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Sachtexte analysieren und beurteilen

Gliederung und Leitfragen einer Sachtextanalyse

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Regeln zu Inhaltsangabe
● Der Aufbau ist übersichtlich.
● Man schreibt im Präsens bzw. bei Vorzeitigkeit im Perfekt, damit die jeweilige
Geschichte vergegenwärtigt wird.
● Man konzentriert sich auf das zum Verständnis Notwendige, nicht auf Einzelheiten.
● Es werden keine Zitate aus dem Text verwendet.
● Die direkte Rede wird nicht verwendet. Die indirekte Rede wird nur dann eingesetzt,
wenn es sich vom Textverständnis her nicht vermeiden lässt.
● Es wird eine sachliche und nüchterne Sprache verwendet.
● Eine Inhaltsangabe ist logisch, chronologisch, nachvollziehbar und inhaltsgetreu.
● Wiederholungen aller Art werden vermieden, es wird abwechslungsreich geschrieben.
● Es wird aus der Sicht eines „allwissenden Erzählers“ geschrieben.

Formulierungshilfen

Beim Schreiben einer Stellungnahme müssen Sie oft Gedanken sprachlich miteinander
verknüpfen. Dazu eignen sich folgende Formulierungen:

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Aussagen in Zusammenhang bringen – Sätze logisch verknüpfen

Analyse „Zwickmühle“ (Schülerbeispiel)

Wenn durch Massenmedien ein Skandal aufgedeckt wurde, dauert es nicht lange, bis weitere
Skandale zu dem gleichen Thema ans Tageslicht kommen. Seien es die Wettskandale im
europäischen Fußball, die Bonizahlungen an Manager, Datenschutzskandale, oder – wie so häufig
– Lebensmittelskandale, über die oft und breit diskutiert wird und schon so manchen Verbraucher
verärgern.

Genau mit diesem Thema beschäftigt sich der Journalist Thomas Satinsky in Form eines
Kommentars „Zwickmühle“, welches in der Wochenzeitung ,,Sonntag Aktuell'' in der 35. Ausgabe
des Jahres 1988 zu lesen ist.
Sein Problem ist, dass viele Verbraucher die Arbeit von Journalisten missverstehe, die deshalb oft
für Skandale verantwortlich gemacht werden.

Zu Beginn des Kommentars nennt Satinsky das Thema, über welches er seine Meinung kundtun
möchte. Er bezieht sich auf die unendliche Anzahl von Lebensmittelskandalen und die darauf
folgende Verunsicherung der Bürger. Außerdem sind sie verärgert, da ständig das gleiche Thema
in den Nachrichten behandelt wird. Aus diesem Grund befinden sich die Journalisten in einer
Zwickmühle, ob sie nun berichten sollen oder nicht: Am Ende sind sie immer die Bösen. Er
erläutert, dass sie oft als die Verursacher von Skandalen abgestempelt werden. Dies entspricht
aber laut Satinsky nicht der Wahrheit, denn die Journalisten informieren nur über Skandale.

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Satinsky eröffnet seinen Argumentationsgang mit einem Gedanken, der den Verbrauchern zu
Zeiten von Lebensmittelskandalen oft in den Sinn kommt. In seiner ersten Behauptung sagt er,
dass Verbraucher die Hochspielerei von Skandalen leid sind. Diese These lässt Satinsky
unbegründet im Raum stehen, dies ist aber durchaus so von ihm gedacht, da er genau diese
Behauptung entkräften will. Damit beginnt er auch direkt im nächsten Satz, er stellt klar, dass
Journalisten sich oft in einer ausweglosen Lage befinden. Diese These unterstützt Satinsky mit
mehreren Begründungen, welche er auch nochmals an einigen Beispielen verdeutlicht. Zum Ende
seines Kommentars nennt der Verfasser Drei direkt aufeinander folgende Thesen. Keine von
diesen wird näher erläutert. Das ist aber auch nicht notwendig, da die Letzte der drei Thesen auf
die beiden vorhergehenden aufbaut und sich so vom Leser nahezu selbst erschließen lässt und so
keine Argumente mehr benötigt.

Besondere sprachliche Mittel werden von Satinsky kaum verwendet, dennoch finden sich einige
Metaphern im Text. So benutzt er etwa das Wort „Zwickmühle“, um die ausweglose Situation von
Journalisten zu beschreiben. Später nutzt der Verfasser noch die Redewendung ,,unter den Tisch
fallen lassen'', mit welcher er die Verheimlichung von Daten und Fakten umschreibt.

Schaut man sich die Argumente von Satinsky genauer an, stellt man fest, dass man sie leicht
widerlegen kann. Ich habe noch nie erlebt, dass irgendein Thema vor der Öffentlichkeit
verheimlicht wurde. Dafür gibt es in Deutschland viel zu viele voneinander unabhängige Anbieter
von Nachrichten. Irgendeiner von denen berichtet doch immer, sodass wir immer über alles,
gewollt oder ungewollt, Bescheid wissen. Wenn davor das ein oder andere Thema mal von der
Presse unbehandelt bleiben würde, wäre es auch kein Verlust für die Gesellschaft und so würde
sich auch niemand beschweren. Aber nein, genau das Gegenteil passiert: Es wird solange
berichtet und dramatisiert, bis sich mal jemand für einen geputschten Skandal interessiert. Es wird
nichts tot geschwiegen sondern alles Mögliche tot diskutiert – und am Ende ändert sich doch
nichts.

Meiner Meinung nach hat Satinsky in nur einem Punkt Recht. Die Öffentlichkeit hat ein Recht auf
Information. Nur leider bekommen wir diese oft gar nicht oder können sie nicht mehr erkennen,
da viel zu viel Unwichtiges die wirklich wichtigen Nachrichten verdecken. Deshalb sollte die Devise
auch nicht einfach nur „Berichten!“ lauten, egal worüber, sondern „Informieren!“ und zwar über
die wichtigen Ereignisse unserer Erde!

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