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3

Repertorlum
111 г

stelerlschen Munzkunde

Von

Dr Frledrlch P|ch|er.

I. Band.

D1e kelt1schen und consularen Munzen der Ste1ermark


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Ennlentuug ulm dw Pílege der Nu||||s|||nt|k lm Lande

GRÍEIZ 1860

Comm|ss1ons\cr\.\„ von Leuschner Se Lnbensky s Unwersltwls Buohhandlung


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REPERTORIUM

steierischen Münzkunde.
Von

П’ FRIEDRICH PICHLER.

- 1.Band.
Die keltischen und consularen Münzen der Steiermark
Mit einer

Einleitung über die Pflege der Numismatik im Lande.

GRJE TZ. 1865.


Commlssmns ­ Verlag von L euschner & Lubensky s
Universitœts­Buchhand1ung
Die

keltischen und ennsnleren Münzen


der Steiermark.

Mit einer

Einleîtung über die Pñege der Numismatik im Lande.

Von

Dr. Friedrich Pichler.

СВЕТЕ. 1865.
Commisslom Verlag von L e u s ch n e r & L u b c n s k y’s
Univarsîtœts-Buchhandlung.
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MONAGENS is а ’

Druck von A. Leykam’s Erben in Greetz.


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Inhalt.

Einleitung. Die Pflege der Numismatik in Steiermark. Die Wissen


schaft und ihre Entwickelung. Erzherzogliche Hofsammlung. Gustav
Heraeus. Edschlager‘s numismatisches Lehrgedicht. Erasmus Frœlich,
Biographie und Charakteristik seiner Werke. E. H. Graf Wildenstein
und seine Sammlung. J. Khell. J. H. Eckhel zu Leoben, Greetz, Juden
burg; sein System. J, M. Weissegger aus Riegersburg, Numismatiker
zu Freiburg. St. Lambrecht und seine Sammlung bis 1786; andere
gleichzeitige. Erzherzogin Maria Anna zu Klagenfurt. J. Fr. von Bonomo.
Erzherzog Johann’s Stiftung, das Münzencabinet im Joanneum, Ge
schichte seiner Entwickelung von 1811-1864, Biographie und Charak
teristik seiner Leiter: J. Wartinger, E. Pratobevera, Dr. K. Schmit
Tavera, J. G. Zahn. Der Geschichtverein und sein Wirken für die Münz
kunde. A. Fr. von Prokesch-Osten, Leben und Wirken. Numismatische
Quellen, Sammlungen und Sammler im Lande. Admont. Cili (Eckhel,
Suppantschitsch, Eitl, Bergmann, Seidl, Dorfmann, Gadolla, Uhl, Ma
gistrat, Gymnasium) und Tüŕfer, Frasslau (Foramiti), Gleichenberg
(Franziskaner), Gleisdorf (Meixner), Graetz (Attems, Bianchi, Cozzer,
llwof, Felicetti, Frank, Franziskaner, Johanna von Henikstein, Hinter
thür, Karg-Bebenburg, Dr. Richard Thaddäus Knabl [Leben und Wir
ken], Kohl, Mayerhofer, Robitsch [Augustineum und Bondi], Selliers
Moranville. Handel, Abformung, Reinigung, Fälschung), St. Lambrecht,
Leibnitz (Harb, Braun, Renz, Kollarz), Lemberg (Doberna bei), Mar
burg (Рuй), Mureck (Krautgasser, Sixt, Herzogin von Berry u. A.), Mürz
zuschlag, Pettau (Dr. J. Höniseh [Leben und Wirken], Damisch, Eder,
Fürst, Honiek u. A.), Reun (Cisterzienserstift, Columban List), Vorau
(Augustinerstift), Weitz (Kutschera) mit Thanhausen und Anger, Zell.
S. 1-108.
I. lîßìlpiliüßlis Keliîsches Münlwesen. Urbewohner. Der Kelten Nachlass,
Stammsitze, Sprache, Schrift, Staats- und Standesleben, Religion; Bau
auf Gold, Silber, Kupfer. Münzung und deren Würdigung, Zutheilung,
Münzrecht, Münzmass und Gewicht. Technik. Eintheilung in nationale.
griechisch-imitirte und römisch-imitirte Münzen. Funde. Beschreibung.
Schriftdeutung. System. Mass und Gewicht. Quellen der Darstellung.
Verzeichniss keltischer Münzen. I. Reihe. Gold Z. 1-8. II. Reihe. Silber.
A. Type: Kugel, Stern Z. 9-14. B. Type: Freies Pferd u.s.w. Z. 15-67.
C. Type: Reiter, makedonisch-thrakische Imitation, a) anepigraph
Z. 68-81, b) epigraph Z. 82-107. III. Reihe. Bronce u. dgl. (römische
Nachahmlmg) Z. 108-115. Uebersicht der Typen und Gewichte, benach
barte Münzströmung. S. 111-182.
П. Hauptstück» Römisch-consulares Münzwesen. As und Tlieile. Silber
prägung. Denar, Quinar, Sesterz, Vietoriatus. Begriß der Familienmün
i
zen. Münzmeister u. a. Funde ausser und in Steiermark, Erstreckung,
Sammlung, Verzeichniss der in Steiermark gefundenen Consularmünzen.
As, Quadrans, Triens, Uncia Z. 1-4. Denare vonAemilia, Antonia, Asinia,
Caecilia, Carvilia, Cassia, Clovlia, Cœlia, Cordia, Cornelia, Crepusia,
Fonteiа, Furia, Julia, Lieinia, Lîvineia, Luria, Maecilia, Marcia,
Naevia, Plautia, Porcia, Postumìa, Quinctia, Renia, Rubria, Salvia,
Sanguinia, Titia, Vibia. Z. 5-50. Incerti. Chronologische Anreihung.
Ptolemaeermünzen in Steiermark. Brettische, campanisehe, sieilische.
Abschluss vor dem römischen Kaiserthume. S. 183-214.
Beilagen. I. Keltische Sprachdenkmâler in Steiermark. 1. Verzeichniss
steierischer Orts- und Stammnamen aus Schriftquellen 2. Verzeichniss
neuerer Ortsnamen aus keltischer Wurzel. 3. Verzeichniss keltiseher
Personennamen aus steierischen Inschriftsteinen. S. 217-238.
ll. Numismatlsche Bibliothek. S. 239-248.
Tafeln. |. Münlmesser nach Mîonnet, Appel und Wellenheim. -1
II. Keltische Fundkarte von Steiermark.
III., IV., V. Keltische Münzen.

L
Einleitung.

DIE PFLEGE DER NUMISMATIK

IN STEIERMARK.
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Die Numismatik, als die wissenschaftliche Kunde von den Mün
zen (nummus, dorisch vöviunoç), ist eine Blüthe der neueren Zeit.
Ihr vorher geht das Streben nach Sammlung von Münzdenkmä
lern. Dieses Streben, dem Alterthume fremd, tauchte erst im
Mittelalter seit Petrarca empor und ging von Italien auf Deutsch
land über. In Rom, Florenz, Venedig, in Ungern unter Mathias
Corvinus erwuchsen Sammlungen, und in Deutschland stund
obenan Wilibald Pirkheimer (‘|- 1530). Die Münzkunde erhellten
zuerst Poliziano, Budé, der Deutsche Huttich, Fulvio, Vico,
Erizzo, der Deutsche M. Host, du Choul, der vielfach misslei
tende aber kunstfertige Niederländer Goltz, der Spanier Ago
stino, der Unger Sambucus, Ursini und sein genauer Nachfolger
Patin, dann Occo, le Rouille, le -Pois, endlich Speed und Camb
den. Diese erste Periode ist unkritiseh über die Echtheit, ordnet
noch nach Metall und Grösse und lässt dem Betruge von Samm
lern und Händlern, besonders der kunstreichen Italiener, vollauf
freie Hand. Dafür gebietet sie aber noch über fast uneröŕfnete
Fundfelder. Was in Europa aus alten Culturstätten der Urbe
wohner, der Römer, einzelner Wandervölker zu haben war, was
die Kreuzzüge aus dem Oriente heranführten , was die flüchten
den Griechen vor den rohen Osmanen ins Abendland retteten,
was endlich die Raubzüge der letzteren selbst bis an die Donau
heraufbrachten, das alles und die gleichzeitige einheimische
Münzdenkmalreihe dazu war ein fast unabsehbares Object für
Sammlung und Forschung damaliger Zeit. Nachrichten von An
tiquitätenfunden im Mittelalter, wie sie G. Zappert nach Veran
lassungen und geschichtlichen Zeugnissen zusammengestellt hat,
besitzen wir im Allgemeinen recht spärlich, und wenn sich auch
auf allen anderen Gebieten mchreres nachweisen liesse, das nu
mismatische Feld bleibt am dürrsten bestellt. Gleichwohl möchte
für uns nicht unwichtig sein, auf das im Mittelalter noch viel
häufigere und lohnendere Schätzegraben und die daher erklär
bare plötzliche Bereicherung einzelner Familien hinzuweisen.
Manch ein gutes altes Goldstück wandert als ein Erbe an späte
Enkel und die Testamente der Reichen, namentlich der Adeli
gen, bewahren uns sein Andenken.
1
f 2 —

So viel der steierische Adel in obberührter Zeit auf seinen


Schlössern für schöne Bauten,-Galerien von Gemälden und Waf
fen, ja selbst für den ersten Beginn von Archiven und Bibliothe
ken gesorgt haben mag, so wenig ist er - übrigens begreiflicher
Weise - von dem Eifer des Sammelns gemünzter Mctallstücke
erfasst worden. In den ältesten Zeiten dürfen wir daher irgend
eine Sammlungsneigung nur bei den landesfürstlichen und etwa
den münzberechtigten Familien suchen, welche, ob nun einhei
misch oder zugewandert , im Lande sesshaft waren. Da ist es
allerdings mehr als wahrscheinlich, dass man mindestens die
Gold- und Silberstücke der Gcschlcchtsnamenträger emsig zu
sammengelegt und einigermassen verzeichnet habe. )Vir meinen
hiemit die münzbercchtigten Adelshäuser der Auersperg,
Dìetrichstein, Khevenhüller, Schwarzenberg und vor Allem die
ureinheimischen von Cili, Eggenberg und Liechtenstein. Doch
würde Niemand, fände sich selbst eine Nachricht über gesam
melte Stücke des Bürgers und kaiserlichen Münzmcisters Baltha
sar von Eggenberg (1460), oder des in Dänemark, Russland, Ita
lien, Spanien, Deutschland, Polen, Ungarn vielgereiseten Län
derbeobachters Sigmund Frciherrn von Herberstein (1486-1566),
des Schatzmeisters und Erblandhofmeisters in Steyer Johann
HofmannFreiherrn zu Grienbühel und Strechau (um 1492«1564),
darin ein wissenschaftliches Streben sehen wollen. Das weltzer
streute Volk der Juden , hierzulande seit den Karolingern in
Handel und Wandel emsig, auf Enns, Traun, Mur und Drau wie
im flachen Lande thätig, bis hart an die Zeit seiner Austreibung
aus Grätz (1496) für Schatz und Münze gesucht und erspriesslich
verwendet, förderte ebenso schr die Sammlung als die Zersplitte
rung numismatischer Schätze.
Kaiser Friedrichs Münzen haben nun schon in Maximilian
nach des Weiskunigs Versicherung einen cifrigen Besehauer und
in Ferdinand I. einen eifrigen Sammler erweckt. Der erstere
liess im Jahre 1506 ein römisches Grabdenkmal und eine alte
Münze, welche zu Leibnitz waren ausgegraben worden, nach der
Burg zu дым bringen und dort verwahren. So besagt es der
Inschriftstein. Des Letzteren Leibarzt und Bibliothekar W. Lazius,
gebildet auf Reisen mit dem steierischen Grafen Stahrenberg,
war zugleich Aufseher und Ordner des kaiserlichen Münzencabi
netes. Er mag durch seine Schriften und Reisen auch in unserer
Steiermark (1549) und inKärnten den Sinn für älteresMünzwesen
angeregt, und wohl auch, wie in Gurk, manches mitweggeführt
haben, ,so mir dunglich gefunden; allzeit wieder zu erfinden an
allen Irn entgelt‘, wie Lazius selber schreibt. Uebrigens war dic
3

ser nur der Nachfolger der Mönche Augustinus von Tifernum und
Cyriacus von Ancona, welche vor 1507 Steiermark, Kärnten,
Krain bereiseten, die Inschriften sammelten und wahrscheinlich
auch Münzen der besuchten Länder mit sich nahmen. SolcheWege
über Donau und Ро wandelnd, sind die ersten und gewiss nicht
die unerheblichsten Münzschätzc unseren Ländern entzogen und
für alle Zeiten unnachweisbar geworden.
“Не es fast gleichzeitig am Hofe des Erzherzogs Karl von
Steiermark gehalten worden , ob das hiesige Hofleben zu eige
nen Sammlungen führte, wie jene tirolische auf Schloss Amras,
durch Erzherzog Ferdinand gestiftet (1564-1595), ob das Münz
wesen als Kunsthandwerk hier ebenso blühte, wie in der damals
europäisch berühmten Münzstätte von Hall (-Meran), ob die ent
schiedene Prunkliebe der Erzherzogin Maria von Steiermark, für
welche Khevenhüller und Attems Majolikagefässe aus Italien,
Siegelringe u. dgl. herbeìschafften, auch das gemünzte Gold und
Silber betraf, mag vorderhand noch dahingestellt bleiben.
Der Umstand, dass in der kaiserlichen Burg zu Grätz eine
prächtige Bibliothek sich befand, die nebst der gräflieh Stahren-
bergischen mit vielen Manuseripten erst 1745 nach Wien gekom
men ist, ebenso eine Sammlung von Gemälden, worunter die be
rühmtesten Meister, sowie endlich eine alte Waffen- und Kunst
kamrner, welche zum Theile nach Wien verführt, zum Theile
1765 öffentlich versteigert worden , dies alles, wie die von Cäsar
erwähnte ,alte Gallerie‘ und Mayers Stelle von den ,schönsten
Alterthümern in der herzoglichen Kunstkammer‘, lässt immerhin
auch auf eine Sammlung wenigstens auserlesener Thaler und
Gedächtnissmedaillen am erzherzoglichinnerösterrcichischenHofe,
vielleicht ursprünglich im Lustschlosse Karlau, schliessen. Doch
fehlt sonst, ausser dass man die beim Mausoleumbau gefundenen
alten Münzen mit F. R. und S. L. in die Schatzkammer der Burg
einlegte, alle bestimmte Angabe. Das Gleiche gilt von der durch
die Stände errichteten» evangelischen Hochschule im Paradeis
(1568) mit ihren hellleuchtenden Namen und von der katholi
schen der Jesuiten (1586). Obwol man beiderseits und im Gegen
вatzе zu der, durch Kaiser Rudolph unterm 14. März 1278 ge
statteten Lech-Freischulc die Geschichte pflegte, so verlegte sich
doch Niemand auf numismatische Hilfswissenschaft. Uebrigens
freilich galt es damals weit grössere Fragen zu entscheiden, die
echte Münze der Wahrheit von der Hohlmünze des Scheines
zu sondern. ‚‚ ~
Aus den Zeiten des drcissigjährigen Krieges fehltjede Nach
richt über numismatische Bestrebungen wie im grossen Oester
1*
4

reich so auch in unserer Provinz. Erst nach Beendigung. der


trostlosen Reichswirren eröffnen die zweite bessere Periode der
Numismatik Haym, Beger, Liebe, Tiepolo, Pembrocke, vorzüg
lich Morell, Vaillant, Spanheim, der reichste Sammler Pellerin,
der negirende Hardouin , und unter Kaiser Leopold brachte der
Gelehrte Lambeccius wieder helles Licht auf die neubebauten
Gebiete auch durch unsere Alpenländer. Aber die eigentliche
wissenschaftliche Laufbahn eröftnet erst der Schwede Karl Gustav
Heräus unter Kaiser Joseph l. und Karl Vl. Er gab durch die
Schöpfung eines antiken und modernen Cabinetes bei Hofe auch
für die Provinzen den besten Ton an. Wie uns Heräus einerseits
als Anreger und vielleicht auch als persönlicher Ausforscher der
steierischen Münzschlitze wichtig ist, da er mit aller Welt
(Baiern, Schweiz, Italien u. s. f.) in Handels- und Tauschverkehr
stuud, so rückt er uns andererseits noch viel näher durch seinen
fast tragischen Aufenthalt in den obersteierischen Gebirgen, wo
er, angeblich seit dem Beginne der zwanzigerJahre in Karl’s VI.
Ungnade gefallen, in der rauhen Veitseh weilte. Er zog des Ап
fangs bis gen Grätz herab und bewunderte und beschrieb 1719
die Grotte oder Drachenhöhle bei Röthelstein , welcher Bericht
in.Mayers ,Alterthümern‘ (S. 191) 2r1 100011. Dann verschwen
dete der unstäte Mann, einst Domherr zuHamburg, dann schwarz
burgischer Hofrnth und kniserlicher Hofantiquar, Medaillen- und
Antiquitäten-Inspector, Geld- und Arbeitskraft auf bergmän
nische Ideen. Sein letztes Schreiben ist von Veitsch am 80. Sep
tember 1725 ausgegangen. Bald darauf, man weiss bis zur Stunde
nicht wo, muss der gelchrte einst so hochgetragenc Mann von
der Erde geschieden sein. Noch zeigt man in der Veitsch im
Ritter v. Wachtler’schen Werke (ehmals Schärfenberg’s und
Pluttensteiner’s Eigen) Spuren alter Bauhütten und weiss , dass
ein gewisser Heräus dieses ,von Alters aufgelassene Kupferwerk‘
wieder aufgenommen und dann abermals aufgegeben habe. Nach
Bergmann’s eifrigen Forschungen baute Heräus seit 1719 auf
stiftlnmbrechtischem Grunde im Widerst1‘eit gegen die Eigen
thümer, aber geschützt durch den kaiserlichen Oberbergrichter
zu Eisenerz, J. J. von Weissenberg, nach Ku fer, erhub einHaus
auf dem Grunde des Bauers Drechsler, zog Schmelz- und Berg
arbeiter herbei, liess Schmelzhütten, Rost- und Kohlenpahrn er
stehen und gewann wirklich Kupfer. Aber ein Vermögen von
20.000 fl. war daraufgegangen trotz der Frohnfreiheit , und
mitten ì1r1 Aufarbeiten, fortwährend im Genusse seines Titels
und voller Rechtlichkeit, starb er, überlebt von seiner zweiten
Gemalin.
5

Trübe Erfahrungen schwächten jetzt auf Längeres auch die


Sammellust am wiener Hofe. In dieser Zeit erschien zu Grätz
(1724) des fünfundzwanzigjährigen wiener Jesuiten Christian
Edschlager die Numismatik besingendes Lehrgedicht: ,Synopsis
rei numariae гепатит‘, ìп mehr als 1500 Versen. Das Buch (120,
52 S.) enthält 1452 Hexameter in 21 Capiteln, als: I. Numaria,
II. Gazophylacium, III. Nomina nummorum, IV. Aetas nummo
rum , V. Origo nummorum et metalli varietas , VI. Aurum,
VII. Argentum, VIII. Aes, IX. Divisie nummorum, X. Magnitude
nummorum, XI. Nummi maximi, XII. Pars adversa nummorum
-et series, XIII. Pars aversa nummorum, XIV. Ordo nummorum,
XV. Voces et literae, XVI. Deleetus nummorum, XVII. Color
nummorum, XVIII. Mendes nummorum, X-IX. Minera ornamenta
nummorum, XX. fraudes et nummi falsi, XXI. Paraenesis; ~ end
lich ,Synopsis rei nummariae explieandis versibus necessariee.
LX Monita‘ und 13 Abbildungen auf vier Kupfern. Das bis- ins
fernste England Aufsehen erregende Werk mag wohl auch in der
Steiermark allenthalben unterrichtend gewirkt haben. Erschien
es doch in Widmanstetter’schem Verlag. Nach dreissig Jahren
gaben Klein’s Analekten dasselbe in einem wiederholten Ab
drucke. Es waren diess die werkthätigen Zeiten der Kaiserin
Maria Theresia, welche durch die äusserst weitläufigen numisma
tischen Forschungen des aus der Champagne nach Luneville,
Paris und Florenz gekommenen und von Kaiser Franz nachWien
berufenen Duval glänzten. Dieser Münzforscher bereiste auf Be
fehl der Kaiserin mit dem Abbé Johann Marcy im Juni 1766
die Steiermark, von wo er sich nach Kärnten und Tirol wandte.
Sein Wirken endete 1775, zwei Jahre nachdem der durch sein
Werk über die Münzen Karl’s VI. bekannte Jesuit Leopold
Grueber zu Grätz gestorben war.
Ungefähr zur selben Zeit, als der für Oesterreich so wich
tige ausländische Gelehrte Duval, bildete im Herzen Oesterreichs
ein Talent sich aus, das wir noch jetzt mit hohen Ehren nennen,
ein Mann, welcher, ,wenn er allein der Stadt Grätz gegeben
wäre, ihr einen Ruhm über viele andere Orte erstritte.-‘ (Fr.
Xystus Schier’s Wошe 1769.) Es ist dies Erasmus Wilhelm Frö
lieh (Fröhlich), geboren zu Grätz in der Pfarre Heiligenblut am
2. October 1700, aus einer angesehenen bürgerlichen Familie.
Wie das Taufbuch (1589~1744), mit der Bezeichnung XI. um
fassend die Jahre 1694-1706, auf S. 363 ausweist, war Frölich
der Sohn des Martin Fröllieh, Hofkriegsstell-Registrators, mit
Anna Johanna Frölich, und erhielt seinen Namen am 3. October
nach seinem Taufpathen, dem innerösterreiehisehen KriegsrathGra­
6

fen ErasmusWilhelm von Sauron, durch den Geistlichen Magister


Johann Christian Seyfridt. Bis zum Jnhrel 7 16 den Studien, nament
lich derlateinischen und griechischenSprache, obliegend, trat er end
lich am l0.0ctoberd.J. in seinerVaterstadtin den Orden derGesell­
sehaft Jesu, vollendete hierselbst und im Colleg zu Leoben, wo er als
Poet glänzte, die philosophischen Lehrjahre , und kam dann als
Lehrer derMathematik und Geschichte an die unteren Schulen des
Gymnasiums des kiírntîschen Naehbarlandes zu Klagenfurt. Von
hier ging er nach kurzer Zeit an die wiener Universität (weilte
der Ascese wegen in Judenburg), lehrte Mathematik und drang
in die rabbinische Literatur ein. Erst hier fasste er durch seinen
in der Türkei und in Griechenland vielgereiseten Mitbruder Éd
schlager Vorliebe zur Münzenkunde. Bis zum Jahre 1742, wo
der Letztere starb, verkehrte er mündlich und brietiich auf das
Eifrigste mit seinem älteren Vorgänger. ln fast tiíglichem Um
gange mit dem mailänder Jesuiten Granclli, der die Theresia
nums-Sammlung leitete, erstarkte er schnell zum Meister in der
Numismatik und übertraf alsbald seinen rastlosen Lehrer, dessen
Wohlthaten er übrigens feurig anerkannte. lm Jahre 1733 er
schien sein erstes V\-erk: ,Utilitas rei numariae veteris compendio
proposita. Acceditxkppendicula ad шипов coloniarum per Cl.
Vaillantium editos. Е Uimel`ioVindobonensi eujusdam е societate
Jesu. (Granellii.) Excudi curavit Johannes Adamus Schmidius,
Bibliopola Noribergensis.‘ 8“, Kupfermfel mit 27 Münzen. Nach
zwölf Jahren (1746) ward Frölich Bibliothekar an der theresia­
nischen Ritterakademìe, welche er mit dem alphabetischen Kata
loge und dem Entwurfs des Materienkataloges „также, und
zugleich Lehrer der Geschichte, Archäologie, Diplomatik und
Wappenkunde daselbst, die Granelli’sche Münzensammlung der
Anstalt zubringend. An der Herstellung des Kataloges der kai-
serlichen Münzensammlung: ,Nuinismata Cimelii caes. regii
Austriaci Vindobonensis, fol. 1755‘, hatte er grossen Antheil
neben Khell und Duval. -Kaiser Franz liess sich von Frölich
vortragen, welcher besonders mit parthischen Münzen seit 1752
sich stark beschäftigte; die Kaiserin nannte den steierischen Ge
lehrten einen grossen Mann und händigte ihm alle Tripletten
ihrer Sammlung ein. Gleichwol war dieser grosse Mann fast noch
soarm wie damals, als er vor den böhmisch-französischen Wir
ren von “Чет: nach Grätz flüchten sollte und all sein Hab und
Gut in einem Linnensacke barg. Hauptsächlich aber folgt dem
aus Steiermarks Gauen ausgegangenen Frölich der Ruhm, im
grossen J. Н. Eckhel den -numismatisehen Funken angeregt zu
haben. Dieser Le_tztf.‘re überkam auch durch Denis Fröli­ch’s
7

handschriftlichen Nachlass. *) Körperliche Leiden und Anfein


dungen von Gegnern, die ihm nicht die Sehuhriemen autlöseten,
hatten das geistige„Streben durch ein Jahrzehend begleitet. Zwar
war Frölich von der, in Folge von Steinschmerzen vorgenomme
nen Operation, welche der geschickte Arzt Pallucei in van Swie
ten’s Beisein an dem, im Gemüthe völlig Ruhigen den 7.0ctober
1756 vorgenommen , wieder genesen , aber nach kaum zwei
Jahren, es war am 7. (nicht 8.) Juli1758, erlag er einem hitzigen
Seitenstechfieber.‘ Denis schrieb auf den Grabstein: Hunc facta
loquentur. Sein Urdensbruder Joseph Khell von Khellburg, sein
Schüler in der Numismatik und Nachfolger in der Garelli’schen
Bibliothek, lieferte zuerst bei Herausgabe des Frölich’schen Wer
kes : ,De familia Vaballathi‘, im Elogium eine Art Biographie
(1762). Erneut und übersetzt gab solche Samuel Wilhelm Oetter
im ,Neueröffneten Münzcabincte‘ (Nürnberg 1773 IV. p. 201)
heraus. Nach fast vierzig Jahren erinnerten zu gleicher Zeit die
wiener ,Annalen der Literatur‘ und unser einheimisc-herWink
lern (1810) sachgemäss an den grossen Sohn des Vaterlandes,
welchen M. Herrgott die Blüthe der Gelehrsamkeit genannt hatte,
und neben ’Hirsching , Ersch-Gruber, Meyer, der ,Nouvelle bio
graphie gc’nérale‘ beschäftigen sich eine Menge von Sammelwer
ken, die neuestens Wurzbach’s ,Biograph. Lexikon‘ IV. 376 if.
zusammenstellt, mit der seltenen Erscheinung. Frölieh war nach
dem Porträte zu schliessen, welches vom Verfasser gezeichnet
und von A. Schmutzer in Kupfer gestochen, dem Coroninisehen
Tentamen (1759) versteht, von heller, freundlicher, längliehter
Miene, die Stirn frei, die Augenbrauen stark bogicht und dicht
haarig geschlossen, die grossen Augen dunkel wie das Haar, die
Nase länglicht, Gruben in den Wangen. Ein Abbild, Copie von
Peter Fendi, bewahrt auch das k. k. Münzen- und Antikencabinet
zu- “Леn im Saale der mittelalterlichen und modernen Münzen
und Medaillen neben Duval, Eckhel, Neumann; eines, nach dem
Leben gemalt, das Stift St. Florian in Oberösterreich. Dieses
Bild, aufgehängt vom Propsten Georgius, enthält die Inschrift:
,ERASMUS FR(F.LlCHIUS. S. J. DISPOSUIT. SVBPL.

*) “Не viel von den Correspondenzen des Gelehrten _mit van Swieten, Fran
cesco Gori zu Florenz, Apostolo Zeno und Marchese Savorgnano zu Vene
dig, Barthelemy zu Paris und J. Gottfried Richter in Dresden (Khell Elo
gium, 14), vielleicht auch mit ausgezeichneten Ordensbrüdern der werthen
Steiermark und des lieben Kärnten vorhanden gewesen, ist nicht bekannt.
Neuestens ist aus Frö1ich’s Verlass die Reihenfolge der Edsehlageŕschen
Inschriften aus der Levante in das „Corpus inseriptionum“ von Th.^.\lomm­
sen übergegangen.
8

LECTISSIM. AVXIT. DOCTR. AC. OPP. SVIS. lNLVS'I‘RA.­


VIT. B. G. P. S.‘; darüber eine Münze des Kaisers Constan
tinus Chlorus, an Scepters Statt eine Feder haltend, mit In
schrift: ,REQVIES OPTIMORUM. MERITORUM.‘ Die Werke
Frölieh’s, über fjnfundzwanzig an Zahl, theilen sich in mathe
matische, historische und numismatische. Die ersteren (Dialogus
de figura Telluris, I, II, Viennae 1743, 80, Passaviae 1757, II in I,
40; Optica colorum R. P. Castel, latinitate donata, Vindob. 1744,
1745, 80; Introductie facilis in mathesin, Vindob. 1746, 3tomi 80)
fallen ganz ausser das Bereich unserer Betrachtung, obwohl Frö
lich seiner Zeit den ersten Mathematikern Europa’s beigezählt
wurde. Die historischen Schriften beleuchten meist dunkle Par
tieen der Geschichte von Tirol, Kärnten, Krain und Steiermark.
Erwìíhnen wir nur kurz jenes literarisehen Streites, in wel
chem Frölich gegen die Brüder VVernsdorf seine Vertheidi
gungsschrift: ,De fontibus Syriae (selbstverständlich nicht Styriae,
wie es an so vielen Orten heisst) in lib. Machabacorum prolusio
Lipsia: edita in examen voeata (Viennae 1746, 40)‘ schrieb und
eröffnen wir die Reihenfolge der historischen Abhandlungen mit
dem ,Diplomatorium Garstense‘ (Vienn. 1754, 40) aпв Materialien
nach Pusch. Diesem folgte im gleichen Jahre die vom Freiherrn
Franz v. Balassa herausgegebene ,Casulae S. Stephani regis
Hungariae vera imago et expositie (Vindob. 40)‘; 1755 ìn 40 für
den Grafen Otto von Schrattenbach der ,Dialogus quo diseeptatur,
anne Rudolphus Habsburgicus regi Bohemiae Ottocaro ab obse
quiis fuerit, cundemque tentorio lapsili deluserit‘ und die ,Ge
nealogia Souneckiorum, eo1nitumCilejae et eomitum de Heimburg
specimina II (Viennae 1755 40)‘, 0ìп VVerk, das durch Dr. K.
Tangl’s Forschungen auf gleichem Gebiete vielfach berichtiget
worden ist. Am unzuverlässigsten durch oberflächliche Lesung
und vielfache Lüekenhaftigkeit sind wohl die ,Diplomataria saera
ducatus Styriae (Vind. 40 1755, 1757 II in 40)‘; indess ist nicht
nachgewiesen, wie viel auf Rechnung von Pusch’s erster Anlage
kömmt. 1758, Vind. 40, erschien das ,Specimen Arehontologiae
Carinthiae‘, ein noch jetzt häufig benütztes Werk, das nebst einer
meist vortrefflichen Uebersicht der kärntischen Geschichtslitera
tur auch numismatisehe Beigaben hat und mit der ,Notitia ele
mentaris‘ zu des Meisters letzten Leistungen zählt. Zugeschrie
ben werden unserem Historiker noch die ,Historia Germaniae in
usum Collegii Theresiani(Viennae 1752, 1757, 80)‘, das 1752 40 und
1759 fol. abermal erschienene,Tentamen genealogicum­chronolo
gicum promovendae seriei eomitum et rerum Goritiae conseriptum a
Виd. s. r. i. com. Coronini‘, welcher letzteren Ausgabe Frölieh’s
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Ebenbild in Kupfer vorgesetzt wurde, und Antheile an desGrafen


Leopold Clary­Aldringen ,Tentamen de titulo Imperatoris Ro
mani (Vind. 4° 1753)‘, Anton Spingaroli’s ,Tentamen contravul
gatam de Rudolphi excommunicatione sententiam (Vind. 4° 1753),‘
und Karls Grafen von Althann ,Tentamen de marehione Leo
poldo illustri (Vind. 1754 4°)‘. Nach Paintner und Stöger fand
sich auch viel handschriftlicher. historischer Nachlass von Frö
lich’s Hand. Wir führen von denselben aus Stöger (Script. prov.
austr. 92) für unsere näheren Zwecke nur an: ,Poemation heroi
eum de numo Alexandri Severi imp. invento in fundamentis novi
aedificii Collegii Theresiani cum inseriptione SPES PVBLlCA‘,
dann ,Alphabeta diversarum gentium‘ und endlich ,Historia
patrum tertiae probationis in U-ollegio Judenburgensi usque ad
annum 1732, quo ipse in hac probatione versatus est.‘
Der Numismatiker Frölich, welcher hier eigentlich unser
Hauptaugenmerk als Sohn der Steiermark ist, hat folgendeWerke
geliefert. Zuerst erschien ohne Angabe des Verfassers von dem
dreiunddreissigjährigen Manne die schon obenerwähnte ,Utilitas
rei numariae veteris. Accedit appendicula ad numos coloniarum
romanarum per cl. Vaillantium editos.‘ (Vienna: 1733, 80.) Die
Eingangsabhandlung entwickelt den Nutzen des Münzstudiums
und hebt denselben über den blossen Anschauungsgenuss. Hierin
streut Frölich die Früchte seines hohen Vorbildes Spanhemius
aus und entwickelt zunächst die fünf Reihen antiker Münzen in
Metall und Grösse, sowie deren historischen Hilfswerth und geht
dann in die Reihen einzelner ein. An Absicht auf die Consular
münzen bespricht er die Asstheilung, die Münzung in Silber und
Gold , die Typen, die vorkommenden Personen- und Familien
namen, die der Staatsämter, die Ereignissinschriften und endlich
die Sammler und Erklärer dieser Consularmünzen. Sodann auf
die nächste Reihe der Kaisermünzen übergehend, behandelt er
den Hilfswerth derselben für dieGeschichte und Folge der Herr
scher, die Kaiserbildnisse, die Titel nach Staatswürden und
Ereignissen und endlich wieder die Sammler und Erklärer die
ser Partie. Diesem folgt der Nachweiss, wie die Königs- und
Städtemünzen der Chronologie nützen, es werden die Jahres
noten der griechischen Münzen und die Epochen oderAeren (der
Seleukiden,Ptolomäer, Römer) aufgezeigt, letztere sogar in einen
(Vaillant’s, Harduin’s und Norisius’ Arbeiten ergänzenden) Ka
talog gebracht, welcher, innerhalb 1000-233 a. u. c. sich bewe
gend, auch den Verwandlungscalcul für die einzelnen Aeren ent
hält; endlich schliesst sich die von Vaillant sichergestellte
lmperiumsberechnung nach der tribunieischen Gewalt an. Die wei

tern Capitel sind geweiht dem Nachw eisse , wie die Numismatik
erhellend wirke auf die Erdkunde (Städte, Lage, Gründer,
Rechtszustände), Pflanzen- und Thierkunde, Kleider-, Waffen­,
Bau- und endlich Culturkunde überhaupt; selbst ein ethischer
Theil mangelt ihr nicht, welchen schon Petrarca in glänzenden
ÑVorten aufgedeckt hat. Die zweite Abhandlung bringt fünfzig
Nachträge (später auf sechzig vermehrt) zu den von Vaillant her
ausgegebenen Münzen römischer Colonien, durchweg schöne
Stiche und erschöpfende Erklärungen seltener und werthvoller
Stücke, unter welchen die Antioehener und Viminacier besonders
hervorhebenswerth. ‚
Das folgende Jahr erschien die ,Appendicula ad numos
Augustorum et Caesarum ab urhibus greece loquentibus euses
quos cl. Vaillantius collegerat (Viennae 1734, 80)‘, und darin an
häufigen Stellen manche schöne Entdeckung für Chronologie,
Geographie und Mythologie durch 250 (später 310), anderswo
vergeblich gesuchte Münzdenkmale griechischer Städte der Kai
serzeit. Diese Abhandlung übertrifft an Umfang die beiden vor
genannten zusammengenommen. Ein späteres Auctuarium hiezu
gibt die neuen Erscheinungen aus der von Frölich bearbeiteten
(Granelli’schen) Sammlung und ein handsamer Index gewährt
gute Uebersicht. —
Im Jahre 1734 noch kamen neue Zusätze dazu heraus, Appen
diculae dиae novae ad nummos coloniarumAugustorum etCa-rsarum.
(Vind. 40?) Nach zwei Jahren (1736) hat Frölich die ,Dissertatie
de numis, monetariorum veterum culpa, vitiosis, Viennae 8°‘ ans
Licht gebracht. Seine hìíufigeren Erfahrungen und die Huth einer
seits, nicht thatsächliche Fehler und Fälschungen der Münzarbei
ter in die Geschichtstafeln einzutragen, sowie andererseits der
gänzliche Mangel einer erschöpfenden Schrift hierüber hatten ihn
bewogen, wenigstens auf dem Gebiete der drei Jahrhunderte
nach Cäsar nachzuweisen die ersten Spuren von Fälschung,
deren Bestrafung, deren Arten in Metallbehandlung und die Fäl
schungen durch Staatsgewalt; er verbreitet sich über die Subära
ten und deren Häufigkeit, die Quellen der Fehlerhaftigkeit, die
häufigsten Vorkommnisse in der Buchstaben Vertauschung, Zu
setzung, Auslassung, Stürzung, Zerrüttung, entschuldiget -einige
Irrungen und rettet endlich scheinbar falschen Inschriften die
Aechtheit vermöge wandelbarer Rechtschreibung, ortbedingter
Einmischung fremder Buchstaben und gewisser Ausfîìhrungshin
dernisse. Die Zusammenfügung unzugehöriger Stempel, die
Schwierigkeiten in der ersten Unterscheidung, die Wieder- oder
Nachprägung schliessen endlich das Werk.
11

Vier Jahre nach seinem Auftreten als gelchrter Schrift


steller sammelte Frölich das erstemal die Früchte seines
verborgenen Fleisses und gab die bisher genannten Schriften in
erster und zweiter vermehrter Ausgabe vereint heraus als ,Qua
tuor tentamina in re numaria vetere.‘ (Viennae 1737, wiederaufge
legt 1750, 4”.) Das IVerk ist dem Fürsten Franz lII. von Lothrin
gen-Bar in einer, die Münzinschriften zu schönen Lobsprüchen
verschlingenden Ansprache gewidmet und enthält in vier Abthei
lungen mit etwas verä.nderten Titeln die vier vorgenannten Ab
handlungen. Hier erscheint der geistvolle Verfasser das erstemal
mit vollem Namen.
Zunächst folgen nun die ,Animadversiones in quosdam ve
teres numos urbium.‘ (VVien 1738, 8" und 40?). Goltz und Har
duin ergänzend, scheiden sie sich in einen europäischen und
einen asiatischen Theil. Die Münzen von Corcyra, Caulonia, der
Mamertini, Eryeini, Macedones, Argivi, Epidauri, Lysimachien­
ses, Tomitae, Marcianopolitae, Romastücke, der Nieomedienses,
Sardiani, Cyziceni, Erythraei, Tralliani, Attudei, Tiberiopolitani,
Amiseni, von Eumenes, derEleusii, Coryciotae,-'I`ripolitae,Tarsen
ses, Sinopenses, die chiotisehe Zeusinschrift und Münzabbildun
gen füllen das schon seltener gewordene “Чей. Dies gab in
neuer vermehrter Auflage mit einem Anhange neuer seltener
Münzen, besonders aus dem kaiserlichen Cabinete, Antonio Fran
cesco Gori zu Florenz 1751 in 80 heraus mit einem ,Accessit
Mantissa numismatum rarissimorum et antea numquam editorum,
praeeipue ex cimelarehio R. C. Vindobonensi.‘
Die ,Annales eompendiarii Regum et rerum Syriae numis
veteribus illustrati, deducti ab obitu Alexandri magni ad Cn.
Pompeji in Syriam adventum, cum amplis prolegomenis‘ kamen
in erster Folio­Ausgabe zu “Леn 1744 heraus, in zweiterda
s elbst beim Hoftypographen Leopold Johann Kaliwoda 1750 ,cui
accessere notae eompendiariae et monogrammata numismatum
graecorum.‘ Angeregt und gefördert durch den Geheimerath
Baron von Pfeutschner und den Gelehrten Duval, durch Sa
vorgnano, Napoli, de France u.- v. a. war Frölieh darangegangen,
die Geschichte der Könige von Syrien nach Alexander bis zu
Pompejus aus biblischen und classischen Quellen zu schreiben
und insbesondere dieselbe mit Beweisen vom numismatischen
Gebiete zu belegen. Dazu fühlte er sich durch Johannes Foy
Vaillant’s seleukidisches Münzwerk, durch viele Lücken dessel
ben, unrichtige Königsbildnisse und endlich durch seine eigenen
einschlägigen Verbindungen und Studien ganz wohl berufen. So
brachte er denn mehr als 400 Münzen gegenüber den hundert und
12

etlichen des Vaillant als Zierde seiner syrischen Geschichte bei.


Von den fünf Theilen, in welche dieses Werk zerfällt, ist uns
zunächst wichtig der dritte und fünfte sammt dem Anhange.
Nachdem Frölich die Veranlassung, die Mittel, die Absicht und
Eintheilung seines Unternehmens geschildert und die Chronolo
gie sowie die geographischen Verhältnisse nach den Büchern der
Macchabäer geordnet hat (welche Quelle, nebenbei gesagt, von
den Brüdern Ernst Friedrich und Gottlob Wernsdorf angegrif
fen, aber von Frölieh in ,De fontibus historiae Syriae in libris
Machabaicis prolusio Lipsiae edita in examen voeata‘ [Wien 1746,
40] und dann von Khell siegreich vertheidiget worden), kömmt
er im dritten Theile auf die Schwierigkeiten und den Nutzen der alt
syrischen Königsmünzen zu sprechen. Ег setzt den Ausgang der
Münzreihen unsicher mit Philippus Arrhidaeus an und erstreckt
sie dann über die Seleukiden, weist die Concordanz mit der
Macchabaeer -Zeitrechnung nach, scheidet die Zugehörden zu
Antiochus I. und H. und den einzelnen Demetrius, entgegen
Vaillant, den er jedoch stets auszeichnet und gelegentlich durch
falsche Führer wie Josephus Flavius u. a. entschuldiget; be
stimmt Stüeke des Antiochus Evergetes und Demetrius II. nach
biblischer Kritik und gibt dann zwei Kataloge von syrischen Kö
nigen , nachdem er durchweg auf die Königsbildnisse der Mün
zen, auf die kaiserliche Sammlung, auf die Forschungen Vail
lant’s, Haym’s, Fawkere1"s den grössten Nachdruck gelegt. Im
vierten Theile Harduin’s Königsrcihen berichtigend in Bezug auf
Namen und Herrschdauer, im Besonderen des Seleucus I. und
Antiochus I. u. a., verbreitet er sich im fünften über die Münzen
der Hebraeer. Seine Vorgänger dankbar aufzählend, erhellt er den
Inseriptions­Charakter der ächten und angenommenen hebräi
schen Münzen, deren Alter, Herkommen, Namen (Sikl), Stoff,
Form, Gewicht, Wогда, die Münzen der in die Seleukiden-Aera
fallenden Macchabaeer, und bringt dann einen Katalog von 26
ächten und 8 angenommenen Hebraeermünzen. Nun folgt nach
zwei illustrirenden Beilagen die positive Ausführung der ,Anna
les Syriae‘. Der chronikartigen Darstellung, welche nach drei
facher Zeitrechnung - der christlichen, julianischen und seleu
kidischen Aera - bemessen und nach den Olympiaden abge
schnitten ist, schliesst sich jederzeit die Reihe der Königsmünzen
derart an, dass berücksichtiget istMetall, Grösse, Bild undSchrift
von Avers und Revers, endlich der Sammler oder die literarische
Quelle. Dies gielt sowol für die griechischen als die hebraeischen
und römischen Münzen. Während uns die folgende Genealogie
der Seleukiden sowie die Inseriptionen zur syrischen Geschichte
13

wieder ferner liegen, gewinnt die ,Notitia raritatis‘ an Wichtig


keit dadurch, dass die Seltenheit der Gold-, Silber-, Erz- und
Bleimünzen aller Grössen und Dicken von Alexander bis auf den
dreizehnten Antiochus, wie sie zu Frö1ich’s Zeit galt, genau auf
gezeigt wird. Dies kömmt auch dem illustrirten Monogrammen
Kataloge zu, dem geographischen und historischen, endlich zu
meist den 17 Tafeln Münzabbildungen , der Alphabettafel und
den beiden hebraeischen Münztabellen. Mag auch die heutige For
schung in Manchem ein weiteres Gebiet gewonnen und nament
lich die metrologischen Verhältnisse eingehender gelichtet ha
ben, dieses VVe1‘k Frölich’s wird jedem Leser, dem lernbegieri­
gen wie dem gelehrten , durch die Fülle der Studien sowol auf
biblischem, klassischem und neuerem Liternturgebiete, als durch
die Sicherheit des Vielerfahrenen, die volle Gewalt über den
Stoff, die klare und schlichte Beweisführung, die gesunde Diction
und endlich die mannigfaltige Ausarbeitung und Ersichtlich
machung der Resultate Anerkennung und Bewunderung abzwin
gen, und mit Recht konnte Khell behaupten, Frölich habe sich
mit diesem Werke ein ewiges Denkmal gesetzt.
Noch stammen aus diesem Jahre die ,Appendiculae dиae
novae ad nummos coloniarum altera, altern ad nummos Augg. (et
Сasва.) ab urbibus graece loquentibus percussos.‘ Viennae 1744, 8°,
welche, wie später zu sehen, nach Frölich’s Tode durch Khell in
neuer Ausgabe ans Licht kamen. Durch mehr als ein Lustrum
ruhete jetzt die münzenbeschreibende Feder; besser gesagt, sie
schien es nur. Der Feldherr rüstete sich zu einem neuen Zuge.
Denn fast zu gleicher Zeit (1752) als M. Cary seine ,Histoire des
rois de Thrace et de ceux du B0sphore‘ u. s. w. zu Paris heraus
gab, traten Frölich’s ,Regum veterum numismata anecdota, aut
rariora, notis i1lustrata‘ (Viennae 40) hervor. Dieses Werk, wel
ches Frölich selbst jenem des französischen Numismatikers be
scheiden nachgesetzt hat, enthält doch manche dort fehlende
Partie; wie denn Frölich mehrmals die Forschungsresultate An
derer (Belley u. s. щ), ohne diese noch von ferne zu kennen,
voraus errungen hat. Die ,Regum veterum numismata anecdota‘,
auch bekannt unter dem Titel: ,autperrara notis illustrata. Collata
opera et studio Francisci Antonii s. r. i. comitis de Khcven
hüller‘ (Viennae 1752, 40) waren vom Grafen Khevenhüller als
die Frucht seines zweijährigen Geschichtsstudiums am Theresia
num der Kaiserin Maria Theresia gewidmet. Nur die Stelle in
der Vorrede: ,neque tamen, ut in re ardua, sine duce‘ scheint im
Vorhinein auf den grossen Führer Frölich hinzuweisen, welcher
endlich, als der gebildeten Welt sattsam bekannt, in der An
1-I

sprache an den Leser doch ausdrücklich genannt wird. Das Buch


verbreitet sich in Münzbeschreibungen und historischem Beiwerk
über Archelaos, König von Makedonien, den Perserkönig Arsa
mes, Alexander und Pyrrhus von Epirus, Seleukos vrou Syrien,
Nicomedes von Bithymen, Gensius von lllyrien, die Könige von
Parthien und Persien, Numidien und Mauretanien, Judaîa, Edessa,
und streift in der Behandlung der Alanen, wiewol irrig, an das
Gebiet der keltischen Münzforschung. Die Könige des kimmeri
schen Bosphorus, Pontus, von Thracien, dann auch von Syrakus
und drei Münztabellen schliessen dieses, auf Forschungen in der
kaiserlichen Sammlung gebaute und mit den Stellen der alten
Klassiker, wie jenen der neueren Numismatìker (Vaillant, Goltz,
Haym u. a.) vollkommen vertraute, wenn auch kaum 200 Seiten
zählende Werk.
Die nach zwei Jahren erschienene Abhandlung: ,Dubia
de Minissari , aliorumque Armeniae regum nunnis et Arsacidarum
gpocha pppïruifililgaâislt p1í)opoâital(an(aueh де: Ёвгaзрaггысдый
iennae ю ‚ ‚ ian e u er ie unzen er omge amos un
Xerxes, auf welche Frölich jahresdarauf in der folgenden Schrift
zurückkömmt.
In das Jahr 1755 (Viennae 40) fällt die Abhandlung: ,Ad
numismata Regum veterum aneedota aut rariora, accessio nova
conseripta ab Erasmo Froelieh‘ , gewidmet dem Kaiser Franz I.
durch J. U. Freiherrn von Thavonat. Sie hat die Aufgabe, die
falschen Lesungen und Lücken des vorangegangenen Werkes zu
beseitigen. Gerne ziehe er, bekenntFrölich, dem nichts Menschliches
{тети}? (veriltlategn, no;ltìri u}ipphum,dsagt Khell), die Iähìler íurück,
we c e nic t öser sie t, son ern nur seinem e rec en an
Kenntniss oder dem Fehl der Münzstüeke entstammen. Sonach
weist er .neue Königsmünzen auf, wie eines Spartaners Arius,
eines Zaria aus Savorgnan’s Sammlung, eines Geten Comosicus,
eines Paeoniers Audoleon, des Makedoniers Archelaos und berich
tiget die Münzen des Königs Samos, der Syrier Antiochus VII.
(Khell Elog., 15) und Alexander II., endlich die parthischen,
persischen, numidischen, mauretanischen,judaischen und bospho­
risehen Reihen.
Die ,Notitia elementaris numismatum antiquorum illorum,
quae urbium liberarum , regum et principuin ac personarum
illustrium appellantur‘ (Viennae 40) stammt aus dem Jahre 1758
und ist auf Kosten des Grafen Anton Klobusiczky von Zetteny
der Kaiserin Maria Theresia gewidmet, Dieses unter Waffenge
räusch geschriebene, umfangreiche, mit .kostbaren Tafeln ausge
stattete Werk stellt sich die Aufgabe, einen Theil der alten l\u
is
mismatik zu beleuchten und zwar jenen, welcher über das Gebiet
der Städte, der freien Völker, der Könige und nennenswerther
Fürsten sich verbreitet. Einleitend in Name, Stoff, Grösse, Ge
wicht, Werth, Typus der Münze, scheidet es zunächst 1.) dieReihe
der Städte- und Völkermünzen ab, dann 2.) die der Könige und
Fürsten, 3.) die derHeroön, Gründer und Berühmten, dann 4.) die
der Romamünzen, 5.) die der consularen, 6.) der Kaisermünzen
von Gold, 7.) Silber, 8.) Erz grösster und 9.) grosser, 10.) mittlerer,
11.) kleiner Form; die Reihe 12.) betrifft die Colonien und Muni
cipien unter den Kaisern, 13.) die griechischen Städte und Völker
der Kaiserzeit, 14.) die Alexandriner oder Aegypter überhaupt
und endlich bilden die barbarisehen und unbekannten Münzen
die letzte oder 15.) Classe. Nach Entwickelung der Lesehilfs
mittel, der ältesten Münzung und deren Kennzeichen, behandelt
es die Münzen der Städte und freien Völker im Allgemeinen,
und im Besonderen deren Namen, Aemter, Feste, Bündnisse,
Epochen nach römischer und christlicher Zeitrechnung, Figuren,
Symbole, Gottheiten, welchen eine alphabetische Zusammenstel
lung der Orte mit ihren Typen folgt; gibt dann einen Katalog
von mehr als 600 bis dahin bekannten Städte- und Völkermün-
zen. Hierauf behandelt es im Detail die Münzen der Könige (Kö
nigsbilder, Titel, Herrschzeitzahlen, königliche Städtenamen) und
zwar der Reihe nach Makedonien, Sicilien, Karien, Cypern und
Heraclea Pontica, welchen spätere makedonische Könige, jene
von Päonien, Epirus, Illyrieum, Sicilien, Sparta, Thracien, Pon
tus, des kimmerischen Bosphorus, von Gallien, Aegypten; ferner
von Pergamus, Syrien, Parthien, Armenien, Cappadocien, Cili
eien, Bithynien, Paphlagonien und Galatien, Damaskus und Un
bekannte nachgesendet werden; Könige der ersten zwei christ
lichen Jahrhunderte von Thracien, Pontus, des Bosphorus, von
Comxnagene, Edessa, Mauretanien mit Numidien, Juda schliessen
endlich das zehnte Capitel, während das letzte den Münzen der
Helden, Städtegründer und den Berühmtheiten gewidmet ist. Es
ist dies das letzte Werk, welches noch unser Meister selber in
die ‘Чей sendete. Er moderte bereits im Grabe, als das fol
gende erschien.
,De familia Vaballathi numis illustrata, opuseulum posthu
mum. Aceedunt eiusdem adpendiculae dиae ad numismata antiqua
a Cl. Vaillantio olim edita , editione altera restitutae curante Jo
sepho Khell e S. Д.‘ Vindob. 1762, 40. Dieses werthvolle, wenn
auch kaum zehn Blätter fassendeWerk, welches erst einige Jahre
nach des Verfassers Tod erschien (non adridebant typographi
Vindobonenses, Lipsiam cogitabam, sagt Khell), behandelt die
16

historisch sicheren und zweifelhaften Nachrichten über des Syrer­


königs Odenathus Sohn Vaballathus oder Balbath, sowie die auf
diesen Namen von Occo, Goltz und Mediobarbo vorgebrachten
Münzen, und stellt eine Reihe von Münzen auf, betreffend dieses
Vaballathus Sohn Hermias Vaballathus, als des vom Kaiser
Aurelian verordneten Ersatzregenten im Oriente, Augustus 275
n. Chr. Es werden hier die Typensiglen, mit Вanduй die Aeren
bestimmt, aus dem Museum Theupoli noch auf Zenobia und
deren Söhne bezügliche Stücke beigebracht und ein sicheres hi
storisches Material, lediglich gewonnen aus Münzinschriften, in
hellem Lichte aufgezeigt. Die beigegebenenAdpendiculae schlies
sen sich an die früher genannten wie kleinere Blumen an. Die
Granelli’sche Sammlung, Edschlager’s orientalische Schätze und
Frölich’s eigener Sammelfleiss lieferten den meisten Stoff, Eini
ges der Jesuite Franz, Baron Stein und das Collegium. An Colo
nialmünzen werden 32 nufgefìhrt, Sinope und Viminacium be
sonders hervorgehoben. lnsbesoudere - erfahren wir - hat
Frölich bereits vor 1759, als der 26. Band der ,Academie des in
seriptions‘ herauskam , seinen Fehler in Betreff der Reversbilder
von Caius und Lucius auf der ersten Sinopemünze handschriftlich
verbessert. - Die zweite Abhandlung bringt 106 Kaisermünzen
griechischer Städte, worin Frölich unter Anderem seine Meinung
in Betreff der Legende der Tarsusmünze XC in den ,IV. Ten
tamina‘ ändert. Vier Tafeln mit 39 Münzbildern zieren das Werk.
Dies sind die numismatischen Schöpfungen eines Mannes,
der die Schriften des klassischen Alterthums mächtig wie selten
Einer beherrschte, der in der Geschichtsliteratur dreierNationen
mitten inne stund. Der erste Erklärer der Jahresschrift auf Mün
zen des Trajanus Decius , der Bestimmer der zweiten sinopensi
schen Zeitrechnung (709 Roms) und der Seleukidenära hinter
liess er, wie Joachim fünfzehn Jahre nach seinem Tode schrieb,
anstatt der Erbschaft einen unsterblichen Ruhm seiner Gelehr
samkeit und am Hofe des Landesfìrsten war Trauer um ihn.
Gleichwìe Frölich selbst den Tod nicht fîrchtete (seine ,Gedan
ken über die Furcht vor dem Tode‘, Augsburg 1750 4°, zeugen
davon), so ist er auch der Welt durch seinen Tod nicht entrissen.
Noch sind seine Schriften lebendige Quellen, die allenthalben be
fruchten und erfrischen. Der Steiermark zum steten Ruhme, ob
gleich er zur Vollendung erst ferne von ihr gedieh, hat er in seinem
engeren Vaterlande nur Einen erweckt, der, den Gewinn von
Forschungen seit neuen hundert Jahren aufnehmend, in demsel
ben grossen Style und mit weiter Umsicht fortbaut, begünstiget
von Geist und Geschick.
17

Als ein durch Frölich’s fruchtreiche Bücher angeregter


Freund der Münzen und wahrscheinlich auch Sammler, in weiten
Reisen erfahren geworden, kann uns gelten Ernst Heinrich Graf
von und zu Wildenstein, k. k. Kämmerer, Landrath in Steier
mark, Mitglied der Akademie zu Roveredo und der k. k. Acker
bau-Gesellschaft in Steiermark. Ein Sohn des Grafen Franz
Augustin von und zu Wildenstein, k. k. Kämmerers und Land
schafts-Präsidenten in Steiermark, und der Anna Theresie gebor
nen Gräfin von Rheinstein und Tattenbach, erblickte er das Licht
der Welt am 10. Jänner 1708 zu (Эти. Vom Sprachlehrer Ро
powitsch vorbereitet, seit seinem 21. Jahre auf Reisen, trat er in
Landrechtdienste , vermälte sich am 4. October 1740 mit Marie
Theresie gebornen Gräfin von Thurn (gest. am 20. Juli 1765)
und schied am 25. Februar 1768. Gleich Leopold Freiherrn von
Stadl, der in seinem handschriftlichen,Ehrenspiegel‘ ebenfalls hie
und da auf Münzstücke gelegentliche Rücksicht nimmt, war Ernst
Graf von Wildenstein ein rastloser Urkundensammler, ein Ver
ehrer der schönen Künste und Wissensehaften, selbst Dichter in
drei Sprachen, aber auch nicht minder erprobt als Oekonom.
Aeusserst gefällig, witzig und einnehmend im Umgange und we
gen seiner ausgebreiteten Kenntnisse und äehten Vaterlandsliebe
sehr verehrunsgwürdig, forderte er, selber ein Schätzer der ein
samen Arbeitsstube , jegliche Arbeit, welche dem Lande zur
Ehre gereichte. So wurde auch der Nestor unserer Geschichte,
der Chorherr C. Aquilinus Cäsar , bei Bearbeitung seiner
Annalen von ihm auf das Grossmüthigste unterstützt, was übri
gens jener auch an mehreren Stellen dankbar anerkannt hat. Er
verfasste theilweise zur selben Zeit, als der junge Eckhel noch
als ruhmloser Jüngling in den Gauen der Steiermark weilte, fol
gende Schriften, welche, bisher alle ungedruckt, ein Eigenthum der
steierischen Landschaft sind: 1. Landes-Sammlungen des Her
zogthums Steiermark, in 20 grossen Abschnitten. 2. Collectanea
chronologico­historica des alt und neuen Steiermarks, d. i. chro
nologische Zciten -Verfassung sowohl .geist-, als weltlicher Ge
schichten des Herzogthums Steiermark nebst einem Synchro
nismus anderweitiger Merkwürdigkeiten. 3. Tabelar-Buch des
alten Adels von Steiermark mit 108 Stammbäumen. 4. Neuere
Ahnentafel verschiedener noch lebender Geschlechter, an die
Ahnenbücher des steiermärkischen Archivs sich anschliessend
und über die Hälfte des 18. Jahrhunderts schreitend. 5. Collecta
nea diplomatico-genealogico-historica des Hauses der Reichsgra
fen von und zu Wildenstein. 6. Wildensteins genealogischer
Stammbaum. 7. Entwurf verschiedener aus denen von Wilden
. 2
18

stein entstandenen anderen Familien. 8. Studium numismatieum.


9. Studium diplomaticum. 10. Studium montanologicum. 11.Stu
dium curiosorum. 12. Beschreibung seiner Länderreise. 13. Zwei
unddreissig zufällige Diehtgedanken in einsamen Stunden ver
fasst. 14. Vermischte Gedanken in italienischer, deutscher und
lateinischer Sprache. 15. Uebersetzung der Singspiele des Peter
Metastasio, aus dem Italienischen. 16. Belisar von Marmontel,
aus dem Französischen übersetzt. 17. Die Trauerspiele des Ra
cine , aus dem Französischen in deutsche Verse übersetzt.
18. Ovid’s- Metamorphosen in 670 deutsche Verse übersetzt.
Die unter 8. genannte Handschrift, fol. 114 Blätter, Sig
natur 1200, der Handsehriftensammlung des Joanneums eigen,
betitelt sich: ,Catalogus studii numismatici antiqui. VI partium.
Ernesti Henrici s. r. i. eomitis de & in Wildenstein, liberi Baro
nis in Wildbach, Schachenthurn, Kahlstorff et Liboch, Domini in
Feustriz, ss. ec. rr. mm. a cubiculis camerarij superioris haeredi
tarii nec non judiciorum eaesareo-regio­provincialium ducatus
Styriae consiliarij & cet. cum quodam appendice.‘ Das Werk ent
hält zunächst eine Uebersicht der sechs Abtheilungen, in die es
zerfällt, und zeigt dieselben folgendermassen an: l. Imp(erato
rum) orr(ientis) & oce(identis). II. Vxx(orum) lmpp(eratorum).
lII. Tyrr(annorum), Coss (Consulum) inter eaesares intervenien
tium. lV. Familiarum. V. Vrbium. VI. Miscellaneorum. Der
,I. Catalogus imperatorum orientis et occidentis‘, fol. 1-106,
verzeichnet 160 Kaiser und deren Angehörige, indem zuerst das
Metall (AV, A, JE), dann die Zeitreehnung nach römischer und
christlicher Aera , und hierauf Avers _und Revers copirt und be
schrieben werden. Eine Angabe von Fundort, Seltenheit, Preis
ist nirgend vorhanden. Dass aber das Verzeichniss nach Origina
lien gefertiget und auf eine eigene Sammlung schliessen lässt,
beweisen Stellen wie: ,litterae non bene dignoscuntur, vix distin
guntur, videntur, leguntur, non legibiles, discerni nequit, epi
graphe valde indistinquibilisŕ Darnach mochte die Sammlung
betragen haben-an drittehalbhundert römische Kaisermünzen und
etwa ein Dutzend Familienmünzen mit unerheblichen Beigaben.
Wenn auf den Besitz von Kahlsdorf oberhalb Wilden, ­beide
Fundorte römischer Antiken, besonderes Gewicht gelegt werden
kann, so hätten wir hier einen kleinen Münzenflor des leibnitzer
Feldes vor uns, der freilich, bei des Sammlers weitläufigen Ver
bindungen, auch mit Früchten fremden Bodens versetzt sein muss.
Die Ordnung geschah nach dem Systeme des Jesuiten Franz
Borgias Ker битa ordinem Patris Francisci Borg. Keri e soc.
Jesu, wie es p. 98 heisst). Die Reihe beginnt mit C. J. Caesar
und endet mit dem Paläologen Constantin X. Indem wir sämmt
liche durchschreiten, sei bemerkt, dass die Anzahl der Mün
zen, то sie die Einheit überschreitet, eingeschlossen beigesetzt
ist , offene Stellen aber auf eine zukünftige Ausfüllung der dem
Verfasser eigenthümlichen Sammlung berechnet scheinen. Es folgt:
1. C. Julius C. F. C. N. 29. M. Aurel. Antoninus, Ela
Caesar. gabalus, Alagabalus aut
2. Augustus. Heliogabalus dictus.
Livia Drusilla. 30 M. Aurelius Severus Ale
4.
3. C.
Tiberius
Сага. Germanicus.
Caesar. xander.
Julia Mammaea.
5.
6.
7. Nero.
ServiusSulpiciusGalba.(2.)
Tiberius Claudius. 31. C. Julius Verus Maximi
nus.
32. C. Jul. Verus Maximus.
8. M. Otho Sylvius. 33. M. Anton. Gordianus Afr.
9. Aulus _Vitellius. 34. M. Clodius Pupienus Ma
10. Fl. Vespasianus. ximus.
11-14 fehlen in der Hs. 35. D. Caelius Balbinus.
15. Traianus Hadrianus. 36. M.Anton.GordianusIII.
C. Valens Hostilianus Mes
16. TitusAeliusHadrianusAn 37.
toninus Pius.
Faustina. sius Quintus.
38. M. Julius Philippus, qui et
17. L. Aurelius Verus. Arabs rel
Marcia Pater dictus.
Otacilia Severa.
Lucilla.
18. M. Aurelius Verus Anto 39 M. Julius Philippus F.
ninus Philosophus. (10.) 40 fehlt.
Annia Faustinajunior. 41 Q.HerenniusEtruscusMes
19. L. Aelius Aurelius Com sius Decius.
modus. 42 C. Vibius Trebonianus
20. P. Helvius Pertinax. Gallus. - `
2 1 . M. DidiusSeverus Julianus. 43 fehlt.
22. C. Pescennius Niger. 44 C. Julius Aemilianus.
23. L.Julia
Septimius
Domna. Severus. 45 P. Licinius Valerianus.
Gallienus. (17.)
46
24. DecimusClodiusSeptimius Cornelia Salonina. ­
Albinus. 47 P. Licinius Cornelius Sa
25. M.AureliusAntoninusPius, loninus Valerianus.
item et Caracalla dictus. 48 M. Cassius Latienus Postu
26. P. Septimius Geta. mus.
27. M. Opel. Aiu‘el. Sev. Ma 49 M. Aurelius Claudius Go
. erinus. thicus. (12.)
28. M. Opel. Antoninus Dia 50. fehlt.
dumenianus. 51 L.DomitiusAurelianus.(19.)
Q*
Vulëlaudius
M. ia Severìna.
Tacitus. Fl. Marcianus.
Fl. Leo Pater M.
fehlt. Leo filius.
M. Aurelius Probus.
Carus. Fl. Zeno Isauricus.
a) Fl. Julius Nepos.
M. Aurelius Numerianus. Fl. Anastasius Dicorus.
M. Aurelius Carinus. Fl. Anicius Justinus.
C. Valerius Diocletianus. Fl.ValeriusJustinusJunior.
F l.Anicius Justinianus.
M. Aurel. Valerius Maxi
mianus. Tiberius Constantinus.
Fl. Valer. Constantius. Fl. Tiberius Mauritius.
C. Galer.Valer. Maximia Fl. Focas.
nus. Fl. Heraclius.
C. Galer. Valer. Maximi fehlt.
nus Daza. fehlt.
Fl. Severus Valerius. Constans II.
M.Aurel.Val.Maxentius.(2.) Constantinus IV. vel III.
C. Valer. Licinianus Lici Justinianus II.
nius. Leontius Patricius.
M. Martinianus. Tiberius Absimarus.
Fl. Valer. Constantinus. fehlt.
M. (12.) Anastasius II.
Fla. Julius Crispus.
Fl.JuliusConstantinus.(12.) Theodosius III.
Leo Isauricus Ш.
F1. Claudius Constantinus Constantinus V. vel IV.
Jun. Capronymus.
Magnentius.
Fl. Julius Constans. Leo IV. Porphyrogenitus.
Constantinus VI. vel. V.
Decentius. Irene vel Herena.
Flavius
Fl. Cl.
F1. Valens.
Julianus.
Jovianus.
Valentinianus. Fl. Nicephorus Logotheta.
Michael Curopolata.
Leo V. Armenus.
Michaël II. Balbus.
Fl. Gratianus. Theophilus.
fehlt. Michaël Ш.
Fl. Jul. Felix Valentinia Basilius Macedo.
nus Junior. Leo VI. Sapiens.
Fl. Theodosius M. Alexander I.
Fl. Arcadius. Constantinus VI. Porphy­
Fl. Honorius. rogenitus et
fehlt. Romanus Lacapenus.
Fl. Placidius Valentinia Romanus II. iunior.
nus I1I. Nicephorus Phocas.
21

126 Joannes Tzimisces. 146. Balduinus Flander.


127 Basilius II. Junior et 147 Henricus Flander et
128. Constantinus VII. fratres. 148 Theodorus Lascaris.
129 Romanus III. Argyrus. 149 Robertus et
1 30. Michaël Paphlago. 150. Joannes III. Valazes.
131 Michaël V. Calaphates. 151 Balduinus et idem Valazes.
132 Constantin VIII. Mono 152 Theodoricus II. et idem
machus. Balduinus.
133 Michaël VI. Stratioticus. 153 Michaël VIII. Palaeologus.
134 Isaacus Comnenus. ­ 154 AndronicusII. Palaeologus.
135 Constantinus IX, Ducas. 155 Andronicus III. Palaeolo
136 Romanus IV. Diogenes. gus junior.
137. Michael VII. Ducas. 156. Joannes IV. Cantacud­
138. Nicephorus III. Botaniates. zenus.
139 Alexius Comnenus. 157. Joannes V. Palaeologus.
140. Joannes II. Comnenus. 158. Manuel II. Palaeologus.
141. Maniel Comnenus. 159. Joannes VI. Palaeologus
142 Alexius Comnenus Junior. junior.
143 Andronicus Eumenes. 160. ConstantinusX.Palaeologus
144 Isaacius II. Angelus. Christianorum in oriente
145 Alexius III. Angelus Com impp. ultimus.
IICIIIIS.
Der ‚II. Catalogus numismm. Vxx. impp.‘ a f. 107 ver
zeichnet im Auszüge aus dem ersten Kataloge die kaiserlichen
Gemalinnen und weist nach Unterscheidung des Metalls im Ge
sammten folgende Stücke aus: Livia Drusilla. Faustina senior.
Lucilla. Annia Faustina jun. Julia Domna. Julia Mammaea. Mar
cia Otacilia Severa. Cornelia Salonina. Vulpia Severina.
Der ,IlI. Catalogus Numorum Tyr. Coss. inter Caesares in
tervenientium‘ f. 107 weiset aus: M. Vipsanius L. F. Agrippa.
Drusus. Der ,Catalogus IV Numm. variarum familiarum‘: Acilia.
Aemilia. Cassiorum. Lentulorum. Lepidorum. I’ompeia. Porcia.
Rufina. Plotia
Der ,V. Catalogus numm. variarum urbium‘ : Roma. Con
stantinopolis. Chius vel Chios urbs. Und endlich der ,VI. Cata
logus numorum miseellaneorum Rom.‘: Syr: Grae: Ptolemaeus
Evergetes. Attila ( at Attila * Rex )( Civitas if Aquileia * I)
Graeca Gallieni Uneia. Assis Romana und 15 andere grossentheils
consulare Münzen. -
Der ,Catalogus Studii numismatici moderni II partium‘, der
sich innerhalb als ,Catalogus studii numismatico-historici‘ ankün
diget, enthält im lateinischen Chronikenstyle biographische Zu
sammenstellungen über 13 österreichische Fürsten, von Ferdi
22

nand I. bis auf Prinz Joseph (Il. 1748); russische, französische,


spanische, portugiesische, englische, dänische, schwedische,
ungerische bis Franz l.), polnische, preussische (bis Fried
rich II. 1745) sardinische; deutsche Chur- und Kirclnenfürsten
und verschiedene Edelgeschlcchterléwie Lichtenstein, Eggen
berg, Schwarzenberg, Dietrichstein, ontfort, Stahrenberg, Her
berstein, Khevenhüller); berühmte Persönlichkeiten, wie Luther,
G. Sforza, Prinz Eugen neben M. Gandolph von Khüenburg,
J. W. von Auersperg; die Päpste im Anschlusse an Jesus Chri
stus, Edle unseres Heimatlandes, wie Dietrichstein, Windisch­
grätz in buntem Vereine schliessen den Band ab. Die ,Nu
mismata summorum pontificum‘ (,welche bey handen seynd‘
später hinzugeschiieben) geben eine Uebersicht der Päpste bis
auf 1740.
,P. II. Catalogus Studii numismatico-personalis‘ von f. 166
his 218 wcisct in Zusammenstellung von Metallart, Zutheilung,
Postzahl und Münzjahrzahl auf eine Sammlung von folgenden
Münzen: Domus Austriae, Marchiones, Imperatores, Reges (Gal
liae, Hispaniarum, Lusitaniae, Siciliae, Sardiniae, Angliae, Daniae,
Sueciae, Hungariae, Poloniae, Bohemiae, Borussiae); Vicarii et s. r. i.
electores; principes ecclesiastici (Archiepiscopi, darunter Salz
burgenses, Maximilianus Gandolphus, Silber von 1686 Zahl 302;
Magni ordinis teutonici magistri, partriarchae, episcopi, darunter
Gurcenses, ein Mathaeus Z. 125, Sigismundus Franciscus Z. 8, Ja
cobus Maximilianus, Gold von 1729 Z. 145; ebenso Seccovienses,
ein Maximilianus Gandolpluis Z. 302, Joannes Ernestin Z. 244,
Josephus Dominicus Z. 133, Leopoldus Z. 127 und Jacobus
Z. 128, sämmtlich bezeichnet als eingelegt unter einem anderen
Würdentitel; abbates); principes saeculares (duces, marchiones,
landgravii, principes, darunter Schwarzenberg von 1696, 1740)
Comites, ll. Barones et Nobiles (darunter Dietrichstein, Silber
von 1638, 1664, 1726, Windischgrätz, Gold 1732, Herberstein,
Silber 1609, Khevenhüller, Silber von 1543, 1566 und 1579); end
lich 17 Miscellanei.
Es mochte die moderne Sammlung an 600 Stück betragen
haben. Ñ/Vas mit sämmtlichen Münzschätzen nach des Sammlers
Tode 1768 geschehen, ist nicht bekannt; dass zu seinen Lebzei
ten durch frcundschaftlichen Verkehr viele Stücke an den Ge
schichtschreiber Ca-:sar und von diesen an seine in Wien um
Frölich wirkenden Freunde übergegangen, ist wahrscheinlich
und an irgend einer Stelle angedeutet. _
Joseph Khell von Khellburg, Frölich’s Schüler und Nach
folger, Lehrer der Numismatik am Theresianum, erbte seines
23

Vorfahrs Briefwechsel und regte durch seine Reisen nach inlän


dischen Stiftern die Vorliebe für die Münzenkunde an. Beziehun
gen zu Steiermark mag dieser Mann bis zu seines Lebens Ende
(1772, 5. November) gewiss gepflogen haben; Bestimmtes lässt
sich nicht nachweisen. Seither aber sehen wir Stiftssammlungen
in Steiermark mit Bestimmtheit entstehen.
Ein nächster Nachfolger Frölich’s war Joseph Hilarius
Eekhel, der Linne- der Numismatik, wie ihn J. Bergmann mit
Recht nennt, die Sonne unter den Sternen. Indem wir seinen
Vatersbruder Joseph Michael Eckhel, 1731 Gegenschreiber zu
Fridau (bei St. Pölten?) иш11`йг die Folge seinen Grossneffen
Heinrich Melchior Anton , als zu Grätz in den dreissiger Jahren
studierend, in Erwähnung bringen, heben wir zuerst hervor, dass
der nachmals so berühmte Eckhel, geboren den 13. Jänner 1737,
in den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhundertes zu Leoben an
der Jesuitenschule die Humaniora studierte und von da nach
Grätz ging. Hier oblag er, fast genau den gleichen Bildungsrang
wie unser Frölich verfolgend, der Philosophie, Mathematik, der
hebräischen und griechischen Sprache. Hier auch war es, wo er
1758, in einemAlter von einundzwanzig Jahren, die Reihe seiner
Geisteswerke eröffnete und zwar zunächst mit einem grammati
sehen Versuche über das Capitel des Propheten Abadja. Das als
Anhan zu den ,Institutiones Linguae sacrae in Vniversitate Grae
censi SS. Theologiae Auditoribus propositae a patre Josepho
Engstler е societate Jesu‘ erschienene Buch heisst: ,Exercitium
grammaticum in Prophetiam Obadiae‘ und ist in Kleinoctav mit
der Widmanstetter’schen Erben Schriften gedruckt. Zunächst
hierauf betrat Eckhel die Lehrkanzel in der Stiftsschule zu Leo
ben, welche 1775 in eine Kaserne verwandelt ward, und, wie
man sagt, auch zu Judenburg, wo er Poëtik und Rhetorik in der,
erst seit zwanzig Jahren abgekommenen, 1ateinisehenUnterrichts­
sprache mit Meisterschaft lehrte. Von hier endlich tritt er nach
Wien über, und wie er sich dort unter Khell , wie er durch die
gräflieh Viczay’sche Sammlung auf Schloss Hedervár und durch
jene des Grafen Festeties zum gereiften Numismatìker bildete,
kömmt uns nicht weiter auszuführen. Seine italienische Reise
vom August 1772 bis Jänner 1774 mag ihn im Anbeginn wol
wieder durch die Steiermark geführt haben. 1775 erschienen die
,Nummi veteres anecdoti.‘ Auf seine Anordnung als Director der
antiken Münzen wurden die Funde in den Provinzen von den
Statthaltern überwacht und der Hauptsammlung zugef`iìhrt. Als
später viele geistliche Stifte in Folge der josephinischen Refor
men aufgelöst wurden, kamen unter Anderem aus den steieri
24

schen Klöstern St. Lambrecht, Lankowitz und Neuberg, welche


Münzensammlungen besassen , sowol antike als moderne Stücke
nach Auswahl an das k. Cabinet, und dieses entsehädigte nach
Eckhelfs Rath und Ausführung das Stift St. Lambrecht mit
227 fl. 30 kr., Lankowitz und Neuberg mit 216 fl. 15 kr.
Im Jahre 1779 trat Eckhel mit dem berühmten ,Catalogus
Musei Caesarei Vindobonensis numorum veterum‘ hervor und ent
wickelte zuerst sein seharfsinniges, noch immer unerschüttertes
System der antiken Numismatik. Die Städte ausserhalb Rom mit
ihren Königen, oder dieselben mit den Kaisern und den Colonie
namen in der geographischen Folge voraussendend , hebt er im
zweiten Hauptgebiet mit den Münzen römischer Hcrrschaft an,
reiht die Asses und ihre Theile , die Romastücke , dann die Fa
milien- (Consular-) Münzen und endlich jene der Kaiser , Kai
serinnen, deren Familie und der Tyrannen an. Innerhalb dieser
Hauptabtheilung ist jedes Stück ohne Rücksicht auf Grösse und
Metall in die Zeitfolge eingesetzt und regelt die Münzen gleicher
Zeitfolge das Alphabet der Reverslegenden. Die nicht bestimmt
in’s Jahr unterzutheilenden sind als vagi nachgesetzt, alphabe
tisch und von Gallienus ab sich mehrend. Dies ist das berühmte
Eckhel’sehe System, das geographische, welches, gleichwie es in
allen gelehrten Kreisen sich schnell die Balm brach, nach drei
Decennien auch für unsere Steiermark als die Grundlage ihrer
Landesmünzensammlung angenommen und im Wesentlichen nie
wieder verlassen worden ist. Nachdem der Meister der Numisma
tik noch die ,Sylloge II numorum veterum anecdotum thesauri
Caesarei‘, die ,Deseriptio numorum Antiochiae, Syria# und end
lich das classische Werk: ,Doctrina numorum veterum‘ (8 Bände,
1798), sowie schon früher, 1787, seinen deutschenAbriss: ,Kurz
gefasste Anfangsgründe zur alten Numismatik‘ (2. Aufl. 1807)
der Welt geschenkt hatte, schloss er am 16. Mai 1798 die Augen
und ward am 17. Mai im St. Marxer Friedhof begraben. Niemand
weiss seine Ruhestätte.
Aus der Correspondenz Eekhel’s , die nach Italien, Frank
reich, Belgien, Dänemark und durch ganz Deutschland ging,
auch einen nach Steiermark führenden Faden zu entdecken , ge
lingt um so weniger, als überhaupt kein Gelehrter des engeren
Vaterlandes darin zu finden.
Während im dritten oder goldenen Zeitalter der Numis
matik in Eckhel’s Sinne fortbauten Millin, Mionnet und Sestini,
lehrte ein Sohn unseres Vaterlandes , der zu Riegersburg im
Jahre 1755 geborne Försterssohn Johann Maria Weissegger von
Weissenegg, der Rechte Doctor und ordentlicher öffentlicher
--
2.)r

Professor der Rechte, der Diplomatik, Heraldik und Alterthums


kunde an der ,k. k. vorderösterreichischen hohen Schule‘ zu Frei
burg in Breisgau, auch die Numismatik daselbst, ohne übrigens,
so viel bekannt, ausser seinem ,Historischen Gemälde österrei
chischer Herrscher und Prinzen von Rudolph I. bis Maria There
sia‘ (5 Bände, 1800) u. a. numismatische Schriften zu hinter
lassen. Er starb erst in dem Jahrhunderte nach Eckhel und zwar
am 14.März 1817. “Tenn wir hier auf die bald strengwissenschaft
lichen bald mehr volksthümlichen Förderer der Numismatik in den
neuesten Zeiten hinweisen, wie aufFrähn, Rasche, Millingen, Aker
man, Jacob, Hennin, Humphrey, Werlhof, Köhler, Joachim, Madai,
Reinhold, Weise, Cavedoni, Lelewel, Duchalais, Luynes, dann Stre
ber, vorzüglich Böckh und Mommsen, von vaterländischen aufNeu
mann, Arneth, Mader, Appel, Frank, Schönvisner, Rupp, Voigt,
Schweitzer, Karajan, endlich Eitl, Bergmann, Seidl, Kenner u. A.,
so geschieht dies, um die Periode an’s Ende zu skizziren und von den
drei letztenlllännern vorKenner anzudeuten, dass sie durch denAn-
tikenreichthum unserer Sannstadt Cili, wo sie durch Jahre weilten
(Eitl 1822_29, Bergmann 1826_28, Seidl 1829-40), in ihren ar
chaeologischen Strebungen nicht wenig befeuert worden sind. Aber
wir haben noch aus dem vorigen Jahrhunderte die speciel steieri
schenAngelegenheiten abzuthun, um erst bei der Gründung des Joan
neums zu Grätz und seiner Landesmünzensammlung auszumhen.
Es ist schon gezeigt worden, wie Frölich’s Wege auch
Eckhel ging und auf des Ersteren befruchtenden Einfluss eine
grössere Aufmerksamkeit für die Münzschätze des Alterthums, ja
selbst der neueren Zeit folgte. Der Jesuit Frölich, zum besten
Zweck die besten Mittel wählend, hatte mit einem Schlage die
Liebe zum Heidenthume selbst den Klöstern ungefährlich ge
macht und diese fügten ihren Repositorien von Druck- und
Schriftwerken, ihren Aebtebildern und Raritätenschreinen allge
mach Kasten für rostige und glänzende Münzen bei. Noch war
damals die Zeit für Stein, Pflanze, Thier nicht gekommen; die
lebendig schaffende Natur war den Stiftsmuseen noch allzuferne
und also lockte das Alterthum.
Das Benedictinerstift St. Lambrecht, vorbereitet durch Her
zog Marquard , gegründet durch H. Heinrich von Kärnten 1103,
später erneuert durch Kaiser Franz 1802, besass eine Münzen
sammlung, von welcher Mayer in seinem 1782 erschienenen ,Ver
such über steyermärkische Alterthümer‘ ausdrücklich berichtet,
und welche nach der Stiftsauflösung durch Kaiser Joseph im
Jahre 1786 unter Abt Berthold durchgemustert und auf verschie
dene Wcge zerstreut ward. Doch wurde das Brauchbare davon
26

gerettet und ist dermalen im k.k.Antikencabinete erhalten. Eckhel


verzeichnete für den Erwerb die Summe von 227 fl. 30 kr. in
den Cabinetsacten Nr. 58 und 60.
Acte 58 besagt : Ueber die modernen Münzen und Medaillen.
Die von der hochlöbl.Böhmisch-0esterrcichischen Hofkanzley aus
den aufgehobenen Stiftern St. Lamprecht, Lankowitz und Neuberg in
das kais. Münzkabinet zur Auswahl abgegeben worden sind. Von
Goldstücken, die im ganzen 10 Mark 12l3/l6 Loth ausmachen,
gehörten 148 Stücke in das moderne Fach, die am Gewichte be
trugen 5 Mark 3/8 Loth. Aus diesen waren für die moderne Hof
sammlung brauchbar 15 Stücke am Gewicht 3l/4 Loth im Preise
das Loth zu 20 fl. Betrag 65 tl.; kommen also zurück 133 Stücke
an Gewicht 4 Mark 131/8 Loth. Dazu kommt noch eine kleine in
einem aufzuschraubenden Kupferkreutzer eingeschlossene gol
dene Medaille, die besonders in Papiere eingewickelt ebenfalls
wieder -zurückgegeben wird. Silber. Beybehalten worden 22 Me
daillons und Medaillen 4 Mark 61/2 Loth, im Preise das Loth
1 11. 24, Betrag 98 42; 22 Stücke Thaler und Gulden 2 Mark
8 Loth zu 1 11. 15, Betrag 50 fl.; 50 Kleine Medaillen und Mün
zen 11l/2 Loth im Preise das Loth 1 fl. 12, Betrag 13 ti. 48. Bei
behaltenes Silber 7 Mark 10 Loth, Betrag 162 fl. 30. Beibehal
tenes Gold 3l/4 Loth, Betrag 65 tl. Summe 227 Н. 30. Welche
Summe pr 227 11. 30 kr. als der Ersatz hiemit folget. Da man
die überkommenen Münzen nicht auf die Art zurückschicken
kann, wie man sie übernommen hat, weil die meisten Schächterl,
worin sie verschlossen waren, zerbrochen ankamen und die Mün
zen auf dem Boden zerstreuet herumlagen, und da sie beynebens
in die antiken und modernen abgetheilet werden mussten, so
schickt man die modernen in ihre Hauptgattungen abgesondert
und in 5 Säcke verschlossen zurück, und zwar Nr. 1. Goldne mo
derne 133 St. am Gewicht 4 Mark 13l/8 Loth. Nr. 2. Silberne
Medaillons und Medaillen St.493 am Gewicht 51 Mark 13l/4 Loth.
Nr. 3. Thaler und Gulden St. 849 am Gewicht 89 Mark 6l/2 Loth.
Nr. 4. Kleinere silberne Medaillen und Münzen 1403 St. am Ge
wicht 17 Mark 10 У, Loth. Nr. 5. Kupferne moderne, worunter
9 vergoldete sind, und keine brauchbare befunden worden. Man
hat sie geflissentlich so abgesondert, um sie bey einer etwaniger
Versteigerung nach gedachten Eintheilungen sackweise feil
biethen zu können. Die in einem Kästgen enthaltenen 248 sil
bernen Medaillen der Päpste kommen hiemit ebenfalls wieder
zurück. Wien den 15­ten April 1787.
‘Acte 60 von 1786 auf Seite 4 besagt: Für die aus den
Münzsammlungen der 3 aufgehobenen Stifter St. Lamprecht,
27

Lankowitz und Neuberg f`\ir das kais. königl. moderne Münzka


binet beybehaltenen Stücke vermöge Quittung C (welche für das
moderne und antike Kabinet) weil beide zu gleicher Zeit die Be
zahlung für die beibehaltenen Münzen und Medaillen mit 443 fl.
45 kr. machten, ausgestelt sich findet, und wovon 216 fl. 15 kr.
auf Rechnung des antiken Kabinets kommen , bezahlt worden
227 il. 30 kr.
Im Cisterzienser-Stifte Neuberg, gegründet durch Herzog
Otto von Oesterreich 1327, ist ebenfalls den antiken und moder
nen Münzen Aufmerksamkeit geschenkt worden und wanderte
Brauchbares bei der Auflösung des Stiftes unter Kaiser Joseph II.
1785 in das kaiserliche Cabinet. Für diese Sammlung in Verein
mit jener aus Lankowitz, einemFranziskanerkloster, das 1455 von
Georg Gradner erbaut, 1566 durch die evangelischen Stände ge
räumt wurde, und eine Schatzkammer ,vieler kostbarer Stücke
von Gold, Silber und Edelgesteinen‘ besass , zahlte Eckhel
216 fl. 15 kr.
Von den anderen Abteien wie Admont, das doch an wis
senschaftlichen und Kunstschätzen stets so reich war, dem Bene
dictinerinnenstifte Göss, von den Dominikanerklöstern zu Grätz,
Mährenberg, Studenitz, von dem Augustiner- Chorherrnstifte
Stainz u. a. ist ein Gleiches nicht bekannt. Die vorauer Sammlung
scheint wol später entstanden. ‘
Noch mag der Kaiserinlllaria Theresia zweite Tochter, Erz
herzogin Maria Anna, welche von 1781-1789 in Klagenfurt
weilte und vielfach mit Numismatik sich befasste, gar wel die
steierischen Sammler beeinflusst haben, wie denn auch hart vor
der Zeit der Zusammentragung der bedeutendsten Landesschätze
im Joanneum und zwar um die Jahre 1810-15 sich in Grätz
als Fortifications-Director der Obristlieutenant und dann Obrist
J.oseph Freiherr von Bonomo (* 1768 1‘ 1850) aufhielt, welcher
mit Eifer Thaler sammelte und später auch die neugeschaffene
ständische Bildergalerie sowie das Münzencabinet mit patrioti
schen Gaben bereicherte. Die Thätigkeit beider hat Bergmann
in seiner ,Pflege der Numismatik in Oesterreich‘ (S. S. 23 und
67) beleuchtet. _ ~ ‘
Nachdem des Erzherzoges Johann von Oesterreich vielfäl
tige Sammlungen zur Gründung eines Museums gegen Ende
1809 aus Schönbrunn nach Grätz gebracht worden waren, erstund
in den Erdgeschossen des in der Raubergasse gelegenen Leslie
hofes zunächst ein naturhistorisehes Museum. Diesem waren
schon historische Seltenheiten beigesellt , als die Sehenkungs­
urkunde an die Stände Steiermarks vom 16. Juli und 26. No
28

vember 1811 gegeben ward und der vom Stifter entworfene


Plan hatte bereits in Bezug auf die Beschaffenheit des Museums
gebäudes die Sammlung von ,vorgefundenen Alterthümern und
Denkmälern‘ bedacht. So sollte das kaiserliche Münzeneabinet in
Wien, seit Maria Theresia derHauptsammelplatz und gleichsam das
allvereinende Becken für archaeologische Funde in Oesterreich, am
Joanneum zu Grätz einenV\'etteiferer in derProvinz finden, dies fast
zu gleicher Zeit, seit es das Fundwesen mit besonderer Schärfe in’s
Auge fasste. Die Statuten vom 1. December 1811 setzten nun
bereits die Geschichte als wichtiges und universelles Fach in den
Vordergund dieser vaterländischen Anstalt, welche den Landes
museen von Oesterreich, Böhmen, Tirol, Kärnten, Krain und
selbst dem Bruckenthal’schen zu Ilermannstadt lange vorausge
gangen war; sie ordnen das Sammeln inländischer Münzen von
allen Metallgattungen an, nachdem ursprünglich nur eine Samm
lung rein steierischer Münzen beabsichtiget gewesen. Diese Ma
terialien sollten in Verein mit den diplomatisch- genealogischen;
archaeologischen und kunstgesehichtlichen beihelfen, dass ,unver
züglich an eine Historie Innerösterreichs, soweit geschichtliche
Spuren nur immer hinaufreichen, bis auf unsere Tage Hand an
gelegt‘ werde. Bis zum Ende des Jahres 1811 waren die einzel
nen Sammlungen unter persönlicher Leitung des Erzherzoges und
seines thätigen Seeretärs Jolíann Gebhard in allen dreien Stock
werken des Joanneums eingereiht und im sechsten Zimmer der
zweiten Etage nächst der ehemaligen Spiegelstube, nämlich zwi
schen dem Herbariumssaale und dem zoologischen Zimmer,
griffen zuerst einige der im Lande gefundenen älteren und neue
ren Gold-, Silber- und Kupfermünzen Platz, jedoch auch zugleich
Antiken und Archivalien.
Als die ersten Unterstützer des neugeschaffenen Münzen
cabinetes seien hier neben dem Erzherzog-Stifter genannt Joseph
Edler von Rosenthal, infulirter Propst und Stadtpfarrer zu Bruck,
der Präfeet Thomas Hirsch und der Professor J. A. Sup
pantschitsch vom cilier Gymnasium, welcher auf erzherzogliehe
Kosten und mit Guust des Kreishauptmannes Raimund Grafen
von Auersperg den Kreis/ bereisete und allen Münzensammlun-
gen nachzuspüren den Auftrag hatte; der Rechnungsrath Vincenz
Keiter in Grätz, Graf F. X. von Attems, Dr. Moser in Leibnitz
und J. N. Händel, welcher letztere eine zahlreiche wolerhaltene
Sammlung antiker Silber- und Erzmünzen aus Pästums Ruinen
beitrug.
Dieses kleine , gegen Einlasskarten besuchbare Münzen
cabinet, welches durch namhafte Geschenke, wie Rosenthal’s 500
29

und Suppantsehitsch’s 400 Römermünzen plötzlich zahlreich ge


worden war, stand zuerst unter der Gesammtleitung des Seere
tärs (als Custos) Gebhard, welcher einem Curatorium untergeben
war. Dieses bildeten der für landständische Freiheiten feurig käm
pfende Landeshauptmann Graf von Attems, Gotthard Kugel
meyer, der Abt vonAdmont, und Johann Ritter von Kalchberg,jener
rastlos thätige Freund der Geschichte und Dichtkunst, dem, wie
Hormayr’s Archiv versichert, das Joanneum eigentlich seine
Gründung und Beförderung vorzüglich verdankt, der die meisten
Entwürfe vorgelegt und die bedeutendsten Geldkräfte des Lan
des aufgedeckt hatte. Nachfolgende Custoden der Gesammtanstalt
waren Friedrich Mohs (1813-1818), Mathias Anker(1818-1 843),
Joseph von Aschauer (1843), Dr. Georg Haltmeyer (1843-1859)
und Dr. Georg Göth.
Nachdem ein Rundschreiben des Erzherzoges vom 10. Sep
tember 1811 alle Vilerbbezirke von Steiermark und Kärnten, so
wie eine Zuschrift vom 16. November 1813 die Stände zur Unter
stützung der historischen Sammlungen aufgefordert, die berühmte
Geschichtspreisfrage aber das innerösterreichische Münzwesen
ganz unberührt gelassen hatte, erging mit 24. December 1813
von Seite der Stände ein Ruf an das Land und bald darauf ward
mit Creditive vom 29. Jänner 1815 ein geschichtskundiger Mann
von dem, nachmals durch Vest’s, Hammer’s, Sermage’s Hymnen
gefeierten Joanneum aus durch die Steiermark entsendet, um alle
Adeligen, Güterbesitzer, Magistrate, Abteien, Klöster, Dechan
teien und Pfarrvorsteher einzuladen, dem Archivar die Durch
suchung ihrer Arehive oder Durehlesung einzelner Urkunden zu
gestatten und ihm alles Vertrauen zu schenken. Er reisete in drei
Jahren (1815-17) durch Steiermark und Kärnten bis Wien, zu
meist auf eigene Kosten, auch Münzschätzen nachspürend. Die
ser Mann war Joseph Wartinger, der erste Vorkämpfer in
Eckhel’s Geiste, was die Steiermark betrifft.
Geboren zu St. Stephan bei Stainz unweit Grätz, von wo
die poëtisirenden Jesuiten Knecht und Steitzinger ausgegangen,
den 21. April 1773, der jüngste Sohn des Bäckermeisters Michael
Wartinger und dessen Ehefrau Elisabeth Schreiner , kam der
zweijährige Knabe nach dem Markte Ligist, wo die Eltern ein
Bäckerhaus gekauft hatten, trieb im vierten Jahre bereits Lectüre
und ward als fünfzehnjähriger Jüngling an das Gymnasium zu
Grätz gegeben. Hier, wo den Eltern auch ein Haus auf der Lend
eigen war, studierte er, nicht ohne häufige Kopfleiden, aber stets
prämiirt, vom Jahre 1788 bis 1798, dem Todesjahre Eckhel’s,
und arbeitete nach absolvirten philosophischen und juristischen
30

Studien seit 17. September 1799 als Bureaupraktikant beim k. k.


Gubernium der Landeshauptstadt. Nach etwa einem Jahre zum
Kreisamte übergegangen, war er im Coneeptfache, nicht selten
auch als Ersatzmann für den Protokollisten und Registrator thä
tig. Hierauf ward er vermöge Gubernialdeeretes vom 9. Septem
ber 1801 Professor zu Marburg. Hier galt er in einem Kreise
aufgeklärter Männer als der edelste Vertheidiger der Menschen
rechte, der sich, wie auch später noch, herbe gegen psychische
und physische Tyrannei aussprach. Er verliess zuerst diesen
Kreis und vererbte den Schülern ein segnendes Andenken an
den Lehrer, der seineVorträge mit Bildern und Karten, entgegen
dem damaligen Gebrauche, beleuchtet, der ausser den Gramma
tikalclassen auch die an Augenschwäche leidenden Humanitäts
Professoren unentgeltlich ersetzt, Prämien aus Eigenem gege
ben und die ersten Grundlagen zu einer G mnasialbibliothek
durch Widmung eigener Werke mit seinen Genossen Gottweis
und Narrat hergestellt hatte. Aber es schienen die Verdienste
dieses Mannes noch nicht gross genug, um seinen Wünschen, als
er in Folge des weichen Trinkwassers der Draustadt an bestän
digen Fiebern litt, durch eine Amtsversetzung zu willfahren.
Er bat um eine der offenen Gymnasiallehrerstellen zu Grätz.
Die Regierung indess hatte entschieden (schreibt er selbst in der
autobiographischen Notiz des Akademie-Almanachs von 1862),
dass alle Lehrstellen an jenem Gymnasium nur mit Priestern aus
dem Stifte Admont besetzt werden sollten. So blieb denn War
tingern nichts übrig, als mit Schluss des Schuljahres 1805 seine
wohlerworbene Stelle niederznlegen und mit dem Valere aude
nach Grätz sich ins Privatleben zurückzuziehen. Er besass da
selbst den Annahof (nun der Frauen zum guten Hirten). Dem
Tode glücklich entgangen, hatte er die Genugthuung, von dem
Präfecte eben desselben Gymnasiums, welches die Admonter
leiteten, öfters an die Stelle erkrankter Lehrer berufen zu wer
den. Nun wurde am Lyceum zu Grätz ein Lehrstuhl der allge
meinen Weltgeschichte für zwei Jahrgänge der philosophischen
Studien errichtet und der in stiller Verborgenheit Lebende mit
telst ehrenvollen Schreibens vom l9.Hornung 1806 aufgefordert,
die Kanzel dieser Disciplin zu besteigen. Bis zum Jahresab
schlusse hatte er sich zwar an dieser Stelle die Liebe und den
Dank seiner Hörer - nicht aber auch die Stelle selbst errungen.
Was er dafür an Geld bezogen hatte, behielt er nicht für sich.
Die Landesstelle vermisste in den Mittelschulen noch immer ein
Handbuch der Geschichte Steiermarks und forderte mehrere Prä
fecte und Professoren auf, ein solches zu verfassen. Als der Ruf
31

an Wartingern kam, traten alle Anderen zurück (1806). Wartim


ger’s ,Kurzgefasste Geschichte der Steiermark‘ ward erprobt und
erschien in erster Auflage 1815 (in zweiter 1827, in dritter 1853).
Aber der Ehrensold der Regierung blieb aus und auch an herben
Worten der Buchkritiker fehlte es nicht. Das Buchhändlerhono­
rar von F. Ferstl, jenes für die Lycealvorträge und eine Ergän
zungssumme dazu weihete jetzt V\'artinger, welcher selbst noch
zwei Ehrenmedaillen aus Studienzeiten bewahrt hatte, für eine
silberne Medaille, die noch gegenwärtig jährlich dem besten
Grammatikalschüler in der Landesgeschichte feierlich verliehen
wird. Den Fond von 800 Gulden hatte der stìíndische Verord
nete Johann von Kalchberg mit 200 Guldenjauf 1000 ergänzt.
Als mit Beginn 1808 der Professor der Philosophie am Lyceum
zu Grätz, J. N. Wolf, in den Ruhestand ging, providirte in Folge
Aufforderung der Direction Wartinger diese Stelle vom 29. Jän
ner bis letzten October. Die Lehrkanzel , auf der er sich ausge
zeichnet hatte, erhielt ein Anderer, Professor Prem nämlich.
Auch an Stelle dieses, als er lange krankte, Vorträge zu über
nehmen, liess der Beseheidene sich bereit finden. Die Bezüge
beider Amtsführungen, 800 Gulden, übergab er am 20.Juli 1812
der Lycealdirection für eine Silbermedaille mit Kette, als Ehren
preis dem besten Schüler in der praktischen Philosophie zu ver
leihen. Später erhöhte er die Einlage noch (so 1815), nahm an
den Prüfungen lebhaften Antheil, ohne jedoch die philosophi
schen Leistungen der neueren Schule über Kant hinauszubeglei
ten und zu bewundern. Ihm genügte für alle Zeiten und Erschei
nungen der Ausspruch Seneca’s im Buche von der Glückselig
keit: ,Ein weiser Mann muss sich durch äusserliche Umstände
nicht bewegen oder überwinden lassen und nichts ausser sich
selbst bewundern. Er muss von gesetztem Gemüte, auf alle Fälle
bereit und ein Meister seiner Lebensart sein. Die Stärke seines
Geistes muss nie ohne Einsicht und seine Einsicht nie ohne
Standhaftigkeit sein. “Пи; er einmal gewählet, muss er nie verän
dern und durch seinen Entschluss nie einen Strich ziehen.‘ Diese
in Wartinger’s Buche hervorgehobene Stelle kann überhaupt als
seine eigene strenge Lebensregel gelten.
Seit seinen Lycealvorträgen von 1806 und 1808 fortwäh
rend im Privatstande lebend und durch Begünstigte in den
Schatten gestellt, trat er endlich am 3. Mai 1810 in der Stände
Registratur als erster Adjunct ein. Als solchem eben ward ihm
mittelst Zuschrift vom 29. August 1811 durch den Erzherzog
Johann der Auftrag, die Geschichtsquellen Steiermarks zu sam
meln. Bereits nach zwei Jahren, am 29-. December 1812, ernann
32

ten ihn die Stände, in endlicher Erkenntniss seiner vollen Tüch


tigkeit, zu ihrem Rigistrator und Archivar. Was er von nun ab in
den alten dunklen Hallen des ersten Landhaushofes für die
Rechtsverhältnisse des Landes, in absolutistischen Zeiten für die
Wahmng seiner autonomen Rechte nach seiner ältesten Frei
heitsurkunde, für Landtags- und Steuerwesen , insbesondere fìr
Stammes- und Wappenkunde in grossen Abhandlungen, die alle
den Druck noch nicht erlebt haben , sowie in kleinen, unendlich
mühesamen Zusammentragungen geleistet hat, kann nur er
messen, wer in seine zalreichen Amtsarbeiten ohne verblendete
Voreingenommenheit einigermassen Einsicht genommen hat.
So führte er 1812 den Rechtsbeweis für die Ñl/'ahl des Landes
hauptmannes durch die Stände selbst; 1819 für das freie Ver
handlungsrecht des Landta es ohne Voranzeîge an die Regie
rung; 1823, 1824 für die âompetenz in Katastralangelegenhei
ten, beleuchtete die Entstehung der Landesschulden, das Tazrecht,
den Fleisch-, Wein- und Bieraufschlag, die Grenzberìehtigungen
gegen Ungern u. v. a. Seit 28. December 1816, dem Todesjahre
von Eckhel’s Nachfolger Neumann, Leiter des Joanneumarchives
und (nicht ohne Schwierigkeiten durch die Hofkanzlei, welche,
eine Jahresremuneration von 300 fl. betreñend, Erzherzog Johann
durch eine Gegenvorstellung bei Graf Ugarte behob) seit
27. August 1817 des Münzen- und Antikencabinetes, widmete
771111ìnger , gleichsam als sollte durchaus kein materielles Gut
auf seiner Seite bleiben, von den Bezügen des Joanneums jähr
liche Thaler- und Dukatenprämien für Schulpräparanden und
reisete in den schwierigsten Jahren grossentheils auf eigene
Kosten. ,ln seinen Amtserfüllungen‘ - 50 heisst es in der Ein
gabe der Stände an die Regierung vom 2. September 1819 —
,zeichnete sich Wartinger so vorzüglich aus , dass er seinen Mit
beamten ein wahres Vorbild des Fleisses vereint mit stiller Ве
scheidenheit und Anspruchlosigkeit darstellet. Sein reger Dienst
eifer bedarf mehr des Zurückhaltens als des Anspornens, zur Er
haltung seiner Gesundheit. Das Joanneum-Archiv verdankt einen
grossen Theil seiner Originalurkunden diesem unermüdeten und
patriotischen Sammler, der zugleich die Münzensammlung ordnet
und mit der grössten Uneigennützigkeit mehret.‘ Nach Ableben
des ersten ständischen Seeretärs von Schouppe bis zur Wieder
besetzung der Stelle auch noch mit den Sceretariatsgeschäften
überbürdet, unterzog er sich dieser neuen Anstrengung willig,
um seiner ergrauten Mutter am Abende ihres Lebens sorgenfreie
Tage zu bereiten und meldete sich unter allen Bewerbern um
die besser dotirte Stelle - der Letzte. Die Stände, überzeugt,
1 33

dass durch Wartinger’s Abgang von den Archiven des Landhau


ses wie des Joanneums, diese beiden einen grossen, ja vielleicht
einen unersetzlichen Verlust erleiden würden, sahen Wartingern
seine Bittschrift edelmüthig zurücknehmen; aber sie fühlten auch,
,das Ausgezeichnete müsse mit Auszeichnung behandelt, das Un
gewöhnliche nicht mit gemeinem Masse abgemessen werden.‘
(Kalchberg’s Worte.) Wartinger erhielt zwar nicht die beantragte
Entschädigung zu seinem Gehalte als Archivar und Registrator
mit 900 fl., eine lebenslängliche Personalzulage von 300 fl., was
durch die hohe Hofkanzlei-Verordnung vom 7. October Z. 32016
zunächst ,zur Genehmigung nicht geeignet‘ befunden ward, wol
aber später (1829) zur Remuneration von 500 fl. eine Personal
zulage von 200 Н. Ein Wahrzeichen jener Zeit, wo das Land um
einen neuen Nachtwächterrock mit der obersten Hofstelle auf
vielen Papierbogen verhandeln musste. Im Jahre 1820 starb
Wartinger’s Mutter. Die warme Freundin der Obstbaumzucht
ehrte der Sohn nicht durch ein ,nutzloses Grabdenkmal‘, son
dern er beschloss, durch sein ganzes Leben jährlich der Land
wirthsehaft-Gesellschaft zwanzig Gulden zu übergeben für je drei
Medaillen, welche alljährlich jenen Landschullehrern verliehen
werden sollten, denen das Beste im Unterrichte von Pfropfen
und Aeugeln gelungen. Eine zarte, poëtische Idee! Die Land
wirthschaft-Gesellschaft ernannte ihn zum Mitgliede und zeich
nete ihn 1846 durch die grosse Gesellschafts­Medaille aus, wie
er denn schon 1843 die grosse goldene Civilehrenmedaille des
Kaiserstaates erhalten hatte. Bis zum Anbruch der zweiten Jahr
hunderthälfte war Wartinger auf seinen beiden Stellen mit bie
nenhaftem Fleisse (er ward oft um fünf Uhr des Morgens an der
Joanneumpforte, der Eröffnung wartend, gesehen) und schla
gender Sachkenntniss thätig gewesen. Das Jahr 1848 brachte
ihm seine Wahl zum correspondirenden Mitgliede der Akademie
der Wissenschaften zu Wien (1. Feber) noch vor den Stürmen
des März; diese verkörperten erstlich viele seiner Jugendträume,
aber dem weiteren Verlaufe entzog er seinen Beifall. Den histo
risehen Verein Innerösterreichs , durch Wartinger in Anregung
gebracht und gegründet, sah er in seiner Dreitheilung erstarken,
ohne jedoch bei ihm als Mitglied auszuharren , weil ihm dessen
Einrichtungen als zum Theile zu wenig volksthümlich galten.
Den vierunddreissig Jahren voll Anstrengung folgte endlich seit
15. August 1850 der nöthig gewordene, jedoch nicht ersehnte
Ruhestand, wornach er sich, zuletzt noch als Mitglied der Staats
prüfungs-Commission thätig, seit(1851)Pratobevera ihm thatsäch
lich gefolgt war, in das stille, abgeschiedene Privatleben eines
3
34

geheimnissvollen Alchymisten zurückzog. In der Schmiedgasse


(Z. 368) nächst dem Landhause ein altmodisches, mit Büchern voll
gestelltes Zimmer bewohnend, das mehrere Treppen hoch über
der geräuschvollen Gasse lag, lebte er den lateinischen und grie
chischen Classikern, weniger zugänglich für geschichtliche oder
amtsgeschäftliche Auskünfte. Eines seiner liebsten Vergnügen,
das er sich aber gleichwol selten gönnte, war der Besuch der
Oper , wie er denn der Musik überhaupt mit Phantasie und Ver
ständniss sein ganzes Leben hindurch zugethan war. Er spielte
Clavier und übte den Generalbass. Mozart war sein Liebling.
Ebenso Klopstock und ohne Schiller vermochte cr nicht, wie
viele Gelehrte allerdings, zu leben. Dem Joanneum abgewandt
zwar und den, zum Theile pietätlosen Neuerungen gram, er
ging sich der bescheidenlächelnde Greis mit langem Silberhaar
und schwarzem halbverschossenen Recke häufig im reichbegrün
ten Garten des Institutes, tief erfurchtsvoll grüssend dorthin, wo
ihm auch das “lasser nicht gereicht wurde. Stilles Verdienst
anerkennend , zierte Wartinger’s greises Haupt die Landesuni
versität 1856 mit dem Ehrendoctorhute. Decan und Prodecan
übergaben persönlich das auszeiclmende Document an den Mann,
welcher, ein Jugendfreund Hammer­Purgstall’s, Ehrenbürger sei
ner Landeshauptstadt, sowie Ehrenmitglied des k. baierischen hi
storischen Vereines zuWürzburg, der historisch-statistischen Sec
tion der mährisch - schlesischen Gesellschaft zu Brünn, des Ge
schichtvereines für Steiermark, für Kärnten, Mitglied des steieri
schen Industrie- und Gewerbevereines geworden war. ,Erwägt
~man - so lesen wir in Hofrichter’s ,Lebensbildern der Vergan
genheit‘ - ,Wartinger’s Genauigkeit und Kleinlichkeit in Vie
lem, entgegen seiner genialen Auïassung und freien Denkart
andererseits, seine Sparsamkeit im Kleinen und seine Grossmuth
(ja überreiche Freigebigkeit), wo es edle Zwecke galt, seine
Kränklichkeit und den schwächlichen Körper gegenüber seinen
Märschen und Entbehrungen, so kann es nicht leicht ein grösse
..
­res Rathsel geben ‹ .
In der Kenntniss der griechischen und lateinischen Sprache
_und der meisten modernen scheute er nicht leicht einen Gegner.
Er liebte classische Citate. Sein Gedächtniss war weit, getreu,
genau. Die einheimische Stammeskunde beherrschte er besonders
schlagfertig und lieferte Zusammenstellungen, die bis ins Kleinste
gingen. Seine Auskünfte waren schnell bereit und eingehend;
mit dem Manne aus dem Volke mochte er sich gar gerne befas
sen. Gleichwol ist er später wortkarg und geheimnissvoll-rüclo
hältig, als Mann des Amtes selbst schwierig geworden. Sein wol
35

thätiger Sinn unterstützte Studenten und Lcrnbegierigc­ mit


Geld und Zeitaufwand. Der ihn wissbegierig anhörte, den hielt
er fest an der Hand und fesselte ihn durch milden, interessanten
Vortrag, besonders seiner Studienerinnerungen. Bei all’ seiner
Lebensweisheit lebte und wohnte er höchst einfach, fast kärglich;
kein neues Geräte stund in seinem Zimmer, er war alterthümelnd
in Allem. Sein Bildniss auf Stein oder in Oel erhalten zu lassen,
war er durchaus nicht zu bewegen, trotzdem der vaterländische
Meister Tunner ihn des Oefteren dazu aufforderte. So haben wir
denn von ihm nur eine Art Ohromophotogra hic aus dem Ate
lier Prückner in Grìítz, ein Eigenthum seiner Schwestern. Auch
dem marburger Gymnasium, an dem er so erspriesslich gewirkt,
-ward ein solches Bild ‘zu Theil. Wäre es denn nicht endlich
an .der Zeit, getreu dem Beispiele aller grösseren Museen, auch
Wartinger’s Ebenbild, als des eigentlichen Begründers der
Landesmünzensammlung, in den Räumen ebenderselben aufzu
bewahren ?
Wartinger starb Samstag den 15. Juni 1861, -89 Jahre alt, an
Altersschwäche, sanft, so dass man sein Hinscheiden eigentlich über
sah, im gleichen Monate mit Safaŕik, im gleichen Jahre mit Gfrörer
-und Fallmerayer. Ohne Aufsehen wie er gelebt, wanderte er auch
-hinaus auf den Friedhof zu St. Peter, wo ihm rechts oberhalb des
Mittelweges ein schlichtes Grabmal steht. Gymnasialschüler trugen
Sarg und Windlicht, drei Vertreter des Jeanneums, mehrere des
-Landesausschusses, berühmte Männer auch anderer Fächer gaben
-ihm das Geleite. ,Hocl1verdient, als Mensch vom reinsten und
~edelsten Charakter verehrungswürdig, Philosoph zwar nicht in
der wissenschaftlichen Bedeutung, dafür aber durch die prak
tische Anwendung einer ebenso einfachen als edlen Moralphilo
sophie, mit sich selbst„mit der VVelt im Reinen , - wird sein
-Name auch in später Zeit in unserem Lande in dankbarer Erin
nerung an das, was er geleistet, bleiben.‘ Dies dic “Гоше seines
Biographen., des Bibliothekars am Joanncum , Dr. F. X. Mitter
bacher.
Seine schriftstellerischen Leistungen - sagt der Akademie
Almanaeh von 1862 -ß-beschränken sich fast alle auf die urkund
liche Erforschung -der Geschichte seines engeren Vaterlandes,
sie sind aber eben so viele Beweise, welch’ gründlicher und
~mannigfacher Kenntnisse, welch’ gewissenhaften Fleisses es be
darf, um auch auf einem so begränzten Terrain einen sicheren
Grund für weiteren Aufbau zu gewinnen. \VannWar-tinger zuerst
als Schriftsteller aufgetreten, ist nicht gewiss. Das nachfolgende
Verzeichniss seiner Schriften, einigermassen vollständig gezeich
3*
36

net im Akademie-Almanach 1854, S. 304, zeigt nur eine einzige


numismatische Mittheilung. Die Schriften sind: 1) Beiträge zur
ältesten Geschichte der Steiermark. Aufmerksamer 1813, Z. 63.
2) Die Murschifffahrt stromaufwärts. Hormayr’s Taschenbuch
für vaterländische Geschichte. Jahr 1820. 3) Etwas über die
Stadt Ziup und ihre Nachbarschaft. ebd. 1820. 4) Bücher
censuranstalt in Grätz im sechzelmten Jahrhunderte. Steierm.
Zeitschrift. VIII. 1827. S. 145. 5) Geschichte Herzogs, dann
Königs Albert I. Encyklopädie von Ersch und Gruber. 1819.
Sect. I. Bd. 2. S. 389. 6) Geschichte Herzogs Albert II. von
Oesterreich. ebd. 1819. Sect. I. Bd. 2. S. 391. 7) Auszug derWol­
kensteiner Landesgerichtsordnung vom Jahre 1478. ebd. 147.
8) Ueber das Befugniss der Juden in Steyermark mit Getreide
zu handeln. ebd. 149. 9) Beitrag zum steyermärkischen Taz
wesen. ebd. 152. 10) Musikantencompagnie in Grätz. ebd. 159.
11) Silberhältiges Bleybergwerk im Pusterwalde. ebd. 160.
12) Leibeigene Stadtbewohner im XIV. Jahrhunderte. ebd. 160.
13) Aeltere plastische Künstler in Steyermark. St. Z. 1833.
XI. 97. 14) Edelsinn eines Galler. St. Z. XII. 86. 14) Ursprung
von Spital ’am Semmering. St. Z. 1834. I. 1. S. 82. 16) Beiträge
zu des Geographen Vischer Lebensbeschreibun . St. Z. 134. I.
2. S. 76. 17) War Leibnitz je eine Stadt? St. Z. 1835. П.
1. S. 19. 18) Märkte in Steyermark, die einst Städte waren oder
genannt wurden. St. Z. 1835. 2. S. 92. 19) Frühere Besitzer des
Joanneumgebäudes. St. Z. 1836. III. 1. S. 86. 20) Entstehung
des Landhauses oder Ständehauses in Grätz. St. Z. 1838. V.
1. S. 118. 21) Die älteste Originalurkunde im Joanneumarchive.
Mit Anmerkungen von Herrn Dr. Johann R. v. Jenull , mitge
theilt von J. Wartinger. Mitth. des hist. Vereines für Steiermark.
1850. 1. 83. 22) Peinliches Urtheil aus einem Kloster vom
15. Jahrhunderte. ebd. I. 96. 23) Bemerkungen zu Herrn Dr.
G. Fr. Schreiner’s Aufsatz: ,Ueber die heut zu Tage einzig
richtige Schreibung des Namens der Stadt Grätz.‘ Grätzer Zei
tung. 1845. ’ 4
Selbständig erschienen: 1) Kurzgefasste Geschichte der
Steiermark. Grätz. F. Ferstl 1815; 2. Aufl. 1827, 3'., ursprüng
lich durch J. C. Hofrichter angetragen, 1853. 2) Privilegien
der Landeshauptstadt Grätz (1836), der Kreisstadt Bruck (1837),
der Märkte Vordernberg, Eisenerz, Tüffer (1841). 3) Der
‘Трио; eig ‘ш ysveâha то‘) морю‘) nw. carmpoç ‘mmv Что‘) Храп­со’),
ех autographo Christophori Freii, über dessen Herausgabe War
tinger an die verordnete Stelle berichtete, erschien 1847. 4) Ablö
sungen der Urbarialdienste im XIV. und XV. Jahrhunderte. 1849.
. 37

Der Aufsatz: ,Domitian’s Münze auf Titus’ Vergötterung


in der Münz- und Medaillensammlung des Joanneums‘ erschien
in der Steiermärkischen Zeitschrift 1827. VIII. S. 146, mit einer
lithographischen Tafel. Diese einzige numismatische Veröffent
lichung Wartinger’s, der die Tausende von Münzen gesehen
und bearbeitet hat , behandelt ein in der vaterländischen Samm
lung befindliches Seitenstück zu Morelli und Eckhel. Obwol nun
VVartinger als numismatischer Schriftsteller kaum gelten kann,
wessen er auch zu seinem Rufe nicht erst bedarf, so -steht er
doch als wissenschaftlicher und praktischer Numismatiker (er
besass selbst eine kleine Sammlung), als die eigentliche Seele
und der systematische Schöpfer des Landesmünzencabinetes in
Steiermark obenan. Die Geschichte dieses ist die Geschichte seines
Fleisses.Wollen wir die Entwickelung beider näher in’sAuge fassen.
Das Münzencabinet, noch im Jahre 1813 zugleich mit Ar
chiv, Bibliothek, Leseanstalt und Curatorenkanzlei von einem
Seriptor im Gehalte von 400 Gulden CM. verwaltet, ward nach
dem Plane des Curators Johann Ritter von Kalchberg, welcher
gleichzeitig das Cabinet mit 121 Ьеì Leibnitz gefundenen römi
schen Kupfermünzen bereicherte, von den drei übrigen Aemtern,
welche seine eigene Entwickelung hemmten, gesondert und es
erfolgte nach jenem Organisationsplane vom 8. März 1814 die
volle Abtrennung des Cabinetes, zwar noch vereint mit dem Ar
chive und der Alterthümers-ammlung, erst durch die Deerete vom
28. December 1816 und 27. August 1817, welche den Leiter
bestellten. Es entfiel für -dieses Fach eine Jahresdotation von
210 fl. CM., jener des physikalischen Cabinetes und der Custo
die-Casse gleich, die Dotation der zoologischen Sammlung um
105 fl. übertreffend, von jener der mineralogischen Sammlung
um 105 fl., endlich jener der Bibliothek um 840 fl. übertroffen.
Nachdem noch zur Zeit des ersten Curatoriums dem Münzen
cabinete 1815 die Schenkung seitens des ostindischen Residenten
Claudius James Rich zu Bagdad, sowie die Erbschaft des am
25. Jänner 1817 zu Wien verstorbenen galizischen Gouverneurs
Joseph Grafen von Brigido unmittelbar durch eine Reihe präch
tiger Silber- und Goldmünzen und Medaillen zu gute gekommen
war, wurde die schon mehrere tausend Stück zählende Sammlung,
vom Erzherzog-Stifter, durch Hormeyr, Kurz, durch LudwigFrei­
herrn vonMandell, Ignaz von Haidegg, Franz vonFormentini, durch
den Sammler Wanggo u. a. fortwährend unterstützt, noch im
Verlaufe des letztgenannten Jahres zugleich mit den Antiken
und getrennt von der Bibliothek im ersten Stockwerke des Joan
neums in dem grossen, trockenen, fcuerfesten und ziemlich lich
38
\

een Gewölbe untergebracht und der Schutz durch eiserne Thüren


und Balken hergestellt. Auch erhielt diese Abtheilung , welche
vom Kaiserpaar und dem Kronprinzen besucht wurde , nunmehr
über kaiserlichen Erlass vom 20. Juli 1817 neben dem Vorsteher
mehrere Copisten, welche auch theilweise die Münzensammlung
bearbeiteten und zuerst an die Durchführung von Eckhel’s Sy
stem gingen. Damals (1818) waren ausser den inländischen
Münzen schon die antiken recht zahlreich geworden und waren
neben Rom in seiner Consular- und Kaiserzeit Gallien, Hetru
rien, Grossgriechenland, Mösien, Attika, Jonien, Thrakien, Ma
kedonien, Bithynien, Kappadokien, Syrien, Phönikien, Afrika
u. s. w. beschrieben und eingeordnet, auch die Bracteaten von
60 Geprägen (29 Stücke aus Holleneck durch J. E. Ritter von
Purgay im Jahre 1819), zum Theile nach Hanthaler, bis auf
Friedrich den Streitbaren hinaufgehend, genau geschieden. Ab
drìicke ersetzten fehlen de Originale (Ritter von Rainer’s 34Zinn
medaillen). Die Abtretung einschlägiger Doubletten aus der In
stitutssammlung begründete eine numismatische Bibliothek; der
Tausch- und Kaufhandel belebte sich.
Das Guratorium war schon mittelst Eingabe vom 15. Juli
1816 thätig gewesen für eine Verbesserung der- sogenannten
Copistenstelle, ~welche die volle Kenntniss der lateinischen, eine
allgemeine der griechischen, der französischen, zum Theile auch
der italienischen Sprache, Vertrautheit mit einigen Alphabeten,
wie des altnorditalischen, des russischen, türkischen, Fertigkeit
im Lesen und Uebersetzen alter Urkunden und wol auch im
Zeichnen von Siegeln, Wappen und Münzen, endlich überhaupt
der Geschichte und einiger Nebenfächer fordert. Noch hatte bis
her als Accessist mit Adjutum von 250 fl. der sprachenkundige
Karl Friedrich Greiner hier gewirkt. Die mittelst Hofkanzlei
verordnung vom 6. Feber 1818. genehmigte definitive Copistens
stelle mit Jahresgehalt von 400 Gulden und Vorrückung in die
Landschaftsämter hatte alsdann Franz Xaver von Unruh, vordem
Registraturspraktikant, inne. Seiner Stelle vollkommen ge
wachsen, umsichtig und emsig, wartete er des Amtes bis ins
Jahr 1836. Ihm folgte seit 10. August 1837 Karl Freisinger;
seit ‘20. Juli 1842 S. Krassberger und seit 19. November 1850
Alois König, welcher 1857 niederösterreichische Landschafts
dienste nahm. Franz X. Rechbauer, nachmals Landschaftsarchi
var und der berühmte heimatliehe Dichter C. G. Ritter von
Leitner arbeiteten hier durch längere Zeit; ersterer im Jahre
1836, letzterer, nachmals- Gymnasîalsupplent, Landtagssecretär
und Curator der Anstalt (März 1858 bis März 1864), um 1826.
39

Für die Pflege der Numismatik hatte Ñ\/'artinger schon


1818 sehr warme Worte gesprochen, welche wir im Jahresbe
richte des Joanneums (1818, p. 15) lesen: ,In unserem, mit so
vielen Spuren der alten kriegerischen Züge und Niederlassungen
der Römer und ultramontanischen Völker bezeichneten Vater
lande sind so viele alte Münzen nutzlos in so vielen Händen, es
werden deren noch immer mehrere gefunden, und unzählige ver
schwinden durch Vernachlässigung, Geringschätzung und klein
lich werthlose Verwendung. “Не oft hat nicht die Aufïindung
von Münzen, der Entdeckungsort derselben auf die wichtigsten
Andeutungen der alten Geschichte und Geografie geholfen, und
über so manche Einwanderungen, Durchzüge alter Völker, über
Ereignisse und Lagen alter Colonien und Städte die Zweifel
ganzer Jahrhunderte gelöst. Die Wohlthat der interessantesten
Entdeckungen liegt oft in einigen, ja oft in einer einzigen Münze,
welche die Unkunde in einen VVinkel hinwirft, der Muthwille
veranstaltet, oder gar zerstört. So fand der grosse Winkelmann
eine durch viele Jahre in Rom und in vielen alten Städten ver
geblich gesuchte Münze am Zaume eines Maulthieres hängen,
woran sie der Stallknecht aus läppischer Verzierungssueht be
festiget hatte. Laut frohlockend rettete er sie aus dieser aben
theuerlichen Bestimmung für den Gewinn der Wissenschaft. Es
gilt hier kein Privatinteresse und keine auf Bereicherung aus
gehende einzelne wissenschaftliche Liebhaberei; es gilt den wis
senschaftlichen Gewinn und das fruchtbringende Eigenthum des
ganzen Landes. Den wissenschaftlichen Gewinn, weil die Ent
deckung der Münzen zu wichtigen historischen führen kann.
Dаз fruchtbringende Eigenthum des ganzen Landes, Weil die
Sammlungen als Behelf nützlicher Untersuchungen und als Schule
der Mìínzkunde für jeden Freund und Beflissenen dieser Wissen-
sehaft immerfort dastehen und zunehmend an Werth in das
Eigenthum der dankbaren folgenden Generation übergehen.
Weniger seltene Münzen, wenn ihrer auch wirklich schon in hie
siger Sammlung wären, werden auch mit Dank empfangen. Sie
können zum Tausche gegen andere abgängige dienen. Münzen
von archäologischer Seltenheit erhalten durch ihre wissenschaft
1iehe~Aufstellung in der systematischen Sammlung ihren wahren
\Verth. Damit auf etwaige Nachforschung irgend eines herum
reisenden Münzensammlers zu warten, ist ebenso unsicher, als
der Verkauf derselben, wenn sie im Lande gefunden, ein Verlust
für selbes wäre. Die Ueberzeugung-, durch ihre Hingebung in
das Eigenthum­ einer vaterländisehen Bildungsanstalt und zum
unterrichtenden Zweck etwas Gutes gestiftet zu haben, dürfte
40

hier jede andere Absicht überwiegen, und dies um so mehr, da


man nicht Jedem das Opfer des Metallwerthes der Münzen zu
muthen kann, und das Institut Jenen, welche ihre Münzen ver
kaufen wollen, gerne die billige Bezahlung versichert, wenn sie
für die Sammlung des Joanneums geeignet gefunden werden.‘
Speciellere Pflege noch genoss die Münzabtheilung des
Museums, seit Graf Ignaz von Attems (1820-1861) seinem
1820 verstorbenen Vater, späterhin Ferdinand Edler Herr von
Thinnfeld dem 1827 verbliehenen Johann Ritter von Kalchberg
und dem 1825 geschiedenen Abte Kuglmayr der reuner Prülat
Ludwig Crophius Edler von Kaiserssieg gefolgt war und insbe
sondere der Letztgenannte in Folge der erzherzoglichen Ge
schäftsvertheilung vom 15. Jänner 1828 bis April 1861 das
Münzen- und Antikencabinet zugleich mit Archiv, Bibliothek,
Leseverein, Landwirthschaft-Gesellschaft, botanischem Garten
und allem Studienwesen zu Referat nahm. ~
In dieser ersten Zeit war auch der Geist für Unter
stützung der Landesmünzensammlung durch namhafteGeschenke
sowol bei Einzelnen als bei Vereinen, namentlich der neuge
gründeten Landwirthschaft- Gesellschaft mit ihren Filialen, noch
recht rege und dies zum Theile in so hervorragender Weise,
dass die Zurückhaltsamkeit, das abschliessende Sammeln für
eigene Zwecke und die häufige Theilnahmlosigkeit ebendersel
ben Landesbewohner in der Jetztzeit fast den Gedanken aufkom
men lässt, nicht so sehr der Wissenschaft als dem gunstverschen
kenden Fürsten sei von vielen Seiten her mit Gaben gehuldiget
worden. Waз ehedem mit vollen Händen geboten ward, das ist
jetzt kaum mit klingender Münze zu erreichen. Sehr wol mög
lich, dass das Volk von seiner Saat zu wenig Früchte in dem
Sinne gesehen, in welchem es seiner Natur nach geniessen kann.
Aber wir sprechen eben von jenen Friedens-, wir könnten auch
sagen Schlummerjahren, in denen die alte Zeit mehr gedieh als
die neue. Es spendete der Stifter (1820) über hundert theils sil
berne theils kupferne Münzen, sowol antike als moderne; der
Freiherr von Egkh gab gegen 800 römische Kupfermünzen, aus
Judenburg kamen durch Widerhofer, aus Leoben durch Graf,
ferner von Mooskirchen, Rothwein, der Landschabrücke, Göss,
Ligist und Grätz mehrere und einzelne Münzen; über hundert
wurden angekauft. Das Rundschreiben des Erzherzogs über die
herauszugebende ,Steiermärkische Zeitschrift‘ betonte die Nu
mismatik neben der Heraldik, Diplomatik, Genealogie. Im Jahre
1821, worin mit den altrömischen und griechischen Münzen in
der Zusammenstellung eine solche Einrichtung getroffen wurde,
41

dass dieselben (freilich von tieferen Beschauern als den reisebe


schreibenden Dr. Müller aus Bremen, Jäckl, Kiselak) beinahe mit
einem Blicke überschaut werden konnten , flossen dem Cabinete
einige äusserst seltene und kostbare Medaillen (wie Abt Johann
Hofmann von Admont, Max von Polheim) durch den Curator
Gotthard von Admont zu, Münzen vom Frauenberg bei Leibnitz,
Zuckerhut bei Tamsweg, aus Fehring mehrere hundert grössten
theils römische, andere aus Trieben, St. Lambrecht, Geirach,
Bracteaten aus Bärneck in der Elsenau, die Dietrichstein-Me
daille von 1520 durch Max Grafen von Dietrichstein, ein Andro
nicus; während die ,Monete cufiche dell imp. re. museo di Mi
lano‘ und ,del Museo di Stefano de Mainoni‘ zur Bibliothek
stiessen. Mehrere ausserländische Anstalten verlangten und er
hielten Beschreibung und Pläne, Zeichnungen und Modelle von
Einrichtung und Aufstellung im Münzen- wie im Antikencabi
nete und dem Archive des Joanneums. Im folgenden Jahre sind
Schenkungen des Grafen Karl von Schärfenberg, römische Sil
bermünzen aus Cili durch den Kreishauptmann Balthasar Edlen
von Ziernfeld und Professor Küttel, Münzen aus Leibnitz und
vom grätzer Schlossberge erwähnenswerth. Ihnen rcihten sich
1823 die Serie grosser Gold- und Silberstücke vom Erherzog
Stifter und die römischen Münzen aus Murcck, Stücke aus Tüffer
und Marburg an. Die Berichte von 1824 erwähnen besonders der
griechischen und römischen ,neuern‘ Münzen von Silber und
Kupfer aus Pettau und Massenberg, eines Alexander Severus und
anderer aus Leibnitz. Auch barbarische und kufische Münzen
wuchsen zu, sowie speciel steierische Stücke von Grätz, Radkers
burg, und 20 Kupfertafeln über alte Münzen das Cabinet berei
cherten. Die ,Steiermärkische Zeitschrift‘ dieses Jahres (Heft V.
155) brachte einen Aufsatz Kalchberg’s über die obenerwähnte
Münze des Max von Polheim 1615, worin auch fromme Wünsche
in Betreff einer traungauer, babenberger, eppensteiner und cilier
Münzung zu dunklem Ausdrucke kommen.
Wie das Archiv die Vorträge über Heraldik und Diploma
tik am k. k. Lyceum durch Vorlagen unterstützte, so führte das
Münzencabinet von nun ab einzelne Studierende auch in das nu
mismatische Studium ein. Es kömmt hier zu bemerken, dass die
Münzkunde überhaupt ein Gegenstand für Vorlesungen auf der
Landesuniversität nur im umschränktesten Sinne geworden ist.
Es las Professor A. J. Polsterer 1825 zwar über Diplomatik
und Heraldik, aber über andere historische Hilfswissenschaften
schien die Hofstelle keine Verbreitung zu begünstigen. 1828 las
L. Hassler , der allerdings auch Professor der Numismatik hiess,
42

eine Einleitung zur Numismatik, Chronologie und Genealogie;


ähnliches 1830. - Der Joanneumsammlung flossen im Jahre
1825 römische Kupfermünzen aus Luttenberg, Herbersdorf und
vom даtzе» SChl0SSl)€1’g, aber auch chinesische, afrikanische,
brasilische und ein Verzeichniss von Medaillen, geprägt auf Na
turforscher, zu, während durch den Bau des Bibliotheksaales für
die erweiterte Sammlung günstige Prospecte sich öffneten. Noch
im Sommer des Jahres 1826 wurde eine genauere Trennung der
numismatischen Sammlung von der archivalisch - archäologischen
in einem geräumigen Locale, dem jetzigen Aufstellungssaale,
durchgeführt. So konnten die in den letzten Jahren erworbenen
Reihen endlich auch bequemer aufgestellt werden. Zuerst wurde
der , wie erwähnt , schon früher verfasste Katalog über die
alten Münzen wegen des vielfachen Zuwachses erneuert und in
einer eigenen Rubrik bei jeder Münze, insoferne bekannt, der
Fundort und der Name des Gebers angemerkt. In Verbindung
mit diesem Katalog, der jedem Besucher zur Einsicht vorlag,
waren über alle aufgestellten Consular- und Kaisermünzen die
für das Volk nöthigen Erklärungen und historischenNotizen über
den Ursprung der münzenden Familien, über den Sinn der Vor
stellungen auf den Münzen und über die merkwürdigern Männer
eben dieser Familien zusammengestellt. Die Münzen selbst er
schienen genau nach der Ordnung des neuen Kataloges zwischen
Glastafeln in acht pultartigen Kasten an der Wand, und später
einem Mittelkasten für die neuere Zeit, in der Weise eingereiht,
dass die Averse“ mit Einem Blicke überschaut werden konnten.
Eine leichte Bewegung dieser in Rahmen gefassten Münzen
zeigte die Kehrseite. Ueberdies war jedes Stück auf der Vorder
und Kehrseite durch die im Kataloge verzeichneten Name , Zal
und Tafel auf das-Genaueste bestimmt. Aber es war auch vorge
sorgt, allen in Zukunft neu zuwachsenden Münzen, wie zalreich
auch immer, sogleich in den ihnen numismatisch gebührenden
Platz einfügen zu können, ohne hiedurch die Ordnung derschon
aufgestellten auch nur im Geringsten zu beirren. Diese Einrich
tung шaг der Lieblingsgarten Wartinger’s. Aber es fand auch
Wartinger, wie Eckhel, seinen Neumann. An Beiträgen dieses
Jahres (1826) sind erwähnenswerth römische Münzen aus Heili
genkreuz bei Rohitsch, Leibnitz, Radkersburg, Straden, Lassing,
Mitterberg und vom grätzer Sehlossberge, Bracteaten aus Pettau,
neueste niederländische Kupfermünzen, von St. Helena durch einen
polnischen Officier aus Napoleon’s Umgebung überbracht, und
vor Allem das verhängnissvolle ovale Stubenberg-Goldstück von
1593, vielleicht das einzige und letzte Exemplar dieses Geprä­
43

ges. Mit der neuen Aufstellungsart der Münzen begann sich über
die Haupttheile dieser Sammlung auch ein ungewöhnlich reicher
Segen von sehr liberalen Spenden, sowol an Zal als Mannigfal
tigkeit, an Schönheit und Seltenheit, sowie an innerem Metall
werthe der Münzen zu ergiessen, welchen Zuwachs noch Tausch
und Ankauf vergrösserten. Das Jahr 1827 brachte- unter vielem
Anderen römische und griechische Münzen aus Margarethen,
Hoheneck, Sternstein, der Schörgelgasse in Grätz, Gröbming,
Leibnitz, Pettau, St. Andrä im Sausal, Mitterdorf ob Voitsberg,
Cili, 400 Stück meistens makedonische und ägyptische, aus der
Joseph Müller’schen Sammlung ausgewählt; Bracteaten aus Cili,
Holleneek , andere mittelalterliche aus einem grätzer Ravclin,
Münzstücke aus Pettau, Mariazell, und Raitpfennige. Fast so, wie
früher die antiken Münzen, wurden das folgende Jahr auch jene
des Mittelalters und der neuern Zeit, in Kasten mit Doppelpult,
zwischen Gläsern in der erwähnten Art aufgestellt. Um den in
nern Hohlraum aller Münzpulte möglichst zu benützen, wurden
in dieselbe -ähnliche drehbare Münzrahmen mit Glastafeln einge
schoben, dass bei Dtu‘chführung dieser inneren Einrichtung mehr
als 15000 Stücke zur Ansicht bereit liegen konnten. Die Münzen
ordneten sich zeitfolgegemäss ohne Unterschied des Metalls nach
Ländern und Orten; jenen der Landesfúrsten folgten die der Fa
milienglieder, insoferne eine derlei Münze ihrer Natur nach nicht
bei einem anderen Lande zuzutheilen war. Zur leichteren Ueber
sicht waren Aufschriften den Münzen sowol ganzer Länder als
auch einzelner Orte und Individuen beigegeben. Gleichzeitig
mehrte sich wieder durch Spende, Kauf und Tausch jegliche
Reihe. Insbesondere sind zwei barbarische, zwei seltene antike
Goldstücke , wahrscheinlich aus Pettau ‚' türkische durch den da
maligen k. k. Ingenieurhauptmann F. E. von Hauslab und 16 spe
ciel stcierische Münzen zu erwähnen, worunter die äusserst sel
tene, vielleicht einzige Silbermünze des Abten Mathias von Reun
durch des Stiftes Prîilaten Ludwig Chrophius von Kaiserssieg.
Das Jahr 1829 lohnte durch ’ die fortgesetzte Verbindung mit
K. Harb, Verwalter von Seckau bei Leibnitz, sowie mit dem Di
rector des k. k. Münzen- und Antikencabinetes Steinbühel von
Rheinwall; antike Stücke aus Ligist, Leibnitz, Pettau , viele
neuere, darunter 27 nordische aus Börd beiFriedrichshall in Nor
wegen, und 38 speciel steierische Münzen flossen ein, darunter
die Jahŕzehent-Medaille der heimischen Land-wirthschaft -` Gesell
schaft. Von jetzt ab beschränkte man sich nicht mehr auf den
Katalog der alten Münzen, auch ein solcher für die neueren Mün
zen wurde in- Bearbeitung genommen; Diese mehrten sich 1830
44

durch Geschenkgeber (darunter auch das erste Mal Prokesch


Osten, damals Marinemajor) um fast drittehalbhundert, wie durch
der Gräfin von Attems, des Freiherrn von Dienersberg und An
derer Spenden die Zal der antiken um mehr als 100 anwuchs.
Speciel steierische Stücke kamen nur 7 ein, während Duval’s und
Frölich’s ,Numismata cimelii caes. reg. Vindobonensis‘ der Biblio
thek zufielen. Die Kaiserin von Oesterreich, Marie Louise von
Parma und der Herzog von Reichsfadt besuchten am 26. Juni
dieses Jahres das Museum. Zu der bereits vorhandenen Samm
lung von Abbildungen antiker Münzen, welche damals wenige
ihres gleichen zälte,. stellte im folgenden Jahre der in Steier
mark viel bereiste A. Steinbühel von Rheinwall (1818-1840
Custos und Director des kais. Münzcabinetes, später zu (та;
lebend) neue Zierden. Aus Passail, dem Sausal und von-anderwärts
kamen antike Stücke und die Styriaca ergänzten sich bis nun
auf die Zal 180. Jetzt war auch bereits der Katalog über die
neueren Münzen vollendet, ihm beigegeben eine Uebersichts
tabelle und ein alphabetischer Index mit Angabe des Platzes
einer jeden Münze. Das öffentliche Urtheil sprach sich in der
,Steiermärkischen Zeitschrift‘ 1835 II. 128 folgendermassen aus:
,Mit dem Archive ist auch ein Münz- und Antikencabinet ver
bunden. Das erste, welches sich immer mehr vervollständiget
und eine eigene kleine, aber bemerkenswerthe Abtheilung steier
märkischer Münzen in sich schiesst, unterstützt das früher ganz
vernachlässigte Studium der Münzkunde durch eine der eigenen
Anschauung höchst förderliche Aufstellungsart und einen treff
lich gearbeiteten Katalog.‘ Nachdem das Jahr 1832 an 160 antike
Münzen eingebracht hatte, darunter mehrere aus der, in der nu
mismatischen Literatur nicht unbekannten traunfe1ner’schen
Sammlung in Klagenfurt; die Medaillensammlung durch den
Deutschordens-Commandeur Joseph Grafen von Attems um 146
Broncestücke, jene der steierischen aber nicht beträchtlich ver
mehrt worden war, folgten 1833 bei 35 antike und über 500
neuere Münzen , darunter allein vom obgenannten Grafen-Com
mandeur 386 Münzen und Medaillen, welchen sich 1834 sehr be
lehrende Werke über Münzenkunde, in 21 Bänden bestehend,
mit mehr als 500 Zeichnungen von Münzen anschlossen. Hier
kömmt zugleich der Erwerb vom Hofrath J. R. von Gersdorf an
griechischen und römischen (theils Familien- theils Kaiser-) Mün
zen, 295 Stück, zu erwähnen; endlich römische und 1 barba
rische aus Cili, und 309 neuere, unter welchen -12 steierische,
während das Vorjahr deren nur 4 brachte.
Ausgezeichnet ist das Jahr 1835 durch die Sammlung von
45

41 Kaiser- und Colonialmünzen des Gouverneurs Grafen von


Wickenburg, durch alte Stücke aus Laselsdorf, Luttenberg und
VValdeck, durch Eintausch von silbernen Metapontum, Syracus,
Cardia, Neapolis, Macedoniae, Aegium, Chalcis, Rhodus und Kö
nig Juba , sowie kupferne Ariminum, Smyrna und König Anti
gonus I. Der Medaillen- und Bracteatens endo des Erzherzog
Stifters schlossen sich zahlreiche andere Geber, darunter auch
der zu Grätz im Exil weilende Graf von Ostrowsky, an. Der
Kauf brachte 12 Goldstücke, 114 silberne und 5 kupferne; der
Tausch 9 silberne, darunter Philipp -der Schöne, Karl VIII., Eli
sabeth von England u. a., während 13 in die steierische Samm
lung gingen. Eckhel’s ,Doctrina numorum veterum‘ und ,Mu
sellius, numismata et antiquitatìs reliquias, Veronae 1751-6()‘
bereicherten die Bibliothek. Aus Reichenburg, Walsee, Neuberg,
Köflach kamen im folgenden Jahre römische Münzen ein, eine
barbarische Silbermünze aus Altenmarkt und eine solche gol
dene. Prokesch-Osten gab über 80 antike Stücke und kaufweise
stiessen noch 143 hinzu ‘г: darunterOtho, Plotina, Helvius Perti
nax, Pescennius Niger, ‘onstantius Gallus u. a. Den neueren
Münzen, worunter ,Bracteaten von den Degen Lorenzo Tiepolo,
Giovanni Contarini, Giovanni Dandolo‘, und eine lederne Münze
aus der traunfelner’schen Sammlung, setzte die Krone auf der
Landescomthur GrafJoseph v. Attems, indem er dem Cabinete einen
Schatz von 434 Münzen, an 100 ausserordentlich schöne Medaillen
abgüsse in broncirtem Schwefel und eine ausgewählte Sammlung
numismatischer Bücher zuwendete. Der grätzer Silberarbeiter
Goriupp jun. stellte in diesem Jahre silberne und kupferne
Kettenbrücken-Medaillen her. In die Bibliothek wanderten die
,Seleetiora numismata in aere maximi moduli e museo Fr. de
Camps concisis interpretationibus per D. Vaillant illustrata‘
und desselben ,Numismata imperatorum romanorum praestan
tiora. ed. Ш.‘
Immer einflussreicher seit Jahren war die Verbindung mit
Prokesch-Osten geworden. Bevollmächtigter am k. griechischen
Hofe bereicherte dieser ausgezeichnete Mann im Jahre 1837 das
Joanneum-Cabinet allein mit 426 griechischen Münzen, wie fol
gende von Eckhel als selten bezeichnete: Aegina, Aetolia, Aeza­

*) Aus den Ersparnissen von der Dotation , aus dem Erlöse für verkaufte
Doubletten und durch ausserordentliche ständische Unterstützungen wurde
im Jahre 1836 eine Münzensammlung um 3000 il. CM. angekauft. Diese
bestand aus 180 Goldmünzen, 138 römischen Silbermünzen, 1057 neueren
Silbermünzen und einer grossen Anzal Kupfermünzen älterer und neuerer
Gattung. Dr. Göth`s Jubelschrift S. 88. Anm.
46

-nis, Arados, Byblos, Cadi, Calymna, Coeia, Colchis, Cranium,


Ephesus (Cornelia Paula), Gambrium, Gaules, Gomphi, Heraclea
Sintica, Loeri Opuntii, Magnesia Lydiae, Maronea, Megara Atticae,
Melita (Arruntanus), Miletus, Mitilene, Phaestus, Phocis, Saetteni,
Same, Selge, Sicyon, Taba, Thasos, Thyrea, Tralles; königliche:
Antigonos I., Demetrius I., Ptolemaeus von Epirus, 31 Alexan
driner, darunter ein Gordianus Africanus pater, endlich 211 Rö
mer, ausgezeichnet durch Michaël II. und Theophilus, Constan
tinus XIII. und Eudoxia, Michaël VII. und Isaacus II. Aus dem
Preggraben und Köflach, Leibnitz trafen römische Stücke cin,
bedeutendes (an anderthalb hundert) auch aus Enns, während an
der Mehrung der neueren Münzen um 325 Stück Prokesch­Osten
allein einen Antheil von 163 hat, darunter ein Friedrich Barba
rossa, Könige Waldemar ll. und III. von Dänemark, Roger von
Sicilien, Karl als Herzog von Clarentia im Peloponnes, Wilhelm
Herzog von Athen und Theben; dann kufische, armenische, neu
griechische und algierische des letzten- Dey. Die steierische
.Sammlung wuchs um 12 Stück. Das kaiserliche Münzcabinet
gab tauschwcise 10 Silberstücke , darunter Kaiser Otto der
Grosse , Könige Bela III., Stephan V., Ladislaus IV., K. Ro
bert. Die zwei folgenden Дaше 1838 und 1839 brachten unter
Anderem römische Münzen aus Leibnitz, dann aus Tüffer (Julia
Paula, Pupienus), Wagna, Feldbach, Eppenstein; eine des grie
chischen Kaisers Johann, zu Grätz neben der Stadtpfarrkirche
ausgegraben, sowie die seit dem Bestande des Münzencabinetes
werthvollsten Beiträge durchProkesch-Osten, nämlich 569 ebenso
schöne als seltene Stücke, worunter als damals inedita: Amisus,
Gordianus III. Ae. mm., Argos Argolidis Ar., Athamenesac und
Naxus Ar., dann die von Eckhel als ,selten im vierten Grade‘ be
zeichneten oder auch gar nicht gekannten: Abdera, Abydos,
Acanthos, Aezanis, Anactorium, Attalia Pamphiliœ, Baundos,
Cardia, Carthaea, Chalcis Euboeae, Chios, Clazomenae, Cnidos,
Coela, Cos insula, Creta, Cyme, Elaea, Eleusis, Ephesos, Eresos,
Halicarnassos, Hermocapelia, Hypoepa, Julis, Lamia, Larissa,
Lete, Loeri Epicnemedii, Loeri Opuntii, Magnesia ad Sipylum,
Megara Atticae, Melita, Methymna, Miletus, Neo-Caesarea, Olbia,
Panticapaeum, Phaestos, Pharsalos, Pheneus, Philippi, Philome
lium, Phocis, Samos, Samothrace, Selge, Sicyon, Side, Sinope,
Tanagra, Tegea Arcadiae, Thebae, Thespiae u. a. An Königen:
Amyntas, Philippus II., Antigonus Gonatas, Perseus, Rhoemet
alkes, Prusias, Philhetairos Mysiae, Maussollos, Ariarathes,
Darius Artaxerxes Sasannida, Ptolemaeus I. und Berenice. Von
Consularmünzen: Claudia und Curiatia, sowie endlich von spä
47

teren Kaisermünzen: Martianus, Nicephorus П. Phokas , Mi


chaël VII. Ducas, Joannes ~П. Comnenus Porphyrogenitus, Ale
xius II. Comnenus, Andronicus II. Palaeologus.
An neueren Münzen und Medaillen sind vom Erzherzog
Stifter 26, vom Commandeur Grafen Attems 20, Bracteatcn aus
Liebenau, eine hebräische Münze aus der Mur zu Crrätz unter
vielen anderen erwähnenswerth. Der Kauf brachte in beiden
Jahren 140 Münzen und Medaillen (47 antike, darunter ein Con
stantius IIl); die steierische Abtheilung mehrte .sich um 13
Nummern , darunter ein Friedrich von Holleneck 1569 und ein
Sigmund Friedrich Freiherr von Herberstein 1604. Unter ande
ren numismatisehen “lerken kamen dem Cabinete auch Antonio
Agostini, Köhler’s ,Münzbelustìgungen‘ (Nürnberg 1729--65.
24 Bände) zu. ~‚
’ Die Frucht des Jahres 1840 waren an Spenden. des Erz
herzogstifters, eines hohen Gönners und anderer Varterlandß
freunde über 267 römische und bei 130 griechische Münzen, dite
meisten von Prokesch-Osten. Unter diesen Lappa, Lugdununl,
Populonia, Uxentum, sowie Aegina, Aenus, Apamea, Byblos,
Cios , Cnidos, Ephesos , Eumenia, Phocis , Selcucia ad Ca
lycadnum , -Syrus , Terina und ein Darius. Viele Stücke
lieferte Pettau. Die neueren Münzen wuchsen um 272 an, unter
welchen ein goldener Rosenoblc Eduard’s lII., ein Ern-st von
Baiern als Graf von Glatz (1549) und mehrere Bracteaten. Alt
griechischer und römischer Stücke weist das Jahr 1841 auf 34,
zum Theile aus Tüffer und Oppenberg (darunter eine äusserst
seltene Bronce von Isaak I. und ein Kupferstück von Leo IV. in
Emissa geprägt mit griechischer und arabischer Inschrift, end
lich ein Dyrrhachium); neuere .Stücke an 170, darunter ein
Karl II. von Sicilien (1289-1309). Die numismatische Biblio
thek mehrte der Deutschordenscomthur General Graf Joseph von
Attems mit vier Büchern; in die Bibliothek der Anstalt gingen
Bergmann’s ,Medaillen auf berühmte und ausgezeichnete Männer
des österreichischen Kaiserstaates‘.ein. Fassen wir -die zwei fol
genden Jahrc 1842 und 1843 zusammen, so sehen ‘wir der
Sammlung sich einverleiben 24 griechische Münzen, meist vom
Generalconsulatskanzler Rudolph Oscar Gödel zu Alexandria,
über 500 römische, einige aus Rcichenburg und Neuschloss,
auch 66 aus Pettau, darunter consulare von Memmia, Thoria, kai
serliche von Otho, Helvius Pertinax, Didius Julianus, Clodius
Albinus, Maerinus und Pupienus, dann Aquilia Sovera, Julia
Paula, Orbiana und 3 barbarische Silbermünzen; endlich 164 Sil
-berbracteaten, grösstentheils- aus der Zwischenreichzeit und
48

Oesterreich sammt den Nachbarländern betreifend, obderennsi


scher Fund , gespendet durch den Erzherzogstifter; eine Serie
von mehr als 200 Deutsehordensmünzen seit Winrich von Knip
rode (1351) bis Erzherzog Anton von Oesterreich (1835), ge
schenkt durch GrafJ. von Attems, sowie 561 neuere Münzen und
Medaillen. Von diesen heben wir hervor die 12 Silberbracteaten,
mit 66 anderen, zugewendet von dem für alle Sammlungsfalcher
sehr thätigen pettauer Bürgermeister Raisp; die silberne Noth
münze von Zara und endlich die zalreìchen Beiträge des pen
sionirten Obristlieutenants Karl v. Tegethof sowol als des hartber
er Realitätenbesitzers Zsehock. Das Cabinet erhielt Fontana’s
âonsularmünzwerk und die ,Geschichte der preussischen Mün
zen und Sigel‘ (2. Lief.), die Anstalts - Bibliothek ,Lipsii biblio
theca numaria‘.
Den Nachrichten zufolge , welche Dr. Schreiner in seinem
Werke über ,Grätz‘ (1843) gesammelt hat, bestund die Samm
lung der antiken Münzen bis zu diesem Jahre in beinahe 5000
Stück, die der neueren in 8500. Es waren ferners der Gleichfór
migkeit wegen auch die Münzen des Mittelalters und der neuen
Zeit, sowie die antiken Ortsmünzen, soviel als thunlich geogra
phisch , alle aber chronologisch geordnet. Die Kataloge über
alle Münzen berücksichtigten Fundort , Geber, Seltenheit,
häufig waren auch historische und genealogische Notizen beige
geben. Diese sind später verschwunden. Als die seltenste antike
Münze galt des Titus Divinationsmünze von Domitian (Erz), als
seltenste unter den neueren das Goldstück WolÍ`s von Stuben
berg (1593). ‚
Das Jahr 1844 trug unter Anderem zum ersten Male die
Erwerbungen des neugegründeten ,historischen Vereines für In
nerösterreich‘ ein, dessen Ausschuss auch der Cabinetsvorsteher
war. Das erste und einzig gebliebene Heft der Mittheilungen die
ses combinirten Vereines liess auf dem brachliegenden Felde
numismatischer Literatur ein Reis aufsprossen. Es ist dies in
Dr. Knabl’s: ,Wo stand das Flavium Solvense des Plinius ?’ die
zweite Abtheilung, welche über die Münzfunde des leibnitzer
Feldes aus vier Sammlungen sich verbreitet. 128 römische Mün
zen, theilweise aus Hausmannstetten, Luttenberg, Reitfenstein
un-d dem leibnitzer Felde, 22 griechische, eine barbarische; dann
329 neuere, darunter eine eiserne Münze aus Kordovan in Afrika
(ein Haschasch), eine kufische, eine chinesische und 106 Bractea
ten (4 aus dem eingehenden 13. Jahrhunderte, veldener Fundes),
endlich 18 speciel steierische mit den 37 der letzten vier Jahre,
darunter ein 20-Ducatenstück Johann Antons Fürsten von Eggen
49

berg, und 14 Bracteaten bereicherten die Sammlung. Ingleichen


zählen wir 1845 an antiken Münzen 55 Stück, etwelehe aus dem
leibnitzer Felde, Pettau, Harmsdorf und eine barbarische; an
neueren 320, worunter 79 Silberstücke des 15. und 16. Jahrhun
dertes durch den Landesgouverneur GrafenWickenburg, 8 grosse
griechische Broncemedaillen durch Prokesch-Osten, 29 dänische
von 12 Königen und 56 Bracteaten. Die steierische Sammlung
wurde, vornehmlich durch den genannten Landesgouverneur, um
36 Stück, darunter ein pettauer Kupferstück, gemehrt. Stets be
deutsamer für das Münzencabinet treten hervor Dт. Richard
Knabl, damals Pfarrer in der Karlau, welcher, auf eigene Kosten
Naehgrabungen veranstaltend, fast alle Sammlungsfacher ver
vollständigte, und der k. k. Artilleriehauptmann Thomas Kollarz,
welcher, ein unermüdeter Wächter des steierischen Herculanum,
am leibnitzer Felde wirkte. Arneth’s ,Kais. Münz- und Antiken
cabinet‘, dessen ,Katalog der k. k. Medaillen-Stempelsammlung‘
und Bergmann’s ,Medaillen‘ flossen in die Cabinetsbibliothek,
während von Seite des Geschichtvereines, dessen Sammlungen
eben beziehungsweise dem Cabinete zugehen , des cilier Gym
nasialpräfecten P. Hartnid Dorfmann erstatteter Bericht über
.Ausgrabungsfunde daselbst zu erwähnen ist. Das leibnitzer und
cilier Feld, Reifenstein, das Sassthal trugen im nächstfolgenden
Jahre zu den 158 antiken Münzen an 100 bei (18 durch Dr.
Knabl, 25 von Caligula bis Arcadius durch J. Lichtenegger, 50
sassthaler Fundes durch B. Trattnigg), während Prokesch-Osten
mit 27 Stück Antheil nahm (seltene Broncen von Alexandria,
Amphipolis, Argos, Boca, Chalcis, Chorinthus, Delphi, Gortyna,
Halicarnassus, Ilium , Lacedaemon , Pellenc , -Megara, Samos,
Smyrna, Syros, Thessalia und Thessalonica). Von den 138 neue
ren Münzen erwähnen wir der 32 kufischen Stücke Prokesch
Ostens und der eingetauschten Dänen Sven Estrith, Christoph I.
und II., Erich Pomeranus, Joannes, Christian III., eines röschil­
der Bischofes Petrus Pang u. a.
Der Lehrmittelsammlung des Cabinetes schenkte Frau An
tonia Grünling die Handschrift eines ziemlich weitläufigen Wer
kes, welches ihr Mann bis kurz vor seinem Tode druckfertig zum
Abschlusse gebracht hatte. Dasselbe betitelt sich: ,Leitfaden zur
Anlegung einer Sammlung von Thalern, Schaustücken und Noth
münzen (von) Landschaften, Republiken und Städten, mit ge
drängten Andeutungen ihrer Geschichte von J. F. v. Grünling.‘
Fol. 1. Band 268 Seiten, 2. Band 300 Seiten mit losen Blät
tern und Anhang über 48 От. Hs. Nr.2511 und 2511 a). -Diese
liebhaberische Zusammenstellung von geschichtlichen und stati
4
50

stischen Nachrichten über eine alphabetische Reihe “оп Orten,


deren Münzen und Medaillen in der Manier Appel’s angeschlos
sen xmd beschrieben werden, behandelt eine bestandene Samm
lung, welche sogar einige Seltenheiten in sich geborgen haben
mag (wie der silberne Ovalanhìíngpfennig für Loretto 1590).
Der erste Band reicht von A-I mit Nachträgen K und bringt
über 140 Orte 238 Münzen bei, deren Begriff nach Medaille und
Geld geschieden ist. Was S.91 über Frohnleiten erscheint-(Burg­
friedberainun sklippe von 1719) ist вaтт‘: den Fehlern aus
Appel IV. I. 287 ausgeschrieben. Im Nachtrage ,l\Inntua‘ sagt
der Verfasser des Kataloges von dem bei Appel III. I. S. 586
Nr. 2068 publicirten Stücke: ,VVcder Herr Appel, noch ich
sahen jemahls dieses Stück.‘ Dann von dem ebendort Nr. 2069
erschienenen: ,Dieses seltene Stück, von mir erklärt, ist nirgends
als in Appel’s )Verk beschrieben.‘ Appel aber, der in seiner
Vorrede von unerwähnten Stücken aus der ausgezeichneten
Baron Müller’schen Sammlung gesprochen, sagt ganz einfach:
,Ich habe dieses Stück noch nirgends angezeigt gefunden.‘ Der
als II. angeführte Band dieses, auch ,Encyklopedische Numisma
tik‘ (sic) genannten Werkes behandelt nach einer ziemlich ver
worrenen Vorrede über 192 Orte 421 Stück Münzen. Wn- finden
darunter vier steierische Orte mit ihrem Münzflor. Es weiset
1): Eisenerz (XLVIII. S. 46) die Jahrhundertsmedaille der
innerberger Gesellschaft 1725, wie Szechenyi I. 315. 2) Grätz
SJXIII. S. 59, ,denk­ und merkwürdig durch den schönen von
r. k. k. Hoheit dem Erzherzoge Johann angelegten Verein von
kunst- und wissenschaftlichen Gegenständen ,Johanneum‘ ge
nannt , Vaterstadt von Erasmus Fröhlich 1700 1’ 1758 zu
Wien, Bibliothecar und Schriftsteller‘ über Münzkunde): die
Burgfriedbereitungsklippe 1673 nach Mader 4898, sowie den
Burgfried­ und Stadbercitungs­Breitthaler 1673 nach Mader 4898.
3) Radkersburg (CXLVI. S. 185): die zweiseitige Klippe der
Burgfriedbereitung 1697 nach Mader 2. Beitrag 121. Appel IV.
750. Nr. 2686. Und endlich 4) Zell (CXC. S. 298): die Me
daille auf das vierte Jubelfest 1757 nach Appel IV. 1086.
Nr. 3988. Wäre das Werk (vgl. Mitth. 1852. III. 33) im Drucke er
schienen, es würde trotz des Interesses einigerbeschriebener Mün
zen eine besondere Bereicherung numismatischer Literatur nicht
erzielt worden sein.
Von jetzt ab gab der Staat seine drückenden Vorrechte bei
Funden auf und war den Findern durch das Fundgesctz vom
31. März 1846 selbst freigestellt, von den behobenen Schätzen
Anzeige zu machen. Diese menschenfreundliche Massregel hat
51

indess auch unser Cabinet um die Kenntniss so manchen Schatzes


gebracht. Händler, die leicht und geschwätzig an Ort und Stelle
sind, entführen so manches Gut und kömmt es auch in zehnter
Hand wieder anher, so ist seine Provenienz oft schon sehr zwei
felhaft geworden. Aber auch die Reichsübersicht hat dadurch
eher verloren als gewonnen, denn indem unterlassen ward, an
das Recht freier Sammlung für die Provinzen die Bedingung zu
knüpfen, das Centralmuseum zu Wien mit monatlichen Fundbe
richten genau auszustatten zum Zwecke der längst erwünschten
archäologischen Karte von Oesterreich, ,liegt nun manches in
Provinzial-Museen verborgen, wovon ausser der Provinz nichts
kund geworden.‘ (J. G. Seidl’s Worte.) Nachdem nun das Jahr
1847 noch eine Reihe von nahezu 300 alten Münzen, viele aus
Mürzzuschlag, Leibnitz, Pettau, vom Pachern und 2 barbarisehe;
an neueren nicht weniger als 1500 (GrafWickenburg 1070 Brac
teaten, Pratobevera über 80) gebracht hatte, zollte das mehr dem
politischen Úmschwunge als den stillen Wissenschaften geweihte
Jahr 1848 dem Joanneumcabinete kaum 100 antike Münzen,
darunter gleichwol ein sehr seltener Gallienus, Gold, aus Pirn
bei Liezen, Stücke aus dem leibnitzer und pettauer Felde, aus
Humersdorf, Radkersburg und etwas über 152 neuere, darunter
13 Venetianer. Die drei letzten Jahre zusammen warfen der spe
ciel steierischen Sammlung aber lediglich 22 Stück ab. Die
Jahre 1849 und 1850, zugleich die letzte Leitungszeit Wartin
er’s, welcher nunmehr einen schr zalreichen und durchweg im
Sinne seiner Zeit geordneten Münzschatz zu vererben hatte , er
gaben dem Metallflor des Joanncums 175 antike Stücke , wobei
der cirkovecer Fund mit 28 Goldstücken voll Auszeichnung zu
nennen ist, Gleisdorf, Steinbrück, Köflaeh und Hohenmauthen,
letzteres mit seinen Ptolemäern, Antheil haben und zwei bar
barische erwähnenswerth sind. Den neueren Münzen wuchsen
über 470 zu, darunter 27 aus Fohnstorf , ein Osello von Pietro
Lando, 20 Bracteaten mährenberger Fundes und 7 aus Gross
florian; 18 ostindische durch Moriz Ritter von Horstig, 3 Silber
stücke aus Schloss Stein bei Teuŕfenpaeh, ein Bela IV. (1235 bis
1275). Noch mehrte sich die speciel steierische Sammlung um
12, darunter 2 Bracteaten des 13.Jahrhundertes aus Grossflorian.
Auch erhielt das Cabinet durch den Comthur GrafenAttems Berg
mann’s ,Medaillen‘ (7, 8), sowie durch den Ritter A. Beckh-Wid
manstetten Joachims ,Mììnzcabinet‘ (IIL). “По 11un einerseits
durch die Abzweigung des innerösterreichischen Geschicht
vereines in drei Sondervereine für Steiermark, Kärnten und
Krain seit dem Juni 1849 die Sammlungsrichtung wesentlich
4-»
52

verändert, hiebei indess an tieferem Eingehen in die engeren


Gebiete augenfällig gewonnen wurde, so schien mit Pratobevera,
dem neuen Leiter des Münzencabinetes , die numismatische Ab
theilung des historischen Museums fürderhin einer besonderen
Pflege entgegenzugehen.
Als mit Ende August 1850 für den in Ruhestand gesetzten
Münzencabinets-Vorstand J. Wartinger ein Nachfolger in Vor
schlag gebracht werden sollte, wies das Curatorium, in welches
seit 30. September 1850 Wilhelm Graf von Khünburg getreten
war, zum ersten Male auf Eduard Pratobevera hin, welchem die
mit 1000 Gulden zu dotirende Stelle übertragen werden sollte.
Wenngleich die Unterhandlungen mit dem Ministerium des In
nern bei der trostlosen Zerfahrenheit alles Ständewesens nur zu
einem systemisirten Betrage von 300 Gulden für den Archivar
und Cabinetsvorsteher führten, so widmete Eduard Pratobevera,
durch die Militärpension gestützt, dennoch seine Dienste dem
Joanneum.
Geboren am 11. Jänner 1811, dem Gründungsjahre des
Joanneums, zu Biala in Galizien und erzogen zu Wien im
Hause seines Onkels , war er 1831 als im Josephinum
gebildeter Feldarztgehilfe bei Prinz - Coburg ­ Uhlanen zu
Saaz, dann beim dritten Jägerbataillon zu Pavia eingetreten
und avancirte, zur Kenntniss der polnischen und lateinischen
Sprache jene der italienischen fügend , 1836 zum Fähndrich im
’steierischen Infanterieregiment Luxem. In die antikenreiche
Stadt Cili zum Landwehrbataillon übersetzt, wurde er des, schon
damals im numismatischen Felde rastlos thätigen J. G. Seidl
Freund und übersiedelte 1840 nach Grätz. Hier ordnete er die
Regimentsbibliothek, ward Professor am Cadetten-Institute, 1847
Oberlieutenant bei Tursky und 1848 Hauptmann. Seit seiner
Anwesenheit in Grätz studierte er neben Wartinger die Schätze
des Joanneums, welches er zuerst (1847) mit einem Original
schreiben des admonter Abtes Lorenz an den marburger Magi
strat (1578) beschenkt hatte und widmete der Archäologie regel
mässig 35 Stunden in der Woche. Mit frühem Morgen oft unter
suchte und beschrieb er die Münzen des Museums, oblag zu
gleich dem Griechischen, so dass er schon 1847, in der Numis
matik auffallend vorgesehritten, nach einer gelungenen Prüfungs
arbeit zu Wartinger’s Adjuncten mit der Anwartschaft zur
Nachfolge bestimmt wurde. Wartinger trug die Kosten zu Pra
tobevera’s erster Arbeit: ,Was hat Steiermark in den Türken
kriegen für Croatien gethan?‘ (Grätz 1847.) Den Felddienst ver
geblich anstrebend ging er im Sanitätscorps nach Szegedin, lei
53
A

tete ein Typhusspital und kam 1850 krank durch unsägliche


Mühen nach Grätz. Jetzt erst, nach Wartinger’s mittlerweile er
folgter”Jubilirung übernahm er mit 24. Feber 1851 das mit dem
Archive vereinte Münzen- und Antikencabinet, dessen Leitung
seit 19. April 1852 mit einer Remuneration von 600 fl. bedacht
war. Er leistete ungemein viel für die theilweise neue Ordnung
und Katalogisirung der Sammlung. Ihre Aufstellung in neuen
Behältnissen, ein schon zu Wartinger’s Lebzeiten gefühltes Be
dürfniss, wurde durch ihn hervorgerufen und ausgeführt. Er liess
jene vier Doppelkasten herstellen, welche mit je 144 Laden, je
eine auf 56 Felder gerechnet, eine-Anzal von 32256 Münzen zu
fassen vermögen und welche zum Theile für die geographische
Aufstellung der modernen Münzen und Medaillen benützt wur
den. Ein langer pultartiger Mittelkasten, der auf freier glasbe
deckter Fläche 2000 Stück der Schaustellung bergen kann, wurde
mit 252Lädehen für 141 12Münzen ausgerüstet.Aus seiner eigenen
Sammlung bereicherte er die numismatischen Reihen des Joan
neums, nicht minder durch den Tauschhandel, den er mit seinen
Standesgenossen und Zöglingen auch zum Frommen des Insti
tutes unterhielt. So rüstete er mit seinen Cadetten allein im
Jahre 1847 die Münzensammlung mit mehr als fünftehalbhun
dert Stücken aus. ImLande überdiess rettete und erwarb er manche
Ausgrabung und weckte und läuterte durch volksmässìge Be
lehrung den Sinn für Alterthümer in allen Schichten. Noch
lange nach seinem Tode frugen sich belesene Bauern um den
,Herrn Hauptmann‘ an, nach dessen Anleitungen der ein und
andere etwas ausgegraben hatte. Er stellte den kleingleiner
Broncepanzer vollendet zusammen, besuchte häufig das numis
matisch so wichtige leibnitzer Feld und unterhielt Briefwechsel
mit dem Keltologen Heinrich Schreiber in Freiburg, dem Kelto
philen Ramsauer in Hallstadt und dem vormals in Cili dociren
den Numismatiker Joseph Bergmann, seinem Verwandten, jetzt
als Eckhel’s vierter Nachfolger Director des kais. Münzencabi
netes, welcher dem Joanneum stets treu anhänglich blieb. Wol
beschied er sich auch mit den geringen Vortheilen seiner Stel
lung; aber ihn lohnete im Innern die Ernennung zum Ausschuss
mitgliede des historischen Vereine@ für Steiermark und des ger
manischen Museums zu Nürnberg, zum Staatsprüfungscommissär
und zum Ehrenmitgliede der mährisch ­ sehlesischen Gesellschaft
historischer Section.
Er schrieb: 1) ,Die Heidengräber‘ (Wochenblatt der steierm.
Landwirthschaft­ Gesellschaft II. Nr. 28, 29). Ferners 2) ,Ueber
den keltischen Charakter der Judenburger Antiken.‘ Mitth. 1853.
54

IV. 54. Das Fundwesen im Allgemeinen, das Fundgesetz und


die gegentheiligen Ansichten über die Bronceschätze beleuch
tend, beschreibt und würdiget Pratobevera die Sammlungsstücke
des Joanneums im Vergleiche mit fast allen anderen zugehörigen
Funden und geht endlich mit mythologischen Einleitungen auf den
seltenen Schatz selber ein, dessen keltische Eigenschaft gegenüber
der slavischen er noch mit Wocel’s Ausspruch erhärtet. Koch rühmt
ihn desshalb (Aelteste Bevölk. S. 120). lm gleichen Hefte (IV. 235,
239) erschienen 3) die ,Keltischen Antiken im Schlosse Freu
denau nächst Mureck und 4) ,Aufdeckung eines Hügelgrabes bei
Kalsdorf‘, beide reich an praktischen archäologischen Finger
zeigen. 5) Ein ,KärntnerisclrSteiermärkisches Land- und Lehen
recht vom Jahre 1430 im Archive des Joanneums‘ brachten die
Mitth. 1854 V. 88, beschreibend diesen schr seltenen Schwaben
spiegel, welcher dem von Lassberg genannten Cod. 91 der mün
chener Hofbibliothck gleicht, aber in Kärnten geschrieben ist.
6) ,Die Fundorte keltischer und römischer Antiken in Steier
mark‘ aus Muchar, den Vereinsschriften und den Joanneums
stücken alphabetisch zusammengestellt, sowie 7) ,Ein neu aufge
fundener Mosaikboden in Cilli‘ bilden die archäologischen Bei
träge‘ des Heftes V. von 1854. 8) ,Die römischen und keltischen
Antiken in Steiermark‘ (Этätz 1856) sind ein sehr beliebtes
Handbuch über steierische Antiken und Münzen allerArt gewor
den. 9) ,Türkische Grenzchronik.‘ (Aufm. 1856.) Unter dem
Hauptitel ,Archäologische Beiträge‘ folgte 1857 im Hefte VII.
10) ,Keltische Alterthümer aus dem Saggauthale nächst Leibnitz',
Panzer, Kessel, Schaftgeschirr, Kettehen des durch C. Sermonet
vermittelten kleinglciner Fundes betreffend , ein Vorgänger der
Weinhold’schen Abhandlung; sowie 11) ,Antiken aus der Um
gebung von Mureck‘, Steinkeil, Glasring, Graphitvvörtel. 12) End
lich sammelte und regestirte er 639 Urkunden des Hauses der
Stubenberg, welche, erschienen im Notizenblatte der kais. Aka
demie der Wissenschaften 1856 Z. 13-20 пuй 1859 Z. 8-24
und dies Unternehmen schliessend, hinreichend beweisen, dass
Pratobevera für die Bereicherung und Ordnung des Archivs
nicht minder bedacht war als aufjene des Münzencabinetes. Zuletzt
13) ,Die steiermärkischen Schützen-Freiwilligen-Battaillone und
ihre Leistungen in den Jahren 1848 und 1849. Auf Kosten des
historischen Vereines für Steiermark. Gratz 1857.‘
Er starb am 18. December 1857 (nicht am 15. wie es im
47 . Joanneumberichte heisst), wenige Tage vor seinem Hinscheiden
noch im Cabinete thätig, ,bis zum letzten Athemzuge nur den archi
valischen und numismatischen Studien lebend‘, und ward am
$01
ДО‘

20. December unter grosser Volkstheilnahme mit militärischen


Ehren im Friedhofe zu St. Leonhard beerdiget. Hier kennzeich
net in der Nordwestgegend eine Steiuinschrift die Ruhestätte des
von schweren Leiden Erlösten. Sein Leben und Wirken aber be
schrieb J. Scheiger in den Mittheilungen des historischenVereines
für Steiermark. (VIII.) Dem Verfasser dieser Schrift ein väter
licher Freund, übertrug er das gleiche Wolwollen, das er einst
durch Wartinger genossen, wieder auf Andere.
Welterfahren durch die `Wcchselfahrten seines Standes,
war der kleine hagere Mann mit den lebhaften Augen und der
kräftig gewölbten Nase, mit der bleichen Gesiehtsfarbe und der
mehr hohen, dünnen Stimmlage der wahre Ausdruck zäher
Energie, die, nüchtern urtheilend, den geraden )Veg zum Ziele
einschlägt. Viel Autodidakt, wie es Pratobevera war, drang er
auch auf möglichste Kürze und sinnenfälligen Ausdruck in der
Forschung; das büchermachende Theoretisiren war ihm zuwider.
So fand er auf den keltischen Münzen unserer Landesausgrabun
gen unzweifelhaft das Pferd von der Race, wie es, schwerfällig
und mit niedergebogenem Rücken, unsere kreischenden Fuhrwagen
zieht. Was seine historischen Schriften betrifft, so hat er zur
numismatischen Literatur mittelbar beigetragen durch seine ,Kel
tischen und römischen Antiken in Steiermark‘ (Abdruck aus
dem Aufmerksamen, Grätz 1856), welche gelegentlich die, von
uns näher zu untersuchenden Münzstücke mit lnscln‘ift Nonnos,
Atta, Lenet, Biates und Adnam erwähnen und in einem eigenen
Abschnitte ,Alte ’ Münzen‘ das System der Münzkunde , des
Münzwesens Entstehung und Verbreitung, die keltische Gold
und Silbermünzung , die inner Landes gefundenen griechischen
und römischen Münzen und endlich die Fälschung (S. 43-48)
skizziren. Nicht minder anregend zur Bebauung des numismati
schen Feldes wirkte Pratobevera durch seine in den ,Mittheilun
gen des historischen Vereines für Steiermark‘ (III. 157) abge
druckten ,Numismatische Bciträge‘, worin er zwei Goldmünzen
des cirkovecer Fundes (Agrippina Neronis,Vespasianus) und eines
der beiden Pescennius - Stücke des Joanneums, Fund von Maria
Neustift nächst Pettau, beschreibt und die in den ,Mittheilungen
des historischen Vereines‘ (V. 107-124) erschienenen ,Fundorte
keltischer und römischer Antiken in Steiermark‘, worin tüchtige
Vorarbeiten für jede künftige steierische Münzentopographie ge
leistet sind. Wie im erstgenannten Beitrage durch die Aeusse
rung: ,Es kann hier natürlich von einem tieferen Eingehen in
die alte Numismatik nicht die Rede sein , da sich eine so ausge
breitete Wissenschaft_ _nicht mit einigen Blättern abthun lässt­‘, so
56

wirkte Pratobevera befruchtend für Folgearbeiten durch die


Andeutung im letztgenannten Beitrage, ,eine detaillirte Be
schreibung der in Steiermark aufgedeckten Münzen in Bezug auf
ihre Fundorte und die Antiken fülle gar leicht einen Band.‘
I/Vollen wir denn sehen, wie unter seiner scchsjährigen
Amtsíührung, die ebenso strenge als lehrreich und gemütvoll,
aber durch die beständige und endlich tödtliche Krankheit in
vielem Aufstrebenden darnieder gehalten war, die Landesmün
zensammlung sich entwickelte. Nebstdem dass im ersten Trien
nium das Cabinet über 400 antike, an 530 neuere und 40 speeiel
steierische Stücke gewann, unter jenen ein Theodosius II., Va
lentianus III., Justinianus I. und Filepicus, 23 Goldstücke des
cirkovecer Fundes, eine goldene Magnia Urbiea aus dem pettauer
Felde, ein kupferner Balbinus (Tarsus Ciliciae), ein Pescennius
Niger, ein silberner Gordianus aus Tüffer und ein vorzüglicher
Diadumenianus -— unter diesen 2 polnische Bracteaten , 12 aus
Judenburg, 2 aus Gleichenberg, ein Karl II. ven Kärnten, Acht
dukatenstück, 48 ungerische Silberkreuzer des 16.Jahrhundertes,
ein seltener siebenbürger Dukate Rudolph's II. (1598) aus
Panër, Stücke aus Indien und Hayti, ein nürnberger Lämmlein
Dukaten, Schlick’sche Familienmünzen, endlich unter den steieri
schen die 13% Dukaten schwere Goldmedaille auf Sigmund von
Herberstein (1609), Dukaten Erzherzogs Karl II. und Kaiser
Ferdinands III., ein steierischer Silberkreuzer, erwarb das Cabi
net noch Schweitzer's ,Görzer Münzen‘ und ,Abhandlung über
König Hugo’s III. von Jerusalem Medaille‘, dann, wie spät auch,
Eitl’s dreibändigen Katalog der Wcllenheim’schen Sammlung,
Bergmann’s ,Graubündtener Münzen‘, F. de Domenici’s ,Reper
torio Numismatico‘, Scotti’s ,Monete antiche‘ und des Fontana
Münzenkatalogs Fortsetzung.
Gleichzeitig war der historische Verein durch seine 78 Be
zirkscorrespondenten lebhaftig thätig gewesen in Eröffnung von
Heidengräbern sowol in Ober- als in Untersteiermark, wodurch
nicht wenige Münzen ans Tageslicht geschafft und die Fund
statistik ansehnlich bereichert wurde. In der Instruction für die
Bezirks-Correspondenten des historischenVereines für Steiermark
ist nämlich (unter ,II. Ausserordentliche Anzeige‘) auf die Funde
römischer, griechischer oder sogenannter barbarischer Münzen
bei Strassenabgrabungen und Umlegungen, beim Abreissen alter
kirchen und anderer gemauerter Gebäude, bei Stromregulirun
gen und Berg- und Hügelabgrabungen, beim Pflügen und Wald
abstocken hingewiesen. Der Mi-u1zensammlerK.Harb trat 1851 in
den Ausschuss der Gesellschaft.
57

Das zweite Triennium (1854-56) von Pratobeveras Leitung


brachte ein bei 480 antike, 560 neuere und über 20 steierische Mün
zen. Unter jenen ein goldener Trajan, Titus, AntoninusPius, Maxi
mianus Herculeus und Placidius Valentinianus, ein Adnamat, eine
schöne Bronce-Faustina, Kupferstücke aus Raswor, zwei Goldstücke
von Hiero II.; unter diesenDukaten vonLadislaus, Mathias Corvinus,
Ferdinand H., Joseph II. (Schwäbischhall), schweizer Münzen
durch C. G. R. von Leitner, welcher am 1. März 1858 sodann
vom Erzherzog-Stifter in das Curatorium berufen ward, eine
Medaille auf den englischen Numismatiker Richard Sainthill of
Thopsam (durch das Parlamentsmitglied Thoms Aclam Dyke),
Josef Franz Kaiser’s Ehrenmedaillen, eine breisacher Nothklippe
(1633), eine Goldmedaille des Degen F. Loredano, ein sehr sel
tener Dukate K. Rudolphs Il., aquilejer Bracteaten, und der sel
tene Goldgulden Herzog Alberts II. des Weisen. Der steie
rischen Abtheilung reihte sich ein die Grossbroncemedaille auf
Sigmund von Dietrichstein (1519) durch den Grafen Max von
Dietrichstein, ein dreifacher Thaler Ferdinands II., ein doppelter
des III., ein fünffacher Dukate K. Leopolds I., Bergmanns ,K. G.
Heräus‘ und,Pflege der Numismatik in Oesterreich‘, Frölichs ,No
titia numismatum antiquorum‘, eine ,Abhandlung über die Grund
sätze der Münzwissensehaft‘ und drei Kataloge (durch J. Neu
hauser in Wien) bereicherten die Lehrmittelsammlung des
Cabinetes.
Gleichzeitig setzte der Geschichtsverein , dessen Anstalt
der Bezirkscorrespondenten damals noch nicht wie heute bis auf
ein paar begeisterte Männer herabgekommen war, seine Nach
grabungen und Sammlungen fort und gewann durch den rühmlich
bekannten Universalhistoriker Dr. J. B. Weiss die Mitwirkung
des im numismatischen Fache vielbewanderten und mit Auszeich
nung anerkannten Keltologen Dr. Heinrich Schreiber zu Freiburg
im Breisgau. Dessen Abhandlung über ,die Feldzeichen der Kel
геn‘ (Mitth. V, 59) bringt sehr wichtige, gleichfalls auf Steier
marks Urbewohner beziehbare Forschungsergebnisse, und ergeht
sich auch über gallische Münzen der Provincia narbonensis:
Avenio, der Arverner, Santonen; von Aquitanien; der Gallia cel
tica: Andecavi, Armorici, Aulerci-Eburovices, Seguani, Turones,
Veliocasses, Senones; der Gallia belgica: Turnacum; endlich über
britische und spanische Münzdenkmale. Baron von Callot
zu Grätz, ein Freund Pratobevera’s, hat die keltischen Münzen
hiezu mit grosser Feinheit in Stein gravirt. Der auf acht Jahre
zu Bereisungen und Vorträgen gewonnene Landesarchäolog
Karl Haas begann seine Wirksamkeit noch Ende 1855 und hat
х
58

nicht wenigen Metalldenkmälern den Weg in das Landesmuseum


gewiesen. Anton Steinbüchel von Rheinwnll, die numismatische Ge
sellschaft in Berlin und 84 andere geschichtforschende Gesellschaf
ten standen fortwährend in freundlichem Verkehr mit dem Vereine.
Ebendemselben übergaben P.Jakob Wichner zu St. Lorenzen im
Paltenthale, der cilierMagistrat und der dortige Bahnamtsverwal
ter F. Uhl eine ansehnliche Zahl von Münzen und in dieser Zeit
hat überhaupt für J. G. Seidls ,Fundehronik‘ Steiermark in nu
mismatischer Beziehung nach Siebenbürgen die grösste Ausbeute
geliefert. Fast mit Jahresende 1857, nachdem 164 antike (66
eonsulare) hauptsächlich durch Hauptmann Fuchs und gegen
200 neuere Münzen, darunter 138 Bracteaten und ein goldener
J. Ulrichvon lÍggenberg(1629) der Sammlung zugewachsen waren,
ingleichen durch den Landeomthur Grafen Attems 13 numisma
tische Werke (Schulthess-Rechberg’s ,Thalercabinet‘, 3 Bände,
Renesse-Breidbach-’s ,Amusemens numismatiques‘, 3 vls., Nelken
brecher’s ,Taschenbuch derMünz­, Mass- und Gewichtsverfassung
aller Länder‘, Schweitzer’s ,Abrégé de 1‘ histoire des comtes de
Gorice et série de leurs monnaies‘, durch Neuhauser Ruzizkafs in
Jungbunzlau Münzenkatalog, endlich auch jener des de Traumi),
starb Pratobevera, der noch im Vorjahre die Sammlung allein
mit 167 antiken Münzen bereichert, zcitweiligen Verkehr mit dem
sehr emsigen Thalersammler Marquis Selliers de Moranville er
öffnet und für denMünzensaal dasBild des geistvollen Entdeckers
und Förderers Prokesch-Osten erworben hatte.
Nach dem Tode Pratobevera/s übernahm der J. U. Dr.
Karl Schmit, Ritter von Tavera (geb. 31. Juni 1832 zu “Чел,
studierte zu Lucca und “Пси 1848-56, promovirte zu Grätz
1856), zuvor Amanuensis der Universitätsbibliothek, die proviso
rische Leitung des Archives, Münzen- und Antiken-Cabinetes am
18. December 1857. Literarisch thätîg durch seine 1) ,Bibliogra
phie zur Geschichte des österreichischen Kaiserstaates‘ (Wien.
Seidel 1858), seinen Bericht über 2) ,Das Archiv am Joanneum
in Graz‘ im Notizenblatt der Akademie der Wissenschaften (1859
Nr. 5, S. 81-86), worin die Entstehungs- und VerWaltungs­Gre
schichte des Joanneumarchives mit planvoller Sachlust skìzzirt
wird; durch den Beitrag von 26 ganz neu copirten 3) ,Urkunden
aus dem Archive des aufgehobenen Cisterzienserstiftes Neuberg
zur Geschichte von Spital am Semmering‘ (J. 1160-1331 in
Mitth. 1859. IX. S. 206), liess er den Bogenkatalog der Münzen
sammlung des Joanneums sammeln, denselben mit Ausnahme
der keltischen Partie als Codex herstellen und einen auszugs
weisen Zettelkatalog über die antiken und modernen Münzen und
59

Medaillen anfertigen, während er zugleich eine Schaustellung für


das Publikum mit Berücksichtigung der 2380 sehenswerthesten
Münzstücke, aus Wartingers Ordnung nach Eckhel herausgenom
men, durchführte. Da aber bei dem andauernden provisorischen
Zustande des ständischen Wesens die Systemisirung der Vor
standsstelle ungeachtet mehrmaliger Anregungen nicht erlangt
werden konnte, so legte Dr. Sehmit, mit Eifer seit Längerem den
galvano-plastischen Arbeiten, namentlich der Nachbildung selte
ner und schöner Münzen und Medaillen aller Zeiten obliegend,
seine Stelle am 8. October 1860 nieder. -
Im Triennium 1858-60 war das Münzencabinet, räumlich
gesondert von dem im Landhause untergebrachten Archive, die
längste Zeit verlassen gestanden, und es konnte der wissenschaft
liche Geist fast aus diesen Hallen gewichen scheinen. Nur
15 Münzen, darunter 3 antike (ein seltenes Goldstück von Leo I.),
kamen im ersten Jahre ein, während das zweite Jahr doch im
Ganzen an 50 Stück, nämlich 3 antike (ein goldener Leo Isauri
cus) und unter Anderem 20 Bracteaten aus Böhmen, sowie War
tingers Preismedaille für Moralphilosophie (1812) einbrachte. Im
dritten endlich spendete der Internuntius Prokesch - Osten allein
25 schöne und seltene-griechische und römische Münzen in Gold,
Silber und Bronce (Aegospotamos, Cnidos, Lebedos, Terone,
Tarsos, von Valentinianus, Philippus, Valens, Alexander Severus;
Seleucos, Sapores, Philhetaeros u. a.), denen sich nur noch 6 antike
und 22 neuere anschlossen. Wir erwähnen von diesen eine ku
fische Glasmünze, eine lederne Nothmünze des Degen Memo,
eine solche von Brescia und Leyden (1574), sämmtlich durch
Dr. Schmit- Tavera; dann die im grätzer Basteischutt gefunde
nen und durch den Conservator J. Scheiger überbrachten Stücke,
worunter ein schwabacher Dukaten. Die Handbibliothek erhielt
durch den Landeomthur Grafen J. Attems das Dudiksche Deutsch
ordens-Münzwerk, Prachtausgabe (Wien 1858) und Brandenburg’s
,grosse und kleine Münzen.‘ (Berlin 1855.) Der Katalog über die
Schaustücke von 200 Medaillen, 740 neueren und 1440 antiken
Münzen ist ebenso wenig im Druck erschienen wie jener über die an
deren Sammlungsausstellungen und das Handschriftenverzeichniss.
Der Geschichtverein vermittelte in dieser Zeit nur die Ver
handlungen des im Ausgrabungsfache rastlos thätigen, zu Mureek
ansässigen Münzenfreundes Dr. J. Krautgasser mit dem General
Director der königlichen Museen in Berlin, Wilhelm von Olfers
über die bei Mureck am Fusse des Jagerberges gefundenen Halb
Bracteaten und erweiterte um 25 die Zal der mit ihm verkehren
den Gesellschaften. In diese auch durch politische Stagnationen
’ 60

getrübte Periode fiel noch das Ableben des erzherzoglichen Stif


ters am 11. Mai 1859, nachdem derselbe die numismatische
Sammlung seiner durch 48 Jahre fortgefîihrten Anstalt nur selten
mehr besucht hatte. “даnи, wie des Curatoriums Jahresbericht
von 1859 sagt, ,die Geschichte der fast fünfzigjährigen Vergan
genheit des Joanneums vorzugsweise in der Geschichte der von
Höchstdemselben erhaltenen unzählbaren Wohlthaten besteht‘,
so ist damit hingewiesen und im Vorangegangenen entwickelt,
was der Erzherzog für die Pflege der Numismatik in Steiermark
durch Anlage eines Münzen-Cabinetes im Joanneum geleistet
hat. Sowie wir aber gesehen haben, welche ganz hervorragende
Rolle eben diese Anstalt in der Geschichte der Pflege der Numis
matik in Steiermark spiele, so tritt uns mit dem Heranrücken
der Halbjahrhundertszeit ihres Wirkens auch deren strenge Pflicht
entgegen, ihre Früchte in Bezug auf münzenkundliche Belehrung
des Volkes und numismatische Leistungen in der Literat\u‘ auf
zuzeigen.
Nachdem seit Ausgang 1860 in der althergebrachten Weise
der Münzenkatalogisirung, welche weder Namen, noch Erhaltung,
Literatur und Provenienz des Stückes durchweg beachtete, fort
gefahren, manch ein Hundert unverzeichneter Münzen beschrie
ben und der Zettelkatalog in geographischer Ordnung eingestellt
worden war, übernahm endlich, wie am 30. April 1861 (wenige Tage
nach dem Tode des der Numismatik besonders zugewandten Prä
laten von Reun und Curators Ludwig Crophius von Kaiserssieg),
das Archiv, so den 11. November auch das Münzen- und Antiken
Cabinet in seine Leitung der, bei den deutschfeindlichen Verhält
nissen in Ungern disponibel gewordene Professor der österreichi
schen Staatengeschichte an der Rechtsakademie zu Pressburg,
Joseph Georg Zahn.
Geboren zu Enzersdorf in Niederösterreich 1832, gebil
det auf den Gymnasien zu “Чеn, Gratz, Prag und der Univer
sität der Kaiserstadt, wo er 1851-1857 juristische und philo
sophische Studien betrieb, äusserte er als Schüler des histori
schen Seminars und des paläographischen Institutes unter Jäger,
Aschbach, Siekel eine hervorragende Thätigkeit, so dass er von
staatswegen wissenschaftliche Reisen in Deutschland unternehmen
und Archive und Bibliotheken zu München und Nürnberg durch
forschen konnte. Durch Graf Thun seit 1859 mit der Lehrkanzel der
österreichischen Staatengeschichte an der Rechtsakademie zu Press
burg bedacht, förderte er, wie schon als Professurs-Candidat, eif
rig die Zwecke des germanischen Museums in Nürnberg, durch
forschte die Schätze sowol des österreichisch-kaiserliehen als des
61

königlich - baierischen Staats- und Reichsarchives , sowie die


Klosterdocumente von St. Lambrecht und stand mit den Geschicht
vereinen mehrer österreichischer Länder in mehrfachem Verkehr.
Zahn fand für die ,Reihenfolge der Bischöfe von Lavant‘, wie sie
Dr. K. Tangl (des Joanneums Curator vom Mai bis December
1863) festgestellt hatte, im J. 1859 zu München im k. Reichsar
chive einen bis dahin unbekannten Bischof Wulfing (von Stuben
berg, 1208-1304) und dies Verdienst anerkennend nennen J. G.
Zahn zuerst die ,Mittheil. 1860 IX. 252.‘ - Ein Jahr darauf war
J. G. Zahn Leiter des mit dem Archive vereinten Münz- und An
tikencabinetes. “Тaз ег 11ìе1‘ für die Belebung einer ächtwissen-
schaftlichen Gewinnungsweise der kostbaren Geschichtsquellen
aus den, nach neuen Gesichtspunkten systematisch geordneten
Schätzen gewirkt, was er durch Organisationspläne, die ebenso
erschöpfend und ausführbar gedacht als trefflich dargelegt sind,
was er endlich durch die Anknüpfung in- und ausländischer Ver
bindungen und die Heranzichung neuer gediegener Kräfte für die
nächste Zukunft angebahnt, das liegt eben uns zu nahe, als dass
wir es an dieser Stelle mehr, denn andeuten können. Im Geschicht
vereine, als dessen Ausschuss er fruchtreich wirkt , hat Zahn die
Herausgabe der ,Beiträge zur Kunde steiermärkischer Geschichts
quel1en‘ gegründet, .in welchen auch der Pflege der Numismatik
Platz eingeräumt ist.Wir heben aus seinen literarischen Leistungen,
Welche sämmtlich mit Auszeichnung das Gebiet der Diplomatik
bebauen, folgende hervor: 1) Heckenstaller’s Freisingensia zu Mün
chen. Notizbl. d. k. Ak. d. W. 1858. 2) Eine ungedruckte Ur
kunde König Otakars II. für Kloster Garsten. Notizbl. d. k.Ak. d.
W. 1859, Nr. 20, S. 369-373. 3) Zur Geschichte der österrei
chischen Freiheitsbriefe. Anz. f. K. d. Vorzeit. 1857. 4) Ueber
eine Urkunde König Friedrichs II. ebd. 1860. 5) Das Privile
gienbuch der ehemals freisingischen Stadt Bischoflack in Krain
Mitth. d. hist. Ver. f. Krain. 1859. 6) Niederösterreichisehe
Banntaidinge und zünftische Satzungen. A.f. K. öst. G. Q. H. 25.
Wien 1860. 7) Die Leistungen der freisingischen Unterthanen
in Krain am Beginne des 14. Jahrhunderts. Mitth. d. hist. V.
f.Krain 1861. 8) Zur Frage nach dem Alter der frühesten Papier
urkunden. Ebd. 9) -Die freisingischen Sal-, Copial- und Urbar
bücher und ihre Beziehungen zu Oesterreich. Mit zwei Faesimi
lien, Urkundenbeilagen und Verzeichnissen. A. f. K. öst. G. Q.
XVII. 1861. 10) Der Patronatsstreit zwischen den Bischöfen von
Freising und Lavant um die Pfarre St. Peter am Kammersberge
in Obersteier. A. f. K. öst. G. Q. XXVI. 1861. 11) Die freisingi
schen Güter der Steiermark und deren ökonomische Verhältnisse
62

am Beginn des 14. Jahrhunderts. Mitth. 1862. XI. 52. 12) Ueber
eine jüdische Urkunde des 15.Jahrhunderts. ebd. S. 195. 13) Ma
terialien für steiermärkische Geschichte a) aus München b) aus
Dresden, in ,Beiträge zur Kunde steiermärkischer Geschichts
quellen I. 5. 14)Verzeichniss der Handschriften der k. k. Univer
sitätsbibliothek zu Grätz. ebd.I.17. 15) Ueber der Anonymus Leo
biensis, ebd. I. 47.
Fassen wir übersichtlich die sammelnde und bearbeitende
Thätigkeit dieser drei Jahre (1861-64) zusammen, so ist zunächst
voraus zu schicken, dass der Custos des Gesammtinstitutes, Dr.
G. Göth, welcher wenige Wochen nach Dr. Schmit-Tavera’s
Ausscheiden am 17. November 1861 auch das Münzencabinet in
seine Obhut nahm, zuerst eine genaue Zählung des Münzenschat
zes durchführte. Dies bei Gelegenheit des Halbjahrhundertsfestes
des Joanneums, welches der durch seine umfassendentopographi
schen Arbeiten bestens bekannte Custos Dr. Göth mit einer Jubel
schrift ,Das Joanneum in Gratz‘, Professor Radnitzky aber mit einer
sehr schönen, in Bronce (300 St.) und in Silber (4 St.) ausgeführten
Denkmünze feierte. So hatte denn das Joanneumcabinet in den
fünfzig Jahren seiner Wirksamkeit durch Kauf, Tausch und
Schenkung seitens mehr als 1200 Personen von einer speciel
steierischen zu einer Universalsammlung von 25,230 Stück Mün
zen und Medaillen sammt einer Sammlung von Münzpapieren
und Prägestempeln sich erschwungen und zälte im Besonderen:
Antike Münzen 9417 (Gold 171 , Silber 1707 , Kupfer 7539);
neuere 12917, unter welchen 26 Bracteaten und 2309 Halbbrac
teaten (Gold 384, Silber 8194, Kupfer u. dgl. 4339) und Medail
len 2896 (Gold 138, Silber 1156, Bronce, Kupfer, Blei u. dgl.
1602). Davon entfiel allerdings der Mindesttheil auf die zuerst
angelegte speciel steierische Sammlung. Das mit .kaiserlicher Aus
stattung viel länger thätige wiener Münzencabinet zält nach dem
letzten Ausweise von 1854, publicirt 1863, е1nе Summe von
125153 Münzen und zwar antike 61457 (Gold 3104, Silber
24568, Kupfer u. dgl. 33767), neuere 55987 (Gold 8345, Silber
40840, Kupfer u. dgl. 6802), wozu 3957 orientalische und 3752
falsche Stücke kommen. Gegen diese, in einem Halbjahrhundert
angesammelten Münzschätze kann daher bei dem sein‘ ermatteten
Volkseifer für vaterländische Alterthumssammlungen und bei der
Thätigkeit vieler unwissenschaftlicher Privatsammler der Erwerb
späterer Jahre, für den noch 2000OAufstellungsplätze erübrigen,
noch langehin weniginßetrachtkommen. Dennoch erwarb das Joan
neumcabinet im oberwähnten Zeitraume über 1150 antike und an
1600neuereMünzen,insgesammt mehr als 2755 Stück und an 40Pa­
63

piergeldstücke. (Hiervon auf das Jahr 1861 83 Stück, 10 antike,


73 neue; auf 1862 1376 Stück, 862 antike, 514 neue; auf 1863
777 Stück, 92 antike, 685 neue und endlich auf 1864 beiläufig
519 Stück, 199 antike, 320 neue.) Unterjenen nicht weniger als 210
griechische und römische Kupfer- und Silbermünzen , welche Dr.
Franz Unger von seiner Reise aus Kleinasien und Cypern mit
gebracht hatte, 25 griechische aus der Sammlung des früheren
Directors der königlichen Gärten zu Athen, Th. Heldreich (Leucas
Acarnaniae; Dipoea Achaiae und Dyme, Megara, Patrae, incertus;
dann Megalopolis und incerti Arcadiae; ferner Argos, Athene,
Corinthus, Loeris, Aeniana und incertus Thessaliae, Acanthus
Macedoniae und Hide Pamphyliae) ; ferners 650 römische Denare
der Gadolla’schen Sammlung, fast sämmtlich in der Umgebung
Cili’s gefunden, darunter 16 Consularstücke, denen sich 4 aus der
Baron Karg’schen Sammlung anreihen ; endlich 4 keltische.
Unter diesen: 13 Goldmünzen aus dem gräflich Ignaz von At
tems’schen Nachlass durch Graf Friedrich von Attems, 30 Brac
teaten von Städten und Bischöfen Ostpreussens und Meklenburgs
aus dem brodaerFunde, gegen 26 Stück baierischer, österreichischer,
salzburgischer Halbbracteaten eingetauscht; ein sehr schöner
Denar König Ethelreds, ein Tock von England, und ein costnitzer
Bracteat, ein steierischer Pfennig mit ,Schilt von Steir‘, ein eggen
berger Doppelthaler von 1645; Thalergoldabschlag 1629; ein kärn
tiseher Thaler 1682 und seltene görzer und aquilejer Pfennige
des 13.-14.Jahrhunderts, zwei sehr schöne Maximilianthaler, ein
Thaler Karl’s VI. auf Steiermark (1712), ein Dukate (1567), ein
Doppelthaler Ferdinand’s II. (1621), ein st. Fünfdukatenstück,
2 steierische Thaler von 1581 und 1589, dann 4Medaillen- und 21
Münzstempelcopien, während die ,BerlinerßlätterfürMünz-, Siegel
und Wappenkunde‘ (1­3), Grote’s ,Münzstudien‘ (1-8), die
,Revue numismatique de France‘ (1, 2), Engelken’s ,Aeltere
und neuere Münzen‘, dann die Kataloge der Sammlungen von
Rolas du Rosey, Maretich und Erbstein, endlich insbesondere
Cohen’s ,Monnaies consulaires‘ 6 Bände der Bibliothek sich
einreiheten. In Bezug auf die Aufstellung der Münzensamm
lung -wurden in den Schaukasten Sorten eingefügt, die nicht
vertreten waren, diesen erklärende Gesammt- und Einzelzettel,
besonders der nach festen Gesichtspunkten geordneten neuesten
Medaillen beigegeben und das erste Mal, wie es Baron Bretfeld
seiner Zeit gethan, eine Aufstellung der Münzpapiere von den
Assignats herab bis zu den neuesten, zum Theile gevierttheilten
Producten veranlasst. Leider konnte noch eine Sammlung instruc
tiver Fälschungen, wie sie Grüsse für jedes Cabinet fordert, nicht
64

eingerichtet werden. Die numismatische Ausstellung in Verein


mit den übrigen hat seit Wiedereinführung des Volksbesuches,
welcher nicht zweimal, wie im kaiserlichen Cabinete, sondern nur
einmal die Woche gestattet ist, in dreien Jahren an 16000 Be
schauer *) herangezogen. Es pflag die Sammlungmit Numismatikern,
wie J. Neumann in Prag, dem Verfasser von ,Beschreibung derbe
kanntesten Kupfermünzen‘ (seit 1856), mit Dr.Gentzen, Vorstand
des grossherzoglichen Münzcabinetes zuNeustrelitz, mit Th. Held
reich in Athen; mit Münzenhändlern wie Ecker, Koppitsch, Neu
hold in Grätz, Oberndörffer, Dolhopf, Egger in Wien, Geuder
zu Nürnberg, Drentwett zu Augsburg Verkehr und mit Museen
wie dem grossherzoglichen zu Neustrelitz, dem brünner nutz
baren Austausch. Nicht wenig wichtig war dem Münzencabinete
die reichliche Geldunterstützung von Seite des aus neuen Kräf
ten gewählten Landesausschusses und aus Privatmitteln des
Landeshauptmannes Karl Grafen von Gleispach (1861). Es liegt
überhaupt in dem neuesten Aufblühen aller Zweige des Joanneums
der beste Beweis, dass politische, verfassungsmässige Freiheit
auch neues Leben in die Wissenschaft bringe und reichlich nach
hole, was in feudalen Zeiten durch möglichste Beschränkung wis
senschaftlicher Anstalten und ärmliche Dotirung der an selben
wirkenden Männer fast im Keime erstickt worden. Neue Thätig
keit, neuer lebendiger Sinn für zukünftig zu Erreichendes sprosst
von allen Seiten auf. In der Sonne einer wenn auch nicht unum
wölkten Landesautonomie sind allgemach die Keime jenerReorga­
nisation gross geworden, welche das Joanneum in allen seinen
Fachanstalten, dereinst Vorbild f`u-r jetzt vorgeschrittenere Insti
tute, nachgerade nicht mehr abweisen konnte. Während, um nur das
Mindeste zu erwähnen, in Ansehung derArbeitsart für die Beschrei
bung der Münzen des Cabinetes eine neue, erschöpfende Form
gewählt wurde, berücksichtigend Aufstellung des Stückes nach
Kasten, Lade, Feld, Benennung der Art, Legende und Type von
Avers und Revers; Stoff, Gewicht in Grammen , Grösse nach
Appel, Erhaltung, Künstler, Präge- oder Sehlagstätte, Lite
ratur, die Provenienz in Bezug auf Fundort, Zeit, Person, Preis,
wurden auch in Absicht auf die Arbeitskraft zur Stelle des Archi
vars und Cabinetsvorstandes und jener des zweiteinzigen Beamten
(erst Copist, dann Ófficial und zuletzt erster Adjunkt genannt)
noch zwei neue geschaffen. Zwei absolvirteMitglieder des Institutes
für österreichische Geschichtsforschung ìn Wien wurden hiefîìr
berufen. Es sind dies Mathias Pangerl und Raimund Schubert.

*) Hievon 5484 auf Jahr 1862, 6071 auf 1863 und beiläufig 4384 auf 1864.
65

M. Pangerl (geb. am 10. März 1834 zu Honetschlag im süd


lichen Böhmen) studierte zu Budweis das Gymnasium, dann an
den Universitäten zu Prag und Wien, schliesslich im Institute
für österreichische Geschichtforschung. Seine Schriften: Beiträge
für die Fromann’sehe Zeitschrift ,Deutsche Mundarten‘; Codex
Strahoviensis; Regesten der böhm. Herren von Rosenberg (noch
ungedruckt); Regesten der Bischöfe von Prag (noch unge
druckt) ; Urkundenbuch des Cisterzienserstiftes Hohenfurt in
Böhmen ; Mittheilungen aus dem hohenfurter Stiftsarchive
(druckfertig); Regesten des Stiftes St. Lambrecht (Reinschrift
in 3 starken Quartbänden zu St. Lambrecht); Register des
Urkundenbuches des Stiftes Altenburg (unter der Presse);
Ueber Johann Mannesdorfer, Chronisten des Klosters St. Lam
brecht, Beitr. zur K. st. G. Q. I. 103; Todtenbücher des Stiftes
St. Lambrecht (in Bearbeitung). ~
Raimund ‘Schubert (geb. 29. August 1839 zu Bodenstedt in
Mähren), gebildet am Gymnasium zu Olmütz, an der Universität
und dem Institute für österreichische Geschichtforschung in
Wien (1858-62), später Präfekt an der theresianischen Ritter
akademie, eine hoffnungsreiche Kraft, von Arneth erweckt und
gefördert, ward dem Cabinete schon am 19. März 1864 nach
kaum fünfmonatlicher Thätigkeit durch den Tod entrissen. Schu
bert, auch ein glücklicher Pfleger der Dichtkunst, ruht auf dem
selben Friedhofe wie Pratobevera. Ein zierliches Steinkreuz
schmückt seine Grabstätte.
Durch die Erhöhung der Dotation von ursprünglichen
300 fl. auf 800 fl. für die drei noch vereinigten Fächer war end
lich dem vestigenden Landtagsbeschlusse vom 4. März 1863 die
Krone aufgesetzt worden. Nun vermag die Landesmünzensamm
lung ebensoviel der universellen Richtung nachzugehen, als die
einheimischen Funde, so gut es ihre Beziehungen durch das Land
erlauben, an sich heranzuziehen. .
Der Geschichtverein, dessen Ehrenmitgliederverzeichniss
Namen wie Arneth,Bergmann, Eitel, Prokesch-Osten, J. G. Seidl,
Mommsen, zieren, steht dem Münzencabinete fortan fördernd zur
Seite und vermittelt, wie zuletzt durch die Weinhold’sche Samm
lung von 55 Medaillen auf habsburgische Kaiser und aufHerzoge
der sächsisch-ernestinischen Linien, und neustens den tüfferer
Fund, dessen Bereicherung.
Wir haben in der Darstellung der Entwickelungsgeschichte
des Joanneumcabinetes öfter eines Mannes gedacht , der füglich
dessen dritte Säule genannt werden kann, eines Gelehrten, des
sen Verdienste um die Numismatik gerade auf ihrem schönsten
5
66

und künstlerisch vollendetsten Gebiete erst die Zukunft wird


recht zu würdigen wissen.
Anton Baron Prokesch-Osten, der Sohn des von K. Jo
seph II. persönlich gekannten Staatsgüterinspectors und Herr
schaftsbesitzers zu Grottendorf im Mürzthale, ist zu Grätz am
10. December 1795 geboren. Seit seinem fünften Jahre mit
Büchern vertraut, namentlich historischen und oètischen, von
Professor Julius Schneller, (jenem freisinnigen, diirch des geist
vollen Gentz’ Intriguen ausgetriebenen und zu Freiburg im Breis
gau verstorbenen Historiker, welcher sein zweiter Vater gewor
den war), in Kunst und Wissenschaft eingeführt, ward er, ein
muthiger und kecker Kriegsmann im Regimente Jordis, nach
vollendeten Kriegsläuften von 1813 und 1815 nicht Advocat wie
er dachte, sondern Professor der Mathematik an der olmützer
Cadettenschule. Seit 1818 als Adjutant des Feldmarschalls Für
sten Karl von Schwarzenberg sein treuer Geleiter nach Prag
undLeipzig, dann als Hauptmann bei Prinz Leopold von Sicilien
in Garnison zu Triest (1823), ward er durch des Meeres Anblick
zur gründlichsten Kenntniss des Orientes vorgeweiht. Griechen
land, Kleinasien, Constantinopel, Aegypten, Nubien erschlossen
ihre Quellen dem Unermüdlichen, der nach einer Reihe denk
würdiger Fah.rten, voll von Perlen der Schönheit und Dornen
der Gefahren, 1827 von Smyrna aus als Chef des Generalstabes
der österreichischen Flotille dem Seeräuberunwesen steuerte
und 1828, nachdem er längere Zeit für verloren gegolten, die
Auswechselung griechischer Gefangener, 1829 die Begünstigung
der Christen in Palästina und Galiläa vermittelte. Aus dem
freien Griechenland und dem vertrauten Kreise .seiner Führer
abberufen, mit Orden und Titel (von Osten) geschmückt, schloss
er in seiner Vaterstadt Freundschaft mit dem Herzoge von
Reichstadt, bereisete Deutschland, besuchte seinen Stiefvater
Schneller zu Freiburg mid beschenkte den dortigen Geschicht
verein mit hundert autographischen Copien griechischer Inschrift
steine. Nach dem italischen Kriege von 1831 zu Bologna, 1832
beider Gesandtschaft in Rom weilend, ward er wieder nach
dem Orient berufen, versuchte, dem Sturmestod entgehend, die
Vermittelung zwischen Stambul und Aegypten und glänzte end
lich 1834 bis 1840 als österreichischer Gesandter am Hofe
zu Athen, gewandt in der steten Opposition gegen England,
Frankreich, Russland. Nach fünfzehnjährigem Wirken am 18. Fe
ber 1849 im Hafen von Piräus aussegelnd, ging er in einem
Zeitraume nach dem berliner Hofe, als dort die deutsche Kaiser
krone den Habsburgern abgenommen werden sollte. Hierselbst
67

bis 1852 in Erhaltung des Friedens eifrig thätig, ward er 1853


Präsidialgesandter zu Frankfurt, wirkliches Mitglied der kais.
Akademie der Wissenschaften zu Wien, Feldmarschall-Lieute
nant , zuletzt Internuntius am türkischen Hofe und erblicher
Reichsrath.
Nicht der energische, zielsichere, redebegabte, poëtisch
wirkende Staatsmann, dem das Volkswohl oberstes Gebot, nicht
der Länderkenner und besonders der nur von Fallmerayer über
troífene Orientalist, nicht der viel zu wenig gekannte, an Göthe
und Platen durch klares, reines Gefühl und classisch-einfache,
gehaltvolle Sprache erinnernde Dichter (von Liedern , So
netten, Heldengedichten [Makkabäer] und Trauerspielen) ist es,
welcher uns hier beschäftiget. Seine-Werke *) sind Edelsteine
poëtischer, historischer, ethnographischer Literatur. Wie Pro
kesch schon überhaupt _in seinen Reisebüchern allenthalben auf
Schätze des Alterthums hinzuweisen liebt, archaeologische Unter
suchungen mit Anspruchlosigkeit vorträgt ‚ unter Anderem
das alte llion genau dem Boden von Troja anpassend nach
weist, so hat er uns einen unabsehbaren Schatz altgriechischer
Münzen aufgeschlossen, dessen Studium allein ein Gelehrten
leben vollends auszufüllen vermag. Was uns nun mit beschränkten
Mitteln zu erreichen vergönnt war, wird in der nachfolgenden
Reihe seiner Abhandlungen angedeutet.
Prokesch-Osten ,an der Hauptquelle menschlichen Wissens,
wo Plato’s Schüler zuerst mit dem Worte Akademiker bezeich
net wurden‘ (Arneth’s Worte), hatte durch die Gunst der Ver
bindungen, obwol mit geringen Mitteln, auf häufigen Wanderun
gen in Hellas das Glück, unter Tausenden von gesehenen Mün
zen viele Autonom- Münzen zu entdecken und er gab die erste
Kunde davon in Eduard Gerhard’s ,Archaeologische Zeitung‘ **),

*) Denkwürdigkeiten aus dem Leben des Feldmarschalls Fürsten Karl von


Schwarzenberg “Чел 1822. Erinnerungen aus Aegypten und Kleinasien.
3 Bände. Wien 1829-1831. Das Land zwischen den Katarakten desNi1s.
Wien 1831. Reise ins heilige Land. Wien 1831. Schreiben über den Herzog
von Reichstadt. Freiburg 1838. Denkwürdigkeiten und Erinnerungen aus
dem Orient. Aus Julius Schneller’s Nachlass. Stuttgart 1836~3~7 (durch
Ernst Münch). Kleine Schriften. Stuttgart 1842-47. Geschichte des
Freiheitskampfes der Griechen. 1845. Aufsätze in der ,Oesterreichischen
militärischen Zeitschrift‘, in unserer ,Steiermärkischen Zeitschrift‘ (12. Heft
über die Malerei der Alten), in den ,Wiener Jahrbüchern der Literatur‘
(1832-34),in der ,Berliner archaeologischenZeitung‘, im ,Corpus inscriptio
r111111‘, den ,Europäischen Annalen‘, der ,Wiener-Zeitschrift für Kunst, Litera
lur‘ u. s. w. (1831-33), ,Echo‘ (1834) и. v. a.
**) Griechische Münzen aus der Sammlung Sr. Exc. des Herrn von Prokesrh
Osten. Archaeolog. Zeitg. 1843 Nr. 9. 1844 Nr. 21. 1845 Nr. 32. 1846
Ö*
AA.
68

Berlin 1843-52. ,Nicht bekannte, curopäisch­griechische Mün


zen aus der Sammlung des Herrn Prokesch von Osten. Mit
getheilt von demselben‘ erschien in den Abhandlungen der
hil. histor. Classe der berliner Akademie 1845. S. 71-97.
Diese Abhandlung, sich anschliessend den Ineditis in Gerhard’s
,Archaeologische Zcitung‘ Taf. IX , XXI, XXII, betrifft Byzan
tium, Perinthus (Elagabalus nicht Caracalla), Cardia (ein Stück
mit KA durch Prokesch im Joanneum), Lysimachia, Sestus,
Thraciae; Myrhina Lemni; Samothrace; Lysimachus Thraciae rcx;
Dium, Neapolis, Pella, Thessalonica Macedoniae und Könige
Philipp I., II., Archelaos, Alexander III. M. (36 neue Mono
gramme und Münzorte), Alexander IV., Demetrius II.; ferner
Heraclea, Lamia,Malienses, Pherae, incerta Thessaliae; Peparethus
insula; Appollonia, Dyrrhachium Illyriae; Alexander II. Epiri
rex ; Corcyra insula; Heraclea Acarnnniae;Aetoli; Loeri; Opuntii;
Scarphaea Loeridis; Anticyra, Elatea Phocidis; Lebadia, Orche
menos, Tanagra Bœotiae; Athenae, Megara Atticae; den achaischen
Bund (10 Monogramme); Aegium , Bura , Corinthus, Dymee,
Phlius Achaiae; Elis regio ; Messenia; Lacedaemon , (Name
völlig), Argos (Wolf mit 11 Varianten), Cleonae, Epidaurus,
Midea, Trœzene, incerta Argolidis; Arcadia (stehender Pan) und
Orchomenos Arcadiae; Axus, Cydonia, Elyrus, Lyttus, Phaestus,
Praesus Cretae; Eubœa und Eretria Eubœae; Delos; Jos insulae;
Julis Cese; Melos; Naxos; Paros; Siphnos; Thera insulae und ein
paar unbekannte. Der Verfasser ergänzt die Forschungen eines
Eckhel, Mionnet, Borrel, Akermann, berichtiget Sestini und rettet
endlich der Fontana’schen Haliarthus-Tetradrachme, welche Cadal
vene bestritten hatte, gegenüber den syraischen Fälschungen die
Aechtheit. Drei Tafeln mit 67 Münzabbildungen beleuchten die
treffliche Abhandlung. Nach der ersten Kunde von neuen Münz
stücken der Malienser erkannte Prokesch später darin deutlich als
eine ,der anmuthigsten Entdeckungen der neuesten Zeit auf nu
mismatischem Felde‘, solche von Melitaea Thessaliae. (Denksehriften
1850, I.) Die Mittheilung über eine ganz unbekannte Münze des
Königs Amyntas war ebenfalls in Gerhard’s berliner archaeolo
gischen Zeitung 1846, IV. Jahrgang erschienen. Sie stammt vom
Funde zu Stratonicaea. Ebendort die nachmals für Athen in An
spruch genommene Zuweisung eines Pentobolons von Tarent.
S. 286, Taf. XLI. 14. (Vgl. Berliner archaeologische Zeitung
1847, Taf.
-¿;__.._;_lA

Nf.41,4a. 1847 Nr. в, 1о‚ 1848 p. 273. vg1.Bsi1sge 1847 p. so. 1848
p. 84. 1849 p. 28, 89. 1850 p. 191, 251. 1851 p. 382. 1s52 p. 401.
69

,Ueber die Münzen Athens‘ abgedruckt in den Abhand


lungen der königlichen Akademie der Wissenschaften zu
Berlin von 1848 (1850), 1-­21, weist trotz der umfassenden
und scharfsinnigen Forschungen Eckhel’s, Böckh’s u. A. nach,
was auf dem Gebiete des athenischen Münzgewichtes noch
zu erforschen sei. Prokesch hat die Aufgabe gelöst, ,aus
den vorhandenen Stücken das System der Gewichtsverhält
nisse zusammenzustellen und nachzuweisen als ein ganzes, alle
drei Metalle umfassendes.‘ Danach ist die Drachme der Hun
dertsttheil der Mine, die Mine der Sechzigsttheil des Talentes;
von den zwei Stylclassen geht die erste von Solon (vorsolonische
Münzen ganz unbekannt) bis in die Römerzeit, die zweite von der
Makedonierepoche bis tiefindie Römerherrsehaft. Die Münzenfolge
reicht von dem Viertelobole bis zur Drachme (Werth 336 Lepta).
Drachme (82l/4-79 par. Gran), auch Didrachme (II. Classe um
163) und Tetradrachme (Classe I, 329 par. Gran; II. 323, 318)
sind vorhanden; die Dckadrachme (815) passt nicht in dieses
System. Das Kupfer geht vom Lepton (15-25 Gran) bis zum
Dichalkus (180-250); das Gold vom Stater (162 уз), Halbstater
(80­9), zum Achtobolenstück. Diese von Pollux, Aristophanes,
Plutarch u. A. ausgehende Abhandlung beleuchtet die metrologi
schen Angaben Böckh’s, Mionnet’s, Letronne’s, Combe's, Borrell’s
und stellt neben den vier Classen der Tetradrachmen vor und
nach Perikles und der kleineren Silber- und Kupfermünze noch
ein fünftheiliges System als durchscheinend hin. Auf diese Ab
handlung kömmt Prokesch-Osten in seinen Incditis der Denk
schriften der kais. Akademie der Wissenschaften 1851 V. 257
ausführlich zurück.
Mit Beginn 1849 erhielt die kaiserliche Akademie die
Bearbeitung von 12 lneditis, welche sich an die 178 früheren an
schliessen. Diese Abhandlung ,Zwölf Inedita‘, erschienen 1850 in
der Denkschriften erstem Bande S. 331-33, erklärt einen Stater
von Lampsakus, eine Goldmünze von Elis, ein Stück des Makedo
nierküstenlandes, eines von K. Amyntas, Aristarchos; Melitaea,
Thessaliae; Chaeronea, Labadea, Tanagra Bœotiae; Oenoe
lcariae (?), Phocis und Pellenae Achaiae. Sie ergänzt und berich
tiget die Forschungen von Harwood, Cadalvene, Millingen, Aker
mann in der Sammlung des Ritters von Horta, sowie Schimko,
Letronne, in Bezug auf Mass und Werth, stellt, wie später wie
derholt, die phokische Kupfermünze von 3-3/4 Gran als die
kleinste hin, die irgend in einem Lande bestand oder besteht
(kaum 1/42 des österreichischen Kupferkreuzers CM.) und zeich
net sich durch mythologische und geschichtlicheBeweisführung aus.
70

,Inedita meiner Sammlung autonomer altgriechischer Mün


zen‘ erschienen 1854 ìп den Denkschriften der philos. histor.
Classe der wiener Akademie Bd. V. S. 231-295 und theilen
sich nach einer kurzen aber gedankengrossen Einleitung in ein
europäisches, asiatisches, afrikanisches Gebiet. Es kommen
in Betracht Cherronesus taurica; Pantieapaeum, Olbia, Sar
matenkönig Teres, Tomi Mysiae; Abdera, Aenus, Cypsela, Ma
ronea, Mesembria, Odessus, Perinthus und Seuthes IV. Thraciae;
Agathopolis, Cardia Cherronesus, Crithote, Lysimachia, Sestus
des Chersonesus Thraciae sammt Insel Imbrus; Hephastia,
Myrhina Lemni; die Inseln Samothracc und Thasos; Thracier
könig Lysimachos, Paeoner Audolcon; Aldaeus Heracleae Tyr.;
Mende, Neopolis, Pella, Scione, Terone, Thermae, eine incerta
Drachme und die Könige Alexander I., IV., Perdikkas II., III.,
Archelaus, Amyntas III., Philippus II., IH., IV., V., 112Alexan
der M., Demetrius I., II., Antigonus II., Perseus; ferner Magi
stratsname Ainianes, dannElatea, Gyrton, Heraklea,Lamia, Larissa,
Larissa Cremaste, Magnesia, Mclitaea, Octsei, Pherae, Trieca
Thessaliae; Apollonia, Dyrrhachium, Scodra Illyriae; Epirotes,
Ambracia, Damasticum und K. Alexander Epiri; Molossi; Insel
Corcyra in zwei Reihen (über letztere Prokesch’ Sonderabhandlung
,Le medaglie autonome di Corcira‘); ferner Argos, Amphilochium,
Leucas, Thyrreum Acarnaniae; Actoli, Loeri; Opuntii; Scarphea
Loerorum; Phocis, Anticyra, Delphi, Elatea Phocidis; Chaero­
nea, Delium, Haliartus, Lebadea, Pharae, Platea, Tanagra,
Thebae, Thespiae Bœotiae; Megara, Aegina Salamis; Achaeer
bund; Aegium, Corinthus und Bund; Leucas und Dyrrhachium,
Loeri, Syracusae; Dyrrhachium und Leucas; Ambracia; Anacto
rium; Amphilochium; Heraelea Acarnaniae; Leucas; Lysi
machia; Patrae; Sicyon; Elie; Pcllene, Phlius, Sicyon Achaiae;
Elis ; Pisa (Olympia) Elidis ; Same Cephalleniae; Zacynthus ;
Messene, Thuria Messeniae; Lakedaimon; Argos Cleonae, Epi
dauros, Midea, Thyrea Argolidis; Arcadia, Caphya, Clitor,
Herma, Mantinea, Megalopolis, Orchomenos, Pheneus, Tegea,
Thelpusa Arcadiae; Uhersonesus, Cnossus, Cydonia, Itanus,
Phaestus, Polyrhenium, Praesus, Priansus Cretae; Eubœa, Ca
rystus, Chalcis, Histiaza Eubœae; Andros; Ceos, Coresia, Julis
Ceae; mit den Inseln Cythnus; Delos; Melos; Naxos; Paros;
Pholegandros; Seriphus; Siphnos; Syros; Tenos und Thera
schliesst der europäische Theil. Der asiatische umfasst Amisus
Ponti, Königin Pythodoris und König Sauromates IV.; Sinope
Paphlagoniae; Chalcedon, Heraclea Bithyniae; Cycicus, Gargara,
Gergitus, Harpagia, Lampsacus , Parium, Pergamus, Placia,
71

Trimerothyrei Mysiae; Abydus, Alexandria, Dardanus, Ha


maxitus, Ilium, Neandria, Skepsis, Sigeum Troadis; Tenedos;
Aegae, Larissa Aeolidis; Antissa, Mytilene Lesbi; Clazomene,
Ephesus, Erae, Erythrae, Heraclea, Lebedus, Miletus, Phocœa,
Phygela, Priene, Smyrna, Teos Joniae; Chios; Oinoa Icariae;
Samos; Alabanda, Apollonia, Bargylia, Cnidus, Eüromus, Hali
carnassus, Heraclea, Myndus, Stratonicaea, Tripolis, Maussolus,
Rhodus, Cariae; Calymnae; Cos; Cabalia, Gagae, Phaselis Lyciœ;
Teos und Kragos; Perga, Side Pamphyliae; Selge, Termessus
Pisidiae; Aegae, Celenderis, Nagidus, Tarsus Ciliciae; Blaundus,
Hyrcanum, Maeonia, Naerasa, Philadelphia Lydiae; Acmonia,
Amorium, Apamea, Kolossae, Dionysopolis, Hierapolis, Laodi
cœa, Metropolis, Sebaste, Synrada Phrygise; drei cappadocische
und achtzehn syrische Könige; Antiochia ad Mygdoniam ; Tyrus
Phœniciae; Aradus; altpersische Könige; zwei bactrische, drei trans
kaukasische, fünf indoscythische, einen Atlambilus I. Characerae;
einen Ptolemaeus Apion; endlich Cyrene und Ptolemais.- Die For
schungen eines Köhne, Chaudoir, Mionnet, namentlich in der
Alexandriner Beizeichen, Payne-Knight, Borell, Sestini, Ca
dalvene, Lenormant, Duchalais, Millingen, Brönsted, Pellerin,
Th. Bergh, Wilson, Raoul-Rochette, Sammlungen wie Thomas in
London (1844 zersplittert), Hunter , Strangford ergänzend,
hat Prokesch durch diese gehaltvolle Abhandlung die Unter
scheidung der Alexandriner in europäische und asiatische nach
dem Königstitel für unstatthaft erklärt und für Bestimmung
von Prägestätten ein Vestes gewonnen; das athenische, aegine­
tische, korinthische Gewichtsystem erfährt eine wiederholte
glänzende Beleuchtung, Böckh’s Masse erläuternd; das Geld
wesen wird aus Asien herübergeleitet; Erythrä’s Bedeutung
numismatiseh erwiesen , Belehrendes über die ächten und bar
barischen Dariken angemerkt. Den ersten Theil erhellen 117,
den zweiten 36 Münzbilder; ,die meisten gut; einige lassen
freilich zu wünschen übrig.‘
In den Sitzb. d. k. Ak. d. W. 1851. VII. Heft 6-10.
S. 756 einbegleitet Prokesch-Osten die ,Beiträge zur älteren
Münzkunde‘ der beiden Custoden an der berliner kön. Bibliothek
Pinder und Friedländer, welche sich über die ,Bedeutung der
Aufschrift CONOB oder überhaupt des OB auf byzantinischen
Münzen‘ und die ,Cistophoren des T. Ambius Balbus‘ verbreiten,
die Münzreihe Kleinasiens erhellen, neue griechische Münzen
aus der Güterbock’schen Sammlung aufstellen, das quadratum
incusum ziemlich weit heraufführen, arkadischer Gesammtmün
zen Bestand reichlich hinter 364 v. Chr. zurückrücken (Curtius ent
72

gegen Otfried Müller), die Münzkunde Lyciens bereichern


(Koner), die F ollarmünzen erörtern (Mommsen) und endlich
eine erschöpfende Zusammenstellung der Gaumünzen Aegyp
tens (Parthey) und der ersten Königsmünzen, sowie die Be
stimmung der Philippusära (Pinder) bringen. Mehre durch Pro
kesch aus Athen mitgebrachte antike Gewichter und endlich mittel
alterliche Materien füllen die mit Auszeichnung genannten Hefte.
Die Fortsetzung der Abhandlung ,Inedita meiner Samm
lung autonomer altgriechischer Münzen‘ theilt sich nach einem
europäischen und einem asiatischen Theile. Vertreten sind mit
neuen Stücken: Abdera und l\`isa Thraciae; Sala, Alpeconnesus,
Chersonesus; I.emnos; Könige Chersibaulus, Cavarus; Chalcis,
Neapolis, Berga Philippi, Scione und incerta von Macedonien,
sowie aus der Königsreihe Alexander, Perdiccas II., Archelaos,
Amyntas II., Alexander M., Philippus III., Demetrius; dann
Heraclea, beide Larissa, Pherae, Mcliboea, Metropolis, Perrhaebia,
Pherae und incerta von Thessalien; Dyrrhachium, Heraclea;
Leucas; Phocis; Bœotia, Lebadea, Orchomenos, Oropus, Tana
gra, Thebae; Athenae; Aegina (Unicum), der Achaeer- und Ko
rintherbundesstaat; Corinthus; Dymae, Sicyon; Elis (neue Va
riante); Cleitor; Pheneus, Euboea; Eretria; Histiaea; Hiera
pytna, Lyttus, Rhitymna; Andros, Paros, und mehrerer Städte
neue Magistraturen. Der zweite oder asiatische Theil betrifft:
Amisus; Tium; Antandrus, Cycicus, Lampsacus, Perperene;
Tetradrachmen pergamischer Könige; Dardanus; Trallus; Elaea,
Gyrnium, Neontichus; Methymnae Erythrae; Priene; Chios,
Clazomene, Samos; Cos; Rhodus, Camirus; Könige Hecatomnus
und Pixodarus von Karien; Cabalia, Caunus und incerta von
Lycien; Prostanna, Termessus; Aegae, Celenderis, Nagidus,
Olba, Tarsus; Philadelphia; Ancyra, Brucus, Cadi, Hyrgalea,
Metropolis, Sebaste und die Syrerkönige Seleucus I., II., III.,
IV., VI., Antiochus II., III., IV., VI., VIII., XI., Alexander I.,
Demetrius II., Tigranes, und eine Darike, den Arsakiden
Phrat I.; Obolen und Hemiobolen der Sasaniden; einen Alexan
der Roxanae, Ptolemaeus Soter; mehrer Städte neue Magistra
turen und endlich 12 incerta. Diese mit 76 Münzbildern auf
vier lithographischen Tafeln vortrefflich ausgestattete Abhand
lung beschreibt die nach Metall, Grösse, Grammengewicht genau
bezeichnete Münze lateinisch und weist in äusserst sachgemässen
Erklärungen auf die Sammlung des british museum (,die Schätze
dort gleichen jenen, die noch in den Eingeweiden der Erde
ruhen‘), Borell, Ivanoíf, Carabed, Lambros, Gobineau, sowie
Mionnet, Beule-, Duchalais, Müller, Rauch, Millingen, Sestini,
73

Pinder, Welzl. Sie ergänzt die Alexanderreihe des Dänen


Müller mit 137 Stück, Beule’s Athenerreihe mit 11 Stück, nach
dem des Franzosen ‘Чей: schon 150 Beiträge aus Prokesch’s
Sammlung veröffentlicht hatte, und bereichert mit äusserst kla
ren Beigaben dic verschiedenfältigen Monogrammenkarten; sie
berichtiget an einzelnen Stellen Mionnet, und leistet endlich für
die Classificirung der Arsakiden eingehende Anregungen. Das
Werk erschien in den Denkschriften der k. Akademie der Wis
senschaften. IX. Band. 1859.
,Description de quelques médailles grecques. Revue numis
mat. 1860.(pl. S. 266-279.‘ beleuchtet endlich auf wo mög
lich noch schwierigerem Gebiete eine grosse Reihe der besten
griechischen Münzen.
Prokesch’ numismatische Werke kennzeichnen sich zu
nächst durch eine weite Literaturumsicht namentlich französi
scher und englischer “ММ und straffe Beherrschung derselben.
Der Gelehrte ist überall in mediis rebus, belehrt mit grosser
Leichtigkeit und trägt an häufigen Stellen seine Sonderansicht
mit bewusster Stärke vor, gesteht indess die Grenzen eigenen und
fremden Urtheils ein, ohne in die deutsche Polemisirsucht zu
verfallen. Das Kunstschöne, gevestiget an mythologischen und
geschichtlichen Studien aus hellenischen Originalquellen, wacht
überall im Hintergründe seiner Betrachtung. Sein Styl ist edel,
einfach, in der Kürze des ächten Historikers , in Constructionen
jezuweil hellenisch und orientalisch.
,Erst wenn die Schätze des Vorhandenen in den verschie
denen numismatischen Reichen überblickt werden können, wird
der Werth der Numismatik, dieser höchst anziehenden Lehrerin
in Geschichte und Kunst, die nicht mit Worten sondern mit
Werken spricht, völlig erkannt werden.‘ Gestützt auf diese
freilich ein Grösseres betreffenden Wот des grössten leben
den Münzgelehrten der Steiermark, versuchen wir im Ferneren
die numismatischen Quellen und Sammlungen im Lande aufzu
spüren und zu beleuchten. ‚
Admont, das Benediktinerstift in dem durch Römersteine
und Münzen gezeichneten Ennsthale, besitzt zwar neben seinem
Kunsteabinete (worin unter Anderem die pyrrner Römersteine)
selbst keine Sammlung von Münzen , wiewol hiezu durch mehre
griechische und römische, mittelaltrige und neue Stücke der
Grund bereits gelegt ist, aber es birgt in seiner vortrefflichen
Bibliothek eine Anzal ganz achtbarer numismatischer Werke,
welche aus Beilage П. zu ersehen sind. Gewiss haben die Vor
gänger der rottenmanner, liezener und gröbminger Gallienus
74

Probus, Florianus, Constantius Chlorus, Galerius Maximianus,


Julia Domna auch früherer Zeit ihre Verehrer an den gelehrten
admonter Mönchen gefunden.
Nach den Stätten des Zollfeldes (genannt das österrei
chische Herculanum) einer der reichsten archaeologischen Vor
orte Innerösterreichs , spielt die Stadt Cili und ihre schöne Um
gebung in der Geschichte der Pflege der Numismatik eine be
deutende Rolle. Von Kelten gegründet , deren Arbeiten der
neueste Eisenbahnbau unzweifelhaft aufgedeckt hat, deren Münz
reichthum in den nahen Funden von Lemberg aufglänzt, dehnte sich
die Stadt (als welche sie 76 n. Chr. genannt wird, nachdem um
41-54 die ersten römischen Ansiedler wie nach Virunum auch
hieher gekommen waren) zu Römerzeiten eine Stunde nordwärts
bis gen Margarethen vor Hochenegg, hatte den Galgenberg zur
Akropolis, reichte im “Телец bis an den Ködingbach und den
Joscphiberg, lehnte sich im Süden unmittelbar an die Wald
höhen, erstreckte sich im Westen bis auf den halben Weg nach
Sachsenfeld und rückte ihre schönste Pracht an dem Einflusse
von Sann und Vogleina zusammen. Hier ruhen die Trümmer
der herrlichsten Bauten, hier überraschen den Bauenden die
meisten Inschriftsteine, Mosaikböden , Vasen. Ein Theil der
alten Stadt stund am rechten Ufer der Sann, die früher mehr
nördlich ging, bis das Hochwasser nah und näher an den Berg
sich drängte und den Anbau ferner unmöglich machte. Die
Vorstadt Rann zollte schon zalreiche Lampen, Nadeln, Fibulen,
Schlüsseln, Löffeln, Hautschaber (strigilis), Griffeln , Handmühl
steine, Terracottas, Glaspasten; Särge und Denksteine hub man
aus dem Flussboden, eine Badehalle war an der Schütt gelegen,
ein Säulengang erstreckte sich nach der Herrengasse und die
römischen Cloakengänge durchziehen noch brauchbar die Stadt.
Municipium mit eigenem Senate und selbstgewählten Decurionen,
mit Duumviren, Aedilen, Quästoren (also nicht bloss -colonia),
Sitz des Praetorium praesidis Norici mediterranei, mit Mythras
und Isistempeln ausgestattet, ging die Stadt allen einheimischen
Orten nach Pettau an Würde vor; aber ausgesetzt den Kriegs
wettern unter Magnentius und Constantius (352), den Stürmen
der Sarmaten und der das frühe Bisthum erschütternden Slaven
gab sie viele ihrer antiken Zierden dem Verluste hin. Auf
römischem Grundbau aufgeführt, schaute die Grafenburg Cili
die Zeiten des ersten Mittelalters und führte den Ruhm dieser
Stätte fort. Der gewiss reichlichen Ausbeutung von Schätzen bis
zum Auslaufe des Mittelalters (noch Erzherzog Karln bot 1572
Georg Gaisberg, von Ludwig Ungnad Freiherrn von Sanneck
K1 Q1

belehrt, einen in der Schüttgasse aufgedeckten Mosaikboden an,


,ain schönes zierliches Estereich, darinen Stain von allerley Far
ben sein, doch kheiner grösser dann ain Würffel von manicher
ley gemailwerchen vnd fürvmb der wilden Thier vnd Pluemb
werch von khostlicher heidenischer Arbeit‘) folgte endlich die
gelehrte Betrachtung, welche durch Apianus (1534) aufgenom
men und von Lazius, Gruter, Aventinus, Megiser, Duellius,
Montfaucon, Muratori, Mayer, Linhardt, Eichhorn, Kindermann,
Brissard u. A. fortgesetzt worden ist. So sagt die Merian’sche
Topographie, um zufallig dieses auszuheben: ,Es werden noch
hin vnd wider viel Römische Antiquiteten allhie gewiesen; ist
auch daselbst offtmals altes Geldt aussgegraben, vnd vor Jahren
grosse vngehevvre Cörper vnder der Erden allda gefunden
worden; vnd siehet man noch an den grossen herrlichen Mor
molsteinen, sonderlich bei dem Jungbrunnen, da vorhin ein
Saal gewesen ist, wie vornehm vor Zeiten dise Statt müsse
gewest seyn: deren marmolsteinern Stücke eines kein höltzerner
VVagen ertragen köndte.‘ (Top. prov. austr. 66.) Nach mehr als
einem Jahrhunderte studierte die zalreichen Schätze dieser
Stätte der berühmte Eckhel und kein Zweifel, an numismati
schen Spenden arm dürfte der kenntnissvolle Mann nicht ge
schieden sein. Jetzt erwachte ein neuer Sinn für die alterthüm
lichen Kostbarkeiten und wir sehen denselben reichlich ge
nährt durch die hiesigen Gymnasialpräfecten Hirsch, den uner
müdeten P. Hartnid Dorfmann, durch den eifrigen Beobachter
und Sammler J. A. Suppantschitsch, Professor der Rhetorik und
Poetik (seit 1809), -bis endlich durch den mehrjährigen Aufent
halt der berühmten Alterthumskenner Vincenz Eitl (1822—-29),
Verfasser des wellenheim’schen Kataloges und ungedruckter
Arbeiten über mittelalterliche Münzkunde Oesterreichs, Joseph
Bergmann (1826-28), Erheller des cilier Münzrechtes, und vor
nehmlich J. G. Seidl (1829-40), des gründlichsten Kenners von
Celeja *) , jene Resultate gewonnen wurden, welche in Muchar’s
und Knabl’s Forschungen ihren derzeitigen Ausbau gewonnen
haben. ,Dass auf einem so ergiebigen arehaeologischen Boden
(sagt Seidl, welchen mr t.Knabl sich der gelehrte Arneth *"‘)
als Monographen für Cili gewünscht hat) die numismatische
Ernte nicht geringer sein konnte, lässt sich vermuthen und sie
war es auch. Römische Münzen und Medaillen aller Art, vom
_ .l_______. »
*) Monumenta celejana.Wien. Jahrh. d. Lit. B. 102, 104. 108, 111, 115, 116.
Schmidl Blätt. f. Lit. 1840~47 und Chron. d. archseol. Funde. a. v. O.
**) Die neuesten arch. Funde zu Cili. Sitzb. XXXII. 3. S. 571.
76

römischen Sehwergeld an bis auf die Zeiten des bas empire


kamen ans Tageslicht bald einzeln, bald zu Hunderten, aber
immer zufällig , nie absichtlich gesucht, wie denn überhaupt in
dieser Beziehung diese Gegend (1846) noch eine ziemlich jung
fräuliche genannt werden kann. Von planmässigen Nachgrabun
gen war noch keine Rede; das Grabscheit und die Pílugscharr
waren fast die einzigen Wünsehelruthen, deren Zauberschlage
sich hier das Erdreich bisweilen geöffnet hat, um etwas von dem
treubewahrten Erbe der Väter zurückzugeben. So reich als Cili
selbst ist gewiss noch manche Stätte im cilier Kreise an numis
matischen Schätzen.‘
Wenn der pettauer Boden durch die dichtgedrängte
Masse seines Münzflores in einem engeren Zeitraume ausgezeich
net ist, so glänzt das Gebiet um Cili durch seinen numismati
schen Umfang, der, gleich mit den Keltendenkmälern ganz reich
lich beginnend, nicht ohne acs grave (Ass, Triens Uncia), reicher
an Consularstücken (Aemilia, Antonia, Carvilia, Cornelia, Julia,
Luria, Marcia, Plautia, Porcia, Postumia, Renia, Rubria, Titia,
Vibia ?), sehr ergiebig an kaiserlichen bis Theodosius herab,
bis zu Topffunden venetianischer Goldstücke sich heraufzieht,
obschon ihn seit derKaiserzeit die Dichte der vorgenannten Stätte
nicht begleitet. Auf dem Gebiete von Celeja sind erwähnenswerthe
Fundorte: Bischofdorf bei Hoheneck, Dobritzendorf im Sannthale,
Rohitsch und Donatiberg, Drachenburg, Markt Frasslau, Schloss
Lemberg, St. Margarethen, St. Niklas bei Tüffer, Nikolaiberg,
Oberbirnbaum, Reifenstein, Sachsenfeld, Seitz, Gonobitz, Stein
brück, Sternstein, Trojanerberg, Dielasse, Tüffer, Vipotaberg,
Vi/Iindischgrätz. Was Wunder wenn ein so ergiebiges Feld seine
häufigen Aehrenleser fand? Ueber dieses Jalnhundert zurück
lassen freilich dieselben sich nicht mehr nennen.
Der gelehrte und ehrwührdige P. Hartnid Dorfmann,
Präfect und nachmals pensionirter Director des cilier Gym
nasiums, schenkte wie sein Vorfahr Hirsch den Reliquien des
classischen Alterthumes, besonders den epigraphischen, eine
warme Theilnahme und trug sich eine Sammlung antiker Mün
zen zusammen. Es erübrigte deren, trotzdem er mehre geistliche
Stifte, seine Schüler und hauptsächlich das Joanneumcabinet
viel mit Geschenken bedachte, eine nicht kleine Anzal. Seine
Sammlung ist aber, wie Prof. G. A. Lindner berichtet, derzeit
gänzlich verstreut.
Johann Ritter von Gadolla, der Mäcen des vaterländischen
Dichters J. G. Fellinger, vereinte auf seinem Ansitze zu Reifen
stein nächst Cili, bekannt als Fundort einer keltischen Tetra
77
11‘.

drachme, wie so mannigfache andere Raritäten auch eine Reihe


von Münzschätzen aus der nächsten Umgebung. Was der Niko
laiberg nächst der Stadt, was Orte wie St. Jakob, der voreinst
mit einem Mythräum gekrönte Vipotaberg, Sachsenfeld, Neu
haus zu bieten pflegten, selbst ein Gesammtfund auf Schloss
Anderburg (vielleicht voreinst ein römisches Castell) war in
seiner Sammlung zu sehen. Die Bauerschaft in der Runde regte
sich zur Gewinnung beihülflieh und ein förmlicher Aufruf des
Schlossbesitzers vermehrete ihren Eifer. Lange nach dem Tode
des Eigners, welcher von 1800 bis 1832 gesammelt hatte, ging
eine noch immer bedeutende Menge der Collection an das Joan
neum zu Grätz über. Es umfing diese reichlich an 1000 Stück
fassende Sammlung ausser einigen Autonomstücken und 16 Con
sularen noch über 630 Kaiserdenare von 28 Namen des ersten bis
zum vierten Jahrhunderte und ward erst jüngster Jahre durch den
Landesaussehuss für das Land erhalten. Dieser mehr Wolerhal
tenes als Seltenes bergenden Sammlung, welche um M. Aure
lius, Hadrianus, Antoninus Pius am dichtesten ist, verdanken wir
die meisten Consularmünzen, insoferne wir der Ueberlieferung nach
die heimische Provenienz für dieselben mit Wahrschein1ichkeit
in Anspruch nehmen. Der Beweis aber, und das betonen wir,
fehlt zur Sicherheit dennoch.
Die reichen Münzschätze Cili’s hatten noch einen eifrigen
Sammler und Erforscher an Anton Suppantschitsch (geb. 22. Mai
1788 zu Laibach, gest. 1833), später Professor der Geographie
und Geschichte zu Cili, dann zu Marburg, gefunden. “Не Ge
nealogie , Heraldik, Topographie verdanke ihm - sagt Dr.
Puff - auch die Numismatik die schönsten Bereicherungen. Was
er auf seinen durch erzherzogliche Gunst unterstützten Reisen
gewonnen, ging wol grösstentheils an das Joanneum über.
Ferdinand Uhl, vordem Bahnamtsverwalter zu Cili, später
zu Laibach und in Tüffer lebend, überliess seine mit warmem
Streben aufgelesene Anzal antiker römischer Münzen aus dem
celejaner Fundgebiete dem Geschichtvereine von Steiermark.
Nach seinem jüngst erfolgten Tode hinterliess der Genannte nur
einige neuere Münzen, namentlich geiracher Fundes.
“Не der Stadtmagistrat eine ansehnliche Sammlung von
Münzen in seinem Gemeindehause sich einrichtete, welche 1858
(nach Mitth. VIII. 11) an den Geschichtverein übergegangen ist,
so gründete endlich das dortige Staatsgymnasium , die Früchte
der Forschungen Dorfmann’s aufnehmend, für die geschicht
freundliche Jugend eine Münzenaufstellung, welche grössten
theils neuere Stücke enthält und noch nicht beträchtlich ist.
78

Im cilier Gebiete, zu Tütfer nämlich, kömmt noch die


Sammlung des Realitätenbesitzers Joseph Ostersehegg (antike und
neue, in- und ausländische Münzen) zu erwähnen.
Nächst Frasslau an einem Hügel bei Ober-Goree, eine
kleine Viertelstunde vom Pfarrhause entfernt, wurden zwischen
1770-80 bei 500 Stück römischer Münzen aus der Periode der
dreissig Tyrannen ausgegraben. Die Familie Foramitt (Foramiti)
besass dieselben, der radkersburger Bürger Johann Bauer kaufte
von ihr Haus und Hof und die Handelsgerechtsame. Die
Foramiti hinterlegten dann die Münzen beim Magistrat; da
wurden sie- zeitweise- als Spielniarken benützt und auch derart
in der Gegend benannt. Vor 1850 kaufte nun der vormalige
Privatseeretair Metternich’s und jetzige Besitzer des Bärenhofes,
Herr Johann Klein, den Vorrath und bei diesem durchforschte
Dr. R. Knabl am 25. Juni 1851 die Sammlung. Es waren durch
gehends Subärate von Valerianus, Gallienus, Saloninus, Clau
dius Gothicus, Quintillus Aurelianus, Probus, Carus, Carinus.
Der Fund reicht demnach in die Jahre 254~284 n. Chr. und
um diese Zeit mag kriegshalber der Besitzer seinen Geldschatz
vergraben haben. (M. II. 155.)
Das Kloster der Franziskaner zu Gleichenberg, auch
interessant durch seine Bibliothek und die orientalischen Erinne
rungen eines vielgereiseten Ordensbruders, enthält eine Samm
lung von etwa 100 römischen Kaisermünzen, welche grösstentheils
aus dem hiesigen, auch mit keltischen Resten bedachten Boden
und den von den Römern geschätzten Heilquellen stammen. “Ч!
erwähnen Tiberius, Caligula, Nero, Vespasianus, Domitianus,
Nerva, Trajanus, Hadrianus (1 Gold), Julia Sabina, Antoninus
Pius, M. Aurelius, Faustina jun. (1 Gold), L. Aurelius Verus,
Julia Domna
Severus, (Silber), Septimius
Gordianus Geta, PhiliNiilmerianus
III., Aurelianus, pus Pater, Alexander
und viele
Viminacium. Bei dem grossen Andrange von Fremden aus aller
Herren Ländern zur Sommerzeit wäre die Anlegung eines
modernen Münzcabinetes leicht durchgeführt. Die Sammlung
des hiesigen Badearztes Dr. Práäil, welcher seit 1845 aus dem
Römerbrunnen über 70 Münzen gehoben, hat vordem manch’
einen Freund des Alterthums angezogen.
Zu Gleisdorf, Fundort römischer Steine und Münzen wie
das nahe Freiberg, Büschelsdorf, Eggersdorf, Feldbach, Hainfeld,
sammelte bis jüngst der Deíizientpriester Anton Meixner, den
Geschichtverein auch in Sammlung einheimischer Volkssagen
unterstützend. Griechische, römische (aus Ort und Umgebung),
mittelalterige und neue Stücke in einer Anzal von 600, worunter
79

viele Thaler, umfasst seine Anlage, die steierischen sollen


besonders beachtet werden. Meixner erwarb viele noch von
Wartingern bestimmte Münzen, solche aus der Sammlung des
Prof. Dr. Robitsch und theilte wieder aus der seinen an die
Marktkasse zu St. Georgen an der Stiefing, sowie an ein halbes
Hundert dem gleichenberger Stifte mit.
Die Stätte von Grätz, bereits von Kelten besiedelt, wie
dies die Werkzeugfunde auf dem nahen Berge Plabutsch und
häufig vorkommende Steinschriftnameu beweisen, der griechisch
römischen Geographie zwar unbekannt, stellt sich gleichwol
mitten zwischen Antikenfundorten (Wildon, Strassgang, St. Mar
tin, Judendorf, Reun, Stübing, Waldstein, Adriach, Pfannberg,
Semriach, Radigund am Schöckel, lVeitz, Kumberg, St. Ruprecht
an der Raab, Gleisdorf, Feldbach, Gleichenberg, Feldkirchen)
als von Römern bewohnt und mit deren Nachlass allenthalben
ausgerüstet dar. An des Schlossbergs nordwestlichem Fusse
haben sich Gräber mit Metallgeräthen, Steintrümmern und
Münzen , eben letztere auch im Münzgraben, zu St. Leon
hard, auf der Höhe des Venustempels und am Grätzbache ge
zeigt. Dass eben diese Stätte, im Alterthume ganz bedeu
tungslos und durch die Zeit salzburgischer Kirchenherrschaft
nicht eben wichtig, bis zur traungauer, babenberger und habs
burger Herrschaft als Hauptstadt des Landes sich herausbildete
trotz ihrer Lage (am nördlichsten und rauhsten gegen alle drei
Römerstädte Celeja, Petovium, Solva, mehr gebirgig und weniger
handelsgünstig als jene der zwei letzteren Orte), und als jeden
falls jüngste Ansiedelung, - diese Eigenthümlichkeit, deren be
stimmte topographische Gesetze bisher unbeachtet geblieben,
mögen Andere erklären. Wir haben hier nur anzudeuten, dass
die Alterthümler früherer Zeit Grätz für Mureola, Savaria,
Oarrodunum, Vacorium oder Vocareum hielten und die Bacca
laurei den Ort als solchen besangen; dass der hiesige Münz
flor, die Consularzeit ganz ausschliessend, erst von Nero ab
bis auf Joannes II. Comnenus Porphyrogenitus und dies
recht sparsam und mit grossen Lücken läuft; dass ein
heimische Verkehrverhältnisse schon in der traungauer Zeit
zur Errichtung einer eigenen Münzbank zu Grätz führten,
welcher 1565 die eines eigenen Münzhauses (ursprünglich
am Ursulinerplatze zu Anfang des zweiten Sackes Z. 240)
und eines Münzamtes folgte; dass letzteres, noch 1728 in
der Hofgasse Z. 47 untergebracht, von Maria Theresia und
Kaiser Joseph H., wie die Münzstätte mit dem Zeichen D, selbst
reformirt, später in die Burggasse und endlich in die Neu
80

gasse Hz. 173 übertragen worden ist. *) Diesem Münzamte


mögen seit je die vorzüglichsten und meisten Fundstücke der
Stadt wie des Landes zugeflossen sein. Was die Münzstätte
selbst an älteren und neueren Stücken, die besonders beim
Festungs­ und Bastionenbau (1540-1682) reichlich an’s Licht
gekommen sein dürften, verschlungen hat, ist wol nicht mehr
nachzuweisen. Selbstverständlich machte der Landeshauptstadt
die ältere und jüngere Hofhaltung, die Anwesenheit, die Bau
und Reiselust eines weitläufigen Adels, der Sitz der Kaufmann
schaft, endlich die politische und kriegerische Bedeutung durch
die Zeiten der ungerischen, böhmischen, türkischen und franzö
sischen Einfalle einen buntgefárbten Münzstrom zufliessen. Diesen
nahm der vermögende Bewohner, nahm manch’ eine Anstalt mit
doppeltem Eifer auf, seitdem das Sammeln einen wissenschaft
lichen Grund erhalten hatte. Hier gilt Göthe’s Wort: ,Da der
Mensch nicht immer schaffen und hervorbringen kann, obschon
solches für ihn das Wünschenswe1­theste bleibt, so unterhält und
freut ihn doch, wenn er das Verlorne aufsucht, das Zerstörte
wieder herstellt, das Zerstreute sammelt, ordnet und belebt.‘
(Kunst und Alterthum II. 1. S. 182,) So entstund denn nament
lich seit der Gründung des Joanneums Sammlung auf Samm
lung in der Landeshauptstadt wie im Lande, von denen einzelne
die öffentliche Sammlung übertreffen, mehre mit derselben wett
eifern, wol auch andere wieder an Göthe’s Auspruch erinnern:
,Was man nicht versteht, besitzt man nicht.‘ Kurz es ist die
Münzkunde in mehr als einem ihrer Fächer, von der Haupt
stadt ausstralend, bereits volksthümlich geworden durch den
Eifer der Sammler, welcher hinwieder durch wunderliehe Volks
meinung über unnützes altes Geld, durch das Entgegenstreben
besorgter Hausfrauen und die Mystificationen von Fälschern mit
heiterem Helldunkel illustrirt wird.
Den Künsten und Wissenschaften fast aller Fächer hold,
schmückte der Landeshauptmann Graf Ignaz Maria von Attems
seinen Palast in der Hauptstadt des Steiererlandes mit einerReihe
von Gemälden, Büsten, Statuen und Statuetten, Gemmen und
Intaglien, Ñ/Vaffen, Schnitzwerken und Büchern, wie denn auch
die Münzdenkmale der alten und neuen Zeit von demselben
Manne mit Eifer herangezogen, zum grössten Theile aber wieder
anderen Sammlungen zugewendet wurden. Noch aus seinem Nach

*) Die kais. Verordnung vom 9. Juni 1766 stellte den Anfangsbuchstaben der
Münzstätte mit G im Revers ab und führte dafür das I), das Zeichen der
vierten Münzstätte, im Avers ein. Erst 1781 ward dies durchgeführt.
81

lasse schöpfte das Joanneum. Privatgalerien, aus welchen numis


matische Beigaben nicht ausgeschlossen sein mochten, hatten hier
selbst noch der Staatskanzler Graf von Saurau, die Herzogin von
Berry, deren Hauptschätze später nach Brunnsee oberhalb Mru‘eck
wanderten; der Landesgouverneur M. C. Graf von Wickenburg,
die Doctorswitwe Haring, Gräfin Rothkirch-Panthen, Staatsbuch
haltungsofficial A. Wurmser, Hofarchitektenswitwe Dorothea
Proksch; Eisenhändler K. Greinitz, die Professoren Schöller,
Köm, Götz; Goldarbeiter Johann N. Haine.
FML. Bianchi Duca di Casalanza, der Inhaber ausgedehnter
Besitzungen im Venetianischen, lebte bis jüngst in der, auch
von weiland Pratobevera zum Wohnsitze gewählten Vorstadt
Graben seinen in Italien geschöpften Erinnerungen und antiken
Münzschätzen, welche vermöge weiter Reisen und weitläufiger
Verbindungen sehr ausgebreitet sind , aber das Einheimische
minder betreffen. Das Schicksal der hinterlassenen Sammlung ist
uns nicht bekannt. ~
Franz Cozzer Ritter von Contanavi, zuerst Rechnungs
führer, zuletzt Generalintendant bei dem Kriegscommissariate
der kaiserlichen Marine und in dem österreichisch-piemontesi
schen Kriege von 1859 an der Spitze des Lieferungswesen thätig,
kam im J. 1861 in Pension nach Grätz. Seine auf der bisherigen
Laufbahn unter voller Benützung all’ der begünstigenden Um
stände erworbene Münzensammlung betraf vorwiegend das neu
italische Gebiet, namentlich war Venedig bis auf die seltensten
Stückevertreten, in Gold fast keine einzige Lücke. Er bezog
Thalerstücke zu den höchsten Preisen, wie er aber auch nicht
minder höchst billig zu erwerben wusste und hielt sich strenge
an sein Gebiet. Doch allgemach mehrten sich auch seine Römer
bis auf einen Gesammtwerth von 20.000 Frcs. und zeigten grosse
Seltenheiten meist in edlen Metallen. Erst in der letzteren Zeit
griff er auch über ungerisches Münzwesen aus, das er seit den
ältesten Zeiten fast complet hatte, selbst steierische Funde neben
her-nicht ausschliessend. Er verband mit einem ungewöhnlich
scharfen und praktischen Blick eine ansehnliche Münzbibliothek,
weitläufige Correspondenz und wendete auch einer Sammlung von
Antikaglien und Gemälden seine Vorliebe zu. Diese Münzen
sammlung, zuletzt in seiner Wohliuiig in der Murvorstadt, eng
lischen Hof, in zierlichen Kästehen aufgestellt, ward nach seinem
im 66. Lebensjahre 1863 zu Wien erfolgten Tode zin‘ Auction
vorbereitet.
Durch VVeinhold angeregt, welcher dem deutschen Alter
thume auch in Siegeln und Münzen grosse Aufmerksamkeit
_ 6
82

schenkte, sammelt Prof. Dr. Franz Ilwof, derzeit Secretair des


Geschichtvereines, seit 1856 Münzen aller Art (an 300 Stück
Münzen und Medaillen, zumeist neuere) und besitzt neben Noth
marken von 1848 auch Proben ersten österreichischen Papier
geldes, Duffin’s zu Karlsbad Nothpapiere und französische
Assignats. Dies als Beigaben geschichtlicher Vorträge an der
landschaftlichen Oberrealschule.
Gustav Felieetti Edler von Liebenfels, k. k. Hauptmann in
Pension, ein auch im botanischen, mineralogischen und heraldi
schen Facho mit seltenem Eifer und umfassender Kenntniss thä
tiger Mann, sammelt hauptsächlich Cavaliermünzen (deutsche
Herren, Bischöfe, Berühmtheiten). Diese seine Sammlung in
schönen Kästehen eingeordnet und mit deutlichen Etiquetten
ausgerüstet, welche auch auf die nöthige Literatur verweisen,
enthält an zwei und ein halbhundert Stück Thaler und Halb
thaler. Alle bieten fast ohne Ausnahme den Anblick recht wol
erhaltener Kleinodien, nicht wenige sind auch grosse Seltenheiten.
Dieser Sammlung schliesst sich an, ein Besitz des Studierenden
Moritz Felicetti von Liebenfels, die Reihenfolge von 100 Stück
römischer Consularmünzen von 86 Familien, eine nur in der
späteren Kaiserzeit unterbrochene Serie von Imperatorenmünzen,
von 96 Namen an 300 Stück und bis in den ersten Zeitraum des
getheilten Römerreichs hineinreichend. Mittelalteri e und neuere
Münzen und Medaillen bis zur Grösse eines ëruldenthalers,
darunter auch einige speciel steierische, an Anzal über 500,
vollenden endlich die in mehrfacher Beziehung interessante, seit
drei Jahren angelegte und nach Welzl geordnete Sammlung.
Nebstdem besitzt der Eigenhaber noch eine Auswahl der
nothwendigsten Handbücher (wie Wellenheim, Diekmann, de
Traun; , Koch, Rosey, Schulthess-Rechberg u. A.) und unter
hält mit in- und auswärtigen Münzhändlern eifrigen Verkehr.
Aber auch ein handschriftliches Ñ-Verk betreffen wir als die
Früchte des seit Jahren fortgesetzten Sammlerfleisses. Dieses
ist: ,Deutschlands münzberechtigter Herren Thaler und Me
daillen“ (1863), eine sehr werthvolle Zusammenstellung von
1238 Münzen und Medaillen von 94 deutschen Herrengeschlech
tern mit hausgeschichtlichen Daten, trefflicher Einzeichnung des
numismatiseh bewährten Wappens, mit Beigabe der Literatur
und des Preises nach 11 grossen Auctionen seit 1836 bis 1863
(Diekmann 1836, R. Frank 1839, Dr. Frank 1844, Wellenheim
1846, de Traux 1857, Koch in Cöln 1862, berliner königl.
Cabinet , Rolas de Rosey zu Dresden, Isaak Peyer in Nürnberg
und Freiherr v. Maretich zu )Vian 1863).
83

Alfred Ritter von Frank, Major in der Armee und Mitglied


des Gelehrtenausschusses des germanischen Museums zu Nürn
berg, der Entdecker der keltischen Gräber zu Kettlach bei
Gloggnitz, vereint in seinem sehr seheuswerthen kleinenMuseum
von Gemälden, Schnitzereien, Geschirren, Kupferstichen, Auto
graphen und Urkunden eine nicht unansehnliche Münzensamm
lung von etwa 800 Stück älterer und neuerer Zeit (70 consulare,
600 kaiserliche). .
Der Convent der Franziskaner in (Эrrätz, durch die Ordens
regel den Stiften von Judenburg, Mautern, Mürzzuschlag, Naza
reth , Rann und den 1785 aufgehobenen von Feldbach und
Friedau verbunden, legte wie der Convent zu Lankowitz eine
Münzensammlung an, welche eben erst im Entstehen ist. Die auf
16000 Bände geschätzte Bibliothek enthält im geschichtlichen
Fache einzelne münzenkundliche I/Verke , wie die Münzlexika
von Nürnberg 1790 und Frankfurt 1748, das ,Praktische Münz
verzeiehniss‘ (о. О. und J.).
Der blinden Numismatikerin Johanna Diekmann - Secherau,
älteste Tochter Frau Johanna von Iienikstein, war ansässig auf
dem Rosenberge bei Grätz , oberhalb des blumenberühmten
Koch’schen Gartens, wo sie, nach beiläufig zwölÜährigemAufent
halte in der steierischen Hauptstadt, am 25. ЫОУСШbeГ 1859
starb. Sie erbte von den 4328 Stück Münzen und Medaillen
neuerer Zeit (weniger der antiken und mittelalterigen), welche von
ihrer meist in Wien lebenden Mutter angesammelt waren, jene
Partie von 725 Stück Thalern und Schaumünzen , welche
in dem durch Dr. K. Wr. Wotypka 1836 edirten Kataloge von
Seite 213-240 genannt erscheinen. Die erwähnte Frau hatte
auch ihren Eltern zu Ehren eine Gedächtnissmünze anfertigen
lassen und sammelte selber, da sie mehr der mineralogischen
Richtung zugethan war, nur die kürzeste Zeit. Der obgenannte
Antheil der Dickmann’schen Sammlung war gleich im Anfange
schon aus freier Hand verkauft worden und neuestens erst haben
sich nebst dem Prägestempel der Appel’schen Diekmann
Medaille etliche ganz unerhebliche Münzlücken ihres Nachlasses
gefunden. Ueber Johanna von Henikstein (geb. 7. Juni 1787 zu
St. Veit in Kärnten , deren Tochter an Baron von Knobloch zu
Grätz vermält ist), sowie über ihre wissenseifrige Mutter Johanna
Nepomucena von Diekmann-Secherau verbreitet sich ausführlich
Bergmann in seinen ,l\ledaillen‘ II. 437, dazu Tafel XXIII
Nr. 121, 122.
Der praktische Arzt und Ürdinarius im Sieehenhause Dr.
Hinterthür sammelte ebenfalls Münzen und zwar sowol antike
6*
84

als moderne; besonders Thaler. Nach seinem im Jahre 1860


erfolgten Tode kam ein grosser Theil des Gesammelten noch
dem Domherrn Prof. Dr. Robitsch zu Gesichte.
Emil Baron Karg von Bebenburg , ein Nachkomme jenes
Bebenburgers, welchen eine grosse Medaille seiner Verdienste
um den Churfürsten wegen feiert, gegenwärtig k. k. Haupt
mann in Pension, ist im Besitze einer mehr noch durch Selten
heiten und das Edelmetall als durch die Zal von 900 Stück
bedeutenden Sammlung römischer Consular- und Kaisermünzen,
jene in 350 Stück von 147 Familien, diese in 350 Stück von
165 Namen, denen sich eine Suite von 200 Cavalierthalern und
Dukaten und Medaillen, die fast nichts des Gewöhnlichen ent
hält, eine solche von Bischöfen, 160 Stück, sowie endlich einige
Sammlungsrichtungen in Betreff Venedigs (130 St.), Ungerns
(110 St.), Steiermarks, Kärntens anreihen. Diese erst seit 1859
angelegte Sammlung von 1500 Münzdenkmalen, in zierlichen
(Dickmann’schen) Kästehen verwahrt, in der Römerreihe (darin
die Familie Metillia, ein Gordianus I. Africanus, Nigrinianus und
Johannes Tyrannes besonders hervorhebenswerth) nach Mionnet
geordnet, zält zu den vorzüglichsten von Grätz. Sie ist begleitet
durch eine Reihe von 30 Münzwerken und Katalogen.
Dr. Richard Thaddäus Knabl, Jubelpriester, Doctor der
Philosophie, Íürstbisehöflich seckauer geistlicher Rath und Ordi
nariatsprüfungs-Commissär für Religionslehre an der st. l. Ober
realschule, Vorstadtpfarrer zu St. Andreas, der ungemein thätige
Erforscher und sinnreiche Erklärer römischer Alterthümer , der
gewandte Enträthseler römischer Inschriften, wie ihn J. G. Seidl
zu öfteren Malen nennt, wurde geboren zu Grätz am 24. October
1789. Ein Sohn des Magistratsrathes Dr. Ambros Knabl oder wie
man damals noch schrieb- Knäbl und der Maria Anna gebornen
Hurman, erhielt er eine sorgfältige Erziehung, studierte am
Lyceum seiner Vatersta dt und zwar erst in den höheren Schulen
mit aufgewecktem Sinne und vortrefflichem Erfolge und feierte
seine Primiz am 29. December 1811 zu Witschein bei Ehren
hausen. 1812 Kapcllan zu Neudau, erhielt er vom Landesgouver
neur Graf Bissingen den Antrag, als Erzieher nach Innsbruck zu
gehen, was er indess seiner Mutter zu Liebe unterliess. 1814 nach
Grätz zur Hauptstadt-Propsteipfarre übersetzt, 1820 zur Maltheser
Commenden-Pfarre Altenmarkt bei Fürstenfeld, 1826 nach Klöch
bei Halbenrain, gab er die letztere Stelle gegen die bescheidenere
Vorstadtpfarre in der Karlau zu Grätz gesundheitshalben auf,
um seither (1838) seine Vaterstadt nicht mehr zu verlassen.
Durch Erzherzog Johann, welcher Knabl’s Eifer als Mitglied der
85 .

Landwirthschaft - Gesellschaft hatte kennen und schätzen lernen,


aufgefordert, auf dem Gebiete der vaterländischen Historie sich
eine Section zu wählen, ging er hier zunächst von seinen rein
kirchlichen Studien der alten Sprachen zur Epigraphik über und
ward durch Wartinger in den Räumen des Joanneums in dieselbe
eingeführt. Aber als es galt, heimische Inschriften mit praktischer
Sicherheit zu erklären, da fühlte Knabl oft nur allzusehr die
Grenzen theoretischer Studien und warf sich auf die Numismatik,
auf diesem Boden .festes Ziel zu gewinnen. Auch hierin war
~Wartinger sein bewährter Lehrer. Die erste Frucht der gelehr
ten Richtung war die Zusammenstellung und Deutung der seckauer
Steine, welche zur Entdeckung des Standpunktes des Flavium
Solvense führte; nicht ohne Widerspruch Wartinger’s, anderer
seits in den politischen Stürmen wenig beachtet und endlich
durch Hammer-Purgstall’s Urtheil ausgezeichnet. Eines der
eifrigsten Mitglieder des innerösterreiehisehen und dann des
steierischen Geschichtvereines, in diesem der erweckendste
Redner, setzte er seine bewährte Thätigkeit, wie es auf neu
bebautem Gebiete unvermeidlich, auch errando discens fort,
seit er 1852 Pfarrherr zu St. Andrä in Grätz geworden und
wirkte auch als Präses der Lehrerconferenzen und als Staats
Prüfungscommissär in Geschichte auf das Erspriesslichste. Bei
Gelegenheit seines Priesterjubiläums am 1. Jänner 1862 erhielt
er das Ehrendoctorat der grätzer Universität (31. October 1861),
das goldene Verdienstkreuz mit der Krone im Mai 1862 und
die grosse goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft am
19. März 1864.
Die steierische Inschriftenkunde verdankt den Schlussbau
auf den von Gruterus gelegten, von Eckhel gevestigten,
durch Suppantschitsch und Seidl aufs Neue erweiterten Grund
dem rastlosen Gelehrten, der mit weiter Forschungsumsicht
auch --ein wolbeschiedenes Glück der Erklärung verbindet.
An 194 unbekannte Römersteine sind durch ihn gelesen, bei
283 bekannte, durch ihn revidirt, zu neuer Geltung erhoben
worden. So liegt denn das Corpus inseriptionum Styriae, ein
wesentlicher Baustein des Steiner’schen Corpus inseriptionum
Rheni et Danubii, 587 Steininsehriften bietend, seit 1863
zur Herausgabe bereit. Die Epigraphik und Numismatik sind
Schwestern, die ihre errungenen Schätze einander vererben. Wir
können das in Bezug des keltischen Inschrift- und Münzwesens
mehrfach schon jetzt einsehen, die Zukunft wird noch mehr
bringen: Knabl’s Werke sind: 1) Wo stand das Flavium Sol
vense des Plinius? Schriften d. hist. Ver. f. Inner-Oest. 1848.
86

2) Antiquarische Reise in das obere Murthal. Mitth. I. 24.


З) Neuere Funde des Leibnitzer Feldes in den Jahren 1848 bis
1850. I. 90. 4) Epigraphische Excurse. II. 151; III. 95; IV.
187; V. 153; VI. 125; VII. 111; VIII. 71; IX. 85. 5) Die
Peutingersche Tafel, verglichen mit dem Trcibacher und Neu
markter Meilensteine. I. 137. 6) Inschriftliche Funde. II. 43.
7) Fund römischer Goldmünzen zu Cirkovic im Pettauerfelde.
II. 173. 8) Münzenfund zu Hohenmauthen und Mahrenberg.
II. 182. 9) Das Murthal von Strass abwärts in antiquariseher
Beziehung. Ш. 118. 19) Funde römischer Münzen am Gratzer
Schlossberge. III. 159. 11) Der angebliche Deus Chartus auf
einer römischen Inschrift zu Videm. IV. 35. 12) Der angebliche
Götterdualismus an den Votivsteinen zu Videm und Aquileja.
Gratz 1858. 13) Die Treffener Altarsteine in Unterkrain. Krain.
Mitth. VI. 74. 14) Die Procuratores Augusti an den jüngst ent
deckten Cillier Votivsteinen. 15) Neuester Fund römischer
Inschriften in Cilli. IX. 164. 16) Fund einer antiken weiblichen
Broncegestalt in sitzender Stellung aus Cilli. XII. 41. 17) Die
ältesten Copien römischer Inschriften des Herzogthumes Krain.
Krain. Mitth. 1864. März, April. 18) Unedirte Römerinschriften
aus Steiermark. Notizenblatt d. k. Ak. d. W. 1856. 21, 22.
1857 Nr. 11, 23, 24. 1859 1. 19) Der wahre» Zug der
1861. Band 26.
Römerstrasse von 20)
Cilli Die
nach,Homilien‘ (1851). f. Auf
Pettau. Archiv K. Ö.häufigen
G.

Reisen das steierische Land gründlich kennen lernend, be


gegnete er so zalreiehen Münzdenkmälern, dass ihm solche
zu sammeln und zu erklären nahe genug lag. Nur auf das
antike Gebiet und zwar das griechische, barbarische und
römische der consularen und Kaiserzeit sich beschränkend , aber
hier gewandt mit seltener Umsicht, hat Knabl durch seine
nächsten Verbindungen mit den einheimischen Fundstätten
und Sammlungen (Pettau, Leibnitz, Cili; Joanneum , Reun),
wie durch auswärtige Beziehungen (Carnuntum, Neapel, Wien)
einen Schatz von nahezu 1000 Stück angesammelt. Es sind
der griechischen 50, der barbarisehen 10 Stück, darunter
vier des lemberger Fundes. Der römischvorkaiserlichen 11 Ge-
wichtmünzen (4_’S.), von 82 Familien an 100 Stück (bis
auf 8 sämmtlieh S.), darunter von selteneren Cassia, Flavia,
Metillia, von seltenen Aquilia, Baebia , Cassia, Cipia, Cornelia,
Fabia, Fannia, Flaminia, Furia, Junia, Juventia, Licinia,
Memmia, Minueia (Thermus), Opeimia , Procilia, Romilia,
Satrienus, Sergia, Todilus, Tullia, Valeria, Volteia. Der Kai
sermünzen an 700, lauter wolerhaltene Exemplare, darunter
87

die silberne Didia Clara und ein Allectus und Carausius, ein
Peseennius Niger u. a.
Was er als Erklärer einheimischerMünzschätze antikerZeit
geleistet, ist aus dem Nachfolgenden ersichtlich. In den ,Schriften
des historischen Vereines für Innerösterreich‘ 1848, 1. Heft,
erschien jene Abhandlung: ,Wo stand das Flavium Solvense‘,
in welcher nach einer eingehenden Prüfung der bisherigen An
sichten in Betreff der von Plinius genannten Stadt die archaeo
logische Ergiebigkeit des leibnitzer Feldes besprochen und zum
ersten Male eine Anzal von 13 Ortsmünzen, 4 barbarisehen,
4 Familien- und 95 Kaisermünzen- und zwar dies aus vier Samm
lungen (Braun, Harb, Joanneum, Knabl) namhaft- gemacht wird.
Hiedurch hat Dr. Knabl sich das Verdienst errungen, zur Her
stellung der Münzentopographie eines einzelnen Ortes anzuregen
und für eine solche in Betreff der ganzen Steiermark ziclzeigend vor
zuarbeiten. Zwei Jahre später stellte Knabl in den ,Mittheilungen
des historischen Vereines für Steiermark‘, I. Heft, S. 90, die neueren
Funde des leibnitzer Feldes in den Jahren 1848 bis 1850
zusammen und beschrieb nach Avers, Revers, Metall und Grösse
die Münzen, welche im früher genannten Verzeichnisse entweder
gar nicht vorhanden oder aber mit einem anderen Metalle oder
anderen Jahre vertreten waren. Es sind dies -fünf Ortsmünzen
von Mœsia superior und inferior, Dacia, Bithynia; zwei römische
Familienmünzen der Julia und Sanguinia und fünfzehn Kaiser
münzen von Vespasianus , Titus, Antoninus Pius, M. Aurelius,
Crispina Commodi, -Clodius Albinus, Geta , Marcia Otacilia
Severa, Decius Trajanus, Aemilianus, Carinus, Theodora Con
stantii Chlori undValentinianus senior. ,Der Fund römischer Gold
münzen zu Cirkovic am Pettauerfelde‘ ist der Gegenstand der
nächstfolgenden Abhandlung. Erschienen 1851 in ,Mitth.‘ II. Heft
S. 173, beleuchtet sie den wichtigen Schatz und beschreibt nebst
den vom wiener kaiserlichen Cabinet erworbenen -sieben noch
die fünfzig Goldstücke„welche dem Lande erhalten blieben. Es
sind dies Kaisermünzen von Antonia Drusi sen., Tiberius, Clau
dius, Nero, Vespasianus, Titus, Domitianus und Domitia, ver
graben nach J. 87 christlicher Zeitreehnung. Gleichzeitig berich
tet Knabl über den ,Münzenfund zu Hohenmauthen und Mahren
berg im Spätherbste des Jahres 1850‘, ebd. S. 182. Broncestücke
der Ptolemaeer und deren muthmassliche Herkunft, sowie Halb
bracteaten von Oesterreich und Baiern kommen hier zur Be
sprechung. Im Jahre 1852 theilte die Vereinsschrìft (III. Heft,
_S. 155) mit den ,Fund römischer Goldmünzen am Gratzer
Schlossberge.‘ Knabl erweist, dass ‘der Schlossberg bis in’s
88

4. Jahrhundert n. Chr. von Römern gekannt und bewohnt war aus


Inschriftsteinen, Gräberbeigaben und Münzen von den Kaisern
Aurelius, Philippus pater, Gallienus, Probus, Constantius, Constan
tinus, Claudius Gothicus, Numerianus. Mit Gunst des Geschiekes
gedenkt Dr. Knabl, dessen Araviscus­Inschrift Arnethen in Zu
theilung der Ravis­Münzen an die Aravisci bestärkt hat, in der
Folge das Münzwesen Noricums zu beleuchten.
Major Karl Kohl, vormals Platzhauptmann zu Grätz und
dermalen ebenhier in Pension lebend, ein Grossnetfe van Swien
tens, ist imBesitze einer seit 1838 angelegten und wolaufgestell
ten Sammlung von antiken und modernen Münzen, welche an
sechstehalbtausend Stück beträgt. Die Reihe der römischen ist
durch 15 Gewichtmünzen und über hundert consulare von fast
ebensovielen Familien vertreten, worunter fast alle der in Steier
marks Hauptfundorten begegnenden Familien wiederkehren; die
Kaiser bis aufHonorius herab (am dichtesten im 4. Jahrhunderte)
repräsentiren 1060 Stück, so ass sich die römische Abtheilung
einschliesslich der Alexandriner auf nahezu 1200 Stück beziffert.
Die Bronce herrscht in der ersten und dritten Reihe, das Silber
in der zweiten vor, gute Erhaltung allerwegen. Ueber 4000 mit
telalterige und neue, Thaler und kleinere Stücke, darunter an
100 steierische Münzen, beginnend mit K. Stephan’s V. ,Moneta
Stirie‘ machen endlich in Verein mit Münzwerken, wie Appel,
Neumann, Hanthaler, Diekmann, de Traux und anderen Ver
zeichnissen, sowie Berg’s ,New Müntzbuch‘ (München 1597, kl. 8")
diese grösstentheils in Steiermark erworbene und durch Freund
lichkeit zugängliche Sammlung zu einer der ansehnlichsten und
interessantesten. Der Consularstücke sind viele von Gadolla
erworben und dürften dem cilier Boden zuzuschreiben sein. Doch
ist leider eine bestimmte Aushebung nicht mehr möglich.
Der Gewerk Georg Mayerhofer besitzt, wie eine kleine
Raritätenkammer alter Bilder, Stiche und anderer Kunsterzeug­
nisse auch eine Sammlun von 2566 Stück Münzen und 113 Me
daillen (3 Gold, 1478 Silber, 1196 Erz, 2 kufische glíiserne).
Derselben sind an 232 antike und 2447 neuere. Während erstere
ausser einer massaliotischen, einer pannonisch-keltischen, einer
makedonischen Drachme, wenig des Aelteren bieten (wie grie
chische und römischoonsulare) und in Betreff der Kaiserzeit sich
zumeist über die Bronce des 3. und 4. Jahrhundertes verbreiten,
zeigt sich die Partie der neueren Münzen, denen auch eine Serie
von 52 Spielmarken und 113 Medaillen nicht fehlt, viel ausgrei­
fender angelegt. )Vir finden da Oesterreich mit seinen Theil
ländern (über 700 Stk.) vertreten seit frühen Zeiten; Steiermark
89

allein mit mehr als 80 Stück (darunter ein Dietrichsteinergroschen


1653 und ein Eggenbergergroschen 1677 und ein derlei Thaler),
dann Salzburg, Kärnten, Görz, Tirol (56 Stk.), vorzüglich Ungern
(83), Böhmen (90); eine kleine aber interessante Reihe von Brac
teaten und den friesacher Schröttlingen des 13. Jahrhundertes
hebt sich darin ab; endlich ist Venedig durch 140 grössere und
kleinere Stücke aus seiner freien, seiner französischen und öster
reichischen Zeit repräsentirt. Nun folgt das übrige Deutschland,
dessen geistliche Fürsten und Städte in mehr als 500 Stück, die
Schweiz (über 60); ferner Dänemark, Schweden, Russland, Polen,
England, Frankreieh, Belgien, Spanien, Portugall, Italien,
Griechenland, Türkei, China, Buenos-Ayres, Bolivar, Mexiko.
Einige Fälschungen sind besonders zusammengelegt, von den
schönsten Medaillen galvanoplastische Abgüsse Schmit-Tavera’s
beigegeben. Endlich begleiten einige Papiergeldstücke diese seit
zwanzig Jahren zu Bruck und (Этätz angelegte und von Сонет
häufig benützte Sammlung.
Professor Dr. Mathias Robitsch, der Entdecker des spät
keltischen judenburger Wagens, ist ebenfalls im Besitze einer
seit zwanzig Jahren angelegten Münzensammlung, welche die
Höhe von 300 Stück nicht überschreitet und dem eigentlichen
Zwecke dient, den Vortrag der Kirchengeschichte auf der
theologischen Facultät der grätzer Hochschule durch Vorwei
sung der Münzen aus der römischen Kaiserzeit zu beleuchten.
Es ist dieses Unternehmen um so lobenswerther, als der in die
Seelsorge tretende Geistliche in unserem Lande doch noch ziem
lich häufig in die Lage kömmt, seinen Sinn und sein Verständniss
für dergleichen Denkmale des Altherthums bei vorkommenden
Funden zu bethätigen. Die genannte Sammlung enthält auch zwei
keltische Silbermünzen, deren eine aus Streitfeld ihren Fund
genossen im königlich-preussischen Cabinete zu Berlin hat. Wir
kommen auf beide ausführlicher zurück.
Das fürstliche Knabenseminar Augustineum am Graben
enthält eine Sammlung antiker Münzen, welche um 1853 durch
Oberlieutenant Rabl dahin gekommen und gelegentlich auch
durch neuere vermehrt worden sind. Hier erwähnen wir auch
der schönen griechischen, römischen und neueren Stücke,
welche der Inhaber der Bondi’schen Knabenerziehungs -Anstalt
J. Seidl besitzt.
I/Venngleich des Marquis Joseph von Selliers ­Moranville
vorzügliche Thalersammlung zu “Леn (\/Vieden) ausserhalb
unseres Bereiches liegt, so erlaubt uns doch der Umstand,
dass der knnstsinnige Sammler, auch in Grätz ansässig, hier
90

derlei Schätze gewinnt, mit der Landessammlung viel im Tausch


verkehr steht und endlich eine speciel steierische Partie besitzt,
die Andeutung , dass die seit 15 Jahren fortgeführte Sammlung
auf 2600 Stück Thaler bis auf Leopold II. sich beläuft und die
Gebiete von Oesterreich mit allen Provinzen umschliesst. Die
seltensten Stücke: Grätzer Stadtthaler, dreifach; Ulrich von
Eggenberg, Doppelthaler 1629, einfacher 1630; Johann Anton,
Doppelthaler; Dietrichstein -Vermälungsthaler; Ferdinand II.,
Zwie- und Dreithaler 1630, 1629, u. a.
Den _Handel mit Münzstücken anbelangend ist derselbe
eben nur in der Hauptstadt des Landes zu einiger ständiger Be
deutung gelangt. Nur hier in der Regel pflegt neben der Silber
und Goldwaare auch deren Alter und Form geschätzt zu werden
und so kömmt es denn, dass unsere Banquiers- und Wechsel
stuben in ihren Reverberen neben den Papiereíïecten auch
alte Thaler- und Dukatenstücke , Klippenformen, merkwürdige
Medaillen und rare Denkpfennige zu zeigen pflegen. Im Gewöhn
lichen geht dieser Zweig der Handelsthätigkeit über die eigene
Anwerbung und den Verkauf einzelner oder mehrerer Stücke
neuerer Zeit nicht hinaus; es werden aber auch Geschäfte mit
auswärtigen Münzhändlern auf Plätzen wie Wien, Pest, Nürn
berg, Augsburg, Berlin u. s. w. eingeleitet und abgeschlossen,
wol auch ausnamsweise Sammlungen eines Landes im Ganzen
erworben. Während Dr. Alexander Volpi, angeblich im­Besitze
einer stets wachsenden Sammlung von 20.000 Stück (?) Münzen,
das Land, ansschliesslich auf archaeologische Geschäfte absehend,
bereisete und bereist und fast keinem der einheimischen Samm
ler eine unbekannte Firma- ist, der endlich auf untersteierischem
Fundboden äusserst günstig zu kaufen verstand, kennen wir in
Grätz an ansehnlich etablirten Handelshäusern Titus Koppitsch,
Ecker, Neuhold und Morocutti, welche (wie vormal das Haus
Schosserer) Kennern und Freunden von Münzen stets er
wünschte Gelegenheit für Beschau und Sammlungsbereiche
rung bieten.
~ Für die Abformung von Münzen und Medaillen und für
die lehrreiche Erweiterung einzelner Sammlungen durch gelun
gene Copien hat Dr. Karl Schrnit Ritter von Tavera, wie auch
der Landesarchaeolog K. Haas seit 1860 sehr Erhebliches ge
leistet. .Der Erstgenannte erörterte seine im Grossen betriebene
Methode durch einen Vortrag in der 11. Generalversammlung
des Geschichtvereines (Mitth. X. 85). Danach geben Wachs,
Stearin, Colophonium, Guttapercha, Pech und Leinöl das geeig
netste Material für die Matrizen ,V aus welchen durch galvano
91

plastische Behandlung ein täuschend ähnliches Abbild hervor


geht, welches mit seiner Bleifüllung und Randverbindung für
die Avers- und Reversseite vom Originale oft nur durch Klang
und Gewicht sich unterscheidet. In ihren später errichteten
Giessereien und galvanoplastischen Anstalten erzeugten die Ge
nannten eine grosse Menge von antiken und modernen Schau
stücken, sowol einseitigen als doppelseitigen; insbesondere ist
der Medaillon K. Friedrichs IV., wie ihn das Antikencabinet des
Joanneums aufweiset, in höchst gelungener Weise wiederholt
worden. Dem Sammler sind nachgeformte Stücke wie falsche
(welche unter solchen Vorbedingungen äusserst leicht hergestellt
werden) immerhin erwerbenswerth , dafern er sich mit dem
Stanniol, das man mit Finger oder Bürste auf die Münzfläche
drückt und dann mit Wachs oder Lack ausgiesst, nicht mehr
genügen lassen sollte. Eine reiche Auswahl von Joanneums
Sammelstücken ist- auf diese Weise, und nicht eben zum Schaden
des Originales, in den Handel gekommen. (Vgl. Num. Ztg. 1839.
110;- 198.) '
Sollen wir endlich über die Reinigung alter Münzen von
Grünspan (edlem Rost, aerugo nobilis *) und Schmutz sprechen,
so räth der Landeseonservator für Steiermark, Director J. Schei
ger (Mitth.VI[. 102), zur Befreiung von Grünspan und anderem
Schmutze entweder nicht gar zu langes Aussieden in einer
Mischung von Alaun und Weinstein (auch von letzterem allein)
mit Wasser, Weichen in sehr verdünnter Salzsäure, oder end
lich Eintauchen in geschmolzenes Blei (die complicirteste dieser
drei Operationen). Bis zur Unkenntlichkeit mit Grünspan über
zogene Münzen werden von demselben durch das Aussieden
leichter gereinigt, wenn man sie vorher über Kohlensäure
stark erhitzt, nicht aber ausgeglüht hat. Dr. Hönisch gibt

*) Die eigentliche Patina unterscheidet sich vom Grünspan dadurch, dass sie
in der Regel nur auf Gegenständen von sehr hohem Alter, besonders
Broncegegenständen vorkömmt, dass sie ebenfalls in der Regel eine
glänzende und harte Oberfläche hat, während der Grünspan gewöhnlich
rauher, weicher und gleichsam schmierig ist, endlich dadurch, dass sie von
wenig lebhafter Farbe ist (meergrün, dunkelgrün und beinahe schwarz
kömmt am häufigsten vor), wogegen der Grünspan ein dunkles, lgbhaftes
Grasgrün zeigt, endlich dass sie nicht wie der Grünspan zerstörend
weiter frisst. Ein im künstlichen Wege schwer zu erzeugender Stoff, gilt
sie als beinahe untrügliches Kennzeichen des höheren Alterthums der
- von ihr bedeckten Gegenstände, und hat sich daher bei den Alterthums
freunden ein Gewohnheitsrecht auf Schutz erworben , darf daher nicht ent
fernt werden. (Mìtth. VII. 101.) Doch ist überflüssiges Restauriren, wie
Göthe sagt, nicht allein unnütz, sondern wirklich tadelnswerth.
92

seinen Münzen durch Reiben mit einem Glycerinfett ein glän


zendes Aussehen. Im Joanneum ­ Cabinete ist zumeist das
Putzen mit Bürsten eingeführt; in seltenen Fällen greift man
zur Säure.
Nächst Nachbildung und Reinigung ist die Fälschung beach
tenswerth. Es genüge hier nach dem Hinweise auf die antiken
Fälschungen (Subäratmünzen) und die grosse Becker’sche Kunst
fabrik Pratobevera’s Worte anzuziehen. ,Die meisten verfälsch
ten Münzen sind gegossen, was mit wenig Ausnahmen bei den
echten nicht vorkommt. In diesem Falle ist die I-nterschei­
dung leicht, denn der Guss macht die sonst glatten Stellen wie
griesig, die Buchstaben, Haare und anderen fein gehaltenen
Theile treten minder scharf hervor und die Ränder sind augen
fällig mit der Feile abgerundet. Auch vergoldet man sie häufig,
um die Gussbläschen dadurch zu verdecken. Eine gemeine echte
Münze wird durch Umänderung der Schrift auf der Kopfseite in
eine seltene verwandelt, welcher Betrug sich aber durch die
dabei entstandene Ungleichheit in der Grösse und Stellung der
Buchstaben verräth. Manchmal werden Vor- und Rückseite von
zwei verschiedenen Stücken zu Einem vereinigt; dieser Zwitter
kann aber die Spuren seiner Zusammenkittung nie ganz verber
gen. Geprägte falsche Münzen haben gerne auífallende Vor
stellungen, welche bei echten nie vorkommen, auch sind sie zu
weilen durch Fehler in den Umsehriften markirt. Oft werden
Kupfermünzen zum Kaufe angeboten, welche wegen des glän
zenden Firnisses, mit dem sie überzogen sind,Verdacht erwecken,
aber in der Regel sind das nur unglückliche Versuche von
Sammlern, die Schönheit ihrer echten Exemplare zu erhöhen;
Fälscher vermeiden es, den Münzen ein so auffallendes Ansehen
von- Neuheit zu geben. Am schwierigsten bleibt die Unterschei
dung solcher, welche genau nach schon bekannten seltenen
Stücken gearbeitet sind, da auch ausgezeichnete Künstler, und
zwar -nicht immer aus Gewinnsucht , sondern zum Beweise ihrer
besonderen Geschicklichkeit die Stempel dazu anfertigten. Hier
hilft nichts, als möglichst viele echte gesehen zu haben, mit
einem Worte , Erfahrung und dazu Unbefangenheit, um sich
nicht selbst durch die Sucht nach Besonderem Täuschungen zu
bereitenf `Nach diesen Andeutungen setzen wir unsere VVande­
rung im Lande fort. ‘
Das Schicksal der Sammlung des Benediktiuerstiftes St.
Lambrecht haben wir schon oben erfahren. Es kömmt hier nur
zu bemerken, dass bei Aufhebung des -Klosters die Regierung
nebst einem Theile der Münzen auch die Verzeichnisse und
I

93

Hilfswerke an sich nahm und seit jener Zeit , obwol Funde im


Orte selbst, bei St. Blasen, Einöd und Georgen nächst Neumarkt
dazu einluden , ein Münz- oder Antikencabinet im Kloster nicht
wieder eingerichtet worden ist.
Das schon von Maximilian’s Sinn für Alterthümer ausge
zeichnete Leibnitz galt bereits vor zweihundert Jahren für
das unzweifelhafte Mureola und auf Merian’s Karte (1649) ist
auch dieser Stadtname gleich über Leibnitz verzeichnet. Sowie
Arnfels für ein altes Arubia galt, so suchte man Solva oder Sol
vense unter Anderem auch zu Friedberg, welches Einigen nach
Lazius wieder für ein altes Cardobanc galt. Sala, gleichfalls hier
vermutet, fanden Andere wieder bei Fürstenfeld. Und so stund man
aller Orten rathlos. Noch mit Ausgang des vorigen Jahrhundertes,
nachdem die Militärlager das von Türkenrossehufen bestampfte
Feld vielseitig aufgewühlt hatten, klagt Kindermann, dass für
eine planmässige Abgrabung der, reiche Alterthümer bergenden
Hügel nichts geschehen. Alle Funde kämen nur von Ungefähr
und es sei entweder die Zeit des Schatzgrabens vorüber oder
sie käme erst recht. Wie bekannt, war das leibnitzer Feld
bis 1783 noch ganz Haide ; wo jetzt die­ Linde im Felde
bei Neugralla, stund damals die zerfallende Rupertuskirche.
Wenige Jahre später ward Spaten und Schaufel thäti g, das Erd
reich schien förmlich umgedeckt. Die Kriegsläuftc liessen aber
vielleicht doch für ein planmässiges Graben der Zeit zu wenig
übrig. Gleichwol erwarb der Reisende Sartori (1807) von Be
wohnern der Umgebung, drei Jahre nachdem ein Hügel nächst
Leibnitz neuerdings viele Münzen gezollt hatte, wie er schreibt:
,Ein Stück von Verus, 1 von Caracalla, 1 von Alexander Se
verus, 1 Stück von Mammaea, Mutter des Alexander Severus,
4 Stück von Gallienus, 1 von Salonina Gallieni, 7 von Claudius
Gothicus , 1 V0n Aurelianus, 2 Stück von Probus ,' 1 Stück von
Maximinus Daza, 4 von Licinius senior, 7 von Constantinus
magnus, 3 Stück aus Constantins des Grossen Zeit , 1 Stück der
Fausta Constantini magni, 1 Stück von Crispus, 3 Stück von Con
stantinus junior, 5 von Constans, 15 Stücke von Constantius II.,
1 Stück von Constantius Gallus, 1 Stück von Julianus Apostata,
1 von Valentinianus senior, 6 Stück von Valens, 1 Stück von
Gratian.' Im Frieden darauf liess es der Aberglaube mancher
Dorfbewohner nicht zu, die Gräber der ,pestversehrten Vor
fahren‘ zu eröffnen. So gruben nur bei Mondlicht auf Münzen
der ehemalige Dechant Joseph Prechler und Hauptmann von
Renz mit Mannen seiner Compagnie (schon 1804). Bischof
Graf Arco interessirte sich aber lebhaft für die Aufdeckung
94

der Gräberreihe und liess die Forsehungen auf eigene Kosten


fortsetzen. Dr. Moser trug seit 1810 viele Münzdenkmale zu
sammen. Selbst Sammler wie Kaspar Harb und Anton Braun,
deren Thätigkeit wir sogleich eingehender würdigen , ent
nahmen ihre Schätze den Ruinen einer, dem Namen nach nur
geahnten Römerstadt.
Erst durch die Thätigkeit des historischen Vereines für
Innerösterreich und im Besonderen durch den Forschersinn
R. Knabl’s ward aus der Fülle aufgedeckter Denkmale, unter
welchen die numismatischen keine unbedeutende Rolle spielen,
der Beweis hergestellt, dass an Stelle und in Benachbarung
von Leibnitz das Flavium Solvense oder die Solva Flavia des
Plinius gestanden habe. Von der vor Zeiten mehr östlich
iliessenden Mur in einem weiteren Bogen umströmt, in Süd und
Wен von der Sulm und im Nord durch die Stadtmauer be
gränzt, war die von Kelten gegründete Stadt, erneuert durch
Vespasian , Titus oder Domitian , der Sitz von Magistrats
decurionen , Duumviren, Aedilen, später des Legionspräfecten;
die Handelschaft blühete, die Bildnerei in Stein, Glas, Thon und
Edelmetallen ward lebhaft gepflegt; die Solvenser hatten ihre
Tempel, Gladiatorenspiele, Tänze, und sahen noch im fünften
Jahrjunderte Lehre und Gesittung des Nazareners hereindringen.
Im Mittelalter verkam die in italisch ­ reizender Ebene gelegene
Stätte als die Stadt ad Sulpam oder Zulp, während weiter ober
halb in der Ebene vor dem fernsichtbaren Gessacus (?) die An
siedelung am Grätzbache an Bedeutung gewann. Der schon im
13. Jahrhunderte als ein alter genannte seckauer Thurm (turris
antiqua in castro Leibentz, fast ganz aus Römersteinen zusammen
gesetzt) mag bei seinem Bane viel zur Aufdeckung alter Meissel-
werke und auch häufiger Münzen beigetragen haben. Aber was
seit einer Reihe von Jahrhunderten alljährlich bei Ausrodung
der nahen Wälder und Wäldehen, besonders auf dem westlichen
Höhenzuge, beim Umpflügen der Aecker, beim Baue der Häuser
und selbst nach Wasserdünnen aufgefunden ward (mit keltischen
Broncearmringen , Henkelkrügen und allerlei anderen Gefässen,
Nadeln, Ringen, Schliessen, Lötfeln, Geschirren von Roth- und
Schwarzthon, Helmen, Meilensteinen, Pfannen, Handmühlsteinen,
Gemmen, Dolchen, Pferdegebissen, Lanzen, Ketten, Schalen,
Wandmalereien und Mosaiken unzälige Münzen), mag ursprüng
lich nach dem Stammsitz der Pettauer,wol auch in die erzbischöf
liche Residenz nach Salzburg gewandert, übrigens nicht minder

*) Abbildungen in ,Schriften des hist. Ver. f. I. Ое. 1848. 1.‘


95

durch die gelehrten und reichen Theilnehmer der hiesigen häuñ


gen Kirchensynoden fortgenommen worden sein. Plünderungen
und Kriegszufálle durch die albertinischen Mannen (1392), die
Ungern (1470-79), die Freibauern (1515 und 1516), Türken
(1529), reisende Juden und Goldschmiede verstreuten und um
wandelten die Münzdenkmäler. Der Bauer, der hier oft aus wol
geformten Aschenbehältern seine Hausthiere ernährt und hin
wieder auf einer Ara im Wiesengärtehen sein Vesperbrot ein
nimmt, pflegt das ,alte Geld‘, insoferne es bloss Kupfer ist, wieder
wegzuwerfen, nur für Sammler, die sich denn doch hie und da
anmelden, werden einige Stücke nach Hause getragen. Das Sil
ber ward nicht selten für Westenknöpfe umgegossen; das Gold
stück blieb als Pathengeschenk und wol auch als Amulet hoch­
gehalten im Hause. Noch ist gegenwärtig der Sinn für Handels
vortheil wenig in diesen Gau gedrungen; um wenige Kreuzer
noch immer eine Hand voll ,alten Geldes‘,zu bekommen. Die
Verzeichnisse der Sammler bilden daher einen höchst idylli
schen Gegensatz zu Mionnet’s und Cohen’s überschwänglichen
Preistarifen.
Seiner Erstreckung nach reicht hier der Münzschatz von
der ältesten keltischen Zeit, nicht so reichhaltig zwar wie im
Gebiete der Celeja , bis in die späteste Kaiserzeit und zwar mit
dem zehnten Jahrhunderte abschliessend. Während der numis
matische Schatz aus der republikanischen Zeit nur spärlich ein
gedrungen ist (etwa Asinia, Cassia, Coelia, Cornelia, Crepusia,
Furia, Julia, Luria, Maecilia, Porcia, Sanguinia), wies die ganze
Kaiserzeit bis jüngstens nur zwei erhebliche Lücken in des ersten
Jahrhundertes dritter und vierter Decade und in des fünften
erster, zweiter, vierter auf; von der neunten ab mangeln nun
vollständig das sechste bis zum neunten Jahrhunderte , welches
letztere nur ein Leo VI. repräsentirt. Die Dichte der Funde,
in denen zwischen beiden Extremen von Gold und Bronce das
Silber den Mittelweg geht, muss zwar nach Tausenden bemessen
werden (,innumera caesamm numismata, teste Puschio‘, sagt schon
Caesar I. 46), doch steht in diesem Belange die Ergiebigkeit des
alten Petovium ganz entschieden obenan.
Die Fundorte drängen sich zusammen um das DorfWagna
zu beiden Uferseiten der Sulm, um das Dorf Landscha an beiden
Murseiten, herauf gen Gabersdorf, Neudorf, Saiach, Laubegg,
Ragnitz , von hier über die Mur herüber gen Lebring und Ober
tillmitsch. Dann geht die Reihe südwärts nach den Höhen herab,
hier sind das Slavendorf Jös, Lang, Maxlon, Schloss Seckau und
der Frauenberg bemerkenswert. Was innerhalb dieses Umkreises
96

liegt, Ober- und Unter-Gralla, Hasendorf, Kaindorf, Leibnitz,


Altenmarkt und Leitring scheint je südlicher gelegen, der numis
matischen Quelle um so näher zu sein. Uebrigens versiegt der
Bronnen auch gen Vogau, St. Veit, Strass und Mureck hinab
noch nicht und greift natürlich auch sporadisch in die Umgebung
aus nach Arnfels, Grossflorian (wo das um Steiermark hochverdiente
Haus Unger mit Eifer sammelte), Ehrenhausen, Gamlitz, Grotten
hofen, Sausal, bis herauf gen Stainz, St. Stephan im Rosen
thale und St. Stephan ob Stainz , Gross- und Kleinsulz , Wildon
(alter Römerthurm). Interessant ist, dass in der Umgebung der
Landschabrücke bei niederem Wasserstande Münzen zum Vor
scheine kommen, welche bis Constantin den Grossen reichen,
über ihn aber durchweg nicht hinausgehen. Bis zur constantini
schen Zeit fester Boden, muss dieses Gebiet - so schliesst Dr.
Knabl (Mitth. IIl. 119) - von da ab dem Murgewässer anheim
gefallen sein. Sonach wäre im angeschwemmten Boden (Neu
bildung) des 4. oder 5. Jahrhundertes nach Chr.) von Strass süd
“мы bis Radkersburg schwerlich ein gar alter Münzenschatz zu
finden ; doch sind auch Stücke von Gratianus, Theodosius, Hono
rius, wie sie Knabl zur geschichtlichen Begründung der Annahme
eines jüngeren Bestandes der ratschendorfer Hügel fordert, noch
nicht zum Vorscheine gekommen.
Es läge sehr nahe, im Eigenthume der Bischöfe von Seckau,
als der unmittelbaren Nachfolger der Erzbischöfe von Salzburg,
neben der seit Bischof Martin im 16. Jahrhunderte gegründeten
Bibliothek eine mit Glück fortgeführte Sammlung keltischer
und römischer Anticaglien und Münzen zu suchen. Aber weder
von den Bischöfen, deren doch einige die Wissenschaft förderten,
noch von deren Castellanen (Burggrafen, Schlosshauptleuten) und
den salzburgischen Vicedomen ist dergleichen berichtet worden.
Ueberhaupt aber kann, wäre selbst die nach der josephinischen
Zeit durch Laienhände verschleuderte Sammlung von Antiken
zalreicher gewesen, von einer das Flavium Solvense halbwegs
repräsentirenden Sammlung erst seit dem dritten Jahrzehent
unseres Jahrhundertes gesprochen werden. ,Früher hat hier‘
-­ um K. Harb’s “Torte zu gebrauchen ——- ,keine ordnende
Hand sich geregt ‚ ward nicht Liebe für die Geschichte des
Landes erregt.‘
Als der erste systematische Sammler der leibnitzer Münz
schätze, seitdem das Joanneum das wissenschaftlicheBeispiel
aufgestellt hatte, gilt Kaspar Harb. Geboren zu Grätz am
24. Juni 1800, gebildet am Gymnasium und der Universität sei
ner Vaterstadt und-­ëQÍt——erster .Jugendzeìt dem Studium der Ge
- ‚‘‚Р.г-; ; ".‘~f-:-­-.=

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97

schichte und ihrer Hilfswissenschaften zugewendet, hater, seit


1826 Justiziär zu Seckau , hierselbst das rühmenswerthe Unter
nehmen ausgeführt, die 1827-35 aus dem Schutte des (schon
1814 theilweisc abgetragenen) seckauer Thurmes herausgenom
menen Inschrift- und Reliefsteine auf der grossen Schlossmauer
zu sammeln und der öffentlichen Schau zugänglich zu machen.
Mit ungemeinem Fleisse, dem die örtlichen Umstände ausser
ordentlich zu Statten kamen, gewann er einen Schatz von Mün
zen, welcher zuletzt auf 640 antike und 1509 moderne sich be
ziíferte. In der ersten Reihe sind- nebst altgriechischen u. a. 16
Consularstücke von ebensovielen Familien und über 600 Kaiser
münzen von 110 Namen aus den ersten Zeiten bis Romanus
Agyros 1034 (4 Gold, 108 Silber, 527 Erz); darunter als selten
Licinius Macer (S.),
ein Hostilianus Constantius Philipp
auf Viminacium, ChlorusIV.
(S. von
Virtus milit.), Aure
Makedonien

lius Severus Genio pop. rom.), Vetranio Concordia),


Leo VI. Sapiens , Marc. Aurelius Profeetio und Germ.
Sarm. )( Liberalitas , Lucilla Veri (S. Pudicitia), Commodus (S.
Cos. VI.), Clodius Albinus (S. Minerva und E. Felicitas), Cara
calla (S. Mars), Orbiana Alexandri Er schöpfte hauptsächlich
aus den Fundorten Wagna, Leitring, Seckau, Jös, Aflenz, Strass
und Vogau, Frauenberg, Langg, Gralla; von diesen am ergiebig
sten aus Wagna (über 300 Stück, darunter am dichtesten Clau
dius Gothicus und Constantinus M.); aber auch aus anderen
steierischen Stätten wie Cili, Mureck, Mürzzuschlag, Videm,
St. Georgen an der Stiefing, Haidin, Windischfeistritz, Pettau,
St. Margarethen bei Pettau, Hengsberg, Gleisdorf; endlich
aus dem kärntischen Zollfelde, aus Ungern und Croatien,
Dalmatien, Istrien, Italien flossen Schätze zu. Sein hand
schriftlieher ,Cathalogus numorum graecorum et romanorum
гей temporis. Collectionis totius I. volumen. Graecii 1848‘,
welcher in der Vorrede auf eine spätere Benützung zu münz
topographischen Zwecken vorsieht, verzeichnet und beschreibt
den ganzen Münzenschatz mit grosser Umsicht und Kennt
niss in Betreff Avers- und Reversinschrift, dann deren Typen,
in Bezug auf Metall, Grösse, Jahr, Seltenheit und Fundort,
nicht selten auch in Bezug auf den früheren Besitzer. Sehr
wichtig ist der Umstand, dass Harb nicht eine einzige Consular
münze aus Steiermark verzeichnet, eine grössere Anzal von
Consularstücken, die man als steierischem Funde angehörig ange
nommen hat, daher mindestens zweifelhaft wird. Dem Gedächt
nisse und dem guten Glauben der Münzensammler zum Trotze
ist das immerhin möglich. Die Reihe der neueren Münzen beginnt
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in Harb’s Sammlung mit dem römisch- deutschen Kaiserthume,


breitet sich dann über die österreichischen Theilländer aus, umfasst
ferner Deutschland in allen seinen Gebieten und die europäischen
Reiche, von Ost nach Nord, West, Süd übergehend, und schliesst
mit der Vertretung aussereuropäischer Länder. Am Ende stehen
die (215) Gedächtnissmünzen. Die steierische Sonderreihe steht in
der Höhe von 85 Stück (Erzherzog Karl bis Maria Theresia 1764).
Auch über diese Abtheilung handelt ein genaues ,Verzeiclmiss der
Münzen- und Medaillensammlung‘, welches über den Abschluss
von 1848 hinaus fortgesetzt ist. - Seit 1829 mit dem Joanneum
in Verbindung getreten, vermehrte Harb auch allenthalben dessen
Sammlungen und wirkte eifrig als Vertreter des historischen
Vereines. Für denselben schrieb er ,Ueber den Ursprung mehrer
steierischerOrtsnamen‘(1846 Hs.); ,Kaiser Joseph II. in Leibnitz‘,
sowie ,Leibnitz und seine Umgebung in topogra hisch­histori­
scher Beziehung‘ (Mitth. I. 145 und IV. 159). Seit Mai 1836
von Leibnitz nach zehnjährigem Aufenthalt nach Thalerhof als
Ortsrichter und Bezirkscommissär übersetzt, von dort 1850 nach
Eibiswald, kam Harb im Feber 1851 nach Grätz. Später (1854)
als Bezirksvorsteher zu Hartberg ansässig, welches für das alte
Eorta oder Heorta Strabo`s gehalten wurde , angeblich gleich
Kapfenberg (Capedunum) ein Ansitz der Scordisker, sammelte
er auch noch in dieser an Römersteinen und selbst an keltischen
Münzen nicht armen Gegend, und starb am 28. November 1861
in dem numismatischen Vororte Leibnitz. Sein Leben beleuchtete
und würdigte in des Gesehichtvereines Generalversammlung sein
Freund Dr. Knabl.
Hauptmann Anton Braun, seit 1830 in Pension zu Leibnitz
lebend, kann als der Nachfolger Harb’s und der vorzüglichste
Repräsentant des leibnitzer Münzflores betrachtet werden. Mähre
von Geburt (geb. zu Neudorf 1791), als Zögling der neustädter
Akademie 1808 ausgemustert, machte er mit dem Deutschmeister
Infanterie-Regimente Nro. 4 die Feldzüge von 1809, 1813-15
mit, ward bei Leipzig verwundet, zog 1821 bis Neapel, trat dann
zum Regimente Kinsky über und ward, verdienstvoll thätig ge
wesen als Adjutant des FML. Marschal, des GM. Klopstein und
geschmückt mit dem metallenen Armeekreuz, 1830 pensionirt.
Durch seine Reisen in das Herz Deutschland’s, nach Ungern, nach
Italien, wo er die Kunstschätze von Florenz und die ausgegrabene
Pracht Herkulaneum’s und Pompeji’s sah, hatte er Vorliebe für
die Sammlung historischer Merkwürdigkeiten gefasst, und wo
winkte ihm wel reicherer Zuwuchs als auf dem klassischen Boden
Solva’s ? Mehr als dreiunddreissig Jahre spürte er den unschein
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barsten Ausgrabungsstücken von Altenmarkt, Leitring, dem


Frauenberge, ganz besonders aber um Schloss und Dorf Wagna
nach. Mit Wartingern und noch mit Pratobevera am Joanneum
im eifrigsten Tauschverkehre, ebenso mit Harb, Dr. Knabl, Collin,
Seidl, hat Braun erst in weiteren Kreisen den archaeologischen
Reichthum seines Gebietes bekannt gemacht. Selbst Th. Momm
sen hat sich seiner Mittheilungen bedient, und beruft sich auf ihn
in Betreff des lemberger Fundes (Gesch. d. röm. Mw. 695 A.
97 vgl. Seidl Beitr. II. 221). Der steten Vervollständigung seiner,
auch allerlei Anticaglien umfassenden Sammlung und deren ge
nauer Verzeichnung sich Widmend, starb der vierundsiebzig­
jährige, übrigens noch merkwürdig rüstige, freundliche Mann
in seinem Hause nächst dem Kapuzinerkloster Nr. 84 (Thor
jahrzal1527) am 1. September 1864. Seine Münzensammlung
enthält über 4800 Stück und zwar etwa 1225 antike, 3309
moderne Münzen und 345 Medaillen. Die Reihe der ersteren be
steht aus 4 keltischen, 54 Consularen (50 S. 4 von 40 Fa
milien; der Kaiserzeit bleiben über 1100 Stück. Die Reihe der
neueren Münzen umfasst 17 Stück in Gold, 1760 in Silber,
1527 in Kupfer, 5 in Blei und ist hierin besonders hervorzuheben
die Dogen-Reihe, 56 Namen von 1205-1791 in 81 St. (51 S.
30 darunter ein Carlo Contarini (1655-56), viele doppelt
und dreifach besetzt; ferner der österreichische Staat seit K. Ru
dolph I. abgegränzt, die steierische Reihe mit der Zinncopie der
reuner Medaille von Abt M. Gülger (1610), die aussereuropäische
Reihe mit China, Persien, Indien, Bolivia, Nordamerikanische
Staaten, Mexiko, Peru, Brasilien, St. Helena, Cayenne, Buenos
Ayres. Die Medaillen endlich (111 Silber, 75 Kupfer, 58 Britania,
97 Zinn, 4 Blei u. A.) betreffen Geburt, Heurat, Genesung,
Huldigung, Krönung, Krieg, Frieden, Tod. Ausser einer kleinen
Sammlung von Papiergeldern hinterliess Braun auch einen mit
grossem Fleisse und voller Verlässlichkeit gearbeiteten Katalog
seiner Münzensammlung in drei Quartbänden. Es beschreibt der
I. Band das Gebiet der römischen Kaiser-, der griechischen und
Familienmünzen (die barbarisehen werden den griechischen nach
gereiht) in Betreff’ Avers, Revers, Metall, Preis und Herkunft.
Die letzte Rubrik macht den Katalog überhaupt zu einer sehr
werthvollen einheimischen Geschichtsquelle. Denn wiewol auch
Triest, Florenz, Neapel, Pompeji und Aegypten dortselbst ver
treten sind, so überrascht das häufige W(agna),L(andscha), L(eib
nitz), auch Frauenberg, Hummersdorf u. A. auf das Lohnendste.
Der II. Band behandelt die Münzen des österreichischen Staates
und die Medaillen. Steiermark allein ist mit über 80 Stück
7*
100

landesfürstlicher und Familienmünzen vertreten (Bracteat vom


Jagerberg u. A.). Den profanen und religiösen Medaillen
schliessen Spiel- und Rechnenpfennige sich an. Der Ш. Band
endlich beschreibt die Münzen fremder Staaten aller vier
Welttheile. Notate über die Seltenheit und den Werth der
Römermünzen, heraldische Studien, ein Verzeichniss der öster
reichischen Münzstätten, allerlei Regententabellen nebst einer
kaum mehr als Appel’s und Wellenheim’s Werke, sowie Bauer’s
,Neuigkeiten für Münzliebhaber (Nürnberg 1772)‘ enthaltenden
Hilfsbücherei begleiten die Sammlung, deren Verlust f-úr das
Land alsbald mehr als wahrscheinlich wird.
Was aus den Sammelstücken der Hauptleute Renz und
Thomas Kollarz in Leibnitz, welch’ Letzterer die antike Stadt
mauer an der Sulm von Altenmarkt bis gen Leitring aufspürte,
in späterer Zeit geworden, ist nicht berichtet.
Das Schloss Lemberg im Gebiete von Cili, zwischen Weich
selstetten und Neuhaus gelegen, hat seinen Namen für den Fund
geliehen, welcher, eigentlich vom Orte Doberna zu nennen, für
Steiermark von derselben Wichtigkeit ist, wie der podmokler
für Böhmen. Die keltischen Gold-, Silber- und Kupfermünzen,
1829 in einem gebrochenen Topfe von einer halben Mass Inhalt
ausgehoben, wurden hier durch die Bauerschaft gesammelt, theils
nach Schloss Lemberg, theils nach auswärts verkauft und noch
nach fünfzehn Jahren waren acht dieser äusserst merkwürdigen
Münzen, fünf silberne, drei goldene im Sehlosse Lemberg zu
sehen. Für das kaiserliche Cabinet, für das Joanneum und viele
Privatsammler hat dieser Fund schöne Schätze abgegeben. Wir
kommen auf denselben ausführlicher zurück.
Marburg wurde nach Lazius’ Vorgang für Castra Mareena
oder Mariana, auch Marciana Ammiani Marcellini gehalten und
berichtet Merian’s Topographie ,dass viel alte Sachen allda ge
funden werden,‘ wie dessgleichen von Windischgrätz. Ob die
steininschriftlichen Ausgrabungen im Orte selbst und andere zu
Brunndorf, Lembach, Mariarast, Rosswein, Rothwein, Tresternitz,
Schloss Windenau jemals früher den Sammlergeist angeregt
haben, ist ungewiss. Nach Suppantschitseh, welcher hier als
Lehrer wirkte, war es der unablässig und mit einem gewissen
universellen Sinne arbeitende Dr. Rudolph Puff, der Geschicht
schreiber dieser Stadt und vielbewanderte Kenner der Steier
mark, welcher in seinem äusserst sehenswerthen häuslichen
Museum auch den numismatischen Schätzen der Vergangenheit
Aufmerksamkeit schenkte und solche auf anderen Seiten ihnen
mit Eifer zu verschaffen wusste. Leider fehlt uns sowol über
101

diese Sammlung als die kleine Anlage des Klosters nähere


Mittheilung.
Eine geordnete Sammlung zu Mürzzuschlag, wo doch der
bedeutende Fund antiker römischer Kaisermünzen von 1843
nicht ganz vereinzelt dastehen dürfte, ist nicht bekannt worden.
Neuberg im Mürzthale lieferte Gallienus, Claudius Gothicus,
Constans. Im Herbste 1863 wurde eine Sammlung aus Allerhei
ligen bei Kindberg, dem Kaufmanne Cajetan Klein daselbst ge
hörig gewesen, zum Verkaufe gebracht; sie umfasste ganz wenige
antike und über ein Tausend neuere Stücke, darunter viele,
wenngleich nicht seltene Thaler. Auch der steierischen Richtung
war Aufmerksamkeit geschenkt worden. ‚
Murcck, in dessen Nähe, wenn auch weit östlicher, jenes
Mureola gesucht wird, welches Cl. Ptolemaeus um die Mitte des
zweiten Jahrhundertes an die äusserste Gränze zwischen Noricum
und Pannonien setzt, Plinius aber gar nicht kennt, ist nach Dr.
J. Krautgasser’s Forschungen der Mittelpunkt eines Ausgra
bungsgebietes, welches jenes von Leibnitz ganz nahe berührt,
einer Grabhügelreihe, welche gewissermassen die Linie von
Leibnitz bis Radkersburg vollständig herstellt. Labuttendorf nächst
St. Veit am Vogau, Seibersdorf, Streitfeld mit seinen keltischen
Münzen (jüngst ein Severus Alexander), Pichla, Dornfeld mit
seinem römischen Münzschatze im Dornbauer­Garten (gehoben
durch den Stromaufseher Triessnegg), der Necowitzerwald jen
seit der Mur, Ratschendorf, Brunnsee, Zehensdorf, Wittmanns
dorf, Ottersbach, Unterwölling und Mintschdorf dürften auch fer
nerhin ihre alterthümlichen Geschenke zollen. Die Münzen seines
Bereiches sammelte in einer grossartigen Anzal noch bis in die
Sechzigerjahre herein der wissenschaftfreundliche Besitzer der
Rosshofmühle bei Murcck, Ferdinand Sixt, nachdem fast seit
Beginn des Jahrhundertes sein Vater in gleicher Weise thätig
gewesen und 1827 unter Vermittelung des Grafen Franz von
Wurmbrand eine bedeutende Reihe dem Joanneum zur Auswal
überlassen worden war. Die fortgesetzte Sammlung, ebensowol
durch Seltenheiten als den dichten Silberflor überhaupt und schöne
Schaustücke bemerkenswerth, dem Preise nach einer Weingart
Realität gleich, ward 1862 nach Wien verkauft und so ein wichtiger
Schatz, fast ohne Aussicht ihn je wieder nur bezeichnen zu kön
nen, dem Lande entfremdet. Uebrigens sammelt der Genannte
auch zum wiederholten Male fort. Wir nennen hier noch die in
Anlage begriffene Sammlung des Ritters von Steinberg (Con
stantiner aus Leibnitz), des k. k. Notars Kircher, die Sammlung
des Verwalters in Mallegg und jene des Bezirksvorstehers in St.
102

Leonhard, welche alle den Vorzug vorwiegend vater1ändischerPro


venienz haben. Am weitesten ausgreifend, aber zumeist in Italien
und vorzüglich in Sicilien gesammelt, ist die Collection griechi
scher, grossgriechiseher und consularer Gold- und Silbermünzen,
welche, ein Lieblingsschatz des verstorbenen Herzoges von Berry,
in Verein mit kostbaren numismatischen Werken sich derzeit zu
Brunnsee befindet und durch die Vorsorge der Herzogin-Wittwe
einer neuen Aufstellung und Ordnung unterzogen wird.
Im nahen Strass, Fundort von Römersteinen, sammelte bis
jüngst der Schulenkatechet für das laibacher Museum; ebendort
der Gerichtsadjunkt Koch. Eine Vereinigung der Sammlungen
dieses Fundgebietes würde sehr lehrreich sein.
Pettau allein ist neben Cili seit je mit Richtigkeit von den
Archaeologen für das gehalten worden, was es ist, das alte Peto
vium. Erst seit dem Wiedererwachen historischen Sinnes in den
vierziger Jahren gründlicher durchforscht, früher - nahe dem
häufig benützten Lagerplatze österreichischer Truppen -— mehr
durchwühlt als einheitlich untersucht, von Dr. Okorn, Mühlibach
zur Hormayr’schen Anregungszeit, insbesondere aber von Povo­
den mit Vorliebe ausgespürt, war es selbst zu Kindermann’s,
Mayer’s und Katancsich’s Zeiten (1782-—1794) noch wenig
als ergiebig an Alterthümern bekannt. Nach Lazius berichtet
dennoch Merian’s Topographie (1649) von den Antiquitäten die
ser Stadt, welche zu allen Zeiten den Bewohnern in die Hände
wanderten. Die alte Keltenstadt, nicht jünger als die ewige Roma,
beherrschte, hauptsächlich durch Trajan gehoben (Colonia Ulpia
Trajana, Ulpia Pœtoviensis), auch noch in späteren Römerzeiten
das linke Drauufer, imponirend durch ihren Kaiserpalast auf dem
Schlossberge. Je nach Verrückung der Grenzlinie bald eine
norische, bald eine pannonische Stadt, ging sie östlich über die
jetzige Kanischa­Vorstadt, westlich bis Weitschach, südlich am
rechten Drauufer bis Haidin und war von Villen auf dem Berg
kranze umgeben. An der Strasse zu den aquis vivis bei Thurnisch
stund ein zweiter Kaiserpalast, wo 354 Kaiser Gallus, ahnungslos
wie ein früher Wallenstein, ergriffen ward, um nach Flamona
zum Tode geschleppt zu werden. (Ara im Joanneum.) Zu Haidin
stund ein Isistempel, dessen Mauertheile nun die romanische
Martinskirche hält; ein zweiter in der Stadt. Ueber Haidin, Pra
gerhof, Cili ging die aquilejer Strasse, eine zweite über Thurnisch
zu den aquis vivis, eine dritte mehr südöstlich nach Siscia, drei
andere Strecken zogen östlich und nordöstlich der Mur zu, diese
überschreitend und dann fern den Semmeringschluchten in der

*) Siehe Raisp`s Stadtplan.


103

grossen pannonischen Ebene, in welche die Montes Cetii zusam


menhängend hinausblickten , den Donaustätten zustrebend. So
Mittelpunkt zwischen Aquileja und Vindobona, der VIII. Legion
und XIII. Doppellegion Winterlager, durch seiîie Brücke Ober
und Unterland verbindend, Sitz der Quästoren, Aedilen, reich
an Tempeln des Mythras, Seragis u. A., ausgezeichnet durch eine
Art Museum der kaiserlichen tandbilder und der Palastgötter,
ägzäiín irai 1se1n<î1mhI1IâindÄverlî1s­ unc}l1 In1pu1iggsàwese{)i пай Èurch
e an e , ge ie as ure iee isc e i un erü rte eto
vium delîart läeiclhlichâ und biïu einem sagenlâaften Umfang@
von sie en ei en , as nun - seitdem mit Rom unter dem
Petovier Romulus es selber den Völkerwanderungsstürmen erlag
- jeder Bau plastisches, römisches Mauerwerk (wie der des
Friedhofes und der Michaelskirche 1775), Inschrift- und Mühlen
Steine, Marmorsarkopliage, Ziegelgräber mit und ohne Vasen,
Grablampen, Armillarien , Lacrymarien, Fibeln zu Tage bringt.
Wie Venedig aus den Wässern, so steigt Pettau aus antikem
Schutt. Was Wunder, wenn allerorten unversieglicher Münzen
schmuck aus der Erde schimmert und den modernsten Anbeter
der Neuzeit zu einem Freunde der alten Geschlechter und Götter
macht ? Die Haue schlägt nie in die Weinhügel von Vl/'eitsehach
und in die Schollen südlich hinter dem Sehlosse, ohne dass glän
zendes und glanzloses Werthmetall den Wurzeln sich entwindet.
Die Kanischavorstadt, Krottendorf, Ragosnitz, Oberrann und zu
meist die beiden`Haidin, wo das Römermauthgeld einfloss und
der Hügel mit der 1654 erbauten Rochuskapelle - eine klassi
sche Stelle, wo 388 ii. Chr. Theodosius den Gegenkaiser Maxi
mus auf’s Haupt schlug und wo auch Attila (wie irri Sulmthale)
eine seiner zalreichen Grabstätten hat - all’ das sind Quellen,
die der Numismatiker stets mit reichen Früchten verlässt. Diesen
reihen sich im Weiteren an St. Barbara bei Ankenstein, Cirkovec,
Friedau, Luttenberg, Margarethen, Picheldorf, Poppendorf, ÑVin
dischfeistritz und zu äusserst Rohitsch. Kelten, Griechen, Make
donier,Aegypter treten dem Forscher abwechselnd entgegen und
sprechen ihm von der alten, auch als Schiffsstation für Triremen
wichtigen Grossstadt. Das Volk, welches hier den Halsschmuck
von broncedrahtverbundenen Steinen mit je fünf kreisförmig ein
gesprenkelten, hanfkorngrossen Granaten (Fund 1857) hinter
lâsîen, fernders Éíette, Rauten, Ringe, die berühmten negauer
e me aus er ähe - es ist hier auch durch seine Münzen mit
dem Pferde im Reverse vertreten. Was aus Römerzeiten, von
denen Skelette in Sarkophagen oder Ziegelgräbern (Schlossberg
Ostseite 1853, Herrengasse 1857, weitschacher Berg 1855, Ober
104

rann 1858), Stein- und Bleisärge (Grajna in der Kartschowina


1859), Cameen (Opal mit Taube im Joanneum 1827), zalreiche
Gebäudereste und Denk- und Schriftsteine, in trockenen Jahren
aus dem Drauspiegel geheimnissvoll lesbar hervorschimmernd,
sprechen, was aus solchen Zeiten an Münzmalen bekannt worden
ist, lohnt die Aufzeichnung gar sehr. Wenn die Stätte den Rö
mern so wichtig war, dass sie einen Münzprobierer, ex nummu
lariis provinciae Pannoniae superioris hinsetzten in der Person
des Didymus, welchen, einen Freigelassenen der Kaiser L. S.
Severus und M. A. Antoninus Caracalla, ein dortiger Denkstein
nennt, so ist es billig, dass die Neuzeit _ ein später Münzen
besehauer -­ das Amt des Längstverstaubten übernehmend,
mit Schärfe untersuche, was an Gold, Silber, Untererzung,
Erz, Vollwichtigkeit, guter Mischung aus bemeldeter Stadt
vorgebracht wird. Durch die Zeiten der Hunnen, Ostgothen,
Heruler ist zwar manch’ ein alter Schmuck der Stadt für immer
verloren gegangen, den auch Theodorich’s Kunstsinn nicht wieder
herbeigebracht; die Kriegszüge der Slaven, Avaren, Franken
Bulgaren, Magyaren, Türken und Franzosen haben auch dem
Sammler in einer betńìbenden Weise vorgegriffen. Und dennoch
kennt die einheimische Numismatik keinen ergiebigeren Boden als
die Stadt und Umgebung von Pettau. Zur wissenschaftlichen Er
forschung desselben aber haben kenntnissreiche Sammler, unter die
sen obenan Stabsarzt Dr. Hönisch beigetragen. Und so stellt sich
denn das allgemeine Bild fest, dass Pettau den Münzflor aus den
letzten Keltenzeiten, der Epoche der römischen Republik (Asinia,
Cassia, Clovlia, Cordia, Fonteia, Furia, Licinia, Livineia, Luria,
Memmia, Quinctia, Salvia), reichlicher aber jenen der Kaiser
zeit von mehr als fünfzig Herrschern aus dem ersten bis voll
ständig herab über’s dreizehnte Jahrhundert nachweist, einen
Münzflor, welcher um Probus (276-282), Constantinus I. und
seinen Söhnen (303-361) und Valentinianus (364-3 75) am dich
testen wird. Manches dieser historischen Schätze, sagt Raisp in
seiner Geschichte von Pettau, wo er Hönisch’s numismatische
Forschungen zusammenfasst, Manches dieser Schätze hat Wien,
Manches Grätz an sich gezogen, Vieles ging durch Unkenntniss,
Unachtsamkeit oder Muthwillen zu Grunde. Was der Nachwelt
zum Theile durch einheimische Sammler und deren Wirken
erhalten ist, wollen wir unter den Namen Hönisch, Eder, Damisch,
Fürst, Honiek u. A. andeuten.
Johann Hönisch, Doctor der Medicin und Chirurgie, k. k.
Oberstabsarzt, wirkliches Mitglied des historischen Vereines für
Steiermark, und Ehrenbürger der landesfürstlichen Kammerstadt
105

Pettau, 1803 zu Czernovits in der Bukowina geboren, studierend


zu Karlsburg in Siebenbürgen, zu Kaschau und Olmütz, 1832
an der k. k. medicinischen Josephs-Akademie mit dem Doctor
grad ausgezeichnet, ward daselbst durch fünf Jahre Lehrer der
feldärztlichen Zöglinge, ebensolange Prosector Pratobevera sein
Schüler) und ein Jahr Supplent der physiologischen Lehrkanzel.
Im J. 1833 kam derselbe als Regimentsarzt zum k. k. Cü.rassier
Regimente König von Sachsen Nr. 3 und 1842 als Garnisons
Regimentsarzt nach Arad, wo er 1849, während der harten neun
monatlichen Belagerung dieser von herber Пой: heimgesuchten
Veste mit Aufwand seines Vermögens und seiner ärztlichen
Kunst voll Aufopferung thätig, am Kopfe eine bedeutende Be
schädigung erlitt, in deren Nachwehen seine Gesundheit für
immer zerrüttet wurde. In Folge Majestäts-Entschliessung ddo.
“Ива 4. September 1849 wurde derselbe für seine ausgezeich
nete Dienstleistung während der Vertheidigung der Vestung
Arad unter FML. Fr. v. Berger als Chefarzt des Vestungs­
Spitales zum Titularstabsarzt ernannt. Noch in demselben Jahre
kam er als Chefarzt des Invalidenhauses nach Pettau, wo er
von der Bürgergemeinde ,als einen Beweis der Anerkennung
seiner um das Ansehen der Stadt und das Wohl ihrer Angehö
rigen erworbenen Verdienste und des ihm hiefür schuldigen
Dankes‘ unter dem 1. September 1859 das Ehrenbürgerrecht
erhielt. Nach der im Jahre 1860 erfolgten Auflösung des pettauer
Invalidenhauses kam Hönisch in der Eigenschaft als Chefarzt des
Garnisons-Spitales nach Grätz, und ging das folgende Jahr (1861)
nach zurückgelegtem 42jährigen Dienste in den Ruhestand.
Als Schriftsteller durch seine Aufsätze in der zu Pressburg
erschienenen ,Pannonia‘ (1833, 1834), in der ,Wiener medicini
schen Wochenschrift‘, in den ,Mittheilungen der k. k. Central
commission zurvlìrforschung und Erhaltung der Baudenkmale‘,
im Journal ,'I`agespost‘, im Wochenblatte ,Der Aufmerksame‘
(1858, Geschichte des Dominikanerklosters zu Pettau) bekannt,
gegenwärtig arbeitend an einer Biographie W. Lazius’ als ersten
österreichischen Feldarztes, in Pettau der eigentliche Anreger des
wiedergeborenen Sinnes für Kunst und Alterthum, wie auch
der im Sammeln und Verzeichnen unermüdetste Correspondent
des steierischen Geschichtvereines, gilt er für den gewandte­
sten an der Quelle schöpfenden Kenner des alten Münzwesens
von Pettau. Mommsen , im August 1858 die Steiermark
bereisend, hat an der Stelle des alten Petovium den Förderer
archaeologischen Strebens besucht und thut seiner an zweien
Stellen der ,Geschichte des römischen Münzwesens‘ Erwähnung.
106

Die Erstlinge seiner Sammlung fand Dr. Hönisch zu Rust bei


Oedenburg im Jahre 1833, dann zu Theresiopel, wo er beson
ders das Studium Eckhel’s betrieb, zu Arad; zu Pettau end
lich, wo der reichhaltige Schatz aus Römerzeiten fast aus jeder
Handvoll Erde sich aufgräbt und das Jahrncunt 1848-1857
beinahe 4800 antike Münzen zu Tage förderte, stieg die Anzal
der Münzstücke rasch ins Hohe, so dass Dr. Hönisch’s Sammlung
gegenwärtig auf 2000 ausschliesslich römische Stücke sieh be
läuft (4 Gold, 634 Silber, 1362 Erz). Die Ordnung ist
streng nach Eckhel; dem Tauschverkehr mit Generalmajor
Freiherrn von Maretich und dem numismatiseh hochgebildeten
Feldapotheker Findely zu Temesvar ist seither kein halbwegs
ähnlicher gefolgt. *)
Durch Hönisch angeregt, geleitet und mit Tausch unter
stützt, sammelte um das Jahr 1852 der hier in Garnison liegende
Lieutenant vom Jäger­Depot-Bataillon Eder, ein geborener
Wiener, welcher nachmals ins bürgerliche Leben nach Wien
sich zurückzog und eine Serie von etwa 600 Stück Münzen,
grösstentheils römische, sehr wenige mittelalterliche mit sich
nahm. Diese Menge war binnen drei Monaten zusammengebracht
worden.
Gleichzeitig mit Dr. Hönisch sammelte und trat nachmals
seine Suite an den Genannten und Freunde ab (etwa 1200 Stück)
der Hauptmann-Rechnungsführer beim 9. Jägerbataillon Eduard
Damisch, Mitglied des historischen Vereines für Steiermark,
derzeit in От; ansässig. Ein Philipp von Makedonien, aus-
gegraben im Friedhofe zu St. Oswald bei Pettau, römische
Kaisermünzen von mehr als 20 Namen (1 Nero Gold), zalreiche
mittelalterige Stücke verschiedenster Länder waren darunter.
Gegenwärtig ordnet derselbe eine Reihe von neueren Münzen
F. Schreiner’s zu Grätz.

*) Dr. Hönisch’s Sammlung war bis gegen das Ende der fünfziger Jahre noch
universell gehalten, wie es das folgende Verzeichniss ergibt: Medaillen 89
(später 96), römische Stadtmünzen 114 (später 117), römische Consular
münzen 336 (später 348), römische Kaisermünzen 1273 (später 1353, sehr
viele des peterwardeiner Fundes von 1846), englische 22 (später 23), fran
zösische 78, preussische 70, baierische 55 (später 57), österreichische 200,
Thaler 59, jonische Inseln 18, tiroler 45, spanische 29, görzer 17, polische
112, steierische 65, schwedische 15, Schaupfennige , schweizer 56,
deutsche Städtemünzen 82, Bisthümer 17, kleinere deutsche Staaten 52,
sächsische 31, salzbnrger 72, kärntische 29, Bisthum Olmütz 14, böhmisohe
44, venetianische
türkische 84, italienische
64, russische 127, 107,
45, ipäpstliche ungerische 179, sicilianische
Miscellaneen 31. Gesammt 25,

zal 3800.
107

Ernst Fürst jun., Hausbesitzer in der Murvorstadt, der


Eigenhaber einer Bibliothek von 3000 Bänden, welche hier nur
von jener des Minoritenklosters übertroffen wird, besitzt eine
ansehnliche Sammlung von Münzen aus dem pettauer Felde,
meist der Kaiserzeit angehörig; hiezu auch neuere Schatzstücke.
Erst seit 1857 sammelte der Apotheker-Assistent Honiek
bei Baumeister, ein auch für Erhaltung von antiken Statuetten,
Armillarien, Fibulen, Cameen, Lampen und mittelalterigen Siegeln
thätiger Mann, die Münzdenkmale der Umgebung, für welche er
die Schuljugend zu interessiren wusste. So brachte er in wenig
mehr als fünf Jahren (Honiek starb 1862) eine Menge von über
2000 Stück aller Metalle zusammen, unter welchen ursprünglich
mehr als die Hälfte römische, sehr wenig consulare, zumeist Kai
ser- und auch Colonialmünzen waren. Das Münzencabinet des
Joanneums hatte Einleitungen getroffen, ob die Sammlung dem
Lande zu erhalten wäre. Der weitaus grösste Theil derselben
aber wanderte nach Brünn zu Honiek’s Verwandten.
Endlich .ging 1859 die durch Moritz Seehann, fürstlich
dietrichstein’schen Verwalter, aus dem Verlasse eines anderen
fürstlichen Beamten erkaufte Sammllmg von beiläufig 150 Stück
römischer Münzen in die Hände des Stadtmagistrates über,
welcher durch längere Zeit ein kleines Museum unterhielt.
Nicht unbedeutend wären noch zu nennen die Sammlungen des
Kaufmannes Oswald Laggitsch, der Frau Söller in der Kanischa
vorstadt u. a.
Wir haben nunmehr im Bereiche der kleinen Steiermark
drei Römerstädte durchwandert, welche, würden sie in Frank
reich, England oder Italien gelegen sein, gewiss der Zielpunkt
gelehrter Forschungsreisen und die Stätte planmässiger Nach
grabungen von Vereinen geworden wären. Noch aber schlum
теги unsere tausendjährigen Ruinen zumeist in ungestörtem
Schlafe, nur der Zufall rüttelt oft arg an ihnen und so oft darob
ein Klagelied erschallt , so oft verstummt es wieder im theoreti
schen Staube der Archaeologen. Während die Masse von Vereinen
im Lande entsteht, die oft Mangel an irdischer Grundlage leiden,
reichen sich nirgend der Vermögende und der Wissende die
Hände, um an eine planmässige Durchgrabung der drei vorzüg
lichen Römerstädte der Steiermark zu schreiten, dem Volke zu
zeigen, über welchen verdorrten Blumen seine Gegenwart blüht
oder düstert, die Schätze der Erde zu Gunsten manches armen
Schollenbebauers zu heben und der Verschleppung und Vernich
tung so manches schönen Denkmales aus dem Alterthume ein
stetes Ziel zu setzen. Wollen wir denn die Hoffnung nicht auf
108

geben , es werde die Zeit , welche an allen Orten Holz, Stein,


Thon und Bronce mit wenig Wechsel von Knochen und Zähnen
und schier die ganze kunstlose Urzeit herausbaggert, auch einmal
in die Tiefe dringen, wo, den Schattengöttern verfallen, die
Trümmer der durch italischem Hauch berührten Stätten von Viru
num, Celeja, Petovium und Selva ruhen. -
Wie das Cisterzienserstift Heiligenkreuz im Wienerwalde,
aus welchem der vielseitige Münzenkenner P. Johann Nep. Weiss
hervorging, hat auch das 1129 gegründete Cisterziensertift Reun
(Snlat. Runa, mhd. Ruen) oberhalb Grätz seine Münzensammlung.
ie Stimme der römischen Vorzeit erscholl aus den hierortigen,
den geissthaler, gradweiner, hoffmanngrunder Inschriften und,
der gelehrten Neigung das günstige Feld bereitend, schuf Abt
Ludwig Crophius von Kaiserssieg die Sammlung antiker und
moderner Münzen. Seit der für Kunst und Wissenschaft
begeisterte Prälat, den stillen Eifer eines Conventualen über
raschend und durch Wartinger's kernhaften Beirath auf das
Beste unterstützt, im Jahre 1838 die erste Anlage zu einer
Münzensammlung begründet hatte, wuchs der über die alte
und neue Zeit sich erstreckende Schatz im Gesammten auf
nahezu 5000 Stück an. P. Columban List, ein zunächst
vertrauter Freund Wartinger’s, richtete das allgemach sich
mehrende Material strenge nach Eckhels System ein und führte
den geographischen Grundgedanken auch für die neue Zeit
durch. So bietet denn die Sammlung (verwahrt in etwa 100
Tafeln, welche für je 80 Stück Raum bieten und ausgestattet mit
einem 1851 abgefassten und dem Gründer zugeeigneten Ver
zeichnisse) nebst einer beträchtlichen Anzal griechischer Münzen
aus der römischeonsularen Zeit 29 Gcwichtstücke, von 82 Fami
lien 156 Münzdenkmäler, der barbarisehen 7 (1 Gold) und von
145 Kaisern aus der ersten Zeit bis Alexius IH. (1203) an
1400 Stück, so dass die antike Abtheilung durch eine Anzal
von mehr als 1600 Münzdenkmalen (darunter 14 Gold, an 550
Silber) repräsentirt ist. Die neue Zeit istdurch eine sehr weit
erstreckte geographische Reihe, welche fast alle Länder und
Reiche Europa’s betrifft, mehrfach erleuchtet; Oesterreich mit
seinen Theilländern tritt insbesondere hervor, für Steiermark
sprechen 72 Stück von Otaker 1192, über die Zeiten Fried
richs III., Ferdinands I., Mathias, Ferdinands II., III., Leopolds,
Josephs I., Karls VI. hinaus bis M. Theresia (Eggenberg 1658,
1677; Herberstein 1609, Holleneck 1569; Windischgrätz 1777,
J. Latters aus Grätz englische Armeemedaille 1815; Orte:
Frohnleiten, Grätz, Pettau, Zell). Aber auch über Europa hinaus-,
109

Asien, Amerika, Afrika verbreitet sich die Sammlung, welche in


einer Höhe von 2500 Stück 77 Gold- und 1690 Silberdenkmale
bietet. Endlich haben wir noch ausser der Serie biblischer
Münzen einer grossen, der Ordnung noch harrenden Reihe von
Bracteaten aus dem wiener Basteischutte und endlich des wahren
Schatzes einer nur in der ältesten Zeit unvollständigen Degen
folge in sehr guten Exemplaren (erworben von A. Volpi) zu
erwähnen. Möchte P. Co1umban’s rühmenswerther Fleiss in
stiller Klosterzelle alsbald einen treuen Nachfolger erwecken.
Wiewol die grosse Ueberanstrengung aller Steuerkräfte des
Landes auch die Klosterstifte wenig einlädt , wissenschaftliche
Sammlungen anzulegen oder zu erweitern, so ist doch in Bearbei
tung des Vorhandenen noch hinreichender Ruhm in gewisser
Aussicht. Was aber rechtes Wollen und geläuterter Sinn ver
mögen, hat Reun genugsam gezeigt, indem es die alte lambrech
ter Sammlung, -welche eine antike und moderne von 150 Gold-,
2839 Silber- und noch ein paar tausend Kupferstücken war, in
einer mehr ausgebeuteten und dem Materiellen zugewendeten
Zeit erreicht, wo nicht überflügelt hat. Der gegenwärtige Stand
der reuner Sammlung übertrifft um mehr als den oberwähnten
Anhang die letzte, schon im Jahre 1851 fixirte Abschlusszal von
4165 Stück mit 91 Gold-, 2225 Silber- und 1849 Erzdenkmälern.
25 vorkaiserliche Stücke allein trat die hiesige Sammlung an Dr.
Knabl ab. Die Bibliothek, deren Anfänge seit Jahrhunderten
datiren, bereichert unter Abt Merian Pittreich mit dem Bücher
nachlasse des Erzherzogs Ferdinand, ist reich an numismatischen
Werken, wie keine zweite Stiftsammlung in Steiermark. Mit
Kunde und Vorliebe wird ihrer gewaltet, mit Freundlichkeit der
Schatz erschlossen. Vgl. Beilage II. ‚
Ueber die numismatischen Bestrebungen des Augustiner
Ohorherren-Stiftes Vorau , was Sammlung von Münzen und
Münzwerken betrifft, Mittheilungen zu machen, sind wir nicht in
die Lage gesetzt worden. Es mag daher, wie beim Namen des
Numismatikers Vierholz mit dem Verweise auf Wartinger’s Ge
schichte (3. A. S. 88. 89. 102) sein Bewenden haben. So viel ist
gewiss, schon um 1781 besass der Chorherr C. A. Caesar, aus
einem grätzer Kaufmannshause stammend,-mehre zu Hartberg aus
gegrabene römische Silbermünzen von Antoninus Pius und Julia
Soëmias, welche mit anderen an den Grafen von Saurau für die
k. k. Garelli’sche Bibliothek nach Wien abgegeben worden sind.
(Macher. Steierm. Zeitschr. I. 2. 128.) Ohne Zweifel hat auch
Ernst Heinrich Graf von Wildenstein, den Hammer’s Portrait
galerie mitten unter seinen Büchern und vor Siegel- und Münzen
110_

kasten darstellt, mit dem ihm befreundeten Stifte Austausch


gepflogen. Ein eigentliches Münzencabinet für antike Stücke
ward erst unter Abt Franz Sales II. Knauer eingerichtet und
mit vereintem Eifer an Herstellung des Kataloges gearbeitet,
manch’ ein Stück aus Leibnitz bezogen und später mehr Auf
merksamkeit den numismatischen Hilfswerken zugewendet. Allein
die Pflicht der Seelsorge bei geringem Clerikernachwuchse liess
wie das Siftsgymnasium so auch andere Stiftseinrichtungen weni
ger pflegen, wenn wir gleich die Angabe nicht verbürgen
wollten, es habe der ägyptische Joseph, welcher falschlich des
Becherraubes beschuldiget worden, hier einen minder unschuldi
gen Nachfolger gefunden.
Zu Weitz, dem Fundorte mehrer römischer Relief- und
Inschriftsteine an deruralten Taborkirche, bekanntlich in der Römer
strassenrichtung Frohnleiten-Semriach-Passail und Gleisdorf
Ruprecht, sowie Anger- Stubenberg gelegen (Vgl. Mitth.V. 127), hat
derAdvokatnrsbeamte Anton Kutschera seit 1862 eine Sammlung
alter und neuer Münzen angelegt. Der römischen Stücke, welche
durch Domitian, Vespasian und die Constantiner am meisten
(oft zehnfach) vertreten und vorwiegend aus den Gegenden
Kathrein, Reggenstetten, Thanhausen, Pichlberg, Puch und Harl
zugekommen sind, zält die Sammlung über ein halbes Hundert
von 40 Namen; mehre der neueren, unter welchen auch Cava
liere (Eggenberg 1658).
Einzelne Münzen verwahrt das Schloss Thanhausen, ein
Eigen des Reichsfreiherrn Gedeon von Gudenus; namentlich die
im Schlossgarten oder im nahen Pichelberg gefundenen Römer
stücke. Zu Anger an der Feistritz, durch Stein- und Metall
denkmale bekannt, gibt es ebenfalls einzelne Münzfreunde, z. B.
Wundarzt Bünte.
Zell mit der Schatzkammer seiner Wallfahrtskirche, in
welche seit Jahrhunderten so manches geschätzte Gold- und
Silberstiìck wanderte, mag uns als ein Beispiel für alle gelten,
wenn wir auf die münzenkundliche Wichtigkeit des vom Volke
gerne bereicherten Opferstockes der Kirche hinweisen sollen.
Wir haben römische Goldstücke als Pathengelder, Denare,
mittelalterliche Pfennige und ältere Groschen als Opfergabe
gefunden. So tritt uns denn Dea Moneta allerorten weihe
heischend entgegen, einmal indem sie uns ihre Schätze auf
weist, ein andermal uns auf deren Fundstätten führend, viel
seltener aber umgeben von den Priestern, die ihr opfern mit
erhelltem Sinne.
I. Hauptstück.

KELTISCHES MÜNZWESEN
Den Urbewohnern Steiermarks, welche uns zwar durch keine Schä
delsammlungen und keine Pfalbauten charakterisirt sind, die aber
durch ihre im heimischen Boden hinterlassenen Steinwaffen und
Steinwerkzeuge auf das Volk der Iberer und Finnen weisen, folg
ten etwa fünfzehn Jahrhunderte vor der christlichen Zeitrech
nung die vielleicht den Phöniziern und Pelasgern zunächst verwand
ten Kelten. Dieses Volk, aus dem Südosten gekommen und aus
dem Westen sich zurückwälzend, von den eisenarbeitenden Ger
manen zu scheiden, drang zuerst durch den Stein zum Metall, ver
arbeitete das am meisten zu Tage liegende Kupfer und wandelte
es mit Zinn zu goldglänzender, fast eisenharter Bronce. Aus die
sem Broncealter, bis zum vierten Jahrhunderte reichend, sind an
mannigfaehen Orten der oberen und unteren Steiermark, haupt
sächlich im Murgebiete, weniger dicht im Enns-, Traun-, Raab
und Sanngebiete, Schwerter, Aexte, Paalstäbe, Schilde, Helme,
Schmucksachen aufgedeckt worden. ImVerlaufe seiner industriel
len Ausbildung und bis zum Zielpunkte seiner grössten Macht
und Ausdehnung von 600 bis 300 vor Christus hat es auch den
Ackerbau und den Handel mit allen möglichen Mitteln betrieben
und eine hohe Culturstufe erlangt. Auf diese Weise namentlich
mit dem nächstgelegenen Italien in Berührung hat das grosse
Volk, nunmehr von Frankreich aus Spanien wie Britanien und
Deutschland beherrschend, nach und nach den Einfluss der sehr
verwandten Etrusker, der bildenden Meister erfahren. Aus solcher
Zeit datiren die mit etruskischer Inschrift versehenen negauer
Helme; - aus der viel späteren eisenzeigenden Zeit der zu Strett
weg bei Judenburg aufgefundene Rauchapparat (Hochzeits
Opfer-Wagen); aus solcher die Giesswerkstätten zu Muttendorfzwi
schen Stainz und Dobelbad, auf dem Plabutsch bei Grätz, zu
Hummersdorf bei Radkersburg und vielleicht auch jene zu Cili
in einem Garten der Vorstadt Rann. Von diesen VVerkstäiten mit
8
114

T
ihren Oefen und Ч agen voll vorbereiteter Giessbronce ist wol
zur Erzeugung der an Umfang und Figurenreichthum nicht sehr
bedeutenden Münzen ein kleiner Sprung.
Thatsächlich hat man in Steiermark und zwar im Ober
lande sowol als im Unterlande Münzen gefunden, welche man
(mit Uebergehung der münzlosen Germanen und der späten Hunnen
und Slaven), bereehtiget durch Vergleiche von Funden in anderen
nachweislich durch Kelten urbevölkerten Ländern, eben den Kel
ten (und zwar den Norikern) zuschreibt. Nun aber genügt uns
der weiteBegriff von norischen Kelten nicht und wir fragen noth
wendig: Welcher war der Stamm der Kelten, der in unserem
Bergland seine Münzandenken hinterliess, und in diesem Stamme
welche Familien mochten uns derlei Denkmale vererbt haben ?
Diese Frage mahnt uns in erster Reihe an den Beruf, welchen
nach den Worten -cines erfahrenen und strengen Keltologen -`
M. Koch -— vorzugsweise Oesterreich hat ,den Ausscheidungs
process vom Keltischen und Germanischen herbeizuführen, weil
die Herrschaft des ersteren in ` den österreichischen Ländern am
längsten währte und das germanische Element durch die überaus
sorgfältige Hut der römischen Donauprovinzen am spätesten ein
drang.‘ Wir erachten aber auch als noch immer nicht durchge
führt den Beweis, dass eben die Kelten Slaven seien oder auch,
dass den Kelten als Urvölker unserer Länder Slaven vorherge
gangen seien. Uns vestiget noch fürderhin der schlagende Beweis
aus der Analogie in Gallien, Spanien und Britanien; nur mit dem
Umsturz dieser endet unsere Kraft. Es kann der Irrthum hüben
wie drüben wohnen. Wir unsererseits verehren die Gelehrsam
keit der Gegner, wo wir nur derselben begegnen; weil es uns
vom nationalen Standpunkt ganz gleichgültig ist, ob der letzte
Beweis auf Kelten oder Slaven laute. Am Ende befriedigen wir
uns doch Alle im asiatischen Hochlande.
­ Es wohnte, wie man nach Detailforschungen zu schliessen
berechtiget ist, deutlich- seit dem 4. Jahrhundert vor und bis zum
6. nach Chr. im Nordwesten, jener nicht aus Gallien sondern aus
der taurischen Halbinsel zugewanderte Stamm der Kelten, wel
cher, etwa "от Semmering oder rotenmanner Tauern bis an die
tiroler Dreiherrenspitze und den Pinzgau und im Süden herwärts
von den carnischen Bergen sich hinziehend, undGold durch Gra
ben und Waschen gewinnend, mit der römischen Bezeichnung
die Taurisker genannt wurde. Wie der Stamm im Keltischen
hiess (von Taur, hoher Berg), ist, wie überhaupt bei allen anzu
führenden,- ganz unbekannt. Genug wichtig aber als erster An
wohner derßerghöhen über den wildnissreichen und versumpften
115

Thalgebieten, muss er gewesen sein, da von ihm, wie von den


Ramnes die Romani, die norischen Kelten, zu Plinius’ Zeit gerade
hin als Norici bezeichnet, überhaupt Taurisci genannt wurden und
die übrigen Stammnamen, selbst der Carni, nur als Gaunamen sich
diesem Hauptbegriff unterzuordnen scheinen. Danach sind auch
die Nachrichten der römischen Geographen zu scheiden. Polybiul
kennt die Taurisker, Strabon norische Taurisker, Ptolemaeus nur
Noriker im östlichen Norikum, die Taurisker in diesen Begriff
schon einschliessend; Livius ehemalige Taurisker, jetzo Noriker.
Es sind die seit 14 v. Chr. unterworfenen Taurisker, welche Pli
nius bis an den mons Claudius bei Celeja wohnen lässt, nicht als
Sonder-Taurisker zu nehmen. Ihr Hauptort das nachmals roma
nisirte Noreja. lhr Geschichtsleben nach den mythischen Einflüs
sen der Ligustier reducirt sich auf ihre Bedrängung durch die
Kimbern in sehr später Zeit; der Consul P. Carbo führt ihnen
ein Heer zu, bei Noreja folgt die Entscheidung, Taurisker und Rö
mer sind geschlagen. Die Sieger verwüsten das Land auf dem
Hin- und Rückzuge. Die Geten stürmen von Osten her, ihnen
folgen die Bojer; später von Cäsar bezwungen, revoltiren sie aus
Steuerüberlastung gegen Octavianus. Drusus und Tiberius unter
jochen sie im Sommer 15 n. Chr. Die Romanisirung beginnt.
Diesem Stamme benachbart an der Enns wohnten die in Gallien
und- Britanien namenverwandten Halauni (Hallonen), deren
Hauptdenkmal zu Hallstadt auf die uralten Gruben von Kupfer,
Silber, ,Nikel und Kobalt um Schladming hinweist, da diese Gru
ben nur an acht bis zwölf Stunden entfernt sind. Von den Mur
quellen herab durch’s Obermurthal sassen die Lingoner, deren
Name auch in Gallien und Oberitalien sich findet. An dem ceti
schen Gebirge und über dasselbe hinaus (wenn wir darunter die
scheinbar zusammenhängenden steierischen Berge vom Semmering
bis zu den Karawanken-Kalkmassen verstehen) wohnte seit bei
läufig.19l v. Chr. der etwas jüngere Stamm der hercynischen
Bojer, verwandt dem älteren in Böhmen und Mähren und jenem,
von Tirol bis an den Kahlenberg reichenden. Der Gete Boire
bistes unterwirft die mit den Süd-Tauriskern unter Kritasir ver
bündeten Bojer und sengt bis zur Donau. Aber ein Theil des
Stammes erstarkt und stürmt durch das Murgebiet, starrt vor
dem vindelicischen Noreja und weicht endlich vor Cäsar und
Vocio gen Helvetien aus. Einzelne Reste in der Steiermark
germanisiren und romanisiren sich , die Bojerwüste belebt
sich unter den Römern wieder. Der Stamm ist verschwunden.
Ihm sind die Bojovarier späte Söhne. Die Aravisker an der Raab
mögen zum Theile nichtkeltische Pannonier wie die Osii gewe
8*
116

sen sein, um eben Tacitus sein Recht zu belassen; ­ doeh dürfen


-wir des Gaues Westbevs-ohner wol Kelten nennen. (Vgl. Zeuss.
D. 257 Von der Savegegend bis herauf in das Draugebìet
herrschte der Stamm der, um 350-366 nach Südpannonien,Il1y
ricum und Mösien eingedrungenen, um 114 von den Bojern und
den Kimbern bedrängten, mit Alexander M. kühn verhandeln
den, die streitsüchtigen Diadochen in Thrakien schreckenden und
erst von Tiberius bezwungenen Skordisker. Jener der Latobiker
längs der Sann bis zu deren Savemündung mit dem späteren
Municipium Latobicorum (Haselbach) und Praetorium (Treffen).
Der Stamm der Collatianer wohnte oberhalb des Sannthales über
­Cili und die Westhänge des Bachers hinaus bis an die kärnti
schen Berge und die Drau ; Vorort an der Miessling. An
diesen stiess, die Westhälfte der unteren Steiermark bevölkernd
und dem Flusslaufe der Drau und Mur folgend und wol auch an
die pannonische Grenze sich ausbreitend, der Stamm der Serre
ter und Serapiller, welcher ein kleiner genannt wird. Ob der
Stamm der, von Plinius an die Drave versetzten Jasier an der un
gerischen Grenze noch für Steiermark entfalle, bleibt unentschie
den. Wir fassen überhaupt die östlichen Keltenstämme der Steier
mark für die Pannonii zusammen , deren Hauptzug von den
illyrischen Bergen an der Donau nach Nordost bis an die Ger
manen ging. Diese Stämme sind noch Kelten und haben mit -dem
Element der alten Pannonii und lllyrii ausserhalb des Provinz
Begriffes Pannonia nichts gemein. “Ню Strabo von neuen Zu
zügen aus Gallien infolge tektosagischer Unruhen, was Pausanias
und zumeist Livius, Plinius, Polybius erzälen über nachgerückte
Stämme von Voturern, Ambituern, Teutobodiaken, Tektosagen,
Trokmern und Tolistobojern, ist zu dunkel, als dass wir diesen
StämmenWohnsitze in unserem östlichen Lande anzuweisen ver
möchten.
Die Sitze der genannten Stämme gingen nachmals im 5. und
6. Jahrhunderte an die Rugier, Gothen, Longobarden,Avaren, Sla
ven, die Alemanen, Franken und Bajuvarier über. Im J. 791 war
das Land von Enns bis Raab ausgeprägt fränkiseh; seit 955 erstarkt
der Stamm der Neudeutschen. Aber der Ureinfluss der ersten
Völker ist nie ganz versiegt und mahnt uns noch jetzt mit alt
lebendiger Kraft in Sprache und Volkssitte.
Allen genannten Stämmen, deren römische Scheidung und
Bezeichnung übrigens ohne thatsächlichen Vllerth ist, kömmt ein
ausgesprochener gemeinsamer Charakter des Keltischen oder
Galatischen zu, welcher, noch von Zosimus im 5. Jahrhunderte
nach Chr. anerkannt, auf den in Gallien am meisten zu Kraft und
- 117

Cultur gelangten Urstamm hinweist. Dort wie hier zeigte sich


das Volk trotz grösster Unstätigkeit sehr entwicklungsfîihig. Bei
der Freude an Besitz und Schmuck von Metall und wolgefärbtem
Glase gediehen erst Pfaldörfer in den Auen, dann Ansiedelun-
gen auf vorspringenden Orten, offene und ummauerte Städte in
den Thälern. Viele der jetzigen Bergschlösser und Thalorte
Steiermarks stammen aus den Zeiten dieser Urbewohner, wofür
theils ausdrückliche, wenn gleich sehr spärliche Nachrichten,
noch meln‘ aber neben den Ausgrabungen die Sprachwurzeln
Beweise sind. Doch gilt in Betreft‘ Steiermarks eben hierin die
nämliche Vorsicht, welche in Tirol für die voreinst mit gepriese­
ner Unfehlbarkeit vorgenommene Ableitung der Ortsnamen aus
dem Etruskischen: es muss bewiesen sein, dass der Ortsname
schon zu Römerzeiten bestanden habe Und hiefür fliessen nur
geringe Quellen, daher die weiteren Schlüsse nur mit philologi­
scher Wahrscheinlichkeit zu führen sind. Dass die Römer in un
serem Alpenlande Burgen auf Felsen und Bergen bereits vorge
funden haben, die arces alpibus impositae, ebenso Städte, die
uralt gewesen sein müssen, wie etwa keltische Vororte an Stelle
oder in nächster Nähe des naehmaligen Celeja, Petovium, Fla
vium Solvense, (derenUmrisse, wie jenen Tarodunums durch Dr.
Schreiber zu geben noch nicht ermöglicht ist) -- dass sie endlich
Gold- und Eisenbaue und umsomehr Kupferbaue angetroffen
haben, das ist quellenmässig gewiss. Nicht ungewisser aber, dass
den römischen Schriftstellern bei ihrer oft verwirrten geogra
phischen Kenntniss eine Menge einheimischer Namen entgangen
sind, welche, wie die unzäligen latinisirten Personennamen in
den Steininschriften, als die nämlichen wie in Gallien sich her
ausstellen oder doch wenigstens unleugbar keltische Wurzel ha
ben. Wenn also nach Appian der bisher als Präfect in Gallia
Narbonensis bedienstete und aus Gallien reisende Decimus Bru
tus bis Aquileja herab mit der keltischen Sprache durchkam, die
Sprache der norisch-pannonischen Kelten demnach im Wesent
lichen gleichlautend war jener der Kelten in Gallien, der Schweiz,
durch Bojoarien bis an die böhmischen Grenzen, so können
die erweislich ältesten Personen- und Ortsnamen in Steiermark
nach Zeuss’ und Diefenbach’s Vorgang ohne Gewalt auf das Kel
tische zurückgeführt werden, selbst wo spätere Einkleidungen in
das Deutsche und Slavische stattgefunden haben. Es wird in der
Zeit möglich sein, den keltischen Charakter aus den Perso
nen- und Ortsnamen nachzuweisen, welche uns in Ptolemaeus,
Strabo, Plinius, Florus, Dio Cassius, im antoninischen und jeru
salemer Rcisebuch, der peutinger’schen Tafel u. s. w. für Steier
@118

mark erhalten sind. Wir lassen hier einen Index solcher ältester
Namen folgen, würdigend Brandes’ Worte: ,ln den Namen
erhalten sich meist (1ìe ältesten und reinsten Wortstämme,
wenn die übrige Sprache schon ein ganz verschiedenes Ge
präge angenommen hat.‘ Die letzte Ausführung, irische Wurzeln
auf das orientalische Sprachgebiet zurückzuleiten, ist künftigen
Kräften überlassen. Noch liegt hierzulande die keltische For
schung gar zu sehr in der Wiege und ist von der ungleich rühri
eren slavischen um so cher überholt worden, als diese ihre
Sprachwurzeln noch im Lande selbst findet, während wir in weite
Fernen, sogar über’s Meer greifen müssen. Da übrigens die fol
gende Ausfïihrung ganz nebenher geschieht, um zuletzt die Ab
weisung slavischen Charakters von den behandelten Barbarenmün
zen zu erhärtern, so liegt derVersuch anzuregen, nicht aber zu ent
scheiden, wol offen genug am Tage. Dem Verzeichnisse der älte
sten Ort- und Stammnamen, wie sie, auf Steiermark bezüglich, in
Schriftquellen genannt sind, .schliesst sich an ein Verzeichniss
neuerer Ortsnamen aus wahrscheinlich keltischer Wurzel und
endlich das Verzeichniss keltischer Personennamen aus steieri
schen Inschriftsteinen. Dies als dreìfacher Versuch, die Kel
tieität unserer Urbewohner sicher zu stellen , zu Beweisen
dafür aufzumuntern , wo noch Lücken klaffen , um endlich,
nach unserem kleinen Zwecke, für den keltischen Charakter
der ältesten im Lande ausgegrabenen Münzen auf festerUnterlage
weiter zu bauen. (Vgl. Beilage I.)
Die strenge Scheidung, welche die Geschichtforscher zwi
schen den Germanen und Kelten vorgenommen haben, bedingt
auch den genauen Unterschied der Sprache unserer einheimi
schen Keltenstämme und jener der nördlichen germanischen
Völkerschaften. Uns haben zwar alle Gallier oder Galater, seien
sie nun die alten , den Römern näheren und furchtbaren Gallier,
oder jene, welche zu Cäsar’s Zeit in den ferneren Landen als
Nachbarn der ächten (germani'?) oderbergbewohnenden Deut
schen aufgefunden wurden, eine gemeinsame, wenn auch dialek
tisch stark verschiedene Sprache. Jedoch ist uns die keltische
Sprache von der deutschen grundverschieden. Beider Wurzeln
haf`ten im Orient, in den Küstenländern des schwarzen und adria
tischen Meeres, der keltischen reinste Reste aber liegen fern
von unseren Landen, in den Gauen der keltischen Gaelen und
Kymren. Die Sprache verjüngte sich, je mehr sie gen Nordwest
und West sich ausbreitete, sie fand dann in Gallien mit Aus
schreitungen über Britanien ihre Gränzen und was hiernach von
ihr mit dem Zuge von Sigoves-Belloves rückläufig wieder über
119

Rhein und Donau herab kam, das ist bei weitem eine jüngste
Entwickelung. Wir könnten daher ebensowol die ältesten Reste
keltischer Sprache gerade in unseren Ländern mit meistem An
recht auf altächte Reinheit suchen, freilich aber lohnt im grossen,
mehr und früher durchforschten und politisch wiehtigeren Hel
vetien, Gallien und zumeistim spätest unterworfenenBritanien mehr
Ergiebigkeit und Ausbeute. Dass nun wie Handel und Staats
leben auch die Sprache unserer Bergbewohuer von den Griechen
und Römern allgemach beeinflusst wurde, ist leicht erklärlich.
Was Velleius Paterculus ausdrücklich von Pannonien sagt, lässt
sich später auf Noricum derart anwenden, dass wir die alte reine,
durch die Griechen noch minder getrübte Keltensprache vom
Süden nach dem Norden unserer Mark zurückweichen und ihre
letzten Reste in Schluchten und Einöden des obersten Berglandes
vergehen schen müssen. Nachdem die einheimischen Edlen im
2. Jahrhunderte vor Chr. schon die römische Modesprache geübt
hatten, ward das Latein im Jahrhunderte der Unterjochung vollends
zur öffentlichen, zur Verkehrssprache. Die Romanisirung ergriff
alles Alteinheimische. Aber auch der Römerglanz sinkt, noch
lebt das Keltenthum gedrückt fort, erst den Germanen weichend.
Aus den von den Alten aufgeschriebenen Orts- und Menschen
namen, aus den römischen Steininschriften, den mittelaltrigen
Crtsbezeichnungen und endlich dem scotisirenden Landesdialekte
lässt sich noch manch ein Klang der alteinheimischen Kelten
sprache retten. Je eifriger dies vollbracht werden wird, um so
minder kann ein Zweifel bleiben über die Nationalität der älte
sten Bewohner Steiermarks. \
Dass den keltischen Stämmen insgesammt eine Schrift
eigen war und zwar schon im 5. Jahrhunderte vor Chr.,
ist nach Diodor und Strabo gewiss. - In Gallien warf man
Schriften in den Leiehenscheiterhaufen, besass man geschrie
bene Lieder, Lehren, Geschichten. Da aber die erweislich
ältesten Denkmale unseres Landes eben stumme, und vereinzelte
Inschriften, wie z. B. der negauer Helme , unzweifelhaft etrus
kische sind *), so lässt sich von einer alt-einheimischen Buchsta
benschrift vorderhand noch gar nicht reden. Wir übergehen hier
auch die Runeninschriftsteine, welche man zu Pettau und im
Vahorgebirge bei Reichenburg (1854) gefunden haben will.
Koch hat keltische Schrift an den Götterbildnissen zu Salzburg

*) Mommsen. Nordetrusk. Alphabets. Ant. Mittheilungcn. Zürich VII. 1853.


p. 199; röm. Gesch. I. 218. Terstenjak liest natürlich slavisch. (Novice
1833, S. 133.) -
120

nachgewiesen und dieser entsprechend jene auf dem mainzer


Steine befunden. Hieraus ergibt sich für die Kelten eine figura
tive oder tropische Zeichenreihe nach Art der ägyptischen Hiero
glyphen und zwar entweder Namens- oder Begriffszeichen. Es
bedeutet Э die Mondsichel, die Mondgöttin, wie | den Liehtgott
(ägyptisch Herr, Mann), daher | Э beider Verein, Q die Sonne,
­{- nach Champollion’s ägyptischer Auslegung ,wohnend, sess
haft, seiend‘ (Felsenschrift der Koralpe); die Buchstaben C, E ,
у, |\, О, Ч ипс1 с| (с, е, f, l, o, q), sowie 9, 1‘ kommen auf
keltiberischen Steinen in Spanien vor, die übrigen sind aus den
lateinischen Formen nicht mehr herauszulösen. Daher möchten
das Ь in Calandina unseres St. Veit­Waldeker-Steines, das |_L in
Secundinus (Seco) zu Gams eher gute alte Formen, als Verstösse
des neurömischen Steinmetzes sein. Die ältesten Formen der
Buchstabenschrift unserer, übrigens schon in römischer Frohne
arbeitenden Kelten gibt der Grabstein von St. Nicolai, der ural
ten Filialkirche der Pfarre Tschadram, eine Stunde oberhalb
Oplotnitz am Südabhange des Bachers. Hier finden wir das ans
Etruskische erinnernde N vom Spitzelsofen der Koralpe, das
II und /\ des keltiberischen und turdetanischen Alphabetes, wie
wir es auf altspanischen Münzen und Steinen sehen. (Vgl. Knabl
Notizbl. 1856. S. 530.) Den ältesten Schriftzügen folgen die
griechischen, welche uns hier nur in Metall erhalten sind, bis
etwa herab ins 2. Jahrhundert v. Chr. und von da an in allmäli
ger Entwickelung die römischen auf Metall- undSteindenkmalen.
Nachzuweisen, wie die Schriftzeichen beider Völker bei unseren
Vorfahren sich mischten und ausarteten , gleichwie dies Lelewel
für Gallien that (S. 221), davon kann hier die Rede nicht sein.
Das Staats- und Standesleben der einheimischen Kelten
stämme ist uns einigermassen wissenswerth. Wir können uns,
ohne auf die ganze Reihe von priesterstaatlichen, monarchischen,
republikanischen und rechtlosen Formen einzugehen, darauf be
schränken, Edle, Freie, Freigelassene und Leibeigene zu unter
scheiden. Ob wir nun die höchsten Edlen Stammesführer, Fürsten,
Könige nennen, bleibt sich gleich. Wir dürfen solche, wie den
ausserländischen Stämmen der Japoden und Carner (Cincibilis, Ba
lanus, Clondicus?),beziehungsweise auch unsereninländischen Stäm
men zuschreiben und Häuptlinge steierischer Keltenstämme z.B.
unter den zweiundsiebenzig Fürsten suchen, welche sich im Heere
des Clondicus (380) befanden. Nach Strabo war Kritasir Fürst
des Stammes der Bojer und Taurisker engeren Sinnes, uns ein
Coloniehäuptling (70-42 v. Chr.); nach Cäsar Vocio ein (späterer)
König in Noricum (50 v. Chr.); nach Livius Balanus der Häuptling
121

eines nicht bestimmten Stammes. Man hat bisher von so1chenHäupt­


lingen aristokratischer Gauverfassung (die reguli des Livius), welche
durch Noricum und Pannonien befohlen haben sollen, namhaft ge
macht : Adnamati, Ainorix (Ainoxir, Aiivoxir), Atta, Biatec (Biates,
Babbec, letzterer auch steininschriftlich zu Pulst in Kärnten), Busu
(Vsio), Cobrovomarus (Cobisvoari), Cocestius, Coisa, Conge, Copo,
Counos, Coviogall, Devil, Eccaio (Eiccaio), Elriabi(Fapiabi, Faridio),
Elviomarus (Elvinavs), Evoivrix, Fes, Joturix, Koieikd, Lanorvia
rus, Nemet (Nematacnt), Nonnos, Saria, Suicca u. dgl. Solchen
einzelnen Edlen aus der vorköniglichen Zeit schreiben wir in der
Reihenfolge nach der ältesten Priesterherrschaft die vorzüglich
sten Hoheitsrechte zu. Möglich, dass eine Staatsumwälzung um
die Mitte des 2; Jahrhunderts vor Christo mit der Einrichtung
eines neuen Reiches (Koch’s no­rig) auch das Königthum (Suetons
und Paterculus’ Regnum noricum) gebracht und so auf den Ver
lust von Freiheit und Volksbestand vorbereitet hat. Wenn Koch
vermuthet,- dass nach der königlichen Zeit die Römer die Häupt
lings-Leitung wieder einsetzten, so hat das, auf Grundlage des
divide et impera viel Wahrscheinlichkeit für sich. Nur fällt der
angezogene Beweis dafür aus Münzinschriften mit halb lateini
schen, halb keltischen Buchstaben fort; denn solche fanden sich
in Steiermark nicht. Griechische und römische Buchstaben sind
gemischt, beide da und dort verzerrt, doch nirgend mit Sicherheit
ächte, altkeltische eingemengt, so wenig die retrograden und
vocallosen Legenden der Keltiberier hier zu Hause sind. Wenn
auf so weite Ferne hin ein bedachtsamer Schluss erlaubt ist,
so möchten wir folgende politische Entwickelung annehmen.
Priesterherrschaft, erst münzlos, dann prägend und zwar die ein
fachsten Himmelssymbole; aufnehmende Herrschaft der Häupt
linge bei allmäligem griechischen Handelseinfluss, die Münze
schwerwichtig, zum Theil epigraphisch und allmälig mit griechi
schen Siglen; abnehmende Herrschaft der Häuptlinge bei all
mäligem politischen Einfluss der Römer, die Münze leichter,
grösstentheils epigraphisch und mit lateinischen Buchstaben; end
lich Häuptlings-Scheinherrschaft bei zerstörter Landesautonomie
in Römerzeiten, das Münzrccht ganz unterdrückt, einheimische
Fälschungen von Consular- und Kaisermünzen.
Die Keltenstämme der Steiermark, von den (auf dem juden
burger Wagen mit dem Bardocucullus bekleideten) Druiden und
Barden im Gefühle beeinflusst, verehrten den Belenos, Belinus,
Bilinos auch Belis, welchen die Römer von Phönizien bis nach
Gallien und Britanien geheiliget fanden und ihrem Apollo gleich
setzten. Auch in den carnischen Alpen, in Noricum trafen die
122

Römer den Cult desselben an - Tertullian nennt ihn als


norische Hauptgottheit - und von da ab erscheint der
hauptsächlich am Solfeld (unweit des Beliandrum) und um Fla
vium Solvense verehrte Gott auf Steindenkmalen und bis zu
Maximinus Zeiten geradezu als Apollo Belenus (zu Aquileja auf
11 Steinen), wie in Gallien als Deus Abellionn. Man hat über
haupt in den Beinamen zu römischen Hauptgottheiten nationale
zu suchen, wie im Cisson, ­Mocc, Vass, Visuc, Alaun, Biaus, Ca
net, Arcee des lllercurius. Es ist also Bclenus der Gott des Lich
tes (Sanskrit pal : glänzend), der Sonnengott, aber auch der
Heilende und Reinigende; er belebt dic Gestirne und die Erden
bewohner; ihm sind die Sonnenrosse heilig, als Symbol für Son
nenlauf und Zeit , ferner Quellen, Flüsse, Seeen (fonti Beleno
zu Aquilejn). Sein Symbol ist das Rad, die Scheibe oder Kugel,
das Beil (wie Thors Hammer), der Bogen, die Leyer. Seinem
Dienst folgte jener des Mythras. Ob Belenus (naeh einem
keltischen Wort Bolain i Eisen, Stahl) zunächst als Eisengott,
Berggeist zu nehmen sci, ist mindestens zweifelhaft; gewiss,
dass zu seiner Erklärung der slnvische Belbog und der Sonnen
gott Kresnik um ein halbes Jahrtausend zu spät kommen. Dem
Belenus als weibliche Gottheit beigegeben und von Cäsar in
Gallien als der Minerva entsprechend vorgefunden War Belisama,
(Bel-Samen im Phönizischcn ,Herr des Himmels‘), deren Begriff
mit dem der Diana oder Luna zusammenfallen mag. Ihr Symbol
ist die Taube, ihr heilig Jagdwilrl, Quell und l«Vachsthum. Ver
eint mit Belenus giebt sie das Bild einer zweiköpŕigen jugendlichen
Menschengestalt und wird diese durch Vereinigung der Sonnen
strahlen und der Mondsichel angedeutet (Heliougmounis). Der
weiblichen Gottheit geweiht, sind all’ die vorzìiglichen Flüsse un
seres Landes weiblich benannt. Der auf manche Höhen des ceti
schen Gebirges von fern her schimmernde Plattensee mag als
Pelso, Pelsodis, Pelsois,lacus Pelissa, Bilisaseo nach ihr geheissen
sein (vgl. aber Zeuss, Deutsche 245 Not). Nach Streber könnte
man für gleichbedeutend mit Belisama die Dea Epona, Eponia
(Zeuss 11. 83. 99) halten, welche insehriftlich vom Rhein durch
die Schweiz bis nach Ungern-erscheint und ausdrücklich in Cili
genannt wird. Der Epona ist das Sonnenross, das Pferd über
haupt heilig. Man sieht sie auf dem heddernheimer und bregenzer
Denkmal als ganz bekleidetes Weib mitten zwischen Pferden,
diese mit Schüsseln loekend oder eine Art Füllhorn haltend. Ihr
Name stammt von dem allen sanskritischen Sprachen gemeinsamen
epe : Pferd. Es hiessen die salassisehen Pferdebändiger epore
dieae; es lauteten Eigennamen: Epono, Eporedorix, Atepoduus,
123

Atebodua. Herkules ward als Felsgott, Sax(s)anus (keltischer Name


Chaeront im Möllthale) auf der Koralpe verehrt; sein gallischer Bei
name Ogmius ist hierlands auch in keltischen Eigennamen der
Wurzel Oc erhalten. Nebst diesen zum Theile phönizisch-ägyp
tischen, bei der Einwanderung mitgebrachten Gottheiten muss es
niedere gegeben haben, denen unsere Kelten an bestimmten Or
ten Verehrung erwiesen. Gottheiten, nach Städten, Flüssen u. dgl.
genannt, gab es in Gallien, (topische Gottheiten Lel. S. 260),
also wol auch nicht minder bei den keltischen Stämmen im Osten.
Wir können daher wie dort eine Solimara, einen Nemausus, hier
eine Celeja, Noreja mitEigenschaftsbeinamen; ferners einen Dravus,
Savus und die ausdrücklich mit diesem genannte Adsalluta (salt:
kleinesWasser, Mone 238) annehmen. DieHypothese, welche eine
Heilgöttin (von celiti) Celeja, eine Erd- und Höhlengöttin Noreja
(von nor) vor das Dasein der Städtenamen hinaufsetzt, hat daher
ebensowenig für sieh, als wenn sie für eine Felsengöttin Acaluta
(ac: Bergspitze) aus indisch-slavischer Quelle schöpft. Noch mag
vielleichtLatobius, Latobus, inschriftlich auch im nahen Lavantthale
genannt, eine keltische Gottheit, aber gewiss auch ausserhalb des
Stammes der Latobiker gewesen sein. Dass hier ein indisch-sla
vischer Brahma, einWassergott (ladija : Schiff) sich ankünde, ist
ebenso wenig wahrscheinlich, als auf einen Apollo Latonae nach
Muchar zu denken wäre. Den Gott Jarmog (nach Terstenjak von
jar-mogel, Frühlingsmacht), dessen Name, wie dies überhaupt
von allen Götternamen gelten kann (Lel. 260 u. a.), auch als Per
sonenname vorkömmt, feiert eine Inschrift zu Pettau. Die Orts
Gottheiten Bedai und die Alounae, die Mütter oder Schützerinnen
der Salzborne im Hallaunengebiet, eine Inschrift im benachbarten
Seen. An Götterbildnissen, aus der Erde gegraben, ist Steiermark
nicht so reich wie Salzburg, wo man im römisehkeltischen Fried
hofe achtzehn nun in München und acht im Stadtmuseum befind
liche Denkmale errungen hat. Die Belisama feiert der judenbur
ger Wagen mit seiner Hirschopferung. Als liturgische Bilder und
Zeichen aller Kelten treffen wir: Aehre, Auge, Bogen, Diskus
(Sonne), Dreieck, Eber, Hirsch (Gregor. Tur. p. 86. Mem. de l’ac.
eelt. II. 84. Koch 123), Hund (Lel. 163), Kreuz (Müller D. Mge
schichte. I. 31, Koch. Sitzb. III. 88, Lel. 135, 18.1), Lanze,
Leier (Lel. 134), Löwe (Müller D. Mgeschichte I. 30, Lel. 163),
Mondsiehel (Lel. 172), Pferd (Schreiber Taschb. 1840. S. 237,
Grimm Myth. 621. 631. Lel. 166), Pflanze (Bellinuncia), Rad,
Ring (Schreiber ebd. Lel. 161), Schiff, Schlange (Müller ebd.
Lel. 181), Eber (Lel. 152), Stern (Lel. 171), Stier (Müller ebd.
Lel. 163), Triquetrum, Vogel (Lel. 187) und zwar dies zumeist
124

wie im phönizischen Cultus. Von den genannten Zeichen kann


man indess für Steiermark aus einheimischen Funden nur
einige nachweisen. Das Dreieck ist durch die Klapperblechc
des kleingleiner Fundes ziemlich wol eingehalten; Hirsch,
Ziege, Bär erscheinen auf dem Untersatzbleche ebendessel­
ben saggauthaler Fundes, ersterer noch schöner und zwie
fach auf dem judenburger Wagen; das Pferd auf beiden
vorgenannten, ebenso Rad und Stern. Reichhaltiger begegnen
uns die liturgischen Bilder, wie wir sehen werden, auf den
Münzen.
Die Gewinnung des Goldes (aиг) war den Kelten
stämmen in der Weise eigen, dass sie die Aufmerksamkeit
und sogar den Neid der Römer erweckten. Gewaschen ward
dies edle Metall nach Strabo um das eisenreiche Noreja und
noch bis tief in’s Mittelalter herein aus Mur und Drau;
bei Leoben und Knittelfeld, an der Liessing und Traun, um
Rotenman und Zeiring ist dies nachgewiesen , im kärnti
schen Naehbarthale der Lavant sagenhaft angedeutet. Der
Grubenbau darauf war schon im ‘2. Jahrhunderte vor Chr.
bekannt und Polybius berichtet, dass zu seiner Zeit bei den
Tauriskern gediegenc Goldkörner in Bohnengrösse und mit
nur ein Achttheil Verunreinigung sich fänden unter den fünf
zehn Schuh mächtigen Erzlagern. Dieser Reichthum hatte
nachmals die Italer angelockt und durch deren Ausbeute war
das Gold plötzlich so häufig und billig geworden, dass die
Taurisker keine fremden -Arbeiter mehr zuliessen. Am häu
figsten mag über unser Land die Goldader des Möllthales sich
ergossen haben und das gediegene Gold von daher ist für
unsere älteste Goldmünzung so wichtig, wie das im -Lande
aus Flüssen gewaschene für die Electrumformung. Die Gru
ben zu Oeblern bei Schladming und Stubeck sind neuer und
unergiebig. Dieses glänzende Metall also diente nach Diodor
Männern und Frauen zu Hals- und Fingerringen und galt nach
Polybius überhaupt nächst Viehbesitz für den einzigen besten
Reichthum. Es ist daher eine gewisse Bewerthung des bis
in das Herz Italiens fahrenden Edelmetalles nach Grösse und
Gewicht ziemlich früh anzunehmen, vielleicht in Form des
Ring- und Badgeldes, welches Cäsar für Britanien, Schrei
ber für den Norden, Kiss im benachbarten Ungern nach
gewiesen hat. Allgemach bildet sich - und nicht nothwen-
dig erst aus Gallien hereingebracht - von der blossen Ge
wichtsmünze ganz leicht eine augenfälliger bezeichnete heraus,
welche erst roh , dann mit deutlichen Zeichen und Zeich
125

nungen, mit heiligen Himmelsgestalten, Pflanzen und Thieren


(Eber, Pferd) und endlich mit menschlichen Gestalten begabt
auftritt. *)
Das gemünzte Geld war den Keltenstämmen in unserer
Steiermark zu Handel und Wandel gewiss eben so geläufig als
den Stämmen in Gallien und an den penninischen Alpen. Hier
wie anderswo handelten die Berg- zu den Flachlandbewohnern
mit Salz , den von Strabo genannten Pech, Harz, Kien, Wachs,
Hönig, Käse um Getreide; Thäler und Flüsse wurden befahren;
auch hier wird (nach Cäsar) der Bräutigam die VViederlage der
Braut mit Geld verdoppelt, hier (nach Ap ian) der Reisende wie
in den non`sch-carnischen Alpen bei den Salassern einen Zoll
tribut entrichtet haben.
Es mag das älteste keltische Münzwesen, im umgekehrten
Wege als das römische, vorzüglich das Gold erfasst haben, wie
man bisher angenommen hat. Doch war auch infolge uralter Tra
ditionen vom Phönikerlande, daraus das erste Silbergeldsystem
durch Asien gegangen, die heimische Silbergewinnung nennens
werth. Die Silberwerke bei Frohnleiten und Waldstein, an der
Gail, im Oberennsthal und die überreichen, selbst anderthalb
tausend Jahre später bebauten und dann verschwemmten Gruben
bei Zeiring gaben noch den Römern genug zu schaffen und er
klären das spätere Vorkommen der comites auri, comites metallo
rum, procuratores metallorum. Das Kupfer, das eigentliche Metall
der Kelten (Ais), heute gebaut zu Oeblern, Radmer, Schladming,
Kahlwang, wurde in vorrömiseher Zeit unvermischt verarbeitet
(reine Bronceperiode bei 85 und 95 0/0 Kupfer bis zur Zinnzeit
von 4_160/0 Zinn) und wird je jünger desto unreiner. Zu 99‘8
Theilen Kupfer kamen etwas später höchstens 0-2 Eisen (Iarrun),
zur Zeit der Römer das Zinn (13 Theile auf 87 , wie beim
älteren gleiner Funde), zuletzt nach dem Blei (Potin) das Zink zur
Zeit der gänzlichen Christianisirung und Germanisirung. In Eng
land und Irland zeigen vorchristliche Mischungen in 100 Theilen
90 Theile Kupfer, 9 Zinn, Spuren von Eisen, kein Zink; nach
christliche 79'13 Kupfer, 1595 Zink, 3-27 Blei, 1'21 Zinn und Spu
ren von Eisen. Die stark zinkhältige Legirung reicht von der Zeit
der Cassier bis über Claudius und Hadrian (20 vor bis 138 nach
Chr.) und schliesst sonach das keltische Element bald aus. **)
*) Vergl. Mommsen G. des röm. Mw. 169. Kenner Anfänge des Geldes im Al
terthume. Sitzb. d. Akad. 1863. XLIII. 382.
м‘) Näheres bei Wocel ,Archaeologîsclie Paral1elen‘ in der k. k. Ak. Sitz. Ber.
Bd. 11 S. 716-761 besonders S. 750 und Bd. 16 S. 169-227 vorzüglich
S. 203, 206.
126

Die Verarbeitung dieser drei Haupt-Metalle zu Münzen wird nun


bei den Kelten in der genannten Reihenfolge angetroífen.
Es ist die Zeit so lange nicht vorüber, als die erwähn
ten Erzeugnisse der Barbaren, wie man sie den Griechen
und Römern gegenüber nannte, äusserst gering geschätzt und
mehr verachtet als erforscht wurden. Noch vor siebenzig Jahren
schrieb Eckhel von denselben, und zwar in seiner Doctrina (P. I
vol. 4 p. 170), wo er hinter den Münzen ungewisser Könige von
der Münzthätigkeit der Barbaren, nämlich der Hispanier, Gallier,
Parther u. s. w. spricht, dass ihr Herkommen die Kunsterfahren
sten in die Klemme bringe, dass gleichwol das alte Dacien, Ober
mösien, wol auch das bergreiche Untermösien, Thrakien, Make
donien, Illyrien und, was für uns wichtig, das untere Pannonien
als Vaterland der sonderbaren Stücke gelten müsse. *) ,Grund
dieser Muthmassung ist (fährt er fort) einer, der nicht fehlführt,
dass nämlich besagte Münzen noch heutigen Tages in einer kaum
glaubliehen Menge gerade in jenen Ländern aufgegraben werden.
Daher strotzen auch unsere Museen wegen des- leichten Bezuges
von diesen Kaufstücken und man pflegt sie allgemach ihrer Ge
meinheit wegen in die Schmelze zu schieken.‘ Er könnte, gibt
Eckhel auch an, viele epigraphe und anepigraphe Stücke
aufführen; allein die Bedeutung sei ohnedies unerklärt, auch
lerne man weiter aus den Stücken nichts. Häufig deutet er die
Lächerlichkeit an, den der Styl barbarischer Münzen für das
kunstgewohnte Auge habe. Auch rieth Ebenderselbe in einem
Hofkainmerberichte vom 5. Juni 1793 nach Cab. Act. Nr. 78 auf
selbstverständliche Einschmelzung der vom karlsburger Münz
amte zu erwartenden Barbarenmünzen. Nicht viel genauer als
Eckhel und zum Theile noch Montfaucon, Caylus, Petau, Boute
roue und Pellerin ähnlich, betrachtete und beschrieb noch
Mionnet die gallischen Münzen. Seit Duchalais (1846) in seinem
vortrefflichen Wейкe ,Deseription des médailles gauloises‘
allen einschlägigen numisinatischen Bestrebungen die Krone
aufgesetzt hat, steht auch ein gallisehes und ein pannonisches
Münzwesen (in Ursprung und Styl sich vielfach ähnlich) charak
teristisch gesondert da. Vor zwanzig Jahren erledigte Muchar die
offene Frage mit den Worten: ,lm Verkehre mit Italien, mit
Illyrien und mit den Völkersehaften im tiefern Pannonien lern
ten unsere Urbewohner -frühe schon gemünztes Geld kennen,
was dann lange vor der Römerepoche schon der Massstab aller
Preise beim Handel geworden und geblieben ist. Wir haben

*) Realzeitung Wien 1777. 1. April. Neumann Numi pop. P. 35..


127

Münzen aus dem zweiten und dritten Jahrhundert vor Christus,


von Fürsten und Städten in Thrakien, Makedonien, von panno
nischen Königen, von K. Balanus aus unseren Ländern oberhalb
der julisch-carnischen Alpen, vom illyrischen Könige Gentius.
Man hat aus steiermärkischer Erde vorehristliche Gold- und
Silbermünzen, Münzen aus den Zeiten des römischen Freistaa
tes, Münzen vom Dictator Julius Cäsar.ausgegraben. Ob in
der Urepoche in der Steiermark selbst Münzen geschlagen wor
den sind, ist gänzlich unbekannt.‘ Vor kaum zehn Jahren nun
war es E. Pratobevera, Welcher an Eckhel ganz entschieden rügte,
dass er ,die von ihm so genannten barbarischen Münzen, unter
welchen die keltischen den ersten Rang einnehmen, mit sechs
Blättern abfertiget, wiewol diese ihres originellen Charakters
nicht weniger als wegen des häufigen Vorkommens in den mei
sten Provinzen unserer Monarchie mehr Berücksichtigung ver
dient hätten.‘ Ebenderselbe beklagt auch bei Muchar die gänzliche
Verschweigung keltischer Antiken, ,welche doch, die Münzen
ausgenommen, im Lande fast ebenso häufig als die römischen
vorkommen‘ und beschreibt und bildet ab ein paar Münzen in
seinen ,Keltischen und römischen Antiken in Steiermark.‘ Fast
gleichzeitig klagt Dr. Schreiber: ,Leider hat das auf den soge
nannten barbarischen Münzen noch immer ruhende Vorurtheil
auch auf die einheimische alte Numismatik derDonauländer nach
theilig cingewirkt. VVas davon täglich in Siebenbürgen, Ungern,
Steiermark zu Tage kommt, wandert häufig entweder in die
Schmelztiegel oder in das Ausland.‘ Wir können jetzt insoferne
von Muchar allerdings ausgehen, dass wir seine Angabe voran
schicken, es ermangle einer bestimmten Nachricht von den Alten,
ob die Noriker (und wol auch die VVe-st-Pannonier) selbst Mün
zen aus ihrem Gold und Silber geschlagen haben. Aber die
erste Anregung, den ersten Vergleich in Bezug auf das urälteste
Münzwesen nehmen wir nicht mehr aus Gallien herüber, wo die
Münzstätte zu Lugdunum und der Reichthum des münzenaus
streuenden Königs Luer denn doch bei Weitem später fällt, son
dern aus dem Oriente, aus Kleinasien und Griechenland. Und
auch der Zeit nach begnügen wir uns.mit den Nachrichten nicht
mehr, die wir zuäusserst im 2. Jahrhunderte vor Chr. über
gemünztes Geld in lllyricum und Pannonien, von Schlag
stücken des Balanus und Gentius, der pannonischen Amantinier
u. a. haben. ‚ ’
Frölich und Eckhel (wozu als Curiosität Lazius mit seinem
numisma vetus der Taurisker in Migrat. Gent. 153) liessen bisher
ganz im Allgemeinen den_Schluss auf einheimisches Münzleben
128

erst mit Beginn des 2. Jahrhundertes v. Chr. in den, das nach


malige Noricum und Pannonien bildenden Ländern offen. Von
diesem Standpunkte aus machte nun Muchar die Vermuthung auf
die alten tauriskischen Goldklumpen, welche die von Plinius er
wähnten, aus Illyricum erst als blosse Werthwaare eingeführten
Victoriaten seien. illüller in seiner Münzgeschichte scheint die
Regenbogenschüsselchen hauptsächlich den Tauriskern zuweisen zu
wollen, während Streber sie des häufigeren Vorkommens von Baiern
bis Böhmen halber als bojische Nationalmünze ansieht. Am wich
tigsten ist uns wol, was Mommsen, der die steierischen Ausgra
bungsorte und Sammlungen in August 1857 persönlich besucht
und eifrig durchforscht hat, in seiner ,Geschichte des römischen
Münzwesens‘, worin er nach gänzlicher Vernachlässigung das erste
Mal eine zusammenhängende Darstellung von des Römerreiches
Provinzialmünzwesen gibt, im Folgenden urtheilt (694 Not. 93).
Er erklärt für vorwiegend in Steiermark neben den römischen
Kaisermünzen und den Kupferstücken die quadischen Tetradrach
men. Zu diesem Schlusse ist er gekommen nach genauer Durch
sicht der Sammlungen zu Grätz, (Leibnitz ?), Pettau, Laibach,
Klagenfurt. Auch zeugt von seiner gewissenhaften Forschung die
Stelle: ,Dass römische Familiendenarc , illyrische Drachmen,
nordgriechische Silber- und Goldmünzen, überhaupt irgend eine
der in Siebenbürgen so häufigen Sorten auch in diesen Land
schaften -Rhätien und Noricum- begegnen, ist mir wenigstens
nicht bekannt.‘ Die ältesten Silberstücke sind also nach Mommsen
quadische Tetradrachmen, den nordgriechischen nachgebildet; die
goldenen Regenbogenschüsselchen ,unter augenscheinlich keltisch
germanischem Einflüsse stehend.‘ Nach der ersteren Stelle spricht
Mommsen unseren einheimischen Kelten eine eigene Münzung
gänzlich ab und findet die Quelle des reichen Silberflores am
linken Donauufer im Quadenlande. Nach der zweiten Stelle wäre
die Aussicht auf den Nachweis auf einer mehr westlichen Sonder
prägung noch offen und allerdings mag von hier der Beweis für
eine eigene norischkeltische Münzung geführt werden können.
Wir in unserer Zeit müssen, ehe denn ein Entscheid versucht
werden kann, noch auf recht zalreiche und verschiedenörtliche
Münzfunde hoffen, die das Ostenkeltenland überhaupt noch schul
det. Und auf diesen weitesten Umfang des Keltenmünzwesens
sind auch diese Entwürfe berechnet. Es wird alsdann an einer
geographischen Erweiterung für den Boden jenes Münzflores
nicht ermangeln , den der geistreiche Duchalais den pannoni
schen und als solchen mit dem gallischen oft verwechselt ge
nannt hat. -
129

Das Recht der Münzenprägung der keltischen Stamm


häuptlinge und Fürsten wurde von den Römern vorgefun
den, wie im narbonensischen Gallien, so auch bei uns, und
es bedurfte zur Ausübung des Münzrechtes nicht erst einer
neuen Rechtsverleihung von Seite der Eroberer. Cäsar liess aber
in Gallien (nach Mommsen, R. G. lII. 533) die alte Ordnung
bestehen, und ein gleiches ist späterhin für unsere Gegenden an
zunehmen. Unter den Kaisern wurde das Prägerecht allerdings
der Form nach erbeten und verliehen, erst ein für allemal, und
dann von Statthalter zu Statthalter. Diese konnten also in unse
rem Lande das Korn der von den Stammhäuptlingen geprägten
Münzen controlliren,verbessern, abrufen; daher der ungleiche Ge
halt, daher das Verschwinden gewisserReihen, deren eine die andere
bei der Umformung verschlingt. Der Todesstoss für die einzelnen
Münzungen , welche sich indess schon längst nicht mehr lehnten,
erfolgte unter GordianusIIl. (240) und der grossen Münzreformation
durch Claudius Gothicus (268), so dass allein Aegypten und Ale
xandria bis in das 4. Jahrhundert hinein noch emsig thätig waren.
Römisches Mass und Gewicht wurde seit Augustus aus
aller Landesmünze auf den Denarfuss ausgerechnet. Schrot
und Korn der Münze ist den meisten Sammlern und Samm
lungen bis in die jüngste Zeit eine neben Schrift und Bild bei
nahe wertlose Sache geblieben und mit Recht klagt Mommsen,
dass die Numismatiker stets noch fortfahren, den Metrologen und
Historikern zu ihrer eigenen Arbeit auch noch die numismatische
Vorarbeit aufzuerlegen. Wir berücksichtigen daher, entgegen
dem bisherigen landläufigen Gebrauche , wo immer möglich das
Gewicht der Münze schon seit den keltischen Zeiten und zwar
nach dem jetzt in aller gelehrten Welt - mit Ausnahme Eng
lands - gebräuchlichen Grammsystem, umsomehr, als der Gran
für die späteren Kupfergewichte ohnehin zu klein ist. Prokesch
rechnet in französischen gros oder grains. Das römische Ge
wichtpfund ist nach Böckh’s metrologischen Untersuchungen auf
327434 Grammes (: 6165 pariser Gran) angenommen, daher die
Unze zu 27'286, der Serupel zu 1-137 Gramm. Das wiener Han
delspfund beträgt 560‘012 Grammes, das Loth 17‘500, der Gran
0‘073 Gramm. Dass unsere Berechnungen schon in der dritten
Grammdecimalstelle nur auf Wahrscheinlichkeit fussen , sei
voraus bemerkt. Indess wird dieser Mangel gerade bei den kelti
schen Münzen unseres Gebietes minder fühlbar, weil auf eine
äusserste Richtigkeit bei der starken Beschneidung, Vernutzung
und ursprünglich ungenauen Ausbringung fast aller Stücke ohne
diess nicht zu rechnen wäre. Denn sehr oft ward die zum Prä
9
130

gen ausgebrachte Metallmasse (wie eben auch bei den gallischen


Münzen, Bev. numismat. 1838, S. 302 nach de la Saussaye) viel
zu gering gegen den grösser angelegten Stempel und dieser
kömmt nur halb oder verschoben zum Vorschein. An Legenden
indess dürfte hiedurch in unseren Gebieten nichts Wesentliches
verloren gegangen sein.
Das anfangs in Körnern und Klumpen von Hand zu Hand
gehende Metall ward durch Hämmern verdichtet und in Stab
oder Barrenform gebracht, wol auch vierkantig und rund gehäm
mert, zu Ringen gebogen und in späteren Zeiten zum Gusse
geschieden. Der Stempel war in ältesten Zeiten concav mit
convexem Aufsatz und scheint für den Schnitt des convexen
Aufsatzes, welcher also das concave Münzbild gab, mehr Kraft
verwendet worden zu sein. Wenn die convexe Münzseite oft ohne
Gepräge erscheint oder höchstens mit einer grossen Dunse in
der Mitte, welche ein Rand umgibt, so ist das sehr häufig nur
Folge der Abnützung der blossgegebenen Seite. Ursprünglich
konnten hier Buchstaben zu sehen sein zu den Mond-, Kugel-,
Strich- und Zickzack-Bildern der anderen Seite, wie man dies
thatsächlich gefunden hat. Bei fortschreitender Technik ward die
concav-convexe Form des Stempels mit dem ursprünglichen
Einsatzloche, welches Vestigung gab, verlassen. Die geringere
Höhlung der Münze möchte daher wel immer ein Zeichen
jüngerer Zeit sein. Grösserer Vertrautheit im Prägewesen gesellte
sich nunmehr, bedingt durch die Bekanntschaft mit griechischen
Massverhältnissen, ein stärkeres Schrott und Korn bei, und aus
dieser Zeit haben wir viele ganz gut und in plastischer Fülle aus
geführte Kopf- und Pferd-Reliefs, ebenso Blätter, Räder, Sterne
und seharfgeschnittene Buchstaben. Die Steifheit der Zeichnung,
das Fragmentarische der Bilder, welche häufig aus nicht zusam
menhängenden Theilen bestehen und doch ein Ganzes bilden,
endlich die symbolischen Zeichen hebt Pratobevera u. r.
A. 45) hervor. Die Kö fe sind fast durchgehends bärtig und mit
reichem, büschelichten ]Íi­Iaupthaare besetzt, bald nach rechts, bald
nach links gewendet. In rohester Zeit ist die Nase von einem
dicken Strich gebildet, der unten mit einem Klumpen endet,
zwei bis drei Punkte oder kurze Breitstriche darunter bedeuten
die Lippen, ein grösserer Wulst das Kinn. Zumeist ist das Auge,
ein Punkt in einer dreieckichten oder auch elliptischen Einfassung,
und das Chr recht kennbar ausgedrückt. Ein Diadem oder ein
Hauptschmuck, gebildet von drei Punktreihen oder auch von
zweien mit einer Folge grösseren Rauten oder auch rundlichten
Vierecken inmitten, sitzt fast immer auf dem Köpfe, bald nahezu
131

senkrecht herablaufend, bald gegen die horizontale Lage sich


annähernd. Die Bindemasche oder das bogichte Ende findet sich
alsdann hinter dem Kopfe; es darf daher nicht als ein Buchstabe
oder eine Scheibe mit Kugel gedeutet werden. (Vgl. Lel. 184.)
Die Köpfe in Nachahmung des Philippeus heben sich von den
anderen wesentlich ab und zeigen oft sehr schöne Formen. Manche
erreichen fast das griechische Vorbild, bekennt Pratobevera. (K.
u. r. A. 44.) Das Pferd, immer die Kehrseite einnehmend, erscheint
in der mannigfachsten Form, ab- und aufsteigend, nach rechts,
nach links, frei und mit Zugaben. Jene ursprünglichste Form,
wo drei starke Punkte Kopf, Brust und Hintertheil bedeuten und
zwei Gerade sie verbinden, während je zwei Striche (die Füsse)
von edem der unteren Punkte auslaufen (wie die Kinder zeichnen),
diese ursprünglichste Form ist in Steiermark nicht aufgedeckt
worden. Aber das Dreipunktsystem bricht noch langehin unver
kennbar durch. In der Zeit ward der Leib des schönen Thieres
voller und minder schlangenartig gewunden gehalten; es blieben
nur offene Contouren für Kopf, Hals und Füsse. Der Kopf ent
wickelt sich aus zweien, in spitzen Winkel zulaufenden Linien,
die unten Punkte (die Schnauze) ansetzen; der Hals schliesst
sich spitz an den Kopf an; die Füsse sind ursprünglich zwei mit
dem spitzesten Winkel zusammenstossende Dreiecke, welche ein
Punkt (Kniescheibe) verbindet. Allgemach füllen sich diese Lücken
aus; nur bleibt der starke Halseinbug wie eine Race-Eigenthünn
lichkeit. Lange Mähne, hoher, ringleinverzierter Schweif, Kugeln
auf der Brustwandung, eine Art niederen Kummets um den Hals,
Bauchgurten, Zügel nnd Schutzgebiss finden sich ein. Die Figu
ren, welche sonst auf den Münzen vorkommen, hält ein nachfol
gendes Verzeichniss fest. Die Buchstaben, erst griechisch, dann
römisch und beides gemischt und verzerrt, zeigen im unver
mengten Zustande an der oberen und unteren Liniengränze
einen, den Linienkörper schliessenden Punkt wie die Con
sularmünzen, laufen in gerader oder schiefer Richtung mit und
ohne Linieneinfassung, bald Идём, bald von einander getrennt,
fort. Endlich scheint eine Nacharbeit mit dem Stichel nicht
unbekannt gewesen zu sein. Was Werkstätte und Technik
keltischer Münzen betrifft, so haben wir über Münzmeister,
Werkführer , Metallübernehmer, Stempelschneider , Probirer,
Giesser, Schrötlingaufsetzer, Hammerschläger und Reiniger
natürlich gar keine Nachrichten. Die Technik des Volkes,
welches in Absicht auf Kunst zwar barbarisch zu nennen
ist , hat als eine wolersonnene auch den grossen Goethe
beschäftiget.
9*
132

Jener reiche Flor von keltischen Münzdenkmälern wie in


Gallien und der Schweiz (Auch, Vouillé, Toulouse, Lodéve, Che
venet 900, Pionsat, Clermont, Bonnoeuil), sowie in deren nächster
Umgebung, endlich auch in Rheinbaiern und bis Böhmen, Un
gern, Croatien, Siebenbürgen herein, der sogar nach den einzlen
Jahrhunderten und Stämmen mit vieler Bestimmtheit sich ab
scheiden lässt, er findet sich in Steiermark nicht. Indessen lässt
sich hier doch beiläufig entscheiden, was auf dem Gebiete von
sechs Jahrhunderten den nächstbenachbarten Stämmen angehöre,
was nicht und was der Zeit des griechischen und römischen Ein
flusses ferner oder näher stehe. Kaum aber dürfte je mehr von
Typen, die hierlands häufiger vorkommen als alle anderen, auf
Münzen geschlossen werden, die gerade unserem Keltenstamme
eigen und im Lande selbst geprägt seien. Noch ist es nicht gelun
gen, wie das z. B. zu Avenches in der Schweiz für die Helvetier
der Fall war, einen Münzstempel in unseren Gauen aufzufinden,
in dessen polirte, künstlich vertiefte oder concave Erzplatte die
häufigst vorkommende Münze passte. Aber wäre selbst dieser, wie
der Ort der Gussstätten (so zu Muttendorf) bekannt worden, so
fehlt doch seit einer Reihe von Jahrhunderten die Uebersicht
über die theils ausgewanderten, theils verschmelzten Funde und
es mag mit einiger Bestimmtheit über entschieden vorherrschende
keltische Münztypen ein Urtheil nicht abgegeben werden. Muss
man schon einen bedeutenden Unterschied im Typus der mehr
östlich und südlich in Ungern, Siebenbürgen und Croatien gefun
denen Keltenmünzen gelten lassen, wenn man deren zu Hunderten
gesehen hat, obgleich sich auch hier wieder sehr Verwandtes
findet, so liegt noch mehr die grosse Aehnlichkeit der westlichen
Fundstücke auf der Hand. Waз Kärnten aus dem Zolfelde, aus
Teurnia, vom Diexberge u. a. geboten hat, ist nicht mehr neu;
nur der eisser Fund steht originell da. Daher kann man im All
gemeinen mit Mommsen sagen, wie von Rhätien so von Noricum:
,Eigene Münze fehlt hier beinahe ganz und wo sie sich findet, ist sie
in verhältnissmässig später Zeit durch die nachbarliche Prägung
hervorgerufen. Am frühesten und nachhaltigsten hat die Gold
prägung der westlichen Kelten hier eingegriffen.‘ Was mit Sicher
heit sich noch unterscheiden lässt, ist die Dreitheilung in natio
nale, griechisch- imitirte und römisch-imitirte Münzen, womit
auch beiläufig deren Zeitreehnung gegeben ist.
Nationale Münzen sind solche, welche weder griechische noch
römische Nachahmung verrathen und entweder ohne Typen oder
mit maneherlei Zeichen und Symbolen roh aus Gold oder Elektrum
(Silbermischung) gegossen oder mit Typen aus keltischer Mytho
133

logie in Silber, Erz und Potin (aes caldarium, Topfgut von Kupfer,
Zink, Zinn, Blei, l/5 Silber. Rasche. Ant. Mzn. П. 169) geprägt
sind. Die ersten sind unter dem Namen der Regenbogenschüssel
chen (scutellae oder patellae Iridis) bekannt und fallen dem auch
beim leibnitzer Fund auf’s Neue bewährten Volksglauben zufolge
dort vom Himmel herab, wo der Regenbogen sich auf die Erde
senkt, sind glückbringend und heilsam gegen Krankheiten. Nach
den grossen Funden von Gagers an der Glon in Baiern (1751),
zu Podmokl in Böhmen im Goldwerth von mehr als 12.000 Du
katen (1771) und endlich bei Vohburg (Irsching) in Baiern in
Anzal von mehr als tausend (1838) und Deutschjarendorf bei
Karlburg 1855 (26 Schüsselchen), zerstreuten kleineren Funden
südlich der oberen Donau zwischen Iller und Lech, Lech und
Isar, Isar und Inn, dann zwischen Donau, Main und Rhein, sowie
auch nördlich vom Main, endlich ostwärts bis nach Böhmen,
(Nischburg, Zebrak), aber auch, wie wir sehen werden, an der
mittleren Donau, in unserer Steiermark und selbst noch in
Siebenbürgen, erscheint diese Münzart ohne Aufschrift (höch
stens ein A oder gestürzt V) und meist den Typen von:
Schlange, Vogelkopf, Blätterkranz, Leier, Punkte, Halbkreis,
Kugeln; der Form nach concavconvex, bald dicker, bald dünner,
von Gold oder Elektrum inner 7-6‘3 und kleinere inner 2-1‘7
Grammes Gewicht. (Stateren und Staterenbruchtheile, ähnlich
dem Didrachmon von Cyzicus.) Man nennt sie auch stumme
(buchstabenlose) keltische Münzen und nach ihren Charakteren
Asterisken (Sterntype) u. dgl. Man hat diese Denkmale ferners
nach ihren Typen gesondert und bringt in eine Gruppe jene
mit mehren bogenumspannten Kugeln auf der Concavseite, die
sich wieder nach dem Vogelkopf, Blätterkranz, der Leier und
dem Triquetrum auf der Vorderseite abtheilen; in die andere
Gruppe hat man jene ohne diese Kugeln gethan und theilt hier
nach Götter- oder Thiergestalten und sonstigen Merkmalen cin.
Die Zeit für diese Münzart läuft nach Streber vom fünften
Jahrhunderte vor Christus bis zu der culturersehütternden Wan
derung der 400.000 Kimbern durch die Tauriskerstämme nach
Gallien und wieder zurück nach Italien (113 v. Chr.). Dies
schliesst sich aus den Wanderungs- und Cultur-Nachrichten der
Alten und aus der gleichmässigen Erscheinung in Gallien, wo
selbst man nach Lenormant um 279 zu münzen angefangen und
nach Lelewel von 330 bis 260 v. Chr. Goldstücke geformt hat.
Die Fabrik der östlicheren Keltenmünzen ist übrigens von der
der gallisehen einigermassen, es sind die Typen endlich wesent
lich unterschieden; dies schliesst sich aus der Dicke und Wöl
134

bung, dies aus der Typen Einfachheit únd Originalität. Desshalb


hat man die einheimischen Regenbogenschüsselchen wol gar
älter gelten lassen als die gallischen Goldstücke (entgegen
Mommsen, der vom Donaugebiet nach Mittelgallien weist) und
setzt sie, als in eine Zeit, wo man dem Ausglitschen des zu prä
genden Goldklumpens unter den Hammerschlägen durch Vertie
fung und Wölbung vorzubeugen gewusst hat, vor das Jahr 400
und den Sigoweszug hinauf, das Stylgefühl mit den Nachrich
ten in Einklang bringend, welche Livius, Cäsar, Tacitus über die
West- und Ostwanderung der Kelten verzeichnen. Das Beinahe
der Mommsen’schen Stelle schliesst ein Vorkommen eigener
Münzen in Noricum und, folgern wir, in Pannonien nicht aus;
ebendesshalb hat auch das Eingreifen der westkeltischen Prä
gung seinen bedingten späteren Anfang. Mit Wahrscheinlich
keit leitet Mommsen die Regenbogenschüsselchen, welche in
britisch-belgischen G-oldstücken Genossen finden, vom Philippeus
(8-73 Gr.) ab, welcher hinwider alsNachahmung des alten persisch
makedonischen, hier nicht im Verkehre schwebenden Königs
staters (mit 7-71 bis 7-O3 Gr.) auf den Orient weise. Diesem An
fang gegenüber steht am Ende der Einfluss des römischen
Aureus, dessen Gewicht dann das massgebende geworden. Doch
ist uns, so sehr möglich eine ganz sporadische Goldmünzung
einheimischer Keltenhäuptlinge spätester Zeit wäre, ein derlei
Stück nicht erhalten worden.
Ob die Silberprägung der einheimischen Kelten noch viel
beschränkter gewesen, als jene in Gold, wie Mommsen sagt, ist
vorderhand unentscheidbar. Entweder wir können überhaupt eine
Prägung nicht nachweisen oder vermuthen, dann gibt es keine
Vergleiche; oder wir nehmen eine einheimische Prägung an,
dann fällt uns aber die vorherrschende Anzal der hierlands ge
fundenen keltischen Silbermünzen entschieden in’s Auge. Diese
entsprechen keineswegs dem Dreivierteldenar von Massalia, der
uns zunächst vom Westen her nur bis an die Etsch und gen
Graubündten gekommen ist und von daher weiter östlich in
Menge sich nicht nachweisen lässt. Was uns erhalten ist, schliesst
sich mit seinem Fusse den nordgriechischen Tetradrachmen an.
Wie die massaliotische Drachme aus dem narbonensischen Gal
lien östlich über die Etsch nicht hereinkam, so können wir wol
auch die zur Drachme gehörige Theilmünze in Kupfer bei uns
nicht nachweisen. Die dortigen Stücke mit Lockenkopf und
Stossstier mochten nach hieher allerdings Anregung gegeben
haben. In der vorrömischen Zeit, aber schon im Ausgange, taucht
das Potin auf, cinc Mischung von W6 Kupfer mit 1/E Zinn. Der
135

bestimmt römische Einfluss zeigte sich endlich im Gewichte, das


im Assystem fusst. Ganz sicher unnachweisbar sind einheimische
Silberstücke mit einheimischen und zugleich römischen (Kaiser-)
Namen: ein Zeichen, dass mit der römischen Befriedung die ein
heimische Münzung - wenn sie ja anzunehmen wäre - aufge
hört hat, während sie im lugdunensischen Gallien doch noch bis
Nero fortgedauert hat. Endlich muss aller Umlauf keltischer
Quinare nach dem ersten Viertel des achten Stadtjahrhundertes
geradezu abgerufen worden sein. Denn von da ab mangeln im
Allgemeinen die Funde, die sich sonst durch die Begleitung
datiren.
Ehe wir das Gebiet der nationalen Münzen verlassen,
müssen wir noch auf den hierländigen Mangel einer Münzart aus
der alten nachahmungsfreien Zeit hinweisen, welche doch de la
Saussaye (Rev. numism. 1840, S. 259 Taf. XIX. Z. 9) den Bar
baren der Donauländer und insbesondere illyriseher Colonien
zuschreibt. Es ist jenes Stück mit Kopf inner Lorbeerkranzes )(
Eber, vier Pflanzen, Umschrift ungelesen (Mionnet VI. 718, Z. 8),
welches Dr. Schreibern veranlasst hat, auf den Fund eines Bronce
Ebers bei den untersteierischen Bahnarbeiten hinzudeuten und
zu versichern, dass ,durch Beachtung und Studium der keltischen
Münzen, wozu öffentliche und Privatsammlungen beitragen
mögen, zumal die vorrömische Geschichte Noricums und Pan
noniens an vielseitigen und gründlichen Aufschlüssen gewinnen
wird.‘ (Mitth.1854, V. 67.) An das alte Symbol mögen allerdings
noch an ein Dutzend Orte, vom Eber genannt, in unseren Gauen
sich beziehen (Eberbach, zwei Eberndorf, fünf Ebersdorf), aber
eine hieher gehörige Münze ist uns nicht bekannt worden. Ob
daraus, dem Absein der radförmigen Gussmünzen u. a. auf ein
gänzliches Wegfallen der ältesten in Gallien vertretenen Mün
zung -zu folgern sei, bleibedahingestellt. Zur nationalen Münze
rechnen wir natürlich auch noch jene epigraphen Stücke,
welche zwar griechische und römische Buchstaben weisen, ohne
aber nach Typus und Gewicht Denkmäler der genannten Völker
nachzuahmen. Der Schluss der Prägung überhaupt, für die
römischnachahmende natürlich noch später als für die grie
chisehnachahmende, ist in die Zeiten des Kaisers Trajan zu
setzen, unter welchem der Hinterwall der Unterjochung No
ricum und Pannonien vom fernsten Dacien aus einsehloss,
römisches Geld, aber auch römische Gewaltherrschaft zu Genüge
im Lande war.
Die griechisch-imitirten Münzen bringen Nachbildungen
hellenischen Geldes, wie solches durch den keltogalatischen
136

Bernsteinhandel in die Donauländer kam. Es ist hier natürlich


ungleich weniger Einfluss merkbar als im frühgesuchten Gallien
selbst, wo der (hier nur selten gesehene) massilische Löwe und
König Philipps makedonische Goldmünzen eben häufig waren.
Man hat anderwärts auchNachbildungen thasischer Tetradrachmen,
alexandrinischer Gold- und Silberstücke. Dennoch kommen hier
die Silbermünzen Philipps II. von Makedonien (Vater Alexanders
des Grossen) und zwar sowol in Absicht der ypen als des Ge
wichtes nachgeahmt vor. Das Münzencabinet -des Joanneums
weist deren einige auf und zwar vom ersten Versuche bis zur
guten Copie, womit eben auch deren Zeitfolge gegeben sein
könnte.
Den römisch-imitirten Münzen gilt die römische Consular-,
sowie die Kaisermünze als Vorbild, und sie treten deutlicher auf
mit dem Heranrücken der römischen VVeltmacht gegen Noricum
und Pannonien. Sowol der Münzfuss als die Typen werden
römisch und an Stelle der griechischen Buchstaben bei Aufschrif
ten treten die römischen. Man hat in dieser Wcise ausserhalb
Steiermark Nachbildungen von Quinaren mit Romakopf )(
Pallaskopf, von Familienmünzen Mucia, Opeimin, Spurilia, Plan
cia, Titia, Vibia, von diesen undKaisermünzen auf Einem Stücke,
ferner nachgebildete Gordiane, Philippus, Sponsianus u. A. gefun
den. So am rechten Saveufer oberhalb Gurkfeld in Krain ein
Stück nach dem trajanischen Denar (ly. Roma nicephora. Eckhel
Catal. I. 291; Doctr. I. 4, S. 179.) Ой sind derlei Stücke mit
ängstlicher Genauigkeit nachgebildet.
Alle drei Münzarten, wären sie nun durchaus keine ein
heimischen, mögen durch Handel und Wandel zumeist aus dem
“(ветви und dem Süden gekommen sein, während der Nord und
Ost weniger in Betracht kommen dürften. Ausserhalb unseres
Landes wohnende, aber mit den Tauriskern mehr, minder ver
wandte Keltenstämme, welche (übrigens nicht immer sicherer
als die unseren) Münzen unter ihre nächsten Stämme gebracht
haben können, sind nach Ptolemaeus die Sevaces (um Gmunden
Linz), Ambisontii (im Pinzgau), Ambidravi (an Drau), Ambilici
(an Liser) , die Sandrieeti, Arivates, Azali (bei Carnuntum),
Cytni, Amantes, Belgites, Catari, Cornacates Hercuniates, (zwi
schen Donau und Balaton), Oseriates und Varciani nach Plinius,
wozu noch die Segestani und Japides im Süden und im weiteren
Norden die (Знaй und Marcomanni zu nennen sind. Endlich geht
durch die rhätischen, vindelicischen und helvetischen Stämme
der Hauptverband nach Gallien.
,Vl/-ollte man sorgfältig die Orte verzeichnen, wo derglei
137

chen (barbarische) Münzen gefunden werden, so gäbe sich viel


leicht ein Aufschluss‘, sagt Goethe in ,Kunst und Alterthum.‘
Hauptfundstätten keltischer Münzen wie etwa in den walliser
Alpenstrassen gibt es in Steiermark nicht. Der einzige topfweise
Fund bei Lemberg nächst Cili (und zwar oberhalb der nach Neu
haus führenden Strasse, wo das neuhauser Thal zuerst sich aufthut,
hinter dem netten, gemauerten Häuschen HZ. 18 zu Doberna, sechs
Klafter gegen den Wald hinein) im Mai 1829 ergab angesam
melte 500 Stück. Muchar sagt darüber mit einer, seiner Zeit nicht
mehr entsprechenden Unbestimmtheit: ,Nahe bei dem Schlosse
Lemberg, zwischen Weichselstätten und Neuhaus bei Cili auf dem
Ackerfelde eines Bauers ist ein Topf mit vielen, sehr alten vor
christlichen Gold- und Silbermünzen gefunden worden, wovon
noch drei goldene und fünf silberne auf dem Schlosse zu Lem
berg aufbewahrt werden.‘ Arneth im ,Katalog der Medaillen
stempelsammlung‘ nennt nächst Podmokl und der marmoroser
Gespannschaft dies Lemberg als wichtigen Fundort jener Münzen,
über die er ausruft: ,Vielleicht kömmt einst der Tag, wo auch sie
ihre Bestimmung erhalten.‘ VVir können zunächst der Fundnach
richt, wie solche auch J. G. Seidl in den ,Wiener Jahrbüchern der
Literatur‘ Bd. 115, S. 33 verzeichnet, beisctzen, dass der Besitzer
der damaligen Hutweide, der noch jetzt lebende Grundbesitzer
Lorenz Javornik (Hausname Lukesch) zu Gorica HZ. 4, beim
Aufackern auf einen gebrochenen Topf stiess, welcher etwa eine
halbe Mass Gold-, Silber- und Kupfermünzen enthielt. Die Me
tallstücke wurden theils verschenkt, theils verkauft. Der Finder
besass noch bis Juli 1864 eine Silber- und eine Kupfermünze
(letztere wol eine nicht hieher gehörige Kaisermünze 7), ein
ähnliches Stück der Lederer Franz Krischan zu Ñ/Veitenstein. Die
meisten soll der Bezirksvorsteher von Lemberg, Namens Gasser,
erworben haben. Diese Nachricht zollt Pfarrer Franz Mikusch zu
Doberna. Hätte ein günstiges Geschick diesen Einen Fund in
seiner ganzen Fülle dem Lande erhalten, das doch damals sein
Münzencabinet in voller Thätigkeit sah, der Gewinn für das kel
tische Münzwesen würde ein sehr bedeutender gewesen sein.
Nun aber hat von dem zersplitterten Schatze, in dem das kaiser
liche Cabinet, die Sammlung des Joanneums , Dr. Knabl’s,
Braun’s mit vielen anderen sich theilen, weder die gelehrte
Welt noch der einzelne Besitzer einen namhaften Nutzen. Viel
leicht dass durch spätes Zusammenfinden der grösseren Anzal
der Stücke und durch gegenseitige Mittheilungen der Sammler
doch dereinstmal eine Uebersicht des Fundes gewonnen werden
kann. Vorderhand wird man wenigstens von der lVahrheit nicht
138

weit abirren, wenn man bei irgend zweifelhaften Fällen eine Kel
tenmünze aus Steiermark dem lembergerFunde zuweist. Die Münz
denkmäler erscheinen sonst einzeln und selten, was übrigens
gerade von der westlichen Schweiz auch gilt. Leibnitz, Frauen
berg, Hartberg, Lemberg und Reifenstein und Tüchern bei Cili,
Pettau, Schloss Freudenau und Streitfeld bei Mureck, St. Geor
gen ob Judenburg, Weinberg nächst Melling, der Kuglstein bei
Feistritz, Oberschwarza sind solche Fundstätten. Keltische Alter
thümer überhaupt, welche alle auf mögliche Münzfunde hinwei
sen, hat man häufiger gehoben und es sei hier erinnert an Alt
aussee, Badelwand bei Frohnleiten, Frauenberg und Leibnitz,
St. Georgen ob Judenburg, Gleichenberg, Hradischberg bei
Plankenstein, Hartberg, Humersdorf bei Radkersburg, St. Johann
in der Scheiben, Judenburg, Kleinglein, Lemberg, Mühlreit bei
Kumitz, Mureck, Mürzzuschlag, Pettau, Plabutschberg, Polsterau,
Radkersburg, Rotenmann, Rotwein-Kötseh bei Marburg, Strass
engel, Strettweg, Trösing bei Gnas, Vordernberg, Weinzetl bei
Lannach und Wildon. Diese Fundstätten fasst unsere Karte zu
sammen. Bekanntlich entwarf die ersten numismatischen Karten
Hubert Golz, indem er 1576 die Münzen für Sicilien und Gross
griechenland einzeichnete. Neuestens ward- von Lelewel, Carlo
Strozzi in seinem Bilde numismatiseher Geographie und T. E.
Mionnet, dem Conservatorsadjunkt der k. Bibliothek zu Paris,
in seinem Atlas der numismatischen Geographie diese Idee
fortgebildet. Obschon des Letzteren Werk die Einzelarbeiten
Theupoli’s, Florez’ u. a. an Vollständigkeit bei Weitem über
trifft, ist doch auf seinen Karten (Orbis veteribus notus; Hispa
nia; Gallia; Thracia, Mœsia, Sarmatia europaea; Italia inferior,
Graecia; Asia minor; und Aegyptus, Judaea) in Betreff unseres
Gebietes nicht mehr als Name von Noricum und Pannonien und
höchstens noch der des Savus genannt. Unsere keltische Fund--
karte, welche die numismatischen Fundstätten durch einen
Unterstrich kennzeichnet, soll durch die Aufnahme von Stätten
anderweitiger keltischer Funde auf die möglichen Fundstellen
für zugehörige Münzen hinweisen. So wird im Kleinsten ange
bahnt, was in Chmel’s feurigen Wünschen und Arneth’s Planen
gelegen, eine grosse Fundkarte Cesterreichs zu entwerfen.
Gehen wir nun zur Beschreibung der einzelnen Münzen
über, so bietet die meist rohe Ausführung der griechischen
und römischen Vorbilder, noch viel mehr aber die Symbolik der
keltischen Mythologie (Pferd, Rad, Kopfschmuck u. s. w.) bei den
nationalen Typen mancherlei Schwierigkeit, zu deren Lösung
französische Gelehrte wie Pellerin, Petau, Millin, Montfaucon,
139

Villoisin, Lenormand, Longpériere, Barthélemy, de Witte,


Vinet, Conbrouse, Donop, Muret, Meynaerts, de Lagoy,
Raoul-Rochette, de la Saussaye, de Saulcy, ferner Camden,
Ruding, Lelewel, Streber, der Schweizer Meyer und beson
ders der allzufrüh verstorbene Duchalais ungemein viel bei
getragen haben.
Im Allgemeinen herrscht - das kann man wol behaup
ten - bei den auf steierischem Boden gefundenen Keltenmünzen
der gezierte Kopf im Avers, mit dem Pferde im Reverse vor.
Fast all’ die verschiedenen Stempel kommen auf diesen Typus
hinaus. Was die Schrift betrifft, so ist dieselbe viel seltener grie
chisch als römisch und ladet dieselbe ein zur Deutung aufden
Stamm , den Häuptling, den Ort oder endlich auch auf eine
mythische Persönlichkeit. Inschriften auf Keltenstämme in der
oder um die heutige Steiermark auszudeuten, hat seine grosse
Bedenklichkeit. Denn die alten Geographen haben - wie
wir schon sahen - für unsere Gebiete nur sehr Beiläuíiges
geleistet und es wäre gelehrte Selbsttäuschung, wollte man
nach Strabo, Ptolemaeus und dem von Plinius abgeschrie
benen augusteischen Völkertropäum in Ermangelung so ge
nauer Nachrichten, wie sie Cäsar’s Commentare über die
gallisehen Stämme geben , die Stämmesitzc in und um
Steiermark genau abzirken. Stammesnamen in Münzinschriften
zu finden (wie der Arverni, Bellindi, Bituriges, Cambolectri,
Cadurci und anderer Stämme in Aquitania, Narbonensis, Gallia
cisalpina, Lugdunensis, Belgica und in Britania) und zwar be
kannter Stämme wie unbekannter, für sich oder im Verein mit
Häuptlingsnamen (wie Orcetorix­Edui), wird daher, wie ohne
Glück versucht, so auch für die Zukunft nur mit grosser Vor
sicht zuzugeben sein. Bis auf diesen Augenblick sind die Le
genden des pannonischen Münzwesens, wie dies als Gegensatz
zu jenen des gallisehen Duchalais (S. 350) ausdrücklich hervor
gehoben hat, eben fast ohne allen historischen Beleg und geradezu
unerkannt.
Während nun die Schriftdeutung auf einen keltischen Vor
ort, den man ohnedies an der Sann, an der untersten Drau, an
der mittleren Mur und vor den Tauern nur vermuthen kann
(ganz unvergleichbar dem gallisehen MAÈÈA auf Massilia), wäh
rend ferner die mythologische Deutung bei der fast gänzlichen
Dunkelheit dieses keltischen Gebietes, trotz der Namen der von
den Norikern verehrten Gottheiten, noch schwieriger zulässig,
öffnet sich für die Deutung von Häuptlingsnamen aus den
Schriftzügen ein weites und dankbareres Gebiet, welches schon

— ’ ~
140
A

Eckhel als ein unzweifelhaft sicheres anerkannt hat. Zwar haben


uns die alten Schriftsteller in ihren Werken eben nur sehr
wenige Namen keltischer Eingeborner in Noricum und Panno
nien hinterlassen, welche wir aus den Münzschriftzügen als
schon bekannte herauszulesen hoffen konnten. Desto beredeter
aber sind hierin andere Quellen. Das sind die Inschrift
steine. Ihnen verdanken wir die Möglichkeit, an dreihundert
zum Theile ganz neue Eigennamen aus keltischen Stämmen
der Steiermark nachzuweisen, welche grösstentheils wie den
Hörigen und Gemeinfreien auch den Häuptlingen eigen und
demnach auf Münzen ausgeführt oder angedeutet sein konnten.
“'aз die systematische Zusammenstellung der kleinen hier
vorgebrachten Münzreihe betrifft, so möchten wir eine historisch
artistische versuchen; historisch, in so ferne Gold (Stater) voran
geht, Silber (Tetradrachme und Theile) mit seinerMischung, Potin
und Bronce folgt; artistisch, insoferne wir Stücke des eigent
lichen barbarischen Styls, dann des griechischen, dann des römi
schen und diese nach ihren Nebenzcichen zusammenordnen.
Dieses mit Duchalais’ fast zusammenfallende System hat, soll es
allen VVünschen entsprechen, freilich auch wieder seine Incon
sequenzen, nicht grössere indess als andere Systeme. Aus der
ersten oder Goldprägung besitzen wir zu wenig Arten, um solche
zu unterscheiden, aus der zweiten Prägung sondern wir zweierlei
Arten, eine solche ohne und solche mit Aufschrift. Die erstere
drängt die Kenntniss der lateinischen Schrift durch die Kelten
wenigstens nicht auf, was aber durch die letztere zweifellos be
wiesen wird und in jene bereits erwähnte Zeit knapp vor der
Unterjochung zeigt, wo lateinische Sprache und Schrift in No
ricum und Pannonien bereits gäng und gäbe waren. Von dieser
zweiten Prägung käme daher möglicherweise ein Theil noch
unter die nationale Münze, der andere unter die nachahmende
einzureihen. Die einzelnen Stücke werden zunächst nach Avers
und Revers beschrieben, In Bezug auf Metallgehalt und die Le
girungsverhältnisse der hier besprochenen keltischen Münzen
waren weitere Untersuchungen nicht möglich, sind aber in Zu
kunft unerlässlich. Dukatengold dürfte das Muschelgepräge sein,
hältig um 18 Karat; Elcktrum möchten die anderen sein, hältig
von 16 bis 12 Karat (228 Theile Feinsilber und 80 Unedles auf
692 Theile Feingold gleich 16-608-karätigem Gold). Das Silber
zerfällt in ein reineres und unreineres oder helles und dunkles.
Wclche Bestätigung die Mischungsantheile bei Potin und Kupfer
für die Zeitrechnung liefern, muss ebenfalls erst erwartet wer
den. Пи‘. die Münzen nach ihrer Grösse oder dem Durchmesser
141

zu bestimmen, hat man sich früher einer Skala bedient, welche


das Abnehmen des Modulus durch steigende Ziffern bezeichnete.
Jetzt hat man nach Mionnet und Grote die Skale des zunehmen
den Modulus mit steigenden Zalen angenommen. Für jene Münzen
freunde, welche, wie namentlich in Oesterreich, die Masse von
Appel und Wellenheim beibehielten, ist die Einzeichnung des
Masses der Letzteren berechnet. Vgl. die Tafel I. Was die Ge
wichtsverhältnisse betriff`t, so war die Herstellung derselben bis
auf die dritte Decimalstelle, wie das in der gelehrten Welt erfor
derlich, gleichfalls nicht möglich; es ist im Gegentheile die dritte,
zuweilen schon die zweite Decimalstelle nur approximativ. Die
Dukatengoldschüsselchen im Durchschnitts-Gewichte von 6‘971
Gr. (7‘174 bis 6‘873) angenommen oder ein älteres Normale
von 7‘174 und ein jüngeres von 6‘946 Grammen , stellt sich
bei unserer Goldreihe eine Erstreckung von 0­315 bis 6-91 Gr.
dar. Die Silbertetradrachmen pflegen auch in den vollwich
tigsten Stücken den nordgriechischen Tetradrachmen zu ent
sprechen. Doch hat schon J. G. Seidl welche mitgetheilt, die ein
minderes und fast regelloses Gewicht haben. (Mommsen 695,
Not. 96). 1п das pannonische Münzsystem , welches Du
chalais als etwas verschieden von dem gallischen und stärker ver
schieden von dem der Regenbogenschüsselchen darstellt, fügen
sich aus unserer Reihe also grössere Silberstücke von 10’02 bis
17‘2 Grammes und kleinere von 0-69 bis 9-945 Grammes.
Die Hauptquellen für die nachfolgende Darstellung sind
das Münzencabinet des Joanneums in Grätz und das k. k.
Münzencabinet zu Wien, ferner die Sammlungen einiger Pri
vaten. Die Münzensainmlung des Joanneums besitzt derzeit
58 Stück keltischer Münzen und zwar 4 Gold, 44 Silber,
10 Kupfer, welche im Kasten XII. Zal 103 bis 161 ausgestellt
sind. Ein Katalog oder eine Verzeichnung derselben ist nicht
aufgefunden worden; einigen Hinweis auf die Zeit und Reihen
folge ihrer Erwerbung geben nur die Jahresberichte der Anstalt.
Eben die Reihe der nur unsicher zutheilbaren sei hier bemerkt;
bei deutlicheren Nachrichten ist Fundes Ort und Zeit ohnedies
der Münzbeschreibung beigegeben. Das leibnitzer Goldstück
dürfte’ bald nach 1820 erworben sein, desgleichen ein mitgefun
denes Silberstück. Es erwähnen die Joanneumsberichte ein erwor
benes Goldstück 1828, zwei 1833 (Seckau ?), eines 1836, ein
silbernes 1828, 1834 aus Cili, 1836 aus Windischgrätz (7), drei

*) Vgl. Lelewel 287 f. und Rudolf Blanchets zu Lausanne hier unbe


nütztes \Verk über keltische Münzenwägungen. Mommsen 679.
142

silberne 1842, eines aus Reifenstein’s Umgebung 1844, eines


1845, drei (?) 1847, je cines 1849, 1850, 1851, ein sehr schönes
aus Marburg (J. Streinz) 1851, endlich einen Kupfer-ADNAM
1853. Diese Anzal der erworbenen nun steht zwar zur Anzal
der wirklich vorhandenen fast im Drittelverhältniss, einzelne
sind thatsächlich veräussert worden, und so könnte man dem
Fundorte der meisten wol nicht mehr nachgehen. Indess
ist, namentlich durch spätere Leistungen des historischen
Vereines für Steiermark, aus Mittheilungen von Zeitgenossen
und dem Abgang directer Gegenbeweise die vorwaltend steieri
sche Provenienz fast aller Stücke mit vieler Wahrscheinlich­
keit anzunehmen, umsomehr als der grosse lemberger Fund seit
1828 noch in Circulation gewesen sein muss. Im Aeussersten
endlich dürfte der norisch-pannonische Umkreis wol alle um
schliessen und bei der grossen Verlassenheit dieses Fruchtgebie
tes ein breiterer Anbau nicht ungerechtfertiget scheinen. Das kai
serliche Münz- und Antikencabinet in Wien endlich enthält
eine Anzal von 39 keltischen Silbermünzen, omnes emti in Styria
in dominio Lemberg circuli Cili anno 1829, wie es im Kataloge
heisst. Sie sind weder nach einem Systeme geordnet noch
beschrieben; einzelne Hinweise auf Duchalais geben dankens
werthe Anhaltspunkte.
Nach diesen Vorausschickungen, welche wir für die Beur
theilung der Münzdenkmäler aus ihrer Zeit und nach den For
schungen der Neueren für nothwendig erachteten, lassen wir
die Münzenreihe nach drei Classen: Gold, Silber, Bronce
und den scheidenden Kriterien folgen.
143

l. Reihe. Grûld.
1.
Av. Unkenntliche Fläche, vielleicht ein Kopf.
liu. Inmitten wie V.
Gold. Regenbogenschüsselchen. Gr, 1-5 Gew. 6-? Erhalten mittel
mässig. Leibnitz, auf dem Frauenberge gefunden. Sammlung Braun.

2.
Schr ähnlich.
Gold. Gr. über 3, Gew. 6-755. Aus Lemberg 1829. K. k. Cabinet.

3.
Av. Halbmond, Stralen den Kreis schliessend. Stark gehöhlt.
lit-. Convexe Ausbuchtung.
Gold. Regenbogenschüsselchen. Gr. 2-4 , eirund. Gew, 6-91. Gut
erhalten. Joanneum. Auf dem Frauenberge ob dem leibnitzer Felde um 1820 von
Hirtenkindern mit mehren anderen Stücken gefunden, welche nur nach einem
Regen bei ihrem Suchen glücklich gewesen. Joanneumbericht 1821 eonstatirt hiezu
eine Silbermünze, die Mitth. sagen bestimmt eine Tetradrachme. Schriften des
hist. Vereines für Inner­österreich S. 27. Mittheilungcn des hist. Vereines für
Steiermark. V. 111. Pratobevera: Keltische Antiken S. 44. Abb. Mommsen S.
694. Not. 95.
Bei einem Volke, das dem Sonnencultus so ausgesprochen ergeben
war, wie das keltische, kann ein häufiges Symbolisiren der Mondgöttin wol nicht
überraschen. Wir haben Druidenbilder aus Gallien, wo ein Priester eine Mond
sìchel hält; Stäbe mit einer Mondsichel obenauf (Lelewel 152), Mondsicheln aus
dem neuenburger See; endlich genug Münzen, auf denen der Halbmond erscheint.
Ausser im Stammland kommen solche Münzdenkmäler in Oberbaiern, inBöhmen
und bis in unsere Lande herein vor, Aehnliche Stücke vom Fundorte Gagers
mit Gewicht von 6‘873 bis 7-174 Gr. gibt Streber in seiner Regenbogenschüssel
chen siebenter Gruppe, besonders Nr. 115 und S. 701 mit Gew. 6-882. Lambert
(essai 61; 130 Nr. 1, 2), de la Saussaye (Rev. num. 1837 p. 83 Not. 1), Ducha
lais (Deseript. 358 Nr. 7), Mionnet (Deseript. Tom. I. Nr. 626; IV. Nr. 126 suppl.
Tom. I. Nr. 144), vielleicht auch der Wiczay’sche Katalog (Í. Nr. 7483, 7484)
und Schreiber (Tbuch. 1841, S. 408) beschreiben ähnliche Stücke. Will man die
Muschelgestalt besonders bedeutsam finden, so mag an ein Aphrodite­Attribut
der Göttin Belisama gedacht werden, um so mehr, als man Muscheln in Kelten
gräbern thatsächlich aufgedeckt hat. Diese Münze schreibt Streber, wie es
scheint mit einiger Ausschliesslichkeit, den Boji in Böhmen zu (П. 727), weil
sie häufig in Böhmen vorkömmt und dem podmokler Golde entspricht. Vgl. die
von Neumann beschriebene mit BIATE, angezogen bei Duchalais S. 359. Die
gleiche Halbmondtype findet sich übrigens auch auf altgallischen Silberstücken.
Siehe den Abdruck bei G1‘ässe Taf. ХП. 1. Ein ähnliches Goldschüsselchen des k. k.
Cabinetes aus dem jarendorfer Funde hat auf der convexen Seite BIATEC, ein
144

anderes BIAT, wodurch die Ahnung entstehen könnte, es sei auch auf unserem
Stücke ‘dieselbe Inscription vor der leichtdenkbaren Abnutzung der gehöhlten
Fläche gewesen. Ist dies der Fall, so fällt zunächst das Vorkommen des Namens
BIATEC zugleich mit ATTA (Stück im kaiserl. Cabinets) auf, wodurch also die
beiden Namen gleichzeitig würden. Nun ist letzterer Name in der Silberzeit
(vgl. II. Reihe, epigraphe, Z. 85) vertreten. Man müsste daher, um nicht Guld
und Silberprägung starr neben einander laufen zu lassen, mehre Atta annehmen.
Noch verwickelter wird die Frage, wenn erwogen wird, was Mommsen über die
Biatec­Stücke, freilich ausdrücklich über die silbernen und entschieden römisch
nachahmenden sagt. Die Münzen des Bìatec (BIA,bald im Averse, bald im Reverse
erscheinend) sowie des Cohrovomarus und Nonnos(vgl. II. 107) scheinen erst aus
der Zeit nach derUnten­jochung Pannoniens 8 n. Chr. zu stammen. Das Gepräge ist
den römischen Familiendenaren nachgebildet und ähnelt zum Theile jenem des T.
Carisius von den Jahren 705/9. Eckhel (4,179) und die ,Realzeitung Wien
1777, I. 8-12 und Il. 17-21.0, dann Neumann (Popul. et reg. num. vet. I.
136) haben hierüber sich verbreitet. Der vorzüglichste Fundort für die drei ge
nannten Münznamen ist die Gegend von Wiselburg und Pressburg, bei welch’
letzterem 1776 sich 44 Silbermünzen zeigten, dann Deutsch-Jarendorf (A. f.
K. œ. G. Q. XV. 1856,- S. 302) Ъе1 Karlburg, wo die Genannten (und Bussumar
u. A.) mit 101 Silbermünzen vertreten sind. Der spätrömischen Nachahmung
und dem Fundort zufolge setzt Mommsen diese Prägung ausserhalb die römische
Provinz in nächstnördliche Landschaften und zwar in den Quadenstaat des
Fannìus und seiner Nachfolger. Er benennt sie daher geradezu quadische Tetra
drachmen. Mit unserem Goldstücke aber sind wir in viel früherer Zeit und es
erübrigt daher nichts, als auch mehre Biatec anzunehmen. Aus allem diesen aber
scheint deutlich hervorzugehen, dass diese sogenannten Häuptlingsnamen ent
weder durch Jahrhunderte vererbten oder aber nur Würdennamen waren, die,
ohne an Eine Person gebunden zu sein, früh und spät vorkommen können.
4. .
Av. Zwei Mondhörnlein, sich abgewendet, etwas links oben
in der Höhlung.
Py. Concave Fläche.
Gold. Regenbogenschüsselchen. Gr. 1. Gew. 1-815. Sehr gut erhalten.
Fundort ungewiss. Joanneum. Die zusammenhängenden Mondhörner erscheinen
zu dreien auf Münzen der Arverner. Rev. num. 1855, p. 164 p. lV. Nr. 11, V. 3;
1852 p. 96; fanden sich zu Donaueschingen mit römischen Münzen nach Schrei-
ber Tschb. 1841. Taf. II. 10, ferner Lelewel 93. Sie beziehen sich auf den Mond
eult wie auf Münzen von Rhoeteum in Kleinasien. Müller Mgeschichte. I. 47.
Auch Streber führt in seiner sechsten Gruppe Nr. 104: Fundort Ampt-ing. Gew.
7-510 ein Stück mit drei Halbmonden im Reverse an. Zwei Halbmonde anein
andergestellt, aber mit einem Punkte in der Höhlung zeigt A. Voigts (Prag 1771)
kleines Goldstück aus Böhmen, welches Lelewel (394 Nr. 6) in seinem YVerke
wieder abgebildet hat. Je drei Punkte wagrecht gegen die Höhlung, drei oben
-.‘, drei unten .'. auf dem gallo-bretoniscl1en Goldstücke ebd. pl. Vlll. 38, mit
dem Reverse: Pferd, linksgehend mit Beizeichen Kranz, Ring, Stern. Gew. 108
Grains vgl. cap. 37, 40, 75, 135. Ruding 42.
5.
Av. Zwei kegelförmige Figuren nebeneinander, umgeben von
einem Zickzack, unten rechts zwei schiefe parallele Striche.
- В; Stark convexe Fläche.
Gold. Gr. 1-6. Gew. 2-305. Erhalten gut. Fundort Lemberg. K. k. Cabinet.
145

6.
Sehr ähnlich.
Gr. über 1. Gew. 2.245. Erhalten gut. Die böhmischen Ausgrabungen
weisen ganz ähnliche Stücke; vgl. A. Voigt’s Beschreibung I. p. 47, 63, 235,
insbesondere die zwei Exemplare, welche auch Lelewel in sein Werk aufgenom
men hat. Ueber das Zickzack Streber’s Erklärung in Ahh, d. k. bair.A. IX. 3. S.
637 ñ-. Die duo coni unserer Münzen sind nach dem ähnlichen jarendorfer Gold
stück nichts anderes als zwei mit den Spitzen sich entgegenstehende Halbmonde,
eingeschlossen von einem das Sternenreich symbolisirenden Ziekzack.

7.
Av. Zeichen (s. die Skizze) von rechts nach links um die aufrechte
menschliche Gestalt, zu deren beiden Seiten herab A­f`ór
mige Striche, unter deren rechtem gestürzt Sehr wenig
gehöhlt, rohe Formen.
Py. Concave Fläche mit vier Dunsen, in einen Randreif sich
einfügend.
Gold. Gr. 1~5. Gew. 2-71. Deutlich erhalten. Fundort ungewiss. Joan
neum. Die angegebenen Siglen wahrscheinlicher eine Verzierung. Das ganze
Stück wol eine barbarische Nachahmung. Auffallend ähnlich ist das Goldstück
bei Wiczay Num. barb. p. 346 Not. 7474. Taf. XXX. 679. Der rechtsgehende
Krieger, der den Schild rechts und den Speer links zu halten scheint, an Bei
zeichen unten rechts an Stelle unseres Z ein N, links an Stelle unseres M einW
imd darüber je < und S2 sind nicht zu verkennen. Der Avers, bei unserem
Stücke ganz verkommen, ist dort eingenommen von einem kleinen, zierlichen,
linkssehenden Pallaskopf. Grösse 1. Es stammt aus Dacien oder den Nachbar
ländern. Nicht unähnlich, ohne Aversgepräge, aber unter Gr, 1 ist ebd. N. 7476
Taf. XXX. 681.

8.
Av. Kopf mit vorspringender Nase, starkem Kinn, Locken
haar; linkssehend.
lic. Pferd, linksgehend mit rücksehendem grossen Menschen
kopf.
Gold. Gr. unter 1 (3/4). Gew. 0­315 Gr. Erhaltung gut und kräftig, Hach.
Fundort nicht angegeben. Joanneum. Dieses Stück hömmt in seinem Wesent
lichsten dem Goldstück bei Wiczay Numi barbari p. B46 Nr. 7462 Taf. XXX.
667 nahe. Nur hat das letztere die Grösse 5, der ebenfalls linkssehende weib
liche Averskopf ist mehr ausgeführt und das Pferd des Reverses mit Menschen
kopf, Haube und Zier; Beizeichen: Leier, Bogen, Kugeln, IV und Anderes
läuft rechts. Ausser dass das Stück aus Dacien oder dessen Nähe stammt, wird
nichts berichtet. Das Pferd unserer einheimischen, der keltiberischen, gal
lisehen und britanischen Münzen ist zunächst keine Nachahmung griechischer
oder römischer Vorbilder und auch nicht die Vorstellung des eben nur
zoologischen Pferdes. Es zeigen vielmehr die Menge Beigaben, die das Pferd
hier und dort hat, als eine Perleneinfassung nach der Mähne, Ring, Kugel über
und unter sich, Vogel und Aehnliches, dass es sich hier um ein heiliges, ein sym
bolisches Pferd handle. Die Inschrift BIIINOS zum Pferde, welche Lagoy auf
-den schon genannten Belenus gedeutet hat, macht nun das Pferd mit einem Male
unzweifelhaft zum Symbole des Lichtgottes und Beizeichen, wie Leier, Stem,
10
146

Rad, erhärten dies; übrigens haben Jnder, Perser, Germanen, Slaven, Skandi
navier es ganz gleich gehalten. Das androkephalische Pferd, ähnlich dem menschen
köpfigen Stier Grossgriechenlands und ein Symbol ewig thätigen Lebens, setztLe1e­
wel in die ältesten Zeiten der zweiten Periode hinauf und führt auch einen hierher
gehörigen Fund aus Toulouse an. (p.64 und die Forts. 137. Vgl. sein nur entfernt
ähnliches Silberstück II. 22.) Die armoricanischen Goldstücke zeigen das
Pferd mit Menschenkopf geilügelt. Mitth. V. T. I. 7. Lambert hat in Essai sur la
numism. gauloise. Tab. Ill, IV. über 50 verschiedene Stück mitgetheilt, de Donop
von 982 Stück aus dem Jerseyfelsen 760 abbilden lassen. (Hannover 1838.) Dr.
Schreiber in Tbuch. 1840 p. 227, Mitth. V. 57. Die Arten der keltischen
Pferde, die, wie wir sehen werden, besonders in der Silberprägung voll Abwech
selung sich gestalten, theilt Lelewel in naturgetreue und symbolische (S. 86 f.)
Wenn daher in der -nächsten Reihe manche dûrre und verzerrte Gestalten den
Leser erschrecken, so wolle er es weniger einer beengten Kunstentwickelung des
Volkes, daher nicht ausschliesslich einer frühesten Lern- oder einer späten Ver
fallzeit zuschreiben, sondern den Druîdismus beachten, der, wie noch heutzutage
in moderner Form, seinen Styl ohne Fortschritt festhält. Eines der beiden letzte
ren Stücke dürfte die im Jahre 1828 laut Joanneumprogramm erworbene ,bar
barische Goldmünze‘ sein. Mit keltischer Silbermünze aus Schloss Lemberg bei
Cili sind auch noch goldene genannt bei Muchar I. 396 und in Mitth. V. 116.
Andere Goldstateren, ursprünglich makedonischen Musters, die sonst zum panno
nischen Münzwesen gehören, fehlen hier. Es sind dies die Stücke: Jugendliches
Haupt )( Biga, oder Reiter, Pferd mit Genius, Schwert, Druide Abaris und die
lysimachischen Köpfe mit Minerva sitzend. Vgl. Duchalais Monnaies panno
niennes 351-364.

ll. Reihe. Silber.


A. Type: Kugel, Stern.
9.
Av. Kopf oder Scheibe, rings einzle Striche.
li'. Vier Kugeln um eine Mittel-Kugel. Striche gegen die
Höhlung.
Silber. Gr. über 1. Gew. 0-69. Av. stark abgenützt, Rv. gut erhalten;
kleiner Schröttling. Fundort nicht angegeben. Joanneum.

10.
Sehr ähnlich.
Fundort unbekannt. Joanneum.

11.
Av. Unkenntlich verzogene Zeichen.
Py. Drei Kugeln in 1- auf 2-Stellung, inmitten ein Punkt;
Striche gegen die Höhlung.
Silber. Gr. 1-8. Gew. 0-75. Av. schlecht, Rv. gut erhalten; kleiner
Schröttling. Fundort nicht bekannt. Joanneum.
147

12.
Sehr ähnlich.
Silber. Gr. an 1. Gew. um 0-75. Herkunft unbekannt. Mayerhofer’sche
Sammlung in Grätz.

13.
Av. Kopf-Obertheil bis Wangenhälfte, Nase unfórmig lang;
linkssehend, Punktrand, darüber freie Fläche.
lp. Vier Kugeln um eine grössere Mittel-Kugel. Striche vom
Rand herab.
Silber. Gr. an 1. Gew. 0-754. Av. schlecht, Rv. gut erhalten; kleiner
S chröttling. Fundort nicht nachweisbar. Joanneum.

14.
Av. Kopf linkssehend; Einfassung von Punkten, rechts hinauf
sichtbar.
lì'. Vier Kugeln um einen Mittel-Punkt, Striche vom Rande
herein rechts.
Silber. Gr. an 1. Gew. 0-73. Av. fast unkenntlich, Rv. gut erhalten;
kleiner Schröttling. Fundort unbekannt. Joanneum.
Die Kugeln, fálschlich (auch von Gœthe) für Wertzeichen gehal
ten, таз sie nach Gewichtsverhältnissen nicht sein können, haben eine
symbolische Bedeutung. Immer fast in der Dreizal vorhanden, zu wel
cher auch mehre einzelne kommen können, zeigen sie die heilige Vor
liebe der Kelten für die Dreiheit. Drei Goldziegelkreise umgeben die
Stadt Cabilliona, drei Vögel sitzen auf dem heiligen Stiere, ein drei
köpŕiger Gott schmückt Votivaltäre, drei Ringe begleiten auf gallischen
Münzen die Pferde. Bald glatt, bald wolgerundet, bald strahlicht, bald zu
Punkten geschwunden, die Mähne des Pferdes säumend oder den Kopf des
Reiters wie eine Glorie , ähnlich den christlichen Sternenscheinen, umgehend,
sind sie immer in Beziehung auf den Lichtgott Belenus, welcher, wie Streber
sagt , durchaus nicht als starre Monas , sondern als eine dem Sinne des ganzen
Alterthumes entsprechende Dreieinheit oder Trias genommen und verehrt
wurde. Diese Idee drückt sich aus in den drei Halbmonden, im Dreibogen
und im Triquetrnm; nur ist die hier versinnbildete weibliche Trias noch
wenig in’s Klare gestellt. Wir weisen gleich hier im Vorhinein auch auf die
Räder hin, welche vier- und sechsspeichig auf dem kleingleiner Schild
sowol als auch auf steierischer Erde entnommenen Keltenmünzen erschei
nen. Mitth. X. 276. Sie wie die Ringe, oder speichenlosen Räder wenn
man will, weisen auf den Sonnencult hin, dessen Ueberbleibsel in den
Alpenländern ja noch heutigen Tages die Johannisscheiben- und Räder,
sowie die Wahrzeichen zu ,Sonne‘ und ,Mond‘ und ,Stern‘ sind. - Der
Stern in der Mitte und die Dreipunktstellung zeigt sich durchweg von
allen Streber’schen Regenbogenschüsselchen, als den ältesten Formen,
verschieden. Es ist anzunehmen, dass Stern alles sein sollte; nur hat
es dem Stempelschneider gefallen, einmal diese, einmal jene Figur anzu
wenden. Die im Jahre 1858 zu Eiss bei Völkermarkt in Kärnten, dem
Sitze der mit den Ambidrabern zusammengrenzenden Collatianer und Serre
ten, ausgehobenen Stücke keltischer Silbermünzen, davon 12 im kais.
Gabinete (2 Didrachmen, 10 kleinere), die übrigen (2 Didrachmen, 8 kleinere
10*
148

Stücke) in Privathänden *) sind, gleichen den unseren im Reverse sehr. Wir


finden dort einen Hauptpunkt umgeben von vier anderen :,2 , von dreien . д. ,
von zweien .‘. , endlich auch nur drei Punkte oder Kugeln о о о oder °°o und
einen víerstrahlichten Stern umgeben von drei Punkten oder Kugeln. Man ver
gleiche nur die zu Tage gegebenen Abbildungen in Kenner’s Fundchronik A. f.
K. ö. G. Q. XXIV. 1860. S. 28l f. Zwei Stücke in der Sammlung J. Rainer
zu St. Veit in Kärnten: Kopf rechts, mit Kraushaar Kreuz, im VVinke1 1) ~¢,
2) О, 3) з, 4) А. Dann: Kopf links Kreuz, imWinkel 1) Э, 2) 1еег, 3) ., 4),
Im \Vesentlichen nicht unähnlich die gallischen Münzen der Schweiz bei
Meyer Taf. II. Z. 76 und 78. Das Kreuz, im Winkel M, hatte auch Massalia
(Lelewel Typ. gaul. 28 und 64); es weiset zuweilen auf den Typus von Rhoda.
Lel. 65. Die Type a oder b bei Streber II. 686. Taf. 2. Nr.28, 29. ein Kreuz, die
Balken bis an den Rand fortgesetzt; in den Winkeln zwei Leiern , zweimal das
Zeichen V; in b steht VOVU. Von den Volcae Tectosages, jüngerer Zeit. Aehn­
lich de la Saussaye Num. Narbonaise. Rev. XVIII. f. 6; nach De Saulcy im
Grossherzogthum Baden, am rechten Rheinufer und im Schwarzwald. Rev.
num. 1859. p. 320. Auf dem jüngsten Gepräge Buchstaben oder Punkte,
Ringelchen nach Rev. num. 1859. pl. XIII, f. 11-—15. Ganz oberflächlich
ist die Aehnlichkeit mit den Stücken bei Lel. VII. 30, 31, 32, welche
nach Nemausus (?) zu den arecomischen Volskem und Aquitanern, Zeit
120-60, gewiesen sind.

B. Type: Freies Pferd; Mä-hne, Schweif geringelt,


ausgepunktct. Beizeichen: Punkt, Strich, Scheibe,
Rad, Hammer.
15. ‚
AV. Kopf, bekränzt, linkssehend, das Gesicht unkenntlich.
li'. Pferd, linksschreitend, ohne Beizeichen.
Silber. Didrachme makedonischer Nachahmung, mittelmässig erhalten.
Gefunden bei Streitfeld unterhalb Seibersdorf auf den Gründen des Keuschlers
Neubauer nächst dem Todtenhain, jetzt im kön.Museum zu Berlin und mitgetheilt
durch den Generaldirector der königl. Museen VV. Olfers. Ebenfalls daselbst
gefunden, und zu zweien dem historischen Vereine für Steiermark über
geben durch Dr. Krantgasser , ist das im Archive f. K. œ. G. Q. XXIX. 1863
S. 225 nach Mitth. X. 182 beschriebene Stück: -

16.
А". Kopf, behelmt.
Py. Ungesatteltes galoppirendes Ross.

*) Die Sammlung J. Rainer zu St. Veit in Kärnten, die hier zur Nennung kömmt,
umschliesst ausser mittelalterigen, römischen Kaiser- und Familienmünzen (letztere zumeist
aus Kärnten) 23 Stück keltische Münzen (2 Gold, 21 Silber), darunter fünf nachweisbar
aus Teurnia, aus steierischem Boden aber keine einzige. Der Kant’ und Tausch der
Sammlung richtet sich gen Wien, Münchcn, Augsburg.
149

Die ältere Pferdtype ist die des trottenden, sie findet sich sowol mit dem
bärtigen als dem unbärtigen Kopfe im Averse, und erst in der letzteren Zeit der
Didrachmen kömmt auch der gallopirende Reiter mit dem bärtigen Kopfe im
Averse vor. Lelewel zweifelt sehr, irgend ein Stück nachweisen zu können aus
der früheren Zeit, wo das laufende Pferd mit einem anderen als dem unbärtigen
Kopfe vereint sei. (Lel. p. 53.) \

17.
Av. Kopf , rechtssehend , nur von der Wangenoberhälfte
hinauf sichtbar , gebüscheltes Haar , Stirnbinde von
drei Punktreihen , Auge und Nase stark ausgedrückt,
oberer Punktrand völlig sichtbar. Silberfläche darüber.
Rohe Form. ~
lì-. Pferd, rechtsgehend, ungestalt mager, linker Hinterfuss
und Schweif contourirt, links oben kleines Zickzack.
Silber dick. Gr. an 6; wenig eiförmig. Gew, 10-35. Erhaltung ziemlich
gut. Fundort nicht bekannt. Joanneum.

18.
Av. Kopf, rechtssehend , büschclichtes Haar und Windungs
striche mit Punkträndern als Stirnband. Gesicht fast un-
«. kenntlich, Punktrand von links herab sichtbar.
Bi. Pferd mit geringelterMähne, rechtsgehend, Kopf und Füsse
contourirt; Schweif brcit. Etwas Höhlung.
Silber, ziemlich dick. Gr. über 6-; eiförmig, Gew. 8-432. Erhaltung gut
Fundort nicht bestimmt. Joanneum.
Die Höhlung der Silberstücke dürfte zuäusserst wol auf das Vorbild der
Münzstätte zu Thasos zurückzuführen sein; denn diese prägte am Gehöhltesten
und Breitesten von allen griechischen Stätten. Die Zeit dafür dürfte um 280 v. Chr.
anzusetzen sein. Möchte vielleicht aus Oberschwarza sein. ln den dortigen Hügel
gräbern fanden sich nach Dr. Johann Krautgasser 1852 ,Zwei antike Münzen,
deren eine aus Silber in der Grösse eines Zehnkreuzerstückes, massiv, unvoll.kom-
men gerundet ist und auf der einen Seite ein im vollen Laufe bctindliches unge
zäumtes starkleibiges Ross, auf der anderen ziemlich abgegriffenen Seite aber die
rohen Umrisse eines stark bchaarten Kopfes zeigt, Jede leise Andeutung einer
Schrift fehlt.‘ Archiv f. K. œ. G. Q. XIII. 1854. S. 90. Den Kopfschmuck in
seiner artistischen Darstellung nach verschiedenen Zeiten und Stämmen zerglie­
dert Lelewel S. 83 f. `

19.
Av. Kopf, rechtssehend,zusammengedrückt,mit stumpfer Nase,
Auge und Kinn stark; Binde von drei Punktreihen, Haar
büscheln zweiRcihen; links Bandzierrat, Halsabschnitt mit
Punkten eingefasst. Punktrand.
Е}; Pferd, rechtsgehend , Kopf und Füsse contourirt , sehr
niedrig; Rücken stark eingebogen.
Silber, dick. Gr. 6-7. Gew. 10522. Erhalten recht gut. Fundort nicht
angegeben. Joanneum. ’
150

20.
Av. Kopf, rechtssehend, Nasentheil verdrückt, doch vorsprin
gend angedeutet, die übrigen zwei Dritttheile Stirnband
von drei Punktreihen mit Bausch am Ende und zwei
Reihen Haarbüscheln. Feine Punktrandung als Halbkreis
sichtbar.
li'. Pferd, rechtsgehend , mit langem Hals und kleinem
Kopf, der wie die Füsse contourirt ist, aber durch Ver
nutzung vollförmiger wurde. Gestaltung aus etwas
besserer Zeit.
Silber, dick, dunke11egirt.Gr. an 6. Gew. 8‘4. Erhaltung gut. Fundort
nicht angegeben. Joanneum.

21.
Av. Kopf, linkssehend, zusammengedrückt und ausserhalb Lip
pen, Kinn vernutzt; Stirnband weit, breit, von drei Punkt
reihen , darüber zwei Reihen Haarbüscheln. Zuäusserst
Punktrand als Drittelkreis sichtbar.
Pferd, rechtsgehend; Kopf, Füsse contourirt, Mähne mit
bogichtem Haar. Unförmige Gestalt. «
Silber, dunkellegirt, minder dick. Gr. 5‘74. Gew. 9'55. Erhaltung mässig.
Fundort ungewiss. Joanneum. Ohne Zutheilung das gleiche Stück bei Grässe.
Taf. XII. 5.

22.
Av. Kopf, rechtssehend, nur Auge und Nase sichtbar. Darüber
Kopfschmuck von drei Punktreihen und büschelichtes
Haar.
H'. Pferd, rechtsgehend, ziemlich volle Form; linker Vorder
fuss auf- und ausgebogen. Alles in Höhlung.
Silber, dunkellegirt. Gr. an 6. Gew. - Erhalten gut, Drittelbruch. VVahг
scheinlich aus Steiermark. Sammlung von Prof. Dr.Robitsch in Grätz.

23.
Av. Kopf, rechtssehend, zusammengedrüekt, Auge stark, Nase,
Lippe contourirt, die übrigen zwei Dritttheile grosse Stirn
binde und büschelichtes Haar. Linke Hälfte schräg aus­
gebrochen zeigt grüngelbliche Fläche.
li'. Pferd, rechtslaufend, sehr niedrig und schwer, schmaler
Kopf und Füsse contourirt , Mähne haaricht , etwas
Höhlung. ~ ’
Silber, dick. Gr. an 5. Gew. 7‘64. Erhalten mittelmässig. Fundort unge
wiss. Joanneum.
151

24. -
Av. Kopf,rechtssehend, Nase, Lippen,Auge erkennbar, übrigens
verschwommen; darüber Stirnband von dreifacher Punkt
reihe.
lì'. Pferd, rechtsgehend, ziemlich volle Form, hohe Füsse, nur
in Obertheilen contourirt.
Silber. Gr. über 5. Gew. 10‘246. Av. minder, Rev. sehr gut erhalten.
Fundort Lemberg. K. k. Cabinet.

25.
Av. Kopf, rechtssehend, Gesicht fast unkenntlich, Kinn und
Ohr stark sichtbar; Kopfschmuck von einer Reihe schiefer
Dickstriche zwischen zweien Punktzeilen mit Binden
schluss links, obenüber Haarbüschelreihen; Punkteinfas
sung links herab sichtbar.
R-. Pferd, rechtsgehend, Kopf und Füsse contourirt, dürre
Form. Area frei.
Silber. Gr. 6: 9, oval. Gew. 10-358, verschmolzen, klumpig, fast ein
Dreieck bildend. Fundort Lemberg. K. k. Cabinet.

26.
Av. Kopf, rechtssehend, nur Auge und Wangentheil sicht
bar, Kopfschmuck von drei Punktreihen, darüber Haar
büscheln.
li'. Pferd, rechtslaufend, mehr der Hintertheil sichtbar.
Silber. Gr. an 6. Gew. -; ziemlich gut erhalten. Sammlung Braun
in Leibnitz. Fundort ungenannt. Schriften des hist. Vereines für Inner
österreich. S. 27.

27.
Av. Kopf, rechtssehend , Gesicht nach unten vollständig
vernutzt; Kopfschmuck von einer Reihe schicfer Dick
striche inner Punktreihen , darüber Haarbüscheln. Punkt
rand rechts hinauf sichtbar , darüber heraus Silber
fläche.
Ht'. Pferd, rechtslaufend, Kopf und Füsse contourirt, nicht
üble Form. Area frei.
Silber. Gr. 5 : 8, oval. Gew. 10-605; erhalten ziemlich gut, sphärisches
Dreieck. Fundort Lemberg. K. k. Cabinet.

28.
Aehnlich, die linke Seite mit Kopfschmucksehluss voll
ständiger.
Silber. Gr. an 6. Gew. 10-43; erhalten ziemlich gut. Fundort Lemberg.
K. k. Cabinet. ­
152

29.
Av. Kopf , linkssehend; Nase contourirt und sehr lang, Auge
ein Punkt, Lippen zwei Punkte, Wange ein starker Wulst,
Bart, Stirnbinde, links oben Punktrand als Viertelkreis
sichtbar.
Py. Pferd, rechtsgehend, hoch; linker Vorderfuss un
förmig lang, Mähne gepunktet, links wie Zierrat U"
beschnitten.
Silber, minder dick. Gr. 2-6. Gew. 2-435. Fundort nicht angegeben.
Joanneum.

30. .
Av. Kopf , rechtssehend , sehr zusammengedrückt , Nase,
Auge, Lippe nur contourirt, Backen voll; breite Stirn
binde von drei Punktreihen , darüber zwei Reihen
büschelichter Haare. Punktrand rechts als Halbkreis
sichtbar. Sehr unförmig.
Py. Pferd, rechtsgehend, niedrig, Hals hoch gebogen, Kopf
und Füsse contourirt, Mähne haaricht, oben von Punkten
eingesäumt. Form übel.
Silber, dick, dunkellegirt. Gr. an 6. Gew. 10-43. Erhaltung mittel
mässig. Fundort nicht bestimmt. Joanneum.

31.
Av. Kopf , rechtssehend, nur Auge und Wangenobertheil
kenntlich; darüber Kopfschmuck von drei Punktreihen,
Punkteinfassung als Halbkreis oben sichtbar, links
vernutzt.
lì-. Pferd, rechtsgehend, vom Halse auf unkenntlich, Füsse
contourirt, Schweif hoch aufgeschwungen und innen
ausgepunktet.
Silber. Gr. an 6. Gew. 10-328; erhalten gut. Fundort Lemberg. K. k.
Cabinet.

32.
Sehr ähnlich; )( Mähne haaricht ausgearbeitet, Hufstriche
gewölbt. Gussblase an dem Rande.
Silber. Gr. 6. Gew. 10-335. Sehr gut erhalten. Fundort Lemberg.
K. k. Cabinet.

33.
Sehr ähnlich; )( Pferd, kleinerer vollerer Form, Kopf und
Füsse contourirt, vom Kopfe schief hinauf zwei parallele
Striche. Area sonst frei.
Silber. Gr. 5. Gew. 10-455; erhalten ziemlich gut. Fundort Lemberg.
K. k. Cabinet.
153

34.
Av. Kopf, rechtssehend , nur vom Auge her sichtbar,
darüber Schmuck von drei Punktreihen; zu oberst drei
Haarbüschelreihen. Punkteinfassung. Halbkreis oben
sichtbar.
lly. Pferd, rechtsgehend, Kopf und Füsse contourirt, anstatt
des Striches, der sonst die Hufe schliesst, je zwei Punkte,
darunter ein wagrechter Dickstrich, Mähne gepunktet,
in der Area über und vor dem Pferde Punkte eines Avers
stempels.
Silber. Gr. 7­6. Gew. 10-14; erhalten gut. Fundort Lemberg. K. k.
Cabinet.

35.
Av. Kopf, rechtssehend, nur Wange und Auge sichtbar;
Kopfschmuck von drei Punktreihen, darüber drei Reihen
Haarbüscheln; von oben herab nach links Punkt
einfassung.
li'. Pferd, rechtsgehend, Hals tief eingebogen und lang,
Füsse contourirt, Schweif hoch aufgeschwungen, innen
ausgepunktet.
Silber. Gr. an 6. Gew. 10-2; erhalten mittelmässig. Fundort Lemberg.
K. k. Cabinet.

36.
Av. Kopf, rechtssehend, Nasenanfang contourirt, Auge stark;
die übrigen zwei Dritttheile breite Stirnbinde von drei
Punktreihen, darüber drei Reihen büschelichten Haares.
Fast rings Punktkreis.
lì'. Pferd, rechtsgehend, Kopf, Mähnenhaar, Füsse, Schweif
contourirt, letzterer mit eingezeichneten Punkten. Form
steif. Fläche sehr dunsenreich.
Silber, dick. Gr. 5. Gew. 1002. Erhaltung ziemlich gut. Fundort nicht
bestimmt. Joanneum.

37.
Av. Kopf, linkssehend, Gesicht zu einem Dritttheil, Nase und
Ohr ausgedrückt , das Uebrige Stirnband von drei
Punktreihen und büschelichtes Haar; unten Punktrand
sichtbar.
ip. Pferd, rechtsgehend, Kopf und Füsse contourirt, Mähne
gepunktet, Schweif stark; zu unterst zwei wagreohte
Dickstriche. Formen roh.
Silber, dick, berostet. Gr. an 6 Gew. 1003. Erhaltung ziemlich gut.
Fundort nicht bestimmt. Joanneum.
154

Unter dem Pferde ein (‘З auch auf einem (wahrscheinlich norischen) Silber
stücke der Sammlung J. Rainer zu St. Veit in Kärnten. Der mit Punkten aus
besetzte Schweif kömmt aus Grimm M. 627, 623 zu erklären, wo Saxo Grammati
cus von den rügischen Slaven berichtet, dass auch sie die Mähnen und Schweif
haare nie verletzten und der silber- und goldbewundene Schweif nordischer Rosse
das Sitfrintpopr und Gulltoppr als Rossenamen erhellt. Gallische Münzen geben
einen Stern über dem Schweife, Rondelle bei Lelewel c. 45, 63, 74.

38.
Av. Kopf, rechtssehend mit Punktreihenschmuck, fast ganz
unsichtbar.
Py. Pferd, rechtsspringend, Kopf und Füsse contourirt, Schweif
hoch. Unter den Füssen Schmelzfigur vom Stempel
ruck, im Halsbug ein Punkt.
Silber. Sehr dunkellegirt. Gr. 6. Gew. - Rev. mittelmässig erhalten.
Fundort Schwarza bei Mureck. Sammlung von Prof. Dr. Rohitsch in Grätz,
Lelewel theilt die Beizeichen in unbelebte und belebte (S. 91 f.) Wir heben
daraus nächst Punkt, Ring (Leitzmann N. Ztg. 1837, 67) hervor: Stern
(Conbrouse 98), Zweig oder Blume (Conbrouse 31, 41, 55), Menschenkopf,
Vogel (Conbrouse 38, 27, 178).

39.
Av. Kopf, rechtssehend, Auge tief, Nase, Lippen contourirt,
Kinn wulstig, 011r stark, links Haare, Stirnbinde breit;
das Haar ganz vernutzt, Form nicht übel.
lì-. Pferd, rechtsgehend , Kopf vernutzt, Füsse contourirt,
Mähne haaricht; unten Punkt; Fläche stark vernutzt.
Silber, dick. Gr. an 5. Gew. 10-275. Erhaltimg mittelmässig. Fundort
ungewiss. Joanneum.
Eine Kugel oder grosser Punkt vor dem Kopfe des reiterbesetzten Pferdes
auf der (wahrscheinlich norischen) Silbermünze der Sammlung J. Rainer zu St.
Veit in Kärnten; unter dem Pferde . . ebd. Eine Kugel über dem Pferde auf
gallisehen Münzen der Schweiz bei Meyer Taf. I. Z. 21, 22, 55, 56, 59? IL 84;
unten III. 123 ?
40.
Av. Kopf, rechtssehend, bis auf das Auge undeutlich, Kopf
schmuck von dreifacher Punktreihe, darüber Haarbüschel
reihen, zuhöchst Punkteinfassung als Halbkreis.
lì'. Pferd, rechtsspringend, Kopf und Vorderfüsse contourirt,
ziemlich volle Form, auf der Brust drei Kugeln 00°
C b. tSilber. Gr. 5. Gew. 10-605; erhalten gut. Fundort Lemberg. K. k.
8» 111€ .

41.
Av. Kopf, rechtssehend, Nase, Lippen contourirt, Wange voll,
Ohr gross , ziemlich breite und weite Stirnbinde von
schiefen Blättern zwischen zweien Punktreihen, darüber
Haar ; Striche auch unten links am Halse. Form ziemlich gut.
155

Hy. Pferd, rechtsspringend, Hals hoch und dünn, Kopf und


sichtbarer Vorderfuss contourirt; Hintertheil fast ver
schwunden. Gestalt unförmig.
Silber, dick, berostet. Gr. an 5. Gew. 10-345. Erhalten gut. Fundort
nicht angegeben. Joanneum.

42.
Sehr ähnlich )( Mähne flockicht, Füsse unkenntlich.
Silber. Gr. an 6. Gew. 10-444. Erhalten gut. Fundort Lemberg. K. k.
Cabinet.
43.
Aehnlich.
Fundort Lemberg. Noch bis Juli 1864 im Besitze des Fund-Grundeigen
thümers Lorenz Javornik, seither im Joanneum, eingesendet durch den Pfarr
herrn von Doberna, Franz Mikusch.

44.
Av. Kopf, linkssehend, doch kaum erkennbar, Stirnbinde von
drei starken Punktreihen, dann drei Reihen büschelichten
Haares. Punktkreis links oben sichtbar.
lì'. Pferd, rechtsgehend, sehr unförmig, Kopf hoch, schmal,
nur contourirt; Vorderfisse sichtbar, über dem vertief
ten Rücken а.
Silber, dick, hellgrün berostet. Gr. 5. Gew. 10-405. Erhalten mittelmässig.
Fundort unbestimmt. Joanneum.
Die nämliche Punktstellung auf aquitanischen Münzen in Rev. numism.
1856 p. 146. Streber Regenb. II. in Ak. Abh. IX. 1 p. 584; zu den Punkten der
Bogen und unten wie f vorgestürzt auf einer (wahrscheinlich norischen)
Münze der Sammlung J. Rainer zu St. Veit in Kärnten; die drei Punkte aber
mals von einer Trias eingefasst , verschieden an Grösse, über dem Pferde
(vor dem Pferde »I unten O) ebd. Vgl. Duchalais Nr. 694.

45.
Av. Kopf, rechtssehend, bis auf den Wangenobertheil unkennt
lich; Schmuck von drei schiefen Punktreihen; die Rand
Einfassung von unten auf im Halbkreise sichtbar, darunter
herab Silber-fläche.
Py. Pferd, rechtslaufend, Kopf und Füsse durch Vernutzung
voller geworden; an 10 Punkte in der Area links vertheilt.
Für Gussblasen zu regelmässig.
Silber, stark patinirt. Gr. 7-8. Gew. 10-185. Erhaltung Av. mittelmässig,
Rv. ziemlich gut. Fundort Lemberg. K. k. Cabinet.
In dieser vorangegangenen Reihe mit dem wesentlichen Charakter ,Kopf
mit Schmuck, Pferd ohne Reiter oder freies Pferd-- zu suchen sind die nach
folgenden Stücke, welche in den Berichten des Joanneums und den Schriften
des steierischen Geschichtvereines an verschiedenen Orten gefunden ausgeführt
werden. 1. Die ungemein alte Silbermünze aus Frauenberg bei Leibnitz (Tetra
drachme ?) ausgegraben mit mehreren ähnlichen im J. 1820. Joann. Ber. 1821.
156

Mittheilungen V. 111. 2. Die keltische Münze des Joanneumberichtes 1828.


З. Hartberg. Keltische Tetradrachme mit dem freien Pferde und dem perl
schmucküberbürdeten Kopfe. Muchar I. 387. Mitth. II. 107; V. 113. 4. Kugel
stein bei Feistritz, südwestliche Abdachung, auf dem Grunde des Leichbauers,
Pfarre Feistritz, gefunden 1858, angezeigt durch Pfarrer Rupert Rosegger. Kopf
mit punktirtem Schmuck auf der convexen, Pferd auf der concaven Seite.
5. Melling, \Veinberg nächst Marburg. Dicke Silbermünze mit einem kräftigen
Männerkopfe und vielfach verzierter Stirnbinde und mit einem ungezäumten
Rosse auf der Rückseite. Dies die dritte ganz gleiche Münze , innerhalb
10 Jahren (1843-1853) zwischen Gams und St. Peter in verschiedenen ÑVein
bergen gefunden. Mitth. IV. 256 durch R. Рuй“. 6. Oberschwarza; die keltische
Münze aus der Nähe von Mureck (mehr als die genannten?) Mitth. V. 117.
7. Die Tetradrachme von Reifenstein- Mitth. V. 120. Endlich die keltische Silber
münze, durch Mathias Stagoi, den Kapellan zu Tüchern, dem Geschichtvereine
und durch diesen dem Joanneum übergeben. 1856. Mitth. VIII. Seite 40.
Z. 610. Da die allfälligen Beizeichen weder in diesen Berichten noch in denen
des erwerbenden Joanneums angegeben sind, so kann der Schluss auf Zuthei­
lung mancher hier beschriebener Stücke in die genarmten Fundorte eben nur
mit Wahrscheinlichkeit geschehen, welche zu bestätigen oder abzuweisen die
Aufgabe der Nachfolger ist. Sollte trotz dieser Fundortreihe eine steierische
Zutheilung nicht überall durchführbar sein , so ist es wichtig zu bemerken,
dass Mommsen eine grosse Anzal aufschriftloser Tetradrachmen aus den Gebie
ten der Aravisci im stuhlweissenburger Comitato stammen lässt.

46.
Av. Kopf, rechtssehend, nur das Auge sichtbar, an Stelle des
Ohres eine dreieckichte Blase; Kopfschmuck von drei
Punktreihen, darüber drei Reihen Haarbüscheln; links
herab geglättete Haare; Punkteinfassung unten sichtbar.
lì. Pferd, rechtsgehend, Kopf und Füsse contourirt, sehr
dürre Form; Schweif breit und innen ausgepunktet,
darüber ein Reif (Rad ohne Speichen).
Silber. Gr. 6. Gew. 10625; erhalten ziemlich gut. Fundort Lemberg.
K. k. Cabinet. `

47.
Sehr ähnlich, die Punkteinfassung zu drei Vierttheilen
sichtbar, ebenso der Bindenschluss.
Silber. Gr. über 6. Gew. 10346. Fundort Lemberg. K. k. Cabinet.

48. ‚
Av. Kopf, rechtssehend, Viiange und Auge am meisten sicht
bar, darüber zwei Reihen dicker Breitstriche, darunter drei
Punktreihen vom Kopfschmucke, links ein Halbkreiss
Punktrand von 19 Punkten; darüber hinaus Silberfläche.
li'. Pferd, rechtsgehend, Kopf und Füsse contourirt, Mähne
gepunktet, sehr unförmig, rechts herab verschmolzene
Fläche.
Silber. Gr. 6, eiförmig. Gew. 10496; erhalten mittelmässig. Fundort
Lemberg. K. k. Cabinet.
157

49.
Sehr ähnlich, Kopf entschieden rechtssehend , im Avers
viel besser und deutlich erhalten. )( etwas vernutzt.
Silber. Gr. über 6. Gew. 10 203. Fundort Lemberg. K. k. Cabinet. Wegen
des unsichem Beizeichens neben dem Pferdhalse werden die beiden Stücke hier
hergestellt; dies kann Punkt oder Rädchen sein, ohne dass die Type dies ge
rade wirklich bedingt.

50.
Av. Kopf, rechtssehend , Antlitz ganz vernuzt; Stirnbinde
von drei Punktreihen, darüber heraus drei Reihen Haar
büscheln. Punktrand obenüber sichtbar.
lì'. Pferd , rechtsgehend , ziemlich volle Form , Mähne
haaricht und umpunktet , Bauchrippen stark; obenüber
grosses achtspeichiges Rad, unten wie T I, Fläche stark
vernutzt.
Silber, minder dick, dunkellegîrt. Gr. 6. Gew. 8-03. Erhaltung sehr
mittelmässig, unförmig ausgebracht. Fundort Lemberg. Joanneum.
° Das Rad ist Sinnbild der Sonne oder der Jahreszeiten, sowol bei den
Kelten, als bei den Indem, de1"1,Mou ходы); der Griechen und das ,schöne lichte
Бай‘ der Edda, daran erinnernd das volkssittliche Feuerscheibenschlagen in
norischen Landen. Lelewel 135 f. Es erscheint vierspeichig auf den Münzen der
Cadurci, Rev. num. 1838 p. 330. Contzen 78; sechsspeichig auf der Münze
Viredisos und стî; achtspeichig auf den Bodvo. Rev. numism. belg. ser. II.
Tom. VI. 385; rev. num. 1859 pl. II. sig. 1-3; 1839 pl. XIII. Fig. 8. Lelewel
Atlas pl. VIII. Fig. 17, 18. Streber II. 605 not. Vier- und sechsspeichige Räder,
auch von den ältesten athenischcn Stücken, dem syrakusaner Kleinsilber und
Gold, den tarentiner und massiliotischen Münzen bekannt, auf dem kleingleiner
Schilde, ebenso auf gallischen Münzen der Schweiz bei Meyer, erstere Taf. I. Z.
46, 47, 48, 51; II. 94, 95, 96, 97, 98, 100, 104.111. 136, 137; letztere Tafel I.
61. Im Allgemeinen über das Rad: A. Jahn. Keltische Alterthümer der Schweiz.
Taschenbuch für Süddeutschland I1. Lindenschmit: Alterthümer unserer heidn.
Vorzeit Montfaucon Antiquit. expliq. III. Mitth. IV. 68. X. 296. Sollte das Zeichen
unter dem Pferde ein T oder Kreuz —{-­, welches letztere auf Strebers Regenbogen
schüsselchen 1, 2 erscheint, nicht sein, so mag man es als Streithammer nehmen
und an den Miölner Thorrs denken, ohne indess die Edda als gültig hierin
anzuerkennen. W-einhold in Mitth. X. 275. Jedenfalls verschieden ist aber dieses
Zeichen von dem liegenden Kreuze X, welches Arneth im Kataloge der kais.
Medaillenstempel­Sammlung S. 3 beschreibt. Pratobevera in Mitth. IV. 68 auf
Museum Hedervari Tab. 30 Nr. 669 weisend. Mommsen 695. Not. 97. und Seidl
Beiträge II. 221. nach Mittheilung von Hauptmann Braun in Leibnitz.

51.
` Av. Kopf, linkssehend; zu zweien Dritttheilen Haarwindun
gen (drei Reihen) und Bindenschmuck (Punkte, drei
Reihen), Angesicht klein, zusammengedrückt , roh,
Auge stark; Hals contourirt , mit starken Punkten,
unten kleines Zickzack, rechts hinauf Randeinfassung von
18 Punkten. -

_@ - - —
158

Bz. Pferd , rechts abgehend , Kopf , Füsse in Contour


strichen, oben Rad achtspeichig, unten zwischen den Pferd
füssen T
Silber, dick. Gr. 5:6‘5, oval. Gew. 10‘355. Erhalten gut. Fundort Lem
berg. Joanneum.

52. ~
Av. Kopf, rechtssehend, Stime kurz, Nase abgebogen, Auge
gross, Hals umpunktet, grosser fast senkrecht stehender
Kopfreif aus drei Punktreihen, dahinter zwei Reihen bogicht
gezeichneten Haares; 24 Punkte im Halbkreis rechts
herab.
lp. Pferd, links ablaufend; Form voll, Kopf und Füsse con
tourirt, Mähne gepunktet, Schweif breit und lang. Oben
über ein achtspeichiges Rad, unten zwischen den Pferd
fìssen T |
Silber, dick. Gr. 5. Gew. - Av. minder, Rev. sehr rein erhalten. Fund
ort Lemberg; derzeit, als vom Vater ererbt, mit römischen Münzen ein Eigenthum
des Franz Krischan, Lederermeister zu Weitenstein oberhalb Cili.

53.
Av. Kopf, linkssehend; Nase lang und platt gehalten, Auge
gross, Lippe und Kinn eng aneinander, Hals umpunktet,
Kopfschmuck von einer fast senkrechten Punktreihe,
dahinter nach rechts zwei Haarbüsehelreihen, oben Auf
satz, dreieckicht, ästig, mit Punkten besetzt; links
Punktrand sichtbar.
lp. Pferd , rechtsgehend , Kopf und Füsse contourirt ,
Schweif breit, obenüber Rad achtspeichig, unter den
Füssen T
Silber. Gr. an 5. Gew. 10425; erhalten Av. sehr gut. Fundort Lemberg.
K. k. Cabinet.

54. -
Sehr ähnlich; links Rand von 20 Punkten im Halbkreis,
völlig erhalten; darüber hinaus Silberfläche, Ж Pferd,
Rad, I T
Silber. Gr. an 5. Gew. 9-305. Ziemlich gut erhalten. Fundort Lemberg.
K. k. Cabinet.

55.
Ebenso; Rand rechts völlig, drei Haarbüschelreihen;
Ж Pferd, Rad, I T
Silber. Gr. an 5. Gew. 10.395. Stark berostet. Fundort Lemberg. K. k.
Cabinet.
I
159

56.
Av. Sehr ähnlich; das Angesicht unkenntlich; an Stelle des
Halses ein ausgepunktetes Quadrat. Rand von 25 Punkten,
rechts herab.
li'. Pferd, rechtsgehend; Mähne gepunktet, links über dem
Rücken Rad, achtspeichig, unter den Füssen sehr fein I T
Silber. Gr. 6. Gew. 10-365. Erhalten mittehnässig, stark beschnitten.
Fundort Lemberg. K. k. Cabinet.

57.
Sehr ähnlich, unten sichtbar ein Zickzack. )( Pferd, Mähne
gepunktet, Rad achtspeichig, T
Silber. Gr. 5. Gew. 9-81. Erhalten gut, Einriss oben. Fundort Lemberg.
K. k. Cabinet.

58.
Sehr ähnlich; Untertheil des Zickzacks und Punktrand
Halbkreis noch mehr sichtbar )( Pferd, Mähne gepunktet,
Rad T
Si1ber.,Gr. 6. Gew. 10-46. Erhalten gut. Fundort Lemberg. K. k. Cabinet.

59.
Aehnlich.
Silber. Gr. 6-5 GW. 10-345. Erhalten gut. Fundort Lemberg. K. k.
Cabinet.
‘Ё:

60.
Aehnlich.
Silber. Gr. 7-5. Gew. 10‘245; Obertheil sehr gut. Fundort Lemberg.
K. k. Cabinet.

61.
Aehnlich.
Silber. Gr. 5. Gew. 9-945. Fundort Lemberg. K. k. Cabinet.

62.
Aehnlich, besonders den Z. 57, 58. `
Silber. Gr. über 5. Gew. 10-5. Erhalten gut, besonders Avers. Fundort 1
Lemberg. K. k. Cabinet.

63.
Av. Drei Haarbüschelreihen und Kopfschmuck-Punktreihen
als Hälfte des einen Stempels, Pferd-Hintergestell mit
Schweif, ziemlich gute Form, als Hälfte des zweiten Stem
pels nebeneinander. Punkteinfassung von links herab
sichtbar, darüber hinaus Silberfläche.
/V

160

11'. Pferd, rechtslaufend , Kopf und Füsse contourirt, Mähne


gepunktet, rohe Form, unter den Füssen I T; links schief
herab die Punktreihe des Kopfschmuckes von einem Avers
stempel angedeutet.
Silber. Gr. 6‘8. Gew, 10-28. Erhalten ziemlich gut. Fundort Lemberg.
K. k. Cabinet. ~

64.
Av. Kopf, linkssehend, von rechts herab drei Haarbüschelrei
hen und drei Punktreihen sichtbar, linke Hälfte nimmt ein
der rcchtssprengende Reiter mit punktumrahmteni Kopfe.
nt. Pferd, rcchtsspringend, bis zum Hintertheil sichtbar, Kopf )
und Füsse contourirt, Mähne gepunktet, obenüber Rad
achtspeichig, unten I T; links Bindenschmuck von gegen
ständigen Blättern, cingesäumt von je einer Punktreihe.
Silber. Gr. 6-8. Gew. - Erhaltung sehr gut. Fundort Lemberg. Samm
lung Knabl in Grätz. Zwei technisch sehr interessante Stücke. ‚

65.
Av. Kopf, linkssehend, Nase lang, ,Stirnbinde fast senkrecht;
darüber Haarbüschelreihe; links Punktrand sichtbar.
lie Pferd, rechtsgehend, Kopf und Füsse contourirt, Mähne
gepunktet ' oben Rad unten T
Gr. an 6. (Зоw: - Fundort’Lemberg, Sammlung Braun in Leibnitz, aus
dem Joanneum erworben. -

66.
Av. Kopf mit Perlenschmuck.
lì. Pferd, darüber ein achtspeichiges Rad, unten- ein hammer
artiges Zeichen wie T
Silber. Gr. 6? Gew. - Dr. Hönisch in Pettau?

67.
Av. Kopf, rechtssehend, Auge schief herab, Nase und Lippe
zusammengedrückt’, Hals von Punkten umsäumt. Kopf
schmuck wie mit Dreieck abschliessend. Dreipunktreihe
fast senkrecht; dahinter hinaus Haarbüscheln. Punktkreis
links sichtbar.
lì. Pferd, rechtsgehend, Mähne gepunktet, Kopf, Füsse con-0
tourirt, Rad achtspeichig, unten T ’
Silber. Gr. 6. Gew. - Fundort Lemberg. Sammlung Knabl in Grätz.
161 `

С. Type: Reiter, makedonisch-thrakische Imitation.


a) Aneplgraph.
68.
Av. Kopf, linkssehend, belorbeert, bärtig, lange Nase, Auge,
Lippe vernutzt; am Halse rechts Locke.
R. Pferd mit Reiter (Oberleib herzförmig mit Punkt) nach
rechts. Vorderfüsse sehr dünn. Etwas gehöhlt.
Silber. Gr. über 4. Gew. ­-. Erhaltung mittelmässig. Fundort unbe
kannt. Joanneum.

69.
Av. Kopf, 1inkssehend,Auge und Nase stark angedeutet, Stirn
binde von zwei Punktreihen. Haare oben spitz aufstehend.
Stark convex.
li-. Pferd, linksaufspringend, Körper schr dick, Kopf und Füsse
sehr dünn und contourirt, Mähne bis über die Stirn herab
gepunktet; auf dem Pferdrücken schief wie eine Pflanze,
sicherer der makedonische Reiter. Sehr rohe Formen.
Starke Höhlung mit Randreif.
Silber, dick. Grösse 7. Gew. 13-525. Erhalten Av. schlecht, Rev.
gut. Fundort unbekannt. Joanneum.
Eine ähnliche Beigabe (Stab mit drei Querbalken) auf dem Rücken des
Pferdes bei Streber’s avernischem Silberstück II. Abth. p. 584 und Taf. 1 Nr. 2,
aus Rev. num. 1846. p. 261. pl. XIV. 3; ein Stab, schief, cbenherum fünf Punkte
über den Pferderücken her bei Meyer Taf. I. Z. 32. Wahrscheinlicher, wie
gesagt, ist der Reiter. Im Reverse nicht unähnlich Lelewe1's Stücke III. 16,
Gew. 139 у, Grains, Zeit um 270; vgl. Cap. 25, 26, 41.
70.
Av. Kopf mit Halsabschnitt, links emporsehend , mit Stirn
band und geebnetem Haar, ziemlich edel gehalten.
lì. Pferd, rechtsgehend, mehr enge gehalten, Kopf und Füsse
durch Vernutzung vollförmiger geworden , über dem
Pferde vielleicht ein Punkt, wie deren unten vier . . . .
(Randeinfassung ?).
Silber dick, scheinbar mit Bronceüberzug. Gr. an 6; rechtsab be
schnitten. Gew. 9~332. Erhaltung ziemlich gut. Fundort nicht angegeben.
Joanneum.
Die Punkte über die Dreizal geben gewönhlich die symbolische Pyra
mîdalstellung auf, erscheinen horizontal neben einander gereiht und begnügen
sich meist mit dem Platze unten. Es ist daher hier nach Streber`s eingehender
Forschung auf Gottheiten zweiter Ordnung zu denken, ohne Einwendung, ,dass
ich in diese Bilder mehr Sinn und Bedeutung hineinlege, als in ihnen gesucht wer
den dürfe.‘ Zwei und mehre Punkte als Beizeiohen zum Pferde auf gallischen Mün
zen der Schweiz beiMeyer Taf. I. Z. 60; II. 81, 94, 100 ?, 102; III. 118 ?, 128,128.
11
162

71.
Av. Kopf mit Halsabschnitt, linkssehend, Nase, Auge, Lippen
stark, Kinn vorspringend und voll, am Halse Zierrat;
breite Stirnbinde von drei Punktreihen , Haar zuge
strählt. Form roh.
-F Pferd, rechtsgehend, Vordertheil hochgebogen , Mähne
trotz der Haarausführung von Punkten umgränzt, ebenso
des Reiters Kopf; unter dem Pferdbauch eine Silberaus
quetschung, die vielleicht ein Rad? verdeckt hat.
Silber, dick, dunkellegirt. Gr. an 6. Gew. 9-646. Erhaltung gut. Fundort
nicht bekannt. Joanneum. .
Die unbärtigen Köpfe im Averse bei Duchalais 373-380; die bärtigen
oder Zeusköpfe, 38 Stück, S. 364-373.

72.
Av. (Zeus-) Kopf mit Halsabschnitt, linkssehend , Nase etwas
vorspringend,Auge und Wange vertieft, voller büschelich
ter Bart, Kranz wie von Lorbeerblättern, Haar geebnet.
Fast edle Form.
Kn Pferd, rechtsgehend, gedrängt, aber volle Form, Kopf im
alten Styl; Riemenzeug, Reiter mit einer Art Helmzier.
Etwas Höhlung , geschlossen durch doppelten Reif, als
doppelter nur mehr rechts sichtbar.
Silber, besonders dick bei Gr. 4. Gew. 12-8. Erhaltung gut, besonders
Rev. Fundort ungewiss. Joanneum.
Ein sehr ähnliches Stück, wir möchten sagen das Vorbild, bei Lelewel
T. IX. 8. von 252 Grains, aus der Sammlung von Meynaerts. Dort ist im
Reverse zwischen Pferdes- und Reiters-Kopf ein Ring mit Mittelpunkt und
Seitenstrich, drei Punkte bilden des Reiters Kopf, drei seine Brust, das Beizeichen
über dem Pferderücken ist länglichter ausgebildet. Als die Hälfte eines Bogßnä
kömmt solche Verzierung bei Streber namentlich Nr. 55 vor; ähnlich bedeu
tungslos bei Meyer Gall. Münzen. S. 4 und Taf. I. Nr. 16. Der Reiter isi
wahrscheinlicher. Vgl. hiezu Duchalais p. 371. Nr. 33 von 20 Millimetern und
Mionnet Incerti 161.

73.
Av. Kopf, linkssehend, mit starker Nase, dichtem langhaarigten
Bart, mit Kopfaufsatz; ganz rechts herab gerundetes Zick
zack. Einfassung von 50 Punkten, darüber hinaus links
freie Silberfìäche.
K'. Pferd, rechtsgehend, mit Reiter, unter den Füsseng, rßßhfs
vor dem Pferde 13; darüber wie ein Panier.
Silber. Gr. um 7. Gew. 12-83. Gut erhalten, etwas Höhlung im Revo
unförmige Gestalten. Fundort nicht bestimmt. Joanneum.
Sehr ähnlich hauptsächlich im Revers dem von Wocel (Sitzb. 16.Bd­
S. 186, tab. II. Nr. 1) mitgetheilten Stücke aus den Tumulen zu Stockau, г”
zehn Arten anderer Keltenmünzen sich vorfanden; ähnlich stylisirtes Sfußk
163

unter Grässe’s altgallischen Silbermünzen Taf. XII. 6. Ein anderes ähnliches,


aber von der Grösse 6, gibt auch Lelewel nach Conbrouse II. 4, Vgl. seine Cap. 17.
38. Es ist aus Dalmatien und soll in die Zeit von 270~20O gehören. Der
Ring im Reverse ist bei unserem nur halb. Die Hälfte dessen, was wir als
doppelten Bogen auslegen können, findet sich auf schweizer Münzen bei
Meyer Taf. П. 78 im Kreuzwinkel. Das Í) (Halbmond), gestürzt, auf gallisehen
Münzen der Schweiz. Meyer Taf. II. Z. 76 der Volcae; mit Kugel C1 Taf. I.
Nr. 21; ähnlich Z. 22, 26, 40, 42, 46, 57 u. a.; mit zweien Kugeln Taf. I. Z. 25;
verzierter, Taf. I. Z. 23. Unser Stück ist abgebildet bei Pratobevera: Keltische
und röm. Antiken. S. 44.

74.
Av. Kopf, linkssehend, mit starker Nase, Rollbart und dich
tem Haupthaar; ziemlich wol geformt.
lp. Pferd, rechtsgehend, mit Reiter; scheint dem vorigen
ähnlich.
Silber, dick. Gr. 5. Gew. 12‘42. Erhaltung im Av. ziemlich, im Rev.
sehr wenig gut. Fundort unbestimmt. Joanneum. ­
Nicht eine doppelte Masche , an Runen erinnernd, sondern ein Doppel
bogen liegt zu Füssen des Pferdes. Streber hat einen solchen dreifachen Bogen
der fünften Gruppe seiner Regenbogenschüsselchen Nr. 85, Fundort Баgен,
Gew. 7­402, ausgelegt als übereinstimmend mit der Bedeutung des lycischen
Triquetrums, wo drei Mondsicheln zunächst auf die drei Mondphasen, im
Weiteren aber auf die weibliche Göttertrias weisen. Noch lassen sich vier
Schenkel oder Halbmonde auf die Phasen deuten; wie aber verhält es sich
mit der thatsächlich erscheinenden Fünfschenkelfigur als Avers eines (mit Re
vers: Pferd links, oben rückwärts Silberstückes der Sammlung
J. Rainer zu St. Veit in Kärnten? Ist die Type nicht richtiger ein schlechter
Kopf ? Ein etwas ähnliches Stück, in Dalmatien ausgegraben, gibt Lelewel
nach Conbrouse II. 1, vgl. die Cap. 17. 18. 25. 26. 41. Er nennt es ein den
Kelten in Gallien, an der Donau und vom Adria- bis zum schwarzen Meere
gemeinsames und setzt es um 880-270. Ein ganz ähnliches vortreñliches
Stück mit dem deutlichen Beizeichen vor dem Kopfe wurde in den Ruinen
von Virunum am Zollfelde gefunden und wird bewahrt im Museum zu
Klagenfurt.

75.
Av. Ko В fа linkssehend я mit büschelichtem Haar1 Stirnband und
zottigtem Bart, Auge stark, Nase klem, aber wulstig;
rechts herab Zickzack, links herab im Viertelkreis
10 Punkte. Aeussere Punktrandung sichtbar.
H1. Pferd, stark unförmig, rechtsgehend, Kopf und Füsse
contourirt, mit kleinem Reiter, die Hände ausstreckend,
rechts vorne das Triquetrum oder nur ®, unter dem
Pferde со . Scheint beschnitten.
Silber, dick. Gr. 6 : 8. Gew. 12-815; eiförmig. Sehr gut erhalten. Fund
ort nicht bekannt. Joanneum.
Das Zeichen Е, Zickzack, häufig auf dem altitalischen Schwergeld, sieh
Seidl. Altital. Schwgld. a. v. O.
11*

164

76.
Av. Kopf, linkssehend, Auge und Kinn gross, Nase stark, Haar
geschnörkelt, Stirnbinde wie von jc zwei nebenliegenden
Blättern. Form zwar voll aber starr.
lì. Pferd, rechtsgehend, sehr dürr, Mähne gepunktet, oben
am Pferdkopf V ; Reiter sehr dürr aber dickköpfig, in
der erhobenen Rechten wie V , unter dem Pferde :,
zutiefst durchlöchert.
Silber, dick. Gr. über 8. Gew. 12~314. Erhaltung gut, etwas angebroohen.
Fundort unbekannt. Joanneum.
Das Zeichen V erscheint auch auf einem (wahrscheinlich norischen)
Silberstücke , Rv.: Reiter von der rechten Seite, ohne Füsse, Umschrift:
Y U - Y - .I L, unter dem linken Vorderfuss des Pferdes E, endlich V unter
dem Bauche; in der Sammlung J. Rainer zu St. Veit in Kärnten. (Dort ent
scheidene Philippuslegende.) Der Stem nicht selten auf gallischen Münzen der
Schweiz, nach Meyer; vierpunktig Taf. I. 71; vielpunktig Taf. I. 63, 27, 28;
letzterer auch bei den Santones nach Grüsse Taf. XI. Z. 1, strahlicht ebd. XII. 7
der Aulerei Eburovices (Mitth. V. 58) und auf schweizer Stücken wie Meyer
Taf. II. 86. III. 129. 150. des Orcitirix, einfacher Taf. Il. 95. 96. 100. Derselbe
Stern auf dem Klapperblech des strettweger Fundes unter dem ziegenartigen
Thiere. Mitth. III. 73. Taf. I. Z. 4.

77.
Av. Kopf mit Halsabschnitt, linkssehend, Nase mehr flach,
Auge stark, Bart voll und blättericht; Stirnbinde von
drei Blätterreihen, Haar büschelicht, übrigens hier un
vollständig.
iì. Pferd , linksgehend, volle Formen, Riemenzeug, mit
Reiter, schmal gehalten, links über dem cmporgehobenen
Pferdfuss X, unten gepunkteter wagrechter Strich. Ein
Loch durchgeschlagen.
Silber, minder dick. Gr. 7. Gew. 12-715. Erhaltung gut. Fundort nicht
bekannt. Joanneum.
Das ähnliche Zeichen X findet Arneth auf einem Stücke seines ,Catalogs
der k. k. Medaillen-Stempelsammlung‘ S. 8; Streber sieht sowol auf diesem
wiener als auf dem zu Kremsmünster gefundenen linzer Museal­Stück drei
Kreuze. П. 652. Not. 2. Es möchte aber auch wol nur eine Zusammensetzung
des als Zierrat (z. B. bei Grässe’s altgallischem Silberstück Taf. XII. 6) vor
kommenden Zeichens ^ sein; so auch das Kreuz unter dem rechtslaufenden
Pferde bei Meyer Taf. I. Z. 21; über dem Pferdrücken gestürzt, wie auf unserem
Stücke, ebd. Z. 48; mit Punkten in den Winkeln ebd. Taf. H. 118. 114.

78. -
Av. Kopf, linkssehend, Nase gross, Auge, Lippen nur con
tourirt; die Zweidritttheile nach rechts nehmen ein: brei
tes Stirnband von Punktzeilen, dazwischen gegenständige
Blätter;Büsche1haar,zweiReihen.EinzweitergleicherStem
pel geht querüber, daher allgemeine Verschwommenheit.
165

lit'. Pferd, rechtsspringend, Kopf und Füsse contourirt, hoch;


Reiter mit punktumrahmtem Kopf (10 Punkte), unter
dem Pferde Der zweite Stempel lässt allenthalben
Pferdfüsse vorkommen; auch die Figur links wie Э
scheint daher zu rühren.
Silber, dick. Gr. an 6. Gew. 10‘603. Erhaltung mittelmässig. Fundort
ungewiss. Joanneum.
Die Einfassung des Kopfes nach Art der christlichen Sternen- oder Hei
ligenscheine möchte wol an eine göttliche oder symbolische Erscheinung
erinnern; die ithiphallischen Gestalten auf unserem einheimischen kleingleiner
Schild haben ebenfalls einen solchen Kopfschein, nur dass er strahlicht ist.
Ueber dem Pferde Q) und unten D auf einem (wahrscheinlich norischen) Silber­
stücke der Sammlung J. Rainer zu St. Veit in Kärnten.
il

79.
Av. Kopf mit Halsabschnitt, linkssehend, Auge stark, Nase
lang und wulstendig , Wange voll , Blätterstirnbinde
geschlossen durch ein lyraförmiges Gebinde, unter dem
Backen Zierrat und drei nebenliegende Blätter; rings
vernutzter Punktrand, von Nase bis unter den Backen
unterbrochen.
lì'. Pferd, rechtsgehend, hochfüssigt, Kopf und Füsse con
tourirt, sehr unförmig, Mähne gepunktet, Reiter mit
Helm, daran Crista und Rückbug zu erkennen ; vor dem
Pferdhals rechts ein Vogel, langschnäbelig, hochfüssigt,
dreizehig, rechtsgehend. Etwas Höhlung.
Silber, dick. Gr. 6-5. Gew. 12-025. Erhaltung gut. Fundort unbekannt.
Joanneum.
Der Vogel (Pfau ?) ähnlich auf der gallischen . .Omaratis­Münze (Revue
1862. Nr. 1. p. 28. pl. I. 6), nur dort linkssehend. Er wird sowol den Arvernern
als Bìtufigem zugeschrieben. Es ist übrigens auch Adler und Taube erkannt
und insbesondere letztere auf Belisama in ihrer Eigenschaft als Urania oder
Luna bezogen worden. Vgl. Streber`s Regenbogenschüsselchen Nr. 19, 29, 56;
Meyer p. 20, 21 und Taf. ll. 112-114, wo auch der uns tauglichste Reiher
erwähnt wird. Der Vogel erscheint auf den kleingleiner Fundstüoken (Mitth.
S. 277) und auf marmaroser Münzen (k. k. Cabinet); kömmt übrigens so
wenig weiter vor als die mehr östlichen Bilder: Vogel auf Lanze, Harpye, Bär
und Jäger, Greif, Löwe.

80.
Av. Kopf, linkssehend, mit Kräuselbart, langem Haupthaar
‚ und Haarband, Halsabschnitt; ziemlich edel gehalten.
ly. Pferd mit Riemenzeug, linksgehend, mit lenkendem Rei
ter, unter den Füssen ein linksschender Menschenkopf
mit Halsabschnitt.
Silber, dick. Gr. 6. Gew. 13-71. Erhaltung gut und kräftig. Fundor
unbekannt. Joanneum.
166

Aehnlich dem Audolcon, Sohn des Agis, Vater des Aristonus um


330 v. Chr., bei Fröl. notit. elem. p. 143. tab. VIII. Nr. I., beschrieben p. 143
unter den päonischen Königen. Jenes Stück, Silbertetradrachme, wird als
Eigen von de France, ziemlich selten und barbarischen Gepräges genannt.
Verweis auf Ad numism. reg. vet. p. 39. Ein Menschenkopf über dem Pferd
schweif auf gallischen Münzen der Schweiz bei Meyer Taf. I. Z. 62-64. Der
Menschenkopf, dem Pferdhals angewachsen, erscheint bei Lelewel Atlas
Tab. II. Fig. 34.-Wir lassen zum Schlusse dieser Classe ausnamsweise ein
eigentlich epigraphes Stück folgen , um den Charakter des Philippusvorbildes
zu erhärten, noch mehr aber, um in der folgenden Reihe die Legenden natio
naler Namen, soweit möglich, unverwischt zu erhalten.

81.
Av. Kopf (Zeus), linkssehend, mit Halsabschnitt und Kleid
falten, Haar geebnet, Blätterkranz dreireihicht, Auge
nicht ausgeführt, Bart wie geblättert. Punktrand als Halb
kreis sichtbar. Ziemlich edel.
li'. ,ILI­Y um das Pferd, linksgehend, Kopf und Füsse
contourirt, Mähne gepunktet, Reiter, die Rechte seit
eingestemmt, die Linke emporhebend. Unter dem erhobe
nen linken Vorderfuss П, unter dem Pferde das Tri
quetrum. Zutiefst Punktlinie.
Silber, dick. Gr. 16. Gew. 12‘815. Erhaltung gut. Fundort unbekannt.
Joanneum.
Nicht unähnlich, was den Averskopf, das Pferd und Triquetrum des
Reverses und auch die Grösse betrifft , dem Audoleonstücke bei Wiczay p- 100
Nr. 2566. Taf. X. 219. Neumann I. 135. Vgl. ebd. Numism. barb. arg. p. 347
Nr. 7496. Auf den ersten Blick fällt die Aelmlickeit des Stückes mit den makedoni
schen Didrachmen auf, z. B. mit dem Philippus II., bei Grässe Taf. II. Nr. 1
abgedrückt. Dort erscheint der lorbeerbekränzte J oviskopf, Reiter mit Zweig,
auch Г unter dem Pferdfuss, rings (DIAIH ПОТ, was hier ganz verrenkt ist. Vgl
Eckhel Doctr. 1. 4. S. 178. Von Duchalais’ 38 Exemplaren (S. 364) MÍ
keines die volle Aehnlichkeit mit dem unseren; überall sind die Fragmente der
Philipposlegende andere, die Grösse 15, zumeist 24, 25 bis 27 Millimetres.
Ganz gleich ist auch Lelewel’s Stück II. 3. nicht. namentlich was das П und дед
Reiters linke Hand betrifft. Vgl. dessen cap. 17. Gewicht 252 Grains und Zeit um
280-240. Die fragmentarischen Philipposlegenden verzeichnet Lelewel p. 43
p1. II. 11; vgl. auch Conbrouse 1, 2, 3, 8, rev. numism. I. pl. II. 1. Das Tri
quetrum, dessen ältestes Erscheinen auf griechischen und römischen Münzen
Streber aus Cousinery. Combe, Cohen, Sestini, Lenormant, Carelli und Tore
muzza schön zusammengestellt und der Herzog von Luynes vollends erklärt
hat, besteht aus drei Halbmonden oder Haken wie auf lycischen Typen
Meyer`s schweizer Münzen Taf. II. Z. 100. Streber II. 678 und Nr. 84­
Duchalais Deseript. p. 443. Rev. numism. 1855 p. 164; 1841 pl. ‘ч!’
f. 9; 1838 p. 77; 1840 p1. XVI. ~f. 11. Rev. d. 1. Numism. belge Sm'
III. Tom III. pl. V. fig. 6; dann Lelewel Atlas Tab. I. Fig. 14: 165
1Х. 23. Es ist übrigens auch der Vierhaken sowol in Lycien als in Game“
angewendet worden; sich Lelewel Atlas pl. IX. 25, 26. Duchalais Deseripl
.\-r. 508-512. Mionnet suppl. T. I. incert. d. Gaul. Nr. 298. Alle die vorher
gegangenen Stücke , welche nicht zu den seltenen gerechnet werden könnfflv
zeigenjm Style eine mehr minder grosse Verschiedenheit; bald halten sie Slßh
167 ‘

ausgesprochen an das griechische Modell , bald lassen sie der barbarîschen


Freiheit die Zügel schiessen. Grösse und Gewicht der makedonischen Tetra
drachmen scheinen da und dort erreicht , aber auch hier bricht die Regellosig
keit, wie in Dick- und Flachform, hervor. Im Wesentlichen ist der belorbeerte
Zeuskopf und der die Palme tragende Reiter Philipps nicht zu verkennen; das
ächte Münzstüek coursirte eben in den Keltenländern am meisten und lud zur
Nachahmung ein.
Von diesen ächten makedonischen Vorbildern für die keltische Nachahmung
haben sich auf steierischem Boden ebenfalls Stücke gefunden. Es mögen also diese
Silberdenkmale in Noricum und Pannonien ebenso beliebt und häufig gewesen
sein , wie die übrigens bei uns nicht nachgewiesenen Goldphilippeer (offenbar
kindisch-pfuscherhaft nachgeahmt? Gœthe), von denen Weiss in seiner steierischen
Geschichte bemerkt, sie hätten hier so häufig coursirt und seien so in Schätzung
gewesen, wie derzeit die Theresienthaler in der Levante. Diese Münzen sind:
1. Av. Zeuskopf, rechtssehend, belorbeert.
Rev. (DIAIÜÜÜY Pferd mit Reiter linksgehend.
Silber. Gr. nach Eckhel 61/2. Вены? Erhalten gut. Fundort Pettau
1854. Sammlung und Angabe von Dr. Hönisch.
2. Av. Zeuskopf, belorbeert.
Rev. (DIAIÜПÜI Pferd, rechtsgeliend, Reiter mit Palmzweig, unten A l.
\Vie oben. Harduin Chron. vet. test. p. 574. Frœlich Not. element.
230 und 128, wo irrig aufPhilipp I. sich bezogen wird. Eckhel Doctr.
I. 88 f., besonders 94, wo die Rede nicht von der Menge sondern von
dem wahren Uebertlusse der Philippeer. Sowol hier als in Cat. I. 89,
Z. 23--40 kommen die Schriftbruchstücke der Barbaren wie ФАПП,
ФЁАПТ, lAllÜT, 'H/lill (retrograd), lAlA, @IAE und verschiedene
andersartige zur Erwähnung. Mionnet III. 185; I. 514, 88. Arneth
Synops. num. gr. 1-20, banater Stücke. \Vellenheim I. 108, Z. 2438,
2539. Wiczay Num. barb. arg. p. 398. Nr. 7522. ff. 11. 350. Nr.7550 f.
Päonische Stücke, solche von Larissa, Dyrrhachium, Mende, Tenedos, Ale
xanders d. Gr.. und von Schaphos sind in.Nachbildung bei uns nicht bekanntwor
den. Vgl. Duchalais 373-402.

Ь) Epigraph.
82.
Av. Kopf (Apollon) , rechtssehend , mit Wulsthaar und
Stirnbinde, Nase stark und spitzig, Auge kaum an
gedeutet, Halsabschnitt. Rand von Punkten in Ver
ticfung.
Py. Pferd, linkssprengend, mitMähne und Riemenzeug; darauf
Reiter, tragend ein Panier Unter dem Pferde Q oder
Ring, zutiefst zwischen zweien Zeilen ADNA-M , letzteres
links hinauf und ohne Einzeilung. Punktrand. Gepräge
voll und correct.
Silber, dunkellegirt, dick. Gr. an 6; eiförmig. Gew. 8932. Selten im
4. Grad. Fundort nicht bestimmt. (Aus Kärnten? Mommsen 695. Not. 97)
Joanneum. Aehnlichcs Stück ebendaher in der Sammlung Dr. Schreibers zu
Freiburg im Breisgau.
168

Die Ligatur M genau so auf steierischen Inschriftsteinen (Gaissthal). Auf


Lelewels Stück III. 12 stimmt der Avers, der Revers aber ist ein entschieden
anderer. Dort lesen wir zunächst ADNM-FI, hier nur ADNA-M, dort fehlt
der Ring unter dem Pferde, dort die Ringfragmente um den Speer des Reiters.
Das Gewicht 179’/5. Vgl. Conbrouse 348. Lel. pl. III. 12 aus der Samm
lung Voillemier zu Senlis.

83.
Av. Kopf mit Halsabschnitt, ziemlich ü pig, rcchtssehend;
Nase scharf, Kinn und Wange voll; Stirnbinde von gera
den Dickstrichen zwischen zweien Punktreihen,. darüber
Haar in Wülsten; rechts Punktrand als Halbkreis, darüber
hinaus freie Silberfläche.
lia Pferd, linksabspringend mit Riemenzeug, Mähne gepunk
tet, gute und volle Form; Reiter mässig dürr mit
breitkrämpigem Hut, und Lanze in der Rechten; unten
zwischen zweien Zeilen ADN M-I I ; Punktrandung unten
sichtbar.
Silber, dick. Gr. 5-3. Gew. 10-175. Erhaltung sehr gut. Selten im vierten
Grade. Fundort nicht angegeben. Joanneum. Stimmt zwar mit Lelewels
Stück pl III, 12, ist aber doch zweifellos ein anderer Stempel.

84.
Av. Kopf mit Halsabschnitt, weiblicher?, linkssehend, Auge
und Nase stark, Haar langgestrählt und rückwärts zusam
mengebunden; rechts am Rande Bogenzierrat mit Punkten
f­Y­Yñ , etwa Halbkreis.
K'. Pferd, linkssprengend, Reiter mit Lanze, Köpfe und Füsse
vernutzt , unten etwas im Bogen und zwischen zweien
Linien ЛЮМЧТ zu unterst der Bogenzierrat sichtbar.
Etwas Höhlung. Formen roh.
Silber, dick. Gr. über 6 Gew. 16-723. Erhaltung mittelmässig. Selten
im vierten Grade. Fundort nicht angegeben. Joanneum. Fehlt bei Lelewel und
Duchalais (S. 333 nach Nr. 81.) Lesen wir mit Unrecht Adnamat, was bei der
grossen Undeutlichkeit der Siglen sehr leicht möglich, und was vielleicht die un
gewöhnliche Type des weiblichen Kopfes nicht erlaubt, so mag man sich mit der
Erklärung genügen lassen, welche Lelewel seinem auf Taf. III. 13 abgebildeten
Stücke, dem unseren ganz ähnlich, gegeben hat. Er findet in ihm einen ganz
unbekannten ÜAAÍÜS, Gew. 3611/5 Grains (Serrure’s Stück) und 324 (Meynaerfs
Stück) und setzt es in die griechisch-römische Uebergangszeit um 120 vor die
Atta, gleichzeitig mit denNonnos, welchen als letzte die Adnasati und C0r15@
folgen. Cap. 25, 41, 119, 120. Lag es Leleweln nicht ebenso nahe, geradehin
Nonnos zu lesen?
Es sind aus den drei ersten Jahrhunderten nach Christus die NamenAdnaIrn
(Adnamius für Steiermark und Kärnten aus je zwei Fundstätten, Adnama für
Steiermark aus zweien) und Adnamat, Adnamato, Adnamet (für Steiermark M15
fünf, für Kärnten aus zwei Fundstätten) steininschriftlich nachgewiesen wordeïh
In dieser Zeit kennt die Geschichte noch keine Slaven auf norisch-pannonischem
Boden; man weiss daher, was von Terstenjaks Versuch (Novice 1859, NL 44’
169

darauf Dimitz in Mitth. des hist. Vereines für Krain 1859. XIV. 91.), die Adnam
Münzen zu slovenischen (Adna sei As, dc, und mat eine bestimmte Summe, wie
die deutsche Mark) zu machen, füglich zu halten sei. Noch eríìndungsreicher ist
der bisher unbekannte Numismatiker Pohorski in Novice Z. 31. Er stellt das
Mat mit dem altserbischen m't, entsprechend den altrussischen Goldmünzen Rezan
und Rubel, der holländischen Kupferscheidemünze Meit, mit Mattier und den
spanischen Mat‘s zusammen. Warum liest er nicht gar: ,Einen Groschen keltische
Währung ?‘ oder ,Ein slovenischer Si1berrubel?‘ Wol ahnt der unverständige
Anhang des kenntnissreichen Slavisten, der bereits mehr als einmal die Ueber
schreitungen seiner Trabanten hat verantworten und zurückweisen müssen, nicht,
welch’ ein gewaltiger Bundesgenosse solchen Ansichten scheinbar zur Seite stehe.
Nicht nur Patin (Hist. des méd. cap. 12) und Jobert (Science des méd. I. 96)
schienen geneigt, die keltischen Münzen überhaupt in die Zeit der Völker
Wanderung und namentlich der Gothen zu verweisen, sondern Frölich selbst
theilt diese Denkmale in seinem neuen Beitrage zu den alten Königsmünzen den
im_vierten bis sechsten Jahrhunderte Moesien, Macedonian, Thracien und Pan
nonien überschwemmenden Hunnen, Slaven, Bulgaren (oder auch anderen) zu.
Aber er hat den Anfang als Ende genommen, indem er sein Urtheil auf dem
mittelmässigen Styl beruhen liess, der nur im vierten Jahrhunderte nach
Christo herab so sehr barbarisirt habe werden können. Indess schon Eckhel hat
diese Conjectur glänzend niedergeschlagen durch seinen erfahrungsgemässen
Ausspruch: ,In dieser Zeit wurde mit solchem Schrot und Kom, wie den keltischen
Münzen eigen, eben gar nirgend geprägt und welches Volk irgend münzte, hielt
sich gar und ganz an das Mass der damals gäng und gäben Byzantiner. (Doctr.
1.4, S. 175.)‘ Gleichwcl möchte aber hier auf die Ansicht, man habe in den
Adnamaten eine grosse keltische Familie vor sich, die weitberühmt und mächtig
war, wie etwa später die Merovìnger und Kerlinger, auch nicht eingegangen
werden. Die Namen Adnam, Adnamat und Aehnliche (nicht aber Atnameh, wie
der Druckfehler eines vortretïlichen Geschichtwerkes etwas persisch klingt) waren
eben nur weitverbreitete, von Gallien bis an die mittlere Donau reichende Ein
zelnamen und gehören ebenso wenig Einer Familie an als unsere deutschen
Müller, Meyer und Schulze. Wenn Koch die Inschrift Adnamet auf steiermar
kischen und mährischen Münzen für blosse Titel ansieht (,grossen Krieger“ wie
,Mehrer des Reichs‘), so steht dem gegenüber erstens: dass ja eigentlich alle kel
tischen Namen wie Titulaturen klingen und zweitens, dass eben der Name auch
auf Steininschriften als trockener Personenname vorkömmt_ -- Was das Alter
der Münzen anbelangt, so nennt.Mommsen (S. 695) alle Münzen ohne Aufschrift
oder mit den Aufschriften Adnamati, Atta, Nemet älter, als die des Nonnos
(Biatec, Cobrovomar u. A.) und zwar in die Zeit vor der römischen Unterjochung
hineinreichend. Aelter, weil sie - zwar der römischen Lettern sich bedienend -
die römischen Denare noch nicht nachahmen, wiewol sie ihren Fundort nahe
den Alpen haben. Warum Mommsen den pannonischen Charakter an allen
Adnamat, Atta, Nemet so betont, obgleich er deren Vorkommen in Steiermark’s
Westen, Kärnten, Krain mehr als Einer kennt, ist dunkel. Es möchte also wol
erlaubt sein, bis eine norische Prägung entschieden verneint ist, den benannten
Münzen über das Jahr 8 n. Chr., dem Jahre von Pannoniens Unterjochung, noch
den Zeitraum bis zum Jahre 14 п. Chr., dem Sterbejahre norischer Freiheit, zu
gestatten. Eckhe1Doctrina I. 4, S. 170, Z. 1; S. 172; Catal. I. ab 289, Nr. 29;
in Silber und Erz im kais. Cabinete. Pellerin erklärt diese Münze an zweien Stellen
(Rec. I. 11, Suppl. I. 9) für hispanisch, welchen Charakter er überhaupt in
mehren unserer einheimischen Stücke ausgesprochen findet. Aber der Spanier
Florez übergeht diese Münze, die sich in Spanien also nicht findet, mit Schwei
gen. - Ein ADNA^-A (auf Revers, Reiter mit Lanze, rechts, Perlenkreis) aus
Teurnia in der Sammlung J. Rainer zu St. Veit in Kärnten; ein ADNA, zweite Auf
170

schrift zerstört, aus Virunum im Museum zu Klagenfurt nach A. f. Top. u.


Gesch. Il. Taf. 3 und A. f. K. œ. G. Q. XXIX. 1863 S. 243. Mommsen. 695
Not. 97; Duch. 81; zwei sehr ähnliche mit Adnomat auf dem Windischberge
bei Lavamünd 1857 (Besitzer A. Volpi) und bei Kropp in Krain (Kupfer.) Die
Münzeneammlung des krainischen Landesmuseums, so berichtet Reichsrath Karl
Deschmann, enthält 5 Stück silberne keltische Münzen, von denen eine vor etwa
drei Jahren in einer Sandgrube nächst St. Veit bei Laibach aufgefunden worden
ist. Die übrigen Exemplare dürften höchst wahrscheinlich aus Krain stammen, da
derlei Funde hierlands keineswegs zu den Seltenheiten gehören. Er sah mehrere
schöne Stücke in den Händen von Privatbesitzern, welche sämmtlich in der Um
gebung von Sittich aufgefunden worden sind. Der historische Verein in Laibach
besitzt zwei Exemplare keltischer Münzen, eine silberne und eine broncene,
beide mit der Aufschrift Adnamat, die erstere wurde bei Radmannsdorf in Ober
krain, die letztere, deren Gepräge sehr schön und wohlerhalten, bei Sittich in
Unterkrain gefunden.
Eigenthümlich ist das Stück aus der ehemaligen königlichen Bibliothek
zu Paris, welches Duchalais als ADNASATI beschrieben hat, S. 393 Nr. 81. Es ist
das nämliche Mionnets (Suppl. chefs gaul. Nr. 2, 3; corps d’oevr. Nr. 6), welches
dieser als ADNA gelesen. Allerdings stehen diese Siglen gesondert unter dem
Pferde; aber die folgenden sind obefhalb der Pferdevorderfüsse als Anschluss zu
suchen. Unser Adnama hat die LigaturADNA- M, der Adnamati aber ADNM -Ä I,
beides entschieden deutlich (ein wiener Stück ADNA­M­TI). Bedenken wir,
dass Adnam, Annam, Adnamat, Adnamet , Adnomat (Ort Annamatia) beinahe
zwanzigfach in Noricum und Pannonien erwiesene Namensarten sind, Adnasati
und Aehnliches hier aber wie in Gallien ganz und gar unbekannt ist, so ist denn
doch wol möglich, dass Duchalais, der überdies die Ligatur ganz verschweigt,
eine Art S gesehen hat, wo doch nur wahrscheinlich die M­Ligitur angebracht
ist. Im Uebrigen stimmen unsere Stücke fast völlig zu seinen zwei Exemplaren
von 20 Millemètres und jenem, welches Lelewel ,Typ. gaul. pl, III Nr. 12‘ mit
getheilt, aber auch als Adnasati beschrieben hat. Vgl. ebd. S. 209. Lelewels
Beweisführung S. 280 dürfte in die Literatur diese Unrichtigkeit eingeführt
haben. Das ist kein Häuptlingsname, meint er, sondem der eines Volksstammes,
dessen Endung auf -ates, -sates auch sonst wol in Gallien Beispiele habe, ohne
dass die keltische Geographie für Adna sonst irgend eine Anwendung gebe. Die
Adnasates als Bewohner von Anduse angenommen, falle die Münze in die
Römerzeit zwischen 150-120 (110). Von dieser ganzen Ausführung bleibt uns
nichts hervorzunehmen als das Gewicht der Stücke mit 134 und 180 Grains.
Vgl. noch Wiczay Num. barb. arg. p. 547, N. 7497, 7498; Sitzb. Bd. 32 Hft. 3
S. 587 Not. 5, 8. -

85.
Av. Kopf (Apollon) mit starkem Halsabschnitt, rechtssehend,
Nase, Auge, Lippen, Kinn stark gehalten; Binde von
gegenständigen Blättern, Wange voll; rechts Punktrand
Halbkreis sichtbar.
lh. Pferd, linksabspringend, ziemlich volle Form, Mähne gepunk
tet; Reiter mit fast wagrechter Lanze; unten zwischen zweien
Zeilen ATTA; Punktrand-Dreiviertelkreis links sichtbar.
Silber, dunkellegirt, dick. Gr. an 6. Gew. 9-82. Erhaltung gut. Selten
im vierten Grade. Fundort Altenmarkt bei Windischgrätz. Joanneum.
Steininschriftlich kömmt dieser Name in Noricum und Pannonien gar
nicht vor; doch ist ihm im Wesentlichen ähnlich Gruters TATTA zu St. Johann
171

bei Herberstein und, wenn man will, auch derATeR zu Baierdorf, der TATTus von
Kötsch, wie man ihn denn auch in Zusammensetzungen wie ATbricantia, ATebo­
duus, ATegnata und ATigenta (Tochter des AT), ATemar, ATemeria, ATimetus,
ATTio und ähnlichen finden mag. Mommsen 695. Not. 97. Ein wol hieher gehöriges,
aber epigraphisch verschiedenes Stück, stammt aus St. Peter im Holze (Teurnia),
verschieden von dem in Klagenfurt befindlichen ATTA aus demselben St. Peter,
bei Mommsen ebd. angeführt; es ist ein AT. auf dem Revers: Zurückschauender
Reiter mit der Rechten eine Lanze haltend , vorne und hinten ein Kreis, in der
Mitte Q; Perlenkreisrand. Sammlung J. Rainer zu St. Veit in Kämten. Ein
ATTA ohne Beizeichen im eisser Funde 1858 nach dem k‘a-rnt. ,Archiv für Top.
und Gesch.‘ Il. Taf. IH. und A. f. K. œ. G. Q. XXIV. 1860 S, 281, derzeit im k.
wiener Cabinet. Eckhel Doctr. Z. 3. Vgl. Schreiber in Mitth. V. 67. Pellerin Rec.
I. Taf. П. Z. 24 hält das Stück für hispanisch. Sehr ähnlich bei Duchalais 393
Nr. 82; nur dort mit Beizeichen im Revers. Mionnet Chefs Nr. 16. Grösse 20
Millimètres. Conbrouse 375. Lelewel pl. III, 11, Gewicht 132 Grains, Zeit um
110 und I. 12. Gewicht 202 Gr. Zeit um 200 v. Chr. Keines der beiden Stücke
entspricht dem unseren völlig. Das erstere hat zwar den rechtssehenden Kopf,
‘aber Reiter und Pferd sind andere und die drei Ringe in der Area fehlen bei
unserem. Das andere hat den linkssehenden Kopf und unter dem Pferde noch
einen wagrechten Dreizack. Vgl. übrigens Adnamat und Mommsen 695. Die
Attastücke sind nach Lelewel (279) recht zalreich und die Fabrik dieses Häupt
lings muss sehr fieissig gewesen sein. Lelewe1’s zwei Stücke wiegen das eine 202,
das andere 132 Grains, mehr nationalen Charakters das eine, mehr des römi
schen das andere; er hält sie_ für Früchte des zweiten Jahrhunderts v. Chr.
aus Narbo (Colonia Ataeinorum). Vgl. Wiczay Num. barb. arg. p. 344.
Nr. 7499, 7500.

86.
Av. Kopf, linkssehend, vernutzt, nur Backen sichtbar; breite
Stirnbinde von zwei Punktreihen, dazwischen Kranz gegen
ständiger Blätter, Kraushaar; solches auch unter dem
Backen. .
liy. Pferd , rechtssprengend, Mähne haaricht, ziemlich voll,
etwas unförmig; Reiter, die Linke seiteingestemmt, Kopf,
gross, umkreiset von Punkten, unter dem Pferde COP,
links hinauf wie zwei Gussblasen, Ausquetschung auch
unter dem Pferdbauch.
Silber, dick. Gr. um 5. Gew. 10­105. Erhalten Rev. ziemlich gut. Aus
Lemberg. Joanneum Mommsen 695 Not. 97. Selten im vierten Grade. Con
brouse 427. Lelewel 427.

87.
Av. Kopf, linkssehend, Nase stark vorspringend, Stirnbinde
von zwei Punktreihen, darin Kranz gegenständiger Blätter ;
links herab mehr freie Silberfläche.Form roh.
Py. Pferd, rechtsgehend, Kopf und Füsse contourirt, Mähne
haaricht; Reiter, der Kopf umkreiset von Punkten; unter
dem Pferde
Silber, dick. Gr.СОН ‚ über
5. Gew. demErhaltung
T063. Pferdkopf vielleicht
ziemlich gut. Selten im

vierten Grade. Fundort unbestimmt (wahrscheinlich auch Lemberg). Joanneum.


172

88.
Sehr ähnlich, etwas anderer Stempel.
Fundort unbestimmt. Joanneum.
Das G kann auch retrogrades S, rechtes ‘Э sein, wie auf den CA
LIAGIIIS-Silberstücken des pagus Vindiolensis oder Vindoilisus um Vendeuil
Rev. num. 1855 pl. X Fig. 1-3; Rev. d. l. Num. belg. p. 152 pl. V Fig.
4-5. Vcillemier: Essai sur les monn. Beauvais; Streber II. 606 und Taf. 2
Nr. 17, 18, wenn nicht geradezu der Halbmond, so dass nur OI als Buch
staben erübrigten, welche thatsächlich erscheinen auf dem Dicksilberstück der
Rainer’schen Sammlung zu St. Veit: Rev.: Reiter von der linken Seite,
unten OI. -­ Es gibt eine frühgallische Münze der Schweiz, auf welcher ein
Coio genannt wird. Es ist dies nach den französischen Numismatikern ein
Fürst, mit welchem Orcitirix sich verband und de Saulcy (Rev. num. 1861
p. 86 vgl. auch 1862 Taf. I; mit Coios 4Stk.) findet in ihm Caesars Sequa
nerfürsten Coiostic(us), latirńsirt Casticus. Beide hätten sonach gemeinsam
gemünzt und eine Gottheit als Symbol angesetzt. Die Münze findet sich bei
Meyer p. 15 und Taf. XI Z. 81. Dass diesen Coiostic unsere Münzen bezeich
nen, ist nicht anzunehmen. Enthält das COI einen norischen Namen (wie das
Santonenstück Annicoios nach Crazannes Rev. 1840 pl. XVI Z, 11), so ist
andererseits ein halbswegs entsprechender steininschriftlich nicht nachgewiesen,
da denn CASTRIX, COMAT, CONAMATUSo, CONTUCON, COTTAI,
COTUCo, COTTAIo, COTU, COTULIa, COUDOMAR, COUNERTa,
COUSON, COVIDOMIAR nicht Genüge leisten. Eckhel führt in Doctrina
Z. 11, 12, Silberstücke mit vollausgeschriebenen COISA 171) und
CONGE an, welches letztere hier nicht ganz unpassend wäre. Bei Ducha
lais erscheint ausser einem Cocestius und COPC (oder COPO) eben dieser
CONGE, S. 394 Nr. 84, den Mionnet in ‚Мёд. barbar. suppl‘ Nr. 16
und in ,Chefs gaul.‘ Nr. 84 aufführt; und in der That, die Aehnlichkeit mit
unseren Stücken ist nicht ganz gering. Sollte, wie bei einem der pariser
Stücke das CO, so bei den unseren das NGE fehlen? Indem Lelewel den
allerdings sehr dankenswerthen Versuch gemacht hat, den Namen auf Con
gentiacus zu ergänzen, so hat er unserem pannonischen Münzwesen das
Stück entzogen und selbes der Narbonensis zugewiesen, dem gefangenen
und wieder heimkehrenden Häuptlings-Sohne. Vielleicht läge es doch
näher, für CON vielmehr COP (Duch. S. 396 Nr. 86) zu lesen, wenn
man rücksichtlich des Styles namentlich im Averskopfe eben auch gegrün
deten \Viderspruch erheben wollte gegen die Abbildungen, die Lelewel nach
Longpériere S. 282 gebracht. Vgl. noch W'iczay Num. barb. arg. p. 348.
N. 7311, 7512.

89.
Av. Kopf, rechtssehend, Nase und Mund punktirt, Ohr stark,
Kopfschmuck von Windungsshichen eingefasst durch
Punkte.
ц. Pferd, rechtslaufend, Kopf und Füsse contourirt, Schweif
weitausgeführt, tlockicht, auf dem Hochrücken wie einen
Ring, darüber zwischen zweien wagrechten Zeilen DHA./\.
Etwas Höhlung.
Silber, dick. Gr. 5. Gew. 10‘3. Erhaltung gut. Fundort nicht bestimmt,
vgl. aber das Folgende, Joanneum.
173

90.
Aehnlich.
Silber. Gr. an 5. Gew. 10-445; erhalten gut; Ausblasung am Rande
rechts über dem Pferdkopf. Fundort Lemberg. K. k. Cabinet.

91.
Sehr ähnlich, im DIIA ein zweites A nicht mehr sichtbar.
Rand zersprengt.
Silber. Gr. 4­5. Gew. 10-32. Fundort Lemberg. Rev. besonders gut
erhalten. K. k. Cabinet.

92.
Av. Schr ähnlich, Gesicht mehr sichtbar, Nase abgestumpft,
Hinterhaupthaarc ausgeglättet; das letzte A in DIAA halb
sichtbar.
Silber. Gr. 4. Gew. 10315. Fundort Lemberg. K. k. Cabinet.

93.
Sehr ähnlich. Ausser Kopfschmuck fast alles unkennt
lich. Randreif; das DIIAA zwischen den zwei Parallel
strichen, die mit Punkt abschliessen ‘——‘ ‚ ganz voll
ständig.
Silber. Gr. an 5. Gew. 10475; erhalten mittelmässig. Fundort Lem
berg. K. k. Cabinet.

94.
Av. Aehnlich, Untertheil des rechtsschenden Kopfes, Ohr
stark ausgedrückt, daneben links ein Kreis mit Mittelpunkt
und Nebenstriche.
Py. Pferd , reehtslaufend, Kopf und Füsse contourirt, auf
dem Brusttheil vor den Füssen drei Punkte „Oo , auf dem
Rücken Ring, obenüber DII.
Silber. Gr. 4‘5. Gew. 10-37. Erhaltung ziemlich gut. Fundort Lem
berg. K. k. Cabinet.

95. `
Av. Schr ähnlich, Kopf minder erhalten, Kreis mit Mittelpunkt
als Stirnbindeschluss links.
li'. Pferd mit Brustpunkten. Das DIAA bis auf den letzten
Strich völlig; etwas eingesprengt.
Silber. Gr. über 4. Gew. 10-38; erhalten mässig. Fundort Lemberg.
K. k. Cabinet.

96.
Sehr ähnlich ГПА.
Silber. Gr. 4‘6. Gew. 10475. Av. minder, Rev. gut erhalten. Fundort
Lemberg. K. k. Cabinet.
174

97.
Sehr ähnlich. Pferd, Brust unkenntlich. DIAA mit Parallel
strichen völlig.
Silber. Gr. an 6. Gew. 10-435; erhalten gut, links eingeschnitten, drei
Gussausblasungen. Fundort Lemberg. K. k. Cabinet.
98.
Av. Kopf, rechtssehend; Nase, Lippen durch Punkte, Auge
schief, Kinn voll, Ohr stark, Binde von schiefen Blättern
zwischen je einer Punktreihe. Bindeschluss sichtbar.
lì. Pferd, rechtsspringend, DIIA, Ring, 3 Kugeln am Hals.
Silber, dick. Gr. an 5. Gew. - Erhaltung gut. Fundort Lemberg.
Sammlung Knabl in Grätz.

99.
Av. Kopf, rechtsschend, ähnlich aber etwas roher, Nase länger,
Punkte sowie Lippe stärker, von der Nase schief links
hinauf wie Stempelruck; links hinter dem Ohre mehr
Haare sichtbar.
lì'. wie vor, DIIAA.
Silber, dunkellegirt. Gr. an 6. Gew. - Erhalten gut. Fundort Lemberg.
Sammlung Knabl in Grätz.
100.
Av. Kopf, wie vor.
lp. Pferd, rechtsgehend, Kopf nicht mehr sichtbar. Füsse
contourirt , unter den Hinterfüssen fs (т; Leib und
Hintertheil vollförmig, Schweif breit. Vtfahrscheinlich
DIIAA obenüber.
Silber. Gr. an 6. Gew. - Erhalten sehr gut. Fundort Lemberg. Samm
lung Knabl in Grätz.
Diese Münze des lemberger Fundes ward von Dr. Richard Knabl in der
sechsten allgemeinen Versammlung des historischen Vereines für Steiermark
(Mitth. VII. 62) derart erklärt. dass die Inschrift gestürzt zu lesen sei, was von
einigen Münzen mit der Inschrift RAVIS gelte. Hienach lautete, wenn man lesen
wollte DIIAA, die Stürzung VVIICI, und diesem wäre noch voraus zu denken ein
LAT, damit die ganze Inschrift laute LATVVICI. Auf den Stamm der Latuvici,
welcher im Thale der Save, von Laibach östlich und sannaufwärts wohnte, mit
dem Hauptort, dem Praetorium Latobicorum bei Treffen, gegen der Sannmün
dung über, sei also diese Münze bezüglich und sie helfe den Standort des Stam
mes örtlich bestimmen, Es ist wol zuerst befremdlich, gerade von einem räumlich so
wenig ausgebreiteten Stamme eigene Münze zu finden, indess durch ganz Noricum
für bedeutendere Stämme eine eigene Sondermünze nirgend nachgewiesen ist,
Doch, es muss ja noch immer vieles entdeckt werden! Anders freilich gestaltet
sich die Sache, wenn wir wirklich die gestürzte Lesung zu geben und uns selbst
zur Herbeiholung des LAT bequemen. Latuvici heisst der Stamm bei guten
Quellenschriftstellern nirgend; Latovici, Latobici, Aarôßtxoz ist die gewöhnliche
Form. \Venn wir nun aber gar DIIAA vollständig gesiürzt lesen, so kommen wir
zum Schlusse auf ein LATVVIICI, welches denn doch dem Namen der Latobiker
gar zu viel Gewalt anthun hiesse. Endlich finden wir für ein vernutzt sein sollen
175

des LAT, welches also auch wie ¿Vfl zu sehen gewesen wäre, nicht Raum auf
der Münze vermöge ihres Styles. Und so bliebe uns nur das DIIAA aufrecht
gelesen übrig. Dieses nun erklärt uns auch Lelewel zweifellos. Es ist (ganz abge
sehen von der Legende DIA auf der Diaulos­Münze der Diablintes) nichts anders
als das Fragment einer Philipposlegende, “Гошe man dieses zu finden zögern,
um doch den Namenslaut des einheimischen Stammes nicht aufzugeben, so reisst
der Umstand dazu fort, dass diese angebliche Latobikermünze in vollkommen
ähnlichen Exemplaren auch in Gallien gefunden wird. Lelewel hat dieselbe auch
schon im Jahre 1841 aus der Sammlung Voillemier zu Senlis unter seine galli
sehen Münzen aufgenommen, dieselbe auf Taf. III. 17 genau abgebildet und dies
197 Grains schwere Stück in den Cap. 25, 26, 80 untersucht. Demzufolge setzt
er es an die Gränze der zweiten Klasse der Imitationen, deren Zeichen der un
bärtige Kopf und der dritten, in welcher die Symbolik der Druiden den gutartî
gen Styl hemmend beeinflusst; der Localität nach entscheidet er für den Süden
des Keltenlandes, weil dort das reiche Diadem und der Kopfschmuck mehr zu
Hause sei; die Zeit um 200 v. Chr. Vor Lelewel hat, soviel bekannt, diese Münze
kein französischer oder deutscher Numismatiker beschrieben; diesem selbst aber
war ein anderer Fundort, namentlich der norisch-pannonische, ganz unbekannt.
Daher suchen wir diese Münze bei Duchalais ,Catal. des monnaies pannoniennes‘
vergebens; sie müsste sich den Phîlipposlegenden wie lll[ll0V, llll\’V, All< П,
ПППАА и. dgl. in der Klasse des unbärtigen Kopfes von S. 393 ab anreihen.
\Vohin man nun unsere Münze als einheimische versetzen wolle, ob nach Gal
lien, wegen des unbestreitbaren Vorkommens, ob nach Noricum-Pannonien wegen
des gleichfalls unbestreitbaren und nicht vereinzelten Vorkommens, das sei der
Entscheidung von Nachfolgern überlassen. Jedenfalls ist, so lange eine ein
heimische Münzung nicht erwiesen, der Zusammenhang unseres mit dem gal
lisehen Keltenlande wieder auf’s Schlagendste dargethan, Bei Eckhel nach Z. 13
fehlt dieses Stück; ebenso bei Duchalais sowol unter thrakisch -makedonisch
thessalischep Nachbildungen S. 395 als bei makedonisch-asiatischen S. 407.
Vgl. übrigens Reihe П. Туpе C. Z. 81 , wo ebenfalls Philipposlegenden-Bruch
stücke auftreten , der Reiter aber und anderer Styl auch eine andere Anreihung
geboten.

101.
Av. Kopf, 1inkssehend(?), ganz vernutzt, unten ein quererlůin
schnitt, berostet.
Hr. Pferd, rechtssprengend, mit Reiter, die Linke erhoben,
oben neben der Hand /\, daneben herab und unter dem
Pferd vorne Q, unten HCCAI. Etwas vom Punktrand sicht
bar. Form ziemlich gut.
Silber, dunkellegirt, dick. Gr. an 6. Gew. 7‘43. Erhalten Av. schlecht,
Rev. ziemlich gut; übrigens getheilter Rand. Selten im fünften Grade. Fundort
unbestimmt. Joanneum.

102.
Av. Kopf, linkssehend, äusserster Úbertheil bis Auge und
Wange, mit Stirnbinde, bestehend aus zweien Punktzeilen
darin Blätterzierrat, Haar voll, zurückgestrichen, ver
schwommen; Punktrand die Kopfcontour rechts abschlies
send, darüber hinaus Silberfläche.
176

lì'. Pferd, rechtslaufend, mit Riemenzeug, Mähnc gepunktet,


ziemlich voll, aber starr; Reiter in der erhobenen Hand
wie einen Widerhaken; rechts über dem Pferdkopf, links
über dem Schweif, rechts unter dem Pferdvorderfuss О,
oben über dem Pferd überdiesß , unten HCCAIO, zutiefst
Punktrand als Halbkreis.
Silber, dick. Gr. an 6. Gew. 10425. Erhaltung Rev. ziemlich gut.
Selten im dritten Grade. Fundort unbestimmt. Joanneum.
‘ Die Stellung der Ringe entspricht jener der Ringe mit Kügelchen von
den Suessiones. Rev. numism. 1846 p. 263 pl. XIV. 5. Streber Regb. II. 586.
Das Zeichen A der ersteren Münze hat die Pyramidalstellung, wie die symbo
lischen Kugeln und darum wol eine verwandte Bedeutung. Da es indess bei uns
als > und auf gallischen Münzen als V vorkömmt (vgl. auch Streber II. 601,
Nr. 15), so muss eine andere Deutung hergestellt werden. Es ist wol eben
als IR zu nehmen. Unsere beiden Eiceaio-Stücke kommen (EI ligirt als H) im
Vl/-esentlichen auf jenes des Duchalais S. 395 Nr. 87 und des Mionnet, Méd.
barb. suppl. Nr. 18, Gr. 20 Mm. hinaus. Nur ist dort der Kopf linkssehend.
Ein südwestbelgisches Stück bei Duch. S. 257, Nr. 616 führt auch die Le
gende ECCAIOS; aber es zeigt ein weibliches Haupt linkssehend )( Reiter links
und ist Bronce; es weist einen gänzlich andern Styl und andere Fabrik und
entbehrt ausserdem des rein pannonischen Beizeichens JR, wie uns selbes
auch bei den, zwar in Steiermark nicht vorgebrachten SVICCA­Stücken entge
gentritt. Das Monogramm ist, wie ähnliche auf keltischen Münzen der Schweiz
(Meyer II. 105), noch unerklärt. Mommsen, der das Joanneumcabinet durch
forschte, erwähnt S. 695 Not. 97 zwei ECCAIO JR aus dem Zollfelde als in
Klagenfurt befindlich (Archiv für Topographie und Geschichte Kärntens II.
Taf. 3), übergeht aber die beiden Stücke des Joanneumcabinetes. Ihr Her
kommen ist nicht mehr nachweisbar. Das berliner königliche Cabinet besitzt
drei ÉCCAIO mit 9‘84, mit 9‘11, mit 8-92. Mommsen 695 Not. 96. Von unse
ren Stücken stellt sich also eines über und eines unter alle diese Gewichte. Vgl.
Duchalais 87. Schreiber in Mitth. V, 67. Eckhel Doctr. Z. 14, ein Silber
und Erzstück aus dem kais. Cabinete. Cat. I. ab 289 Nr. 30, 34. Neumann
Num. pop, Nr. 1, p. 143. Lelewel 277. Fehlt bei Conbrouse. Wiczay Num.
barb. arg. p. 348 Nr. 7514, 7515.

103.
Av. Kopf mit Halskleidrand, rechtssehend, Haare wie eine
Kappe, Stirnband einreihig, verschwommen. Punktrand
Halbkreis rechts sichtbar. ‘
lis. Pferd, linksabspringend, voll und gut geformt, gepunk
teter Mähne mit Reiter, der die Rechte erhebt, unten zwi
schen zweien Linien AENE. Punktrand rechts sichtbar.
Silber, dunkellegirt, dick. Gr. 5. Gew. 7‘52. Erhaltung mittelmässig.
Selten im vierten Grade. Fundort unbekannt. Joanneum,

104.
Av. Kopf mit Halsabschnitt, rechtssehend, üppig, Stirnbinde
aus zwei Strichen, dazwischen Längenstricheln, besonders
weit, Haar voll, geebnet (Eisenhaube). Kreisrand vielleicht
gepunktet, alles ziemlich verschwommen.
177

K'. Pferd, linksabspringend, mit Riemenzeug, Mähne gepunk


tet, Reiter in der Rechten den Bogen oder die Lanze hal
tend, unter dem Pferdbauch 3 3, tiefer/ AE NET . Punkt
kreis fast rings sichtbar. Form ziemlich gut.
Silber, dick. Gr. 5. Gew. 7-97. Erhalten Rev. ziemlich gut. Selten im
vierten Grade. Wahrscheinlich aus Lemberg. Mommsen 695. A. 97. Joanneum.

105.
Av. Kopf mit Halsabschnitt, rechtsaufsehend, üppig, Nase,
. Lippen contourirt, Auge mehr gross, Stirnbinde besonders
weit, aus zweien Zeilen gebildet, darinnen schräge Strich
lein; Haar zurückgestrichen; rechts Punktrand als Halb
kreis sichtbar.
R'. Pferd, linksabspringend, mit Riemenzeug, Mähne gepunk
tet, volle Form; Reiter mit engem Kleid, an der Brust
geöffnet, auf dem Kopf wie einen niedlichen Hut, in der
Rechten Lanze; unter dem Pferdbauch fx, tiefer zwischen
zweien Linien ^E~À€]", oben Punktrand-Halbkreis.
Silber, dick. Gr. an 5. Gew. 10-022. Erhaltung sehr gut und scharf,
Vorbild. Selten im vierten Grade. Fundort unbekannt; wahrscheinlich das
laut Joanneumbericht 1824 erworbene Stück.
Wollte man aus diesen Namen eine Völkerschaft lesen, so müsste man
bis zu den Nementuriis im Laufe des Rhodanus und den Nemetes am Rheine
(Zeuss D. 217) gehen, wie denn auch Duchalais S. 402 zweifelnd auf Nemet
acum, Nemetodurum, die Namnetes sich bezieht. Indess liegt der Personen
name viel näher, da NEMETo für Steiermark und Kärnten an mehren
Orten steininschriftlich nachgewiesen, eine ähnlich genannte Völkerschaft
aber für unsere Gegenden nirgend erwähnt ist. Einen Anklang an Nemetnn
finden wir, sagt J. G. Seidl (in Fundchronik A. f. K. œ. G. Q. XIII. 1834,
S. 99), auf einer Reihe sogenannter barbarischer Münzen von folgendem
Typus: Av. Caput virile imberbe s. cinctum diademate, comam exsuperante,
intra marginem granulatam. Rev. )Eh/ET. in segmento, eques in citato cursu,
dextram versus, d. elata iaculum intorquens, sub equo aster (:3 :), totum
intra marginem granulatam. Silber. Gr. 51/,_ Gew. Шум, Loth. Verweis auf
Mionnet S. IX. p. 254. Nr. 12, 13.
Ein MENET auf Rev. Pferd, unter dem Bauche :g‘:, ein AENET
auf Rev. Pferd, unter dem Banche Е; aus Teurnia in der Sammlung J.
Rainer zu St. Veit in Kärnten; ein anders Stück ebendaher im kaiserlichen
Cabinete nach A. f. K. œ. G. Q. IX. 1853 S. 142 Nr. 9. Mommsen S. 695,
A. 97; ein l\ENE auf Rev. Hammer, liegend vor dem Reiter, im eisser
Funde, derzeit im klagenfurter Museum nach Archiv f. Top. und Gesch.
II. Taf 3 und 1858; endlich A. f. K. œ. G. Q. XXIV. 1860 S. 281, derzeit im
kais. wiener Cabinet. Vgl. Adnamat; Mommsen 695. Die Nemet-Stücke bei
Duchalais S. 397 Nr. 59, 90, nach Mionnet ,Méd. barb. suppl.‘ Nr. 12 und
18, Gr. 20 Mm. zeigen im Kopfe des Averses, der bei Nr. 90 linkssehend
ist, einen wesentlich anderen Styl. Den Stern zeigt Nr. 90. Der oftgenannte
trefiliche Numismatiker hat später Hermand’s, gegen Mionnet und Conbrouse
verfochtene Zutheilung dieser Münze nach Nemetacum zurückgewiesen und
den pannonischen Charakter für sie festgehalten. \Viczay Num. barb. arg. p.
348 Nr. 7518, 7519.
12
178

106.
Av. Kopf, weiblicher (Venus), linkssehend, langzugesträh1­
tes Haar mit Stirndiadem, Auge stark, Nase und
“Нигде verschwommen , Halsabschnitt. Punkt- mit Kerb
rand, ziemlich edel gehalten, jedoch nur im Halb
kreis.
lì. Pferd, linkssprengend, mit Riemenzeug, Reiter in der er
hobenen Linken die Lanze (?)‚ unten /Y0)/)YOJ zwischen
Zeilen. Form nicht schlecht.
Silber, dick. Gr. 6-5. Gew. 17-02. Erhalten ziemlich gut. Selten im
zweiten Grade. Fundort nicht angegeben. Joanneum.
Die Reihe makedonisch-asiatischer Nachbildung, welche durch das
Venusbild an asiatischen Cult erinnert, ist in Steiermark mit Ausfall der
Stücke BIATEC, BUSSUA und BUSU, COUNOS, COVIOGALLIII, ELRIABI,
oder FAPIABI, JOTOUIRX, LANORVIAEUS, NEMATAENT, nur durch zwei
NONNOS­Stücke vertreten Die hiehergehörigen Stücke beschreibt Duchalais
p. 410. Die Tetradrachmen und Didrachmen sind verschiedengewichtig und
haben das “Юг: NONNOS wol auch retrograd als SONNON. Das kaiserliche
Cabinet in \Vien besass hievon 1856 nur 7 Stücke und zwar 6 Tetradrach
men und ein Didrachinon A. f. K. œ. G. Q. XV. 1856 S ВОЗ. Der jaren
dorfer Fund hat 43 ausgesprochene Stücke dieser Art; vgl. Oestr. Blätter
f. Lit. u. K. 1855, Nr. 41 S. 307 und Mommsen S. 696 A. 100. Dieser
letztere Gewìihrsmann nennt die Münzen des (mit jenen von Biatec, Cobro
vomar u. a. gleichartig vorkommenden) Nonnos jünger als die schon behan
delten der Adnamat, Atta, Nemet u. a. Jünger, weil ihre Reihe alsbald an
die Nachahmung römischer Familiendenare stösst und dann auch weil sie
hauptsächlich ausserhalb der Provinz Pannonien liegen, um Pressburg und
Wieselburg. Ob unser Stück vom Funde zu Pressburg 1776, von Deutsch
jarendorf 1855 oder aus steierischer Erde stamme, ist nicht nachgewiesen.
Steininschriftlich hat unser Land einen gleichen Namen nicht. Ein halbwegs
ähnlicher klingt nur aus dem Namen NVNNorius, des bojischen Zieglers zu
Maufern. A. f. K. œ. G. Q. XIII. 1854, S. 85. Eckhel Doctrina Z. 18, Silber
stücke des kais. Cabinetes, Schrift rückläufig, bei einem )( Panthera currens.
Cat. I. 289, Z. 5-12. Conbrouse 520, 574. Von des wiener Cabinets
sieben Nonnos wiegt das schwerste 17-09 Gr.; die anderen von 16-92
bis 1298 Gr. Des berliner königlichen Cabinetes zwei 17-17 und 17-1 Gr.
Mommsen S. 695, А. 96. Dem letztgenannten steht also unser Stück am
nächsten. Vgl. Schreiber Mitth. V. 67. \«Viczay Num. barb. arg. p. 348.
N. 7520, 7521.

107.
Av. Kopf des Jupiter, linkssehend , belorbeert, guter Styl;
unter den Backen eine Dunse.
lì. Pferd mit Reiter, linkslaufend. Oben rechts ll/\V, unter
Pferdes Kopf zwei Punkte, unter dem linken Vorderfuss
V, zwischen den Füssen unten wie ein schiefer Ast. Punkt
einfassung. «
Silber, rein, dick. Gr. 66. Gew. - Erhalten gut. Fundort Pinkathal
.xn der steierisch­ungerischen Gränze. Sammlung Knabl in Grätz.
179

\Vir nehmen diese den Aravisci zugetheilte Münze nicht ohne Vor
behalt der heimischen Herkunft auf. Mit Styl und Gewicht der römischen
Denare hat sie nichts gemein, wozu das Folgende S. 181 zu vergleichen. Die Classe
anderer inschriftloser Tetradrachmen, womit Duchalais seine Zusammen
stellung von 115 pannonischen Münzen schliesst, ist in unseren Gegenden
ohne Vertretung. Es sind die Stücke: Zweigetheiltes Feld mit Mondhorn,
Kopf, Zweige )( Wolf oder Hund; Triquetrum )( Dreieck, Ringe; Kopf
)( Centaure.

Ш. nin. Bronce и. agi.


108.
Av. Kopf , linkssehend , zusammengedrückt , Nase einge
quetscht, Auge gross, Haar breitwulstig, Bart, Hals
abschnitt, Stirnband durch 6 Punkte angedeutet. Punkt
rand im Halbkreis.
lì. Pferdvordertheil nach rechts , Kopf und Fuss nur in Stri
chen, Mähne punktirt, Hinterbau fast verschwindend.
Rohe Formen.
Bronce. Gr. an 6. Gew. 7-75. Erhalten mittelmässig. Fundort nicht
bekannt. Joanneum.

109.
Av. Kopf , linkssehend, das Gesicht verschwunden, nur der
Stirnkranz scharf hervorgeschnitten. ­
li'. Pferd , rechtsgehend, aus der Höhlung unvollkommen
herausgearbeitet, Kopf (und Fuss ?) contourirt. Rohe
Formen.
Bronce. Gr. 6'5. Beschnitten. Gew. 8‘93. Erhaltung ziemlich schlecht.
Oben und unten Einriss. Leibnitzer Feld vor 1847. Joanneum. Schriften des
historischen Vereines für Innerösterreich S. 27. Ein ähnliches Stück in der
Sammlung Braun zu Leibnitz?
__ _ì.. ._l

110.
Av. Kopf, linkssehend, unkenntlich, nur die Punktreihe der
breiten Stirnbinde und die zweifache Haarbüschelreihe
erkennbar.
K'. Pferd, schreitend nach rechts, sehr ursprüngliche Form,
unter den Füssen eine Rundung.
Stark zinkhältige Kupfermischung. Dickstück. Gr. an 5. Gew. 9-3l.
Av. fast unkenntlich, Rev. etwas abgenützt. Sprung zu 1/3. Die Sprung
fiäche bleiglänzend mit kupferrothem Anflug, geädert. Fundort unbekannt.
Joanneum;
12 ‘=­
180

111.
Av. Imperatorbüste , linkssehend , rechts hinauf wie eine
Schrift.
By. Wie: Hand nach rechts, einen Blätterzweig haltend. For
men recht richtìg, aber sehr vernutzt.
Bronce, berostet, wie von zwei Stempelblättern zusammengefügt. Gr.
an 5. Gew. 3-652. Fundort unbekannt. Joanneum.

112.
Av. Schriftartige Zeichen (s. die Skizze) um das linkssehende
belorbeerte Haupt; Nase und Kinn unförmig, vor dem
Halse > (Zweig ?).
Py. (‚Вт llrl um die weibliche Gestalt, rechtsgewen
det, die Rechte rückwärts eingestemmt, in der vor
gestreckten Linken ‘д; rechts vor den Füssen und links,
sowie über der Gestalt Zeichen. (Säule, Füllhorn ?)
Billon. Gr. 4. Gew. 2~3l. Etwas abgenützt. Fundort nicht bestimmt.
Joanneum.

113.
Av. Bruststück en face (Р), links oben wie Schlange.
liz. Pferd nach rechts.
Stark zinkhältige Kupfermischung. Dickstück. Gr. über 12. Gew. 12-95.
Av. stark, Rev. etwas abgenützt. Fundort unbestimmt. Joanneum.

114.
Av. Schriftartige Zeichen; Kopf, linkssehend, behelmt.
li'. Schriftartìge Zeichen ; unter dem Strich ININI. Zwei
Victorien, sich gegenüberstehend, halten den Kranz über
eine kleine Säule.
Kupfer. Gr. an 3. Gew. -. Erhaltung mittelmässig. Fundort Leibnitz.
Diese Münze ist durch Dr. Richard Knabl in die Sammlung des Joanneums
übergangen und der Entdecker des Flavium solvense hat selbe auch auf Taf.
XXXII. Nr. 258 zu seiner betreffenden Abhandlung (p. 29) abbilden lassen.
Die Umschrift von Avers und Revers besteht fast nur aus Strichen und unzu
sammenhängenden Buchstaben. Da Victorien auf ächten Römermünzen seit dem
4. Jahrhunderte nach Chr. auftreten, von Licinianus bis Licinius herauf, so
mag man auch diese einheiinisch keltische Nachahmungsmünze in das 4. bis
5. Jahrhundert versetzen. ~

115. `
Av. Büste, linkssehend, anscheinend mit Umhüllung, Nase
vorspringend, rechts ein Wulst.
li'. Wie: Stehende Frauengestalt, die Hände auseinander;
rechts wie S. Schr rohe Arbeit.
Bronce, berostet. Gr. an 7. Gew. 10‘635. Erhalten sehr schlecht. Fund
ort nicht angegeben. Joanneum-
181

Die fünf letztgenannten Stücke sind entschieden römische Nachahmun


gen zweier früheren und zweier späteren Kaisermünzen, etwa des 1. und
4. Jahrhundertes , wiewol für die Nothwendigkeit einer nationalen Nach
ahmung selbst über das 2. Jahrhundert hinaus nichts Haltfestes spricht.
Die letzte Münze copirt das Bronce - Stück einer Kaiser - Gemalin. Was
nun, um dies abschlussweise zu bemerken, die Nachahmung römischer Vor
bilder in Silber (der Denare) betrifft, so erscheinen die RAVIS-, RAVISCI­ .
RAVSCL und IRAVSCI-Donare um die Zeit der letzten julischen Kaiser
geschlagen von den freien Grenzstämmen nächst Pannonien und wol auch von
den halbŕreien Stämmen in der unterjochten Provinz selber, namentlich von
den Aravisci, Eravisci. Dieser Stamm, der auch in die steierischen Gebiete der
Raab hereinreicht, sass am dichtesten im stuhlweissenburger Comitat; hier
fanden sich 1796 unter 600 Denaren 80 mit der Aufschrift RAVIS oder
RAVSCI mit Stücken von August bis Caligula. Die Denare sind Nachahmun
gen von Münzen der Gens Cornelia, Herennia, Hosidîa, Papia, Roscia. Eckhel
(I. 4. 178). Arneth (Dipl. 72) Sitzb. Xl. 328. Von 5 im berliner Cabinet das
schwerste Stück 5‘4 Gr. M. 696. A. 103. Solcher RAVIS­Denare hat man
in Steiermark, darin sie gewiss coursirt haben, bisher, soviel bekannt,
noch nicht nachgewiesen. - Eine Hand, geschlossen, einen Zweig haltend
mit fünf dreibeerigen Aesten, indess auch mit Beigabe des Vogels,
erscheint auf den gallischen Pixtilos - Münzen bei Lelewel pl. VII. iig.
59. Rev. numism. 1837. pl. III. fig. 12; 1850 pl. 1V. tig. 26 Duchalais
ebd. 462. Streber II. 608. Armorikanisch nach Schreiber Tbuch. III. Taf.
2. 15; podmokler ebd. Fig. 9. Vgl. die gleiner Hand. Mitth. X. 270. - Die
Zusammenstellung verschiedener Avers- und Reversstempel ist nichts Seltenes.
Ueberschauen wir die an Wechsel armen Typen der ganzen Münzen
reihe nach den Skizzentafeln III., IV., V., so haben wir folgende wesentliche
und unwesentliche Erscheinungen: Bogen Z. 73, 75. Bruststück en face 113.
Doppelprägung 34, 63, 64, 78. Halbmond 2, 73, 74; mit Stralen 2; Halb
monde 4. Hammer oder T 51, 58, 57, 58, 59, 60, 61, 62, 65, 66, 67; mit
Zeichen I 50, 52, 54, 55, 63, 64. Hand mit Zweig 111. Helm auf Reitera
Kopf 79. (Vgl. 105. u. a.) Kopf 1 (?), 2 (?); linkssehend 8, 13, 14,
15, (16), 21, 29, вт, 44, 51, 62, (es), 64, 65, (ее), es, ss, 7o-s1, 84,
ee~ss, 101, 102, 106-111, 115 (Buste), 113 (Büste еп face), 112, 114
(behelmt); rechtssehend 17-28, 30-36, 38-52, 67, 82, 83, 85, 89-100,
103, 105. Kranz oder Kopfbinde 15-110. Kreuz über Pferdefuss 77.
Kugel 9-14, 40-44 u. a. Menschengestalt aufrecht 7, 112, 115. Menschenkopf,
Pferd mit 1; unter Pferd 80. Panier in Reiters Hand 73, 74, (82). Pferd, freies,
nach links 15, (16), 52; rechtsgehend 17-51, 53-67, 89-100, 108-110,
113; mit Reiter rechts 64 (Hälfte), 68, (70), 71-76, 78, 79, 86-88, 101,
102; links 69, 77, 80-85, 103-107. Rad ohne Speichen 46, 47, (48, 49);
aehtspeichig 50-67, (71). Ring 78, 82, (87), 88, 101, 102. Stern 76, 104.
Stralen zum Halbmond 3. Triquetrum bci Pferd 75, 81. Victorian 114.
Vogel 79. Zickzack 5, 6, 17, 51, 57, 58, 75. Zweig (112); in Hand 111;
in Reiters Hand 76.
Ueberblicken wir die Gewichtsverhältnisse von 96 untersuchten aus
115 Münzen, so haben wir unter 8 Goldstücken ein Stück unter dem
Gramm, 1 zu 1, З zu 2 und З zu 6; unter 81 Silberstücken 5 unter dem
Gramm, 1 zu 2, 5 zu 7, 4 zu 8, 7 zu 9, 47 2l1 10, 7 zu 12,2 zu 13, je
1 zu 16 und 17 Grammes; also das Gewicht von 10 Grammes am dich
testen, 3 bis 6, 14 und 15 gar nicht vertreten. Im Unedlen endlich haben wir
unter 7 Stück je eines von 2, 8, 7, 8, 9, 10, 12 Gr. Folgender ist der
steigende Gang der Gewichte:
182

Gold. 7-97 10-2 10-38 12-314


0-315 8-03 10-203 10-395 12-42
1-315 s-4 10-245 10-405 12-715
2-545 8-432 10-264 10-425 (2 stk.) 12-3
2-305 sa-932 10-275 10-43 (2 sik.) 128l512 stk.)
2-71 9-305 10-2s 10-435 12-33
0- _ 9-332 10-3 10-444 13 525
6-755 9-55 10-315 10-445 13-71
6-91 9-646 10-32 10-455 10-723
Silber. 9-31 10-328 10-46 17-02
0-69 9-32 10-335 10-475 (2 stk.) U»««11«..,.
0-73 9-945 10-345 (2 sm.) 10-496 2-31
0-75 (2 Stk.) 10-02 10346 10-5 3-652
0-754 10022 10 35 10-522 7-75
2-435 10-03 10-355 10-603 8-93
7-063 10-105 10-358 10-605 (2 Sek.) 9-31
7-43 10-14 10-365 10-625 .10-635
7-52 10-175 10-37 12-025 12-95
7-64 ~ 10-185
Nach Lelewel‘s Vorgang eine Tafel der symbolischen Zeichen, der
Umschlìngungen und Zierrate, der Thiere (Pferde insbesondere), Pflanzen,
Menschenköpfe und der Reiter auf Münzen, sowie endlich eine numisma»
tische Karte mit der Ortsvertheilung einzelner Typen in Betreff der Steier
mark auszuführen, bleibt glücklicheren Nachfolgern überlassen.
Im Silber ziehen wir ohne Bedenken die den nordgriechi
schen nachgeahmten Tetradrnchmen ‚ aber auch unregelmässiger
gewichtige der nächsten Landschaften herein. Es sind dies die,
noch gleichzeitig mit der Goldprägung, also noch vor der römi
schen Unterjochung auftretenden BIATEC; dann die DEVIL,
C()BROVOMARus, EVOIVrix und SYICCA. Die Classe grie
chischer Nachahmung wie bei den gallischen Bitukos , Bitovius,
Bitoviogogos ist bei uns ohne Vertretung.
Ausserdem möchten wir als im hierländischen Cars befind
lich gewesen jene, den frauenberger Schüsselchen in Strahlen
Halbmond-Prägung ähnlichen Goldstücke (5-1 Gr.) bezeichnen,
welche, zu Jarendorf beiKar1burg gehoben, in dem BIATEC
auch ein den podmockler Funden entsprechendes brachten. Auch
der wnrasdiner Fund mit seinen mehr als hundert nicht unge
wöhnlichen aber gut erhaltenen Repräsentanten ‚ die Stücke von
Laibach, Sittich, endlich jene zu Eiss, vom Zoll- und Lurnfeld in
Kärnten lassen uns ahnen, welcherlei Geld bei unseren keltischen
Vorfahren in Umlauf gewesen sei.

__... l___,¢

р
П. Hauptstück.

RÖMISCHUONSULARES MÜNZWESEN.
Das älteste italische Münzwesen, beginnend mit dem gleichen
Metalle, das die ersten Píiugscharen und die ersten Schwerter
lieferte, dem Kupfer, hat mit seinen formlosen, gewogenen
Plättehen und Barren in unsere Grauen vielleicht nie herein
gereieht. Auch das pfïindig-gemünzte Kupfer, seit 300-324 der
btadt, zuvörderst von Rom ausgehend, und am bekanntesten
durch das
unseren Stadtwa endurch
Gegendenpnliir der Galeere und den
die spärlichste Janusko
Anzal f, ist in
naclilgewiesen

worden. Es genüge daher, hier anzudeuten, dass die grosse


italische Münzeinheit,
wichtpfund, der As
sich verhaltend * , hervor
zur)uneia wieg egangen aus dem
12 : 1, endend mit Ge
der
Republik, bekanntlich in nachfolgende Theile zerfiel:
1 Unze Il Uneia * Pallaskopf.
ш2 B
Il Sexeunx, Sexcuncia.
2 „ = Sextans * Mercurkopf.
З „ = Quadrans * (der 12 Vierttheil, ...), Hereuleskepf.
4 „ = Triens * (der 12 Dritttheil, ....),Pa1laskopf.
5 „ = Quincunx * (.....).
6 ‚, = Semis * (der 12 Hälfte, S), Jupiterkopf.
7 „ = Septunx.
8 „ = Bes.
9 „ = Dodrans * (S..., nur von Cassia).
10 „ = Decunx âdecem uneiae).
11 ‚‚ = Deunx ( cest uneia).
12 it -—- As * (I), Januskopf.
Doch kommen in wirklichen Münzen nicht alle diese
Theile, sondern nur die sternbezeiehneten vor. Nach aufwärts haben
wir den Dupondius, Tripondius, Deeussis (Н, |Н‚ X). Dieser

*) C. W. Barth, das römische Ass und seine Theile. Leipzig 1838. Lit. bei
Ersch­Gruber I. 6. 39.
186

Lìbralfuss wurde im Jahre 486 auf die Hälfte (6 Unzen auf lAs)
und dann auf das Drittel reducirt (daher der Trientalfuss); eben
aber war schon die Silberprägung aufgekommen. Diese ging
nun nach dem Trientalfuss fort und war nach Niebuhr der
Silberdenar gleich einem 30-unzigen Kupfer. Um 513 folgte der
Sextantarfuss, 537 kam man auf die Unze als Gewicht des As
herab (Uncialfuss) und endlich um 680 führte die dritte Reduc
tion den As auf eine Halbunze hinunter (Semuncialfuss). Zwi
schen 670-680 hörte die republikanische Kupferprâigung ganz
auf und was davon vorkömmt, ist ausserstädtisch, fcldherrlich.
Diese ganze Abtheilung zerfällt demnach in drei Gruppen:
Reducirter Trientalfuss vor 537, Uncialfuss 537-665 und
darüber, endlich Semuncialfuss nach 665. Das Bild des Janus ist
fast bleibend, hiezu auf der Kehrseite Galeere, Prora, Kranz,
Füllhorn , Quadrige., Hund, Elephant. Die Wertzeichen für
Semuncia, Úncia, Quadrans, As erhielten sich hier länger
als in der Silberprägung (über 668) , können fehlen im
kleinsten Stück zwischen 537-—665; desgleichen der Gemeinde
name Roma.
Der Kupferwährung ging in früher Zeit schon eine Silber
währung parallel und derName Nummus (vom grossgriechischcn
vó,u.oç) galt zunächstnur dieser und der Goldwährung. Die
grosse Silbereinheit (nummus) stand der grossen Kupfereinheit
gleich, war aber, wie jene zwölftheilig, anfänglich vielmehr zehn
theilig. Erst später folgte eine Verschmelzug beider Systeme
und der Denar (a denis assibus) wird der Träger der alten
Zehntelung.
Indem wirhier also von viereckigen Barren mit Marken, von
dem mittelitalischen Kupferschwergeld aller Serien und Ge
wichte , ferner von Münzen aus Luceria , Venusia , dem Kupfer
schwergeld des nordöstlichen Italien, von apulischen und latini
schen Silbermünzen, den römisch-campanischen Stücken (ROMA,
ROMANO), von etruskischen, umbrischen (Schwergeld, Aes
grave) nichts Weiteres zu berichten haben, ist es uns wichtig,
das älteste Gepräge der römischen Silbermünzen hinzustellen.
Dies ist der von dem Vorbild der Pallas Polias genommene
weibliche Kopf mit Flügelhelm, bedeutend das Stadtzeichen
Roma, bis ins 7. Jahrhundert unverändert, nach 630 anderen
Köpfen weichend, und die sprengenden Dioskuren mit ROMA. *)
Jünger sind die Denare mit der Victoria, später Diana in der

""‘) Kenner: Die Roma­T vpen. Sitzb. Bd. XXIV. 253-295. Eckhel Боец‘.
V. cap. X. p, 84.
18?

Biga und dann kommen jene mit dem Münzmeisterwappen. Das


6. Jahrhundert bringt die Quadriga mit anderen Göttern, das
7. Geschlechtschrenbilder, fast alles Andere verdrängend. Die
Fabrik ist seit dem Anbeginne der Silberprägung im Jahre
Roms 486 zum Theil nach griechischem Muster, das Ge
wicht von 4'55 anfangend bis 3­90 Gr. (4 bis 33/7 Serupel),
das Silber erst fein, später (537) kupferplattirt, selten das
silberüberkleidete Eisen (Subäraten). Falscher arbeiteten in Zinn Ч

und Blei. Das Wertzeichen X fehlt bis 640 nie , kann fehlen bis
668 und fehlt gewiss nach 668. Fast Gleiches gilt vom Ge
meindenamen, so dass man jede Münze mit Gemeindenamen
(der nicht Erklärungsbeischrift ist) vor den Bundesgenossenkrieg,
jede ohne selben mindestens nach 640 setzt. Das Arbeiterzeichen,
fast ausschliesslich dem Silber eigen, taucht vor 650 auf, erhält
sich zumeist bis 680 und verschwindet gegen Caesar; mag
übrigens auch ganz wol mangeln.
Dem Namenwerte oder Nominale nach unterscheiden wir
den Denar (X, gehaltgleich der griechischen Drachme), Quinar
(V, bis nach 537), Sesterz (IIS, 486 bis vor 537); ersterer erhielt
sich fortwährend, letztere beide, früh aufgegeben und daher
selten, kamen neuerlich gegen Ende der Republik auf . Zwei
neue Nominale (seit 526) sind der Victoriatus und seine Hälfte
(I S), jener (3‘41-292 Gr. Dreivierteldenar) mit dem Jupiter-,
dieser mit dem Apollokopf, beider Reversbild die kränzende
Siegesgöttin. Der Victoriatus zeigt Stadtmonogramm, Wappen,
seltener monogrammatische , nie volle Beamtennamen , und
erlischt im 6. Jahrhundert. Der Semivictoriatus ist sehr selten;
die hieher bezügliche jüngere Quinarprägung von 650-670
begränzt. Die gezähnten Denare (serrati) laufen seit der Censur
des Crassus bis zum Ende der Republik. Die Kaiser Titus,
Trajan , Domitian, Nerva, Hadrian, M. Aurelius, L. Verus präg
ten die alten, ehrwürdigen Muster wieder, daher die Restitu
tionsmünzen. *)
Da es trotz einzelner Triumphatoren-Goldstücke eine
stehende Goldprägung der Republik nie gab, die Kupferdenkmale
aber, wie sogleich zu ersehen sein wird, in unserem Lande ziem
lich zalarm, jene von Silber indess ziemlich zalreich sind, so
erlauben wir uns eine andeutungsweise Einleitung in Betreff
jener Silbermünzen, welche, einzelnen Familien zugetheilt und
bisher trotz des verschiedensten Styles und Fusses nach diesen

*) Vgl.- Eckhel Doctr. V. cap. XVI. p. 94. c. XVII. 97.


188

Namen zusammengestellt, unter der Bezeichnung Familien


münzen bekannt sind. Sie sind so eigentlich Gemeindemünzen,
welche auf Grundlage voller Autonomie von dem Repräsentanten
des Gemeinwesens, also vom Dictator, Consul, Proconsul, Prae
tor, Propraetor oder von solchen Männern, die durch die Vorigen
hiezu bestellt wurden, geschlagen sind. Auf Münzrechte einzel
ner Familien und eine Art antiker Cavalierstücke zu denken , ist
ganz falsch. Nur im Namen der Republik und mit deren Zei
chen ward geprägt; erst allgemach (nach 537) erscheinen auf
den Stücken, wie Eckhel lehrt, auch die Namen desjenigen oder
,auch zweier oder dreier, unter deren Aufsicht die Münze geprägt
wurde. Diese Namen bestanden aus dem Vornamen, wie Lucius,
aus dem Geschleehtsnamen, wie Cornelius und aus dem Bei
namen, wie Scipio.‘ Seit diese mit Zeichen und Wappen auf
treten, geht es‘mit den republikanischen Freiheiten abwärts;
vollends verschwindet endlich der Stadtnamen und der Ueber
gang zu den Kaiserbüsten ist gegeben. Gleichwol gibt es auf
schriftlose Denare auch aus der letzten Zeit.
Münzmeister, erst einzeln, dann in Collegien , die tres
(später quinque) viri aere, argento, auro flando feriundo , waren
jene Magistratsbeamten, welche die Barren gossen, münzten und
die Stücke für die Quaestoren, sowie auch dem Volke gegen Barren
hinausgaben. Vordem kannte man keine stehende Prägung, nur von
Fall zu Fall wurden Emissionen gemacht und nach Bedürfniss
Männer mit der Ausführung beauftragt. Der Münzmeister Amt
war auf das 27. Lebensjahr erreichbar und wahrscheinlich zwei
jährig. Die Prägung bedurfte, wie die feldherrliche des Impe
rator durch den legatus u. s. w., der Staatsgewähr (EX S. C. seit
vor 640) nicht erst, entgegen den Prägungen der Praetoren,
Stadtpraefecten, Aedilen und Quaestoren , welche auf besonderen
Auftrag (de senatus sententia, publice, e senatus consulto [670 bis
680], ex argento publico, publiee [um 670] und Senatus Con
sulto [jüngste Form] u. s. w.) münzten. So schlug z. B. der
curulische Aedil P. Furius Crassipes in Folge ausserordentlichen
Auftrages und zwar in der nachsullanischen Zeit. Ausnahmsweise
fehlt hier das S. C. Die Münzmeister arbeiteten, abgesehen vom
ohnehin seltenen Golde, bald allein in Kupfer , bald allein in
Silber , am häufigsten in beiden. Der Amtstitel erscheint erst
seit 700, fehlt nie seit 729. *)
Münzstätten-Namen und Wappen, wie das m0nogramma­
tische ROMA und der Cadueeus, sind ein Zeichen hohen Alters,

*) Vgl. Eckhel Doctr. V. 61. cap. IV. 65. V.


189

ebenso die Wappen der einzelnen Münzbeamten (seit 520) mit


und ohne Namen. Diese (Haus­ und Geschleehtsnamen) erschei
nen bald nach 537, erst monogrammatisch auf dem Revers, dann
um 600 voll oder in freier Abkürzung, endlich um 650 ohne den
Stadtnamen und zwar zuerst im Nominativ, seit 650 auch im
Genitiv (z. B. FOVRI); können aber auch fehlen. *)
Gehen wir nun zu den Quellen der Kunde römischer Fami­
lienmünzen über, zu den Funden und den Zeitbestimmungs
gesetzen, so schicken wir als die umfassendste und kürzeste Lehre
voraus, was Mommsen R. M. S. 411 aufstellt.
,Die Funde grösserer zusammen vergrabener Münzmassen,‘
so lautet das Ergebniss seiner gründlichen Forschungen, ,sind
die einzigen unmittelbaren Zeugnisse, die über das relative Alter
der Münzen der römischen Republik Aufschluss geben; jede ver
ständige und methodische Forschung wird von ihnen auszugehen
und zunächst aus ihnen diejenigen ehronologischen Gesetze zu
entwickeln haben, durch welche das Alter auch der in ihnen
mangelnden Sorten bestimmt wird. Vor allem kommt es hiebei
darauf an, die Epoche der Vergrabung zu bestimmen, also festzu
stellen, welches die jüngsten in dem Schatz vorkommenden und
die ältesten in demselben fehlenden, übrigens aber häufigen und
allgemein verbreiteten Sorten sind; wobei dann noch, frei
lich bei den unberechenbaren individuellen Combinationen nur
mit Vorsicht, die Ursache der Vergrabung, in der Regel ein ge
rade diese Landschaft verheerender Krieg, zur näheren Zeitbe­
stimmung benützt werden mag-. Dass die Schätze um so sicherer
führen, je grösser sie sind, bedarf keiner Bemerkung; der Wahr
scheinlichkeitsschluss, dass cine sonst häufige, in dem Schatz aber
fehlende Sorte erst nach dessen Vergrabung ausgegeben ist, gilt
natürlicher VVeise nur für einigermassen ansehnliche Bestände.
Für seltene Sorten lässt sich wol aus dem Vorkommen, aber nicht
mit Sicherheit aus dem Fehlen in gleicher Weise schliessen.‘
Man hat nun seit F.ckhel’s Zeiten (1810, 1827, 1832 u. s. f.)
bedeutende Funde von Consularmünzen gemacht, welche über
haupt die Anzal derFamiliennamen bereicherten, insbesondere aber
ñúr die Zeitbestimmung und organische Anreihung überraschende
Resultate boten. Die wichtigsten Fundstätten sind Ronearolo
bei Vercelli 150 Stk., Zeit 661, 664; Fiesole an 2300 Stk., Zeit
666~670; Montecadruzzo bei San Marino, 4734 Stk., Zeit 673;
Roncofreddo in der Romagna, 6000 Stk., Zeit 680-685; Frascarolo
unterhalb Modena 1100 Stk. wie vor; Cadriano bei Bologna über

*) Vgl. Eckhel Doctr. V. П. f Monogrammentafel.


­
190

3000 Stk., Zeit 704-705; San Cesario bei Modena 4000 Stk.,
wie vor; St. Nicolò di Villola bei Bologna, über 1000 Stk., Zeit
711; Collecchio unter Modena, 1000 Stk., Zeit 711 ; Santa Anna
zwischen Modena und Bologna, über 2000 Stk., Zeit 711; San
Bartolomeo in Sassoforte bei Reggio, 431 Stk., um oder nach
711, endlich Peecioli bei Pisa, 6000 Stk., Zeit nicht vor 716.
Wir bezeichnen in unseren Vergleichen und Mommsen folgend
diese Stätten kurz mit: Rc, F, Mc, Rf, Fr, C, Sc, V, Coll, Sa,
Sf, Р. Ferner ist noch zu erwähnen die Fundstätte Arbanats
(Gironde) mit 1000 Denaren. Diese Behelfe haben die Kunde
der Consularmünze zu einer in vielen Fällen exacten gemacht.
Funde grösserer zusammen vergrabener Münzmassen aus der
republikanischen Zeit treten nun in Steiermark nicht auf. Die
häufigsten Einzelfunde dürften in die Gegend um Cili *) einzu
schliessen sein; Pettau und Leibnitz sind dann zunächst erwäh

*) J. G. Seidl berichtet in den ,W. Jahrbìichern der Lît.‘ Bd. 115. Anzbl.
S. 33 über diese neuestens durch Kenner (Mitth. der Central-Commission
1864. November- und Deeemberhefte. LVII.) gewürdigte fundreiche Stätte:
,Eine höchst sonderbare Art von Münzfund, dessen Zeuge der Schreiber
dieses selbst war, erregte vor ungefähr 12 bis 14 Jahren (1836-38) ge
rechtes Aufsehen. Ausser der Gemeinde Ran, rechts von der Stelle, wo das
in den epigr. Excursen (Nr. 29. c.) erwähnte Monument gefunden wurde,
biegt ein holperiger Fahrweg zu einer Ziegelhütte im nahen Waldgebirge
ein. Ehe derselbe bergan steigt, wird er von einem kleinen Bächlein durch
schnitten. Seitswärts davon, unter einem VVeinberge, erhebt sich ein unbe
deutender Fels, zu dessen Füssen, aus engem Spalt, ein krystallreìner,
selbst im Winter, wie es heisst, nicht gefríerender Quell hervorrieselt, an
welchem die Bauersleute ihr Vieh tränken. An diesem Quelle ging ich
einst nach einem heftigen Gcwitterregen, dem ein herrlicher Abend folgte,
in Begleituug meines verehrten Freundes Hartnid Dorfmann vorüber. Mit
Befremden bemerkten wir, wie Bauernkinder aus dem schmalen \Vasser
becken etwas hervorlangten; es waren römische Broncemünzen, die aus
~ der engen Ritze vom Wasser hervorgespült wurden. Wir nahmen ihnen
einstweilen die gefundenen ab, ermunterten sie sorgfältiger nnchzusuchen,
und uns alle, die sie fänden, zu überbringen. Bald aber kamen andere
’ Leute hinzu, welche die ersten Finder verdrängten, und so geschah es,
dass auch dieser- Fund, wie so viele andere, zersplìttert wurde. Es waren
ungefähr sechzig Münzen, die nach und nach hervorkamen und zum Theil
mühsam aus dem Spalt hervorgestört wurden. Fast alle waren von Bronce,
von Silber nur ein Paar; am meisten fiel es auf, dass sich nicht zwei von
gleichem Typus darunter fanden. Die älteste davon war ein As, die spä
teren reichten bis in die Zeit der Antonino herab. “Не die Münzen unter
diesen Fels kamen, scheint ein Räthsel , wenn man nicht annimmt, dass
die Quellader sie ar1derswoher mit .sieh geführt habe , worüber jedoch
weder die genaue Untersuchung der Umgebung, noch die Erweiterung des
l­`el=-«.~n`-seckens einen Aufschluss gab. Merkwürdig bleibt dieser Fund
inmier, »ful es ist schade, dass er nicht ungetheilt in die gehörigen Hände
uil«.:‘¿,r. д.‘
191

nenswerth, auch Feldbach wird mit Wahrscheinlichkeit genannt.


Würden aber diese schönen Denkmale einer freien, thatengrossen
Zeit in unserem Lande auch minder spärlich vertreten sein, sie
erlaubten doch nicht auf eine römische Ansiedelung in der republi
kanischen Zeit zu schliessen. Sind sie nicht durch den lebhaften
norisch-italischen Handel in die freien keltischen Vororte und
ihre nächste Umgebung gelangt (und wäre das, so müssten sie
auch hierinnen nicht beschränkt geblieben sein), so haben sie ge
wiss mit den unterjochenden Legionen als noch häufig coursirendes
Geld Eingang gefunden in’s Gebirgsland. Was die römisch­kai
serliche Willkürwiithschaft im Lande, was verheerende Kriegs
stürme und die Speculation der Neuzeit übrig gelassen - es ist
nur ein Ge1­inges- das verdient unsere Aufmerksamkeit doppelt.
Die Eintheilung der Consularmünzen geschah bisher zufolge
Ursini nach Familien, aus deren mehreren eine gens besteht (z. B.
den Blasiones, Lentuli, Scipiones die Cornelia) und nach dem
Vornamen zum Familien- und Zunamen. Man zälte bis’ zu
Eckhel’s Zeit 243 Familien, neuestens hat man es , den Zalen
überhold, schon weit darüber hinaus gebracht.
Stellen wir die Reihenfolge der im Nachfolgenden beschrie
benen Münzen, deren Vorkommen im westlicheren ‘Noricum
durch eine gründliche Erforschung der Schätze von Viru
num und Teurnia auf das Dankbarste zu beleuchten wäre,
chronologisch zusammen , so ergibt sich im Allgemeinen,
dass der einheimischenFunden zugesehriebene republikanische
Münzschatz zuìíusserst bis über das zweite Jahrhundert v. Chr.
zurückreicht , im achten Jahrzehend des christlichen Jahr
hundertes am dichtesten ist und sich dann, ohne seit der Zeit
der Unterjochung an Zal gewonnen zu haben, an die Reihe der
eigentlichen Kaisermünzen anschliesst.
Wеnи die keltischen Münzen durch die Schwierigkeit der
Lösung trotz des meist trostlosen Styles anziehen, so ist die
Reihe der römischen Familienmünzen durch ihrvorwiegend edles
Gepräge, durch die Schönheit mythologiseher, staats- und haus
geschichtlicher Darstellungen wahrlich dem kunstgewohnten
Auge sowie dem Erforscher grosser, gebildeter, freier Zeiten
ein Labsal. Spanheim, Frölich, Eckhel sind des Lobes dieser
Denkmäler voll. Daher haben diese je der meisten Theilnahme der
Gelehrten sich erfreut, wiewol deren Chronologie und die Aus
deutung der oft geradezu verschlossenen Sinnbilder bis auf die
jüngste Zeit sehr im Argen gelegen und in Einzelnheiten sogar
ein Unter fand zur völligen Erhellung nicht hat. Hubert Goltz
(1566), Fulvio Orsino (1577), Scaliger und Spanheim, C.
192

Patin (1663), J. Vaillant (1793), letzterer trotz vielerVorzüge mit


zallosen Fehlern, Morelli und Havercamp, welche beide alle
übrigen Forschungen vor ihnen zusammenfassen, Frölieh, Eckhel
und von den Neueren Mionnet, der in Chronologie tonangebende
Cavedoni, Schiassi, Borghesi, der unzuverlässige Riccio, der po
puläre Cohen, endlich hauptsächlich und am Fachgemässesten
Mommsen haben diese Denkmäler der römisch- republikanischen
Zeit beleuchtet. Die wichtigste Sammlung solcher zeigen die
Cabinete von Paris, London, Berlin, “Чеn. Das Münzencabinet
des Joanneums besitzt deren über 450 Stk. (18 Gewichts- und
36 blosse Romamünzen) von 127 Familien, von welchen nur etwa
23 aus steierischen Funden herrühren. Für die Stätten
Petovium und Solva sind die Sammlungen Hönisch und Braun
massgebend. )Vas von dürftigen Nachrichten über Provenienz,
die selbst im kais. Cabinete zu “Чеn nicht reichhaltiger fliessen,
sich irgend retten liess, war hier willkommener Anhaltspunkt.

*) Wir skizziren diese Sammlungsabtheilung, welche hauptsächlich durch


Gaben des Erzherzog­Stifters und Prokesch-Ostens gross geworden, folgen
dermassen: Gewichtsmünzen 18, nämlich Asses 5, Semisses 4, Trientes З,
Quadrantes 3, Sextans 1, Unciales 2. - Roma mit Incertis und Pop. Rom. 36.
-— Die Familien: ABURIA (M.). ACCOLEIA (Lariscolus). ACILIA 3 (M.)
)ELIA 2 (Bala, Paetus). EMILIA 3 (Paulus, Scaurus). AFRANIA 2 (S.
Afm.) ANNIA З (P. Lamia, Silius. C.Annius).ANTONIA 11 (L. XIII, XVI. ;
Balbus) ASINIA. (Gall) ANTESTIA 4 (C; Grac). ANTIA (Restio). APRO
NIA 2 (Galus). AQUILIA (/\\'). ASINIA 2 (Gallus). ATILIA 3 (Saran).
AURELIA 2 (Ruffus, Scaurus). BAEBIA 3 (Tampi, Bebilienus). Ci/ECILIA
5. (Metellus, Metellus Scipio). CBESIA (L. Оaен.) CALIDIA (M. Calid. Met.)
CALPURNIA 16 (Piso). CARISIA 6. CARVILIA s. Ogulnîa. (T.`Cs.ris).
CASSIA 8 (Celer. Longinus. Incert.) CIPIA 3 CLAUDIA 10 (Pul
cher. Ineert.) CLOVIA CLOVLIA 2 (T.) C(ELIA 4 (Caldus). CON
SIDIA 6 (Nonianus, Paetus). COPONIA (C; Q. Sicinius). CORDIA (Rufus 6,
darunter М. CORDI. Venuskopf. Rev. NV. COR Venuskopf und Lettern
eingeprägt. Silber, vierfach selten, aus dem kärntischen Zollfelde). COR
NELIA (ein Lentulus-Quinar wahrscheinlich ebendaher, 1832 von Traun
fellner gewidmet; Blasio, Cinna, Lentulus, L. Spinther, Scipio, Sisenna,
Sulla , Faustus Sullae). COSCONÍA (L. LIC.) COSSUTIA (Sabula).
CREPUSIA 6 (P; Censorinus). CUPIENNIA (L. Cop.) CURIATIA 2 (Tri
geminus). CURTIA (Q.) DIDIA (T. Did.) DOMITIA 4 (Cn. Dom.) EGNA
TIA (Maxsumus). EGNATULEIA(C.) EPPIA (Eppinus Q.Metel1. Scipio).
FABIA
FARSULEIA4 (Hispaniensis.
З. (Mensor).
Labeo.
FLAMINIA
Maximus).
(Cilo).
FABRINIA
FLAVIA Flav
FANNIA
. . 2FON

TEIA 4 (НУ) (Capito) FULVIA. FUFIA 2 (honos, virtus, Fundan . FURIA


4 (Brocchus, Crassipes, Philus, Purpureo). GALLIA (Lupcrcus). GELLIA
(Cn. Gel.) HERENNIA (M.) HORATIA (Cocles, RRRR susp.) HOSIDIA. 2
(Geta). HOSTILIA (Завета) JULIA 12 (Bursio, Caesar). JUNIA 11
(Brutus, Silanus , Incert.) LICINIA 5 (Crassus , Macer, Nerva, Stolo).
LIVINEIA (Regulus). LOLLIA. LUCILIA 2 (Rufus). LUCRETIA 3 (Trio).
LURIA 2 (Agrippa). LUTATIA (Cerco). MZECILIA 2 (Tullus). MIENIA 3
193

1.
As.
Av. Januskopf.
ly. ROMA, Schiffsvordertheil mit I.
Bronce, ohne Münzzeichen. Fundort Cili. Muchar l. 372. Von den flinf
Stücken des Joanneums , von denen vier die Inschrift Roma tragen , möchte
das erste ,Caput Jani barbatum, infra — )( Prora „мы, supra quam I. appendit
Ae.‘ am wahrscheinlichsten das cilier Stück sein. Es ist ein Geschenk des
Landeshauptmannes Grafen von Attems. 1839. Cat. 369. )Negen der unsiche
ren Ausfindung des Stückes ist unmöglich zu bestimmen Grösse, Gewicht, Fuss
(redueirt trientaler oder sextantarer nämlich bis schwachuncialer). Zeit: Seit 490,
525-537 u. s. w. Vgl. die grossen Asstüeke bei Cohen p. 351, pl. LXXV;
Mommsen 478 П. Eckhel Doctr. V. 14. f; Cat. II. 1. Arneth 1. Z. 2. Ein ähnliches
Stück aus Pettau, Gr. 10, Sammlung Hönisch. Ein zweites, Gr. 9, ebendaher, mit
Kopfbild und Prora, ersteres mehr als zweifelhaft, letzteres ganz unerkennbar.

2.
Quadravzs.
Av. Herculeskopf, linkssehend, rechts drei Kügelchen senk
recht. Punktrand.

(Antiaticus). MAIANIA (C). MAMILÍA (Lîmetanus). MANLIA 5 (Torquatus,


Incertus). MARCIA 12 (Censorinus, Libo, Philippus). MARIA (Capito).
MEMMIA 5 (Gallus v. Gallius, Quirinus, Memm. Incertus). MINUCIA 4 (Augu
rinus, Rufus, Thermus). MUSSIDIA. (Longus). NIEVIA 8 (Balbus, Capella,
Surdinus). NONIA 2 (Quinctilianus, Sufenas). NORBANA (C. Norbanus).
OPEIMÍA (L.) PAPIA 2 (Celsus). PAPIRIA 2 (Carbo). PETILIA (Capito
linus). PETRONIA(Turpi1ianus, Zollfeld 1834). PINARIA 2 (Natta). PLE
TORIA (Cestianus). PLANCIA (Cneius). PLAVTIA vel PLUTIA 8 (Hypsaeus,
Plancus, Plantius inc.) PLOTIA 2 (Rufus). POBLICIA 3 (Malleolus, Poblicii
incert). POMÍPEIA 5 (Faustulus, Cneius et fil. Sextus, Rufus). POMPONIA 3
(Molo, Musa, Incert.) PORCIA 7 (C & M. Cato, Laeea). POSTUMIA 7
(Albinus). PROCILIA 2 (L QUINCTIA 3 (Crispinus). RENIA 2 (C.) ROSCIA
3 (Fabatus). RVBELLIA (Blandus). RUBRIA 5 (Dossenus). RUSTIA (L.)
RUTILIA (Flaecus). SALVIA 3 (Otto). SANQUINIA2 (M.) SAUFEIA 2
SCRIBONIA 2 (Libo). SEMPRONIA 2 (Graccus, Pitio). SENTIA 4
(L. Senti; L. Saturn.) SERGIA 2 (Silus). SERVILIA 4 (Ahala, Rullus,
Servilii incerti). SICINIA. SILIA (Silius Annius Lamia). SULPICIA 2
(Galba, Rufus). TERENTIA (Lueanus). THORIA 4 (Balbus). TITIA 6 (Q.
Titi.) TITURIA 7 (Sabinus). TREBANIA (L.). TULLIA (M.). VALERIA 6
(Aciseulus, Catullus, Flaccus, Messalla). VARGUNTEIA VETTIA
(T. VEttius). VETURIA (Ti.). VIBIA 10 (Pansa, Varus). VOLTEIA 2 (М).
ОЪ in dieser stets wachsenden Reihe ausserjenen, welche als von einheimischen
Funden herrührend im Verzeichnisse beschrieben nachfolgen, auch noch
andere vermöge einheimischer genannter Geber aus Funden inner Landes her
rühren, ist unentschieden. Es stammen von Gr. Attems (1840) Gallia, Valeria“,
vonAnker (1827) Minucia; B. Egekh(1820) Luria; Lange (1827)Vibia; C. v.
Mandell seit 1818 Acilia, Aemilia, Junia, Postumia; aus der Müller’schen
Sammlung (1827) Antonia, Calpurnia, Clovlia, Fabia, Fonteia 2, Julia 2,
Memmia, Quinctia, Sentia; von Vabrocheck(1837) Calpurnia; Vest (1824)
Claudia; Wanggo Caecilia, Clovis.; VVartinger Julia, Lucilla; endlich von
Werner (1822) Nsevia und dem grätzer Münzamte neuestens: Antonia,
Carvilia, Garcilia, Maenia, Ogulnia, Titia, Vergilia, incertae.
13
194

lì. RoMA. Schiffsvordertheil, unten drei Kügelchen.


Bronce. Gr. 6. Gut erhalten. Fundort Pettau. Sammlung Hönisch.
Vgl. Cohen 352. Mommsen R. M. 478. f. Eckhel Doctr. V. 16. Cat. II. 3. 11.
Arneth 1.

3.
Trz‘ens.
Av. Pallaskopf, vier Kügelchen.
Py. RoMA. Schiffsvordertheil, unten vier Kügelchen.
Bronce. Von Prof. Suppantschitsch in Cili 1832, vielleicht hier aus
gegraben. Joanneum­Cab. Cat. 370. N. 7 Vgl. aber Cohen p. 351. pl.
LXXV. Mommsen 478 ff. (ebd. S. 184. A. 52) in Betreñ` Fuss (triental bis
untersextantargewichtig und schwachuncial), Gewicht, Zeit (490_-520, vor und
nach 537). Eckhel Doctr. V. 15. f. Cat. II. 2 Arneth 1. Z. 2. Ein Gleiches
aus Pettau-, Gr. an 7, Sammlung Hönisch.

4.
Пиши.
AV. Pallaskopf.
iy. Schiffsvordertheil mit Kugel.
Fundort Cili. Muchar I. 372. Wahrscheinlich das Stück -des Joanneums
,Caput Palladis dm. retro globulus. Ae. 2.‘ Geschenk des Baron Ludwig von
Mandell 1838. (Catal. 371.) Vgl. Cohen 352. pl. LXX. Mommsen 478 ff. in
Betreñ’ Gewicht, Fuss (triental bis untersextentargewichtig), Zeit (490 bis um
520). Eckhel Doctr. V. 16. Cat. II. 3. Arneth 1. Z. 1.*)

5.
Aemz`lz`a , patrzbzsche Famz`líe. Marcus Scaurus um 696' a. и. с.
(58 ‘и. от).
Av. M. SCAVR. AED. CVR. über dem knienden König Are
tas, der neben dem Iinkssehenden Kameel einen Oelzweig
hält und daneben im Feld EX. S. C. ; im Strichraum
REX. ARETAS.
Ни. Jupiter mit Quadriga nach rechts , einen Blitz haltend,
unter dem Gespaun ein Skorpion? im Strichraum:
wie ШАЕТА. (Die Inschrift sieh in der Lit.)
Silber. Denar ohne \Vertzeichen. Gr. 10‘4. Gew. 3-29. Stark abgenützt,
besonders an den Rändern. Gefunden bei Cili. Aus der Gadolla’schen Samui
lung. Joanneum.
Marcus Scaurus aedilis eurulis; Rex Aretas; ex senatus consulto Marcus
Aimilius, Roma. Cohen. Med. cons. p. 8. Nr. 2. vgl. 3. und tab. 1. Nr. 1. 2.
selten vollleserlich; bei Patin, Vaillant, Morell fälschlich unter Patia. Einer
restituirt bei Riccio, IV. 17. Coh. tab. 44. Nr. 21. Mommsen p. 626. Nr. 267.
Not. 467 und 468. Cavedoni app. p. 189. Borghesi dec. 5. p. 1. sehr häufig
Eckhel Mus. caes Plautia n. 13. eatal. II., am ähnlichsten Nr. 21. Drumann l. 29.

*) Nachträglich reiht sich hier an das Gewichtstück: Jugendlicher Kopf, linkssehend, mit
Haarbinde und Kopfbedeckung (vgl. Cohen tab. XLIX. Aurelia 1. LVIII. Marcia 5.
LXIX. Vargunteia 4. LXX. 14. Sextans. LXXI. 14), rechts Punktrand )( Prora (ohne Bei
Épiglîecrîlî), oben RoMA. Bronce. Gr. 5. Erhalten sehr gut. Fundort Pettau. Sammlung
0 s .
195

Ameth p. 3. Nr. 10 (14 St.) Wellenheim I. 5. Nr. 8293-8295. Joanneum. VIII.


26. 23. Marcus Scaurus, der Feldherr des Pompejus , legte dem besiegten
Nabatäer­König Aretas von Arabien , welcher sieh an îhn als den Verweser von
Syrien ergeben hatte , einen Tribut von 3000 Talenten auf. Die Unterwerfung
deutet der Avers an. Es ist dies die älteste Münze, welche eine gleichzeitige
Heldenthat feiert. Eckhel Doctr. V. 121. f. Anfangsgrde. 44 Cat. 8. f. Eine
Aemilia zu Leonstein in Kärnten.

6.
Amonía , pat1­z‘císcÍze Familie. Marcus Antonius 715-717 (39
bis 37 v. Chr).
Av. M. ANTONIVS. IMP. COS. DESIC. ITER. ET. TERT.
Lituus, inner Blumen- und Blätterkranzes um die links
sehende, belorbeerte Büste.
li-. Ш. VIR. rechts herab, R. P. C. links hinauf, dazwischen
Kopf des Octavius auf Postament zwischen der Schlan
genfigur. -
Mittel-Bronce. (Gr. 7.) Erhaltung gut. FundortPettau. SammlungHönisch.
Marcus Antonius imperator consul designatus iterum et tertio )( Trium
wir reipublicae constituendae. Diese durch das grosse S. C. gekennzeichnete
Reichskupfermünze aus der Zeit der Wiederaufnahme solcher Prägung durch
den Senat, besonders durch den älteren Sohn des Triumvir Pompeius Gnaeus
708/9, dann Sextus, den Legatus Eppius 109-711 und die Flottenführer des
Antonius, stammt von M. Antonius und wird in die Jahre 716-719 oder
714-720 gesetzt. Mommsen 743 und A. 12. Borghesi dec. 12. 1. 13. 2.
Eckhel VI. 57. Bei Cohen p. 29. Z. 43. Tab. IV. 26. als Silberstück von
35 frcs.; doch hat der Text fälschlich DES. statt DESIC. Fehlt bei Wellen
heim I. 6. f.

7.
Dz'eselbe. Antonius um 722 (32 v. Сhn).
Av. ANT. AVG., obenüber praetorianisches Schiff; untenherum
Ш. VIR. R. P. C.
Py. LEG XIII. zwischen dreien Feldzcichen. Punktkreis.
Silber. Denar ohne Wertzeichen. Gr. 11. Gew. 3 45. Ziemlich gut, etwas
abgenützt. Gefunden bei Cili. Aus der ehemals Gadolla’schen Sammlung. J oanneum.
Antonius Augur triumvir reipublicae constituendae Legionis tredecimee.
Cohen cons. p. 35. Nr. 84. p. 39. tab. V. Nr. 53; häufig. Joann. VIII. 26. 28.
Die 38 Münzen der 1. bis 30. Legion gleicher Typen, welche übrigens auch
unter die Kaisermünzen eingelegt werden können, stammen von Marcus Anto
nius, dem Sohne des Marcus Antonius Creticus und Enkel des grossen Redners
Marcus Antonius, Triumvir seit 711 (43 vor Chr.), Augur seit 705 (49 v. Chr.)
und zwar aus dessen letzter Zeit (nach Arneth 31 v. Chr.). Es galt der Gunst
der einzelnen Legionen zu schmeicheln. Solcher Legionsmünzen 6 zu Pörtschach
in Kärnten. Vgl. Mommsen S. 743. 752. 759. 760. Eckhel Cat. II. 10 f.

8.
Av. ANT. AVG. obenherum , Schiff, untenherum Ш. VIR
R. Р. C.; unten Punktrand.
li'. LEG. XVI. zwischen dreien Feldzeichen, Punktrand.
13*
196

Silber. Denar ohne Wertzeichen. Gr. ll. Gew. 3‘33. Ziemlich gut. Ge
funden bei Cili. Aus der ehemals Gadollafschen Sammlung. Joanneum.
I Antonius Аидаr triumvir reipublicae constituendse )( Legio decima sexta.
Cohen cons. p. 85. Nr. 88. tab. V. Nr. 57; häufig. Arneth p. 36. Nr. 58. Joann.
VIII. 26. 27. Eckhel Doctr. V. 140 f.

9.
Агата, plebeísche Famílíe. Gallus vor 746' (8 v. Chr).
Av. G. ASINIVS. C. F. GALLVS. Ш. VIR. A. A. А. F. F.;
inmitten S. C.
lì‘. OB. CIVIS. SERVATOS innerhalb des Eichenkranzes
mit Lorbeerzweigen.
Gross-Bronce. Erhalten ziemlich gut. Pettau 1857, häufig. Sammlung
Hönisch.
Caius Asînius Caii ûlius Gallus triumvir, curo, argento, же flando
feriundo, senatûs consulto )( Ob civis servatos. Cohen 46. Nr. 1. p1.XLVII. 1.
Imp. I. 89. Nr. 401. 6 f. Eckhel Doctr. V. 144 f. Cat. II. 16.

10.
Av. C. ASINIVS GALLVS Ш. VIR. A. A. A. F. F. ;
inmitten S. C.
ly. AVGVSTVS TRIBVNIC POTEST. inner Kranzes.
M. Bronce. Leibnitz, aus Wagna. Sammlung Braun.
Caius Asinius Gallus triumvir auro, argento, sere Ваnдo, feriundo. Senatůs
consulto. Ein Gleiches zu Pettau, Sammllmg Hönisch. Cajus Asinius Gallus,
der Münzmeister , war der Sohn des augusteischen Lieblings Pollio und erhielt
das Consulat im Jahre 746 (8 ‘г. Chr.). Cohen 47. Nr. 2. pl. XLVIII. 2. Imp.
I. 89. Z. 402. Gewöhnlich. Mommsen 744. A. 15. Z. 41. A. 97.

11.
Cœcilia, patmhische Familie 706'--708 (48-46 v. СМ‘).
А“. Weibliches Haupt , unten Schiffsvordertheil; (links herab
Q. METELL , rechts hinauf SCIPIO. IMÍP. Beizeichen
Elephantenohr, Aehre, Pflug ?)
Py. EPPIVS. LEG. F. C. Hercules stehend (mit Keule und
Löwenhaut).
Bronce. Pettau. Sammlung Hönisch.
Quintus Metellus Scipio Imperator )( Eppius Legatus ñandum curavit.
Cohen p. 65. Nr. 37. und 130 Nr. З. ist ein Silberstück 15 Fr. pl. XVII. Eppia.
Das Stück ward unter dem berühmten Scipio, adoptirt von Q. Caecilius Metellus
Pius, dem afrikanischen Helden, geprägt von Marcus Eppius , Legat im Heere
gegen Caesar ‚ und enthält die Symbole des Hercules , sowie etwa die
Aehren des Familiennamens. Für die Richtigkeit der uns mitgetheilten
Münze möchten wir indess nicht einstehen; das Unvollständige wäre gar nicht,
das Ergänzte aber, wie bemerkt, nicht in Bronce vorhanden. Mit Q. Metell Pius
Scipio Imp. wird Eppius auf seltenen Denaren angeführt bei Mommsen in der
Uebersicht S. 750, Jahr 706-708, gefunden zu Sa., Sf., P. Arneth 6. Nr. 17.
Eckhel Doctr. V. 150. f. Cat II. 88.
197

12.
Carvilia, plebeísclze Familie (auch Garczlia, Gargzlia, G'-argomfa,
Ogulnía). Carvílius, Vergilius, Ógulnius? 667--673 (87-81 v. От‘).
­
AV. Belorbeertes Haupt des jungen Jupiter, linkssehend (das
Blitzbündel unten abgeschnitten) ; Punktkreis.
lì'. Jupiter in der Quadriga, nach links (die Hand mit dem
Blitz abgeschnitten; kein Buchstabe im Feld oder unter
dem Strich sichtbar). Punktkreis.
Silber. Denar ohne Wertzeichen. Gr. 10-1:11-1. Gew. 3.63 Gr. Ziem
lich gut, Kopf unten beschnitten, oben überreichend. Gefunden bei Cili. Aus
der ehemals Gadolla’schen Sammlung. Joanneum.
Cohen Méd. cons. p. 80. Nr. 3. tab. XI. Nr. 3. Mommsen p. 601.
Nr. 229. Gepräge gut; sehr häufig. Vgl. Eckhel II. 25. Cан. und
560 Oguln.; hinwieder Arneth 7. Cан’. 15. G-arcil. 20. Oguln., und Wellen
heim I. 14 Carv. und Oguln. 38. Joann. VIII. 26. 21. Borghesi ent
~i
fernt die Familie Carvilia und setzt an Stelle Garcilia oder Gargilia; Ca
vedoni eine Gargonia entgegen Vaillant, Haveroamp, Eckhel. Die Auf
stellung der Familien Carvilia, Cargilia, Gargonia, Ogulnia, Vergilii oder ‘ъ
Verginia hat nicht festen Halt , da die Aufschriften CAR., OCVL. und
VER. jedenfalls nur Cognomina bedeuten dürften. Eckhel Doctr. V. 165.

13. 1
.›
Cassia, patrícíscke und plebezïsche Famzlie. C'a..ssz-us Celer 712
(42 v. Clin). 1
Av. C. CASSIVS. CELE. III. VIR. A. A. A. F. F.; in Б
mitten S. C. . ›

lì'. AVGVSTVS. TRIBVNIC. POTEST inner Kranzes.


M. Bronce. Fundort Pettau. Sammlung Hönisch.
Caius Cassius Celer triumvir auro, argento, юге fiando, feriundo, senatus
consulto )( Augustus tribunicia potestate. Cohen 84. Nr. 24. pl. LII. 5. Imp. I.
90. Z. 416. 3 fes. Mommsen 764 A. 15. Den einzelnen historisch weiter unbe
kannten Münzmeister C. Cassius Celer erwähnt Mommsen (p. 744. Not. 15) mit
C. Asinius Gallus, C. Gallius Lupercus, T. Quinctius Crispinus Sulpicianus und
Ti. Sempronius Graccus als Münzmeister unter Augustus, der diesem auf den
Münzen nur den Amtstitel der tribunicia potestas ohne Zal gab. Eckhel Doctr. «4^­¢--<4a»r-n«»­- *vw

V. 165. Е. Cat. II. 25. Vgl. Arneth 7. _

14.
Cloelia, patríczkche Familie. Tüus Clovlffus 653 (101 2:. СМ)?
Av. Pallasko Р f› linkssehend› mit FlüЁ elhelm2 seitwärts Kranz1
unten ROMA.
Py. T. CLOVLI Biga mit Victoria. (Aehre auf der Erde ?) ‹tм.n ­
Silber. Denar ohne Wertzeichen. Gew. - Pettau 1857, wahrscheinlich
Ragosnitz. Sammlung Hönisch.
Roma. )( Titus Clovlius. Titus Clovlius, weiters gänzlich unbe
kannter Münzmeister, aus dem altpatricischen auch Cluilia, Cloelia genann
ten Geschlechte. Grundform Clovlius. Von ihm haben wir die ältesten ì

\
_ws
Quinare mit Victoriatengepräge und dem jüngeren Wertzeichen Momm
sen S. 419 und 562. S. 179. Cohen p. 93. Nr. 1. pl. XII. 1. Cavedoni
bestimmte die Zeit w. o. Mommsen S. 562. Z. 179. Häufig. F. MC.
(13). FR. C. SC. COLL. SA. (2). Eckhel Doctr. V. 174. Cat. II. 28.
Arneth 8. 1.

15.
Coelz'a, plebeísche Familie. Coz`lz`us um 540 (214 ‘с. Ührj?
Silber. Denar ohne Wertzeichen. Leibnitzer Feld, vor 1847,
Die von Knabl in den Schriften d. hist. Ver. f. I. Oesterr. angegebene
Familienmünze findet sich weder in I­Iarb‘s noch in Braun's Sammlung, die
überhaupt keine Coelia besassen, viel weniger hier eine ausgruben. Es ist auch
sonst von nirgendher eine Mittheilung gemacht worden. Es müsste dies denn in
Knabl’s eigener Sammlung das Stück sein : Caput Palladis galeatum alatum dm.
)( COIL. Victoria in citis bigis, supra O. - Ar. Aber dies wird als aus Italien
durch Pratobevera bezogen verzeichnet. Auch den Stücken bei Cohen 94.
Nr. 1 und 2, mit denen das letztere wenigstens einige Aehnlichkeit hat, ent
spricht es nicht ganz. Es möchte hier auf den Münzmeister Lucius Coelius
oder Coilius zu denken sein, den Cavedoni um 540 (214 v. Chr.) ansetzt. Einen
L. Coelius nennt Livius (43, 31) um 585. Häufiger sind die Stücke von Caius
Coelius Caldus um 695-703 (59-51 v. Chr.). Mommsen S. 509. Z. 65.
bezeichnet seinen Denar mit Gew. 3-25 als selten C. Eckhel Doctr. V. 175 f.
Cat. II. 28. Arneth 9.

16.
Cardia , plebezlsche Familie. Rufus Tríumvz-r 7Ó5-70.9 (49 bis
45 z-. СМ‘).
Av. RVFVS. Ш. VIR. Dioskurenhäupter verbunden, links
sehend, darüber Stern.
R'. MAN. CORDI. Weibliche Gestalt (Venus), stehend mit
Hasta in der Rechten, und Cupido.
Silber. Denar ohne Wertzeichen. Pettau 1857. Sammlung Hönisch.
Rufus triumvir Manius Cordius. Cohen p. 100. Nr. 1. pl. XIV. 1.
3 frcs. Manius Cordius Rufus ‚ der Münzmeister und Triumvir Cassar’s,
vielleicht geboren aus Tusculum. Die herzentauschende Venus (Verticordia), über
welche Ovid in Fast. IV., V. 157., eine Anspielung auf die Familiennamen.
Mommsen in der Uebersicht der von 705-711 geschlagenen Gold- und Silber
münzen S. 651 führt unter 705-709 an diesen M. Cordius Rufus, auf Denaren
wie Quinaren und Sesterzen sehr häufig. V. Coll. Sa. Sf. Р. Eckhel Doctr. V.
178. f. Cat. II. 30. Arneth 9.

17. `
Cornelia, pat¢‘z‘cz`scÍze Familie. Únœus Lentulus Ó`6`7_Ó`73 (87 Ínls
81 ‘и. СМ).
Av. Behelmtes Haupt des Mars, Speeres Theil. ’
li'. CN. LENTVI unter Victoria in Biga, linkssehend, rechts
den Kranz.
Silber. Denar ohne Wertzeichen. Erhalten mittelmässig. Selten. Leibnitzer
Feld, vor 1847. Schr. d. hist. V. f. I. Oestr.
199

)( Cnaeus Lentulus. Cohen p.103. Nr.22. pl.XIV. 7. Indem Braun's Corne


lia nicht als leibnitzer Fund angegeben ist, während der Sammler dochan
Fundmittheilungen nicht arm, so wird Harb’s Stück, da derselbe von Consular
münzen überhaupt keinen einzigen Fundort angibt, als wahrscheinliches
leibnitzer Stück angeführt. Knabl’s Sammlung hat drei Lentulus aus den
Duplicaten des Joanneums; dieses 13 Corneliastücke. Alle Münzen mit Cnaeus
Lentulus (bei Cohen v. 17-26) stammen, ohne weitere Erklärung zuzulassen,
wahrscheinlich aus der Zeit 657-682 (97­-72 v. Chr.). Mommsen S. 605.
Z. 232. Häufig. Mc. (308). Rf. Fr. C. Sc. Coll. Sa. (23). Sf. Cnaeus
Cornelius Lentulus Marcellinus, der Sohn des ersten L. Marcellinus (geb.
um 636), münzte 680 als Quaestor (Mommsen S. 611. Z. 242) und ward
695 Praetor , 698 Consul. Diesen stellt Mommsen gegen Borghesi’s Cn.
Lentulus Clodianus Consul 682 fest. Eckhel Doctr. V. 179. f. Cat. II. 30. f.
Arneth 9. f.

18.
Dz'eselbe. Cnœus Lentulus, Quœstor 680 (74 v. Uhr). -
Av. Jugendlicher Kopf mit Stirnbinde, linkssehend (oben soll
G. P. В), vorne rechts Scepter.
lit'. CN. LEN. Q. Meerumflossener Erdkreis; Scepter mit Lor
beerkranz,‘Steuern1der.
Silber. Denar ohne Wertzeichen. Gr. 11. Gew. 3-25. Mittelmässig.
Gefunden um Cili. Aus der ehemals Gado1la’schen Sammlung. Joanneum.
Genio populi romani Cnaeus Lentulus Quaestor. Cohen cons. p. 104.
Nr. 25. tab. XIV. Nr. 11. 2 frcs. Joann. VIII. 26. Mommsen S. 611. Z. 242.
Häufig. Rf. Fr. C. Sc. Coll. Sa. (12). Sf. Der Münzèr ist ebenfalls der
von Cicero in der Verrusrede als clarissimus adolescens erwähnte Cn.
Lentulus Mamellinus. Er scheint im ausserordentlichen Auftrage des Sena 1
tes in den schweren Rüstzeiten des Mithridates und der Piraten gemünzt
zu haben.

19. ~
Díeselbe. Lentulus Spintlzer 710-712 [44-42 v. Uhr).
Av. C. CASSI. IMP. rechts hinauf, LEIBERTAS links hinauf.
Haupt der Libertas, linkssehend, mit Diadem.
Py. LENTVLVS I SPINT, darüber Giesskrug und Priester .1 .-­
stab; rings Punktrand.
Silber. Denar ohne Wertzeichen. Gr. an 5. Gew. 3‘925. Erhalten gut.
Von der Ackerbau-Gesellschafts-Filiale in Cili 1846, vielleicht dort ausge
nam»rrrг
graben. Joanneum XIII. 67. Cat. 406.
Caius Cassius imperator. Leibertas )( Lentulus Spinther. Cohen p. 108.
Nr. 55. pl. XII. 15. Ganz gleiches Goldstück ebd. Nr. 54 mit 200 frcs.
Dies 4 frcs. Unser Stück der an Metalldènkmälern so reichen Familie ward
geschlagen in Asien um 711 oder 712 (43, 42 v. Chr.) von Publius Corne
lius Lentulus Spinther, Sohn des Lentulus Spinther, Consul um 697 (57 nl-vvv

v. Chr.). Ein Gegner Caesars, ward er nach der Pharsalosschlacht zu Ale


xandreia freigegeben, befehligte darm als mitverschworner Proprietor und
Proquaestor ein Heer in Asien und endete nach der Schlacht von Philippi.
Prîesterstab und Giesskanne bedeuten die Würde des Augurs. Mommsen in
der Uebersicht S. 653. I
î
200

20.
Úrepusia , wenig gekannte Familie. Imcius Censorinus ‚ Caz'us
Limetanus und Publius Crepusius 667-673 (87-81 ‘и. СМ‘).
Av. L. CENSoRIN. Kopf der Juno Moneta mit Schleier und
Zier, linkssehend.
li'. C. LIMET. P. CREPVSI. unter Biga mit Juno ,
linkssehend , die Pferde lenkend ; in der Höhe ein
Zeichen.
Silber. Веnаr ohne Wertzeîchen. Fundort Leibnitz. Sammlung Braun
(von Harb).
Lucius Ceneorinus )( Caine Limetanus. Publius Crepusîus. Nach Cohen p.
117. Nr. 3. pl. XXVI. Marcia 10, geschlagen um 661 (83 v. Chr.). Mommsen S. 602.
Z. 230. b. Häufig. Mc, (4, frisch). Rf. Fr. C. Sc. Sa. (4). Das erepusieche Haus
weiters nicht bekannt. Weder der Limetanus C. Mamilius, Volkstribun von
644, noch der Begründer des mamilischen Ackergesetzes ist der hier
genannte Münzmeister. Censorinus ist vielleicht ein Bruder des Milnzmeistere
C. Marciue Censorinus, der 673 starb. Eckhel Doctr. V. 198. Cat. II. 34.
Arneth 11.

21.
Fonteia, plebeische Familie. Manius Fonteius um 660 (94 v. C'Ízr.).
Av. Zwei Köpfe nebeneinander, belorbeert, Sterne darüber,
(vorne is ‘?)
ly. M/ FOIE. Trireme mit Lenker. Beizeichen nicht wol
erkennbar.
Silber. Веnы (ohne Wertzeichen). Pettau. Vom Bürgermeister Raisp
1842. Joanneum. Cat. 422.
)( Manius Fonteius. Cohen p. 140, Nr. 6 pl. XVIII. Geprägt von Manius
Fonteius aus Tusculum, wo der Dioskurendienst blühete; eben derselbe Quaestor
669, 670, und vorher Triumvir, den Cicero vertheidigte, um 667 (87 v. Chr.)
M. Fonteius war später Praetor und Proconsul in Gallia Narbonensie. Die
Stücke des Capito sind um ein beträchtliches später anzusetzen; um 694
(60 v. Chr.), wie Cavedoni glaubt. Mommsen S. 572. Z. 198. Häufig.
F. (7). Mc. (12). Rf. Fr. C. Sc. Sa. (5). Sf. Eckhel Doctr. V. 214. Cat. II.38.
Arneth 14. -

22.
Furia, patricilsche Familie. Publius Furius Crassipes 667-673
(87-81 ‘и. Chu).
Av. AED. CVR. rechts von oben herab. Weibliches Haupt
(der Cybele), linkssehend, gethürmt, rückwärts Menschen
fuss; rings Punktrand. Hals durchlöchert.
пр. Р. FOVRIVS. oben in, und CRASSLPES. unter dem curu
lischen Stuhle ‚ auf dem Striche stehend ; halbrings
Punktrand.
Silber. Denar ohne Nvertzeichen. Gr. über 5. Gew. 8-51. Erhalten recht
gut. In Pettau ausgegraben, dem Joanneum durch Povoden 1827.
‚»mnлг1ь ц:

201 -1’_.~ï-.

Aedilis curulis )( Publius Fourius Crassipes. Joanneum XIII. 99. Cat. 425.
Cohen S. 146. Nr. 14. pl. XIX. 4. З frcs. Diese schon im 6. Jahrhunderte bei
Livius genannte Familie ist noch unsicher erforscht. Der genannte Crassipes »-.
(auch Crassupes), auf den der dicke Fuss anspielt, war nach Cavedoni der
Vater des Schwiegersohnes des Cicero und eurulischer Aedil im Jahre 670 -‚
(84 v. Chr.). Cпeд. rip. p. 20. 88. Mommsen S. 608. Z. 237. Ueber die Schreib
art Fourius statt Furia, welche die Franzosen mit Vergnügen auch bei den
Römern vorgefunden haben, ergeht sich Cohen in der Revue numismatique 1854 .¿~,
(September- und Octoberheft). Vgl. Mommsen S. 470. Häufig. Mc. (31). Rf‘. Fr.
C. Sc. Coll. Sa. (2). Sf. Mündlicher Mittheilung des Oberstabsarztes Dr. Hönisch
zufolge soll die bei Raisp S. 47 für Pettau erwähnteFnria-Münze nicht ebendaher,
Il
sondern aus Ungern sein. Vgl. Eckhel Doctr. V. Cap. XIII. p. 90. 221. f.
Cat. II. 39 f. Arneth 14. Z. 3. “Í
Il
23.
Dieselbe. Philus 630 [124 v. Chr.).?
Av. M. FOVRI. L. F. Januskopf, belorbeert.
151. P­|LI. ROMA. Rom beflügelt, das Tropäum bekränzend,
1
unten die Schilder, links Hasta.
Silber. Denar ohne Wertzeichen. Leibnitz (Landscha ?). Samm D.
lung Braun.
Marci Fourii Lucii lilius )( Phili. Roma. Cohen p. 146. Nr.13. pl. XIX. 3. Г
Gewöhnlich. Publius Furius Philus war Consul im Jahre 531 (223 v. Chr.) und
_
triumphirte mit Caius Flaminius Nepos über die ligurischen Gallier. Auf diesen .n_.
Vorgänger hat das Tropäum Bezug, weil es aus gallischen Waiîen, wie sie
de Lagoy in seinen Recherches (Aix 1849) erkannt hat. , zusammengesetzt ist.
_. _
Geprägt aber ist die Münze fast ein Jahrhundert später und zwar, wie Cavedoni
glaubt, durch einen Sohn des Lucius Furius Philus , Consul 618 (186 v. Chr.) '
und Münzmeister um 630 (124 v. Chr.) Borghesi dec. 17. 5. p. 39. Der Kopf
des Janus soll auf den Familiennamen anspielen , weil Janus den Foribus cœli
vorstand. Mommsen S. 564. Z. 183. Sehr häufig. Rc. F. (27). Mc. (52). Rt‘. Fr.
C. Sc. Coll. Sa. (10). Arneth 14. Z 5.

24.
Julia , plebeísche und patricische Familie. Lucius Julius Bursio 1‘
1
667-673 (87-81 v. СВ’).
l
Av. Jugendlicher Kopf (Panthea), von rechts , mit Locken
und Binde, rechts Dreizack, das zweite Beizeichen
(Blume, Adlerkopf, Arm, Schild, Fackel o. dgl.) ver i\

schlagen.
lly. L. LVLI. BVRSIO. Victoria mit Quadriga nach links, einen ii
Kranz haltend; unter den Pferden wie KV.; unter dem il
Strich obige Inschrift.
Silber. Denar ohne Wertzeichen. Gr. 11:12. Gew. 3-32. Stark ab мы
gegriiïen. Gefunden um Cili. Aus der ehemals Gadol1a’schen Sammlung.
Joanneum.
Lucius Julius Bursio. Cohen Méd. cons. 155. Nr. 5. 10. 169; tab.
XX. Jul. 5. Buchstaben unter dem Pferd fehlen dort, nur erwähnt. Vgl.
I.
p. 169. Mommsen p. 592. Nr. 222. Not. 377. ad p. 591. Nr. 221. Not. 374.
ll
~ 202

Denar; häufig. Borghesi dec. 6. 8. Cavedoni rip. p. 92. 173. 252. Arneth
15. Jul. Burs. Nr. 192. Arg. Eckhel II. 31. Jul. Burs. Vgl. Nr. 3. 55.
Wellenheim I. 28. Nr. 8757-8767. Joanneum VIII. 26. 19. Von den sehr
zalreichen Münzen dieser berühmten Familie liegen die Anfänge noch stark
im Dunkeln. Lucius Julius Bursio scheint um 670 oder 669 Münzmeister
gewesen zu sein; vielleicht ein College des M. Fonteius von 670 (Mommsen
S. 591. Z. 221), weil dessen Emission der seinigen ähnelt. Der Kopf der
Panthea, welche zu selber Zeit die Beizeichen des Apollon, Neptun, Mercur
trägt, soll auf den thrakischen König Bursaeus anspielen, welcher jenen
dreien Göttern ga-stfreundlich war und einen Sohn Namens Orion erhielt.
Häufig. Me. (167, frisch). Rf. Fr. C. Sc. Coll. Sa. (18). Sf. Eckhel Doctr. V.
227. f. Cat. II. 41. f. A. f. K. œ. G. Q. 1853. IX. 123.

25.
Av. Jugendlicher Kopf nach links , belorbeert und geflügelt,
seitwärts rechts eine linksgehende Diana und ein Dreizack.
Punktkreis.
lì. Victoria in der Quadriga nach links, haltend eine Krone,
im Felde links oberhalb Ё’; unter dem Strich: L. IVLI.
BVRSIÚ. Punktkreis.
Blei? (versilbert ,- tonlos). Denar ohne Wertzeichen. Gr. 12 : 12-5.
Gew. 3-53. Etwas abgegriffen, sonst vollständig. Av. sehr deutlich. Gefun
den um Cili. Aus der ehemals Gadol1a’schen Sammlung. Joanneum.
Cohen Méd. cons. p. 155. Nr. 5. und tab. XX. Jul. 5. sehr ähnlich, unter
die unabsehbare Zal Varietäten einzureihen; dort ohne Beizeichen; ebd. p. 169.
Mommsen p. 592. Nr. 222. Geprägt als Denar, häufig. Borghesi dec. 6. 8. Cave
doni rip. 92. 173. 252. Von Eckhel’s Nr. 3-55 auf pl. II. p. 41-43 keines
ganz gleich. Ameth p. 15. Jul. Nr. 1. (92 R.) Wellenhei1n I. 28. Nr. 1557 bis
8767 keines ganz gleich. Joann. VIII. 26. 22.

26. ‘
Sehr ähnlich , nur als Aversbeizeichen zu Dreizack rück
wärts cin Bogen.
Gefunden zu Leibnitz (Wagna) vor 1847. Sammlung Braun. \Vahrschein
lich das von Knabl in den Schr. d. hist. Vereines für Inner.Oesterreich S. 28
erwähnte Stück. .

27. `
Sehr ähnlich. Dreizack- allein als Beizeichen.
Fundort bei Leibnitz 1848. Mitth. I. 91.

28.
Lícz`m-a, plebeiscke Familie. Lz-cz`m-us Maeer 670-673 (84 bzls
81 1:. Úlwxj.
Av. Joviskopf, rechtssehend, Dreizackspeer schleudernd.
ift-. C. LICINIVS. L. F. MACER. Viergespann mit Pallas,
rechts Hasta, links Schild.
Silber. Denar ohne Wertzeichen. Pettau. Sammlung Hönisch.
: : : ­ ­_­1‘

203

Gaius Licinius Lucii filius Macer. Cohen 182. Nr. 1 1. pl. XXIV. 1. 2 frcs. Caiî
wolfälschlich statt Lucii. Häufig, in Fimden von Mc. (15). Rf. Fr. C. Sc. Coll. Sa. (12).
À .
Sf. (4). Mommsen 507. Nr. 235. Borghesi dec. I. 1. p.8. Diese, zalreich in grosser A
Form aber ohne Verstärkung des Münzfusses erscheinende Münze stammt nach
Eckhel’s Dafürhalten von jenem Historiker Cашe Licinius Macer , welcher, 681 I
Volkstribun, einstimmig der Erpressung schuldig erklärt, unter der Praetur Cicero’s
sich selbst tödtete 688 (66 v. Chr.). Münzmeister mag er Cavedoni zufolge um ì
670 (84), die Zeit der sullanischen Dictatur, gewesen sein. Eckhel Doctr.V. 232. f
Cat. II. 46. Arneth 16. Ein Gleiches bei Dietrichstein in Kärnten vor 1849.

29.
Livineia, plebezlvche Familie. Pulcher, Taurus, Regulus, 739-748
(15_6 ъ‘. вы).
Av. PVLCHER. TAVRVS. REGVLVS. Zwei Hände ver
bunden, den Cadaceus haltend.
Bz. HI. VIR. A. A. А. F. Е; inmitten S. О.
Klein-Bronce. Pettau. Sammlung Hönisch.
Pulcher, Taurus, Regulus )( Trinmviri auro, argento, юге ilando, ferinndo.
Senatíìs consulto. Cohen 188. Nr. 12 pl. LII. Claudia. Gewöhnlich. Unter
Claudius Pulcher, Statilius Taurus und Regulus ist ein Collegium von Münz
meistem zu denken , welches nach 738 (16) prägte und durch 10 Jahre haupt
sächlich in Kupfer arbeitete, ohne den Kaiser, der solches durch den Senat
befahl, zu nennen. Von L. Livineius speciell weiss man nur, dass er 716 mit
P. Clodius M. F., C. Mussidius Longus und C. Vibius Münzmeister war. Regu
lus, der Münzmeister des Augustus, war wahrscheinlich der Sohn dieses Qua
tuorvirs L. Livineius Regulus, welcher das senatorische Münzrecht in der Zeit
der zur Monarchie neigenden Republik um das erste Decenníum des 8. Jahr
hundertes übte. Es soll ein Веnы‘ desselben, den Kopf des Regulus und den
curullischen Sessel weisend , in Santa Anna sich gefunden haben. Dies senato
rische Münzrecht in Silber und Gold hörte 738 auf. Mommsen 741, 744, 658.
Eckhel Doctr. V. 235. f. Cat. II. 47. Arneth 16.

30. ’
Luria, patricische ( Familie. Lurius Agrippa 742 luis um 753 (12
bis um 1 ‘и. ОМ).
Av. LVRIVS. AGRHTA. Ш. VIR. A. A. A. F. F.; in
mitten S. C.
Вы. CAESAR. AVGVSTVS. PUNT. MAX. TRIBVNIC. POT, Augu
stus’ Haupt ohne Kranz.
M. Bronce. Pettau. Sammlung Hönisch.
Lurius Agrippa triumvir auro, argento, веке Bando, feriundo. Senatûs Con
sulto )( Caesar Augustus Pontifex. Dieses wie es scheint unvollständig mit-
getheilte Stück dürfte wol mit der ergänzten Reverslegende (welche sonst ganz
neu wäre) hinauskommen auf Coben’s Stück S. 192 Nr. 1 oder 2, auch Imp. I.
93. Z. 434. 435 mit PONT. MAX. TRIBVNIC. POT. (Pontifex maximus tribu
nicia potestate) pl. LVII. 1. 2. Eckhel Cat. II. 48. Gewöhnlich. Aus dem Um
stande, dass der auf den Münzen erwähnte Kaiser Augustus den Titel eines
pontifex maximus 742 annahm , ist dieses Stück in die Zeit von 742~768 zu l
verlegen. Auf gleiche V\-eise nennen den Kaiser die einzelnen Münzmeister
M. Maecilius Tullus und M. Salvius Otho. Ferner aber wissen wir, dass im letz I
ten Drittel der augusteischen Regierhngszeit die Namen der Münzmeister auf
I ‚
204

den Kupferstücken nicht erweisbar vorkommen ; daher zleht sich der Gesichts
kreis für diese Münzen enger von 742 bis gen 753. Das S. C. weist recht auffallend
auf das dem Senate gebliebene Recht der Kupfermünzung hin , da ihm jenes
für Gold und Silber genommen war; dieses S. C. ist also das eigentliche Kenn
zeichen дек‘ Reichskupfermíinzen gegenüber der Local- und Provinzial
prägung. Mommsen 744. 15. Raisp Pettau p. 47. Eckhel Doctr. V. 239.
Cat. II. 89. Z. 253-257.
31.
Dz'eselbe. Marcus Agrippa 716 (38 ‘и. СМ)?
AV. CAESAR. DIVI. JVLI. F.; Haupt mit spärlichem Bart.
lp. M. AGRIÍPPA. COS. DESIGN.
Silber. Lehndorf bei Cili 1853.
Cœвы‘ divi Julii filius )( Marcus Agrippa consul designates. Diese im
A. f. K. œ. G. Q. XV. 1856. S. 270 angezogene Münze fehlt bei Cohen 192.
Nr. 1-3. pl. LVII. und Eckhel Doctr. V. 239. Dagegen Cohen Imp. I.
87. Nr. 389. Eckhel Cat. II. 80. Z. 22. 93. Arneth 17. v. s. Augusti 37.
Z. 20. 21.
32.
Av. M. AGRIPPA. L. F. COS. III. Gekröntes Haupt des
Agrippa.
B1. Stehender Neptun mit Delphin und Dreizack.
Bronce. (Gr. 2.) Pettau. Sammlung Hönisch.
Marcus Agrippa Luri filius Consul tertium. Fehlt bei Cohen 192.
Nr. 1-3. (und Imp. I. 98) Bezieht sich auf die Seesìege des mit der Schiñ`s­
schnabelkrone belohnten Marcus Agrippa. Eckhel Cat. II. 93. Z. 4. 5. A. 69.
Arneth 44. Z. 4.
33.
Mœcílzh., unbekannte Famzïie. Tullus 742 bis um 753 [12 bis um
1 2’. Uhr).
Av. CAESAR. AVGVST. PONT. MAX. TRIBVNIC. POT.
Kopf, linkssehend.
n'. M. MAECILIVS. TVLLVS. ш. vm. A. A. A. F. F. ;
inmitten S. O.
Mitte1­Bronce. Gefunden zu Leibnitz (Wagna) nach 1847. Sammlung Braun.
Caesar Augustus pontifex maximus tribunicia potestate )( Marcus Maecilius
Tullus triumvir аurо, argento, aere iiando, feriundo. Senatûs consulto. Cohen 194.
Nr. 1. pl. LVII. 1. Gewöhnlich. Ueber den augusteiechen Münzmeister ist nichts
weiters bekannt, als dass er eben wie P. Lurius Agrippa und M.- Salvius Otho
dem Kaiser den 742 angenommenen Titel pontifex maximus gab. Mommsen
744. A. 16. Eckhel Doctr. V. 240. Cat. II. 48. Arneth 17. v. e. Augusto 43. 186.
Cohen Imp. I. 93. Z. 437. 438.

34. .
Marcia, patrzczbcke Famz‘¿íe. Саше Censorz'nus 667-673 (87 bis
81 ‘е’. Chr.).
Av. Jugendlicher gelockter Kopf des Apollon, linkssehend
(vom Stirnbein über die Wange herab mangelnd). Punkt
kreis-Hälfte. `
1
ì

205

H-. Pferd , linksspringend (Kopf fehlt), darunter CENS.;


unter dem Strich ‘P Punktkreis-Hälfte.
Silber. Denar ohne Wertzeichen. Gr. 10. Gew. 3‘21. Av. scharf, Rev.
ziemlich undeutlich. Gefunden bei Cili. Aus der ehemals Gadolla’schen Samm
lung. Joanneum.
Censorinus. Cohen cons. p. 202. Nr. 16, Varietät vgl. tab. XXVI.
Marc. Nr. 6. Gemein. Joann. VIII. 26 24. Die Münze stammt von dem
Anhänger des Marius, Gaius Marcius Censorinus, dem Sohne des Redners
Censorinus, den Sulla mordete. Das Pferd bezieht sich auf die apollinisohen
Spiele, welche durch die Familie Marcia waren zu einer bestimmt wieder
kehrenden Feier erhoben worden (um 542, 212 v. Chr.). Mommsen S. 606.
Z. 233. Denar b, häufig. Mc. (27). Rf. Fr. C. Sc. Sa. (6). Eckhel Dootr. V. 245.
1
f. Cat. Ii. 49. f.

35.
Av. Jugendlicher Kopf mit Stirnbinde und Locken, links
sehend, oben Punktkreis sichtbar.
liz. C. CENSOR. Unter dem linksspringenden Pferde Strich, 1

darunter CD .
Silber. Denar ohne Wertzeichen. Gr. an 11. Gew. 5-13. Ziemlich gut,
etwas verritzt. Gefunden bei Cili. Aus der ehemals Gadollafschen Sammlung.
Joanneum.
C. Censorinus. Cohen cons. p. 202. Nr. 16. Vgl. tab. XXVI. Nr. 6.
gemein, und Joann. VIII. 26. 29 CENSORI häufiger als CENSOR. Mommsen
S. 606. Z. 233. Denar b.

36.
Nœvz'a, plelvez'sche Famzlie. Úaiua Nœvz'zœ Balbus 673-685 (81
bis 69 ‘и. Chr.).
Av. Venuskopf, linkssehend, rückwärts S. C. von oben herab.
Punktkreis.
lì'. C. NAE. BAL. Triga mit Victoria nach links, oben VIII.
Silber. Denar ohne Wertzeichen. Gr. 4 : 5. Gew. 4-01. Erhalten gut,
gezahnt. Feldbach (?), durch die Ackerbaufiliale 1839 dem Joanneum.
Senatûs Consulto )( Caius Nnvius Balbus. Der Münzmeister ganz unbe
kannt. Ein Senator dieses Namens bei Livius im Jahre 586. Mommsen S. 615.
z.251. Häufig. Rf. Fr. с. So. 0011. Sa. (15). sf. (в). Joann. хш. 148. см. 448.
Das Joanneum-Cabinet besitzt von dieser Familie und speciell dem Balbus noch I I
sechs sehr ähnliche Stücke , durchgehends mit dem Venuskopf und der Triga,
jedoch im Rev. mit I, CLIII, CLXIII, CCX und L. Eckhel Doctr. V. 259. Cat.
II. 54. Arneth 20.

37.
Díeselbe. Lucius Surdz'nus 742 bis um 753 (12 bis um 1 v. Chr.).
Av. CAESAR. AVGVSTVS. TRIBVNIC. POTEST. Büste, linkssehend.
ly. L. SVRDINVS. Ш. VIR. A. A. A. F. F. um S. C.
Mittel-Bronce. Erhaltung: Av. viel vernutzt, Rev. gut und ziemlich scharf.
Fundort Pettau. Sammllmg Hönisch,
f

mi
206

Caesar Augustus tribunicia potestate )( Lucius Surdinus triumvir auro,


argento. sere dando, feriundo. Von dieser plebeischen Familie, aus der gewöhn
lich Balbus lmd Capella in Sammlungen vorkommen , erscheint Lucius Naevius
Surdinus im Collegium der Münzmeister Cnaeus Piso und Caius Plotius Rufus,
welches von den kaiserlichen Amtstiteln nur die tribunicia potestas ohne Zal
nennt. Mommsen 744. A. 15. Cohen p. 73. N. 35. und pag. 226 Z. 4. Tab. LX.
8. 2 frcs. Unser Stempel ist unzweifelhaft ein anderer. Wellenheim I. 37.
Nr. 8960.

38.
Наций, Plutia, Рама, plebezlecbe Fa/milie. Publius, Caius Ypsœus
Úousul um 6.96 3 (58 v. Chu).
Av. Amphitritens Kopf mit Diadem, linkssehend , hinten
rechts Traubenhaarbund und ein Delphin, abwärts; rings
ein Punktkreis. (Rechts überreichend, links abgeschnitten,
daher fehlt hier: P. YPSA. S. C.)
li'. Wagenlenker mit Quadrige. nach rechts; Rundschrift
СЕРГГ. ; unter dem Striche С. YPSAE. COS PRIV.
Silber. Denar ohne Wertzeichen. Gr. 11 : 12. Gew. 3‘12. Av. ziemlich
gut, Rev. minder. Gefunden bei Cili. Aus der ehemals Gadolla’schen Sammlung.
Joanneum.
Publius Ypsaeus. Senatûs consulto Caius Ypsaeus Privemum cepit.
Cohen Méd. cons. p. 254 Nr. 78. tab. XXXIII. Nr. 5. Dort besser erhalten. Vgl.
id. p. 256. Mommsen p. 627. Nr. 268. Gepräge b. Borghesi dec. 11. 9. Morelli
Non. 8. Eckhel II. 59. Plaut. Nr. 2. 3. Arneth 22. Plaut. Nr. 1. (Jahr v. Chr. 57.)
Wellenheim I. 40. Nr. 9017. Joann. VIII. 26. 18. Publius Plautius Hypsaeus
schlug diesen Denar während seiner Aedilität um 696 und bewarb sich 702 um
das Consulat. Cavedoni rip. p. 210 ist anderer Ansicht. Der im Rev. angeführte
ältere Plautier ist . . .Venno, der angebliche Eroberer von Privernum 413.
Borghesi dec. 15. 2. Die Münze stellt also den Triumph über Privernum dar;
Eckhel’s Zeôç ’l“Í1fJL-a'ro;, auf das griechische Cognomen anspielend, wird von
Mommsen in Abrede gestellt. S. 627. Nr. 268. f. Not. 469. 470. Eckhel Doctr.
V. 275. f. Cat. II. 59.

39. ~
Porcia, plebeische Familie. Üaius Cato vor 640 (114 v. Сhn).
Av. Pallaskopf behelmt, linkssehend; davor X (rückwärts
gravirt
lì, C. CAT. Biga mit Victoria nach links ; unten die
Inschrift.
Silber. Denar mit Wertzeichen. Gr.10. Gew. 3‘55. Ziemlich gut. Ge
funden bei Cili. Aus der ehemals Gadolla’schen Sammlung. Joanneum.
Caius Cato. Cohen cons. p. 269. Nr. 4. Vgl. tab. XXXV. Porc. Nr 4,
gemein. Joann. VIII. 26. 23. Vor Sulla kein anderer Porcier als C. Porcius.
M. F. M. N. Cato, Consul 640. Der Denar aber reicht weiter zurück.
Cavedoni’s Hostilius Cato passt nicht. Mommsen S. 518. Z. 94. Not. 174.
Häufig. F. (7). Mc. (31). Rf. Fr. C. Sc. Coll. Sa. Sf. Eckhel Doctr. V. 285. f.
Cat. II. 62.
207

40.
Dz'eselbe. Marcus Сто, Рторгшгот um 660 (94-.92 v. C'hr.?].
Av. Kriegerkopf mit Helm, linkssehend; nach dem Rande
abgewetzt erscheinend (eigentlich Kopf der Freiheit mit
Stirnband , daneben ROMA , links herauf die Legende
M. САТО. PRO. РВ.)
Не. Genius mit Flügel, sitzend nach links , unter dem Strich
VICTRIX. Strichelrand.
Silber. Denar ohne Wertzeichen. Gr. 10, Gew. 343. Erhaltung
(Figuren) gut. Gefunden bei Cili. Aus der ehemals Gadolla’schen Sammlung.
Joanneum.
Marcus Cato Propraetor. Roma Victrix. Cohen cons. p. 270. Nr. 7. tab.
XXXV. Porc. Nr. 7. 3 frcs. Joann. VIII. 26. 30. Vgl. Mommsen S. 572. Z. 197.
Marcus Cato ist ohne Zweifel der Vater des Uticensis, nach 659 und vor 663 um
die Praetur sich bewerbend; auch ähneln die unmittelbar nachfolgenden Denare
des Helden von Utica jenen seines väterlichen Vorgängers. Des Münzmeisters
Grossvater, der ältere Cato, Sieger in Hispanien 561, widmete der Victoria virgo fiar*
einen Tempel. Dahin der Revers. Häufig. F. (32). Me. (25, schön) Rf. Fr. C. Sc.
Coll. Sa. (2). Abgestempelt mit IMP. VES nach Borghesi dec. 3. 8. Restitution
von Trajan, Ё

r
41.
Sehr ähnlich. M. CATO PR.
Gefunden zu Leibnitz (Wagna) vor 1847. Sammlung Braun. Schriften d.
hist. Ver. f. Inn. Oest.

42.
Postumía , patrzbísche Familie. Саша Postumz'us Albz'nus 680--704
(74-50 ‘д. ОМ}.
Av. Dianakopf, Köcher und Bogen rückwärts vorstehend,
Zeichen auf Haupt und Kinnbacken.
‘р. C. POSTVMI. Ã. Hund laufend, unten Lanze.
Silber. Denar ohne Wertzeichen. Gefunden bei Cili, durch die Acker
baufiliale 1834 dem Joanneum.
Caius Postumius Ta . . . . oder At .. .. Cohen S. 272. Z. 8. pl. XXXV.
7. 2 frcs. Der Stamm unbekannt; ob Ta oder At zum Namen gehöre, unent
schieden. Die Familie lebte dem Cultus der Diana. A. Postumius Albus, der
Sieger am Regillersee, hatte die verheissene Unterwerfung Latiums durchge
führt. Eben darum waltet auf den Münzen dieses Geschlechtes die Diana vor.
Mommsen S. 617. Not. 442 und S. 644. Z. 294. Häufig. Fr. C. Sc. Coll. Sa. (6).
Sf. (2). Eckhel Doctr. V. 287. Cat. II. 63. Arneth 23. f.

43.
Quínctzìz, pa1?rz‘cz-scÍze und plebeische Familie. Úrzhpzhus vor 742
(12 ‘и. Úlmj.
Av. T. CRISPINVS. III. VÍR. A. A. A. F. F.; inmitten S. C.
ty. AVGVSTVS. TRIBVNIC. POTEST. innerhalb eines
Kranzes.
Mittel-Bronce. Pettau. Sammlung Hönisch.
208

Titus Crispinus triumvir auro, argento, aere fiando, feriundo. Senatûs con
sulto )( Augustus tribunicia potestate. Cohen S. 277 Z. 12. pl. LXIV. 6. 2 frcs.
Imp. I. 95. Z. 454. T. Quinctius Crispinus Sulpicianus zält mit C. Asinius
Gallus, C. Cassius Celer, C. Gallius Lupercus und Ti. Sempronius Graccus zu
jenen sechs einzelnen Münzmeistern, welche von den kaiserlichen Amtstiteln
nur die tribunicia potestas ohne Zal nennen. Da der Pont. Max. fehlt, so ist die
Münze vor 742 anzusetzen. Mommsen 744. Nr. 15. Raisp, Pettau p. 47. Eckhel
Doctr. V. 290. Cat. II. 63. f. Arneth 24.
44.
Renia, plebeische ( Familie. Саша Renz'us vor 570 (184 ‘и. Clary Р
Av. Pallaskopf behelmt, linkssehend, davor X.
liz. C. REN. Biga von Böcken mit Juno caprotina nach links ;
unter der Inschrift Strich, PM/\ (Roma).
Silber. Denar mit Wertzeichen. Gr. 10. Gew. 3-92. Av. gut, Rev. etwas
abgenützt; angeschnitten. Gefunden bei Cili. Aus der ehemals G'radol1a‘schen
Sammlung. Joanneum.
Caius Renius. Roma. Cohen cons. p. 278. Nr. 1. tab. XXXVI. Nach
Cavedoni vor 570 a. u. c. Mommsen 519. Z. 95. Wellenheim I. 44. Nr. 9093.
Joann. VIII. 26. Die Familie nicht weiter bekannt, aber vielleicht dieselbe der
Rennii in der Kaiserzeit. Borghesi dec. 7. 3. Die Ableitung von dem griechi
schen Glossenwort ‘p~ŕ)v (Schaf) traut Mommsen den Alten nicht zu. S. 519.
Z. 95. Häufig. Rc. F. (11). Mc. (23). Rf. Fr. C. Sc. Coll. Sa. (9). Sf. (2). Eckhel
Doctr. V. 291, f. Cat. П. 64.
45.
Rubría, plebefsche Famz‘lz-e. Dossenus, Prœfect 667-673 (87 bzh
81 ‘д. Chr.).
Av. Bärtiger Kopf des Jupiter, belorbeert, linkssehend; rechts
Scepter, herab DOSSEN.; rings Punktkreis.
13,'. Kleine Victoria auf grosser Quadriga (Tensa) mit Blitz
bündel nach links, unten L. RVBRI.
Silber. Denar ohne Wertzeichen. Gr. 11. Gew. 2.94. Etwas abge
griffen; eingeschnitten. Gefunden um Cili. Aus der ehemals Gadolla'schen Samm
lung. Joanneum.
Dossenus )( Lucius Rubrius. Mommsen p. 603. Nr. 231. Gepräge a.
Not. 404. Häufig. Cohen Méd. cons. p. 280. f. Rubr. Nr. 1. tab. XXXVI.
Nr. 1. 2 frcs. restitut. Traj. ib. tab. XLV. méd. 10. 300 frcs. Borghesi
dee. 16‘6. Eckhel II. 64. Rub. Nr. 3. 4. Arneth p. 24. Rub. Nr. 2. 3 arg.
Wellenheim I. 45. Nr. 9102. 9103. Joann. VIII. 26. 20. Mommsen muthet auf
den Senator L. Rubrius, welcher nach Caesar in Confinium 705 gefangen
wurde. Häufig. Mc. (50, schön) Rf. Fr. C. Sc. Coll. Sc. (12). Sf. Von Trajan
restituirt. Eckhel Doctr. V. 296. f. Cat. II. 64. f.
46.
Salvia, plebezl¢che.Famz-lz-e. Salvz'us Otho ит 742-753 (12-1 v. Chr).
Av. CAESAR. AVGVSTVS. PONT. MAX. TRÍBVNIG. POT.
Augusts Haupt ohne Kranz.
‘у. M. SALVIVS. OTHO. III. VIR. A. A. A. F. Е; in
mitten S. C.
Bronce. Pettau. Sammlung Hönisch.
и
'. ­1.¿~­-­-an i

209

Caesar Augustus pontifex maximus tribunicia potestate )( Marcus Salvius


Otho triumvir auro, argento, aere flando, feriundo, senatûs consulto. Cohen S. 283.
Z. 2. 284. Z. 3. Imp. I. 96. Z. 461. 462. 2 frcs. Marcus Salvius Otho, der "Ãç¿‘_‘­
eff..
A‹
Grossvater des nachmaligen Kaisers, war Tríumvir und wie M. Maecilius Tullus
und C. Lurius Agrippa einer jener einzelnen Münzherren, welche auf ihren
Stücken den Kaiser den 742 angenommenen Titel Pontifex max. geben und es
gilt von ihm, was von Lurius Agrippa. Aber er setzt auch die tribunicia
potestas bei und zält daher gewissermassen auch zu M. Sanguinius und P.
Licinius Stolo und den sechs einzelnen Münzmeistern C. Asinius Gallus, I
C. Cassius Celer, C. Gallius Luperus, T. Quinctius Crispinus Sulpicianus, Ti.
Sempronius Graccus, welche des Kaisers trib. pot. ohne Zal aber auch ohne
Il
den Pontifextitel (daher vor 742) ansetzen. Mommsen 744. Nr. 15. Eckhel Doctr.
V. 299. Cat. II. 65. Arneth 25. s. Augusto 43. Z. 178. ai
47. 3?
Sanguinia , unbekannte Familie. Marcus Sanguinius, Sohn des
r
Quintus, vor 742 (12 zu СМ‘). I'
au
Av. AVGVSTVS. TRIBVNIC. POTEST. innerhalb eines
Eichenkranzes. I1
lì. M. SANQVINIVS. Q. F. Ш. VIR. A. A. A. F. F.; in
tft
mitten S. C.
Mittel-Bronce. Leibnitzer Feld 1848.
39:11’
­.v.
Augustus tribunicia potestate Marcus Sanquinius Quinti lilius triumvir
auro, argento, aere dando, feriundo. Senatûs consulto. Cohen S. 285. Z. 4. pl.
LXV, 1 frcs. 6. Imp. I. 97. Z. 467. Mitth. I. 91. A. f. K. œ. G. Q. 1853. IX. 123.
In Braun‘s und Harbs Sammlung fehlt überhaupt die Familie Sanguinia. Das
Stück in Knabl’s Sammlung ist ein anderes: M. SANQVINIVS. III. VIR.
A. A. A. F. F. )( [AVGVSTVS] TRIBVNIC. POTEST. Caput Augusti nudum.
So dürfte es wol unter den zweien des Joanneum zu suchen sein. Marcus
Sanquinius nennt wie P. Licinius Stolo und sechs einzelne Münzmeister von 1‘
den kaiserlichen Amtstiteln nur die tribunicia potestas ohne Zal. Mommsen
S. 744. Not. 15. Eckhel Doctr. V. 299. î. Cat. II. 65. Vgl. Arneth 25. s. Augusto
43. Z.174.192. 41. Z. 107. Г
48.
Titia , plebeische Familie. Quintus Titius 665-670 (89 bis E
84 1:. Uhr).
Av. Weiblicher Kopf mit Stirnbinde , linkssehend , geziert
mit Epheublättern (Bacchantin).
lt. Pegasus nach links, neben dem Schweif wie V, auf einem
Postament, darauf Q. TlTl. lr
Silber. Denar ohne Wertzeichen. Gr.l1:12. Gew.3-71. Etwas abgegriñen.
Gefunden bei Cili. Aus der ehemals Gadollafschen Sammlung. Joanneum.
Quintus Titius. Cohen Méd. cons. p. 313. Titia Nr. 2. 2frcs. tab.XXXIX.
Titia Nr. 2. Cavedoni rip. 200. Mommsen p. 583. Z. 213. Denar b. gibt das ‚ф‘
‘в’
2*“
Jahr 665-670. Gallischer Typus nach Borghesi dec. 11. 2. p. 13. Fabrik sehr
roh. Sehr häuîig. F. (400). Mc. (70, frisch). Rf. Fr. C. Sc. Coll. Sa. (15). Sf. (5).
Trajanische Restitution. Eckhel I. 71. Nr. 1. 2. Ameth p. 27. Nr. 2. Wellenheim
I. 51. Ni. 9232. 9233. Joann. VIII. 26. 16. Vgl. VIII. 26. 15. Dieser Titier,
senatorischen Stammes seit dem 7, Jahrhunderte, weiters nicht bekannt. Eckhel
Doctr. V. 325. Cat. II. 71.
14 È.
34
210
,___l_.._.

49.
Av. Bärtiges Hau t, linksschauend, mit geflügeltem (‘Р) Diadem,
Band neben dem Halse.
Ik Pegasus, aufspringend nach links , auf einem Postament
darauf Q. TITI.
Silber. Denar ohne Wertzeichen. Gr. 11. Gew. 3-49. Gleichmässig
abgegriffen. Gefunden bei Cili. Aus der ehemals Gado1la’schen Sammlung.
Joanneum.
Quintus Titius. Cohen Méd. cons. p. 313. Titia Nr. 1. 2 frcs. tab. XXXLX.
Tit. 1. Restit. Ты]. 300 frcs. Borghesi dec. 11. 1. 2. Mommsen p. 583. Nr. 213.
Denar a, gallischer Typus, sehr häufig. Eckhel II. 71. Tit. Nr. 1. Arneth 27. Tit.
Nr. 1; nur D statt Q. \Vellenheim I. 51. Nr. 9230. 9231. Joann. VIII. 26. 17.

50.
Víbia , plebeísche Familie. дате Vz‘bíua Pansa 665-670 (8.9
bis 84 v. Uhr).
Av. PANSA. Apollons Haupt , linkssehend , belorbeert , in
der Wange eingeprägt G und Blume; nächstbei Zweig.
lì. C. VIBIVS C. F. Quadrige. mit Pallas, rechts kleine
Trophäe, links Lanze.
Silber. Denar ohne Wertzeichen. Gr. 4. Gew. 346. Erhalten gut. Dem
Style nach eher eine keltische Imitation. Tüñer, durch Decan Ballon 1839.
Joann. XIV. 77. Cat. 488.
Pansa Caius Vibius. Ceд! ñlius? Vgl. Cohen S. 329. Z. 3-5. pl. XLI.
З. 4. 5. Mommsen S. 585. Z. 215. Denar a. Ohne Zweifel der Vater des Vibius
Pansa, Consul 711, geächtet nach Dio Cassius im Jahre 672-673. Sehr häufig
F. (46). Mc. (323, schön). Rf. Fr. C. SC. Coll. Sa. (30). Sf. (11). Eckhel Doctr.
V. 339. f. Cat. 74. f. Arneth 29.

Incerti.
Diese von Ursini , Vaillant, Morelli geschalïene , aber schon von Eckhel
nur für schlecht erhaltene und unleserliche Stücke bestimmte Classe müssen wir
insoferne bestehen lassen , als uns Nachrichten, sie zu beseitigen , fehlen. Vgl.
Eckhel Doctr. V. 345. 346.
Hieher Leibnitzer Broncestücke, der Obolus aus St. Peter am Ottersbach
nächst dem Greinhof im Gehölz des Scharflinger (wol eine Kaisermünze,
Mitth. X. 192) u. a. `
Reihenfolge ausserhalb der Gewichtstücke: Aelteste Münze Cœlia Z . 15;
folgt Z. 44, 23, 39, 14, 21; 40 mit 41; 48 (mit 49, 50), 12 (mit 17, 20,24, 25,
26, 27, 34, 35, 45, dichteste Vertretung), 28, 22, 36, 18, 42; 6 mit 38; 16, 11,
19, 13, 31, 32?; 7 mit 8,29; 30 (mit 33, 37, 46); 43 mit 47; endlich 9 mit 10,
jüngste, Asinia.

Am Vorkommen aegyptischer Ptolemaeermünzen zwischen


Save und Drave ist - иш dieses hier anhangsweise zu er
wähnen - wie Croatien auch Steiermark mit dem Funde von
Hohenmauten bei Mährenberg betheiliget. Von Pettau ist hier
211

entschieden abzusehen und daher zu berichtigen, was Mommsen


(694. A. 94) nach Knabl (Mitth. II. 183) berichtet; die Ptole
maeer der bedeutendsten Sammlung (Hönisch) zu Pettau stam
men nicht von dieser Stätte selbst. Aber auch noch nörd
licher (wie im Ost zu Mühlbach in Siebenbürgen), zu Leibnitz
nämlich , ist diese Münze nachgewiesen worden und hier,
wenn wir nicht irren, zuerst und zwar aus einem geöffneten
Grabe durch Hauptmann Braun (vor 1847). Hierselbst ganz
vereinzelt, erschien sie in bedeutender Anzal 1850 zu Hohen
mauten bei Mährenberg, hart nördlich an der Drau. Als man
nämlich im Spätherbste die mittelalterige Hochstrasse umlegte
und zwar in die altrömischen Geleise, stiess man auf einen
Inschriftstein und acht Fuss unter der Erde auf eine säulenartig
aufgeschichtete Masse von Dickbroncestücken. Diese waren nicht
durchgehends gleich. Die Arbeiter griffen zu und das Meiste
wurde verschleudert. Wartinger, welcher am 9. December hier
eintraf, fand nur mehr wenige vor, welche sich als nicht weiter zu
bestimmende Ptolemaei incerti (317-30 v. Chr.), in grossen Massen
allenthalben verbreitet und nur in Monogrammen, Buchstaben und
SiglenWechsel bietend, ergaben. Lediglich zwei Stück kamen in's
Joanneum , dem k. k. Cabinete aber flossen aus den genannten
Funden durch Al. Kottek vier Stück zu. Die einzelnen Ver
schiedenheiten des hohenmautener Fundes nachzuweisen, wird
wol kaum je mehr möglich sein; in Betreff des leibnitzer
Stückes ist auf Ptolemaeos VIII. oder IX. gemutet worden. Wie
sind nun diese Münzen, einem fernen afrikanischen Lande ent
stammend, in unsere Gaue gekommen? Viel wahrscheinlicher
durch die weite Erstreckung des norischen Handels mag sie in’s
Land gewandert sein, als durch die Krieger jener steininschrift­
lich öfter genannten fünfzehnten Legion (legio Apollinaris),
welche nach Schluss des Zuges gegen Juda (71 n. Chr.) über
Alexandria, wo Titus blieb, heraufwärts nach Pannonien zurück
kam. (Josephus fl. bell. jud. VH.) Auch als Soldgeld für die in
Pannonien und Noricum stationirten, aus syrischen Feldzügen
heimgekehrten Heere unter Marcus Aurelius, Vespasianus oder
Septimius Severus möchte sie nicht anzunehmen sein. Denn
dann müssten, wie Pratobevera hervorgehoben hat, auch Ale
xandriner, das sind die römisch­kaiserlichen zu Alexandria
für Aegypten durch drei Jahrhunderte geprägten Münzen, welche
wol noch häufiger coursírten als die älteren der Könige, mit
heraufgekommen sein. Nun aber habe man thatsächlich einen
solchen Alexandriner in Steiermark nirgend aufgegraben und
der nahezu 200 Stück in der Sammlung des Joanneums sei
14*

“ `V——.­m_-
I" 7_.__._..ì
212

kein einziger aus steierischem Boden. Das leibnitzer Stück


(Mitth. IV. 67. Note) oder vielmehr deren zwei sind thatsächlich
nur Ptolemaeer, wie auch Mommsen anfúhrt (694. Not. 94). Hie
gegen glauben wir erwähnen zu müssen, dass man Alexandriner
von Philippus, Probus und angeblich auch Elagabalus auf dem
pettauer Felde allerdings aufgegraben hat.
Für die Ptolemaeer-Münzen erscheint das folgende Bild
massgebend; nur ist die Deutlichkeit der Typen, der Legenden,
sowie die Dicke des Crussstückes und zuweil konische Form ein
und das andere Mal verschieden; ein andermal hinwieder zeigt
sich auf Avers und Revers eine runde Vertiefung, wie durch
Umdrehung der Münze um ihren Mittelpunkt erzeugt. Ein
hohenmautener Stück hat im Felde des Reverses rechts eine
Einprägung (Füllhorn). Die Grösse von 7 bis über 10.
Av. Jupiter Ammons Kopf mit reichgelocktem Haupthaar,
linkssehend.
Py. II'I`OAElVlAloY. BAÉIAEQE. Aar , linksgewendet , die
Flügel ausgespannt , zurücksehend , Monogramm oder
Münzzeichen zwischen den Beinen.
Vorfindig, wie bemerkt, im Joanneum (2), kais. Cabinet (4), Sammlung
Braun(2), Pu1I(2), Robitsch. Die übrigen verstreut. Oesterr. Corresp. 185
vom 24. Nov. Nr. 322. S. 1288. Archiv f. K. ö. G. VI. 1851.
S. 221. Mitth. II. 183. IV. 66. Mommsen 694. Note 94. Schriften des
hist. V f. Innerösterreich. 27. Vgl. Eckhel Doctrina IV. 24. 25.
Von den zalreiehen Münzstücken der Brettier (Bruttii)
in ihrer letzten autonomen Zeit , wie sie , namentlich das Klein
silber (Gewicht des goldenen Hundertlitrenstückes), vom mächti
gen Rom in freier landschaftlicher Entwickelung belassen wur
den, und in die Zeit bis vor 538 der Stadt reichend, hat ein
Denkmal den Weg von den sicilischen Marken bis in unser
Alpenland nachweislich gefunden.
Av. Behelmter Mannskopf.
Py. BPETTIQN. Minerva, schreitend mit Schild und Lanze.
Unterhalb das Monogramm 4k.
Bronce. Gr. Hohenmauten. Seidl. A. f. K. ö. G. Q. 9. 1853.
S. 126. Mommsen 694. Not. 94 (vgl. 88. 93. 94. 109. 129. 130. 326.
328. 330). Eckhel Doctr. I. 166. f. ’
Es ist dies diejenige den Ptolemaeerfund begleitende
brettische Münze , welche Mommsen S. 694 Note 94 erwähnt
und ihr die mögliche Nähe später Kaisermünzen abspricht.
Von der campanischenKupferprägung, seit der zweiten Hälfte
des fünften Jahrhundertes Roms ungleich massenhafter als die
achaeische und tarentinische, fast gleichartig in den calenischen,
suessanischen, anserninischen, compulterinischen, tranischen und

213 Ё
"S„ъ г?
|.ъ
neapolitanischen Stücken, haben sich ganz wenige Stücke dic Bahn 'I
in norisch­pannonisches Gebiet gebrochen. Soviel sich zum Wenig ~ "inь—ц
~.
sten aus der Stätte von Petovium nachweisen lässt, ist das campani
sche Localgeld (Litren, Halblitren, 50 ncapolitanische auf ein
-~
Didrachmon) über seine landschaftlichen Gränzen und Mittel
italien hinaus nordwärts bis an den Dravus gedrungen, und es ё.
I
steht nichts entgegen, derlei Funde auch in den Gebieten von
fi.
Celeja und Virunum zu vermuthen. Zu bedauern bleibt nur stets,
dass Nachrichten hierüber so gar verschollen sind. Wir ver
zeichnen hier fünf Stück von Neapolis, sowie eines, etwas jünger in
und wol aus dem 6. Jahrhunderte, von Teanum, endlich ein
Romastück von campanischem Gepräge. È.
1.
Av. NEOIIOAITQN. Kopf Apollons, rechtssehend, belorbcert. r1ттг
fvт‘p"y­rw­rfrf
li-. NEoIIoAITQN ? Stier, n1enschenköpfig(?), linksgehend,
darüber der geflügelte Genius.
Vier Bronce­Stücke. Gr. 3, 4, 4-5. Gew. 2-4, 4, 5-6, 5­8. Styl vorzüglich.
Erhaltung: stark abgenützt. Fundort Pettau. Sammlung Hönisch.
Von den Beizeichen Diota, Vase, Kreis, Schiff, Lyra und Buchstaben
nichts zu erkennen. Vgl. Mionnet I. 119. 196. 120. 204.247. 341. 247. 329.
Eckhel Cat. I. 17. f. Doctr. I. 112. f. 129. Rasche Lex. III. 1. S. 1140. Wellen
heim I. p. 25. Nr. 464-475.

2.
Av. Kopf (Apollons ?), mit Stirnband, linkssehend.
lì'. NEoIIoAlTS2N. Stier, linksspringend, Vorderhälftc.
Bronce, dick. Gr, 3. Gew. 5-6. Erhaltung mittelmässig. Fundort Pettau
(Ragosnitz). Sammlung Hönisch.
Mionnet I. 248. 349. Wellenheim I. 25. Nr. 476. Mommsen 117. 118.
A

3.
Av. Fast unkenntlich. (Pallaskopf, linkssehend ?) ё
lì'. TIANO? oder .ENAF. Hahn, linkssehend, über dem
stark beíiederten Schweif Stern achtstrahlicht.
r
Bronce. Gr. 45. Gew. 5­7. Erhaltung: sehr vernutzt. Fundort Pettau
(Ragosnitz). Sammlung Hönisch.
I'
Aehnliche Stücke prägten die Münzstätten zu Cales, Suessa, Caiatia,
‘~­~
|
Aquinum, Telesis.. Mommsen 117. Der Hahn ist übrigens auch Neapolis eigen. lr
Vgl. Mionnet I. 126. 269 oder 271. Hunter tab. 62. 10. Eckhel Cat. I. 19.
Dobtr. I. 117. Rasche V. 1. S. 707. Wellenheim I. 26. Nr. 499 oder 503 , jenes
R4, dieses R5.
l
4.
Av. Kopf, männlicher (Hercules, Apollon ?), rechtssehend,
r
belorbeert.
lp. ROMA? Pegasus, rechtsspringend.
Bronce. Gr. 4. Gew. 3-5. Erhaltung: sehr vernutzt. Fundort Pettau
i
(Ragosnitz). Sammlung Hönisch.
5.
\”
214

wonnen 1. ass. 410. „ш 1. 313. 929. oder mit ETPAKOEIQN im Av.


1. 446. 623. Eckhel Cat. I. 40. Z. 53. f. Wellenlleim I. 27. Nr. 514. R’. oder
1. 51. Nr. 1116. 1. 50. Nr. 1086. 1087. 1688.
Die sicilische Geldströmung, Silber oder schweres Kupfer,
Kupfer älterer oder späterer Reduction, dem Litrensystem fol
gend, von Syrakus auch auf Korinth Einfluss nehmend, durch
aus aus dem gewogenen Pfunde (Litra , 2/3 des römischen,
10 Kupferlitren : 1 Sesterz) hervorgegangen, hat seit der römi
schen Unterjochung (513 und 544 der Stadt) und mit der
Republik selber abschliessend, einige Stücke in die Donauländer
getragen. Nur zwei sind uns bekannt.
1.
Av. Kopf des Zeus Hellenios, belorbeert, rechtssehend.
ф. STPAKOEIQN. Adler auf Blitzbündel, rechtsgewendet;
rechts Stern oder Zweig ?
Bronce. Gr. an 6. Gew. 11‘4. Styl sehr edel. Erhaltung: Av. gut, Rev.
mittelmässig. Fundort Pettau. Sammlung Hönisch.
Mit AlÜ2.HAAANl01` im Av. Eckhel Cat. I. 39. Z. 80. f. Doctr. I.
241. f. Mionnet I. 443. 594. VVel1enheim I. 50. Nr. 1101.

2.
Av. ETPAKoÉIQN ‘? Kopf, weiblicher, rechtssehend.
15,'. Stier, den Kopf vorgesenkt, rechtsgehend.
Bronce. Gr. 4-5. Gew. 4.7. Erhaltung: sehr vemutzt. Fundort Pettau.
Sammlung Hönisch.
Von Beizeichen, wie Kreis, Delphin, Monogramme weiter nichts erkenn
bar. Rasche V. 1. S. 279, bes. 359. f. Mionnetl. 305. 843. WellenheimI. 51. Nr. 118.
Nachdem wir nunmehr keltisches, griechisches, aegypti
sches Gebiet durchwandert haben, halten wir an vor dem Por
tale des durch Caius Julius Caesar begründeten römischen
Kaiserreiches. Mit dem ,ersten und doch auch einzigen Impe
rator Caesar‘, in dessen weltverjüngenden Planen die Allgleich­
stellung in Mass und Gewicht lag, eröffnet sich der breite Strom
der Reichsmünze, das Gold beherrscht wie vormals unter Ale
xander dem Grossen so eigentlich wieder die Welt, und das
Kennzeichen der Monarchie, des Herrschers Haupt, tritt uns
seit seinem ersten Erscheinen im Jahre 709 der Stadt tausend
fach aus fast anderthalbhundert Fundorten der Steiermark ent
gegen. Der reiche numismatische Segen, der, nahezu das letzte
Mal in solcher Dichte unterhalb der Donaugränze auftretend, die
Schollen steierischer Erde begleitet (sei es nun als vergrabener
Schatz, sei es als Zollgeld oder Todtengabe) ,­ er überspannt fast
vierzehn Jahrhunderte und nachdem er gänzlich geendet, quillt
ein neuer Born im Vaterlande aus der einheimischen Prägung.
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BEILAGEN.
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Beilage I.

Keltische Sprachdenkmaler 111 Steiermark.

l.Verzeichniss steierische: 0rts­ and Stammnanen aus Schriftquellen. m

Durch Heraushebung des Wichtigsten soll zur Erforschung der ältesten ё


einheimischen Wortwurzeln, insofcrne sie in Stein- und Buchinschriften über
liefert sind, angeregt werden. Es wird in dieser wie in den nächsten Classen в
durch nachfolgende Aehrenleser manches auszuscheiden sein, was dem römi
schen und anderem Gebiete angehört, manches einzuheimsen, was letzterem .F
bisher mit Unrecht zugetheilt wurde.
ADB.ANische Alpen. Drauberg, Trojanaberg. Terstenjak, der die Drau von dru
(laufen) leitet, deutet Adran als etwas nicht Laufendes an !
ADRANs. Ort. St. Oswald auf dem Drauberge. Katancsich. Orb. antiq. I. 309. ??"*lf“‘
rv?)
Gott Atrans auf dem görzer Steine. Was Terstenjak’s dar, dur (Stier)
hier soll, ist nicht ohne Gewalt einzusehen.
ALPes. Oberitalien, Gallien. alb, steil. Zeuss 78.
ANi ? Ort. Radstadt ?
ANi? ANISus ? Fluss Enns. Kat. 278. Spanien Anas, Britanien Ansa.
ARABo, ARRABo. (Narabon u. dgl.) Fluss Raab. Kat. 298, 304. Kelt. ar, stark.
Gallien und Helvetien der sanftiiiessende Arar, Araris, Ararius ; Frank
reich Rabette; Spanien Araceli, Arabriga; mlat. Rapa, Hrapa, Rahа;
cambrisch araf, mitis. Zeuss 14, 751; Deutsche 243; Mone 13, 204; ё
Koch 44. Ob der Fluss, wie Агаr und Sauconna, auch nach keltischer Е.
Sitte einen zweiten Namen trug, ist nicht bekannt. Rhätisch­ norische
Flusenamen, in Gallien wiederklingend, sind nebenbei noch: Isarcus, Ё‘
in Gallien Каrа; Glan , Gallien und Viudelicien (Наша, die Helle.
‚‚‚
Terstenjak’s rah (fliessen) mag als spätere Uebersetzung in's Slavische
zutreffen. ‚г
AR.AVISCi, ERAVISCi, ’Apaßlcxon Stamm; nach Holtzmann wie beiAn‘ovist
(Arioviscus) vielleicht Aravisi, die Führer (wîsi) an der Ar, welches doch
wie in Arar, Rar ‘1. s. w. die Wurzel ist, da Abo, Abu (sieh Namen
ABVAT) auch Zusatz ist. Zeuss 775; Deutsche 257; Mone 204. Büdinger
S. 18. A. 2. Vgl. die RAVIS-Münze.
Baßávaroc, ’Aßávaroç Skordisker­Führer bei Athenä.us,viclleicht ein ATEGNAT,
ADNAMAT (vgl. die Namen). - "“*.’*.T1
S""‘¥`
BOIì , Bofoz. Stamm, ursprünglich in Gallien. Boii, Boates in Gallia Lug
dunensis, irisch bagh, Kampf, oder bw, Furcht. (Sieh Namen BOI.) Zeusß
Deutsche 244; Contzen 47; Koch 46; Lel. 37; G. 128. Büd. Exc. 2.
218

CARNische Alpen. Carnuntum, Carnus. Gallien: Carnutes, Carnutum, Car


nuntomagus, Carantonus, Caruntelus, Gott Cernunnos. Carn bei Hesych
und Homer ein Horn; britisch corn. Diefenbach, Doc. 103; Bullet. mé
moire sur lang. celt. II. 274. II. 131, 320; Contzen 54; Koch 29, Not. 11.
Cairn, carn, cor, auch semitisch (nach Koch) сан), Provinz, Fels; daher
alle Kahr, Horn, Koralpe. Vgl. Zeuss Carantius 759, 770; Carantonus
5, 6, 15, 187; Carentomagus 187; Cornovium, Comavii 799. Britanien
Carnavii, Karnones, Carnubia, Camcabal. Frankreich Carnac. Brandes
59, 259, 297; Mone 200; Zeuss, Deutsche 24S;Le1. 37. Terstenjak’s
gleichbedeutendes kar beweist nichts näher.
CEI.eia, CILeia, ClLia, CELia, Kélela. Adj. CELensis. Ort. Cili, slovenisch
Zelje. Kat. 295. Nach Mone 57, 150, 250 von ci-lia, Kleinwasser , wie
die schweizer Cihl. Zeuss D. 241. Terstenjak’s indische, heilende Göttin,
von celiti (heilen) ist eine unheilbare etymologische Wunde. Das
cambrische cel , cil, cill, Wohnort, Versteck , Zufluchtsort , wie das
lateinische cella, schottische Kill, deutsche Keller. Cilumum, britischer
Ort bei Zeuss 740. Ein Zeleja im Pontus und eines in Lycien, wichtig
für das Herkommen unserer Keltenstämme. W. Jahrh. d. L. Bd. 115.
S. 10; 102, з.
CЕЬТЮ, Kélrrau, Kelœol, älteste Form bei Herodot. Die britische Sprache ohne
alle VVurzel; das griechische ,Flüchtlinge‘ nach einem Cylidd, cilíad un
brauchbar; erhalten im Altsächsischen als Helith, Mann, Mensch und
nach Leibnitz und Holtzmann irrig unser ,Held.‘ Für l`aÄá‘rau. und Galli
am sichersten das irische gal (Wañe) nach Zeuss und Contzen; zufolge
Holtzmann sogar hier der Uebergang zu Gautar, Gothi. Hiegegen Mone
236 H. Aeusserste Wurzel das phönizische Galuth, die Ausgewanderten.
Sickler Geographie 31; Lel. 31.
CETischss Gebirge, Kérrov öpoç. Мышей 111. 612. Schmidl in Sitzb. d. Akad.
der VV. 1856, XX., 338. Nicht der Kahlenberg. Cetobrica in Spanien,
noch zur Westgothenzeit. Cot, coet, coat, coit, cuit, Wald; daher Zetz
bei Weitz, Kötsch und Oberkötsch, Kötschwald und die obersteierîsche
Waldmarch. Vgl. den Namen CETTus. Mone 102; Koch 84. Terstenjak’s
cet vom Sanskritischen kat (durchbohren) holt zu weit her.
CIMBRi. Stamm; gallische Wurzel verloren.
CLAUDius. Berg, von Tauriskern und Skordiskern umwohnt, latinisirt vom
kymrischen clawd, claudd. Claudomerium .in Spanien, Claudinates in
Vindelicien, Claudonium in Oesterreich. Koch 85.
COLLATiani. Stamm ; vielleicht entsprechend Strabo’s Kolermzvol, an der
Drau westlich von den Jasii. Zeuss D. 256. Keltische Wurzel noch nicht
nachgewiesen. ­
COLLATio, COLLATione. Ort. Windischgrätz. Kat. 293. Latinisirt.
DRABos , DR.-los. Fluss Drau. Kat. 279. Gallien: Drahonus. Zeuss 5 , 27,
57, 139. Das alte und dialektische Drag, Trag deutet auf das gothische
thrag jan, laufen, oder sicherer auf ein keltisches, althibernisch erhal
tenes drog, der Böse, Schlimme. Zeuss 185, Not. auf ebd. 826. Irisch
dear-ahh, grosser Fluss. Mone 219; dazu der Gegensatz savus, kleiner
Fluss. ebd. 239. Terstenjak’s Wurzel dreti (reissen) oder dru (läufìg) ist
nicht unpassend; schwieriger, weil zu allgemein, dessen sevati (schei
nen) für die Save.
ERNOLATia, ? Orr. Liezen, richtiger Spital am Pyhrn. Vgl. den Namen
ERNOIa.
Flavium SOLVense, s. SOLVa. Leibnitz , nicht Zollfeld oder Donaugestade.
Vgl. Zeuss irrige Ansicht in Deutsche 242.
219

GESSACus mons, GESSACee , im cetischen Gebirge. Bei Cäsar Schöckl.


HADRANische Gebirge s. ADRAN.
HADRANs, Ort, s. ADRANs.
HALLAUNi, ’AÄauvol, `AÄauvol, Akávar. Stamm. Gallien: Alaun, Alauna,
Alaunium, Oilaunum, Catalaunum, Velauni. Britanien: Alauna, Alaunus.
Kymrisch: Halen, Salz. Davon heute das benachbarte Haalstadt. Bran
des 307; Zeuss, Deutsche 243.
JAS(S)i(il? ’láaaioa Aiaevdweç, Aáavovec. Stamm, pannonischer an der Drau.
Zeuss, D. 256.
ImMURium. Ort. Murau. Kat, 289. Gallien: Muria; Britanien: Muridunum,
Murionium; Spanien : Murgis , Muris; Savoyen: Thal Mura; in
Kärnten inschriftlicher Personenname Amvro , Murius. Brandes 61.
Murravia, Gebiet um Dunsinan noch im 8. Jahrhundert. Terstenjak's
mur (штаrа) passt gar nicht. Die Mur ist nirgend auß'ì.i.llig dunkel
wässerig. So auch Jarnik.
KARVANKas, Kapouáïaaç. Gebirge. Karavanken, aus Volksmund ganz ver
schollen. Büdinger Oe. G. 9. A. 3. Vgl. CARN.
LATOBICi, LATOVICi, Aaróßncor.. Stamm. Gallien: Latobriges, vielleicht iden
tisch ; ähnlicher Auslaut Lemovici zwischen Liger und Garumna, Albici,
Ordovices, Eburovices, Volovicus zu Salzburg. Zeuss D. 256; Koch 43.
Terstenjak’s lato (Wasser), ladija (Schiff) auf die Save weisend, wäre
nicht unglücklich erfunden , wenn nur das Hauptwerk vorhanden
sein würde.
LINGONes. Stamm. Gallien und Oberitalien: Lingones. Zeuss D. 209.
LOTODos, LOTODus. Ort. Kreuzberg. Britanien: Lutuda, Luds; vgl. den
Namen LOTUR und Mone 236 olt : lot.
MONATe (Montana castra). Ort, ob Judenburg ‘P
MUR, MURus, MURius. Fluss Mur; s. ImMURium. Kat. 279.
MUR.eo1a, MURoela. Ort; nicht Leibnitz, vielleicht östlich von Мurвей;
в. ImMURium.
MURium. Ort; s. ImMURium.
NORACi, NORAGíí. Volk. Zeuss D. 239. Norici Stammnamen der Taurisker,
bei den Griechen nach Strabo, bei den Römern nach Cäsar.
NOR-ACum, NOREia. Ort. Drei, gesucht auf den Stellen Neumarkt, Friesach,
Glanthal, Schärding, Friaul. Kat. 287. Noracum entspricht im Ausgang den
Städtenamen Attiniacum, Eboriacum, Cornacum. Clemens’ Nwpoila,
Lazius’ Norix, Grotius’ Nordryk, Linhart‘s év ópoiç, das phrygische Nori
con erklären nichts; wenig M. Klein’s Noreja; am meisten Koch‘s
no­rig, neues Reich. Ankershofen’s, Wartinger’s, Jordan’s, Mannert’s,
Muchar’s, Reinhard’s, Hansiz's Lagebestimmungen bei Gallenstein ,Archiv
K`s-.rntens‘ 1850. Zeuss II. 771 ; Deutsche 240; Leichtlen, Versuch über
die keltische Sprache in Betreff Briga, Magus, Durum, Acum S. 34.
Koch 34, Not. 19. Terstenjak’s nor (Mann) unbrauchbar. Jahrh. 102.
33 und 5.
NORICae ALPes. Noricus als Personenname Seidl in W. Jahrb. d. Lit. Anzbl.
104, S. 33. Hefner in Denkschr. d. kais. Akad. I. 38.
NORICum, Ager NORICus, Neopncuw, Nwpncòv. Nordgau, Land, Nach Mone
vom hib. an und aran (Hügel), wie der Mons Nere am Mittelrhein, Nore
sium in Belgien. Mone 118. Zeuss 26; Deutsche 239.
PÃ'NNONi, Ilávvovzci, Подача; , Paeones, auch Sigynnes (nicht identisch
mit den Breonen, Breunen. Jäger in S. B. d. A. d. VV. XLII.
358). Stamm, als alte Slaven und um den Schöckl gesucht.
Zeuss D. 254.
220

PANNONia, flatovia. Land. Kat. 294. Bonna (Grenze, Feld, Land, auch Quelle
oder Münde). Vgl. den Namen BANONA. Zeuss 26, 1123. Als Curio
sität des Dio Cassius pannus, O’Connor`s Ableitung Pan-on-ia : ban
amhan­iath, pronounced Banaunia. Mone 342 und Terstenjak’s Panianen
aus Indien, sowie dessen pan (Sumpf).
PENNINische Alpen. Oberitalien: Apeninnen. Zeuss 77, 99. Bretonisch­kym
risch Penn, pen (Haupt, Spitze).
BçTOBium, Bouroßlwv, PATAVium, llorrußwv, Ílaraóuïov, PETAVio, PETA
Vione, PETAVium, PETOVion, lleroóulov, PE'l'OVione, PETO­
Vium , PG§TOVium , P(ETOVione , POTOVium , Íloròiìiov u. s. w.
Kat. 307, 310. Ort. Pettau. Spanien: Petavon(i)um, Baetulon, Bsetulana
noch westgothisch, Bethasii, Stamm in Gallien. Das cambrische baeddu
(schlagen , battre , lat. batuere), mit der \Vurzel pat im Orient haftend,
wiese zunächst auf eine gewaltsame Niederlassung hin ; das cambrische
bait (Furt, Wasserübergangsort, аgs. wodan) auf eine friedliche. Am
meisten erklärt das sib-bi­dun (Kleinstadt). Mone 47, wie die Vorstadt
Beutau zu Esslingen (bltenowe). Die Slaven behielten die keltische
Wurzel (wofür übrigens petor , gothisch fidur [vier] nicht gelten
kann) ganz bei; sie haben ihr Рейд. (die Fünfte) auf die Reihenfolge
von Städten aus dem Orient und Occident herüber und ihr Ptuje
(die Fremde) auf die Entfremdung der Stadt gegenüber dem norischen
Land deuten wollen. Am besten taugte noch pet, peë (Fels) , den
Schlossberg betreffend. Vgl. den Namen BETTUN. Zeuss, Deutsche 241.
Will man an die ähnlich lautende Baetica in Hispania denken , so hat
dort die phönizische Ableitung von Badad (theilen) allerdings Sinn.
Die hispanische Landschaft ist durch den Fluss wirklich getheilt, der
Fluss Baetis theilt sich selber auch. So Sicklcr’s alte Geographie S. 15.
Die Stadt Petovium lag entschieden zu beiden Drauseiten, also eine getheilte
Stadt; die Drau selber theilt sich alsbald unterhalb, eine Insel bildend.
PULTa ? PULTOVia ? Bach. Irisch bual. Mone 123.
PULTAVia. Ort, östlich vom Schloss Pragerhof.
RAGINDo, RANGANDo, RAGUNDo. Ort. Losnitz. Kat. 310. Vgl. den Namen
RACCON. Terstenjak bezieht Rogando (von rog,I­Iom), noch aufRohitsch.
SABATIACIL, SABATINCa. Ort. Kraubat?
SAVos , SAVus, SAVius, Eaóuoc. (Herodot’s Bpoïyoc? Strabon’s Noaros ?)
Fluss Save. Irisch sua (Bach); so die Sau bef Bihlafingen. Mone 129.
SCORDlSCi, Èxopölcrmc, Èxopölcual, Èxopötcral, Kopölcral. Stamm, genannt vom
Berg Scordus, häufig mit den lllyrern und Thrakern verwechselt. Vgl. das
CUЫ!) im Namen CACURD. Zeuss 775; Deutsche 239, 257; Brandes 139,
141, 152; Koch 44; Lel. 61. Der Slavisten skared (Abscheu erregend) müsste
auf einen Selbstschimpf des Stammes hinausgehen ; Terstenjak hat das
zurückgewiesen und belässt den Skordiskern und Tauriskern dasKeltische.
SERAPILLL Stamm. Zeuss, D. 257.
SERRETi. Stamm. Zeuss, D. 257. Terstenjak’s Ableitung ser (aschgrau) , sera
(Schwefel) spielt zwei Farben. Hat irgend Jemand Bericht von urzeit
lichem Schwcfelbau ?
SOLVa. Ort. Leibnitz. Kelt. Sol (Sonne). Solimariaca Stadt der Arverner.
Solenses aus Kilikien. Brandes 51. Vgl. Flavium Solvense.
SOLVa? Fluss. Das ma. Zulp, Zuib, Sulba, Sulb, Sulpa, heute Sulm; irisch
suaill-abh (kleiner Fluss) von Mone ausdrücklich hieher bezogen. "
STIRIATa, STIRIATis. Ort. Rottenmann. Stura in den Meeralpcn. Kat. 287.
Zeuss Gramm. celt. M. Koch 26. Not. 8.
SURO`N'l`ium. Ort. lrdning. Kat. 287. Vgl. die Namen SUR, SURAT. Zeuss. 29.
221

TARTU(R)SANa. Ort. Mautern. Tartesii hispanischer Stamm in Sickler, alte


Geogr. 7. Gallien: Tatusates, Tarnanton, Tarrena; Taraco, Tarnasici in
Noricum. Taranis und Taranucum ‘bei Zeuss 5, 96, 774; Tarodunum,
Tarvedum ebd. 823. Britanien: Tarvidum. Brandes 61, Mone 241.
TAURISCi, TEURlSCi (irrig Taurîni), -l`euplcrraz, Tauplcrrozl, Тauplaxoz, Tyrisci,
Taurusker und Taurischland des Mayer. Stamm. Das goth. daur, ahd. tôr,
Thor, Eingang erklärt mit zu späten Mitteln; richtig Thierry’s kym
risches und gaelisches Twr, Twn-, tor (Höhe, Hügel, Berg). Nach M.
Klein aus Gallien mitgebrachter Name. Terstenjak's gleichbedeutendes
tur überiiüssig. Heute Tauern, Thor, Thurn. Taurien auf Asien weisend.
Tibumia, Liburnia. Zeuss 38, 775, Gallien : Taurocutum. Britanien :
Tauroedunum. Brandes 61, 151. Mone 158. Zeuss, D. 239. Schmeller I.
452. Das isc den Slaven , Deutschen, Kelten eigen. Zeuss, D. 239.
Contzen 60. M. Koch 26, 8. Lel. 63. C. 128. Der Personenname Teuriscus
bis 853 n. Chr. erscheinend bei Mabillon Acta SS. p. 531. Terstenjak’s
All-Stier­Hypothese ist durch Koch (116) in Deutschland bekannt
worden; sie gewährt für die strengen Forscher einen heiteren Ruhe-
punkt. Diefenbach Celt. II. 139. M. Koch 27.
UPELLa, UPELLae. Ort. Zwischen Save und Drau unterhalb Windischgrätz.
Kat. 293. Vgl. den Namen UPPON. Gallien: Uvelna. Britanien: Belga
Uvella. Brandes 62.
VlSCELLa, VISCELLae. Ort. Georgen an der Mur. Kat. 287. Spanien : Ves
celia. Vis im helvetischen Visurix bei Mommsen. Vgl. CELeja

2. Verzeichniss neuerer tlrtsnamen aus keltischer Wurzel.


Aus der Masse des hieher Gehörenden, welche wol ein eigen Buch
füllen würde, heben wir nur eine kleine Reihenfolge, jedoch mit Vorbehalt
gegen eine allzuweit ausgreifende Keltomanie, hervor, weiter ausführend,
was vor langer Zeit schon Bibliothekar Richter (in ,Steierm. Zeitschr.‘ N. F. I. 1.)
angedeutet hat. ,In (keltischer) Zunge reden die Berge und die von ihnen
herabstürzenden Gewässer, die Felsen und die Wälder, die Thäler und die
Schluchten und die Grabsteine.‘ ­- ,Hätten wir eine Sammlung der ältesten
Formen und Namen der Orte und Banngegenden unseres Landes, so hätten
wir gewiss Hunderte von Namen, welche nur aus dem keltischen Sprachschatz
erklärt werden könnten.‘ (Weiss Gesch. d. St. 2.)
ACH. Auslaut häufig; weist auf das keltische aha (Wasser), cambrisch aches;
ebenso das An; aber auch auf das alte acum (Feld, Fläche, \Veiler)
und die Collectivform überhaupt. Siehe Zeitschr. des Ferdinandeum
12. I. 1-7.
AN-DRITZ. lr. and (Wasser). Britanien: Anderida. Gallien: Anderitium,
Anderitum. Andricum der Carnutes. Brandes 58. Weiters Andes, Ande
cavi, Andologenses, Andrus, Andusia, Andianetes, Andorisa bei Koch
44. Andredeseaster in Suthseaxas im 8. Jahrhundert. Terstenjak‘s slavi
sches and, und (fliessen) ist daher überflüssig.
ARDNING, Ardninggraben, Amdorf, Arneck, Arinosbach, Arnfels, Arnstein,
Arnwiesen von arin (Hügel, Berg). Nach Mone Koch 53.
ARZLIN von arz (bei), lin (Sumpf). Seidl.
AUSSEE. sib (Wasser).
222

BIERENSCHÜTZ wie der Wald Aberschiz bei Wetzlar von beren (kleines
Walser) und schitz, Zischform von coid (Wald). Mone 46, 130.
BIBER von bi­bior (Kleinwasser). Mone 6.
BRAND, Brandalm, Brandenberg, Brandgraben, Brandgrabenbaoh, Brandkogel,
Brandlalm, Brandleiten, Brandofen, Brandriegelalm, Brandstein, Brand
wald , Brantern , Bräntgraben und der Brandwald , sämmtlich von
Bran, bryn (Berg). Koch nach Mone und Zeuss 144. Zeitschr. d. Fer
dinandeum. XII. 2. 15.
BREITENAU vom ir. braid (Berg). Mone 51. Braid albin in Schottland.
DORNACH, Dornau, Domberg, Domgraben, Domkahr, Dornleiten von dori,
dwri, Wald; im diot. celtoscot.: quercus. Mone. Koch 147.
DRAN. Cambrisch draen aus dra, alt driss; wie Draonus ein umdorrter Fluss.
Zeuss. Ir. der-ean, kleines Wasser, Trenna, Troene bei Mone 244, 139, 140.
FALL vom hib. fal, ir. bual, Wasser. Mone 77.
GEISBACH, Geisberg, Geisbühel, Geiseck, Geiselbcrg, Geisenbach, Geiseneck,
Geisenleiten, Geisenthal, Geisfeld, Geishorn , Geishübel , Geismauer,
Geisofenreit, Geîsriegel, Geisschlag u. v. a., alle nicht von Gaiss, sondern
geus (Bach). Nach Mone Koch 52.
GLEICHENBERG. Gleich, glich (Fels) , ir. cloch, wie die Gleichenberge in
Thüringen, germanisirt similes genannt. Mone 77.
GÓSS von gos, gois (Bach), wie Gos in Würtemberg. Mone 20.
GRADEN von grad (kleiner Bach). Mone 21.
GRÃETZ von gradd oder gres, eret, Erhöhung, wie die französischen Orte Gray,
Gressoux; oder wenn (wie nach Schreiner) vom Grätzbach 1 grad, klei
ner Bach, grez, grezzi, greetz, Bach überhaupt, wie der Grätzbach in
Hessen, Grezenbach im Aargau, Mone 21.
GUNDELBERG, Gündersberg , Gundersdorf von gund (Wald). Nach Mone
Koch 86.
HARTBERG und alle mit Hart, von hard (Berg). Mone 90. `
HENGSTAL, I-Iengstgau, Hengstbach, Hengestesdun in Cornwealas. Mone 22.
KAPFENBERG von kapf, kaf (Bergkopf). Ка!‘ in Persien. Mone 98, 119.
KERSCHBACH bei Pettau. kers (Bach). Mone 101.
KODING, Kötsch, Kötschwald, von coid (Wald). Vgl. Cetius.
KOGEL, grosser Berg. Mone 101.
KOHLBACH drei, sieben Kohlberg, Kohlbergen, Kohlberggrabenbaoh, Kohl
brandgraben, Goldbach, Goldleitkogel, Goldsberg, Goldsee, Goldtratten,
Golitschbach, Golkachberg und an ein Dutzend anderer solcher Compo
sita von gol (Bach). Nach Mone Koch 52.
KOLLOS, die colles, Weinberge, von Col, Kollen (Hügel, R-undhöhe). Vgl.
Zeitschr. d. Ferd. XII. 2. 20. Mone 24.
LANGENVVANG, wie Bühelwang, Hohenwang , von wang (Viehtrift), wälsch
gwaneg. Mone 35. Vgl. Koch’s Morschwang, Pyrawang, Ampfelwang 86.
LAVA­Bach von lava (giessen, regnen) ; so Lavant ; ir. lu-buinne, (klein und
reissend.) Mone 104.
LEIBNITZ von lei (Fliesswasser), vom ir. lli, so Dorf Leibi bei Ulm. Mone 25.
Das Slavische von lipa wahrscheinlicher.
LEOBEN, mlat. liubina, ir. luib (kleines Thal, Winkel?) Mone 107.
LIEZEN von Бег, lizz (Haus, Wohnort). Mone 108. ‘
MARBURG, Mährenberg von Mar (Berg). Mone 113, 114.
MURZTHAL, noch 1782 Märzthal, von maerz, mertz (feuchter Boden, wässe
riger Grund). Daher weder von vallis Martia noch von Murca. Mone 25.
NESTELBACH, germanisirt aus Nestel (Bach). Mone 27.
PIRNINGERBERG von pir (Anhöhe, Hügel). Nach Mone Koch 85.
“223 g

PREBÜHEL, das pre irisch und wälsch bre, auf dasselbe Urelement weisend
wie alle auf die keltischen Breonen bezogenen tiroler Ortsnamen. (Jäger
a. a. O. 438.) Mone 28, 51.
RAMSAU ; Ramsa auf Insel Man im 8. Jahrhundert.
RANN, ir. Rane (Vorberg). Mone 126.
RENNFELD von Renn (Feld oder Berg). Mone 125.
REUN, Runegau, Rune, von runa (Verborgenheit, Abgeschiedenheit); cambrisch
rhin ; wenn nicht vom Berge rain, rein, wälsch rhëan. Mone 30, 125.
RIEGERSBURG vom ir. rugha (Vorgebirge). Mone 125.
ROSSALM , acht Rossbach, Rossbachgraben , eilf Rosseck, Rosseckalm, vier
Rossgraben, Rossgrabenbach, Rossleiten, Rossschlag, Rosssteig, Rossen
baoh, Rössenberg, Rössingkogel, Rcsswein und besonders der Rossberg,
lauter Stellen , zu denen das Ross in mindester Beziehung steht (sepa
rirte Rossweiden gibt es nicht), von ros , im dict. scot. ­celt. und bei
Mone Verberg. Koch’s Rosskar im ewigen Schnee ist schlagend. 146.
ROTENMANN. Rat, rot (Berg); man, eine Stätte. Mone 30, 25, 124. .
SALLOCH von sual­abh (Kleinwasser). Mone 11.
SANN von san, Sumpfwasser. Mannsname Ваш‘. Spanien: Sanda, Sendica; San
ticum (bei Villach) ; Oberitalien : Sandricetes , Sani ; Gallien : Sana
genses, Sanitium, Santones, Saone; Britanien: Tri santon, Fluss; ir.
suan. Brandes 61, Mone 136,
SCHACHENTHURN vom ir. sceach (Gebüsch, Hecken). Mone 128.
SCHALLTHAL, vom gall. gezischten c\`xil, Bach. Mone 128.
STEIERMARK vom kelt. stur, Fluss ; das Gebiet am Fluss (Steyr nämlich).
Mone, Koch 26, Not. 8.
THORSTEIN, tor (Hügel). Mone 140. ­
TOBEL von tub, tobl (Graben, Wasserthal), französisch douve, wie Dubis i.
Gallien. Dubris, Dover in England. Diefenbach I. 155. Zeitschr. d. Ford.
XII. 2. 52.
TRAFOIACH, Trifail (Trefald in Wales), Trofang, vom cambrischen trafael
trafod, wie französisch travail, Arbeit, hauptsächlich erste Menschenarbeit
Erdbau. “Папа das mlat. Trevelicha, so von trev (Dorf), trefyllech (Stein
dorf). Mone 34.
TRAUN, von Travun, Thal, nach Gonidec; Familienname Traon in der Bre
tagne sehr häufig; Tron an Mosel, Tron an Nahe, Traun in Baiern ;
mlat. Truna; von Zeuss als kcltisch erkannt. Cortruna, Frauenname zu
St. Veit, Vindruna am Zollfeld in Kärnten, Truno zu Carnuntum ; ir.
der­an, kleines (V\-asser) ausdrücklich bei Mone 142, Koch 26, 85.
TRIEBEN, mlat. trivina, tribina, Tribein, Triebendorf, Triebeneck, Triebenfeld
alm, Triebengraben, Triebenstein, Triebenthal, Triebling, Triebulberg
von trieb (Dorf). Nach Mone 34, Koch 86.
VOGLEINA-Bach von ‘о; (langsam), lain (voll).
WACHSENBERG, Wachseneck , Wachseneckeralm , \Vetzawinkel , Wetzel
bach, Wetzelberg, Wetzeldorf, Wetzgetzstein, Weutsch, Weutschdorf,
Weutsche von wezz, wess (Wald). Nach Mone Koch 53. ‘
WILDON von on, unn, Wasser. Wilton in Cantware undWestseaxas im 8. Jahr
hundert. Wilten in Zcitschr. d. Ген}. ХП. 2. 9.
и

224

3. Verzeichniss keltischer Personennamen aus steierischen lnschriftsteinen.


Bei nur oberflächlicher Vergleichung einiger mit keltischen Anklängen
bezeichneten Inschriftsteine aus dem norischen Lande lässt sich ­ wie J. G.
Seidl in seiner Fundchronik (Sitzb. d. A. d. W. 1853. IX. 120) sagt ­- der
innere Zusammenhang nicht verkennen, der unter den zerstreuten Familien der
Landeseingeborenen nicht nur durch die Bande der Nationalität, sondern auch
durch Verwandtschaft und Verschwägerung noch lange forterhalten blieb. An
die Wiederkehr römischer und keltisch-norischer Namen , die auf Denkmälern
des südlichen Bayerns, Noricums, Rhätiens, des heutigen Kärntens, Steier
marks und auch jenseits der Alpen vorkommen, —- urtheilt ein anderer For
scher (Prof. v. Hefner in Denkschr. d. A. I. 26) -­ knüpfen sich interessante
Notizen über das öffentliche und Privatleben der Römer und der Eingebornen.
Eine Zusammenstellung dieser Namen, sammt der Angabe der Familienbande,
dürfte für den Geschichts-, wie für den Sprachforscher interessante Resultate
liefern. —- Ein Theil dieser Aufgabe für Steiermark , dessen Corpus inscrip
tionum noch immer unedirt ist, sei hiemit zu lösen versucht. Wenn einige der
angeführten Namen ganz oder theilweise auch auf Münzen erscheinen , die
wir keltische nennen , wenn wieder andere durch ähnlichen Klang dermaleinst
beitragen sollten, dunkler Münzlegenden Lesung zu befördern, so ist der nächste
Zweck dieser Zusammenstellung ersichtlich. Im Weiteren ist der Analogie des
Gallischen, Hispanischen, Britischen für das Norische nachgespürt, an seltenen
Stellen für den romanisirten Namen die keltische Wurzel naohMone’s herrlichen
Forschungen aufgezeigt worden. Den tiefen Quell zu erschöpfen ist erst Dr. R.
Knabl’s epigraphisches Hauptwerk berufen.
ABUAT Eggersdorf. Das abbo, irisch amha bedeutet Mann. Mone 205.
ACCIS. St. Aegyden in Oberfreising bei Mährenberg. (Acisonius Klagenfurt,
Agis Salzburg.) Vgl. CISIAC.
ADIATULus. Leibnitz, Grottenhofen bei Seckau. Adjatucus Zeuss II. 725,
772 ir. iat Land. Mone 224, ir. ull, gross. Mone 214.
ADIVMA(ra ?). f. Oberlichtenwald an Save.
ADNAMa. f. St. Georgen ob Murau, Gaisthal. (Adnamus Gurk, Gmünd ;
Annamus Wolfsberg). Nach Terstenjak von aden, eins, mit Suffix mat,
gleichbedeutend wie Simplicius.
ADNAMAT, ADNAME(t), ADNAMATo, Altenmarkt, St. Margarethen, St. Geor
gen ob Murau, Eppenstein, Gaisthal. (Zollfeld, Gmünd in Kärnten;
Adnomatus Zollfeld und St. Ursula in Krain. Adnamaton Zollfeld.) Ort
Annamatia bei Katancsich. Orb. antiq. I 318. Zeuss II. 835.
ADNAMius. Cili, St. Georgen ob Murau, Wörschach? (Gurk). Das nam, ir.
naomh, heilig. Mone 234.
AGURNAMo (?) Hartberg. ag ir. aighe. Hügel, ur ir. ur Thal, nam ir. naomh,
heilig. Mone 244, 206, 246, etwa ein Held im Hügelthal.
APR.icius. Cili.
APR.o. Lorenzen b. Cili. (St. Ursula in Krain. Aprus auf der Thonlampe vom
Birglstein). Apronia, römische Familie.
ASEDIa. f. St. Veit (Asseda zu Wolfsberg) i. seadh, stolz, stark, Mone 239.
ASSEDOMAR. St. Nikolai bei Oplotnitz.
ATEVORTus. (мы, Cili. Nach Seidl Jahrb. d. Lit. Bd. 116 Anzbl. S. 51 von
Ata, (Sieg), evori (befreien). Vgl. ATREVORT.
225

ATBRICANTia. f. Kobenz bei Seckau. (Gallien Abrincatui, von hebrenoiat,


Führer.) Vgl. den gallischen Bricca auf Münzen. Duchalais271. Zeuss II,
758. Brandes 59.
ATEBODuus. Cili. (Boduo Gallien, nach Lelewel. Atebboduus Lurnfeld.)
Zeuss 27.
ATEGNATa. f. Grätz. (Mauterndorf bei Salzburg. Zollfeld, Lurnfeld, Ategnatus, a,
Ategenta Salzburg).
ATEMAR. Cili.
ATEMERia. f. Cili, Grätz (Gallien Atismara).
ATEPODua. f. Leibnitz (Epo, Pferd; ein Aeduer Eporedorix, eporedica, Pferde
bändiger der Salasser). Eppia, römische Familie. Vgl. Epona. Jahrbuch
108, 10.
ATER. Baierdorf bei Judenburg.
A'l`IGENTa. f. Lietzen (Lungau).
ATIMETus. Leibnitz. (Wien, Birglstein, Bregenz).
ATIO, ATION. St. Aegyden in Oberfreising bei Mährenberg. (Attun, Steuer
berg , Teattius , Wolfsberg in Kärnten.) Atisius auf gall. Münzen.
Duchalais 221, 284.
ATRESo. Pischelsdorf. ATRESSus, Atrectus (?) Cili. (Gallien Atrebati.) ir.
aitreabs, \Vohnort. Mone 208.
ATREVORT. Cili, (Atrebatis, Britanien; Vordiger, Vortimer oder Virdimar;
vgl. ATRES, ATRESO, ATEVORT.
АТМ. Cili. ATTia? f. Pöllau. ATTius Leibnitz. Mone 199 bei Atteiae. Atîa,
römische Familie. -
ATVCius. Voitsberg. ATUCia. f. Pettau. Vgl. zu allen At­Compositen die
Atta-Münze. `
AUCTOMAR. Cili. (Tacitus’ Actumerus; Strabo’s Ü’ux(­c)op.ipoc) Aue, Haus,
Wohnung; tom, Sumpf, Moor; ar, Land, Feld. Seidl in Jahrh. der
Lit. Bd. 116 Anzbl. S. 51. „
AUSCus Muscion? Cili, ein Noriker in Rom. Nach Jahrb. 111, 24 weitgeholt von
aus, awch (Kraft), skiant Kenntniss.
AUT. Dol bei Tilffer. (Autires, Stamm in Hibernien; Autarit, Gallier in Carthago
bei Polyb.)
BANON41.. f. Grätz, Grosslobming (Gallien; Salzburg, Greifenburg; vgl. Pannonia,
Benina der Ambidraber, Banona, Paternion, Tanzenberg, Victring,
Bœnona, St. Veit). Hieher wol die PANONIA von Pettau und Benaia bei
Greg. Turon, vit. patr. 16 und Contzen 78 Not. 9. Zeuss Bononia 26,
‘ 734, 1123. Ban, Frau. Mone 208.
BATRo. Cili. (Bato zu Ebersdorf in Oesterreich, Altofen, Verlicca in Dalmatien ;
Katancsich’s König Ваto, Schönvisner’s Biadec in Not. hung. rei num. p.
38 mit Bato verglichen). Ba, bad (sehr gut), tro (gewandt). Jahrb, 116, 49.
BELLATUL. Grätz. (Bellatulia, Töltschach, Pileto? Kärnten, Bellatumara,
Tristberg bei Salzburg und Gallien: Belatucadius). Zeuss 165, 725, 795.
Der Schön­Grosse. Mone 214; ir. tul. Stirne. Mone 199. Beladucadr,
Beiname des Mars auf britischen Inschriften. Lel. 377.
BELl.ia. f. Pischk bei Bruck. (Belon, Fluss in Hispania).
BELLîci a. Weitz, Cili. Beide nach Terstenjak vom slavischen Belinus, dem \Veiss
glänzenden.
BELLICina. Cili; vgl. Belleius, Bellianus, Bellicus, Bellius, Bellonus.
BELLIius. Waldstcin. (Trostberg, Baiern.)
BERAGGo. Grätz. Bei Muchar Birrago. (Berones Spaniens.) Ir. brach, junger
Bär. Mone 212. Terstenjak macht aus Birago eine Virage und seine
Jungfrau­G‘o-ttin Deva.

15
226

BET-l`UN. f. Leibnitz. (Der Speculator Petus zu Carnuntum um 212; Baton zu


Verlicca in Dalmatien. Baetis, Hispania, Bseturia ebd.) i. bi­to (kleiner
Mann). Mone 211. Vgl. PETOVium. Pastus, römischer Vomame.
BETUSCius Tertius, Legionär aus Cili. Pettau.
BINHDo. f. Schloss Gleichenberg. (BINEDO.)
BLASSia. Pischelsdorf. Blasio römischer Vorname. ‚
BO(E)lCus. Gaisthal. (Tacitu.~s' Bodicus, Vater des Theodoricus.)
BOIus. Gaisthal. (\Vien, Marbach; Gruter 490. Bvio, St. Ursula in Krain, Lai
bach, Strahomer, Livius' Boivrix; Poio, St. Paul ob Homburg.) Lelewel
«­. 88. ir. bagh (Kampf, Schlacht). Mone Gall. Spr. 178; Boii, Boghì,
Boghii, Boei, jetzo Вwg, Bug aus bu, Furcht, Schrecken bei Thyerry I.
14. Koch 51, 72. Boiodurum Passau. Zeuss 58.
BONIa. f. St. Veit, St. Leonhard bei Grätz, Marburg, (Kärnten). i. bonn, Grün
derin? Mone 211.
BONIATa. f. St. Leonhard bei Grätz, Lorenzen bei Cilli, Kobenz bei Seckau,
Gaisthal, Laschische, Dol bei Tüffer, Marburg, (Globasnitz, Zollfeld in
Kärnten.) bon (letzt),jath (Land). Jahrb. 111. 25.
BONlATus. (lili. Gaisthal, St. Paul in Bresje bei Reichenburg (Zollfeld).
BONIo; Leibnitz. (Zusammengcsetzt Bonisambussela zu M. Saal in Kärnten.)
BONIOl\'ius. Leibnitz.
BOTTia, f. BOTTio. Grätz. (Bottius Tentschach, Button St. Ursula in Krain.)
bottan ir. Haus. Jahrb. d. Lit. 111, 18.
BRIGa. f. Lorenzen b. Cili. (Turobriga, Mirobriga, Nertobriga, Segobrîga, Lacobrìga.,
Arcobriga, Inliobriga, Talabriga, Conembrica, Augustobriga, Deobriga`,Caesa­
robriga,Lancobriga, Medubriga, Meribriga, Mirobriga in Spanien. Mone 21 3.
BRIGius, BRIGia. Stainz. f. Zeitschr. d. Ferd. XII. 2. 10.
BRlNUBus. Dielasse bei Tüffer; vielleicht auch so jenes Namenbruchstück am
Grabstein zu Bruck a/L. ir. bri, kleiner Berg. nub? Mone 212.
BROGia. f. Руrп bei Liezen. BROCCia? f. St. Johann bei Herberstein. (Brocus,
St. Ursula in Krain.) Nach Terstenjak von brak, Blitz des Shiwa Barga.
BROGlMARa. f. St. Aegyden in Oberfreising bei Mährenberg. (Ungern Brogima
lius, Ebersdorf, Lanzendorf. Gallien Allobrogi, Stamm) Dienerin des Brog.
Brogitar.Lel. c. 51, 52, 61.Mone213. Zeuss Il. 15,106, 129,226.Brandes59.
BUCCio. St. Margarethen bei Knittelfeld; ein Legionär Buccio aus Cili zu St.
Georgen a. L. (St. Veit in Kärnten, Strahomer in Krain. Toutobucio auf
gall. Münzen Duch. 163, ebenso Bucato. 228).
BURGia. f. Hartenschlössl bei Grätz.
BURRAN. Pettau. St. Dionysen a. M. (Zollfeld.) borr­an, edler Mann. Mone 213.
BURRus. Gaisthal. (Buri, Stamm; Reburrus, \Volfsberg, Hüttenberg in Kärn
ten; Gallien Eburo, Eborodunum.) Der Grosso oder der Bauer. Mone
213. Zeuss D.212*
BUSSUGNATa. f. Gamlitz bei Ehrenhausen, St. Paul bei Reichenburg. (Bussu
niarus auf deutschjarendorfer Münzen; Bussua und Busu auf pannoni
schen; Duchalais 404. gnath ir. consueta. Vgl. Knabl im Notizbl. d. k. A.
1857, S. 163. Busu, Lel. 117, 119.
BUSSULa. Tüŕfer, Leoben. Busilla zu Cili (zusammengesetzt Bonisambussula ?
zu M. Saal in Kämten).
CABALo. Eggersdorf. (Gallien Gabali, Stamm; Caballodunum.)
CABURnus nach Lazius Neumarkt.
CACURD. (мы. (Cacusius Gurk.) Vgl. Gruter’s Bacurdo saer.
CACURDA. f. Pettau. (Mailand; vgl. Scordisci). cac, Platz. Mone 213.
CAIXU. f. Hartberg.
CAIXUN. f. Gaisthal.
227
„.._. ;_. _ .

CALANDINa. f. St. Veit ob Waldeck. ir. caile-dine, Weib angenehmes. Mone


214. Diesem widerspricht :
CALANDINus. Frauenthal. (Calendinus, a, St. Veit, Tanzenberg. Caledu Gallier
nach Lelewel).
CALETi. f. Grosslobming. (Gallier Caletes.) Die Abgehärtete. vgl. Müller D.
Mgeschichte. I. 41. Kalet­edou auf gall. Münzen. Lel. c. 109, 117, 132.
Zeuss 838. Calet also ein Sonderort, wichtig für den Streit der franzö
sischen Numismatiker, in Betreff KAAETEAÜТ vgl. Duchalais descr.
N0. 534-541. Mitth. V. Basel 1852. IV. 39. f.
CALUPa. St. Lambrecht. cal ir. gil, Bach. Mone 214.
CAMULa. f. Judenburg, (Camulia, Osterwitz ; Camula, Centurio der Alaudae,
Camulus, gallischer Gott; Livius’ Combolomarus, Galaterkönig; Camu
dolanum in Britanien. Zeuss Camulogenus. 157) Cama irisch. Mone 53.
Cam-ull, mächtig, gross. Mone 214, 222.
CAMULus. Leibnitz. (Salzburg. Camma in Gallien. Lel. c. 51, 61; Camul ebd.
143, 115, 149; Camulodun 138, Camulogen 138).
CANNONia Statuta. f. Obermöllnig bei Osterwitz. (Nonnia, Bannonia ?)
CAPITo. Tröglwang (Birglstein).
CAPITOnius. Weitz.
CART (Quartus) Gaisthal. (Carteja in Hispanien. Quordaio, Hasenbach bei
Salzburg.) QUARTa zu Cili. QUAR’I`ina, Lorenzen bei Cili. Wäre selbst
nach dem Knabl­Terstenjak’schen Streite nicht Charitus, sondern ein
Deus Chartus oder gar Chairtus in Videm zu lesen, so stammt der Deus
Chartus von Cart, \välsch garth (Veste, Vestung). Mone 93. Koch 124.
CASTRIX (OASTRlX?) Sava bei Hrastnigg, als Castricius zu Hausmanstetten,
Cili, Tüñer. (St. Donat in Kärnten; Castrucius, Sternberg.)
CATTUN (f ?) Baierdorf bei Marein (Dümstein), Caturix, der Kriegsmann, ir.
cath, Heer. Mone 214.
CATUReus. Weitenstein. (Caturigi, Caturimagus. Brîtania, Caturactonium). Nach
Mone, Gall. Spr 180 und Knabl, Notizbl._1856, S 525 ,einer von den
Leuten des I­Ieeresfürsten.‘
CATUSSa. Leibnitz. (Aehnlich der Speculator Condussianus zu Carnuntum um
212; als Gintussa zu Salzburg). cat. ir. caidh. edel. Mone 214.
CELAT. Gaisthal, St. Johann bei Unterdrauburg (Cela. f. Bordeaux, Cel auf
nordgallischenMünzen. Duch. 276, Celsa in Spanien.) Der Weisse. Mone
215. Nach Terstenjak aus der Wurzel für Celeja, nämlich celiti, heilen.
Lel. Taf. I. f.
CETTus. Leibnitz, Kaindorf. (Cetius mons.) Der Waldmann.
CIRPia ELUlMa. f. Hartberg.
CIRPius. Gleisdorf, Engelsdorf bei Fernitz, (Heunburg in Kärnten).
CISIAC (ähnlich dem Caciac auf gall.Münzen. Duch. 256.) St. Aegyden in
Oberfreising bei Mährenberg. (Cisiambos auf gall. Münzen. Duch. 128.
Lel. c. 105, 121, 129, 130). Terstenjak’s Göttin Giza, die auch zu Siscia
Pathin steht, eine Art Ceres Mammosa, erklärt den Mannsnamen wol gar
absonderlich. Vgl. ACCIS.
CNULL. Gallenhofen; vgl. das Cnvoi auf gall. Münzen. Duch, 272; Cnuol ebd.
S. 440 No. 647.
COMAT. Gaisthal. (Comius, Atrebatenhäuptling in Gallien.) Como Eckh. I. 13.
CONAMATUSo. Kötsch. Cona auf gallischen Münzen. Duch. 273. Stadt der
Leuci. ebd. 422.
CONTUCON. f. Leibnitz; ucc, Jungfrau.
COTTAI. Triebendorf.
COTV. f. eine Norikerin zu Klcinschelken bei Hermanstadt.
15“
228

COTUCO. f. Leibnitz. (Bitucus , Fürst von Galatien bei Frœl. notit.


elem. 199). -
COTVLIa. St. Margarethen am Silberberg, St. Veit bei Waldeck. (Cotyla Cen
turio der Alaudae). Der Schamhafte. Mone 215.
COUDOMAR. Lack.
COUNERTa. f Hausmannstetten, Kerschbach bei Pragerhof, St. Veit b. Waldek ‘x’
(Counert, Zollfeld und Strahomer. Couna, Zollfeld; weiters Covinaertus, a,
von St. Donat, die Converta von Pulst). Zeuss Cobnertus 12, 99, 190,
Counos auf pannonischen Münzen. Duchalais 406. Nach Terstenjak von
Kovin­hert, Windspiel, des Czernibog Gesellschaft.
COURia f. Cili.
COUSON. Gallenhofen bei W, Grätz. (Cuison zu Globasnitz in Kärnten. Koson
thrakischer Fürst; Cимвол, Hüttenberg.) Cusso, Fluss bei Mone 201. Vgl.
CVOSO.
COVIDOMIAR. Lack bei Steinbrück (Coviogallii auf einer pannonischen
Münze. Duchal. 407, No. 103).
CRIBV. Gleichenberg, Schloss.
CRIELON. Kaindorf.
CUOSO. Gallenhofen (Tarvis). Vgl. COVSON.
CUPlTa. f. St. Veit bei Waldeck, Cili, (Gossau bei Emmersdorf).
CUPITa. f. Ataevorti {Щи Nach Seidl CVRlTa Jahrb. d. Lit. Bd. 116 Anzbl.
S. 51, Curita von cu : lieb, hold; rith, Arm. Nach Terstenjak von kupiti,
kaufen, eine Ableitung, die wol wenig Käufer finden dürfte.
CUPITus. Cili, Seckau ob Leibnitz, Dol bei Tüñer, -Kathrein bei Trifail,
St. Veit. Ein Cupitus, Legionär aus Cili zu Rom (Obermiíhlbach, Klagen
furt, M. Saal, St. Michel, Salzburg, Lung in Baiem, am Rhein, Rom,
Gallien). Der Speculator Cupitianus zu Cili, (Carnuntum um 212. Cupit
inos M. Pfarr); auch ebenso mlat. (1583, 1592) zu Cili, neu Kuppitsch,
Kupizh oder Koppitsch, Vgl. ausführlich über die Namen Cupitus J. G.
Seidl Fundchronik A. f. k. œ. G. Q. IX. 1853 p. 113. Jahrb. 102, 31.
DAMION. Tüffer; wol latinisirt.
DERVA. f. Gaisthal.
DEUS(us). Leibnitz (Pettau ?) DEUSII.. f. Grätz. Kerschbach bei Pragerhof,
DEUSO(n). St. Martin im Greuth. Engelsdorf bei Grätz (vielleicht das DEV der
barbarischen Münzen. Eckh. p. 290).
DEVOGNATa. f. St. Aegyden in Oberfreising bei Mährenberg. Deva, Deura,
Stadt der Cornavii in Britanien. Terstenjak erklärt alle Deu­Composita
aus der Jungfrau­Göttin Deva.
DIASTULL. Cili (ähnlich dem Diavlos, Diasulos auf gall, Münzen. Revue 1862.
N0. 1, p. 29). dias (klein) tul (Gestalt) Jahrb. 102, 52.
DIEVION. Grätz, Gaisthal (Gallien Divona fons; Britan. Diva, Divana vom
Stamm div, heilig; daher Divitiacus, Divona auf gallischen Münzen.
Duch. 13, Brandes 57, 237. Zeuss D. 229.
DUBNa. f. Cili, Seckau bei Leibnitz. Dubnorex auf gall. Münzen. Duch. 113,
108, 109, 139. Dubno Lel. c. 4, 70, 142,144, 146. ir. dubh, die Schwarze.
Mone 220. Taube nach Jahrb. 111, 24.
DUBNISSus. Gaisthal. ir. dubh-niadh, schwarzer Held. Mone 220.
DUMRa. f. Weitenstein. Dam i. Haus, Mone 220 oder nach Knabl Mone’s (194)
dau­merus ir., Dorfmaier. Notizbl. 1856, S. 525.
DUN. Cili (Zollfeld. Fluss Dunus in Gallien). Donnius von Kaindorf ?
(Donnus, Ligustikerhäuptling, Donnus zu Lieding. Donnos auf gall.
Münzen. Duch. 208). ir. tain , Wasser. Mone 220. Lel. c. 131,
132, 144.
229

DURON(ius). Grätz, Schörgelgasse. Cili. (Duran Zeuss 16. Turan zu Karanfebes,


Durius, Zollfeld, Krain. Durati, Turduli, Turrdetani, Stamm; Duracius,
Durias, Durion auf Münzen, Duratius in Gallien; Durnocus, Durnacus
auf gall. Münzen. Duch. 114, 207. Britan. Durius, Durovernum, Duro
brivis, Durotrigi, Durius Fluss in Hispania.) Durat. Lel. c. 121, 123,
140, 141. Brandes 59, во.
ELUIMa. Feistritz a. M., Kobenz bei Seckau (Elviomarus Pannonien nach
Duchalais 396. Eliomara, Pulst in Kärnten, vgl. Elv ina b. Eckhel); von
ähnlicher Wurzel Elv, die Helvii, Helvetii. Zeuss 222.
ELUlMa CIRPia. f. Hartberg. (Ein Lotucus Cirp zu St. Stephan bei Heunburg.)
ELUISIAN. Kobenz bei Seckau (Eluisius M. Saal).
ELVIAOCLATius? Kleinstübing Oclatius, Oclatia, Clatius zu Laibach.
ERNOIa. f. St. Johann am Draufcld, eri i. gross. (vgl. Ernolatia, Ort.)
FALENDIN (wenn nicht vermeisseltes Calendin). Gaisthal.
FESTa. f Brandhof bei Grätz.
FEST(us). Baierdorf, als Vater des ausgesprochen keltisch benannten Ater wol
ächte Form. Vgl. römischer Vorname.
GANNIC. Mährenberg.
GlANILLa. Freiberg. (Rhein, Gallien: Giamilus, Giamilo nach Duchalais 258,
welches aber nach Streber retograd Solima; Giamilus bei Lel. c. 114,
116,123, 135).
GITTo. Eppenstein.
GOUTON. Weier.
HAPRISINa ? f. nach Lazius bei Obdach.
HOGIo. Hogius, sieh OG, OGius, OC, Gamlitz bei Ehrenhausen (Hohenstein
in Kämten).
JALANDIN11.. f. Karlsdorf.
JANTUL. Cili. Einöd bei Neumarkt, Trifail (Zollfeld, St. Stephan bei Freising,
Stuhlweissenburg; Cajantolus Galaterfürst; Jantia, St. Andrä, Jantulla
Aquileja). Für die Wurzel дм spricht Jantia zu Andrä in Kärnten.
i. an­toll. Ruhiger Kopf. Moue 224.
JANTUMAR. Rotenmann, Altenmarkt bei Fürstenfeld, Strass, Skommer (Gmünd,
Jentumar; auf deutschjarendorfer Münzen; ein Jantumarus aus Waras
din mit Mil. Diplom bei Arneth; Gallien. Jantumara, Seоn; Velben als
Jutumar). Nach Terstenjak vom sanskritischen Ant (gleich vind), aber
auch soviel als grege clarus.
JAPARUN. f. Margarethen bei Knittelfeld.
JARMOGius. Pettau.
. ~. IHIORAVus. Mariahof bei Neumarkt, jetzt im Joanneum. (Chihioravus ?)
INGEN(us)? St. Nicolai am Bacher.
JON. Gleichenberg Schloss. JONia. f. Pettau; Jona, semitisch Taube. JONICa.
Cili.
IRMADIO, Leibnitz.
IT. Lack. Vgl. Itia römische Familie.
ITAL. Cili. \
ITTO ‘Э Grätz. (Hasenbach bei Salzburg. Itte, Fluss in Gallien.) At -itto.
Mone 225.
ITTUN. f. Admont. Trog bei Oberfeistritz; St. Stephan, (semitisch etan, uralt,
ewig; Stadt Itanus auf Kreta.)
ITUL. Kumberg bei Grätz, (M. Saal), als Quispitul zu Gams bei Marburg. Im
Seeboden bei Aflenz eine Missitul­Alpe, wenn der Name richtig ist ;
Itturissa in Spanien noch zur Westgothenzeit.
KALANDlNius. St. Ruprecht an der Raab.
230 I

LANDINON. St. Martin am Bachern (später Landelinus) vgl. das gallísch-mero


vingische Landuno bei Lel. c. 166 oder nach Seidl Jahrb. der Lit. 111,
24 leuc baskisch weiss, mar gleichsam.
LEUCIMARa f. Cili. (Leuca Meile, Mar Pferd.) Leuci, gall. Stamm. Lel. c. 124.
Terstenjaks luö, Licht und dreifache Ausdeutung von mar, das endlich
auch gar nichts bedeuten könne, ist gar zu dunkel.
LlBORDes. Eppenstein. lu ir. klein, bior Wasser. Mone 225.
LlCOVlNus, LICOVius. Cili. (Gallien Lixovii.) Zeuss 147, 746, bask. likavs,
Schmeichler. Jahrb. 111, 23.
LITU ? Feldbach. (Litulla, Klagenfurt) lu ir. klein, две, Haus. Der Königshof.
litba, Litoy bei Mabillon 294. Etwa der Kleinhäusler. Mone 227.
LI-l`UGENa. Cili, Pöllau, Feldbach, Triebendorf bei Murau. (Litomeris bei,
Gregor v. Tour 6. Jahrh.)
LlTUGERa? f. Triebendorf.
I,OT'I`ia. f. Friedberg.
LOTUR. Eggersdorf (Lotucus, Heunhurg in Kärnten). Tur in Turdetani, Stamm
in Spanien; Aturus nach Muratori in Kärnten.
LUCCION. f. Seckau bei Leibnitz ; (Luisson Hasenbach bei Salzburg.) lu ir.
klein, ca Haus. Mone 227.
LUCCONia, LUCCONius, Leibnitz.
LUClTa. f. VVeitenstein. Nach Knabl von luget ir. Ruhm, Ruf; daher ,berühmte
Frau.‘ Notizhl. 1856, S 525.
MAGIMAR, MACEMAR. Cili, (Gallien: Marcemar) Mag ir. Feld, mar und mur,
Haus. Mone 228 nach Seidl Ep. Exc. in Jahrb. d. Lit. Bd. 116, Anzbl. S. 51.
mar, mear, mer (Mayr, Herr), auch semitisch, etwaFeldmayr, vgl. Lel. c. 116.
Terstenjal<’s moëi (können) oder magati (überwinden) sind ohne Kraft.
MAGIONa f. Cili. ma schr, gion lieb nach Seidl. Jahrh. der Lit. Bd. 116, Anz.
S. 44. Magon bei Lel. c. 49.
MAGIR. Cili. (Maguria, Мой‘? Kärnten.)
MALAI. Gaisthal. (Melaeus Leisberg bei Montpreis, Meleia Salzb1ug), Mal ir.
Hügel. Mone 230.
MALEI. Pischelsdorf.
MALSo. Grätz.
MZENus. Lorenzen bei Cili; nicht gens Maenia, vielleicht identisch mit.
MANN. Mährenberg. (Gallien Mannaritium. Britan. Manna.) Der Einzige.
Mone 230. Brandes 45, 60.
MARCo. Grätz ? (Gallien: Marcodurum , Marcomagus. Britanien Marcotacon,
mlat. Marcus) MARCON Gaisthal. Brandes 60.
MARICCa. f. Cili. Terstenjak’s Todes- und Wiritergöttin Baba Mara von
mreti passt schlecht als Name einer Sterblichen. `
MARITAL. Tröglwang im Paltenthal. (Bonn.) Das al in Statalia (wenn nicht
Statília) zu Carnuntum. dal ir. Thal; also der Thalhäusler. Mone 241.
MARULLa. Cili. ulei aus ir. `aille schön; also Schönhaus. Mone 246.
MARULLius. Marburg.
MASCULus. Fladnitz, Kumberg bei Kainburg, St. Margarethen am Silber
berg, Feistritz a. M., Donatiberg, Leibnitz. (Patemion, Titien, Klagen
furt, M. Saal, Töltschach in Kärnten), Mascillus, Masclinius. Cili (auch
Masculinìus), spätere Latinisirung. Jahrb. 108, 51.
MATERi (Genitivform MATERlU) Strassgang, Pettau ; hieher wol auch dieMatierìa
zu Pettau, Tochter der Commedullia? (Materis, Mataris, nátaptç, mataru,
Wurfmesser bei Sisenna, Cäsar, Livius, Strabo). Schlachtwaffe Mone 231.
MECUTius. Pettau.
MEDULLia. Pettau.
231

MELIS|.? f. Tröglwang (Melianus, Melanisia lauter Hörige oder auch Hügel


anwohnerin) v. ir. meall. Mone 232.
MELLAEI. Lichtenwald.
MESSOR. Weitenstein; (nicht röm. Vorname Messoris wie bei Mommsen
Inseript. regn. neap. Nro. 5867, 6831.) mesu aus ir. mas, rund. or aus
aer, hoher Berg. Mone 232, 235. Knabl in Notizbl. 1856, S. 525.
MOCETius. Tröglwang (Mogetus ein Cornicularier zu Carnuntum; Mocc.
Beiname des Mercurius.)
MOGlDus. Pfannberg. (Mogitmar Ungern; Vogîton, Töltschach.) i. Mogh-ioth,
Mann des Kome, Kornmann. Mone 233.
MOGURSo. Pfannberg. i. Mogh-urs oder vielmehr aras, Mann des Wohn
ortes. - Das Urs gilt sonst als romanische Wurzel in Ursus, Ursulus,
Ursula in Noricum. Mone 233, 246.
MUFo. Freiberg. ~
MUSON. Leibnitz.
MUSSa. Kalsdorf. (Myssa) ir. muss. gefällig. Mone 233. Nach Terstenjak von
moz, mui, Mann, latinisirt Viriatus. Musa röm. Vorname.
NAMM. Eggersdorf bei Grätz. (Laibach, Genf). Heiliger, Held. Mone 234.
NAMMONia. f. Strassgang (nicht Cili oder Pettau). Heilige, Heldin oder auch
Weib, Tochter des Helden. Mone 234.
NAMMONíus. Kalsdorf. (Mailand, Gallien: Naamonius), Pettau? Heiliger, Held.
Mone 234. -
NANSINia. f. Leibnitz.
NECORNa. f. Freiberg. (brit. corn. vgl. Gott Cernunnos.)
NEMETo. St. Veit bei Waldeck am Bachern (Nemotemar bei Kreig.
Nemotaei und Nemetona zu Limburg in Belgien. Noricum: Tasínen­
tum. Nemeti Marbod’s Verbündete); von nemet, Heiligthum, daher die
Waldheiligthümer Nimidas, sächsische Orte Nimeden. (Gallien: Augu­
stonemetum, Nemetacum, Nemotocena; Spanien Nemetati, Britanien
Nemetum, Nemetotacia,Vernemetum, Kleinasien Apuveyarov.) Das Nem
aus gal. neamh, kymr. nef (Himme1); das et wie zu I-Ielv in Helvetii.
Lel. c. 131, 161. Heiliger Mann. Mone 234. Zeuss 11, 100, D. 220,
759, 772. Brandes 61, 168. A. f. k. œ. G. Q. XIII. 1854, 99, Vgl.
die NEMET­Münzen.
NERTOMAR. Cili. Lack bei Steinbrück (Pulst, Dürnstein, bei Petronell und
Gallien. Nertomir Mainz; Gott Nerthus bei Tacitus) i. neart-mar, des
Starken Diener. Mone 234. Zeuss 12.
NERTOMARî(a). f. St. Veit. Cili. (Rhein.)
NERTON (wenn nicht NER-I`OMar) Berg Wipota bei Cili. an ir. Mann. Mann
der Stärke. Mone 235.
NICa. f. Einöd bei Dürenstein (Anicona Salzburg. Gallien).
NlGELLia? Feistritz a. M.
NIGELLa? NIGELINius, NIGELia f. Leibnitz, Eppenstein. Nach Terstenjak
eine römische Uebersetzung in Bezug auf das Schwarze des Krischna.
Nach J. G.Seidl von nighe (waschen), woher auch der Gott der\Vaschung
Anigemius. ’
NINASa. f. St. Kathrein bei Trifail. 1. ni­nasadh, Tochter des Edlen. Mone
235 Vgl. Nasium der Leuci bei Lel. c. 70.
NONNa. f. St. Lorenzen bei Cili (nicht gens‘Nonia). Knabl Notizbl. 1856, S. 529.
Vgl. Nonnos bei Lel. c. 56, 112, 114, 119, 120 und NONNOS-Münzen.
NUNDINa. f. Saanek bei Cili; wol nicht alte Form.
NUOMAR. Einöd bei Dürenstein. i. nu~mar, des Neuen Diener. Mone 235.
NUR. Trifail nächst Zeöo.
232

OASTRIX? (Castrix.) Save bei Нижниî“. Castricius bei Hausmannstetten


Cili, Tüñer.
OCELLio. Sava bei Hrastnigg (Ocelum Zeuss 147, о ir. Hügel; oeall, Haus
Mone 235, 728).
OG, OGius, OC, sieh HOGio, HOGius. Gamlitz bei Ehrenhausen. (Occus,
Werfen; Ottmanach, Hohenstein in Kärnten. Gallischer Gott Ogmius,
irischer Schrifterfinder Ogma.)
ORGETe? Cili. (Oberöstr. Orgelia, Helvetien Orgetorix. Gallien Fluss Orge)
ir. earg. Fluss. Morlot &.Arneth in Sitz. VI. 299. Mone 236. Nach
Jahrb. 111, 21 orgeth liebentßammt, leidenschaftlich.
ORINX? Hrastnigg.
PALLo. St. Veit bei Waldeck, (wie der Pallas , gen, Pallantis, von Carnun
tum) i. peall-an, Rossmann. Mone 236.
PALUMB. Stallhofen. (Eine Plvrnrana bei Salona.) vgl. Mone 236, Aehn
licher Ausgang Cilumb(ina) Zolfeld.
PANNAM. Hartberg. ir. bean Hügel, nam ir. naomh, heilig. Mone 236,234.
Terstenjak’s pan, im Sanserit handeln, holt zu weit her.
PLUNC. Grosslobming. (Aehnlich das: Ploc in Plocamus, Gmünd in Kämten
und das falsche Ilunco zu lgg in Krain.)
PURRAVius? Purib. Cili, von bu (Hütte) rav (klein) Kleinhäusler. Jahrh. 111 , 21.
QUISP(lTUL). Gams bei Marburg. (Bitultus Arvernerkönig.) ~
RACCON. Rotenmann (mlat. Ragonius); vgl. Ragando. Ort. i. reac-an?
armer Mann. Mone 237.
RANTILL. Hartberg. (Rantul Brescia.)
RANTILLia.. f. Hartberg.
RES(S)A’l`us. Lietzen. (Resicus, Redsatus, Paternion, Salzburg.)
l'tESILLa. f. Altenmarkt bei Fürstenfeld. Nach Terstenjak von resa, Bart (eines
Frauenzimmers ?) und sollte eigentlich heissen Reska, Resika, Resilkal
RESIMAR. St. Margarethen bei Knittelfeld (Redsomar, Resins, St. Daniel.)
RESPECTa. Brendelhof bei (дым; latinisirt; alte Form unbekannt.
RESPECTlLLa. Pettau, Neumarkt.
RESSIMAR. Altenmarkt bei Fürstenfeld.
RESTUDIAN. Strass. Alle Res-Composîta wären nach Terstenjak von res, licht.
RESTUTa. St. Veit. Repitschgraben bei Marburg, (latinisirt Restituta, St.
Michel, Gmünd in Kärnten, Schwarzau in Oestreich; Restutus,
Maria Saal)
RESTUTus, siehe Jahrb. 111, 20.
RIlSIVIARus. Weitenstein. Das II bedeutet bald e bald í. Das ri im Irischen
Haus, is Wasser, féar Mann oder das abgeleitete uari, wie in Ansibaria.
Des Hauses am “бывeеr Bewohner. Mone 237, 224, 221 oder 245.
RlSIVia. f. St. Johann bei Herberstein. ‘
RUMa. f. Leibnitz.
RUSK. Strass. (Gallia Narbon: Ruscino) i. roisce, der Kluge. Mone 237.
SAAN. Semriach; sa-an, Flussmann. Mone 237.
SAGGON. Tüffer, Leoben.
SAIANus. Cili. Nach Terstenjak von san, dem Drachen des Öernibog.
SAITULL. Gaisthal. i. sadhail, Angenehmer. Mone 238. (Sedulus, Fürst der
Lemovici.)
SAMICANTUN. f. Weier, Judenburg, Samianta Salzburg. i. samh­cai dhui,
sanfte oder bescheidene Jungfrau. Mone 238, 215. Terstenjak’s sam
(allein) dürfte jedenfalls allein und ohne Anhänger bleiben.
SAMMa. f. Leibnitz.
SAMMia. Leibnitz.
233

SAMMius. St; Peter am Kammern (Rheinzabern). Doci­Sami auf gall. Mün


zen. Duch. 234.
SAMUCa. Pettau.
SAMUCABVRN? nach Lazius bei Neumarkt.
SAMUCon. (SAMUCionius, SAMUConius) Pettau, St. Martin bei Marburg,
nach Lazius bei Neumarkt. (Samuco Zollfeld.) i. samh-oghán, beschei
dener Jüngling. Mone 238.
SAMUDa. Seckau bei Leibnitz. i. samh, Besoheidene. Mone 238.
SATURia. f. Lorenzen bei Cili.
SATURin. Kalsdorf bei (Зайти.
SATUR.io. Tiiñer. (Saturo, Tanzenberg in Kärnten.) i. sath, bös. Mone 245.
SATURninus, ein Legionär aus Cili zu Rom; übrigens röm. Vorname.
SATURonius. Brendelhof bei Grätz.
SECCia. SEC(.`ius, Cili (Seccion Kärnten.)
S ECCo.Einöd b. Dümstein (St. Ursula inKrain, Laibach, Segestica Sequani Stamm.
SECCIVN. Cili.
SECio? Laak an Save.
Sl:`.CUMius. Leibnitz.
SEN, Engelsdorf bei Fernitz.
SENACa. Stallhofen. (Seneca Triebendorf bei Murau, St. Georgen bei Salzburg.
Ort Senac in Bretagne und den Hautes Pyrenées.) Brandes 261. i.
sean-aighe? Alter am Hügel. Mone 239, 206. Koch 35.
SENECius. St. Margarethen bei Knittelfeld, Liezen, Rosendorf. (Senecia,
Senesius Kärnten. Senecio St. Georg bei Salzburg.
SEN'ICion. Brendelhoí bei Grätz. (Zollfeld.)
SENius. Leibnitz.
SENNo. Kleinstübing, Cili. Melk, Senvdon auf gallischen Münzen nach
Lelewel 109, 114, 117, 132. Duchalais 117. Senani, Senones bei
Lelewel 114,117, 131, 148, 174. 181, 130, 132.
SENNus. Kötsch b. Marburg. (Sennius,Laibach; Senus, Fluss inHibernîa.) Mone 239.
SENTONius. Cili; von sentein (gehorchen), ein Höriger. Jahrb. 111, 21.
SEROTinus. Pettau, vgl. Serretes, Serapilli.
SlRenus. Rabendorf im Feistritzthale. i. sir-an, beständiger Mann. Mone 240.
SIRica. f. Rabendorf.
SIRo. Judendorf. (Sirus, Sirius, Koralpe, St. Veit.) Cili? Freiberg?
SYRia. f. Grätz, vgl. SURus, SURa; gall. sir, síriawt, (sanft, heilbringend),
wie in Sirona.
SYRia.nus. Studenitz.
SOHa. f. Eggersdorf.
SORANa. f. Pischk bei Bruck. (Eine Plumrana zu Salona.) saor, (frei, edel),
вы, Weib. Mone ausdrücklich 240.
SOR.Nia? f. Cili.
SOTOTOGION. Tütfer, Leoben (Togion, Klagenfurt; Sotiotes Stamm; münz
inschriftlich bei Duch. 16. Lel. 73, 129, 130. Togionius Regensburg;
Togius, Togia, Mainz; Toginia anf Münzen. Duch. 236.)
SUADRa. f. Seckau bei Leibnitz. (Tanzenberg. Suadulla St. Stephan im
Jaunthale; Suaddun, Frîesach.) i. suadh, klug. Mone 240.
SUADVCia. f. Gaisthal. (Tentschach.) i. suadh­oigh, kluge Jungfrau. Mone
240. Terstenjak bekräftigt seine Ableitung aus svadok, (Zeuge) durch
ein einmal beigesetzt vorkommendes Antestius.
SUCELa. St. Dionysius a. M. i. so-ceile, junge Frau. Mone 240.
SUCPITa. f. St. Dionysen a. M. (Suputa Cili?)
SUMELON. Rotenmann.
234

SURa. f. Letusch im Saanthale. (Heunburg , Surilla St. Donat in


Kärnten.)
SURAT. St. Margarethen bei Cili. i. seraidh, der Glückliche. Mone 255.
SURia. f. genau Syria nach Gruter zu Grätz, (entsprechend der Suria bei
Kronstadt.)
SURlLLio ? Leibnitz.
SURio. f. St. Lorenzen in Stranitzen. '1`erstenjak’s sura, zora, Lichtanbruch,
Morgenröthe ist sehr poëtisch, aber nur das.
SURius. St. Lorenzen bei Cili, Kleinstübing. (Hollenburg.)
SURus. Kaindorf, Dielasse bei Tüffer, Lack bei Steinbrück; Gaisthal, Seckau
bei Leibnitz, Kаtsch, Traboch, St. Martin am Bachern. Ein Surus aus
Cili zu Rom; (Friesach, Preims, St. Leonhard in Kärnten; Igg, St.
Ursula, Brunndorf in Krain; Carnuntum, Schwarzau in Oesterreich,
Verlicca in Dalmatien, v. Ort Surontium. Gallien Sura; brit. Surius,
Flüsse) mittelalt. Surculus. Brandes 61. ir. torr, der Berg. Mone
240. Lel. c. 140.
TALUCa. f Leibnitz. (Dall0n Ungem). í. dal-ogh, Thal- oder Feld Jung-
frau. Mone 241, 238. Mionnet I. 18. 140. Sestini 63. 2.
TATTa. f. St. Johann bei I-Ierberstein (auch Tattus am Niederrhein nach
Steiner (od. Danub. et Rhen III. Z. 2296; II. Z. 31130. Тайга, Krain,
Tattinus auf gallischen Münzen.) Duch. 109. Lel. c. 103, 146. Vgl.
die Atta-Münzen.
TATTus. Kötsch.
TATUC. Lorenzen bei Cili. (Am Rhein nach Steiner Cod. Danub. et Ehen.
п. z. 1067.)
'1`ATUCa. f. Grottenhofen bei Seckau (ltuca, Landskron. ltucus. Mionnet w. о.)
Knabl. Notizbl. 1856, S. 529.
TANVARíIIз? Lorenzen bei Cili. ir. tain, Fluss, wie der Tanarus Oberita
liens. Mone 241.
TERTULL? St. Johann bei Unterdrauburg. tuan, Haus. Mone 241.
TOTT. Judenburg, (Tout Klagenfurt, Tott-io Paternion. TÚÜITIÜTC des
gall. Staines zu Yaison. Toutiorix (Dietrich ?) gall. Heros; auch auf
pannonischer Münze. Duch. 408, Nro. 106. Toutobachos Lel. c. 88.
Phönìkischer Name Там des Cadmus; Toth, ägyptischer Hermes.
Contoutos in Aquitania. Lel. 226. Duch. 17; ebenso Toutobocio.)
Mone 244. Zeuss 35.
TOTTia. f. Kaindorf. (Tod . . . , Bruchstück eines röm. Vornamens.)
TOTUL. Freiberg bei Gleisdorf. (Spanien Totila. König Totillus.) i. tuath-il,
Herr grosser. Mone 244. (Todillus, röm. Familienname.)
TRIBORKENU. Reìchenburg (Tribokki in Gallien, nach Cäsar Marbods, (Ver
bündete. Tricassi, Trinobantes, Tricorri, Triumpilini, Tridentini. Costo
boki, Stamm.) Das gall. tre, kymr. drwy, goth. thairk (durch) bei
Zeuss 216, 220. bore, ir. bior, Wasser, Bach. Mone 51. Brandes
152, 168.
TROGIMARA, TROGlMARus. Lorenzen bei Cili. (Troncillus) ir. truagh, arm.
Zeuss 729. Mone 244.
TUNGER. Semriach. (Tungri, Stamm. Tineo Paternion.) Brandes 41.
TUNia (Кuта?) St. Lambert bei Cili.
UCCo, UCCìus. St. Dionysen a. M. bei Waldstein. (Klagenfurt, St. Leonhard,
Steuerberg in Kärnten, Auecion Gossam) vgl. TALUCa. i. Ai-uccion,
gescheidter Jüngling. Mone 206, 246.
UPPON. f. St. Lambrecht (als Veponius, Zollfeld. Ub, St. Leonhard in Kim-
len); vgl. UPELLa, Ort.
235

URSs.. f. Pettau. (M. Saal, Klagenfurt, Tanzenberg, Velben bei Salzburg.


Ursìnus Althofen. Irsonas, Ursona, Urso in Baetica, heute Usona. Lel.
Atl. Erklärung der Taf. I. (Urso bei Mionnet I. 28. 206. Sest. 96. 7. f.)
URSULa. Frauenthal. Cili, Tüffer, vgl. MOGURSo.
URSus. Cili. Sannek und St. Peter bei Cili; wol auch in der znariaraster
Ampelinschrìft VRSVTI. (Salzburg, Pulst; Ursulus Paternîon und St.
Donat in Kärnten und Mondsee bei Salzburg.) Hieher vielleicht
SURSinus, Leibnitz.
VANus. Gaisthal. Ort Vannes in Bretagne und anderweit in Frankreich.
Brandes 261.
VECHIAClNa. f. St. Dionysen a. M.
VELLAC. (наш.
VELLEC? Pettau. Velh, ahd. wilih, mhd. wilck, schnell; vgl der lex burg.
veltrahus. Frankreich Bellac. ac wie in Sintac zu Carnuntum. Bran
des 258. /
VELLECia. f. Leibnitz.
VEPONía? Cili. VEPONius. Tüñer (St. Veit).
VEPOTAL. Leibnitz. (Grottenhofen bei Seckau); vielleicht der Viigotal der
gallisehen Münze bei Duchalais 4; Vipotalo bei Lel. 104, 139, 144.
VEPO(To). Cili; (als Vepon am Zollfelde, Jahrb. 102, 8.
VERACus. Admont. (Verammus? Neumarkt.)
VER.ANius. Tüffer.
VEB.CAIus. Leibnitz? Gaisthal, Kerschbach bei Pragerhof, Hartensohlöss,
bei Grätz. (St. Leonhard, St. Stephan, Zollfeld.) Vercilla des Lazius bei
Sanneek (Vercilia Friesach), Ver (gross) im gallisehen Verodunum, Vero
mandui, Verones, Vernemetum, Vercingetorix, Vercundarus, Vergasillaunis,
Vergobretus, der Oberrichter. brit. Verolamîum,Verometa, Vetomo; hieher
das Vir, Ver in Virunum (wol grosse Stadt ?), Vercombogus, Verecwdo in
Kärnten. Lel. c. 158. Welzl I. 19. Zeuss 829. Brandes 62, vgl. 358.
VERina. f. Studenitz. (Veria bei Mionnet I. 95. 133.)
VERVICius auf dem Minhír der Sehmutzerwand bei Leoben. Knabl. Notizbl.
1856. S. 531. Lel. Verio c. 158.
VERVICus. Grottenhofen bei Seckau.
VERVIL(us). Cili. Für alle Ver-Composita findet Terstenjak einen Hinweis
auf die Wischu-Verkörperung in den Eber (ver, ber). Vgl. die Virum
ваgе ‘bei Suidas.
VIBius. Cili, Piber. (Klagenfurt, Millstadt) “Вы. f. Weyer. (Vibîa, röm. Fam.)
VIBus. St. Margarethen am Silberberg. (Vibiscis, Gallien; Vibinia, Vibenus,
Althofen; Vibenia, Klagenfurt. Vibeníus, Vibìscus bei Zeuss 24. 775.
VICARius. Semriach, vielleicht ein latinis. VERCAIO.
V1Ndillus. Friedberg. (Althofen Lind.)
VINDio. Trog bei Oberfeistritz, St. Oswald in Puch am Wallnerberg.
V1NDUNa. f. Brendlhof bei Grätz. (Vindone St. Paul.) Terstenjak leitet eine
Vindruna ab von vedro, Klarhimmel.
VINETil1a. Kaindorf im Savethale. (Vinda, Lind, St. Leonhard am Forst,)
Vindia auf gall. Münzen. Duch. 274.
VINTus. St. Johann im Draufeld, Piber als Vindilla und Vindilus zu Lind,
Viudo Globasnitz in Kärnten. Am Rhein nach Steiner Cod. Il .Z.
1317, 1484, 1615. Vindonissa.Knabl in Notizbl. 1857, S. 165. (Vin
dius, Berg in Spanien. Vindomagus, Vindana, Gallien; Vindinum.
Britanien; Vindomora, Hibenien. Vindelici, Vindesca, Vindobona,
Orte Winden, 15 in Unterösterreich.) Zeuss 771, 775, 65, 75, 825,
11, 23. Brandes 62; vgl. 358. Contzen 56. Büd. Exc. 1.
236

VlRlATia. f. Gleisdorf. (Virunum in Kärnten. Virucinates , Stamm am Lech.


Gallien Virodu, Virodunum, Viromagus, Viromandui, Virоviacum,
Viridorix auf gall. Münzen. Virdumarus-Vortimer, brit. Viroconium ,
Virolanium, Virosido.) Zeuss 19, 827. Brandes 62, Mone 248. vgl.
ATRJEVORT, VERCAI.
VIRONa. f. Cili.
Sprachlich ziehen wir aus diesem Namenverzeichniss folgende Schlüsse.
Die keltischen Eigennamen sind grossentheils aus bedeutsamen Wörtern zusam
mengesetzt, von denen solche auf ,gnat‘ (gen, Zeuss 19, 82, 757,824, Mone
189), ‚шаг‘ (Zeuss 19, 824, Mone 113), ,rix‘ (Zeuss 25, 115, 157, Mone 192)
am deutlichsten ausgedrückt sind. Das keltische gnat ward lateinisch mit gen
(gnata mit gena) gegeben, so dass eine Frau Cintugnata auch als Cintugena
erscheint; daher gnat zu nehmen ist als genus (goth. knod ? asd. chonot , wie
germanische Namen: Chnodomar, Gernôt, Sigenôt). Unsere steierische Ategnata,
Atigenta, Bussugnata, Devognata, dann Litugena wären also zu deuten als
Abkömmlinge von A'l‘, BUSS, DEV, LIT, womit neue Namen gewonnen sind,
deren ersterer auch durch ADiuma, ATio, ATbricantia, ATebodnus, ATepodua,
ATemar , ATemeria , ATimetus , ATTia , AbuAT , AdiATul , BellATul,
AdnamATo , BoniAT, CelAT, ComAT , ConamATuso, ResAT, SurAT,
ViriATia und die aussersteierischen ATepomarus, ATeporix, ADiatorix,
JADius (Rom), A-I`itto, A'I‘eval (Hasenbach bei Salzburg) gesichert ist. Zeuss
II. 835, 836. So BVSSU durch BUSSula und deutschjarendorfer Münzinschriften,
DEVo durch DIEVio, DlEvion, LI'l’u durch LITulla (Zollfeld) und Ll-l`a
Gallien, LlTavicus bei Zeus 103, 150, 799.
Das keltische Mar ward von Lelewel auf Führung, Lauf, Marsch und
den Führer, Laufer, das Pferd, die Mähre gedeutet; von Holtzmann auf Ruhm.
Wir führten an: Assedomar, Atemar, Auctomnr, Coudomar, Covidomiar, Jantu
mar, Macemar, Magimar, Nertomar, Nuomar, Resimar, Ressimar (Redsomar,
St. Daniel in Kärnten), Trogimar (wie die aussersteierischen Atepomar, Excico­
mar, Solimar, llliomar, Segomar, Dacomar, Combolomar, Elviomar, Marcemar,
Cobrovomar, Bussumar); die fï. Brogrimara, Leucimara, Trogimara (wie ausser
steierische Solimara, Atismara, Bellatumara, Chiomara), Nertomari; hieher
auch Atemeria.
Mit MAR einleitend sind MARco, МАШИН, MARull, MARulla. Aus diesen
Zusammensetzungen mit mar ergeben sich folgende neue Namen: ASSED in
ASSEDomar, ASEDÍ; AUCTo (der Fröhliche , Mone 205); BROG, BROGi,
gesichert durch BROGia (Brogitaros bei Mionnet und Zeuss 106,159, 822);
COUDo und COVIDo; JANT, gesichert durch JANTul (JANTia, AtIANTus,
Kärnten) ; LEUC , LEUCi, vgl. Luecion , Gallien Leuci , Britanien Leuca,
Leueomagus , Zeuss 42 , Brandes 60; MAC, MAG, gesichert durch MAGir
und aussersteierisch MAGiorix (vgl. GabroMAGus, Ort); aber auch i. mac (Sohn),
Mone 228, 229. NERT (stark), auch in NERTon, CouNERTa, NERTobriga in
Spanien. Mone 213 bei Brig. RES, RESS (REDSatus, RESio, Kärnten), gesichert
durch RESatus, R.ESilla, R.EStudian, REStutus, REStuta, AtRES, AtRESo.
Das keltische RIX , der deutschen , lateinischen , britischen Sprache ge
meinsam als rich, rix und rig, reiks, findet sich in unseren Namen OastRIX
(CastR.lX), ORINX (VoltREX in Laibach, wie in der Schweiz). Hier bleiben die
Wurzeln OAST (Cast) und О. Ein Casticus, keltisch Coiosticus, Sequanerfürst
bei Caesar.
An sonstigen Zusammensetzungswörtern lassen sich unterscheiden:
AB in ABuat.
AC, AGG, EC, ECION in ACcia, VechiACina, VellAC, AGurnamo, BerAGGo
(BerAC), CisiAC, SenACa, SenEC.
237

ADR in SuADRa, vgl. ADRante.


ATR in ATReso, ATRevort, ähnlich ATeR.
AN (Mann, auch On) in BurrAN, SorANa, SaAN, SaggON.
ATUC in ATUCius, SuADUCia.
BAN in BANona, PANnam (Kärnten ConBAN).
BELL in BELLatul, BELLia, BELLicina (_aussersteierisch BELLat'urnara,
BELLorix.
BER in ‘BERaggo, B(E)Rinubu.s.
BON in BONia, BONiata, BONio, BONit\1s.
BOTT in BOTTia, BOTTi0.
BORKEN in TriBORKENu. ’
BRIC, BRIG in AtBRICantia, BRIGa (BRICCio Kärnten, Gallien und Britanien
BRIGantia. Brandes 59, Mone 213).
CEL (weiss) in SuCELa vgl. CELeja, VisCELLia. Mone 215.
CHI in VeCHIacina (zwischen Ve und Ac jenes Chi, Chiu , welches ahd.
chûwo , lat. civis , Hausgenosse , auch in CHImarus , CHIomara und
. . CHIoravus ?)
CIRP in CIRPia.
CIS in ClSiac, AcCIS; CISiambos auf gallischen Münzen.
CON in Ein- und Ausleitung. CONamatuso, CONtuCON, SamuCON. Zeuss 836.
COU in COUdomar, COVidomíar, COUnerta, COUson. Vgl. CUOson.
CUPIT in CUPITus, CUPITa.
CAI in VerCAlo.
CAL in CALandin (KALandin), CALand.ina, CALeti, CALupa,
CANT in SamiCANTun (aussersteierisch CANTorix).
CAT in CATtun, CATussa; aussersteierisch CATur, CATus, CATtos, CATurix,
CATl1gnatus. Zeuss 837.
COT in COTtai, COTuco, COTulia,
DEU in DEUso, DEVognata, DIEvion.
DIA in DIAstu1 (Kärnten DIAcun).
DUBN in DUBNissus, a, DUBNa.
DUN in VinDUNa.
EBO, EPO in AdEBOdius, AtEPOdua, vgl. VEPO (aussersteierisch: EPPO zu
Tomischel in Krain, AtEPOmarus, EPOredorix, EPOsognatus, AtEPOrix;
diesementgegen das aussersteierische BODuagnatus bei Caesar).
ELUI in ELUIma, ELUIsian, ELUIaoclatius (Pannonien ELVIomar).
GAN in GANnic (GIANil1a ?)
HOG sieh OC, OG.
JA in JAtu1, welches in AdJAtul; verwandt dem ITUL, welcher auch aus SaITUL
herausgelesen werden muss.
JAR? in JARmog (sieh MOG).
JARM? in JARMog (sieh OC, OG).
IT (wenn nicht richtiger I) in ITto, ITtul, ITtun.
MAL in MALai, MALei, MA.Lso.
MARC in MARCo(n); Kärnten nach Muratori MARCulsena. Vgl. Mar.
MASCL in MASCLus.
MEL in SuMELon.
MET in AtiMET. Vgl. die Mat-Ligatur auf Adnamat-Münzen.
MOG in MOGit, MOGurso, MOCet, JarMOG (MOCiancus, Kärnten).
NAM in MNAM, MNAMM, AdNAM@1:, NAMD1, NAM<m, NAMm0nia, PaNAM,
AgurNAMo (?), CoNAMatuso.
NAS in NiNASa.
NI in Nlnasa.
238

NIC in GanNIC, NICa, NIGe1l.i0, NIGe11a (ENICet, Klagenfurt).


NUB in BriNUBus.
OG in HOGio, HOGius, SototOGi0n.
PAL in PALumb, PALo.
PIT in CuPIT, SucPITa, QuisPITu1 (vgl. CUPIT).
RAN in RANtil1 (?), RANtillia.
RES in AtRESo, RESilla, RESimar, REStut, REStuta, RESt'udian.
SA in SAturia, SAturio, SAturonius, SAanus, SAianus, SAitul1.
SAM in SAMma, SAMmius, SAMicantun, SAMueon, SAMuca, SAMuda (Gallien
SAMnites).
SEC in SECCo, SECCia, SECio.
SEN in SENn, SENaca, SENec, SENicion (aussersteierisch SENognatus, Mar
culSENa).
SIR in SIRo, SIRenus, SIRica, SYRia.
SO(N) in CouSO(N), DeuSO, SOrana (?), SOha, SOtotogion.
SOR (?) in SORana.
SU in SUadra, SUaducia (da Atuc[ius] inschriftlich gesichert ist) , SUcela,
SUmelon (SUttiho Zollfeld, SUasa bei Zeuss 17).
SUR in SURus, SURat (Ort SURontíum).
TAL in TALuca, VepoTAL, MariTAL.
TAT in TATTa, TATTus, TATuc.
TER in TERtu1l.
TILL in RanTILL, RanTILLia.
TOT in TOTt, TOTtia, TO-I’ul, SoTOTogion (vielleicht aber TOG wie im ausser
steierischen TOGirix; TOGion Klagenfurt; TOGius bei Zeuss 168).
TRI in TRIborkenu, Zeuss 837. B38.
TUC in ConTUCon, OoTUCo (ITUCa Kämten).
TUL (richtiger wol VL) in AdjaTUL, ITUL, QuispiTUL, SaiTUL, TerTUL1?
TUR in SaTURia, SaTURìo, SaTURonius, LoTUR, DURon, CaTUR. Zeuss 8.
16. 30. 32. 83. 771. 772. 799.
UC in UCco, ContUCon, CotUCo, TalUCa, TatUC (OiUCca Strahomer).
UD in SamUDa.
UP in UPpon, Ca1UPa.
UR (trotz TUR) in AgURnamo (?).
URS in URSu1a, MogURSo.
VE in VEpo, VEpota1, VEchiacina.
VEL in VEL1ac.
VEP inVEPo,VEPotal (wenn nicht gar zu zerlegen inVE-EPO-TAL, woraus dann :)
VER in VERcaio, VERvic(ius), auch VIRiatia (aussersteierisch VIRdumar).
VIB in VIBus, VIBius, VIBia (aussersteierisch VlBenus, “Веща, VIBinia).
VIND in VINTus, VINDi11a (anders VINDuna ?).
VORT in AtreVORT.
Worte , aus anderweitiger Zusammensetzung erst nachzuweisen , sind:
Apr; Bett, Blass, Binhed, Boi, Вuсе, Burg (vielleicht entsprechend Bork);
Cabal, Cacurd, Caix, Com, Crib, Oriel, Clat, Corn; Derv; Ernoî; Falend, Fest;
Gitt, Осип; Hom; Jaland, Japar; Landin, Libord (vgl. Caежий), Licov, Loueít;
Mater, Muf; Nur; Oast(Cast), Ocell, Or, Orgete (wie aussersteierìsch Orgetorix);
QuisPî Rîîsivîar, Rum; Sagg, Soh; Tannar, Tung; Van.
Die U1-Endungen keltischer Eigennamen sind charakteristisch. Wir
haben von steierischen Beispielen: Bellatul, Cnull, Cotu1(ia), Diastull, Homull,
Jantul, Itul, Marull, Marulla, Quispitul, Saitul, Tertull, Totul , während reine
Diminutivformen scheinen Bussula, Camula. An diese schliessen sich: Erendull,
ein Carner, Cintul, Litulla in Mittelkärnten.
Beilage II.

Numismatische Bibliothek.

A bedeudet die Stiftsbibliothek von Admont, J jene des Joanneums zu Сайта (* daher ent
lehnt), M jene des Münzencabinetes ebendaselbst, R die Stíftsbibliothek von Reun , V die
Universitäts-Bibliothek zu Grätz. Die Bibliotheken von St. Lambrecht, Vorau und andere
kleinere sind hier ausgeschlossen.

Abriss, kurzer, aus der deutschen Münzgeschichte. Nördlingen 1837. 8°. M.


Acta litteraria Musei nationalis Hungariae. Budae 1818. 4°. M.
Ank erb erg W E. v. Katalog einer grossen Sammlung antiker und moderner
Gold-, Silber- und Bronce - Münzen , numismatischer Bücher. Wien
1825. 8°. M.
App el. Skizze einer Sammlung sämmtlicher Medaillen, unter Kaiser Franz I.
geprägt. Wien 1822. 8°. М *. V.
-- Münzen- und Medaillen - Sammlung (15.-19. Jahrhundert.) Wien
1805. R.
- Repertorium. Pesth 1820. 8°. 4 Bände in 7 Theilen. M. R.
Arneth. Beschreibung der Medaillen und Münzen der Fürsten und Grafen von
Dietrichstein. Wien 1851. 8°. M.
- Dodona. Epirotische Erzmünze von St. Florian. 1840. R.
- Katalog der k. k, Medaillen - Stempel ­ Sammlung. Wien 1839.
Gr. 8°. M. V.
- Münz- nnd Antiken-Cabinet zu Wien. 2°. 1849. V.
- Münz- und Antiken-Cabinet zu Wien 1845. 8°. M.
- Synopsis numorum antiquorum. I. Graec. II. Roman. 1837. R.
1842. M.
Augustinus. Antiq. Roman. Hispan. in num. vet. dialogus. De prisca reli
gione, diisque. Antverpiae 1617. R.
Baldinger. Médailles sur les princ. evenements du regn. d. Louis l. g. Baden
1704. 2°. M.
Ban duri. Numismata imp. romani. Trajani Dec. ad Palaeolog. Il. Paris. 20.
1718. A. V.
B artolo m e о Paolo a S. Musei caes. vindobonens. numi Zodiacales. J.
B auer. Neuigkeiten für alle Münzliebhaber. Nürnberg 1772 4°. A.
Becker. Oesterreichisches Münzwesen. 1524-1838. 8°. 1838. V.
- Descript. de la très intéress. collect. d. médaill. p. JJ. Amsterdam.
(1851?) 8°. M.
Begeri numismata. 1691. V.
240

B ell ermann. Ueber eine seltene Erzmünze mit dem Monogramm des achaei
schen Bundesgeldes. Bonn 1859. 8°. M.
Bellorii Romani Joann. Petr. Adnotationes in XII. prior. caes. numism.
Roma 1734. R.
Bellorius. Selecti nummi duo Antoniniani. Ex bibl. C. Camilli card. max.
Amstel. 1685. 12°. A.
Berg. New Müntz Buech. München 1604. 2°. M.
Bergmann. Ueber K. Karls VI. Rath und Hofantiquarius C. G. Heräus,
dessen Stammbuch und Correspondenz. Sonderabhdlg. aus Sitzb. d.
Ak. d. W. Wien 1854. 8°. M.
­- Ueber die Historia metallica seu numismatica austriaca und Heräus‘
zehn Briefe an Leibnitz. Sonderabhdlg. aus Sitzb. d. Ak. d. W. Wien
1855. 80. M.
-­ Medaillen auf berühmte Männer des 16.-19. Jahrhundertes. 1840. f.
J. M. R.
-— Ueber den ausgezeichneten Medailleur An: Ab: (Antonio Abondio). Wien
1845. 8°. M.
- Das Münzrecht der gefürststen Grafen von Cili und die denselben
fälschlich zugetheilten Münzen der Reichsgrafen von Erbach. Son
derabhdlg. aus Jahrb. d. Lit. S. 31-50. 8°. J.
—— Graubündens Münzen. 1851. R.
- Pñege der Numismatik in Oesterreich im 18. Jahrhunderte. Sep.
Abd. der k. k. Ak. d. W. Wien 1836-1857 f. 8°. M.
B e rstett. Versuch einer Münzgeschichte des Elsasses. Freiburg 1840. 4°. M.
- Zähringer-badische Münzgeschichte. 1847. R.
Be rtholi. Le antichita de Aquileja. 2°. 1739. V.
Blanc, le. Traité des monnoyes de France. 1692. J.
Blätter für Münz-, Siegel-, Wappenkunde. Berlin 1863 f. M.
Bode. Niedersächsisches Münzwesen; Münztafeln erläutert durch Dr. Schöne
mann zu Wolfenbüttel. Braunschweig 1847. 8°. M. R.
B olz e nth al. Denkmünzen z. G. des Königs Friedrich Wilhelm III. in Abb.
Berlin 1841. 2°, M.
B о nnani. Numismata Pontiiieum. 2°. 1700 oder 1699. V.
B onneville. Traité des monnaies d‘or et d’argent, qui circ. chez l. diff. peupl.
Paris 1806. 2°. M.
Brauweis. Echte und unechte Münzen. М. 1791. V.
B r e t fe 1 d - C h 1 u m c z a n z k y’s Münzen- und Medai1len­Samm1ung­Verzeich­
niss. 2 Bnde. Wien 1841-42. 8°. (Preise eingeschrieben. Auch
in I.) M.
Budelii. De monetis. 1591. V.
B urghart. J. a. Mellen Series reg. Hungar. e num. aur. Breslau, Leipzig
1750. 4°. M.
C amm e r a ri i. Historia rei numariae. V.
Capp e. Die ältesten Münzen Böhmens. Berlin 1846. 8°. M.
—- Deutsche Kaiser- und Königs-Münzen. Dresden 1848. R.
C arelli. Numorum Наше veteris tabulae CCII. ed C. Cavedonius. Leipzig
1850. 2°. M *
Carli-Rubbi (J. Rinald). Delle monete d’Italia. 1754. 4 vol. J.
Carpegna. Rariora max. modul. numism. selecta ex bibl. Caspari Carpegnae
s. r. e. card. Amstelod. 1685. 12°. A.
Castiglioni. Monete cuŕìche dell Museo di Milano. J.
C atalo gue d’une collection de 728 médaill. consul., et de 3616 méd. imp., en
arg. prix de ch. med. Paris 1811. 8°. M.
241

Catalogue des monnaies en arg. dep. les pl. grand. piec. jusq. au ilorin.
Vienne 1769. A.
Catalogus numorum duplorum tam vet. q. recent. mus. caos. reg. Vindob.
Vindob. 1839. 8°. M. J.
- numorum Hungariae. 8°. 1807. V.
—— шип. pоp. urb. et reg. in museo monet Mediolanensi. 1813. J.
Cattaneo. Monete cuûche dell‘i. r. Museo di Milano. Milano 1819. 4°. M.
Cavedoni. Biblische Numismatik. Uebersetzt von \Verlhof. Hannover 1858. R.
C h a s s o t - F l o r e n c o u rt. Erklärung der räthselhaften Umschriften der Cou
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Chifletius. De antiquo numismate liber posthum. Antverpise 1636.
4°. A.
C o hen. Deseription générale des monnaies de la République Romaine . . app.
méd. consulaires. París 1857. 4°. M.
-­ Deseription historique des monnaies frapp. sous l’emp. romain. . . app.
méd. imper. 6 vls. Paris 1859-62. 8°. M.
C up e r. Dc elephantis in numis obviis. Exerc. Accedit Pauli Petavii antiquar.
suppelleotilis portiuncula et ej. Veterum numorum gnoriema. Hague
1746. f. A.
Dan íel. Geschichte von Frankreich mit Münzen. V.
Dissertatie de nummis. 8°.1736. V.
Dœderlin. Commentatio de nummis bract. Germanise mediae. 1729. J.
Dominicis de. Repertorio numismatico. 2 Bnde. Napoli 1826-27. 4". M.
Вид.) k. Des hohen deutschen Ritterordens Münz­Sammlung in Wien. Wien
1858. 2°. M.
Duisburg C. A. Rudolphi. Recentioris aevi numismata viror. de reb. med. et
phys. merit. Danzig 1862-63. 8°. M.
Eck hel. Anfangsgründe zur alten Numismatik. Wien 1807. 8°. M*
—- Catalogus musei Cass. Vindob. numorum veterum. Viennae. 1. Bnd. 1779.
2°. 6 Taf. 2. Band 1779. 2°. 2 Taf. M * R.
-­ Deseriptio nummorum Antiochiae Syrise. Vienn. 1786. 4°. M *
— Doctrina nummorum vet. 8 Bnde. Vindob. 1792-98. 4“. M '­“
- Addenda ad Eckhelii doctrinam num. vet. er ei. autogr. post. Vindob.
1826. 4°. M*
­- Nummi veteres anecdoti. Viennae 1775. 4°. M*
Engelken. Alte Gold- und Silber-Münzen. Ders. Neun. 8°. M.
E pito me thesauri antiquitatum, h. e. imp. rom. orient. et occid. icon ex antiq.
numismat. Tigur. 1557. 8°. A.
E rb stein. Münz- und Medaillencabinet. 8°. M.
E xe r citatio n e s de numis veteribus. Rayner Alîb. Claraevallis. 1752. R.
Falsificatori. Sopra i moderni falsificatori di medaglie greche antiche nei
tre metalli. Firenze 1826. 4°. M.
Fliessb ach. Münzsammlung von 1648-1800. Leipzig 1853. R.
F o rcel 1 a. Numismata. 4°. 1825. V.
F о rt, le. Neueste Münzkunde. 1851-53. J.
Frank’s Thaler ­ und Medaillen - Sammllmg ­ Verzeichniss. Wien 1839.
8°. M. R.
Frey. Míinzbuch coursirender Geldsorten, nach Grammen und Schvveizerwäh­
rung. Deutsch-französischer Text. Bern 1848. R.
F r ie dl än d e r. Vandalen­Münzen. Leipzig 1849. R.
­- Oskische Münzen. Leipzig 1850. R.
Frœlich. Utilitas rei numariae veter. compend. propos. Noribergae 1733.
8°. A.
16
242

Frœlích. Appendicula ad num. Augustor. et Caes. ab urb. gиee. loq. cus. quos.
ol. Vaill. coll. Viennae 1734. 8°. A. M * -
Dissertatio de numìs monetar. vet. culpa vitios. Viennae 1736. 8°. A.
(Khevenhüller). Regum veterum numismata anecdota aut perrara. Vien. s. a.
4°. 1737 (v),1752, 1755 (V). M* v. R.
Quatuor Tentamina in re num. vet. Viennae 1737. 4°. M *
Animadversiones in quosdam numos veteres urbium. Viennae 1738.
8°. A.
Ad numismata regum veterum Accessio nova. R.
Appendiculae для novae ad numism. ant. a. Cl. Vaillant, ol. edit.
Viennae 1744. A.
Annales compendiarii regum et rerum Syriae. 1750. A. R.
Numismata oimelii c. r. Vindobonensis 1755. J.
Notitia elementaris. Viennae 1758. 4°. М 9 R. V.
De familia Valabathi nummis illustrata. 1762. J.
G ä d e c h e n s. Hamburgische Münzen und Medaillen. Hamburg 1843,
1854. 4°. M.
G e h e im n u s в eröffnetes, der praktischen Münzwissenschaft. Nürnberg 1 762. R.
G h o 1 t z v on Wirt z b ur g. Lebende Bilder gar nach allen Keysern . . auss
den alte Medallen . . contrañet. 1557. 2°. M.
Gold- und Silbermünzen. Auf a. h. k. k. Entschliessung dd. 15. Sept. 1755
erneuerte Specification fremder -. Gratz 1755. Gr. 12°. M.
G o e ze'sche Sammlung von antiquen goldenen , silbernen und kupfernen Mün
zen, Thalern, Medaillen, Klippen, Bracteaten, Zinnabdrücken. Hamburg
1792. 8°. M.
Grässe. Handbuch der alten Numismatik von den ältesten Zeiten bis Con
stantin. Leipzig 1854. R. 1859. J.
Grote. Münzstudien. Neue Folge der Blätter f. Münzkunde. Leipzig I. 1-3
1857. Il. 4-6 1862. lll. 7, 8, 9. 1862. M.
G u de n. Vortheil und Schaden schwerer und leichter Münzfüsse. V.
H . . . . . Histoire numismatique de la révolution française. Paris 1826. 4°.
2 ТЫе. M.
Hanthaler. Exercitatio facilis de numis pro tyronibus. 1758. A. J. R.
—— De numis veterum. 4°. 1751. V.
- Verzeichnung bisher unbekannter Alt- und Neuer merkwürdiger Wieneri
scher Schau- Denk­ und Lauf-Müntzen. Linz 1745. 4°. A.
H a r d ui n u s. Opera selecta. Amstelod. 1760 f. A.
H a r z h e i m. Historia rei numariae Coloniensis. 4°. 1754. J. V.
H averca1n p. Thesaurus Morellianus s. familiarum Romanarum numismata
omnia. 2. Bnd. Commentaria in XII. prior. impp. rom. numismata. M.
3. Bnd. Forts. 1. 1734; 2, 3. 1752. 2°. M.
Hay m. Selecta num. ex museo Jacobi de Wilde. 1692. J.
- Romani thesauri britanici. 1763. J.
Hedlínger. Receuil de médailles des célébr. artist. 2°. 1776. J.
Heinii numarium. 4°. 1762. V.
H eraeus. Bildnisse der regierenden Fürsten vom 14.-18. Jahrhunderte.
1828. 2°. J.
Herrgott. Monumenta augustae domus Austriae. P. III. Nummographia. 2°.
2 Thle. 1750, 1752, 1760. J. R.
H e r r m a n n und K 1 i n g e 1. Katalog des grossen Fhr. von Wambolt’schen
Münzcabinetes in Heidelberg. Heidelberg 1833. 4“. М.
Не ss. Geschichte des alten Rom in Medaillen von Joh. Dassier und Sohn.
Wien o. J. 8°. M.
243

H irs ch. Bibliotheca numismatica, catalogus auctorum. 1760. J.


Hi st ori a Augusta impp. roman. a C. J. Caesare usq. ad Josephum imp.
Adduntur eiïigies sere scalpt, expr. ex nummis Christian. Succ. reginae.
Amstel. 1710. 2“. A. `
Hoffmann. Gründlicher . . Bericht, unter was vor einem Kaiserthum oder
Königreich . . . die Güld-­ und Silbernen Müntz-Sorten geschlagen worden.
1680. 4°. M.
­- Alter und Neuer Münzschlüssel. Nürnberg 1692. 4°.- M * 1715. A.
1763. V.
H о ffm e is te r. Hessische Münzkunde. 1847. R. -
Hulsius. Impp. rom. numismatum series a C. J. Caesare ad Rudolphum II.
Per Levinum Hulsium. Francof. 1603. 8°. A.
Hult sch. Griechische und römische Metrologie. Berlin 1862. 8°. M.
I deler. Memoire sur 1‘ann’en de la mort d’Alexandre le grand. J.
J o achim, Camerar Pabepergensis historia rei numarie seu de numismatis
graecis et latinis. Lips. 1556. R.
­- Neueröffnetes Münzcabinet. Nürnberg. 4°. I. 1761. II. 1764. III. 1770.
IV. 1773. A. M.
J о bert. Einleitung zur Miínzwissenschaft. 1783. 8°. J. V.
J un gen dre s M. Seb. Jae. Kurzgefasste Kaiserhistorie; viele zum studio numis
matico dienliche Observationes. Nürnberg 1733. R.
Khell. Adpendicula ad numismata graeca. 1727. V.
--— Adpendicula altera ad numismata graeca. Vind. 1764. R.
- Ad numismata imperatorum romanorum aur. et arg. a Vaillant edita
Baldin auct. Supplementum. Vindob. 1761. A. J. R. V.
Köfi l. Abhandlung von den Grundsätzen der Münzwissenschaft mit Anwen
dung derselben auf das deutsche Münzwesen. Uebersetzt aus dem Engli
schen. Wien 1770. 8°. M.
Köhler. Münzbelustigungen. 22 Theile in 11 Bänden. 1 Register. Nürnberg
1729-50 (65). 4°. J. M. V. *)
Krehl Ludolf. De numis muhamedanis. Lipsîae 1856. R.
Kunz. Catalogo 2do. d. ogg. di numismatica vend. p. C. Kunz in Venezia (Mon.
Bizant., princ. occ. in oriente). Venezia 1855. 8°. M.
L an g е r m an n. Hamburgische Münzen und Medaillen. 1843. R.
Lanii de num. Grzeciae. V.
Latini. Thesaurus numismat. 1672. V.
L e d r u si Paolo. 2°. 1694. V.
L е 1 t z m a n n. Numismatische Zeitung. 1837-45. 9 Bände. J.
-- Verzeichniss der numismatischen Werke seit 1800. 1841. J.
Lelewel. Numismatiqe du moyen âge. 3 prts. in 2 vls. 8°. I. p. pl. 4°. Paris
1835. M.
L ette r a critica all’estensore del libro intitolato: Catalogus num. veter. graec. et
latin. mus. reg. Daniae. Hafniae 1816. —­ 1817. 4°. M.
L evy. Geschichte der jüdischen Münzen. Leipzig 1862. 8°. M.
Lipsius. Bibliotheca seu Catal. auctorum. 1801. J.
L o hn er. Berner Münzen. 1846. R..
L o os. Kunst, falsche Münzen zu erkennen. Berlin 1828. 8°. M.
Lucius. Neuer Müntz Tractat von Approbirten und devalvirten Guldinern und
andem Müntzsorten. Nurnberg und Leipzig (1691). 4°. М.

i) Darin des steierischen Landstandes Georg Adalbert edlen von Beeokh (1741-1801
Abhandlung über die Münze Johann Albrechts Widmanstadts, K. Ferdinands I. Hof
kanzlers. 3. Th.
16 *
244

Luczenb acher. A. Szerb Zsupánok, Kiralyok, es Czaîrok Penzeî. Budán


1843. 8°. M.
L u d ewi g. Einleitung zu dem deutschen Münzwesen mittlerer Zeiten.Hsg. Moser.
Beigebunden Martini. Kunstreicher Müntzmeister und wohlerfahrener
Müntz-Wardein. Berlin 1752. 8°. lngel. Mineralischer Hauptschlüssel.
Zittau 1753. 8°. Ulm 1752. 8°. M. R.
Madai. Thalercabinet. 3 Theile, 1 Band ff. Königsberg 1765. 8°. M. R.
M ader. Bracteaten Böhmens. Prag 1797. R.
-_ Kritische Beiträge zur Münzkunde des Mittelalters. Prag 1803-13. R.
M a r e ti c h d e Riv A lp о п. Münz- und Medaillen-Sammlung-Verzeichniss.
Wien 1863. 8°. M.
Maria Anna. Denkmünzen auf Kaiserin M. Theresia. (Médaill. frapp. s. M.
Ther.) 1782. J.
M ark sfeld. Vierzig Münzen der Normannen, Hohenstaufen und Anjou 1166
bis 1309. Mailand 1858. 8°. M.
Médailles (Louse). 1702. 2°. V.
M e di o b arb u s. lmpp. rom. numismata a Pomp. ad Heracl. Mediol. 1683. 2°. A.
Melle n. Sylloge numorum ex argento. 1698. J. -
M e r z d o r f. Freimaurer-Denkmünzen. Oldenburg 1851. R.
M e usel. Index numismatum in viror. de reb. medicis meritor. memoriam. J.
Meye r. Die ältesten Münzen von Zürich oder Zürichs Münzgeschichte im
Mittelalter. Zürich 1840. 8°. M. R.
-- Bracîeaten der Schweiz. Zürich 1855. R.
M e y е r v o n Kn o n au. Die schweizerischen Münzen von den ältesten Zeiten
bis auf die Gegenwart. Zürich 1851. 8°. M.
Michel. Neue Münzgesetze Oesterreichs. 1859. J. V.
Mikocki. Verzeichniss einer grossen und sehr gewählten polnischen Münz
und Medaillen-Sammlung . . aller Länder. Wien 1850. 8°. M.
Mio nnet. Atlas de géographie numismatique. 4°. 1838. J.
-­ De la rareté et du prix des méd. rom. 2 Bnde. Paris 1847. 8°. M*
M o m m sen. Geschichte des römischen Münzwesens. Berlin 1860. 8°. M. R. V.
Mo nete. Delle monete de’ Veneziani dal principio al fine della l. republ.
Venezia 1818. 4°. I. M.
Monnoies en or et argent. qui compos une des differ. part. du cab. d. S. M.
l’emper. Vienne 1756, 1759 f. A. R.
M o ntfa u c o n. L'antiquite expliquée et representée en fig.VIII. Paris 1 722. 2°. A.
Morelli. Num. fam. rom. 1734. V. ‘
Müller. Deutsche Münzgeschichte. I. Band. J. M. R.
Müller. Numismatique d‘Alexandre le grand; app. cont. les monn. de Phi
lippe. 11. 111. Copenhague 1855. 8°. M.
Müntzbuech, New. München, Berg 1597. 2°. J.
Müntz ordnung K. Kar1’s V. Augsburg 1551. 30 Bl. 2°. J.
—— R. K. May. Ertzhertzogen zu Oesterreich. Newe Müntzordnung. Wien
1560. 2°. M.
­- rom. kais. May. (Ferdinandi). Wien 1560. 2°. J.
- der drey Reichscreisse Frank. Bay. Schwab. Nürnberg 1693.
Münz-Abdrücke. I. 4°. R.
Münzbuch. Vergleichs-, Probir- und Prägungsregeln. Hs. 33/47. 146 Bl.
Vgl. Zahn Beitr. z. K. st. G. Q. 1. 12°. V.
Münzeabinet, das geöffnete. Hamburg. Schillern 17.. 12°. J.
Münzen zu Ehren Carl’s VI. Nürnberg 1761. R.
- Sammlung der wichtigsten, seit dem westphälischen Frieden bis 1800.
Leipzig 1853. J.
245

М ü n z k u n de Russlands, zur. Petersburg 1805. 8°. A.


M ün zl e x11: o п, curieuses. Frankfurt 1 740. 8°. J.
M ü n z v e r z eich n is s römischer und griechischer Silber- und Broncemíinzen.
1818. 8°. V.
Mu s e llius. Numismata antiqua. 4 Bnde. 2°. 1751~60. J.
N elk e n b r e c h e r. Taschenbuch der Münz-, Maass- und Gewichtsverfassung.
Hsg. S. Gunz. Prag 1821. 8°. M.
Neumann. Kupfermünzen. 3 Bnde. Prag 1858-63. 8°. M.
Nico p olis Epiri Aug Abbildung zweier Medaillen. 2°. J.
Ni e m an n. Handbuch der Münzen, Masse und Gewichte aller Länder. Quedlin
burg, Leipzíg. 8°. M.
N o ta di alcune medaglie rare od inedite della collezione Majnoni. Milano
1818. 2°. M.
N u mis , exercitium de , veterum gloriam bellicam referentibus Joann. Greg.
praepos. Sanflorianens. 1751. R.
-— de, patriarcharum Aquilejensium dissertatio. 2°. Venetiis 1749. R.
N u m is m a t a Ludovici XII. 2°. 1 704. V.
- Musei Pisano. 2°. V.
——- quaedam cuiuscunque formae. 2°. 1741. V.
Nummi Caroli VI. 8°. 1728. V.
- triumphales. Viennae 1705. 12°. A.
Nu m o p hy l a c ii Ampachiani sect. I. Leipzig 1833. 8°. M.
O b e r m a y r. Baiernsche Münzen von Reichenhall, 1 1. ——-12. Jahrhundert. Frank
furt und Leipzig 1763. R.
O ce о, Imperatorum romanorum numismata a Pompejo ad Heraclium. 4°, 2°.
1579 (A. J.) 1601 (R. V.) Auct. 1683. Argelato 1730. A. J. R. V.
Ois ellius. Thesaurus selectorum numismatum antiquor. Amstelod. 1677 4°. A.
P atarol. Opera omnia. (Kaisermünzen.) Venezia 1743. 4°. M.
- Numismat. 8°. 1740. V.
Patinns. Famil. rom. in antiq. num. 1663. V.
—— 1шpp. rom. numismata ex sere mediae et minimae formae. Argento
rati 1671. 2°. A.
—­ Thesaurus numismatum antiquorum et recentiorum. 1672 1683. (J.)
Р setu s L uca. De mensuris et ponderibus romanis et graecis. Venetiis
1573. R.
P edrusi. I cesari in oro raccolti. Parma. J.
Petau s. Öuper.
Pin d e r. Antike Münzen des berliner Museums. Berlin 1851. R.
P 1 at o. Schreiben an Berberich, die Hof-Geissmarische Münze betreffend. Regens
burg 1765. 4°. M.
P o s e rn- Klett. Sachsens Münzstätten und Münzen. Leipzig 1846. R.
P r a t o b e v e r a. Die keltischen und römischen Antiken in Steiermark. Graz 1856.
8°. J. M. R. V.
P rile zki. Annales regum Syriae ex nummis. J.
P r o gr amm der numismatischen Gesellschaft in Berlin zur Feier des Eckhel
Festes am 13. Januar 1845. a) E. H. T œlken. Iris die Götterbotin.
b) B. K œ hn e. Die einzige brandenburgische Münze des Kurfürsten
Albrecht Achilles. Berlin 1845. 4°. M. ~
Rasche. Kenntniss antiker Münzen. 1778. J. (Lex. V.)
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- der in der Münzsammlung des J. R. von Mader vorkommenden Stücke,
Münzwerke und Schriften. Prag 1818. 4°. M.
- einer kleinen Sammlung von Thalern, Gulden . . numismatischen und
anderen Büchern. Wien 1828. 8°. M.
- der aus den Funden von 1834-42 herrührenden Münzen l1. s. w. Wien
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-— Elbing’s Münzgeschichte. Berlin 1844. R.
- Geschichte der preussischen Münzen und Siegel bis zum Ende der Herr
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Waldner. Versuch eines Entwurfes der Hauptmomente des deutschen Münz
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Wei d h a s. Die brandenburger Denare; brandcnburger Groschen und kleinen
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Nachtrag. Zu Sammlung Рий‘ S. 100: 500 Stk., röm. 200, m. a. 270,


steierische 30; 2Pto1emaeer aus Mährenberg. Sammelt seit 1830.
Zu Schluss keltischer Münzen. Vgl. Sacken, Leitfaden der heidn.
Altkde. Wien 1865. S. 112-116.
Napoléon. Gesch. Caesars, wiener Ausg. S. 100, 101. A. 1.

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