Sie sind auf Seite 1von 9

Prof. Dr.

Matthias Perkams Institute für Altertumswissenschaften und Philosophie


VL Tod und Sterben in der antiken Philosophie FSU Jena SS 2019

9 TOD UND STERBEN IN DER BIBEL

– Gliederung –
I. Einleitung

II. Christentum und antike Philosophie

A. Jüdischer Hintergrund und Paulus

B. Christentum als Philosophie

III. Das Leiden und Sterben Jesu Christi

IV. Der Auferstehungsglaube

A. Die Auferstehung und Himmelfahrt Jesu Christi

B. Das Auferstehungsverständnis des Paulus

V. Fazit
Prof. Dr. Matthias Perkams Institute für Altertumswissenschaften und Philosophie
VL Tod und Sterben in der antiken Philosophie FSU Jena SS 2019

1. Der Apostel Paulus von Tarsus (gest. 63 n. Chr.) über die Erkennbarkeit
Gottes: „Denn was man von Gott erkennen kann, ist unter ihnen offenbar.
Denn was an ihm unsichtbar ist, wird seit der Schöpfung durch seine Werke
als Gedachtes Luther: „wenn man sie wahrnimmt“; Einheitsübersetzung:
„mit Vernunft“ erblickt, seine ewige Kraft und Gottheit, so dass sie
unentschuldbar sind, weil sie Gott, obwohl sie ihn erkannten, nicht als Gott
lobten. ... Während sie behaupteten, weise zu sein, wurden sie zu Toren“.
(Römerbrief 1, 19-21)
τὸ γνωστὸν τοῦ θεοῦ φανερόν ἐστιν ἐν αὐτοῖς· ὁ θεὸς γὰρ αὐτοῖς
ἐφανέρωσεν. τὰ γὰρ ἀόρατα αὐτοῦ ἀπὸ κτίσεως κόσμου τοῖς ποιήμασιν
νοούμενα καθορᾶται, ἥ τε ἀΐδιος αὐτοῦ δύναμις καὶ θειότης, εἰς τὸ εἶναι
αὐτοὺς ἀναπολογήτους. διότι γνόντες τὸν θεὸν οὐχ ὡς θεὸν ἐδόξασαν ...
φάσκοντες εἶναι σοφοὶ ἐμωράνθησαν.

2. Justin, Philosoph und Märtyrer (ca. 100-165 n. Chr.), berichtet über seine
Bekehrung zum Christentum: „Da entzündete sich mir auf einmal ein Feuer
in meiner Seele, und mich ergriff Liebe zu den Propheten und zu den
Leuten, die Christus’ Freunde sind. Als ich seine Argumente mit mir selbst
diskutierte, fand ich, dass nur diese Philosophie zuverlässig und von Nutzen
ist. So bin ich nun auch dadurch Philosoph“.
(Dialog mit dem Juden Tryphon/Dialogus cum Tryphone 8, 1)
Ἐμοὶ δὲ παραχρῆμα πῦρ ἐν τῇ ψυχῇ ἀνήφθη, καὶ ἔρως εἶχέ με τῶν
προφητῶν καὶ τῶν ἀνδρῶν ἐκείνων, οἵ εἰσι Χριστοῦ φίλοι· διαλογιζόμενός
τε πρὸς ἐμαυτὸν τοὺς λόγους αὐτοῦ ταύτην μόνην εὕρισκον φιλοσοφίαν
ἀσφαλῆ τε καὶ σύμφορον. Οὕτως δὴ καὶ διὰ ταῦτα φιλόσοφος ἐγώ.
Prof. Dr. Matthias Perkams Institute für Altertumswissenschaften und Philosophie
VL Tod und Sterben in der antiken Philosophie FSU Jena SS 2019

3. Der römische Apologet Lactantius (ca. 250-320) plädiert für die Einheit
von Religion und Philosophie: „Weil Philosophie und Kult der Götter
getrennt und weitab geschieden sind, weil andere Leute Bekenner der
Weisheit sind, durch welche man keinen Zugang zu den Göttern gewinnt,
andere Vorsteher des Kultes, durch die man nicht weise zu sein lernt, ist
klar, dass weder die eine eine wahre Weisheit noch der andere ein wahrer
Kult ist. [...] Wo also wird die Weisheit mit dem Kult verbunden? Genau
dort, wo ein einziger Gott verehrt wird, wo das Leben und jede Handlung
auf ein Haupt und eine Summe bezogen werden, da sind schließlich die
Lehrer der Weisheit dieselben wie die Priester Gottes“.
(Göttliche Institutionen/Institutiones divinae 4, 3, 4. 7)
Quoniam [...] philosophia et religio deorum diiuncta sunt longeque discreta,
siquidem alii sunt professores sapientiae, per quos utique ad deos non
aditur, alii religionis antistites, per quos sapere non discitur, apparet nec
illam esse veram sapientiam nec hanc religionem. [...] Ubi ergo sapientia
cum religione coniungitur? Ibi scilicet, ubi deus colitur unus, ubi vita et
actus omnis ad unum caput et ad unam summam refertur, denique idem sunt
doctores sapientiae qui et dei sacerdotes.
Prof. Dr. Matthias Perkams Institute für Altertumswissenschaften und Philosophie
VL Tod und Sterben in der antiken Philosophie FSU Jena SS 2019

4. Das Markusevangelium (um 60 n. Chr.) berichtet über Christi Ängste vor


seinem Tod: „Und Jesus sprach zu ihnen seinen Schülern Petrus, Johannes
und Jakobus: ,Meine Seele ist betrübt bis an den Tod; bleibet hier und
wachet!‘ Und er ging ein wenig weiter, warf sich auf die Erde und betete,
dass, wenn es möglich wäre, die Stunde an ihm vorüberginge, und sprach:
,Abba, Vater, alles ist dir möglich. Nimm diesen Kelch von mir! Aber nicht,
was ich will, sondern was du willst. Und er kam und fand sie schlafend“.
(Markus 14, 34-36)

καὶ λέγει αὐτοῖς· περίλυπός ἐστιν ἡ ψυχή μου ἕως θανάτου· μείνατε ὧδε καὶ
γρηγορεῖτε. καὶ προελθὼν μικρὸν ἔπιπτεν ἐπὶ τῆς γῆς καὶ προσηύχετο ἵνα εἰ
δυνατόν ἐστιν παρέλθῃ ἀπ᾿ αὐτοῦ ἡ ὥρα, καὶ ἔλεγεν αββα ὁ πατήρ, πάντα
δυνατά σοι· παρένεγκε τὸ ποτήριον τοῦτο ἀπ᾿ ἐμοῦ· ἀλλ᾿ οὐ τί ἐγὼ θέλω
ἀλλὰ τί σύ. καὶ ἔρχεται καὶ εὑρίσκει αὐτοὺς καθεύδοντας.
Prof. Dr. Matthias Perkams Institute für Altertumswissenschaften und Philosophie
VL Tod und Sterben in der antiken Philosophie FSU Jena SS 2019

5. Das Markusevangelium schildert den Tod Jesu Christi: „Und zu der


neunten Stunde rief Jesus mit lauter Stimme: ,Eli, Eli, lema sabachtani‘, das
heißt übersetzt: ,Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?‘ Und
einige, die dabeistanden, sprachen, als sie das hörten: ,Siehe, er ruft den
Elija‘. Da lief einer, füllte einen Schwamm mit Essig, steckte ihn auf ein
Rohr, gab ihm zu trinken und sprach: ,Lasst uns doch sehen, ob Elija kommt
und ihn herabnimmt‘. Aber Jesus schrie mit lauter Stimme auf und
verschied“.
(Markus 15, 34-38)
καὶ τῇ ἐνάτῃ ὥρᾳ ἐβόησεν ὁ Ἰησοῦς φωνῇ μεγάλῃ· ,ελωι ελωι λεμα
σαβαχθανι‘ ὅ ἐστιν μεθερμηνευόμενον· ὁ θεὸς μου ὁ θεὸς μου, εἰς τί
ἐγκατέλιπές με; καὶ τινες τῶν παρεστηκότων ἀκούσαντες ἔλεγον· ἴδε Ἠλίαν
φωνεῖ. δραμὼν δέ τις γεμίσας σπόγγον ὄξους περιθεὶς καλάμῳ ἐπότιζεν
αὐτὸν λέγων· ἄφετε ἴδωμεν εἰ ἔρχεται Ἠλίας καθελεῖν αὐτόν. ὁ δὲ Ἰησοῦς
ἀφεὶς φωνὴν μεγάλην ἐξέπνευσεν.
Prof. Dr. Matthias Perkams Institute für Altertumswissenschaften und Philosophie
VL Tod und Sterben in der antiken Philosophie FSU Jena SS 2019

6. Das Johannesevangelium (vermutlich ca. 90/100 n. Chr.) erzählt vom


,ungläubigen Thomas‘: „Thomas aber, der Zwilling genannt wird, einer der
Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. Da sagten die anderen Schüler zu
ihm: ,Wir haben den Herrn gesehen‘. Er aber sprach zu ihnen: ,wenn ich
nicht an seinen Händen die Male der Nägel sehe und wenn ich meinen
Finger nicht in die Male der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege,
glaube ich das nicht.‘ Und nach acht Tagen waren seine Schüler abermals
drinnen versammelt, und Thomas war bei ihnen. Da kommt Jesus, als die
Türen verschlossen waren, und stellt sich in die Mitte und sagte: ,Friede sei
mit euch‘. Danach spricht er zu Thomas: , Reiche deinen Finger her und sieh
meine Hände und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei
nicht ungläubig, sondern gläubig. Thomas antwortete und sprach zu ihm:
,Mein Herr und mein Gott‘. Da spricht Jesus zu ihm: ,Weil du mich gesehen
hast, Thomas, glaubst du. Selig sind die, die nicht sehen und doch glauben‘“.

(Johannes 20, 24-29)


Θῶμας δὲ εἷς ἐκ τῶν δώδεκα, ὁ λεγόμενος Δίδυμος, οὐκ ἦν μετ᾿ αὐτῶν ὅτε
ἦλθεν Ἰησοῦς. ἔλεγον οὖν αὐτῷ οἱ ἄλλοι μαθηταί· ἑωράκαμεν τὸν κύριον. ὁ
δὲ εἶπεν αὐτοῖς· ἐὰν μὴ ἴδω ἐν ταῖς χερσὶν αὐτοῦ τὸν τύπον τῶν ἥλων καὶ
βάλω τὸν δάκτυλόν μου εἰς τὸν τύπον τῶν ἥλων καὶ βάλω μου τὴν χεῖρα εἰς
τὴν πλευρὰν αὐτοῦ, οὐ μὴ πιστεύσω. Καὶ μεθ᾿ ἡμέρας ὀκτὼ πάλιν ἦσαν ἔσω
οἱ μαθηταὶ αὐτοῦ καὶ Θῶμας μετ᾿ αὐτῶν. ἔρχεται ὁ Ἰησοῦς τῶν θυρῶν
κεκλεισμένων καὶ ἔστη εἰς τὸ μέσον καὶ εἶπεν· εἰρήνη ὑμῖν. εἶτα λέγει τῷ
Θῶμᾳ· φέρε τὸν δάκτυλον σου ὧδε καὶ ἴδε τὰς χεῖράς μου καὶ φέρε τὴν
χεῖρά σου καὶ βάλε εἰς τὴν πλευράν μου, καὶ μὴ γίνου ἄπιστος ἀλλὰ πιστός.
ἀπεκρίθη Θῶμας καὶ εἶπεν αὐτῷ· ὁ κύριος μου καὶ ὁ θεός μου. λέγει αὐτῷ ὁ
Ἰησοῦς· ὅτι ἑώρακάς με πεπίστευκας; μακάριοι οἱ μὴ ἰδόντες καὶ
πιστεύσαντες.
Prof. Dr. Matthias Perkams Institute für Altertumswissenschaften und Philosophie
VL Tod und Sterben in der antiken Philosophie FSU Jena SS 2019

7. Der Apostel Paulus beantwortet Fragen zur Auferstehung der Toten: „Es
könnte aber jemand fragen: Wie werden die Toten aufgeweckt? Mit was für
einem Körper kommen sie? Du Narr: Was du säst, wird nicht lebendig
gemacht, wenn es nicht stirbt. Und wenn du etwas säst, dann säst du nicht
den Körper, der werden soll, sondern ein bloßes Korn, sei es von Weizen
oder etwas anderem. Gott aber gibt ihm einen Körper, wie er gewollt hat,
einem jeden Samen einen eigenen Leib. Nicht alles Fleisch ist das gleiche
Fleisch, sondern ein Fleisch haben die Menschen, ein anderes das Vieh, ein
anderes die Vögel, ein anderes die Fische. Und es gibt himmlische Körper
und irdische Körper; aber ein anderes Ansehen haben die himmlischen
Körper, ein anderes die irdischen Körper. Ein anderes Ansehen hat die
Sonne, ein anderes Ansehen hat der Mond, ein anderes Ansehen haben die
Sterne. Denn ein Stern unterscheidet sich vom andern im Ansehen. So ist
auch die Auferstehung der Toten. Es wird gesät in Vergänglichkeit, es wird
auferweckt in Unvergänglichkeit. ... Es wird gesät ein seelischer Leib, es
wird auferweckt ein geistiger Leib“.
(1. Korintherbrief 15, 35-43. 50-53)
Ἀλλὰ ἐρεῖ τις· πῶς ἐγείρονται οἱ νεκροί; ποίῳ δὲ σώματι ἔρχονται; ἄφρων,
σὺ ὃ σπείρεις, οὐ ζῳοποιεῖται ἐὰν μὴ ἀποθάνῃ· καὶ ὃ σπείρεις, οὐ τὸ σῶμα
τὸ γενησόμενον σπείρεις ἀλλὰ γυμνον κόκκον εἰ τύχοι σίτου ἤ τινος τῶν
λοιπῶν· ὁ δὲ θεὸς δίδωσιν αὐτῷ σῶμα καθὼς ἠθέλησεν, καὶ ἑκάστῳ τῶν
σπερμάτων ἴδιον σῶμα. Οὐ πᾶσα σάρξ ἡ αὐτὴ σάρξ ἀλλὰ ἄλλη μὲν
ἀνθρώπων, ἄλλη δὲ σάρξ κτηνῶν, ἄλλη δὲ σάρξ πτηνῶν, ἄλλη δὲ ἰχθύων.
καὶ σώματα ἐπουράνια, καὶ σώματα ἐπίγεια· ἀλλὰ ἑτέρα μὲν ἡ τῶν
ἐπουρανίων δόξα, ἑτέρα δὲ ἡ τῶν ἐπιγείων. ἄλλη δόξα ἡλίου, καὶ ἄλλη δόξα
σελήνης, καὶ ἄλλη δόξα ἀστέρων· ἀστὴρ γὰρ ἀστέρος διαφέρει ἐν δόξῃ.
Οὕτως καὶ ἡ ἀνάστασις τῶν νεκρῶν. σπείρεται ἐν φθορᾷ, ἐγείρεται ἐν
ἀφθαρσίᾳ. ... σπείρεται σῶμα ψυχικόν, ἐγείρεται σῶμα πνευματικόν. Εἰ
ἔστιν σῶμα ψυχικόν, ἔστιν καὶ πνευματικόν.
Prof. Dr. Matthias Perkams Institute für Altertumswissenschaften und Philosophie
VL Tod und Sterben in der antiken Philosophie FSU Jena SS 2019

8. Der Apostel Paulus deutet in apokalyptischer Weise das Endgericht an:


„Seht ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden nicht alle entschlafen, wir
werden aber alle verwandelt werden; plötzlich, in einem Augenblick, mit der
letzten Posaune. Denn es wird die Posaune erschallen, und die Toten werden
als unvergängliche auferweckt werden, und wir werden verwandelt werden.
Denn dies Vergängliche muss sich die Unvergänglichkeit anziehen, und dies
Sterbliche muss die Unsterblichkeit anziehen“.
(1. Korintherbrief 15, 51-53)
ἰδοὺ μυστήριον ὑμῖν λέγω· πάντες οὐ κοιμηθησόμεθα, πάντες δὲ
ἀλλαγησόμεθα. ἐν ἀτόμῳ, ἐν ῥιπῇ ὀφθαλμοῦ, ἐν τῇ ἐσχάτῃ σάλπιγγι·
σαλπίσει γὰρ καὶ οἱ νεκροὶ ἐγερθήσονται ἄφθαρτοι καὶ ἡμεῖς
ἀλλαγησόμεθα. Δεῖ γὰρ τὸ φθαρτὸν τοῦτο ἐνδύσασθαι ἀφθαρσίαν καὶ τὸ
θνητὸν τοῦτο ἐνδύσασθαι ἀθανασίαν.
Prof. Dr. Matthias Perkams Institute für Altertumswissenschaften und Philosophie
VL Tod und Sterben in der antiken Philosophie FSU Jena SS 2019

9. Die Offenbarung des Johannes (Apokalypse) kündigt die neue Welt an:
„Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste
Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr. ...
Und ich hörte eine laute Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da,
das Zelt Gottes unter den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, ... und
Gott selbst wird mit ihnen sein, ... und der Tod wird nicht mehr sein, noch
Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; das Erste ist ja
vergangen“.
(Offenbarung 21, 1. 3-4)
Καὶ εἶδον οὐρανὸν καινὸν καὶ γῆν καινήν. ὁ γὰρ πρῶτος οὐρανὸς καὶ ἡ
πρώτη γῆ ἀπῆλθαν καὶ ἡ θάλασσα οὐκ ἔστιν ἔτι. ... καὶ ἤκουσα φωνῆς
μεγάλης ἐκ τοῦ θρόνου λεγούσης· ἰδοὺ ἡ σκηνὴ τοῦ θεοῦ μετὰ τῶν
ἀνθρώπων, καὶ σκηνώσει μετ᾿ αὐτῶν, ... καὶ αὐτὸς ὁ θεὸς μετ᾿ αὐτῶν
ἔσται. ... καὶ ὁ θάνατος οὐκ ἔσται ἔτι οὔτε πένθος οὔτε κραυγὴ οὔτε πόνος
οὐκ ἔσται ἔτι, τὰ πρῶτα ἀπῆλθον.