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(1) Als Odysseus von Ilion in seine Heimat Ithaka zurückkehrte, wurde er von einem

Unwetter zu den Kikonen verschlagen; deren Stadt Ismaros eroberte er und verteilte die Beute
unter seinen Gefährten.
(2) Von da (ging es) zu den Lotophagen, keineswegs schlechten Menschen, die die aus dem
Blattwerk hervorwachsende Lotosblüte aßen. Diese Art der Speise war so süß, dass, wer
davon kostete, die Heimfahrt vergaß. Als zwei Gefährten, die Odysseus zu ihnen geschickt
hatte, das von ihnen angebotene Gewächs aßen, vergaßen sie, zu den Schiffen
zurückzukehren. Odysseus brachte sie persönlich in Fesseln zurück.
(3) Von da zu dem Kyklopen Polyphem, dem Sohn des Poseidon. Ihm war von dem Seher
Telemos, dem Sohn des Eurymos, geweissagt, er solle sich davor hüten, von Odysseus
geblendet zu werden. Dieser hatte in der Mitte der Stirn ein Auge und verspeiste
Menschenfleisch. Nachdem er sein Vieh in seine Höhle getrieben hatte, legte er einen riesigen
Felsblock vor ihren Eingang. Odysseus schloss er mit seinen Gefährten ein und begann, seine
Gefährten zu verzehren. Als Odysseus sah, dass er gegen seine unmenschliche Wildheit
machtlos war, machte er ihn mit dem Wein, den er von Maron bekommen hatte, trunken und
behauptete, er heiße "Niemand". Als er ihm so mit einem glühenden Pfahl sein Auge
ausbrannte, rief jener mit seinem Geschrei die übrigen K
yklopen zusammen und sagte zu ihnen aus der verschlossenen Höhle: "Niemand blendet
mich." Jene glaubten, er mache sich damit über sie lustig, und kümmerten sich nicht darum.
Aber Odysseus band seine Gefährten an das Vieh und er sich selbst an einen Widder; so
entkamen sie.
(4) Von da zu Aiolos, dem Sohn des Hellen, dem Zeus die Herrschaft über die Winde
übertragen hat. Der empfing Odysseus freundlich als Gast und schenkte ihm einen Ledersack
voller Winde. Seine Gefährten aber hielten es für Gold und Silber. Als sie es an sich
genommen hatten und untereinander teilen wollten, banden sie den Sack unvermerkt auf, und
die Winde flogen heraus. Er wurde zu Aiolos zurück verschlagen. Der aber warf ihn hinaus,
weil ihm Odysseus ein Feind der Götter zu sein schien.
(5) Von da zu den Laistrygonen, deren König Antiphates war. Der verschlang seine Gefährten
und zerschmetterte elf seiner Schiffe, ausgenommen das, mit dem er, nach dem Verlust seiner
Gefährten, auf die Insel Ainaria, zu Kirke, der Tochter des Helios entkam.
(6) Die pflegte Menschen einen Trank zu reichen und so in wilde Tiere zu verwandeln. Zu ihr
schickte er Eurylochos mit zweiundzwanzig Gefährten, denen jene ihr menschliches
Aussehen verwandelte. Eurylochos, der nicht hineingegangen war, floh voller Furcht von dort
und meldete es Odysseus, der sich allein zu ihr begab. Aber unterwegs gab ihm Hermes ein
Gegenmittel und zeigte ihm, wie man Kirke überlisten könne. Nachdem er zu Kirke
gekommen war und von ihr den Becher gereicht bekam, tat er, wie Hermes es geraten hatte,
das Gegenmittel hinein, zückte sein Schwert und drohte, sie zu töten, wenn sie ihm nicht seine
Gefährten zurückverwandele. Da merkte Kirke, dass dies nicht ohne den Willen der Götter
geschehen war, und gab seinen Gefährten ihre frühere Gestalt zurück. Sie selbst ging mit ihm
auch ins Bett und gebar ihm zwei Söhne, Nausithoos et Telegonos.
(7) Von hier fährt er zu Averner See, steigt in die Unterwelt hinab und trifft dort seinen
Gefährten Elpenor, den er bei Kirke zurückgelassen hatte. Er fragte ihn, wie er dorthin
gekommen sei. Elpenor antwortet ihm, et sei im Rausch die Leiter herabgefallen und habe das
Genick gebrochen. Er bittet ihn, wenn er an die Oberwelt zurückkomme, sich um sein
Begräbnis zu kümmern und auf den Grabhügel ein Ruder zu stellen. Dort sprach er auch mit
seiner Mutter Antikleia über das Ende seiner Irrfahrt. Dann kehrte er an die Oberwelt zurück,
bestattete Elpenor und steckte ihm auf seinen Grabhügel so, wie er gebeten hatte, ein Ruder.
(8) Dann kam er zu den Sirenen, den Töchtern der Muse Melpomene und des Archeloos, die
den Oberkörper einer Frau und den Unterkörper von Vögeln hatten. Deren Schicksal war es,
nur so lange zu leben, wie kein Sterblicher, obwohl er ihren Gesang höre, an ihnen
vorbeigesegelt sei. Odysseus verstopfte, wie ihm Kirke, die Tochter des Helios, geraten hatte,
seinen Gefährten die Ohren mit Wachs, sich selbst ließ er an den Mastbaum fesseln: so fuhr er
vorbei.
(9) Von da kam er zu Skylla, der Tochter des Typhon, die den Oberkörper einer Frau und ab
der Hüfte den Unterkörper eines Fisches hatte; außerdem hatte sie sechs Hunde, die aus ihr
hervorwuchsen. Sie holte sich sechs Gefährten des Odysseus aus seinem Schiff und verzehrte
sie. Er kam auch zur Charybdis, die dreimal am Tag (die Fluten) einsog und dreimal ausspie.
An ihr fuhr Odysseus auf die Art vorbei, wie ihm Teiresias geraten hatte.
(10) Odysseus war auf die Insel Sizilien zu dem Vieh des Sonnengottes gekommen. Teiresias
und Kirke hatten ihn gewarnt, sich an ihm zu vergreifen. Aber obwohl er, als er auf seine
Insel gekommen war, nach dem Rat des Teiresias verbot, die Tiere zu verletzen, machten
sich, als Odysseus eingeschlafen war, seine Gefährten über sie her. Als seine Gefährten sie
kochten, ließen sie noch aus dem Kessel heraus ihr Brüllen hören. So verlor er dort durch den
Zorn des Sonnengottes, weil man seinen Tieren Gewalt angetan hatte. aus diesem Grund viele
Gefährten. Deswegen entflammte er sein Schiff mit dem Blitz des Zeus.
(11) Von dort irrte er weiter und schwamm nach einem Schiffbruch und-- dem Verlust seiner
Gefährten an die Insel Aiaia, wo die Nymphe Kalypso, die Tochter des Atlas, lebte. Von
seiner Schönheit bezaubert hielt sie ihn ein ganzes Jahr zurück und wollte ihn nicht gehen
lassen, bis Hermes auf Zeus' Befehl die Nymphe anwies, ihn gehen zu lassen. Und wirklich:
Kalypso ließ ihn dort ein Floß bauen, stattete es mit allem Erforderlichem aus und ließ ihn
ziehen. Dieses Floß zerschmetterte Poseidon mit seinen Fluten, weil er seinen Sohn, den
Kyklopen, seines Auges beraubt hatte. Als er da in den Fluten hin- und hergeworfen wurde,
gab ihm Leukothea, die wir Mater Matuta nennen, und die ihr Leben im Meer zubringt, einen
Schleier, den er sich um die Brust binden sollte, um nicht zugrunde zu gehen. Danach
schwamm er an Land.
(12)Darauf kam er zur Insel der Phaiaken; nackt, wie er war, bedeckte er sich mit Laub von
den Bäumen. Nausikaa, die Tochter des Königs Alkinoos, brachte zum Fluss Kleider zum
Waschen. Er kroch aus den Blättern hervor und bat sie um Hilfe.Aus Mitleid bedeckte sie ihn
mit einem Umhang und brachte ihn zu ihrem Vater. Alkinoos nahm ihn freundlich als Gast
auf und entließ ihn mit Ehrengeschenken in seine Heimat Ithaka. Der Zorn des Hermes
bewirkte noch einmal einen Schiffbruch.
(13) Nach zwanzig Jahren kehrt Odysseus ohne Gefährten allein ein seine Heimat zurück. Er
wird von den Leuten dort nicht erkannt und als er zu seinem Anwesen gekommen war, erlebte
er er, wie die Freier, die Penelope zur Frau haben wollten, seinen Palast belagerten. Er tat so,
als sei er ein Fremder. Seine eigene Amme Eurykleia erkennt Odysseus, als sie ihm die Füße
wäscht, an einer Narbe. Athena leistete ihm Beistand, als er später zusammen mit seinem
Sohn Telemachos und zwei Knechten die Freier mit seinen Pfeilen erschoss.