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Für Saudis und Trump steht der Schuldige

an den Drohnenangriffen fest


Weiterhin ist nicht klar, wer tatsächlich hinter den Angriffen auf die saudische Ölindustrie
steht. Die USA sparen nicht mit deutlichen Drohungen gegen den Iran

16. September 2019, 20:13


An mehreren Stellen wurde die Ölproduktionsanlage Abqaiq in Brand geschossen, wie
Satellitenbilder zeigen.

Foto: AP

Die Satellitenbilder zeigen das Ausmaß der Schäden, die die Drohnenangriffe am
vergangenen Samstag an den Ölproduktionsanlagen in Saudi-Arabien hinterlassen haben. Die
Betriebe des staatlichen Ölkonzerns Saudi Aramco in Abqaiq und Khurais wurden bei der
Attacke an mehreren Stellen in Brand geschossen. Die Rauchschwaden bedeckten das Land
kilometerweit, zurück blieben ausgebrannte Industrieanlagen.

DER STANDARD

Die Frage nach der Urheberschaft des Angriffs beschäftigte auch am Montag die
internationale Gemeinschaft. Die jemenitischen Huthi-Rebellen hatten direkt nach der Attacke
die Verantwortung übernommen und erklärt, diese mit insgesamt zehn Drohnen durchgeführt
zu haben. US-Außenminister Mike Pompeo schob jedoch umgehend dem Iran die Schuld zu.
Pompeos Chef legte in der Nacht auf Montag nach: "Wir haben Anlass zu glauben, dass wir
den Schuldigen kennen, und warten mit gesicherter und geladener Waffe auf die
Bestätigung", drohte US-Präsident Donald Trump via Twitter.

Irans Präsident Hassan Rohani wies jedenfalls die Vorwürfe der USA strikt zurück. Diese
seien ein Ablenkungsmanöver von den zahlreichen Todesopfern der saudischen Luftangriffe
im Jemen. Es sei die Präsenz der USA in der Region, die die Probleme schaffe. "Wenn wir
wirkliche Sicherheit in der Region haben wollen, dann muss die amerikanische Aggression
aufhören", erklärte Rohani. Später sprach er von einer "verhältnismäßigen Reaktion des
jemenitischen Volkes" auf die Angriffe der saudi-geführten Anti-Huthi-Koalition.

Spekulationen

Die schiitischen Huthis drohten am Montag mit weiteren Angriffen auf die Infrastruktur der
Saudis. Doch ein Sprecher der saudischen Militärkoalition widersprach, der Jemen sei nicht
der Ausgangspunkt der Drohnenattacken gewesen. Dabei seien iranische Waffen eingesetzt
worden, die nicht vom Jemen aus gestartet wurden, sagte Oberst Turki al-Malki bei einer
Pressekonferenz in Riad. Auch der Vertreter Jemens bei den Vereinten Nationen erklärte, es
sei unklar, wer für die Angriffe verantwortlich ist.

Die USA wollen Beweise haben. Auf Satellitenbildern lassen sich nach US-Darstellung
mindestens 17 Einschläge erkennen. Dabei sollen sowohl Drohnen als auch Raketen von
Norden oder Nordwesten eingesetzt worden sein – was bedeute, dass sie entweder auf
iranischem oder irakischem Territorium abgefeuert worden seien.

Schon seit dem Wochenende wird spekuliert, dass für den Angriff irakisches Gebiet genutzt
wurde. So könnte es sich um eine Vergeltungsaktion für einen israelischen Drohnenangriff
auf Schiitenmilizen im Irak im August handeln, der von Saudi-Arabien koordiniert worden
sein soll. Vom Südirak aus wären es auch nur rund 500 Kilometer zu den saudischen
Ölanlagen, während von den Huthi-Gebieten die doppelte Distanz unentdeckt zurückgelegt
werden müsste.

Von wo auch immer die Drohnen gestartet wurden: Zaghaft geäußerte Hoffnungen auf direkte
Gespräche zwischen Rohani und Trump am Rande der UN-Vollversammlung in New York
sind mit der aktuellen Zuspitzung jedenfalls hinfällig. "Ein solches Treffen wird es nicht
geben", erklärte ein Sprecher des iranischen Außenministeriums. Trump bezeichnete
Medienberichte, er sei ohne Bedingungen zu einem Treffen bereit, als "wie üblich falsch".

Mahnung zur Besonnenheit


Großbritanniens Außenminister Dominic Raab verurteilte den Angriff am Montag. Dieser sei
ein mutwilliger Verstoß gegen internationales Recht. "In der Frage der Verantwortung ist das
Bild nicht eindeutig", erklärte er jedoch im Widerspruch zu Washington. Eine internationale
Reaktion könne erst erfolgen, wenn alle Fakten bekannt seien. Ähnlich äußerte sich der
deutsche Außenminister Heiko Maas, der eine Deeskalation forderte. Auch die EU und China
mahnten, vor Schuldzuweisungen die Fakten zu prüfen.

Die Tatsache, dass die iranischen Revolutionsgarden am Montag erneut ein Tankschiff im
Golf aufbrachten, dürfte die Spannungen weiter verschärfen – auch, wenn zur Angelegenheit
bisher wenig bekannt war. Die Iraner sprachen von angeblichen Schmuggel, sagten aber
nichts zu Herkunft und Besitzern des Schiffes.

Ein höherer Ölpreis ist keine Krise


Der saudische Produktionsausfall ist für Weltwirtschaft und Verbraucher verkraftbar

Kommentar
Eric Frey

16. September 2019, 18:27


In Riad richten sich momentan alle Blicke auf die Börsenzahlen.

Foto: Reuters/Stringer

Als vor genau 45 Jahren ein Krieg im Nahen Osten zu einem Teilausfall der globalen
Erdölversorgung führte, erlitt die Weltwirtschaft einen Schock, von dem sie sich viele Jahre
nicht erholte. Das Ölembargo der Opec-Staaten als Reaktion auf den Jom-Kippur-Krieg ließ
den Ölpreis in die Höhe schnellen und traf die Industriestaaten an ihrer verwundbarsten Stelle
– denn die Welt war damals süchtig nach Erdöl.

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Der jüngste Angriff auf die wichtigsten Ölanlagen Saudi-Arabiens hätte früher ähnliche
Schockwellen ausgelöst, verstärkt noch durch die wachsende Angst vor einem Krieg
zwischen den USA und dem Iran. Doch die Wirtschaftswelt hat sich geändert. Zwar
verzeichnete der Ölpreis zu Wochenbeginn den stärksten Kurssprung seit dem Golfkrieg von
1991, ging aber dann wieder deutlich zurück.

USA ist weltgrößter Erdölproduzent

Selbst wenn sich die saudische Ölproduktion erst in einigen Monaten voll erholt, wie derzeit
befürchtet wird, ist ein weiterer Anstieg nicht zwingend. Zahlreiche Staaten haben
Ölreserven, die sie schnell auf den Markt werfen können; die USA haben damit schon
begonnen. Vor allem ist die weltgrößte Volkswirtschaft dank der umstrittenen
Frackingtechnologie auch zum weltgrößten Erdölproduzenten geworden, und dort reagieren
tausende kleinere Firmen höchst flexibel auf jedes Preissignal: Wird Erdöl teurer, erhöhen sie
sofort die Fördermenge und stabilisieren so den Weltmarktpreis.
Ganz ohne Folgen für die Konjunktur wird der aktuelle Anstieg nicht bleiben. Vor allem in
Deutschland fürchten Ökonomen, dass die Wirtschaft bei einem höheren Ölpreis in eine echte
Rezession abrutscht. Aber noch vor fünf Jahren lag der Preis für ein Fass Öl deutlich über 100
Dollar, ohne dass irgendwelche Räder stillstanden. Der Anteil des Erdöls an der
volkswirtschaftlichen Gesamtleistung sinkt von Jahr zu Jahr. Auch für die Börsen sind höhere
Erdölpreise keine unerträgliche Belastung. In einer digitalisierten Welt, in der nichtfossile
Energiequellen stetig zunehmen, hat Erdöl nicht mehr die Bedeutung von einst.

Die Folgen für den Verbraucher sind ebenfalls überschaubar. Die Treibstoffpreise werden
auch an österreichischen Tankstellen bald ansteigen, aber viel weniger als der Erdölpreis –
denn die Mineralölsteuer bleibt gleich, und die macht fast die Hälfte des Zapfsäulenpreises
aus.

Höherer Spritpreis nützt dem Klimaschutz

Wenn ein höherer Spritpreis dazu führt, dass weniger Auto gefahren und weniger Sprit
verbraucht wird, dann nutzt das dem Klimaschutz. Aus Sicht des Weltklimas ist Erdöl seit
Jahren zu billig. Natürlich sollen fossile Brennstoffe nicht durch Kriegshandlungen, sondern
durch eine kluge Steuerpolitik verteuert werden. Aber es ist gut, wenn wir uns allmählich
daran gewöhnen, beim Tanken mehr zu bezahlen – und unser Verhalten daran anpassen.

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Der größte wirtschaftliche Leidtragende des Angriffs ist Saudi-Arabien selbst. Das
Königreich mag eines der reichsten Länder der Welt sein, aber der Angriff legt seine riesigen
ökonomischen Defizite offen, von den politischen ganz zu schweigen. Die Reformen von
Kronprinz Mohammed bin Salman stocken, die Abhängigkeit vom Öl bleibt erschreckend
hoch, und nun ist auch der Börsengang des staatlichen Ölriesen Aramco in Gefahr. Auf das
Ende des fossilen Zeitalters, das des Klimawandels wegen rasch kommen müsste, ist Saudi-
Arabien überhaupt nicht vorbereitet. Die brennenden Ölanlagen geben dem Land einen
Vorgeschmack auf kommende Krisen.