesellschaft wider.
Scham auf einen Antrag auf Leistungen der So-
zialhilfe. So erklären sich auch die Zahlen, dass Kinder als Betroffene
400.000 Menschen von Armut betroffen sind, In Österreich leben 90.000 Kinder in Armut.
aber „nur“ 200.000 Sozialleistungen in Anspruch 250.000 sind armutsgefährdet. Kinder spüren
nehmen. die Stigmatisierung der Armut oft am härtesten.

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Sie leben in beengten, oft nicht ausreichend be- Wie wirken Vorurteile gegenüber
heizten Wohnungen, kommen hungrig in den sozial Benachteiligten?
Kindergarten und ihre Eltern haben Schwierig-
keiten das Nötigste an Kleidung und Schulmate- Vorurteile und Stereotype gegenüber sozial Be-
rialien zu bezahlen. Für Sozialkontakte, Bildung nachteiligten, die in den Medien und von der
oder gar Nachhilfestunden bleibt kein Geld mehr. Politik transportiert werden, bewirken zunächst
Kinder aus sozial benachteiligten Familien ha- einmal, dass sich in unseren Köpfen Bilder
ben einen denkbar schlechteren Start ins Leben festsetzen, die nicht so ohne weiteres „über-
und diesen Mangel an Chancengleichheit wer- malt“ werden können. Wer würde Aussagen wie
den sie mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Leben „Sandlern soll man nichts geben, da sie ohne-
lang nicht mehr ausgleichen können. hin nur Alkohol kaufen“ oder „Alle Bettler werden
von der organisierten Kriminalität ausgenutzt“
MigrantInnen nicht zustimmen? So schaffen hartnäckig wie-
Migranten und Migrantinnen sind in Österreich derholte Vorurteile gesellschaftliche Meinungen,
mit einem überdurchschnittlichen Armutsrisiko die kaum mehr hinterfragt werden.
bedroht: Über ein Viertel der Personen mit Mi-
grationshintergrund sind armutsgefährdet, von Da Armut als Makel gilt, ziehen sich die Betrof-
manifester Armut sind MigrantInnen zwei bis fenen oft zurück. Scham und Hoffnungslosigkeit
fünfmal so stark betroffen (115.000 von 720.000 führen in vielen Fällen zur sozialen Isolation und
MigrantInnen) wie der Rest der Bevölkerung. zu psychischen Erkrankungen. Neben der see-
Besonders hart trifft es Personen, die aus der lischen Belastung von sozial Benachteiligten
Türkei zugewandert sind: 33% der in Österreich kommen Einschränkungen des körperlichen
lebenden TürkInnen sind armutsgefährdet (Ver- Wohlbefindens dazu. Anders ausgedrückt: Ar-
gleich: 24% der Personen aus Ex-Jugoslawien). mut macht krank. Die Gründe sind im belasten-
den Alltag, den fehlenden Möglichkeiten, sich
Grund dafür ist neben den allgemeinen Ursa- von der permanenten Belastung zu erholen, Un-
chen für Armut eine ausgrenzende Ausländer- terschiede in der Gesundheitsversorgung und
politik: MigrantInnen werden sehr häufig unter schlechteren Bedingungen im Krankheitsfall zu
ihrer Qualifikation beschäftigt, werden schlecht suchen.
bezahlt, haben geringe Bildungschancen und
sind auf kleine und schlecht ausgestattete Woh- Sozial Benachteiligte haben in der Regel auch
nungen angewiesen. weniger Möglichkeiten, sich an öffentlichen De-
batten zu beteiligen und sich gesellschaftlich zu
Neben diesen handfesten Benachteiligungen solidarisieren. Somit findet die Debatte über so-
haben MigrantInnen mit einer Vielzahl an Kli- zial Benachteiligte oft unter Ausschluss dieser
schees und Vorurteilen zu kämpfen. Besonders statt. Was wiederum dazu führt, dass Vorurteile
arme und armutsgefährdete Zugewanderte wer- unwidersprochen bleiben.
den häufig angefeindet. MigrantInnen, die Sozi-
alhilfe oder Arbeitslosengeld beziehen, werden Ein Teufelskreis setzt dann ein, wenn Vorurteile
beschuldigt, das österreichische Sozialsystem verhindern, dass sozial Benachteiligte ihre Lage
auszunutzen. Diese Vorurteile und Feindbilder verbessern können.
entstehen auch aus der Furcht vor der Armut Zum Beispiel: ein Stadtviertel, dass als beson-
und werden von rechten Politikern und populis- ders heruntergekommen gilt und dessen Be-
tischen Medien bewusst eingesetzt, um Stim- wohnerInnen mit dem Vorurteil „arm“, „kriminell“
mung gegen Fremde zu machen. „sozial unangepasst“ usw. belegt werden. Be-

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wirbt sich jemand der dort wohnt um eine ande- Was kann man dagegen tun?
re Wohnung in einem anderen Stadtteil kann die
aktuelle Adresse dazu führen, dass er abgelehnt Für uns ist es wichtig, dass wir uns Stereotype
wird. und Vorurteile bewusst machen und immer wie-
der hinterfragen.

Funktion des Stereotyps in der Ge- Sind wirklich alle Arbeitslosen selbst schuld an
sellschaft ihrer Lage? Sind Sozialhilfeempfänger tatsäch-
lich faul und arbeitsscheu? Welches Ziel verfol-
In einer kapitalistischen Gesellschaft, in der Leis- gen Politiker oder Medien, wenn sie mit Vorur-
tung und Erfolg die bestimmenden Kategorien teilen und Stereotypen operieren? Wer ist für
gesellschaftlicher Anerkennung sind, sind die Ar- Armut verantwortlich? Haben alle Menschen in
men die „Normverletzer“. Wer keinen wirtschaft- Österreich die selben Chancen?
lichen Erfolg vorweisen kann, wer sich nicht
erfolgreich in den kapitalistischen Produktions- Wie noch entgegen wirken?
prozess eingliedern kann, ist zumindest suspekt. Durch eine öffentliche Berichterstattung, die
Armut wird wie der/die Arme selbst als Gefahr über die Ursachen von Armut und sozialer Be-
empfunden. Rechte und rechtsextreme Parteien nachteiligung spricht. Als Rote Falken sollten wir
sowie rechtspopulistische Medien machen sich nicht nur eine solche Berichterstattung forcieren
diese gesellschaftlichen Vorurteile zunütze, um und einfordern, sondern auch immer wieder Ein-
mit ihrer Sündenbockpolitik politische Stimmung spruch und Protest erheben, wenn über Arme
zu machen. und sozial Ausgegrenzte in diskriminierender
und stereotypisierender Weise berichtet wird.
Daher nutzen Vorurteile gegenüber Armen und Insbesondere wenn Medien und politische Par-
sozial Ausgegrenzten jenen, teien mit Vorurteilen und Feindbildern Politik und
• die, die Sozialleistungen streichen wollen Hetze betreiben, müssen wir dem entgegen tre-
• die, die populistische Politik auf dem Rücken ten.
Schwächerer machen
• die, die Menschen auseinanderdividieren Weiters ist es sinnvoll, Projekte wie Straßenzei-
wollen. tungen (Augustin, 20er…), in denen Betroffene
selbst Öffentlichkeitsarbeit leisten, zu unterstüt-
Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, zen. Das hat auch den Effekt, dass sozial Be-
dass Vorurteile gegenüber bestimmten Gruppen nachteiligte und Obdachlose nicht nur als pas-
in Beziehung zueinander stehen. sive Opfer wahrgenommen werden, sondern als
aktive Gegenüber agieren können, die selbst
Das heißt: Wer Ausländer ablehnt und auf Autori- Stellung beziehen und ihre Situation thematisie-
täten fixiert ist wird mit hoher Wahrscheinlichkeit ren und interpretieren können.
auch auf Distanz zu Behinderten gehen. Auch
die Ablehnung von sozial Benachteiligten steht Wir müssen in unserer alltäglichen Arbeit die Po-
oft im Zusammenhang mit anderen Vorurteilen: litik immer wieder daran erinnern, dass die Ge-
Angriffe gegenüber sozial Schwachen kommen sellschaft Verantwortung für jene trägt, die sie an
aus demselben ideologischen Milieu wie die den Rand gedrängt hat.
Hetze gegenüber MigrantInnen.

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Und schließlich werden wir nicht umhin kommen,


das wirtschaftliche und politische System, das „Reicher Mann und armer Mann
Armut produziert und einen beträchtlichen Teil Standen da und sah‘n sich an.
der Bevölkerung sozial ausgrenzt in Frage zu Und der Arme sagte bleich:
stellen. Es ist der global agierende Kapitalismus, Wär‘ ich nicht arm, wärst du nicht reich“
der - basierende auf der Logik der Ausbeutung
– ungeheuerliche Armut auf der einen Seite und
unermesslichen Reichtum auf der anderen Seite Daher gilt es für uns Rote Falken, die Ursachen
schafft. Dass der Reichtum einiger weniger und für Armut und Ausgrenzung zu benennen und
die Armut großer Massen sich unweigerlich be- die politischen, wirtschaftlichen und strukturellen
dingen hat schon Bertold Brecht festgestellt: Gründe für Armut zu bekämpfen.

Exkurs:
Arme im Nationalsozialismus

Welche schrecklichen Folgen die Stigmatisie- „Arbeitsscheue“ wurden strafrechtlich verfolgt


rung und Anfeindung sozial Schwacher haben und fürsorgetechnisch behandelt. 1933 starteten
(können), zeigt sich in der Vergangenheit. Men- die Nazis direkt nach ihrer Machtergreifung in
schen, die weniger hatten als andere wurden in Deutschland eine Verhaftungswelle von Bettlern.
der Geschichte mit negativen Vorurteilen belegt In den folgenden Jahren – Österreich seit 1938
und oft auch diskriminiert und verfolgt. auch nationalsozialistisch – werden „Asoziale“ in
Arbeitslagern und geschlossenen Anstalten in-
Besonders drastisch zeigte sich in der Zeit des terniert – ein Teil zwangssterilisiert.
Nationalsozialismus, wie sozial Benachteiligte
mit dem Stempel des „Asozialen“ belegt wurden Im Frühjahr 1938 verschleppen die Nazis 10.000
und schließlich der Verfolgung und Ermordung „Asoziale“ in Konzentrationslager. Durch einen
durch das faschistische System ausgesetzt wa- schwarzen Wimpel gekennzeichnet, bildeten
ren. Die Vorurteile gegenüber sozial Schwachen sie eine eigene Gruppe, die in der Häftlingshi-
waren gesellschaftlich weit verbreitet, so dass erarchie ganz unten stand. Auch nach der Be-
die Nazis die Vorurteile und die Ablehnung der freiung vom Nationalsozialismus 1945 mussten
Bevölkerung gegenüber den Armen nutzen „die Asozialen“ Diskriminierungen erfahren, sie
konnten, um ihre menschenfeindliche Politik zu erhielten in der Regel keine Entschädigung und
betreiben. wurden auch lange nicht als Opfergruppe aner-
kannt.
Die Vorstellung, dass das Lumpenproletariat
Ausfluss „minderwertiger Erbströme“ sei, war
schon Anfang des 20. Jahrhunderts weit über
das rechtsextreme Spektrum verbreitet.

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F r a u
Ma nn &

Schau dich beim nächsten Einkaufsbummel Es finden sich noch weitere zahlreiche klischee-
durch die Stadt doch einmal genau um! Oder hafte und stereotype Darstellungen von Frauen
fällt es dir schon gar nicht mehr auf? und Männern in den unterschiedlichsten Me-
Auf Titelseiten von Zeitungen und Magazinen, dientypen:
von Plakatwänden, Bildschirmen und aus et- • Frauen und ältere Menschen sind unterre-
lichen Schaufenstern werfen uns leicht be- präsentiert.
kleidete Frauen und Männer Flirtblicke zu. Die • Frauen sind im Durchschnitt jünger als Män-
Zeitschriften sind voller Brüste, Taillen, Pos und ner.
Beinen. Aber nicht nur das, immer wieder sieht • Frauen und Männer werden in eng defi-
man Frauen und Männer in der klischeehaften nierten Rollen gezeigt.
Rollenverteilung. • Unterschiede zwischen Frauen und Männern
werden unbegründetermaßen akzentuiert.
• Menschen mit Migrationshintergrund sind im
Beschreibung von Vorurteilen und deutschen Fernsehen überwiegend männ-
Stereotypen lich.
• Typisch Frau! Weibliche „Schwächen und
Obwohl dieses Thema schon lange bearbeitet Laster“ werden überspitzt: Sie sind fleißig
wird, ist der Forschungsstand erstaunlich be- oder raffiniert, tratschsüchtig oder unbehol-
grenzt. Vorurteilsbehaftete und diskriminierende fen (meist im Umgang mit Technik).
Darstellungen aufgrund des Geschlechts in den • Männlicher Zynismus: Ein Blick auf die Frau
Medien, werden immer noch von vielen belä- aus der Perspektive von Männerwitzen.
chelt und abgetan. • …….

Medien vermitteln Wert- und Normvorstellungen, Wie werden die Vorurteile verwen-
diese spiegeln unsere Kultur wider und stellen det?
Männer und Frauen nicht bloß dar, sondern sie
produzieren auch Vorstellungen darüber wie Schlagzeilen und Werbung müssen wirken und
Männer und Frauen „sind“. zwar in der ersten Sekunde. Der Erfolg einer
Werbeeinschaltung bzw. einer Nachricht ist eine
In den Massenmedien werden Frauen meist als klar messbare Größe. „Sex“ ist nach wie vor ein
Sexobjekte, liebevolle Hausfrauen oder alles überaus erfolgreiches Mittel zur Provokation und
meisternde Managerinnen dargestellt. Männer um Aufmerksamkeit zu erregen.
treten vor allem sportlich oder im Anzug in Er-
scheinung. Dies sind jedoch nicht die einzigen Weiters bedienen sich Medien unterschiedlicher
Vorurteile, denen wir täglich begegnen. Verwendung von Rollenbildern. Egal ob Zeitung
oder Werbung – mit Stereotypen wird immer ge-
arbeitet, weil in unseren Köpfen ein Verlangen
nach Eigenschaften wie Attraktivität, Jugend und
Sexualität herrscht.

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Wir verbinden mit unterschiedlichen Aussagen fen als Männer. Die Verknüpfung von äußerer
und Taten ein gewisses Lebensgefühl. Ein jun- Schönheit mit inneren Werten ist ein gängiges
ger, dynamischer und attraktiver Mensch vermit- Gestaltungselement in jeglicher Art von Medien.
telt uns ein glückliches und erfolgreiches Leben.
Dass dies ein Trugschluss ist und meist nicht der Die wahre Macht von Stereotypen besteht da-
Wahrheit entspricht, ist uns zwar großteils be- rin, dass deren Opfer sie für wahr halten. Die
wusst, dennoch fallen wir immer wieder diesem Grenze der Wahrnehmung zwischen dem, was
Effekt zum Opfer. wir bewusst erleben und dem, was uns von den
Medien vermittelt wird, ist fließend und oft nicht
Durch gezielte Platzierung und bewusstes Ein- erkennbar. Das Gehirn aktiviert die Klischee-
setzen unterschiedlicher Stereotypen fällt es uns vorstellungen ohne unser Zutun. Und oft genug
oft nicht einmal mehr auf, wie diese verwendet auch gegen unseren Willen.
werden, weil sie mittlerweile einfach zum Alltag
dazugehören.
Welche Folgen ergeben sich?
• Emotionale Motive erregen unbewusst un-
sere Aufmerksamkeit; Gerade Jugendliche sprechen gut auf eine ste-
• Frequenz: Medienangebote die uns wieder- reotypische Darstellung an und in Jugendmedi-
holt begegnen erhalten unsere Aufmerksam- en wird nicht selten ein falsches Bild von Weib-
keit mit höherer Wahrscheinlichkeit; lichkeit und Männlichkeit vermittelt.
• Das Produkt steht oft nicht in direkter Verbin-
dung mit der Werbung; Die wohl bekannteste Jugendzeitschrift ist die
• Kinder werden mit ihrem runden Kopf und BRAVO. Das Konzept der Herausgeber liegt da-
ihren großen Kulleraugen ganz bewusst in rin, jugendlichen Sprachstil, Lebensformen und
Szene gesetzt (Kindchenschema); Einstellungen darzustellen. Diese werden dabei
• Statt die positiven Merkmale eines Pro- aber oft sehr stark überzeichnet und haben so-
duktes direkt anzusprechen, wird das Pro- mit meist wenig mit der Lebensrealität der Kin-
dukt mit wertvollen Objekten, Filmstars der und Jugendlichen zu tun.
oder ähnlichen Bildelementen dargestellt,
dadurch werden die positiven Merkmale Das Dr. Sommer-Team, beantwortet Fragen jeg-
der „wertvollen, berühmten oder begehrens- licher sexueller Art und unter der Rubrik „Foto-
werten Figuren“ auf das weniger bekannte Aufklärung“ lassen sich Jugendliche völlig nackt
oder geschätzte Produkt übertragen“. ablichten und plaudern ihre Intimitäten und Vor-
lieben aus. Das Blatt und viele Jugendliche ver-
binden dies mit Aufklärung. Kritiker geben dabei
Wie wirken sie? aber zu bedenken, dass mit dieser Darstellung
von Sexualität, die manchmal an Pornografie er-
Im Hinblick auf den Einfluss der Medien ist zu- innert und sehr stark mit Stereotypen arbeitet,
nächst anzunehmen, dass Massenmedien Ste- nicht Aufklärung im Vordergrund steht sondern
reotype in der Gesellschaft verfügbar machen. die Steigerung der Auflage.

Vorurteile, Klischees, Rollenbilder oder ähnliches Sexualität ist ein wichtiges Thema in der mensch-
beeinflussen unsere Denkweise. Vor allem wenn lichen Kommunikation, sie soll aber nicht für
es um Schönheit geht, sind Frauen dem gesell- Marketing-Zwecke derart missbraucht werden.
schaftlichen Schlankheitsideal mehr unterwor- Ohne Zweifel braucht unsere Gesellschaft, in der

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das Thema Sexualität einerseits sehr offen be- pekte beinhaltet: Einerseits soll sich „Werbung
handelt wird, aber auch andererseits in machen keiner anstößigen sexuellen Darstellungen be-
Bereichen sehr prüde damit umgegangen wird, dienen“, was konkret bedeutet, dass keine Bil-
noch Zeit, bis ein wirklich unproblematischer der „von nackten Frauenkörpern ohne direkten
Umgang damit stattfinden kann. Zeitschriften inhaltlichen Zusammenhang zum beworbenen
und Jugendmagazine mit seriösen und offenen Produkt“ eingesetzt werden sollen; andererseits
Artikeln können vieles bewegen. Journalist/in- soll Werbung nicht „frauenfeindlich bzw. frauen-
nen und Pädagog/innen sind aufgerufen eine diskriminierend sein“, was heißt, dass Werbesu-
normale Behandlung von Sexualität anzuregen jets weder die „Gleichwertigkeit der Geschlech-
und der Überflutung von nackten Werbetatsa- ter“ in Frage stellen noch dem „modernen
chen damit entgegenzuwirken. Rollenbild der Frau widersprechen“ sollen.

Aber die Jugendzeitschriften sind nur ein Teilas- Damit kann aber die Werbewirtschaft immer
pekt der großen Bandbreite in der Verwendung noch selbst definieren, was z.B. als frauenfeind-
von Stereotypen und Vorurteilen in Medien. liche Werbung zu untersagen ist.

Problematisch ist, dass vor allem kleine Kinder oft Im Bereich des Journalismus existiert ein System
nicht zwischen der Medienwelt und der Realität der Selbstkontrolle, der Presserat. Dieser soll
unterscheiden können. Fernsehprogramm und das in diesem Bereich etwas schwammige Me-
Werbung fließen ineinander über und sind nicht diengesetz ergänzen. Seit 2001 ist dieser aber
deutlich gekennzeichnet. Kinder in diesem Alter so gut wie handlungsunfähig, da der Verband
sind es auch, denen Werbung im Fernsehen be- Österreichischer Zeitungen (VÖZ) die Mitwir-
sonders gut gefällt, die sie gerne sehen und die kung beim Presserat aufkündigte. Somit wurde
für sie Unterhaltungscharakter hat. Sie singen dieser nicht mehr als Organ der Selbstkontrolle
mit, sie spielen „Werbung erraten“ und nehmen angesehen, da der Presserat danach nur mehr
die montierten Bilder mit in den Alltag. Faszinie- von der Journalisten Gewerkschaft weitergeführt
rend wirkt das Tempo, in dem TV-Werbespots wurde. Die Gründung eines Alternativmodells
geschnitten sind und aufeinander folgen. Die der Selbstkontrolle ist bis jetzt nicht zustande
Geschwindigkeit von Bilderwechsel, Sprache, gekommen.
Musik und Themenwechsel hält die Kinder da-
von ab auszuschalten. Mit zunehmendem Alter Eine gut funktionierende Selbstkontrolle der
wenden sich Kinder und Jugendliche aber meist Medien in diesem Bereich wäre aber dringend
wieder von der Fernsehwerbung ab. nötig, genauso wie eine klare gesetzliche Rege-
lung gegen frauenfeindliche und diskriminieren-
Gesetzliche Grundlage de Inhalte in den Medien. Solche Gesetze gibt
Im Mediengesetz sind die Aussagen bezüglich es zum Beispiel in der Schweiz und in Schwe-
Personendiskriminierung, Sexismus und Frau- den und würde zu mehr Klarheit und weniger
enfeindlichkeit sehr schwammig. Es gibt den so Diskriminierung beitragen.
genannten Werberat, durch den Hersteller und
Herausgeber nicht tragbarer Artikel zur Verant-
wortung gezogen werden können.

In den Richtlinien findet sich im „Selbstbeschrän-


kungssystem“ des Österreichischen Werberats
ein Kapitel zum Thema „Frauen“, das zwei As-

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Männer & Frauen in den Medien

Ein gutes Beispiel welches Rollenbild die FPÖ


Frauen zuschreibt lässt sich im Wahlkampf Co-
mic zur Europawahl 2009 erkennen. Frauen sind
möglichst leicht bekleidet und den Männern hörig.
Dies ist, wie der gesamte Comic aufs Schärfste
abzulehnen.

Die Werbung von Dolce & Gabbana gibt Anlass


zu heftiger Kritik und wurde letztendlich zurückge-
zogen. Hier wird klar sexuelle Gewalt für Werbe-
zwecke missbraucht.

Ein anderes Beispiel wie in Medien mit weiblichen


Stereotypen gearbeitet wird, sind Titelseiten von
Magazinen. Eine möglichst leicht bekleidete Frau,
die oft kaum einen Bezug zum Inhalt der Zeitung
hat, steigert die Auflage.

„Die einzige Frau von der ich mir was sagen las-
se, ist die vom Navigationssystem“. Ein Blick auf
die Frau aus der Perspektive von Männerwitzen.
Dafür ist Dieter Bohlen allemal zu haben.

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Musikvideos sind ebenfalls sehr beliebt für kli-


scheehafte Rollendarstellung. Viele Musikclips
arbeiten mit Sexualität, auch wenn das Gesun-
gene nicht im geringsten Zusammenhang damit
steht.

Nicht einmal die Gastronomie macht Halt vor se-


xistischen Bildern. Titelbild der Speisekarte eines
Restaurants im Cineplexx Linz.

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Was kann man dagegen tun?

Die Aufklärungsarbeit und Sensibilisierung der Ziel einer kritischen Pädagogik im Sinne „Erzie-
Thematik beginnt schon im Kindesalter. Eltern, hung zur Gleichstellung“ muss es sein, die Wirk-
Freunde, Lehrer/innen und auch wir Rote Falken samkeit der Mediensysteme und ihre Konstruk-
müssen sich ständig unserer Vorbildwirkung be- tion von Wirklichkeit zu dekonstruieren, d.h. mit
wusst sein. Wir müssen Kinder und Jugendliche Kindern und Jugendlichen zu erarbeiten, wie in
für missbräuchliche Verwendung von Stereo- den Medien Zweigeschlechtlichkeit hergestellt
typen hellhörig machen. wird, welche Bilder von Weiblichkeit bzw. Männ-
lichkeit vermittelt werden und wie das bestehen-
So kann, mit einem bewussten Umgang mit Zu- de Geschlechtsverhältnis durch das Mediensy-
schreibungen, ein erster Schritt der Sensibilisie- stem reproduziert wird.
rung gemacht werden. Weiters muss ein ver-
antwortungsbewusster Umgang mit sich selbst Nicht stumm zusehen – sondern lautstark seine
und mit anderen, insbesondere in den Bereichen Meinung kundtun, lautet die Devise. Beschwer-
Geschlecht, Sexualität und Partnerschaft zum den und konstruktive Kritik können Medienver-
Grundsatzprinzip in der Pädagogik gehören. antwortliche wachrütteln. Wichtig ist es diese
Kinder und Jugendliche sollen lernen, Ursachen Problematik zu thematisieren und im Freundes-
und Auswirkungen von Rollenbildern, die den oder Bekanntenkreis zu diskutieren. Heimstun-
Geschlechtern zugeordnet werden, zu erkennen den bieten hierfür einen passenden Raum. Ein-
und kritisch zu prüfen. fache Methoden und Spiele erleichtern diese
Aufklärungsarbeit. Im hinteren Teil der Mappe
Immer wieder zu reflektieren, sich selbst in an- befindet sie daher genügend Material, um mit
dere Rollen versetzen und dargestellte Szenen Kindern dieses Thema aufzuarbeiten.
versuchen aus verschiedenen Blickwinkeln zu
betrachten, schärfen unsere Sensibilität in Be-
zug auf diese Thematik. Ein weiterer Punkt ist,
sich zu überlegen, wie man sich selbst und an-
dere Menschen in einem Medientext nach Krite-
rien wie: Größe, Figur, Kleidung, Frisur … dar-
stellen würde.

Objekte, Menschen oder Ereignisse von ver-


schiedenen Standpunkten, unter Verwendung
verschiedener Medien darzustellen oder ver-
schiedene emotionale Zustände in Medien-
texten wiederzugeben, sind gute Übungen um
auch Argumente gegen allfällige stereotype
Darstellungen zu finden und Änderungen vor-
zuschlagen. Vorurteile verlieren ihren Bann, ihre
Destruktivität, wenn sie erkannt, benannt und
anerkannt werden.

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Teil 2: Methoden
1. Vorurteile allgemein
1.1. Mein liebstes Vorurteil 28
1.2. Ich bin viele 29
1.3. Die kulturelle Brille 30
1.4. Das schwarze Schaf 31
1.5. Phrasensack 32
1.6. Titelseite 33
1.7. Das Bild im Kopf - über Bilder sprechen 34
1.8. Ein Schritt nach vorn 36

2. Rassismus
2.1. Was ist alles Rassismus? 38
2.2. Alle gleich - alle anders 39
2.3. Wer bin ich? 40
2.4. Ich stehe hier - Meinungsbarometer 41

3. Arm & Reich


3.1. Armut - was ist das? 42
3.2. Armutshoroskop 43
3.3. Fallgeschichten 44

4. Mann & Frau


4.1. Satzanfänge vervollständigen 45
4.2. Auf der Suche nach Frauen 46
4.3. Werbeplakat gestalten 47
4.4. Typisch Mädchen - typisch Buben 48

Wie im Einführungstext beschrieben, ist


es wichtig, den Selbstwert von Kindern
zu stärken. Methoden zur Stärkung des
Selbstwerts findest du in der Suchtpräven-
tionsmappe „Lass dich nicht unterkriegen.
Entscheide selbstbewusst.“

Viele der vorgeschlagenen Methoden las-


sen sich durch kleine Abänderungen auch
bei anderen Themen einsetzen.

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in - 1.1
u r t e i l
s Vor
e
i l e allgem
Vo r u r t e

i e b s t e
M ein l

Ab 12 Jahren

15 Minuten

Gruppenarbeit

Plakat, Stifte

die Funktion von Vorurteilen erkennen

Anleitung: An der Tafel (auf Plakaten) werden Vorurteile gesammelt, die dann
nach „Zielgruppen“ (Ausländer und Ausländerinnen, Homosexuelle, Frauen,
Männer,…) geordnet werden.

Auswertung:
Welche Vorteile hat es, wenn du solche Vorurteile hast? Wenn du selbst einer
solchen Gruppe angehören würdest – wie würden solche Vorurteile auf dich
wirken? Kursieren auch dir gegenüber solche Vorurteile? Was kannst du ge-
gen Vorurteile, die andere (oder auch dich) betreffen, machen?

28 Vorurteile abbauen.
Eine Kampagne der Roten Falken Österreich
www.rotefalken.at

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Ab 12 Jahren

60 Minuten

Einzelarbeit; Plenum

Arbeitsblatt 1, Stifte, Flipchart

eigene Rollenbilder erkennen; Wahrnehmung von Gemeinsamkeiten und


Unterschieden

Anleitung: JedeR TeilnehmerIn bekommt eine Kopie von Arbeitsblatt 1 „Iden-


titätstorte“, auf welchem jedeR die für sie/ihn wichtigsten Rollen / Teilidenti-
täten in Form von (unterschiedlich großen) Tortenstücken einzeichnet (z.B.
Sohn, Fußballspieler, Schüler, Freund, Bruder...) . Dafür ca. 10 Minuten Zeit
geben. Den TeilnehmerInnen kann der Druck genommen werden, indem sie
spontane Antworten eintragen sollen.
Anschließend werden die Blätter eingesammelt und die einzelnen Rollen /
Teilidentitäten der Reihe nach vorgelesen. Die TeilnehmerInnen sollen dabei
aufstehen, wenn die vorgelesene Rolle auf sie/ihn zutrifft - auch wenn sie im
eigenen Tortendiagramm nicht aufscheint. Parallel dazu werden die einzelnen
Rollen auf einem Flipchart gesammelt und am Schluss in Identitätskategorien
(z.B. Geschlecht, Alter, Religion, Hobby, Familie,...) eingeteilt.

Diskussion:
• Wie hat es sich angefühlt, alleine oder fast alleine zu stehen? Wie war es
Teil einer größeren Gruppe zu sein?
• War es schwer die eigene Identität aufzugliedern?
• Gibt es Widersprüche oder Konflikte zwischen einzelnen Rollen oder er-
gänzen sie sich?
• Gibt es Rollen die du lieber magst / gar nicht magst?
• Haben sich deine Rollen im Laufe der Zeit verändert?
• Welche Rollen kannst du dir aussuchen, welche sind angeboren?
• Gibt es eine Rangordnung unter den Rollen?

Auswertung: Durch die Aufstehübung gelangen sehr viele Informationen


sehr schnell in die Gruppe. Außerdem muss sich jede Person hinter ihre/sei-
ne Wahl „stellen“.

Arbeitsblatt 1, Seite 51

Vorurteile abbauen.
Eine Kampagne der Roten Falken Österreich 29
www.rotefalken.at

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Ab 10 Jahren

40 Minuten

Einzelarbeit, Plenum

Arbeitsblatt 2, Plakat, Stifte, Sessel, Erdnüsse

eigene Rollenbilder erkennen; Wahrnehmung von Gemeinsamkeiten und


Unterschieden

Anleitung: Ein Sesselkreis wird so eingerichtet, dass ein Sessel leer bleibt,
neben dem etwas Platz ist. Unter den Sessel wird eine Dose mit Erdnüssen
gestellt.

1. Die Geschichte wird vorgespielt (siehe Arbeitsblatt).

2. Diskussion: Die GruppenleiterInnen nehmen im Sesselkreis der Gruppe


Platz und bitten diese, das Gesehene, die Riten und Bräuche des Albatros-
Volkes zu beschreiben. Außerdem sollen sie erklären und begründen, ob sie
sich vorstellen können, auf der Albatros-Insel zu leben.

3. Nun erläutern die GruppenleiterInnen die Kultur der Menschen auf Alba-
tros. (siehe Arbeitsblatt)

4. Auswertung: Nun sollte mit der Gruppe besprochen werden, welche (Vor-)
Annahmen und Fehleinschätzungen möglicherweise zu falschen Interpreta-
tionen geführt haben und woher diese kommen. Haben die TeilnehmerInnen
schon einmal Erfahrungen dieser Art im Alltag gemacht?

Arbeitsblatt 2, Seite 53

30 Vorurteile abbauen.
Eine Kampagne der Roten Falken Österreich
www.rotefalken.at

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Ab 10 Jahren

45 Minuten

Gruppenarbeit

Stifte, Flipchart

Anders-sein thematisieren, Reflexion eigener Erfahrungen

Anleitung:
Zum Begriff des „schwarzen Schafes“ werden in der Gruppe Assoziationen
gesucht und auf Flipchart festgehalten. Es kann überlegt werden, woher der
Begriff kommt. Schwarz in der Bedeutung von „schlecht“ wird in vielen Rede-
wendungen vorkommen. Die rassistischen Wurzeln dieser Ausdrücke können
diskutiert werden.
Anschließend sollen sich die TeilnehmerInnen an Situationen erinnern, in de-
nen sie selbst das „schwarze Schaf“ waren. Ev. kann eine solche Erfahrung
als Bild gemalt werden. Danach können die Bilder in der Gruppe besprochen
werden.

Auswertung:
Folgende Fragen können bei der Diskussion gestellt werden:
• Wie ist es, selbst das „schwarze Schaf“ zu sein“?
• Wird überwiegend Negatives oder auch Positives damit verbunden?
• Warum werden Menschen, die von der Norm abweichen, als negativ be-
wertet?
• Wie verhält sich eine „gute“ Person in deiner Kultur?
• Was ist „schlechtes“ Verhalten in deiner Kultur?
• Wie lernen Menschen die Normen der Kultur? (Familie, Schule,
Freunde,...)

Vorurteile abbauen.
Eine Kampagne der Roten Falken Österreich 31
www.rotefalken.at

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Ab 12 Jahren

30 Minuten

Einzel-, Gruppenarbeit

Arbeitsblatt 3, Plakat, Stift

eigene Rollenbilder erkennen; Wahrnehmung von Gemeinsamkeiten und


Unterschieden

Anleitung: Jeweils zwei TeilnehmerInnen erhalten die selbe Phrasenkarte.


Sie werden gebeten, sich Pro- und Kontra-Aussagen für diese Aussage zu
überlegen. Aus Zeitgründen sollten nicht mehr als 8 Phrasen ausgewählt wer-
den. Eine Person liest die erste Phrase laut vor. Die beiden Personen mit der-
selben Phrase werden gebeten, ihre vorher überlegten Aussagen mitzuteilen.
Wenn die Argumente knapp sind, kann die Gruppe um Hilfe gebeten werden.
Danach diskutiert und bewertet die Gruppe die Phrase und die Argumente.
Dabei können folgende Fragen zur Unterstützung der Diskussion eingebracht
werden:
• Welche Aussage wird mit dem Satz getroffen?
• Welches Menschenbild steht dahinter?
• Welche Motive können wir hinter dieser Aussage vermuten?
• Würdet ihr der Aussage zustimmen?
• Wie geht es euch, wenn ihr einen solchen Satz hört?
• Wie kann gegen diese Parole argumentiert werden? Warum ist das so
schwer?

Tipps zur Anleitung:


Es sollte betont werden, dass es bei den eingebrachten Pro- und Kontra-Ar-
gumenten nicht um persönliche Auffassungen geht und dass unterschiedliche
Positionen in der Gruppe auch geäußert werden können. Es sollten passende
Phrasen für die Gruppe ausgewählt werden.

Arbeitsblatt 3, Seite 55

32 Vorurteile abbauen.
Eine Kampagne der Roten Falken Österreich
www.rotefalken.at

Vorurt
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Titelse
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Ab 13 Jahren

60 Minuten

Gruppenarbeit

Fotos aus Zeitungen, Papier, Stifte, Schere, Klebstoff, Plakate

Vorurteile, Klischees und Objektivität in den Medien einschätzen können

Anleitung: Es werden Kleingruppen zu 4-5 Personen gebildet. Diese sollen


sich vorstellen, das Redaktionsteam einer Zeitung zu sein. Ihre Aufgabe ist
es, die Titelseite für die morgige Ausgabe zu gestalten. Bevor sie mit der Ar-
beit beginnen, sollten Merkmale und Layout einer typischen Titelseite bespro-
chen werden. Danach werden den Gruppen die Fotos gezeigt. Mit diesen
kann nach eigenen Vorstellungen gearbeitet werden - allerdings dürfen die
Gruppen die Fotos jetzt noch nicht mitnehmen.
Die Teams haben nun Zeit, sich eine Geschichte für ihre Zeitung auszuden-
ken. Die Schlagzeilen müssen geschrieben werden, Fotos ausgewählt, ein
Name für die Zeitung gefunden werden, die Bildbeschreibung formuliert wer-
den,... Die Gruppen sollen sich auf die Wirkung der Titelseite konzentrieren.

Erst während der Diskussion in den Gruppen werden die Bilder freigegeben.
Sind die Titelseiten fertig, werden diese aufgelegt und es kann zur Nachberei-
tung übergegangen werden.
Nachbereitung und Auswertung
• Wie haben die Gruppen ihre Arbeit organisiert? Wie haben sie entschie-
den, wie sie vorgehen und welche Geschichten sie drucken wollen?
Konnten sich alle einbringen?
• Wie haben sie das Thema ausgewählt? Was kam zuerst - das Thema
oder das Bild?
• Wie sehen die Titelseiten der Gruppen im Vergleich aus? Wurden die sel-
ben Themen / Fotos gewählt? Haben mehrere Gruppen das selbe Bild
verwendet, aber auf verschiedene Weise?
• Wie verfolgen Menschen Nachrichten? In Zeitungen, im Fernsehen, im
Radio oder Internet? Warum verfolgen Menschen Nachrichten?
• Hatten die Teilnehmer/innen eine reale Titelseite als Vorbild? Wollten sie
es bewusst anders machen? Welche Unterschiede gibt es?
• Welche Art von Nachrichten herrscht in rechten Medien vor?
• Medien sollten objektiv berichten. Ist das überhaupt möglich?

Vorurteile abbauen.
Eine Kampagne der Roten Falken Österreich 33
www.rotefalken.at

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Ab 12 Jahren

40 Minuten

Einzel-, Partnerarbeit

Stifte, Papier, passende Bilder suchen

sich in fremde Personen hineinversetzen, den ersten Eindruck hinterfragen

Anleitung: „Sich ein Bild von etwas machen“ ist ein häufig gebrauchter Aus-
druck. Damit ist gemeint, dass man sich einen Überblick verschafft, eine
Meinung zu etwas entwickelt, indem man einen Blick auf eine Situation, ein
Verhältnis oä. wirft. Die „Bilder“, die dabei entstehen, begleiten uns durch un-
seren Alltag. Sie sind häufig vereinfacht und stereotyp – die Frau mit Kopf-
tuch, die bestimmte Assoziationen bei mir hervorruft, ein schwules Pärchen,
dass von mir sofort in eine Schublade gesteckt wird. Diese Bilder lassen uns
Situationen immer gleich interpretieren und hindern uns daran, genau hin-
zusehen, was eigentlich passiert. Das liegt auch daran, dass viele Bilder für
uns ganz selbstverständlich sind, weil es nicht nur unsere persönlichen Bilder
sind, sondern sie auch im Fernsehen, in der Werbung, in Romanen repro-
duziert werden. Das Betrachten von Bildern im Seminar ist eine Möglichkeit,
hinter diese Bilder zu schauen.
• Bilder regen die Vorstellungskraft an.
• Bilder machen neugierig (sich in Personen hineinversetzen, was ge-
schah vor und nach dem Drücken auf den Auslöser).
• Bilder sind Gesprächsimpulse.
• Bilder sprechen Verstand und Gefühle an.
• Bildinterpretationen greifen auf eigene Erfahrungen zurück und sind
deshalb individuell geprägt.
• Bilder unterliegen vielfältigen Bedeutungen.

Ablauf:
Alle Bilder werden auf dem Tisch oder Fußboden ausgebreitet. Die Teilneh-
merInnen wählen ein Bild, das sie am meisten anspricht, oder das ihrer Mei-
nung nach besonders gut oder gar nicht zum Thema passt. Oder sie wählen
ein Bild, das am besten darstellt, wie sie selbst z.B. AusländerInnen sehen.

Fortsetzung auf nächster Seite

34 Vorurteile abbauen.
Eine Kampagne der Roten Falken Österreich
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Vorurt
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Mögliche Varianten: Eine Kleingruppe wählt gemeinsam ein Bild aus oder zwei
Bilder werden zueinander in Beziehung gesetzt. Die Gedanken, die jede/r
Einzelne bei der Betrachtung der Bilder hat, werden im Zweiergespräch, in
der Kleingruppe oder im Plenum ausgetauscht.

Zur vertiefenden Bildbetrachtung können folgende Fragen gestellt werden:


• Wer und was ist zu sehen? (Immer zuerst beschreiben, dann werten!)
• Wo könnte das Foto gemacht worden sein?
• Gibt es Menschen auf dem Foto? Was könnten sie denken und fühlen?
Was können wir über sie vermuten? Was denke ich über die Beziehungen
der Personen zueinander? Wie könnten die biographischen Hintergründe
der Personen aussehen?
• Gibt es Spuren von Menschen?
• Welchen Standpunkt hat der/die FotografIn in der Situation? Ist das Foto
zufällig entstanden? Warum wurde dieser Moment gewählt, um auf den
Auslöser zu drücken?
• Was passiert außerhalb des Rahmens des Bildes?
• Was passierte, bevor und nachdem das Bild aufgenommen wurde?
• Wie wirkt das Bild auf mich? Wie wirken einzelne Personen auf mich?
Welche Gefühle lösen das Bild bzw. die Personen bei mir aus?
• Was könnten die einzelnen Personen denken/sagen? (Denk-, Sprechbla-
sen)
• Werden für mich Probleme auf dem Bild sichtbar? Welche? Welche Lö-
sungen sind denkbar?

Da es beim Betrachten von Bildern nicht auf Wissen sondern auf Assoziati-
onen ankommt, kann diese Methode jederzeit eingesetzt werden z.B. auch in
Momenten, in denen die Konzentration der Gruppe gering ist.

Variationen:
Folgende Arbeitsaufgaben könnten sich anschließen:
• In der ICH-Form die Situation einer der dargestellten Personen beschrei-
ben;
• Biographien der Personen erfinden
• Mit einer Person im Bild sprechen, ihr einen Brief schreiben. Welche Fra-
gen würde ich ihr gerne stellen?
• Denk- oder Sprechblasen schreiben;
• Welchen Titel könnte ich dem Bild geben?
• Eine Bilderabfolge aufstellen. Eine Bildgeschichte schreiben oder gestal-
ten. Welche Überschrift könnte meine Bildgeschichte bekommen?

Vorurteile abbauen.
Eine Kampagne der Roten Falken Österreich 35
www.rotefalken.at

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Ab 12 Jahren

20 Minuten

Einzelarbeit, Ausarbeitung in der Gruppe

Arbeitsblatt 4, ev. Musik

Anleitung: Schaffe mit ruhiger Hintergrundmusik eine entspannte Atmosphä-


re, oder bitte einfach um Ruhe. Jede Person bekommt wahllos eine Rollenkar-
te (Arbeitsblatt 4), welche sie für sich behalten und niemandem zeigen sollte.
Alle setzen sich hin (am besten auf den Boden) und lesen ihre Rollenkarte.
Bitte nun die TeilnehmerInnen, sich in die Rolle hineinzuversetzen. Um ihnen
dabei zu helfen, können einige der folgenden Fragen laut vorgelesen wer-
den:

• Wie ist/war deine Kindheit? In was für einem Haus hast du gewohnt? Was
für Spiele hast du gespielt? Was arbeiten deine Eltern?
• Wie sieht dein Alltag heute aus? Wo triffst du dich mit deinen Freunden?
• Was machst du in deiner Freizeit? Was machst du in den Ferien?
• Was findest du aufregend und wovor fürchtest du dich?

Bitte dann die Teilnehmenden, ganz still zu sein und sich nebeneinander in
einer Reihe aufzustellen (wie an einer Startlinie). Erkläre, dass nun eine Liste
von Situationen und Ereignissen vorgelesen wird. Jedes Mal, wenn sie auf
eine Aussage mit „Ja“ antworten können, sollen sie einen Schritt nach vorn
machen. Wenn nicht, sollen sie bleiben,wo sie sind, und sich nicht bewegen.
Lies die Situationen, eine nach der anderen, vor. Mache danach jedes Mal
eine Pause, damit die TeilnehmerInnen ihre Schritte nach vorn machen und
sich umsehen können, wie sie im Vergleich zu den anderen stehen.

Am Ende sollen sich alle ihre Schlussposition vergegenwärtigen. Danach


sollte den TeilnehmerInnen kurz Zeit gegeben werden, aus ihrer Rolle zu
schlüpfen.

Fortsetzung auf nächster Seite

36 Vorurteile abbauen.
Eine Kampagne der Roten Falken Österreich
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Nachbereitung und Auswertung


Frage die TeilnehmerInnen was sie zu Beginn der Übung gedacht haben und
sprich dann mit ihnen über die aufgeworfenen Fragen.

• Was haben die Fragen bewirkt?


• Was für ein Gefühl war es, einen Schritt vorwärts zu kommen – bzw. zu-
rückzubleiben?
• Wann haben diejenigen, die häufig einen Schritt nach vorn machten, fest-
gestellt, dass andere nicht so schnell vorwärts kamen wie sie?
• Hatte jemand irgendwann das Gefühl, dass seine grundlegenden Men-
schenrechte missachtet wurden?
• Kann jemand die Rollen der anderen erraten? (In dieser Phase dürfen die
Rollen bekanntgegeben werden.)
• Wie leicht oder schwer war es, die verschiedenen Rollen zu spielen? Wie
haben sie sich die dargestellte Person vorstellen können?
• Spiegelt die Übung die Gesellschaft wider? Inwiefern?
• Welche Schritte müssten zuerst unternommen werden, um gegen die Un-
gleichheiten in der Gesellschaft anzugehen?

Aussagen:
• Du hast nie in ernsthaften finanziellen Schwierigkeiten gesteckt.
• Du lebst in einem bescheidenen Haus mit Telefon und Fernsehen.
• Du hast das Gefühl, dass deine Sprache, Religion und Kultur in der Ge-
sellschaft, in der du lebst, respektiert werden.
• Du hast das Gefühl, dass deine Meinung über soziale und politische Fra-
gen eine Rolle spielt und dass man dir zuhört.
• Andere Menschen holen zu verschiedenen Problemen deinen Rat ein.
• Du hast Angst, in eine Polizeikontrolle zu geraten.
• Du weißt, wohin du dich wenden kannst, wenn du Rat und Hilfe
brauchst.
• Du bist nie aufgrund deiner Herkunft diskriminiert worden.
• Deine sozialen und medizinischen Bedürfnisse werden ausreichend ab-
gedeckt.
• Du kannst einmal im Jahr verreisen und Urlaub machen.
• Du kannst Freunde und Freundinnen nach Hause zum Essen einladen.
• Du hast ein interessantes Leben und bist zuversichtlich, was die Zukunft
betrifft.
• Du kannst studieren und deinen Wunschberuf ergreifen.
• Du hast keine Angst, auf der Straße oder in den Medien belästigt oder
angegriffen zu werden.
• Du kannst mindestens einmal in der Woche ins Kino gehen.
• Du hast Angst um die Zukunft deiner Kinder.
• Du hast das Gefühl, dass dein Wissen und deine Fähigkeiten in der Ge-
sellschaft Anerkennung finden.

Arbeitsblatt 4, Seite 57

Vorurteile abbauen.
Eine Kampagne der Roten Falken Österreich 37
www.rotefalken.at

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Ab 14 Jahren

ab 20 Minuten

Gruppenarbeit, Plenum

Arbeitsblätter 5 + 6

Annäherung an den Begriff Rassismus


(die Phasen können einzeln oder als Abfolge durchgeführt werden)

Anleitung:
1. Phase
Verschiedene Situationen werden daraufhin untersucht, ob in ihnen Rassis-
mus eine Rolle spielt. Dabei geht es nicht um richtige Antworten, sondern um
eine gemeinsame Annäherung. Die TeilnehmerInnen erhalten das Arbeitsblatt
5 „Was alles so passiert …“ und teilen sich in Kleingruppen zu je 4 bis 6
Personen auf. In der Arbeitsgruppe tauschen sie sich 20 Minuten über die
geschilderten Situationen anhand folgender Fragen aus:
Gibt es in der beschriebenen Situation Rassismus? Wenn ja, warum? Wenn
nein, wie würdet ihr die Situation beschreiben und bewerten? Wenn ihr euch
unsicher seid: Welche weiteren Informationen braucht ihr für die Bewertung?

2. Phase
Die Gruppe erhält Arbeitsblatt 6 „Aussagen zu Rassismus“. Die Aussagen wer-
den vorgelesen und es wird gemeinsam in etwa 20 Minuten geklärt, worum
es den AutorInnen geht. Dieser Schritt kann bei Gruppen mit Vorkenntnissen
auch in den Kleingruppen erfolgen. Dann gehen die TeilnehmerInnen in die
Kleingruppen zurück und diskutieren etwa 15 Minuten lang folgende Fragen:
Welchen der Aussagen stimmt ihr zu, welche gefallen euch nicht? Warum?
Fallen die Situationsbewertungen anders aus, wenn ihr die Aussagen als
Grundlage nehmt?

Danach kommen die Gruppen für einen Austausch im Plenum zusammen.


Die Ergebnisse können notiert werden. Wo ergeben sich Gemeinsamkeiten
und Unterschiede in der Bewertung? Kann daraus eine gemeinsame Rassis-
mus-Definition entwickelt werden?

Arbeitsblatt 5 + 6, Seiten 59 + 61

38 Vorurteile abbauen.
Eine Kampagne der Roten Falken Österreich
www.rotefalken.at

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Ab 14 Jahren

30 Minuten

Gruppenarbeit, Plenum

Arbeitsblatt 7, Papier, Stifte

Sensibilisierung für Ethnozentrismus und Vorurteile

Anleitung: Diese Übung ist eine Art Quiz, bei dem es jedoch nicht darum
geht, wer etwas richtig oder falsch beantwortet. Das Quiz stellt lediglich den
Einstieg in eine Diskussion dar. Arbeitsblatt 7 an die Teilnehmer/innen vertei-
len und ihnen 5 Minuten Lesezeit geben. Anschließend soll jeder für sich die
Fragen beantworten.

Wenn alle fertig sind,werden Kleingruppen gebildet. Diese haben 15 Minu-


ten Zeit, ihre Vermutungen zu diskutieren und möglichst eine gemeinsame
Antwort zu finden:
• Warum hast du dich gerade für diese Antwort entschieden?
• Was sagen die Texte über die Autoren aus?
• Was denkst du über die Texte?

Dann treffen sich wieder alle gemeinsam und besprechen die Ergebnisse
aus den Kleingruppen.

Auflösung des Quiz:


Die Textauszüge stammen aus einem Buch des Gelehrten Said al-Andalusi
aus Cordoba, Andalusien (heute Spanien), der im Jahr 1029 bzw. 420 isla-
mischer Zeitrechnung geboren wurde. Für ihn waren Zivilisation und Wissen-
schaft eng mit der Kenntnis des heiligen Koran verknüpft.

Arbeitsblatt 7, Seite 63

Vorurteile abbauen.
Eine Kampagne der Roten Falken Österreich 39
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Ab 10 Jahren

15 Minuten

Plenum

Stifte, Post it

Auseinandersetzung mit kulturellen und nationalspezifischen Vorurteilen

Anleitung:
Die Teilnehmer/innen stellen sich im Kreis auf. Jede/r bekommt ein Post-it,
auf das er/sie eine Nationalität ihrer/seiner Wahl schreibt. (amerikanisch, un-
garisch,...) Die Post-its werden der/dem rechten Nachbarin/Nachbarn auf den
Rücken geklebt. Jeder muss nun mit Hilfe von Entscheidungsfragen (Ja/Nein
Antworten) herausfinden zu welcher Nationalität sie/er gehört.

Auswertung:
Wenn jede/r richtig geraten hat, sollte man das Spiel nachbesprechen.
• Welche Nationalitäten hatten die Teilnehmer/innen?
• Welche Fragen wurden gestellt? (hinsichtlich Geografie, Sprache, Kul-
tur,...)
• Was wird als typisch für gewisse Nationalitäten erachtet? Sind diese Zu-
schreibungen berechtigt?
• Woher kennst du vermeintlich typische nationale Eigenschaften - aus ei-
gener Erfahrung, aus dem Fernsehen,...?
• Worin bestehen positive und negative Funktionen von Verallgemeine-
rungen dieser Art?

40 Vorurteile abbauen.
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Ab 12 Jahren

ab 10 Minuten

Arbeitsblatt 8, Kärtchen, Edding, Klebeband, Plakate

erörtern, welche Bedeutung etwas zugemessen wird; Einstieg in ein Thema;


verschiedene Positionen in der Gruppe sichtbar machen

Anleitung: Die Teilnehmer/innen sollen kontroverse Thesen / Aussagen be-


werten bzw. ihre Meinung vertreten.

Variante 1: Meinungsbarometer
Der Raum wird der Länge nach durch eine mit Klebeband gezogene Linie
geteilt. An deren Ausgangs- und Endpunkt werden Karten mit 0% und 100%
gelegt. Je nach Zustimmung zu den Aussagen positionieren sich die Teilneh-
mer/innen entlang dieser Linie.

Variante 2: begründetes Stichwort


Anstelle der körperlichen Positionierung können die Teilnehmer/innen ein
Stichwort auf eine lange Papierbahn schreiben, die anstelle der Linie längs
durch den Raum gelegt wird. So kann die Gruppe sich ein Bild von den ver-
schiedenen Positionen machen, ohne dass jede Person für sich sprechen
muss.

Variante 3: Ja-Nein-Spiel
Die Methode kann auch so gestaltet werden, dass es nur möglich ist, Ja oder
Nein zu antworten. Der Raum wird mit Klebeband quer geteilt. Eine Seite des
Raumes steht für Ja, die andere für Nein. Die Variante bietet sich an, wenn
Positionen zugespitzt werden sollen.

Variante 4: 4-Ecken-Spiel
Vier verschiedene Thesen (z.B. 4 unterschiedliche Erklärungen für Rassis-
mus) werden den Ecken eines Raumes zugeordnet und dort gut lesbar auf-
gehängt. Die TeilnehmerInnen stellen sich in die Ecke der These, der sie am
meisten zustimmen.

Arbeitsblatt 8, Seite 65

Vorurteile abbauen.
Eine Kampagne der Roten Falken Österreich 41
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3.1
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Ab 10 Jahren

30 Minuten

Gruppenarbeit, Plenum

Arbeitsblatt 9, Stifte, Papier, Kärtchen, Kleber/Pinnadeln

Annäherung an den Armutsbegriff, eigene Erfahrungen ins Gedächtnis rufen;


Relativität von Armut

Anleitung:

1. Sätze vervollständigen:
Folgende Satzanfänge werden auf Plakate geschrieben:
• Arm ist, wer ...
• Wenn ich arm wäre, fände ich besonders schlimm, dass ...
• Wenn ich arme Menschen träfe, dann würde ich ...
• Wenn ich an arme Menschen denke, dann sehe ich folgendes Bild ...

Jede/r Teilnehmer/in bekommt Kärtchen, auf denen die Sätze vervollständigt


werden. Wenn alle fertig sind, werden die Karten aufgehängt.

2. Armut - was ist das?


Arbeitsblatt 8 austeilen oder an die Wand projezieren und die Aussagen ge-
meinsam lesen. Danach werden die einzelnen Aussagen besprochen und mit
den eigenen Karten verglichen. Wie sieht Armut bei uns und in anderen Län-
dern aus?

Arbeitsblatt 9, Seite 67

42 Vorurteile abbauen.
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Armut Reich
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Ab 10 Jahren

60 Minuten

Gruppenarbeit, Plenum

Arbeitsblätter 10 - 12, Stifte, Papier

Auseinandersetzen mit den Folgen von Armut;


Nachdenken über die Lebensmöglichkeiten und Chancen von Armen

Anleitung: Zuerst sollte allgemein über Horoskope gesprochen werden.


Werden sie von den Teilnehmer/innen gelesen? Wer glaubt daran? Was steht
drinnen? Danach Kleingruppen bilden und die Personenkarten von Arbeits-
blatt 9 verteilen. Jede Gruppe soll nun für die beschriebene Person ein Horo-
skop für das nächste Jahr erstellen.

Es gibt keine richtigen und falschen Aussagen, die Prognosen sollten aber
realistisch sein. Wenn alle Horoskope fertig sind, werden diese im Plenum
präsentiert.

Nachbereitung: Die Gruppen sollen erzählen, wie sie auf ihre Prognosen ge-
kommen sind. Zur Aufarbeitung des Begriffs „Armut“ können folgende Fragen
gestellt werden:

• Welches Bild haben die Teilnehmer/innen von Armut? Sind es Klischees?


Woher kommen die Informationen?
• Was braucht man um der Armut zu entkommen?
• Sind Menschen selber schuld an ihrer Armut? Ist es Schicksal? Gibt es
politische, soziale, ökonomische Ursachen?
• Wie werden arme Menschen von anderen behandelt?
• Kann Armut durch Bildung bekämpft werden?
• Welche Möglichkeiten haben arme oder reiche Menschen?

Arbeitsblätter 10 - 12, Seiten 69 - 73

Vorurteile abbauen.
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Ab 10 Jahren

20 Minuten

Gruppenarbeit

Arbeitsblatt 13, Holzring mit Fäden, Spielzeugfigur, Kärtchen mit Begriffen

vielfältige Gründe für Armut erkennen

Anleitung: Jede/r Teilnehmer/in erhält ein Kärtchen mit einem Begriff/Grund


der zu Arbeitslosigkeit führen könnte. (Bei wenigen Teilnehmer/innen kann je-
der auch 2 Begriffe bekommen). Am Holzring sind so viele Fäden wie Gründe
verteilt wurden fixiert. Jede/r hält seinen Faden straff gespannt, so dass im
Inneren des Rings ein Fadennetzwerk entsteht. Auf dieses wird die Spiel-
zeugfigur gelegt.

Dann werden die Fallgeschichten vorgelesen, wobei der/diejenige den Faden


fallen lässt, dessen Grund für Armut vorgelesen wird. Die Spielzeugfigur wird
durch den Ring fallen, wenn es nicht mehr genug Fäden gibt, die ihr Halt
geben.

Auswertung: Im Anschluss daran kann das Geschehene diskutiert werden.

Arbeitsblatt 13, Seite 75

44 Vorurteile abbauen.
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Ab 10 Jahren

15 Minuten

Gruppenarbeit

Arbeitsblatt 14, Stifte, Plakate oder Kärtchen

eigene Rollenerwartungen reflektieren

Anleitung: Folgende Sätze sollen von den Teilnehmer/innen ergänzt werden


(Arbeitsblatt 14):
„Buben sind ...“ - „Mädchen sind ...“
„Ich bin männlich, wenn ich ...“ - „Ich bin weiblich, wenn ich ...“
„Mein Idealmann ist ...“ - „Meine Idealfrau ist ...“
„Ich bin gerne ein Bub, weil ...“ - „Ich bin gerne ein Mädchen, weil ...“
„Mir gefällt an meinem besten Freund, dass ...“ - „Mir gefällt an meiner besten
Freundin, dass ...“

Auswertung: Es empfiehlt sich, dass zuerst nach Geschlechtern getrennt


ausgewertet wird. Danach kann man die Bilder vergleichen.
• Haben die Teilnehmer/innen bestimmte Bilder von Männern und Frauen
im Kopf?
• Woher kommen diese Bilder? Stimmen diese mit der Realtität überein?
• Wollen / Können die Teilnehmer/innen diesen Bildern entsprechen?

Variante: Zu folgenden oder ähnlichen Aussagen können Stichwörter gesam-


melt werden:
• „Was wir an Mädchen mögen“ - „Was wir an Mädchen nicht mögen“
• „Vorteile ein Mann zu sein“ - „Nachteile ein Mann zu sein“
• „Vorteile eine Frau zu sein“ - „Nachteile eine Frau zu sein“

Auch hier kann zuerst in geschlechtshomogenen Gruppen ausgewertet und


anschließend verglichen werden.

Arbeitsblatt 14, Seite 77

Vorurteile abbauen.
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Ab 14 Jahren

30 Minuten

Einzelarbeit; Gruppenarbeit, Plenum

Zeitschriften, Zeitungen, Magazine,... ev. Plakate, Stifte, Scheren, Klebstoff

Erkennen von Rollenbildern; wie werden Frauen in (Print)medien dargestellt

Anleitung: Anhand der Fotos in diversen Zeitschriften, Zeitungen,... soll ana-


lysiert werden:
• Kommen Frauen vor? Wo?
• In welchem Verhältnis zu Männern werden sie gezeigt?
• In welchen Rollen werden Frauen dargestellt?
• Dominieren bestimmte Rollenklischees?

Variante: Portraits in Zeitungen vergleichen (z.B. Politiker - Politikerin; Wis-


senschafter - Wissenschafterin).
• Welche Informationen werden gegeben (Alter, Familienstand, Anzahl der
Kinder, Kleidung, Beruf, Aussehen, Bildung, Hobby, Erfolge, Karrieren-
verlauf,...)?
• Welche Eigenschaften werden bei der Beschreibung verwendet?
• Gibt es Unterschiede?

Bei beiden Varianten können auch Plakate gestaltet werden um die Ergeb-
nisse besser festzuhalten.

46 Vorurteile abbauen.
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gestal
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Ab 10 Jahren

30 Minuten

Gruppenarbeit

Stifte, Plakate, Scheren, Klebstoff, Bilder,...

bewusster Umgang mit Klischees und Rollenbildern

Anleitung: Die Gruppen sollen zu einem selbst ausgedachten Produkt ein


Werbeplakat gestalten und darin bewusst in der Gesellschaft vorhandene Kli-
schees und Vorurteile aufgreifen und einarbeiten.

Vor dieser Übung sollte man sich mit der Gruppe darüber unterhalten wie
verschiedene Personen (Frauen, ältere Menschen, Kinder,...) in der Werbung
dargestellt werden. (Warum haben Frauen in der Werbung wenig bis gar kei-
ne Kleidung an?)

Vorurteile abbauen.
Eine Kampagne der Roten Falken Österreich 47
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B u b en
Frau -
4.4
n - t y pisch
&
h e
Mädc
Mann

y p i s c h
T

Ab 12 Jahren

45 Minuten

Einzel-, oder Gruppenarbeit

Zeitschriften, Plakate, Stifte, Kleber, Scheren

eigene Vorurteile und Rollenbilder erkennen

Anleitung: Aus Zeitungen und Zeitschriften werden Bilder von Frauen und
Männern ausgeschnitten. Danach soll zu den abgebildeten Personen eine
Lebensgeschichte erfunden werden. (Name, Beruf, Ausbildung, wo und wie
leben sie, welche Eigenschaften haben sie, welches Verhältnis haben diese
Personen zu ihren Eltern, ihren Partner/innen, wo verbringen sie ihren Ur-
laub,...)

Auswertung: Was an den Bildern hat die Teilnehmer/innen zu ihrer Einschät-


zung geführt? Wie sind sie zu ihrem Urteil gekommen? Welche Signale (Kör-
persprache,...) haben besonders gewirkt?

48 Vorurteile abbauen.
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Teil 3: Arbeitsblätter

1. Vorurteile allgemein
1.2. Ich bin viele 51
1.3. Die kulturelle Brille 53
1.5. Phrasensack 55
1.8. Ein Schritt nach vorn 57

2. Rassismus
2.1. Was ist alles Rassismus? 59 + 61
2.2. Alle gleich - alle anders 63
2.4. Ich stehe hier - Meinungsbarometer 65

3. Arm & Reich


3.1. Armut - was ist das? 67
3.2. Armutshoroskop 69 - 73
3.3. Fallgeschichten 75

4. Mann & Frau


4.1. Satzanfänge vervollständigen 77

Vorurteile abbauen.
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Arbeitsblatt 1:
Ich bin viele (1.2)

Vorurteile abbauen.
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Arbeitsblatt 2:
Die kulturelle Brille (1.3)
Rollenspiel: Besuch auf der Insel Albatros

Begrüßung: 2 Personen (1 Mann und 1 Frau) verlassen den Raum und kommen kurze Zeit später monoton vor
sich hinsummend wieder herein. Die Frau folgt dem Mann mit einigen Schritten abstand. Sie gehen im Kreis der
Teilnehmer/innen umher und stellen bei allen, die die Beine übereinandergeschlagen haben, die Füße auf den Bo-
den. Sie tun dies sehr sanft und bei denjenigen, die die beine wieder übereinanderschlagen auch mehrmals. Der
Mann berührt dabei nur die männlichen Teilnehmer, die Frau Personen beiderlei Geschlechts.

Essen: Der Mann setzt sich auf einen Sessel, die Frau nimmt neben ihm auf dem Boden kniend Platz. Unter dem
Sessel steht eine Dose mit Erdnüssen, die die Frau dem Mann anbietet. Er isst einige der Erdnüsse und schmatzt
dabei genüsslich. Dann reicht er die Dose an die Frau weiter, die auch laut schmatzend davon isst.

Energieaufnahme: Hat die Frau das Essen beendet, legt der Mann der Frau die Hand auf den Nacken. Sie beugt
sich dabei nach vorne und berührt mit der Stirn den Boden. Dies wiederholt sie dreimal. Danach stehen beiden
wieder auf und gehen den Kreis der Teilnehmer/innen noch einmal zur Verabschiedung ab. Sie nicken jederr und
jedem lächend zu, gehen dann aus dem Raum hinaus und beenden das Rollenspiel.

Diskussion:
Die Gruppe soll das Gesehene, die Riten und Bräuche des Albatrosvolkes beschreiben. Außerdem sollen sie erklä-
ren und begründen, ob sie sich vorstellen können, auf der Insel Albatros zu leben.

Folgende Interpretationen werden vermutlich vorkommen:


In der Kultur der Albatros werden die Frauen unterdrückt, weil
• Frauen nicht auf Sesseln sitzen dürfen, sondern nur am Boden,
• Männer zuerst essen dürfen,
• Frauen durch Männer gezwungen werden sich zu verneigen etc.

Kultur der Albatros:


• Die Menschen auf Albatros sind ein sehr friedliches Volk. Sind sie zufrieden, summen sie ruhig und leise vor
sich hin.
• Die Göttin der Erde ist die höchste Gottheit auf Albatros und wird sehr verehrt. Die Albatros suchen deshalb den
Kontakt zur Erde, weil alles was mit der Erde zu tun hat einen hohen Stellenwert besitzt. Lieblingsspeise und
Ritualnahrungsmittel in dieser Kultur sind deshalb Erdnüsse.
• Die Einheimischen erweisen Besucher/innen der Insel eine besondere Ehrerbietung, indem sie darauf achtten,
dass diese möglichst viel Kontakt zur Erde herstellen. so ist es zum Beispiel wichtig, beim Sitzen beide Füße
auf dem Boden zu haben und die Beine nicht übereinander zu schlagen.

Frauen genießen auf Albatros hohes Ansehen, weil sie wie die Mutter Erde Leben gebären. Sie haben deshalb
besondere Privilegien:
• Um sie vor Angriffen oder Gefahren zu schützen, müssen die Männer immer einie Schritte vor ihnen herge-
hen.
• Die Männer haben die Pflicht, alle Speisen vorzukosten.
• Die Frauen stehen der Erdgöttin näher als die Männer. Sie haben deshalb das Recht auf dem Boden zu sitzen,
während die Männer weiter entfernt von der Erde, auf Sesseln sitzen müssen.
• Nur über ein Ritual ist es den Männern erlaubt, näheren Kontakt mit der Göttin Erde aufzunehmen. Sie dürfen
der Frau die Hand auf den Nacken legen, während sie durch das Berühren der Erde mit der Stirn die von dort
ausgehende kosmische Energie aufnimmt. Ein Teil der Energie fließt dann über die Hand des Mannes auf ihn
selbst über.
• Abgesehen von diesem Ritual ist es den Albatros-Männern nicht gestattet, andere Frauen ohne deren Erlaub-
nis zu berühren.

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Arbeitsblatt 3:
Phrasensack (1.5)

„Schwarze haben „Frauen gehören


„Kinder statt Inder“
Rhythmus im Blut.“ an den Herd.“

„Die Ausländer nehmen


„Wir brauchen wieder „Menschen sind von
uns die Arbeitsplätze
einen starken Mann.“ Natur aus schlecht.“
weg.“

„Wer arbeiten will, kann


„Männer hören niemals „Arbeitslose sind
sich selbständig
zu.“ nur zu faul.“
machen.“

„Wer hier leben will,


„Ausländer sind „Deutsche Männer
muss sich auch an die
krimineller als können nicht tanzen –
hiesige Leitkultur
Österreicher/innen.“ nur marschieren.“
anpassen.“

„Die da oben machen


„Italiener sind immer „Frau am Steuer –
sowieso, was sie
gut angezogen.“ Ungeheuer.“
wollen.“

„Kriminelle Ausländer
haben hier nichts zu
suchen.“

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Arbeitsblatt 4:
Ein Schritt nach vorn (1.8)


Du bist ein arabisches Mädchen


Du bist eine arbeitslose, allein
muslimischen Glaubens und lebst bei
Rollen- erziehende Mutter.
ihren strenggläubigen Eltern.
karten
Du bist die Tochter des örtlichen
Bankdirektors. Du studierst Du bist Soldat beim Bundesheer und
Wirtschaftswissenschaften an der leistest deinen Wehrdienst.
Universität.

Du bist eine 17jährige Roma, die die


Du bist ein behinderter junger Mann,
Grundschule nicht abgeschlossen
der an den Rollstuhl gefesselt ist.
hat.

Du bist ein arbeitsloser Lehrer in


Du bist ein 27jähriger, obdachloser einem Land, dessen neue
Mann. Amtssprache du nicht fließend
beherrschst.

Du bis ein 24jähriger Flüchtling aus Du bist ein illegaler Einwanderer aus
Afghanistan. Mali.

Du bist Vorsitzende einer


Du bist Sohn eines chinesischen
parteipolitischen Jugendorganisation
Einwanderers, der einen gut
(deren „Mutterpartei“ jetzt an der
gehenden Schnellimbiss betreibt.
Macht ist).

Du bist Tochter des amerikanischen


Botschafters des Landes, in dem du Du bist Inhaber einer erfolgreichen
Import-Export-Firma.
jetzt lebst.

Du warst Arbeiter in einer Du bist der 19jährige Sohn eines


Bauern in einem abgelegenen Dorf in
Schuhfabrik und bist jetzt in Pension.
den Bergen.

Du bist 22 Jahre alt und lesbisch. Du bist Model und kommst aus
Marokko.

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Arbeitsblatt 5:
Was ist alles Rassismus? (2.1)

Arbeitsblatt ‐ Was alles so passiert 

Maimuna, 18 Jahre alt, in Deutschland geboren,  Marina  da  Cruz,  44  Jahre  alt,  schwarze 


Eltern  aus  dem  Nahen  Osten,  trägt  seit  einem  Brasilianerin, seit zehn Jahren in Deutschland: 
Jahr ein Kopftuch:  Ich ging dann hin, und es waren vielleicht zehn Frauen da. 
Oder wenn Vertreter an die Tür kommen. Zum Beispiel hat  Wir haben also angefangen. Da kommt eine Frau zu mir und 
mal einer geklingelt und meine Mutter machte die Tür auf.  sagt:  ”Ach,  ich  werde  nie  Samba  lernen.  Ich  kann  das 
Sie  hat  natürlich  das  Kopftuch  auf,  wenn  sie  rausgeht.  Er:  einfach nicht. Ich habe das nicht im Blut. Ich 
„Ist  der  Chef  da?“  Meine  Mutter:  „Was?“  Er:  „Ja.  Ist  der  werde  nie  Samba  lernen,  so  wie  Du  nie  Walzer  lernen 
Chef  da?“  „Der  steht  vor  Ihnen.“  Er  hat  gedacht,  meine  kannst.” 
Mutter wäre die Putze hier. 

Gomosa,  männlich,  vor  vier  Jahren  aus  Ghana  Thara  Nira,  45  Jahre  alt,  vor  20  Jahren  aus 
nach Deutschland gekommen:  Thailand nach Deutschland gekommen: 
Wenn  ich  in  der  Straßenbahn  sitze,  sitze  ich  dort  wie  der  Es  ist  nicht  so,  dass  ich  angegriffen  oder  direkt  verletzt 
Präsident  persönlich.  Da  gibt  es  diese  gegenüberliegenden  werde.  Wenn  ich  so  darüber  nachdenke,  ist  es  eher  das 
Sitze, vier Leute können da sitzen. Gerne würde ich mit drei  Nichtwahrnehmen.  Du  bist  ihnen  gleichgültig.  Entweder 
anderen  Leuten  dort  zusammen  sitzen.  Aber  selbst  wenn  bist du gar nichts, dass heißt, du wirst gar nicht als Person 
die  Straßenbahn  total  voll  ist,  sind  die  Plätze  neben  und  wahrgenommen.  Oder  wenn  du  bemerkt  wirst,  dann  nur 
gegenüber von mir immer leer.  als Exotin.[...] Ich, als Person, werde nicht wahrgenommen, 
Oft  haben  wir  schon  Jobangebote  in  der  Zeitung  gesehen,  als  Frau  mit  einem  bestimmten  Hintergrund,  mit 
aber ich selbst will nicht anrufen. Ich könnte schon anrufen  bestimmten  Eigenschaften.  Sondern  es  klickt  dann  sofort: 
und  sagen:  „Ich  suche  Arbeit“,  das  ist  nicht  so  schwer  zu  Klar, eine Thailänderin. Ob er sie vielleicht gekauft hat und 
sagen.  Aber  ich  habe  einfach  Angst,  wenn  ich  mit  ihnen  so weiter. 
rede, dass sie an meiner Stimme hören, dass ich Ausländer 
bin.  Dann  kriege  ich  wahrscheinlich  den  Job  nicht.  Meine 
Frau ruft immer an, und dann kriegen wir zumindest einen 
Vorstellungstermin.  Wenn  wir  dann  aber  zu  dem  Termin 
kommen, und sie sehen, dass ich ein schwarzer Mann bin, 
sagen sie mir meistens: „Tut mir leid“. 

Mustafa Jakobi, 16 Jahre alt, vor vier Monaten   
aus Afghanistan nach Deutschland geflohen: 
In den vier Monaten, in denen ich hier bin, war ich zweimal 
in  Frankfurt.  Und  beide  Male  hat  mich  die  Polizei 
angehalten.  Sie  sagten  mir,  ich  hätte  da  nichts  zu  suchen, 
und sie haben mich durchsucht. Sie haben gefragt: ”Hast Du 
Haschisch,  hast  Du  Heroin?”  Und  sie  haben  mir  den 
Ausweis  weggenommen  und  gesagt,  ich  müsste  80  Mark 
bezahlen. Ich habe gesagt: ”Warum darf ich nicht hier sein? 
Das wusste ich nicht. Ich hatte gedacht, ich könnte überall 
hingehen,  so  wie  die  anderen  Menschen.”  Und  da  sagten 
sie  mir,  dass  ich  Darmstadt  nicht  verlassen  darf,  dass  ich 
nirgendwo anders hingehen darf. 

 
 
Quelle: 
Selbstzeugnisse aus: Schütze, Dorothea (1996): „Ich hatte kein Kleingeld“. Erfahrungen mit 
alltäglichem Rassismus in Darmstadt. 16 Gespräche mit Flüchtlingen und EinwanderInnen. 
 
 

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Arbeitsblatt 6:
Was ist alles Rassismus? (2.1)
Arbeitsblatt – Aussagen zu Rassismus 
 
 
Rassismus  beruht  auf  der  von  fast  allen 
  Einheimischen  geteilten  Meinung,  dass 
  die  Interessen  der  Deutschen  Vorrang 
gegenüber denen der „Fremden“ haben 
  müssten. 
  (Ute Ostenkamp, in: Dies. (1996), S. 98)

 
  Die Leitkultur ist eine moderne Variante des 
Rassismus.  Nicht  mehr  die  Überlegenheit 
  einer  Rasse  soll  anerkannt  werden,  sonder 
  die  einer  Kultur,  der  sich  die  anderen 
unterzuordnen haben. Das ist zwar dummes 
  Zeug, aber der Populismus hantiert nun mal 
  mit dummem Zeug und erzielt Erfolge damit 
(…). 
  (Rafik Schami, im FR‐Magazin vom 18.1..2000) 
 
 
  Es  wird  körperlichen  Merkmalen  eine 
  Bedeutung  zugeschrieben,  wodurch  sie  zum 
Erkennungszeichen  bestimmter  Gruppen 
  werden.  Herkunft  der  Gruppe  und  ihre 
  Stellung  in  der  Gesellschaft  werden  so  als 
natürlich  und  unveränderlich  vorgestellt,  das 
  Anderssein  der  Gruppe  erscheint  als 
  feststehende Tatsache. 
 
  Rassismus  liegt  immer  dann  vor,  wenn 
  bestimmte  Merkmale  von  Menschen  (z.B. 
Hautfarbe,  Asylwerber  zu  sein  usw.)  mit 
  bestimmten  Eigenschaften  gekoppelt  werden 
  (z.B. wenn von der Hautfarbe oder Herkunft auf 
geistige,  kriminelle  oder  sexuelle  Eigenschaften 
  oä  geschlossen  wird)  und  durch  diese 
  Konstruktion eine Bewertung entsteht. 
(Arbeitsgruppe SOS‐Rassismus, (1993), S. 102) 
 
 
Es  geht  um  Markierung  von  Unterschieden,  die 
  man  dazu  braucht,  um  sich  gegenüber  anderen 
  abzugrenzen.  Wenn  diese  dazu  dienen,  soziale, 
politische  und  wirtschaftliche  Handlungen  zu 
  begründen, die bestimmte Gruppen vom Zugang 
  zu  materiellen  oder  symbolischen  Dingen  (z.B. 
Anerkennung)  auszuschließen,  dann  handelt  es 
  sich um Rassismus. 
  (Stuart Hall, in: Jäger/Jäger (1992), S. 19) 

 
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Arbeitsblatt 7:
Alle gleich - alle anders (2.2)

Quiz:

1. Auf welche Quelle geht der folgende Text zurück? Aus welchem Buch oder Doku-
ment ist er entnommen?

„Alle Menschen auf der Erde von Ost nach West, aus Nord und Süd, sind eine ein-
zige Gruppe; sie unterscheidet sich in dreierlei Hinsicht: Verhalten, Aussehen und
Sprache.“

Entscheide dich für eine der folgenden Antworten:


□ Die UNESCO-Deklaration zum Rassismus von 1958
□ Herodot, „Historien“, 440 v.Chr.
□ Die Veden, Indien, ca. 1000 v.Chr.
□ Bericht von der „Alle anders - alle gleich“-Jugendkampagne, Europarat 1996
□ Said Al-Andalusi, 1029 n.Chr. / 420 islamischer Zeitrechnung
□ Keine davon

2. Aus welchem Land oder welcher Region der Welt stammt der Autor dieses
Textes?

„Diejenigen, die hoch im Norden (Europas...) leben, leiden darunter, dass sie zu weit
von der Sonne entfernt sind. Die Luft ist kalt und ihre Himmel sind voller Wolken.
Deshalb ist ihr Temperament unterkühlt und ihr Verhalten roh. Daraus folgt, dass
ihre Körper mächtig geworden sind, dass ihre Farbe weiß wurde und ihr Haar schlaff
herabhängt. Der Scharfsinn des Verstandes und die Genauigkeit der Wahrnehmung
sind ihnen abhanden gekommen. Sie wurden überwältigt von Unwissenheit und
Faulheit, und befallen von Müdigkeit und Dummheit.“

Entscheide dich für eine der folgenden Antworten:


□ China
□ Europa
□ Indien
□ Afrika
□ Persien
□ keines davon

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Arbeitsblatt 8:
Ich stehe hier - Meinungsbarometer (2.4)

Mögliche Aussagen:

Thema: Whitness (Weiße Hautfarbe)


• Hautfarben haben für mich keine Bedeutung.
• Meine Hautfarbe hat für mich keine Bedeutung.
• Weiße Menschen haben keine besondere Hautfarbe.
• Die Hautfarbe eines Menschen ist für sein/ihr Leben sowieso unwichtig.
• Weiße bilden eben in Europa die Mehrheit, in Afrika hätten sie auch die Probleme als
Minderheit.
• Ich habe aufgrund meiner weißen Hautfarbe Vorteile im Leben.
• ...

Thema: Rassismus
• Im Ausland bin ich auch AusländerIn / immer AusländerIn.
• Wer gut deutsch sprechen kann, wird in diesem Land nicht diskriminiert.
• Ich kann nicht rassistisch sein, weil ich habe keinen Kontakt mit Ausländern.
• In einem rassistischen Land kann man von Rassismus nicht frei sein.
• ...

Thema: Arm & Reich


• In unserer Gesellschaft haben alle die gleichen Chancen. Es ist die Sache der Einzel-
nen, was sie daraus machen.
• Es ist ungerecht, dass Menschen, die viel leisten und deshalb viel verdienen, mehr in
die Sozialversicherung einzahlen.
• Alle Menschen sollten ein ausreichendes Grundeinkommen haben, egal ob sie ar-
beiten oder nicht.
• Arbeitslose sind selbst schuld an ihrem Schicksal.
• Arbeitslose sind nur zu faul zum Arbeiten.
• Als es noch nicht so viele Maschinen gab, gab es auch weniger Arbeitslose - man
sollte wieder mehr Menschen beschäftigen - und weniger Maschinen.
• Eigentlich kann man auch ohne Arbeitsplatz glücklich sein.
• Ich wüsste genau, was ich statt Arbeit machen würde - vorausgesetzt, ich habe genug
Geld zum Leben.
• ...

Die Methode lässt sich in allen Themenbereichen anwenden. Du musst einfach pas-
sende, kontroverse Aussagen.

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Arbeitsblatt 9:
Armut - was ist das? (3.1)

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Arbeitsblatt 10:
Armutshoroskop (3.2)

Maria, allein erziehende Mutter von drei Kindern, wohnt in einem sehr armen Vorort.
Ihr letzter Partner hat sie soeben verlassen. Sie arbeitet als Dienstmagd für eine rei-
che Familie, aber wie lange noch? Vor kurzem wurde ein teurer Ring der Hausherrin
gestohlen und diese hat die Dienstboten in Verdacht. Da der oder die Schuldige nicht
gefunden wird, sollen alle Dienstboten entlassen und durch neue ersetzt werden. Maria
ist Steinbock.
Amina ist aus der Türkei. Sie lebt in einem kleinen Dorf in einer der ärmsten Gegenden
des Landes. Sie ist 12 Jahre alt und ihre Eltern – sehr arme Bauern – beabsichtigen,
einen Mann für sie zu suchen. Sie will aber nicht heiraten; stattdessen beschließt sie,
von zu Hause wegzulaufen und in die Hauptstadt zu gehen, wo sie auf eine bessere
Zukunft hofft. Amina ist Zwilling.
Mischa stammt aus Tomsk in Sibirien. Er ist seit vielen Monaten arbeitslos und weiß
nicht, was er tun soll. Seine Frau ist sehr krank und liegt den ganzen Tag im Bett. Er hat
vier Kinder im Alter von 20, 18, 10 und 8 Jahren. Die beiden jüngsten sind behindert.
Mischa ist Jungfrau.
Yuriy lebt mit seinen Eltern und drei jüngeren Brüdern in Tomsk Sibirien. Er ist 20 Jahre
alt und ein hoffnungsvolles Eishockey-Talent. Sein Onkel in Amerika hat ihm angebo-
ten, sich nach einem Stipendium für ihn umzusehen, damit er an einem amerikanischen
College studieren kann. Yuriys Vater Mischa ist seit vielen Monaten arbeitslos und im
Augenblick bilden Yuriys Gelegenheitsjobs das einzige Einkommen der Familie. Yuriy
weiß nicht, was er tun soll. Seine Mutter ist krank, zwei seiner jüngeren Brüder sind be-
hindert. Die Familie ist von ihm abhängig. Yuriy ist Krebs.
Bengt ist ein junger schwedischer Skinhead. In diesem Jahr wurde er schon zweimal
wegen Gewaltdelikten verhaftet. Er ist seit 2 Jahren arbeitslos. Trotzdem lehnt er alle
Stellenangebote ab. Er verbringt seine Zeit lieber mit dem Hundetraining seines Pitbull-
Terriers, mit Bodybuilding und auf der Straße mit seinen Kameraden, die in letzter Zeit
mit mehreren rassistischen Vorfällen in Zusammenhang gebracht wurden. Bengt ist
Widder.
Ricardo lebt in Barcelona in Spanien allein in einer winzigen Wohnung, die er sich kaum
leisten kann. Er war viele Monate lang krank und lebt von der Sozialhilfe. Früher hat er
Gelegenheitsjobs gehabt. Er ist Waage.
Krista, 20, hat eine winzige Wohnung in einem sehr armen Prager Vorstadtviertel ge-
mietet und träumt davon, nach Deutschland zu gehen. Sie hat eine Anzeige gelesen, in
der Jobs in Berlin angeboten wurden. Sie rief bei der angegebenen Nummer an und ein
Mann versprach ihr, sie aus der Armut zu holen. In Berlin würde sie leicht Arbeit finden.
Sie beschließt, dem Mann zu vertrauen und die Gelegenheit beim Schopf zu packen,
um nach Deutschland zu gehen. Krista ist Schütze.

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Arbeitsblatt 11:
Armutshoroskop (3.2)

Abdoul kam vor vielen Jahren auf der Suche nach Arbeit aus Mauretanien nach Paris.
Die ersten Jahre war er allein, aber später konnte er seine Frau und vier Söhne sowie
seine Großeltern nachholen. Sie alle wohnen in einer Wohnung in einer armen Gegend
von Paris. Eine Weile ging alles gut, vor allem, als Abdouls Frau Zwillinge bekam, aber
es war schwer, die Kinder nach mauretanischer Tradition zu erziehen. Die Zwillinge sind
jetzt 12 Jahre alt. In der Schule haben sie Probleme und sie weigern sich oft, auf ihre
Eltern zu hören. Vor kurzem hat Abdoul seinen Arbeitsplatz verloren. Abdoul ist Löwe.

Die Zwillinge Moktar und Ould wurden in Paris in Frankreich geboren. Ihr Vater ist
Abdoul, ein Einwanderer aus Mauretanien. Die ganze Familie – ihre Eltern, vier ältere
Brüder und ihre Großeltern – wohnt in einer Wohnung in einer armen Gegend von Paris.
Die Zwillinge sind jetzt 12 Jahre alt und haben massenhaft Probleme in der Schule. Sie
weigern sich zu lernen, schwänzen oft den Unterricht und hängen dafür mit ihren Freun-
den in den Vororten von Paris herum. Sie weigern sich, ihren Eltern zu gehorchen, und
oft gibt es Streit. Manchmal wird es auch handgreiflich. In den Schulzeugnissen steht,
dass sie zunehmend aggressiv werden. Moktar und Ould sind Wassermann.

Jane ist eine ältere Witwe und lebt in Schottland. Ihr Mann war Alkoholiker und hat
kaum je gearbeitet. Mit der sehr geringen staatlichen Rente kann sie gerade so über-
leben, aber jetzt, wo ihre Gesundheit nachlässt, braucht sie zusätzlich medizinische
Versorgung. Jane ist Fisch.

Bella lebt zusammen mit ihrer Schwester Angelica in Palermo in Italien. Ihre Eltern
starben, als die Mädchen sechzehn und siebzehn Jahre alt waren. Deshalb mussten sie
von der Schule abgehen und ihren Lebensunterhalt verdienen. Heute sind sie 22 und
23 Jahre alt. Bella hat zwei Jobs. Tagsüber arbeitet sie als Hausangestellte und abends
in einer Klinik als Putzhilfe. Sie kümmert sich außerdem um die drogenabhängige Ange-
lica. Bella will ihre Schwester nicht im Stich lassen, weil sie weiß, wie sehr diese unter
ihrem gewalttätigen Vater gelitten hat. Bella hat selbst ein hitziges Temperament, das
sie nur schwer im Zaum halten kann. In letzter Zeit hat sie deshalb schon zweimal ihre
Stelle verloren. Bella ist Stier.

Angelica lebt zusammen mit ihrer Schwester Bella in Palermo in Italien. Ihre Eltern
starben, als die Mädchen sechzehn und siebzehn Jahre alt waren. Deshalb mussten sie
von der Schule abgehen und ihren Lebensunterhalt verdienen. Heute sind sie 22 und 23
Jahre alt. Bella hat zwei Jobs und kümmert sich außerdem um die drogenabhängige An-
gelica. Angelica klaut ihrer Schwester oft den Lohn, um Drogen zu kaufen. Viele Jahre
hat sie Drogen genommen und wieder damit aufgehört, aber es ist sehr schwer für sie,
die Sucht im Griff zu behalten. Angelica ist Skorpion.

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Arbeitsblatt 12:
Armutshoroskop (3.2)
Horoskopkarten für ein Jahr:

​Widder (Bengt) 21. März - 21. April Waage (Ricardo) 23. September - 22. Oktober

Liebe Liebe

Arbeit Arbeit

Gesundheit Gesundheit

Stier (Bella) 22. April - 21. Mai Skorpion (Angelica) 23. Oktober - 21. November

Liebe Liebe

Arbeit Arbeit

Gesundheit Gesundheit

Zwilling (Amina) 22. Mai - 21. Juni Schütze (Krista) 22. November - 21. Dezember

Liebe Liebe

Arbeit Arbeit

Gesundheit Gesundheit

Krebs (Yuriy) 22. Juni - 22. Juli Steinbock (Maria) 22. Dezember - 19. Jänner

Liebe Liebe

Arbeit Arbeit

Gesundheit Gesundheit

Löwe (Abdoul) 23. Juli - 22. August Wassermann (Moktar und Ould)
20. Jänner - 19. Februar
Liebe Liebe

Arbeit Arbeit

Gesundheit Gesundheit

Jungfrau (Misha) 23. August - 22. September Fische (Jane) 20. Februar - 20. März

Liebe Liebe

Arbeit Arbeit

Gesundheit Gesundheit

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Arbeitsblatt 13:
Fallgeschichten (3.3)
Fall 1
Nachdem es als Alleinerzieherin von 3 Kindern gar nicht so einfach ist, einen Job zu finden, hatte ich nun das
Glück, bei einer Leasingfirma eine Stelle als Hilfsarbeiterin zu finden. Ich arbeite im Schichtbetrieb in einer Le-
bensmittelfirma und verdiene Euro 725 netto. Ich werde um 4 Uhr von einem Firmenbus abgeholt. Zum Treffpunkt
muss ich in der Nacht bei jedem Wetter und jeder Jahreszeit durch die halbe Stadt mit dem Moped fahren, da um
diese Zeit noch keine öffentlichen Verkehrsmittel fahren. Meine Kinder müssen dann allein aufstehen und in die
Schule fahren. Eigentlich hatte ich, aufgrund der Rahmenbedingungen, große Bedenken diese Arbeit anzuneh-
men. Andererseits bin ich ansonsten weiterhin vom Arbeitsmarktservice abhängig und es droht auch eine Sperre
der Notstandshilfe für 6 Wochen, sollte ich den Job nicht annehmen.

Fall 2
Als Vater von 3 kleinen Kindern und Alleinverdiener in der Familie habe ich nach einer vorübergehenden Ar-
beitslosigkeit endlich wieder einen Job gefunden. Ohne abgeschlossene Berufsausbildung bin ich als Hilfsar-
beiter angestellt. Als solcher verdiene ich gerade so viel, dass die laufenden Lebenserhaltungskosten der Familie
abgedeckt werden können. Sorgen machen mir und meiner Familie jedoch die Rückstände bei Strom und Mie-
te, die während der Zeit der Arbeitslosigkeit entstanden sind.

Fall 3
Ich war über 16 Jahre in der Kantine und später auch in der Küche eines Großbetriebes beschäftigt. Nach einer
etappenweisen Personalreduzierung von früher sieben auf jetzt zwei Personen wurden diese Arbeitsbereiche ei-
ner Leasingfirma übergeben. Ich war sehr deprimiert und konnte nicht mehr schlafen. Ich kam mir vor wie ein
dreckiger Fetzen, den man wegwirft. Seither habe ich schon mehr als 100 Firmen angerufen und viele Vorstel-
lungsgespräche geführt. Die Hauptursache, warum ich immer wieder Absagen bekomme, ist mein Alter. Ich bin
49 Jahre.

Fall 4
Ich bin 34 Jahre alt. Ich kam in die Sozialberatung, weil ich aufgrund einer 50%igen Streichung der Sozialhilfe
meinen Lebensunterhalt nicht mehr ausreichend bestreiten konnte. Das Sozialreferat hatte mir Arbeitsunwilligkeit
vorgeworfen. Ich verfüge über einen Sonderschulabschluss. Immer wieder habe ich gesundheitliche Proble-
me: Zwölffingerdarmgeschwür und vor einem Jahr hatte ich einen Herzinfarkt. Ich bin auf dem Arbeitsmarkt nur
eingeschränkt vermittelbar. Nach einer langen Obdachlosigkeit lebe ich nun in einer betreuten Wohnform und
spare auf eine Gemeindewohnung.

Fall 5
Ich bin eine ca. 35 jährige Frau (geschieden, alleinerziehende Mutter von 2 Kindern) und arbeite in einem Ge-
meindeamt in Teilzeit als Reinigungskraft durchschnittlich 6 Monate im Jahr. Die restlichen 6 Monate bekomme
ich schwer eine andere Arbeit, weil ich keine abgeschlossene Ausbildung habe. Die Arbeitslosen- und Not-
standshilfe sind so gering (da sie von meinem eigenen Einkommen bemessen werden), dass ich nicht davon le-
ben kann. Die langen arbeitslosen Zeiträume wirken sich negativ auf meine Pension aus. Ich werde, wie viele
Frauen, erst im Alter in Form einer Ausgleichszulage ein garantiertes Mindesteinkommen erreichen.

Fall 6
Ich bin eine Frau, 47 Jahre alt, 4 Kinder, und war durch die familiäre Situation gezwungen, Arbeit zu suchen. In
meiner Partnerschaft war ich lange Jahre mit Alkohol, Gewalt und finanziellen Problemen konfrontiert. Zuletzt
eskalierte die Situation dadurch, dass mein Mann mir den Unterhalt verweigerte. Ich war diesen Belastungen
nicht mehr gewachsen und vollzog eine Trennung. Das Einkommen des Mannes war so gering, dass ich von dem
mir zustehenden Unterhalt nicht existieren konnte, zudem musste ich meinen Unterhalt erst bei Gericht einklagen.
Ich versuchte verzweifelt Arbeit zu finden, was ein nahezu aussichtsloses Unterfangen war. Ich hatte vor der Ge-
burt meiner Kinder im Verkauf gearbeitet, wobei der berufliche Abschluss fehlt. Ich erfülle keine Kriterien, die mir
einen Leistungsbezug beim AMS ermöglichen und war daher benachteiligt, was z.B. Kursmaßnahmen betrifft. Er-
schwerend war meine eingeschränkte Mobilität, da ich am Land lebte.

Gründe
- Alleinerziehend - Sonderschulabschluss
- Hilfsarbeiter - Schlechte Gesundheit
- Arbeitslosigkeit - Obdachlosigkeit
- Alleinverdiener mit Familie - Scheidung
- Keine abgeschlossene Berufsausbildung - Alleinerziehende Mutter
- Schulden (Rückstände bei Strom und Miete) - Teilzeitarbeit
- Depressionen - Keine abgeschlossene Ausbildung
- Alter - Alkohol und Gewalt 

Vorurteile abbauen.
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Arbeitsblatt 14:
Satzanfänge vervollständigen (4.1)

Buben sind ...

______________________________________________________________________

Mädchen sind...

______________________________________________________________________

Ich bin männlich, wenn ich...

______________________________________________________________________

Ich bin weiblich, wenn ich...

______________________________________________________________________

Ich bin gerne ein Bub / Mädchen, weil...

______________________________________________________________________

Mir gefällt an meinem besten Freund, dass...

______________________________________________________________________

Mir gefällt an meiner besten Freundin, dass

______________________________________________________________________

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e l l e n :
Qu
Literatur:

In Armut aufwachsen. Empirische Befunde zur Armutslage von Kindern und Jugendlichen in Ös-
terreich.
Institut für Soziologie (2009). ISBN: 978-3-901298-41-7

Medienpsychologie
Batinic, Appel (2008). ISBN: 978-3-540-46894-3

Stereotype? Frauen und Männer in der Werbung


Holtz-Bacha (2008). ISBN: 978-3-531-90994-3

Vorurteile abbauen – Materialien zur Friedenserziehung


Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.;
URL : www.volksbund.de/downloads/jugend_schule/downloads/Vorurteile.pdf

Vorurteile
bpb Bundeszentrale für politische Bildung
URL : http://www.bpb.de/publikationen/IN6RK6,0,Vorurteile.html

Internetquellen:

Armutskonferenz
www.armut.at/armutskonferenz-startseite.htm

Informations- und Dokumentationszentrum für Antirassismusarbeit in Nordrhein-Westfalen


http://www.ida-nrw.de/

Das Psychologie-Lexikon
http://www.psychology48.com

www.statistik.at

www.ots.at

www.arbeiterkammer.at

Methoden:

Mein liebstes Vorurteil: Buben sind so - sind sie so? Informationen und Materialien zur schulischen und
außerschulischen Bubenarbeit; BMUK 1998; S 70
Ich bin viele: Wir sind Vielfalt! Methodenvorschläge für die pädagogische Arbeit mit Kindern und Jugend-
lichen; Österreichische Kinder- und Jugendvertretung; S 12f
Die kulturelle Brille: Wir sind Vielfalt! Methodenvorschläge für die pädagogische Arbeit mit Kindern und
Jugendlichen; Österreichische Kinder- und Jugendvertretung; S 29ff
Das schwarze Schaf: Wir sind Vielfalt! Methodenvorschläge für die pädagogische Arbeit mit Kindern und
Jugendlichen; Österreichische Kinder- und Jugendvertretung; S 21f
Phrasensack: Baustein zur nicht-rassistischen Bildungsarbeit; DGB-Bildungswerk Thüringen e.V.; S 159f
Das Bild im Kopf - über Bilder sprechen: Baustein zur nicht-rassistischen Bildungsarbeit; DGB-Bildungs-
werk Thüringen e.V.; S 132

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www.rotefalken.at

e l l e n :
Qu
Ein Schritt nach vorn: Kompass. Handbuch zur Menschenrechtsbildung für die schulische und außerschu-
lische Bildungsarbeit; Deutsches Institut für Menschenrechte 2005; S 132ff
Was ist alles Rassismus? Baustein zur nicht-rassistischen Bildungsarbeit; DGB-Bildungswerk Thüringen
e.V.; S 205
Alle gleich - alle anders: Kompass. Handbuch zur Menschenrechtsbildung für die schulische und außer-
schulische Bildungsarbeit; Deutsches Institut für Menschenrechte 2005; S 72ff
Wer bin ich?: Wir sind Vielfalt! Methodenvorschläge für die pädagogische Arbeit mit Kindern und Jugend-
lichen; Österreichische Kinder- und Jugendvertretung; S 8
Ich stehe hier - Meinungsbarometer: Baustein zur nicht-rassistischen Bildungsarbeit; DGB-Bildungswerk
Thüringen e.V.; S 222
Armut - was ist das?: Was heißt hier arm? Anregungen zur entwicklungspolitischen Bildungsarbeit des
DED; Deutscher Entwicklungsdienst; S 9ff
Armutshoroskop: Kompass. Handbuch zur Menschenrechtsbildung für die schulische und außerschu-
lische Bildungsarbeit; Deutsches Institut für Menschenrechte 2005; S 78ff
Fallgeschichten: Mein letztes Hemd. Armut in Österreich: Hintergrundinfos und Unterrichtsmethoden;
Youngcaritas; S 23ff
Auf der Suche nach Frauen: Buben sind so - sind sie so? Informationen und Materialien zur schulischen
und außerschulischen Bubenarbeit; BMUK 1998; S 70
Satzanfänge vervollständigen: Buben sind so - sind sie so? Informationen und Materialien zur schulischen
und außerschulischen Bubenarbeit; BMUK 1998; S 65
Typisch Mädchen - typisch Buben: Buben sind so - sind sie so? Informationen und Materialien zur schu-
lischen und außerschulischen Bubenarbeit; BMUK 1998; S 66
Titelseite: Kompass. Handbuch zur Menschenrechtsbildung für die schulische und außerschulische Bil-
dungsarbeit; Deutsches Institut für Menschenrechte 2005; S 220ff

80 Vorurteile abbauen.
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