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Drehzahlregelung von Kreisel- und

Verdrängerpumpen

Institut für Hydraulische


Strömungsmaschinen an der
Technischen Universität Graz

Seite 1 Helmut Jaberg


o.Univ.-Prof.Dr.-Ing.
Aufgabe einer Pumpe: Energiezufuhr in das System

Damit wird der Rohrwiderstand überwunden und Medium transportiert

Förderhöhe: Total - Energiedifferenz zwischen Druckseite und Saugseite


p tot ,D  p tot ,S 
effektiv: H p tot  p   v2    g  z
g 2

Diese Aussagen gelten für alle Pumpen: Kreisel- und Verdrängerpumpen.


Unterschiedlich ist der Aufbau der Förderhöhe:
- Bei Kreiselpumpen wird die Förderhöhe HYDRODYNAMISCH aufgebaut, also
durch die Geschwindigkeitsdreiecke am Eintritt- und Austritt.
- Bei Verdrängerpumpen wird die Förderhöhe HYDROSTATISCH aufgebaut, die
Verdrängerpumpe drückt immer das gleiche Volumen gegen jeden beliebig großen
Gegendruck. Grenze ist nur, dass etwas kaputt geht: Antriebsmotor, Pleuel,
Gehäuse, Kupplung … Oder eine Überlastsicherung spricht an.

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Kreiselpumpen: Die Geschwindigkeitsdreiecke (s.u.) legen die Förderhöhe fest.
Das ist die HYDRODYNAMISCHE Wirkung.

1
theoretisch: Hth  ua cua  ue cue  Euler - Gleichung
g
Verknüpfung zwischen effektiv und theoretisch durch Verlust Hv

H  H th  H v  H th i

Verdrängerpumpen: Der Gegendruck (in der Druckleitung) legt die Förderhöhe


fest. Die Pumpe fördert immer soviel Volumen, wie in einen Hub oder in eine
Förderzelle hineinpasst - gegen jeden Gegendruck!

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Kreiselpumpe:
Für Geschwindigkeitsdreiecke gilt
immer:

  
c u w
Eintritt: i. a. cue = 0, wg. ungestörter drallfreier
Anströmung. (Anm.: Deshalb sollen keine Einbauten
wie z.B. Krümmer vor den Saugmund einer
Kreiselpumpe, sonst stimmt nämlich die Voraussetzug
drallfrei nicht mehr! Das hat meistens sehr schlimme
Auswirkungen)

Eintritt leistet keinen Beitrag zu Hth


Die Euler-Gleichung vereinfacht sich:

H th  ua cua 
Drallfreier 1 Geschwindigkeitsdreieck am Eintritt
einer Kreiselpumpe: c steht
Eintritt: senkrecht auf u: cue = 0
g
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Ähnlichkeitsgesetz
Bei Drehzahländerung bleiben die Geschwindigkeitsdreiecke ähnlich
un
cn
c3
cun
w3

c2
Q  cA Q = K1 * n w2

c1
w1
Anm.: Die durchströmte Fläche
bleibt gleich (konstant), mit n
u3 u2 u1
ändert sich c, somit ändert sich Q
proportional mit n.
Dass Q n ist, gilt für Kreisel- und
Verdrängerpumpen.
Ändert man bei einer Verdränger-
pumpe n, dann wird der Förderhub
mit n entsprechend öfter oder
weniger oft in die Druckleitung
ausgeschoben.

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Ähnlichkeitsgesetz
Bei Drehzahländerung bleiben die Geschwindigkeitsdreiecke ähnlich
un
cn
cun
c3
w3

c2
1
H  u2 c u 2 H = K2 * n² w2
g c1
w1
Anm.: Weil u und cu proportional n
sind, ändert sich die Förderhöhe u3 u2 u1
QUADRATISCH mit n
Dass H n2 ist, gilt NUR für
Kreiselpumpen.
Bei Verdrängerpumpen wird die
Förderhöhe durch den Gegen-
druck (nicht durch die Pumpe)
festgelegt. Die Drehzahl hat bei
denen also gar keinen Einfluss auf
die Förderhöhe.
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Ähnlichkeitsgesetz

Aus Q = K1 * n und H = K2 * n²
Kann man die Ähnlichkeitsgesetze anschreiben

Q1 n1
Gl. (1):  alle Pumpen
Q2 n2
2
H1  n1  NPSH1
Gl. (2):    nur Kreiselpumpen
H 2  n2  NPSH 2
Wenn man in Q und H die Drehzahl n ersetzt, ergibt sich eine Parabel, die
sogenannte Ähnlichkeitsparabel
K2
H  2  Q2  K  Q2
K1
In der Formel für die Ähnlichkeitsparabel muss man den Wert K kennen.
Dazu muss man einen Punkt Q,H auf einer Pumpenkennlinie kennen

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Ähnlichkeitsgesetz

In der Formel für die Ähnlichkeitsparabel muss man den Wert K kennen.
Dazu muss man einen Punkt Qk,Hk auf einer Pumpenkennlinie kennen
Hk
Hk  K Q 2
k und daraus berechnet man K: K 2
Qk
Schreibt man die linke Gleichung für zwei Betriebspunkte Q1, H1 und Q2, H2
und dividiert, erhält man eine weitere nützliche Form für die
Ähnlichkeitsparabel

H1 Q12
Gl. (3):  2
H 2 Q2
Aber Achtung: Alle Beziehungen gelten nur für jeweils ein einzige
Ähnlichkeitsparabel, also für eine Ähnlichkeitsparabel durch einen gewählten
Betriebspunkt (z.B. Punkt 1 mit H1 und Q1). Durch einen anderen Betriebspunkt
geht eine andere Ähnlichkeitsparabel mit einem anderen Wert K.
Mit den Gl. (1), (2), (3) kann man ALLE Drehzahlregelungsfragen lösen. Die
Herleitung braucht man eigentlich gar nicht zu kennen. Aber Achtung: Die Gln.
gelten immer nur für eine Ähnlichkeitsparabel.
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Kennlinie und Ähnlichkeitsgesetz
Ähnlichkeitsparabel : Bei Drehzahländerung verschiebt sich ein Punkt der Kennlinie auf einer
Parabel! Wendet man die Ähnlichkeit (Gln (1), (2), (3)) mehrfach an, findet man damit die
Kennlinie für die neue Drehzahl.
Achtung: Meistens verschiebt sich der Betriebspunkt anders (s.S.12)! Der Betriebspunkt ergibt
sich IMMER aus dem Schnittpunkt von Anlagenkennlinie und Pumpenkennlinie.
Interessant: Der maximale Wirkungsgrad bliebt praktisch gleich.
H 
H0 1 H = K‘ *Q2 max

0.8
H = K‘‘ *Q2

Ähnlichkeitsparabel
0.6
H = K‘‘‘ *Q2
9/16*H0 n3
0.4 n1 n2 n3
n2 = ¾*n3
¼*H0 n1 = ½*n3
0.2

0
0 0.2 0.4 0.6 0.8 1
Q 0 0.2 0.4 0.6 0.8 1
Q
½*Qm ¾*Qm Qm ½*Qm ¾*Q
m m Q
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Ähnlichkeitsgesetz H
Qn: Q = K1*n H0

H  n²: H = K2*n²
Ersetze n
9 H0
K2 16
H  2  Q2  K  Q2 n3
K1
n2
1 H
4 0
Bei Drehzahländerung n1
verschiebt sich der ein
Punkt der Pumpenkenn-
Q
linie auf einer Parabel 2
3 Q
4 Q Q

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Drehzahlregelung H

In dem nebenstehenden Bild sind die Pum-


penkennlinien für zwei Drehzahlen einge-
zeichnet (gestrichelt und durchgezogen).
Die gestrichelte rote Parabel ist eine
Anlagenkennlinie FÜR DEN SONDERFALL Pumpenkennlinien für n1 bzw. n2

GESCHLOSSENE RINGLEITUNG. Sie hat


keinen statischen Anteil und geht daher
durch den Nullpunkt. Der Betriebspunkt ist
der Schnittpunkt aus Pumpen- und
Anlagenkennlinie.
Q
Die rote durchgezogene Parabel ist die Q
Ähnlichkeitsparabel.durch den Ähnlichkeitsparabel

Betriebspunkt.
NUR in diesem SONDERFALL stimmen An- Anlage (nur dynamisch)
lagenkennline und Ähnlichkeitskennlinie z.B geschlossene Ringleitung
ZUFÄLLIG überein. Die Ähnlichkeitsgesetze
liefern direkt den neuen Betriebspunkt für die
geänderte Drehzahl.

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Anlage (stat.&dyn.)
Drehzahlregelung H
2

In diesem nebenstehenden Bild ist eine all-


gemeine Anlagenkennlinie mit stat. und dyna- 3
mischem Anteil eingezeichnet (grün). Der 1
Betriebspunkt ist wieder der Schnittpunkt aus
Pumpen- und Anlagenkennlinie (Punkt 1) Pumpenkennlinien für n1 bzw. n2

Die blaue durchgezogene Parabel ist die


Ähnlichkeitsparabel.durch den Betriebspunkt
mit der n1-Pumpenkennlinie. Entlang der n1 n2
Ähnlichkeisparabel gelten die
Ähnlichkeitsgesetze Gl (1), (2), (3)
Q/2 Q
Wenn man die Drehzahl von n1 auf n2 erhöht, Q
liefert die Ähnlichkeitsparabel (blau) zwar Ähnlichkeitsparabel

einen entsprechenden Punkt 2 auf der neuen


Kennlinie, dies ist KEIN BETRIEBSPUNKT.
Der neue Betriebspunkt 3 liegt wie immer am
Schnittpunkt Anlagen- und Pumpenkennlinie,
dazu gehört die rote Ähnlichkeitsparabel.

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Anlage (stat.&dyn.)
Drehzahlregelung H

Ist z.B. der Betriebspunkt BP1 gegeben,


und man sucht den Betriebspunkt BP2 für
eine andere (größere) und bekannte
Drehzahl n2, so muss man die neue
Pumpenkennlinie ausrechnen, indem man Pumpenkennlinien für n1 bzw. n2
auf einige Q,H-Punkte (i.A. reichen drei)
der n1-Kennlinie die Ähnlichkeitsgesetze
anwendet. Den Betriebspunkt BP2 liest
n1 n2
man dann (wie immer) im Schnittpunkt der
Anlagenlinie mit der neuen n2
Pumpenkennlinie ab. BP1 BP2
Q
Ähnlichkeitsparabel

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Anlage (stat.&dyn.)
Drehzahlregelung H

Oft wird auch eine Q-Änderung angestrebt und


die erforderliche Drehzahl gesucht.
BPneu
Bsp.: Verdopplung Q, n2 gesucht. BP

Man sieht: Der Betriebspunkt BP mit n1 liegt (wie


immer) im Schnittpunkt Anlagenkennlinie (grün) Pumpenkennlinie für n1
mit Pumpenkennlinie (gestrichelt). Man sieht
auch, die Ähnlichkeitsbeziehungen auf BP ange-
wandt, würden einen Punkt auf der blauen ÄP
weiter oben liefern, der aber gar nicht auf der n1 n2
Anlagenkennlinie liegt.
Man geht also auf der Anlagenkennlinie nach Q 2*Q
rechts bis 2*Q (BPneu). Das ist der neue Betriebs- Q
punkt mit Qneu und Hneu. Jetzt muss man noch die Ähnlichkeitsparabel
zugehörige Pumpenkennlinie und die nötige
Drehzahl n2 finden. Dazu wendet man auf BPneu
die Ähnlichkeitsbeziehungen an

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Anlage (stat.&dyn.)
Drehzahlregelung H
Dazu wendet man auf BPneu die Ähnlich-
keitsbeziehungen an. Man ermittelt sich die rote
Ähnlichkeitsparabel und sucht deren Schnittpunkt
SP mit der n1-Pumpenkennlinie. Man nimmt BPneu
2 BP
H neu Qneu
Gl. (3)  2
H2 Q2 Pumpenkennlinie für n1
H
und löst sie auf nach H2: H 2  2neu Q22 SP

Qneu
Da Hneu und Qneu ja aus BPneu bekannt sind, kann
n1 n2
man eine Wertetabelle für die rote ÄP anschreiben:
Q2 wähle wähle wähle wähle
Q 2*Q
H2 berechne berechne berechne berechne Q
Ähnlichkeitsparabel

Man wählt beliebige Q2 und berechnet H2 und zeichnet damit die rote ÄP, die zwangsläufig durch BPneu
geht. Den Schnittpunkt dieser roten ÄP mit der n1-Pumpenkennlinie liest man ab: QSP, HSP
Jetzt kann man die Drehzahl ausrechnen, die zu BPneu bzw. zu der durch BPneu gehenden n2-Pumpen-
kennlinie gehört: Aus QSP n Q
 1 folgt nneu  n1  neu
QBPneu nneu Q1

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Anlage (stat.&dyn.)
Drehzahlregelung H

Sonderfall Verdrängerpumpen
Verdrängerpumpen haben eine senkrechte
Kennlinie (oszillierende Verdränger) oder
eine leicht geneigte Kennlinie (rotierende
Pumpenkennlinien für n1 bzw. n2
Verdränger, wegen der volumetrischen
Spaltverluste, die mit steigendem H
zunehmen).
n1 n2 = 2* n1
Eine Ähnlichkeitsparabel gibt es nicht, weil
H durch den Gegendruck festgelegt wird.
Es gilt also nur die Ähnlichkeitsbeziehung Q 2*Q
Gl. (1) für den Förderstrom: Q

Q1 n1

Q2 n2

aus der sofort die jeweils gesuchte Größe, egal ob n oder Q berechnet
werden kann.

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Regelung von Kreiselpumpen: Leistungsvergleich

HAnlage(Q)

H(Q)

Leistungsbedarf P der Pumpe


Regelungsmöglichkeiten

Förderhöhe HA der Anlage


Förderhöhe H der Pumpe
P Bypass (Radialpumpen)
- Zu/Abschalten von Pumpen P Drosselung
P Auslegung
- Bypass-Regelung P(Q)
P Leitschaufelverstellung
- Drosselung
P Abdeckung der Laufradaustrittsbreite
- Vordrallregelung
- Laufschaufelverstellung P Vordrallverstellung (Halbaxialpumpen)
- Drehzahlregelung P Propellerschaufelverstellung
- Kavitationsregelung
P Laufrad abgedreht
P Drehzahlverstellung
Drehzahlregelung ist die mit Abstand
energiesparendste Regelung. Ihr
volles Einsparpotential schöpft sie
Q2= Q1/2 Q1 Förderstrom Q

aber nur bei Anlagenkennlinien ohne Leistungsvergleich der verschiedenen Regelarten


statischen Anteil aus (geschlossene (Quelle: KSB - Pumpenlexikon)

Ringleitung oder fast horizontale


Druckleitungen, z.B. Pipelines).

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Drosselung Die Radialkräfte steigen
(im“Tonnen“-Bereich!)

Die Drosselregelung verbraucht sehr Radial-


viel Energie kraft
Zunahme

Zugeführte, aber
nicht benötigte,
also
weggedrosslte Q/2 Q Q
Förderhöhe
Anlage
Die Pumpe läuft in Kavitation, ohne daß
man es merkt !
Pumpe
NPSH NPSHi

Q/2 Q NPSH3

Q
Q/2 Q
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Bypass-Regelung

P P

Möglichkeit der
Fördermengenregulierung

(Teil-) Rückführung des


Förderstroms zur 
Pumpensaugseite, u.U durch
Kühler

Gründe: Einsatz im
Teillastgebiet vermeiden (wegen H Nutz, Bypass
Kavitation, Aufheizung oder geschlossen
Axialschub)
Bypass
Große Energieverschwendung,
weil bei Förderung von Qnutz die QBypass Bypass,
Abzweigmenge QBypass Nutz
zusätzlich gefördert wird. parallel
QNutz QNutz +QBypass
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