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Inhalt

Widmungen.......................................................................................................5

Danksagungen.................................................................................................. 7

Prolog.................................................................................................................9

Einleitung..........................................................................................................11

Kapitel Eins
Bedeutung des Wortes “yoruba”........................................................... 23
Ursprung des Wortes “Yoruba”...................................................................23
“Yoruba”, eine ethnische Volksgruppe........................................................
“Yoruba”, eine geographische Region........................................................
“Yoruba”, eine Sprache..............................................................................
“Yoruba”, spiritueller und religiöser Kontext...............................................

Kapitel Zwei
Die Yoruba Religion..................................................................................31
Geographischer Ursprung und Geschichte..................................................
Grundlagen des Glaubens...........................................................................
Glaube an das Universum und seine Götter..................................
Glauben in Bezug auf die Menschen............................................
Gottheiten...................................................................................................
Der Schöpfergott............................................................................
Gottheiten oder Orishas..................................................................
Legenden, Mythen, Überlieferungen............................................................
Legenden über die Entstehung der Erde..................................
Legenden über Orishas und andere Persönlichkeiten..............
Legenden über Ile-Ife und seinen Ooni (König).........................
Struktur der Verwaltung und Religion...........................................................
Struktur der Verwaltung.............................................................
Struktur der Religion..................................................................
Heilige Schriften, göttliche Gebote und Verhaltensregeln............................
Das Orakel von Ifa.....................................................................
Gebote von Ifa...........................................................................
Erwachen von Ifa.......................................................................
Mahnungen von Ifa.....................................................................
Sprichwörter..............................................................................
Der religiöse Kult.................................................................................
Heilige Städte............................................................................
Tempel, Sanktuarien und heilige Objekte..................................
Rituale der Verehrung oder Anbetung.......................................
Die Divinationsrituale....................................................................................
Obi-Divinationssystem...............................................................
Ifa-Divinationssystem.................................................................
Divinationssystem der Muscheln...............................................
Verbreitung der Yoruba-Religion in andere Länder.....................................
Bedeutende Persönlichkeiten der Yoruba-Religion....................................

1
Kapitel Drei
Santeria..............................................................................................
Was ist Santeria?...............................................................................
Geschichte einer kulturellen Migration...............................................
Bildungsprozeß der Santeria..............................................................
Entwicklungsprozeß der Santeria........................................................
Grundlagen der Santeria......................................................................
Beitrag anderer Religionen................................................................
Götter und ihre Hierarchie.................................................................
Synkretisierung zwischen Orishas und katholischen Heiligen.........
Organisation der Religion.................................................................
Die Priester und ihre Hierarchie.......................................................
Die Gläubigen: ihre Initiation und Organisation.................................
Der religiöse Kult...............................................................................
Religiöse Zeremonien für die Gläubigen...........................................
Addivinationsrituale oder Rituale zum Einholen von Rat der
Orisha-Heiligen.................................................................................
Zeremonien zur Ehrung der Orisha-Heiligen und weitere Rituale……
Materialien oder Elemente, die in der Santeria verwendet werden…..
Tempel und Altare.............................................................................
Die heiligen Texte...................................................................................
Die wichtigsten Grundlagen des Glaubens.............................................
Santeria und ihre Varianten in Kuba......................................................
Die Regla de Palo oder Regla Conga..............................................
Die geheime Gesellschaft Abakua...................................................
Der Oggunismus oder kubanischer Voodu.......................................
Wichtige Persönlichkeiten der Santeria...................................................

Kapitel Vier
Die Praxis der Santeria........................................................................
Moyubas oder Gebete für die Heiligen.................................................
Moyuba, die angewandt wird, wenn dem Heiligen Kokusnuß
gereicht wird........................................................................................
Moyuba (Gebet) für Elegua .............................................................
Moyuba (Gebet) für Shango..............................................................
Moyuba (Gebet) für Obatala...............................................................
Moyuba (Gebet) für Yemaya...............................................................
Moyuba (Gebet) für Orula....................................................................
Vers zur Begrüßung Ifas......................................................................
Lied für Shango...................................................................................
Lied für Eleggua..................................................................................
Lied für Obatala...................................................................................
Lied für Yemaya................................................................................
Lied für Orula....................................................................................
Lied für Ochun....................................................................................
Lied für Oggun....................................................................................
Lied für Ochosi...................................................................................
Moyuba oder Gebet für Ori................................................................
Moyuba beim Werfen der Muscheln...................................................
Purifikationsbäder...................................................................................
Zur Enfernung böser Geister...............................................................

2
Um alles Böse aus dem Körper zu entfernen....................................
Glücksbad, 1........................................................................................
Glücksbad, 2.....................................................................................
Glücksbad, 3.......................................................................................
Gesundheitsbad, 1.............................................................................
Gesundheitsbad, 2..............................................................................
Bad von Obatala für innere Ruhe........................................................
Bad von Ochun um das Glück anzuziehen.........................................
Bad von Ochun um Glück in der Liebe zu haben................................
Bad um Erfolg zu haben und das Böse abzuwenden..........................
Bad von Ofun.......................................................................................
Bad um Glück zu haben und Unglück fernzuhalten............................
Bad um den Tod fernzuhalten.............................................................
Rezepte der Santeria................................................................................
Gesundheitsrezepte............................................................................
Rezepte für Glück und Liebe...............................................................
Rezepte um sich von einem Feind zu befreien...................................
Rezepte um Fortschritt und Erfolg zu erreichen..................................
Rezepte zur Lösung schwerwiegender Probleme...............................
Ausgesuchte Rezepte.........................................................................

Kapitel Fünf
Schlußbemerkungen..........................................................................
Über die Grundelemente der Religion der Yoruba und Santeria...........
Über Addivination, Schicksal des Menschen und Religion.....................
Über die Welt, die Menschen und das Leben.........................................
Über die Religion der Yoruba, die Santeria und weitere Religionen........
Anhang
Definition religiöser Begriffe............................................................
Gruppe 1. Gott, Gottheit, Geist, Schicksal................................................
Gruppe 2: Religion, bedingungsloser Glauben, Glauben..........................
Gruppe 3: Animismus, Fetischismus, Spiritismus, Aberglauben,
Schamanismus. Magie und Hexerei.....................................................
Gruppe 4: Geschichte, Tradition, Mythologie, Legende, Fabel,
Phantasie.............................................................................................
Gruppe 5: Frömmigkeit, Sekularität, Laizismus.........................................
Gruppe 6: Kultur, kulturelle Anpassung und Beeinflußung, Synkretismus
Gruppe 7: Orisha, Ashe, Ori, Patakis.......................................................

Glossar
Yoruba und Santeria Worte und Redewendungen..................................

Bibliographie..............................................................................................................

3
Prolog

Die Recherchen der Buchautoren, die in der Bibliographie dieses Werkes angegeben
sind, dienten mir als Quelle für die Themen Religion der Yoruba und Santeria, mit
denen sich dieses Buch befasst.
Der Ursprung der Yoruba-Religion geht auf die Völker der Yoruba zurück, von ihnen
erhielt sie ihren Namen. Diese Völker lebten in einem ausgedehnten Gebiet der
heutigen Bundesrepublik Nigeria. Hier wurde und wird diese Religion praktiziert. Die
Santeria ist das Ergebnis des religiösen Synkretismus der Religion der Yoruba mit
Elementen des Katholizismus, sie bildete sich im Laufe von Jahrhunderten in
Amerika. Die Geschichte der Santeria ist eng verbunden mit der Geschichte der
Sklaverei, von der viele afrikanische Völker betroffen waren. Es ist eine Religion, die
heutzutage vorwiegend in Kuba und Brasilien praktiziert wird.
Ich bin kein Wissenschaftler und es ist auch nicht mein Wunsch, neue Theorien oder
Thesen über dieses Thema aufzustellen. Ich bin lediglich ein Praktizierender der
Santeria und glaube fest an die Gottheiten der Yoruba und an die Heiligen der
Santeria. Mein größter Wunsch ist es, meine Kenntnisse mit den Lesern dieses
Buches auf einfache und angenehme Weise zu teilen. Der Ursprung dieser
Religionen geht zwar in eine weitentfernte Vergangenheit zurück, aber das Konzept
und die Praktizierung konnten das Interesse und die Begeisterung vieler Menschen
wecken, die hier und jetzt eine Antwort auf ihre spirituellen Fragen suchen.
Ich initiierte mich vor zwanzig Jahren in der Santeria und bin nun als „Santero“, also
als Priester der Santeria, tätig. Wie ich bereits erwähnte, halte ich mich nicht für
einen Gelehrten der Religion der Yoruba oder der Santeria. Dieses Buch ist vielmehr
das Ergebnis vieler bereichender Erfahrungen, die ich sowohl auf meinem Weg zum
Priester der Santeria als auch bei der täglichen Ausübung als Santero im Dienste
derjenigen, die meine Fürbitte und Hilfe suchen, machte. Durch mein Interesse an
diesem Thema habe ich eine Zusammenstellung von Büchern und
Veröffentlichungen gemacht und an vielen Konferenzen teilgenommen. Im Laufe
meiner Recherchen traf ich auf viele Persönlichkeiten und Lehrmeister, die sich
diesen Religionen widmen und ihnen geweiht sind. Auf der Grundlage dieser
Zusammenstellung habe ich dieses Buch geschrieben. Das Informationsmaterial,
das ich für dieses Werk nutzte, ist in den Büchern, die in der Bibliographie angeführt
sind, enthalten.
Ich habe die verschiedenen Themen sehr sorgfältig ausgewählt, damit sie so für den
Leser, der über diese Religionen nicht so gut informiert ist, verständlich werden.
Vielleicht weckt es Unverständnis, wenn man die Religion der Yoruba und die
Santeria als Religion bezeichnet, aber durch ihre Komponenten und durch meinen
Glauben bin ich fest davon überzeugt, dass es tatsächlich Religionen sind.
Das erste und das zweite Kapitel bezieht sich auf die Religion der Yoruba und dient
als Einleitung des zentralen Themas, der Santeria, das im dritten Kapitel zu finden
ist. Das vierte Kapitel enthält lediglich Gebete und Moyubas für die Heiligen,
Purifikationsbäder und Rezepte der Santeria, denn die wichtigsten Rituale werden
ausführlich im dritten Kapitel erläutert. Im fünften Kapitel findet man abschließende
Bemerkungen und Schlußfolgerungen der Kenntnisse, die man über die Religionen
Yoruba und Santeria erhalten hat.

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Widmung

Für meine Mutter María Nelsa, die mich während meines ganzen Lebens und meiner
Laufbahn selbstlos unterstützte. Für meinen Vater, der immer dafür kämpft, mir das
Beste zu geben.
Für Cari Deianna, meine Tochter; für Margarita und María Fernanda, meine
Schwestern, die meine große Familie bilden.
Für Nadia, meine treue Gefährtin, die mit mir die Freuden und Leiden teilt, die das
Leben für uns bereithält.

Danksagung

Ich danke Romar Rodríguez, María Alejandra Paccioretti, Carlos Cabrera Díaz und
Michel Weber. Durch ihre unschätzbare Hilfe konnte ich dieses Buch verwirklichen.

Ich danke meinen Paten:


Frank Cabrera Suárez für seine Lehren, von denen viele in diesem Buch enthalten
sind.
Wilfredo Isasa, der mich zum Priester dieser Religion machte
Elsía Sarria, der mich in der Santeria initiierte.

Mein besonderer Dank für die Zusammenarbeit gilt der Galerie Walu y Pajoro
Collection, die mir viele Photos zur Verfügung stellte.

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Einleitung

Vieles, was sich in meinem Leben tatsächlich ereignete, prägte mich und führte mich
auf eine spirituelle Ebene, die über das hinausgeht, was ein durchschnittlicher
Mensch erlebt.
Ich möchte mit meinen Wurzeln beginnen. Ich wurde vor mehr als dreieinhalb
Jahrzehnten im Stadtteil Belen der Stadt Cali im Bundesstaat Valle del Cauca in
Kolumbien geboren und stamme aus einfachen Verhältnissen. Meine Eltern
widmeten sich jedoch mit Fleiß ihrer Arbeit und konnten unser Heim stets mit allem
Nötigen versorgen, so dass wir ein Leben führen konnten ohne etwas zu entbehren.
Trotz meiner spanischen Nachnamen habe ich afrikanisches Blut in meinen Adern,
meine Eltern haben afrikanische und spanische Vorfahren. Auch in Kolumbien gab
es während der Kolonialzeit afrikanische Sklaven, die gegen ihren Willen gewaltsam
durch die Kolonialherren in das Land gebracht wurden. Diese Neuankömmlinge
hatten eine Kultur, eine Sprache und einen religiösen Glauben, den sie allen widrigen
Umständen zum Trotz beibehielten und an ihre Nachkommen weiterleiteten.
Obwohl sich meine Eltern eher an Kultur und religiösem Glauben der Kolonialherren
orientierten, geriet der Glaube ihrer Vorfahren an die afrikanischen Orishas nie in
völlige Vergessenheit. Dies wurde Jahre später, als ich bereits älter war, durch meine
Mutter bestätigt, die mich ermutigte und mir vorschlug, mich in der afrikanischen
Religion, die als Santeria bei uns fortbestand, zu initiieren.
Bereits als kleines Kind verfügte ich über eine bestimmte Gabe: ich konnte das
sehen, was die Menschen unter dem Begriff „Geister“ verstehen. Natürlich hatte ich
im Alter von sieben bis acht Jahren keine Vorstellung davon, was ein Geist sein
könnte, aber ich erinnere mich daran, dass ich einmal vor mir einen Schatten in
menschlicher Gestalt vorbeihuschen sah, es schien mir, als ob er über dem Boden
schweben würde. Ich war damals acht Jahre alt, daran erinnere ich mich genau. Ich
konnte sein Gesicht nicht erkennen, konnte jedoch sehen, dass er sehr groß war und
ein Licht ausstrahlte, das mich zutiefst beeindruckte. Ich muß zugeben, dass ich
damals Furcht empfand und nicht wagte, es meinen Eltern zu erzählen, denn ich
dachte, dass sie mir nicht glauben würden.
Es ereignete sich dass wir eines Tages, als ich zehn Jahre alt war, Onkel Julio
besuchten, der krank war. Als ich ihn sah, war ich beeindruckt, wußte jedoch nicht
weshalb. Als wir wieder zuhause waren bemerkte ich während der Nacht, dass die
Eingangstür offenstand und sah plötzlich den Onkel, den wir besucht hatten,
eintreten. Er kam ins Haus, lief ein paar Schritte und verschwand wieder. Ich konnte
zunächst kein Wort hervorbringen, erst nach einiger Zeit war ich in der Lage zu
reagieren und entschloß mich, meiner Mutter zu erzählen, dass ich Onkel Julio im
Haus gesehen hätte. Sie glaubte mir nicht. Am folgenden Tag erfuhren wir dass
Onkel Julio gestorben war. Ich habe in meinem Leben oft den Geist von Menschen
gesehen, die gestorben sind, und diese Erfahrungen berühren mich zutiefst.
Ich möchte nun vom Thema der Geister zu den Vorahnungen übergehen und kann
darüber folgende Geschichte erzählen: Mein Vater, der inzwischen bereits Rentner
ist, war Polizist und leitete die Abteilung für Verbrechen des kleinen Kommissariats
meines Stadtteils. Im gleichen Stadtteil, in der Nähe unseres Hauses, lebte ein

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Krimineller, der einen Polizisten ermordet hatte. Mein Vater war mit der Suchaktion
beauftragt. Ich hatte in jenen Tagen eine Vision: ich sah, dass dieser Kriminelle
unser Haus aufsuchte und in einer Hand eine Schachtel mit Musikkassetten hielt –
mein Vater hörte sehr gern Musik – und in der anderen Hand, die er hinter seinem
Rücken verbarg, hielt er eine Pistole in der Absicht, meinen Vater zu erschießen. Ich
erzählte meiner Mutter sofort meine Vision, und dieses Mal schenkte sie mir
Aufmerksamkeit. Zwei Tage später kam der Kriminelle zu unserem Haus, so wie ich
ihn „gesehen“ hatte. Meine Mutter, die schon vorgewarnt war, bat meinen Vater,
nicht an die Tür zu gehen. Sie war es, die die Tür öffnete und meine „Vision“ sah. Ich
hatte zur gleichen Zeit das Haus durch die Hintertür verlassen, schlich um das Haus
herum und konnte aus einer gewissen Entfernung sehen, dass es sich um diesen
Kriminellen handelte und dass er in der Hand, die er hinter seinem Rücken verbarg,
eine Pistole hielt. Meine Vision war Realität geworden. Ich war elf Jahre alt, noch ein
Kind, und empfand furchtbare Angst.
Auch im Bereich der Träume sah ich viele Dinge, die sich später in meinem Leben
ereignen sollten, vorher im Traum. Als ich dreizehn Jahre alt war brach nachts,
während ich schlief, ein starkes Unwetter aus, das mich aufweckte und in Angst
versetzte, so dass ich Schutz bei einem Familienangehörigen suchte. Als ich wieder
eingeschlafen war hatte ich einen Traum: ich sah mich in einem Wald, viele
schwarze Menschen, die bemalt waren und weiße und bunte Kleidung trugen waren
anwesend. Alle tanzten und sangen zum Rhythmus der Trommeln und vollbrachten
Tieropfer. Dieser Traum ängstigte mich sehr. Jahre später, als ich an einer religiösen
Santeria-Zeremonie teilnahm, erinnerte ich mich wieder an diesen Traum, zu dieser
Zeit war ich bereits Santero, ein Priester der Santeria.
Als ich dreizehn war, erfuhr ich, dass eine Nachbarin die Karten lesen und durch sie
die Zukunft voraussagen konnte. Ich war sehr wißbegierig und wollte von ihr lernen,
so dass ich jede Möglichkeit suchte, mich häufig in ihrem Haus aufzuhalten. Dieses
Vorhaben wurde dadurch erleichtert, dass ich mit ihren Kindern befreundet war, die
mich ständig baten, sie zu besuchen. Eines Tages, als die Nachbarin einer Frau die
Karten las, näherte ich mich ihnen. Meine Nachbarin konnte mit Sicherheit an
meinem Gesicht sehen, dass ich am Lesen der Karten äußerst interessiert und sehr
neugierig war. Als die Sitzung beendet und die Ratsuchende gegangen war,
unterhielt sie sich mit mir und fragte, weshalb ich so großes Interesse an den Karten
hätte. Ich erzählte ihr die Ereignisse, die ich bereits angeführt habe, und dies schien
ihr als Erklärung zu genügen, denn am gleichen Tag begann sie, mich in das Lesen
der Karten – der spanischen und der Tarotkarten -, über die sie ausgezeichnete
Kenntnisse hatte, einzuweisen. Nach mehreren Sitzungen lernte ich das Lesen der
Karten. Mir kam dabei meine Fähigkeit, Dinge oder Vorfälle, die außergewöhnlich
waren, zu „sehen“ sehr zugute. Ich begann meinen Freunden aus der Nachbarschaft
oder aus der Schule die Karten zu lesen, und alles, was ich voraussagte, traf ein.
Mit vierzehn Jahren war ich ein Experte im Kartenlesen, ich sagte viele Dinge
voraus, die anschließend eintrafen. Inzwischen suchten mich nicht nur meine
Schulfreunde, sondern auch meine Familie, Nachbarn und viele Menschen auf, um
sich die Karten lesen zu lassen. Alle diese Ereignisse trugen dazu bei, dass mein
Interesse für alles Spirituelle, sowohl im Bereich der Natur als auch im Bereich der
Geister, ständig wuchs. Ich begann nun Bücher, die im Zusammenhang mit der
Religion und dem Übernatürlichen standen, zu lesen. Durch eines dieser Bücher, das
von Santeria, vorwiegend in Venezuela und Kolumbien, handelte, erfuhr ich zum
erstenmal etwas über diese Religion. Über die Bücher versuchte ich eine Antwort auf
viele Fragen, die ich besonders im spirituellen Bereich hatte, zu finden. Gleichzeitig
vervollständigte ich die Kunst des Kartenlesens. Ich konnte sogar den Aufenthaltsort

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von entführten oder verschwundenen Menschen bestimmen, voraussagen, dass
Menschen bald sterben würden und wie es dem einen oder anderen bei den Zielen,
die er sich beruflich gesteckt hatte, ergehen würde. Dadurch erhielt ich in
zunehmendem Maße Ansehen und auch Respekt von meiner Familie, Freunden und
Bekannten.
Als ich fünfzehn Jahre alt war brachte mich meine Mutter zu Elsía Sarria, einem
Babalao, also Priester der Santeria, der in Kolumbien sehr bekannt ist. Nachdem ich
bei einer religiösen Zeremonie anwesend war und mit diesem Oberhaupt der
Santeria gesprochen hatte, bat mich meine Mutter, dieser Religion mein Leben zu
widmen. Elsía Sarria war mein erster Lehrer, er war es, der mir, als ich sechzehn
Jahre alt war, die sogenannten Heiligen Krieger der Santeria Eleggua, Ochosi,
Oggun und Ozun übergab und mir erklärte, dass dies die ersten „Heiligen“ seien. Der
Begriff „Heilige Krieger“ wird in der Santeria verwendet, wenn man sich auf die ersten
Orishas oder afrikanische Gottheiten der Santeria bezieht, mit denen diejenigen, die
Priester der Santeria werden möchten, initiiert werden. Ich suchte weiterhin Antwort
auf meine Fragen und nahm Verbindung zu Santeros und Schamanen meines
Landes auf, die mich die Heilkraft der Pflanzen lehrten und mich in meiner
spirituellen Ausbildung unterstützten. Zuhause errichtete ich eine Art „Büro“, in dem
ich meine „Kunden“ empfing und setzte meine Ausbildung der Santeria fort ohne
dabei die Sekundarstufe der Schule zu vernachlässigen, sehr zur Freude meiner
Eltern, die in mir einen Akademiker sehen wollten.
Mit siebzehn begann ich das Studium der Astrologie und vertiefte meine Kenntnisse
in allem, was mit der Addivination zusammenhing, vor allem des Lesens der
Tarotkarten, des I-Chin und der Runen, über die ich inzwischen ausgezeichnete
Kenntnisse habe.
Zur gleichen Zeit beunruhigte mich jedoch weiterhin eine Frage ganz besonders: Gibt
es eine Möglichkeit, die Ereignisse doch nicht eintreffen zu lassen? Die Antwort auf
diese Frage erhielt ich später, als ich das Wesentliche und die Grundlagen der
Religion der Yoruba und der Santeria kennenlernte. Diese Frage wurde, als ich
Priester der Santeria wurde, zu einem meiner spirituellen Ziele.
Ich wußte bereits, dass ein Santero, um als solcher anerkannt zu werden, viele
strenge Gesetze befolgen muss, und ich war damals noch sehr jung, voller Energie
und begierig, das Leben zu genießen, und wollte mein Leben nicht so grundlegend
verändern, indem ich die strengen Gesetze, die dem Priester jeder Religion auferlegt
werden, befolgte. Trotzdem entschloss ich mich, meinen Lehrer Elsía Sarria
aufzusuchen und ihm meinen Wunsch, Priester der Santeria zu werden, mitzuteilen.
Er erklärte mir, dass das Erlernen der Kenntnisse, die man benötigt, um Priester zu
werden, äußerst anspruchsvoll sei, außerdem sei die „Asiento-Zeremonie“, bei der
ein neuer Priester geweiht wird, sehr kostspielig. Auch gäbe es in Kolumbien nicht so
gute Lehrer wie in Kuba. Er empfahl mir, nach Kuba zu reisen und dort Santero zu
werden, denn dort könnte ich mehr als in Kolumbien lernen.
Inzwischen verstrich die Zeit, die ich nutzte, um meine spirituelle Ausbildung
fortzuführen und die Karten zu lesen. Die „Visionen“ kamen weiterhin regelmäßig.
Einmal „sah“ ich einen Mann mittleren Alters mit langen Haaren. Wenig später lernte
ich eine Psychologin kennen, der ich von meinen Erfahrungen berichtete. Als ich sie
einmal besuchte, traf ich bei ihr eine Frau, die Yoga und Meditation ausübte. Sie bot
mir an, mich zu unterrichten, was ich dankbar annahm. Diese Frau schenkte mir das
Foto eines großen Meisters des Yoga und der Meditation. Der Mann, der auf diesem
Foto abgebildet war, war zu meiner Überraschung derselbe, mittleren Alters und mit
langen Haaren, den ich „gesehen“ hatte. Es war Paramahansa Yoganda, ein großer
religiöser Meister, der die These vertritt, dass es nur eine einzige Religion gibt. So

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entdeckte ich Yogananda und wurde sein Anhänger. Bis heute ist er für mich einer
der großen Lehrer meiner spirituellen Bildung. Meine Arbeit der Zukunftsdeutung
fand zunächst große Anerkennung, im Laufe der Zeit jedoch hatten sogar meine
Schwestern – und natürlich auch meine Freunde – Furcht, meine Dienste in
Anspruch zu nehmen. Ich habe sehr oft richtig gedeutet, sogar wichtige
Persönlichkeiten aus Kolumbien suchten mich auf, um Antwort auf ihre Fragen zu
erhalten. Dies alles verstärkte meinen Wunsch mich weiterzuentwickeln. Ich wollte
nun vollständig in die Welt der Santeria eintreten, so dass ich zu reisen begann,
manchmal wurde ich zu internationalen Zusammenkünften eingeladen, manchmal
unternahm ich die Reisen auch auf eigene Initiative.
Als ich zwanzig Jahre alt war reiste ich in die Dominikanische Republik und nach
Haiti. Durch Unterhaltungen und Bücher war ich bereits darüber informiert, dass dort
das „Mekka“ des Ursprungs afrikanischer Religionen war. Dieses Wissen und mein
Interesse, mehr über diese religiöse Kultur zu erfahren, führten mich in diese Länder.
Dort angekommen, versuchte ich soviel wie möglich zu lernen, ich nahm auch an
dem einen oder anderen religiösen Ritual teil. Ich hielt mich dort ungefähr ein Jahr
auf, aber letztendlich fand ich hier nicht das, was ich suchte. Ich konnte die religiösen
Varianten afrikanischen Ursprungs, die dort auch praktiziert wurden, nicht
akzeptieren. Zurück in Kolumbien setzte ich meine Tätigkeit der Kartenlesung fort
und vertiefte meine Kenntnisse der Santeria.
1992 nahm ich zum ersten Mal an einer Santeria-Zeremonie als Assistent meines
Lehrers Elsía Sarria, der Babalao Priester war und die Zeremonie leitete, teil. Er kam
wieder einmal auf seinen Vorschlag zurück, dass ich Priester der Santeria werden
solle, aber ich fühlte mich nicht genügend vorbereitet, um mich dieser Aufgabe zu
stellen. Außerdem hatte ich bestimmte Befürchtungen, die ich nicht in die richtigen
Worte fassen konnte. Meine Jugend, die Energie, über die ich verfügte, und der
Wunsch, weiterzukommen, führten dazu, dass ich Kolumbien verließ. So kam ich im
Frühjahr 1993 in die Schweiz und ließ mich in Zürich nieder. Ich war entschlossen,
lange zu bleiben und hatte genaue Vorstellungen über die Tätigkeit, die ich ausüben
wollte. Deshalb eröffnete ich ein kleines Büro um Menschen, die daran Interesse
hatten und die ihr Leben danach ausrichten wollten, die Zukunft zu deuten.
Gleichzeitig vertiefte ich weiterhin meine Kenntnisse der Santeria. Dadurch dass das
Vertrauen in meine Fähigkeiten ständig wuchs, entschloss ich mich schließlich
Priester der Santeria zu werden. Ich teilte diese Entscheidung meinem Lehrer Elsía
Sarria mit, der mich dazu ermutigte, wieder nach Kuba zu reisen.
Ende 1993 reiste ich nach Kuba. Am 22. Februar 1994 wurde ich nach drei Monaten
intensiven Studiums unter der Leitung des Santeros Wilfredo Isaza, einem Priester
von Ocha im Range eines Obba, der mein „Pate“ wurde, Priester der Santeria. Als
Priester der Santeria bin ich „Santero“ oder „Babalocha“, wie die Priester der
Santeria, die einem bestimmten „Heiligen“ oder „Orisha“ geweiht sind, genannt
werden. Jeder Priester wird unter dem Schutz eines bestimmten „Orishas“ der durch
das Ifa-Orakel bestimmt wird, geweiht. Ich bin Sohn von Shango, mein Geburtsname
in der Santeria ist „Shango Migua“, geschrieben in der Sprache der Yoruba. Dieser
Name heißt übersetzt „Lächeln Shangos“. Nach der Zeremonie stellte mir mein
Lehrer einen seiner Paten, Frank Cabrera Suárez vor, dessen Persönlichkeit und
Wissen mich tief beeindruckten. Wir führten eine sehr gute Unterhaltung und
während ich ihn eingehend beobachtete, hatte ich eine Vision: ich sagte ihm voraus,
dass er eines Tages „König“ einer religiösen Gemeinde sein würde. Vierzehn Jahre
nach unserem Treffen wurde er durch die afrikanischen Priester zum „Oba“ unter
dem Namen „Okambi“, dem Namen des ersten Sohnes Oduduwas, gekrönt. Als ich
bereits ausgezeichnete Kenntnisse der Santeria hatte, begann ich mein Wissen über

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die afrikanischen Gottheiten - „Orishas“ in der Sprache der Yoruba und „Santos“ in
der spanischen Sprache - zu vertiefen. Ich widmete mich auch dem Studium der
Heiligen Überlieferungen dieser Gottheiten, die im Ifa-Orakel niedergelegt sind, in
denen alles über die Entstehung der Welt und der Menschheit, das Leben des
Menschen und sein Schicksal enthalten ist, ebenso wie die Gesetze, die der
Gläubige befolgen muß, um ein gutes Leben führen zu können. Um zu erfahren, was
die Gottheiten mit einer Person vorhaben, muss man durch die Addivinationssysteme
den Teil der Heiligen Überlieferungen finden, der sich auf das bestimmte Problem
bezieht, wegen dem um Rat gefragt wird und mit Hilfe des Addivinationssystems
verhindern, dass die negativen Ereignisse tatsächlich eintreten. So fand ich endlich
die Antwort auf die Frage, die ich mir schon lange gestellt hatte: Ist es möglich, zu
vermeiden, dass Ereignisse eintreten, die eigentlich vom Schicksal vorgegeben sind?
Ja, es ist möglich durch Rituale das Schicksal bis zu einem gewissen Grad zu
verändern.
Heute, als Santero, akzeptiere ich diese Religion, die ihre Grundlage im Glauben an
die afrikanischen Orishas hat, völlig.
Ich bin ständig auf der Suche nach Möglichkeiten zur Vertiefung meines Wissens
und der religiösen Praktiken, deshalb fahre ich jedes Jahr nach Kuba, um so meine
spirituellen Kenntnisse weiter zu vervollständigen. Bei einer dieser Reisen lernte ich
auch Taiwo Abimbola, Sohn von Wande Abimbola, dem höchsten Vertreter und
Botschafter der Religion der Yoruba, kennen.
Bis heute, Januar 2006, während des Schreibens dieser Zeilen, führe ich mein Leben
als Santero und Astrologe fort, ich lese auch weiterhin die Tarot-Karten.
Abschließend möchte ich noch anführen, dass ich, obwohl ich der Santeria
zugewandt bin, weiterhin gläubiger Katholik bin. Ich glaube an einen Schöpfergott, an
Jesus und die katholischen Heiligen und nehme auch an der katholischen Messe teil.
Ich glaube, dass es nur einen Gott gibt, der sich bei den verschiedenen Völkern in
verschiedenen Formen darstellt. Ich bin auch weiterhin ein leidenschaftlicher
Anhänger der Lehren Paramahansa Yoganandas.
Im Mai 2005 verstarb meine Mutter. Sie war der Mensch, der mich immer
bedingungslos unterstützte und mich auch zur Santeria hinführte. So wuchs in mir
der Gedanke, ein Buch zu schreiben als posthume Ehrung für meine Mutter und
auch, um mit Dir, geneigter Leser, meine Kenntnisse und Erfahrungen der Religion
der Santeria und der Yoruba zu teilen. Ich konnte dieses Vorhaben mit viel
Anstrengung und Mühe verwirklichen. Es ist die Ehrung meiner geliebten Mutter und
eine Aufmerksamkeit an Dich, geneigter Leser, der Du heute dieses Buch in Händen
hältst.
Im Juli 2006 reiste ich auf Einladung von Taiwo Abimbola, Sohn von Wande
Abimbola, nach Nigeria, in die Stadt Oyo. Ich konnte das tägliche Leben mit den
Yorubas teilen und neue religiöse Erkenntnisse gewinnen, die mein Wissen als
Priester bereicherten, denn es war mir möglich, verschiedenen Ritualen und
Zeremonien beizuwohnen und sowohl das Verhalten der Priester als auch das der
Gläubigen zu beobachten. Während einer besonderen Zeremonie verliehen mir
Priester des Volkes Oyo den Titel „Asiguayu Shango“, dies bedeutet „Führer einer
religiösen Gemeinschaft“, dabei wurde mir die Krone Shangos, die „Shango Lola“,
die den Reichtum Shangos symbolisiert, übergeben. Wenn ich meine Erfahrungen,
die ich in Kuba und anderen westlichen Ländern gemacht habe, mit dem Verhalten
der Priester und der Gläubigen der Yoruba vergleiche, erkenne ich in welcher
Bescheidenheit und tiefer Religiösität ihr Leben verläuft. Die Grundlage der Religion
der Yoruba blieb glücklicherweise erhalten, allerdings sind einige afrikanische
Traditionen verlorengegangen, andere haben sich so verändert, dass sie nicht

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wiederzuerkennen sind. In Oyo konnte ich unter anderem den gegenseitigen
Respekt unter den Priestern und die Würde, mit dem die verschiedenen religiösen
Rituale und Zeremonien durchgeführt werden, beobachten. Dies steht im
vollständigen Gegensatz zu anderen Ländern, in denen es manchmal sogar zu
Auseinandersetzungen unter den Priestern kommt.
Um diese Einleitung gebührend zu beenden, erlaube ich mir, die Worte der Mutter
Teresa aus Kalkutta zu meinen eigenen zu machen: „Ich spüre eine große Liebe zu
meinem Volk, die größer als die Liebe zu mir selbst ist. Deshalb möchte ich die
Freude ausdrücken, dass ich diesen Schatz, meine Religion, besitze. Es liegt jedoch
nicht in meiner Hand, sie zu verbreiten, ich könnte auch niemanden dazu zwingen,
sie anzunehmen. Ebenso hat kein Mensch, kein Gesetz und keine Regierung das
Recht, mir noch irgendjemand anderem Verbote oder Befehle gegen die Religion, die
mir Frieden, Freude und Liebe schenkt, aufzuerlegen.“

Bildunterschriften Einleitung:
Seite 18
Der religiöse Glaube bestimmt die Verantwortung der Menschen seit ihrer Kindheit.
Zwei Yoruba-Kinder, die ihre Aufgabe, Wasser nach Hause zu tragen, erfüllen.

Seite 20
María Nelsa, Priesterin von Obatala, geweiht in Kuba, ihr religiöser Name ist Ordun.
Mutter des Autors, dieses Buch ist eine Homage an sie.

11
Kapitel I Bedeutung des Wortes “yoruba”

Ursprung des Wortes “Yoruba”

“Yoruba”, eine ethnische Volksgruppe

“Yoruba”, eine geographische Region

“Yoruba”, eine Sprache

“Yoruba”, spiritueller und religiöser Kontext. Animismus, Fetichismus,


Chamanismus, Magie oder Aberglaube?

12
Ursprung des Wortes “Yoruba”

Das Wort „yoruba“ benutzt man, wenn man sich auf eine geographische
Region, eine Ethnik, eine Sprache und eine Religion in der südwestlichen Region
Afrikas, die heute als Republik Nigeria bekannt ist, bezieht.

Es gibt verschiedene Untersuchungen und Thesen über den Ursprung dieses


Wortes. Am wahrscheinlichsten ist die These von Timothy A. Awoniyi, dass der
Begriff „yoruba“ außerhalb Nigerias entstanden ist. Das Wort selbst hat in der
Sprache der Yorubas keinerlei Bedeutung. Außerdem besteht Grund zu der
Annahme, dass die Stämme, die heute unter dem Namen Yoruba bekannt sind, bis
Mitte des 18. Jahrhunderts keinen eigenen Namen hatten. 1819 bezieht sich ein
englischer Diplomat, Bowdich, zum ersten Mal auf dieses Gebiet, das von den
Mauren „Yariba“ und von den Einheimischen „Yarba“ genannt wird. Die Mauren, auf
die er sich bezieht, gehören zu den Hausa Stämmen, es sind die nördlichen
Nachbarn des einstigen großen Imperiums Oyo, das heutzutage ein wichtiger Staat
im Norden Nigerias ist. Mehrere Wissenschaftler stimmen darin überein, dass der
Name Yoruba von den Hausa stammt, sie nehmen dabei Bezug auf die Schriften des
englischen Kapitäns Hugh Clapperton, der anlässlich seiner Reise nach Afrika 1825-
1826 von Norden kommend Yoruba Gebiet betrat. In seinen Schriften nennt er
dieses Land „Yarribas“, den Namen, den die Hausa für die Nachbarvölker ihres
Gebiets benutzten.

Das Wort “yoruba” wird vor allem durch Samuel Ayaji Crowther, geboren in
Osogun im Reich Oyo, bekannt. Er veröffentlichte 1852 das erste Wörterbuch
„Yoruba vocabulary“, in dem er den Begriff Hausa definiert. Aber bereits 1830 hatte
John Raban, Mitglied der Church Mision Society mit Unterstützung von Ajayi Crowter
ein Wörterbuch unter dem Namen „Eyó“ veröffentlicht, in dem man nachlesen
konnte, dass Yoruba der Name eines großen Landes war, das aus fünf Gebieten
bestand: Oyo, Ebwa, Ibarupa, Ijebu und Ijecha. Laut Pierre Verger war bereits in
Büchern und Landkarten, die zwischen 1656 – 1730 im Umlauf waren, die Region
„Ulkumi“ aufgeführt als das Gebiet in dem die Völker, die später den Namen Yoruba
erhalten sollten, lebten. Don Fernando Ortiz stützte sich wahrscheinlich auf diese
These und kam nach dem Studium der Texte und Landkarten des Werkes
“Description de l’Afrique”, veröffentlicht 1686, zu dem Schluss, dass die Yoruba die
„Ulcumi“ sein könnten, einem Wort, das sich phonetisch zu Lucumi oder Ucumi
umwandelte.
Timothy A. Awoniyi weist darauf hin, dass verschiedene Schriften, die
zwischen 1670-1732 erschienen, die Worte “ulkami”, “ulkum” und “alkani”
verwendeten, um sich auf dieses Gebiet Nigerias zu beziehen. Einem Wort, das eine
Zusammenziehung des Wortes “uluku mi” “mein Vertrauter”, sein könnte, mit der
Bedeutung “mein Stammesbruder”, “mein guter Freund”. Als die Spanier hörten,
dass die Yoruba sich untereinander alkami, oluku mi, ulkumi oder lukumi nannten,
waren sie der Meinung, dass sie sich gegenseitig mit “lukumi” ansprachen. Hieraus
wird verständlich, dass man später auf Kuba die Sklaven, die aus dieser Region
kamen, Lukumi nannte. Aber welcher war dann der ursprüngliche Name der Yoruba?
Die ältesten Angaben sprechen davon, dass diese Völker “Eyeos” hießen wegen
ihres Bezuges zum König oder Königreich von “Eyeo”. Andere Autoren neigen zu
“Oyo”. Pierre Verger weist darauf hin, dass seit 1734 das Wort Ulkumi in den
Landkarten durch “Ayo” oder “Eyo”(Oyo) ersetzt wird. Es besteht Übereinstimmung
darin, dass “Oyo” der ursprüngliche Name der Yoruba ist.

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“Yoruba”, eine ethnische Volksgruppe

Laut den Lexikas gibt es in Nigeria – dem Land der Yoruba – etwa 250
verschiedene Ethnien, die wichtigste davon sind die Yoruba (29 %), gefolgt von den
Hausa-Fulani (21%). Die Bevölkerung der Yoruba, die zur Zeit in Nigeria lebt, beläuft
sich auf 40 Millionen Menschen. Es ist eine Bevölkerung mit ethnischen
Untergruppen, die jeweils eine eigene Geschichte und Kultur haben. Laut einigen
Forschern gehen ihre Ursprünge auf 500 v.C. zurück. Yoruba Ethnien findet man
auch in den Nachbarländern Benin, Togo und Ghana und direkte Nachfahren in
Kuba, Brasilien und der Karibik. Die Yorubas bildeten Stadtstaaten und Königreiche,
das wichtigste war das Königreich Oyo. Im 20. Jahrhundert findet man die Reiche
Ijehsa, Ekiti, Igbomina, Owo, und Ondo im östlichen Teil Nigerias, Ketu, Shabe und
Dassa im westlichen Teil und Ketu, Shabe und Dassa im mittleren Teil. Heute sind
Ilé-Ifé, Oyó, Lagos, Ibadan, Abeokuta, Akure, Ilorin, Ijebu Ode, Ijebu-Igbo,
Ogbomoso, Ondo, Ota, Ado-Ikiti, Shagamu, Ikenne, Iseyin, Osogbo und Ilesha die
wichtigsten Yoruba Städte.

“Yoruba”, eine geographische Region

Mit dem Wort Yoruba wird eine geographische Region, die sich im Westen
des afrikanischen Kontinents nord-westlich des Nigerdeltas befindet, bezeichnet.
Dieses Gebiet ist heute ein Teil der Bundesrepublik Nigeria, dem
bevölkerungsreichsten Land des afrikanischen Kontinents. Es umfasst vor allem die
Länder Ogún, Ondo, Oyó, Lagos und Kwara im Südwesten. Das Gebiet mit der
Größe von ca. 81.300 km² reicht von Badagry, einer Hafenstadt, von der aus
Tausende schwarzer Sklaven nach Amerika (Vereinigte Staaten, Kuba und Brasilien)
gebracht wurden und landeinwärts bis zu den Ufern des Flusses Niger. Hinzu
kommen noch Regionen der Nachbarländer Benin, Togo und Ghana.

“Yoruba”, eine Sprache

Das Wort Yoruba ist auch der Name einer Sprache oder einer Vielzahl von
Dialekten, die von über 40 Millionen Menschen gesprochen wird. Es ist die Sprache
der südlichen afrikanischen Sahara. Die ursprüngliche Sprache der Yoruba wurde in
Nigeria, Benin und Togo in andere Sprachen eingebunden. Wurzeln der Sprache
findet man auch in Teilen Brasiliens und Togos unter dem Namen “Nago”.
Die Sprache Yoruba gehört zu der Unterfamilie Bene-Kongo, die wiederum zur
Familie Niger-Kongo mit den Sprachen Arara, Lucumi, Suaheli, Basuto, Masai,
Kongo, Achiri, Carabali, Mandingo und Vasai gehört. Es ist eine tönende Sprache,
mit tiefen, mittleren und hohen Lauten. Die Vokale werden besonders
hervorgehoben, hinzu kommt der Buchstabe “n” wenn der Vokal nasal
ausgesprochen wird. Es ist eine Sprache des Typs Substantiv-Verb-Objekt, es gibt
auch eine Standardschreibform. Laut angesehenen Sprachforschern liegt der
Ursprung zwei bis dreitausend Jahre zurück, als sich die Sprachen Edo und Igbo, mit
denen sie verwandt ist, trennten. Laut mündlichen Überlieferungen geht der

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Ursprung der Sprache auf Oduduwa, Sohn von Olodumare, dem höchsten Gott der
Yorubas, zurück. Trotz der gemeinsamen Geschichte dieser Völker erhielten die
Kinder Oduduwas erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts einen Namen:
“Yoruba”. Vor der Abschaffung des Sklavenhandels waren einige Yoruba-Gruppen
den Europäern bekannt als “Akú”, einem Namen, der seinen Ursprung in den ersten
Worten des yoruba-Grusses hat, e kú àáró – guten Tag – und e kú alé – gute Nacht.
Einige Zeit stand das Wort “Yariba” oder “Yaruba” in Zusammenhang mit dem
Königreich Oyo und später schloss es auch die Hausa ein. Unter dem Einfluss von
Samuel Ajayi Crowther und der Missionare, die später die schriftliche Form dieser
Sprache entwickelten, wurde das Wort yoruba für die Einwohner, die diesen Dialekt
sprachen, angewandt. Die Sprache Yoruba enthält über fünfzig Dialekte
entsprechend dem Gebiet, in dem sie gesprochen werden: Nordwestliches Yoruba
mit den Städten Abeokuta, Ibadan, Oyo, Owo, Egba, Egbado und Awori.
Zentralyoruba mit den Städten Ife, Oshun, Ekiti, Akure, Efon und Akoko.
Südöstliches Yoruba mit den Städten Ijesha, Ikale, Ilaje,Okitipupa, Ondo, Ijebu und
Oagamu.

“Yoruba”, spiritueller und religiöser Kontext

In einem spirituellen Kontext bedeutet das Wort “yoruba” eine Religion die
ihren Ursprung in dem religiösen Glauben der Völker im Südwesten Nigerias und
seiner Nachbarländer, wie Benin und Togo, hat. Ebenso wie die traditionellen
Religionen (Islam, Christentum und Judentum) enthält die Yoruba Religion folgende
Elemente: einen Schöpfergott, eine Heilige Überlieferung, eine Ikonographie, einen
Kult, und eine Kosmogonie oder Vision der Welt.

Die wichtigsten Elemente der Yoruba Religion sind der Glaube und die
Anbetung eines Allmächtigen Schöpfergotts, Olodumare, und der Gottheiten, den
“Orishas”, die als Vermittler zwischen Olodumare und den Menschen angesehen
werden, sowie die Ehrfurcht gegenüber den Vorfahren, deren Geist – Eggun –
zurückkehrt um die Lebenden zu begleiten. In der Yoruba Religion ist ein “Orisha” -
Orisa, Orixa, Oricha – ein Geist, in dem sich der Allmächtige Gott “Olodumare”
offenbart. Er ist ein aktiver Geist, der sich in einem Menschen niederläßt und
entscheidenden Einfluß auf sein Leben ausübt. Die Yoruba Religion ist überall in der
Welt vertreten mit ihrem ganzen Spektrum wie Santeria -Lukumi-, Candomble,
Anagoy, Oyotunji. Ihre Praktiken findet man in Kuba, Brasilien, Puerto Rico, Trinidad
und Tobago, USA, Mexiko und Venezuela. Auch in Europa und Asien kennt man die
Religion. In ihrem tausende von Jahren alten Glauben akzeptieren die Yorubas die
Existenz einer Beziehung zwischen dem “menschlichen Teil” des Menschen und
dem “Ori”, verstanden als Kopf, spiritueller Intuition, Vorherbestimmung. Sie glauben
auch an das Vorhandensein einer “Lebensenergie”, genannt “Ashe” -Axe, Ase, Ache-
die alle Lebewesen und Gegenstände besitzen. Ashe ist demzufolge “die Macht die
alle Dinge bewegt”, sie erlaubt auch die geistige Entwicklung des Menschen. Die
Gläubigen erlangen “Ashe”, Lebensenergie, durch “iwa pele”, einen verträglichen und
guten Charakter. Dafür erhalten sie einen inneren Frieden im Einklang mit Ori.

Die soziale Organisation und Struktur der Völker ist ein Spiegel ihres religiösen
Glaubens. Die Menschen möchten das Geheimnis der Entstehung des Universums,
des Lebens, der Menschheit und der Gesellschaften, die diese bildet, ergründen.
Hierbei entstehen Fragen über die Existenz Gottes. Wenn man an Gott glaubt,

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welche Rolle spielt dann dieser Gott im Leben der Menschen, in ihren sozialen
Bindungen und in der Beziehung des Menschen zur Natur? Inerhalb dieses Kontexts
vertritt das Wort “yoruba” eine klare kosmologische Auffassung, in welcher
Olodumare der Schöpfer des Universums und auch der Schöpfer weiterer
Gottheiten, den Orishas ist. Diese verfügen über “Ashe” eine übernatürliche Energie
oder Kraft, die direkt auf die Naturerscheinungen und das Leben der Menschen
einwirkt.

Das Wort “yoruba” bedeutet demnach eine Yoruba-Welt, die durch Götter, die
Orishas, gelenkt und regiert wird und in der sowohl positive als auch negative
übernatürliche Kräfte wirken. Der Kosmos ist also in zwei Hälften geteilt: auf der
rechten wirken die positiven Kräfte, auf der linken die negativen. Diese zwei Kräfte
befinden sich in ständiger Auseinandersetzung. Deshalb ist das wichtigste
Kennzeichen der Yoruba Religion der Konflikt. Nichts geschieht in dieser Welt ohne
dass sich ständig jemand oder etwas im Kampf befindet. Deshalb muß man, um in
Frieden zu leben, erst diese Konflikte schlichten. Dies ist nur möglich, wenn die
Gebote der Götter eingehalten werden, indem man ständigen Kontakt zu diesen
Göttern durch Gebete und Opfergaben sucht.
Laut der Yoruba Kosmologie können durch Opfergaben die existierenden Kräfte des
Universums beeinflusst werden, so dass sich diese günstig auf den Menschen
auswirken, mit dem Ziel Friede und Glück zu erreichen.
Der Mensch ist ein Teil eines unendlich komplexen Systems, des Universums, in ihm
findet sich jede Lebensform und Energie dieses Systems wieder. Dies bedeutet,
dass sich innerhalb des Körpers jedes Menschen das Meer, der Himmel, die Bäume,
die Tiere, usw. befinden. In dem Maße wie es der Mensch lernt, diese Energien im
Einklang und Gleichgewicht mit den übernatürlichen Kräften zu halten, ist er glücklich
oder unglücklich.

Animismus, Fetichismus, Chamanismus, Magie und Aberglaube sind bekannt


und in fast allen Religionen zu finden, auch wenn einige dieser Religionen
behaupten, auf diese Praktiken zu verzichten. Im Gegensatz hierzu sind diese
Praktiken ein wesentlicher Bestandteil der Yoruba Religion. Wissenschaftler, die sich
vorwiegend mit dem Studium der afrikanischen Religionen und ihrer Geschichte
befassen, heben diese Praktiken oder religiöse Glauben hervor und verbinden sie mit
den Völkern, die in der sogenannten Yoruba Region lebten oder noch leben. Charles
Brosses wendete den Ausdruck “Fetichismus” an, als er eine Parallele zwischen den
magischen Aspekten der Religion Westafrikas mit denen der Religion des Alten
Ägypten zog. In seiner Theorie über die Entwicklung der Religionen stellte Brosses
die Behauptung auf, “Fetichismus” sei die primitivste Form einer Religion, gefolgt
vom Politeismus, um schließlich zum Monoteismus zu kommen, dem Resultat einer
progressiven abstrakten Denkungsart. Auch René Bergier klassifizierte 1767 als
“Fetichismus”, was andere Forscher als “Animismus” bezeichnen, als er sich auf die
primitiven Religionen Afrikas bezog.
Wissenschaftliche Arbeiten kommen zu dem Ergebnis, dass in Afrika der
Animismus in seiner ausgefeiltesten und vollständigsten Form besteht. Dies schließt
den Begriff “Magara” oder “universelle Lebenskraft” ein, die alle Wesen verbindet und
den Glauben, dass es eine enge Verbindung zwischen den Seelen der Lebenden
und den Seelen der Toten gibt. Es gibt die These, dass die ältesten Religionen der
Menschheit als animistisch oder chamanistisch zu klassifizieren sind.
Die Religion des Alten Ägypten, in der laut einigen Experten die Wurzeln der Yoruba
Religion zu finden sind, hat als Grundlage den Animismus.

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Man muss darauf hinweisen, dass fast alle Religionen, einschließlich die der Yoruba,
Glauben, Zeremonien und Rituale haben, die gemeinhin als “Aberglauben” gelten.
Ein Teil hiervon ist die Wahrsagerei mit ihren verschiedenen Bereichen: Astrologie,
Handlesekunst, Kartenlegen, und Spiritismus. Laut dem großen Gelehrten Wande
Abimbola findet man das Wahrsagersystem IFA in vielen afrikanischen Kulturen,
welches eng verbunden ist mit der traditionellen Geschichte, Mythologie, Religion
und Medizin der Yoruba. Für die Yoruba ist das IFA der Leitfaden ihres Glaubens
und ihrer moralischen Werte. IFA schließt die Kommunikation mit ihren Gottheiten,
genannt Orishas und das Wissen ihrer Vorfahren ein. Einige Autoren sind der
Meinung, dass die Rythen der Yoruba Religion Magie enthalten, d.h. Wunder durch
übernatürliche Kräfte geschehen lassen. Währenddessen auch die Meinung
vertreten wird, dass die sogenannten großen Religionen, die Religionen mit der
niedergeschreibenen Heiligen Schrift keinen Raum für Magie oder Wahrsagerei
lassen.

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Text der Fotos:

Seite 28: Yoruba Kinder im Staat Oyo (Nigeria)

Seite 33: Landkarte des afrikanischen Kontinents mit schematischer Darstellung des
Raumes der Yoruba- Religion.

Seite 38: Yoruba Greisin aus Oyo, 110 Jahre alt, sie stammt in direkter Linie von
Oggun ab

Bildunterschriften Einleitung:
Seite 18
Der religiöse Glaube bestimmt die Verantwortung der Menschen seit ihrer Kindheit.
Zwei Yoruba-Kinder, die ihre Aufgabe, Wasser nach Hause zu tragen, erfüllen.

Seite 20
María Nelsa, Priesterin von Obatala, geweiht in Kuba, ihr religiöser Name ist Ordun.
Mutter des Autors, dieses Buch ist eine Homage an sie.

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KAPITEL II. Die Yoruba Religion

Geographischer Ursprung und Geschichte

Grundlagen des Glaubens

Gottheiten

Legenden (Mythen, Überlieferungen)

Struktur von Verwaltung und Religion

Heilige Überlieferungen, göttliche Gebote und Verhaltensregeln

Der religiöse Kult

Die Divinationsrituale

Verbreitung der Yoruba-Religion in andere Länder

Bedeutende Persönlichkeiten der Yoruba-Religion

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KAPITEL II
Die Yoruba Religion

Geographischer Ursprung und Geschichte

Die Yoruba Religion hat ihren Ursprung im südlichen Teil Nigerias auf dem
afrikanischen Kontinent, wo sie durch das Volk der Yoruba bis heutepraktiziert wird.
Laut Babatunde A.Agire befinden sich die Yorubas seit der Steinzeit in dieser
Region. Die meisten Forscher sind der Ansicht, dass Oduduwa, eine legendäre und
mystische Gottheit und die Stadt Ile-Ife, die für das Volk der Yoruba eine Heilige
Stadt und die Wiege der Menschheit ist, im Mittelpunkt der Religion stehen. Von Ile-
Ife aus verbreitete sich die Religion auf Nachbarländer und andere Kontinente, zuerst
Amerika und anschließend in sehr geringem Umfang auf Europa und Asien.
Oduduwa und Ile-Ife entstammen ausschließlich der Kultur Nigerias.
In Bezug auf die Studie von H.F. Espino gibt es mehrere Theorien über die
Entstehung des Volkes der Yoruba, über ihre Religion, ihre Myten und Legenden,
ihre Gottheiten und ihre wichtigsten Städten. Eine der Legenden stellt Oduduwa als
den legendären Urvater der Kultur und der Religion der Yoruba dar, der im VII.
Jahrhundert nach Mohammed aus Mekka verbannt wurde, weil er gegen den
Islamismus konspirierte. Während der Verbannung kam er in die Stadt Ile-Ife. Diese
These wird in den “Traditionen”, die von Samuel Johnson in seinem Werk “The
History of the Yorubas” zitiert werden, untermauert. Laut diesem Werk ist Lamurudu,
einer der Könige Mekkas, der Urvater der Yorubas. Seine Nachkommen sind der
Vorfahre der Yoruba Oduduwa und die Könige der Gogobiri und der Kukawa, zwei
Stämmen des Landes Hausa, gelegen neben dem Yoruba Land.

Der Engländer P. Amaury Talbot berichtet über zwei Migrationswellen der


Yoruba nach Ile-Ife. Die erste erreichte den Süden des heutigen Nigerias im zweiten
Jahrtausend v.C. und teilte sich in zwei Gruppen auf, eine ging zum Zusammenfluß
der Flüsse Niger und Benue und die andere, größere Gruppe nach Ile-Ife. Aus dem
Osten kam zwischen den Jahren 600-1000 n.Chr. die zweite Migrationswelle. Laut
Talbot geschah dies in der Epoche von Odewa, einem fähigen kriegerischen Führer,
der die Igbos, in jener Zeit Einwohner von Ile-Ife, eroberte.
Eine alte mündliche Überlieferung aus Benin, das früher Teil des
ursprünglichen Reiches von Nigeria war und heute der Bundesstaat Bendel ist,
widerspricht der Theorie, dass der Ursprung der Yorubas außerhalb dieser Region
zu finden sei. Es wird erzählt, dass Oduduwa, mit urspünglichem Namen
Ekaladerhan, ein Prinz dieses Volkes war. Sein Vater Owodo, der letzte Ogiso –
König – verbannte ihn. Nachdem er das Land verlassen hatte erreichte Oduduwa Ile-
Ife. Hier bildete er seine Regierung und bekam einen Sohn, Oranyán oder
Oranmiyan, den er nach Benin entsandte um dort König zu werden. Oranyán kehrte
nach Ile-Ife zurück und sein Sohn Eweka bestieg den Thron Benins um 1200 n.Chr.
Es gibt auch die These, dass Oduduwa, auch bekannt als Oodua und Olofin, ein
Krieger war, der sich Obatalá, dem Führer der in Ile-Ife ansässigen Igbos, stellte und
ihn besiegte. Ein nigerianischer Historiker führt an, dass Ile-Ife aus dreizehn Dörfern
bestand. Oduduwa lebte in einem dieser Dörfer und vereinte sie, nachdem er
Obatalá besiegt hatte. Dies war der Beginn der Monarchie. Nach dem Tod
Oduduwas bekamen seine Anhänger die politische Macht, symbolisiert durch die
“Are” Krone und die Anhänger Obatalás die religiöse Macht. Für Wande Abimbola,

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einem großen Kenner der Yoruba Kultur, war Oduduwa der erste Ooni oder Olofi –
König der Yorubas. Er hatte mehrere Ehefrauen und die angegebene Zahl seiner
Kinder schwankt zwischen sieben und sechzehn.
Für Basil Davidson (A history of West Africa 1000-1800) war Oduduwa der
erste Alafin (König) von Oyo, Vater des ersten Oba (Oberhaupts) des Königreichs
Benin im Südosten des Yoruba Gebiets, nicht zu verwechseln mit dem heutigen
Staat Benin, vormals Dahomey. Eines seiner Kinder war der erste Onisabe von
Sabe, seine älteste Tochter war die Mutter des ersten Alaketu von Ketu in Dahomey
und eine weitere Tochter war die Mutter des ersten Olowu von Owu. J.A. Atanda
vertritt die These, dass Oduduwa ein Emigrant war, ein Führer, dessen
Thronbesteigung einen Meilenstein in der Geschichte des Volkes der Yoruba
darstellte. Dank ihm erreichte Ile-Ife die politische und religiöse Vorrangstellung. Das
Wirken Odudawas fand Ende des IX und Anfang des X Jahrhunderts statt. Der
afrikanische Historiker Babatunde A. Agire vertritt in seinem Buch “Yoruba oral
tradition” aufgrund sprachlicher Übereinstimmungen die These, dass die Yorubas
schon viele Jahrhunderte vor dem ersten Jahrtausend n.C. an ihrem jetzigen Ort
ansässig waren. J.A. Atanda ist der Meinung, dass die Yorubas aus dem Gebiet des
Zusammenflußes der Flüsse Niger und Benue stammen, denn ihre Sprache gehört
zur Familie Kwa, der seit Jahrtausenden dominierenden Sprache Westafrikas.
Ab dem siebten Jahrhundert n.Chr. festigt sich die Kultur der Yoruba, es
bilden sich neue Reiche und Imperien, die sich im X. Jahrhundert wegen den
chaotischen geschichtlichen Ereignissen wieder auflösen. Als Folge davon gab es
Yoruba Migrationen in andere Gebiete, neue Reiche wurden gegründet. Laut J.
Atanda waren die bedeutendsten blühenden Reiche der Yorubas bis 1800 Owu,
Ijebu, Ijesa, Ketu, Popo, Egba, Sabe, Dassa, Egbado und Igbomina zusammen mit
den Fürstentümern Ekitis, Owo und Ondo. Das älteste war wahrscheinlich das
Königreich Owo, dem es gelang, sogar Igbomina und Oyo zu unterwerfen und erst
durch die Bürgerkriege im XIX Jahrhundert zerstört wurde. Das bedeutendste und
mächtigste Yoruba Reich war Oyo, das sogar Staaten wie Dahomey, die nicht zu den
Yorubas gehörten, einschloß. Sein Gründer war Oranyan zwischen 1338-1431.
Erobert 1550 durch die Nupe, den mächtigen Nachbarn aus dem Norden, lebte das
Königreich Oyo 1610 wieder auf, als es mit Hilfe einen starken Heeres seine
Hauptstadt Old Oyo zurückeroberte. 1750 erstreckte sich das Königreich Oyo auf
Egba, Egbado, Teile von Igbomina, Ajase (Porto Novo), Weme, Tapa und Ibariba, es
herrschte auch über Dahomey. Wande Abimbola bestätigt, dass sich Oyo sogar
teilweise auf Ghana, Togo und Benin ausdehnte. Auch wenn es nicht das ganze
Yoruba Gebiet einschloss, wurde Oyo doch zur größten politischen Einheit, dies
brachte Stabilität in das Gebiet und der Fall Oyos Anfang des XIX Jahrhunderts hatte
Nachwirkungen auf die gesamte Region.
Bereits zu Beginn des XVI Jahrhunderts handelten die europäischen Eroberer
und Kolonisierer mit schwarzen Sklaven, die vorwiegend aus Westafrika stammten.
Der Sklavenhandel wurde zwar im Kongress von Verona 1822 verurteilt, aber die
Sklaverei wurde erst Mitte des 18. Jahrhunderts abgeschafft, denn die
Gesetzgebungen der einzelnen Länder, in die Millionen von afrikanischen Sklaven, in
ihrer Mehrheit Yorubas, verschleppt wurden, verzögerten die Durchführung der
Abschaffung der Sklaverei. Die Republik Nigeria, das Ursprungsland des Volkes der
Yoruba, wude 1960 unabhängig von der britischen Kolonialherrschaft. Die Yoruba
Religion hat heute über zwanzig Millionen Anhänger in Afrika, weitere Millionen sind
Anhänger der verschiedenen Varianten dieser Religion: Santeria, Candomble,
Macumba und Voodoo, vorwiegend in Ländern Amerikas und in geringerem Umfang
in Europa und Asien.

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Grundlagen des Glaubens

Die Kosmologie der Yoruba basiert auf dem Glauben an Götter, die das
Universum geschaffen haben und es in allen seinen Aspekten kontrollieren. Das
Leben mit allen seinen Facetten, Umständen und Veränderungen gehört den
Göttern. Deshalb fühlt sich der gläubige Yoruba verpflichtet, gemäß den Weisungen
der Götter zu handeln. Sein Glaube, dass “es möglich ist, die Zukunft
vorauszusagen” bringt ihn dazu, den “babalawo” – Hohepriester – um Rat zu fragen.
Der Hohepriester wird verehrt, er kann die Heilige Überlieferung interpretieren und
dem Gläubigen die Göttlichen Gebote übermitteln. Laut den Gelehrten, den
Legenden und Traditionen, sind die Grundlagen des Glaubens wie folgt zu
umschreiben.

Glaube an das Universum und seine Götter

Die Yorubas glauben, dass Olodumare – Olofi, Olorun – ihr Schöpfergott, den
Himmel und die Sternschnuppen geschaffen hat. Die Orishas (Gottheiten) stiegen
vom Himmel hinab, um die Erde zu erschaffen, die unter den Namen Ilé, Ayé oder
Orichaoko bekannt ist. Dank göttlicher Fügung entstand auf ihrer Oberfläche die
Flora und Fauna.In Zusammenarbeit zwischen Olodumare und den Orishas entstand
der Mensch. Der Schöpfergott verteilte seine Ashe – göttlliche Macht, Lebensenergie
– unter den Orishas, damit jeder die nötige Kraft habe, seinerseits einen Teil des
Werkes zu vollenden. Olodumare ist überall, er ist allgegenwärtig.
Sie glauben, dass Ile-Ife die Wiege der Menschheit ist, das Heim ihrer
Vorfahren. Die Erde war von Wasser bedeckt und die Orishas folgten der Anordnung
Oludumares, den Staub, der aus Orun (dem Himmel) gebracht worden war, mit Hilfe
eines Huhns und eines Chamäleons zu verstreuen und trennten so das Wasser vom
Land. Das Huhn scharrte und verstreute die Erde, die sich ausbreitete, das
Chamäleon überprüfte die Haltbarkeit der Erde. Die Erde ist den Yorishas heilig und
wird von ihnen als Gottheit angebetet. Die Yorubas glauben, dass die Orishas zuerst
in die Erde eindrangen und dann wieder auftauchten um die Natur mit allen ihren
Komponenten zu formen und die Erde in einen zweiten Himmel zu verwandeln, in
dem sich die Götter aufhalten. Es gibt zwei Himmel, der obere, genannt “orun oke”,
von dem die Orishas herabstiegen und in dem Olodumare lebt, und den unteren,
genannt “orun odo”, in dem die Orishas und die Vorfahren leben. Der Kosmos der
Yoruba teilt sich in zwei Hälften, in der rechten Hälfte leben gütige übernatürliche
Kräfte, (400+1) in der linken Hälfte leben böswillige übernatürliche Kräfte(200+1). Die
Zahl 1 deutet die Möglichkeit an, eine noch unbekannte übernatürliche Kraft
hinzuzufügen.
Für die Yoruba können ihre Götter menschliche Formen annehmen und sich in
übernatürliche Kräfte verwandeln. Einige von ihnen hatten mehrere Wandlungen: in
Tiere, in Vegetation, in Menschen und in Naturgewalten. “Oya” war erst ein Büffel,
dann ein Mensch, sie war zuerst die Ehefrau von Oggun und dann von Shango. Als
sie vom Himmel herabstieg, drang sie in die Erde ein und tauchte als der Fluß Niger
wieder auf. Die Yorubas glauben, dass ihre Orishas in den Himmel stiegen, um dann
als Regen zurückzukommen. Als dieser Regen auf die Flüsse fiel und am Grund
ankam, verwandelte er sich in Steine bestimmter Farben je nach dem Orisha, den er
darstellte. Deshalb beten die Yorubas gewisse Steineund auch Flüsse in dem

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Glauben an, dass hier ihre Orishas leben. Sie glauben, dass jedes organische oder
anorganische Wesen, Menschen, Tiere, Pflanzen, Gesteine, Flüsse, Meere und
Sternschnuppen eine Seele haben, dass eine übernatürliche Energie das Verhalten
der Menschen und der Naturgewalten beeinflußt.

Glauben in Bezug auf die Menschen

Die Yorubas glauben dass Olodumare zusammen mit den Orishas den
Menschen schuf. Obatala gab ihm seine menschliche Form, Oggun, der Gott des
Eisens, formte das Skelett, und Olodumare gab ihm den Atem des Lebens. Das Herz
des Menschen ist eine Tochter von Olomari, Emi. Wenn Olodumare seine Tochter zu
sich ruft, stirbt der Mensch.
Das Verhalten der Person steht in direktem Zusammenhang mit seiner
Religion. Im Einklang mit moralischen Normen zu handeln bedeutet, dem Willen und
dem Wunsch der Götter zu gehorchen, daran zu glauben, dass man durch die
Orishas belohnt oder bestraft wird wenn man den göttlichen Geboten folgt oder sich
ihnen widersetzt. Die Beziehung zwischen dem Menschen und der Gottheit ist intim
und wird aufrechterhalten durch gegenseitige Verpflichtungsabkommen mit den
Orishas. Diebstahl, Falschheit und Heuchelei werden bestraft. Die Yorubas glauben,
dass die Welt trotz all ihrer Nachteile ein geeigneter Ort zum Leben ist. Ziel ihrer
Religion ist ein erfülltes Leben mit guten Beziehungen, sowohl zwischenmenschlich
als auch zu der gesamten Schöpfung, ein Gleichgewicht zwischen den Kräften des
Kosmos und den Taten des Menschen. Wichtig für einen Yoruba ist ein langes
Leben, gute Gesundheit zu haben und in gutem Zustand zu sterben. Laut der
Heiligen Überlieferung von Ifá sollte man im Leben drei Dinge erreichen: mit Geld
gesegnet sein, Nachkommen und ein glückliches Ende haben. Am wichtigsten ist
das gückliche Ende, während Geld an letzter Stelle steht.
Was den Tod – Iku – betrifft, so glauben die Yorubas, dass es sich um einen
Ortswechsel handelt. Die Vorfahren leben im unteren Himmel – orun odo – der
eigentlich die Erde ist, und begleiten ihre Familienangehörigen als Geister – Eggun –
die zurückgekehrt sind und ihr tägliches Leben beeinflussen. Man sagt, dass die
Menschen auf der Erde Reisende sind und ihre eigentliche Heimat der Himmel ist.
Die Zukunft ist wichtiger als die Gegenwart, die Seele überlebt den Tod und bei ihrer
Rückkehr zur Erde wird sie angebetet und ernährt. Die Seele geht nach dem Tod zu
Olofi und legt Rechenschaft über ihr Leben ab und der Schöpfergott schenkt ihr
ewiges Leben zur Belohnung der Frömmigkeit. Sie verwandelt sich in Regen und
kehrt zurück auf die Erde, auf den Grund der Flüsse, wo sie zu Stein wird. Die
Familienangehörigen gehen zusammen mit dem Babalawo (Hohepriester) zum
nächstgelegenen Fluss oder See um den Stein zu suchen. Sobald sie ihn gefunden
haben, wickeln sie ihn in einen Stoff in der Lieblingsfarbe des Verstorbenen und
nehmen ihn mit nach Hause, wo er in ein Lehmgefäß oder eine Kalabasse gelegt
wird. Das Gefäß simbolisiert den “Körper”, in dem der Geist lebt und der Stein wird
durch die Familienangehörigen durch Gebete und Opfergaben angebetet.

Die Yoruba glauben an die Wiedergeburt in dem Sinne, dass die Seele eines
Verstorbenen von seinem Körper in einen anderen Körper gelangt, nämlich in den
eines Menschen, der geboren wird. Daher stammt der Glaube, dass, wenn ein Vater
oder eine Mutter stirbt, sie in der Familie ihrer Kinder wiedergeboren werden. Es gibt
Jungen oder Mädchen, die “Babatunde” heißen, was so viel bedeutet wie Vater kehrt
zurück, oder “Yetunde”, dies bedeutet Mutter kehrt zurück. Die Yorubas glauben

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auch an ein Jüngstes Gericht, in dem sie über ihre Taten auf Erden Rechenschaft
ablegen müssen. Ihr Verhalten ist auf ihren Todestag ausgerichtet. Die Yoruba
glauben nicht an die Hölle, ihre Religion kennt diesen Begriff nicht, aber sie glauben
an das Jüngste Gericht und an eine Bestrafung wenn ihr Verhalten zu Lebzeiten
nicht einwandfrei war. Ifá rät ihnen, freundlich und zuvorkommend zu sein, um
langes Leben zu erhalten. Nach dem Tod gehen sie in den Himmel zu ihren
Vorfahren und den Orishas. Wenn man die Orishas anbetet und sich ihre guten
Eigenschaften als Beispiel nimmt, kommt man in den Himmel.
Opfergaben und Opfer sind grundlegender Teil des Glaubens der Yoruba. Bekannt
unter dem Namen “Ebbo” sind sie unverzichtbar, durch sie entsteht die Verbindung
zwischen den Gottheiten und den Menschen. Opfer zu bringen ist Teil ihrer
Weltanschauung, und obwohl es ein religiöser Ritus ist, ist es etwas alltägliches. Das
Essen, die Getränke und andere Gegenstände sind Botschaften an die Götter, durch
die Tieropfer können Konflikte gemeinsam mit den Göttern gelöst werden. Das Blut
der Tieropfer ernährt den Orisha und erneuert die “Ashé”, die Olodumare allen
Gegenständen und Wesen der Schöpfung gegeben hat.

Gottheiten

Der Schöpfergott

In der Religion der Yoruba heißt dieser Gott Olodumare – Olofi, Olorun - .
Trotz seiner Vorrangstellung gibt es keine direkte Beziehung zu diesem Gott, es gibt
keinen Kult und keine Priester oder Tempel, die ihm geweiht sind. Olodumare tritt
über Gesandte - die Orishas - mit den Menschen in Verbindung, obwohl es heißt,
dass es Gottheiten – Orishas – gibt, die nicht durch ihn geschaffen wurden. Laut den
Gläubigen besteht dieser Gott aus drei getrennten undefinierbaren Wesen:
Oludumare Nzame, Olofi und Nkwa. Olodumare ist der Schöpfer von Orun, dem
Himmel, aber Aye, die Erde, wurde durch Gottheiten erschaffen, die vom
Schöpfergott entsandt vom Himmel herabstiegen. Olodumare schuf zusammen mit
anderen Gottheiten, darunter Obatala, auch den Menschen. Der Schöpfergott hat die
absolute Vormachtstellung, nichts geschieht ohne seine Zustimmung, alle Orishas
sind seine Gesandten auf Erden. Er ist der Allmächtige, er weiß und sieht alles, er ist
unsterblich, ewig, er ist es, der den Orishas und allen Dingen der Schöpfung “Ashe”,
die Lebensenergie, verleiht.

Gottheiten oder Orishas.

Ein Orisha – Orisa, Oricha, Orixa – ist eine der Offenbarungen des
Schöpfergotts Olodumare, er verkörpert die sichtbaren und unsichtbaren Kräfte des
Universums. Ein Orisha ist auch ein Held der Vergangenheit, ein Vorfahre des
Volkes der Yoruba. Er wird als derjenige angesehen, der einen Menschen führt und
dessen Leben beeinflußt. Der Name Orisha könnte abgeleitet werden von “ohun ti a
ri sa”, dies bedeutet “der sich aus verstreuten Stücken zusammenfügt” oder auch von
“orise”, der Verbindung der Wörter “Ori” (dies bedeutet “die Quelle des Kopfes, das
Wesentliche der Persönlichkeit, das Ego”) und “se” (dies bedeutet “verursachen,
entstehen”). Laut der Überlieferung gibt es 600 Orishas, allerdings wird auch
behauptet, es gäbe nur 200. W. Abimbola unterscheidet zwischen guten Orishas,
400+1, und bösen Orishas, 200+1. Laut den Legenden gibt es 16 Orishas, die
besonders wichtig sind, es sind diejenigen, die vom Himmel herabstiegen. Die
Patakis, eine Reihe von Legenden oder Mythen der Yorubas über ihre Gottheiten,

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erzählen, dass diese Orishas einstmals ein menschliches Leben führten und Kinder
hatten, die wiederum auch zu Gottheiten wurden. Manche hatten mehrere Ehefrauen
und es fehlen auch inzestuöse Beziehungen zwischen ihnen nicht. Einige sind
Zwitter.
Die Namen der Orishas verändern sich je nach dem Ort und dem Dialekt der
Sprache der Yoruba, und laut den Mythen und Legenden, die es über sie gibt, haben
sie verschiedene Phasen oder Wege durchlaufen und jedesmal einen anderen
Namen erhalten. Es steht jedoch fest, dass ein Orisha Teil der Persönlichkeit jedes
Yoruba ist, er ist von der Geburt bis zum Tod bei ihm. Es gibt obere und untere
Orishas, Orishas auf Landes- oder Gemeindeebene, und Orishas in der Natur, wie
z.B. in einem Fluß, einem Berg oder einem Baum, aber für den Gläubigen ist sein
persönlicher Orisha der herausragendste und wichtigste, sein “Ori”, die persönliche
Gottheit des Individuums. Jeder Mensch und jede Familie hat einen Orisha, kann
aber auch mehrere anbeten. Jedes Volk der Yoruba hat seinen eigenen Orisha, den
es anbetet und der häufig für den Schöpfer dieses Volkes gehalten wird. So stammt
z.B. der Orisha Obatalá aus Ile-Ife, Shangó aus Oyó, Oggún aus Iré, Ochún aus
Osogbo, Elegguá oder Eshú aus Ketu, Yemayá aus Abeokuta. Es gibt
unterschiedliche Angaben über Namen, Ursprung und Leben der Orishas bei den
Gläubigen oder in der Interpretation der Legenden , die über das Leben der Orishas
erzählen. Besonders ist darauf hinzuweisen, dass jeder Orisha anders dargestellt
wird: als ein Objekt oder Element der Natur, Instrument oder Werkzeug, mit eigenen
Farben, die ihn verkörpern.
Wir gehen nun detailliert auf die bekanntesten Orishas ein, nennen die
verschiedenen Namen unter denen sie bekannt sind und erzählen ihre Mythen und
Legenden. Wir nennen auch andere, weniger wichtige Orishas: Osumare, Iroko, Oké,
Ajé Shaluga, Oche Adeu, Oroiña, Olosa, Orugan, Aroní, Ogué, Ajá, Ayao, Boromú,
Ayana, Oraniyan, Chankpana, Olokún, Orún, Ayé oder Ayá, Chiyidi, Olarosa,
Olimerin, Osachín und Oyé.

Obatala:Auch bekannt unter dem Namen Orisa-Nla – Großer Gott – ist nach
Olodumare die größte Gottheit. Er war der erste Orisha, den Olodumare schuf, er ist
der mächtigste von allen und führt die Ruhmeshalle der Yoruba an. Obatalá
verabscheut Blut, Krieg und jede Form der Gewalt, er steht für Frieden, Ordnung und
ein gesundes Leben. Durch ihn entstand das Leben auf der Erde. Er ist der Orisha,
der den Menschen aus einem Stück Lehm formte und gilt als Vater aller Orishas. Er
beherrscht den Kopf des Menschen, seine Gedanken und Träume. Er wird vielfältig
dargestellt, u.a. als weiß bekleideter Greis. Er symbolisiert Wissen, Frieden und
Geduld und hat Macht über den Kopf, die Knochen und alle weißen Gegenständen.
Die alljährliche Feier zu Ehren Obatalas findet am 18. Mai statt.

Oddua: Einige Legenden erzählen, dass er Obatala persönlich ist, andere


berichten, dass er ihm zur Seite steht, weitere behaupten, er sei der Gottkönig
Oduduwa – Gründer von Ilé Ifé. In anderenLegenden über die Schöpfung ist
Oduduwa die Ehefrau Erde und Obatala der Ehemann Himmel. Es wird erzählt, dass
Obatala durch Olodumare mit der Schöpfung beauftragt wurde, aber er erfüllte seine
Pflichten nicht, so Olodumare Oduduwa die Weisung gab, diese zu vollenden. Er
symbolisiert den Anfang und das Ende, das Leben und den Tod.

Yemaya: Göttin des Wassers, sie ist die Königin der Meere, steht in
kosmischer Verbindung mit dem Mond und ist Tochter von Obatala und Schwester
von Aganyu. Sie ist eine bedeutende Orisha, gilt als Mutter aller Orishas. Sie ist die

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Fruchtbarkeitsgöttin, die Entstehung Ile-Ifes wird ihr zugeschrieben. Sie wird
dargestellt als eine sehr schöne Frau, voller Leben, schwanger und mit großen
Brüsten, dem Symbol der Fruchtbarkeit. Sie wird auch häufig in weiß gekleidet
gezeigt, als sie gerade dem Meer entsteigt. Laut einigen Patakis ist sie die Ehefrau
von Obatala oder Oddua, in anderen Geschichten ist sie Ehefrau von Orungan und
Oggun. Sie ist verständnisvoll und liebevoll zu ihren Kindern. Die wichtigste Feier ihr
zu Ehren findet im September statt.

Aganyu: Er ist der Gott des Regenbogens, des Feuers, Herr der Flüsse. Er
beherrscht die Naturgewalten, das Erdbeben, die Lava der Vulkane und die Kraft der
Flüsse. Er wurde aus dem Feuer geboren, das die Welt entstehen ließ. Er ist Sohn
von Obatala und Bruder von Yemaya und lebt im Vulkan und in der Kraft, welche die
Flüsse zum Strömen bringt.

Orungan: laut den Patakis ist er der Sohn von Aganyu und Yemaya. Er ist ein
Orisha mit geringerem Stellenwert, sein Reich ist der Mittag, er führt zu Ruhe und
Meditation. Es wird gesagt, dass er der erste Mensch war, der in Ifa geweiht wurde.
Er verliebte sich in seine Mutter und zwang sie zum Inzest. Aus dieser Verbindung
entstammen 14 Orishas aus der Ruhmeshalle der Yorubas.

Shango: Ein bedeutender Orisha, Gott des Donners, des Blitzes und des
Feuers. In der Yoruba Religion ist er der populärste Orisha. Stolz und männlich ist er
der König der Fruchtbarkeit. Er ist Weiser und Wahrsager, Musiker und Tänzer, ein
Experte auf dem Gebiet der Pflanzenheilkunde. Bei seiner Geburt wurde ihm die
Gabe des Wahrsagens verliehen, aber die Trommeln – die Bata – des alten
Orunmila verzauberten ihn so sehr, dass er diese Gabe gegen die Trommeln
eintauschte. Bei diesem Tausch vereinte sich die Ausgelassenheit der Jugend mit
der Erfahrung des Alters. Am 16. August jeden Jahres feiern die Gläubigen das
größte Fest zu Ehren Shangos.

Orunmila: Er ist der Gott der Wahrsagung, Berater und Beschützer der
Menschen, Vermittler zwischen den Göttern und den Menschen und zwischen den
Menschen und ihren Vorfahren. Ihm gehören das legendäre Orakel und das
Divinationsbrett von Ifá. Orunmila kennt die Vergangenheit, die Gegenwart und die
Zukunft der Menschen. Eine Legende erzählt, dass Shango mit dem Einverständnis
Olofis Orunmila das Divinationsbrett von Ifa übergab, dafür erhielt er von ihm die
Trommeln - die Bata. Er ist der Schutzherr aller “Babalawos”, eines hohen religiösen
Amtes, das von Männern und in wenigen Ausnahmen auch von Frauen angestrebt
wird, die anerkannte Kinder Orunmilas sind. Er ist auch bekannt unter den Namen
Orula, Orunla und Ifá. Seine Ehefrau war Oddu (Orddun), eine Orisha, die Frauen zu
Babalawos weiht. In der kubanischen Santeria ist Oddu nicht bekannt, deshalb kann
dort eine Frau nicht zum Babalawo geweiht werden.

Ifá: Laut einem Pataki ist dies Orúnmila selbst, eine weitere Legende erzählt,
dass es sich um eine andere Gottheit handle. Er ist der Gott des Unmöglichen und
der Palmen. Er war der erste Besitzer des Divinationsbretts von Ifá. Er ist auch
bekannt als Fruchtbarkeitsgott, er hilft Frauen ihren Kinderwunsch zu erfüllen.

Eggun: Er ist der Geist oder die Seele der Toten, die sich weiterhin in der
Umgebung, in der sie lebten, aufhalten. In der Yoruba Religion ist es von großer
Bedeutung, die Toten in einer besonderen Zeremonie, bei der ihnen Essen und

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Opfergaben angeboten werden, zu ehren. Eggun ist kein Orisha, aber wegen seinem
Stellenwert im Kult der Yoruba, bei dem nichts begonnen werden kann, ohne vorher
die Eggun beschworen zu haben, wird er hier erwähnt, denn ihm werden die Ehren
eines Orisha zuteil.

Ellegua: Der furchterregendste der Orishas. Er ist der Herr des Schicksals, er
bringt das Gute und das Böse nach seinem Gutdünken. Er durchkreuzt sowohl die
Pläne der Götter als auch die der Menschen. Auf Befehl Olofis steht kein Orisha über
ihm, ohne ihn ist nichts möglich, er gilt als Götterbote. Nach den Eggun, die zuerst
beschworen werden, bekommt er als erster Aufmerksamkeit, betritt als erster das
Haus, bekommt als erster Essen. Er ist der Beginn und das Ende des Weges, die
Geburt und der Tod, der Tag und die Nacht, das Gute und das Böse. Am 13. März
jeden Jahres wird das größte Fest zu seinen Ehren gefeiert.

Eshu: Verkörpert die Probleme des Menschen. Er überbringt Olodumare die


guten und schlechten Nachrichten, die ihm Ifá anvertraut. Er ist allgegenwärtig und
einer der am meisten angebeteten Orishas. Er ist eine furchterregende Gottheit,
vergleichbar mit dem Teufel, stets bereit, Schaden anzurichten. Die Gestalt Elegguas
steht in engem Zusammenhang mit der Gestalt Eshus. Er ist nicht der Teufel, obwohl
jedes Unglück mit ihm zusammenhängt. Eshu und Eleggua bilden die Einheit des
Negativen und des Positiven. Laut den Patakis sind Eleggua und Eshu ebenso wie
Orunmila und Ifa zwei Orishas in einer Person, allerdings gibt es auch die These,
dass es sich um zwei sich ergänzende Orishas handelt.

Ochun: Göttin der Liebe und des Goldes, Herrscherin über die Flüsse. Ihre
Weihestätte befindet sich an den Ufern des Flusses Ochun in Ogbo. Sie ist die
Venus in der Ruhmeshalle der Yoruba und eine der Geliebten Shangos. Sie ist eine
bedeutende Orisha, sehr bekannt und angebetet im Land der Yoruba. Sie hat Macht
über die Flüsse, das Gold, den Mutterleib und die Fruchtbarkeit. Sie ist die Patronin
der Erothik, der Liebe und der Ehe. Verführung ist ihr Markenzeichen.

Oggun: Ist der Gott des Eisens und des Krieges, er war es, der mit seiner
Machete den Weg für die anderen Orishas ebnete, als sie vom Himmel herabstiegen,
denn ohne Oggun ist kein Weg möglich. Er ist autoritär und gewalttätig, während
seines Lebens überschritt er ständig seine Grenzen, bedrängte sogar seine Mutter
Yemaya sexuell. Er ist der Patron der Schmiede, Jäger, Krieger und Handwerker.
Bevor die Yorubas in der Krieg zogen, opferten sie ihm einen schwarzen Hund oder
einen Menschen. Das Fest ihm zu Ehren findet jeweils am 8. August statt.

Ochosi: Ein wichtiger Orisha, steht für Gerechtigkeit. Er ist der beste Jäger,
darf den Bergwald aber nicht betreten, um seine Beute zu holen. Dies erledigt Oggun
für ihn. Deshalb ist Ochosi immer in Begleitung Ogguns. Er ist nicht nur Jäger,
sondern auch Wahrsager, Krieger, Fischer, Magier, Hexer und Zauberer. Seine
Symbole sind Pfeil und Bogen. Das Fest ihm zu Ehren findet im April statt.

Oya: Göttin des Lichtstrahls, des Windes und des Sturms. Sie lebt an der
Pforte des Friedhofs und hat Macht über die Eggun, die Geister der Verstorbenen.
Sie lebt zusammen mit ihren Schwestern Ochun und Oba, den Herrscherinnen über
die Flüsse Niger, Ochun und Oba. Ein Pataki erzählt, dass sie sich während ihrer
Ehe mit Oggun in Shango verliebte und zu ihm zog. Seitdem liebt sie den Krieg. Das
Fest ihr zu Ehren findet jeweils am 22. August statt.

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Die Ibeyis: auch bekannt als Jimaguas, sind die Zwillingskinder von Shango
und Ochun. Die Namen der Ibeyis lauten Taiwo, “der erste der kommt” und Kainde
“der zweite der kommt”. Sie sind die Patrone der Kinder und symbolisieren den
Dualismus der göttlichen Schöpfung. Jimagua bedeutet heilige Kinder, deshalb ist
eine Zwillingsgeburt für eine Familie eine ganz besondere Freude. Die Ibejis
vollbringen Wunder und können jedes Problem der Gläubigen lösen, sie sind die
behüteten Kinder der Yoruba Religion.

Oricha Oko: Gott der Landwirtschaft, er ist der Herr über Felder und Ernten.
Durch ihn wird die Erde und die Familie fruchtbar. Er ist Richter bei Streitigkeiten
unter den Orishas. Zusammen mit Oke und Oggue verkörpert er drei verschiedene
Gottheiten und ist verantwortlich für die Ernte, den Regen und das innere Feuer, das
die Erde und die Tiere fruchtbar macht. Sein Symbol ist ein Eisenstab, sein Bote die
Arbeiterbiene.

Dada: Göttin der Neugeborenen, Schwester von Shango und gleichzeitig


seine Adoptivmutter. In Afrika gilt sie auch als die Mutter der Pflanzen. In der
Sprache der Yoruba bedeutet dada Krone, die den Geweihten aufgesetzt wird. Sie
wird mit einer mit Meeresschnecken verzierten Kalabasse dargestellt.

Babalu-Aye: Patron der Kranken, er vollbringt vor allem bei Gelähmten


Wunderheilungen. Er ist der anspruchloseste aller Orishas, die Opfergaben an ihn
sind bescheiden, es genügt ein Stück Brot und ein Glas mit Kokusmilch, Milch oder
trockenem Wein.

Ori: Ist die persönliche Gottheit jedes Menschen, sie ist sehr mächtig, ihre
Entscheidungen kann kein Orisha ändern. Sie ist der Schutzengel des Menschen,
bemächtigt sich des Kopfs und bestimmt sein Schicksal. Sie ist Symbol persönlicher
Intelligenz. Die Anbetung Oris, die Kopf und Intelligenz zugleich ist, schließt die
Anbetung Eledas, des Schutzengels, mit ein. Das Ritual der Kopfanbetung ist die
Anbetung Oris.

Embe: Dieser Orisha ist die Seele eines Menschen im Himmel. Er


symbolisiert den Pakt zwischen Himmel und Erde, der jeden Menschen vor
Beleidigungen und Demütigungen bewahrt. Er wacht über die Verbundenheit, die es
zwischen den Menschen ebenso wie zwischen Himmel und Erde geben muss. Er
wird durch einen großen, mit Wasser gefüllten Tonkrug dargestellt, der ein
“Fundament” hat: kleine, mit Fäden zusammengebundene Stämme mit den Federn
des blauen Vogels Turaku. Dieser Tonkrug wird im Inneren des Hauses vergraben.
Embe hat in der Religion der Yoruba eine Vorrangstellung.

Iroko: Ein bedeutender Orisha. Er lebt in der Krone des von den Yoruba
angebeteten heiligen Kapobbaumes. Laut der Legende starb während des Krieges
zwischen Himmel und Erde die Vegetation, nur Iroko blieb, stark, schön und gesund,
denn er hatte den Himmel angebetet. Dank ihm wurde die Vegetation der Erde
gerettet.

Aye-Shalunga: Orisha des Glücks, der Gesundheit und des Reichtums. Er


wird dargestellt durch eine große Meeresschnecke, eine Austernmuschel, in deren
Inneren sich eine Perle befindet. Die Muschel ist das Symbol des Ohres, die Perle

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steht für die Sprache.

Iku: Ebenso wie Eggun ist er kein Orisha, aber durch seinen Stellenwert in der
Religion befindet er sich auf gleicher Höhe wie die Orishas. Er ist der Geist, der über
das Leben aller rationalen und irrationalen Wesen bestimmt. Er ist der Tod selbst.
Den Toten, Ikus, und ihren Seelen, Egguns, die uns umgeben, wird der gleiche
Respekt wie den Gottheiten entgegengebracht. In der Yoruba Religion “erweckt der
Tote den Heiligen zum Leben” “ikú lobi ocha”, und bevor man sich an die Orishas
wendet, muss man sich zunächst an die Toten wenden, denn alle Orishas waren
einst Lebewesen.

Yewa: Die Göttin der Jungfräulichkeit und Reinheit. Sie lebt auf dem Friedhof
zwischen den Gräbern der Verstorbenen. Wegen ihrer Verfehlung, sich in Shango zu
verlieben, bestimmte ihr Vater Oddua sie zur “Königin des Friedhofs”, “Iyá ilé ikú”.
Babalu-Aye überbringt ihr die Toten und sie übergibt sie an Oya, der sie an Oricha
Oko, die Erde, weitergibt.

Ozun: der Bote von Olofi, Obatala und Orunmila, die er bei der Weissagung
der Zukunft unterstützt. Außerdem wird er als Wächter des Kopfes der Gläubigen
verehrt.

Legenden (Mythen, Überlieferungen)

Grundlage des Glaubens der Yoruba sind Legenden, Mythen und


Überlieferungen, die mündlich weitergegeben werden. In ihnen wird über die
Gottheiten und die Entstehung der Erde und des Menschen berichtet. Diese
Legenden, Mythen und Überlieferungen heißen in der Sprache der Yorubas
“Patakis”. Im Anschluß folgen in kurzer Zusammenfassung einige dieser Patakis.

Legenden über die Entstehung der Erde

Olodumare-Olofi, Olorum schuf zuerst den Himmel, um von hier aus 16


Orishas, darunter Obatala und Oduduwa, zu entsenden, die mit der Schöpfung der
Erde beauftragt wurden. Hierzu erhielten die Gottheiten als Symbole der Macht fünf
Eisenstücke, eine Handvoll Erde, die sich in einem weißem Stoff befand und einen
jungen Hahn. Auf dem Weg betrank sich Obatala mit Palmenwein, so dass Oduduwa
die Symbole der Macht an sich nahm und seine Gefährten an einen Ort in der Nähe
von Ile-Ife, der später Oke Oranfe hieß, führte. Hier wurden die fünf Eisenstücke in
dem weißen Stoff niedergelegt. Auf den Stoff wurden die Handvoll Erde und der
Hahn platziert. Der Hahn reckte sich, sang und scharrte in der Erde, die sich
verbreitete. Das war die Entstehung der Welt. Seit dieser Zeit wird Ile-Ife Haus der
Entstehung genannt.

Einige Zeit herrschte das Element Feuer über die Erde. Dieses Feuer ist Aganyu, der
in einem Vulkan lebt. Olodumare löschte das Feuer mit seinem Atem und ließ es
regnen. Die Gipfel, über die er zuvor geschritten war, verwandelten sich in das Reich
Yemaya Olokums, der Herrscherin der Meere. Während ihrer Herrschaft stieg
Olodumare zusammen mit seinem Sohn Obatala vom Himmel herab, der in dieser
Zeit Oddua Brummu hieß. Er übergab ihm eine Handvoll Erde, eine Muschel, ein

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fünfbeiniges Huhn und eine Palmnuß. Obatala legte die Muschel ins Meer,
schaufelte die Erde über das Gehäuse und bildete so einen kleinen Hügel, auf den er
das Huhn setzte, das zu scharren begann und seine Eier mit der Erde vermischte,
die es mit seinen fünf Beinen in alle Richtungen verteilte. Das Wasser, das sich mit
der Erde verband, wurde zu Festland. Anschließend wurden Sonne und Mond
geschaffen. Der Ort dieser Wandlung war das Land von Ife in Nigeria. Es wird
wegen seines heiligen Ursprungs als Wiege der Menschheit angesehen. Hier säte
Obatala auch seine Palmnuß und schuf die Vegetation. Als er sich mit Yemaya
vereinte wurde er der Vater der Schöpfung, aus ihrer Vereinigung entstand alles auf
der Erde existierende, auch die Orishas.

Am Anfang existierte nur Olodumare, der aus drei verschiedenen Gottheiten


bestand: Olodumare Nzame, Olofi und Baba Nkwa. Zuerst ließ Olodumare Nzame
den Himmel, die Erde, die Sonne, den Mond, die Sterne und alles pflanzliche und
tierische Leben auf dem Planeten entstehen. Nachdem dies vollbracht war,
beschlossen die drei Gottheiten den Menschen zu erschaffen, damit dieser die Welt
regiere. Der erste Mensch war das Ebenbild Olodumare Nzames, der ihn aus Lehm
formte. Er gab ihm Schönheit, Intelligenz und Unsterblichkeit und nannte ihn Omo-
Oba. Es geschah, dass Omo-Oba, geblendet durch die Macht und Schönheit, die
ihm verliehen worden war, überheblich wurde. Dies beschwor den Zorn Olodumares
herauf, der Nzalam – dem Blitz – befahl, alles Leben auf Erden auszulöschen. Weil
aber Olodumare selbst Omo-Oba unsterblich gemacht hatte, konnte Nzalam ihn nicht
zerstören. Omo-Oba gelang es zu fliehen, er verbarg sich im Inneren der Erde, wo er
aufgrund des Fluches von Nzalam umgeben von Feuer und Schwefel lebt. Dieser
erste Mensch änderte seinen Namen in Olosi und erscheint von Zeit zu Zeit an der
Erdoberfläche, um die Menschen dazu zu verführen, mit den Gesetzen Olodumares
zu brechen. Nach einiger Zeit, als sie die trockene und durch das Feuer von Nzalam
verbrannte Erde sahen, stiegen die drei Gottheiten zur Erde hinab, gaben ihr neues
Leben und erschufen einen neuen Menschen, damit er regiere, ohne ihm
Unsterblichkeit zu verleihen. Dieser neue Mensch ist Obatala, die zentrale Gottheit
der Yoruba. Nach dieser zweiten Schöpfung wird Olofi, eine der Gottheiten
Olodumares, damit beauftragt, sich um die Erde zu kümmern und wird so die
wichtigste Gottheit der Yorubas. Er übergibt Obatala die Heiligen Gebote, die von
allen Menschen eingehalten werden müssen. So wird verhindert, dass dem
schlechten Beispiel Olosis gefolgt wird.

Olodumare war der Schöpfer des Himmels – orun - , die Orishas waren die Schöpfer
der Erde – aye -. Nachdem die Erde durch die Orishas, die vom Himmel über eine
Eisenkette herabgestiegen waren, erschaffen war, entstand die Flora. Die Fauna
kam vom Himmel und der Mensch wurde von Olodumare gemeinsam mit den
Orishas erschaffen. Obatala formte den Menschen aus Lehm, Oggun, der Gott des
Eisens, gab ihm das Skelett und Olodumare flößte ihm den Atem des Lebens ein. Im
Herzen des Menschen ist die Tochter von Olodumare, Emi. Wenn Olodumare seine
Tochter zu sich ruft stirbt der Mensch. Die gleiche Legende erzählt, dass die Orishas
vom Okeara, einem Berg in der Nähe von Ile-Ife herabstiegen, nachdem die Erde,
die Flora, die Fauna und der Mensch geschaffen war. Nach der Vollendung ihres
Werkes verwandelten sie sich in Naturgewalten und gingen auf den Berg zurück. Aus
diesem Grund sind alle Flüsse im Land der Yorubas Gottheiten, ebenso wie die
Berge und die Hügel,die Bäume und die Metalle. Die Erde ist heilig und wird als
Gottheit angebetet.

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Legenden über Orishas und andere Persönlichkeiten

Über Oduduwa, der als Gründer der Kultur der Yoruba angesehen wird, gibt
es viele Legenden, darunter folgende:
Oduduwa war Kronprinz, Sohn des Königs Lamurudu. Er wollte den Islam zum
Heidentum konvertieren und wurde deshalb aus Mekka verstossen. Während der
Verbannung kamen Oduduwa und seine Begleiter nach einem langen und
anstrengenden Marsch nach Ile-Ife, wo er eine Regierung bildete und viele Kinder
bekam. Er wollte sich an den Muslimen rächen, aber bevor er stark genug war
diesen Plan durchzuführen, starb er in Ile-Ife. Sein ältester Sohn Okambi, bekannt
unter dem Namen Ideko Seroake, hinterließ nach seinem Tod in Ile-Ife sieben
Prinzen und Prinzessinnen als Nachkommen, von denen mehrere Yoruba Stämme
abstammen.
Oduduwa war ein Prinz aus Benin, sein ursprünglicher Name lautete
Ekaladerhan. Sein war Vater Owodo, der letzte Ogiso – Herrscher – von Benin.
Nachdem das Orakel sagte, dass die Ehefrauen des Herrschers keine weiteren
Kinder haben könnten, wenn Oduduwa nicht getötet werden würde, forderten die
Ehefrauen des Herrschers seinen Tod. Owodo brachte es nicht übers Herz, seinen
Sohn töten zu lassen, statt dessen verbannte er ihn. Ekaladerhan kam während
seiner Verbannung zusammen mit seinen Begleitern nach Ile-Ife, wo ihn die
Menschen verwundert anstarrten und seine Sprache nicht verstanden, als er ihnen
seine traurige Geschichte erzählte. Das einzige Wort, das sich ihnen einprägte war
Iduduwa. Dieses Wort gehört zur Sprache Beni und bedeutet Trauer, Betrübnis und
Gewissensbisse. Sie nannten Ekaladerhan deshalb Iduduwa, der Name wurde
später in Oduduwa umgewandelt.
Im Altertum gab es in Ile-Ife dreizehn Dörfer, Oduduwa lebte in einem davon
Jedes Dorf hatte einen Oba – König - , welche sich beim Regieren abwechselten.
Während der Regierung Obatalas widersetzte sich ihm Oduduwa. So kam es zum
Krieg, der eine Generation lang andauerte und aus dem Oduduwa dank der
entschlossenen Unterstützung einer sehr schönen Frau, Moremí, als Sieger
hervorging.

Oranmiyan: (Oranyan) ist eine angesehene Persönlichkeit im Land der


Yorubas. Für einige gilt er als Sohn Oduduwas, für andere als sein Enkel. Er wird als
Gründer des mächtigen Yoruba-Imperiums Oyo und auch als Gründer des Reiches
Benim angesehen. Über ihn gibt es folgende Legende: während eines Ausritts auf
dem Weg nach Ile-Ife nahm er ein sehr schönes junges Mädchen, Anihuka,
gefangen und brachte sie in das Haus seines Vaters Oduduwa. Dieser war tief
beeindruckt von der Schönheit Anihukas und heiratete sie, nachdem ihm sein Sohn
geschworen hatte, dass er sie nicht berührt habe. Nach einiger Zeit bekam Anihuka
einen schönen Sohn, der bei der Geburt halb weiß wie Oduduwa und halb schwarz
wie Oggun war. Als Oduduwa das Kind sah, rief er aus “oran-mi-yán”, dies bedeutet
in der Sprache der Yoruba “mein Verdacht hat sich bestätigt”. Auf Grund dieser
Überlieferung gehen die Jugendlichen beim alljährlichen Fest von Olojo zu Ehren
Oranyans und Ogguns je zur Hälfte schwarz und weiß gekleidet auf die Straßen.

Obatala: Ist der Orisha, der den Pantheon der Yorubas anführt. Er war es, der
alle Orishas zu Olodumare führte, damit jeder von ihnen einen Teil der Macht

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Olodumares erhalte. Über ihn erzählt ein Pataki folgende Geschichte: Obatala lebte
zusammen mit seiner Ehefrau Yemaya und seinen Söhnen Oggun, Ochosi, Ozun
und Eleggua. Ochosi, der große Jäger, ernährte die Familie. Oggun, der Älteste,
verteilte die Nahrung und die bewirtschaftete das Haus. Ozun war Wächter und Bote
seines Vaters. Eleggua, der Jüngste, beobachtete die Geschehnisse im Haus.
Oggun, der einen gewalttätigen und autoritären Charakter hatte, bedrängte während
der Abwesenheit seines Vaters seine Mutter Yemaya. Als Eleggua dies bemerkte,
unterrichtete er Ozun darüber. Dieser unternahm jedoch nichts gegen das Treiben
seines Bruders. Auch Ochosi schritt nicht ein weil er den Jähzorn Ogguns fürchtete.
Oggun bestach Ozun mit einer doppelten Ration Mais, schränkte die Ration von
Eleggua ein und setzte sein Treiben fort. Obatala, der durch Eleggua über die
Vorkommnisse unterrichtet wurde, beschloß, einen Tag früher als geplant nach
Hause zurückzukehren. Hier fand er Ozun schlafend vor einem übervollen Teller
Mais, Eleggua abgemagert vor seinem leeren Teller sitzend und Oggun, der Yemaya
bedrängte. Voller Zorn verwies er Oggun des Hauses und der bestechliche Ozun
wurde seiner Aufgabe, der Bote seines Vater zu sein, entledigt. Eleggua war nun der
Hüter des Hauses, sein Platz befand sich fortan hinter der Tür, er aß als erster.
Außerdem verfügte Obatala, dass jedes männliche Kind, das Yemaya in Zukunft
bekommen würde, getötet werden sollte. Nach der Geburt Orunmilas grub Obatala
ihn bis zur Hüfte am Fuße eines Kopakbaums ein, damit er stürbe. Nach dieser
Anordnung erkrankte Obatala und verlor das Gedächtnis. Es war Eleggua, der dafür
sorgte, dass sein Bruder zu essen bekam und der so seinen Tod verhinderte. Als
Shango geboren wurde, bat Yemaya Eleggua, den Säugling in das Haus ihrer
ältesten Schwester Dada zu bringen. Diese zog Shango auf und schützte ihn vor
dem Zorn des Vaters. Als Dada Shango später erzählte, was vorgefallen war, wurde
er sehr zornig auf Oggun und entschloß sich, seinen Vater, den er bis dahin nicht
kannte, aufzusuchen. Shango nahm viele Heilpflanzen mit, heilte Obatala und gab
ihm das Gedächtnis zurück.

Yemaya: Mutter der Erde und der Orishas, sie kommt in allen Überlieferungen
der Entstehung der Erde vor. Laut einer der vielen Legenden heiratete Yemaya ihren
Bruder Aganyu, mit dem sie einen Sohn bekam: Orungan. Er wuchs zu einem sehr
schönen und intelligenten Jüngling heran. Sein Vater wurde dadurch sehr
eifersüchtig auf ihn, erkrankte und starb. Als Orungan erwachsen war, verliebte er
sich in Yemaya und zwang sie zum Inzest. Voller Gram über die Ereignisse
verfluchte Yemaya Orungan, der kurz darauf starb. Schmerzerfüllt bestieg Yemaya
einen Berg und starb am Gipfel. Als ihr Tod eintrat, öffnete sich ihr Leib und ihm
entstiegen die bedeutendsten Orishas des Pantheons der Yorubas und Wasser, das
die Erde überflutete. Aus den Knochen Yemayas entstanden Obufulom und Iyaa, die
ersten Eltern in der Mythologie der Yoruba. Der Todesort Yemayas hießt seitdem Ile-
Ife, die heilige Stadt der Yorubas. Hier lebten Obafulom und Iyaa, die ersten
Menschen. Die Orishas aus der Verbindung von Yemaya mit Orungan waren Olosa,
Olokun, Dada, Shango, Oggun, Oya, Ochun, Oba, Orisa Oko, Ochosi, Oke, Aje-
Shaluga, Chankpana, Orun und Ochu.

Shango: Gott des Donners und des Feuers. Laut einer Legende war er ein
wilder Krieger, der über Oyo herrschte. Die Menschen fürchteten ihn, denn er konnte
Blitz und Donner über sie bringen. Shango wollte jedoch noch mächtiger werden und
rief die Zauberer seines Reiches dazu auf, ihm ein Mittel zuzubereiten, das ihm
ermöglichen sollte, auch Feuer aus dem Mund zu speihen. Als es den Zauberern
nicht gelang, dieses Mittel herzustellen, ging er zu Eshu, der ihm ein Mittel

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versprach, das ihn zum mächtigsten und furchterregendsten Mann auf Erden
machen würde. Zur Bezahlung seiner Dienste forderte Eshu eine Ziege, die von der
Ehefrau Shangos, Oya, zu ihm gebracht werden sollte. Shango erfüllte die
Vereinbarung und schickte seine Ehefrau Oya mit der versprochenen Ziege zu Eshu,
der sie bat, in einer Woche wiederzukommen. Als Oya nach Wochenfrist wieder zu
Eshu kam, gab er ihr das zubereitete Mittel in einer zugedeckten Kalebasse. Oya
konnte auf dem Rückweg ihrer Neugierde nicht widerstehen, öffnete die Kalebasse
und kostete das Mittel. Zuhause angekommen, wurde sie von Shango gefragt, was
Eshu ihr über die Anwendung des Mittels gesagt habe. Als sie den Mund öffnete,
entwich ihr ein Schwall Feuer. Shango war außer sich vor Wut, denn er wußte nun,
dass sie von dem Mittel gekostet hatte. Er wollte sie bestrafen, aber sie konnte
fliehen. Shango verfolgte sie, aber weil sie sich in einer Schafsherde versteckte, fand
er sie nicht, aber er wußte, dass seine Ehefrau sich zwischen den Schafen befand.
Er schleuderte Blitz und Donner über die Schafe, um seine Ehefrau zu töten. Alle
Tiere starben, aber Oya schützte sich mit ihren Körpern und entkam so dem Tod.
Oya ging in das Dorf zurück und bat die Dorfbewohner, zwischen ihr und Shango zu
vermitteln. Er vergab ihr und sie kehrte nach Hause zurück. Eines nachts stieg
Shango auf einen Hügel, von dem aus man das gesamte Dorf und selbst seinen
Palast sehen konnte. Er legte etwas von dem Mittel das Eshu zubereitetet hatte auf
seine Zunge und atmete tief ein. Aus seinem Mund kam eine Flamme, die so groß
war, dass sie das Dorf erreichte und eine gewaltige Feuersbrunst entstand, die sogar
seinen eigenen Palast niederbrannte. Die Menschen flohen aus dem Dorf, das in
Flammen stand und von dem nur Asche übrig blieb. Nach einiger Zeit wurde das
Dorf wieder aufgebaut, von nun an sprach man vom Alten Oyo und vom Neuen Oyo.

Oggun: Eine sehr bekannte und angebetete Gottheit. Eine Legende über ihn
erzählt, dass sein Vater Obatala ihn dabei überraschte, als er seine Mutter Yemaya
bedrängte. Sein Vater war daüber sehr erzürnt und wollte ihn verfluchen. Bevor er
den Fluch aussprechen konnte, bestrafte sich Oggun jedoch selbst indem er sich
auferlegte, weder am Tag noch in der Nacht zu schlafen und bis ans Ende aller Tage
unermüdlich zu arbeiten. Oggun arbeitete fortan ohne Unterlass und verbarg sich in
den Wäldern denn er wollte keinem der anderen Orishas begegnen. Nur mit seinem
Bruder Ochosi, dem Jäger, stand er in Verbindung. Eines Tages machten beide im
Wald ein Ebbo – Opferung - für Olodumare und baten um Hilfe bei der Lösung ihrer
Probleme. Oggun bat um Vergebung fürVerfehlungen gegenüber seiner Mutter,
Ochosi bat seine Beute aus dem Wald holen zu dürfen, denn es war ihm untersagt,
den Wald zu betreten. Als sie zusammen waren, erlegte Ochosi einen Hirsch und
Oggun bot ihm an, in den Wald zu gehen und den Hirsch zu holen. Seit diesem Tag
besteht eine sehr enge Bindung zwischen diesen zwei Orishas.

Orunmila: auch bekannt unter dem Namen Orunla, war Sohn von Eltern, die
niemals vom Himmel auf die Erde herabgestiegen waren. Orunmila Aufgabengebiet
auf der Erde waren Schwangerschaften, Geburten, Krankheiten, Anwendung von
Heilkräutern und im allgemeinen die Nutzung aller Dinge. Er stieg vom Himmel herab
und kam zunächst nach Usi, in der Nähe von Ekiti, wo er sich niederließ und seinen
Kult ausübte. Anschließend ging er nach Ile-Ife, wo er sich lange Zeit aufhielt, um
sich dann in Ado niederzulassen, wo er bis zu seinem Tod blieb. Ifa steht in direktem
Zusammenhang mit dem Namen Orunmila. Für einige handelt es sich um
verschiedene Gottheiten, für andere ist Ifa eine Gottheit mit ihrem Divinationssystem.

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Eine Legende berichtet, dass Orunmila – Ifa – durch einen gewissen Setilu, einem
Eingeborenen von Nupe, der von Geburt an blind war, in das Land der Yorubas
gebracht wurde. Bei der Geburt von Setilu standen seine Eltern vor der
Entscheidung, ihn zu töten oder ihn am Leben zu lassen. Aufgrund ihrer elterlichen
Liebe entschieden sie sich für Letzteres. Als der Junge älter wurde, waren seine
Eltern jeden Tag aufs neue überrascht über seine Fähigkeiten in der Wahrsagung.
Bereits im Alter von fünf Jahren sagte er voraus, wer sie besuchen würde und nannte
auch den Grund des Besuchs. Später begann er mit der Heilung der Kranken und
der Wahrsagerei mit Hife von 16 kleinen Kieselsteinen und erzielte dabei Erfolge, die
jeden, der ihn besuchte, in höchstes Erstaunen versetzte. Als die Muslime merkten,
wie viele Anhänger er hatte, darunter sogar angesehene Priester, verbannten sie ihn
aus Nupe. Setilu überquerte den Fluß Niger und gelangte nach Benin, lebte zuerst in
Owo und ging dann nach Ado, um schließlich nach Ile-Ife zu kommen, wo er die
richtigen Voraussetzung zur Ausübung seiner Gabe vorfand und sich niederließ. Er
wurde bald berühmt und führte viele Priester in die Kunst des Wahrsagens ein. Er
verwandelte sich nach und nach in Ifa, das Orakel, das von dem gesamten Land der
Yorubas befragt wird. Oduduwa traf Setilu in Ile-Ife, aber es war während der
Herrschaft von Ofiran im Imperium Oya, als Setilu als Ifa anerkannt wurde.

Ochun: laut einer Legende ist sie die Tochter von Olofi. Als Olofi zur Erde
hinabstieg, fand er sich in einem Kanu auf einem Fluß wieder, dessen Strömung ihn
zu einem Dorf am Ufer des Flusses brachte. Er ging an Land, begab sich zu den
Einwohnern und während er einige Worte an sie richtete, sah er eine junge sehr
schöne Frau, die in Richtung Fluß lief. Sie war so schön, dass Olofi sie bat, ihn zu
heiraten und sie mit sich nahm. Die junge Frau, Mboya Cole, lebte glücklich mit Olofi.
Sie bekamen eine Tochter, die noch schöner war als ihre Mutter und diese gab ihr
den Namen Ochun in Anlehnung an den Fluss, an dem sie ihren Ehemann kennen
gelernt hatte. Ochun wuchs auf und wurde jeden Tag schöner, sie war sanft und
bezaubernd und hatte ein Lächeln, das jeden froh stimmte. Jeder hatte sie gern: die
Menschen, die Pflanzen, die Tiere, die Luft und das Wasser. Olofi wurde eifersüchtig
auf seine Tochter, denn seine Ehefrau und die Menschen schenkten ihre
Aufmerksamkeit nur noch ihr. Er stellte fest, daß, wenn Ochun ihn nicht zum Fischen
begleitete, ihm das Wasser und die Fische nicht gehorchten. Eines Tages wurde er
von Zorn übermannt und stieß seine Tochter von einem Berg in die Tiefe eines
Abgrundes, auf dessen Grund sich ein Fluß befand. Die Fische bildeten eine Matte
und sorgten so dafür, dass Ochun sich nicht verletzte. Sie brachten sie in eine Höhle
auf dem Grund des Flusses, in der Otoyoma Olokun lebte, der ihr versicherte, dass
sie nichts zu befürchten habe, denn dieses sei nun ihr Heim und ihr Wasser, Olofi
würde ihren Aufenthaltsort nie erfahren. Ochuns Mutter fragte Olofi vergeblich nach
ihrer Tochter. Als sie keine Antwort erhielt, verließ sie ihren Ehemann und begab sich
in das Innere des Waldes. Nachdem Olofi aus seiner Teilnahmslosigkeit erwachte
bereute er seine Tat und begann, seine Tochter zu suchen. Er fragte die Menschen,
die Tiere, die Flüsse und das Meer, ob sie Ochun gesehen hätten, erhielt aber keine
Antwort. Müde geworden, begab er sich auf eine Wolke und weinte. Er weinte so
sehr, daß die gesamte Erdoberfläche durch seine Tränen von Wasser überflutet
wurde. Nach langer Zeit hörte Olofie auf zu weinen und alles schien zur Normalität
zurückzukehren, aber er hörte nie auf, seine Tochter zu suchen und wollte sein Herz
hergeben dafür dass sie ihm verzeihe. Ein Chamäleon war es, das Olofi wieder
hoffen ließ, dass er seine Tochter finden könnte, denn es erzählte ihm, dass es
wahrscheinlich eine sehr schöne junge Frau in der Nähe eines Flusses, dessen
Namen es nicht nannte, gesehen habe, bevor viel Wasser vom Himmel kam. Olofi

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rief aus “dann ist sie nicht gestorben” und rannte zu dem nahegelegenen Fluss. Um
seine Geschwätzigkeit wieder gut zu machen, rief das Chamäleon den Papagei,
damit er Otoyama Olokun informiere, der Ochun rechtzeitig verstecken konnte. Olofi
fand seine Tochter nicht und begab sich verbittert, traurig und müde auf einen Berg,
ohne Ochun je vergessen zu können. Gerührt durch seine Trauer erzählte ihm der
Pfau, dass seine Tochter am Leben sei und nannte ihm den Ort, an dem sie sich
versteckte. Er sagte auch welche Opfergaben er mitnehmen müsse damit seine
Tochter ihm vergebe. Olofi ging zu dem Fluß, den der Pfau ihm genannt hatte, und
kurz darauf erschien Ochun, die ihn, ohne ihn zu erkennen, fragte: “Guter Mann, was
möchtest du von mir, warum suchst du mich so beharrlich?” Sie blickte den
tränenüberströmten Mann an und wiederholte “Sage mir, was du wünschst”. Olofi
kniete vor ihr nieder und sprach: “Ich bin dein Vater und bitte dich wegen meiner
Ungerechtigkeit um Vergebung”. Ochún antwortete sanft: “In meinem Herzen hat nur
die Liebe Platz, bereits vor vielen Jahren habe ich dir vergeben, erhebe dich und
höre auf zu weinen. Wenn du mit mir sprechen möchtest, komm zum Ufer dieses
Flusses, hier lebe ich.” Nachdem sich Olofi lange mit seiner Tochter unterhalten
hatte, kehrte er zu seinem Haus in den Bergen zurück, wo ihn der Pfau erwartete. Er
dankte dem Pfau und verlieh ihm die Gabe, die schönsten Federn unter allen Vögeln
zu haben, außerdem ernannte er ihn zum Hüter und Beschützer von Ochun.

Eshu: Esu, Elegbara, Elegba, ist eine Gottheit, die wegen ihrer Intrigen von
den Yorubas sehr gefürchtet wird. Eines Tages beschloss Eshu einen König, der ihr
keine Opfer darbot, zu vernichten. Sie suchte eine Ehefrau des Königs auf, die er
verschmähte und sagte ihr, sie könne ihr dabei helfen, die Lieblingsfrau des Königs
zu werden. Sie solle ihr nur einige Barthaare des Königs bringen. Am gleichen Tag
ging Eshu zum ältesten Sohn des Königs und flüsterte ihm zu “dein Vater wird heute
Nacht in den Krieg ziehen, er bittet dich mit all deinen Kriegern in den Palast zu
kommen“. Nachdem Eshu mit dem Sohn gesprochen hatte, ging sie zum König und
teilte ihm mit, dass eine seiner Ehefrauen vorhabe, ihn in dieser Nacht zu töten, er
solle wachsam sein. Während der Nacht täuschte der König vor zu schlafen und sah,
wie eine seiner Ehefrauen sich ihm mit einem Messer näherte. Er wußte nicht, dass
sie ihm nur einige Barthaare abschneiden wollte und dachte, sie wolle ihn töten. Er
sprang aus dem Bett und entriß ihr in einem Handgemenge das Messer. Sein Sohn,
der in diesem Moment im Palast eintraf, hörte den Lärm und betrat das Zimmer
seines Vaters. Als er ihn mit dem Messer in der Hand sah, dachte er, sein Vater
wolle seine Mutter töten. Der König wiederum meinte, dass sein Sohn, der von
seinen Kriegern umgeben war, ihn stürzen wolle. Dieses Mißverständnis führte zu
einem Gemetzel, bei dem alle den Tod fanden.

Ellegua: häufig durch eine Kokusnuß dargestellt, wohnt an der Schwelle des
Hauses. Die Legende berichtet, dass Ocubere zusammen mit seiner Ehefrau
Ananaqui, die er über alles liebte, in einem Dorf regierte. Trotz ihrer Macht und ihres
Reichtums war es ihnen versagt, Kinder zu bekommen. Ananqui verließ ihren
Ehemann, um ihm so die Möglichkeit zu geben, mit einer anderen Frau Kinder zu
bekommen. Auf ihrem Weg kam Ananaqui an eine Kreuzung, in die vier Wege
mündeten und ließ sich müde unter einer Palme nieder, von der eine leuchtende
große grüne Kokusnuß herabfiel. Durstig öffnete sie die Kokusnuß, trank die Milch
und schlief anschließend ein. Im Traum sprach die Palme zu ihr: “du hast das Blut
meines Sohnes Obi getrunken, es wird dich fruchtbar machen, so daß du viele
Kinder bekommen wirst, aber das erste Kind wird mir gehören. Wenn du innerhalb
von drei Tagen nach der Geburt keine Opferzeremonie machst, werde ich es zu mir

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nehmen und du wirst es für immer verlieren. Es wird der Herr der Wege werden und
ich werde auch seine Mutter sein.”. Als Ananaqui erwachte, erinnerte sie sich an den
Traum und kehrte überglücklich nach Hause zurück. Sie erzählte dem König ihren
Traum und beide beschlossen, ihren ersten Sohn der Palme zu geben. Nach einiger
Zeit bekamen sie den sehnsüchtig erwarteten Sohn, den sie Eleggua nannten. Die
Freude war groß und niemand erinnerte sich an den Traum Ananaquis und noch
weniger an das Versprechen. Eleggua wuchs zu einem schönen und starken Prinzen
heran und hatte ein Gefolge, das ihn überallhin begleitete. Als er eines Tages auf der
Jagd war, bemerkte Eleggua an einer Kreuzung, in die vier Wege mündeten, etwas,
das ihn dreimal die gleiche Zeremonie wiederholen ließ. Sein Gefolge näherte sich
um zu sehen, was die Aufmerksamkeit des Prinzen hervorgerufen hatte. Als es
bemerkte, dass es sich um eine trockene Kokusnuß handelte, schenkten sie der
Angelegenheit weiter keine Aufmerksamkeit. Eleggua, der tief beeindruckt war, nahm
die Kokusnuß mit nach Hause und erzählte seinen Eltern und den Bewohnern des
Königreichs welche Visionen er hatte, als er die Kokusnuß fand und mitnahm.
Niemand glaubte ihm, nicht einmal seine Eltern, die den Traum Ananaquis längst
vergessen hatten. Eleggua legte die Kokusnuß beschämt hinter die Eingangstür, wo
sie mehrere Monate blieb und vergaß die Angelegheit. Eines Tages fand im
Königshaus ein Fest statt, an dem das ganze Volk teilnahm. Die Gäste bemerkten,
dass die Kokusnuß in einem seltsamen grünen Licht erstrahlte und verließen entsetzt
das Haus. Nach drei Tagen erkrankte Eleggua und starb. Während der Trauerfeiern
strahlte die Kokusnuß weiter und verbreitete Entsetzen unter den Menschen. Nach
dem Tod des Prinzen verschlechterte sich die Lage des Dorfes, die Ernte gab keinen
Ertrag, im Fluß gab es keine Fische und kein Obst an den Bäumen. Es regnete nicht
und die Tiere verdursteten. Die Wahrsager des Dorfes trafen sich und kamen zu dem
Schluß, dass das Unglück hereingebrochen war, weil man der Kokusnuß, die
Eleggua mitgebracht hatte, keinerlei Beachtung geschenkt hatte. Als sie die
Kokusnuß fanden, bemerkten sie, daß sie hohl war, das Innere war durch Schädlinge
zerfressen. Sie trafen sich nochmals und beratschlagten, wie die Kokusnuß durch
etwas Haltbareres ersetzt werden könnte. Sie beschlossen, einen Stein – Ota – in
menschenähnlicher Form zu nehmen. Der Stein wurde mit 21 Kräutern gereinigt, in
eine Tonschale gelegt und es wurden ihm Opfergaben dargebracht. Sie legten ihn an
die gleiche Stelle, an der sich vorher die Kokusnuß befand. Alles veränderte sich
wieder zum Guten und im Dorf nahm das Leben wieder seinen gewohnten Gang.

Egungun: ist eigentlich das Abbild eines Verstorbenen, dargestellt durch eine
Maske. Wegen seiner Tugenden zu Lebenszeiten wird an ihn in einer religiösen
Feier erinnert, die jährlich stattfindet. Eggun ist die Seele des Verstorbenen. Sein
Abbild, dargestellt durch eine lebende Person mit der Maske und der Bekleidung des
Verstorbenen, erhält den Namen “egungun”. In der Religion der Yoruba glaubt man
daran, dass die Verstorbenen in der Bekleidung, die sie zum Zeitpunkt ihrer
Beerdigung trugen, vom Himmel zurückkehren um als “egungun” an dieser Feier
teilzunehmen. Laut der Legende wurde die Maskierung Egunguns zum ersten Mal
benutzt, als man eine Leiche aus dem Wald in das Dorf brachte und behauptete,
dass dies die Seele des Toten sei, die zurückgekehrt wäre. Eine andere Legende
berichtet, dass vor langer Zeit ein Mann lebte, der bei seiner Familie, den Freunden
und Nachbarn sehr beliebt war. Als er starb, beschloss das Dorf, dass man, um ihn
unsterblich zu machen, seine Bekleidung, die Kijipa, als Egungunkleidung nutzen
solle. Der Babalawo des Dorfes war im Einklang mit Ifa hiermit einverstanden.
Seitdem feiert das Dorf jedes Jahr das Fest von Egungun. Das Wort “Egungun”
bezieht sich auf die Masken der Yorubas von Oyo. Einige Überlieferungen berichten,

36
dass die Yorubas die Egungun von ihren nördlichen Nachbarn, den Nupe,
übernommen haben, die sie benutzten um die Yorubas zu erschrecken.

Legenden über Ile-Ife und seinen Ooni (König)

Eine Legende erzählt, dass Olofi Oranmiyan den Auftrag zur Schöpfung der Erde
erteilte, nachdem seine fünfzehn Brüder an diesem Auftrag gescheitert waren.
Oranmiyan erhielt von seinem Vater eine Kalabasse, in der er Erde mit Fett, Bohnen,
Fischen, Mais und Honig vermischt hatte. Außerdem gab er ihm 21 Ikine – schwarzer
Palmensamen – von Ifa und ein Huhn mit fünf Füssen mit auf den Weg. Oranmiyan
ging zu Orunmila, der ihn begleitete. Orunmila war der erste, der auf die Erde
hinabstieg, die nur aus Wasser bestand. Unten angekommen, läutete er seine
Glocke, kniete nieder und begann zu beten. Anschließend entnahm er der Kalabasse
etwas von der Mischung und verteilte sie auf dem Wasser, das sich in feste Erde
verwandelte. Das Huhn sprang auf die Erde, begann zu scharren, und die Erde
dehnte sich aus. Die Eidechse, die Orunmila gefolgt war, berührte die fest geworden
Erde und sagte zu Oranmiyan: “Die Erde ist fest geworden, du kannst herabsteigen”.
Oranmiyan stieg an einer Kette zusammen mit der Kalabasse, dem Stock und den
Ikinen von Ifa zur Erde hinab. Er nahm den größten der Ikine, pflanzte ihn ein und
sprach “hier wird der Mittelpunkt der Erde entstehen, sein Namen lautet Ile-Ife
Odaiye”. Anschließend ließen sich die weiteren Orishas hinab, zuerst Oduduwa,
Ochagriñan und Shango. Oranmiyan, der mutige Jäger, beschloß, die Erde rund zu
formen. Er ging bis zu einer Stelle, an der die Erde ebenfalls fest war. Hier gründete
er eine weitere Stadt, der er den Namen Oyo gab. Er ließ Shango dort zurück und
kehrte nach Ile-Ife zurück.

Eine weitere Legende über Ile-Ife erzählt, dass sich das Leben auf der Erde so
vermehrt hatte, dass es nicht genügend Platz für alle Menschen gab. Orunmila
erhielt daraufhin von Olodumare die Macht, mit der Erde zu sprechen. Er rief:
“feawara ...feawara ...feawara “ – breite dich aus. Die Erde gehorchte und er nannte
sie “Ifewara”. Die Orishas stiegen vom Himmel hinab und betraten die Erde. Oggun
machte ihnen mit seiner Machete den Weg duch das Dickicht frei. So kamen sie zum
Mittelpunkt der Erde. Diesen Ort nannten sie “Ilefemo’” –Ile-Ife. 200 Jahre später
hatte sich das Leben wieder so vermehrt, dass der Lebensraum wieder knapp wurde.
Orunmila erhielt von Olodumare wieder die Macht mit der Erde zu sprechen und die
Erde breitete sich wieder aus, wobei große Wassermassen entstanden, die von den
Orishas “ipacunjun” - Okun – genannt wurden, dies bedeutet “Meer”. Nun war das
Werk vollendet.

Wegen der Bedeutung des Ooni von Ife enthält dieses Buch auch eine Legende über
seinen Ursprung. Er ist die höchste geistige Persönlichkeit der Yorubas und
gleichzeitig auch ihr König. Der Stellenwert des Ooni von Ife für die Yorubas
entspricht der des Papstes für die Katholiken. Die Bedeutung des Wortes “Ooni” geht
Jahrtausende zurück und veränderte sich im Laufe der Zeit.Grundlegend bedeutet es
König, geistiger Vater, die wichtigste Persönlichkeit. Für einige Historiker war der
erste Ooni von Ife Oduduwa, für andere war es sein Sohn. Heute lebt der Ooni der
Yoruba in seinem Aafin – Palast – im Zentrum der Stadt Ile-Ife in Nigeria. Ooni war
laut der Überlieferung Sohn einer Sklavin, die geopfert werden sollte. Die Legende
erzählt, dass Oranmiyan, als er Ile-Ife verließ um das Imperium von Oyo zu gründen,
in Ile-Ife seinen Schatz zurückließ, der von seinem treuen Diener Adim bewacht

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wurde. Adim war auch mit der Weiterführung des religiösen Orisha-Kults beauftragt.
Als Oranmiyan einen Teil seines Schatzes benötigte, sandte er eine Botschaft an
Adimu, der die Weisungen seines Herrn getreulich befolgte. Durch seine wichtige
Position bei der Ausführung des religiösen Kults erreichte Adimu den Status eines
Königs. Adimu war der Sohn einer Sklavin, deren Tod verschoben wurde, damit sie
den Sohn, mit dem sie schwanger war, austragen konnte. Als der Junge
heranwuchs, wurde er mit der Pflege der Tempel der Orishas beauftragt, vor allem
dem Tempel von Obatala, dem seine Mutter geopfert worden war. Als Adimu seine
Vormachtstellung in Ile-Ife erreichte, erhielt er den Namen und gleichzeitig den Titel
“Ooni”, Zusammenziehung des Wortes “owoni”, der Kurzform von “omo olowoni”.
Dies bedeutet in der Sprache der Yoruba “Sohn des geopferten Lebens”. Dies war
die Antwort der Menschen auf die Frage “Und wer ist dieser Adimu?”, die oft im
Zusammenhang mit der Persönlichkeit, die plötzlich soviel Ansehen erlangt hatte,
durch die Bewohner Ile-Ifes gestellt wurde.

Ebenso wie in anderen Religionen wurden in der Religion der Yoruba den Göttern
auch Menschenopfer gebracht, wie im Falle “Ayelalas”, der durch die Ijale und Ijo
Völker als Gottheit angebetet wurde, bei Eleguru, der im Dorf Ijebu Ode geopfert
wurde und bei der Mutter Adimus, einer Sklavin, die Obatala geopfert wurde.
Menschenopfer werden seit vielen Jahren nicht mehr durchgeführt und einige
Legenden erzählen, wie es dazu kam.

Das Unglück von Orunmila: Eine Legende erzählt, das Orunmila eines
Tages in den Wald ging und in einen Schacht fiel, aus dem er nicht herauskam. Drei
Männer, die vorüberkamen, sprachen ihn mit “Bester Orunmila” an, halfen ihm
jedoch nicht. Einige Zeit später kamen drei Frauen vorüber, die jemanden singen
hörten. Sie näherten sich dem Schacht, um zu sehen, wer dies sei, riefen aus “Ja, es
ist Orunmila” und holten ihn heraus. Orunmila bemerkte, dass die drei Frauen
weinten und fragte sie nach dem Grund. Eine antwortete, dass sie weine, weil alle
Kinder, die sie bekam, starben. Die nächste erzählte, dass sie keine Kinder
bekommen könnte und die Dritte, dass sie nicht schwanger werden würde. Orunmila
sagte der ersten, dass von nun an alle ihre Kinderleben würden, der zweiten, dass
sie Kinder bekommen würde und der Dritten, dass sie nicht mehr unfruchtbar sein
würde. Am folgenden Tag gingen die drei Frauen in Orunmilas Haus, schliefen mit
ihm und wurden schwanger. Eine der Frauen war Ochun, die Tochter, die sie bekam,
hieß Parole. Als das Mädchen heranwuchs, sang ihm seine Mutter immer das Lied
vor, das sie von Orunmila im Schacht gehört hatte. In jener Zeit waren
Menschenopfer noch üblich, so daß Parole eines Tages als Opfer auserkoren wurde.
Während sie darauf wartete, geopfert zu werden, sang Parole das Lied, das sie von
ihrer Mutter kannte. Als Orunmila das Lied hörte fragte er Parole, wer ihre Mutter sei.
Sie antwortete, dass ihre Mutter Ochun heiße. Orunmila merkte, dass Parole seine
Tochter war und überlegte, wie er sie vor der Opferung verschonen könnte. Am Tag
der Opferung versammelte er alle Orishas um sich und bat sie, anzugeben, welches
das Tier sei, dass jeder von ihnen am liebsten aß. Obatala und Oya entschieden sich
für Ziege, Yemaya und Shango wollten Ente und auch die anderen Orishas suchten
sich Tiere aus, die sie bevorzugt aßen. So rettete Orunmila seine Tochter und konnte
Menschenopfer vermeiden.

Irete Meyi und sein Sohn: Die Legende erzählt, dass Irete Meyi einen Sohn
namens Olomo hatte, den er nicht kannte. Als dieser Sohn herangewachsen war,
nannte ihm seine Mutter den Namen seines Vaters und er beschloß ihn zu suchen.

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Auf seiner Reise wurde er gefangengenommen und als Sklave an Irete Mey verkauft,
der ihn den Gottheiten opfern wollte. Irete Meyi wußte nicht, dass Olomo sein
eigener Sohn war. In den Tagen vor seiner Hinrichtung sang Olomo ein trauriges
Lied, das von seinem Leben und den Umständen seiner Geburt erzählte. Irete Meyi
wurde auf den Jungen aufmerksam und unterzog ihn einigen Prüfungen, um
herauszufinden, ob Olomo sein Sohn sei. Der Tag der Opferung näherte sich und
Irete Meyi wußte immer noch nicht, ob er der Vater von Olomo war. In seiner Not
wandte er sich an Eshu, opferte einen Ziegenbock und bat ihn, Einfluß auf die
Opferung zu nehmen. Am Tag der Zeremonie wurden zunächst einige Tiere
geopfert, als Olomo an der Reihe war, konnte der Scharfrichter den Hals des Jungen
nicht durchtrennen, denn durch den Einfluß von Eshu war das Messer stumpf
geworden. Der Scharfrichter nahm an, dass Ifa das Opfer nicht annehmen wolle und
wies die Priester auf die Ähnlichkeit zwischen Olomo und Irete Meyi hin. So befreiten
die Priester den Jungen und übergaben ihn Irete Meyi. Als Egi, die Gottheit, die die
Köpfe der Enthaupteten in den Himmel brachte, erschien, stimmten die Priester
Choräle an und berührten die Köpfe des Vaters und des Sohnes und die der vorher
geopferten Tiere. Egi stieg in den Himmel und Irete Meyi verfügte Kraft seiner Macht,
dass fortan Orunmila Ifa keine Menschenopfer mehr bringen würde.

39
Text der Fotos von Seite 41 – Seite 83

Seite 43: Die Divination, Grundlage der Yoruba-Religion. Babalawo bei der
Ausübung dieses Rituals.

Seite 47: Landkarte der Yoruba-Staaten

Seite 54: Bildnis des Orisha Obatala-Alaquerna

Seite 57: Von oben nach unten, von links nach rechts: Yemaya, Shango und Eleggua

Seite 59: Von oben nach unten, von links nach rechts: Eshu, Ochun und Oggun

Seite 61: Von oben nach unten, von links nach rechts: Ochosi, Oggun und seine
Symbole, Ozun

Seite 63: Von oben nach unten, von links nach rechts: Die Ibejis (Ibeyis), Ori und
Embe

Seite 65: Oya, die Gottheit des Lichtstrahls

Seite 79: Eggungun “alagbo” und der Priester, der den Eggun des Verstorbenen ruf

40
Struktur der Verwaltung und Religion

Struktur der Verwaltung

Die Struktur von Gesellschaft und Verwaltung der Yorubas ist streng hierarchisch.
Bis heute befindet sich die legislative, exekutive, judikative und religiöse Macht in der
Hand einer einzigen Person, des Herrschers. Besondere Bedeutung wird der
religiösen Macht beigemessen. Das Land der Yorubas besteht aus mehr oder
weniger autonomen Monarchien, deren Adlige Nachfahren von Ile-Ife oder Oyo sind,
den beiden bedeutenden Zentren der Yorubas, die als Wiege der Menschheit
angesehen werden. Es gibt die Monarchie von Ife und die von Oyo. Ife ist völlig, Oyo
teilweise autonom, weil es die Regeln von Ife befolgen muß. Laut der mündlichen
Überlieferung wurden alle Yoruba Staaten durch Oduduwas Nachkommen – den
Prinzen von Ile-Ife – gegründet. Der Urvater der Yorubas, Oduduwa, gründete Ile-Ife.
Von hier breitete sich das Yoruba-Gebiet aus. Auch noch heute muß der Ooni –
König – von Ife der Krönung eines Königs von Oyo zustimmen, dies gilt bereits seit
der Zeit, in der Oduduwa Herrscher von Ile-Ife war.
Der Aufbau der Regierung, “Ebi” genannt, ist von Reich zu Reich verschieden,
abhängig von den örtlichen Traditionen und vorrangig angebeteten Gottheiten. Trotz
Kolonisierung und späterer Modernisierung blieben die traditionellen Strukturen der
Yoruba fast vollständig erhalten. In Zeiten des großen Imperiums von Oyo verfügten
die Provinzen über örtliche Autonomie und bei den eingegliederten Gebieten war
man bestrebt, das traditionelle Machtsystem fortzuführen. Das Imperium war eine
Monarchie mit folgender Struktur: Der Alafin – König – war oberster Herrscher, seiner
Verantwortung oblag die Regierung. Bei der Ausübung seiner Regierungspflichten
wurde er durch seinen ältesten Sohn, den Aremo, unterstützt. Laut altem Brauch
mußte auch dieser sterben wenn sein Vater starb, aber seit Beginn des XIX
Jahrhunderts war es ihm gestattet, seinem Vater nach dessen Tod auf den Thron zu
folgen. Der Oyo-Mesi war der Rat des Staates und bestand aus sieben Mitgliedern,
die dem Alafin beratend zur Seite standen. Zu ihren Pflichten gehörte auch die
Ernennung des Königs, sollte die Thronfolge nicht vererbt sein. Der Basorun war der
Leiter des Oyo-Mesi, seine Funktion war die eines Premierministers. Der Ogboni war
eine Geheimorganisation, die durch Oduduwa geschützt und als Stimme des Volkes
angesehen wurde, außerdem wurde sie durch den Klerus unterstützt.
Als Beispiel für die Struktur der Verwaltung dient das heutige Yoruba
Königreich Ondo, das mit einer großen Pyramide vergleichbar ist, geformt aus
kleineren Pyramiden. Basis dieser Pyramide ist die Familie als kleinste Einheit.

Der Oba (König): bildet die Spitze der Pyramide. Er leitet die Zentralregierung
und hat das Recht, eine Krone aus Kauriemuscheln zu tragen. In diesem Königreich
wird die Thronfolge im Gegensatz zu anderen Reichen, in denen der König durch
den Rat des Staates ernannt wird, vererbt. Oba ist der Titel des Königs von Ondo, in
Ile-Ife heißt der König Ooni, in Oyo Alafin, in Alake Ake, in Ilesa Awaabokun, d.h.
dass es in den verschiedenen Königreichen der Yorubas unterschiedliche
Bezeichnungen für den König gibt.

Iwarefa: eine aus sechs Mitgliedern bestehende Gruppe: den ältesten


Oberhäuptern jedes Dorfes unter der Leitung des Königs. Sie bilden das
Staatskabinett
.

41
Ekule: führt beratende Tätigkeiten aus, besteht aus sieben Mitgliedern, vier
von ihnen werden durch den Iwarefa ausgewählt, drei sind Vertreter des Königs
.
Elegbe: besteht aus fünfzig Mitgliedern, den Häuptern jedes Distrikts oder
Bezirks mit Unterführern, die die jeweiligen Straßenzüge vertreten.

Alaghoro: gebildet durch die Verantwortlichen für staatliche Zeremonien und


Rituale, die jedoch keine Würdenträger des Kults sind.

Frauen in leitender Funktion: Ihr Titel und Aufgabengebiete entsprechen den


Anwohnern jedes Stadtviertels.

Diese fünf Gruppen formen eine große Pyramide und bilden den Rat des
Staates. Unabhängig davon, dass die Verwaltung modernisiert wurde, ist der Oba
weiterhin heilig, für seinen Unterhalt ist das Volk zuständig. Als die Kauriemuschel
als Währungseinheit eingeführt wurde, sorgte das gesamte Volk für den Unterhalt
der Regierung. Eine Gruppierung von Ortschaften bilden ein Königreich, die
Zentralregierung befindet sich in der Hauptstadt. Sie wird durch die örtlichen
Regierungen unterstützt, die Basis bildet das Ile–Dorf. Jede Ortschaft wird in
Adugbos (Distrikte, Stadtviertel) eingeteilt, deren Oberhaupt der Ijoye ist. Sie besteht
aus einer bestimmten Anzahl von Agbo-Ile (Häusergruppen), Leiter ist das
Oberhaupt der Familie, der Bale. Ihm ist es erlaubt, mehrere Ehefrauen zu haben,
Voraussetzung ist allerdings, dass er sie und die jeweiligen Kinder unterhalten kann.

Struktur der Religion

Die Hierarchie der Gottheiten hängt von ihrer Bedeutung und dem Kult, der
ihnen gewidmet ist. Der Stellenwert der Priester und der für die Ausübung des Kults
zuständigen Personen ist abhängig von ihrem Wissen. Die Basis bilden die
Gläubigen.

Hierarchie der Gottheiten


Olodumare, Olorun Olofi steht an oberster Stelle. Er ist der Schöpfergott und
weilt im Himmel. Er erhält keine Opfergaben, es gibt keine Abbildungen oder Ikone
von ihm, auch keine Tempel, Propheten oder Priester, die sich ihm widmen.

Orishas: Gottheiten, erschaffen durch den Schöpfergott, sie sind auf der Erde,
die als Orisha Ile angesehen wird und sind entweder auf der Erdoberfläche oder in
ihrem Inneren beheimatet. Die Ausnahme bildet Shango, er weilt im Himmel. Diese
Gottheiten erscheinen im Gegensatz zu Olodumare in Literatur, Ikonen oder
Abbildungen. Ebenso sind ihnen spezielle Priester und Rituale bestimmt. Sie werden
auch dargestellt als “Otan”, Steine aus dem Fluss, in denen der Geist des Orishas
lebt. Ihr Stellenwert hängt von dem Kult und der Anbetung, die jeder Orisha durch
Priester und Gläubige erfährt, ab.
In der Hierarchie der Gottheiten steht, laut W. Abimbola, Obatala an erster
Stelle, er ist der Führer der Orishas, gefolgt von Oduduwa, der das Schöpfungswerk
der Erde, begonnen durch Obatala, vollendete und der erste Alafin (König) der
Yorubas wurde. Es folgt Shango, der laut der Legende der einzige Orisha ist, der
gemeinsam mit Olodumare vom Himmel kam und als der bedeutendste der Orishas
angesehen wird. Es folgen Oranmiyan, Gründer und erster Alafin von Oyo, Oggun,

42
der an der Schöpfung gemeinsam mit Olodumare und Obatala beteiligt war, Ifa-
Orunmila, zuständig für die Schöpfung von Fauna, Flora und die Entwicklung der
Divination und des Intellekts. Ile (die Erde) ist ein weiterer Orisha, ihre Bedeutung
entspringt ihr selbst, sie ist heilig und stellt die Heimat der Orishas und der Ahnen der
Yoruba dar. Es folgen so wichtige Orishas wie Yemaya, Ochun, Ochosi, Ozun,
Babalu-Aye, Osain, Oricha Oko, Eshu, Ori und weitere von nationaler Bedeutung.
Allerdings ist für jeden Yoruba und für jedes Yoruba-Volk der eigene Orisha der
wichtigste. Der Stellenwert des Orishas Elleggua ist nicht genau zu bestimmen, auf
jeden Fall ist er einer der bedeutendsten Orishas. Dies belegt seine Präsenz bei
allen Ritualen. Laut dem Pataki “Okana Ojuani” wurden die Orishas durch
Olodumare in folgender Reihenfolge auf die Erde gesandt: Obatala, Eggun, Ori, Ifa,
Oggun, Shango, Ochun, Oya, Yemaya, Inle, Aawon, Shopona und Eleguara. Das
Pataki erzählt, dass Olodumare zu Orunmila sprach: “Du bist der Führer aller
Orishas, alles, was du auf Erden tust, ist nicht vom Himmel zu trennen, denn du bist
derjenige, der auch für die Ordnung des Himmels sorgt”.
Eine weitere Legende macht die hierarchische Einteilung verständlich. Laut ihr
übergab Olofi Obatala Oddua als Ehefrau. Sie wurden Eltern eines Sohnes, Aganyu,
und einer Tochter, Yemaya. Die Geschwister heirateten und hatten einen Sohn,
Orungan, der sich in seine Mutter verliebte und sie zum Inzest zwang. Yemaya
bekam vierzehn Orishas: Aye-Shaluga, Shango, Chankpana, Dada, Oba, Ochosi,
Ochu, Oke, Olokun, Olosa, Orisha Oko, Orun, Oshun, Oya. Aus den Knochen
Yemayas entstammen Obafulom und Iyaa, Adam und Eva der Yoruba-Mythologie.
Die Hierarchie der wichtigsten Orishas hängt von den Elementen oder Kräften,
die sie vertreten ab:
- Kosmogonische Kräfte der Schöpfung: Olodumare, Obatala und Oduduwa
- Kräfte des Schicksals: Eshu, Eleggua, Orunmila, Ifa, Eggun, Ori
- Kräfte der Natur: Shango, Oya
- Männliche tellurische Kräfte: Oggun, Ochosi, Osain und Babalu-Aye
- Weibliche tellurische Kräfte: Yemaya, Ochun, Oya, Oba und Yewa
- Kinder- Kräfte: Die Ibejis
Der Stellenwert jedes Orishas hängt von der Meinung und den religiösen
Praktiken des jeweiligen Gläubigen ab. Für ihn ist Ori, der persönliche Orisha jedes
Menschen, der wichtigste, gefolgt von dem Orisha, dem er geweiht ist. Dies kann
Shango, Ochun, Oggun, Yemaya etc. sein. Anschließend folgen die Orishas der
Familie, der Orisha der Volksgruppe, die örtlichen Orishas und schließlich die
Orishas auf Landesebene, auch zu nennen sind die Orishas der Natur, wie Hügel,
Berge, Flüsse, Bäume, Tiere, etc.
Es gibt auch eine Einteilung in wichtige und weniger wichtige Orishas, in
männliche und weibliche Orishas. Laut der Legende sind einige der Orishas
androgen, wie Obatala-Oddua, der Vater und Mutter von allem was auf der Erde
existiert ist, oder Yemaya-Olokum, Mutter des Universums, die in vergangenen
Zeiten ein Zwitter war. Was die Anzahl der Orishas anbelangt, schwankt die Zahl, die
Historiker und Kenner der Religion angeben: 1700, 600, 400, 200.

Die Priester und ihre Hierarchie: Auch bei den Priestern besteht eine bestimmte
Struktur und Organisation, bei der ihre religiöse Tätigkeit, ihre Bildung, ihre Kenntniss
der Rituale und der Heiligen Überlieferungen und Akzeptanz durch die Gläubigen
eine große Rolle spielen. Wie bei den Gottheiten gibt es auch hier einen Oberpriester
und religiösen Leiter, den Oone (König von Ile-Ife) und eine Gruppe von Priestern,

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die Babalowos, die den wichtigsten der drei Priesterorden bilden. An zweiter Stelle
stehen die Priester von Osain, dem Orisha, der Krankheiten heilt und als Gott der
Medizin und Kräuterheilkunde angesehen wird. Den dritten Orden bilden die Olooso
von Orisha-Oko, Gott der Landwirtschaft und die Olooso die sich einem bestimmten
Orisha widmen. Die Hierarchie, die von der Mehrzahl der Gläubigen akzeptiert wird,
ist folgende:
• Der Ooni: König von Ile-Ife, geistiger Vater aller Gäubigen der
Yoruba-Religion. Mit Ausnahme von Luwu Gbagida, der einzigen
weiblichen Ooni, wird dieses hohe Amt immer Männern verliehen.
Der Ooni ist König, Regierender und Begleiter der Gottheiten. Seine
Autorität ist über jeden Zweifel erhaben. Er steht nicht in Rivalität mit
dem Alafin von Oyo, denn sie sind gemeinsam die wichtigsten
Persönlichkeiten der Yorubas.
• Der Oba (König) der Hauptstadt des Reiches: Seine Autorität
erstreckt sich auf alle Völker des Reiches. Er trägt eine Krone aus
Kaurimuscheln, dadurch unterscheidet er sich von den Obas
niedriegeren Ranges.
• Der Oba (König, Vorsteher) des Dorfes: sein Zuständigkeitsbereich
ist das Dorf unter seiner Leitung. Auch er trägt eine Krone, sie ist
jedoch aus weißen Steinen.
• Die Babalawos,
• Die Osainisten oder Priester von Osain
• Die weiteren Priester von Orishas mit geringerem Stellenwert

In Zeiten des Großen Imperiums von Oyo war die Hierarchie der Priester besonders
streng eingeteilt. Nach dem Alafin (König) gab es eine Doppelspitze mit folgender
Struktur:
• Der Onailemole (politischer Führer) und der Araba (religiöser Führer) standen
an erster Stelle. Beide leiteten den Kult an die Orishas und jede religiöse
Tätigkeit.
• Der Oluwo: oberster Priester von Ifa, welcher zuständig war für eine Stadt
oder Gemeinschaft. Jedem Oluwo unterstanden 16 Leiter, die wiederum
weitere Personen für jede Angelegenheit des Kults beauftragten.
• 16 Ranghohe Leiter von Ifa
• Rangniedrigere Leiter, zuständig für den Kult von Ifa in kleinen Gemeinden.

Die Babalawos: In der Sprache der Yoruba bedeutet “Babalawo” “Vater der
Geheimnisse”. Das Wort “awo”, (Geheimnis) weist auf das besondere Kennzeichen
der Religion hin, d.h., dass die heiligen Rituale nur den Priestern bekannt sind. Die
Babalowos sind Priester des Orishas Orunmila, der laut der Yoruba-Religion Herr
des Orakels von Ifa ist. Die Priester sind die Hüter der Kultur und zugleich die
Ratgeber, Philosophen und Ärzte der Gemeinschaft. Als Priester von Ifa wissen sie
durch ihre Verbindung mit Orunmila, der laut der Legende die Vergangenheit,
Gegenwart und Zukunft der Menschen kennt, welches Schicksal der Person
bestimmt ist. Um die Zukunft voraussagen zu können, müssen sie die “Odu”
auswendig lernen. Die Odu sind Zeichen oder Divinationsbuchstaben, die Legenden,
Fabeln und Verse beinhalten und Bestandteil des Orakels von Ifa sind. Um
herauszufinden, welchen “Odu” man bei einer bestimmten Person anwenden muss,
greifen sie auf eine Divinationskette, die “Opele” oder “Ekuele” oder auf 16
Palmnüsse “Ikine” zurück. Die Babalawos sind die Intelektuellen unter den Yorubas
und die geistigen Väter der Gläubigen. Ihre Hauptaufgabe besteht darin, die
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Probleme der Gläubigen zu erkennen und zu verstehen und ihnen bei der Lösung
dieser Probleme zu helfen. Aufgrund der kulturellen Vielfalt der Yorubas bestehen
Unterschiede zwischen den Babalawos der einzelnen Völker ebenso wie zwischen
den Babalawos von Ile-Ife und Oyo,Nupe, Igbo, Gwari, Jukun, in Nigeria, oder Togo
und Benin. Diese Unterschiede vergrößern sich bei den Babalawos aus
nichtafrikanischen Ländern noch mehr.
Die Mehrzahl der Babalawos sind Männer, allerdings gibt es auch
Priesterinnen, die “Iyanifas”, ihre Zahl ist jedoch begrenzt. Der Babalawo ist nicht nur
der einzige, der die Heiligen Überlieferungen von Ifa lesen kann, in dem das
Schicksal der Menschen geschrieben steht, er ist auch ein großer Kenner der
magischen Kräfte der Pflanzen mit denen er die Krankheiten der Gläubigen,die ihn
aufsuchen, heilt. Der Babalawo fragt nicht danach, wie er eine Krankheit heilen kann,
er sucht den Grund der Krankheit, indem er das kosmogonische Ungleichgewicht
ergründet, welches diese hervorgerufen hat. Er sucht Antwort und Heilung in den
Heiligen Überlieferungen, in denen die Gottheiten sagen, welche Medizin für die
Krankheit anzuwenden ist. Jedes Volk, Stadt oder Dorf hat seinen eigenen Priester
von Ifa. Überall gibt es eine Hierarchie der Priester, die auf den Kenntnissen der
Heiligen Überlieferungen basiert. Der Lernprozess der Priester dauert ein Leben
lang. Wie Wande Abimbola sagt, ist die wichtigste Eigenschaft eines Priesters seine
Bescheidenheit, ganz gleich, auf welcher Stufe der Hierarchie er sich befindet. Es
wird nicht gut angesehen, wenn ein Babalawo seine Stellung ausnutzt um sich zu
bereichern. Laut W. Abimbola hat jeder Orisha seine eigene Hierarchie. Zum Beispiel
ist der Araba von Ife, der seinen Wohnsitz in Ile-Ife hat, Oberhaupt aller Babalawos
von Orunmila oder Ifa. Ihm folgt der Agbongbon, unmittelbarer Hilfspriester des
Araba, anschließend kommen die weiteren Babalaowos. Die Rangfolge der
Babalawo ist wie folgt zu beschreiben:
- Babalawo Olodu: er ist der qualifizierteste Hellseher und Heiler. Er kennt alle
Geheimnisse des Odu und kennt sich in der Literatur von Ifa am besten aus.
- Praktizierender Babalawo: er ist in die Geheimnisse von Odu noch nicht
eingeführt, verfügt aber über das Divinationsmaterial und darf die Divination
ausüben.
- Babalawo der Familie: er verfügt über das Divinationsmaterial, darf aber nur
innerhalb seiner Familie ausüben.
- Heiler Babalawo: darf sich nur mit der Gesundheit befassen
- Gehilfs-Babalawo: er verfügt über einige Kenntnisse und Divinationsmaterial,
darf jedoch nicht ausüben. Er ist nur ein Gehilfe des Kults.

Manche Forscher teilen die Babalawos je nach ihren Aufgaben in Kategorien ein:
den Oluwo oder Hohepriester, den Ajiba oder Gehilfen des Priesters, den Odofin, der
den Hohepriester bei dessen Abwesenheit vertritt, den Asare Pawo, der den Auftrag
hat, die Gläubigen zu den Ritualen zu rufen und den Awaro, einem Priester, der sich
einem bestimmten Orisha widmet.
Um Babalawo zu werden ist eine enorme Gedächtnisleistung notwendig, hinzu
kommt eine große Willensanstrengung, denn der Lernprozess ist langwierig und
rigoros. Er beginnt bereits in früher Kindheit und dauert 7, 12 oder 15 Jahre, je nach
der Lernfähigkeit des Schülers. Während dieser Jahre lebt der Schüler bei seinem
Meister und hilft ihm bei der Ausführung seiner Tätigkeit, vor allem bei den religiösen
Ritualen. Die Ausbildung der durch die Gottheiten auserwählten durchläuft folgende
Etappen:
Die erste Etappe lautet in der Sprache der Yorubas Dida Awo. Der Schüler lernt, wie
man die Divinationskette von Ifa (Opele) und die Palmnüsse (Ikine) nutzt, die

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benötigt werden um die Odu (Zeichen, Buchstaben, Wege) und das “Ese” – die
Verse für jedes Odu - zu finden. Der Schüler muss die Zeichen der 256 Odu, welche
die Grundlage der Divination von Ifa bilden, erkennen können.
Die zweite Etappe hat den Namen Etiti Ale. Der Schüler lernt mit den Ikinen
umzugehen, um das geeignete Odu zu finden, indem er bestimmte Zeichen mit Hilfe
eines speziellen Pulvers zeichnet. Die Ikine werden nicht so häufig genutzt wie die
Divinationskette, aus diesem Grund ist diese Etappe nicht so zeitaufwändig wie die
erste.
In der dritten Etappe wird eine bestimmte Anzahl der “Ese” für jedes der 256 Odu
auswendig gelernt. Der Schüler lernt die “Ese” der 16 wichtigsten Odu.
In der vierten Etappe wird gelernt, welche Opfer den Gläubigen auferlegt werden.
Dieser Teil des Divinationssystems ist von großer Bedeutung. Für jedes “Ese” gibt es
ein entsprechendes Opfer.
Wenn der Lehrer der Ansicht ist, dass der Schüler genügend vorbereitet ist, um
Babalawo zu werden, stimmt er seiner Priesterweihe zu, die aus vier Etappen
besteht:
Sisi Opeleja: Beherrschung der Odu, indem die Divinationskette genutzt wird. Die
Zeremonie dauert einen Tag an welchem Orunmila Opfergaben gebracht werden. Zu
Ehren dieses Ereignisses veranstalten die Priester von Ifa eine Feier.
Gigun Eshu: Ausarbeitung von verschiedenen Gegenständen für Eshu. Eshu und
Orunmila werden Opfer gebracht.
Fifoyu Kan Odu: Einweihung in die Geheimnisse der Odu. Mehrere Priester werden
bewirtet und der Heilige Behälter wird geöffnet, von dem man glaubt, dass es der
Sitz Odus ist, der mystischen Ehefrau von Ifa. Alle Priester betrachten den Behälter,
ohne dem Neugeweihten dessen Inhalt bekanntzugeben, er ist das bestgehütete
Geheimniss des Ifa-Kults. Das Ritual wird begleitet durch Tänze, Trommelschläge
und Gesänge. Eines dieser Lieder lautet: “Die kleinen Kinder können Odu nicht
kostenlos sehen / Die Alten sehen Odu nicht, ohne dafür etwas zu bezahlen /
Derjenige, der Odu sieht, wird Priester von Ifa...”
Igbo Ifa (heiliger Wald von Ifa) ist die ausgefeilteste Etappe, für sie werden über 200
verschiedene Produkte benötigt, wie Nahrungsmittel, Getränke, Stoff, usw. Sie geht
über mehrere Tage, es wird gefeiert, getanzt und gesungen. Verschiedenen Orishas,
darunter auch Eshu und Orunmilla, werden Opfer gebracht. Vier oder fünf Priester
geleiten den zukünftigen Babalawo in einen heiligen Wald, wo er über den Heiligen
Pakt von Ifa geprüft wird. Nach Beendigung dieser Prüfung kommt der geweihte
Priester, der nun ein Babalawo ist, aus dem Wald und führt eine lange Prozession
von Mitgliedern des Kults an, die tanzen und singen. Ein Lied, das bei diesem Anlaß
gesungen wird, lautet: “wir haben dich in die Geheimnisse von Ifa eingeführt / Du
mußt dich neu finden / so wie sich Eji Ogbe neu fand....”

Die Gläubigen oder Anhänger: Es gibt keine Reiligion ohne Gläubige. Bei den
Yorubas war das Leben der Völker stets gekennzeichnet durch einen tief
verwurzelten Glauben. Für einen Yoruba stellen die Religion und der Glaube an die
Orishas seinen Lebensmittelpunkt dar, er richtet sein Leben danach aus, er beginnt
und vollendet nichts ohne vorher seine Gottheiten zu befragen. Wie W. Abimbola
erklärt “ der Yoruba geht in jeder Phase seines Lebens zum Wahrsager, von der
Wiege bis zur Bahre”. Zum Anhänger der Religion wird man entweder durch Geburt
oder durch Empfehlung des Orakels.
Die Gläubigen, die durch Geburt dieser Religion angehören, beten die Orishas
der Familie und des Dorfes, in dem sie geboren wurden oder die Orishas, die der
Mutter einen Sohn oder eine Tochter schenkten, an. Die Gläubigen, die später in

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diese Religionsgemeinschaft eintraten, beten die Gottheiten an, die ihnen das Orakel
vorgibt, vor allem wenn bestimmte Probleme oder Krankheiten zu lösen sind.
Nach der Geburt eines Kindes suchen die Eltern den Babalawo des Dorfes
auf, welcher bestimmt, ob das Neugeborene Priester wird. In diesem Fall erhält das
Kind den Namen des Orishas, der ihn auserwählt hat. Zusätzlich bekommt es den
Namen eines verstorbenen Familienangehörigen oder eines Tieres, einer Pflanze
oder Gegenstandes, z.B Eshu Tere, Shango Iroko Araba, Ochun Omi Tomi, usw.
Diese Kinder werden “Omo-Orisha” genannt. Sollte das Kind nicht unter denjenigen
sein, die auserwählt wurden, bestimmt der Babalawo welches der Orisha ist, der es
beschützt und legt seinen zukünftigen Beruf fest. Zum Beispiel wird das Kind, das
“Sohn von Obatala oder Osain” genannt wird, Arzt, “Sohn von Ogun” Krieger, “Sohn
von Ochosi” Jäger, “Sohn von Ochun” Fischer, “Sohn von von Oricha-Oko” Landwirt.
Die Taufe der Kinder heißt für Mädchen “akobejaye omo tuntun” und “esenfaye omo
tuntun” für Jungen. Unabhängig von dem Geschlecht bringen die Eltern den Säugling
drei Monate nach dessen Geburt zum Babalawo, damit dieser dessen Zukunft
voraussagt und bestimmt, welcher Orisha ihn beschützen wird. Der wichtigste Teil
dieser religiösen Zeremonie besteht außer Gebeten für die Orishas und Vorfahren
darin, dass die Füsse des Jungen oder Mädchens das Divinationsbrett von Orula
berühren. Mit Hilfe der “Ikine” bestimmt der Babalawo nun den Odu, der darauf
hinweist, welches Schicksal dem Kind bestimmt ist. Manchmal wird eine Tragödie
vorausgesagt, z.B, dass das Kind durch Feinde der Familie entführt werden wird. In
diesem Fall wird das Kind durch die Eltern im Gesicht oder am Bauch
gekennzeichnet, so dass man das Dorf oder die Gemeinde bestimmen kann aus der
es stammt. Wenn die Gottheiten voraussagen, dass es Priester wird, feiert die
Familie ein großes Fest.

Heilige Überlieferungen, göttliche Gebote und Verhaltensregeln


Die Yoruba Religion bezieht sich nicht nur auf einen Schöpfergott, eine
kosmologische Vision, einen strukturierten Kult und Bildnisse der Gottheiten, sondern
verfügt auch über heilige Überlieferungen, die vorwiegend mündlich weitergegeben
werden, damit der heilige und geheime Charakter der Religion gewahrt bleibt. Aber
es gibt auch schriftliche Texte. Die heiligen Überlieferungen bilden die sogenannten
“Divinationsorakel”, hier findet man die göttlichen Gebote und Verhaltensregeln, die
von den Gläubigen befolgt werden müssen. Es gibt drei Divinationsorakel: das
Orakel von Obi, das Orakel der Muscheln und das Orakel von Ifa. Das wichtigste ist
das Orakel von Ifa.

Das Orakel von Ifa.


Togo, Benin und Nigeria sind die Länder, die als Wiege des Ifa gelten. Dieses
Orakel ist auch bekannt als Orakel von Orunmila, über den die Odu sprechen. Es
fungiert als Mittler zwischen Menschen und Gottheiten und zwischen den Menschen
und ihren Vorfahren. Das Orakel von Ifa ist für die Yorubas das, was für die Christen
die Bibel und für die Mohammedaner der Koran ist. Es entspricht dem L Ching oder
dem Orakel von Delphi der Griechen. Es handelt sich um Divinationssysteme, die in
der Religion angewandt werden, um die Zukunft vorherzusagen, die Gegenwart zu
verstehen und die Geheimnisse der Gottheiten und der Menschen zu enthüllen.
Gleichzeitig mit der Vorhersage der Zukunft zeigt Ifa die Möglichkeiten an, das
Schicksal zu ändern. Es nutzt ein paradoxes Zusammenspiel von Ungewissheiten
und Gewissheiten und zeigt welche verschiedenen Möglichkeiten die Zukunft bringt.
Ifa kann die Zukunft als eine Projektion der Vergangenheit, in der die gegenwärtige

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Situation mit einbezogen wird, deuten. Man muss darauf hinweisen, dass die
“Voraussagen” nicht agieren, sondern sich lediglich “zeigen”. Der Mensch ist
derjenige, der mit Hilfe der Götter handeln muss. Die “Prophezeiungen” die Ifa
enthält, zeigen sich als “Zeichen”, die sich als “Buchstaben” oder “Symbole”
offenbaren und “Odu” genannt werden. Jeder Odu zeigt einen Weg auf, den das
Schicksal durch die Gottheiten gezeichnet hat.
Ifa ist ein Gebilde aus Fantasie, Poesie und menschlichen Willens, es
beinhaltet Mythologie, Philosophie und Folklore der Yoruba-Völker. Es ist die heilige
Überlieferung, die von den Babalawos und den Gläubigen täglich um Rat gefragt
wird. Die Gläubigen suchen die Babalawos auf, welche die Anordnungen der
Gottheiten in Bezug auf ihr Verhalten und ihre Krankheiten deuten. Im Ifa steht das
Schicksal der Menschen geschrieben.
Auch zeigt es den Grund für ihre Krankheiten auf, aus welchem Grund eine enge
Beziehung zu Heilpflanzen besteht, denen magische Kräfte zugeschrieben werden.
Das Wort Ifa stammt ursprünglich aus dem arabischen “fa”, und bedeutet
zukünftige Handlung. Im islamischen Mittelalter erreichten diese Praktiken ihren
Höhepunkt und möglicherweise kamen sie so zu den Yorubas. Ifa entwickelte sich
über Jahrhunderte als Produkt von Erfahrung und Tradition und wurde im XVI
Jahrhundert als Orakel bei den Völkern von Oyo eingeführt. Eine Legende erzählt,
dass der erste Wahrsager von Ifa ein Mann aus Nupe war, Setilu, der von Geburt an
blind und mit der Gabe der Wahrsagerei gesegnet war. Er wurde durch die
Mahommedaner verfolgt und gelangte nach Benin, nachdem er den Fluß Niger
durchquert hatte. Er blieb einige Zeit in Oyo und ließ sich schließlich in Ile-Ife nieder.
Eine andere Legende berichtet, dass das Orakel von Ifa von den Yorubas abstammt.
Oduduwa, der Gründerkönig, lernte Setilu in Ile-Ife kennen und erkannte seine Gabe
der Wahrsagerei.
Ifa ist historisch mit dem Imperium Oyo verbunden, während der politischen Blütezeit
von Oyo Ende des XVII bis Anfang des XIX Jahrhunderts war es Teil des offiziellen
Kults. Die Mythologie der Yoruba erzählt, dass das Orakel ein Geschenk des Orishas
Orunmila, dem Gott des Wissens, an die Babalawos, die seine Kinder auf Erden
sind, war. Diese sollten mit den Divinationswerkzeugen, den “Ikinen”, Früchten einer
bestimmten Palme, und der “Ekuele”, der Divinationskette, die Stimme der Gottheit
vernehmen, die ihnen die Geheimnisse des Kosmos und des Lebens offenbarte, um
dies der gesamten Menscheit mitzuteilen.
Man kann sagen, dass das Ifa-Orakel unter den bekannten
Divinationssystemen das komplizierteste und ausführlichste ist. Durch das Orakel
sprechen die Gottheiten und die Vorfahren. Ifa bedeutet “was die Zukunft dir bringt”
Um es verstehen zu können, muß man wissen, was ein “Odu” , ein “Ese” oder ein
“Pataki” ist. Ein “Odu”, bekannt als “Zeichen”, “Buchstaben” oder “Symbol” ist in der
afro-kubanischen Religion eine Gesamtheit von Legenden, Mythen, Versen und
Opfergaben. Durch jedes “Odu” sprechen die Gottheiten, jedes Odu zeichnet
Etappen oder “Wege”, spirituelle Wiedergeburten über das Leben der Orishas auf, in
denen man ihre wichtigsten Merkmale erkennen kann. Obatala hat zum Beispiel 16
Wege. Diese Folge an Wiedergeburten zeigt die verborgene Bedeutung jedes
Orishas und welche Anweisungen er den Gäubigen geben möchte. Ein “Ese”
bedeutet “Vers”, ist eigentlich ein Gedicht und steht im Zusammenhang mit den
“Pataki”, die von den afro-kubanischen Religionen genutzt werden. In diesen
mystische Legenden wird in Form von Versen erzählt, welche “Wege” die Orishas
während ihres Lebens gingen. Es enthält Erklärungen und Voraussagen über Leben
und Schicksal der Gläubigen, Erzählungen über Gegebenheiten oder Phänomene

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der Natur, die zur Entstehung der Erde führten und ihren Ursprung in einem Gott
hatten: Olodumare, dem Schöpfergott des Universums.
Das Divinationssystem besteht aus 256 Odu, von denen 16 die
wichtigsten und 240 Kombinationen mit eigenem Inhalt sind. Die Gelehrten meinen,
dass nach den 16 wichtigsten Odu 16 untergeordnete folgen. Wenn man 16 x 16
multipliziert, kommt man auf 256. Wenn diese wiederum jeweils 16 untergeordnete
haben, kommt man auf die Zahl 4.096, von denen jedes einzelne eine eigene
Geschichte enthält. Jeder Odu hat ungefähr 1680 „Ese“ – Gedichte, einige dieser
“Ese” haben über 100 Zeilen. Es gibt keine Begrenzung, wieviele “Odu” und “Ese”
ein Babalawo auswendig lernen muß, aber er muß mindestens die 16 wichtigsten
Odu, 5 der 240 Kombinationen und etwa 1300 “Ese” kennen. Die 256 wichtigsten
Odu sind in Ifa in der Reihenfolge ihrer Bedeutung enthalten, beginnend von den
“Wichtigsten” von 1 bis 16 und gefolgt von den “Kombinationen”, die von 17 bis 256
gehen, von denen jedes einzelne in der Sprache der Yoruba einen eigenen Namen
hat.
Die Namen der wichtigsten Odu sind: Eji-ogbe, Oyeku-Meji, Iwori-Meji, Odi-
Meji, Iroshu-Meji, Owara-Meji, Obara-Meji, Okara-Meji, Ogunda-Meji, Osa-Meji, Ika-
Meji, Oturupon-Meji, Oture-Meji, Irete-Meji, Ose-Meji und Ofun-Meji. Die weiteren
sind in fortlaufender Form Ogbe-Yeku, Ogbe-Iwori, Ogbe-Odi, .......... bis zu den
letzten Ofun-Otura, Ofun-Irete und Ofun-Ose.

Gebote von Ifa


In den Heiligen Überlieferungen sind die Gebote und Verhaltensregeln für alle
Gläubigen der Yoruba Religion enthalten. Ihnen zu gehorchen bedeutet, in
Verantwortung und Würde zu leben.
Jeder Odu, der Bestandteil der Heiligen Überlieferungen von Ifa ist, stellt das
Sprachrohr der Götter dar und enthält Gebote und Verhaltensregeln. Als Beispiel
folgen die Gebote von Ifa in einem Odu, so wie sie die Gelehrten der Yoruba-
Religion predigen:

1. - Bitte Ifa um ein langes Leben, so wie es Olodumare verkündete.


2. - Führe keine Rituale durch, über die du keine Grundkenntnisse hast.
3. - Bringe die Menschen nicht auf den falschen Weg, bringe sie nicht in
Verwirrung.
4. - Betrüge die Menschen nie.
5. - Maße dir nicht an, ein Gelehrter zu sein, wenn du es nicht bist.
6. - Sei immer bescheiden, nie egozentrisch.
7. - Kehre nicht in das Haus eines Oba mit schlechten Absichten ein, sei nicht
falsch.
8.- Breche weder Tabus noch Verbote. Lege die Heiligen Überlieferungen
nicht falsch aus.
9. -Die Nahrung, die für die Orishas bestimmt ist, muß rein und sauber sein.
10.-Verändere die Nahrung nicht, indem du sie verschlechterst.
11.-Sei rücksichtsvoll gegenüber Schwächeren, behandle sie gut. Respektiere
das Eigentum der anderen.
12.-Sei respektvoll gegenüber Älteren und Greisen. Respektiere die
Ranghöheren in der Religion.
13.-Sage nicht etwas, wenn du etwas anderes meinst.
14.-Gehe nicht fremd mit der Ehefrau eines Ranhöheren, betrüge keinen
Freund.

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15.-Sei nicht klatschsüchtig, verrate niemals ein Geheimnis.
16.-Begegne einem Babalawo mit Respekt, fange mit seiner Ehefrau kein
Verhältnis an

Erwachen von Ifa


In den heiligen Überlieferungen von Oyo findet man folgende Lehren:
 Derjenige, den Ifa retten wird, muß sich zunächst selbst retten.
 Wir bitten Ifa reinen Gewissens uns das zu gewähren, was wir uns wünschen.
 Ifa sieht nicht in das Antlitz des Menschen sondern in seine Seele.
 Nur derjenige wird gesegnet, der seiner selbst sicher ist.
 Wenn man die Älteren ehrt, ehrt man Ifa.
 Wenn wir uns mit unseren Brüdern und Gefährten zerstreiten, erhalten wir
nicht den Segen Ifas.
 Der Ehemann ist Orisha für seine Ehefrau, wenn sie ihn betrügt, betrügt sie
Ifa. Die Freude des Ehemanns ist die Freude von Ifa. Wenn sich das Paar gut
versteht erhält es den Segen Ifas. Wir können die dunkle Seite der Frau nicht
sehen und ans Licht bringen.
 Der Ehemann muß sich nicht sehr hartherzig gegenüber seiner Ehefrau
benehmen, aber auch nicht sehr nachgiebig.
 Es ist ein großer Verlust für den Mann, eine Frau zu verfolgen.
 Eine Frau, die viel spricht, stellt eine Gefahr dar, diese kann den Tod des
Ehemanns bewirken.
 Eine Frau, die mit einem Mann Kinder hat ist nicht seine Ehefrau wenn sie
sich nicht gut benimmt.
 Wenn jemand seine Geheimnisse allen preisgibt, wird er verachtet und nicht
respektiert.
 Der Mensch kann keine zwei Seelen haben, Ifa wird nur mit einer Seele
angebetet.
 Stolz erzeugt Verachtung.
 Wenn man Eggun und den Orishas Opfer bringt ohne sich gut zu benehmen,
sind diese nichts wert.
 Wer Ifa erlernt hat sein Schicksal in der Hand.

Mahnungen von Ifa


Wenn man die folgenden Gebote einhält, ehrt man den Kult und Obatala.

 Schneide keinen Stock und bete ihn an ohne zu wissen, dass du wichtiger als
der Stock bist (Odí Mejí).
 Der Geistliche darf sich nicht erzürnen (Ogundá Fun).
 Der Geistliche darf weder klatschsüchtig noch ein Verräter sein (Ogundá
Biogde).
 Die Kinder müssen Vater und Mutter ehren um Wohlstand zu erreichen
(Okana Irete).
 Um glücklich zu werden, müssen die Frauen ihre Ehemänner achten (Okana
Irete).
 Achte auf die Älteren um ein langes Leben zu erreichen (Ika Odi).
 Eheliche nicht die Frau eines Freundes (Ogbe Ate).
 Achte die Frau desjenigen, mit dem du in Verbindung stehst und bringe sie
ohne das Einverständnis des Ehemanns nicht in dein Haus (Ogbe Ate).

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 Wenn jemand dich zu etwas Bösem anstiften möchte, tue es nicht (Ogbe Ate).
 Achte zuerst auf dich selbst, später machen es die Orishas (I wori Irete).
 Tue nichts, was du nicht beherrscht, überlege bevor du handelst (I wori Irete).
 Nehme nichts an dich, was dir nicht gehört (I wori Irete).
 Habe reine Gedanken (Ogbe Ate).
 Tue nichts Schlechtes, es fällt auf denjenigen zurück, der es tut. (Ogbe Ate).
 Richte keinen Schaden an, denn derjenige, dem du Schaden zufügst, wird
dich richten (Eji Ogbe).
 Sage nicht dass weiß schwarz ist, denn Obatala steht immer auf der Seite der
Wahrheit (Okana Irete).

Sprichwörter
In Anbetracht der Bedeutung, die sie auf das Verhalten der Gläubigen haben
und weil sie Lehren der Orishas in den Odu beinhalten, bringen wir nachfolgend
einige Sprichwörter der Yorubas:
 Salz geht nie dahin, wo du es hinstreust, bis Wasser darauf fällt.
 Derjenige, der schwarzes Blut hat, spuckt nicht weißen Speichel aus.
 Der Mensch, der schwer arbeitet, kann die Feindschaft des Faulen auf sich
ziehen.
 Mit nur einer Hand kann man keinen Korb auf dem Kopf platzieren.
 Du kannst nur auf einem dunklen Weg gehen, wenn du ihn im Hellen gesehen
hast.
 Derjenige, der langsam geht, nimmt neue Eindrücke mit nach Hause,
derjenige, der rennt, kann nicht genießen.
 Der Schornstein raucht nicht von alleine, man muß Feuer machen.
 Durch Zorn wird nichts erreicht, Geduld ist die wichtigste Tugend.
 Der Charakter ist wie ein Gott, er unterstützt dich je nachdem wie du dich
benimmst.
 Niemand geht mit brennender Kerze unter dem Dach zu Bett.
 Der Meister lehrt nicht, Böses zu tun, wenn wir das Böse nicht in uns haben.
 Der Klatschsüchtige ist immer der Meinung, dass die Leute über ihn reden.
 Egal wie schwierig der Weg ist, das Huhn findet immer die Eier.
 Wenn der Hund das Gesicht eines Leoparden sieht, verhält er sich ruhig.
 Fische gleicher Art schwimmen immer gemeinsam.
 Man weckt denjenigen auf, der schläft, nicht denjenigen, der vorgibt zu
schlafen.
 Der Mund kann nicht so schmutzig sein, als dass sein Besitzer nicht damit
essen kann.
 Der Charakter ist die Zierde des Mannes. Weiße Zähne die Zierde einer edlen
Frau.
 Wenn Du nicht essen möchtest was ich esse, dann müssen wir getrennt
essen.
 Die rechte Hand wäscht die linke Hand, diese wäscht die rechte, so sind beide
sauber.
 Die Larve verwandelt sich in den Schmetterling, das Ei wird zum Huhn.

Der religiöse Kult


Das Divinationsritual, durch das die Gottheiten, die Orishas, zu den Gläubigen
sprechen und die Opfergaben, die diesen gewidmet sind, bilden den wichtigsten Teil
des Kults der Yoruba. Ein weiteres wichtiges Element ist die Verehrung der Seelen
der Vorfahren, von denen man glaubt, dass sie die Lebenden weiter begleiten.

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Auch verehren die Yorubas bestimmte heilige Orte wie Stätde, Tempel und gewihte
Stätten. Ein weiterer Bestandteil des Kults sind Priesterweihen ebenso wie religiöse
Festivals, die die Yorubas zu Ehren ihrer Gottheiten veranstalten.

Heilige Städte
Ile-Ife: Heilige Stadt, die in allen Legenden als Wiege der Menschheit genannt
wird, der Ort, an dem Kultur und Religion der Yorubas ihren Ursprung hatten. In der
Geschichte des Altertums und in der Mythologie der Yorubas stellt Ile-Ife den
Mittelpunkt der Erde dar, das Paradies der Schöpfung. Von hier aus verbreitete sich
die Kultur. Für die Yorubas und viele Völker Afrikas ist Ile-Ife der Ort ihres
Ursprungs.
In der Sprache der Yorubas bedeutet Ile-Ife “Haus des kleinen Vogels” Ile=
Haus,Wohnung; Ife= kleiner Vogel. In der Mythologie und Überlieferung gibt es noch
viele weitere Bezeichnungen: Haus der 400 Gottheiten; Haus der Verbreitung; Stadt
der Überlebenden; Ort, an dem der Sonnenaufgang das erste Mal gesehen wurde;
Haus der Morgendämmerung; Zentrum des Universums: Ort der Schöpfung; Herz,
das die Venen der Yoruba-Nation mit Blut versorgt; Haus der Götter und aller
geheimnisvollen Geister; Haus des Ursprungs aller Dinge.
Ile-Ife war die Hauptstadt des alten und ersten Yoruba-Reiches und erreichte
seinen Höhepunkt 1300 unseres Zeitalters, als das Große Imperium von Oyo
entstand. Gründer war Oduduwa. Das Reich von Ife war von anderen Yoruba-
Reichen umringt, die die Vormachtstellung von Ile-Ife und die Vorrangstellung der
nationalen Gottheiten akzeptierten, aber auch die Gottheiten der anderen Reiche
wurden anerkannt und angebetet. In Ile-Ife wurden die Könige der anderen Yoruba-
Gebiete zu Grabe getragen und den neuen Königen die Symbole der Macht
übergeben.
Ile-Ife behauptet auch heutzutage seine Vormachtstellung in Kultur und
Religion der Yoruba, hier befindet sich der Palast des Ooni, Vater und geistiger
Ratgeber aller Gläubigen, ebenso wie die wichtigsten Tempel, errichtet zu Ehren der
Orishas. In Ile-Ife werden die großen religiösen Festivals abgehalten, um die
Gottheiten und die Anführer aus vergangenen Zeiten zu ehren.

Oyo: Hauptstadt des größten Yoruba-Imperiums, folgt Ile-Ife in religiöser


Bedeutung. Das Imperium von Oyo trug viel zur Bildung und Entwicklung von Kultur
und Religion der Yoruba bei. Der Glaube und die religiösen Mythen waren hoch
entwickelt, sie dehnten sich zunächst auf die verschiedenen Herrschaftsgebiete
Oyos und anschließend auf die Nachbarstaaten aus und bereicherten so die Kultur
dieser Völker. So wurden z.B. Obatala, der aus Osogun stammt, und Shango, der
aus Oyo stammt, zu den wichtigsten Gottheiten aller Yoruba-Gläubigen. Ein weiterer
Beitrag von Oyo war die Integration und Erhaltung der alten und neuen religiösen
Überlieferungen in einem Orakel, dem “Ifa-Orakel”. Obwohl dieses Orakel nur in
mündlicher Form besteht, hat es die Zeit, die Migration, die Bürgerkriege der
Yorubas, die europäische Kolonisierung und die Sklaverei überlebt und wurde mit
den Sklaven in die europäischen Kolonien nach Amerika gebracht.
Göttliche Verbindung zwischen Ile-Ife und Oyo. Für die Yoruba-Völker führen
alle Wege nach Ile-Ife, unabhängig vom Ort, an dem sie sich befinden. Manche
Gelehrte sind der Ansicht, dass diese Völker eigentlich “Ife” und nicht “Yoruba”
heißen sollten, dem eigentlichen Namen des mächtigen Imperiums Oyo. Viele
Legenden berichten über eine göttliche Verbindung zwischen beiden Städten. Eine
Legende erzählt, dass Oranmiyan, Sohn von Oduduwa, das Reich Oyo gründete.

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Laut einer anderen gründete Oranmiyan zuerst Ile-Ife und dann Oyo, um schließlich
wieder nach Ile-Ife zurückzukehren. Bevor er Oyo verließ, übergab er seinem
ältesten Sohn Ajaka den Thron. Dieser wurde jedoch durch das Volk enthront, das
seinen jüngeren Bruder Shango auf den Thron setzte. Unter der Führung Shangos
breitete sich das Reich aus, bis es den größten Teil der Yoruba-Region einnahm.
Shango, der zum Orisha wurde, war die wichtigste Gottheit in Oyo, sein Kult wurde
von allen Völker des Reiches zelebriert.
Im XVIII Jahrhundert war die Bedeutung des Alafins (Königs) von Oyo größer
als die des Ooni (Königs) von Ile-Ife. Unter Anerkennung der Vorrangstellung Ile-Ifes
wurde die Macht jedoch zweigeteilt: der Alafin von Oyo übte die politische Macht aus,
der Ooni von Ile-Ife hatte die religiöse Macht und wurde als Vater und Ratgeber
angesehen. Das Ifa-Orakel ist eine Verbindung verschiedener Systeme und
Glauben, mit einem Kult der Unterschiede erlaubt. In Oyo wird dem Kult von Ifa und
Eshu nachgegangen, während man in Ile-Ife dem Kult von Ifa und Egun folgt.

Tempel, Sanktuarien und heilige Objekte.


Tempel. Die Tempel der Yoruba sind niedrige und langgestreckte Bauten, sie
erreichen die Größe eines Gemeindehauses in den Dörfern. In den Städten ist der
Tempel das größte und höchste Haus. In ihrem Inneren befinden sich die Altäre für
einen oder mehrere Orishas mit den jeweiligen Gegenständen und heiligen
Symbolen, die nur geweihten Gläubigen zugänglich sind. Nicht alle Gläubigen gehen
in das Innere des Tempels, die meisten versammeln sich in einem großen offenen
Innenhof, der sich gegenüber des Tempels befindet, in den sich die Priester und ihre
Helfer begeben, um die religiösen Rituale zu zelebrieren. Die wichtigsten Gottheiten
haben ihren eigenen Klerus und ihren eigenen Tempel. Auf den Altar werden die
Abbildungen und die Gegenstände gelegt, die den oder die Orishas darstellen. Dies
ist der Ort, an dem die Rituale stattfinden und die Opfergaben gebracht werden. In
allen Dörfern gibt es kleinere Tempel, in den Hauptstädten und in Ile-Ife und Oyo
befinden sich die wichtigsten Tempel.
Der Tempel besteht meistens aus einem Platz in der Mitte, an dem sich der
Altar des verehrten Orishas befindet. Er ist umringt von einer Galerie aus polierten
Lehmwänden, auf die Figuren von Menschen, Tieren und heiligen Gegenständen
gezeichnet sind. Häufiger als antropomorphische Figuren werden die Symbole der
Götter, vor allem Kalebassen, Steine, Kräuter, Pfannen, Beile und Schlangen
gezeichnet. Die bevorzugten Farben zur Dekoration der Tempel sind blau, weiß, rot
und schwarz.

Sankturarien sind kleine Bauten in der Größe einer Hütte, die sich auf dem
Land am Saum einer Straße, am Ufer eines Flusses, an Bäumen, die als heilig
angesehen werden, in der Lichtung eines Waldes außerhalb des Dorfes befinden.
Auf dem Erdboden wird ein kleiner viereckiger Hügel errichtet, der von einer Hütte
aus Lehm oder Gehölz umrundet ist. Im Inneren befinden sich Gegenstände und
Figuren, die den Orisha darstellen, ebenso wie Kasserollen aus gebranntem Lehm,
heilige Steine, Symbole oder Werkzeuge. Diese Sanktuarien sind heilige Orte, an die
sich die Dorfbewohner begeben um den Orisha, der als Beschützer ihres Dorfes
angesehen wird, zu verehren. In Häusergruppen, die eine Großfamilie beherbergen,
werden auch Sanktuarien errichtet. Diese bestehen aus kleinen Hügeln, auf die
Kasserollen mit heiligen Steinen gelegt werden ebenso wie Eisenstangen, die einem
oder mehreren Orishas der Familie gewidmet sind. Es gibt Gläubige, die ihr eigenes
Sanktuarium in ihrem Haus errichtet haben, auf das sie die Lehmkasserollen, in
denen sich heilige Steine befinden, stellen. Man kann auch nur Amulette als

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Sanktuarium in den Eingang und in den Ecken des Hauses anbringen, ebenso wie
einen grob verarbeiteten Stab, der an einer Eisenkette befestigt über der Tür hängt.
Außerhalb der Yoruba-Dörfer findet man häufig einen großen Kaktus neben
einem Hügel, auf dem sich eine Kallebasse und ein Stein befinden. Es ist ein
Sanktuarium, gewidmt der Gottheit der Erde, dem Orisha Ile oder der Gottheit der
Epidemien, dem Orisha Babalu Aye. Auch auf dem Marktplatz jedes Dorfes ist häufig
ein Sanktuarium zu finden. Zum Bau eines Sanktuariums nutzt man Marktabfälle, die
zusammen mit anderen Elementen vermischt werden. Die Tempel und Sanktuarien
werden durch Geistliche und qualifiziertes Personal, das hierzu ermächtigt ist,
errichtet und geleitet und werden in geheimen Ritualen geweiht. Die Gläubigen
nehmen nur als Zuschauer teil, ohne die Rituale zu kennen. Im allgemeinen hat der
Gläubige kaum Kenntnisse über die Beschaffenheit und den Bau eines Tempels oder
Sanktuariums, aber er weiß, dass sein Orisha hier wohnt und dass er hier mit ihm in
Verbindung treten kann. Bekannt ist aber, dass die Rituale für Bau und Weihe viele
Opfergaben an Kräutern, Nahrung, Getränken und Tieren erfordern, denn das Blut
der geopferten Tiere ist die Grundlage des Rituals.

Heilige Gegenstände: In der Religion der Yoruba sind viele Tiere, Pflanzen,
Naturelemente und Gegenstände heilig, so wie die Schlange, der Jaguar, das Huhn,
das Chamäleon, die Muscheln, die Palme, der Kapokbaum, der Kaktus, die Kräuter,
die Flüsse, die Berge, die Steine, die Halsketten und die Kasserollen oder Behälter
aus Ton, die Trommeln, die Werkzeuge, die bei den Divinationsritualen benutzt
werden: Palmnüsse oder Obi Cola, Kauriemuscheln, Ikine, Kette, genannt “Opele
oder Ekuele”. Diese heiligen Gegenstände werden entweder als Zeichnung
dargestellt oder sie befinden sich in den Tempeln und Sanktuarien. Den Gläubigen
ist die Bedeutung dieser Gegenstände nicht immer bekannt. Priester und Personen,
die sich dem Kult widmen, sind diejenigen, welche die Bedeutung jedes Elements
genau kennen. Unbedingt erforderlich bei allen religiösen Zeremonien ist das
“Orniero”, eine Flüssigkeit, die aus Kräutern hergestellt ist

Rituale der Verehrung oder Anbetung


Die Rituale sind vielseitig und folgen keiner bestimmen Richtlinie, allerdings
gibt es übereinstimmende Grundelemente. So dürfen die Gläubigen am Tag vor
einer wichtigen Feier zu Ehren eines Orishas keinen Geschlechtsverkehr ausüben.
Bevor der Gläubige ein Ritual beginnt, muss er sauber und reinen Herzens sein. Es
können tägliche, wöchentliche oder jährliche Rituale sein. Die Zeremonie kann
einfach und kurz oder lang und komplex sein. Der Yoruba ist ständig mit seinen
Orishas in Verbindung, es spielt keine Rolle, wo er sich gerade befindet oder was er
gerade macht. Im Einklang mit der Gottheit zu handeln gibt ihm ein Gefühl der
Sicherheit und des inneren Friedens. Er steht ständig mit seinem Orisha durch
Gebete in Verbindung und bittet ihn um Hilfe, dies ist ein wesentlicher Bestandteil
seines Lebens.
Die tägliche Anbetung: wird durch das Oberhaupt der Familie in den
Wohnungen gemeinsam mit den Familienmitgliedern vor dem Altar des Orishas, der
sie beschützt, ausgeführt. Das Ritual beginnt mit der Beschwörung und Begrüßung
des Orishas, sein Name und weitere Namen, die ihn preisen, werden aufgerufen.
Die ihm gewidmeten Heiligen Texte werden zitiert, anschließend bittet man um
seinen Segen und seine Hilfe zur Lösung der alltäglichen Probleme. Um zu wissen,
wie der Tag verlaufen wird, nutzt der Zelebrant das Obi-Orakel. Er nimmt die Kola-
Nuß oder die Obi-Kola (Samen einer typischen afrikanischen Palme, geteilt in zwei
bis vier Stücke) und wirft diese auf den Boden. Jedes dieses vier Stücke hat einen

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konkaven und einen konvexen Teil. Je nachdem wie die konkaven Teile der Nuß
fallen, weiß das “Zeichen” des Orakels, ob der Tag gut oder schlecht verlaufen wird.
Die Stücke werden mehrmals geworfen, anschließend wird eine Hälfte der Nuß auf
den Altar des Orishas gelegt, die andere Hälfte ißt der Zelebrant. Während der
Zeremonie steht oder kniet der Zelebrant und kann eine Glocke oder Rassel ertönen
lassen, um die Aufmerksamkeit des Orishas auf sich zu lenken. Wenn der Zelebrant
ein Mann ist, enthüllt er sein Haupt, manchmal auch seine Schultern und seine Taille.
Wenn es eine Frau ist, enthüllt sie ihr Haupt und läßt ihre Schultern frei. Die
Assistenten nähern sich dem Zelebranten auf Knien und erhalten Teile der Nuß, die
bei der Zeremonie verwandt wurde.
Die wöchentlichen Anbetungen: werden auf Gemeindeebene an dem
Wochentag durchgeführt, der dem Orisha der Gemeinde gewidmet ist. Sie ähneln
den täglichen Anbetungen, sind aber besser ausgearbeitet , an ihr nimmt eine
größere Zahl von Gläubigen teil. Zelebrant ist der Gemeindepriester, der die
Zeremonie im Gemeindetempel durchführt. Nach den Beschwörungen und Gebeten
vor dem Altar des Orishas wird jeder Gläubige einzeln vorgestellt, mit jedem betet er
und bittet den Orisha, ihm zu helfen. Anschließend verteilt er eine Kola-Nuß an jeden
Gläubigen und achtet auf die Reihenfolge der Anhörung. Als erstes kommen
diejenigen an die Reihe, die eine positive Wahrsagung erhalten haben. Die Woche
der Yoruba besteht aus vier Tagen, jeder Tag trägt den Namen des Orishas, der
angebetet werden muß. Meistens fällt dieser Tag der Anbetung auf den Tag, an dem
der Priester wenig Arbeit hat, denn auch er muß ebenso wie die anderen Gläubigen
einer Tätigkeit nachgehen, um seinen Unterhalt zu sichern.
Die jährlichen Anbetungen: diese religiösen Feierlichkeiten finden einmal
jährlich zu Ehren eines oder mehrerer Orishas statt. Das Festival erinnert an ein
wichtiges Ereignis der Mythologie und Legende. Die Feiern finden in Städten,
Dörfern oder Gemeinden in den Tempeln, die für diesen Anlaß festlich geschmückt
werden, statt. Jeder Tempel hat seinen eigenen Priester und für den Kult
verantworliche Personen, aber auch das Oberhaupt der Stadt, des Dorfes oder der
Gemeinde ist verantwortlich für die Pflege der Tempel und die Durchführung der
religiösen Feierlichkeiten. Wer an diesen Feierlichkeiten nicht teilnehmen kann, muß
einen Vertreter entsenden. So schickt z.B. der Ooni von Ife, geistiger Vater aller
Yorubas, der in allen Tempeln und Altaren anwesend sein muß, seine Vertreter zu
den Feierlichkeiten, an denen er nicht teilnehmen kann.
Jeder Orisha erhält sein jährliches Festival, an welchem auch die Ahnen
gefeiert werden. Zur Durchführung der Zeremonie versammeln sich mehrere
Priester, unter welchen der Älteste aufgrund seiner Erfahrung und Weisheit die
Leitung übernimmt. Nach den Gebeten stellen sich die Gläubigen dem Orisha, der
gefeiert wird, vor. Als erste werden die Oberhäupter der Stadt oder Dorfes
vorgestellt, zu deren Ehren eine Kolanuss geöffnet wird.
Anschließend kommen weitere führende Persönlichkeiten und Besucher anderer
Sanktuarien des Orishas zu dessen Ehren die Feierlichkeiten stattfinden. Diese
Festivals ziehen viele Menschen an, die Gläubigen feiern ein großes Fest unter dem
Lärm der Trommeln, es wird viel getanzt, gegessen und getrunken. Der Orisha
erhält verschiedene Opfergaben. Bei den Yorubas gehört jeder Orisha zu einem
bestimmten Gebiet: Shango wird vor allem in Oyo, Oggun in Ekiti, Ochun in Ijosa,
Yemaya in Egba, Babalu Aye in Arara gefeiert. Bei den großen Festivals heben sich
vor allem das von Obatala am 18. Mai, von Shango am 16. August, von Yemaya im
September, von Ochun am 13. August, von Eleggua am 13. März und die
Feierlichkeiten der Egungun im Monat Juli hervor.

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Den Hexen Nahrung geben: Bei den Yorubas existiert auch der Glaube an die
Hexen. Sie sind nicht Bestandteil der Religion und werden nicht angebetet, aber die
Yorubas fürchten sich vor ihnen. Die Hexen werden häufig für den Tod ebenso wie
für Krankheiten und materiellen Schaden verantwortlich gemacht.
Opferungen und Opfergaben (Ebbo): Sind bei der Anbetung der Orishas
unverzichtbar. Zu den Opfergaben zählen Nahrung, Getränke, Obst, Pflanzen, Tiere
und Gegenstände. Die Opfergaben und Opfer werden eingeteilt in gemeinsame
Gaben, Geschenke und gelegentliche Gaben. Bei den gemeinsamen Gaben teilen
die Gläubigen die Gaben mit den Orishas, sie essen und trinken von den
Opfergaben, die diesen gewidmet sind. So bedeutet z.B. das Teilen der Palmnüsse
zwischen den Gläubigen und den Gottheiten, dass ein Band der Freundschaft und
Gemeinschaft zwischen ihnen besteht. Die Geschenke werden täglich gereicht, sie
bestehen meistens aus Wasser, Öl, Alkohol, gekochtem Essen, Bohnen, Mais,
Muscheln, Geflügel. Die gelegentlichen Opfergaben werden gebracht wenn der
Gläubige ein Versprechen, das er dem Orisha gemacht hat, einlöst und ihm für seine
Hilfe dankt.
Es gibt auch Opfergaben die gebracht werden wenn der Orisha erzürnt ist und es so
zu Epidemien, Hungersnöten, Trockenheiten oder Krankeiten kommt. Sie werden im
Namen der Familie oder der betroffenen Gemeinde dargeboten. Der Priester berät
sich mit den Gottheiten, diese teilen ihm mit, welche Opfer sie annehmen. Ein Opfer,
das von den Gottheiten mißbilligt wird, ist eine grobe Beleidigung und kann
furchtbare Folgen für den Gläubigen, die Familie oder das Dorf haben. Jeder Orisha
hat bestimmte Vorlieben für bestimmte Opfergaben. Das Blut der geopferten Tiere
enthält Leben und Essenz des Tieres und verbindet die Gläubigen und mit den
Gottheiten. Im allgemeinen ist das Blut für die Götter bestimmt, das Fleisch wird von
den Gläubigen gegessen.

Religiöser Ritus der Ehe: Grundlage der Organisation in Verwaltung und


Religion ist die Familie. Eine neue Familie wird vor allem im Einklang mit den
Geboten der Religion gegründet. So müssen die Eltern der Brautleute zu einer
Einigung kommen, damit diese die Ehe schließen können. Zuerst besuchen die
Eltern des Bräutigams die Eltern der Braut und bringen Zuckerrohr, Reis,
Jamswurzeln und eine kleine Ziege als Geschenk mit. Laut ihrem Glauben wächst
die Liebe zwischen den Brautleuten ebenso wie die Ziege. Wenn die Ziege Junge
bekommt, bedeutet dies, dass die junge Familie viele Kinder haben wird.
Außer den Opfergaben bringen die Eltern des Bräutigams einen bestimmten
Geldbetrag mit, der von dem Vater der Braut aufbewahrt wird. Dieses Geld ist dafür
bestimmt, dass die junge Familie eine finanzielle Grundlage hat, um ihr Leben
unabhängig gestalten zu können, mit diesem Geld beginnen die Brautleute ihr Leben
als verheiratetes Paar. Der Brautvater trifft die Entscheidung, und sobald eine
Einigung erzielt wurde, kann diese nicht rückgängig gemacht werden. Ab diesem
Zeitpunkt bereiten die Familien der Brautleute die Eheschließung ihrer Kinder vor
und vereinbaren gemeinsam den Hochzeitstermin. Nachdem sich die Familien
geeinigt haben wird die Hochzeit zu dem Zeitpunkt und in der Form durchgeführt, die
vor allem den finanziellen Möglichkeiten beider Familien entspricht. Am Tag der
Hochzeit hat der Bräutigam das Heim, in dem er mit seiner Ehefrau leben wird,
bereits vorbereitet.
Am Tage der Eheschließung wendet man sich an den wichtigsten Geistlichen
des Dorfes, der die Zeremonie im Tempel oder Sanktuarium durchführt. Der Priester
geht ausführlich darauf ein, wie sich die Brautleute in ihrem neuen Leben zu
verhalten haben und ermahnt sie eingehend, die Richtlinien der Religion zu befolgen

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und die Orishas zu achten, die ihr Leben bereits leiten und auch in Zukunft leiten
werden. Der wichtigste Teil der Hochzeit ist die Opferung von Tieren zu Ehren der
Orishas des Dorfes, vor allem der Ziege, die von den Eltern der Braut aufgezogen
wurde. Anschließend wird ein großes Fest gefeiert bei welchem die geopferten Tiere
unter Gesang und Tanz und dem Schlagen der Trommeln zubereitet werden. Nach
der Feier bringt der Ehemann seine Ehefrau in das bereits errichtete Haus, von nun
an ist sie eine treue Dienerin ihres Ehemanns. Mehrere Ehefrauen sind erlaubt, aber
die erste hat die meisten Rechte in der neuen Familie. Es kann vorkommen, dass die
Ehefrau ihren Verpflichtungen nicht nachkommt, in diesem Fall bringt der Ehemann
sie in das Haus ihrer Eltern zurück.

Verehrung der Vorfahren: Der Kult für die Seelen der verstorbenen
Familienangehörigen, den “Eggun”, bildet zusammen mit dem Kult für die Orishas die
Grundlage der Religion der Yoruba. Die Seelen der Vorfahren helfen bei der Lösung
von Problemen. In Harmonie mit den “Eggun” zu leben ist Bestandteil des Lebens
der Gläubigen. Häufig suchen sie ihren Rat bei wichtigen Entscheidungen und
widmen ihnen Gebete und Opfergaben, sie erhalten Antwort mittels Zeichen oder
Träumen. Man bittet sie, Probleme zu lösen und oftmals warnen sie ihre
Angehörigen, wenn Gefahr droht. Bei allen Zeremonien sind sie gegenwärtig, die
Familie bietet ihnen Nahrung und Getränke an und teilt diese mit ihnen. Die Greise
sind für den Kult der Vorfahren verantwortlich und sind bestrebt die Familienbande
enger zu knüpfen, es ist ihr Anliegen, die Vorfahren so in die Familie einzubinden.
Bei den Yorubas findet eine alljährliche Feier zu Ehren der Seelen der Verstorbenen
statt, das “Festival von Egungun”, bei dem die Menschen der Dörfer bunte Kleider
tragen und die Toten durch Masken darstellen., Die Priester haben die Aufgabe
dieses jährliche Festival vorzubereiten und durchzuführen. In Oyo wird das erste
“Egungun”, bekannt als “Alagbo” vom 1. bis 17. Juli gefeiert, und ein zweites
Egungun, bekannt als “Egungun Orisha” vom 18. bis 31. Juli.

Die Divinationsrituale
Die Divinationsrituale bilden die Grundlage der religiösen Zeremonien. Für die
Babalawos beginnt der Tag indem sie ihre Gottheiten um Rat fragen. Sie befragen
die Götter auch bei Problemen, die die Familie und die gesamte Gemeinschaft
betreffen. Die Gläubigen bitten ihre Gottheiten bei verschiedenen Anliegen um Rat.
Sie möchten z.B. wissen, was sie tun können um von ihnen gesegnet zu werden
oder sie haben Fragen über Kinder, Wohlstand, beruflichen Erfolg, Gesundheit,
Heilung von Krankheiten, sie möchten erfahren was ihnen die Zukunft bringt, wie
man Probleme oder negative Ergebnisse vermeiden kann, was man bei Mißerfolgen
tun soll, wie man Katastrophen, die die Gemeinschaft betreffen, schultern kann. In
den Heiligen Orakeln findet man die Antworten der Gottheiten an die Gläubigen. Die
einzigen, die befähigt sind, die Wörter der Götter zu lesen und zu deuten, sind die
Babalawos oder “Kinder von Ifa” und die Priester, die einem bestimmten Orisha
geweiht sind. Unter den Heiligen Orakeln, von denen jedes ein bestimmtes
Adivinationssystem hat, kennt man das Obi-Orakel oder Orakel der Palmnuß, das
Ifa-Orakel und das Muschel-Orakel.
Bei den Divinationsritualen sind die Gläubigen tief überzeugt, dass es eine
enge Verbindung zwischen den Menschen, ihrer Umwelt und dem Kosmos gibt.
Sollte eines dieser Elemente ins Ungleichgewicht kommen, wirkt sich das auf die
anderen aus. Die einzigen, die den Menschen sagen können wie man die negativen
Auswirkungen dieses Zusammenspiels wieder ins Lot bringen kann sind die Götter.
Die Divinationszeremonien werden in dem Glauben und der Hoffnung durchgeführt,

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dass man das Schicksal, das jedem Menschen von Olodumare, dem Schöpfergott,
auferlegt wurde, ändern oder zumindest beeinflussen kann. Die Divination ist ein
intensives Gespräch zwischen den Gottheiten, den Seelen der Vorfahren, dem
Babalawo und dem Gläubigen. In jeder Gemeinschaft gibt es einen Babalawo, er ist
der Priester, der Weise, der Wahrsager, der Heilpraktiker und kennt alle Sorgen und
Nöte seiner Gemeinde. Es gibt auch Priester, die sich einem bestimmten Orisha
widmen und auch Divinationsrituale ausüben. Der Gläubige, der Rat sucht, spricht
über seine Probleme und der Babalawo zeigt ihm mit Hilfe der Divinationssysteme,
über die er mit den Göttern kommunizieren kann Wege zur Lösung der Probleme
auf. Im Anschluß werden die verschiedenen Divinationsmethoden oder –systeme
beschrieben und die bei den Ritualen genutzten Werkzeuge genannt.

Obi-Divinationssystem
Das Obi-Divinationssystem basiert auf dem Obi-Orakel, auch Orakel von
Biague genannt. Es nutzt die Kolanuss oder Obi-Kola, Frucht einer typischen
afrikanischen Palme. Bei der Divination nutzt man zwei Typen der Kolanuß: Die Obi-
Abata, eine Nuss, die in vier, und die Gbanja-Obi, eine Nuss, die in zwei Stücke
geteilt wird. Das System benötigt vier Teile, um ein “Zeichen” des Obi-Orakels
interpretieren zu können. Abhängig von der Nußart benötigt man eine oder zwei
Früchte. Wenn man diese zu Boden wirft, entstehen fünf Grundpositionen, abhängig
davon, ob der nach innen gewölbte Teil nach oben liegt, wenn sie auf den Boden
fallen. Wenn auch die Figuren, die auf dem Boden entstehen und der Schatten, den
sie werfen, berücksichtigt werden, kommt man zu einem großen Repertoire an
Interpretationsmöglichkeiten. Das System erlaubt schnelle Antworten in Form von
“Ja” oder “Nein” auf die Fragen, die an die Orishas und die Seelen der Vorfahren
gerichtet sind und es ist das direkteste Mittel, mit ihnen zu kommunizieren.
Der Orisha, auf den dieses Divinationssystem zurückgeht, war “Obi”, der
wegen seiner Eitelkeit durch Olofi dazu bestraft wurde, nur mit dem Boden zu
kommunizieren. Deshalb wird die Obi-Kola auf den Boden geworfen. Laut der
Legende war es der Awo Biague – Priester von Ifa – der seinem Sohn Aditoto die
Kunst der Divination gelehrt hatte, indem er trockene Stücke der Obi-Kola benutzte.
Durch die Gunst der Orishas wurde Aditoto zu einem großen Gelehrten der
Divination.
Der Babalawo beginnt das Ritual indem er der Erde Wasser anbietet.
Anschließend schließt er die linke Hand, klopft mit ihr dreimal auf den Boden und
wirft die vier Obi-Kola Stücke auf die Erde. So erhält man fünf Grundpositionen, die
fünf “Zeichen” enthalten und zu einem Heiligen Text gehören, über den der
Babalawo die Antwort der Götter im angesprochenen Problem interpretieren kann.
Die fünf Grundpositionen (Zeichen) heißen in der Sprache der Yoruba Alafia, Otawo,
Ejife, Okana und Oyekun. Um zu einem effektiven Ergebnis zu kommen, wirft der
Babalawo die Obi-Kola Teile mehrmals. Wenn man die nach oben liegenden Teile
berücksichtigt, erhalten die Teile, die nach innen gewölbt sind ein “O”, die Teile, die
nach außen gewölbt sind, ein “X”. So erhält man folgende Möglichkeiten: 0000,
Alafía / X000, Otawo / XX00, Ejiife / XXX0, Okana / XXXX, Oyekun. Wenn ein Teil
auf einem anderen zu liegen kommt, auf die Kante fällt oder bricht, bedeutet dies
Unglück, Tod. Jede Position oder Zeichen bezieht sich auf einen Heiligen Text in den
Legenden und Sprichwörtern, die aufzeigen, welcher Orisha den Gläubigen bei dem
Problem, für das er Rat sucht, berät und welche Opfer und Opfergaben der Gläubige
bringen muß, damit dieses gelöst wird. Wenn zum Beispiel das erste Zeichen Alafia
–0000- ergibt, so bedeutet dies große Weisheit, Kopf der Welt. Mittels dieses
Zeichens sprechen Obatala, Shango, Orunmila, die Ibeyis und Babalu Aye. Das

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Sprichwort lautet: wir alle brauchen das Gute, aber nicht alle schätzen es. Zeichen
und Sprichwort werden durch den Babalawo interpretiert und an den ratsuchenden
Gläubigen weitergegeben. Wenn auf die gestellte Frage mit einem zweifelnden “Ja”
geantwortet wird, werden die Obi-Kola Stücke nochmals geworfen. Wenn das
Zeichen, das man daraufhin erhält Alafia, Ejife oder Otawo ist, bedeutet dies ein
endgültiges “Ja”. Wenn man beim ersten Wurf Ejife – XX00 – das höchste Zeichen
von Obi, durch das Ellegua, Oggun, Ochosi und Osun sprechen, erhält, so bedeutet
dies, dass der Ratsuchende in Gefahr ist, einen verstorbenen Familienangehörigen
hat und diesem gegenüber seine Verpflichtungen erfüllen muß. Das dazu gehörende
Sprichwort lautet: viel Reichtum und Größe, viele Feinde. Das Opfer, das gebracht
werden muß, steht im Zusammenhang mit Federn und Geflügel. Dieses Zeichen
bedeutet ein klares “Ja” auf die Fragen des Gläubigen, in diesem Fall ist es nicht
erforderlich, die Obi-Teile erneut zu werfen.
Es ist noch darauf hinzuweisen, dass es die Früchte der Kokospalme, die in
Amerika bekannt sind, auch in Afrika unter dem Namen Agbon gibt. Diese Frucht
wird bei den Divinationsritualen der Yoruba nicht genutzt im Gegensatz zur Santeria,
wo sie auf dem amerikanischen Kontinent als Ersatz für die Obi-Kola genommen
wird.

Ifa-Divinationssystem
Dieses Divinationssystem basiert auf dem Ifa-Orakel, auch heiliges Orakel von
Orunmila genannt. Dieses System kennen auch andere nigerianische Völker: die
Nupe, die Wari, die Ibo, die Junkun in Togo und Benin. Orunmila (Ifa) ist der Orisha,
der durch das Orakel spricht. Die einzigen, die in der Lage sind, es zu deuten, sind
die Babalawos, die mit seiner Hilfe die Zukunft des Gläubigen erkennen und ihn mit
ihrem Ratschlag leiten können. Die Babalawos beschwören Orunmila – Gott des
Schicksals und der Prophezeihungen – und Eshu – den Götterboten, der dem Orakel
sein Ashe gibt. Das Divinationssystem beruht darauf, mittels eines binären Codes,
d.h. eine von zwei Möglichkeiten, unter den 256 Odu die in den Heiligen
Überlieferungen von Ifa (oder Ifa-Orakel ) enthalten sind, herauszufinden welches
Odu “Zeichen” für die Fragen, die der Ratsuchende hat, anzuwenden ist. Hierfür
können zwei verschiedene Instrumente genutzt werden: Die “Ikine”, für
Angelegenheiten, die für den Gläubigen, die Familie oder des Dorfes von großer
Bedeutung sind und die “Opele oder Ekuele” (Kette) um alltägliche Fragen zu
beantworten.

Die Ikine ist eine Nuss Frucht der Opeledu-Palme. Sie darf nicht mit der Ekuru
verwechselt werden, deren Frucht der Ikine ähnelt, die jedoch von einer anderen
Palmenart stammt. Mit der Ikine wird kein Öl hergestellt, sie hat vier oder mehr
Augen im Gegensatz zur Ekuru, die zur Herstellung von Öl genutzt wird und die nur
drei Augen hat. Um den Odu zu finden, wird “eine handvoll” Ikine, bestehend aus 16
Nüssen, benötigt, der Babalawo muss eine oder zwei Ikine in einer Hand behalten
nachdem er sie von der einen in die andere Hand gewechselt hat. Außerdem wird
ein Brett, genannt “Opon Ifa” und feiner Puder (Holzstaub), bekannt unter dem
Namen Lyerosun oder Lye, des Baumes Irosun, benutzt. Die Ikine werden bei
wichtigen Ritualen angewandt, die Teilnahme mehrerer Babalawos ist erforderlich,
die “zwei Ikine-Hände” haben, eine davon begleitet sie, wenn sie begraben werden,
die andere wird an den “Sohn”, ihren Lieblingsschüler, weitervererbt.

Die Opele, auch bekannt als “Ekuele” ist eine circa 60 Zentimenter lange Kette
mit acht kleinen Teilen, von denen jeweils vier hintereinander an den Enden der

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Kette in einem Abstand von 3 bis 4 cm angebracht werden. Beim Wurf dieser Kette
bilden sich vier Paare. Für die Teile werden sehr harte Samenkörner,
Kokusnußsschalen, Schildkrötenpanzer, Rinden oder Blech genutzt. Um den Odu zu
finden, achtet man beim Wurf der Kette auf die Position der Teilchen. So findet man
den Odu, denn die vier Paarteile bilden zwei Säulen und vier Reihen. Bei dem Ritual
wird ein Brett oder ein Stoff genutzt, auf den die Kette geworfen wird, oder man nutzt
das Divinationsbrett und einen Puder, der die Ergebnisse des Wurfes aufzeichnet.
Die Rituale mit der Opele sind einfach, man erhält die Odu schnell. Es wird bei
einfachen Fragen über persönliche Angelegenheiten, die nicht sehr komplex sind,
angewandt. Der Babalawo nutzt die Opele täglich, um zu erfahren, was ihm der Tag
bringt und wie er sich verhalten soll. Der Ifa-Kult schreibt vor, dass die Babalawos
sechzehn Opele haben müssen, eine für jeden der sechzehn wichtigsten Odu. Je
nachdem, welcher Odu sich ergibt, wird die Opele für den jeweiligen Tag
ausgesucht. Im Anschluß wird kurz das Divinationsritual mit den angewandten
Werkzeugen oder Elementen beschrieben:
 Die Ikine, bestehend aus sechzehn Palmnüssen
 Der Awo-Ifa, ein Behälter, in dem der Divinations-Orisha (Ordun oder
Odun) und die Ikine aufbewahrt werden.
 Das Ajere, ein Behälter, in dem die Ikine während des Rituals
aufbewahrt werden
 Das Opon-Ifa, das Divinationsbrett, das entweder rund oder viereckig
ist.
 Der Iroke, ein Divinationsstab, der genutzt wird, um die Orishas und die
Eggun zu beschwören.
 Die Agogo-Ifa, die wichtigste Trommel Orunmilas, die genutzt wird, ihn
zu beschören.
 Das Lyerosun, ein gelber Puder, der über das Opon-Ifa gestreut wird.
 Das Iruke, das aus dem Schwanz eines Pferdes hergestellt wird und
zur Säuberung des Lyerosun dient.
 Die Ibo, kleine Gegenstände (Kauriemuscheln, Steine, Knöchelchen,
Samen und Schalen) von denen der Gläubige jeweils eines in jeder
Hand hält. Sie bestimmen das “Ire” - Glück - oder das “Osobo” –
Unglück – .

Kurz bevor der Babalawo das Divinationsritual beginnt bestreut er den Opon-
Ifa mit dem Lyerosun, um es als Vorlage zu benutzen. Darauf zeichnet er die
Ergebnisse jedes Wurfs der Ikine. Er sitzt auf einer Matte am Boden und
platziert den Opon-Ifa vor sich, daneben legt er die weiteren notwendigen
Gegenstände, vor allem das Ajere mit den Ikenen, die zuvor aus dem Awo-Ifa
genommen wurden. Vor dem Babalawo sitzt der ratsuchende Gläubige und
das Ritual beginnt. Der Babalawo nimmt den Iroke und schlägt mit dem spitz
zulaufenden Ende sanft und rhythmisch auf das Opon-Ifa, er ruft Orunmila, die
Seelen der verstorbenen Babalawos und die Seelen der Vorfahren des
Ratsuchenden. Es folgen Gebete an die Götter, anschließend nimmt der
Babalawo alle Ikine in seine linke Hand und versucht, sie in die rechte Hand
zu legen. Es sollten weniger als drei, also eine oder zwei in seiner linken Hand
bleiben. Wenn ihm dies nicht sofort gelingt, wiederholt er die Handlung
solange, bis sich ein oder zwei Ikine in seiner linken Hand befinden und trägt
eine Markierung auf das Opon-Ifa ein.

60
Wenn ein Ikin übrigbleibt werden zwei sekrechte Striche gezeichnet und wenn
zwei Ikine in seiner linken Hand verbleiben, dann wird ein senkrechter Strich
markiert.
Um das Odu für das angesprochene Problem zu finden benötigt der Babalawo
insgesamt acht Zeichen, dargestellt in zwei Säulen mit einem oder zwei
senkrechten Strichen in der Folge von rechts nach links, von oben nach unten.
Jedes Odu wird symbolisch dargestellt durch einen oder zwei senkrechte
Striche in zwei Säulen und vier Reihen. So zum Beispiel:

I I II II II II I I I I
I I II II I I II II I I
I I II II I I II II II II
I I II II II II I I II II
1.-Eji-ogbe 2.-Oyeku-Meji 3.-Iwori-Meji 4.-Odi-Meji 5.-Irosun-Meji.

Nach Beendigung des ersten Odu, das für die jeweilige Beratung
entscheidend ist, zitiert er die Heiligen Verse dieses Odu und teilt dem
Ratsuchenden die Antwort der Götter mit. Nach Kenntnis des Odu setzt der
Babalawo das Ritual fort und bestimmt, ob “Ire” – Glück oder “Osogbo” – Hindernis
das vorgetragene Problem bestimmen. Um Ire oder Osogbo herauszufinden,
wiederholt er das Ritual solange bis er einen Odu erhält. Von diesem neuen Odu
abhängig bittet der Babalawo den Gläubigen, seine linke oder rechte Hand zu
zeigen, denn in jeder Hand hat dieser einen kleinen Gegenstand – Ibo – der Ire oder
Osogbo symbolisiert. Eine Muschel kann Ire bedeuten und ein kleiner Knochen
Osogbo. So kann man den Erfolg oder das Scheitern der Angelegenheit, wegen der
der Gläubige den Babalawo aufsucht, erkennen. Der Babalawo entscheidet, ob ein
neuerlicher Odu erforderlich ist, um die erzielten Ergebnisse zu bestätigen. Das
Ritual wird beendet indem der Babalawo sagt, welche Opfer den Orishas gebracht
werden müssen, damit der Gläubige ihre Hilfe erhält.

Divinationssystem der Muscheln.


Auch bekannt unter dem Namen “Meridiloggun”, dies bedeutet in der Yoruba-
Sprache sechzehn. Bei diesem System wird als wichtigstes Werkzeug die Muschel
verwendet, die Kauriemuschel (cyprea moneta), eine maritime Muschelart.
Die Muschel wird als der Mund der Orishas angesehen und ist das am
häufigsten verwendete Divinationswerkzeug der Yoruba-Völker und der gesamten
westafrikanischen Region. Im Laufe der Zeit wurde sie in das neue Ifa-
Divinationssystem integriert, so entstand das Divinationssystem Meridiloggun. Eine
Legende berichtet, dass Orunmila das Geheimnis der Muscheln kannte, weil er der
Ehemann von Yemaya, der Herrin des Meeres, der Fische und der Muscheln, war.
Yemaya, von Haus aus Hellseherin, nutzte die Muscheln während der Abwesenheit
Orunmilas. Als er dies bemerkte, führte er sie erzürnt zu Olofi, der Orunmila die
Gabe der Divination mit dem Opele, den Ikinen und dem Ifa-Divinationsbrett
verliehen hatte und erlaubte Yemaya, das Geheimnis der Muscheln zu kennen, aber
nur bis zu der Zahl 12.
Dieses System besteht aus sechzehn Zeichen oder Odu, durch die die
Orishas sprechen. Der Priester nutzt die Muscheln um den Odu zu bestimmen.
Einige Priester haben einen Satz von 21 Muscheln, einige von 18, aber alle nutzen
16 Muscheln bei dem Divinationsritual. Bei diesem Ritual setzt sich der Priester auf
eine Matte, ihm gegenüber sitzt der Gläubige. Er beginnt das Ritual mit Gebeten und

61
Beschwörungen der Orishas und der Seelen der Vorfahren, nimmt die 16 Muscheln
in beide Hände schüttelt sie und wirft sie auf die Matte. Die Muscheln haben eine
Öffnung oder Mund, die entgegengesetzte Seite ist geschlossen, so das es nur zwei
Möglichkeiten gibt, wenn sie geworfen werden: entweder zeigt der Mund nach oben
oder nach unten. Der Priester prüft nun, wieviele Muscheln mit dem Mund nach oben
gefallen sind und entscheidet, welcher Odu für das zu beratende Problem angewandt
wird. Jeder Odu wird durch die Anzahl von Muscheln, die mit dem Mund nach oben
gefallen sind, symbolisch dargestellt. So erhält man insgesamt 16 Odu, jeder steht im
Zusammenhang mit einem Heiligen Text in Form von Legenden, Mythen und Versen,
die sich auf das Problem beziehen, bei dem um Rat gefragt wird. Nachdem der erste
Odu festgelegt wird, zitiert der Priester die entsprechenden Heiligen Texte und teilt
dem Ratsuchenden den Rat der Götter für das gestellte Problem mit. Das Ritual wird
fortgesetzt indem die Muscheln erneut geworfen werden, so erhält man die Antwort
der Götter auf die gestellten Fragen, die mittels den Ibo, kleinen Gegenständen, die
der Ratsuchende in seinen Händen einschließt, bestätigt werden. Bei einem
Divinationsritual werden die Muscheln mehrmals geworfen, abhängig von den
Fragen, die den Gottheiten gestellt werden. Das Ritual wird beendet, wenn der
Priester dem Ratsuchenden mitteilt, welche Opfer er bringen muss um die Hilfe der
Götter zu erlangen.

Verbreitung der Yoruba-Religion in andere Länder


Wie bei jedem kulturellen Prozeß durchschritt auch die Religion der Yorubas
Phasen der Bildung, der Entwicklung, der Stabilisierung und der Umwandlung in
neue Formen oder Varianten.
Das Königreich Ife spielte zwischen dem X und XIV Jahrhundert in
Entwicklung und Stabilisierung der Religion eine wichtige Rolle. In dieser Zeit
verbreitete sich der Glauben und die Überlieferungen der Yorubas auch in Regionen
außerhalb Nigerias, nach Togo, Ghana und Benin, dem ehemaligen Dahomey, aus.
Die – erzwungene – Ausdehnung der Religion in andere nichtafrikanische
Länder ist auf interne und externe Faktoren zurückführen. Zu den internen Faktoren
zählen der Fall des Imperiums von Oyo Ende des XVII Jahrhunderts, die
Bürgerkriege der Yorubas um 1810, die Rebellion von Afonja während des XVIII
Jahrhunderts, die erst endete, als die gesamte Yoruba-Region gegen Ende dieses
Jahrhunderts unter britisches Mandat fiel. Zu den externen Faktoren, die für den Fall
von Oyo und die Bürgerkriege der Yorubas entscheidend und gleichzeitig
verantwortlich für die Verbreitung der Religion in andere Länder waren, zählt die
Kolonisierung, durch die viele Menschen zunächst Untertanen und dann Sklaven
wurden. Der verabscheuungswürdige Sklavenhandel machte Millionen Menschen
vorwiegend aus den Regionen Westafrikas zu einer Ware. Vor allem die
europäischen Kolonisierer waren für den Sklavenhandel verantwortlich, sie wurden
allerdings durch einige Führer und Oberhäupter der afrikanischen Völker unterstützt.
Der Grund, weshalb die Religion der Yoruba sich in anderen Kontinenten, vor
allem in Amerika, ausbreitete war der Sklavenhandel, dem vorwiegend Einwohner
der Yoruba-Gebiete zum Opfer fielen. Viele Yorubastämme wurden als Sklaven in
die Länder der Neuen Welt gebracht, vor allem nach Kuba, Brasilien, den Vereinigten
Staaten, den Antillen und Südamerika. Sie brachten ihre Überlieferungen und auch
die Orishas in die neuen Länder, und obwohl sie unter Einfluß und Druck ihrer
Herren standen, behielten sie die Grundlagen ihrer Religion bei und schufen neue
Formen und Varianten dieser Religion. So entstand die Santeria in Kuba, Candomble
in Brasilien und Oyotunji in den Vereinigten Staaten.

62
Der Sklavenhandel wurde von Anfang des XVI Jahrhunderts bis Mitte des XIX
Jahrhunderts betrieben, dies galt für ganz Afrika. Für das Yoruba-Gebiet im
besonderen waren die Jahre nach dem Fall von Oyo verheerend, in dieser Zeit
kamen die meisten Yoruba-Sklaven in die Neue Welt, vor allem nach Kuba. In der
Gegenwart findet man Gläubige der Yoruba-Religion in ihrer ursprünglichen Form
oder Varianten in Kuba, den Vereinigten Staaten, Panama, Puerto Rico, Haiti, den
Antillen, Brasilien, Kolumbien und Venezuela. Man findet auch Gläubige in
europäischen und asiatischen Ländern.

Bedeutende Persönlichkeiten der Yoruba-Religion


In Anbetracht ihrer bedeutenden Rolle in der Bildung und der Entwicklung der
Religion sind unter den Vorfahren und den noch Lebenden folgende Persönlichkeiten
würdig genannt zu werden:
Oduduwa: Gründer von Ile-Ife, Ahnvater der Kultur der Yoruba, er steht im Rang
einer Gottheit.
Oranmiyan: wird als Gründer Oyos angesehen, war der erste Alafin und wird als
Gottheit verehrt.
Ajaka: Sohn von Oranmiyan, er war der zweite Alafin von Oyo.
Shango: jüngerer Bruder von Ajaka, dritter Alafin von Oyo und eine der
bedeutendsten Gottheiten.
Abiodun: Alafin von Oyo zwischen 1774 – 1789, der Phase, die als die goldene Zeit
Oyos angesehen wird.
Luwu Gbagida: die einzige Ooni-Frau von Ife, sie regierte Ife im X Jahrhundert n.C.
Akoda, Aseda y Awise: Babalawos von Ile-Ife, große Kenner der heiligen
Überlieferungen
Olosun II, Oonie von Ile-Ife, Oba Aleyeluga, bedeutendste Persönlichkeit der
Yoruba-Kultur.
Wande Abimbola: Sprecher und Botschafter der Yoruba-Religion in aller Welt.
Taiwo und Keinde Abimbola: Söhne von Wande Abimbola
Miguel Febles Padrón: Priester von Ifa, Kubaner, er vereinheitlichte das erste Buch
von Ifa.
Frank Cabrera Suarez: Oluo von Ile-Tuntun (neues Land)

63
Text der Fotos von Seite 84 – Seite 142

Seite 85: Seite links: Ooni Ile Ife, Seine Majestät Olobuse II, Okunade Sijuwade, Oba
Alayeluba.
Auf dieser Seite, von links nach rechts: Olayiwola Adeyerni III, König von Shango,
direkter Nachfahre von Shango; und Wande Abimbola, Awise Awo Ni Agbaye,
weltweiter Sprecher der Kultur und Religion der Yoruba

Seite 87: Oba von Ogun, Ogundi Ya Iroko Abimbola: Aare Orisegun, politisches und
religiöses Oberhaupt

Seite 90: Babalawo. Obeche von Oyo, religiöses Oberhaupt

Seite 94: Babalawo und Yoruba-Priesterinnen

Seite 101: Junger Yoruba mit Schmissen im Gesicht. Diese Kennzeichnungen


dienen vor allem um seine Familie zu identifizieren.

Seite 112: Ritual zur Anbetung Orulas, zwei Babalawos mit dem gogo (Glöckchen),
mit der Orisha gerufen wird.

Seite 114: Von oben nach unten, von links nach rechts:
Opon-Ifa (Divinationsbrett) Awo Ifa (Behälter, in dem sich der Orisha befindet) und
Iroke von Orula (Stab mit dem die Orishas gerufen werden)

Seite 115: Von oben nach unten, von links nach rechts:
Eggungun Verkleidung, Stöcke der Babalawos und Symbole der Orishas (Ozun)

Seite 116: Die heiligen Trommeln des Bata begleiten die religiösen Zeremonien

Seite 120: Priester bei der Opferung

Seite 123: Vorbereitung des Gefäßes, das bei den Opferungsritualen benutzt wird.

Seite 129: Addivination mit der Obi Cola. Das Zeichen, das gezeigt wird ist Alafia (die
vier nach oben gewölbten Teile zeigen nach oben)

Seite 130: Babalawo beim Divinationsritual. Ihm gegenüber befindet sich das Ifa-
Divinationsbrett, auf den er den Odu markiert hat: Otura-Meji

Seite 136: Die Muscheln (sechzehn) und die Ibo (Ire und Osobo) die bei der
Divination genutzt werden. Das Bild zeigt den Odu: Obbara (sechs Muscheln zeigen
ihre natürliche Öffnung nach oben)

Seite 140: Die Ibejis oder Jimaguas (Zwillinge), Taiwo Abimbola, Oluwo von Ile Tun
Tun und Keinde Abimbola, Begun Shango. Beide sind Yoruba Priester aus dem
Gebiet Oyo, weltweite Vertreter der Kultur und Religion der Yoruba.

64
Kapitel III Santeria

Was ist Santeria?

Geschichte einer kulturellen Migration

Bildungsprozeß der Santeria

Entwicklungsprozeß der Santeria

Grundlagen der Santeria

Organisation der Religion

Der religiöse Kult

Die Heiligen Texte

Die wichtigsten Grundlagen des Glaubens

Santeria und ihre Varianten in Kuba

Wichtige Persönlichkeiten der Santeria

65
Was ist Santeria?
Santeria, auch bekannt unter dem Namen Regla de Ocha ist eine Religion, die
ihren Ursprung in Kuba hat. Sie ist die Synkretisierung des christlichen Glaubens mit
dem Glauben der Yoruba. Grundkomponente der Santeria ist die Anbetung der
Heiligen der katholischen Kirche und die Anbetung der Orishas der traditionellen
afrikanischen Religion. Die Santeria folgt den Grundlagen der Yoruba-Religion und
glaubt, dass die afrikanischen Orishas in den katholischen Heiligen wiedergeboren
wurden. Deshalb ist ein Gläubiger der Santeria gleichzeitig auch ein Gläubiger
Katholik und der Begriff „Heiliger“ ist geläufiger als der Begriff „Orisha“. Santeria
festigte sich Ende des XIX Jahrhunderts in Kuba und wird heute sowohl von den
Nachfahren der afrikanischen Sklaven als auch von anderen Völkern und Rassen
praktiziert. Gläubige und Anhänger der Santeria und ihren religiösen Abzweigungen
findet man vor allem in Kuba, in Brasilien (unter dem Namen „Candomble“), in den
Vereinigten Staaten, Ländern der Karibik und Südamerikas, wie Kolumbien und
Venezuela.
Die Santeria ist das Ergebnis eines kulturübergreifenden Prozesses, sie
entstand durch den Kampf ums Überleben, den das versklavte Yoruba-Volk (in Kuba
bekannt unter dem Namen Lucumi) gegen die katholische Kirche führte, die von der
Imperialmacht Spanien in den Kolonien Amerikas unterstützt wurde. Zusammen mit
dem Sklavenhandel, der durch die Europäer – Spanier, Portugiesen, Engländer,
Holländer und Franzosen – betrieben wurde, kam eine Jahrtausende alte Kultur nach
Amerika, die einen tief verwurzelten religiösen Glauben, eine eigene Geschichte,
Tradition, Sprache, Kunst und Musik hatte: die Kultur der Völker des Südwestens
Afrikas. Darunter sind vor allem die Völker zu finden, die zu der Yoruba Nation in
Nigeria, Togo und Benin – vormals Dahomey – gehören, so wie Ife, Oyo, Ijesha,
Egba, Ketu, Völker der Nationen Nupe, Mandinga und Aku, die sich zwar von den
Yoruba unterscheiden, aber einen ähnlichen Glauben haben, so wie die Bantu Völker
aus dem Kongo und Angola.
Weil ihre katholischen Herren ihnen untersagten, die Götter ihrer Vorfahren
anzubeten und die katholische Kirche sie zwang, den neuen Glauben, der als der
einzig wahre angesehen wurde, zu befolgen suchten die Sklaven nach einer
Möglichkeit, die es ihnen erlaubte, ihre Orishas anzubeten und gleichzeitig ihren
Herren zu gehorchen. Bei der Suche nach diesem Kompromiss fiel ihnen auf, dass
es bestimmte Ähnlichkeiten zwischen ihren Orishas und den katholischen Heiligen
gab, daraus ergab sich, dass sie ihre Orishas mit einem oder mehreren katholischen
Heiligen identifizierten. So entstand die Grundlage der Santeria, indem sie unter dem
Deckmantel der Anbetung der katholischen Heiligen ihren religiösen Glauben und
ihre kulturellen Traditionen fortführten. Dies war die Grundlage der Synkretisierung
der Religion der Yoruba mit der katholischen Religion. Seitdem wird der Orisha-
Heilige in der Santeria angebetet. Jeder Orisha-Heilige behält seinen Yoruba-
Namen, wobei der katholische Name hinzugefügt wird. Zum Beispiel Shango-Heilige
Barbara.
Seitdem wird das spanische Wort „Santos“ (Heilige) bei den Yoruba
angewandt, wenn sie sich auf die „Orishas“ beziehen und der Begriff Santeria (Weg
der Heiligen) entstand, der als Name für eine neue Religion genutzt wird, deren
Ursprünge in der Yoruba-Religion zu finden sind. Das Wort Santeria bezieht sich
ausdrücklich auf die Religion, die von den Sklaven vorwiegend in Kuba ausgeübt
wurde und die heute von ihren Nachfahren und neuen Anhängern in Kuba und vielen
anderen Ländern Amerikas praktiziert wird. Die Spanier ihrerseits benutzten das
Wort „Santeria“ um die Sklaven wegen ihrer übertriebenen Anbetung der Heiligen zu
verspotten. Die Herren waren der Meinung, dass ihre Sklaven tatsächlich zum

66
Christentum übergetreten waren, denn sie beteten die Heiligen inbrünstig an, obwohl
sie in Wirklichkeit ihren traditionellen Glauben fortführten.
Die Yorubas wurden in Kuba auch „Lucumis“ genannt, deshalb ist die Santeria
auch unter dem Namen Lucumi Religion bekannt, ebenso wie als Regla de Ocha.
Die Sklaven, die nach Kuba kamen, entstammten verschiedenen afrikanischen
Ländern und hatten unterschiedliche Sprachen, die bekanntesten waren Lucumi,
Arara und Yoruba, die alle der gleichen Sprachgruppe der südwestlichen
nigerianischen Völker angehören. Lucumi wird bei vielen Ritualen und religiösen
Zeremonien angewandt, weil viele Sklaven der Aku-Völker, die nach Kuba kamen,
Lucumi sprachen und auch der Religion der Yoruba angehörten.
Laut George Brandon ist es, um die Santeria und ihre religiösen Varianten zu
verstehen, erforderlich, sie in drei Teile zu gliedern: Santeria weltweit, Santeria in der
Neuen Welt und Santeria auf lokal-nationaler Ebene. Weltweit ist die Santeria eine
Variante der Yoruba-Religion, die sich auf der anderen Seite des Atlantiks
weiterentwickelt hat. In der Neuen Welt ist die Santeria eine neoafrikanische
Religion, die Elemente der europäischen christlichen Religionen (spanischer
Katholizismus), der afrikanischen Religionen (Orishas und Rituale der Yoruba) und
des französischen Spiritismus, der im XIX Jahrhundert in Frankreich entstand,
enthält. Die Einbindung dieser unterschiedlichen Elemente führt zu verschiedenen
Varianten der Santeria, so dass man von Santeria in der Karibik, in Zentralamerika,
in Südamerika und neuerdings auch von Santeria in den Vereinigten Staaten
sprechen kann. Konkret kann man sagen, dass die Santeria die kubanische Variante
eines Teils dieser Religion ist, die in Trinidad und Granada Shango, in Brasilien
Xango und Candomble heißt. Die Religion der Yoruba gibt es auch in Haiti, hier
führte sie in Verbindung mit religiösen Praktiken aus Kongo-Angola und Dahomey
(dem heutigen Benin) zur Entstehung der Voodoo-Religion. Auf lokal-nationaler
Ebene kann man anführen, dass es, je nach Ort oder Land, außer der Santeria noch
weitere Religionen gibt, die ihre Wurzeln in den afrikanischen Religionen haben. So
spielt die Santeria in den Vereinigten Staaten keine große Rolle. Hier brachten
vielmehr die afrikanischen Einwanderer ihren Glauben und ihre Traditionen mit, die in
ihrer unveränderten ursprünglichen Form praktiziert werden.
Man muß darauf hinweisen, dass in der Santeria die Verehrung der Orishas
und Vorfahren, die als Beschützer und Führer der Gläubigen angesehen werden,
eine grundlegende Rolle spielt. Bevor der Gläubige eine Entscheidung trifft oder sich
in bestimmter Weise verhält, befragt er seine Gottheiten, die Orishas-Heiligen. Diese
beantworten seine Fragen durch die Heiligen Texte der Yoruba-Religion. Die Priester
– Babalawos, Babalochas und Lyalochas – sind die einzigen, die befugt und befähigt
sind, die Sprache der Götter zu interpretieren. Bei den Themen, zu denen die
Gottheiten um Rat gebeten werden, geht es vorwiegend um Gesundheit, finanzielle
Aspekte, Angst vor dem Tod, religiöse Berufung, familiäre Probleme, usw. Weil die
Grundlage der Santeria die Yoruba-Religion ist, spielt die Verbindung Seele-Symbol-
Divination eine wichtige Rolle bei den religiösen Ritualen. So symbolisieren z.B. die
Steine die Orishas, denn in ihnen ist die Seele des Orishas, der auf die Erde
zurückkehrte, enthalten. Sie werden in den Divinationsritualen angebetet, denn sie
sagen dem Gläubigen die Zukunft voraus, erteilen ihm Rat in verschiedenen
Lebenslagen und helfen ihm, seine Probleme erfolgreich zu lösen.

Geschichte einer kulturellen Migration


Die Santeria hat ihre Wurzeln in Afrika, vorwiegend in dem Teil, zu dem heute
die Länder Nigeria, Benin, Togo, Ghana, Elfenbeinküste, Senegal, Mali und Sierra
Leone gehören. In den Gebieten von Nigeria, Benin, Togo und Ghana entstand und

67
entwickelte sich die bedeutende Kultur der Yoruba, die ihren Höhepunkt erreichte
während der Epoche des Großen Imperiums von Oyo, erreichte das durch die
Yoruba-Stadtstaaten Benin (Königreich im Südosten von Oyo) und Dahomey
gebildet wurde. Sie bestanden aus vielen Völkern mit unterschiedlichen Ethnien,
darunter die Yoruba, Lucumi, Arara, Adja, Carabali und Mandingo, Die meisten
Personen, die als Sklaven in die Neue Welt, vorwiegend nach Kuba und Brasilien,
kamen waren Angehörige dieser Völker. Mit ihnen kam ihre Tradition, ihre
Gewohnheiten, Sprache, Kunst und natürlich auch ihr Glaube in die Neue Welt
Eine Erklärung für die Sklaverei und die Migration einer Kultur in ein neues
geographisches, sozial-politisches und wirtschaftliches Gebiet ist das Streben nach
Reichtum und Macht der Kolonialimperien: der Spanier, Briten, Portugiesen und
Franzosen. Eine weitere Erklärung ist die starke Nachfrage der Europäer nach
Produkten aus den amerikanischen Kolonien: Gold, Silber, Zucker, Kaffee, Tabak,
Baumwolle, Kakao, Holz. Weil die Ureinwohner und damit ihre Arbeitskraft so gut wie
ausgerottet waren, griffen die Kolonisierer auf die Einfuhr des sogenannten
„Ebenholzes aus Westafrika“ zurück um diese Lücke zu füllen. Menschliche Wesen,
die auf Schiffen regelrecht aufeinandergestapelt zu einer Ware degradiert wurden,
verkaufte man sobald sie die Kolonien Amerikas erreichten als Sklaven, um sie bis
zur Erschöpfung in den Minen, Großgrundbesitzungen und Produktionszentren als
Eigentum der weißen Herren, auszubeuten. Die Sklavenhändler, sowohl Käufer als
auch Verkäufer, bemerkten, dass die Afrikaner korpulent, stark, widerstandsfähig und
dadurch für jede Arbeit geeignet waren. Sie waren der absurden Meinung, die
überlegene Rasse zu sein und dass der schwarze Mensch, der „unwissend und
primitiv“ war, dazu bestimmt war, als Sklave zu arbeiten. Er bekam keinen Lohn, die
einzige Ausgabe, die entstand, war, ihn zu ernähren, damit er in der Lage war,
weiterhin zu arbeiten. Die Kolonialherren waren auf die Arbeitskraft der schwarzen
Sklaven angewiesen und konnten sie zwar physisch, aber weder geistig noch
seelisch beherrschen, denn die Sklaven hielten ihre Kultur aufrecht und paßten sie
den neuen Lebensbedingungen, die ihnen auferlegt worden waren, an.
Der Migrationsprozeß der afrikanischen Kultur, der Yorubas, Lucumis, Araras,
Mandingas und Adjas u.a. nach Amerika ist ein historischer Prozeß, der nach der
Entdeckung Amerikas im XV. Jahrhundert in den ersten Jahrzehnten des XVI.
Jahrhunderts begann, als zuerst vor allem Spanien und Portugal und anschließend
auch England und Frankreich ihre Kolonien in der Neuen Welt errichteten. Mit
Ausnahme Brasiliens, das durch Portugal kolonisiert wurde, war das gesamte
heutige Lateinamerika spanische Kolonie. Die heutigen Länder Kanada und
Vereinigte Staaten wurden durch Engländer und Franzosen kolonisiert. Spanien und
Portugal begannen die Kolonisierung Amerikas in der ersten Hälfte des XVI.
Jahrhunderts. Zur gleichen Zeit begann auch die Kolonisierung Afrikas durch die
Europäer, nachdem die Portugiesen im XV. Jahrhundert Afrika erforscht hatten. Im
XVI. Jahrhundert begann der Sklavenhandel. Im XVIII. Jahrhundert wurden verstärkt
Kolonien in Afrika gegründet, vor allem durch die wichtigen europäischen
Kolonialimperien England, Frankreich, Portugal und Spanien.
Der Sklavenhandel wurde nach Errichtung der Kolonien zunächst in geringem
Umfang praktiziert. Spanien hatte in Afrika keine Handelshäfen und kam zunächst
auf die sog. „asientos“ zurück, um seine Kolonien mit Sklaven zu versorgen. Die
„asientos“ waren Verträge zwischen der spanischen Regierung und einer
ausländischen Gesellschaft, die beauftragt wurde, Sklaven afrikanischer Herkunft in
die spanischen Kolonien Amerikas zu bringen. 1517 wurde der erste Vertrag mit
einer Gesellschaft aus Genua, das zu diesem Zeitpunkt eine unabhängige Republik
war, unterzeichnet. So begann die Migration der afrikanischen Kultur nach Amerika.

68
Das Monopol des Sklavenhandels hatten anschließend die Portugiesen bis 1640, als
sie durch holländische Gesellschaften abgelöst wurden, die den Sklavenhandel bis
1695 betrieben. 1701 übernahm eine französische Gesellschaft den Handel, und
kurz darauf, ab 1713 waren die Engländer diejenigen, die die Kolonien bis 1759 mit
Sklaven versorgten. Im allgemeinen führten diese Gesellschaften jährliche
Transporte von 3.000 bis 4.000 afrikanischen Sklaven durch, so dass bis Ende des
XVIII. Jahrhunderts Millionen von Sklaven zusammen mit ihren Traditionen, Mythen
und Legenden, die von Generation zu Generation mündlich an ihre Nachkommen
überliefert wurden, nach Amerika kamen.
Der Sklavenhandel wurde im XIX. Jahrhundert noch verstärkt, wobei die
meisten Sklaven nach Kuba transportiert wurden, denn hier erreichte die
Zuckerindustrie zwischen Ende des XVIII. Jahrhunderts und Beginn des XIX.
Jahrhunderts ihren Höhepunkt. Zur gleichen Zeit, als die Industrialisierung mehr
Arbeitskräfte erforderlich machte und so die Sklavenhändler motivierte, durch den
Menschenhandel noch höhere Gewinne zu erzielen, gab es in Afrika mehrere
Ereignisse, die die Entwicklung und Konsolidierung des Sklavenhandels noch weiter
vorantrieben. Diese Ereignisse waren die Bürgerkriege zwischen den Völkern dieser
Region und die verstärkte Kolonisierung Afrikas durch England und Frankreich. Wie
bereits erwähnt brachte das Große Imperium von Oyo die Blütezeit der Yoruba-
Kultur hervor. Der Fall dieses Imperiums und die daraus erfolgenden Bürgerkriege
der Yorubas bestimmten das zukünftige Schicksal dieser Völker. Ihre Staaten oder
Reiche fielen auseinander und ihre Bevölkerung wurde zu „Ware“, die in den
Kolonien Amerikas verkauft wurde. Dieser Zerfallsprozeß begann in den ersten
Jahrzehnten des XIX. Jahrhunderts im Imperium Oyo mit der Rebellion des
Heereskommandanten Afonja, die traurigen Ruhm erlangte. Zur gleichen Zeit
begann 1821 einer der grausamsten Kriege unter den Yoruba, bei denen sich Owu
und die Allianz aus Ife, Ijebu und Teilen von Oyo gegenüberstanden. Das Königreich
Dahome begann 1821 einen weiteren Krieg gegen Oyo, der 1866 mit der Eroberung
des Yoruba-Volkes von Ketu endete. Wir möchten darauf hinweisen, dass auch
islamische Nachbarstaaten wie die Fulani und Hausa an Kriegen gegen Oyo
teilnahmen, um so den Islamismus zu etablieren. Die Fulani wurden durch die
Yoruba-Heere zuerst 1835 und endgültig 1840 besiegt, als sich Ibadan als
bedeutende politische und militärische Macht etablierte und die Einheit der Yoruba-
Völker wiederherstellte. Trotzdem dauerten die Konflikte an. 1860 fand der Krieg von
Ijaye gegen Ibadan statt, der 1862 mit dem Sieg Ibadans endete. Im Jahre 1877
begann der sogenannte „16-jährige Krieg“ zwischen Ibadan und den Egban und
Ijebu, denen sich die Völker Ekiti, Ojesa, Akoko und Igbominas, die unter der
Herrschaft der Ibadan standen, anschlossen. Obwohl Ibadan 1886 die
Unabhängigkeit der Staaten, die sich ihm widersetzten anerkannte, wurde der Krieg
bis 1893 fortgeführt, als die Engländer einschritten und die Grenze zwischen Ibadan
und den Fulani errichteten. Es muß darauf hingewiesen werden, dass die Engländer
schon seit langer Zeit die Konflikte zwischen den Völkern anheizten und ihren Nutzen
daraus zogen. So besetzten sie 1851 Lagos und etablierten dort 1861 die koloniale
Verwaltung, die den Sklavenhandel kontrollierte. Im Jahre 1899 kam das gesamte
Gebiet der Yoruba unter britanische Herrschaft. Als Folge blühte der Sklavenhandel
auf, auch Afrikaner selbst beteiligten sich am Verkauf ihrer Landsleute. Die Kriege
waren von jeher ein guter Grund für die Gefangennahme von Sklaven. Bereits 1825
war die Zerstörung der Dörfer der Egba eine willkommene Gelegenheit Sklaven
gefangen zu nehmen. Von den Schlachtfeldern wurden die Gefangenen
abtransportiert, um sie als Sklaven auf den Märkten von Ibadan, Abeokuta, Ijebu,

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Ondo, Ilkale zu verkaufen. Die wichtigsten Häfen für den Sklaventransport über den
Atlantik waren Lagos, Porto Novo, Badagry und Wydah.
Die Historiker sind sich einig, dass die Kultur der Yoruba sich duch das Große
Imperium von Oyo über ein großes Gebiet Westafrikas ausstreckte. Der Fall dieses
Imperiums hatte für die gesamte Yoruba-Region katastrophale Folgen. Der Fall des
Imperiums begann 1754, als die Leitung des Oyo-Mesi (Staatsrat) rebellierte und
eine Diktatur begann, die zwanzig Jahre lang andauerte. 1774 kehrten unter der
Regierung des neuen Alafin Abiodun Frieden und Wohlstand wieder ein, aber die
Regierung wurde unachtsam, so dass es zu den Niederlagen von Oyo 1783 und
1791 kam. Nach dem Tod Abioduns 1789 folgte ihm Awole auf den Thron, der nicht
nur als Sklavenhändler zu trauriger Berühmtheit gelangte, sondern viele weitere
schwerwiegende Fehler beging. Einer war sein Befehl 1793, den Markt der Yoruba in
Apornu niederzubrennen. Dies war Ketzerei, denn für die Yorubas ist der Markt
heilig. Verschlimmert wurde diese Aktion dadurch, dass die Ortschaft zu Ile-Ife
gehörte. Ein weiterer Fehler war die Anordnung, die Iwere zu invadieren, einem
Volk, das Oyo sehr verbunden war. Weil sich seine Untergebenen dieser Anordnung
widersetzten, beging er Selbstmord. Es wird erzählt, dass sich Awole vor seinem
Selbstmord in den Hof des Palastes begab. Er trug einen Lehmteller und drei Pfeile
bei sich. In der Mitte des Hofes schoß er einen Pfeil nach Norden, einen nach Süden
und den Dritten nach Westen und rief „ mein Fluch falle auf euch alle wegen eurer
Untreue und eures Ungehorsams, eure Kinder sollen euch nicht gehorchen und ihr
sollt alle als Sklaven in die verschiedenen Richtungen, in die ich meine Pfeile
geschossen habe, verschleppt werden“. Später gab es eine Anzahl weiterer
Ereignisse, die zum Fall des großen Imperiums führten.
Weil die Santeria in der Karibik, vorwiegend in Kuba, ihre Wurzeln hat und
sich hier weiterentwickelte, ist darauf hinzuweisen, dass die Kultur der Yoruba, die
die Grundlage dieser Religion bildet, kontinuierlich nach und nach auf die Insel
gebracht wurde. In der ersten Hälfte des XIX. Jahrhunderts kamen die meisten
Yorubas mit ihrem ursprünglichem religiösem Glauben nach Kuba. In der zweiten
Hälfte des XIX. Jahrhunderts hatten das Christentum und der Islam bereits ihren
Einfluß in Afrika hinterlassen. Obwohl diese Völker verschiedene Sprachen hatten
und ihnen die spanische Sprache gewaltsam auferlegt wurde, gab es keine großen
Veränderungen in der Yoruba-Religion und ihren Überlieferungen. Nach der
Abschaffung der Sklaverei in der zweiten Hälfte des XIX. Jahrhunderts kam es zur
Konsolidierung der Santeria in Kuba. Wir müssen darauf hinweisen, dass außer den
Yorubas (Lucumis) noch die Bantu (Völker aus dem Kongo) in großer Zahl nach
Kuba kamen. Deren Gottheiten haben Gemeinsamkeiten mit den Yoruba-Gottheiten.
So ist z.B. Shango, der Gott des Donners der Yoruba, für die Bantu der Gott
„Kanbaranguanje“. Über die Bantu werden wir genaueres bei der religiösen Variante
Regla de Palo erläutern.

Bildungsprozeß der Santeria


Seit den Anfängen der Sklaverei wurden die Sklaven in Kuba in zwei Klassen
eingeteilt. Dies bestimmte ihre Lebensbedingungen, ihre Arbeit und den Grad ihrer
Integration vor allem in der Religion: es gab Sklaven für den hauswirtschaftlichen
Bereich und Sklaven für Tätigkeiten in der Landwirtschaft. Die Haussklaven lebten in
der Stadt in den Häusern ihrer Herren und nahmen so deren Verhalten an. Durch
den ständigen Umgang mi ihnen erlernten sie die neue Sprache, hatten direkten
Kontakt zu ihnen und weiteren Europäern, gingen mit ihren Herren in die Kirche,
lernten lesen und schreiben. Sie führten ein leichteres Leben und durch ihre Stellung
als Haussklaven lernten sie auch den neuen Glauben kennen. Dies bedeutet

70
allerdings nicht, dass diese Sklaven sich in das System einfügten, auch sie wurden
geschlagen und mit härterer Arbeit bestraft. Die Sklaven, die der Landwirtschaft
zugeteilt waren, wurden wie Gefangene behandelt, sie lebten zusammengepfercht in
Hütten und Barracken, die nicht einmal ein Mindestmaß an Hygiene hatten, standen
ständig unter der Bewachung eines Aufpassers oder Vorstehers. Auf jeder Plantage
oder landwirtschaftlichem Hof arbeiteten Sklaven verschiedener ethnischer Herkunft,
die je nach ihrem Ursprungsland unterschiedliche Sprachen und Rituale bei der
Ausübung ihrer Religion hatten, so dass es zu Auseinandersetzungen zwischen
ihnen kam. Die Lebensumstände und die Arbeitsbedingungen dieser Sklaven
wurden durch ihre Herren festgelegt, die eine höchstmögliche wirtschaftliche
Rentabilität erzielen wollten. Aus diesem Grund wurden die gesetzlichen
Bestimmungen durch die Sklavenhalter nicht eingehalten, denn eigentlich sollte jeder
Sklave zum katholischen Glauben bekehrt werden und jeden Sonntag und an
Feiertagen an der Messe teilnehmen, außerdem sollte ihm gute Behandlung zuteil
werden. Der Herr war jedoch nicht an der Bekehrung seiner Sklaven interessiert,
denn dies hätte für ihn bedeutet, dass Arbeitsstunden verloren gegangen wären und
hätte seinen Gewinn geschmälert.
Unter diesen Umständen verabscheute der Landsklave die Lehren des
Christentums anstatt sich bekehren zu lassen.
Diese unterschiedliche Behandlung in der Sklavenhaltung beeinflußte die
Entwicklung der Santeria. Hinzu kommt, dass die Sklaven aus unterschiedlichen
westafrikanischen Gebieten kamen und verschiedenen ethnischen Gruppen
angehörten: die Yorubas, bekannt als Lucumi in Kuba, die Carabali, die Bantu, die
ihren Ursprung im Kongo hatten, die Arara, die Mandinga und die Aku. Nach Kuba
kamen vorwiegend Sklaven aus den Yoruba-Gebieten, aus dem Reich Benin,
gelegen im Süden der Yoruba-Gebiete und dem Reich Dahomey. Diese Völker
haben vieles gemeinsam, Gründervater von ihnen allen ist Oduduwa. Durch die
Vielfalt an Ethnien, Sprachen und verschiedenen Kulturen mit eigenem Glauben
entwickelten sich im Laufe der Zeit die verschiedenen religiösen Varianten. Auch die
neue Umgebung, in der sich das Leben der Sklaven abspielte, spielte eine Rolle. Die
Yoruba-Sklaven hatten entscheidenden Einfluß auf die Entstehung der Santeria
wegen ihrer großen Anzahl und ihrer höher entwickelten Kultur.
Es ist schwierig festzustellen wann eine Kultur in eine andere übergeht um
eine neue zu bilden oder ausstirbt, oder wann sie sich in ihrem Überlebenskampf
wandelt und sich an neue Kulturen anpaßt. Man kann jedoch sagen, dass dieser
Prozeß bereits zu dem Zeitpunkt begann, als drei Kulturen aufeinanderprallten: die
der Ureinwohner, die der spanischen Eroberer und Kolonisatoren und die der
afrikanischen Sklaven. Die Spanier zwangen das Christentum den Ureinwohnern
und Sklaven, die als Heiden oder Götzenanbeter angesehen wurden, auf. Auch
durch den Kontakt zu der neuen Umgebung wurde der Einfluß des Glaubens und der
Rituale aus Afrika immer schwächer, neue Elemente kamen hinzu. Um sich dem
Druck ihrer Herren, die ihnen das Christentum aufzwingen wollten, zu widersetzen,
suchten die Sklaven nach Möglichkeiten, sich zu versammeln, um unter der Leitung
ihrer Gelehrten, den Babalawos, ihre Religion wieder zu stärken. Diese Suche nach
einer Lösung war die Grundlage der Santeria, es war der einzige Weg, wie sie ihre
ursprüngliche Kultur und ihren religiösen Glauben aufrecht erhalten konnten.
Bei der Aufrechterhaltung ihrer Religion spielte die Familie eine wichtige Rolle,
die für die Yorubas aus den Orishas, den Vorfahren und den Lebenden besteht und
deren Nachkommen die Traditionen fortführen. Die ländlichen Cabildos
(Bruderschaften zur gegenseitigen Hilfe), gegründet von der katholischen Kirche
unter Beteiligung der Sklaven, um den Katholizismus weiter voranzutreiben, gaben

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ihnen die Möglichkeit, sich zu treffen. Weitere Treffpunkte waren die Bateyes –
Barracken und Läden der Zuckerfabriken in denen die Sklaven lebten - und die
Palenques, Orte in Bergen und Wäldern, in denen sich die Cimarrones, entflohene
Sklaven, aufhielten. Durch diese drei Treffpunkte war es den Sklaven möglich,
untereinander Kontakt zu halten und ihre Kultur, vor allem ihren religiösen Glauben,
weiterzugeben und zu erhalten, denn hier konnten sie ihre religiösen Rituale
praktizieren. Die Sklaven führten die Rituale ihrer Vorfahren unter dem Deckmantel
des Katholizismus fort. Nachdem sie bemerkt hatten, dass für die katholische Kirche
ein Heiliger ein spirituelles Wesen war das ebenso wie die Orishas der Yorubas einst
auf der Erde gelebt hatte, fanden sie für jeden Orisha einen katholischen Heiligen,
der ihm ähnelte. Für den Santero (Priester der Santeria) und die Gläubigen
personifiziert der katholische Heilige eine Yoruba-Gottheit. In der Santeria werden
der religiöse Glaube und die Rituale der Yoruba mit dem katholischen Glauben und
dessen Traditionen vermischt. Für die Santeria war jede Information über Jesus,
Maria und die Heiligen von großer Bedeutung, dadurch lernten sie die einzelnen
Heiligen besser kennen und konnten sie mit einem geeigneten Orisha zuordnen.
Die spätere Konsolidierung der Santeria, die in den Cabildos begonnen hatte,
wurde durch zwei Faktoren begünstigt: die Ankunft vieler afrikanischer Yoruba in
Kuba und das Interesse, das die religiösen Rituale der Yoruba in den Kolonialherren
geweckt hatten. Dieses Interesse hatte vielleicht seinen Ursprung darin, dass ein
Babalawo einen Kranken heilte, was dem Arzt nicht gelungen war, oder dass ein
Sklave seinen Herrn durch Yoruba-Rituale vor dem finanziellen Ruin retten konnte.
Dies führte zu einer Anhängerschaft der Santeria auch unter den Kolonialherren. Die
Santeria festigte sich endgültig in Kuba in der zweiten Hälfte des XIX. Jahrhunderts,
als die Sklaverei abgeschaft wurde und auch viele Kolonialherren zu diesem
Glauben übertraten.
Als sich die Santeria bildete, spielten die Babalawos der Yoruba-Religion, die
als Sklaven gekommen waren und ihr großes Wissen über die Orishas, die Heiligen
Überlieferungen und die religiösen Rituale nach Kuba brachten, eine grundlegende
Rolle. Das Wissen der Babalawos wurde an ihre Nachfahren bei den
Zusammenkünften in den Cabildos mündlich weitergegeben. Weil die Yorubas keine
schriftlichen Texte hatten und das Wissen über die Rituale und die Heiligen
Überlieferungen geheim und heilig war, war dieses nur den Auserwählten der
Orishas, bekannt. Nun mußte das Wissen der Babalawos an weitere Personen, an
die Priester der Santeria, weitergegeben werden. Sie hießen unter Ableitung des
Yoruba-Begriffs „Babalocha“, wenn es sich um einen Mann, und „Ivalocha“ wenn es
sich um eine Frau handelte. Diese Priester widmeten sich einem Orisha-Heiligen.
Ausgenommen davon ist Orunmila, die Priester, die sich seinem Kult widmen, heißen
„Babalaos“. Der Begriff „Santero“, der für den Priester der Santeria angewandt wird,
wurde immer geläufiger. Es war der Santero, der die Heiligen Überlieferungen,
Rituale und Überlieferungen der Yoruba kannte, er wendete sie in der neuen Religion
an und machte sich Notizen in Heften oder Kladden, bewahrte aber immer das
Geheimnis der Religion für sich. Die neue Religion erhielt den Namen Santeria, in ihr
hat der Begriff „Heiliger“ die gleiche Bedeutung wie der Begriff „Orisha“.
Auch viele Bantus oder Kongolesen kamen nach Kuba, unter dem Einfluß
ihrer Religion entstand die „Regla Conga“ oder „Palo Monte“, in deren Mittelpunkt die
Kräfte der Natur stehen. Ihre Anhänger haben ausgezeichnete Kenntnisse der
Heilkraft der Pflanzen. Es gibt in Kuba noch weitere Religionen afrikanischen
Ursprungs, wie die Abakua, auch bekannt als Naniguismus, geheimen männlichen
Gruppierungen. Der afrikanische Einfluß in Kuba ist groß, dies sieht man täglich in

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der Zusammensetzung der Rassen und in Religion, Musik, Musikinstrumenten, Tanz
und Lebensart der Kubaner.

Entwicklungsstufen der Santeria


Um über die Entwicklungsstufen der Santeria bis hin zu den einzelnen
religiösen Abspaltungen zu berichten, nehmen wir Bezug auf Untersuchungen die
George Brandon zu diesem Thema durchgeführt hat und die er in seinem Werk
„Santeria from Africa to the New World“ aufführt. George Brandon stellt die These
auf, dass sich die Santeria in fünf Phasen oder Perioden entwickelte und dass jede
dieser Phasen wiederum aus drei Stufen bestand: Bildung, Festigung und
Umwandlung.
• Erste Phase: Afrikanische Periode und Pre-Santeria
• Zweite Phase: frühe Santeria, 1760-1870
• Dritte Phase: Santeria 1870-1959
• Vierte Phase: Varianten der Santeria: Bleibende Santeria und
Santerismus, Bleibender Santerismus und früher Orisha-Voodoo
• Fünfte Phase: Orisha-Voodoo

Erste Phase: Afrikanische Periode und Pre-Santeria. Diese Phase geht auf die
Entstehung des Volkes der Yoruba und ihrer Religion, den Einfluß der Reiche Benin
und Dahomey, die Teilnahme der Yorubas am Sklavenhandel und den wirtschaftlich-
politischen Umschwung, der durch diesen Handel entstand, zurück. Die Beteiligung
am Sklavenhandel beendet diese Periode, die auch den Handel von Sklaven aus
Benin, die nach Kuba gebracht wurden, beinhaltet. Die ersten zwei
Entwicklungsphasen der afrikanischen Kultur Kubas waren geprägt von der
wirtschaftlichen Entwicklung, in der es dank des Zuckers zwei Perioden des
Aufschwungs gab. Dies hatte auch Einfluß auf die Beziehungen zwischen den
verschiedenen Rassen und die Kultur Kubas und bestimmte die Entwicklung der
Yoruba-Religion und der Santeria.
Der erste Boom begann sofort nach der Eroberung der Karibik durch die
Spanier und hielt das gesamte XVI. Jahrhundert an. Während dieser Zeit arbeiteten
die Sklaven aus Afrika und die Ureinwohner auf den Feldern. Nach dem Ende dieses
Aufschwungs kam es in Spanien zu wirtschaftlichen Problemen, die dazu führten,
dass viele Menschen in das neue gelobte Land auswanderten. Viele neue
Kolonialherren errichteten landwirtschaftliche Höfe, so dass sich die Wirtschaft
vorwiegend auf dem Land abspielte und die Städte das Nachsehen hatten.

Zweite Phase: Frühe Santeria. In dieser Phase werden die Grundlagen einer
neuen religiösen Variante, der Katholischen-Yoruba-Religion, gelegt. Sie beginnt
1760, als der zweite wirtschaftliche Aufschwung des Zuckers in Kuba begann und
endet 1870. In dieser Zeit kam eine große Anzahl an Sklaven aus den Yoruba
Gebieten und den Reichen Benin und Dahomey. Außer den Zuckerrohrplantagen
entstanden auch Kaffee- und Tabakplantagen, so dass viele Arbeitskräfte
erforderlich waren. In diese Zeit fallen die Bemühungen der katholischen Kirche, die
afrikanische Bevölkerung zum Katholizismus zu bekehren. Zweifellos ist dies die
Phase, in der sich die Santeria vor allem im westlichen Teil Kubas entwickelte, die
zur Synkretisierung der Götter der Yoruba mit den Heiligen der Katholiken führte.
Um die religiösen Ereignisse in Kuba besser zu verstehen, muß man
erwähnen, dass Spanien den Katholizismus in seinem eigenen Land bereits genutzt

73
hatte um das spanische Volk gegen Mauren und Juden zusammen zu schweißen
und so seine kulturelle Vorherrschaft behaupten konnte. Man wollte das gleiche in
den Kolonien unter dem Leitsatz „alle eint der Katholizismus“ durchzusetzen. Aber
die große Anzahl an Sklaven, die sich auf der Insel befanden, hatten das
Rassengefüge der kubanischen Bevölkerung bereits verändert. Obwohl der östliche
Teil seine soziale Rassenstruktur erhalten konnte, veränderte sich die
Bevölkerungsstruktur des westlichen Teils, in dem sich die Zuckerrohrplantagen
befanden. Die neuen Bestandteile der Bevölkerung, freie Sklaven, Ureinwohner,
Europäer und Asiaten brachten neue kulturelle Anstöße. Die Integration dieser
verschiedenen Gruppen in eine strukturierte Klassengesellschaft brachte große
Veränderungen in Politik, Wirtschaft und verursachte Feindseligkeit zwischen den
Rassen und Religionen.

Dritte Phase: Santeria, 1870-1959. Beschreibt die Phase der Umwandlung


der ursprünglichen Religionen in eine neue Religion. Die Santeria wird eine religiöse
Mischung aus der Religion der Yoruba, des Spiritismus und des Katholizismus und
wird zur dominierenden Religion Kubas.

Die Sklaverei wurde in Kuba nach und nach bis 1880 abgeschafft. Viele
befreite Sklaven gingen vom Land in die Städte. Anfangs hatte der Spiritismus
großen Einfluß auf die frühe Santeria und prägt sie bis heute. Nach der
Unabhängigkeit Kubas von Spanien nahmen die mittleren und unteren Schichten
unterschiedliche Haltungen gegenüber den afro-kubanischen Religionen ein. Die
Regierung Kubas orientierte sich politisch und wirtschaftlich vermehrt an den
Vereinigten Staaten. Die Beziehungen zwischen den verschiedenen Volksgruppen
und Rassen wurden immer angespannter. Am Anfang des XX. Jahrhunderts hatte
Kuba eine Gesellschaft, in der die afro-kubanische Religion eine wichtige Stellung
einnimmt, aber auch Einflüße von Europa und Nordamerika zu finden sind. Dieses
Phase endet 1959 mit der Revolution Fidel Castros und dem Exodus vieler Kubaner
in die Vereinigten Staaten. Es kommt zu einer schwierigen Situation der Santeria
unter dem Sozialismus. Der Einfluß der Santeria vergrößert sich gleichzeitig in den
Vereinigten Staaten, vor allem in New York und Umgebung.

Vierte Phase: Varianten der Santeria, 1959 bis 1969. In dieser Phase
verbreitet sich die Santeria von New York aus. Verschiedene neue religiöse Formen
mit Elementen aus der Santeria entstehen: Bleibende Santeria und Santerismo. Der
Santeria werden Elemente des Spiritismus aus Puerto Rico hinzugefügt, diese
Religion stirbt allerdings wieder aus. In New York taucht der Santerismo 1960 auf,
diese Variante ist noch heute, vor allem im südlichen Teil der Bronx, als bleibende
Santeria und früher Orisha-Voodoo zu finden. Der Orisha-Voodoo ist eine Variante,
bei der sich die Santeria mit dem Nationalismus der schwarzen Bevölkerung New
Yorks verbindet. Ihre Anhänger sind vorwiegend diejenigen, die sich der Santeria
aus Kuba und Puerto Rico nicht angeschlossen hatten. Sie wollten vielmehr die
afrikanische Kultur wieder aufleben lassen und lehnen das Christentum und die
ursprüngliche Santeria ab. Diese Variante gibt es vorrangig in New York, sie hat sich
von der eigentlichen Santeria abgespalten.

Fünfte Phase: Orisha Vooudoo. Mit der Gründung von Oyotunji Village
1970/71, einer Kommune, die die afrikanische Religion praktiziert, stabilisiert sich die

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religiöse Form des Orisha-Voodoo. Bei dieser Variante haben die nigerianischen
Babalawos eine höhere Akzeptanz, denn die Gründer und Führer der Bewegung
wurden in Nigeria initiiert. Diese Religion besteht aus Elementen der Religion Fon
aus Afrika, dem Voodu aus Haiti, Grundzüge der Religion Benins und der
geheimnisvollen Religion des Alten Ägypthens. Grundlage der Religion ist aber
immer noch die Yoruba-Religion und und der daraus einstandenen Santeria
.
Die folgende Tabelle zeigt uns die Entstehung und Entwicklung der Santeria.
Sie greift zurück auf die Tabelle von M.A. de la Torre in seinem Werk „Santeria. The
Beliefs and Rituals of a Growing Religion in America“ (2004).

500 Gündung der Heiligen Stadt Ile-Ife.


711 Beginn der Invasion des Islam in Spanien.
900 Sklavenhandel in der Sahara, Afrikaner werden auf islamischen
Märkten verkauft.
1000 Migration der Yoruba nach Westafrika, südwestlicher Teil des heutigen Nigeria.
1100 Bildung der ersten Yoruba-Reiche. Die Entwicklung des heiligen Kults
beginnt.
1200 Bildung von Gesellschaften zur gegenseitigen Hilfe (Bruderschaften) in
Spanien, sie sind Grundlage für die „cabildos“, die später in Kuba entstehen.
1300 Vorherrschaft des Islam im nördlichen Teil Afrikas
1350 Oranmiyan, Sohn Oduduwas, gründet das Große Imperium von Oyo.
1441 Landung der ersten afrikanischen Sklaven in Lissabon, Portugal
1450 Das Reich Benin weitet seinen Einfluß auf den östlichen Teil des Yoruba-
Gebiets aus.
1448 Die katholische Kirche billigt den Sklavenimport aus Westafrika durch Portugal,
das Christentum wird in diesem Gebiet eingeführt.
1472 Das Reich Benin beteiligt sich am Sklavenhandel, der seinen Höhepunkt
erreicht, als die Europäer Waffen gegen Sklaven tauschen.
1472 Durch Isabel von Kastillien und Fernando de Aragon kommt es zur
Einheit Spaniens, Juden und Mauren werden ausgewiesen oder gezwungen,
zum Christentum zu konvertieren.
1492 Christopher Kolumbus entdeckt die Küsten des heutigen Kuba.
1500 Ile Ife verliert seine politische Vorrangstellung an Oyo, behält jedoch die
religiöse Vorrangstellung.
1511 Die ersten afrikanischen Sklaven werden von der Insel Hispañola, auf
der sich heute Haiti und die Dominikanische Republik befinden, nach Kuba
gebracht.
1521 Die ersten afrikanischen Sklaven werden direkt aus Afrika gebracht.
1532-40 Das spanische Königshaus verbietet die Ausfuhr von Weissen,
Juden, Sephardimen und Mauren als Sklaven nach Kuba. Nur Afrikaner sind
Sklaven.
1533 Das erste britische Schiff trifft an der westafrikanischen Küste ein, um
mit den Portugiesen im Sklavenhandel zu konkurrieren.
1562 John Hawkins bringt 300 Afrikaner aus Sierra Leone nach Kuba und
verkauft sie als Sklaven.
1598 In Kuba wird der erste Cabildo errichtet, der durch afrikanische Sklaven
gebildet wird.
1650-1700 Fall des Reiches Benin. Militärische Vorherrschaft hat nun das
Reich Oyo dank seiner Kavallerie, die man durch das Geld, das durch den
Sklavenhandel erzielt wurde, ausbauen konnte.

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1650-1700 Aufgrund der wachsenden Nachfrage Europas nach Zucker wird
eine große Anzahl afrikanischer Sklaven zur Arbeit in den Zuckerraffinerien
nach Kuba gebracht.
1698 Die Kavallerie des Reiches Oyo dringt in das Reich Alladas in Dahomey
ein.
1730 Dahomey, noch durch Oyo unterdrückt, erringt politische Macht, denn
Oyo ist aufgrund interner Kämpfe geschwächt. Kultur und Religion der Yoruba
beeinflussen Dahomey.
1775-1800 Die Monarchie zentralisiert ihre Macht in Dahomey. Diese Macht
stützt sich immer mehr auf den Sklavenhandel über den Atlantik.
1789 Laut Erlaß der spanischen Krone wird der freie Sklavenhandel in Kuba
erlaubt.
1790 Der Staat mischt sich in Angelegenheiten der Cabildos in Kuba ein.
1807 England schafft den Sklavenhandel ab, verbietet Sklavenschiffe und
kontrolliert mit seiner Marine die afrikanischen Küsten, um diesen Handel zu
unterbinden.
1815 Der Sklavenhandel über den Atlantik wird intensiver aufgrund des
Ausbaus der Zucker- und Kaffeeplantagen auf Kuba und in Brasilien.
1817 England unterzeichnet mit Spanien ein Abkommen, das den
Sklavenhandel in die spanischen Kolonien Amerikas beendet. Dieses
Abkommen tritt im Mai 1820 in Kraft.
1817-35 Beginn des Bürgerkriegs des Imperiums Oyo.
1818 Dahomey wird von Oyo unabhängig. Seit 1975 trägt es den Namen
Benin.
1820 Beginn des Bürgerkriegs unter den Yoruba-Reichen, der bis Ende dieses
Jahrhunderts andauert.
1830 England sucht nach dem Ende des Sklavenhandels nach neuen
Einnahmequellen, örtliche Regierungschefs werden zur Unterzeichnung
unvorteilhafter Abkommen gezwungen.
1831 Zusammenbruch des Reiches Oyo. Die Fulani dringen in den Norden
Oyos ein.
1850-70 Die Wirtschaft Dahomeys, deren Grundlage bisher der Sklavenexport
war, konzentriert sich nun auf die Herstellung von Palmenöl. Die Sklaven
werden im Land selbst benötigt und nicht mehr außer Landes gebracht.
1850 Der Spiritismus erreicht Lateinamerika. Die erste verbotene Lliteratur
findet man 1856 in Kuba. 1870 erreicht der Spiritismus seinen Höhepunkt.
1861 England zwingt den König von Lagos, Dosunmu, zur Unterzeichnung
eines Abkommens und es entsteht die britische Kolonie Lagos. Dies ist der
Anfang der Kolonisierung dieses Gebiets.
1865 England beteiligt sich am Bürgerkrieg der Yoruba und befreit die
Handelsroute, die sich in der Gewalt der Egba befindet. So können die
Engländer in das Innere Afrikas eindringen und ihre Kolonien ausweiten.
1865 Erreicht das letzte Schiff Kuba, das ofiziell Sklaven transportiert. Der
illegale Handel wird jedoch bis 1880, als die Sklaverei endgültig abgeschafft
wird, weitergeführt.
1867 Die starke Seemacht Großbritanien beendet den Sklavenhandel über
den Atlantik.
1870 Spanien erkennt das Moret Gesetz an, das die stufenweise Abschaffung
der Sklaverei in Kuba vorsieht.

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1877 Die Regierung der Kolonie beginnt die Cabildos in Kuba zu verbieten.
1884 Werden die Cabildos und religiöse Feiern endgültig verboten, man
befürchtet, dass sich hier Zentren des Aufstands bilden.
1878 Der Unabhängigkeitskrieg scheitert, aber Spanien schenkt den Sklaven
die Freiheit.
1880-86 Die Sklaverei wird in Kuba mit Vormundschaftsprogrammen
stufenweise abgeschafft, zwei Jahre später wird sie vollständig und endgültig
beendet.
1882 Die Cabildos in Kuba müssen genehmigt werden, diese Genehmigungen
sind jährlich zu erneuern.
1884 Per Gesetz werden in Kuba die Cabildos und nächtliche Feierlichkeiten
auf den Straßen verboten.
1886 wird zu einer britischen Kolonie,.
1888 In Kuba verbietet ein neues Gesetz die Bildung von Cabildos im „alten
Stil“.
1895-98 Unabhängigkeitskrieg von Kuba mit Intervention der Vereinigten
Staaten, es entsteht ein Krieg zwischen Spanien und den Vereinigten Staaten.
Anschließend folgen mehrere Jahre Besetzung Kubas durch die Vereinigten
Staaten.
1897 Benin unterwirft sich den Briten, es wird britische Kolonie.
1910 Schwarze Kubaner, die um die Unabhängigkeit kämpfen, gründen die
„Farbunabhängige Partei“ (Partido Independiente de Color). Sie verlangen
Rassengleichheit und gleiche Bedingugen in Arbeit und Dienstleistungen.
1912 Der Protest der schwarzen Kubaner gegen den Rassismus wird als
Rassenkrieg aufgefaßt, tausende von ihnen werden völlig unbewaffnet von
weißen Kubanern massakriert. Die Regierung hatte weiße Söldner eingesetzt,
die diese Proteste im Keim erstickten, obwohl es nicht das geringste
Anzeichen eines Aufruhrs gab.
1914 Die britischen Kolonien breiten sich in Westafrika bis zu den Grenzen
Nigerias aus.
1919 Ein Medizinmann wird vom kubanischen Mob gelyncht. Grund war ein
Gerücht, dass, die Santeros weiße Kinder entführen, um ihr Blut bei ihren
religiösen Ritualen zu verwenden.

1940 Der Begriff „Santeria“ wird im negativen Sinne von katholischen


Geistlichen verwendet, sie benutzen ihn, um die religiösen Praktiken der
Yoruba in La Havanna und Matanzas zu beschreiben.
1940 Die Verfolgung der Santeria in Kuba läßt nach.
1946 Francisco Mora ändert seinen Namen in Ifa Morote, wandert in die
Vereinigten Staaten aus und wird der erste Santero mit Wohnsitz in New York.
Hier übt er die Ifa-Divination aus.
1954 Die erste Santera in Puerto Rico erhält von Mora die Weihe.
1956 Der Schlagzeuger Mongo Santamaria organisiert im Palladium von New
York die erste öffentliche Darbietung von Musik und Tanz der Orishas zu
Ehren Shangos.
1959 Walter King ändert seinen Namen in Oba Osejiman Adefumi I, reist nach
Matanzas in Kuba und erhält die Weihe in Santeria. Er ist der erste afro-
amerikanische Santero. Zurück in New York errichtet er einen Tempel für
Shango. Auch Christopher Oliana und Oba Sergiman, zwei Afroamerikaner,
reisen nach Hawai, um Santeros zu werden.

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1959 Fidel Castro siegt in der Revolution gegen den Diktator Fulgencio
Bautista.
1959-73 Etwa 451.256 Kubaner erhalten politisches Asyl in Maimi. Die
meisten von ihnen gehören der Mittelschicht an und sind Weiße, unter ihnen
gibt es auch Anhänger der Orishas. So kommen die Orishas wieder in die
Vereinigten Staaten zurück, nachdem sie zuerst von afrikanischen Sklaven
gebracht, aber von den Sklavenhaltern vollständig ausgelöscht worden waren.
1960 Nigeria wird unabhängige Republik
1961 Die erste afro-amerikanische Santera, M. Baynes Q. wird in New York
geweiht.
1962 Mercedes Noble (Oban Yoko) wird durch Julia Franco geweiht, sie ist die
erste kubanische Santera in den Vereinigten Staaten. Oban Yoko errichtete
eine „casa de santo“ (Haus des Heiligen) in New York.
1962 Die Verfolgung der Santeria in Kuba beginnt erneut
1963 Mora organisiert das erste öffentliche Santeria-Festival (Bembe) in den
Vereinigten Staaten.
1970 „Oyotunji Village“ wird durch AdefunmiI in Sheldon, Süd-Karolina,
gegründet.
1971 Die Abschlußerklärung des „Ersten nationalen Kongresses für Erziehung
und Kultur in Kuba“ lautet, dass die Jugendkriminalität teilweise auf religiöse
Sekten zurückzuführen ist, vor allem diejenigen afrikanischen Ursprungs.
1980 Über 120.000 Kubaner kommen in die USA, die meisten sind
dunkelhäutig und stammen aus der Unterschicht, viele von ihnen sind
Anhänger der Santeria.
1980-85 Die Santeria in Kuba wird durch die Rückkehr vieler schwarzer
kubanischer Soldaten, die in Angola gekämpft haben, gestärkt. Die Verfolgung
der Santeria läßt nach.
1985 Fidel Castro veröffentlicht: „Fidel und die Religion“.
1987 Seine Majestät Alaiyeluwa Oba Okunade Sijuwade Olubuse II, Ooni von
Ife, besucht Kuba.
1987 Ernesto Pichardo eröffnet den Tempel „Die Kirche Lukumi Babalu Aye“
in Hialeah, Florida. Es ist der erste rein kubanische Santeria-Tempel.
1992 Der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten beschließt, dass die
Anhänger der Santeria ein verfassungsgemäßes Recht auf Opferung von
Tieren bei ihren religiösen Ritualen haben.

Grundlagen der Santeria


Im Gegensatz zu anderen Gebieten Lateinamerikas, in denen es
bedeutende Zivilisationen gab, wurden die Ureinwohner der Karibik, die
Arawaks, Siboneyes und Karibes, fast vollständig ausgerottet. Ihre Kultur
konnte sich gegen die der spanischen Eroberer und der Afrikaner, nicht
behaupten. Der religiöse Glaube der Ureinwohner, der auch animistische,
magische und mythologische Elemente enthielt, wurde durch den religiösen
Glauben der Yoruba und Kaholiken ersetzt. Der Katholizismus war aber
weiterhin während langer Zeit die amtliche und ausschließliche Religion, die
die Kolonialherren vorschrieben. Viele Elemente der spanischen und
afrikanischen Kultur bildeten gemeinsam die Grundlage der Kultur von Kuba
und anderer Völker der Karibik.

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Beitrag anderer Religionen
Die Santeria ist das Ergebnis der Vereinigung religiöser Elemente der
Yoruba und der Katholiken, mit eigenen Beiträgen, durch die sie sich von
diesen Religionen unterscheiden.
Elemente der Yoruba-Religion. Man unterscheidet drei grundlegende
Elemente, die ihren Ursprung in der Religion der Yoruba haben: die Divination,
durch die die Gläubigen mit den Orishas kommunizieren können; der Kult der
Orishas, die mit den katholischen Heiligen synkretisieren; und die Anbetung
der Vorfahren. Die Divination ist neben weiteren Kommunikationsmitteln wie
Trance, Gebete, ritualen Begrüßungen (moyugbas) und komplexen
Zeremonien das wichtigste Mittel, um mit den Orisha-Heiligen, die als Mittler
zwischen dem Schöpfergott (Olodumare) und den Menschen angesehen
werden, in Verbindung zu treten. Alle menschlichen Probleme werden den
Orishas mitgeteilt, diese antworten durch die Heiligen Überlieferungen, die in
den „Ordun oder Odu“ der Yoruba enthalten sind. Drei Divinationssysteme
werden genutzt: Das Obi- oder Kokusnuß- System und das Diloggun oder
Muschelorakel werden in der Santeria am häufigsten angewandt. Außerdem
gibt es noch das Ifa-Orakel. Alle drei Systeme haben, wie bereits erwähnt,
keine Schriftform. Einige Santeros, Priester der Santeria, haben die Heiligen
Überlieferungen in Heften oder Kladden aufgeschrieben und verletzen so in
gewisser Weise den geheimen Charakter der Religion.
In der Santeria gibt es viele Elemente der ursprünglichen afrikanischen
Religion: Fetischismus, der den von Menschen hergestellten Gegenständen
übernatürliche Kräfte zuschreibt; Animismus, der die These vertritt, dass die
Erde von unsichtbaren Gottheiten und Mächten bevölkert ist; Magie, die durch
Rituale übernatürliche Kräfte aufruft, die dem Gläubigen helfen sollen, seine
Wünsche zu verwirklichen; Mana, bei der ein übernatürliches Wesen für
unbestimmte Zeit in einem Gegenstand oder einer Person lebt; und den Kult
der Vorfahren, dem Glauben, dass ein Verstorbener das Leben der Familie
und der Gemeinschaft mitbestimmt.

Elemente des Katholizismus: Die spanische Regierung zwang den


Katholizismus mit seinen Heiligen, Gebeten und Bildnissen gewaltsam auf. Dies
erklärt, warum für die Santeria das wichtigste Element aus der katholischen Religion
die katholischen Heiligen sind. Die Sklaven konnten sie mit ihren Göttern
identifizieren, denn auch die Heiligen waren mit übernatürlichen Mächten
ausgestattet. Die Priester der Yoruba begannen bei ihren Heilungen, Ritualen für die
Orishas und Einholen von Ratschlägen der Gottheiten die katholischen Heiligen
anzurufen. Weil in der afrikanischen und katholischen Religion jeder Orisha-Heilige
seine eigenen Eigenschaften und Mächte besitzt, haben diese Gottheiten direkten
Einfluß auf Phänomene der Natur und auf Ereignisse im Leben der Menschen.
Mit der Umwandlung der Yoruba-Religion in die Santeria begann eine
Reihe von Veränderungen in der Kosmologie und im Pantheon der Yoruba.
Der Orisha-Heilige wird nun angebetet, die unterschiedlichen Kulte Nigerias
verbinden sich zu einer einzigen religiösen Struktur, die Rituale zur Anbetung
der Erde werden weniger. In Anlehnung an die Dreieinigkeit des Katholizismus
übernimmt die Santeria dieses Konzept und identifiziert Vater-Sohn-Heiliger
Geist mit Olodumare-Olofi-Olorum der Yoruba-Religion.
Ein weiteres wichtiges Element des Katholizismus ist die körperliche
Darstellung der Heiligen. Weil ein Orisha bei religiösen Ritualen nur schwer
abzubilden war, nutzte die Santeria die katholischen Darstellungen. Es handelt

79
sich meistens um Statuen, die in Spanien oder in Italien gefertigt wurden. Ein
weiteres Element des Katholizismus sind „Patenschaften“: Eltern-Kinder-
Patenkinder-Paten. Dieses Element gibt es auch in der Santeria, die Kinder
eines Orisha-Heiligen sind Patenkinder des Santero, der sie initiiert, sie treten
in die große Gemeinschaft der Brüder und Schwestern des Glaubens ein.
Auch zu erwähnen ist die Taufe, die es allerdings bereits in der Religion der
Yoruba unter einem anderen Namen gab und die auch im Katholizismus sehr
wichtig und gleichbedeutend mit der Initiation eines neuen Gläubigen ist. Die
katholische Messe ähnelt einer Zeremonie der Santeria, der „spirituellen
Messe“, die das Bildnis Jesus und des Heiligen Sakraments (Christus in der
Eukarestie) der katholischen Religion nutzt. In der Santeria gibt es sowohl
Gebete der Yorubas an die Orishas als auch katholische Gebete und
Bittgebete an die Heiligen. Bei der Zubereitung des „Orniero“, des heiligen
Wasser der Santeria, verwendet man das Weihwasser der katholischen
Kirchen.

Götter und ihre Hierarchie


In der Santeria gibt nur einen Gott, außerdem werden die wichtigsten
Orishas mit katholischen Heiligen synkretisiert.
Schöpfergott. Olodumare, Olofi und Olorum sind die drei Namen des
einzigen Gottes, Schöpfers des Universums. Olodumare: Quelle der
Lebensenergie. Olofi: leitet und verteilt die kosmischen Kräfte des
Universums. Olorum: mystische und ätherische Projektion dieser Energie.
Diese Trilogie bildet sowohl in der Santeria als auch in der katholischen
Religion die Dreieinigkeit. Olodumare, Olofi und Olorum sind der Vater, der
Sohn und der Heilige Geist. Wir möchten hervorheben, dass in der Santeria
Olofi und nicht Olodumare derjenige ist, der Kontakt zu den Orishas hat, diese
sind das Brückenglied zwischen ihm und den Menschen. In der Mythologie der
Santeria ist Olofi die Personifizierung des „Ashe“, er ist das Universum in allen
seinen Formen und alles ist durch ihn entstanden. Kubanische und
nigerianische Mythen erzählen, dass Olofi durch das Verhalten der Menschen
angewidert war und sich von ihnen entfernte. Dies erklärt, warum er keine
Priester, keine Tempel und keinen Kult, der ihm gewidmet ist, hat.

Die Orishas-Heiligen: Aufgrund ihrer großen Zahl und der Vielfalt ihrer
Namen im Gebiet der Yoruba und der Schwierigkeiten, denen die Sklaven
ausgesetzt waren, blieben nur die bekanntesten und bedeutendsten Orishas
erhalten. Von der Gelehrten Celia Blanco übernehmen wir folgende Liste der
Yoruba-Gottheiten, die ihrem entsprechenden Heiligen zugeordnet wurden.
Es ist darauf hinzuweisen, dass es für einen Orisha mehrere katholische
Heilige geben kann und dass die Gläubigen abhängig von ihrer Herkunft
jedem Orisha unterschiedliche katholische Heilige zugeteilt haben. In der
Yoruba-Religion erhalten die Orishas einen Namen, im Einklang mit den
Etappen oder Wegen, die sie während ihres Lebens durchlaufen. In der
Santeria glaubt man, dass ein bestimmter Heiliger eine bestimmte Etappe
oder Lebensweg eines bestimmten Orishas darstellt. Für jeden Orisha gibt es
einen ihm zugeordneten Heiligen.

Agayu: Heiliger Christopherus


Aguena: Heilige Philomena
Babalu Aye: Heiliger Lazarus

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Shango: Heilige Barbara, Heiliger Bartholomäus, Heiliger Jeronimus,
Heiliger Markus von Leon

Dada (Obañeñe): Heiliger Ramon, Heilige Jungfrau vom Rosenkranz


Eledda: der Schutzengel
Eleggua-Eshu: Das heilige Kind von Atocha; Heiliger Antonius von
Padua, Benito von Palermo; die Seele
Elle Cosun: Heilige Lucia
Die Ibejis(Jimaguas): Heiliger Kosmas und Heiliger Damian
Igui: Heiliger Lukas
Inle: Heiliger Raphael; Heiliger Rochus
Iroko: die heilige Empfängnis
Nana Buruku: Heilige Jungfrau des Weges, Heilige Anna
Oba Nani: Heilige Kathalina, Heilige Rita von Casia
Obbatala: Heilige Jungfrau von Mercedes, Jesus am Kreuz Hl. Joseph
Hl Joachim, Hl. Lucia, Hl.Eduvigus, Heiliges Sakrament
Oba Mora (Weg Obatalas): Jesus von Nazareth
Odua, Oduduwa (Weg Obatalas in Ifa): das Heilige Sakrament
Ochosi: Heiliger Norbert von Xanten, Heiliger Umbertus
Oshumare: Hl. Bartholomäus
Ochun: Barmherzige Jungfrau von Cobre
Oggun: Hl. Johannes, Hl Petrus, Hl. Paulus, Apostel Jakobus, Hl
Georg, Hl. Antonius von Abad
Oggun Chibiriki: Erzengel Michael
Oke: Hl. Robert
Olodumare: die Allmacht Gottes
Olofi: Jesus Christus
Olorum: Hl. Geist
Olosi: Teufel
Oguidai: Heiliger Bartholomäus
Orisha Oko: Heiliger Isidor
Orula, Orunmila: Heiliger Franz von Assissi
Osain: Heiliger Antonius von Abad; Heiliger Sylvester
Oya: Heilige Jungfrau der Kerzen; Heilige Jungfrau vom Karmel
Ozacriñan: Heiliger Joseph
Ozun: Johannes der Täufer, Hl. Manuel, Dimas der gute Dieb
Unle: Hl. Julian
Yemaya: Heilige Jungfrau von Regla
Yewa: Unsere liebe Frau der Verlassenen; Unsere liebe Frau von
Montserrat, Heilige Klara, Heilige Rosa von Lima

In der Santeria sind die Orisha-Heiligen, die die sieben afrikanischen


Mächte bilden, von großer Bedeutung. Wir führen die wichtigsten
Gottheiten mit ihren entsprechenden katholischen Heiligen in der
Reihenfolge ihrer Bedeutung an:

Shango: Heilige Barbara


Ochun: Barmherzige Jungfrau von Cobre
Orunmila: Heiliger Franz von Assissi

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Yemaya: Heilige Jungfrau von Regla
Oggun: Johannes der Täufer
Obatala: Heilige Jungfrau von Mercedes
Eleggua: Heiliger Benitus von Palermo

Eine weitere wichtige Gruppe bilden die heiligen Krieger, sie sind die
ersten Heiligen, die sich in den Köpfen der zukünftigen Priester
niederlassen.

Eleggua: Heiliger Benitus von Palermo


Oggun: Johannes der Täufer
Ochosi Heiliger Norbert
Ozun: Johannes der Täufer

Wenn man die Rangfolge der Orisha-Gottheiten und die Elemente der
Santeria berücksichtigt, kommt man zu folgender Hierarchie:

Olofi
Die Heiligen (Orishas)
Die Egun
Olosi: der Dämon
Die Menschen
Tiere und Pflanzen
Leblose Gegenstände

Die am meisten verehrten und bedeutendsten Orisha-Heiligen sind:


Obatala
Shango
Eleggua-Eshu
Orunmila
Yemaya
Oggun
Ochosi
Ochun
Ozun
Oya
Osain
Oricha Oko
Iku
Die Merkmale und Macht dieser Orisha-Heiligen stehen in direktem Zusammenhang
mit dem Orisha und dem Heiligen den sie darstellen. Jeder Orisha-Heilige bekommt
eigene Gebete, Gesänge, Tänze, Bildnisse und Symbole, jeder wird auf eigene Art
angebetet, jeder nimmt nur bestimmte Opfergaben an und hat seine eigenen
Feiertage, die nur ihm zustehen.
Es gibt Orisha-Heilige die sich im Kopf niederlassen und geistiger Leiter und „Vater“
des Gläubigen werden. Deshalb gibt es Gläubige, die als „Kind“ eines bestimmten
Orisha-Heiligen angesehen und unter dem Schutz eines Orisha-Heiligen geboren
werden, der durch die Götter bestimmt wurde. Es gibt auch Orisha-Heilige, die nur
„empfangen“ werden, d.h. dass sie den Gläubigen nicht leiten, sondern ihm lediglich
Hife leisten.

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Wir nennen nun die wichtigsten Merkmale der Orisha-Heiligen, die in der
Santeria von Santeros und Gläubigen am meisten angebetet werden:
Obatala-Heilige Jungfrau von Mercedes: Ist der Gott der Reinheit und
Gerechtigkeit, Herr über den Kopf, über Gedanken und Träume des
Menschen. Er verteidigt Frieden, Gerechtigkeit und Ordnung. Der Orisha-
Heilige nimmt eine transzendentale Verbindung mit dem Kopf des Gläubigen
auf und
bestimmt auch die Gesundheit und das innere Gleichgewicht des Menschen.
Seine vielseitigen Aspekte (caminos) sind: Obatala Obanla-Die Reine, Obatala
Aremu-Helige Jungfrau von Mercedes, Obatala Ayagguna- Heiliger Manuel und
Heiliger Joseph, Obatala Obbamoro-Jesus von Nazareth,Obatala Yenmu-
Heilige Anna, Obatala Oddua-Heiliges Sakrament und Obatala Baba Fururu-
Heiliger Joachim. Die Kinder Obatalas sind selbstbewußt und willensstark,
verschlossen und vertrauenswürdig, intelektuell, an Kultur interessiert, gute
Freunde und sehr lebhaft, sparsam, finanzielle Stabilität ist ihnen sehr wichtig.
Ihr Orisha-Heiliger befiehlt ihnen Reinheit in Geist und Handlung. Ihre Farbe ist
weiß, ihre Halskette reinweiß. Die entsprechende katholische Heilige ist die
Jungfrau von Mercedes. Seine bevorzugten Opfergaben sind: Früchte (vor
allem Birnen) Reis, Fisch, Brot, Milch, Milchreis, Meringe, Ziege, Taube und
Huhn. Durch das Initiationsritual nimmt der Orisha eine Verbindung mit dem
Kopf des Gläubigen auf. In der Liturgie bedeutet Kopf Geburt, Reinheit,
Sauberkeit. Aus diesem Grund kleidet sich der „Iyawo“ (initiierter Priester,
Novize) ein Jahr lang ganz in weiß und zeigt so, dass er in ein neues Leben
geboren wurde. Jeden Donnerstag und am 8., 16. und 24. Tag jeden Monats
sollte man sich ihm besonders widmen.

Shango-Heilige Barbara. Er ist der Schutzherr der Krieger, des Donners


und des Blitzes. Er ist ein mächtiger Orisha-Heiliger, impulsiv und reizbar, liebt
Gerechtigkeit und bestraft Diebstahl und Lüge. Sein Thron befindet sich in der
Palme, er führt ständig Krieg und wenn er keine Furcht vor den Toten hätte,
wäre er unbesiegbar. Erbarmen und Mitleid sind ihm verhaßt. Er liebt
übermäßiges Trinken, Feiern und Chaos. Die verschiedenen Sagen oder
Legenden über Shango beschreiben seine verschiedenen Aspekte. Einer davon
ist das Shango-Kind, das mit dem Heiligen Bartholomäus synkretisiert wurde.
Laut einer anderen Legende verleitete ihn Oya dazu, sich als Frau zu
verkleiden, um mit Oggun in Konfrontation zu gehen. So entstand der Mythos,
dass Shango sechs Monate eine Frau und sechs Monate ein Mann ist. In der
Santeria ist er auch bekannt unter dem Namen „roter Stier des Hügels“ und
„roter Gott“. Seine Kinder sind energisch, willensstark und
verantwortungsbewußt, lebensfroh, sie leben im Heute ohne an Morgen zu
denken, sind voller Leidenschaft und Liebe. Seine Farben sind rot und weiß. Rot
steht für Männlichkeit, Musik und Liebe. Weiß symbolisiert die Reinheit. Seine
Symbole sind die Waage und das Schwert. Seine Halskette besteht aus roten
und weißen Kugeln. Seine bevorzugten Opfergaben sind: Huhn, Wachtel,
Hammel, Mehl, Obst und Rotwein. Das wichtigste Fest ihm zu Ehren findet am
4. Dezember, dem Todestag der Heiligen Barbara, statt.

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Ellegua- Das Heilige Kind von Atocha: Ist der Bote Olofis, man ist
der Ansicht, dass er der erste Orisha war. Nichts geschieht ohne seine
Erlaubnis, er ist Hüter der Tür und läßt das Gute oder das Böse herein, je
nachdem wie er behandelt wird. Er stellt das unvermeidliche Schicksal dar, das
den Menschen manchmal verspottet. Er wird häufig entweder als Kokosnuss
oder als verspieltes, übermütiges Kind mit Greisengesicht dargestellt.
Er gilt als der menschlichste der Orisha-Heiligen und hat sowohl gute als auch
schlechte Eigenschaften. Elegua gilt als sehr facettenreich, was sich in einer
Vielzahl von Legenden über ihn niederschlägt. Wenn er sich in Eshu
verwandelt, wird er gefürchtet. In den Gebeten an ihn bittet man daß er Tod,
Krankheit und Ungerechtigkeit abwehren, und daß er Glück, Reichtum und
Freundschaften bringen soll. Typische Eigenschaften von Elegua gewidmeten
Kindern sind die folgenden:
Die Kinder von Ellegua sind Händler, herzensgut aber nachtragend, sie lieben
Kinder, sind unflexibel, sehr gefühlsbetont und mißtrauisch. Sie haben nur
wenige Freunde, sind gute Kinder und auch gute Eltern, gelten als verträumt,
arbeiten unabhängig und befehlen lieber als sich befehlen zu lassen. Sie lieben
Trinken, Feiern, sind romantisch und vom Glück begünstigt. Die Farben
Elleguas sind rot und schwarz, sie symbolisieren das Leben und den Tod, den
Anfang und das Ende. Elegua wird symbolisiert durch Schlüssel und Hufeisen.
Er bevorzugt als Opfergaben: Milchreis, Krapfen, Cremespeisen, Mais, Huhn,
Räucherfisch, Honig, Spirituosen und Tabak. Tag seiner Anbetung ist der
Montag und der 3. Tag jedes Monats.

Orula-Heiliger Franz von Assisi: Bekannt auch als Orunmila, ist der Gott
des Wissens und der Divination, der den Weg der der Orisha-Heiligen und der
Menschen bestimmt. Er ist Arzt der Seelen und wird dargestellt als ein reifer
Mann, der die Weisheit des Alters symbolisiert. Dieser Orisha-Heilige ,
bestimmt, was derjenige, der Priester der Santeria werden möchte, zu tun hat.
Seine Priester sind die „Babalaos“. Die Santeros, die sich jedem anderen
Orisha-Heiligen mit Ausnahme Orulas widmen, kennt man unter dem Begriff
„Santeros der Regla de Ocha“. Sie müssen, um Babalaos zu werden, erst an
einem Ritual teilnehmen, in der ein Babalao das Ashe oder den Segen, den
der Santero erhielt, als er in der Regla de Ocha initiiert wurde, außer Kraft
setzt oder neutralisiert. Demjenigen, den das Ifa-Orakel als seinen Sohn
auserwählt, ist es verboten, sich einem anderem Orisha zu widmen. Der
Auserwählte erhält zunächst die „Hand Orulas“ und die sogenannten Heiligen
Krieger (guerreros): Ellegua, Oggun, Ochosi und Osun. Anschließend wird er
Babalao. Keinem Homosexuellen, Mann oder Frau, ist es erlaubt, Babalao zu
werden. Männer und Frauen, die sich Orula widmen, sind typischerweise
großzügig und gütig, strahlen Ruhe aus, verfügen über viel Wissen und sind
geistige Führer mit einer hoch entwickelten Intuition. Die Farben dieses
Orisha-Heiligen sind grün und gelb. Seine Halsketten in grün und gelb wird
ihm in Ritualen, die drei Tage lang andauern, übergeben. Der entsprechende
katholische Heilige ist der Heilige Franz von Assisi. Die Opfergaben: in der
Regla de Ifa werden Ziegen, Hühner und Tauben als Opfergaben
angenommen. Die wichtigste Feier Orula zu Ehren findet am 4. Oktober statt.

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Yemaya-Heilige Jungfrau von Regla: Auch bekannt als Yembo,
Yemmu und Olokum. Sie gilt als die Herrin des Meeres, wohnt auf seinem
Grund und ist Patronin der Fischer und Seeleute. Sie ist die Mutter der
Menschheit und Göttin der Fruchtbarkeit. Sie ist intelligent, verständnisvoll und
liebevoll zu ihren Kindern, obwohl sie streng ist und liebt Tanz, Prunk und gute
Gesellschaft. In den verschiedenen Legenden erscheint sie als Ehefrau von
Obatala und auch die von Babalu Aye, Agayu, Orula und Oggun. In den
verschiedenen Legenden trägt sie verschiedene Namen, wie z.B. Yemaya
Olokum, Yemaya Okute, Yemaya Mayalewo, usw. Sie ist fantasievoll, kann die
Muscheln deuten, ist Hellseherin und ist eine unbeugsame Persönlichkeit. Ihre
Strafen sind hart, ihr Zorn gleicht dem Zorn des Meeres. Als Yemaya Olokum
erhebt sie keinen Anspruch auf den Kopf des Gläubigen, denn sie ist das
unendliche Meer. Die Yemaya gewidmeten Gläubigen gelten als autoritär,
wollen ihre Meinung mit Arroganz und Nachdruck durchsetzen, sind stark und
zielstrebig und werden durch die Göttin vor Krankheiten des Leibes und jeder
Verletzung, die mit Salz- oder Süßwasser zusammenhängt, geschützt. Ihre
Symbole sind Sonne und Mond, die den kosmischen Dualismus darstellen,
außerdem Anker, Schiff, Ruder, Muscheln und Sterne. Ihre Farben sind weiß
und blau. Ihre Opfergaben: Obst, Blumen, Kerzen, Honig, Geld, Ente, Huhn und
Hammel. Sie wird an Samstagen und am 7.,14. und 27. Tag jedes Monats
angebetet.

Oggun-Heiliger Petrus, Heiliger Johannes: Er ist der Gott des


Eisens, der Schmiede und der Werkzeuge, der Patron der Mechaniker,
Schmiede, Ingenieure und Soldaten. Er ist ein Krieger, der Fleisch ißt, und wird
als roh, spröde, unhöflich und gewalttätig beschrieben. In verschiedenen
Legenden erscheint er als Freund von Ochosi aber verfeindet mit Shango, weil
dieser ihm seine Ehefrau Oya wegnahm. Es wird auch gesagt, dass er der
Liebhaber von Ochun und Yemaya ist. Oggun wird als ewig unglücklich
beschrieben und lebt deshalb in ständigem Zorn. Die Symbole Ogguns sind
Amboß, Hammer, Schere und Ahl.. Er wird dargestellt mit einer Halskette, an
der Waffen und Werkzeuge hängen. In vielen Legenden nimmt er die wichtige
Aufgabe wahr, die Vierbeiner zu ernähren, die durch sein Messer als Opfergabe
getötet werden. Die Oggun gewidmeten Gläubigen werden als unberechenbar,
impulsiv, gewalttätig und nachtragend charakterisiert. Gleichzeitig gelten sie
aber auch als verantwortungsbewußt, hartnäckig und ehrlich, weshalb sie viele
Freunde haben. Ogguns Farben sind grün, schwarz und rot. Seine Halskette
besteht aus schwarzen oder grünen durchsichtigen Kugeln. Seine Opfergaben
sind Avocado, Pfeffer, Yucca, scharfer Aji-Pfeffer, Hahn, Huhn, Lamm, Tauben
und Schweinskopf. Die ihm gewidmetenTage sind jeder Dienstag und der 4.
Tag jedes Monats.

Ochosi-Heiliger Norbert: Er ist der Orisha-Heilige der diejenigen


beschützt, die mit der Justiz in Konflikt geraten sind, öffnet die Zellentüren der
Gefängnisse, befreit die Unschuldigen und hilft ihnen bei der Flucht. Er ist auch
der Schutzpatron der Jäger und Fischer, denn er ist selbst ein großer Jäger und
Fischer, außerdem ist er Krieger, Magier und Hellseher. Mit Oggun verbindet
ihn eine enge Freundschaft. Auch steht er Osain nahe, der ihn das Wissen über
Pflanzen lehrte. Ochosi wird dargestellt mit Pfeil und Bogen, bekleidet mit einem
Tierfell. In den Legenden besteht seine Behausung aus Holz oder Lehm, seine
Werkzeuge sind zwei Hirschgeweihe, ein Köcher mit drei Pfeilen, einem Bogen,

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zwei lange Speere, eine Machete, zwei Hunde, zwei Schutzschilder und zwei
Armbänder aus metallenen Fäden. Typische Charaktereigenschaften der ihm
gewidmeten Gläubigen sind Wachsamkeit, Reaktionsschnelligkeit. Sie sind
immer bereit, jede Gelegenheit zu ihren Gunsten zu nutzen. Sie gelten als
gastfreundlich und lieben ihre Familie trotz ihrer Neigung zur Boheme und
Rastlosigkeit. Ochosis Farben sind grün, dies stellt den Wald, in dem er lebt,
dar, schwarz, Symbol für Gefängnis, Einsamkeit, Schmerz und Nostalgie und
purpurrot, lila und violett, den Symbolen der Melancholie. Seine Halskette
besteht laut einigen Santeros aus grünen Kugeln, andere behaupten, sie sei
aus dunkelblauen Kugeln oder aus Bernstein. Seine Opfergaben sind Hahn,
Taube, Huhn, Fisch und Ziegen. Die ihm gewidmetenTage sind jeder Dienstag
und der 4. Tag jedes Monats.

Ochun-Barmherzige Jungfrau des Kupfers (Virgen de la Caridad


del Cobre): Sie ist die Göttin des Flusses, der in Nigeria ihren Namen trägt und
wird als Göttin des Süßwassers verehrt. Ochun gilt als Göttin der Liebe,
Weiblichkeit, Schönheit, Sanftheit, Koketterie und beschützt die verbotenen
Liebschaften. Ihre Gläubigen bitten sie bei Problemen in der Liebe oder dem
Unterleib um Rat. Sie hat den Ruf in der Liebe sehr freizügig und von Männern
sehr angetan zu sein. In verschiedenen Legenden hatte sie Liebesaffären mit
verschiedenen Orishas und war auch die Ehefrau Shangos. Aus dieser
Verbindung stammen die Ibejis. In Kuba wird sie dargestellt als sehr schöne
Mulattin mit langen glatten Haaren und als Ballerina. Sie ist fröhlich und diese
Fröhlichkeit ist ansteckend. In den verschiedenen Legenden tritt sie in
unterschiedlichen Rollen auf: Als Zauberin, Tänzerin, Geliebte, Herrin der
Trommeln und der Goldmünzen, Stickerin, ebenso wie die Schönheit, die im
Fluß lebt, und diejenige, die den Seelen der Verstorbenen Trost spendet.
Ihre Strafen sind Krankheiten im Bauchbereich, Ertrinken in Süßwasser und
Krankheiten der Geschlechtsorgane. Die ihr gewidmeten Gläubigen gelten als
kokett, sinnlich und wollüstig, sie stehen verbotenen Liebschaften offen
gegenüber, feiern gerne, sind großzügig und ehrgeizig, lieben Luxus, schöne
Kleidung, Schmuck und gutes Parfüm, scheuen Streitigkeiten und achten die
Meinung anderer. Ochun wird verbunden mit der barmherzigen Jungfrau des
Kupfers, die am 10. Mai 1916 zur Schutzpatronin Kubas erklärt wurde. Die
katholischen Feierlichkeiten ihr zu Ehren finden jedes Jahr am 8. September
statt. Die Farben, die sie symbolisieren, sind gelb und bernstein. Ihre Halskette
besteht aus gelben und bernsteinfarbenen Kugeln, außerdem tragen ihre
Gläubigen fünf goldene Armreifen. Ihre Opfergaben sind Honig, Kokusnuß,
Reis, Ananas, Petersilie, Malve, Mais, gelbe Hennen, gelbe Ziege, Tauben und
Wachteln. Ihre Tage sind Samstag und jeder 5.,10., 15. und 30. des Monats.
Die wichtigste Feier ihr zu Ehren findet am 8. September jedes Jahres in Kuba
statt.

Ozun(Osun) – Heiliger Manuel: Von diesem Orisha ist nur wenig


bekannt, er ist Bote von Olofi, Obatala und Orula, Wächter über den Kopf der
Gläubigen. Er spricht nicht durch die Muscheln, sondern macht Andeutungen
mittels der Kokusnüße. Er wird dargestellt als silberner Hahn oder Taube an
einem metallenen Stab, der auf einem schweren Sockel befestigt und in einem

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verdeckten Gefäß aufbewahrt wird. Er ist ein kalter, schweigsamer und
mächtiger Orisha-Heiliger, der Falschheit und Prunk ablehnt. In den Legenden
stellt Ozun die kosmischen Kräfte dar und ist bei allen Initiationsritualen
anwesend. Sein Name bedeutet „Farbe“ und es ist Ozun oder Farbe, mit der
man den Kopf des Initiierten in der Santeria behandelt. Zusammen mit Eleggua,
Oggun und Ochosi bildet er die sogenannten Heiligen Krieger. Die Farben, die
ihn symbolisieren sind rot, blau, weiß und gelb. Am 24. Juni jeden Jahres finden
die Feierlichkeiten ihm zu Ehren statt. In der Santeria wird Ozun als Hahn
dargestellt, wenn er durch den Santero übergeben und durch eine Taube, wenn
er durch den Babalao übergeben wird. Er muß die Größe seines Besitzers
haben. Es gibt auch den Ozun Heiligen Lazarus aus Stahl oder Blei, dargestellt
als Hund mit einem Sockel aus gleichem Material.

Oya (Yanza) - Heilige Jungfrau der Kerzen: Sie ist die Göttin des
Feuers, des Lichtstrahls, des Blitzes und der Stürme und ist Herrin des
Friedhofs. Sie war die Ehefrau Ogguns, den sie wegen Shango verließ, hat
keine Kinder und ist auch nicht kinderlieb. Sie ist geheimnisvoll, lebt ihre
Leidenschaft grenzenlos aus und hilft den Verliebten. Sie ist eine Orisha-
Heilige, die hochmütig und zügellos wie der Wind ist, aber gleichzeitig ist sie
auch zerbrechlich, ruhig und schön wie der Regenbogen. Ihr Lieblingsschmuck
sind Muscheln.
Sie hält nichts von den Trommeln, denn sie ist die Göttin der Traurigkeit und
des Leidens. In der Santeria kennt man sie unter verschiedenen Namen: Oyá
Dumí, Oyá Bi, Oyá Funké, Oyá Ayawá, usw. Oya Yanza ist die Mutter Eshus,
den sie im Wald zurückließ. Sie ist rebelllisch und hinterlistig aber voller
Gerechtigkeitssinn. Ihre Strafen bestehen aus Blitzen und plötzlichen
Temperaturschwankungen. Oya wird entweder in einem langen Kleid aus neun
Farben oder in einen Regenbogen eingehüllt dargestellt. Ihr Symbol ist eine
neunzackige Krone, welche die neun Mündungen des Flusses Niger darstellt.
Die Oya gewidmeten Gläubigen werden als sinnlich, wollüstig, jähzornig und
autoritär charakterisiert. Wenn sie wahrhaft verliebt sind, sind sie treu, neigen
allerdings zu Untreue wenn ihr Partner unaufmerksam wird. Oya’s Farben sind
rot, weiß und rosa. Die Halskette welche Oya symbolisiert besteht aus
weißgestreiften Karmeliten. Ihre Opfergaben sind: Pflaumen, Chirimoyas,
Granatäpfel, Avocados, Kampfer, Schilfrohr, Tauben, Hühner und kleine Ziegen.
Die Feier ihr zu Ehren findet am 2. Februar jedes Jahres statt.

Osain- Heiliger Sylvester: Er ist der Orisha-Heilige der Botanik,


Herr der Kräuter, der Bäume, des Schilfrohrs, der Wälder und Blumen. Er ist
Wohltäter und Heiler, denn er kennt die heilsamen Kräfte der Pflanzen und mit
seinem Ashe kann er den Tod vertreiben. In der Liturgie nimmt er eine
bedeutende Stellung ein, denn er ist bei allen religiösen Zeremonien der
Santeria anwesend, da bei allen Zeremonien Kräuter verwendet werden. Auch
bei allen Opferzeremonien ist er anwesend. Gemäss den Legenden hat er keine
Frau und nur ein Ohr, ein Auge, eine Hand und ein Bein. Er ist gutmütig und
kommt gut mit allen Orishas aus, ist aber speziell mit Oggun und Shango
befreundet. Die Osain gewidmeten Kinder gelten als weise, reif, ausgeglichen
und lebenstüchtig. Sie sind pragmatisch und realistisch und haben sich unter
Kontrolle. Sein Symbol ist ein kleiner Behälter zur Aufbewahrung der Kräuter mit
einem Gipskreuz verziert. Osain symbolisierende Farben sind alle Grüntöne.

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Jeden Freitag findet seine Anbetung statt. Seine Opfergaben: vor allem das Blut
des schwarzen Hahns, auch kleine Ziegen, Schildkröten und alle sprechenden
Vögel. Laut der Legende hat er weder Vater noch Mutter, er wurde aus der Erde
selbst geboren und ist der Sohn des Waldes.

Babalu Aye – Heiliger Lazarus: Ist der Orisha-Heilige der Epidemien,


Krankheiten, und auch der Gesundheit. Man glaubt, dass er Wunderheilungen
vollbringt und dass er gerecht ist. Seine Strafen sind Krankheiten wie Syphillis,
Lepra, Wundbrand, Embolien und Pocken. In einer Legende erschien er als ein
Mann namens Osowano, der sehr gläubig war. Olofi schickte Olosi (den Teufel) zu
ihm, um seinen Glauben zu prüfen. Olosi übersähte seinen ganzen Körper mit
Wunden und bot ihm an, diese zu heilen, wenn er Olofi leugnete. Trotz der großen
Schmerzen wurde er seinem Glauben niemals abtrünnig. Er wird dargestellt als ein
gekrümmter Alter, der mit imaginären Krücken ziellos durch die Welt geht. Die ihm
gewidmeten Gläubigen nehmen das körperliche und geistige Wohlbefinden der
Menschen ihrer Umgebung sehr ernst, sie spenden, sind hilfsbereit, verständnisvoll
und gefühlsbetont. Die Kranken kommen zu ihnen, um sich helfen zu lassen.
Seine Halskette besteht aus weißen Kugeln die blau oder schwarz gestreift sind oder
aus schwarzen Kugeln. Seine Opfergaben sind getrocknete Kokusnuß, gerösteter
Mais, Zwiebeln, Zitrusfrüchte, kleine Ziegen und Tauben. Der Tag seiner Anbetung
ist immer mittwochs. Am 17. Dezember jeden Jahres finden die wichtigsten
Feierlichkeiten ihm zu Ehren statt.

Inle-Heiliger Raphael: Er ist der Orisha-Heilige der Arzt und Hellseher, Fischer
und Jäger ist . Er wohnt am Ufer der Flüsse oder des Meeres zwischen feuchtem
Farn. Er ist ein guter Freund Ochuns. In der Liturgie spricht er durch Yemaya, denn
die Göttin hatte ihm die Zunge abgeschnitten, weil er der einzige war, der ihr
Geheimnis des Meeresgrundes kannte. Er war so schön, dass Yemaya sich in ihn
verliebte und ihn zu sich nahm, aber anschließend brachte sie ihn auf die Erde
zurück. Aus diesem Grund muß man, um mit Inle in Verbindung zu treten, sich zuerst
an Yemaya wenden. Sein Symbol ist der Fisch, er ist der Schutzpatron der Ärzte und
Fischer und wird gerufen, um schwere Krankheiten zu heilen. Er raucht nicht, trinkt
keinen Rum, keinen Kaffee und schlägt nicht die Trommeln. Wenn er tanzt, macht er
dies im Zick-Zack-Schritt. Das Werkzeug Inles ist ein Ozun in Form eines Dreizacks,
auf dem sich zwei Schlangen ringeln die nach Osten und Westen blicken, dorthin, wo
die Sonne auf- und untergeht, Symbol für das Leben und den Tod. Er ist eine
androgyne Gottheit, seine Kleidung ist blau, gelb, weiß oder türkis farben und mit
Muscheln verziert. Intelligenz, Vernunft und Diskretion kennzeichnen die ihm
gewidmeten Gläubigen. Sie erscheinen kalt und unaufmerksam, sind aber eigentlich
selbstsicher und unleidenschaftlich. Inles Lieblingsfarben sind grün, blau und gelb.
Die Opfergaben, die er annimmt, sind Schilfrohr, Mangrove, Zwiebel, Stachelnuß,
Hahn, Hammel, Bananen und Tauben, alle Tiere müssen weiß sein. Tag seiner
Anbetung ist jeder Freitag und der 24. Oktober jeden Jahres.

Eledda-Der Schutzengel: Er ist ein sehr wichtiger Orisha-Heiliger, der


gemeinsam mit Obatala herrscht. Eledda ist der Schutzengel, Herr der Seele, des
Geistes und der Gefühle der Gläubigen. Er ist das innere ich, das den Gläubigen
leitet. Er ist verbunden mit dem Bereich des Herzens, dem Ort, an dem sich die
Seele des Menschen befindet, der kosmische Geist. Er ist das göttliche Licht, das
der Mensch am Anfang seines Lebens erhält und das sich mit ihm entwickelt und so
die Persönlichkeit jedes Menschen formt. Für einige Santeros bilden Eledda und der

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Orisha-Heilige, der Herr über den Kopf des Gläubigen ist, eine Einheit. Für andere ist
Eledda der Geist eines Vorfahren des Gläubigen.

Synkretisierung zwischen Orishas und katholischen Heiligen


Weil die Yoruba-Sklaven ihre Orishas mit den katholischen Heiligen
identifizieren wollten, erschufen sie nach und nach eine neue Religion. Wir
versuchen hier zu erklären, wie diese Synkretisierung der Orishas mit katholischen
Heiligen entstand. Die Sklaven, die nach Kuba und in die Karibik kamen, versuchten
sich ihrer neuen Umwelt anzupassen, sie wollten ihre Kultur und ihren Glauben auf
jeden Fall erhalten, denn tiefe Religiösität war ein untrennbarer Teil von ihnen. Weil
die katholische Kirche ihnen einen neuen Glauben aufzwang, sie jedoch an die
Macht ihrer Orishas glaubten, fanden sie eine Lösung, ihre Orishas weiter
anzubeten, indem sie ihren eigentlichen Glauben versteckten und sich so verhielten,
als ob sie die katholischen Heiligen anbeten würden. So fanden sie nach und nach
Ähnlichkeiten und Parallelen zwischen ihren Orishas und den Heiligen der
katholischen Kirche. Sie entdeckten, dass die Heiligen ebenso wie ihre Orishas
menschliche Wesen gewesen waren, ihre eigene Geschichte hatten und
übermenschliche Wunder vollbracht hatten, dass die Heiligen Beschützer und
Wohltäter der Menschen waren. Außerdem wurden jedem Heilige ebenso wie ihren
Orishas bestimmte Gebete, Symbole, Kleidung, Tage, zugeordnet. Aufgrund dieser
Gemeinsamkeiten identifizierten sie ihre Orishas unter Berücksichtigung ihrer Wege
mit einem oder mehreren Heiligen der katolischen Kirche. Laut ihren Legenden
waren die Orishas Männer oder Frauen, einige von ihnen sogar androgyn während
ihres ganzen oder eines Abschnitts ihres Lebens. Mancher männliche Orisha wurde
mit einer weiblichen Heiligen synkretisiert nachdem er zuerst mit einem männlichen
Heiligen identifiziert worden war. Es gibt Orishas, die ihr Geschlecht umwandelten,
als sie mit den Heiligen des Katholizismus synkretisierten. Dies hat keine Bedeutung
in der Santeria, denn es wird akzeptiert, dass die Orishas während ihres Lebens
männliche und weibliche Formen annahmen.. Erst nach dem mystischen Tod
kehrten die Orisha-Heiligen auf die Erde zurück um sich in verschiedenen Elementen
der Natur zu manifestieren.
Schauen wir uns zum Beispiel folgende Synkretisierung an:
Shango-Heilige Barbara. Über Shango und seine Legenden wurde bereits in
dem Kapitel über die Religion der Yoruba berichtet. Im Katholizismus ist die Heilige
Barbara die Schutzpatronin der Feuerwehrmänner, der Werften und Herrin des
Sturms. Ihr Bildnis in der katholischen Kirche ist das eines jungen Mädchens mit
fürstlicher Gestalt. Sie ist mit einer weißen Tunika und einem roten Umhang, der
einen goldenen Saum hat, bekleidet und trägt eine Krone. In der rechten Hand hält
sie ein vergoldetes Glas, in der linken ein vergoldetes Schwert, zu ihren Füssen ist
der Turm eines Schloßes zu sehen. Sie wird auch oft hoch zu Roß abgebildet. Laut
einer Legende über sie war sie eine christliche Prinzessin, die im IV. Jahrhundert
lebte. Ihr Vater, ein Despot und Heide, schloß sie in einen Turm ein, als sie sich
weigerte, den Freier zu heiraten, den ihr Vater ihr ausgesucht hatte, denn sie hatte
sich Gott geweiht. In einer Nacht, in der ein Unwetter tobte, stieg ihr Vater zu ihr auf
den Turm und beharrte darauf, dass sie einen seiner Hauptmänner heiraten solle.
Die Heilige fand Halt in ihrem Glauben und weigerte sich so heftig, dass ihr Vater
sich erzürnte, sein Schwert zog und sie tötete. In dem Augenblick, als die Heilige
starb, traf ihren Vater der Blitz. So entstand die Legende der Macht der Heiligen
Barbara über Blitz und Feuer. Aufgrund der Analogien zwischen der heiligen
Märtyrerin und Shango, Gott des Donners und des Feuers bildet für die Santeros
Shango und die Heilige Barbara eine Einheit. In den Altären vieler Santeros in ihren

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Wohnungen findet man das Bildnis der Heiligen Barbara, zu deren Füßen befinden
sich ein Glas Rum und eine dicke Zigarre als Opfergaben.
Yemaya-Heilige Jungfrau von Regla ist eine der am häufigsten angebeteten
Orisha-Heiligen. Es gibt viele Legenden, weshalb die schwarzen Sklaven Yemaya
mit der Jungfrau von Regla identifizierten. Eine erzählt, das ein katholischer Bischof,
San Agustin „Der Afrikaner“, der im IV. Jahrhundert in Afrika lebte, durch die
Offenbarung eines Engels ein Bildnis der Jungfrau Maria aus Holz schnitzte, sie in
sein Oratorium stellte und ihr den Namen Jungfrau von Regla gab. Einige Jahre nach
dem Tod des Bischofs brachte einer seiner Schüler namens Cipriano die Statue nach
Spanien an die Küste von Cadiz, an den Ort, an dem sich die heutige Stadt Chipiona
befindet. Es wird erzählt dass sie auf der Reise auf der Höhe der Meeresenge von
Gibraltar von einem Unwetter überrascht wurden, aber weder die Statue noch die
Seefahrer des kleinen Schiffes erlitten Schaden. Dies war das erste Wunder der
Jungfrau, die vor allem von Seeleuten und Fischern angebetet wird. Im Laufe der
Zeit wurde die Jungfrau von Regla zur Schutzpatronin der Seeleute und Fischer. Um
1660 herum fand man auf einem Gehöft von Regla in Kuba in einer Strohhütte das
Bildnis der Jungfrau von Regla, zwei Jahre später wurde die Hütte durch ein
Unwetter zerstört. 1664 wurde an der gleichen Stelle eine Ermitage errichtet, in
welcher ein neues, aus Spanien eingetroffenes Bildnis der Jungfrau aufgestellt
wurde. 1714 wurde die Jungfrau von Regla zur Schutzpatronin von Bahia ernannt,
dies wurde sowohl von den weißen Herren als auch von den schwarzen Sklaven
gefeiert. An jenen Festtagen hörte man sowohl Lobgesänge auf die Jungfrau Maria
als auch die Trommeln der Bata (Yoruba-Trommeln) zur Anbetung Yemayas, Mutter
der Yorubas.
Ein weiterer wichtiger Orisha-Heiliger ist Eleggua. Er ist der Heilige der Wege.
Er ist übermütig, ißt, feiert und trinkt gerne. Aufgrund seines kindlichen Wesens wird
er mit dem heiligen Kind von Atocha synkretisiert. Er wird auch mit dem Heiligen
Antonius von Padua synkretisiert, vielleicht weil dieser Heilige ein Kind in seinen
Armen hält. Eleggua wird außerdem identifiziert mit der Seele im Fegefeuer, weil
diese niemand hat, der um ihre Erlösung bittet und die Menschen quält, damit sie ihr
helfen. Ellegua ist auch imstande, die Menschen in große Schwierigkeiten zu bringen
um so ihre Aufmerksamkeit zu erregen.
Auch Ochun, die Göttin der Liebe, Symbol weiblicher Koketterie, Anmut und
Sinnlichkeit ist eine der wichtigsten Göttinen der Santeria. Aufgrund folgender
Legende wird Ochun synkretisiert mit der Barmherzigen Jungfrau des Kupfers: das
Bildnis der Jungfrau Maria, die das Jesuskind auf dem linken Arm trug und in der
rechten Hand ein Kreuz aus Gold hatte wurde in den Gewässern der Bucht von Nipe
auf einem Brett treibend gefunden, auf dem stand: „Ich bin die Heilige Jungfrau der
Nächstenliebe“. Die drei Männer, die sie fanden, brachten sie in die Kupferminen, wo
sie ihr einen Altar errichteten. Die Sklaven identifizierten sie mit Ochun, denn diese
Orisha ist die Herrin des Kupfers, sie wohnt in den Flußmündungen und ihre
Kleidung ist mit Gold verziert. Außerdem beschützt sie die Gebärenden ebenso wie
Ochun dies in der Religion der Yoruba macht.
Ein interessanter Fall ist die Synkretisierung der Ibejis oder Jimaguas, den
Zwillingen in der Religion der Yoruba, sie sind verspielt, naschhaft und übermütig.
Sie werden mit dem Heiligen Kosmas und dem Heiligen Damian synkretisiert, denn
diese Heiligen bildeten ein untrennbares Paar, sie wurden wegen ihrem christlichen
Glauben entsetzlich gefoltert und starben gemeinsam.
Als letztes Beispiel der Synkretisierung führen wir Oya an, Herrin des
Blitzes und des Friedhofs. Oya wird synkretisiert mit der Heiligen Jungfrau der
Kerzen weil die katholische Kirche der Purifikation der Jungfrau mit einer

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Kerzenprozession gedenkt, die einen Friedhofsbesuch mit einschließt. Diese
Prozession findet am 2. Februar statt (Lichtmeß). Als die Sklaven an dieser
Prozession teilnahmen, synkretisierten sie die Heilige Jungfrau der Kerzen mit ihrer
Göttin Oya. Kleidung ist mit Gold verziert. Sie beschützt sie die Gebärenden ebenso
wie Ochun.
Ein besonderer Fall ist die Synkretisierung der Ibejis oder Jimaguas, den
Zwillingen der Religion der Yoruba. Sie sind verspielt, naschhaft und übermütig. Sie
werden mit dem Heiligen Kosmas und dem Heiligen Damian synkretisiert, denn diese
Heiligen waren ein unzertrennbares Paar, sie wurden wegen ihres christlichen
Glaubens furchtbar gefoltert und starben gemeinsam.
Als letztes Beispiel der Synkretisierung wird Oya angeführt, Herrin des Blitzes
und des Friedhofs. Oya wird synkretisiert mit der Heiligen Jungfrau der Kerzen, denn
die katholische Kirche gedenkt der Purifikation der Jungfrau mit einer
Kerzenprozession, die einen Friedhofsbesuch mit einschließt. Diese Prozession
findet am 2. Februar statt (Lichtmeß). Als die Sklaven an dieser Prozession
teilnahmen, synkretisierten sie die Heilige Jungfrau der Kerzen mit ihrer Göttin Oya.

Organisation der Religion


Die Santeria glaubt an übernatürliche Wesen, die als Gottheiten angesehen
werden: die Orishas. Der Verehrung dieser Gottheiten liegen religiöse Regeln
zugrunde, die von einer Priesterschaft auf der Basis verbal überlieferter Texte, den
heiligen Divinationsorakeln, geleitet wird. Ebenso wie viele andere Religionen hat sie
Gläubige und Anhänger. In der Santeria heißt die angebetete Gottheit „Orisha-
Heiliger“ oder nur „Orisha“ oder „Heiliger“.

Die Priester und ihre Hierarchie


Die Priester und die Zuständigen für die Religion werden in zwei Gruppen
eingeteilt: in „Babalaos“, die sich dem Kult des Orisha-Heiligen Orula oder Orunmila
widmen, und in „Santeros“; dies sind Priester, die sich dem Kult aller anderen Orisha-
Heiligen widmen. Männer werden „Babalochas“ genannt, Frauen heißen „Iyalochas“.
Man kennt sie auch als Priester der Regel von Ocha. Häufig benutzt man den Begriff
der Yorubas „Iguoro“ oder „Iworo“ wenn man sich auf einen Santero oder Priester der
Regel von Ocha bezieht. Den höheren Rang hat der Priester, der die größere
Erfahrung und die besten Kenntnisse der Heiligen Texte und der religiösen Rituale
hat. Babalaos und Santeros haben vergleichbare Hierarchien.

Die Babalaos: Sind die Priester von Ifa in der Santeria, Ranghöchster ist der
Obba. Bei den wichtigsten Zeremonien üben sie Rituale aus, die den Santeros nicht
erlaubt sind. Sie sind die Nachfolger der „Babalawos“ der Religion der Yoruba und
ebenso wie diese die Väter der Divination und der Geheimnisse. Der Begriff Babalao
hat seinen Ursprung im Wort Babalawo der Yorubas. Ebenso wie ihre Vorfahren sind
sie Hüter der Geheimnisse der Götter. Sie werden auch Priester von Ifa genannt,
weil sie ausgezeichnete Kenntnisse über das Orakel, das die Geheimnisse und das
Wissen des komplexen Divinationssystems enthält, haben. Nur die männlichen
Gläubigen, die Orula gewidmet sind, sind berechtigt, Babalao zu werden, denn
dieser Orisha-Heilige erlaubt nur Männer als Priester.
Die Babalawos waren diejenigen, die das Divinationssystem von Ifa, das die
„Ikine“ und den „Opele“ anwendet, zu den Völkern brachten, die heute Santeria
praktizieren, ebenso wie die Muscheln, Die Muscheln wurden seit Jahrtausenden
durch die afrikanischen Völker genutzt um die Zukunft zu lesen und zu deuten. Das
Diloggun, ein einfaches und flexibles Divinationssystem, wird auch von den

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Santeros, angewandt. Obwohl es nicht so umfassend wie das Ifa-Orakel ist, blieben
im Diloggun die wichtigsten Mythen und Legenden erhalten. In der Liturgie ist der
Babalao derjenige, der das Ifa-Orakel deutet und berechtigt ist, den Heiligen oder
Schutzengel für die Gläubigen, die als Priester initiiert werden, auszuwählen. Die
Gläubigen suchen den Babalao auf, um sich in „Registerzeremonien“ beraten zu
lassen und mit seiner Hilfe die Lösung für ihre Probleme und Sorgen zu finden. Im
Ifa findet man jedes erdenkliche Problem und die Lösung dafür. Der Babalao ist
auch Heilpraktiker, da er sich auch über die Heilkraft der Pflanzen auskennt.
Der Babalao führt ein Leben der Entsagung, Meditation und des ständigen
Studiums, er ist auch ein ausgezeichneter Kenner der Heiligen Schriften. Wenn er
sie vollständig beherrscht erhält er den Namen „Oluo“ (Gelehrter). Neben Orula ist
auch der Orisha-Heilige Eleggua von großer Bedeutung für die Babalaos, keiner von
ihnen kann auf seine Hilfe verzichten. Um Babalao zu werden sind die Maßstäbe in
der Santeria nicht so streng wie in der Religion der Yoruba. Der zukünftige Priester
muß den Anweisungen des Ifa-Orakels folgen und alle Rituale und Zeremonien der
Religion einhalten. Er wird zunächst getauft und man bestimmt den Orisha-Heiligen,
der sein Schutzengel wird. Wenn die Götter damit einverstanden sind, wird er
Babalao. Anschließend erhält er die Halsketten des Heiligen, in diesem Fall Orulas,
und später die der weiteren Heiligen bevor er Eleggua und die drei weiteren heiligen
Krieger empfängt. Schließlich kann er Orula, dem Vater der Babalaos, in einer
religiösen Zeremonie, die „Asiento“ genannt wird, geweiht werden. Diese Zeremonie
ist äußerst komplex, teuer und dauert sieben Tage lang, früher betrug die Dauer
sogar ein Jahr. Nachdem er das Amt eines Babalao innehat, beginnt er mit dem
Studium der Heiligen Schriften, um gemeinsam mit seinem Paten, dem Babalao, der
ihn geweiht hat, die Divinationsorakel zu studieren und zu deuten. Ein Santero kann
auch in einer Zeremonie mit völlig anderen Ritualen Babalao werden. Hier ist vor
allem wichtig, zunächst das Ashe des Orishas, der ihn beschützt, zu neutralisieren.
Auf diese Zeremonie wird noch ausführlich eingegangen.

Die Santeros und Santeras, auch „Babalochas“ und „Iyalochas“ genannt, sind
Priester (Frauen oder Männer) die jedem Orisha außer Orula geweiht sind. Sie leiten
die religiösen Zeremonien in ihrer Eigenschaft als Mittler zwischen den Gläubigen
und den Gottheiten. Sie sind es, an die sich die ratsuchenden Gläubigen wenden
und die neue Gläubige weihen. Man kennt sie auch unter dem Begriff „omo ocha“
und „iyalocha“ je nachdem, ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelt. Diese
Priester initiieren in der Regel von Ocha, entweder weil sie dem Ruf ihres „Ocha“
(ihres Orisha-Heiligen) folgen oder weil sie eine höhere geistige Entwicklung
anstreben. Motivation ist machmal auch eine Krankheit, man hofft, wieder gesund zu
werden indem man sich einem Heiligen weiht.
Wenn ein Gläubiger Priester werden möchte wendet er sich zunächst an den
Babalao, der mit Hilfe des Divinationsbretts von Ifa bestimmt, welchem Heiligen der
Gläubige geweiht, welches Leben er führen und welche Kräfte ihm verliehen werden.
Es werden die gleichen Rituale wie bei der Weihe der Babalaos durchgeführt, der
Unterschied besteht darin, dass in diesem Fall die Kräfte des Orishas, unter dem der
Gläubige in der Santeria „geboren“ ist, als er getauft wurde und die Kräfte aller
bedeutenden Heiligen ausgenommen Orunmila empfangen werden. Auch die
Santeros eignen sich Wissen über die Divinationssysteme und die Pflanzenheilkunde
an und nutzen die Kräfte der Orishas um den ratsuchenden Gläubigen zu helfen.
Nach vielen Jahren Erfahrung dürfen sie Patenschaften übernehmen und neue
Gläubige weihen. Sie bilden so ebenso wie die Babalaos mit ihren Patenkindern eine
große Familie. Für die Ausübung dieser religiösen Rituale müssen sie in ihrem Haus

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einen Altar errichten, der den Orisha-Heiligen gewidmet ist, Bildnisse und das für die
Durchführung der Rituale notwendige Material beschaffen und den Vorschriften der
Religion, wie z.B. sich den Heiligen täglich durch Opfergaben und Ritualen
zuzuwenden, nachkommen. Möglicherweise haben die Santeros und Santeras viele
„Patenkinder“, dies bedeutet aber nicht, dass alle Patenkinder den Heiligen
empfangen haben, d.h. dass sie Santeros sind. Unter ihnen kann es Patenkinder
geben, die nur ratsuchende Besucher sind, Patenkinder, die die Halskette eines
Heiligen erhalten, damit dieser sie beschütze, und Patenkinder mit Rogation des
Kopfes, einem Ritual, durch das problematische Situationen im Leben des Gläubigen
vermieden werden.
Die höchste religiöse Stellung hat der Obba, ihm sind sowohl Babalaos als
auch Santeros untergeordnet. Der Obba ist ein Babalao oder Santero, der diese
Stellung aufgrund seines Wissens und seiner Erfahrung erhalten hat, er wird als
Gelehrter und Führer der Priester angesehen.

Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen Babalaos und Santeros. Unter


Bezug ihrer Tätigkeiten und Eigenschaften gibt es Ähnlichkeiten und Unterschiede
zwischen dem Babalao und dem Santero.
Der Santero übergibt Eleggua, die Muscheln (ein Satz von 16 Muscheln, die
bei der Divination genutzt werden) und die Ibo (Kaurie und heilige Knochen),
während der Babalao Eshu und andere Geheimnisse von Ifa übergibt.
Der Santero empfängt einen Heiligen (Orisha) oder Schutzengel mit
Ausnahme Orunmilas, während der Babalao Orunmila als seinen Heiligen oder
Schutzengel empfängt.
In Kuba kann der Santero männlich oder weiblich sein, während der Babalao
nur ein Mann sein kann, Frauen, die diesem Orden angehören, erhalten lediglich die
Halskette Orunmilas, genannt Kofa.
Die Werkzeuge des Santero sind Otane (heilige Steine) und Muscheln,
während die des Babalao Otane und Ikine (Palmensamen, der bei der Divination
genutzt wird) sind.
Der Santero führt das Ebbo mit den Muscheln auf einer Matte durch (eine
Opfer- oder Läuterungszeremonie), während der Babalao das Ebbo mit dem Ifa-
Divinationsbrett durchführt.
Der Santero in Kuba benötigt zur Bestimmung des Ebbo den Babalao nicht,
während der Babalao den Santero bei der Bestimmung des Ebbo braucht und
manchmal auch auf die Regeln der Regel von Ocha zurückgreift. Bei den
Zeremonien des „Asiento“ (transzendentale Verbindungsaufnahme des Heiligen mit
dem Kopf des Gläubigen) benötigt der Santero allerdings den Babalao zur
Durchführung der Ebbo (Opfergaben), denn dieser führt die Opferung der Tiere
durch.
Es ist der Babalao, der den Heiligen oder Schutzengel des neuen Gläubigen,
sei dieser ein Kind oder ein Erwachsener, bestimmt.
Der Diloggun, den die Santeros und Babalaos nutzen, enthält 16 Zeichen oder
Buchstaben (Orddun, Oddun, Oddu), zwölf davon werden durch die Santeros
gelesen. In der Regla de Ifa werden die 16 Zeichen oder Buchstaben und alle ihre
Kombinationsmöglichkeiten durch die Babalaos gelesen.
Hüter des Geheimnisses des Schöpfergotts Olodumare-Olofi ist der Babalao.
Einer alten Tradition folgend übergibt der Babalao dem Santero den Orisha-Heiligen
Eshu. Der Babalao braucht seinerseits den Santero um die Heiligen der Regel von
Ocha zu empfangen.

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Obwohl die Zusammenarbeit von Babalaos und Santeros von grundlegender
Bedeutung für die Religion ist , muß darauf hingewiesen werden, dass es manchmal
zu Unstimmigkeiten und Machtkämpfen zwischen den beiden Priestergruppen der
Santeria kommen kann.
Anläßlich meiner Reise nach Oyo (Nigeria) konnte ich mich persönlich vom
guten Einvernehmen und Zusammenarbeit zwischen Babalawos und Priestern, die
einem bestimmten Orisha geweiht waren, überzeugen und konnte mit ihnen
gemeinsam an allen religiösen Ritualen und Zeremonien teilnehmen. So waren zum
Beispiel bei einer Zeremonie in der Shango, dem Orisha-Heiligen, dem ich geweiht
bin, Essen gegeben wurde, ausschließlich Priester von Shango damit beauftragt den
Orniero (eine rituelle Flüssigkeit) vorzubereiten und die Rituale für Shango
durchzuführen. Die Priester Shangos übernahmen auch den Teil der Zeremonie, in
der Shango angerufen wird, ebenso wie den Teil, an dem Tiere zu Ehren des Orisha-
Heiligen geopfert werden. Bei einer Zeremonie für Ochun war es eine Tochter
Ochuns (vorzugsweise Jungfrau), die damit beauftragt war, in einer Kalebasse das
Flusswasser, mit dem der Orniero zubereitet wird, zu bringen. Es war auch die
ranghöchste Priesterin Ochuns, die die Tiere während der Zeremonie opferte, und
alle ihre Hilfspriester, größtenteils Ochun gewidmete Gläubige, sangen und tanzten
zu Ehren der Flusskönigin. In Afrika kann ein Priester, der nicht dem Orisha
(Heiligen), der geehrt wird, geweiht ist, die Rituale oder Zeremonien zu dessen Ehren
nicht durchführen, dies ist nur dem Priester, der dem Orisha, der geehrt wird,
geweiht ist, erlaubt.
Die Babalawos in Afrika haben großen Respekt vor Priestern anderer Orishas,
und auch diese respektieren die Babalawos. Ein Babalawo im Land der Yorubas wird
aufgrund seines tiefen Wissens über Leben und Religion von den Gläubigen sehr
geschätzt und respektiert. Es gibt nur wenige Babalawos, denn ihre Ausbildung
erfordert persönliche Fähigkeiten und große Opfer, hinzu kommt, dass das Studium
und Erlernen der Heiligen Texte sehr langwierig ist.

Die Osainisten: Sind Priester, die sich dem Kult von Osain widmen, sie sind
große Kenner von Flora und Fauna. In der Liturgie sind sie diejenigen, die die
Kräuter und Zweige aus dem Wald herbeischaffen, mit denen der Orniero (rituelle
Flüssigkeit) zubereitet wird, der bei vielen religiösen Ritualen verwendet wird. Sie
sind es auch, die die heiligen Trommeln der Santeria aufbewahren. Um Priester von
Osain zu sein, muß man den Heiligen nicht zwingend empfangen haben. Es ist auch
nicht erforderlich, die Worte in der Sprache der Yoruba zu kennen, obwohl es von
Vorteil ist. Wichtig ist es, ein guter Kenner von Pflanzen, Zweigen, Wurzeln und
Bäumen zu sein. Es sind vorwiegend die Priester von Shango und Ochun, welche
sich auch gleichzeitig Osain widmen.
Um die religiösen Zeremonien durchzuführen, muß man die folgende
Hierarchie berücksichtigen:
Oriate: Ist der Priester, der in den Zeremonien des „Asiento“ (transzendentale
Verbindungsaufnahme des Heiligen mit dem Kopf des Gläubigen) bei der
Priesterweihe auf Lektüre und Interpretation des Orakels von Diloggun spezialisiert
ist. Mit dem Divinationsritual, das von ihm geleitet wird, wird die Zukunf des Initiierten
vorausgesagt und die Verbote, an die er sich nach Beendigung der Zeremonie halten
muß, genannt. Der Oriate leitet die Zeremonie des „Asiento“, er ist der ranghöchste
Priester, die übrigen Priester müssen seine Anweisungen befolgen.
Oyubona oder Yimbona: Patentante des Santeros oder der Santera während
der Zeremonie des „Asiento“, sie begleitet den Neu-Iniitierten (Iyawo) während der
Zeremonie.

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Akpuon: der Solist, der die Orishas in den religiösen Zeremonien anruft.
Okipalua: der wichtigste Perkussionist der heiligen Trommeln.
Olubata: Priester, die auch die Trommeln schlagen.
Iyawo: ist der Gläubige, der die Priesterweihe empfangen möchte. Zuerst
empfängt er die Orisha-Heiligen in einer Zeremonie, die sieben Tage lang andauert
und alle vorgeschriebenen Rituale beinhaltet. Nach der Zeremonie befindet sich der
Iyawo während eines Jahres in geistiger und körperlicher Reinheit, befolgt alle
Anweisungen und kleidet sich während dieser Zeit ganz in weiß.

Die Gläubigen: Ihre Initiation und Organisation


Die Gläubigen der Santeria werden in zwei Gruppen eingeordnet: In den
Neuling, der nur an einer „Registrierung“ teilnimmt oder den Babalao oder Santero
nur dann aufsucht, wenn er ein Problem hat das er lösen möchte. In der Santeria
werden diese Gläubigen „Aleyos“ genannt, sie empfangen keine Weihe, kommen nur
vorübergehend, ihre religiösen Aufgaben beschränken sich lediglich darauf, den
Weisungen des Santero zu folgen, um ihr Problem zu lösen. Ihre Beziehung zur
Religion ist unbeständig, sie kommen nicht unbedingt wieder oder nehmen weiteren
Kontakt zur Santeria auf. Allerdings kommt es durch diese Besuche auch manchmal
dazu, dass sie ständige Mitglieder der Santeria werden. Die zweite Gruppe bilden
die Gläubigen, die in ständigem Kontakt zur Santeria stehen und „getauft“ wurden,
sie haben einen Orisha-Heiligen als Schutzengel und gelten als Kinder dieses
Orisha-Heiligen. Es gibt Kinder von Obatala, von Shango, von Yemaya, usw. Wenn
die Gottheiten damit einverstanden sind, können diese Gläubigen nach ihrer „Taufe“
auch die Priesterweihe erhalten.
Diese ständigen Gläubigen bilden Gruppen, am Anfang steht die religiöse
Familie, die aus dem „Taufpaten“, einem Babalao oder Santero, und seinen
Patenkindern bestehen. Gruppierungen mehrerer Familien formen religiöse Häuser,
die wiederum einen unabhängigen religiösen Zweig oder Stamm bilden, der zu
anderen Stämmen Kontakt aufnehmen kann wenn dies gewünscht wird. Jeder
Stamm hat einen ethnischen Ursprung und jede dieser Gruppen hat einen Leiter. In
Kuba sind die Stämme Aldewaro, Ainayobo, Aramito, Oyatagun, Efuche Waricondo,
Alworo, Maleque la Grande und Efuche Antiqueque sehr bekannt.

Der religiöse Kult


Gemäß ihrem afrikanischen Ursprung ist die Santeria eine Religion, die sich
an der Erde orientiert. Ihre Heiligen, die Orishas, leben in der Erde. Steine, Pflanzen,
Wasser und Blut der Opfertiere bilden die Grundlage der religiösen Zeremonien.
Basis der Santeria ist die Religion der Yoruba, der Elemente des Katholizismus
(Abbildungen und Gebete) hinzugefügt und in die Zeremonien integriert wurden. Man
kann die verschiedenen Zeremonien je nach ihrem Zweck in verschiedene Gruppen
einordnen: Zeremonien zur Initiierung der Gläubigen in die Santeria, Zeremonien der
Priesterweihe, Adivinationszeremonien, in denen die Orisha-Heiligen um Rat befragt
werden und Zeremonien, in denen den Orishas die gebührende Aufmerksamkeit
zuteil wird.

Religiöse Zeremonien für die Gläubigen


Bestimmung des Schutzpatrons oder Schutzengels. Der Orisha-Heilige eines
Neugeborenen oder eines Neulings, der der Santeria beitreten möchte, wird durch
eine Zeremonie, der „Bajada de Orula“ (Abstieg Orulas), bestimmt. Ein Babalao und
mindestens fünf weitere anwesende Babalaos befragen das Orakel von Orula oder

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Ifa-Orakel. Das Orakel bestimmt den Orisha, der Schutzengel des Gläubigen wird
und mit ihm in Verbindung tritt. Außerdem wird ihm eine bestimmte Geburtspflanze, -
tier und -stein (Ota) als Amulett oder Talisman zugeordnet. In der Santeria hat der
biologische Geburtstag des Gläubigen keinerlei Bedeutung, wichtig ist der Tag, an
dem er seinen Orisha-Heiligen empfangen hat. Dieser ist während seines Lebens
sein Beschützer und Leiter und bestimmt seine Persönlichkeit und seinen Charakter.
Dies ist die erste unerläßliche Zeremonie, der weitere folgen können. Der Gläubige
kann sich bis hin zum Santero (Priester der Regel von Ocha) oder Babalao (Priester
der Regel von Ifa) ausbilden lassen.

Übergabe der Halsketten: Der Gläubige, der von nun an „Iyawo“ heißt, erhält
nun in einer Zeremonie die Halsketten des Orishas, der als sein Schutzengel
bestimmt wurde. Mit diesem Schritt gehört der Gläubige der Santeria an. Die
Halsketten werden ihm durch seine Patin oder seinen Paten übergeben. Jeder
Orisha oder Heilige hat seine eigenen Ketten, die in Form und Farbe unterschiedlich
sind. Bei der Anfertigung dieser Halskette bittet der Babalao den Orisha um seinen
Segen. Die Kugeln werden auf Fäden aus Baumwolle, dem Material, das die heilige
Flüssigkeit, den Orniero, aufsaugt, aufgereiht. Der Orniero wird durch die Patin oder
den Paten mit den bevorzugten Kräutern des Orishas, für den die Halskette bestimmt
ist, zubereitet. In dieser heiligen Flüssigkeit wird die Kette sieben Tage lang
aufbewahrt, anschließend wird sie dem Iyawo in einer Zeremonie übergeben. Der
Iyawo kann außer dieser Halskette noch fünf weitere der Orishas Eleggua, Obatala,
Ochun, Yemaya und Shango erhalten. Außerdem darf er, wenn dies sein Wunsch ist,
noch zwei weitere bekommen, die er unter den Gottheiten Oggun, Oya, Babalu Aye
und Aganyu auswählt. Er kann auch die „Sieben afrikanischen Potenzen“ erhalten.
Diese Halsketten beschützen den Träger vor allem Übel und müssen respektvoll
behandelt werden. Beim Schlafen, Baden oder dem Geschlechtsakt ist das Tragen
dieser Ketten verboten. Die Zeremonie zur Übergabe der Halsketten findet im
Tempel-Haus eines Santeros statt. An ihr nehmen die Babalaos und Santeros, die
Patin oder der Pate, der Iyawo, die religiöse Familie und die Gläubigen teil. Die
Zeremonie wird von Gesängen begleitet, als Abschluß teilen die Anwesenden ein
Festmahl mit den Orishas, bei dem das Fleisch der geopferten Tiere, das durch die
Santeras zubereitet wurde, gegessen wird. Die Halsketten haben unterschiedliche
Farben und Formen, abhängig von dem, was der jeweilige Orisha bevorzugt. Sie
werden aus Meeresmuscheln, Pflanzen, Samenkörnern oder Obstkernen hergestellt,
einige davon haben auch das christliche Kreuz. Jeder Orisha hat seine individuelle
Halskette. Im Anschluß kommt eine Aufzählung der Halsketten, die dem jeweiligen
Orisha zugeordnet werden.
• Obatala: 21 weiße Kugeln, gefolgt von einer Muschel, dies wiederholt sich
mehrmals.
• Eleggua: drei rote Kugeln, gefolgt von drei schwarzen, dies wiederholt sich
mehrmals.
• Orunla: grüne und gelbe Kugeln im Wechsel
• Shango: sechs weiße Kugeln gefolgt von sechs roten; oder eine rote, eine
weiße, dies wird sechsmal wiederholt.
• Yemaya: sieben weiße Kugeln gefolgt von sieben blauen, dann eine
weiße, eine blaue bis man sieben von jeder Farbe vervollständigt bis man
die gewünschte Länge erreicht.
• Ochun: alle Kugeln sind gelb oder goldfarben, oder fünf bernsteinfarbige
Kugeln im Wechsel mit fünf roten.

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• Oggun: sieben braune Kugeln im Wechsel mit drei schwarzen, oder
sieben grüne im Wechsel mit sieben schwarzen, gefolgt von einer grünen,
einer schwarzen, bis man zur Zahl sieben je Farbe kommt.
• Ochosi: alle Kugeln sind grün, oder eine grüne im Wechsel mit einer
braunen, oder eine blaue im Wechsel mit einer bernsteinfarbenen.
• Osun: hat keine Kette
• Babalu Aye: weiße Kugeln mit blauen Streifen
• Aganyu: eine große weiße Kugel gefolgt von neun roten, anschließend
acht gelbe und so weiter bis man die gewünschte Länge erreicht, oder
blaue Kugeln mit braunen Streifen.
• Osain: laut einigen Santeros gibt es für ihn keine Kette. Für andere hat er
eine weiße Kugel gefolgt von neun roten und anschließend acht gelben
bis man die gewünschte Länge erreicht.
• Oya: neun weiße Kugeln im Wechsel mit neun schwarzen, oder rote und
braune Kugeln mit schwarzen und weißen Streifen im Wechsel.
• Die sieben afrikanischen Potenzen: diese Kette wird nur von einem
Babalao oder Santero – Babalocha oder Iyalocha – getragen. Eine große
Kristallkugel gefolgt von einer weißen, einer blauen, einer roten, einer
gelben, einer schwarzen, einer grünen und einer dunkelbrauen Kugel.
Diese Reihenfolge wird wiederholt und endet mit einer Kristallkugel.

Die Übergabezeremonie der Ketten hat sich seit den Zeiten der afrikanischen
Vorfahren bis heute verändert, aber die grundlegenden Gebote und Rituale blieben
erhalten. So ist die Bestimmung eines Schutzengels, der das Schicksal des
Gläubigen leitet, unerläßlich. Der Babalao bestimmt den Schutzengel durch das Ifa-
Orakel. Die Halsketten werden durch einen Santero oder eine Santera, der Patin
oder der Pate des Gläubigen ist, angefertigt. Bevor dem Gläubigen die Ketten
übergeben werden muß er im Geiste rein sein, so dass mit ihm zuerst die Rogation
des Kopfes durchgeführt wird: er wird zu einem Fluß geführt und in dem zubereiteten
Orniero gebadet. Die Kleidung des Gläubigen wird vernichtet, dies bedeutet
symbolisch die Zerstörung der schlechten Einflüsse. Anschließend wird er ganz in
weiß gekleidet und es werden Tieropferungen zu Ehren des Heiligen, dessen Ketten
ihm übergeben werden, vollbracht. Mit dem Empfang der Halsketten hat der
Gläubige den ersten Schritt auf dem Weg zur Priesterweihe vollbracht, sollten die
Heiligen diesen Weg für ihn auserwählt haben. Sollte der Gäubige nicht als Priester
auserwählt worden sein beschützen ihn die Halsketten vor allem Unheil. Äußerst
wichtig ist die richtige Deutung des Babalao, ob der Gläubige von den Gottheiten als
zukünftiger Priester auserwählt wurde. Wenn dies so ist, wird die Zeremonie des
„„Asiento“ durchgeführt, in der eine transzendentale Verbindung zwischen dem
Heiligen und dem Gläubigen errichtet wird. Bei einer falschen Deutung kann es bei
der Zeremonie des „„Asiento“ zu schweren Zwischenfällen kommen, die sogar mit
dem Tod des Gläubigen enden können. Die Auserwählung als Priester ist deshalb in
der Santeria von höchster Bedeutung, und entsprechend feierlich sind die
Zeremonien. Wenn bei Männern der Schutzheilige durch das Divinationsbrett von Ifa
bestimmt wird, weiß man dass er ein zukünftiger Babalao wird. In diesem Fall ist es
möglich, Ifa oder Orula direkt zu empfangen ohne die Zeremonie des „Asiento“
durchzuführen. Es gibt viele Santeros die Priester von Ifa, d.h. Babalaos werden.

Übergabe von Eleggua und der weiteren heiligen Krieger: Eleggua öffnet und
schließt die Türen, als Götterbote ist seine Hilfe unerläßlich für den Santero. Ohne
Eleggua geschieht nichts in der Santeria, deshalb ist seine Übergabe von

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grundlegender Bedeutung für den Iyawo. Zusammen mit ihm werden die weiteren
heiligen Krieger übergeben.
Nach der Übergabe der Ketten wendet sich der Iyawo wieder an den Priester
um Eleggua zu empfangen. Nachdem der Babalao durch die Muscheln
Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Iyawo gelesen hat, bestimmt er das
Material, aus dem das Bildnis Elegguas hergestellt wird. Dieses Material ist abhängig
von der Persönlichkeit und dem Schicksal des Iyawo. Bei dem Ritual erhält der Iyawo
nach der Deutung der Muscheln die Anweisung, drei Steine von einem Weg, sei es
einem Waldweg oder einem Ort in der Nähe eines Wassers (Fluß, See oder Meer)
mitzunehmen. Durch die Deutung der Muscheln weiß der Babalao, welcher der drei
Steine für das Bildnis Eleggus verwendet werden kann. Eine Figur mit menschlicher
Physiognomie unterschiedlicher Größe, die aber 30 cm nicht überschreitet, wird aus
Lehm oder Zement geformt. Augen, Ohren und Mund werden aus Meeresmuscheln
gebildet, die Nase wird aus dem gleichen Material wie das Gesicht hergestellt.
Dieses Bildnis des Orishas besitzt die Kräfte der Gottheit selbst. Die Herstellung
dieser Figur bleibt ein Geheimnis. Das Bildnis oder die Figur Elegguas wird dem
Iyawo anläßlich einer besonderen Zeremonie übergeben, die so komplex und wichtig
wie die der Übergabe der Ketten ist. Gleichzeitig mit der Übergabe Elleguas werden
auch die weiteren heiligen Krieger Oggun, Ochosi und Ozun übergeben, denn diese
Gottheiten sind immer zusammen. So wie der Gläubige durch seinen Paten oder
seine Patin die Halsketten erhalten hat, erhält er nun durch den Babalao oder
Santero die Werkzeuge, die mit diesen Orishas in Zusammenhang stehen: ein
eisernes Werkzeug für Oggun, Pfeil und Bogen aus Eisen für Ochosi und einen
Eisenkelch auf dem sich ein eiserner Hahn befindet für Ozun. Laut der Santeria
bieten die Halsketten Schutz vor Gefahren; Eleggua und die weiteren heiligen
Krieger greifen die Feinde an, die dem Iyawo Schaden zufügen möchten.
Das Bildnis oder die Figur Elegguas muss am Boden oder in der Nähe des
Bodens an einer Stelle, die sich in der Nähe der Tür des Hauses des Gläubigen
befindet, angebracht werden. So wird verhindert, dass negative Kräfte eintreten
können. Einige Santeros legen es in einen kleinen Behälter.. Es ist sehr wichtig,
Eleggua Aufmerksamkeit zu schenken und ihm häufig seine bevorzugten
Opfergaben anbieten: Rum, Zigarren, Kokusnuss, gerösteten Mais, Fleisch des
Opossums, geräuchterten Fisch und Süssigkeiten. Es ist gefährlich für den Santero,
ihn nicht zu beachten, denn dann ist das Glück nicht mehr auf seiner Seite.

Der „Asiento“: Ist die wichtigste Zeremonie bei der Priesterweihe. Zu Beginn
der Zeremonie wird der Iyawo als unrein angesehen, deshalb muß er „sterben“ um
wieder im Einklang der Religion „neugeboren“ zu werden. Es heißt „der Tote bringt
den Heiligen zum Leben“, denn der Iyawo wird in ein neues Leben hineingeboren, in
dem sich sein Geist mit dem der Gottheit, der er geweiht ist, vereint. Bei der
Zeremonie werden Geist und Körper des Gläubigen darauf vorbereitet, die Kräfte des
Heiligen zu empfangen. Dazu werden Babalaos und Santeros benötigt. Der Oriate
leitet die Zeremonie und wird von 7 bis 16 Santeros und Santeras begleitet, unter
denen jeweils ein Sohn Elegguas, Ogguns, Oyas, Obatalas, Ochuns, Yemayas und
Shangos anwesend sein muss. Die Aufgabe der Babalaos ist es, zu bestimmen
welcher Stein (oder Steine) den Heiligen, der sich mit dem Gläubigen durch den
„„Asiento“ vereint, symbolisiert und die Tiere während der Zeremonie zu opfern.
Anwesend sind der Iyawo, sein Pate oder Patin (die Yimbona), die ihn ständig
begleiten und die Assistenten, die Santeros sein müssen. Man benötigt eine Vielzahl
an heiligen Kräutern zur Vorbereitung des Orniero. Unter dem Klang der Trommeln
zu denen die Anwesenden tanzen, werden die Orishas geehrt.

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Dieses Ritual bezeichnet man als „„Asiento“, (transzendentale
Verbindungsaufnahme des Heiligen mit dem Kopf des Gläubigen) denn man glaubt,
dass sich der Heilige (Orisha) im Kopf des Iyawo festsetzt oder auf ihm reitet. Von
einem Orisha geritten zu werden bedeutet, von ihm besessen zu sein. Während des
„„Asiento“ stellt sich der Orisha in verschiedenen Formen dar, er kann sogar sein
Geschlecht umwandeln. Es gibt Fälle, in denen die Besessenen Feuer aßen oder
ihre Hände in das Feuer legten ohne sich zu verbrennen, sie konnten die Zukunft
voraussagen oder Geschehnisse, die sich an einem anderen Ort ereigneten, sehen.
In der Santeria wird der Orisha mit einem katholischen Heiligen identifiziert, aber es
ist der Orisha und nicht der Heilige, der Besitz über die Person ergreift, so z.B.
Shango und nicht die Heilige Barbara. Die Orishas sind während des „„Asiento“s
anwesend, sie können essen, sehen, sich unterhalten, zuhören. Die Anwesenheit
einer Gottheit birgt jedoch auch Gefahren für den Besessenen, denn er kann auch
gewalttätig werden. Wenn dies eintritt, nähern sich die anwesenden Santeros dem
Besessenen, sehen in seine Augen, sprechen in sein Ohr und reiben seine Hände
mit Kokusnußbutter ein damit er wieder zur Ruhe kommt. Die Rituale des „Asiento“
sind unterschiedlich je nach Orisha mit dem die Verbindung aufgenommen wird.
Nicht der Iyawo wählt den Orisha aus, es ist der Orisha, der den Iyawo während der
Initiation auswählt und sein Leiter und Schutzengel wird. Er wird als Herr seines
Kopfes (Ori) angesehen, oder auch als der leitende Heilige. Die Gläubigen
akzeptieren als Herr des Kopfes nur Obatala, Eleggua, Shango, Yemaya, Ochun,
Oggun, Ochosi und Oya, einige auch Babalu-Aye. Diese Orishas sind die wichtigsten
des Pantheons der Santeros. Wenn der Iyawo den Orisha empfängt, empfängt er
laut einigen Santeros gleichzeitig auch Eledda, einen Schutzengel, der sich an seiner
Stirn festsetzt. Für andere bilden der Orisha und Eledda eine Einheit. Eledda spielt
im Leben des Santero eine wichtige Rolle und darf nie übersehen werden. Ihm
werden Früchte, Süßigkeiten, Gläser mit Wasser mit Honig und Kerzen angeboten,
vor allem die Zeremonie der Rogation des Kopfes stimmt ihn gnädig. Durch die
Initiation lernt der Iyawo die Rituale und Geheimnisse seines ihn leitenden Orishas
kennen, die auf eine lange Vergangenheit zurückblicken und mündlich von
Generation zu Generation weitergegeben wurden. Dem Iyawo werden sie wie in
vergangenen Zeiten von seinem Paten oder seiner Patin mitgeteilt, allerdings mit
dem Unterschied, dass die Überlieferungen nicht mehr mündlich sind, sondern in
Heften oder Notizblöcken aufgezeichnet werden. Früher dauerte die Initiation drei
Jahre, heute wurde sie auf ein Jahr reduziert, in einigen Gebieten sogar auf lediglich
drei Monate. Das eigentliche Initiationsritual dauert eine Woche. Ort und mit der
Durchführung beauftragte Personen ändern sich je nach dem Orisha, dem der Iyawo
geweiht wird. Es werden die für die Orishas und Geister der Vorfahren erforderlichen
Invokationen durchgeführt. Das Ifa-Ritual, das am dritten Tag durchgeführt wird, ist
von größter Bedeutung: die Santeros und Santeras unter der Leitung des Oriate
lesen im Muschelorakel Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Iyawo. Es
werden ihm Anweisungen gegeben, die er sein ganzes Leben lang einhalten muß.
Der Kopf des Iyawo wird als Sitz des Orishas vorbereitet: er wird kahlgeschoren und
mit roter, gelber, grüner und blauer Farbe werden konzentrische Kreise aufgemalt.
Auf die Kopfhaut wird ein Einschnitt gemacht, hier wird eine Paste angebracht, die
die Geheimnisse des Orishas und seines Ashes beinhaltet und ein Teil des Iyawo
wird. Die Vorbereitung des Iyawo dauert mehrere Tage in denen er isoliert bleibt.
Anschließend beginnt die Initiation in Form eines großen Festes, das drei Tage lang
dauert. Hier wird zusammen mit den Orishas getanzt, sich vergnügt und bei einem
großen Festmahl werden die geopferten Tiere verzehrt.

99
Abschließend wird der Iyawo der Gemeinschaft der Gläubigen vorgestellt, er
hat nun einen neuen Namen afrikanischen Ursprungs, der den Namen seines
Orishas mit einschließt und sein neues Leben im Dienste der Gemeinschaft
symbolisiert. Der beeindruckendste Teil der Zeremonie ist der Augenblick, an dem
sich der Iyawo auf seinen Thron setzt, der in der Sprache der Yoruba „Apoti“ heißt,
gekrönt und seinem Orisha entsprechend gekleidet wird. Während des Festmahls
wird der Iyawo meistens durch seinen Orisha besessen oder von ihm geritten. Der
Orisha muß mit äußerster Vorsicht gerufen werden, denn es besteht die Gefahr,
dass versehentlich ein anderer Orisha als derjenige, der gerufen wurde, erscheint.
Der gekränkte Orisha kann seinen Schutz wieder von dem Iyawo nehmen, und der
versehentlich gerufene Orisha reitet zornig auf dem Iyawo, was schwerwiegende
Folgen für ihn haben kann. In diesem Fall müssen die anwesenden Santeros die
Orishas durch Opfergaben und Gebete besänftigen. Nach der Initiation hält sich der
Iyawo mehrere Tage bei seinem Paten oder seiner Patin auf, er wird in dem Orniero
gebadet, der mit dem Blut der geopferten Tiere und dem Saft der heiligen Kräuter
zubereitet wurde. In diesen Tagen der Zurückgezogenheit trinkt er jeden Morgen aus
dem Orniero und ernährt sich gemäss einer besonderen Diät. Am Ende der Woche
kehrt er nach Hause zurück und erst nach drei Monaten sucht er den Babalao wieder
zur Durchführung des dreimonatigen Ebo auf, das heute allerdings durch den
Santero durchgeführt wird. Nach Ablauf von sechs Monaten kommt er zum letzten
Mal zu einer weiteren Säuberung. Als Abschluß seiner Initiation erhält der neue
Priester alles notwendige Material für seine Tätigkeit als Santero: Bildnisse, heilige
Steine, Divinationsmuscheln und alles, was für seine Aufgabe als Priester der
Santeria erforderlich ist. So ist der neue Priester vorbereitet und zur Ausübung der
Santeria ermächtigt. Er wird ein Jahr lang durch einen erfahrenen Gelehrten
unterrichtet, muß alle Gesetze und Verbote, die ihm die Religion auferlegt hat,
befolgen und sich während dieses Jahres weiß kleiden.

Heilige Säuberung: In dieser Zeremonie werden dem Gläubigen einige


Geheimnisse eines Orisha-Heiligen mitgeteilt ohne dass er dessen Macht empfängt.
Es gibt Fälle, in denen sich die Novizen einem bestimmten Orisha-Heiligen weihen
möchten, jedoch die Zeremonie des „Asiento“ nicht durchführen können, weil sie zu
teuer, kompliziert und langwierig ist. Deshalb wird dann diese Zeremonie
durchgeführt, bei der der Gläubige zur Durchführung bestimmter Rituale ermächtigt
wird. Sie ähnelt der des „Asiento“, unterscheidet sich aber darin, dass der Gläubige
nicht kahlgeschoren wird und der Orisha keine feste Verbindung mit dem Gläubigen
aufnimmt.

Rogation des Kopfes: Ist ein Ritual zur Reinigung des Gläubigen, das am
Beginn des „Asiento“ und der Übergabe der Halsketten durchgeführt wird oder wenn
der Heilige (Orisha) dies wünscht. Es wird durch den Santero mit zwei weiteren
Santeros durchgeführt. Der Kopf des Gläubigen wird mit einer Paste, die aus
verschiedenen Elementen, wie z.B. dem Fruchtfleisch geriebener Kokusnuß,
Kuhmilch, gemahlenen Eierschalen, Honig, Kokusnußbutter und Rum besteht,
bestrichen. Zu Beginn des Rituals befragt der Santero den Orisha durch das
Kokusnußorakel, anschließend formt er mit der Paste ein Kreuz auf Kopf, Stirn,
Schläfen, Schultern, Brust, Ellenbogen, Händen und Füssen des Gläubigen. Die
restliche Paste, die auf seinen Kopf gestrichen und in ein weißes Tuch gewickelt
wird, wirkt die ganze über Nacht ein. Dieses Ritual reinigt die Seele des Gläubigen,
verleiht ihm eine klare Sicht der Dinge und gibt ihm Ruhe. Man nutzt es um ihn auf
andere Rituale vorzubereiten oder auch zur Heilung seelischer Probleme.

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Addivinationsrituale oder Rituale zum Einholen von Rat der Orisha-Heiligen
Auch die Divinationssysteme beeinflußen die Santeria, denn die Grundlage der
Santeria ist die Befragung der Götter bei allen Problemen der Menschen. Die
Gläubigen sind der festen Überzeugung dass der Orisha ein untrennbarer Teil ihres
Lebens ist, sie leitet und um Rat befragt werden muss. Für die Interpretation der
Wörter der Götter sind Babalaos, Babalochas und Iyalochas mit ihren
Divinationssystemen zuständig: dem Orakel von Orunmila oder Ifa mit seinem
Divinationsbrett, dem Orakel der Kokusnüsse (Obi) und dem Orakel der Muscheln
oder Diloggun. Basis für die drei Systeme sind die Heiligen Texte oder Wörter der
Götter, die dem Gläubigen durch die Patakis (Mythen, Legenden, Fabeln und Verse)
vermitteln, wie er sich in Situationen, in denen er Rat braucht, zu verhalten hat. Sie
werden aus „Buchstaben“ oder „Zeichen“, die bei den Yorubas „Orddung, Oddun“
genannt werden gebildet. Für jeden Oddun gibt es ein Pataki. Diese
Divinationssysteme wurden im Kapitel „Religion der Yoruba“ bereits erläutert, in
diesem Teil wird darauf Bezug genommen, wie sie in der Santeria genutzt werden.

Orakel der Kokusnüsse: Die Kokusnuß ist eine der wichtigsten und am
meisten benutzten Früchte bei Opfergaben für die Orishas und im Divinationsritual,
außerdem wird sie wegen ihrer heilenden Kräfte sehr geschätzt. Obatala ist der Herr
über dieses einfache Divinationssystem, bei dem man sich direkt an die Götter und
die Eggun (Geister der Vorfahren) wenden kann. Das Orakel der Kokusnüsse kennt
man auch unter dem Namen „Obi-Orakel“. Eine Legende erzählt, dass Obi ein
bevorzugter Orisha Olofis war, der besonders von Obis Ehrlichkeit beeindruckt war.
Zur Belohnung wurde Obi vollständig weiß und Olofi erlaubte ihm, im höchsten Teil
der Palme zu wohnen. Durch diese Bevorzugung wurde Obi sehr eitel. Eines Tages
bat er Eleggua, alle seine Freunde zu einer Feier in sein Haus einzuladen. Dieser
war entrüstet über die Eitelkeit Obis und lud nur arme und zerlumpte Menschen ein.
Als Obi dies sah, war er sehr erzürnt und wies ihnen die Tür. Eleggua erzählte Olofi
den Vorfall und dieser beschloss, Obi zu prüfen. Er verkleidete sich als Bettler und
besuchte Obi. Als er ihm gegenüberstand, strafte Obi ihn mit Mißachtung, die in
Angst umschlug als Olofi seine wahre Identität enthüllte. Obwohl der Orisha um
Verzeihung bat, ließ sich Olofi nicht umstimmen und sprach: „Deine weisse Farbe
wird abgedeckt und über dich werden die Menschen, arm oder reich, mit den Göttern
in Verbindung treten“. Laut der Santeria ist die Kokusnuß deshalb außen braun und
innen weiß und wird bei den Divinationsritualen benutzt.
Außer dem Santero ist jeder, der Eleggua empfangen hat, befugt das
Divinationsritual der Kokusnuß durchzuführen. Diese Frucht sagt in Gegenwart
Elegguas immer die Wahrheit und jeder Orisha kann über sie befragt werden. Das
Divinationssystem ist sehr einfach, die Fragen werden direkt gestellt, die Antworten
erhält man umgehend und direkt. Man nutzt es bei Priesterweihen; um zu erfahren,
ob die Orishas die Opfergaben annehmen und ob Rituale korrekt durchgeführt
werden ebenso wie bei Fragen über Alltägliches. Bei diesem System werden vier
Kokusnußstücke auf den Boden geworfen. Je nachdem wie die Stücke auf den
Boden fallen, entweder mit dem nach innen gewölbten (weißen) oder dem nach
außen gewölbten (dunklen) Teil entstehen Zeichen oder Buchstaben. Wenn man die
weißen Teile berücksichtigt, gibt es nur fünf mögliche Positionen: Alafia (4), Otawo
(3), Eyelfe (2), Okana (1) und Oyekun (0). Die Kokusnußteile müssen bei einer
Sitzung mehrmals geworfen werden, die Zeichen oder Buchstaben werden
aufgezeichnet. Bevor man die Kokusnuss in Stücke teilt wird der Orisha angerufen,
anschließend werden die benötigten vier Teile abgerundet, die restlichen Teile

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werden dem Orisha angeboten. Nachdem die Stücke vorbereitet sind werden Olofi,
alle Orishas und Eggun, der Schutzengel des Gläubigen und alle bereits
verstorbenen Babalochas und Iyalochas angerufen und gebeten, über die
Kokusnüsse zu sprechen.

Orakel der Muscheln oder Diloggun: Dieses Divinationssystem ist eines der
meistgenutzten und wichtigsten der Santeria. Hierzu wird eine handvoll Muscheln –
in Afrika ist dies die Kaurie-, in Kuba die „Cinturita-Muschel“ – genutzt, deren
natürliche Öffnung der „Mund der Orishas“ ist. Ebenso wie in der Religion der Yoruba
benötigt man viel Wissen und Erfahrung um das Wort der Götter richtig zu
interpretieren. Bei jedem Divinationssystem wird davon ausgegangen, dass der
Orisha sich nie irrt, sollte es Fehler geben liegt dies am Interpreten. Die Priester,
Babalaos und Santeros oder Santeras welche die Muscheln deuten, müssen Rituale
und heilige Texte genau kennen um Fehler zu vermeiden, die sich negativ auf den
Gläubigen auswirken können. Je größer ihr Wissen ist, desto größer ist ihre
Treffsicherheit bei der Deutung. Die Experten der Interpretation der Muscheln
werden „Italeros“ genannt.
Der Santero hat für jeden Orisha einen eigenen Satz Muscheln, die er in der
Schüssel aufbewahrt, in der sich die heiligen Steine (Otane) befinden. Bei der Weihe
erhalten die Priester einen Satz aus 18 Muscheln oder aus 21 wenn sie Eleggua
geweiht sind. Bei der Befragung werden 16 Muscheln genutzt. Die Zeichen,
Buchstaben oder Zahlen, Oddun in der Sprache der Yoruba, können wenn sie auf
dem Rücken liegen durch die natürliche Öffnung gedeutet werden. Die Muscheln
werden auf dem nach außen gewölbten Teil glattgeschabt damit sie genutzt werden
können.
Nach der Anrufung klopft der Priester dreimal auf eine Matte bevor er die
Muscheln auf den Boden wirft. Die „Zeichen“ werden in „wichtige“ und „weniger
wichtige“ eingeordnet. Die herkömmlichen Priester werfen die Muscheln im
allgemeinen nur einmal wenn das Zeichen, „wichtig“ ist, und zweimal, wenn das
Zeichen „weniger wichtig“ ist. Die Zeichen oder Buchstaben oder Zahlen werden
jedesmal aufgezeichnet. Während des Rituals benutzt der Santero oder die Santera
die „Ibo“ (Hilfsmittel der Adivination): Ota (kleiner Stein), Aye (kleine Muschel), Eri-
Aguona (Kopf einer kleinen Puppe), Ewe Ayo (Manioksamen) und Efun (eine Kugel
die aus gemahlener Schale geformt wird). Diese Hilfsmittel werden in die Hände des
Ratsuchenden gelegt und dienen zur Bestimmung ob die Antwort der Muscheln
bejahend oder verneinend ist. Die Antwort hängt davon ab in welcher Hand sich der
Ibo befindet. Jedem Zeichen entspricht ein Satz Patakis (Verse und Sprichwörter),
die eine Botschaft der Orishas an den Gläubigen enthalten. Durch jedes Zeichen
sprechen mehrere Oirshas. Es wird nun ausführlich auf die Zeichen eingegangen
und ihre „Zahl“ angegeben die davon abhängt, wieviele Muscheln mit der natürlichen
Öffnung nach oben fallen, Namen des Zeichens, Orishas, die durch das Zeichen
sprechen und der entsprechende Vers:
1.- ...Ocana Sodde...Obatala, Shango, Eleggua, Aganyu und die
Eggun ... Durch einen entstand die Erde. Wenn es das Gute
nicht gibt, gibt es auch nicht das Schlechte.
2.- ...Eyico... Eleggua, die Ibeyis, Obatala, Ochosi, Oggun,
Shango... Ein Pfeil ist zwischen den Brüdern. Bruderkampf.
3.- Oggunda... Oggun, Obatala, Ochosi, Olofi,
Yemaya...Auseinandersetzung und Unglück. Wer sich auf dem
falschen Weg befindet nimmt ein schlechtes Ende wenn er sich
nicht bald ändert.

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4.- ... Eyorosun... Obatala, Olokun, Shango, Orula, Die Ibeyis,
Ochosi, Yemaya... Niemand kennt den Meeresgrund. Soviel wie
du hast soviel bist du wert.
5.- ...Oche....Eleggua, Orula, Ochun, Oya, Olofi...Blut, das durch
die Adern fließt. Nadel, die das Garn führt.
6.- Obbara... Eleggua, Ochun, Ochosi, Shango, Orula... Der
König lügt nicht. Aus der Lüge entspringt die Wahrheit und aus
der Wahrheit die Lüge.
7.- Oddi... Obatala, Oggun, Eleggua, Yemaya, Inle, Ochun,
Babalu Aye... Dort wo das Grab ausgehoben wird, wird zum
ersten Mal beerdigt.
8.- Eyeunle... Obatala und alle Heiligen... Der Kopf regiert den
Körper. Nur ein König regiert das Volk. Derjenige, der das
Wissen hat, fragt nicht.
9.- Osa... Oggun, Oya, Obatala, Aganyu, Ochun, Obba... Dein
bester Freund ist dein schlimmster Feind. Was du dir nicht für
dich wünschst, wünsche auch keinem anderen.
10.- ...Ofun-Mafun... Obatala, Ochun, Eleggua, Oya, Oggun...
Dort wo der Fluch entstand.
11.- Ojuani... Eleggua, Ochun, Ochosi, Oggun, Oya, Babalu
Aye... Wasser kann nicht mit einem Korb geschöpft werden. Sei
stets wachsam, sei mißtrauisch.
12.- Eyila... Shango, Oya, Osain... Wenn es Krieg gibt schläft der
Soldat nicht. Du bist selbst schuld wenn du besiegt wirst.
13.- Metanla... Ochun, Obatala, Babalu Aye, Oya... Wo die
Krankheit entsteht. Krankes Blut.
14.- ...Merinla... Die heiligen Krieger...Familie, die versagt muß
schauen, wie sie zurechtkommt. Der Neid existiert.
15.- ...Marunla... Eleggua, Obatala, Ochun, Oya ... Was du
bewegst lähmst du. Tod und Blut.
16.- Meridiloggun ... Olofi... Dein Eintritt in diese Welt ist richtig
wenn du auf die Ratschläge hörst.

Jedes Zeichen beginnt mit einem Vers oder Sprichwort, es folgt


ein Gebet oder Lied. Bei einigen Zeichen muß der Priester eine bestimmte Handlung
durchführen, beim Zeichen „2“ – Eyioco muss sich der Priester aufrichten, einmal um
die eigene Achse drehen und sich anschließend wieder hinsetzen um fortzufahren;
beim Zeichen „12“ – Ayila – müssen die Muscheln in Wasser getaucht werden.
Die Lektüre kann auf mehrere Arten erfolgen. Wenn beim ersten
Wurf der Muscheln 9 der 16 mit der Öffnung nach oben fallen, bedeutet dies, dass
das 9. Zeichen sprechen wird, d.h. dass die Orishas „Osa“ und Ochun, Oggun,
Obatala, Aganyu, Oya sich äußern werden. Das entsprechende Sprichwort „dein
bester Freund ist dein schlimmster Feind“ kann so verstanden werden: Wenn der
Ratsuchende verheiratet ist, ist das Ende seiner Beziehung nah, wenn er heiraten
möchte, gibt es jemand, der an der Beendigung dieser Beziehung interessiert ist. Der
Ratsuchende wird ungehalten und muß sich beruhigen, denn durch den Zorn kann
er keinen klaren Gedanken mehr fassen. Es zeichnet sich ein Wohnungswechsel des
Ratsuchenden ab. Er muß einen Arzt aufsuchen, die Nacht über darf er nicht länger
krank sein. Die Ebbos für dieses Zeichen sind: Oggun ein Opfer bringen, Obatala
ein Gebet widmen und den Orishas die gebührende Achtung zu schenken, denn dies
hat der Gläubige versäumt.

103
Orakel von Orula und Ifa-Orakel: Wurde bereits im vorhergehenden
Kapitel erklärt. Weil es sehr kompliziert und es nur den Kindern Orulas erlaubt ist,
dieses Divinationssystem zu praktizieren, ist es weniger bekannt in der Santeria. Es
genießt jedoch das höchste Ansehen und bewahrt die Ursprünglichkeit der
afrikanischen Tradition.
Der Orisha Orula (Orunla, Orunmila) ist Herr des Ifa-Orakels. Laut der
Yoruba-Religion bilden Ifa und Orula eine Einheit. Eine Legende erzählt, dass
Shango zuerst vom Schöpfergott die Gabe der Divination verliehen wurde, aber weil
er dem Feiern sehr zugeneigt war, tauschte er diese Gabe mit Orula für die Fähigkeit
ein großartiger Tänzer zu sein, denn diese Gabe hatte Orula von Olodumare
empfangen. Seitdem tanzt niemand besser als Shango. Und niemand beherrscht die
Divination besser als Orula, der das Schicksal, das Olodumare den Menschen
vorherbestimmt hat und seine Geheimnisse kennt. Die Babalaos, Priester von Orula,
sind die einzigen, die die Kenntnisse und Fähigkeiten zur Interpretation des Ifa-
Orakels haben. Sie befragen Orula, um zu erfahren ob der Ratsuchende in Harmonie
mit seinem Schicksal ist. Wenn dies so ist, ist die Befragung abgeschlossen. Wenn
es keine Harmonie gibt findet der Babalao mit Hilfe Orulas heraus woran dies liegt
und berät den Ratsuchenden, wie man die verlorene Harmonie wiederherstellen
kann.
Bei diesem Divinationssystem nutzt der Babalao eine handvoll Ikine,
die aus 16 Palmnüssen besteht oder eine Divinationskette, die Ekuele oder Opele,
die ca. 60 cm lang ist und 8 kleine Teile enthält die in 4 Paaren angebracht sind.
Diese Teile können Meeresmuscheln, Leder, Kokusnuß usw. sein, sie müssen
jedoch eine nach innen und eine nach außen gewölbte Seite haben. Sowohl mit den
Ikinen als auch mit der Ekuele kann man die Orddun (Zeichen oder Buchstaben)
bestimmen. Dies hängt davon ab, wieviele Ikine (eine oder zwei) in der linken Hand
des Priesters bleiben oder wie viele nach innen gewölbte Teile der Opele oder
Ekuele nach oben fallen. Das Ritual der Ikine beginnt mit der Befragung Orulas, um
herauszufinden ob sich der Gläubige mit seinem Schicksal im Gleichgewicht
befindet. Sollte es ein Ungleichgewicht geben, nimmt der Babalao 16 Ikine in seine
linke Hand und versucht sie mit der rechten Hand zu fassen. Eine oder zwei Ikine
sollten dabei in seiner linken Hand bleiben. Der Babalao bestimmt anschließend das
Zeichen, das die Lösung des vorgetragenen Problems aufzeigt. Das Zeichen ist
schwierig zu deuten, weshalb der Babalao alle seine Kenntnisse der Patakis und
natürlich auch sein eigenes Ashe aufbringen muss, um die korrekte Lösung zu
deuten.
Feierlichkeiten der jährlichen Cabildos: Auch diese gehören zu den
Divinationsritualen. Jährlich versammeln sich die Priester zu Beginn des Jahres. Sie
bestimmen in einer Divinationszeremonie den Orisha-Heiligen, der das Jahr über die
Herrschaft übernehmen wird und erweisen ihm die gebührende Ehre. Mit Hilfe dieses
Orisha-Heiligen kann man wichtige Geschehnisse, die sich in diesem Jahr ereignen
werden, vorhersagen. Bei diesen Versammlungen werden die Regeln für die Priester
festgelegt, Interpretationsfehler der Heiligen Texte geklärt und sollte es erforderlich
sein, neue Regeln der Santeria festgelegt.

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Zeremonien zur Ehrung der Orisha-Heiligen und weitere Rituale
In der Santeria gibt es bestimmte Rituale oder Zeremonien zur Ehrung
der Orisha-Heiligen und der Vorfahren. Von diesen Ritualen, die je nachdem wie sie
durchgeführt werden sowohl einfach als auch komplex sein können, möchten wir
folgende beschreiben:

Begrüßung des Orishas oder eines Priesters: In der Sprache der


Yoruba ist „foribale“ ein Gruß, der Höflichkeit und Respekt ausdrückt. Der Gläubige
wirft sich mit dem Gesicht zu Boden nieder und breitet die Arme seitlich aus wenn es
sich um einen männlichen Orisha oder einen ranghöheren Priester handelt. Wenn es
sich um einen weiblichen Orisha oder eine ranghöhere Priesterin handelt, dann setzt
er sich seitlich hin. Immer wenn der Gläubige einem Orisha oder einem ranghöheren
Priester gegenübersteht muss er diesen Gruß ausführen als Ausdruck seines
Gehorsams und seiner Ergebenheit gegenüber einem Höhergestellten.

Anbetung und Opfergaben für die Orishas: Die Priester wenden sich
traditionsgemäß in der Sprache der Yorubas an die Orishas. In der Santeria glaubt
man, dass die Worte eine Quelle der Energie sind, und je öfter man bestimmte Sätze
wiederholt, desto mehr Energie erhalten die Worte. Im Einklang mit Glauben und
Tradition müssen die Orishas an den Wochentagen und dem Monat angebetet
werden und ihnen Opfer gebracht werden, die laut den religiösen Regeln für jeden
von ihnen bestimmt sind. Eleggua z.B. wird immer montags und am 3. Tag jedes
Monats angebetet und ihm werden an diesen Tagen Opfergaben gebracht. Der
Santero legt sein Bildnis, das mit Butter bestrichen wurde, in die Sonne, schüttet
dreimal Wasser auf den Boden. Nachdem er den Boden berührt hat küsst er das
Bildnis, spricht mit Eleggua in der Sprache der Yoruba und bittet ihn, Krankheiten,
Tod, Ungerechtigkeiten fernzuhalten und dass er ihm Glück, Wohlstand, Freunde
und Ratsuchende bringen möge. Eleggua wird anschließend wieder an seine
gewohnte Stelle im Haus gestellt und der Santero legt die bevorzugten Opfergaben
des Orisha, vor allem Bonbons, Süßigkeiten, Rum und Tabak zu seinen Füssen.
Oggun und Ochosi ist der Dienstag gewidmet, Babalu Aye der Mittwoch, Obatala der
Donnerstag, Shango und Oya der Freitag, Yemaya und Ochun der Samstag. Die
Sonntage sind allen Orisha-Heiligen gewidmet. Nicht nur bei diesen Anläßen werden
sie angebetet und es werden ihnen Gebete und Opfergaben gewidmet, sondern
auch bei den Priesterweihen und Divinationsritualen.

Rituelle Säuberungen sind Zeremonien: die in der Santeria häufig


stattfinden. Ihre wichtigste Aufgabe ist die Läuterung des Gläubigen und die
Überbringung seiner Opfergaben an die Orishas, damit sie ihm wollgesonnen sind
und ihm z.B. körperliche und seelische Gesundheit, Wohlstand, Zuneigung des
geliebten Wesens geben und Tod und böse Geister von ihm fernhalten. Das Ritual
kann der Priester oder der Gläubige der Santeria ausführen. Die Opfergaben sind für
jeden Orisha verschieden und hängen vom Bittgesuch ab. Es können Früchte,
Kräuter, Nahrung und auch Tiere sein, die dem Orisha auf sein Verlangen hin
geopfert werden. Die Opfer heißen in der Santeria Ebbo, dieses Wort wurde aus der
Sprache der Yoruba übernommen. Über die Ebbo wird noch ausführlich in dem Teil
der Materialien und Elemente, die in der Santeria genutzt werden, eingegangen.

Feste zu Ehren des Orisha-Heiligen: Diese religiösen Zeremonien, die


zu Ehren eines Orisha-Heiligen stattfinden, sind großartige und prachtvolle Feste, die
mit viel Freude gefeiert werden. Man kennt sie auch unter dem Namen Güermileres.

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Es gibt viele Gründe, diese Feste zu feiern, so z.B. wenn ein Orisha-Heiliger einem
Gläubigen oder der Gemeinschaft eine große Gunst erwiesen hat. Bei der Zeremonie
des „Asiento“ findet dieses Fest auch statt, aber die wichtigsten Feiern sind am
Jahrestag oder dem Tag des Jahres, das jedem Orisha-Heiligen gewidmet ist.
Eines der wichtigsten Feste ist das zu Ehren Shangos. Es wird im
Tempel-Haus des Santeros durchgeführt, der Shango geweiht ist. Die bevorzugten
Opfergaben des Orishas werden auf einen Tisch gelegt, man gibt den Teilnehmern
das traditionelle Getränk, den „Chekete“, der laut vielen Santeros das einzige
Getränk ist, das bei diesem Anlaß getrunken werden darf. Außerdem wird viel
geraucht, denn Shango liebt den Geruch des Tabaks. Die Feier beginnt mit den
Opfergaben für die Verstorbenen, dies ist salzlose Nahrung, Früchte und Wasser.
Anschließend wird Eleggua durch die Bata-Trommeln gerufen. Derjenige, der die
Orishas ruft (der Okonrin, Akpuon) beginnt unter Begleitung der Trommeln und der
Glocke (Agogo) zu singen, die Anwesenden begleiten ihn durch Klatschen und
Stampfen. Durch den Rauch der Zigarren und die Hitze entsteht eine schwüle
Atmosphäre. Hier kommt es nun zum Höhepunkt des Festes: der Orisha Shango
ergreift Besitz über die Priester, die ihm geweiht sind, diese sind nun Shango selbst
und der Orisha redet und handelt durch sie. Für viele Santeros ist es eine große Ehre
wenn ein Orisha von ihnen Besitz ergreift. Wenn die Orishas, nachdem sie
gebührend bewirtet wurden, das Fest verlassen, essen, trinken und unterhalten sich
die Teilnehmer wie bei jedem beliebigen Fest. Abschließend erweisen die Bata-
Trommeln Eleggua die gebührende Ehre und das Fest wird beendet.
Begräbnisritual zu Ehren eines verstorbenen Santeros: Diese
Zeremonie ist unter dem Namen Itutu bekannt, sie wird anläßlich des Ablebens eines
Santeros durchgeführt, an ihr nehmen nur wenige Gäste teil. Der Verstorbene wird
wie zur Zeremonie des „Asiento“ gekleidet und den Orniero bereitet man vorwiegend
mit frischen Kräutern zu. Bei dieser Zeremonie vernichtet man die Ketten des
Verstorbenen und befragt die Orishas, ob die Behälter mit den Otanen und den
religiösen Werkzeugen einem Familienangehörigen ausgehändigt oder ob sie den
Verstorbenen begleiten sollen. In beiden Fällen werden besondere Zeremonien
durchgeführt, sei es um die Werkzeuge (z.B. Behälter und heilige Steine)
aufzubewahren oder zu vernichten; oder um sie zusammen mit dem Verstorbenen zu
begraben. Bei dieser Zeremonie bestimmen die Orishas, was mit dem persönlichen
Besitz des Verstorbenen geschehen soll, ob er an ein Patenkind weitergegeben oder
in den Fluß geworfen wird um „die Last des Verstorbenen zu erleichtern“. Neun Tage
nach dem Tod des Priesters wird zur Purifikation seines Geistes ein Ritual
durchgeführt, bei dem Kokusnußmilch verwendet wird. Eine letzte Zeremonie, die
seine Trennung von der Welt der Lebenden aufzeigt, findet ein Jahr nach seinem
Tod statt.

Spirituelle Messe ist in der Santeria eine Totenmesse für einen


verstorbenen Priester. Nachdem eine katholische Messe für ihn abgehalten wurde,
findet diese Messe neun Tage nach seinem Tod statt. Mit Blumen und Kerzen als
Opfergaben bittet man die Seele des Verstorbenen, die weltlichen Besitztümer
aufzugeben und sich zu purifizieren. An dieser Messe nehmen Familienangehörige
und engste Freunde des Verstorbenen teil, ebenso wie Spiritisten, die als Medium
fungieren und die Seele des Verstorbenen rufen. Wenn man mit der Seele in
Verbindung tritt bedeutet dies, dass der Verstorbenen in Frieden ruht. Sollte dies
nicht der Fall sein, bedeutet dies, dass die Seele des Verstorbenen die Lebenden
belästigen wird. Einige Santeros geben der Seele Opfergaben wie Brot, Wasser,
Zigaretten und salzlose Nahrung anstatt die spirituelle Messe durchzuführen. Diese

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Opfergaben werden an einen versteckten Ort des Hauses gelegt, dort die ganze
Nacht über aufbewahrt und am nächsten Tag auf dem Land verstreut.

Der Tag der Toten: In der Santeria feiert man auch den Tag der Toten
(Ikus), der am 2. November stattfindet. Bei dieser Zeremonie opfert man den
Verstorbenen einen Teller voll Maismehl und ein Glas Wasser. An den folgenden
neun Tagen bleiben neun Kerzen angezündet, diese sollen den Verstorbenen
Frieden geben.

Die Karwoche: In der Santeria gibt es schlechte Santeros, die den


Menschen Schaden zufügen möchten. Deshalb sammeln sie am katholischen
Karfreitag Kräuter, die sie zur Durchführung ihrer schändlichen Tätigkeit brauchen, in
dem Glauben, dass Gott an diesem Tag nicht gegenwärtig ist. Die guten Santeros
nutzen den Karsamstag zum Sammeln der Kräuter die sie für ihre Rituale benötigen,
denn sie sind davon überzeugt, dass an diesem Tag das Leben zurückkehrt und die
Pflanzen viel Ashe (Kraft, Energie) vom auferstandenen Christus erhalten.

Materialien oder Elemente, die in der Santeria verwendet werden


Die Santeria benötigt bestimmte Materialien oder Elemente, die zur
Ausübung der Religion unbedingt erforderlich sind. Darunter befinden sich die
Divinationsinstrumente, die heiligen Steine und ihre Behälter, die Bildnisse der
Orisha-Heiligen, die Symbole, die Opfergaben, die heiligen Kräuter, die Trommeln
und weitere Musikinstrumente.

Die heiligen Steine und Schüsseln: Jeder Orisha hat seinen eigenen
heiligen Stein (Otan), in dem sich sein Geist befindet und seine Schüssel oder
Behälter aus Porzellan, Ton oder Holz, in den man die Steine und Werkzeuge oder
Symbole des Orishas legt. Diese Schüsseln sind heilig, in ihrem Inneren leben die
Orishas. Sie werden im Tempel-Haus des Santeros gebührend untergebracht. Laut
dem Glauben der Yorubas, den die Santeria übernommen hat, kamen die Orishas
nach ihrem Tod als Regen auf die Erde zurück. Als dieser Regen den Grund der
Flüsse erreichte, verwandelte er sich in Steine, von denen jeder die Farbe des
Orishas, den er darstellte, annahm. Die Steine (Otan) und die Schüsseln sind
Grundelemente der Santeria, der Priester führt sie seit dem Zeitpunkt seiner
Priesterweihe mit sich.

Der Iman-Stein: Dieser Stein ist ein Talisman, bereits die afrikanischen
Völker verehrten ihn. Es handelt sich um einen schwarzglänzenden abgerundeten
Magneteisenstein, der bestimmte Kräfte hat. Man glaubt, dass die Göttin Oya ihn den
Menschen übergeben hat damit sie Frieden, Liebe, Gesundheit und Glück erhalten.
Auf der Grundlage der Synkretisierung wird gesagt, dass sich Jesus auf den Iman-
Stein neben den Samariterbrunnen setzte. Die Santeros formen ihn mit bestimmten
Techniken und Ritualen, aber auch jeder Gläubige kann ihn formen.

Die Bildnisse der Orisha-Heiligen: Die Orishas werden in der Santeria


nicht nur als Steine dargestellt, sondern der Yoruba-Tradition folgend auch als
Bildnisse oder Figuren, die von den afrikanischen Vorfahren nach Amerika gebracht
wurden. Diese Bildnisse oder Figuren haben ihre menschenähnliche Gestalt
beibehalten, sie werden aus Holz, Ton, Muscheln und anderen Materialien
hergestellt. Bei jeder Figur findet man außerdem die symbolischen Werkzeuge des
Orishas, z.B. beim Bildnis Shangos ein Krummschwert, eine zweischneidige Axt und

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einen Stab, der den Blitz darstellt. Die Santeria benutzt nicht nur die Bildnisse der
Orishas, sondern auch das katholische Bildnis des oder der Heiligen, die mit dem
Orisha synkretisieren. Im Haus-Tempel des Santeros sind die Bildnisse der Orisha-
Heiligen unbedingt erforderlich, man benötigt sich zur Durchführung der Rituale und
Zeremonien.

Die Opfergaben oder Ebbo: In der Santeria und in der Religion der
Yoruba spielen die Opfergaben (Ebbo) eine grundlegende Rolle bei den Zeremonien.
Die Orisha-Heiligen erhören keine Bitte wenn sie keine Opfergaben erhalten, sie
bestrafen die Gläubigen sogar wenn sie nicht die gebührende Aufmerksamkeit
bekommen, deshalb wenden sich die Priester täglich an sie. Die Opfergaben sind
vor allem Pflanzen, Früchte, Tiere, Getränke und Süßigkeiten. Durch diese Gaben
stehen einem die Götter wollwollend gegenüber. Jeder Orisha hat eine Vorliebe für
bestimmte Opfergaben.

Die heiligen Kräuter oder Ewe werden auch Kräuter der Heiligen
genannt. Sie sind in der Santeria unverzichtbar. Mit diesen Kräutern wird die rituelle
Flüssigkeit par excellence, der Orniero, hergestellt, der vor allem bei Priesterweihen
genutzt wird. Die Kräuter werden auch bei rituellen Bädern zur Reinigung, Läuterung
und Heilung von Krankheiten zusammen mit den Blättern bestimmter Bäume, die in
direkter Verbindung mit den Gottheiten stehen, genutzt. Man glaubt, dass der Herr
der Kräuter der Orisha Osain ist, so dass seine Söhne für sie zuständig sind. Jeder
Orisha-Heilige hat seine eigenen Kräuter, die vielfältig sein können. Die Kräuter von
Eleggua z.B. sind: weiße Pinienkerne, Erderbsen, Avocadoblätter, Guayaba,
Melonen, Pferdegras, Kresse, Basilikum, Minze, Espartogras, feine Kräuter. Die
Kräuter Obatalas: Mandelbaum, Minze, Holunder, Baumwolle, Zitronenmelisse,
Feigen, Blattgemüse, Gewürznelken, Amaranth. Die Kräuter Shangos: Sassaparille,
Kletterpflanze, Bananen, Kapokbaum, Pappeln, etc.

Der Orniero wird bei den religiösen Ritualen, vor allem bei der
Priesterweihe benutzt. Er wird mit einer Vielzahl ausgesuchter Kräuter zubereitet, die
je nach dem Heiligen, der angebetet wird, variieren. Er enthält außerdem Regen-,
Fluß- oder Meerwasser, katholisches Weihwasser, Branntwein, Bienenhonig,
Kakaobutter, zerkleinerte Schalen, Pfeffer, bei bestimmten Gelegenheiten auch das
Blut geopferter Tiere. Die Kohlenglut wird in Blätter des Aronstabgewächses
gewickelt. In dem Orniero wäscht man die heiligen Steine, die Halsketten, die dem
Iyawo übergeben werden und die Diloggun-Muscheln. Er wird auch genutzt, um den
Iyawo bei der „Asiento“-Zeremonie zu waschen und ihm davon zu trinken zu geben.

Die Trommeln und andere Instrumente: Vor allem bei den


Priesterweihen und den Festen (Güemilere) zu Ehren der Heiligen (Orishas) werden
in der Santeria Musikinstrumente wie Trommeln, Agogo-Glocke, Zumbon, Rasseln,
Maracas und Baston verwendet. Mit diesen Instrumenten, vor allem den Trommeln,
werden die Beschwörungen, Gesänge und Tänze zu Ehren der Orishas begleitet.
Jeder Orisha hat seine eigene Trommel, besonders bekannt ist in Kuba die Trommel
Shangos. Die Trommel, auch Bata genannt ist das bekannteste Musikinstrument der
Yorubas, das auch in der Santeria seinen Platz fand. Sie wird bei den Zeremonien zu
Ehren der Orishas, vor allem von Shango und den Egun, genutzt. In Kuba bilden die
Trommler der Bata die Innung der Gläubigen von Aña, der Gottheit, die als Herr der
Trommeln angesehen wird. Es heißt, dass die besten Trommler der Bata die
Trommel zum Sprechen bringen und dass so die ursprünglichen afrikanischen

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Traditionen weitergeführt werden können. Die Bedeutung der Trommel ist so groß,
dass sie sogar in einer Zeremonie geweiht wird. In einer weiteren Zeremonie wird der
Iyawo der Trommel vorgestellt, man zeigt ihm die Töne, Farben und Bewegungen
der Trommel, die für jeden Orisha unterschiedlich sind. Die geweihten Trommler
zeigen ihr ganzes Können als Bataleros, so werden die Trommler der Bata genannt.

Auch Egun und Iku sind Elemente der Santeria


Egun, Geist eines Verstorbenen: Eine wichtige Grundlage des
Glaubens der Santeria läßt sich so zusammenfassen: „Aus dem Verstorbenen wird
der Heilige geboren“. Dies bedeutet, dass ohne den Egun (den Verstorbenen) die
Existenz der Orisha-Heiligen nicht möglich ist. In der Sprache der Yoruba bedeutet
Egun Verstorbener, oder genauer gesagt, „der Geist des Verstorbenen“. Die Orishas
waren einst lebende Personen, nach ihrem Tod kamen sie als Geister, die sich in
den Kräften der Natur niederließen, zurück. Der Glauben an die Egun bezieht auch
die Geister der Vorfahren mit ein, vor allem die der verstorbenen Priester und
Gläubigen der Santeria. Bei den religiösen Zeremonien werden zuerst die Egun
beschworen, man bittet um ihre Erlaubnis, die Geheimnisse der Gottheiten, die von
Generation zu Generation weitervererbt wurden, zu nutzen. Wie die Yorubas bezieht
auch die Santeria die Lebenden, die Verstorbenen und diejenigen, die noch geboren
werden, in die Familie ein. Der Tod trennt den Menschen nicht von seiner Familie,
die Egun beschützen diese weiterhin und können den Feinden ihrer geliebten
Angehörigen Böses zufügen. Am 2. November findet die Feier zu Ehren der Egun
statt, dieses Datum stimmt mit dem Tag der Toten des Katholizismus überein.
Ebenso wie den Orishas werden auch den Egun Opfergaben gebracht und
bestimmte Gebote eingehalten. So müssen sich z.B. Frauen, die bei der Zeremonie
zu Ehren der Egun anwesend sind, umdrehen, damit sie das Ritual des Werfens der
Kokusnußstücke, bei der der Egun gefragt wird ob er die Opfergaben annimmt, nicht
sehen. Den Egun müssen auch Opfergaben an bestimmte Orten gebracht werden
und man muß sie durch Trommelschläge anrufen, wenn sie es wünschen.

Iku, der Tod: Ebenso wie in der Religion der Yoruba spielt Iku, der Tod,
auch in der Santeria eine grundlegende Rolle. Die These der Yoruba wird
übernommen, laut der den Menschen eine gewisse Lebenszeit vorherbestimmt ist.
Nachdem diese Zeit verstrichen ist müssen sie sterben, um wieder zur Erde
zurückzukehren. Der Tod selbst, Iku, wird als Halbgottheit angesehen. Er bestimmt
über den Menschen nach dessen Tod. Iku findet man auf dem Friedhof, dem
Machtbereich der Göttin Oya, der Herrscherin über die Egun oder Geister der
Verstorbenen. Laut der Santeria ist der Tod nicht das völlige Ende des Lebens,
sondern Beginn eines neuen Lebens. Der Geist des Verstorbenen kann in einem
neuen Lebewesen wieder geboren werden, denn „um wieder geboren zu werden, ist
es erforderlich zu sterben“. Man spricht nicht von Reinkarnation, der Akt, wieder
geboren zu werden wird als ein feierliches und freudiges Ereignis angesehen. Für
den Menschen ist es wesentlich in Harmonie mit seinem Schicksal zu leben, die
Rituale der Religion zu befolgen und die Geheimnisse der Götter zu bewahren.
Olodumare, der Schöpfergott, entscheidet über die Rückkehr des Verstorbenen und
dessen Wiedergeburt, oder ob sein Geist an einen Ort verbannt wird, von dem aus
ein neues menschliches Leben nicht möglich ist. Für den letzen Fall besteht die
Auffassung, dass sich der Verstorbene in einen bösen Geist verwandelt, der negativ
in das Leben der Menschen eingreift.

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Tempel und Altare
In der Santeria gibt es keine majestätischen Tempel: Im allgemeinen
ist die Wohnung des Priesters der Tempel. Hier trifft man sich, ehrt die Orisha-
Heiligen, führt die Rituale durch und hier befindet sich auch der Altar. Jeder Babalao,
Santero und praktizierende Gläubige hat einen Altar, den er je nach seinem
Geschmack und seinen finanziellen Möglichkeiten errichtet. Am Altar befinden sich
die Bildnisse der Orisha-Heiligen, die Behälter und heiligen Steine, die symbolischen
Werkzeuge, Musikinstrumente und das nötige Material zur Ausübung der Rituale. In
Kuba ist die Santeria weit verbreitet, hier gibt es eine Vielzahl an Altaren, von
einfachen bis hin zu komplexen und teuren, einige davon sogar mit Wasserbrunnen
und Beleuchtung. Am Altar liegen Matten, auf die man die Behälter der Orishas in
ihrer Lieblingsfarbe stellt. Einige Priester bringen die Behälter in wertvollen
Schränken, die eigens dafür hergestellt wurden, unter. Bei der Aufstellung der
Orisha-Heiligen wird eine hierarchische Ordnung befolgt, am Altar werden Pflanzen
und Kräuter der Liturgie angebracht, und neben jedem Orisha liegen der ihm eigene
Schmuck und seine Werkzeuge, die in den symbolischen Farben des jeweilgen
Orishas bemalt sind. Zu Füßen und vor jeden Orisha werden die Opfergaben und die
Nahrung des Orishas gelegt: Früchte, Branntwein, Weingläser und weiße Kerzen für
jeden Orisha, einige bekommen auch Blumen. Der Santero kann ein kleines Gefäß
neben den Altar stellen, in das die Besucher ihre Spenden geben. Früher wurde der
Altar nur am Jahrestag des Priesters oder bei besonderen Gelegenheiten feierlich
aufgestellt, heutzutage ist er jedoch aufgrund des starken Besucherandrangs ständig
errichtet. Die Priester nehmen Besucher und Touristen freundlich auf und
beantworten alle ihre Fragen.
Sehr wichtig sind auch die Bildnisse der katholischen Heiligen auf den
Altaren der Santeria, denn jeder Orisha wird mit einem oder mehreren katholischen
Heiligen synkretisiert, den die Gläubigen mit der gleichen Inbrunst anbeten wie die
Orishas. Viele Bilder sind sehr kunstvoll und aus hochwertigem Material hergestellt.
Gleichzeitig mit den Yoruba-Gebeten an den Orisha betet man zum katholischen
Heiligen. Die Santeria ist die Synkretisierung der Yoruba- mit der katholischen
Religion, deshalb ist es auch nicht befremdend wenn man in einer katholischen
Kirche Gläubige der Santeria antrifft, die am Sonntagsgottesdienst teilnehmen.

Die heiligen Texte


Die Santeria hat ihre eigenen heiligen Schriften. Die heiligen Texte sind
in den Divinationsorakeln und in den Gebeten an die Orishas enthalten. Die Priester
kennen die Schriften auswendig, da sie in dem Glauben, dass das Wort der
Gottheiten ein Geheimnis ist, dass nur wenigen Auserwählten offenbart werden soll,
mündlich überliefert wurden. Heutzutage hat diese mündliche Überlieferung in der
Santeria jedoch an Bedeutung verloren, weil die Texte schon seit längerem schriftlich
aufgezeichnet werden. Allerdings dürfen nur Priester sie niederschreiben und
kennen.
Die Divinationsorakel enthalten diese Texte in Form von Patakis, Versen und
Sprichwörtern, jedes Zeichen oder jeder Buchstabe bezieht sich auf eines davon. Wir
möchten nochmals anführen, dass ein Pataki eine Geschichte oder Fabel ist, die
einen „Lebensweg oder eine Verkörperung“ eines Orishas aufzeichnet. Sie enthält,
was die Götter dem Ratsuchenden mitzuteilen haben. Zum besseren Verständnis
führen wir ein Pataki aus dem Werk „Kubanische Santeria. Rituale und Magie“ von
José Luis Alacaraz, Verlag Tikal, an. Hier kann man verstehen, wie der Orisha
Eleggua vorgeht.

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„Die barmherzige Jungfrau des Kupfers (Ochun), die Jungfrau der Regel (Yemaya)
und die Jungfrau von Mercedes (Obatala) lebten im gleichen Dorf und widmeten sich
der Divination mit dem Diloggun. Die Ratsuchenden suchten sie auf und Eleggua war
der Hüter der Türe.
„Guten Tag, Eleggua. Ist Ochun da?“ „Ja, treten Sie ein, er ist oben“ antwortete er.
„Guten Tag, Eleggua. Ist Yemaya da?“ „Ja“ und er öffnete die Tür. „Guten Tag,
Eleggua. Ist Obatala da?“ „Ja, treten Sie ein“ antwortete er.
Der erteilte Rat brachte Wohlstand, Essen und Dankbarkeit seitens der besuchten
Orishas. Nach Beendigung ihrer Tätigkeit aßen sie in Begleitung von Shango, Ochosi
und weiteren Gottheiten. Eleggua überliessen sie jedoch nur die Knochen. Eleggua
fasste daraufhin den Entschluss an diesem Misstand etwas zu ändern. Er sagte zu
sich selbst: „Ich arbeite ständig, um schließlich nicht einmal das, was übriggeblieben
ist, sondern nur die Knochen zu erhalten“. Die Tage verliefen gleichbleibend, bis ihm
eine Maus über den Weg lief, die er einfing. Eleggua behielt die Beute und aß sie
nach und nach auf. So war es für ihn erträglich, bis eines Tages...
„Guten Tag, Eleggua. Ist Regla da?“ „Nein, sie ist nicht da“..antwortete er. „Guten
Tag Eleggua. Ist Caridad da?“ „Sie ist weggezogen, ich weiß nicht, wo sie jetzt ist“
antwortete er. „Guten Tag Eleggua. Ist Mercedes da?“ „Nein, sie ist verreist und wird
viele Tage nicht da sein“ sagte er.
Eleggua ernährte sich immer noch von der Maus, aber die Santeras hatten
inzwischen nichts mehr zum essen und jammerten, als niemand mehr zur Beratung
kam. Sie fragten Eleggua: „Warum kommt niemand?“ und er antwortete: „Ich weiß es
nicht, es ist seltsam. Ich habe nicht einmal mehr Knochen, die ich abnagen kann.“
Eines Tages sprachen die drei Santeras mit Shango und erzählten ihm ihre
Geschichte. Als Shango sie fragte, ob sie Eleggua ausreichend zu essen geben
würden, antworteten sie, dass sie ihm lediglich die Knochen überlassen würden.
Shango erzürnte sich und sprach mit Eleggua. Er versprach ihm reichliches Essen
an diesem Abend, wenn er die Besucher einlassen würde. An diesem Tag kamen
wieder Ratsuchende.
„Guten Tag Eleggua. Ist Yemaya da“? „Ja, sie ist von der Reise zurückgekehrt“
antwortete er. „Guten Tag Eleggua. Ist Obatala da“? Ja, er ist wieder im Haus, komm
herein, Du wirst bereits erwartet“ antwortete er.
Viele Besucher kamen zu den Santeras, die dadurch viel Geld verdienten und viele
Tiere erhielten. Am Abend gaben sie Eleggua viel zu essen, sogar ein schwarzes
Huhn. Dies war die Lösung ihres Problems.“

Die wichtigsten Grundlagen des Glaubens


In der Santeria wird der afrikanische Glauben, den die Sklaven nach
Amerika brachten, aufrechterhalten, hinzu kam der Glauben des Katholizismus, der
jedoch bei den Regeln und Grundlagen der Religion keine wesentliche Rolle spielt.
(siehe Kapitel des Glaubens der Yoruba). Anschließend bringen wir eine
Zusammenfassung des Glaubens aus Sicht der Santeria.
Laut dem Glauben der Yoruba ist Olodumare der Schöpfergott, Obatala
erschuf den Menschen und Oduduwa ist der Schöpfer der Erde, Gründer von Ile Ife,
dem Ursprungsort des Lebens. Olodumare und Obatala wurden ohne wesentliche
Änderungen in Amerika, vorwiegend in Kuba, übernommen, aber Oduduwa spielt nur
in den Erzählungen über die Schöpfung der Erde eine Rolle. Olodumare ist in Kuba
unter dem Namen Olofi bekannt, er ist die Quelle des „Ashe“, der geistigen Energie
des Universums, aus welcher die Lebewesen und die materiellen Dinge bestehen. Er
ist der Schöpfer der Orishas, auf die er sein Ashe verteilte. Dies zeigt sich in der
Macht, über die jeder von ihnen bei bestimmten Aspekten der Natur und des

111
menschlichen Lebens verfügt und ist der Grund, weshalb er sich nicht in das Leben
der Menschen einmischt, ihm keine Rituale gewidmet sind und weshalb keine
Priester ihm dienen. Er übertrug die Verantwortung, die Menschen zu leiten, an die
Orishas, die von den Gläubigen geehrt werden und Priester haben, die ihnen geweiht
sind.
Die Santeria ist davon überzeugt, dass die heiligen Texte die Lehren und
Botschaften der Gottheiten an die Menschen enthalten. Die Texte erklären alle
Naturerscheinungen des Universums, sowohl materielle als auch spirituelle. Diese
befinden sich in ständigem Wechsel zwischen verlorenem und wiedergewonnenem
Gleichgewicht. Innerhalb dieses Prozesses befindet sich der Mensch, dessen
Schicksal vom Wechsel bestimmt ist. Alles was geschieht, sowohl Positives als auch
Negatives, ist das Ergebnis des Gleichgewichts oder Ungleichgewichts zwischen den
Menschen und den Kräften des Kosmos, die ihr Leben beeinflußen. Die Orisha-
Heiligen helfen den Menschen, das Gleichgewicht zu erhalten. Für die Priester
bedeutet jede Legende oder jeder Mythos über die Wege der Orishas den Versuch,
diese entgegengesetzten Kräfte des Kosmos in Harmonie zu bringen. Der Priester
zeichnet Gefahren für den Menschen auf und Lösungen, wie man diesen Gefahren
vorbeugen kann. Man glaubt, dass dieses Ungleichgewicht Probleme für den
Menschen verursacht. Zur Lösung dieser Probleme und um das Schicksal zu
beeinflussen, wenden sich die Menschen an ihre Orisha-Heiligen, um so den
Ursprung des Ungleichgewichts zu erfahren.
Der Glauben an die entgegengesetzten Pole Gut und Böse ist wichtige
Grundlage. Damit es das Gute gibt, muß es auch das Böse geben und umgekehrt.
Laut der Santeria kann aus dem Bösen das Gute entstehen, ebenso wie aus dem
Guten das Böse entstehen kann. Unter den Gottheiten ist Eshu derjenige, in dem
das Gute und das Böse eine Einheit bilden. In der Santeria wird das Gute nicht mit
Gott und das Böse mit dem Teufel personifiziert wie im Katholizismus. Die Begriffe
Gut und Böse sind relativ und situationsabhängig. Man glaubt an die Schöpfung und
an die Wiedergeburt, denn alles, was im Universum existiert enthält das Bildnis
Gottes. Deshalb glauben die Menschen an die Rückkehr der Seele (Ori) ihrer
verstorbenen Angehörigen, die in einem Neugeborenen wiedergeboren wird. Die
Seelen der Verstorbenen werden verehrt, sie erhalten auch Opfergaben. Man glaubt,
dass die Menschen aus Körper und Seele bestehen. Ori entspricht dem christlichen
Begriff Seele. Eigentlich hieß Ori Kopf in der Bedeutung von Gefühlen, Gewissen,
Verstand. Der Ori (Lebensatem Olodumares) ist in allen Elementen des Universums
und in der Kraft der Natur zu finden. Ziel der Santeria ist, den Ori des Menschen mit
der Ashe, der Lebensenergie der kosmischen Kräfte, zu verbinden. Das Ergebnis ist
eine gesunde geistige und körperliche Entwicklung des Menschen.

Santeria und ihre Varianten in Kuba


Aus Kultur und Religion der Yoruba, die mit der katholischen Kultur und
Religion synkretisierte, entstand die Santeria. Allerdings gab es vor allem in Kuba
außer der Religion der Yoruba noch weitere afrikanische Religionen, die auch durch
den Katholizismus beeinflußt wurden und zu weiteren religiösen Varianten führten,
wie die bekannte Regla de Palo oder Regla Conga, die geheime Gemeinschaft
Abakua und den Oggunismus oder kubanischen Voodu.

Die Regla de Palo oder Regla Conga


Diese Religion ist in Kuba unter dem Namen Palo Monte oder
Mayombe bekannt. Sie wurde zuerst im östlichen Teil Kubas praktiziert und
entspringt der Religion der afrikanischen Völker Kongo oder Bantu. Während der

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Sklaverei vermischte sich dieser Glauben mit weiteren Religionen. Außer religiösen
Elementen der Bantu oder Kongo Völker hat diese Religion auch Elemente der
Religion der Yoruba und des Katholizismus. Wichtigstes Kennzeichen der Regla de
Palo ist die Magie bei der Praktizierung der Religion. Sie ist innerhalb und außerhalb
Kubas weniger bekannt. Die Regla de Palo hat viele Varianten, wie Vrillumba,
Imbisa, Biyumba bis hin zur Regla Kimbasa des Heiligen Christus der Guten Reise.
In der Regla de Palo, Nsami oder Sambia ist Oludumare der
Schöpfergott, er wird mit Shango und der Heiligen Barbara synkretisiert, Kisimba ist
Orunla und der Heilige Franz von Assisi. Trotz ihrer Unterschiede ergänzen sich die
Santeria und die Regla de Palo, es gibt Gläubige, die beiden Religionen angehören
und Priester der Santeria (Santeros), die auch Priester der Regla de Palo (Paleros
oder Mayomberos) sind, Voraussetzung ist allerdings, dass sie zunächst Santeros
sind um anschließend auch Paleros zu werden.
Grundlegende Bestandteile der Regla de Palo sind Kräfte und
Elemente der Natur, man glaubt, dass die Vegetation durch Geister belebt wird, die
Seelen der Vorfahren werden verehrt und vor allem ist der tote Körper eines
Verstorbenen für die Ausübung der Religion von höchster Bedeutung. Die Nganga ist
ein Behälter, ein irdener Topf, in dem die Knochen eines Verstorbenen aufbewahrt
werden. Man glaubt, dass sich hier die Seele befindet, die über bestimmte begrenzte
Kräfte verfügt. Dieser Glauben ist die Grundlage der Rituale. Die Seele des
Verstorbenen, die in der Nganga eingeschlossen ist, ist durch einen heiligen und
gegenseitigen Pakt vom Willen des Priesters abhängig. Die Gläubigen der Regla de
Palo schließen sich in voneinander unabhängigen Gruppen zusammen.
Ranghöchster ist der Tata Nganga oder Tata Nkisi, der eine Nganga besitzen und
unbeschränkt nutzen darf. Er ist der einzige, der die Zeremonie des „rayamiento“
durchführen darf, die der des „Asiento“ in der Santeria entspricht. In der Rangfolge
folgen ihm der Bakonfula Ayonfombe und der Ngueyo, weniger wichtige Priester, die
mit ihren Patenkindern ein „religiöses Haus“ bilden und mit der Durchführung von
religiösen Zeremonien, Addivinationsritualen, Heilung von Krankheiten und in einigen
Fällen der Vernichtung von Feinden der Gläubigen beauftragt sind.
Ein weiteres wichtiges Element der Regla de Palo ist die „Unterschrift“,
ein graphisches heiliges Symbol, das eine Gottheit, den Geist eines Verstorbenen
oder andere Geister identifiziert. Diese „Unterschriften“ zeichnet der Priester im
Trance. Man glaubt, dass diese grafischen Zeichen übernatürliche Kräfte haben. Ein
guter Priester der Regla de Palo wird häufig als Hexenmeister angesehen, er muß im
Besitz einer Nganga sein, die er entweder geerbt oder bei der Zeremonie des
„rayamiento“ nach vielen Ausbildungsjahren empfangen hat. Der Pate ist es, der die
Nganga für den zukünftigen Geweihten vorbereitet. Diese Vorbereitung dauert viele
Tage, viele Elemente und Rituale sind erforderlich. Sie beginnt auf dem Friedhof, wo
der Pate und sein Patenkind verschiedene Rituale ausführen. Das Patenkind muß
„gezeichnet“ sein, mit einem Messer werden ihm Kreuze auf beide Seiten der Brust
und der Schulterblätter eingeritzt. Vom Friedhof werden Knochen eines Verstorbenen
und Erde in das Haus gebracht, wo die Rituale fortgesetzt und auch Opfergaben
gebracht werden. Diese Elemente werden zusammen mit weiteren in einen
vorbereiteten Behälter gelegt. Auf den Boden des Behälters wird ein Kreuz eingeritzt,
man legt Silbermünzen, ein Stück Papier auf dem der Name, den man dem
Verstorbenen gegeben hat, steht, etwas Friedhofserde und die Knochen des Toten
hinein. Der Pate fügt noch einige Tropfen Blut aus der Wunde, die er sich am Arm
zugefügt hat, hinzu. Hinzu kommen noch Gipsstaub oder Asche, Tabakblätter, ein
hohles Zuckerrohrstück, das Meereswasser, Sand und Quecksilber enthält.
Weiterhin noch ein Iman-Stein, Holzstücke aus dem Wald, Kapokbaum, Lorbeer,

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Pfeffer, Knoblauch, Pinienkerne und schließlich noch ein Ungeziefer. Dies kann ein
Skorpion, eine Wespe oder ein Tausendfüßler sein. Die Nganga wird geschlossen
und anschließend 21 Tage im Friedhof und weitere 21 Tage im Wald vergraben.
Anschließend wird sie wieder ausgegraben und ins Haus zurückgebracht, wo ihr
Opfergaben gebracht werden: Zimt, Hahnenblut, Knoblauch, Mais, Wein und
Branntwein. Der Pate prüft anschließend die Nganga und übergibt sie seinem
Patenkind, der mit ihr Divinationsrituale, Heilungen und weitere Rituale, sowohl gute
als auch böse, durchführen kann. In der Regla de Palo gibt es drei Formen der
Nganga: die christliche, die gemischte und die jüdische. Die christliche erhielt die
Taufe und wird genutzt um Gutes auszuüben, die gemischte wird sowohl für das
Gute als auch für das Böse angewendet, die jüdische ist ausschließlich für das Böse
bestimmt. In Kuba wird die „christliche Nganga“ dazu verwendet, gute Taten und
Heilungen auszuführen, bei den Ritualen werden christliche Symbole wie Kreuz und
Weihwasser verwendet, die die Macht der Nganga verstärken und den „Palero“ oder
„Mayombero“ vor allem Bösen beschützen. In der Nganga, auch „Prenda“ genannt,
befinden sich alle Elemente der Natur: Fluß, Meer, Wald, Sonne, Mond, Iman, Blitz
und Friedhof, und eine Konzentration der Energien. Sie schließt einen Geist ein, der
mächtig, zuverlässig und ein treuer Diener ist und sofort alle Befehle ausführt, wenn
er gerufen wird. Dieser Geist hat verschiedene Namen: Wirbelwind, langer Schritt,
Zerstörer des Waldes, schlechter Wind. Durch den Namen werden Eigentümer und
Nganga identifiziert.
Während das Grundelement der Santeria oder Regla de Ocha der Kult
für die Orisha-Heiligen ist, ist die Grundlage der Regla de Palo der „Heilige Pakt“ mit
einem Geist, der sich in der Nganga befindet.

Die geheime Gesellschaft Abakua


Geheime Gesellschaften mit politischem oder religiösem Hintergrund
gab es in vielen Kulturen. Bei den Yoruba bestand während des Imperiums von Oyo
die geheime Gesellschaft Ogboni, die von grundlegender politischer und religiöser
Bedeutung war. Bei vielen afrikanischen Völkern gab es und gibt es weiterhin
geheime religiöse Gesellschaften. Mitglieder dieser Gesellschaften kamen als
Sklaven nach Kuba. Sie erhielten die geheimen Gesellschaften ihrer jeweiligen Kultur
und Religion weiterhin aufrecht. So ist es auch bei der geheimen Gesellschaft
Abakua, die weiterhin aktiv ist, der Fall.
Die geheime Gesellschaft Abakua ist eine okkulte magisch-religiöse
Gruppierung, die aus Männern besteht. Sie begann sich in der ersten Hälfte des XIX.
Jahrhunderts im Westen Kubas zu bilden und zu organisieren. Grundlage sind die
Rituale und der Glaube der Sklaven aus der Region Calabar im Südosten Nigerias,
die in Kuba „Carabalies“ genannt werden. Ihr Ursprung geht auf die Völker Efik und
Efor, die im Deltagebiet des Flusses Cross, der früheren Region Calabar und
heutigem Bundesstaat Cross River in Nigeria, lebten, zurück.
Laut der Legende verehrten diese Völker eine Wassergottheit, „Ndem
Efik“. Epke war der Name einer Gottheit des Waldes und gleichzeitig der Name einer
geheimen Gesellschaft, die im Zusammenhang mit dem Leoparden steht. Eine
weitere Legende erzählt vom Gott Abasi, vom heiligen Fluß Oddan, in dem der
heilige Fisch Tanze lebte, der Töne von sich gab, und von der Tochter des
Häuptlings eines Dorfes mit Namen Sikan, die das Geheimnis der „heiligen Stimme“
(der Töne, die der Fisch von sich gab), kannte. Als der Fisch starb, wurde aus seiner
Haut eine Trommel, die Ekue hergestellt, von der man hoffte, dass sie die heilige
Stimme wiederherstellen könne. Als die Trommel stumm blieb wurde Sikan geopfert.
Man hoffte, dass durch ihr Blut Tanze wieder über die Trommel sprechen würde,

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aber nichts geschah. Schließlich griffen die Medizinmänner auf das Blut von
Tieropfern und auf bestimmte Rituale zurück und die Trommel ließ ihre Stimme
hören. Die Efik, die alles mitverfolgt hatten, übten Druck aus um das Geheimnis mit
den Efor zu teilen. Sie zwangen sie zu einem Abkommen, das durch je sieben
Mitglieder beider Völker unterzeichnet wurde. Der Medizinmann der Efor jedoch
unterzeichnete das Abkommen nicht, so dass die Unterzeichnenden nur dreizehn an
der Zahl waren. Deshalb gibt es bei den Gruppierungen der Abakua nur dreizehn
höhere Positionen.
Bei den religiösen Ritualen werden Magie und der geheime Charakter
der Religion ganz besonders hervorgehoben, allerdings gibt es auch religiöse
Komponenten anderer Kulturen und soziale Komponenten wie gegenseitige Hilfe und
Schutz der Mitglieder. Die Geheime Gesellschaft Abakua besteht aus disziplinierten
Gruppierungen mit Führern, die die jeweilige Gruppe oder die religiösen Häuser
leiten. Den höchsten Rang hat der Isue, er ist ermächtigt neue Mitglieder zu
„initiieren“ und ist der Beauftragte der Trommel, der „Sese“ oder „Seseribo“, dem
Instrument, das die Grundlage der religiösen Magie darstellt. Ein weiterer Führer ist
der Iyamba, er leitet die Initiationszeremonien, wobei seine Hauptaufgabe darin
besteht, der Ekue oder heiligen Trommel tosende Klänge zu entlocken. Der Mokongo
ist damit beauftragt, die Zeremonien zu amtieren und die Türen zum Tempel oder
Haus der Gruppe zu öffnen. Und der Isunekue, Hüter der „heiligen Stimme“ bewacht
den Ort, an dem die Ekue aufbewahrt wird.
Die Carabalis waren in einem Gebiet zwischen den Yoruba und den
Völkern des Kongo ansässig, so dass der Glauben und die Rituale der Abakua diese
Kulturen und die Kultur der Sklavenhalter beeinflußten. Man findet Gemeinsamkeiten
unter ihren Göttern. So entspricht z.B. Abasi, der Schöpfergott der Abakua,
Olodumare der Yoruba und Sambi der Kongo-Völker. Obandio, Gottheit der Abakua,
ist Obatala bei den Yoruba und die Heilige Jungfrau von Mercedes im Katholizismus.
Der Abakua-Gott Okun entspricht Shango und der Heiligen Barbara. Diese Religion
kennt bestimmte graphische und schriftliche Zeichen, die unter dem Namen
„anaforuana“ bekannt sind und als heilig angesehen werden. Man glaubt, dass sie
die Botschaft der Geister übermitteln und nutzt sie als eine Form der Identifizierung.
Auch wenn die Gesellschaft Abakua von manchen Gelehrten nicht als Religion
anerkannt wird, enthält sie den Glauben und die Gesetze der afro-kubanischen
Religionen. Es gibt Einweihungsrituale und Priesterweihen, religiöse Zeremonien, die
von Tänzen, Gesängen und Trommeln begleitet werden, es werden Tieropfer
gebracht und es wird an Gottheiten geglaubt, die eine bestimmte Hierarchie haben.
Anfänglich waren ihre Mitglieder nur Schwarze, aber im Laufe der Zeit wurden auch
Mulatten und Weiße in den Gruppen oder Häusern, die man als Logen einordnen
kann, akzeptiert. Die Mitglieder führen den Namen „ñañingos“, dem Wort für Tänzer
oder „Ireme“ der Abakua-Gruppierungen, die für ihre farbenprächtige Kleidung
berühmt sind. Ihre Tänze finden am 6. Januar, dem Heilige-Drei-Königs-Tag, statt.
Diese Tänze, die die Geschichte und Folklore Kubas sehr beeinflußt haben, formten
zusammen mit dem Rhythmus und der Musik der Bantu oder Kongolesen die Musik
Kubas, die Rumba, in der auch der bekannte Guaguanco seinen Ursprung hat.

Der Oggunismus
Ist die kubanische Voodu-Variante. Der Voodu kam ursprünglich aus
Haiti in den östlichen Teil Kubas, wo er bis heute unter diesem Namen erhalten ist.
Grundlage der Santeria ist die Kultur und Tradition der Yoruba und orientiert sich an
bereits definierten Gottheiten. Dies ist beim Voodu nicht der Fall, er ist eine Mischung
aus dem Glauben vieler afrikanischer Völker und akzeptiert eine Vielzahl an Göttern

115
und Glauben. Diese Religion findet man in den Völkern Fon, Yoruba und Ewe,
Bewohner eines großen Gebiets, das Ghana, Togo, Dahomey und Nigeria
einschließt. Voodu kam vorwiegend durch die afrikanischen Sklaven nach Haiti.
Grundlage des Voodu ist der Glaube an die „Iwa“ oder „Voodu“, Geister
oder übernatürlichen Kräfte, die das Leben der Menschen beeinflußen und einerseits
in den Naturelementen, vor allem aber in den Vorfahren zu finden sind. Verehrt
werden die Geister und nicht die Elemente in denen sie sich befinden. Die Iwa waren
wahrscheinlich wichtige Persönlichkeiten, die Erinnerung an sie dauert in den
Nachkommen, den Tieren und sogar in Naturelementen an. Sie sind die Verbindung
des Sichtbaren mit dem Unsichtbaren. Die Iwa synkretisieren mit den katholischen
Heiligen, ohne dass der Voodu seine Identität verliert, sie sind das Verbindungsstück
zwischen dem Schöpfergott und den Menschen. Wie in der Religion der Yoruba hat
auch hier der Schöpfergott die Macht an die Iwa weitergegeben. In Dahomey glaubt
man an die Existenz eines weiblichen Schöpfergotts, Mawu, der von seinem
Zwillingsbruder „Lisa“ begleitet wird. Kein Kult widmet sich dem Paar Mawu-Lisa, es
herrscht über alle Gottheiten, Geister oder Iwa. Bei den Yorubas erhalten die Orishas
verschiedene Namen und werden je nach ihren Lebenswegen unterschiedlich
dargestellt, beim Voodu bilden die Iwa Familien, in denen der jeweilige Iwa
verschiedene Namen und Aufgaben hat und eine Einheit bildet. Die Iwa
unterscheiden sich je nach ihrer Natur und ihrer Verhaltensweise. Es gibt die Iwa
„rada“, die mit dem Sonnenlicht identifiziert werden, sie sind gut, großzügig und
tolerant und werden für die weiße Magie genutzt; und die Iwa „petro“, die mit
Dunkelheit, Konflikten und Gewalt identifiziert werden. Sie sind schlecht, man nutzt
sie für alles Böse oder schwarze Magie. Es gibt Iwas, die beiden Kategorien
zugeordnet werden, wie Legba Rada und Legba Petro. Zwar betet jede Familie oder
Gruppe ihren eigenen Iwa an, es gibt jedoch zwei Iwa, die sehr wichtig und bekannt
sind: Fa (ursprünglich aus Oyo) Herr über das Schicksal des Menschen, und Legba,
der Wege öffnet, mit den anderen Iwa kommuniziert und hilft, Schwierigkeiten aus
dem Weg zu gehen. Auch Dmbala Wedo und Aida Wedo, die durch die
Regenbogenschlange dargestellt werden, werden sehr verehrt. Die Iwa werden unter
Berücksichtigung der Elemente Feuer, Wasser und Erde eingeordnet.
Basis des Voodu ist die Verehrung der Toten, so finden die
Verstorbenen ihren endgültigen Frieden. Die Familie des Verstorbenen hält ebenfalls
eine katholische Totenmesse ab. Der Tod wird mit den Iwa-Festen, den Iwa Gede,
die ein charakteristischer Bestandteil dieser Religion sind, geehrt. Sie finden im
allgemeinen am 1. und 2. November statt. Ein weiterer Bestandteil des Voodu sind
graphische Symbole, die Botschaften weiterleiten. Interessant ist die Verwendung
des Kreuzes: hier findet man die Erklärung, dass es zwei Welten gibt: die heilige und
die unreine Welt, auf der die Menschen leben. Ein weiterer Bestandteil des Voodu
sind Tieropfer bei jedem religiösem Ritual, die von Tänzen, Gesängen und
Trommelschlägen begleitet werden. Ein Beispiel für den Einfluss des Katholizismus
ist die Tatsache, dass die wichtigsten Voodu-Feste mit dem Tag der Feiern für die
katholischen Heiligen übereinstimmen.
Die Gläubigen bilden Gruppen, die Cofredias, unter ihren Mitgliedern
gibt es eine strikte Hierarchie im Dienste eines bestimmten „Oufo“ oder Voodu-
Tempels. In den Oufos werden die Iwa angebetet und religiöse Zeremonien aller Art
durchgeführt. Jeder Oufo wird durch einen Priester, den Oungan oder Boko, wenn es
sich um einen Mann, oder die Mamba, wenn es sich um eine Frau handelt, geführt.
Diese Priester und Priesterinnen leiten die Rituale, deuten die Worte der Iwa und
führen Heilungen durch.

116
Wichtige Persönlichkeiten der Santeria
Unter den Sklaven sind vor allem die Babalawos zu nennen, die ihre
Tätigkeiten als Gelehrte und geistige Leiter fortsetzen konnten.
Den schwierigen Jahren der Sklaverei, in denen sich die Santeria
bildete und entwickelte, folgten in der zweiten Hälfte des XIX. Jahrhunderts Jahre der
Konsolidierung. Aufgrund ihres geheimen Charakters und gewisser gesellschaftlicher
Vorurteile jener Zeit war es schwierig, dass sich die Santeria auch unter Laien
verbreitete. Es gab allerdings einige große Persönlichkeiten, die dies ermöglichten.
Unter den wichtigen Vertretern der Santeria in Kuba sind zu erwähnen:
Fa Bi, Fa Omi, Atanda, Kainde, Olugere, Akunkon, Adebi, Ade, Ade Lokun und
Remigio Herrera (Adechina), der 1905 verstarb.
In der zweiten Generation bedeutender Persönlichkeiten findet man
Eulogio Rodriguez (Tata Gaitan), Jose Antonio Erice, Valentin Cruz, Ramon Febles
Molina (Schüler von Akunkuo), Bonifacio Valdes, Juana Arrechea Bermudez,
Bernaldo Rojas (verstorben 1959, Schüler von Adechina), Juan Angulo, Miguel
Febles Padron (Sohn von Ramon Febles Molina), Miguel Iznaga, Facundo Sevilla,
Juan Antonio Ariosa, Arturo Peña, Aracelio Iglesias, Quintín García und Martin
Cabrera Escudera. Zweifellos war Miguel Febles Padrón (1910-1986), der Oba von
Kuba wurde, einer der großen Kenner der Religion der Yoruba und der Santeria. Er
wahrte nicht nur die mündliche Überlieferung der Religion sondern war auch
maßgebend daran beteiligt, dass ein einheitlicher Schriftsatz entwickelt wurde, der
als Grundlage für die Praktizierung der Santeria diente. Weitere würdige Vertreter
sind u.a. Alicia Beltrán, Napoleón Arrechea, Francisco Erice, Pablo Sevilla Molina
und José Ramón Avila Dolotero.
Als bedeutende Persönlichkeit der heutigen Zeit muß Frank Cabrera Suárez
(Okambi) genannt werden, geboren 1954. Er ist der Oluo von Ile Tuntun (Neues
Land). Weiter zu nennen sind: Filiberto O’Farrill (Baba Isale aus Kuba). Zuglin
Cumare (Awo Akoko aus Venezuela), Taiwo Abimbola (Oluwo aus Oluko, Nigeria),
Victor Rizi (Awo Orunla, Venezuela), Leonel Gómez (Mexico), Gilberto García Ciro
(Kolumbien), Wilfredo Isasa Campos (Santero im Rang eines Obba), Shango Balu,
Benita Blanco (Obba Tola), Caridad Fernández, bekannte Priesterin, Armando
Omidina (Santero) und Pedro Abreo (Sohn von Babalu Aye-Heliger Lazarus)
Hervorzuheben ist, dass der Ooni von Ile-Ife als geistiger Vater der
Religion der Yoruba (die Grundlage der Santeria) auch einer der großen Vertreter
der Santeria ist. 1980 wurde der letzte Ooni (König) von Ile-Ife gekrönt, seine
Majestät Olobuse II, der den Titel „Okunade Sijuwade (Krone, die sich der Welt
öffnet) Oba Alayeluba“ erhielt. Im gleichen Jahr fand in Ile-Ife ein Internationaler
Kongress der Yoruba Kultur statt und 1987 ernannte der Rat der bedeutendsten
Babalawos Nigerias Wande Abimbola, direkter Nachfahre der Oggun Dynastie aus
Oyo, zum „Awise Awo Ni Agbaye“, d.h. „weltweiter Sprecher und Botschafter der
Religion und Kultur der Yoruba“. Aufgrund direkter Verhandlungen dieses Sprechers
besuchte Seine Majestät Olobuse II in jenem Jahr Kuba.
Auch zu erwähnen ist, dass am 13. Oktober 1997 in Kuba Ile Tun Tun
(Neues Land) unter Teilnahme des bekannten Babalawo aus Oyo, Taiwo Abimbola,
Sohn von Wande Abimbola, gegründet wurde. Diese afro-kubanische Organisation,
deren ofizieller Vertreter Frank Cabrera S. ist, hat das Ziel alle Gläubigen der
Santeria und der Religion der Yoruba zu vereinen und über Einhaltung des Glaubens
und der Rituale zu wachen. Unter den vielen Aktivitäten von Ile Tun Tun ist die
Organisation des VIII. Weltkongresses der Religion der Yoruba besonders
hervorzuheben. Dieser Kongress fand 2003 im Centro de Convenciones in La
Habanna statt. Der Autor dieses Buches erhielt 2006 bei der Zeremonie, die durch

117
Taiwo Abimbola in Oyo (Nigeria) geleitet wurde, die Krone von Shango der
Einrichtung Ile Tun Tun. Er konnte so in der Religion den Namen „Shango Lola“
führen und erhielt den Titel „Aisbuyo Shango“, durch den er befugt ist, eine
Gläubigengemeinschaft der Santeria zu leiten.
Weiterhin sind wegen ihrer unschätzbaren Kenntnisse der afro-
kubanischen Kultur und Religion zu nennen: der Gelehrte Don Fernando Ortiz y
Fernández (1881-1969), der Maler Wilfredo Lam (1902-1982), der Dichter Nicolás
Guillén (1902-1989) und der Schriftsteller Alejo Carpentier (1904-1980).
Besonders zu erwähnen ist auch José Antonio Aponte, der 1812 den
bewaffneten Widerstand gegen die Sklaverei und die Kolonialherrschaft in Kuba
leitete. Aponte war Mitglied der Geheimen Gesellschaft Ogboni, der machtvollsten
Nigerias und hatte in der Religion der Yorubas den Rang Oni Shango.

118
Übersetzung Untertitel der Fotos in Kapitel 3

Seite 144:
Shango, einer der bekanntesten Orisha-Heiligen der Santeria.

Seite 171
Sowohl Nachfahren der Afrikaner als auch Europäer sind Gläubige der Santeria.

Seite 178
Von oben nach unten, von links nach rechts: Schüssel von Obatala, Shango und
Eleggua.

Seite 179
Von oben nach unten, von links nach rechts: Die heilige Jungfrau Maria, ein Weg
Obatalas, Heilige Barbara (Shango).

Seite 182
Yemaya (Heilige Jungfrau der Regel). Wir danken María Art.

Seite 184
Von links nach rechts: Orula (Heiliger Franz von Assisi) und Oggun (Heiliger Petrus).

Seite 185
Von oben nach unten, von links nach rechts: Heiliger Franz von Assisi (Orula),
Heiliger Petrus (Oggun) und Heilige Jungfrau der Regel (Yemaya).

Seite 189
Ochun (Virgen de la Caridad del Cobre: Heilige Jungfrau der Barmherzigkeit von
Cobre).

Seite 190
Von links nach rechts: Behälter von Babalu-Aye (Heiliger Lazarus) und Symbol von
Ozun (Heiliger Johannes der Täufer).

Seite 191
Von oben nach unten, von links nach rechts: Heiliger Lazarus (Babalu-Aye) , Heiliger
Johannes der Täufer (Ozun) und die Heilige Jungfrau der Barmherzigkeit von Cobre
(Ochun).

Seite 200
Babalao, Oba Oluwo von Ile Tun Tun, Frank Cabrera Zuerez.

Seite 203
Zusammenkunft von Santeros und Babalaos aus verschiedenen Ländern in Kuba.

Seite 210
Halsketten von: Shango, Eleggua, Ochun, Orula, Babalu Aye und Yemaya.

Seite 217
Iyawo am Tag seiner Priesterweihe in der Kleidung eines Priesters von Yemaya.

119
Seite 223
Divination mit den Kokusnüssen. Das Bild zeigt das Zeichen oder den Buchstaben
Alafia.

Seite 228
Die Ikine, das Ifa-Divinationsbrett und der Ekuele, die bei der Divination mit dem
Orula- oder Ifa-Orakel angewendet werden.

Seite 232
Die Trommeln Shangos, die bei den Festen für die Heiligen für Unterhaltung sorgen
und die Kasserolle Shangos.

Seite 256
Behälter Orunlas. Im Einklang mit ihren afrikanischen Wurzeln benutzt die Santeria
kunstvoll geschnitzte Behälter, in denen sich die Heiligen (Orishas) befinden.

Kapitel IV Die Praxis der Santeria

Moyubas oder Gebete für die Heiligen

Purifikationsbäder

Santeria – Rezepte

120
In diesem Kapitel beziehen wir uns aufgrund ihres hohen Stellenwerts in der Santeria
lediglich auf die Moyubas oder Gebete für die Heiligen, die Purifikationsbäder und die
Santeria Rezepte.

Moyubas oder Gebete für die Heiligen

Moyuba, die angewandt wird, wenn dem Heiligen Kokusnuß gereicht wird.
Folgende Moyuba wird in der Santeria häufig beim Ritual des Reichens der Nahrung
für den Heiligen verwendet. Man benötigt eine Schale mit Wasser und vier kleine
Kokusnußstücken, die man vor dem Heiligen, für den die Kokusnuß oder die
Opfergabe bestimmt ist, aufstellt. Die Moyuba lautet wie folgt:

Omi tuto (frisches Wasser)


Ana tuto (frischer Weg)
Tuto laroye (frisches Wasser für den König)
Tutu inle (frisches Wasser für das Haus)
Tutu nini (frisch wie Schnee)
Tuto owo (frisches Geld)
Omi tuto a Eleggua (frisches Wasser für Eleggua) oder dem Heiligen, dem man die
Kokusnußstücke geben möchte.

Moyuba Olodumare (gesegnet sei Gott)


Moyuba Olofi (gesegnet sei Gottes Sohn)
Moyuba Olorun (gesegnet sei die Sonne)
Moyuba Ochukua (gesegnet sei der Mond)
Moyuba Irawo (gesegnet seien die Sterne)
Moyuba Baba bo (gesegnet seien die verstorbenen Babalaos)
Moyuba egun merrilan (gesegnet seien die Toten in der ganzen Welt)
Moyuba bobo loro (gesegnet seien die verstorbenen Familienangehörigen)
Moyouba bobo egun inle (gesegnet seien die Verstorbenen des Hauses)
Moyuba egun (gesegnet sei der Verstorbene, der mich begleitet)
Inbaye baye en tona (ich bitte um Frieden für die Seelen der Verstorbenen)
Imbaye baye en tona Tata Gaitan (ich bitte, dass die Seele Tata Gaitans in Frieden
ruht)
Imbaye baye en tona Tata Segundino (ich bitte, dass die Seele Tata Segundinos in
Frieden ruht)
Inbaye baye en tona Akunkuo (ich bitte, dass die Seele Akunkuos in Frieden ruht)

Anche iya mi (gesegnet sei meine Mutter)


Ache baba mi (gesegnet sei mein Vater)
Ache babalocha (gesegnet sei mein Pate)
Ache oyubona (gesegnet sei meine Patin)
Ache bobo iworo (gesegnet seien die ranghöheren Santeros und die Kinder des
Heiligen)

Man hält Kokusnußstücke in der linken Hand, zupft mit der rechten Hand kleine Teile
davon ab und spricht:
Obi ala fibi iku (Kokusnuß für die Verstorbenen)
Obi ala fibi ano (Kokusnuß für Krankheiten)
Obi ri ala fibi ello (Kokusnuß für den Krieg)

121
Obi ala fibi ofo (Kokusnuß für den Verlust)
Obi ri ala fibi ariku babawa (Kokusnuß für die Vorfahren)

Man fährt fort, an der Kokusnuß zu zupfen und spricht:


Ire ari ariku (für Gesundheit)
Ire oma (für klaren Verstand)
Ire aye (für das Wohl der Welt)
Ire chiche ( für meine Arbeit)
Ire aye owo (Reichtum oder Wohlstand)
Ire obini lowo (Glück, das die Frau bringt)
Ire alle (viel Glück in allem)
Ire oconi (Glück, das die Männer bringen)
Ire Olodumare (Glück, das von Gott kommt)
Ire elese egun (Glück, das der Verstorbene bringt)
Ire achegun ota (Glück, um den Feind zu besiegen)

Anschließend läßt man die Kokusnußstücke, die nun eine runde Form angenommen
haben, von der linken in die rechte Hand gleiten, berührt den Boden und den
Heiligen und spricht dreimal:
Ile mo kue, ile mo kue, ile mo kue,
Akueye omo ochareo: die Obi- Kokusnußstücke sollen mit Eleggua sprechen.
Anschließend wirft man die Kokusnußstücke und interpretiert die Zeichen, die man
dabei erhält, durch das Kokusnußorakel.

Moyuba (Gebet) für Elegua


“Eshú Eleguá oga gbogbo na mirin ita algbana baba mi mulo na buruku nitosi li
choncho kuelu kuikuo oki cosi ofo, cosi eyo, cosi ku, kosi ano ni oruko mi gbogbo
omonilé fu kuikuo oducue, baba mi Elegua”
“Herr der vier Ecken, Leiter des Weges, mein Vater, nimm alles Böse um den Weg in
Gesundheit zu gehen, es soll keine Kranken geben, es soll keinen Verlust geben, es
soll keine Revolution geben, es soll niemand sterben. Im Namen aller Kinder des
Hauses danke ich Euch, Vater Elegua”.

Moyuba (Gebet) für Shango


“Babami Shangó ikawo ilemu fumi alaya tilancha-ni nitosi ki ke gbamu mi re oro
niglati wa ibinu ki kigbo ni na orin atin gbogbo omo niyin gbodo wi kuelu kuiko bera
nitosi dilowo ikawo kaweile mi iwo tagbe baba mi ki awa na kue ni okan nitosi kunle
ni iwayu ni re eleso ati wi Shangó alamu oba layo ni ne ele ogbeomi”.
„Mein Vater, Gott des Donners, überwache mein Haus, errette mich damit Dein Zorn
mich nicht trifft wenn Du erzürnt bist, wenn Du im Himmel grollst. Alle Deine Kinder
hier auf Erden sagen mit größtem Respekt: überwache mein Haus. Vater, ich rufe
dich inbrünstig, knie Dir zu Füßen und sage: Barmherziger Gott des Donners, König,
erfreue Dich auf Erden, beschütze mich“.

Moyuba (Gebet) für Obatala


“Orishanal okenrin ati obinrini laiye eleda ni gbogbo na daradara ati burukú oba ati
ayaba afin oga ni na tala ati gbogbo ne cheche baba alyiye alabo mi ati mi gbogbo
ne ejun daradara, baba wa afin alano kekua badami odukue”
Großer Heiliger, Mann und Frau, Schöpfer der Welt aller Guten, Gesunden und
Schlechten, König und Königin, Albino, Herr über Reinheit und Gerechtigkeit, großer

122
Vater und Beschützer von mir und von allen guten und gesunden Dingen.
Barmherziger Albino Vater. Es lebe mein Vater. Danke.”

Moyuba (Gebet) für Yemaya


“Yemaya orisha obinrin dudu kuele re maye abaya mi re oyu ayaba ano rigba oki mi
iya mayelé, oga ni gbogbo okum yeye omo eya lojun oyina ni re ta gbodo ojun nibe
iwo ni re olowo nitosi re omo terida odukue iya mi”
„Heilige schwarze Frau mit sieben Streifen im Gesicht, wahrsagende Königin, erhalte
unseren Gruß. Mutter Herrin über das Meer, dort unten am Meeresgrund ist dein
Thron, dort hast du deine Reichtümer für deinen gehorsamen Sohn. Danke meine
Mutter“

Moyuba (Gebet) für Orula


Iba baba, iba yeye, iba oluwo
Iba ojugbona, Ia atiyo ojo, Iba atiwo Orun
Iba Olodumare oba a terere kaye
Iba Orunmila eleri ipin
Iba Irunmole oju kotun
Iba igbamole oju kosi
Iba a koda, Iba a seda
Iba gbogbo awo
!! Iba Ase o !!

Vers zur Begrüßung Ifas


Adaa susu awo won lode Ajirikin
Adifa fun won lode Ajirikin
Oniti won batiji ki won amaamu oju bakin
Ifa aji amojubakin loni o
Manmanje oju wa kofo etc.
Adaba susu awo won lode Ajirikin

Adaba susu, der Priester der Stadt der Menschen


der aufsteht um Ifa zu grüßen
er machte Divination für die Menschen die aufstehen um Ifa zu grüßen
Er sagte, dass sie jedesmal wenn sie aufstehen Ifa grüßen sollten
Ifa, wir stehen heute auf und grüßen dich
Lass uns nicht blind werden; oder etwas schlechtes passieren
Adaba susu der Priester der Stadt der aufsteht um Ifa zu grüßen.
Ehrfurcht vor dem Vater, Ehrfurcht vor der Mutter
Ehrfurcht vor Aluwo, Ehrfurcht von Ojugbona
Ehrfurcht vor dem Sonnenaufgang, Ehrfurcht beim Eintritt der Sonne
Ehrfurcht vor Gott, dem Herrscher der Welt
Ehrfurcht vor Orunmila, dem Zeugen der Schöpfung
Ehrfurcht vor den vierhundert und ein (401) guten Geistern der rechten Hand
Ehrfurcht vor den zweihundert und ein (201) bösen Geistern der linken Hand
Ehrfurcht vor Akoda. Ehrfurcht vor Aseda. Ehrfurcht vor allen Priestern. So soll es
geschehen!

Außer durch Moyubas werden die Heiligen bei den Ritualen auch mit Liedern geehrt,
darunter folgende:

123
Lied für Shango
Egue mirele elube o ma unyo Moe jeremeye
Eguegue mio ma unyo Oje moe jeremeje
Shango coguayeo ma unyo Oje agguco moe jeremeye
Emeso obbalubbe caye dedso Cuenteco moe jeremeye
Moe jeremeye Emeso obbalubbe aladdoso
Emeso obbalubbe aladdoso

Lied für Eleggua


Ibbarabbo abbo moyubbara Asokere kere meye
Ibbarabbo aggo moyubbara Alaroye kila boche
Omodde conico chibbarabbo Alaroya kila boche
Aggo moyubara OBBA. Oggun la topan locuo
Eleggua Echu olona CHOR. Abukenke abukenke
OBBA: Ogun la topan locuo
Ichonchon abbe CHOR: Abukenke abukenke
Ichonchon abbe OBBA: Unyolo barayola uncuele
Oddara coro culeyo baba chemi CHOR: Alaroye uncuele
Ichonchon abbe OBBA: A la ilua unyolo
Oddara coro culeyo baba chemi CHOR: Barayola uncuele

Lied für Obatala


Baba fururu erero Eguagua loro leseca
Okeñe leyiguo Eguagua loro leseca
Eleri Ifa obbatiguasaguo Barubo baba
Eyiborele guatibao Baba barubo lonin sorisa
Enu aya yagualo Borubbo baba
Eguagua loro leseca Baba barubo lonin sorisa

Lied für Yemaya


Sorisare mi ologuo Yemaya oro bini laye
Sorisare mi ologuo Yemaya
Omologguo aki Yemaya Egue gousi acuta
Sorisare mi ologuo Cuelese ke ochun
Omologuo a la bamboche Yemaya oro bini laye
Yemaya oro bi laye
Agua sekun oni Yemaya Yemaya
Iya meo sekun oni Yemaya Egue guosi acuta
Agua sekun oni Yemaya Cuelese ke ochun
Yemaya sekun a la bamboche Yemaya oro bini laye
Mambi oddara
Yemaya oro bini laye Yemaya fumi ologuo
Yemaya

124
Lied für Orula
Aunco Orula Ofekeye teo luo seraguo
Laka laka labose Orunmila
Ifa ounco orula Eniki lagua seraguo
Laka laka labose aguo Orunmila
Manyele kunfele ifa iriki Eniki lagua seraguo
Yoco bioco bi ayaraguo Manyele kunfele ifa eniki
Yoco bioco bi ayaraguo Manyele kunfele ifa eniki

Lied für Ochun


Yeye bito bito suo Beronia bembe osun
Yeye bito bito suo Beronia bembereta
Tani macua arumborele Iya yuma baggararera
Arubo yeye masocuo Beronia bembereta
Yeye tani macua aruborele Beronia bembe osun
Ouro guere guere Beronia bembereta
Guere ouro Iya yuma baggararera
Addale coyou Beronia bembereta
Ouro guere guere Abbembe osun
Guere ouro Bemberele abbo
Baggedde fomo loguo Abbembe osun
Ouro guere guere guere Bembere abbo, Abbembe osun
Beronia bembe osun Bemberele abbo
Beronia bembereta Abbembe osun

Lied für Oggun


Oggundere arere
Ile bombo locua
Oggun guanile
CHOR: Achohueye oggunde
OBBA: Oggun ocha cobbaile
CHOR: Achogueye oggunde

Lied für Ochosi


Ochosi babayi lodda Yambele ke iguoro
Omolorde Oddemata colona
Egue icoco coco guaye
Semene socuta (Chor wiederholt) OBBA: Yagun oke ere mose
Abbata yena ko
Yambele ke iguoro CHOR: Eusi bamba carere
Oddemata colona
Yiri yiri
Oddemata ore ore

Moyuba oder Gebet für Ori


Adewinbi lawo jingin ariki

125
Emina lawo jingindinrin ariyo
Babalawo ori lodifa fun Ori
Orisun kun pe ohun koleyin
Won ni toba ni eyin tan nko
Ori ni ohun omaafin sanyan ni
Wipe gbogbo eniti ohun basitifisan
Ire gbogbo omaade funwon
Ori losan Oya, Oya, doni le ni Ira
Ori losan Shango, Shango doni le ni koso
Ori losan Obatala, Obatala doni le ni ifon
Ori losan Orunmila, Orunmila doni le loke lgeti
Ori sanmi kin dade owo
Ori sanmi kin tepa ileke
Ori sanmi kingbe ese lo obinrin kinsebi oba
Orunmilani a tete daye koni agba
Eniti aya ba san ni komaa je baba

Adewinbi, es ist der Priester, der beim Aufstehen gegrüßt wird


Ich bin der Priester, bei dem sich die Menschen freuen, wenn sie mich sehen
Priester von Ori machten Divination für Ori
Ori weinte weil er keine Zähne hatte
Man fragte ihn, was er mit den Zähnen machen würde, wenn er sie hätte
Ori sagte, er würde den Menschen gefällig sein
Allen denen er gefällig wäre, würden reich werden
Ori war Oya gefällig, Oya wurde Herrin von Ira
Ori war Shango gefällig, Shango wurde Herr von Koso
Ori war Obatala gefällig, Obatala wurde Herr von Ifo
Ori war Orunmila gefällig, Orunmila wurde Herr von Oke Igeti
Ori ist mir gefällig damit ich Reichtum erhalte
Ori ist mir gefällig damit ich den Stab der Kugeln benutzen kann
Ori ist mir gefällig damit ich mit den Frauen alles machen kann was ich möchte
wie es der König macht
Das Alter bestimmt nicht den Führer, der Führer wird durch eine Person bestimmt,
der ihr Ori gefällig ist.

Moyuba beim Werfen der Muscheln


Bei der Ausübung des Divinationsrituals mit dem Orakel der Muscheln wird folgender
Moyuba vor dem Werfen der Muscheln aufgesagt:

Iba iyami
Iba ile ogere
Otun awo laba
Osi awo lase
Owo osi lokete finjuba ile
Ti ile fingbonti onwi
Iba atiwaye ojo
Iba atiwo oorun
Tadie bamuni ajuba olorun

Die deutsche Übersetzung lautet wie folgt:

126
Ehrerbietung den Älteren
Ehrerbietung der Erde
Rechts wünscht der Priester etwas
Links führt es der Priester durch
Die Baumratte verbeugt sich vor der Erde
Mit der linken Hand
Damit die Erde ihn hört
Ehrerbietung dem Sonnenaufgang
Ave der Ehrerbietung für Olodumare
Nachdem das Wasser getrunken wurde

Als Teil meiner praktischen Erfahrung halte ich es für wichtig und angebracht, meine
Aufzeichnungen über das Orakel der Muscheln, die ich anläßlich einer Unterhaltung
mit einem Priester von Ocha in Oya (Nigeria) niederschrieb, an dieser Stelle
einzubinden. In der Santeria wird das Orakel der Muscheln vor allem in Kuba auch
„Diloggun“ genannt, in Afrika heißt es „Merin Dinloggun“, dies bedeutet in der
Sprache der Yoruba „Sechzehn“, weil 16 Muscheln oder Kauries genutzt werden.
Wie Sie sich erinnern werden, bin ich als Santero nur befugt, 12 Ordduns oder
Zeichen zu lesen. Die Anordnung und die Bezeichnung der Orddun ( Zeichen,
Zahlen oder Buchstaben) hängt davon ab, wie viele der zwölf Muscheln mit der
Öffnung nach oben fallen: (1) Okanran, (2) Ejioko, (3) Ogunda, (4) Irosun, (5) Ose,
(6) Obara, (7) Odi, (8) Ejiogbe, (9) Osa-O-Otura, (10) Ofun-O-Orangun, (11) Owonrin
und (12) Ejilasebora-O-Iwori.

Was die Bedeutung jedes Orddun oder Zeichens betrifft, habe ich folgendes notiert:
(1) Okanran. Wenn man dieses Zeichen erhält, lautet die Aussage des Orishas,
dass der Ratsuchende Ebbo bringen muss um ein langes und ausgeglichenes
Leben zu erhalten. Der Ratsuchende ist verängstigt und besorgt, er muß dies
aber nicht sein, er sollte Mut schöpfen , denn er wird über sich hinauswachsen
und seine Feinde besiegen.
(2) Ejioko. Dieses Zeichen befiehlt, den Ibeyis Essen zu reichen. Wenn der
Ratsuchende eine Frau ist, wird ihr vorhergesagt, dass sie Jimagua-Kinder
(Zwillinge) bekommt. Wenn zwei Brüder oder zwei Freunde Rat suchen,
empfiehlt das Zeichen, sich gegenseitig Verständnis entgegenzubringen, dann
führen beide ein gutes Leben. Wenn es sich um ein Paar handelt, sollten sie
nicht streiten und Eshu Nahrung anbieten. Es wird auch angezeigt, dass der
Ratsuchende Probleme hat. Aber er muß sich nicht sorgen, wenn er
Opfergaben bringt, wird er wohlhabend.
(3) Ogunda. Bei diesem Zeichen muß der Ratsuchende, wenn er eine Reise
unternehmen oder etwas verwirklichen will, Oggun Nahrung anbieten, damit er
ihm nach Beendigung der Reise oder bei seinen Vorhaben Glück bringen
möge. Wenn der Ratsuchende ein Mann ist, der eine Partnerin hat, darf er
nicht mit ihr streiten, er muß sie respektvoll behandeln und sollte sich nicht
Wichtigtun.
(4) Irosun. Für denjenigen, der dieses Zeichen erhält, gibt es keine Rast, er muß
den Anordnungen des Orishas folgen und Ebbo bringen. Wenn es sich um
einen Dunkelhäutigen handelt, sollte er keine Hellhäutige heiraten und
umgekehrt, so werden Streitigkeiten zwischen beiden vermieden. Er sollte
sich nicht verschulden, um die Schulden zurückzahlen zu können ist es

127
erforderlich, Shango Nahrung zu geben. Zwei Freunde oder Brüder müssen
Ebbo bringen, so erreichen sie Wohlstand.
(5) Ose. Bei diesem Zeichen muß der Ratsuchende Ochun ein Huhn opfern,
dessen Beine mit einem Strick zusammengebunden sind. Er muß vor allem
darauf achten, nicht bestohlen zu werden. Wenn er eine Reise unternehmen
möchte, muß er Ebbo bringen, damit sich ihm keine Hindernisse in den Weg
stellen. Ochun wird seine Feinde besiegen, er muß sich der Göttin sehr
nähern, dann beschützt sie ihn und gibt ihm Wohlstand. Laut dem Orisha
endet das Leid des Ratsuchenden bald, allerdings muß er den Vorfahren
Nahrung geben, dann bekommt er Wohlstand. Er sollte mit niemand streiten
und muß Ifa, d.h. Orunmila, eine Ziege opfern.
(6) Obara. Dieses Zeichen bedeutet, dass eine Frau, die sechs Kinder hat, Ebbo
bringen muß um zu verhindern, dass drei der Kinder sterben. Der Orisha wird
dann nicht zulassen, dass sie krank werden und leiden. Wenn der
Ratsuchende krank ist, muß er Ebbo bringen, um wieder gesund zu werden.
Der Orisha sagt aus, dass der Ratsuchende sein Glück finden wird, allerdings
muss er Diskretion wahren, denn es wird ihm ein Geheimnis anvertraut, das er
niemandem weitererzählen darf. Davon hängt sein Wohlstand ab, denn das
Geheimnis, das er bewahrt, wird ihn reich machen. Laut dem Orisha endet
das Glück, wenn der Ratsuchende kein Ebbo bringt.
(7) Odi. Das Paar ist zerstritten, sollte dies noch nicht der Fall sein, müssen sie
jeglichem Streit ausweichen. Wenn der Ratsuchende eine Frau ist, trägt sie
sich mit dem Gedanken, ihren Mann zu verlassen. Sollte dies bereits
geschehen sein, muß sie zu ihrem Mann zurückkehren, um ihren inneren
Frieden wiederzufinden. Der Orisha wird die Traurigkeit beenden und das
Licht der Freude entfachen. Ein Licht muß neben Obatala angezündet werden
und muß bis bis zum nächsten Tag oder bis es von selbst ausgeht, brennen.
Der Orisha wird den Ratsuchenden nicht sterben lassen, er erhält Ehre wenn
er Opfergaben bringt. Wer den Vater oder die Arbeit verlassen hat, muß
wieder zurückkehren, dann wird alles besser. Wenn man den Orisha
vernachlässigte, muß man ihm Aufmerksamkeit schenken, um Wohlstand zu
erreichen.
(8) Ejiogbe. Derjenige, der dieses Zeichen erhält, hat über sich selbst keine gute
Meinung. Aber um im Leben erfolgreich zu sein muß man Selbstvertrauen
haben. Er muß Ebbo bringen und die Rogation des Kopfes durchführen. Er
wird eine bedeutende Persönlichkeit und viele Menschen führen. Der
Ratsuchende ist unsicher, er macht sich viele Sorgen, er sollte Ruhe
bewahren, denn Sicherheit und Wohlstand werden in sein Leben einkehren.
Er ist von Feinden umringt und muß Ebbo bringen, damit er diese Feinde, die
ihm voller Neid begegnen, besiegen kann. Es wird empfohlen, den Vorfahren
Nahrung anzubieten. Laut dem Orisha befindet sich eine Frau, die leidet, im
Haus, sie möchte ihren Mann verlassen. Dies sollte sie nicht tun, denn im
Haus ist ihr Glück. Beide müssen Ebbo bringen, dann werden sie gute Kinder
bekommen.
(9) Osa-O-Otura. Der Orisha sagt, dass es vier Personen gibt, die Probleme
haben. Eine ist vielleicht schwanger oder konnte nicht gebären oder nicht
schwanger werden. Eine andere liegt krank im Bett, eine weitere hat
Probleme in der Arbeit und die vierte ist verwirrt und ratlos. Alle vier müssen
Ebbo bringen um ihre Probleme zu lösen und die bösen Geister zu vertreiben.
Falls jemand eine Reise unternehmen möchte, muß dem Trommler des
Bembe etwas geben, damit die Reise positiv verläuft. Wenn er etwas Neues

128
beginnen möchte, muß er, um erfolgreich zu sein, Shango Nahrung anbieten.
Laut dem Orisha muß man einem Freund oder Freundin gegenüber äußerst
vorsichtig sein, denn es droht Verrat. Wenn der Freund den Ratsuchenden
bittet, ihn an einen Ort zu begleiten, darf er dies nicht tun, denn es droht der
Tod. Der Ratsuchende sollte sich einige Tage lang nicht mit seinem Freund
treffen.
(10) Ofun. Bei diesem Zeichen muß der Ratsuchende eine Opfergabe bringen um
diejenigen zu besiegen, die sich gegen ihn verbündet haben. Wenn man
vorhat, ihn in der Arbeit zu entlassen, muss er ein Ebbo machen, dann wird er
wieder eingestellt. Wenn er bedrängt wird, wird er durch die Opfergabe
siegreich aus dieser Situation herauskommen. Laut dem Orisha wird der
Ratsuchende bedeutend und reich werden, viele Menschen benötigen seine
Unterstützung. Er muß Aje, der Göttin des Reichtums, und Obatala Nahrung
anbieten. Es wird auch gesagt, dass eine Frau, die unfruchtbar ist,
Opfergaben bringen muß, um Kinder zu bekommen.
(11) Oworin. In diesem Zeichen steht, dass zwei Freunde Rogation des Kopfes
durchführen sollten um im Leben erfolgreich zu sein und reich zu werden.
Derjenige, der dieses Zeichen erhält, hat das Glück auf seiner Seite, er erhält
einen Standplatz auf einem Markt oder wird etwas Eigenes aufbauen und
viele Menschen einstellen. Laut dem Orisha ist der Ratsuchende von Feinden
umringt. Er muß Opfergaben bringen um diese Feinde zu besiegen und
Menschen finden, die ihm helfen. Er muß auf das, was er sagt, achten, um
sich nicht in Schwierigkeiten zu bringen. Ältere und Jüngere müssen mit
Respekt behandelt werden und er sollte keine unanständigen Wörter
benutzen, dann wird ihm ein langes Leben geschenkt. Er soll sich anständig
benehmen, niemand verachten und die Menschen so behandeln, wie er selbst
behandelt werden möchte.
(12) Ejilaasbora-O-Iwori. Bei diesem Zeichen wird dem Ratsuchenden weltweiter
Ruhm und viele Anhänger, die ihm folgen, vorausgesagt. Der Orisha
beschützt ihn immer. Er muß Opfergaben bringen, damit ihn seine Anhänger
nicht verlassen. Wenn der Ratsuchende alles stehts richtig macht, wird er sehr
reich. Er sollte immer ehrlich sein, dann wird er alles, was er sich wünscht im
Leben erreichen. Sollte der Ratsuchende eine Reise planen, muß er
Opfergaben bringen und sich dann auf die Reise, die erfolgreich verlaufen
wird, begeben. Wenn er etwas Beginnen möchte, sollte er es durchführen,
denn der Erfolg ist auf seiner Seite. Viele Menschen sind neidisch und
versuchen ihm Steine in den Weg zu legen. Er sollte Opfergaben bringen,
dann siegt er und alles wird positiv verlaufen.

Purifikationsbäder
In der Santeria sind Purifikationsbäder von höchster Bedeutung, sie dienen zur
Purifikation der Aura und geben seelischen Frieden. Sie entfernen schlechte
Einflüsse, bringen Glück und verändern in gewisser Weise die dunklen Seiten des
Schicksals.

Zur Enfernung böser Geister


Zutaten:
- ein Kübel Flußwasser
- ein halber Liter Weihwasser (aus der katholischen Kirche)

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- eine Handvoll Basilikum
- etwas Parfüm
Vorbereitung und Anwendung: Den Basilikum pressen, um so den Saft zu erhalten,
anschließend alle Zutaten zusammenfügen und gut mischen. In dieser Flüssigkeit
badet man den ganzen Körper. Nach dem Bad läßt man die Flüssigkeit am Körper
von selbst trocknen. Abschließend empfehle ich sich ganz in Weiß zu kleiden und
auszuruhen. Dieses Bad muß an fünf aneinanderfolgenden Tagen angewandt
werden.

Um alles Böse aus dem Körper zu entfernen


Zutaten
- das Fruchtfleich einer Kokusnuss
- Flußwasser
- Ein Liter Ziegenmilch
- Weihwasser
- Eine kleine Kugel Kakaobutter
- Eine kleine Kugel Kaskarillrinde
- Etwas Parfüm
Vorbereitung und Anwendung: Das Fruchtfleisch der Kokusnuss wird geraspelt und
mit dem Flußwasser in einem Behälter vermischt. Diese Mischung läßt man eine
Nacht über im Freien. Am folgenden Tag werden alle Zutaten solange gemischt, bis
sie sich völlig auflösen. Anschließend badet man und läßt die Flüssigkeit am Körper
von selbst trocken. Nach dem Bad hat sich die Person weiß zu kleiden. Die Wirkung
dieses Bades ist ausgezeichnet.

Glücksbad, 1
Zutaten
- Ein Liter Flußwasser
- Salat- und Petersilienblätter
- Weihwasser
- Etwas Kölnisch Wasser
Vorbereitung und Anwendung: Der Salat und die Petersilie pressen, um so Saft zu
erhalten. Dieser wird mit den übrigen Zutaten vermischt. Man badet ebenso wie bei
der vorherigen Anwendung. Auch diese Anwendung ist fünf Tage lang
durchzuführen.

Glücksbad, 2
Zutaten
- Ein Kürbis
- Ein Liter Flußwasser
- Ein Glas Honig
- Ein Heftchen Zimt
- Ein halber Liter Weihwasser
- Saft von fünf süßen Orangen
- Etwas Parfüm
Vorbereitung und Anwendung: Den Kürbis schälen und ihn in wenig Wasser zum
Kochen bringen. Wenn das Wasser kocht die übrigen Zutaten hinzufügen. Das Bad
wird ebenso angewandt wie die oben beschriebenen. Anschließend muß man sich
weiß kleiden und die Bäder fünf Tage lang anwenden.
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Glücksbad, 3
Zutaten
- Eine volle Handvoll Petersilie
- Eine Handvoll Polenta
- Drei Gläser Zuckerrohrschnaps
- Ein Heftchen Zimt
- Ein Glas Bienenhonig
- Ein Kübel Flußwasser
Vorbereitung und Anwendung: Die Petersilie zermahlen. Den erhaltenen Saft mit
den übrigen Zutaten vermischen und das Bad fünf Tage lang anwenden.

Gesundheitsbad, 1
Zutaten
- Fünf Tassen Ziegenmilch
- Fünf Tassen Kuhmilch
- Fünf Kugeln Kaskarillrinde
- Eine Kugel Kakaobutter
- Eine Tasse Bienenhonig
- Etwas Parfüm
Vorbereitung und Anwendung: Alle Zutaten gut vermischen und das Bad drei bis
fünf Tage lang anwenden. Das Bad muß täglich mit frischen Zutaten zubereitet
werden. Bei der Anwendung Obatala um Gesundheit bitten, denn diese Bäder sind
bekannt als die Gesundheitsbäder von Obatala.

Gesundheitsbad, 2
Zutaten
- Drei Handvoll blühendes Basillienkraut
- Vier Tassen Ziegenmilch
- Acht Eiweiß
- Eine Kugel Kaskarillrinde
- Eine Kugel Kakaobutter
- Etwas Parfüm
- Flußwasser
Vorbereitung und Anwendung: Das Basillienkraut auspressen. Den erhaltenen Saft
solange mit den übrigen Zutaten vermischen bis auch die Kaskarillrinde und die
Kakaobutter völlig aufgelöst sind. Anschließend den ganzen Körper in der Flüssigkeit
baden, ausruhen und entspannen.

Bad von Obatala für innere Ruhe


Zutaten
- Ein Kübel Flußwasser
- Acht Tassen Reiswasser
- Acht Eiweiß

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- Weihwasser
- Etwas Parfüm
Vorbereitung und Anwendung: Alle Zutaten gut vermischen und während des Bades
zu Obatala beten.

Bad von Ochun um das Glück anzuziehen


Zutaten
- Eine Tasse Polenta
- Eine kleine Tasse Bienenhonig
- Eine Tüte Zimt
- Wasser
Vorbereitung und Anwendung: Polenta, Honig und Zimt so lange vermischen, bis sie
einen Teig bilden, aus dem fünf Kugeln geformt werden. Diese Kugeln legt man fünf
Tage lang über das Bildnis Ochuns und führt täglich das Ritual „dem Heiligen
(Ochun) Kokusnuß geben“ durch. Am fünften Tag werden die Kugeln in dem Wasser
aufgelöst und man badet darin. Nach der Anwendung des Bades von Ochun kann
man in normalem Wasser baden.

Bad von Ochun um Glück in der Liebe zu haben


Zutaten
- Eine Handvoll Farnkraut
- Eine Handvoll Oregano
- Zitronengras
- Eine Handvoll Petersilie
- Eine Handvoll Orosun
- Ein Glas Bienenhonig
- Ein Glas Zuckerrohrschnaps
- Eine Tüte Zimt
- Flußwasser
Zubereitung und Anwendung: Die Kräuter, die frisch sein müssen, auspressen. Den
erhaltene Saft mit den übrigen Zutaten vermischen. In dieser Flüssigkeit baden.
Während des Bades muß man zu Ochun beten, um Glück in der Liebe zu haben.
Dieses Bad muß fünf Tage lang angewandt werden.

Wie bereits erwähnt, bestimmt das Muschelorakel, welches Bad der


Ratsuchende anwenden soll. Wenn sich z.B. das Zeichen 1, Ocana, ergibt, empfehle
ich folgendes Bad:

Bad um Erfolg zu haben und das Böse abzuwenden


Zutaten
- Ein Kübel Wasser
- 16 Blätter der Strohblume
- Ein Eiweiß
- Eine Kugel Kaskarillrinde
- Etwas Parfüm

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- Fünf Eßlöffel Bienenhonig
- Ein Teelöffel gemahlener Zimt
- 16 Teelöffel Wasser des ersten Wolkenbruchs im Mai
Zubereitung und Anwendung: Die Strohblume zermahlen um den Saft zu erhalten,
der mit den anderen Zutaten so lange vermischt wird, bis alles völlig aufgelöst ist.
Der Ratsuchende badet zunächst normal und anschließend in der vorbereiteten
Mischung und läßt die Flüssigkeit am Körper trocknen. Anschließend kann er sich mit
frischem Wasser abwaschen.

Wenn sich das Zeichen 10, Ofun, ergibt, empfehle ich folgendes Bad:

Bad von Ofun


Zutaten
- Saft aus Granatapfelblättern
- Ein Kübel Flußwasser
- Eine Tasse Ziegenmilch
- Eine Kugel Kakaobutter
- Eine Kugel Kaskarillrinde
- Ein Löffel Asche
Zubereitung und Anwendung: Alle Zutaten gut vermischen, anschließend in dieser
Mischung baden und hierbei Kokusnußseife und ein Stück Stoff verwenden. Sich
anschließend mit dem übrigen Wasser abwaschen. Abschließend wäscht man sich
mit frischem Wasser ab und kleidet sich weiß.

Wenn sich das Zeichen 3, Oggunda, ergibt, empfehle ich folgendes Bad:

Bad um Glück zu haben und Unglück fernzuhalten


Zutaten
- Ein Kübel Wasser
- Saft der Blätter des Kapokbaumes
- Saft eines Granatapfels
- Ein Glas Weihwasser
- Etwas Parfüm
Zubereitung und Anwendung: Alle Zutaten gut vermischen, anschließend in dieser
Mischung baden und den Körper an der Luft trocknen lassen.

Wenn sich das Zeichen 14 , Merinla, ergibt, empfehle ich folgendes Bad:

Bad um den Tod fernzuhalten


Zutaten
- Ein Kübel Brunnenwasser
- Eine Tasse Wasser des ersten Wolkenbruchs im Mai
- Blätter der grünen Baumwolle
- Blätter der weißen Engelstrompete
- Eine Tasse Ziegenmilch
- Eine Tasse Kuhmilch
- Eine Kugel Kaskarillrinde
- Eine Kugel Kakaobutter
- Eine Tasse Weihwasser
- Etwas Parfüm

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Zubereitung und Anwendung: Die Blätter der Baumwolle und der Engelstrompete
zerstampfen, den Saft mit den weiteren Zutaten solange vermischen, bis alles völlig
aufgelöst ist. In der Mischung mit einem Stück Stoff und Kokusnußseife von Kopf bis
bis Fuß baden bis der gesamte Inhalt des Kübels aufgebraucht ist. Anschließend
badet man in frischem Wasser und kleidet sich sieben Tage lang weiß.

Abschließend möchte ich noch anführen, dass die Minze und der Oregano, die bei
den Bädern benutzt werden, zwei Kräuter sind, die eine großartige Wirkung haben,
vor allem, um Glück und Erfolg anzuziehen. Diese Kräuter werden zerstampft und ihr
Saft wird mit Zuckerrohrschnaps und Bienenhonig vermischt. Diese Mischung wird in
Wasser aufgelöst und darin gebadet. Es gibt sehr viele Rezepte für Bäder zur
Purifikation und inneren Ruhe. Alle aufzuzeichnen würde den Rahmen dieses
Kapitels sprengen, deshalb habe ich hier nur diejenigen aufgezeichnet, die ich am
häufigsten empfehle.

Rezepte der Santeria


In der Santeria glauben wir fest daran, dass die Heiligen uns beschützen und helfen
wenn wir uns an sie wenden. Um diesen Schutz und diese Hilfe zu bekommen,
müssen wir alles, was sie anordnen, ausführen. Die Heiligen zeigen uns auf, wie wir
unsere Probleme lösen können. Viele dieser Anordnungen sind in Rezepten
enthalten, durch deren Anwendung sich unsere Wünsche verwirklichen können.

Gesundheitsrezepte
Rezept Nr. 1
Eine trockene Kokusnuß wird mit Kaskarillrinde bemalt, anschließend mit
Kakaobutter bestrichen und auf einen weißen Teller gelegt. Auf dem oberen Teil der
Kokusnuß wird eine Kerze angebracht. Sieben Tage lang zündet man immer zur
gleichen Zeit die Kerze an, betet zu Elegua und bittet ihn, dass er einem Kranken
Gesundheit schenken möge. Nach Ablauf der sieben Tagen bringt man die
Kokusnuß auf den Friedhof.

Rezept Nr. 2
Sieben Guinea-Huhn-Eier werden mit Corojo-Butter, Bienenhonig, Kaskarillrinde,
Anisschnaps und Tabakrauch eingerieben. Die sieben Eier werden vor Ochosi
gelegt. Man läßt täglich ein Ei über den ganzen Körper gleiten und legt es auf einen
Teller. Am siebten Tag, nachdem man alle Eier verwendet hat, wickelt man sie in ein
blaues Tuch und läßt sie zu Füßen eines trockenen Baumes im Wald.

Rezept Nr. 3
Eine Mischung aus geräuchertem Fisch, geräucherter Baumratte, Corojo-Butter,
Bienenhonig, Kakaobutter, Kaskarillrinde, Zuckerrohrmelasse, Zuckerrohrschnaps,
trockenem Wein und sieben kleinen Heringen wird in ein langes Stück
Schweinespeck gewickelt und bis zum nächsten Tag über Babalu Aye gelegt. Am
Nachmittag streicht man sich zu Füßen Babalu-Ayes mit der Packung über den
ganzen Körper und bittet um Gesundheit. Anschließend wird alles in einen Jutesack
gepackt, in den Wald gebracht und dort vergraben.

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Rezepte für Glück und Liebe
Rezept Nr. 1
Eine trockene Kokusnuß teilen, eine Hälfte mit Bienenhonig und die andere Hälfe mit
Zuckerrohrschnaps füllen. Beide Hälften mit ihrem Inhalt vor Eleggua oder hinter die
Haupteingangstüre stellen. Eleggua darum bitten, dass uns das Glück begleiten soll
und dies drei Tage lang wiederholen. Nach Beendigung des Rituals werden die
Kokusnüsse in den Fluß geworfen.

Rezept Nr. 2
Fünf Haare der geliebten Person mit fünf eigenen Haaren verknüpfen, daraus ein
Kreuz formen und in einen Lehmtopf mit vier verschiedenen Erdsorten stecken. In
den Topf einen Rautensprößling im Namen Ochuns säen und zu ihr beten. So wie
die Raute in dem Topf wächst, so wächst auch die Liebe des geliebten Menschen zu
demjenigen, der das Ritual ausführt.

Rezept Nr. 3
Man nimmt einen Kürbis und schneidet ein kleines Stück heraus, um den Samen gut
entfernen zu können. In den Kürbis steckt man folgendes: ein Stück Papier mit dem
Namen der geliebten Person, fünf Nähnadeln, fünf Guinea-Paprika, einige Tropfen
rote Flüssigkeit, einige Tropfen gelbe Flüssigkeit, fünf Stückchen Kapokbaumrinde,
eine Handvoll gerösteten Mais, Weihwasser, Bienenhonig, Zuckerrohrschnaps,
jeweils ein Teelöffel Salz, Zitronensaft und Essig, geräucherten Fisch, geräucherte
Baumratte und möglichst ein Foto der geliebten Person.
Nachdem man alle Zutaten in den Kürbis gesteckt hat wird er mit dem Stück, das
man herausgeschnitten hatte, wieder mit den Nadeln oder Stecknadeln gut
verschlossen. Man stellt ihn auf einem Teller vor Ochun, dort bleibt er 25 Tage. An
jedem Tag wird zur gleichen Uhrzeit eine Kerze, die auf dem Kürbis angebracht ist,
angezündet und Ochun darum gebeten, dass die geliebte Person einem Zuneigung
entgegenbringen möge. Nach 25 Tagen wird der Kürbis in den Fluß geworfen.

Rezepte um sich von einem Feind zu befreien


Rezept Nr. 1
Man legt eine Kokusnuß hinter die Tür die zur Straße führt. Auf der Kokusnuß
befestigt man eine Kerze. Sieben Tage lang zündet man die Kerze um Mitternacht an
und bittet Eshu Laguama, einen von dem Feind, dessen Namen genannt wird, zu
befreien. Nach sieben Tagen bringt man die Kokusnuß zu einer Straßenkreuzung.

Rezept Nr. 2
Auf ein Stück Pappe schreibt man neunmal den Namen des Feindes, verbrennt es
anschließend und legt die Asche mit Blättern der Wunderblume, sieben Guinea-
Paprika, einigen Tropfen roter Flüssigkeit, einigen Tropfen gelber Flüssigkeit und
sieben gerösteten Maiskörnern in einen Mörser. Vor Ochosi werden alle Zutaten
zerstampft. Das Pulver, das man erhält, steckt man in einen Umschlag, den man in
Ochosis Schüssel legt. Hier bleibt es sieben Tage lang. Anschließend wird das
Pulver auf der Straße in die Luft geblasen.

Rezept Nr. 3
Vier hartgekochte Eier werden mit der Schale in einer Mischung aus Kakaobutter,
Mandelöl und Balsam vermengt und anschließend in ein Stück Baumwolle gepackt.
Man bringt diese Packung auf das Land und legt sie zu Füssen eines großen
135
Baumes, vorzugsweise eines Kapokbaums oder einer Eiche. Man betet zu Obatala
und bittet um seinen Beistand um Kontrolle über den Feind zu haben.

Rezepte um Fortschritt und Erfolg zu erreichen


Rezept Nr. 1
Aus einer Melone wird ein kleines Viereck herausgeschnitten, das Loch darf nicht
sehr tief sein. Man schreibt auf ein Stück Papier, worin man erfolgreich sein möchte.
Dieses Papier wird in das Loch der Melone gesteckt, die anschließend mit dem
herausgeschnittenen Viereck wieder verschlossen wird. Die Melone wird drei Tage
lang mit zwei großen angezündeten Kerzen vor Oggun gestellt. Nach Ablauf der Zeit
wird die Melone auf das Land gebracht oder auf die Eisenbahnschienen gelegt.

Rezept Nr. 2
Man legt fünf Anisäste, ein Stück Palo abre camino, einen Kopf getrocknete Guinea
und eine Kugel Kaskarillrinde in einen Mörser und zerstampft die Zutaten vor Ochun
solange, bis man ein Pulver erhält. Dieses wird in einem Umschlag unter Ochuns
Schüssel gelegt, wo es fünf Tage lang bleibt. Anschließend entfernt man das Pulver
und bläst es am Arbeitsplatz in drei Atemzügen in die Luft.

Rezept Nr. 3
In einen Tontopf legt man sieben Granatäpfel, die jeweils in zwei Hälften geteilt sind.
Auf jede Hälfte legt man eine Guinea-Paprika, braunen Zucker, geräucherten Fisch,
geräucherte Baumratte, Corojobutter, Bienenhonig, etwas Zuckerrohrschnaps,
gerösteten Mais, Zuckerrohrmelasse und Süßigkeiten. Der Topf mit seinem Inhalt
wird zusammen mit zwei Kerzen, die sieben Tage lang brennen, in die Schüssel
Yemayas gestellt. Nach Ablauf dieser Zeit werden die Zutaten in ein dickes Stück
Papier gewickelt und ins Meer geworfen.

Rezepte zur Lösung schwerwiegender Probleme


Rezept Nr. 1
Eine trockene Kokusnuß mit Kaskarillrinde und Kakaobutter bestreichen und in den
Wald bringen. Dort den Körper damit einreiben und an dieser Stelle liegen lassen,
damit das Böse oder die bösen Geister im Wald bleiben.

Rezept Nr. 2
Man legt ein Stück Kalbfleisch und eine Sackbrasse in eine Schale und würzt beides
mit Corojo-Butter, Kakaobutter, geröstetem Mais, Zuckerrohrmelasse,
Zuckerrohrschnaps, geräuchertem Fisch und geräucherter Baumratte. Alles stellt
man drei Stunden über Oggun. Anschließend entkleidet man sich vor Oggun und
reibt den ganzen Körper zunächst mit dem Fleisch und anschließend mit der
Sackbrasse ein. Nach Beendigung dieses Rituals wird alles verpackt und im Wald
weggeworfen. Mit diesem Rezept wird Unglück vermieden.

Rezept Nr. 3
Ein Stück Ochosi geopfertes Ziegenfleisch wird auf eine Feuerstelle gelegt und
etwas gekocht. Anschließend wird es in eine Schüssel gelegt und mit Corojo-Butter,
Bienenhonig, Kakaobutter, Granatapfel, Anis, viel geröstetem Mais, geräuchertem
Fisch, geräucherter Baumratte und Zuckerrohrschnaps angemacht. Das Fleisch wird
drei Stunden lang vor Ochosi gelegt und anschließend über den bekleideten Körper

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gestrichen. Abschließend werden das Fleisch und die Kleidung, die man getragen
hat, eingepackt und im Wald weggeworfen. Mit diesem Rezept bleiben alle Probleme
fern.

Ausgesuchte Rezepte
Rezept Nr. 1
Gebet für Eleggua: Man nimmt drei kleine Fische, Bienenhonig, Palmenöl und drei
kleine Guinea-Paprika. Man bestreicht die Fische auf einer Seite mit dem Honig und
auf der anderen Seite mit dem Öl und legt eine Paprika in den Mund jedes Fisches.
Daraus formt man drei Pakete, die Eleggua geopfert werden. Anschließend wird das
Kokusnußorakel über die Zukunft befragt und um Beistand gebeten.

Rezept Nr. 2
Um das Haus zu reinigen und den Weg frei zu machen: In einen vollen Wassereimer
werden zwei Eiweiß und Kakaobutter geschüttet und gut vermischt. Man reinigt mit
dieser Flüssigkeit den Boden und macht dabei unter dem Bett auf Höhe des Kopfteils
ein großes Kreuz. Abschließend nimmt man eine Kugel Kaskarillrinde und zerstampft
sie bis sie zu Pulver wird. Dieses Pulver wird im ganzen Haus verteilt und man bittet
die Heiligen den Weg und das Haus zu erhellen.

Rezept Nr. 3
Elegguas Lampe: In einen Lehmtopf Kakaobutter und Butter zerlassen.
Anschließend etwas weißen und gelben Farbstoff, Guinea-Pfeffer, Bienenhonig,
getrockneten Fisch, Baumratte, gerösteten Mais und Speiseöl hinzufügen. Mit der
gewonnenen Flüssigkeit eine Lampe anzünden und drei Tagen lang vor Eleggua
brennen lassen, dann erfüllt der Heilige das was man sich wünscht.

Rezept Nr. 4
Um die geliebte Person anzuziehen: Ein Stück Papier, auf dem der Namen
desjenigen, den man liebt, geschrieben steht in einen Topf legen. Quecksilber, roten
Farbstoff, Zuckerrohrschnaps, Kokusnußöl, Speiseöl und Grappa hinzufügen. Zur
Einsamen Seele (Ánima Sola) beten.

Rezept Nr. 5
Zur Säuberung des Hauses: Man rollt eine Kokusnuß 21 Tage lang durch das
gesamte Haus von rechts nach links, zerschlägt sie anschließend an der Haustür
und bittet Eleggua alles Böse, das sich im Haus befinden könnte, zu entfernen.
Abschließend nimmt man eine kleine Kugel Kaskarillrinde, zerstampft sie und verteilt
das Pulver von der Tür aus ins Innere des Hauses.

Rezept Nr. 6
Gebet für Olofi: Man benötigt 16 Kugeln „Eco“ (Mais, der zunächst eingeweicht, dann
gemahlen wird und aus dem man anschließend Kugeln formt, die in die Blätter des
Bananenbaums oder des Aronstabgewächses gewickelt werden), eine Kugel
Kaskarillrinde, Kakaobutter und Bienenhonig. Die 16 Eco-Kugeln werden 16 Tage
lang außerhalb des Hauses an einer Stelle, an der die Sonne auf sie scheint, gelegt.
Täglich zündet man um 12 Uhr mittags eine Kerze an und bittet Olofi um Beistand.
Nach Ablauf der 16 Tage werden die 16 Eco in einem Kübel Wasser aufgelöst, man
fügt die Kakaobutter, die Kaskarillrinde und den Bienenhonig hinzu. Mit dieser
Flüssigkeit reinigt man das ganze Haus.

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Rezept Nr. 7
Gebet für Eleggua: Man nimmt drei Kugeln gekochte Yamswurzel, fügt Corojo-Butter,
Polenta, Bienenhonig, geräucherten Fisch und geräucherte Baumratte hinzu und legt
alles in Elegguas Schüssel. Anschließend betet man über das Kokusnußorakel zu
dem Heiligen und befragt ihn, was mit den Kugeln geschehen soll und wo man sie
wegwerfen soll.

Rezept Nr. 8
Um die Liebe eines Menschen zurückzugewinnen: Man benötigt eine große Zwiebel,
eine Knoblauchzehe, Quecksilber und Zuckerrohrschnaps. In den oberen Teil der
Zwiebel schneidet man eine Vertiefung und bittet Eleggua, dass die geliebte Person
zurückkehren möge. Anschließend legt man ein Stück Papier, auf dem der Name der
geliebten Person siebenmal geschrieben steht in die Vertiefung, schüttet das
Quecksilber und den Zuckerrohrschnaps dazu und stellt alles in ein Glas. Man betet
zu Eleggua, bittet um die Rückkehr des geliebten Menschen und bietet dem Heiligen
einen Hahn als Opfergabe an.

Rezept Nr. 9
Talisman für Glück und Schutz: Man benötigt ein weißes Stoffsäckchen, drei
Knoblauchzehen und jeweils eine kleine Handvoll Minze und Petersilie. Man steckt
die Zutaten in das Säckchen und bindet es zu. Anschließend sucht man sieben
verschiedene Kirchen auf, tränkt das Säckchen in Weihwasser und bittet um Schutz
gegen alles Böse.

Rezept Nr. 10
Um die Liebe anzuziehen: Man nehme eine Schere, eine Schale, Kakaobutter und
eine Kerze. Auf ein Stück Papier schreibt man siebenmal den Namen desjenigen,
den man liebt und steckt es in einen Lehmtopf. Darüber legt man die Schere in Form
eines Kreuzes, dann fügt man die Kakaobutter hinzu. Mit der Kerze in der Hand sagt
man siebenmal: „Mit dieser Kerze habe ich Macht über den Schutzengel von...“ (man
nennt den Namen der geliebten Person) und weiter „du mußt kommen“, „du mußt
meine Nähe suchen, so wie die Lebenden das Kreuz und die Verstorbenen das Licht
suchen.“

Rezept Nr. 11
Lampe um Arbeit zu finden: Man nimmt etwas Reis, Weizenmehl, Polenta und ein
Stückchen Palo llamao. Alles wird in eine kleine Schale gelegt und Öl hinzugefügt.
Man zündet die Mischung an, läßt sie sieben Tage lang brennen und betet jeden Tag
zu Eleggua während man in blauer Seife, Orangenblütenwasser und Duftwasser
badet.

Rezept Nr. 12
Um Arbeit zu finden: Man nimmt eine Handvoll Minze, blaue Seife, ein Glas Anis und
eine kleine Tasse Milch. Man zerkleinert die Minze und läßt sie über Nacht stehen.
Am nächsten Morgen fügt man nach dem Aufstehen die Milch und den Anis hinzu.
Anschließend seift man sich mit blauer Seife ein und badet in der zubereiteten
Flüssigkeit.

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Rezept Nr. 13
Talisman für Liebe und Schönheit: Man bereitet eine Flüssigkeit mit zerkleinertem
Basilikum, Weihwasser und Orangenblütenwasser zu, wäscht eine Silbermünze in
dieser Flüssigkeit und badet darin. Anschließend steckt man die Reste des
Basilikums und die Silbermünze in eine Tasche, die möglichst rot oder gelb sein
sollte. In einer Nacht mit zunehmendem Mond verbeugt man sich mit der Tasche in
der erhobenen Hand und spricht: „Mond, so wie dein Glanz und deine Anmut
unvergleichlich sind, so gib mir etwas von deinem Glanz ab, verleihe mir deine
Schönheit, damit ich Anmut, Glück und Liebe erhalte“.

Rezept Nr. 14
Um Eleggua zufriedenzustellen: Man nehme eine große Handvoll grüner Bohnen,
zermahle sie und forme sie zu Kugeln, die man auf einen Teller legt. Man fügt
geräucherten Fisch, Baumratte, drei kleine frische Fische und drei Eco hinzu. Man
legt den Teller vor Eleggua und reicht ihm Kokusnuß. Am nächsten Tag formt man
aus dieser Mischung drei Pakete und reinigt den Körper damit. Die Pakete werden
anschließend an verschiedenen Orten weggeworfen und man bittet Eleggua um
Erhellung des Weges.

Bei der Anwendung der Santeria Rezepte ist es sehr wichtig, zu beachten, in welcher
Phase sich der Mond befindet. Es wird dringend empfohlen, unter keinen Umständen
eine Arbeit auszuführen, wenn sich der Mond im letzten Viertel befindet. Der Mond
im letzten Viertel heißt in der Sprache der Yoruba „Ochukua aro“. Diese Phase ist
sehr gefürchtet, denn man glaubt, dass der Mond sich mit Iku, dem Tod verbindet.
Für Tätigkeiten in der Santeria ist die Phase des Mondes im ersten Viertel sehr zu
empfehlen.

Ein afrikanischer Mythos erzählt, dass Sonne und Mond heirateten und viele Söhne
und Töchter bekamen. Die Töchter sind die Sterne (Irawo in der Sprache der
Yoruba), sie begleiteten ihre Mutter, den Mond, überallhin. Die Söhne zogen es vor,
ihren Vater, die Sonne, zu begleiten. Er ärgerte sich über die ständige Anwesenheit
seiner Söhne und befahl ihnen, unverzüglich nach Hause zurückzukehren. Die
kleinen „Sonnen“ fanden den Weg zurück nicht, fielen alle ins Meer und ertranken.
Deshalb steht die Sonne immer allein am Firmament, während der Mond immer in
Begleitung seiner Töchter, den Sternen, erscheint.

139
Anhang Kapitel 4
Bildunterschriften:

Seite 260: Arnulfo González Velez, Santero, gekrönt durch die Yoruba-Priester mit
dem Namen Shango Lola als Leiter einer religiösen Gemeinschaft

Seite 292: Die wichtigsten Zeremonien der Santeria enden mit dem sogenannten
Festmahl der Heiligen (Orishas), bei dem die Speisen, die dem Heiligen angeboten
werden, gekostet werden.

140
Anhang: Übersetzung von Wörtern
Pimienta de guinea Pfeffer
Jutia Baumratte
Pimiento Paprikaschote
Cascarilla Kaskarillrinde (oder Eierschale)
Malanga Aronstabgewächs
Ñame Yamswurzel
Corojo Palmöl
Ajo Knoblauch
Azogue Quecksilber
Hierba buena Minze
Perejil Petersilie
Jicara Schale
Palo llamao Holzstück eines speziellen Baumes
Agua de azahar Orangenblütenwasser
Albahaca Basilikum
Zapallo Kürbis
Aguardiente Zuckerrohrschnaps
Helecho Farnkraut
Hierba luisa Zitronengras
Siempre viva Strohblume
Campana blanca Engelstrompete
Anisado Ansischnaps
Maravilla seca Wunderblume
Azucar prieta Brauner Zucker
Pez pargo Sackbrasse
Granadina Granatapfel

141
Kapitel V – Schlußbemerkungen

Über die Grundelemente der Religion der Yoruba und Santeria

Über Addivination, Schicksal des Menschen und Religion

Über die Welt, die Menschen und das Leben

Über die Religion der Yoruba, die Santeria und weitere Religionen

142
Zum Abschluß dieses Buches möchten wir die Grundelemente der Religionen, mit
denen sich dieses Buch befaßt, nochmals darstellen. Zum besseren Verständnis
haben wir folgende Gruppen gebildet:

Grundelemente der Religion


Addivination, Schicksal des Menschen und Religion
Die Welt, der Mensch, das Leben, der Tod
Die Religion der Yoruba, die Santeria und weitere Religionen

Über die Grundelemente der Religion


a. Jeder Orisha (in der Religion der Yoruba) oder Heilige (in der Santeria) hat
verschiedene Wege oder Reinkarnationen; in jedem seiner Wege erhält er
einen bestimmten Namen; er besitzt übernatürliche Kräfte und spezifische
Eigenschaften; er wird durch Bildnisse und Symbole dargestellt und hat
bevorzugte Farben; er erlaubt nur bestimmte Opfergaben und hat seinen
eigenen ihm gewidmeten Tag in der Woche, im Monat und im Jahr; jeder
wird auf seine ihm eigene Art angebetet; jeder hat seinen individuellen
Tanz und Gesang.
b. Die Heiligen im Tempel-Haus des Santeros werden dargestellt durch
katholische Bildnisse, metallische Instrumente, Bildnisse aus Holz, Lehm
oder Keramik in anthropomorphischer Form und durch Otane (Steine) die
sich in Schüsseln aus Lehm oder Keramik befinden.
c. Die Opfergaben sind grundlegende Elemente der Religion. Man bedankt
sich häufig bei den Orishas oder Heiligen. Damit sie ihre Gunst erweisen
werden ihnen Rituale und Feiern, die von Opfergaben begleitet werden,
gewidmet.
d. Der Santero muss die Gebete für die Heiligen in der Sprache der Yoruba
kennen.
e. Es gibt mehrere Namen für den gleichen Orisha, dies hängt von den
„Wegen“, die er durchlaufen ist und von den Orten, an denen er angebetet
wird, ab. In der Santeria weichen diese Namen von den ursprünglichen in
der Sprache der Yoruba hinsichtlich der Konsonanten und Akzente ab, so
z.B. Shango, Changó, Chango; Osain, Osaín; Osun, Ozun; Orula, Orulá,
Orunla, Orunmila, etc.
f. Grundlegende Elemente dieser Religionen sind: der Kult für die Orishas
oder Heiligen, die Addivination und der Kult für die Vorfahren.

Über die Addivination, das Schicksal des Menschen und die Religion
a. In der Religion der Yoruba und in der Santeria glauben und akzeptieren die
Menschen dass ihr Schicksal vorherbestimmt ist. Trotzdem suchen sie die
Gottheiten über die Addivinationsrituale auf, um dieses Schicksal, das
schon bei ihrer Geburt durch Ori (den Orisha-Heiligen, der den Kopf des
Menschen leitet) und Olodumare bestimmt wurde, zu beeinflussen. Die
Gläubigen können im Einklang mit ihrem Schicksal leben, es ignorieren
oder es verändern indem sie versuchen, vorherbestimmte Ereignisse nicht
eintreten zu lassen.
b. In den Addivinationsorakeln, durch die die Götter sprechen, steht das
Schicksal der Menschen geschrieben. Nur über diese Orakel kann der
Mensch Einfluß auf seine Zukunft nehmen. Bei der Konsultation werden
die „Oddun“ interpretiert, welche die Grundlagen des menschlichen
Lebens, der Religion, Spiritualität, Wissenschaft und Medizin enthalten.

143
c. Die Addivination ist das wichtigste Kommunikationselement zwischen den
Gläubigen und den Orishas oder Heiligen.
d. Die Addivinationsorakel sprechen stets die Wahrheit. Wenn das Ergebnis
des Addivinationsrituals Fehler enthält, liegt dies daran, dass der Priester, ,
welcher das Orakel interpretiert das Ritual nicht richtig ausführte oder ein
wichtiges Element, das in dem Orakel enthalten war, übersehen hat. Das
Orakel verliert nicht seine Gültigkeit, es ist der Priester, Santero oder
Babalao, der sein Ansehen verliert.
e. Die Addivination oder die Götter um Rat zu bitten ist unverzichtbare
Grundlage der Religion. Durch die Addivinationsrituale sucht der Priester
nach der Ursache, die das Ungleichgewicht zwischen der geistigen und
körperlichen Welt der Menschen, auslöst, denn durch dieses
Ungleichgewicht entstehen die Schwierigkeiten. Wenn man die Ursache
kennt, kann man das Problem lösen.
f. Eigentlich verfolgt die Addivination, obwohl sie zukünftige Ereignisse
voraussagt, nicht dieses Ziel. Vielmehr soll festgestellt werden, ob
Harmonie zwischen der körperlichen und geistigen Welt des Menschen
und zwischen Gut und Böse besteht. Durch die Addivinationsrituale
versuchen die Gläubigen herauszufinden, ob sie sich im Gleichgewicht mit
ihrem Schicksal befinden; wenn dies nicht so ist ist, sagt ihnen die
Addivination, welche Schritte zu unternehmen sind um dieses
Gleichgewicht zu erreichen.

Über die Welt, den Menschen, das Leben und den Tod
a. Der Markt spielt in der Kosmologie der Yoruba eine wichtige Rolle, So wie
sich die Menschen täglich am Markt treffen, so versammeln sich täglich
unsichtbare Kräfte im Leben des Menschen. Ein Yoruba-Sprichwort lautet:
„Diese Welt ist ein Markt, die andere Welt ist unser Zuhause“.
b. In der Religion der Yoruba und in der Santeria beeinflußen sich die
körperliche und die geistige Welt des Menschen gegenseitig, aber diese
Teilung ist nicht starr. Ein geistiges Ungleichgewicht kann eine körperliche
Krankheit auslösen und umgekehrt. In jeder Situation suchen die Religion
der Yoruba und die Santeria nach dem verlorengegangenen Gleichgewicht
zwischen der geistigen und der körperlichen Welt und versuchen es
wiederherzustellen.
c. Ein grundlegender Glaube beider Religionen lautet, dass auf der Welt zwei
entgegengesetzte und sich gleichzeitig ergänzende Kräfte agieren: das
Gute und das Böse, denn beide Religionen beten Eshu an, in dem das
Gute und das Böse eine Einheit bilden. Eshu verkörpert die Probleme, die
den Menschen heimsuchen, aber er ist gleichzeitig auch eine Gottheit und
als solche verkörpert er das Gute. Von diesem Glauben ausgehend kann
man sagen, dass es, wenn es das Gute gibt, es gleichzeitig auch das Böse
geben muß und umgekehrt; ebenso glaubt man, dass es keine Sicherheit
geben kann wenn es keine Gefahr gibt, dass es keine Ruhe geben kann
wenn es keine Unruhe gibt.
d. Grundlegendes Ziel der Gläubigen beider Religionen ist ein guter
Übergang vom Leben in den Tod; deshalb müssen die Gläubigen stets im
Einklang mit ihren Göttern, die sie häufig um Rat ersuchen und denen sie
Opfergaben widmen, leben. Die Gläubigen halten sich an bestimmte
moralische Werte, es gibt jedoch keinen Gegensatz zwischen Gut und
Böse, man verkörpert diese Werte auch nicht mit Gott und dem Teufel.

144
e. In diesen Religionen besteht die Familie aus lebenden Angehörigen und
aus den Geistern der Familienmitglieder, die verstorben sind. Die Geister
der geliebten Verstorbenen nehmen weiterhin am täglichen Leben teil. In
den Yoruba-Staaten bildete die Familie (die lebende, verstorbene und noch
nicht geborene Mitglieder einschloß) die Einheit des Staates, der Staat
wurde als eine erweiterte Form der Familie angesehen.
f. Der Geist eines Verstorbenen kann durch ein neues Familienmitglied, das
noch geboren wird, in die Familie zurückkehren. Dies wird durch die
Gläubigen nicht als Reinkarnation, sondern einfach als ein freudiges
Ereignis, das zu feiern ist, angesehen. Die Kosmonogie dieser Religionen
akzeptiert, dass die Menschen körperlich existieren und auch eine Seele
haben. Der Begriff „Ori“ entspricht dem christlichen Begriff „Seele“. Man
glaubt, dass Olodumare eine bestimmte Anzahl Ori geschaffen hat,
deshalb kann ein Mensch, wenn er stirbt, in einem neuen Körper
wiedergeboren werden, meistens im Körper eines Nachfahren.
g. Für die Gläubigen dieser Religionen ist ihr Körper zeitlich begrenzt, ihre
Seele dagegen ist unsterblich.
h. „Iku“ ist der Tod an sich, „Egun“ ist der Geist des Verstorbenen, beide
Begriffe spielen eine maßgebende Rolle in der Religion. Jedes Ritual wird
mit Gebeten für die Geister der Verstorbenen begonnen. Die Orishas
selbst mußten erst sterben um Götter zu werden. Der Tod bedeutet nicht
das Ende des Lebens, sondern der Beginn einer neuen Phase. Der Tod
(Iku) trennt den Menschen nicht von seiner Gemeinschaft, die Egun
(Geister) können ihren geliebten Angehörigen weiterhin helfen und den
Feinden ihrer Familienangehörigen Schaden zufügen.
i. Bei dem Zyklus Geburt-Tod-Wiedergeburt kann es zu Problemen kommen,
so z.B. durch die Unfruchtbarkeit der Frau, die als Fluch angesehen wird,
weil dadurch die Vorfahren nicht wiedergeboren werden können.

Über die Religion der Yoruba, die Santeria und andere Religionen
a. Wenn man von der Definition „Religion“ ausgeht, sind die Religion der Yoruba
und die Santeria Religionen. Grundlage beider Religionen ist der Glaube an
übernatürliche Wesen, die als Götter angesehen werden und denen sie ihr
Dasein und den Verlauf ihres Schicksals zuschreiben. Wir möchten darauf
hinweisen, dass Olodumare den Menschen nicht erschienen ist, wie dies in
anderen Religionen der Fall ist. Außerdem haben die heiligen Überlieferungen
der Religion der Yoruba und der Santeria keine Schriftform, denn ein
grundlegendes Merkmal dieser Religionen ist der geheime Charakter der
heiligen Überlieferungen und der Rituale, die vom Priester strengstens gehütet
wird. Das Wissen über die Überlieferungen und Rituale wird mündlich lediglich
an die Gläubigen weitergegeben, die zu Priestern geweiht werden. Allerdings
gibt es heutzutage einige dieser Texte bereits in Schriftform. Man findet auch
ein großes Sortiment schriftlicher Literatur über die Rituale. Es gibt auch
Bemühungen, vor allem in der Santeria, die Gebote und die Gläubigen durch
eine genau definierte Strukturierung, die sich ihren afrikanischen Wurzeln
annähern möchte, zu einigen.
b. In Afrika hat zunächst der Islam und anschließend das Christentum die Kultur
und vor allem die Religion der Yoruba stark beeinflußt; und auch die
europäische Kolonisierung und neuerdings der Modernisierungsprozeß übten
Einfluß aus. Viele Menschen und ganze Völker wurden zu anderen Religionen
konvertiert und ihre Gottheiten vernichtet.

145
c. Die Santeria hatte ihren Ursprung und entwickelte sich in drei Formationen,
die der kolonialen kubanischen Sklavenhaltergesellschaft entsprechen: der
ländliche Cabildo (Genossenschaften zur gegenseitigen Hilfe), der Batey
(Sklavenbarraken in den Zuckerrohrplantagen) und der Palenque in den
Bergen (Befestigungsanlagen entlaufener Sklaven). Durch diese Formationen
war die Beibehaltung der ursprünglichen Kultur möglich, die mit Elementen
aus der Kultur der Sklavenhalter und Kolonisierer verborgen werden mußte.
d. Die Gläubigen und Anhänger der Religion der Yoruba und der Santeria
möchten niemanden zu ihrer Religion bekehren. Sie sind der Meinung, dass
das Ashe, die Energie, die von Olodumare kommt, universell ist und halten es
nicht für erforderlich jemanden zu ihrem Glauben zu konvertieren. Außerdem
sind die Orishas und Heiligen stets bereit, jedem zu helfen, der ihre Nähe
sucht.
e. Die Religion der Yoruba und die Santeria nehmen im Gegensatz zu anderen
Religionen nicht für sich in Anspruch, dass sie die einzig wahre Lehre
vertreten. Für sie enthält jede Religion die Wahrheit und muss deshalb
respektiert werden. Santeria und Yoruba-Religion beschäftigen sich auf
direktem Wege mit den Problemen des Menschen. Erst wenn man diese löst,
können die Geheimnisse des Glaubens allmählich denjenigen, die daran
Interesse zeigen, offengelegt werden.
f. Die Götter sind Naturkräfte und leben auf der Erde. Bei den Ritualen werden
Elemente der Erde genutzt: Steine, Kräuter, Wasser, Pflanzen, Bäume,
Seemuscheln, etc. Diese Elemente werden als heilig angesehen. Vor allem
ein Gebiet auf dem viele Kräuter, Büsche und Bäume wachsen, d.h. ein Wald,
wird als heilig angesehen, man glaubt, dass dort die Götter wohnen. Auch die
Erde selbst ist heilig und wird als Gottheit angebetet.
g. In diesen Religionen darf „okkult“ nicht mit „mystisch“ verwechselt werden. Für
die Gläubigen gehört ihre Religion eher in den mystischen als in den okkulten
Bereich.
h. Der Katholizismus, der nach Kuba kam, wurde durch das Volk praktiziert:
wichtige Elemente waren vor allem die Verehrung Jesus, der Jungfrau Maria
und der Heiligen. Für die höheren Gesellschaftsklassen stand die Verehrung
Gottes an erster Stelle. Es war der Katholizismus des Volkes, der sich mit der
Religion der Yoruba vereinte und der Santeria ihren Ursprung gab.
i. Die afrikanische Religion, die nach Kuba gebracht wurde, hatte ihren
Ursprung in einer ausgedehnten Region im Westen des Sudans, in Gebieten,
die an den Atlantischen Ozean angrenzen. Hier entstanden drei große Reiche:
Benin (im Südwesten des heutigen Nigeria), Dahomey (jetzt Benin) und Oyo,
welches die Stadt-Staaten der Yoruba bildeten. Diese Reiche waren einander
brüderlich verbunden, denn für alle war Oduduwa ihr Gründer und Ile-Ife die
heilige Stadt, die Orishas der Yorubas wie z.B. Shango, Olokun, Eshu, Ifa,
Oggun hatten ihre entsprechenden Orisha in den Reichen Benin und
Dahomey, auch wenn diese Orishas in Dahomey „Iwa“ oder „Voduns“ und in
Benin wiederum wie im Reich der Yorubas hießen. Alle drei Reiche hatten
eine ähnliche Monarchiestruktur, die auf dem Regierungssystem „Ebi“
basierte. Die Eigenschaften und Grundlagen der Religion der drei Reiche
ähneln sich.
j. Um eine genaue Vorstellung der afrikanischen Religionen mit ihren eigenen
Komponenten zu erhalten, sollte man sie nicht als eine Anhäufung von
Lehrsätzen, Glauben oder Ritualen sehen, sondern als Ausdruck einer
Grundhaltung dem Leben gegenüber.

146
k. In der Santeria gibt es einen Widerspruch zwischen Wechsel und
Beständigkeit. Einerseits bleiben die Grundlagen der Religion der Yoruba
während des langen Bildungs- und Entwicklungsprozeßes der Santeria
erhalten, andererseits gab es Veränderungen durch die Aufnahme neuer
Elemente einer anderen Religion: dem Katholizismus.
l. Die Konzepte von Himmel und Hölle weichen in der Religion der Yoruba und
in der Santeria von anderen Religionen ab. Laut ihnen befindet sich der
Himmel, in den die Seelen der Verstorbenen gehen, unter der Erde. Es gibt
einen bodenlosen Himmel oder „böser Himmel“, in den die Seelen derjenigen
kommen, die nicht als Reinkarnation in einem neuen Wesen zurückkehren,
und es gibt einen „guten Himmel“, in dem die Seele wiedergeboren werden
kann. Die Hölle ist kein Ort der Ahndung, sondern vielmehr ein Ort der
Regeneration, wo sich das Ori des Menschen in einen Geist der Vorfahren
oder Egun verwandelt.

Glossar
Yoruba und Santeria Worte und Redewendungen

A
A dúpé (da opé): Danke
A kuishi milele: Unsterblich
A se tólúwa Olofi: Wir führen Olofis Willen durch.
Aago: Zeit, Stunde, Uhr
Abarikú: Einziger Sohn
Abayifó(agugú): Hexer
Abbikú: Böser Geist, der in einem Kind, das während der Kindheit gestorben ist,
wiedergeboren wird.
Aberínkula: Ungläubiger
Abguá abguá ta lese oba ba yeyé: Dort, wo sich der König und die Alten aufhalten,
geht es einem gut.
Abí awó: Mit dem Sammeln der Kräuter für die Rituale Beauftragter.
Abogibocue: Götzendiener
Aboku: Skandal, Unmoral, schamloser Mensch
Aboricha: Derjenige, der die Heiligen anbetet.
Abuleya: Markt, Podium
Abure(aburé): Schwester, Bruder, enger Freund
Achabá iyá iki: Der Kapokbaum ist die Mutter aller Bäume des Waldes
Aché mi: Mein Wort, ich habe es gesagt.
Aché moyuba orisha: Die Orishas mögen uns ihre Gunst schenken und ihre
Erlaubnis geben.
Acheré: Maracas (Kürbisrassel), rot bemaltes Guiro, das Shango geweiht ist.
Achó pupa: Rote Bekleidung, die der Novize Shangos trägt.
Achogún: Die Tiere den Orishas opfern
Achoremí: Mein bester Freund
Adadeke: Schlechter Mensch, Übeltäter
Adalúm (egún): Geist, Erscheinung
Adano,iya moforibale aremu,awa yé: Mutter, wir, die dir dankbar sind, grüßen dich,
beschütze uns.

147
Adiyomí: Bis zu einem anderen Tag (sagt man zu dem Orisha, der sich entfernt,
nachdem er den Gläubigen nicht besessen hat).
Afé: Zärtlichkeit, Liebe, Verliebtheit, Verlobung, Flitterwochen
Agbayé: Die Menschen, die sich im Cabildo treffen.
Agbelebú: Kreuz
Agbeleni: Diener, Sklave, Vasall
Abiamá: Mutter und Sohn, stellt die Jungfrau und das Jesuskind dar.
Agó babá: Ausdruck der Lobpreisung und des Respekts gegenüber den Orishas
oder Heiligen
Aguaniyé: Ja, Bestätigung; in der Asiento-Zeremonie bedeutet es: wir werden
essen.
Aguelení: Gläubiger, Mitglied eines Heiligenhauses
Aguoré(awore): Familie
Ai kú: Gesundheit, es gibt keinen Tod, kein Unglück
Ai lara: Krank, es geht nicht
Aigue: Ich schon
Aioso: Ich nicht
Airé mi: Mein Feind
Akawé awé awé, akawé ni awé awé: Wir sind rein und den Heiligen dankbar.
Akpetebí: Bevorzugte Göttin eines Orishas oder Heiligen
Akú mi: Ich komme von der Aku Erde (Lukumi).
Akuañá: Amen, so soll es geschehen
Alá ba yo alá ba otá: Eine Hand wäscht die andere, beide gemeinsam waschen das
Gesicht.
Ala ro ri ukú oteri bachó, ocha la esileni odegú odochá odá kubelo: Ist ein Gruß
für die Verstorbenen, er bedeutet: Ich kniee nieder vor Euch, heilige Geister, die Ihr
verstorben seid.
Alaró: Blau, Musik und Tanz zu Ehren Yemayas
Alayé: Lebendig, die Lebenden; derjenige, der dem Iyawo bei der Asiento-
Zeremonie den Kopf rasiert.
Aleyo: Ungläubiger, Ungeweihter, Besuch, Durchreisender
Alúwala: Reinigung, Purifikation, Bäder zur geistigen Purifikation
Aluyá: Trommelwirbel zu Ehren Shangos und Yemayas
Amalá: Gericht auf der Grundlage von Mais und Hammelfleisch; es ist das
bevorzugte Gericht Shangos.
Anagó: Sprache der Lukumis. So wurden diejenigen, die in dieser Sprache redeten,
genannt.
Ananagú: Die Kinder Gottes, die Menschheit
Anaré: Gehe mit Gott!
Aña dúdu: Sklavenschiff
Apomú: Sklavenmarkt; Ort, an dem die Sklaven verkauft wurden
Ará e ol’e: Wie geht es?
Ará eti wo: Zufrieden? Wie gehts, bist du zufrieden?
Ará ilí: Sehr gut
Ará mi kódá: Es geht mir nicht gut.
Aramú: Krank
Araní: Gesund
Arayá (olosi): Teufel
Ardimú(addimú): Einfaches Nahrungs- oder Obstopfer für den Orisha
Arikú: Amulett, Schutz, Gesundheit
Arún ilese arayé: Krankheit, die durch den bösen Blick hervorgerufen wurde.

148
Arún ilese ocha: Krankheit, die durch den Willen der Götter hervorgerufen wurde.
Asará: Erfrischung aus Mais, die dem Orisha angeboten wird, wenn es nicht möglich
ist, ihm Tieropfer anzubieten.
Asieré omó lo tiwá: Wie dumm bist du, Sohn (spricht der Orisha zum
ungehorsamen Sohn).
Atoko ikú atoko arún atoko ebó atoko ofó: Dass alles gut ablaufen möge, dass
dieses Ebo den Tod, die Krankheit, die Schande fernhalten möge (spricht der
Priester beim Opfern von Geflügel für den Orisha).
Awálona koré lalá mí: Wir sind nicht einverstanden, ich gehe, wir möchten keine
Unannehmlichkeiten.
Awó melo: Die Kokusnuss teilen, um die Verstorbenen um Erlaubnis zu bitten.
Ayá ún baí baí. Feti letó ó ayá ún baí baí: Das Böse halte sich stets von dir fern,
das Gute sei dir gewährt.
Aye: Welt
Aye Olodumare: Die andere Welt, das Jenseits
Ayoko: Besessen sein, initiiert sein, vom Heiligen besessen sein
Ayúba: Mit Erlaubnis, um Erlaubnis bitten, die Orishas grüßen

B
Babá: Vater, Name Obatalas in den Gebeten und Güemilere-Sängen
Babá fururú: Name Obatalas, Christus auf dem Kreuzweg
Babá nàá mó jútó tó tó omo ré: Der Vater behütet seine Kinder.
Babá oro yiyi soro soro: Der Priester während der Predigt oder beim Beten zu den
Heiligen
Babatunde: Vater kehrt zurück.
Babawá: Großvater, Alter
Bakoso iloché ni o ye yé tuyé obaoso aladó oní Shangó, tu yé, yé obaoso oní
shangó: Gepriesen sei Bakoso, der König, Oni Shango, denn ihm gebührt alles,
man ehrt ihn, wie man es ihm schuldig ist.
Bamboché(bangoché): Titel, den der Auserwählte Shangos erhält; er hat das Ashe
aller Heiligen und wird mit einem Kreuz auf der Zunge geboren; er ist von Geburt an
hellsichtig.
Bandanesa: Versprechen, dem Orisha oder Heiligen etwas anbieten.
Bara ni lowé oñí ñío Bara ni loké otuto mama ke oñí ñío: Bara beschützt unseren
frischen und gereinigten Kopf, der mit Honig bestrichen ist. Möge Bara uns
beschützen (Bara ist der Name Elegguas und Eshus)
Batá: Trommelwirbel zu Ehren der Orishas; die drei heiligen Trommeln der Santeria.
Bati ode yé olówo ofé ná oyéun: Wenn man geboren wird, bringt man nichts mit.
Be: Existieren, den Orisha inständig bitten
Bè: Inständig bitten
Bebé: Beten, beim Orisha eine Fürbitte für einen Gläubigen einlegen.
Belebú: Das Kreuz
Bembé: Fest während der Rituale; Trommelwirbel um die Heiligen zu erfreuen.
Beni osi suan nigua gouké kalenu ayé ainí pekun: Von Jahrhundert zu
Jahrhundert, die Welt ist endlos.
Beri gbana ocha: Das Ritual des Asiento des Heiligen bei der Priesterweihe
Berukú: Der Tod macht Angst.
Beyi oro alakuá oyé oyé mo jojó: Die Ibeyis, die göttlichen Zwillinge, sind zwar
Kinder jedoch groß, heilig und weise.
Bíbelì: Bibel

149
Biti magüí tina figuó oniaro ilé iyalocha: Der Kranke sagt, dass er sich zur
Santera begeben wird um sich heilen zu lassen.
Biwi: Gespenst oder Kobold der in den Flüssen erscheint.
Biwo osé buruku olurun oyú ri won: Gottes Auge sieht dich, wenn du etwas
Schlechtes tust.
Bochilé emi: Treten Sie in mein Haus ein.
Bógüo enikei: Alle Freunde reichen sich die Hand, begrüßen sich
Boyi (ereke boyi): Zuckerrohrplantage
Boyuri enu sodlake: Schau, hör und schweig!
Bucharará báwó abucharará abufá aleyo kóluo, abuchrá ba wo: Ja, der eine hat
viel Geld und der andere nichts, weshalb soll man darüber streiten, schließlich
müssen wir alle sterben.
Buruyulo: Bosheit, Person in schlimmsten Verhältnissen
Busilé: Segnung, segnen, gesegnet sein

C
Caleno: Anhänger, Gläubiger
Carinbe: knie nieder!
Cascarilla: Eierschale, die so lange gemahlen wird, bis man ein feines Pulver erhält.
Cobori eleda: Rogation des Kopfes
Cofiedemu: Vergib ihm!
Congos: So wurden die Angehörigen der Bantu-Stämme in Kuba genannt.
Coni ogue: Ich habe kein Geld.
Cowri: Kleine Muschel, die bei den Addivinationsritualen genutzt wird; eine Zeitlang
wurde sie als Zahlungsmittel verwendet.
Cua luco cualerí, mi: Passen Sie auf sich selbst auf bevor Sie auf einen anderen
aufpassen.
Chabá: Armreif der Kinder Ochosis und Ogguns
Chákuta: Mittwoch (Tag, der Shango geweiht ist)
Changó ku ya oni yón to enú gbobo enú lofé changó kóyaoní yón to: Shango,
sei nicht erzürnt, dein Name leuchtet im Mund aller, die sich hier versammelt haben
um dich anzubeten und zu erfreuen.
Changó oyú iná: Die Augen Shangos versprühen Feuer
Cheketé: Erfrischung aus gegärtem Mais und Bitterorange, die bei den
Santeriafesten getrunken wird.
Chereré: Den Orisha um seinen Segen und um Glück bitten.
Chiché owó: Geld, das durch Arbeit eingenommen wurde.
Chinimá: Gut gemacht, das ist gut gemacht.
Chinja kwa: Geopfert
Chú eshú biribí: Der Teufel ist pechschwarz.
Chugú: Santeria-Altar

D
Dadá: Orisha, der seinen Bruder Shango aufzog; synkretisiert mit der Heiligen
Jungfrau des Rosenkranzes.
Dárayá: Gute Geister
Dariji: Verzeihen
Dekó la o awa osiberu obé agó orisha Changó: Das Messer verletzt Shango nicht,
es fürchtet ihn.
Derecho: Geweihtes Geld, das der Initiierte seiner Patentante während der
Asientozeremonie zahlt.

150
Didé chón chón: Erhebe dich und gehe!
Didé emí, babá awó: Heiliger Vater erhebe dich!
Didé titi eiyé: Die Vögel erwachen und singen
Dodé mi alamoí: Freund, behandle mich so wie ich dich behandle!
Dúdú: Schwarzer, Kaffee

E
Eba mí ní: Ältere Schwester
E omá kibí bá yá mamó chiché ayé: Verdammt, verflucht, ich werde ihm etwas
Böses antun.
Ebbi bikan ague acge ebbo: Aus einem einzelnen Stock entsteht kein Wald.
Ebé: Gutes tun, Gefälligkeit, die Gunst, um die man den Orisha in den Gebeten
bittet.
Ebó edari: Purifikation, Reinigung, um das Böse zu verhindern.
Ebó itútú: Opfergabe, um den Verstorbenen zu beruhigen.
Ebó omí ota síle: Wasser auf die Strasse schütten um die Iku und die Heiligen
Krieger zu erfrischen.
Ebodá: Welche Opfergabe soll man bringen? (erste Frage, die man beim Werfen der
Muscheln stellt).
Ede: Mund, Lippen, Sprache, Zunge
Efún: Kaskarilrinde, Gips, weiß, Pulver. Addivinationszeichen, der Ratsuchende wird
vom Tod bedroht.
Egbe mi Babá: Segne mich Vater!
Egugu: Knochen
Egungun: Maskierter Mann der eine Person, die verstorben ist, darstellt.
Eledá moyúba oloni: Eleda, ich grüße dich und bitte dich um Erlaubnis (Gruß für
den Schutzengel).
Eleke orisha: Halskette des Heiligen
Elenu: Zunge, Klatschmaul, Unterhalter, innerer Teil des Mundes
Eleriipin: Zeuge oder Anwalt des Schicksals
Eles ogán: Gestorben für einen Verstorbenen
Eluayé: Orisha, synkretisiert in der Jungfrau Maria
Elúko ki olugbo: Die Maus besucht die Katze nicht.
Embelese Olodumare: Zu Füssen Gottes
Emí lo kú osín, Ogún lo kuó: Ich habe sie nicht getötet, Ogun hat sie getötet (beim
Opfern von Geflügel).
Emí ni: Ich bin es, ich selbst.
Emí ro: Denke ich
Emí sí: Der Atem
Emifékoro: Ich liebe ihn sehr.
Emio okán: Ich allein
Emu sere: Kuss
Eniyán (enyia): Alle, die Menschheit, Leute
Eñi ñá akó akotó su mó wá ye oyibó mó sá la royo éña tú tu salá rayó: Der
Schwarze kam in das Land der Weißen auf einem Sklavenschiff, es ging ihm
schlecht, er war voller Kummer und Schmerzen und wußte nicht was aus ihm werden
würde.
Erán: Fleisch, Kräuter, Wald, Savanne
Eredilé: Der Haupteingang des Hauses, Portal
Ereke ilé: Zuckerrohrplantage
Erekusú: Kuba.

151
Ero, ero Babá: Sagt man zum Orisha oder Heiligen wenn er erzürnt ist.
Erú aré: Sklave der nichts taugt.
Erú biní: Schwarze Sklavin
Erúteribá: Fügsamer Schwarzer
Ese dí yá má dé o iyá owó tó yo oyó tó walo osé di ya má deo: Wenn ich zu dir
nach hause gehe respektiere ich deine Mutter, deine Familie. Und du, kannst du
meiner nicht auch Respekt entgegenbringen?
Ese ntele tibariyé inú: Man erkennt mich an der Art zu gehen.
Estera: Kleiner Palmenteppich, auf dem die Muscheln gelesen werden.
Ete mi omó alá lorí .....: ich bin der Erdensohn von.... (Ijesha, Oyo, Ife, etc.)
Eto pachá buruka éña kan ló ni burukú tieúnbo ní pako: Alles Böse, das du
anderen zufügst kehrt durch Gottes Hand zu dir zurück.
Euó (ewó): Gefahr, Verbot, das dem Initiierten durch den Orisha verboten wird.
Ewe berikoló: Kräuter für den Ittutu (Verstorbenen); für Bäder, die den Tod vom
Kranken vertreiben.
Ewe ikokó: Baumblätter, mit denen man das Pulver zubereitet, das über das Ifa-
Addivinationsbrett verstreut wird.
Ewe kewe: Alle Kräuter, die bei der Asiento-Zeremonie verwendet werden.
Ewe okúmá agbá: Gruß für die Kräuter, mit denen der Orniero zubereitet wird
Eyá: Tätowierung des Landes, dem der Sklave zugehörig war; die Sklaven einer
Zuckerrohrplantage
Eyelé fun fún: Taube des Heiligen Geistes
Eyí ori oyó omó risa ló ba: Derjenige, wo auch immer er sich aufhält, ist Sohn eines
Heiligen
Eyilosún: Dilogunzeichen, das den Ratsuchenden darauf hinweist, dass er initiiert
werden muss.

F
Falaiñá (falaiká): Durch Hexerei Schaden anrichten
Farí: Den Novizen bei der Asiento-Zeremonie den Kopf kahlscheren.
Fereketé ína nube ro afará: Worte, die im Cabildo ausgesprochen wurden, um den
Orisha, wenn dieser zornig war, um Verzeihung zu bitten.
Fetibó (fetive): Plötzlicher Tod
Fi fi okán ósu: Gib dein Herzblut beim Malen (sagt man zu den Santeras, wenn sie
den Kopf des Novizen in den vier symbolischen Farben der Orishas Obatala,
Yemaya, Shango und Ochun bemalen).
Fifetó: Die Opfergabe möge dem Orisha zusagen.
Fifí okán winiki Eleguá: Ich trage die Farbe auf und zuvor grüße ich Elegua von
Herzen (Gebet oder Lied beim Auftragen der Farbe auf den Kopf des Novizen am
Tag der Asiento-Zeremonie).
Foribalé: Höflicher ritueller Gruß und Gehorsam gegenüber einem Ranghöheren der
Religion
Fumí agó: Erlaube mir
Fumí iyá: Gib mir Mutter
Fumí to lotí die: Gib mir von deinem Zuckerrohrschnaps ab!

G
Gari ocha: Heiliger, der sich im Kopf niederläßt (bei einer Priesterweihe).
Gelefó: Gelb
Gelefún: Blau
Gelekukuá: Weiß

152
Geleunoko: Rot
Goe iyawó: Yoruba-Ehe
Gorisha: Schüssel, in der sich die Steine (Otan) befinden, die die Orishas darstellen.
Guallereun: Essen
Guanguará: Sprich deutlich!
Gueguemi (guoguo mi): Du gefällst mir.
Güemilere: Fest zu Ehren der Orishas
Gunukú: Der Bote Olofis während des Tages
Guo títo ní sóro iya Changó: Shango, du bist so groß wie du schreist.

H
Ha o ye mí: Ja!, jetzt verstehe ich es!
Hadithi apataki: Erzählung
Haraka: Ungeduldig
Haramu: Ungesetzlich
Hasira: Wut
Haya: Schüchtern
Hermanos Hamaa: Sklavenverbindung, die sich gegen das Imperium von Oyo erhob

I
Ibá ibó: Heiliger Alter
Ibaraguó agó moyuba omadé koní Baraguó awó moyuba Elegura Eshu iona:
Mit Genehmigung der hier Anwesenden (den Orishas) verneige ich mich und bitte
Elegua und Eshu, dem Herrn des Weges, um Erlaubnis.
Ibeyis: Jimaguas (Taiwuo und Kainde); Zwillinge, bevorzugt durch Geburt
Ibódun: Raum im Haus des Santeros, in dem die Asiento-Zeremonien durchgeführt
werden.
Iborí eledá: Den Kopf des Geistes oder den Ursprung der Schöpfung, der in ihm ist
zu ernähren.
Ibosiaré: Ave Maria.
Ibú añá: Mutter der Trommeln; Ochun, Königin der Trommeln
Ibú ocotó: Die Achse, um die sich die Welt dreht.
Ichéyin: Die Santeras zu einer Asiento-Zeremonie einladen
Idahùn naà kò pe: Die Antwort ist nicht zufriedenstellend.
Idilogún niguatí ikú soro: Die Muschel sprach als sie starb (durch die Muschel
spricht der Verstorbene zu dir).
Idoduwa: Name Oduduwas im Königreich Benin
Ifá fore: Ifa hat gut gesprochen.
Igba babá: Ich bringe dir diese Ehrerbietung (spricht man zum Orisha).
Igbagbo: Religion
Igbé yawó ilé olofi: Kirchliche Hochzeit
Iguá ilé ikú: Das Grab für den Verstorbenen schaufeln
Igüí: Gespenst, Schatten eines Verstorbenen
Iguono iariché: Frage an den Orisha, ob er den Ratsuchenden retten wird (beim
Werfen der Muscheln)
Ijalú: Bezeichnung für die Instrumentalmusik der Yoruba
Iki busí ainá: Holz für das Feuer sammeln
Ikú ló bi Ocha: Der Verstorbene gebärt den Heiligen
Ilá aku: Die Streifen, die die Lukumis auf der Wange tätowiert haben.
Ilara: Freiheitscharta, Ausweis

153
Ilé ilé sabió ibá insoró banyé ayé: Das Böse soll sich aus dem Haus entfernen; der
böse Geist soll weit weggehen.
Ilé ocha: Cabildo, Haus der Heiligen
Ilé oloyá: Platz, Markt
Ilè so yoruba dá-adáa: Ich kann nicht sehr gut Yoruba sprechen.
Ilé: Haus, Zimmer, Erde, es dient den Gottheiten, Personen und Tieren als
Unterkunft.
Ilú oba: Stadt; die Hauptstadt
Ilú pupu ilé: Havanna
Imalú bioñiro, Olorun lonté shin fún: Gott verscheucht dem Ochsen, der keinen
Schwanz hat die Fliegen.
Inú midún láti wá lá-rinyin: Ich bin glücklich, bei euch zu sein.
Ipó ikú: Land der Toten; die andere Welt
Iré arikú moyale: Vollkommenes Glück für den Ratsuchenden (bei der
Muscheladdivination)
Iré Olodumare: Glück, das von Gott kommt.
Iré: Glück, das Gute bei der Interpretation des Dilogun, Wohlstand, Freude
Iresi: Großes Glück, guter Stern unter dem jemand geboren ist.
Iroso úmbe: Oddun oder Zeichen, das dem Babalawo befiehlt, dem Ratsuchenden
seine Dienste kostenlos zur Verfügung zu stellen.
Iso kún: Leidende, Menschen, die in Trauer sind.
Itá: Treffen der Santeros am dritten Tag des Asiento um über das Schicksal des
Initiierten zu beraten.
Itutu: Trauerritual “gehe in Frieden, Verstorbener, denn dein Wille wird ausgeführt”
Iyá duroko, iyá mí: Meine Mutter, sei nicht so hart zu deinem Sohn, kümmere dich
um ihn.
Iyá (iyaré): Mutter
Iyaguá: Großmutter
Iyáguona: Patentante
Iyalá: Jungfrau; Frau
Iyá temí igboni nagbé kleo foná yami iyá mi si le babá mi lorún: Maria, meine
Mutter, unsterblicher Trost, beschütze mich und führe mich in das Himmelreich.

J
Jegguá: Geist der Jungfräulichkeit und Herrin der Geister
Jidá: Hund
Jio: Huhn
Jiré: Bohnen
Jó: Tanzen
Jo: Nein
Jowó: Entschuldigen Sie bitte
Jówo rora sóro: Bitte sprechen Sie leise
Juyá: Tragödie

K
Ká borisa: Die Gläubigen stellen sich im Kreis auf.
Kalalú: Suppe mit Mehlklößen (in dieser Suppe gab Oba Shango sein Ohr zu essen)
Kalé: Setzen Sie sich auf den Boden; Kreise auf dem Boden, hier setzt sich der
Initiierte beim Asiento-Ritual hin.
Kaní nu aché: Ache in den Mund tun
Kawo kabié silé: Gruß für Shango

154
Kawo kawo akué kué inlé oyú mole: Der Regenbogen nimmt nur die Strecke ein,
die Gott ihm zuteilt.
Ki kiayé: Neid, Verleumdung, Wortverdrehung der Neider
Ki yalode owó mi: Ochun um Geld bitten.
Kíló dé tó rojú: Warum ist er erzürnt?
Kininá arubó té yó fú bi bé auko: Sogar die Alten springen wie die Geißlein, wenn
sie auf dem Fest glücklich sind.
Ko gbado ekpá enia: Töten Sie niemand!
Ko kán ko kán: Von Herzen
Kofiré padé: Gute Reise
Koidé: Mütze, die mit Muscheln bestickt und mit Papageienfedern verziert ist, die der
Initiierte beim Asiento Ritual trägt und die den Orisha, dem er geweiht ist darstellt.
Kokó lowó: Die Großen, diejenigen, die viel Macht und Reichtum besitzen.
Komayimikú: Errette mich vor dem Tod!
Koró arugbó: Strenger und unnachgiebiger Alter
Kosi ikú, kosi aro kosi eyé kosí ofó, aikú babaguá: Es soll keinen Tod, keine
Krankheit, kein Blut und keine Schamlosigkeit geben; Gesundheit und Glück, Vater
unser (spricht man wenn man mit den Ritualen beginnt).
Koso ni kó salá omó ti i ti: Heute nicht, morgen schon. Morgen wirst du mir alles
bezahlen (sagt der Orisha wenn er zornig auf seinen Sohn oder den Gläubigen ist).
Kubambo: Bezeichnung für die Axt Shangos, mit der er sich verteidigt und bestraft.
Kunlé lese ocha: Zu Füssen des Orishas niederknieen
Kusí lé: Kann man eintreten?
Kusí ló: Kommen Sie herein!

L
Laáyo: Herz
Laguedé: Schmiede, die Gegenstände von Ogun
Laiché: Schwierig, es wird viel Arbeit machen.
Laini: Arm, völlig mittelos
Lariché larichesi: Was befehlen die Götter, um dem Gläubigen, der sein Schicksal
befragt Erleichterung zu bringen?
Latuá Timotea Albear: Eine der letzten Santeras in Havanna, die aus Nigeria
stammt.
Lení odé gú odó cha odá kú lebo: Du bist für mich nun ein Geist und ich kniee vor
dir nieder (Gruß für den Verstorbenen).
Ló: Weggehen, aufbrechen
Lò: Benutzen
Lo feré: Ich will
Lo tié: Deins
Ló yúo: Augen
Lukué lukué boni: Danke, vielen Dank
Lulú banché: Trommelwirbel für Elegua wenn der Trommelwirbel der sechs
Trommeln für die 16 Orishas beginnt.
Llede: Tag
Lleoun: Wo?
Lleún: Essen, essen
Llocó: Besessener, Heiliger

M
Ma ana: Große Menschen die alles wissen.

155
Mababé: Liebkosen
Mafere fún Olofi: Ich vertraue mich Olofi an.
Maferefún: Lob, Gnade, sei gepriesen, deine Bitten seien dir immer gewährt!
Magba: Oberster Priester von Shango
Mallundangue: Der Mund soll schweigen
Mokio María: Heilige Maria. Okún fun oré: Du bist voll der Gnade Olugba enbe
pelure: Der Herr sei mit dir Alabukún nifún igbo: Du bist gesegnet Ni nu agbon
obirí: Unter allen Weibern Alabukún nifún eso inú re: Und gesegnet sei Jesus, die
Frucht deines Leibes María mimó iyá olorun: Heilige Maria, Mutter Gottes
Gbadura fún gbá: Bete für uns Otochí eleche: Die Sündigen. Nisin sinyin: Jetzt
Atí la koko: Und in der Stunde Ikú gbá: Unseres Todes. Amen.
Mayechi: Kind, Kindheit
Merín layé: Die vier Kardinalpunkte; Vier Winde
Mí: Ich
Mí afení: Mein Verehrer
Mi bi léko: Meine Ehefrau
Mi okó: Mein Ehemann
Miguá (Miwá): Name von Shangos Sohn
Mó bá ori Changó alá móba orí Changó: Ich bin der König, der Prinz, Shango
Mó ló ilé í oyiná: Ich gehe nach Hause, das ist weit weg.
Mó wi oní Yemayá la ra mi: Ich sage Yemaya sie soll mich belohnen, mir
Reichtümer schenken.
Modoqué Olodumare: Mit der Gunst Gottes
Mole yakaya ochukna gueikoko: Wenn der Mond aufgeht, kann niemand dieses
Licht löschen.
Morelé: Ich bitte den Heiligen um Vergebung, er möge unsere Fehler vergeben.
Moyé moyé: Das weiß ich schon
Moyerún: Essen, das man dem Heiligen oder dem Verstorbenen anbietet.
Moyubare (moyuba, moyugbó): Gebet, man bittet den Heiligen um Erlaubnis, sich
an ihn zu wenden
Moyuba areo moyuba orisa: Mit Genehmigung der Alten und der Heiligen

N
Ná owó: Geld ausgeben
Nagba: Priester; Priester von Shango
Naná Burukú: Der Mond, ein Namen von Yembo oder Yemaya
Nangalé: Zeremonie, bei der die Gläubigen nach Durchführung der Opfergaben bei
Sonnenaufgang, um eine Schale mit Essen kreisen, ihre Tassen zum Himmel
richten, Gott danken und um seinen Segen bitten.
Ni sé güimí mó mó: Auch wenn ich Kreole bin, verstehe ich was ihr sagt, ihr könnt
mich nicht für dumm verkaufen.
Nibó logbé ri aroni: Wo hast du den Teufel gesehen?
Níbo ni o ti wá: Woher kommen Sie?
Niché: Wunsch; Talisman um zu erobern und alles zu erhalten, was man begehrt.
Nikán kokán: schlechtes Herz
Nitoro obirí logún ibadán: Wegen einer Frau ging das Dorf verloren (das Dorf hieß
Ibadan).
Nje o mo ilé wa: Kennen Sie unser Haus?
Nje o mo: Verstehen Sie?
Nwon fe se onje: Das Essen ist fast fertig

156
Ñ
Ñádudu: Schwarzer, der mit dem Schiff kam.
Ñaña: Mutter
Ñale léke: Halskette
Ñ kó ni pé: Ich werde mich nicht verspäten.

O
Obáibo: Gott selbst, das göttliche Auge
O ni oruko: Mein Name ist
Ó wá ni sóosi: Er ist in der Kirche.
Obí aréo: Es sei für das Gute (spricht der Priester wenn er die Kokusnußaddivination
durchführt).
Obiní oko yopo: Paar (Mann und Frau)
Obo lowó Olorún: Ich lasse alles in Gottes Hand.
Ocha eré: Umhang der Jungfrau
Ocha: Heiliger, Orisha
Ocha waribó: Gruß für den Orisha oder Heiligen
Ochichín: Bevorzugtes Essen von Ochun und Yemaya (Krabben- und
Gemüsegericht)
Ochonlá: Entfernung zwischen Erde und Sonne
Ochukuá lé okun: Der Mond im Meer
Odara (emi dára): Haben, gesund sein, zufrieden sein
Odí yumí omo mí: Auf Wiedersehen, mein Sohn
Odo mi tuto: Frisches Wasser aus dem Fluß
Odu-dúa: Das heilige Sakrament des Altars
Odúa: Obatala (er erhält diesen Namen auf dem ältesten seiner Wege)
Oferé: Kubanische Banane, man benutzt sie bei der Rogation des Kopfes.
Ofó telé obí telé: Für das Schlechte gibt es das Gute.
Oga enikeré: Tapferer Mann, der respektiert und geliebt wird.
Ogbé bi tuku loni erú: Sie haben den Schwarzen wie tot zurückgelassen.
Ògènètèn: Düstere, finstere Zeit
Ogún choro choro eyé lé de karo: Ogun führt etwas Schwieriges durch, das Blut
fließt.
Ogún ogúnbi: Der Gott Ogun, Herr des Eisens
Oguón tún dubule titi akukó guá ko: Die Menschen schlafen bis der Hahn kräht
Oibó: Weißer; der Besitzer der Plantage
Okambí: Ältester Sohn Oduduwas
Okánani: Der beste Freund
Okarara-ebo: Teil des Ifa-Addivinationsorakels das über die Opfergaben informiert
Okó bi ayé orisa óko aféfé kú óko bi ayé omá lara: Die Erde gibt alles, auf ihr
entsteht alles und man ißt alles, was auf ihr entsteht und was sie gibt.
Oko erún: Die Sklaverei
Okoreké: Zuckermühle, Maschine auf einer Zuckerrohrplantage
Okú ódun okuyé dún ayéiyé mí dún: Sein Heiliger möge ihn das, was er anstrebt,
erreichen lassen, er möge ihn beschützen und ihm Geld geben (Gruß für jemand der
seinen Geburtstag feiert).
Okualeo: Gute Nacht
Okuó yimao: Guten Tag
Okuó yireo: Guten Morgen
Olelé: Maispastete, die in Bananenblätter eingewickelt ist (wird bei den Asiento-
Feiern gegessen)

157
Olodumare ayó bó: Möge Gott uns Freude und Glück schenken
Olodumare ochó: Gott, hilf mir
Olofi eguá wó: Gott möge dich erheben
Olókpé babalawo: Rufe den Babalao wenn es Schwierigkeiten gibt.
Olokun ayáo agá ná ri aká gweri: Ich hoffe auf dein Kommen aus der Tiefe des
Meeres, damit du bekommst was ich dir anbiete (spricht man zum Orisha Olokun).
Oloru wá: Gott ist überall.
Olú batá: Trommler Changó olú batá: Shango ist der Herr der Trommeln.
Olú oyibó: Spanien
Olúo bóbo kale: Alle Santeros, die im Kreis sitzen
Omelei: Kinder der Afrikaner
Omí lokún: Salzwasser
Omí nené: Süßwasser
Omí olorum: Weihwasser.
Omí oronú: Parfüm
Omí otán: Wasser des Steins des Orishas, es wird zum Heilen genutzt
Omí oyumá: Morgentau
Omó abusayé ocha ano: Durch die Kreolen geht die Religion der Orishas verloren.
Omó kolaba Olofi: Weiser der Religion, der bestimmt, wie der Asiento durchgeführt
wird.
Omoloni: Sohn
Omómobiní: Enkelin
Omómokoní: Enkel
Oná rire: Guter Mensch
Oni kai inú: Schlechter Mensch
Oní Sangó bá oso milé: Wenn Shango erzürnt ist bebt die Erde.
Onilayó: Kakaobutter, um den erzürnten Orisha zu besänftigen.
Onu: Liturgische Gesänge, die von den Yorubas gesungen und gespielt werden.
Ore ocuá, ore: Der Freund tötet den Freund.
Orífiyi ocha fifí okán: Das Haupt des Initiierten bemalen
Orisa gú ayé: Der Heilige stieg zur Erde herab
Orisha bagbó: Alle versammelten Heiligen
Oro ilé Olofi: Messe in der (katholischen) Kirche
Oro nó tó: Die Götter wenden das drohende Böse ab
Oruko fún babá gán: Der katholische Papst
Orún oké orún salé ebá mi kachocho: Gott im Himmel und auf Erden, laß mich
nicht allein, beschütze mich.
Osá sá oni bara wó: Der Herr ist gekommen, die Fremden sollen hinausgehen
(geheime Rituale, bei denen die Gläubigen nicht anwesend sind).
Osaínle: Eule (Bote Olofis während der Nacht)
Osobo (osogbo): Pech, Unglück, das Schlechte bei der Interpretation des Dilogun
Osorde: Addivinationsritual, bei dem der Babalawo um Rat für sich selbst bittet
Otá ki ibo: Drücke den Stein, grüße und bitte (spricht der Babalao zum
Ratsuchenden)
Otonowo: Auf einer Frage beharren bis man sicher ist (beim Addivinationsritual)
Owó: Geld, Reichtum, Geschäft; Hand, Erlaubnis
Opolopo owó: Viel Geld
Owó lówo mí ló laí lí: vor langem ist mir das Geld durch die Hände geglitten
Owotita: Happen, den man vor jedem Essen zu Ehren der Vorfahren auf den Boden
wirft.
Oya Yansán: Orisha, der mit der Jungfrau der Kerzen synkretisiert wird.

158
Oyé: Zepter aus Palmenholz, in der Form einer zweischneidigen Axt, Attribut
Shangos
Òyimbo: Weißer Mann
Oyibó opá erú: Der Weiße tötete einen Schwarzen.
Oyobí: Der Tag, an dem man geboren wird.
Oyóyro sakó ni aguadó: Wenn das Wasser nicht fällt, wächst der Mais nicht.

P
Palaba: Verletzt, geschlagen; der Trieb einer Pflanze
Panchaka bu ké relé bi ti oyá ki latatí orowó: Die Prostituierte schläft hier und dort
und geht auf und ab um sich zu verkaufen.
Pansa ilé: Grabstätte, Grab
Parubó ochá: Den Orishas Tiere opfern
Pàyan: Spanisch, spanische Sprache
Potogí: Portugiesisch, portugiesische Sprache
Pèle: Traurig sein
Pele O: Os tut mir leid.
Pekee: Einzig, allein
Pikuti: Bestrafen (eine Krankheit kann das “pikuti” eines gekränkten Orishas sein).
Pinobí: Teilen, die Kokusnuß teilen
Piran-Ifá: Erlernen der Addivinationsgedichte
Pupo edún: Ein Jahrhundert

Q
Queun: Stückchen
Quibai gueboda: Es sei mit Gesundheit und Glück.
Quiloguase: Was werden Sie machen?
Quilonche (quinché): Was sagen Sie?
Quinkamaché: Gesundheit

R
Rán lowo: Helfen
Ré: Dein, Deine, Eure, Ihre
Rí: Einmal, jederzeit, immer; sehen
Rora: Vorsichtig, besonnen
Rú obí: Essen; kauen (die Santera kaut die Kokusnuß, um sie auf das Haupt des
Gläubigen zu legen).
Ruma ruma tí ti babá: Baba, der Orisha, möge erlauben dass jemand nicht mehr
arm sei.

S
Sá: Fröhlich, gerade, gerecht, ehrlich
Saloni aburo mi: Ich renne schnell weg, mein Bruder.
Sará ekó: Rogation mit Mais. Schnelle Opfergabe für den erzürnten Orisha oder
Geist
Sé kò siyonu: Gibt es keinerlei Schwierigkeiten?
Sé òritó ni: Stimmt es?
S`e lè so yoruba: Sprechen Sie yoruba?
Sisé inyé: Kochen um zu essen
Só fún enía kan: Er wird es niemand erzählen.

159
Só mó gué niwó sá ló: Ich ziehe mich zurück, ich gehe weg (spricht der Orisha
wenn er geht).
Sodorisa: Taufen, weihen, heiligsprechen
Soro (sore, sòrò): Sprechen
Sore osí: Sprich nicht so
Soró pípo: Klatschsüchtiger
Sure fún: Segnen, das Gute wünschen
Suyeres: Gesänge und Gebete bei den religiösen Zeremonien

T
Tabú: Was ist los?
Talatá: Jemand, der Pech hat, der vom Pech verfolgt wird.
Tan tó olorún tá ledá: Das Haupt, auf dem Olorun leuchtet, trägt nicht mehr
Gewicht als es kann.
Tani imóguálé: Wer hat ihn in dieses Haus gebracht?
Tani moti yaré. Omó reko motí yaré: Warum findet in diesem Haus eine Feier
statt? (Fragt Shango wenn er im Haus des Gläubigen, der ihn feiert, eintrifft).
Temí eché tamiyo agoro niche do ma do adó awá sí aguawuona: Gott im Himmel
und ich hier, mit meinen Pflichten, werfe alles Schlechte hinaus und beende es.
Temí tan: Was mich betrifft
Teru teru: Aufpasser oder Sklavenhändler
Ti kére tí motí moti motiyó aguá yá: Du bist verrückt, du bist betrunken, wir werden
handgreiflich.
Tikaramí: Für mich
Tino adó: Messer, das für die Opferung der Tiere bei der Asiento-Zeremonie
verwendet wird.
Titán: Sagt man wenn der Orisha dem Gläubigen seine Gunst schenkt und das Böse
von ihm entfernt.
To iban echu: Alles ist in Ordnung, der Friede möge nie gestört werden, Friede für
ewig.
Tu loré gumí omilele omilala: Es möge enden, bitte ich alle, beginnen wir.
Tuí tuí: Schneller Trommelwirbel (um die Kinder Shangos in Trance zu versetzen)

U
Udán: Natürlich, selbstverständlich
Uké: Große Schildkröte
Ukumbusho wa wila mwaja: Geburtstag
Umbó beloyá: Woher kommen Sie?
Un soro ofó paobí: Sprechen Sie weder Gut für Schlecht, noch Schlecht für Gut (in
der Addivination).
Unfá lo ni: Auf Wiedersehen, ich gehe.
Unkuelé: Hören, sprechen; Treffen von Personen, die sprechen
Unwáloké: Der Himmel, das ganze Firmament
Unyalé burubá: Essen, das Zauberei enthält

V
Valenyó: Name Oguns, wenn man ihn als der König der Metallschmiede ansieht.
Via alan: Ave Maria.
Vilevile: Auch
Vititi: Baum
Vititi finto: Stock

160
W
Wá: Unser, unsere, unserer; jemand suchen; komm
Waleyo: Derjenige, der von auswärts kommt, der nicht ortsansässig ist.
Wan yó dukué: Wir sind zufrieden, danke
Wanto lo kun: Das Meer, in Meeresnähe, am Meerufer
Wemó emi babá: Reinige mich, Orisha Vater
Were were iná yo Eshú wele: Ein kleiner Kauf der Freude macht, bewege dich
Eshu, es sei möglich.
Woni ará: Der menschliche Körper
Won lí owó ilé: Jener hat Geld und ein eigenes Haus.

Y
Yaguatimá: Ich liebe Dich so sehr!
Yamí okúti: Kosename für Yemaya
Yara: Wohnzimmer, Empfangshalle; es eilig haben, Eile
Yé re yétún yeré su yeré: Gebet und Gesang wenn man dem Orisha eine
Opfergabe anbietet.
Yeku yekun: Gespenst, Erscheinung deren Gesicht man nur schwer erkennen kann
Yemayá gunlé: Das Meer am Ufer, das Meer, das sich am Ufer wiegt
Yéye omó ti bere: Heilige Mutter, dein Sohn betet zu dir.
Yikán kinchébó: Ein einziger Stamm macht keinen Wald
Yo awó: Montag (Tag der Addivination von Eleggua, Ochosi)
Yo ose: Sonntag (Gebetstag für Olodumare, dem Allmächtigen)
Yokefá: Samstag (Tag, der ermöglicht, dass jemand sich in einen verliebt, er gehört
Ochun).
Yoyo yofún: Alle Leute (bezieht sich auf alle, die sich auf einem Fest vergnügen).

Z
Zika: Beerdigung
Zina: Lebendig
Zua: Erfindung
Zuri: Bewundern

Die hier enthaltenen Yoruba- und Santerowörter und Redewendungen wurden aus
dem Werk “Vocabulario Santero” von Eulogio Rodríguez, Priester von Ifa, Oba von
Kuba, entnommen. Man kennt ihn besser als Tata Gaitan, mit diesem Namen
veröffentlichte er auch das o.g. Werk

Anmerkung des Autors: Ortographie und Akzentsetzung der Yoruba-Ausdrücke sind


nicht verbindlich, denn sie sind von Gebiet zu Gebiet unterschiedlich.

161
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