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Marktversagen und

Staatstätigkeit
Der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Deutschland aus ökonomischer und
politikwissenschaftlicher Perspektive

Von Kim Eickmeyer, Laura Ficht und Felix Nolte


Gliederung
Einführung

Was für ein Gut ist der ÖRR?

Ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk aus politikwissenschaftlicher Perspektive sinnvoll?

Ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk aus wirtschaftlicher Perspektive sinnvoll?

Fazit

Diskussion

Literaturverzeichnis
Was für ein Gut ist der ÖRR?

aus: Mause/Müller (2018)


Was für ein Gut ist der ÖRR?

aus: Mause/Müller (2018) / eigene Darstellung


Was für ein Gut ist der ÖRR?

Aber: Keine Finanzierung über übliche Steuerabgaben

Stattdessen: Zwangsgebühr! -> Gegensatz zur normalen Marktallokation: freiwilliger Tausch


Was für ein Gut ist der ÖRR?

Staat wünscht höheren Konsum als bei normaler Marktallokation

-> meritorisches Gut

öffentliche Daseinsvorsorge (Nachrichten, Information, Kultur, Unterhaltung)?


Ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk aus
politikwissenschaftlicher Sicht sinnvoll?
Warum gibt es den öffentlich-rechtlichen
Rundfunk?

“Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat den verfassungsrechtlich vorgegebenen Auftrag,


einen Beitrag zur individuellen und öffentlichen Meinungsbildung zu leisten und so zu
einem funktionierenden demokratischen Gemeinwesen beizutragen.” Das Erste/ARD
Leistungsfunktionen der Massenmedien
1. Forumsfunktion

2. Legitimations- und Kontrollfunktion

3. Integrationsfunktion
ÖR aus politikwissenschaftlicher Sicht
vertretbar?

+ Bildungsauftrag - staatliche
Unabhängigkeit
garantiert?
Ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk aus
wirtschaftlicher Perspektive sinnvoll?
Rundfunk als meritorisches Gut
Der Wert der Programme wird von den Konsumenten falsch eingeschätzt
➔ Führt zu verzerrten Präferenzen

Die Nachfrage nach Programmen mit einem hohen Nutzen (mit bspw. integrierenden oder
demokratiefördernden Inhalten) ist zu gering

Der ÖRR ist in der Lage die verzerrten Präferenzen auszugleichen, indem mehr der
entsprechenden Programme produziert werden
Rundfunk als meritorisches Gut - Kritik
Das Modell der meritorischen Güter grenzt die Konsumentensouveränität ein

Wie lässt sich der “richtige” Nutzen ermitteln?


➔ Die Entscheidung, welcher Konsum von bestimmten Programmen optimal ist, ist immer
subjektiv

Wird das Angebot angenommen, wenn Alternativen geboten werden?


Positive Externe Effekte
Die Konsumenten kalkulieren nur den für sie individuell entstehenden Nutzen ein

Der Konsum von Bildungsprogrammen oder Programmen, die einen gewaltfreien Umgang
fördern, bringt zusätzlichen gesellschaftlichen Nutzen

Der ÖRR kann diesen zusätzlichen Nutzen einkalkulieren und das Programm entsprechend
anpassen
Positive Externe Effekte - Kritik
Können private Anbieter den Nutzen nicht ebenso einkalkulieren?
➔ Es könnten Anreize gesetzt werden, damit private Anbieter Programme produzieren, die
ansonsten vernachlässigt werden

Externe Effekte treten in vielen Lebensbereichen auf, ohne dass staatlich interveniert wird
Asymmetrische Informationsverteilung
Die Qualität von Unterhaltungsserien oder Sportübertragungen kann erst nach dem Anschauen beurteilt
werden
➔ Erfahrungsgüter

Bei Nachrichten oder politischen Informationssendungen ist die Qualität auch im Nachhinein nur schwer
zu beurteilen
➔ Vertrauensgüter

Es könnte der Anreiz bestehen günstigere Programme mit geringerer Qualität zu produzieren, ohne dass
der Konsument es bemerkt
Asymmetrische Informationsverteilung - Kritik
Obwohl weniger Anreize vorliegen an der Qualität zu sparen, liegt die asymmetrische
Informationsverteilung beim ÖRR ebenfalls vor

Die viele Konkurrenz zwingt die Anbieter ein gewisses Maß an Qualität anzubieten

Heutzutage gibt es viele Möglichkeiten sich über die Qualität der Programme zu informieren bevor sie
konsumiert werden
➔ Rezensionen, Programmzeitschriften, Austausch mit Bekannten
Größenvorteile
Die Kosten der Bereitstellung und Produktion von Programmen ist unabhängig von der Anzahl der
Konsumenten und die Markteintrittskosten sind sehr hoch
➢ Je größer das Publikum, desto geringer die Kosten pro Konsument

Es werden hauptsächlich Programme produziert, die eine möglichst große Menge an Menschen
ansprechen
➢ Keine Nischenprogramme oder große Vielfalt

Der ÖRR kann diese Vielfalt sichern, da weniger Fokus auf der Kostenminimierung liegt
Größenvorteile - Kritik
Durch die neuen Medien und technologischen Fortschritt sind die Kosten stark gesunken
➔ Nischenprogramme können einfacher zur Verfügung gestellt werden

Auch hier könnte es Anreize für private Anbieter gesetzt werden, um bestimmte Inhalte zu fördern
Fazit
Der ÖRR ist als meritorisches Gut durchaus streitbar

Politik- und Wirtschaftswissenschaften liefern recht unterschiedliche Aspekte

Insgesamt lässt es sich aus politikwissenschaftlicher Sicht leichter für den ÖRR argumentieren

Aber: die Umstände der Entstehungszeit sind mit den heutigen kaum vergleichbar und erfordern eine
stetige Neubetrachtung
Diskussion
Brauchen wir den ÖRR heute noch?

Haltet ihr den Rundfunkbeitrag für eine sinnvolle Finanzierungsmethode?

Empfindet ihr den ÖRR als politisch unabhängig?

Verliert der ÖRR mit dem wachsenden Einfluss der neuen Medien an Relevanz?
Literaturverzeichnis
Dewenter, Ralf/Heimeshoff, Ulrich (2013): Neustrukturierung der öffentlich-rechtlichen Fernsehlandschaft: Theoretische
Hintergründe und Reformoptionen. In Prof. Dr. Justus Haucap (Hrsg.), Ordnungspolitische Perspektiven
Korps, Manfred (2005): Soll der öffentlich-rechtliche Rundfunk die Nachfrage seiner Zuhörer und Zuschauer korrigieren? In
Arbeitspapiere des Instituts für Rundfunkökonomie an der Universität zu Köln. Heft 176.
Mause, Karsten / Müller, Christian (2018): Allokation: Marktversagen und Staatstätigkeit. In: Mause/Müller/Schubert (Hrsg.):
Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium. Wiesbaden: Springer, S. 147-190.
http://www.bpb.de/apuz/276555/oeffentlich-rechtlicher-rundfunk-in-der-schusslinie-eine-differenzierung?p=all
http://www.bpb.de/apuz/32166/oeffentlich-rechtlicher-rundfunk-in-der-demokratie?p=all
https://daserste.ndr.de/ard_check/fragen/Aufgabe-und-Funktion-des-oeffentlich-rechtlichen-Rundfunks-der-ARD,antwort
en104.html
https://www.sueddeutsche.de/medien/volksabstimmung-ueber-no-billag-schweizer-wollen-oeffentlich-rechtlichen-rundfu
nk-behalten-1.3891576