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Seit Anbeginn der Menschheit haben wir das Bedürfnis, uns die Welt erklären zu

wollen und so ist es ganz und gar nicht verwunderlich, dass wir auch das
verstreichen der Zeit und das damit verbundene Altern hinterfragen. „Was ist Altern?
Wodurch wird es ausgelöst? Warum altern wir und auch andere höhere
Organismen?“ Das sind Fragen, auf die es bis zum heutigen Tag keine allgemeine
wissenschaftlich akzeptierte Antwort gibt. Nichtsdestotrotz gibt es einige Theorien
über das Altern, welche sich auf Daten, Konzepte, Reflexionen, Diskussionen und
Fragen und Kritik beziehen. Die Theorien wurden demzufolge systematisch
erarbeitet und aufgestellt, erklären sich anhand eines Modells, spiegeln die einzelnen
Schritte, die zur Konstruktion geführt haben, wider, setzen sich mit Widersprüchen
auseinander und betrachten die Annahmen kritisch, indem sie offen für
Erweiterungen und Änderungen sind.
Ich möchte die folgenden fünf Theorien des Alterns beschreiben:
- Aktivitätstheorie
- Disengagementtheorie
- Kompetenzmodell
- Defizitmodell
- Kontinuitätstheorie

Des Weiteren werde ich die Bedeutung der Aktivitätstheorie auf das therapeutische
Arbeiten und die Altenpflege erklären.

Aktivitätstheorie
Diese Theorie sagt aus, dass der Mensch stets sozial aktiv sein will und seine
soziale Teilhabe ihm wichtig ist. Der Mensch fühlt sich wohl, wenn er etwas zur Welt
beitragen kann und das Gefühl bekommt gebraucht zu werden. Deshalb sollte die
berufliche Arbeit im Alter durch Beschäftigung ersetzt werden. Der Mensch ist nicht
mehr dem beruflichen Leistungsdruck ausgesetzt und findet dennoch einen
Lebenssinn, indem er an der Gesellschaft teilhat. Seine Eigenständigkeit sowie
physische und psychische Kompetenzen bleiben besser erhalten und durch die
Wertschätzung und die Erfolgserlebnisse gewinnt er an Selbstwertgefühl und ist
zufriedener. Es kann weder zu einer sozialen Isolation noch zu einem Rentenschock
oder Pensionstod kommen. Trotzdem muss darauf geachtet werden, dass es nicht
zu Selbstüberschätzung oder Überforderung kommt, denn besonders dann muss
sich der alternde Mensch mit seinen eventuell wachsenden Defiziten
auseinandersetzen, was häufig zu Resignation und einer Gegenreaktion führt.
Beschäftigungsangebote findet man in Rehakliniken, Alten-/Pflegeheimen, in offener
Altenarbeit und auch bei der Tagespflege.

Disengagementtheorie
Hier findet man die entgegengesetzte Position der Aktivitätstheorie. Aufgrund des
biologischen Abbauprozesses, der mit dem Alter einhergeht, werden Tod und
Krankheit immer wahrscheinlicher, sodass der Mensch dazu tendiert, sich aus
Gesellschaft und Familie sowie bisherigen sozialen Rollen und Aufgaben
zurückzuziehen um sich auf das Sterben und den Tod vorzubereiten. Dieser Prozess
läuft spannungsloser und harmonischer ab, wenn der Rückzug von Betroffenen und
der Gesellschaft allgemein akzeptiert und respektiert wird. Sehnen sich die
Angehörigen nach mehr Kontakt, kann es zu Spannungen und Konflikten kommen.
Es ist wichtig, dass der Mensch im Alter Zeit hat, sich nach innen zu wenden, sich
auf wichtige und persönliche Dinge zu konzentrieren, den eigenen körperlichen und
geistigen Abbau zu verstehen und respektieren und sich mit dem Gedanken des
Sterbens und des Todes auseinander zu setzen. Auch Angehörige können davon
profitieren, da auch sie sie Zeit haben, sich auf das Sterben der Person
vorzubereiten. Wird der Prozess jedoch zu früh eingeleitet, können Ressourcen und
Fähigkeiten schneller verloren gehen und eine vorzeitige Isolation und Vereinsamung
ist nicht ausgeschlossen. Der Mensch wird zunehmend hilfloser.
In Hospizen, Palliativstationen und auch Alten-/Pflegeheimen wird die
Rückzugstheorie oft umgesetzt.

Kompetenzmodell