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2008 17:09 Uhr Seite 1

Pickerl
Grammeln Vintschgerl
perlustrieren
Kren
außertourlich
strapazfähig

disziplinär schmafu
Alles Wissenswerte zum österrei-
chischen Deutsch im Überblick:
쮿 Entwicklung und Abgrenzung Österreichisches
쮿

쮿
Typische Merkmale
Entstehung von Austriazismen
Deutsch
쮿 Wortschatz, Aussprache /Betonung, Eine Einführung von Jakob Ebner
Grammatik

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Österreichisches Deutsch
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© Duden 2008
Bibliographisches Institut GmbH,
Dudenstraße 6, 68167 Mannheim, 2011

Herstellung  Monika Schoch


Typografie und Satz  Farnschläder & Mahlstedt, Hamburg
Druck und Bindearbeiten  Progressdruck GmbH, Speyer
EDCB
Printed in Germany
ISBN 978-3-411-73131-2
Vorwort
Seit den 1990er-Jahren hat sich innerhalb der germanistischen Sprachwissen­
schaft die Einsicht durchgesetzt, das Deutsche sei  – vergleichbar mit dem
Englischen – eine plurizentrische Sprache. Damit wird anerkannt, dass un-
sere Sprache bei allen grundlegenden Gemeinsamkeiten auch nationale
Unter­schiede aufweist, die nicht mundartlich sind, sondern standardsprach-
lichen Charakter haben. Diese Unterschiede betreffen alle Teile des sprach­
lichen Systems. Sie finden sich auf der Ebene des Wortschatzes ebenso wie
auf der Ebene der Grammatik oder der Aussprache.
Aber was sind nun die Besonderheiten der deutschen Standardsprache in
Österreich? Worin hebt sich das österreichische Deutsch vom »deutschländi­
schen« Deutsch oder vom Schweizerdeutsch ab? Wie kommt es überhaupt zu
solchen nationalen Unterschieden, und wie sind diese letztlich zu bewerten?
Die vorliegende Broschüre gibt Antwort auf diese und ähnliche Fragen und
vermittelt einen Eindruck von den zahlreichen spezifischen Ausprägungen,
die das in Österreich gesprochene und geschriebene Standarddeutsch aus-
zeichnen. Sie kommt der in Österreich oft geäußerten Forderung nach mehr
Information nach, da Inländer naturgemäß im Allgemeinen außer einigen
Paradebeispielen zu wenig über das typisch Österreichische wissen. »Öster-
reichisches Deutsch« richtet sich somit neben allen sprachlich Interessierten
besonders auch an Berufe, die mit Schule, Sprachvermittlung und dem Ver-
fassen von Texten befasst sind.
Autor ist der Linzer Germanist Jakob Ebner. Er hat sich als Verfasser von
Wörterbüchern zum österreichischen Deutsch, Mitarbeiter an zahlreichen
anderen Wörterbüchern und als Vorsitzender des Österreichischen Duden-
ausschusses schon viele Jahre lang intensiv mit dem Thema befasst.

Mannheim, im Frühjahr 2008


Die Dudenredaktion
Inhalt
Was heißt österreichisches Deutsch?  7 Wortbedeutung  30

Sprachgebiet und Staatsgebiet  8 Wortfelder  35

Beispiele für österreichische Fachausdrücke der Politik und


­Sprachlandschaften  9 Verwaltung  36

Österreichisches Deutsch – Wortbildung  38


Geschichte und Politik  10
Verkleinerung  38
Das Verhältnis zu Deutschland
und der Schweiz  11 Rechtschreibung  39

Österreichisches Deutsch im Ausland  12 Produktive Wortbestandteile  39

Die Sprachsituation in Österreich  13 Phraseologie  40

Wie entstehen Austriazismen?  14 Aussprache  41

Fremdworteinflüsse  15 Betonung  44
Italienisch  15
Französisch  15 Grammatik  44
Latein  16 Verben  44
Englisch  16 Substantive  45
Slowenisch  16 Präpositionen  45
Tschechisch/Slowakisch  16
Ungarisch  16 Österreichisches Deutsch
in den Wörterbüchern  47
Der Wortschatz des österreichischen
Deutsch  17 Ausgewählte Literatur
Die Sprache der Küche  17 zum österreichischen Deutsch  47
Die Sprache von Verwaltung
und Institutionen  22
Bezeichnungen aus dem Schulwesen  28
Was heißt österreichisches Deutsch?

Was heißt österreichisches Deutsch?


Das Deutsche ist keine einheitliche Sprache, bei Marille und Aprikose und vielen anderen
die über den ganzen deutschen Sprachraum Wortpaaren ergeben. Für Österreich typische
hinweg im Hinblick auf die Aussprache, die Varianten heißen im Fachausdruck Austria-
Grammatik oder gar den Wortschatz gleich zismen, wovon die für die deutsche Standard-
ist. Ganz im Gegenteil: Das Deutsche hat sprache in der Schweiz typischen als Helve-
viele Erscheinungsformen, die sich in histo- tismen und die für Deutschland typischen als
rischer, regionaler, sozialer, stilistischer und Teutonismen abgegrenzt werden. Was uns in
vielerlei anderer Hinsicht voneinander unter- Österreich im Verkehr der Vorrang ist, ist in
scheiden. Das ist gar nichts Besonderes und der Schweiz der Vortritt und in Deutschland
gilt auch für andere Sprachen, zum Beispiel die Vorfahrt; wo bei uns ein Landeshaupt­
für das Englische. mann regiert, amtet in der Schweiz der Land­-
Bevor wir die Frage nach dem österreichi- ammann und in Deutschland der Minister­
schen Deutsch beantworten können, sind präsident. All diese Wörter sind gleichwer-
­einige begriffliche Klärungen nötig. tige Elemente der deutschen Standardspra-
Fast allen geläufig ist das Gegensatzpaar che, auch wenn sich ihre Geltungsbereiche
Standardsprache (auch: Hochsprache oder nicht decken.
Schriftsprache) – Dialekt (auch: Mundart). Eine Erscheinungsform der Standard-
Mit Standardsprache wird die in der Öffent- sprache, die durch solche einzelnen Varian-
lichkeit gebrauchte, normgebundene und ten ­besonders charakterisiert ist, nennt man
überregional geltende Erscheinungsform Varie­tät.
­einer Sprache bezeichnet. Die Standardspra- Varietäten können groß- oder auch klein-
che ist in Wörterbüchern und Grammatiken räumige Verbreitung haben. Wenn sie weit-
dokumentiert und geregelt. Auch wenn sie gehend mit einem Staatsgebiet zusammen-
mehr oder weniger festgeschriebenen Nor- fallen, haben wir es mit nationalen Varie­
men unterliegt, verändert sie sich im Laufe täten zu tun. Eine nationale Varietät ist also
der Zeit. Auch das, was wir als deutsche die in einem politischen Staat gültige Form
Standardsprache ansehen, ist in sich nicht einer Sprache. Nationale Varietäten des Eng-
völlig einheitlich. Sie zeichnet sich dadurch lischen sind neben anderen das britische
aus, dass sie zu bestimmten sprachlichen Er- Englisch, das amerikanische Englisch oder
scheinungen Varianten aufweist. So spricht das australische Englisch. Nationale Varie­
man in Österreich und in Teilen Süddeutsch- täten des Deutschen sind entsprechend das
lands das Wort Geschoß mit einem langen österreichische Deutsch, das »deutschländi-
O aus, während es im Norden des deutschen sche« Deutsch und die hochsprachliche Aus-
Sprachraums mit kurzem O gesprochen und prägung des Schweizerdeutschs.
dann auch entsprechend Geschoss geschrie- Neben den nationalen Varietäten gibt es
ben wird. Beide Aussprachen gelten in ihrem regionale Varietäten. Diese sind in Teilgebie-
Verbreitungsgebiet als standardsprachlich. ten innerhalb eines Staates oder auch grenz-
Neben derartigen Aussprachevarianten gibt übergreifend in benachbarten Teilgebieten
es solche grammatischer Natur wie zum Bei- zweier Staaten gültig. Solche regionalen Va-
spiel bei Gesangsbuch und Gesangbuch – hier rietäten des Deutschen sind z. B. ostösterrei-
geht es um die unterschiedliche Wortbildung chisch, norddeutsch, staatsübergreifend zum
mit und ohne Fugenelement – oder solche Beispiel in benachbarten Gebieten Öster-
auf der Ebene des Wortschatzes, wie sie sich reichs und Bayerns.

7
Sprachgebiet und Staatsgebiet

Dialekt ist die sprachgeschichtlich ur- und Vorarlberg. Es gibt aber auch Gemein-
sprüngliche, kleinräumige Erscheinungsform samkeiten, die Österreich, ganz Süddeutsch-
einer Sprache, die meist auf Themen des All- land und die Schweiz betreffen. Sie sind
tags beschränkt ist und ein eigenes gramma- ­typisch für den oberdeutschen Sprachraum.
tisches System aufweist. Diese Überlappungen in den benachbarten
Zwischen den kleinräumigen Dialekten Landschaften machen eine sprachliche Ab-
und den großräumigen regionalen oder gar grenzung zwischen Deutschland und Öster-
nationalen Varietäten einer Sprache steht die reich schwierig.
Umgangssprache. Sie ist großräumiger als der Innerhalb Österreichs können folgende
Dialekt und kann entweder der Standard- Großlandschaften grob unterschieden wer-
sprache näher sein, wobei Standardnormen den (Beispiele siehe S. 9):
weniger genau eingehalten werden, oder di- ■■ Ostösterreich mit Wien, Niederösterreich,
alektnäher, wobei aber dann spezielle basis­ dem Burgenland und der Oststeiermark.
dialektale Merkmale aufgegeben werden. In Ostösterreich ist der sprachliche Ein-
Erscheinungsformen, die im gesamten fluss Wiens naturgemäß stärker als in an-
Sprachgebiet einheitlich sind, nennt man deren österreichischen Sprachlandschaf-
­gemeindeutsch. ten.
Für das österreichische Deutsch ist außer- ■■ Mittelösterreich mit Oberösterreich und
dem die Unterscheidung von formell und in- Salzburg. Mittelösterreich hat eine ost­
formell von Bedeutung. So gibt es informelle österreichische Basis, aber auch deutliche
Wörter, die zweifellos standardsprachlich Gemeinsamkeiten mit Bayern, die nicht
sind, in bestimmten öffentlichen Situatio- weiter nach Ostösterreich hineinreichen.
nen aber oft vermieden werden. Für formelle ■■ Süd- und Südostösterreich mit der Steier-
Wörter gilt umgekehrt, dass sie in der pri- mark und Kärnten. Auch diese beiden
vaten Kommunikation eher nicht gebraucht Sprachlandschaften haben eine ostöster-
werden. So bezeichnet man einen Kleider- reichische Basis, aber mit deutlich eigen-
schrank üblicherweise als Kasten, im Han- ständigen regionalen Ausprägungen.
del wird aber das formelle Wort Schrank ver- ■■ Westösterreich mit Tirol, dem westlichen
wendet. Salzburg und Vorarlberg. Westösterreich
weist erkennbare Unterschiede zum ost-
österreichischen Standard in Wortschatz
und Aussprache auf, wobei Vorarlberg
Sprachgebiet und Staatsgebiet (einschließlich des Tiroler Bezirks Reutte)
wegen seiner alemannischen Dialektbasis
Das Geltungsgebiet des österreichischen eine Sonderstellung einnimmt, die es mit
Deutsch und das österreichische Staatsge- der Schweiz und Südwestdeutschland
biet decken sich nicht unbedingt. Aus his- ­gemeinsam hat.
torischen Gründen gelten viele österreichi- Mit Binnendeutsch wird die deutsche Stan-
schen Merkmale des Deutschen auch in be- dardsprache bezeichnet, soweit sie innerhalb
nachbarten Gebieten, die politisch nicht zu der Grenzen der Bundesrepublik Deutsch-
Österreich gehören: in Südtirol, in Bayern, in land gesprochen wird, also unter Ausschluss
ganz Süddeutschland oder in der Schweiz. So der Randvarietäten in Österreich und der
gibt es viele sprachliche Gemeinsamkeiten Schweiz, z. T. auch in Süddeutschland. Diese
zwischen Altbayern und Österreich, andere Bezeichnung wird heute jedoch innerhalb
zwischen der Schweiz, Südwestdeutschland der Sprachwissenschaft eher vermieden, weil

8
Beispiele für österreichische Sprachlandschaften

diese von der Gleichberechtigung der Varie- ten), Greißler (Kaufmann), Strotter (Stöbe-
täten in den genannten Staaten ausgeht (plu- rer), Krügel (Bierglas).
rizentrische Sprachauffassung). Für die nur Wien: Bassena (Waschbecken), Brimsen
in der Bundesrepublik Deutschland verbrei- (Schafkäse), Mezzie (Schnäppchen), Powidl
teten Ausprägungen der deutschen Stan- (Pflaumenmus), Koloniakübel (Mülltonne),
dardsprache gibt es noch keine allgemein Hundstrümmerl (Hundeexkremente).
­akzeptierte Bezeichnung. Oft werden sie in Steiermark: Klapotetz (Windrad), Plutzer
Ermangelung eines Besseren mit dem Attri- (Kürbis), Röhrlsalat (Löwenzahnsalat),
but teutonisch charakterisiert oder Teutonis- Schilcher (Roséwein), Sterz (eine Speise),
men genannt. Tommerl (eine Speise), Verhackert (ein
Aufstrich).
Wo immer von Deutsch in Österreich oder der Salzburg und Oberösterreich: Flesserl (Zopfge-
deutschen Sprache in Österreich die Rede ist, bäck), Schranne (Markt), Dult (Jahrmarkt),
sind prinzipiell alle sprachlichen Ausprä- Zeche (Burschenvereinigung), Zehrung
gungen der deutschen Sprache in Österreich (Totenmahl).
­gemeint (von den Dialekten, der Umgangs- Westösterreich: Kamin (Rauchfang), Hauser,
sprache, den Fachsprachen bis hin zur Stan- Häuserin (Hauswart/-in), Fasnacht (Fa-
dardsprache). Österreichisches Deutsch meint sching), aufhausen (pleitegehen), Dekan
dagegen die Standardvarietät des Deutschen (Dechant), Zugeherin (Haushaltshilfe).
in Österreich, wozu sowohl innerösterrei­ Vorarlberg: Alp (Alm), Fasnat (Fasching),
chische regionale Ausprägungen gehören, Flädle (Suppeneinlage), Gob (Kind), Mai­
sofern sie standardsprachlich sind, als auch säß (Voralpe), Rüfe (Mure), Täfer (Täfe-
Ausprägungen, die mit den Nachbarland- lung).
schaften in Deutschland, der Schweiz und Bei einigen Wörtern gibt es signifikante Be-
Südtirol übereinstimmen. deutungsunterschiede, die nicht selten zu
Im Folgenden einige Beispiele für Wörter Missverständnissen führen:
aus dem standardsprachlichen Wortschatz Most bezeichnet im Großteil Österreichs
des österreichischen Deutsch und für ihre (wie süddeutsch und schweizerisch) einen ­
­regionale Verteilung: »alkoholischen Obstsaft«, in Ostösterreich
(wie regional auch in Deutschland und in
der Schweiz) einen »unvergorenen Obst-
saft«.
Beispiele für österreichische Speck bezeichnet gemeindeutsch und ost-
Sprachlandschaften österreichisch »die Fettschicht zwischen
Haut und Muskeln beim Schwein« und
Kärnten: Docker (einfältiger Mensch), Dulle kann somit nur fettes Fleisch bezeichnen,
(Stier), Frigga (eine Speise), Tschentsche besonders westösterreichisch aber hat es
(Nörgler), Gulter (Decke), Reindling (ein die Bedeutung »geräuchertes Fleisch vom
Kuchen). Schwein« und ist synonym zu Geselch­
Kärnten und Tirol: Tschurtschen (Föhrenzap- tes, in diesem Sinn kann es auch mageres
fen), Türken (Mais), Widum (Pfarrhof), Fleisch sein.
Plenten (Polenta), Frigelesuppe (Suppe mit Obers gilt im Allgemeinen als typisch öster-
Teigeinlage), Gitschen (Mädchen). reichisches Wort, das trifft aber nur ein­
Ostösterreich: Ribisel (Johannisbeere), Rauch­ geschränkt zu, wie die gesamtdeutsche
fang, Bartwisch (Handbesen), fechsen (ern- Verteilung von Sahne/Rahm/Obers zeigt:

9
Österreichisches Deutsch – Geschichte und Politik

Oberbegriff süß sauer


ostösterr. Rahm Obers Rahm
westösterr. (auch südd., schweiz., westd.) Rahm süßer Rahm saurer Rahm
nordd., mitteld. Sahne süße Sahne saure Sahne

Österreichisches Deutsch – hochdeutschen Schriftsprache feststand, sah


Geschichte und Politik sich das habsburgische Österreich nicht nur
sprachlich an den Rand gedrängt, es drohte
Österreich nahm an der Entwicklung der auch ein bildungspolitischer Rückstand.
deutschen Sprache in unterschiedlicher Dem setzte Maria Theresia eine Sprachre-
Weise aktiv oder passiv teil. In althochdeut- form nach mitteldeutschem Muster entge-
scher Zeit (8.–11. Jahrhundert) entstanden gen, obwohl sie selbst barock-katholisch ein-
in Klöstern wie Mondsee Werke, die zu den gestellt war und privat Dialekt sprach. Für
ältesten Sprachdenkmälern des deutschen die sprachliche Reform in Literatur, Predigt
Sprachraums gehören. Im Hochmittelalter und Schule wurden Gelehrte v. a. aus Schle-
war der Süden des deutschen Sprachraums sien nach Wien geholt, die für Schule und
die treibende Kraft der Sprachentwicklung. öffentlichen Gebrauch Lehrwerke verfass-
Auf dem Gebiet des heutigen Österreich ent- ten. Johann Christoph Adelungs Wörter-
standen wesentliche Werke der mittelhoch- buch wurde z. B. noch 1812 in Wien nach-
deutschen Dichtung. Erst ab dem 16. Jahr- gedruckt und war in Österreich weit ver-
hundert, als sich das politische Gewicht breitet. In der Literatur entstand ein starker
mehr und mehr nach Mitteldeutschland ver- Gegensatz zwischen gesprochener und ge-
lagerte, gingen von dort die weiteren Impulse schriebener Sprache. Während das Volks-
der Sprachentwicklung aus. Zunehmend drama (Raimund, Nestroy usw.) auf gespro-
stand der Süden, und somit auch Österreich, chener (wienerischer) Sprachform beruhte,
abseits der Entwicklung hin zum Neuhoch- ahmte die höhere Literatur (Grillparzer, Stif-
deutschen. ter usw.) die Sprache der deutschen Klassik
Verantwortlich waren dafür folgende Fak- nach, die kaum Merkmale eines regionalen
toren: Deutsch enthielt. Erst in der zweiten Hälfte
■■ die traditionellen Dialektlandschaften; des 19. Jahrhunderts, als sich in der Politik
■■ die Kanzleisprache der habsburgischen die Entscheidung zwischen kleindeutscher
Verwaltung, die aber weit größere, meist und großdeutscher Lösung zuspitzte und Ös-
süddeutsche, Gebiete umfasste als das terreich schließlich aus dem deutschen Reich
heutige Österreich; ausschied, gewann die Idee eines eigenstän-
■■ die konfessionelle Spaltung: Als nach der digen österreichischen Deutsch an Bedeu-
Gegenreformation Österreich wieder ka- tung. Ein neues habsburgisches Kulturbe-
tholisch war, wurden die meist evangeli- wusstsein der österreichisch-ungarischen
schen mitteldeutschen Sprachformen, die Monarchie sollte staatstragend werden.
in hohem Maß von Luthers Schriften ge- Dem standen die deutschnationalen Kräfte,
prägt waren, abgelehnt. die eine enge Verbindung mit Deutschland
Als in der Aufklärung das System einer neu- betonten, gegenüber. Erst jetzt entstanden

10
Das Verhältnis zu Deutschland und der Schweiz

fassbare Ausprägungen eines österreichi- Österreichische Sprachwissenschaft-


schen Deutsch, vor allem in der Sprache der ler vertreten in der Frage des österreichi-
Verwaltung und der Küche. Von manchen schen Deutsch verschiedene Auffassungen:
wurden die neuen Austriazismen aber auch Die Extrempositionen sprechen einerseits
sehr kritisch und als fehlerhaft angesehen. von einer nahezu eigenständigen österrei-
Nach dem Zweiten Weltkrieg, als eine chischen Sprache auf ostösterreichischer
­Distanzierung von Deutschland einsetzte, Grundlage (österreichisch-national). Ande-
wurde mit dem bewusst so genannten »Ös- rerseits wird ein selbstständiges österreichi-
terreichischen Wörterbuch«, das 1951 erst- sches Deutsch mit dem Argument in Abrede
mals als schmales Schulwörterbuch erschien, gestellt, dass die Staatsgrenzen keine sprach-
ein erstes Zeichen einer sprachlichen Selbst- historisch gewachsenen Grenzen sind und
ständigkeit gesetzt. Um diese Zeit änderte nur die Fachsprache der Verwaltung mit dem
sich zunehmend der Nationsbegriff: Statt der Staatsgebiet übereinstimmt (deutsch-inte-
auf der deutschen Aufklärung und Roman- grativ). Dazwischen steht die Ansicht, dass
tik beruhenden Vorstellung von Nation als ­österreichisches Deutsch eine selbstständige
Gemeinschaft gleichen Volkstums, gleicher Varietät im Rahmen der deutschen Stan-
Sprache und ethnischer Herkunft trat der dardsprache bildet (österreichisch-integra-
auf der Französischen Revolution beruhende tiv). Allerdings ist dies eine Diskussion un-
westeuropäische Nationsbegriff von der Ge- ter Sprachwissenschaftlern, die in der Politik
meinschaft aller, die sich zu einem Staats­ kaum Auswirkungen hat.
wesen bekennen ohne Unterschied ihrer eth-
nischen Herkunft. Nun wurde Österreich in
diesem Sinne als »Nation« bezeichnet, wo-
mit die Eigenständigkeit trotz gemeinsamer Das Verhältnis zu Deutschland
Geschichte und Sprache mit Deutschland und der Schweiz
­betont wurde. Die Eigenständigkeit der Spra-
che wurde in der Folge als wichtiges kon­ Die Varietäten des Standarddeutschen sind –
sti­tutives Element der österreichischen Na- im Gegensatz zu den englischen in Europa,
tion gesehen und österreichisches Deutsch Amerika, Australien usw. – geografisch be-
zu einem Begriff und zu einem politischen nachbart in Ländern mit intensivem wirt-
Thema. Historisch gesehen ist also die Vor- schaftlichem, medialem und menschlichem
stellung einer nationalen Varietät »österrei- Kontakt. Daher unterliegen auch die Varie-
chisches Deutsch« sehr jung. Die Sprachwis- täten des Standdarddeutschen einem ständi­
senschaft hatte sich bisher vor allem mit den gen Austausch. Wenn eine kleine Sprach­
Dialekten beschäftigt und erst spät das ös- gemeinschaft einer großen gegenübersteht,
terreichische Standarddeutsch erforscht. Die ist immer der Einfluss des größeren Sprach-
Impulse dazu gingen seit den 60er-Jahren des gemeinschaft stärker als umgekehrt. Daher
20. Jahrhunderts vom Ausland aus. Die ers- gehen viele traditionelle Eigenheiten des ös-
ten Darstellungen entstanden in Schweden, terreichischen Deutsch zugunsten (nord)-
in der damaligen Tschechoslowakei und in deutscher Formen zurück.
Deutschland. Nach einer Reihe von Einzelun- Was heißt eigentlich norddeutsch? Im enge­
tersuchungen wurden seit Mitte der 1990er- ren Sinn sind die norddeutschen Varianten
Jahre große Forschungsprojekte gefördert: die auf niederdeutschen Dialekten oder be-
das Variantenwörterbuch, ein Aussprache- sonderen norddeutschen Verhältnissen auf-
und ein Phraseologismenwörterbuch. bauenden Sprachformen, z. B. Krug (für Gast-

11
Österreichisches Deutsch im Ausland

haus), Forke (für Gabel). Davon zu unter- i­ ntensiven Sprachkontakten zwischen Voarl-
scheiden ist diejenige Erscheinungsform der berg und der Schweiz absieht. Auch die ge-
deutschen Standardsprache, die sich seit samtoberdeutschen Ausprägungen der deut-
dem 16. Jahrhundert auf der Grundlage des schen Standardsprache haben Österreich
Ostmitteldeutschen ausgeprägt und sich und die Schweiz gemeinsam.
seit dem 19. Jahrhundert über ganz Nord-
deutschland verbreitet hat. Sie umfasst, ver-
einfacht gesagt, die Gebiete nördlich des
Mains, also Mittel- und Norddeutschland. Österreichisches Deutsch
Dieses bei uns meist so bezeichnete »Nord- im Ausland
deutsch« – es entspricht ungefähr dem, was
man als »Binnendeutsch« bezeichnet hat – Durch die Dominanz des »deutschländi-
findet vor allem in den überregionalen Me- schen« Deutsch ist es für die österreichische
dien seinen Niederschlag und wirkt auch in Kulturpolitik schwierig, die österreichische
hohem Maß auf den Sprachgebrauch in Ös- Varietät im Ausland bewusst zu machen.
terreich ein. Da Mediensprache gewöhnlich Daher werden Lektoren in ausländische Uni-
die moderne Sprachform repräsentiert, sind versitäten geschickt und Deutschkurse im
somit auch Fernsehen und Rundfunk Haupt- Inland veranstaltet, die das Standarddeutsch
träger des mittel- und norddeutschen Ein- österreichischer Prägung vermitteln s­ ollen.
flusses. Da zudem fremdsprachige Filme in Ein eigenes österreichisches Sprachdiplom
aller Regel in Norddeutschland synchroni- wurde eingerichtet. Wenn man bedenkt, dass
siert werden, wirkt der Einfluss des dadurch das Deutsche im internationalen Wissen-
verbreiteten Norddeutschen sehr stark auf schaftsbetrieb zunehmend zugunsten des
Kinder und Jugendliche. (Kinder in Wien sa- Englischen an Einfluss verliert, trifft das für
gen schon fast durchwegs die Eins statt der die kleinräumigen Varietäten wie die öster-
Einser.) Ein Teil der medialen Jugendsprache reichische noch stärker zu.
wird später wieder zugunsten einheimischer Eine besondere Bedeutung gewinnt die
Formen abgebaut. Mit dem Warenimport aus Sprachfrage in der Europäischen Union. Dort
Deutschland werden auch die norddeutschen geht es für das österreichische Deutsch vor
Produktbezeichnungen nach Österreich im- allem darum, in der Fachsprache der Verwal-
portiert. Journalisten übernehmen oft un­ tung und des Rechts, also überall dort, wo es
reflektiert die Ausdrucksweise der deutschen um Terminologie geht, in den Texten der EU
Agenturmeldungen, z. B. Oberbürgermeister repräsentiert zu sein.
für Bürgermeister. Das Problem wurde anlässlich des österrei-
In umgekehrter Richtung ist der Sprach- chischen EU -Beitritts relevant. Österreichi-
einfluss geringer, kommt aber ebenfalls vor. sches Deutsch wurde aber in den Beitritts-
Das Wort Maut ist in Deutschland heute all- verhandlungen nur in Form einer kleinen
gemein gebräuchlich, die Wendung im Nach­ Liste von 23 Lebensmittelbezeichnungen,
hinein galt vor einigen Jahrzehnten noch die schon im Lebensmittelrecht der EWG
eher als österreichisch (wie im Vorhinein), eine Rolle spielten, im Protokoll Nr. 10 ein-
ist heute aber gemeindeutsch. Vor allem sind gebracht:
es aber Kurzwörter, die nach Deutschland
gelangen, z. B. eh und halt. Beiried Faschiertes
Mit der Schweiz gibt es einen geringeren Eierschwammerl Fisolen
Sprachaustausch, wenn man von den sehr Erdäpfel Grammeln

12
Die Sprachsituation in Österreich

Hüferl Paradeiser bairischen Dialektgebiet, das aber dialekt-


Karfiol Powidl geografisch in sich stark gegliedert ist. Auch
Kohlsprossen Ribisel in der sozialen Staffelung ist der Dialekt­
Kren Rostbraten gebrauch sehr unterschiedlich. Neben sehr
Marillen Schlögel dialektnahen Gebieten mit hoher Geltung
Melanzani Topfen des Dialekts auch in der Öffentlichkeit (z. B.
Nuss Vogerlsalat in Oberösterreich) gibt es Gebiete mit star-
Obers Weichseln kem Dialektschwund, besonders im Umland
von Großstädten. Typisch für Österreich
Diese Liste von Wörtern, die »in der deut- ­(besonders für den Osten) ist ein gleitender
schen Sprachfassung neuer Rechtsakte den Übergang zwischen Standard und Dialekt,
in Deutschland verwendeten Ausdrücken in sogar innerhalb eines Satzes. Das Gegenteil
geeigneter Form hinzugefügt« werden müs- ist eine klare Trennung zwischen Dialekt und
sen, betrifft also nur Rechtstexte und beein- Standard je nach Handlungssituation, wie
flusst die alltägliche Sprachpraxis nicht. Die sie in der Schweiz und in geringerem Maß in
Liste wird mit Recht wegen der fehlenden Westösterreich besteht. (Es besteht Diglos-
sprachwissenschaftlichen Basis und als fach- sie, also »Zweisprachigkeit«.)
lich unzulänglich kritisiert. Sie hat eher sym- Für Deutsche, besonders aus mittel- und
bolischen als wirklich praktischen Wert. norddeutschen Gebieten, in denen es kaum
Bei dem in Österreich viel diskutierten noch einen Dialekt gibt, ist dieses Neben­
Problem, ob es nun Marmelade oder Konfi­ einander von Dialekt und Standard oft
türe zu heißen hat, handelt es sich übrigens schwer erklärbar, weshalb österreichisches
nicht um ein Problem zwischen »deutsch- Deutsch für sie den Charakter eines Dialekts
ländischem« Deutsch und österreichischem hat, was Österreicher im Allgemeinen ver-
Deutsch (auch in Deutschland sagt man nor- stimmt und zu der Feststellung veranlasst,
malerweise Marmelade), sondern um einen man würde sie ja gar nicht verstehen, wenn
Unterschied zwischen Fachsprache und All- sie erst wirklich ihren Dialekt sprächen.
gemeinsprache, der auch in anderen Fällen Mit der Infragestellung von Normen in
auftritt. der Gesellschaft und der neuen Aufwertung
der Dialekte in der Kunst wird auch in Ös-
terreich die Standardsprache stark dialektal
durchsetzt. Österreichische Film- und Fern-
Die Sprachsituation in Österreich sehproduktionen verwenden zunehmend
­Dialekt. Vielfach ist – besonders im münd­
Auf der staatlichen Ebene ist in Österreich lichen Sprachgebrauch – von einer Standard-
die deutsche Sprache in der Verfassung ver- verweigerung zu sprechen. Dies führt auch in
ankert. Daneben gibt es als anerkannte Min- den Schulen und teils sogar in den Universi-
derheitensprachen Slowenisch, Kroatisch, täten zu Problemen im Umgang mit Auslän-
Tschechisch, Slowakisch, Romanes, Unga- dern, die Deutsch als Fremdsprache gelernt
risch und österreichische Gebärdensprache. haben. Andererseits nimmt der Standard-
Österreich ist aber auch ein Land, in dem gebrauch, besonders in den Städten, stark zu.
die Dialekte einen hohen Stellenwert haben. Zusätzlich besteht noch das erwähnte
Abgesehen von den alemannischen Gebieten Spannungsfeld zwischen dem Standard in
in Vorarlberg und einem Teil von Tirol gehört deutschen Medien und dem bodenständigen
Österreich (mit Altbayern und Südtirol) zum österreichischen Standard.

13
Wie entstehen Austriazismen?

Österreichische und deutschländische Orange, nützen, Leintuch, Randstein, Zuber,


­ ormen schließen sich nicht unbedingt aus.
F Bub, Kutteln, Föhre, Einser, Hafner, Rechen,
Wenn Erdapfel in den österreichischen Stan- Schlegel, Knopf, läuten, schlecken, Masche,
dard aufgestiegen ist, heißt das nicht, dass Zins, Stecken, Wagner, Sulz.
deshalb Kartoffel unösterreichisch wäre. Ge-
rade das Nebeneinander verschiedener For- 3. Entwicklungen der gesamtdeutschen
men eröffnet Möglichkeiten zu besonderen ­Standardsprache wurden in Österreich nicht
sprachlichen Nuancierungen, die ein Cha- ­ itvollzogen. Es handelt sich also nicht um
m
rakteristikum österreichischer Literatur aus- bewusste Neuprägungen, vielmehr blieben
machen. Österreichische Schriftsteller ver- ältere Varianten, die in Deutschland ver-
wenden keineswegs bewusst österreichisches schwunden sind, in Österreich in der Stan-
Deutsch, sondern wählen nach Bedarf aus ­ dardsprache erhalten. Hierzu einige Bei-
allen sozialen, situativen und regionalen spiele:
­Registern. Manchmal werden Austriazismen Das Deutsche schwankte nach der Über-
in Hinblick auf den deutschen Markt ver- nahme der lateinischen Monatsbezeichnun-
mieden. gen zwischen stärker eingedeutschten und
lateinischen Formen. Die eingedeutschte
Form Jenner oder Jänner wurde vom Mittel-
alter bis in die Zeit der deutschen Klassik be-
Wie entstehen Austriazismen? vorzugt. Erst im 19. Jahrhundert setzte sich
die latinisierte Form Januar (lat. [mensis]
Nationale Varianten resultieren aus verschie- ­Ianuarius) in Deutschland durch, während
denen sprachgeschichtlichen Ursachen. man in Österreich meist bei Jänner blieb.
Das Wort Pennal aus mittellat. pennale be-
1. Varianten aufgrund des Dialektraumes: zeichnete schon Ende des 15. Jahrhunderts
­ abei sind ursprüngliche Dialektwörter in
D eine Federbüchse, entwickelte sich aber in
den regionalen Standard aufgestiegen. Bei- Deutschland weiter zu einer Scherzbezeich-
spiele: nung für Schüler, später für eine höhere
Bairisch:  Sterz, selchen, herinnen, heraußen, Schule, wurde dann aber durch Penne ab-
fieseln, absperren, Tandler, anpatzen, gelöst. Österreich hat die ursprüngliche Be-
­picken, hussen, aufscheinen, Austrag, deutung »Behälter für Schreibutensilien« bis
auslassen, auswalken, zwicken, zuzeln, heute erhalten und alle weiteren Entwicklun-
Zuwaage, auflassen, Schmankerl, Schaff, gen nicht mitvollzogen.
Wimmerl, Nudelwalker. Ebenso war die Perfektbildung mit sein
Alemannisch:  Flädle, Znüne, Fasnatumzug, bei liegen, sitzen, stehen usw. bis Ende des
Eierschwämmle, Ähne, Kilbi, Dreißigste, 18. Jahrhunderts im Deutschen die allgemein
Alp, Nuggi, Beiz, Maisäß, Schübling, übliche; erst dann ging man im Mittel- und
Schnorre, Riebel. Norddeutschen zur Perfektbildung mit haben
Wienerische Elemente im Standard:  über. Süddeutschland und Österreich haben
Schmäh, Hacken, hackeln, Lurch, diese Entwicklung nicht mitgemacht.
Haberer, Bim.
4. Die staatliche Verwaltung schafft nationale
2. Varianten aufgrund der gesamtober­ Varianten.
deutschen (süddeutschen, österreichischen, Eine schriftliche und benotete Arbeit in
schweizerischen) Entwicklung. Beispiele: der Schule wird im gesamtdeutschen Sprach-

14
Fremdworteinflüsse

raum ganz unterschiedlich bezeichnet: Klas­ Nikolo (Nikolaus)


senarbeit, Schulaufgabe, Schularbeit, Probe, Pafese (eine Mehlspeise, armer Ritter)
Klausur. Alle diese Bezeichnungen wären Pallawatsch (umgangssprachlich;
auch in Österreich denkbar. Da die Bezeich- ­Durcheinander)
nung Schularbeit in die Verordnungen und Polizze (Police)
Gesetze für das österreichische Unterrichts- Ribisel (Johannisbeere)
wesen eingegangen ist, wurde sie zu einer Sensal (Makler)
nationalen Variante im ganzen österreichi- skartieren (ausscheiden)
schen Staatsgebiet. Diese Wörter sind heute Spalett (Fensterladen mit Lamellen)
aber keine Fachbegriffe mehr, sondern längst Tschinelle (Becken)
Teil der allgemeinen Alltagssprache. Zappin (Spitzhacke)
Zibebe (Weinbeere)

Französisch
Fremdworteinflüsse
Viele aus dem Französischen stammende
Italienisch Wörter sind bereits veraltet oder nur noch in
der Umgangssprache erhalten:
Der wichtigste kulturelle Partner Öster-
reichs mit dem größten Fremdworteinfluss
Apportl (umgangssprachlich;
war bis ins 18. Jahrhundert das Italienische.
­Wurfgegenstand für den Hund)
Die Übernahmen kommen teils aus oberita-
assanieren (sanieren)
lienischen Dialekten, teils aus der italieni-
außertourlich (zusätzlich)
schen Verwaltungssprache, während die ita-
delogieren (zum Ausziehen aus der Woh-
lienische Finanz- und Musiksprache gemein-
nung zwingen)
deutsch wurde:
Fadesse (veraltet; Langeweile)
Falott (umgangssprachlich; Gauner)
Akonto (Anzahlung)
faschieren (durch den Fleischwolf drehen)
Aranzini (Orangeat)
Frappé (Milchmixgetränk)
Baraber (Arbeiter)
Karbonade (veraltet; faschierte Laibchen)
Bassena (Waschbecken)
Kokosette (Kokosflocken)
Biskotten (Löffelbiskuit)
Magazineur (Magazinverwalter)
Bollette (Zollerklärung)
Manipulant (Amtsspr.; Hilfskraft)
detto (dito)
Parte(zettel) (Todesanzeige)
Faktura (Rechnung)
Pouvoir (Vollmacht)
Farfeln (Suppeneinlage)
Rayon (Amtsbezirk)
Fasche (Binde)
retour (zurück)
Fierant (Marktfahrer)
reversieren (umkehren)
Fisolen (grüne Bohnen)
Rondeau (rundes Beet)
Karfiol (Blumenkohl)
schmafu (umgangssprachlich; geizig)
Kassa (Kasse)
Trafik (Tabakladen)
Koriandoli (Konfetti)
tentieren (umgangssprachlich;
Krida (Konkursvergehen)
­beabsichtigen)
Maroni (Edelkastanien)
Pralinee (französisierend; Praline)
Massette (veraltend; Eintrittskarten­block)
Melanzani (Auberginen)
15
Fremdworteinflüsse

Latein (Fruchtsaft) oder Substandard, das aber


­inzwischen auch gemeindeutsch ist. Nur im
Da die Amtssprache in Österreich bis ins
Sport haben sich Wörter der englischen Fuß-
frühe 19. Jahrhundert hinein Latein war, ha-
ballsprache, die in Deutschland schon in den
ben sich im österreichischen Deutsch zahl-
1920er-Jahren verschwunden sind, e­ rhalten,
reiche lateinische Wörter oder Silben erhal-
z. B. Goal, Goalmann (Tor[mann]), Out, out
ten:
(Aus), Corner (Ecke), Keeper (Tormann), im
Dialekt noch Penalty, Referee. Wörter wie
Auditor (Auditeur)
Forward (Stürmer), Back (Verteidiger) u. Ä.
Aviso (Avis)
waren noch bis in die 1950er-Jahre gebräuch-
dirimieren (entscheiden)
lich.
evident (übersichtlich); Evidenz
Inquisit (Häftling)
inskribieren (einschreiben) Slowenisch
interurban (veraltet; Fern-)
Manche slowenischen Wörter sind nur in
Konsumation (Verzehr)
Kärnten oder in der Steiermark erhalten,
Kontumaz (Quarantäne)
z. B. Klapotetz, Tschurtsche, Glitsch, Pranter,
Kooperator (Kaplan)
einige aber sind in den gesamtösterreichi-
Kriminal (veraltet; Gefängnis)
schen Standard eingedrungen, z. B. Keusche,
lukrieren (Gewinn erzielen)
Pinze, Potitze, darunter auch das gesamt­
Matura (Reifeprüfung)
österreichische Schibboleth Jause.
Pennal (Federschachtel)
perlustrieren (durchsuchen)
Primar(arzt), Primarius, Primaria Tschechisch/Slowakisch
(­leitender Arzt/leitende Ärztin)
Von dem ursprünglich großen tschechischen
prolongieren (verlängern)
und slowakischen Einfluss ist in der öster-
Radialstraße (vom Zentrum aus)
reichischen Standardsprache nur noch we-
Realitäten (Immobilien)
nig zu spüren, vor allem noch in der Küchen-
refundieren (zurückerstatten)
sprache, z. B. Brimsen, Haluschka, Kaluppe,
Remuneration (Vergütung)
Kolatsche, Kren, Skubanki; umgangssprach-
Sekundararzt (Assistenzarzt)
lich sind petschiert sein (ruiniert sein), tri­
spondieren (den Magistertitel verliehen
schaken (verprügeln) und vielleicht Strizzi
­bekommen); Sponsion
(Gauner).
Ziment (veraltet; ein Hohlmaß)

Dazu gehören der Wortbestandteil A ­ ustro- Ungarisch


(österreichisch) und die Fugensilbe -ial
Aus Ungarn gab es keine zahlenmäßig große
(­Ferial-, Gremial-).
Zuwanderung nach Wien, da Ungarn in der
Monarchie als praktisch selbstständiger
Englisch Staat eigene Zentren und eine andere Wirt-
schaftsstruktur hatte. Dementsprechend
Der englische Einfluss auf das österrei­
ist der sprachliche Einfluss geringer als der
chische Deutsch ist – abgesehen von den
aus den slawischen Sprachen, z. B. Fogosch
modernen Anglizismen – gering. Zu den
(Zander), Maschikseite (umgangssprachlich;
wenigen älteren Übernahmen zählen Juice
Kehr-, Rückseite), Mulatschag (ausgelasse-

16
Der Wortschatz des österreichischen Deutsch

nes Fest), Schinakel (Boot), Gate(hose) (um- besoffener Kapuziner (auch:  besoffene Liesl):
gangssprachlich; Unterhose), Dobostorte. in Glühwein getränkter Nusskuchen
Beugel:  Hörnchen, kleines Kipferl
Beuschel:  Speise aus Tierinnereien, beson-
ders Herz und Lunge, mit pikanter Soße
Der Wortschatz des Biegel (veraltet):  Schenkel (vom Huhn)
österreichischen Deutsch Bierteig:  mit Bier hergestellter Teig
Biskotten:  Biskuit in Löffelform
Die folgenden Listen einiger wichtiger Bei- Blunze(n):  Blutwurst
spiele aus ausgewählten Bereichen des ös- böhmische Dalken:  in Fett gebackene
terreichischen Wortschatzes ersetzen nicht Germteigscheiben, mit Zwetschkenmus
die ausführliche Darstellung in den Wörter- gefüllt
büchern. Bosna, Bosner:  eine stark gewürzte Wurst,
meist am Würstelstand gegessen
Brat:  fein gehacktes Fleisch für die Brat-
Die Sprache der Küche
wurst; Brät
Wie auch in anderen Sprachen ist die Kü- Brauner:  Kaffee mit Milch (im Kaffeehaus)
chensprache (oder Sprache der Kochkunst) Brennsuppe:  Suppe mit brauner Einbrenn
entsprechend der geografischen und kultu­ (Mehlschwitze)
rellen Vielfalt regional ausdifferenziert. Brimsen:  eine Art Schafkäse
­Daher gibt es neben vielen Wörtern der Kü- Bruckfleisch:  Innereien vom Rind, gedünstet
chensprache, die für ganz Österreich gelten, und in pikanter Soße
zahlreiche andere, die für einzelne Regionen Buchteln:  Gebäck aus Germteig, in einer
innerhalb Österreichs spezifisch sind. Die Kasserolle gebacken, meist mit Marme-
folgende Liste enthält Speisen- und Frucht- lade gefüllt
bezeichnungen, nicht aber Wörter für Ar- Burenwurst:  eine grobe, gekochte, meist am
beitsvorgänge und Geräte. Würstelstand gegessene Wurst
Butterschnitzel:  wie Schnitzel gebackenes
Apfelkoch:  1. Auflauf mit Semmeln und ­faschiertes Kalbfleisch
­Äpfeln. 2. (veraltend) Apfelmus Dalken:  in Fett gebackene Germteigscheiben
Apfelkren:  Soße aus Äpfeln und Kren Dobostorte, Dobosschnitte:  eine Torte aus
(als Beilage zu Fleischspeisen) Butterteig mit braun glänzender Glasur
Apfelkücherl:  in Teig gebackene Apfel­ Dunstobst:  gedünstetes Obst
scheiben Eiernockerln:  Pfannengerichte aus Spätzle
Augsburger:  gebratene, der Länge nach und darübergeschlagenen Eiern
­halbierte Knackwurst Eierschwammerl:  Pfifferling
Backerbsen:  Suppeneinlage aus Backteig Eierspeise:  in Deutschland: Rühreier
in Erbsenform Eiklar:  in Deutschland: Eiweiß
Backhendl:  paniertes Huhn Einbrenn:  in Fett geröstetes Mehl, in
Beerenkoch:  Beerenmus Deutschland: Mehlschwitze; Einbrenn­
Beinfleisch:  gekochtes Rindfleisch suppe
Beinscherzel:  Rindfleisch vom hinteren Teil Eingetropftes:  mit Mehl verrührtes Ei, als
des Rinds (zum Kochen) Suppeneinlage; Eintropfsuppe, Tropfteig
Beiried:  Rückenstück vom Rind, meist Einmach:  helle Einbrenn aus Butter und
­gedünstet Mehl

17
Der Wortschatz des österreichischen Deutsch

Einmachsuppe:  mit einer Einmach zube- geröstete Knödel:  in der Pfanne geröstete
reitete Kalbsknochensuppe oder Hühner- aufgeschnittene Knödel (vgl. Gröstl)
suppe Germ, die und der:  Backhefe; Germknödel,
Einspänner:  großer Mocca mit Schlagobers Germteig, Germkrapfen
(im Kaffeehaus); einzelnes Frankfurter Gerstl:  Graupen
Würstel Geselchtes:  geräuchertes Schweinefleisch
Erdapfel:  Kartoffel; Erdäpfel in der Schale/ G(e)spritzter:  mit Soda oder Mineralwasser
Montur (umgangssprachlich), in Deutsch- verdünnter Wein
land: Pellkartoffeln; Erdäpfelsalat Golatsche:  siehe Kolatsche
Extrawurst:  feine Wurst, in Deutschland: Grammeln:  Grieben; Grammelknödel,
­Lyoner Grammel­schmalz, Grammelsuppe
Farfeln:  eingetropfte Teigklümpchen in der Graukäse:  eine Zubereitung von Käse
Bouillon; Farferlsuppe Grießkoch:  Grießbrei
Faschiertes:  1. Hackfleisch. 2. Speisen aus Grießschmarren:  gebackener Grießbrei
Hackfleisch; faschierte Laibchen, faschier­ Gröstl, Tiroler Gröstl:  Speise aus gerösteter
ter Braten Wurst, Kartoffeln, Knödeln und Ei
Faschingskrapfen:  in Deutschland: Berliner Gugelhupf:  in Deutschland: Napfkuchen
(in Berlin: Pfannkuchen) Haluschka:  Teigwaren mit Topfen und
Filz:  Bauchfett des Schweins Speck
Fisolen:  grüne Bohnen; Fisolensalat Häuptelsalat:  Kopfsalat; Salathäuptel
Fleck:  flacher, auf einem Blech gebackener, Heiden:  Buchweizen; Heidenmehl,
mit Früchten belegter Kuchen; Marillen-, ­Heiden­sterz
Zwetschkenfleck Hendl:  gebratenes junges Huhn; Back-,
Fleckerln:  viereckige Nudelform; Kraut­ ­Brathendl
fleckerln, Schinkenfleckerln Hetschepetsch (umgangssprachlich): 
Fleischkäse:  westösterreichisch für Leber­ Hagebutte
käse Heuriger:  junger Wein der letzten Lese; Heu­
Flesserl:  mit Mohn oder Salz bestreutes rige: frische Kartoffeln der letzten Ernte
­Gebäck in Zopfform Hiefer-:  siehe Hüfer-
Fogosch:  Zander Hörnchen:  Teigwaren in gebogener Form
Frappee, Frappé:  Mixgetränk aus Milch und (in Deutschland bedeutet es »Kipfel«)
Früchten (in Deutschland: eine Süßspeise Hüfer-:  Teile von Rindfleisch; Huft; Hüfer­
mit Eis) scherzel, Hüferschwanzel
Frittaten:  dünne Teigstreifen als Suppen­ Indianerkrapfen:  in Deutschland:
einlage; Frittatensuppe ­Mohrenkopf
Gansbiegel (veraltend):  Gänsekeule Jagertee:  Tee mit Schnaps
Gebäck:  Sammelbegriff für Semmel, Jourgebäck:  Kleingebäck
Weckerl usw. (in Deutschland: für süßes Jungfernbraten:  Schweinsfilet, Lungenbraten
Backwerk) vom Schwein
gebackene Erbsen:  siehe Backerbsen Kaffeeobers:  Obers für den Kaffee
Gelundener, Glundener:  Kärntner Gericht Kaiserfleisch:  geräucherte Schweinsbrust
aus Käse Kaiserschmarren:  zerstoßener dicker
geriebenes Gerstl:  geriebener Nudelteig ­Palatschinken mit Rosinen
(Graupe) als Suppeneinlage; Reibgerstel; Kälbernes:  Kalbfleisch
Gerstelsuppe Kalbskarree:  Rippenstück vom Kalb

18
Der Wortschatz des österreichischen Deutsch

Kalbsvögerl:  Gericht aus kleinen Fleisch­ Küachli (Vorarlberg):  siehe Kücherl


stücken von der Kalbsstelze Kücherl:  rundes Schmalzgebäck; Apfel­
Kanditen:  kandierte Früchte kücherl
Kapuziner:  Kaffee mit sehr wenig Milch Kruspelspitz:  svw. Kavalierspitz
Karbonade:  1. Nacken und kurze Koteletts Kutteln:  Kaldaunen
vom Schwein. 2. svw. faschierter Braten. Laibchen:  Gebäck, Fleischspeise in runder
Karfiol:  Blumenkohl Form; Laiberl, Laberl, Schusterlaiberl
Karotte:  Möhre Lämmerne:  Lammfleisch
Karree:  Rippenstück vom Rind, Schwein, Leberkäse:  Fleischgericht aus fein gehack-
Kalb oder Schaf; Selchkarree, Kalbskarree tem Fleisch, das in einer Form gebacken
Käsekrainer:  eine Grillwurst mit Käse wird (die Herstellungsart ist regional ver-
Kasnocken:  Nockerln, Spätzle mit geriebe- schieden)
nem Käse; Kasnudeln, Kasspatzen Leberknödel:  Knödel aus Leber u. a. Zutaten;
Kavalierspitz:  saftiges Rindfleisch von unter Leberknödelsuppe
dem Kamm, zum Kochen geeignet Lebzelten:  Lebkuchen
Kelch (umgangssprachlich):  Kohl, in Lungenbraten:  Rindsfilet
Deutschland: Wirsing Lungenstrudel:  mit Lungenhaschee gefüll-
Kiachl (Tirol):  siehe Kücherl ter Strudelteig
Kipfel:  Gebäck in gebogener Form, Lüngerl svw. Beuschel
in Deutschland: Hörnchen Mannerschnitten:  siehe Neapolitaner­
Kipfelkoch:  Brei aus Kipfeln, Milch, Ä
­ pfeln, schnitten
Rosinen, Mandeln u. Ä., ähnlich dem Marille:  in Deutschland: Aprikose; Maril­
Scheiterhaufen lengeist, Marillenknödel, Marillen­kompott,
Klachelsuppe (bes. in der Steiermark):  Marillenmarmelade, Marillenschnaps,
Suppe aus Schweinshaxen ­Marillensoße, Marillenfleck
Klar:  svw. Eiklar Maroni:  Marone, Edelkastanie
Kletze:  gedörrte Birne Mehlkoch:  Mehl-, Milchbrei
Kletzenbrot:  sehr dunkles Brot mit gedörr- Mehlspeise:  1. Kuchen. 2. aus Mehl zuberei-
ten Birnen und anderen Trockenfrüchten tete Speise im Gegensatz zur Fleischspeise
Knödel:  die süddeutsch-österreichische Meisel:  Schulterstück vom Rind; mageres
­Bezeichnung, norddeutsch Kloß Meisel, fettes Meisel
Kohlsprosse:  Röschen des Rosenkohls Melange:  Milchkaffee
Kokosbusserl:  Gebäck, Süßigkeit aus Kokos- Melanzani:  in Deutschland: Aubergine,
flocken in Häufchenform ­Eierfrucht
Kokosette:  geraspelte Kokosnuss Milchrahmstrudel:  warmer Strudel, mit
Kolatsche:  Tascherl aus Germteig, meist mit ­Vanillesoße übergossen; auch Millirahm­
Topfen gefüllt strudel
Kranewitt:  Wacholder; Kranewitter: Wachol- Minestra(suppe):  italienische Gemüsesuppe,
derschnaps Kohlsuppe; Minestrone
Kraut:  bezeichnet in Österreich Weißkraut Mohnbeugel, Mohnkipfel:  mit Mohn gefüll-
(in Deutschland: Kohl) tes Kipfel
Kren:  in Deutschland: Meerrettich; Krensoße Mohnflesserl:  siehe Flesserl
Krenfleisch:  Schweinefleisch mit Wurzel­ Mohnnudeln:  gekochte Nudeln, mit Mohn
gemüse und Kren bestreut und mit Butter übergossen
Kruspel:  Knorpel Neapolitaner(schnitten):  gefüllte Waffeln

19
Der Wortschatz des österreichischen Deutsch

Neugewürz:  Piment Quittenkäse:  schnittfest eingemachte


Nockerl:  Spätzle ­Quittenmarmelade, in Deutschland:
Nussbeugel, Nusskipfel:  mit Nüssen gefüll- ­Quittenbrot
tes Hörnchen Radi (umgangssprachlich):  Rettich
Obers:  Rahm (in Deutschland: süße Sahne) Rahne, Rohne:  rote Rübe
Oberscreme:  Creme aus Schlagobers u. a. Räßkäse:  ein würziger Vorarlberger Käse
­Zutaten Reibgerstl:  svw. geriebenes Gerstl
Oberskren:  kalte Soße aus Obers und Kren Reindling (Kärnten):  in einer Kasserolle
Ochsenschlepp:  Ochsenschwanz (als Speise); ­gebackener Germteigkuchen
Ochsenschleppsuppe Rehschlegel:  Rehkeule
Osterpinze:  siehe Pinze Rindsuppe:  in Deutschland: Fleischbrühe
Pafese, Pofese:  in Fett gebackene, mit Mar- Ribisel:  Johannisbeere; Ribiselmarmelade,
melade oder Kalbshirn gefüllte Weiß­ Ribiselsaft, Ribiselwein, Ribiselkuchen
brotschnitten; armer Ritter Riedhüfel:  Fleischteil aus dem Bauchbereich
Palatschinke:  dünne, mit Topfen, Marme­ des Rindes, besonders zum Kochen
lade o. Ä. gefüllte, zusammengerollte Rindsvögerl:  Rindsroulade
­Omelette (in Deutschland: Pfannkuchen) Ringlotte:  Reneklode
Panadelsuppe:  Suppe mit Weißbrot- Ritscher(t):  Speise aus Gerstengraupen
einlage Rollgerste, Rollgerstl:  Gerstengraupen
Panier:  Panade Röhrlsalat (Kärnten, Steiermark):  Salat aus
Paradeiser:  Tomate; Paradeismark, Para­ Löwenzahnblättern
deispaprika, Paradeissalat, Paradeissoße, Röster:  Kompott oder Mus aus Zwetsch-
Paradeissuppe ken oder Holunder; Zwetschkenröster,
Pinze:  feine süße Mehlspeise als Brauch- ­Hollerröster
tumsgebäck; Osterpinze Rotkraut (ost-, südösterreichisch): 
Pogatsche:  salziges Weißbrot mit Grammeln Blaukraut
Polsterzipf:  schwimmend in Fett gebackene Russen:  marinierte Heringe
rautenförmige Mehlspeise Russenkraut:  saures Gemüse mit grünen
Potitze (Steiermark):  ein Striezel mit Mohn- ­Tomaten
und Nussfülle Saumaise:  Laibchen im Netz mit verschiede-
Powidl:  Pflaumenmus; Powidltascherl nen Fleischfüllungen
Panadelsuppe:  Rindsuppe mit einer Einlage Schaumrolle:  mit Schlagobers gefüllte Rolle
aus Weißbrotschnitten aus Blätterteig
Pressknödel:  in Fett gebackener zusammen- Scheiterhaufen:  süßer Auflauf aus Weiß-
gedrückter Knödel aus unterschiedlichem brotschnitten u. a. Zutaten, in der Pfanne
Material ­gebacken
Pressschinken:  gepresster gekochter Scherzel:  1. Endstück des Brotlaibs.
­Schinken 2. Fleischteil des Rindes zwischen den
Presswurst:  eine Sulz, mit Essig usw. Hinterbeinen und den Hüften; schwarzes
­serviert; in Deutschland: Presssack Scherzel, weißes Scherzel
Punsch:  Fondantmasse Schilcher:  steirischer Roséwein, Schiller
Punschkrapferl:  Törtchen aus Schokolade- Schill:  Zander
biskuit mit rosa Glasur; Punschschnitte Schinkenfleckerln:  gekochte Nudelteig­
Quargel:  kleiner, runder, stark riechender quadrate, vermischt mit Schinken- u. a.
Käse; Harzer Käse Fleischstücken

20
Der Wortschatz des österreichischen Deutsch

Schlagobers:  Schlagsahne, -rahm Serbische Bohnensuppe:  Eintopf aus Bohnen,


Schlegel:  Keule; Kalbsschlegel, Schöpsen­ Paprika, Fleischstückchen usw.
schlegel Skubanki:  Speise in der Art von Nockerln
Schlickkrapferl:  eine Art Ravioli aus Kartoffeln und Mehl, mit zerlassener
Schlutzkrapfen (Kärnten, Tirol):  in Wasser Butter übergossen und mit Mohn bestreut
gekochte Teigtaschen Speck:  in Ostösterreich Bauchfett, Filz;
Schmarren:  in der Pfanne gebackener zer- in Westösterreich geräuchertes Schweine-
stoßener Teig aus Mehl, Eiern und Milch; fleisch, Geselchtes
Kaiserschmarren, Erdäpfelschmarren, Sprossenkohl:  Rosenkohl
­Semmelschmarren Staubzucker:  in Deutschland: Puderzucker
Schnitten:  Kuchen, der in Stücke geschnitten Stelze:  unterer Teil des Beines bei Kalb und
wird (im Gegensatz zu der runden Torte) Schwein, Haxe; Schweins-, Kalbsstelze
Schöberl:  in quadratische Stücke geschnit- Sterz:  Speise aus geröstetem Backteig,
tene Suppeneinlage aus Biskuit mit Hirn, Grieß, Mais, Buchweizen oder K ­ artoffeln
Milz, Schinken u. Ä. (regional unterschiedliche Formen);
Schopfbraten:  Schweinefleisch vom Nacken; ­Erdäpfelsterz, Heidensterz, Kukuruzsterz,
Kamm Türkensterz
Schöpsenbraten:  Hammelbraten; Schöpsen­ Stopfer (Vorarlberg):  siehe Riebel
fleisch, Schöpsenschlegel, Schöpsernes Sto(ß)suppe:  saure Rahmsuppe mit Kartof-
Schotten (westösterreichisch):  Topfen feln
Schottensuppe:  Suppe aus Buttermilch mit Strankerl (Kärnten):  Fisole, grüne Bohne
Brotwürfeln Straube:  Schmalzgebäck aus Hefe-, Tropf-
Schulter:  Fleischteil am oberen Teil der oder Brandteig
­Vorderbeine; Bug, Blatt; Schulterscherzel Striezel:  Zopf aus Germteig
Schupfnudeln:  Nudeln aus gerolltem Strudel:  Speise aus zusammengerolltem
­Kartoffelteig Teig, der mit Obst, Fleisch oder Topfen be-
Schwammerl:  Pilz; Schwammerlsoße, legt ist; Nussstrudel, Topfenstrudel, Mohn­
Schwammerlsuppe strudel, Milchrahmstrudel (Apfelstrudel ist
Schwarzbeere:  Heidelbeere gemeindeutsch)
Schwarzer:  schwarzer Kaffee ohne Milch, Strudelteig:  Nudelteig, der sich ausziehen
Mocca lässt
®
Schwedenbombe :  in Deutschland:
­Mohrenkopf
Sulz:  in Deutschland: Sülze
Surfleisch:  Pökelfleisch
Schweinerne:  Schweinefleisch Szegediner Gulasch:  Schweinsgulasch mit
Schweinsbraten:  Schweinebraten; Schweins­ Sauerkraut
karree, Schweinsschnitzel usw. Tafelspitz:  gekochtes Stück der Rindskeule
Selchfleisch:  geräuchertes Schweinefleisch Teebäckerei:  Teegebäck
Selchkarree:  Rippenstück vom Schwein Teebutter:  in Deutschland: Markenbutter
Semmelbrösel:  Semmelmehl, Paniermehl Teilsames:  geselchtes Schweinefleisch (nicht
Semmelkoch:  Brei, Soße aus aufgeweichten vom Bauch)
Semmeln und Gewürzen Tellerfleisch:  mit Rindsuppe und Kren ser-
Semmelkren:  warme Soße aus Kren und auf- viertes gekochtes Rind- oder Schweine-
geweichten Semmeln fleisch
Semmelschmarren:  warme Süßspeise aus Tommerl:  Mehlspeise in Fladenform; ein
Weißbrotschnitten, Milch, Eiern usw. Auflauf; Bluttommerl, Türkentommerl

21
Der Wortschatz des österreichischen Deutsch

Topfen:  in Deutschland: Quark; Topfen­ Zuckerl:  Bonbon


creme, Topfenstrudel, Topfenpalatschinke, Zwetschke:  Pflaume, in Deutschland:
Topfentorte, Topfenkolatsche, Topfen­ Zwetsche, Zwetschge; Zwetschkenfleck,
tascherl Zwetschkenpafese
Tropfteig:  siehe Eingetropftes Zwetschkenröster:  siehe Röster
Türkensterz:  Sterz (siehe dort) aus Maismehl Zwiebelhäuptel:  Zwiebelknolle
®
Uhudler :  burgenländische Weinspezialität,
Direktträgerwein
Die Sprache von Verwaltung
Vanillekipferl:  mit Vanillezucker bestreutes
und Institutionen
Nuss- oder Mandelgebäck in Form eines
kleinen Kipfels Abfertigung:  Abfindung; Abfertigungsan­
Vanillerostbraten:  ein Rostbraten mit spruch, Abfertigungsrücklage
­Knoblauch Abgängigkeitsanzeige:  Vermisstenmeldung
Verhackert (ursprünglich Steiermark):  klein ABGB :  Allgemeines Bürgerliches Gesetzbuch
gehacktes, z. T. geräuchertes Schweine- Absetzbetrag:  im Finanzamt der steuer­-
fleisch (als Brotaufstrich); Verhackertbrot schonende Freibetrag; Alleinerzieher­
Verlängerter:  kleiner Mocca mit doppelter absetz­betrag, Alleinverdienerabsetzbetrag,
Wassermenge zubereitet (im Kaffeehaus) Absetzposten
Vintschgerl:  Roggengebäck in Form von zwei Agrargemeinschaft:  landwirtschaftliche
zusammenhängenden runden Fladen ­Interessengemeinschaft
Vogerlsalat:  Rapunzelsalat, Feldsalat Aktivbezug:  Beamtengehalt im Gegensatz
Wadschinken, Wadschunken:  Rindfleisch zur Pension
von den Beinen, in Deutschland: Hesse Alleinerzieher:  in Deutschland: Allein­
Wammerl:  Bauchfleisch vom Kalb erziehender; Alleinerzieherin
Wecken:  Brot in länglicher Form; Brot­ Altstoffsammelzentrum:  Recyclinghof,
wecken, Semmelwecken, Weißbrotwecken -anlage
Weckerl:  kleines längliches oder rundes Amtshelfer:  Leitfaden, Broschüre als Rat­
Weiß- oder Schwarzgebäck; Salzweckerl, geber für Behördenwege
Mohnweckerl Amtskalender:  Verzeichnis der öffentlichen
Weinbeere (veraltet):  Rosine Dienststellen
Weinbeißer:  kleiner länglicher, mit weißer Amtstafel:  offizielles Anschlagbrett einer
Glasur überzogener Lebkuchen ­Behörde
Windbäckerei:  Schaumgebäck aus Eischnee Amtstag:  Sprechtag, Sprechstunden bei
und Zucker ­Behörden
Wurstfleckerln:  gekochte Nudelteigquadrate, Annuitätenzuschuss:  staatliche Förderung
vermischt mit Wurststücken für die Zinsbelastung bei Darlehen, z. B.
Wurzelfleisch:  mit viel Wurzelgemüse ein Wohnbaudarlehen
­gekochtes Schweinefleisch Arbeitnehmerveranlagung:  Lohnsteuer­
Zeller (umgangssprachlich):  Sellerie jahresausgleich
Zelten:  1. kleiner flacher Kuchen, besonders Arbeitsmarktservice:  Arbeitsamt; Abk.: AMS
Lebkuchen. 2. (besonders westösterrei- Arzthilfeschein:  amtlich für Krankenschein
chisch) Früchtebrot ASVG -Pension:  Pension nach dem Allge­mei­
Zibebe:  eine große Rosinenart nen Sozialversicherungsgesetz (im Gegen-
Zieger:  Topfen mit Kräutern aus Schaf-, satz zur Beamtenpension), früher wie in
­Ziegen- oder Kuhmilch Deutschland: Rente; ASVG -Pensionist

22
Der Wortschatz des österreichischen Deutsch

Aufsandung (Rechtssprache):  Einwilligung Bezirkshauptmann (in Wien:  Bezirksvor­


eines Liegenschaftseigentümers in Belas- steher); Bezirkshauptmannschaft
tung oder Verkauf; Aufsandungserklärung, Bezirksrichter:  Richter am Bezirksgericht;
Aufsandungsurkunde Bezirksrichterin
Ausgleichsverfahren:  Insolvenz-, Vergleichs- Bezirksrat (in Wien):  Abgeordneter in der
verfahren (im Rechtswesen) Bezirksvertretung; Bezirksrätin
Ausgleichsverwalter:  Sachwalter bei einem Biennium:  Gehaltserhöhung im Zeitabstand
Konkurs von zwei Jahren
Ausgleichszulage:  Zuschuss für niedrige Bildungskarenz:  Bildungsurlaub, Dienst­
Renten bis zur Höhe der Mindestpension; freistellung für Weiterbildung
Ausgleichszulagenbezieher(in) Budget:  Finanzhaushalt, Etat; Budget­
Außerstreitrichter:  Richter in einem zivil­ entwurf, Budgetvoranschlag, budgetieren
rechtlichen Verfahren ohne Prozess Bundesbetreuung:  staatliche Betreuung von
(Rechtswesen); Außerstreitverfahren Asylbewerbern (Übernahme der Kosten
Autostraße:  kreuzungsfreie Schnellstraße für Unterbringung, Verpflegung und Kran-
bedingt:  mit Bewährung (in Gerichts­ kenbetreuung)
urteilen) Bundesheer:  das österreichische Heer
beeinspruchen:  gegen etwas Berufung ein- Bundesverfassung:  das nationale Grund­
legen gesetz; das Bundesverfassungsgesetz
Begutachtungsplakette:  Plakette, die die Bundesversammlung:  gemeinsame Sitzung
­vorgeschriebene Fahrzeugüberprüfung von Nationalrat und Bundesrat
­bestätigt, »Pickerl« Chefarzt:  Vertrauensarzt einer Behörde oder
Behaltefrist:  Frist für Unkündbarkeit nach Krankenkasse; Chefarztpflicht
Anstellungsunterbrechung, z. B. wegen Dienstgeber:  Arbeitgeber
Mutterschaft, Militärzeit; Behaltepflicht Dienstnehmer:  Arbeitnehmer
Beharrungsbeschluss:  Beharren des Natio- Dienststellenausschuss:  Personalvertretung
nalrats auf einem Gesetz nach Einspruch an einer einzelnen Dienststelle
des Bundesrates Dienstzettel:  schriftliche Festlegung des Ar-
Behördenverfahren:  amtlicher Instanzenweg beitgebers über die Rechte und Pflichten
Bereichssprecher:  für einen bestimmten des Dienstnehmers
­politischen Bereich (z. B. Außenpolitik) Dirimierungsrecht:  Entscheidungsrecht
­zuständiger Sprecher einer Parlaments- des Vorsitzenden bei Stimmengleichheit;
fraktion; eine Art Schattenminister ­dirimieren
Besitzstörung:  widerrechtliche Benutzung Edikt:  gerichtliche Bekanntmachung von
eines Grundstücks (Rechtswesen) Versteigerungen und Konkursverfahren
Bezirk:  Verwaltungseinheit, die mehrere Ehebuch:  Eheregister
­Gemeinden umfasst (in Deutschland: Einlaufstelle:  Stelle in Behörden für den
Kreis) Posteingang
Bezirksamt, magistratisches Bezirks­ Einmalerlag:  gesamte Zahlung (im Gegen-
amt:  Dienststellen des Magistrats in den satz zu Zahlung in Teilbeträgen)
einzelnen Wiener Bezirken Einschau:  behördliche Überprüfung,
Bezirksgericht:  Gericht eines Gerichtsbezir- ­Revision; Einschaubericht
kes; kleinste Einheit der Justizverwaltung, Ergänzungskommando:  Wehrersatzbehörde
entspricht in Deutschland dem Amts­ Erlagschein:  Zahlkarte, Einzahlungsschein
gericht der Post

23
Der Wortschatz des österreichischen Deutsch

Exekution:  Pfändung; Exekutionsgericht Gleichbehandlungskommission:  Kommis-


Exekutor:  Gerichtsvollzieher sion, die die gleichrangige Behandlung von
Expeditor:  Expedient, Versandleiter Männern und Frauen überwacht
Expositur:  auswärtige Zweigstelle einer Grundbuchsgericht:  Grundbuchamt, Liegen-
Firma, Schule schaftsamt
Flächenwidmungsplan:  Plan der Gemeinde- Grundwehrdiener:  Soldat im Grundwehr-
behörden über die Bebauung von Grund- dienst
stücken Hacklerregelung (informell):  besondere Pen-
Fahrverkäufer:  fahrender Verkäufer, sionsberechnung für Langzeitversicherte
Wander­händler bzw. schwer Arbeitende
Familienbeihilfe:  Kinderbeihilfe, Kindergeld Hausbeschau:  Verzollung, Abfertigung
Feuerbeschau:  behördliche Untersuchung ­direkt an der Lieferadresse und nicht am
der Feuersicherheit, Brandschau Zollamt
Finanzlandesdirektion:  oberste Zollbehörde Inspektorat:  Kontrollbehörde
eines Bundeslandes Instruktor:  jemand, der andere instruiert
Finanzprokuratur:  Vertretung des Staates (in Deutschland: Instrukteur)
bei Gerichten und Behörden Interessentenweg:  öffentlicher Fahrweg,
Firmenbuch:  Handelsregister den die Anrainer unterhalten
Flugrettung:  Rettungsdienst mit Flugzeugen Istgehalt, Istlohn:  das tatsächlich ausbe-
Gebietskrankenkasse:  gesetzliche Kranken­ zahlte Gehalt im Gegensatz zum Mindest-
versicherung nach dem Allgemeinen gehalt des Kollektivvertrags
­Sozialversicherungsgesetz; Abk.: GKK Journaldienst:  Dienst außerhalb der Amts-
Geburtenbeihilfe:  staatliche Geldzahlung zeit für dringende Fälle; Journalbeamter
­anlässlich einer Geburt juridisch:  juristisch
Gefangenhaus, Gefangenenhaus:  Gefängnis Jus:  Recht, Rechtswissenschaft (in Deutsch-
Gemeindeamt:  Amt und Gebäude der land: Jura); Jusstudent, Jusstudium
­Gemeindeverwaltung Justizanstalt:  Justizvollzugsanstalt,
Gemeindemandatar:  Mitglied des ­Gefängnis
Gemeinde­rates Justizwache:  für die Aufsicht an einem
Gerichtsbezirk:  unterste Ebene der Gerichts- ­Gericht, in Gefängnissen usw. zuständige
barkeit, für die ein Bezirksgericht zustän- Behörde; Justizwachebeamte(r)
dig ist karenzieren:  für unbezahlten Urlaub frei-
Gerichtssprengel:  Gebiet, für das ein Gericht stellen
zuständig ist Karenzurlaub:  Urlaub gegen Entfall der
Gerichtsvorsteher:  Präsident eines Bezirks- ­Bezüge (bei Beamten); Sonderurlaub nach
gerichts dem Mutterschaftsurlaub
Gering fügigkeitsgrenze:  Einkommensgrenze, Karenzvertretung:  Vertretung während eines
bis zu der Lohnsteuer entfällt Karenzurlaubs
Geschwor(e)ne:  Laienrichter bei schweren Kartellgericht:  für die Kontrolle des Wett­
Verbrechen und politischen Straftaten; bewerbs zuständiges Gericht
Geschwor(e)nengericht Kassenschein:  Wertpapier, das bereits
Gesundenuntersuchung:  Vorsorgeunter­ nach kurzer Zeit samt Zinsen einzu­lösen
suchung ist
Gewerbeberechtigung:  behördliche Berechti- Katastralgemeinde:  Teil einer Gemeinde,
gung zur Ausübung eines Gewerbes ­ursprünglich Steuergemeinde

24
Der Wortschatz des österreichischen Deutsch

Kinderbetreuungsgeld:  für 2–3 Jahre an die Landhaus:  Sitz des Landtags (und der Lan-
Eltern ausbezahltes Erziehungsgeld desregierung)
Kirchenbeitrag:  Kirchensteuer Lebensmittelpolizei:  kommunale Behörde
Klub:  Fraktion (im Parlament); Klubobfrau, für die Lebensmittelkontrolle
Klubobmann, Klubzwang Lenker:  Fahrer, z. B. Autolenker, Mopedlen­
Knoten:  im Verkehrswesen die Einbindung, ker, Pkw-Lenker, Taxilenker; Lenkerprüfung,
Kreuzung einer Autobahn, in Deutsch- Lenkertest, Lenkerberechtigung
land: Kreuz Lokalaugenschein:  Gerichtstermin am Tat-
kollaudieren:  baubehördlich prüfen und die ort; Ortsaugenschein
Benützung genehmigen; Kollaudierung Magistratsdirektor(in):  Leiter(in) der Stadt-
kommassieren:  Grundstücke zusammen­ verwaltung
legen; Kommassierung Mandatar:  Abgeordneter; Gemeinde­
Kommerzialrat:  Ehrentitel für Wirtschafts- mandatar
treibende, in Deutschland: Kommerzienrat Markt:  Rechtsstatus zwischen Gemeinde
Kommissär:  Regierungsbeauftragter, in und Stadt; Markterhebung
Deutschland: Kommissar Marktamt:  Lebensmittel-Kontrollbehörde
Kommissariat:  Polizeidienststelle Mehrdienstleistung:  Überstunde bei
kommissionieren:  einen Neubau behördlich ­Beamten
prüfen und die Benützung genehmigen; Meldegesetz:  Gesetz über die polizeiliche
Kommissionierung Anmeldung; Melderegister, Meldeschein
Kommunalabgabe:  Gemeindesteuer Meldezettel:  polizeiliche Anmeldungs­
Konsumentenschutz:  Verbraucherschutz bestätigung
Kontrollor:  in Deutschland: Kontrolleur Militärkommando:  militärische Dienststelle
Konzeptsbeamter:  Beamter, der Schriftstü- eines Bundeslandes
cke verfasst; in Deutschland: Konzipient Militärstreife:  eine Truppe zur Unter­
Konzipient:  Jurist zur Ausbildung in einem stützung der Polizei
Anwaltsbüro Ministerrat:  regelmäßige Sitzung der
Krida:  Konkursvergehen; Kridatar: Konkurs- ­Regierungsmitglieder, Kabinettssitzung
schuldner Mutter-Kind-Pass:  Heft mit ärztlichen
Kurator:  Rechtsbeistand für Entmündigte ­Bestätigungen über verschiedene Unter­
und Sachen; Mitglied eines Kuratoriums; suchungen des Kindes in den ersten
Leiter eines Museums; Betreuer einer Aus- ­Lebensjahren
stellung; kuratieren Nationalbank:  staatliche Notenbank
Kurie:  Standesvertretung in bestimmten Nationale:  Personalangaben; Formular für
Gremien die Personalangaben
Landesgericht:  dem Bezirksgericht über­ Nationalrat:  gesetzgebende Volksver-
geordneter Gerichtshof, der sich meist in tretung; Mitglied der Volksvertretung
einer Landeshauptstadt befindet; (Abk.: NR .); Nationalratsabgeordnete(r),
in Deutschland: Landgericht Nationalratspräsident(in), Nationalrats­
Landeshauptfrau:  Regierungschefin eines wahl
Bundeslandes Nominale:  Nominalwert
Landeshauptmann:  Regierungschef eines Normverbrauchsabgabe:  Steuer bei Erwerb
Bundeslandes eines Kraftfahrzeugs, die nach dem Treib-
Landesrat:  Mitglied einer Landesregierung; stoffverbrauch bemessen wird (Abk.:
Landesrätin NOVA )

25
Der Wortschatz des österreichischen Deutsch

novellieren:  ein Gesetz ändern oder ergän- Dienstpragmatik, Pragmatisierung, prag­


zen; Novellierung (Novelle ist gemein- matisieren
deutsch) Präsenzdiener:  Soldat im Grundwehrdienst;
Oberster Gerichtshof:  Gerichtshof für Ent- Präsenzdienst
scheidungen in letzter Instanz für Zivil- Präsidentschaftskanzlei:  Büro des Bundes-
und Strafsachen mit Sitz in Wien (Abk.: präsidenten
OGH ) Präsidiale:  aus den drei Präsidenten be­
ÖNORM :  Österreichische Norm stehendes Präsidium des Nationalrats;
Organmandat, Organstrafmandat, Organ­ Konferenz des Präsidiums
mandatsstrafe:  [von einem Polizisten] Primar:  Leiter einer Krankenhausabteilung;
­direkt verfügte und kassierte [Polizei]- Primararzt, -ärztin, Primaria, Primarius
strafe ohne Anzeige und Verfahren Privatkonkurs:  Konkurs einer Privatperson
Pannenstreifen:  für Notfälle vorbehal- (im Gegensatz zu einem Firmenkonkurs)
tene seitliche Fahrspur auf Autobahnen; Probeführerschein:  Führerschein für An­
­Standstreifen fänger mit beschränkter Gültigkeitsdauer
Parere:  amtsärztliches Gutachten Proportionalwahl, Proporzwahl:  Wahlen
paritätische Kommission:  paritätisch zu- nach dem Verhältniswahlrecht
sammengesetzte Kommission der Sozial­ Provisor:  Geistlicher, der vertretungsweise
partner zur Regelung der Lohn- und eine Pfarre betreut
­Preisfragen Radiallinie:  von der Stadtmitte zum Stadt-
Partei:  Bürger, der bei einer Behörde vor- rand führende Linien; Radialstraße
spricht; Parteienraum, Parteienverkehr, Räumungsexekution:  gerichtlich erzwungene
Parteistellung Räumung einer Wohnung
Pendlerpauschale:  Entfernungszulage für Rayon:  Dienstbereich, für den jemand zu-
Pendler ständig ist, z. B. bei der Polizei; Rayons­
Pension:  in Österreich sowohl für Rente inspektor
aus der allgemeinen Sozialversicherung Realakt:  gerichtliche Handlung, die ein
als auch für Beamtenpension üblich; Grundstück betrifft
Pensionist(in) Realbüro:  Immobilienvermittlungsbüro;
Pensionsdynamik:  gesetzlich verankerte ­Realkanzlei
­Anpassung der Pensionen an die Lohn- Realitäten (Mehrzahl):  Immobilien;
Preis-Entwicklung ­Realitätenbüro, Realitätenvermittler
perlustrieren:  zur Feststellung der Identi- Rechtsanwaltsanwärter:  Jurist während der
tät anhalten und genau durchsuchen Ausbildung bei einem Anwalt
(von der Polizei); Perlustration, Perlus­ Rechtsfreund:  Vertreter in Rechtsfällen,
trierung meist Rechtsanwalt; rechtsfreundliche
Personale:  Einzelausstellung der Werke ­Vertretung
­eines Künstlers Rechtspraktikant:  Jurist während des Praxis-
Pfarrsprengel:  Pfarrbezirk jahrs im Gericht
Pflegschaftsgericht:  Vormundschaftsgericht Regierungskommissär:  Regierungs­
Polizeikommissariat:  Polizeiinspektion beauftragter
Pönale:  Strafgebühr, Buße Reststimmenmandat:  Mandat aufgrund von
Postenkommando:  Leitung, Büro einer Poli- Überhangstimmen
zeidienststelle; Postenkommandant Rettung:  Rettungsdienst; Krankenwagen;
Pragmatik (veraltend):  Beamtendienstrecht; Rettungswagen, Rettungshubschrauber

26
Der Wortschatz des österreichischen Deutsch

Richteramtsanwärter:  Jurist in der Ausbil- Stadtgemeinde:  Kommune mit S­ tadtrecht


dung zum Richter (Abk.: RAA ) Stadtphysikus:  Amtsarzt
Richtersenat:  Richterkollegium Statutargemeinde:  Gemeinde mit eigenem
Ruhensbestimmungen (Mehrzahl):  Bestim- Statut (Stadtrecht); Statutarstadt
mungen über Zuverdienstgrenzen für Stellung:  Musterung der Wehrpflichtigen;
­Pensionisten Stellungskommission, stellungspflichtig
Sachverhaltsdarstellung:  Bericht eines Betei- Sterbematrikel:  Verzeichnis der Verstorbe-
ligten oder Zeugen bei der Behörde nen
Sanität:  Gesundheitsdienst, -pflege; Sani- Strafregister:  polizeiliches Register der Vor-
tätsabteilung beim Militär; Sanitätspolizei strafen; Strafregisterauszug, Strafregister­
Schematismus:  Rangliste für öffentlich bescheinigung
­Bedienstete; Handbuch mit Statistiken Strafverfügung:  behördlicher Strafbescheid
und Personalregistern, besonders in kath. Strafverifizierung:  administrative Festlegung
Orden und Diözesen des Ergebnisses eines Wettkampfs bei
Schöffensenat:  Schöffengericht für be- Regel­verstößen; strafverifizieren
stimmte Delikte Tagsatzung:  behördlich bestimmter Termin;
Schubabkommen:  zwischenstaatlicher Gerichtstermin; Tagsatzungserstreckung,
­Vertrag über die Abschiebung von Flücht- Tagsatzungsversäumnis
lingen Tangente:  das abzuliefernde Einnahmensoll
Schubhaft:  Abschiebungshaft; Schubhäftling [eines staatlichen Theaters]
Schutzweg:  Fußgängerüberweg, Zebra­ taxativ:  taxativ aufzählen: vollständig auf-
streifen zählen, z. B. in einem Gesetzestext
Schwurgerichtshof:  Gremium der drei teilrechtsfähig:  vom Staat zur Durchführung
Berufs­richter im Geschworenengericht eigener Rechtsgeschäfte berechtigt,
Sekundararzt:  Assistenzarzt in einem Kran- z. B. ein Museum
kenhaus Turnus:  Diensteinteilung in mehreren
Sicherheitsdirektion:  oberste Polizeibehörde Schichten, Ausbildungsjahre der Jung-
eines Bundeslandes ärzte; Turnusarzt, Turnusplatz
Sicherstellung:  Kaution Umfahrung, Umfahrungsstraße:  Straße,
Sperrfläche:  durch Bodenmarkierungen ge- die um einen Ort geführt wird
kennzeichnete Verkehrsfläche, die nicht unbedingt:  ohne Bewährung (in Gerichts-
befahren werden darf; Sperrlinie urteilen)
Sprecher:  Wortführer einer Parlamentsfrak- Verfassungsgerichtshof:  oberster Gerichts-
tion in bestimmten Bereichen, Schatten- hof für Fragen der Verfassungsmäßigkeit
minister; Bildungssprecher, Sozialsprecher, von Gesetzen u. Ä.; Verfassungsrichter
Wehrsprecher Verlagspostamt:  Versandpostamt einer
Sprengel:  Dienstbereich, Rayon, Amtsbe- ­Zeitung
zirk; Gerichtssprengel, Pfarrsprengel, Schul­ Verlassenschaftsabhandlung:  Erbschafts­
sprengel, Sozialsprengel, Wahlsprengel verhandlung
Staatsbürgerschaftsnachweis:  Staatsbürger- Verschub:  das Verschieben, Rangieren;
schaftsurkunde ­Verschubbahnhof, Verschubfahrt,
Staatsgrundgesetz:  Gesetzeswerk zur Siche- Verschubgarnitur, Verschubgleis,
rung der Grundrechte für die Staatsbürger Verschublok
Stadtamt:  Verwaltungsbehörde einer Stadt; Versorgungsgenuss:  Pension für Hinter­
Stadtamtsdirektor(in) bliebene (bei Beamten)

27
Der Wortschatz des österreichischen Deutsch

Versteigerungsedikt:  amtliche Bekannt­ Zentralausschuss:  zentrale gesamtstaatliche


machung einer Versteigerung Personalvertretung
Verwaltungsgerichtshof:  oberster Gerichts- Zentralbetriebsrat:  Gesamtbetriebsrat
hof zur Prüfung der Gesetzmäßigkeit in (bei mehreren Teilbetrieben)
der öffentlichen Verwaltung; Verwaltungs­ Zivildiener:  Zivildienstleistender, Ersatz-
richter dienstpflichtiger
Volksanwalt:  vom Nationalrat bestellter Ziviltechniker:  freier Unternehmer, der tech-
­Ansprechpartner bei Bürgerbeschwerden; nische Aufgaben in eigener Verantwortung
Volksanwältin bearbeitet
Volksanwaltschaft:  Kollegium der drei Zollwache:  Behörde für den Grenzschutz;
Volksanwälte Zollwachebeamter
Vorerhebung:  Vorermittlung durch den/die Zulassungsschein:  Ausweis über die Zulas-
Untersuchungsrichter(in) sung eines Kraftfahrzeugs
Vorrang:  Berechtigung zuerst zu fahren Zwangsausgleich:  Ausgleich, der während
(in Deutschland: Vorfahrt); Vorrangregel, ­eines Konkurses auf Antrag des Schuld-
Vorrangstraße, Vorrangtafel ners durchgeführt wird
vorrücken:  in die nächste Gehaltsstufe
­kommen (bei Beamten); Vorrückung
Bezeichnungen aus dem Schulwesen
Vorschreibung:  Bescheid über Zahlungs­
verpflichtungen; Prämienvorschreibung, AHS :  allgemeinbildende höhere Schule,
Steuervorschreibung Gymnasium; AHS -Lehrer(in), AHS -
Wachebeamter:  Polizist, Aufsichtsperson; Schüler(in), AHS -Maturant(in)
Justizwachebeamter Akademie:  siehe Pädagogische Akademie
Wachmann:  Polizist akademisches Gymnasium:  Titel eines Gym-
Wachstube, Wachzimmer:  Polizeidienststelle nasiums, das auf eine universitäre Anstalt
Wahlarzt:  Arzt ohne Kassenvertrag; im 17./18. Jahrhundert zurückgeht
­Wahlärztin Berufsreifeprüfung:  Prüfung, die ein Studium
Wählerevidenz:  Wählerverzeichnis ohne Reifeprüfung ermöglicht
Wahlkarte:  Berechtigungsschein für das Bezirksschulinspektor:  Schulaufsichtsbeam-
Wählen außerhalb des eigenen Wohn- ter des Bezirksschulrats; Abk.: BSI
ortes; Wahlkartenwähler, Wahlkarten­ Bezirksschulrat:  für die Pflichtschulen
stimme ­zuständige Schulbehörde eines Bezirks
Wahlsprengel:  Wahlbezirk BHS :  berufsbildende höhere Schule
Wahlwerber:  Wahlkandidat BLA :  siehe Bundeslehranstalt
Wanderhandel:  Gewerbe, bei dem Waren BSI :  Bezirksschulinspektor(in)
­direkt beim Kunden angeboten werden BSR :  Bezirksschulrat (Behörde)
Wehrdiener:  Soldat des Bundesheeres; Bundeslehranstalt:  Oberbegriff für verschie-
Grundwehrdiener dene, meist berufsbezogene Schulen des
Werber:  Bewerber; Antragsteller Bundes (Abk.: BLA ). Es gibt verschiedene
Wirtschaftstreibende(r):  selbstständige(r) Formen, daher ist die Bezeichnung der
Unternehmer(in) ­einzelnen Schulformen meist erweitert,
Wochengeld:  Mutterschaftsgeld z. B. die Höhere Bundeslehranstalt (HBLA )
Wohnbeihilfe:  Wohngeld, Mietzuschuss für Tourismus
Zeitausgleich:  Freizeit als Ausgleich für Bundeslehrer:  vom Bund angestellte(r)
Überstunden Lehrer(in), vor allem an höheren Schu-

28
Der Wortschatz des österreichischen Deutsch

len (im Gegensatz zu den Landeslehrern sich auf eine staatliche Reifeprüfung ohne
an Volks-, Haupt- und Sonderschulen); Schulbesuch vorbereitet
­Bundeslehrerin Mittelschule:  bis 1962 Bezeichnung für die
Bundesgymnasium:  staatliches Gymnasium allgemeinbildende höhere Schule (AHS ,
(Abk.: BG ); Bundesrealgymnasium (BRG ) Gymnasium), auch heute inoffiziell noch
Externist:  Schüler, der nach privater Vor­ gebräuchlich
bereitung die entsprechenden Prüfungen Nachtragsprüfung:  nachgeholte Prüfung in
ablegt; Externistenprüfung: Prüfung für der Schule, wenn die Benotung im norma-
­externe Schüler len Zeitraum nicht möglich war
Fachbereichsarbeit:  im Rahmen der Reife- Oberschulrat:  Titel für einen verdienten
prüfung erstellte wissenschaftliche Arbeit ­Lehrer an Pflichtschulen (Abk.: OSR );
FH :  Fachhochschule Oberschulrätin
Gegenstand:  Schulfach; Haupt-, Lieblings-, Oberstudienrat:  Titel für einen verdienten
Neben-, Pflicht-, Unterrichts-, Wahlpflicht­ Lehrer an höheren Schulen (Abk. OstR;
gegenstand das Grundwort Studienrat ist in Österreich
Handelsakademie:  fünfjährige höhere kauf- ungebräuchlich); Oberstudienrätin
männische Schule mit Matura, kurz: die Oberstufenrealgymnasium:  vierjähriger
Handelsak, Abk.: HAK Gymnasialtyp, der das 9. bis 12. Schuljahr
HASCH , Hasch:  Handelsschule umfasst (Abk.: ORG )
HTL :  höhere technische Lehranstalt Pädagogische Akademie (auslaufend):  Aus-
Integrationslehrer:  Lehrer in Klassen, in bildungsstätte für Pflichtschullehrer; kurz:
­denen behinderte Kinder integriert sind; die Pädak, heute Pädagogische Hochschule
Integrationslehrerin Pflichtgegenstand:  Pflichtfach
Klassenvorstand:  für eine Klasse besonders Pflichtschule:  Volks- und Hauptschule;
zuständige(r) Lehrer(in) Pflichtschullehrer(in)
Kolleg:  berufsorientierte, 2- bis 3-jährige polytechnisch:  Polytechnische Schule, Poly­
Ausbildung im Anschluss an die Reife­ technischer Lehrgang: an die Hauptschule
prüfung anschließende praxisorientierte Schule
Kustos:  Verwalter der Lehrmittelsammlung (9. Schulstufe), kurz Poly
Kustodiat:  Amt eines Kustos Professor:  Lehrer an einer höheren Schule;
Landeslehrer:  siehe Bundeslehrer; Landes­ Professorin (in Deutschland: Studienrat/
lehrerin -rätin)
Landesschulinspektor:  Schulaufsichtsbe- Realgymnasium:  höhere Schule mit natur-
amter des Landesschulrats (Abk.: LSI ); wissenschaftlichem Schwerpunkt
­Landesschulinspektorin Schularbeit:  schriftliche Prüfungsarbeit in
Landesschulrat:  Schulbehörde eines Bundes- der Schule (in Deutschland: Klassenarbeit,
landes (Abk.: LSR ) Klausur)
Lehrverpflichtung:  Anzahl von Schulstun- Schulbuchaktion:  kostenlose Versorgung der
den, die ein Lehrer zu halten hat Schüler mit neuen Schulbüchern durch
Matura:  Reifeprüfung (in Deutschland: den Staat
­Abitur); Maturaaufgaben, Maturajahrgang, Schulbuchliste, Schulbuchprofil:  Liste der in
Maturajubiläum, Maturareise, Matura­ der Schulbuchaktion erhältlichen Bücher
treffen, Maturazeugnis; Handelsmatura; Schulerhalter:  Schulträger
Maturant(in) Schulgemeinschaftsausschuss:  Gremium aus
Maturaschule:  Privatschule, in der man Lehrern, Eltern und Schülern (Abk.; SGA )

29
Wortbedeutung

Schulsprengel:  Sprengel, für den eine be- Übungsschule:  an eine Pädagogische Hoch-
stimmte Pflichtschule zuständig ist schule angeschlossene Pflichtschule;
Schulstufe:  Jahrgang innerhalb des vor­ Übungshauptschule, Übungsvolksschule
geschriebenen Schulaufbaus. (Die erste Unterrichtsgegenstand:  Unterrichtsfach
Klasse Gymnasium ist für die Schüler die Unterrichtspraktikant:  Lehrer einer hö­heren
5. Schulstufe.) Schule im Praktikumsjahr (in Deutsch-
Stadtschulrat:  Schulbehörde in Wien land: Referendar[in]); Unterrichtsprakti­
(Abk.: SSR ) kantin, Unterrichtspraktikum
Stundentafel:  im Lehrplan festgelegtes Stun- Volksschule:  die vierklassige Grundschule,
denausmaß der Unterrichtsfächer 1.–4. Schuljahr
supplieren:  die Schulstunde eines anderen
Lehrers vertretungsweise halten; Supplier­
stunde, Supplierung

Wortbedeutung dazu Beispiele zusammengestellt. In der


2. Spalte sind die gemeindeutschen (G) oder
Ein großer Teil der Austriazismen besteht nur auf Deutschland beschränkten (D)
aus gemeindeutschen Wörtern, die in Öster- Bedeutungen angeführt. Die Bedeutungs­
reich eine andere oder eine zusätzliche Be- angaben sind vereinfacht und enthalten auch
deutung haben. In der folgenden Liste sind Hinweise für den Gebrauch.

D = Deutschland, G = gemeindeutsch, A = Österreich, ugs. = umgangssprachlich

Stichwort bedeutet in Deutschland oder bedeutet in Österreich zusätzlich zu even-


gemeindeutsch: tuellen gemeindeutschen Bedeutungen:
angeloben D: etwas feierlich versprechen feierlich vereidigen: Rekruten an­
geloben, der Bundespräsident wird
­angelobt; Angelobung
anschaffen G: erwerben, kaufen: 1. (ugs.) befehlen: Wer hat dir das
ein Auto anschaffen ­angeschafft?; 2. (ugs.) im Gasthaus
­bestellen: Habt ihr schon angeschafft?
abfertigen G: zum Versand, zur ­Abfahrt A: abfinden, eine Abfindung aus­
fertig machen: einen Zug zahlen: einen Angestellten abfertigen;
­abfertigen Abfertigung
adaptieren G: anpassen (vor allem eine Sache für einen bestimmten
­Bio­logie und Soziologie) Zweck zurichten, eine Wohnung,
ein Haus herrichten: das Schloss wird
als Museum adaptiert
Ansitz G: Hochsitz (Jagdwesen) repräsentativer Wohnsitz

30
Wortbedeutung

Stichwort bedeutet in Deutschland oder bedeutet in Österreich zusätzlich zu even-


gemeindeutsch: tuellen gemeindeutschen Bedeutungen:
auflassen G: 1. aufbehalten: den Hut stilllegen, schließen, aufgeben: einen
auflassen. 2. auf bleiben Betrieb, ein Geschäft, eine Bahnlinie
­lassen: die Kinder länger auf lassen
­auflassen.
D: offen lassen: das Fenster
auflassen
aufsteigen G: einen höheren Rang ein- in die nächste Klasse zugelassen
nehmen: beruf lich aufsteigen ­werden: der Schüler darf aufsteigen
(in D: versetzt werden)
ausrasten G: sich aus einer Befestigung ausruhen: ich muss mich ein bisschen
lösen: die Halterung ist aus­ ausrasten
gerastet
Aussendung G: das Aussenden Pressemitteilung
Bäckerei G: Betrieb, der Backwaren süßes Kleingebäck, Keks usw.;
­erzeugt ­Teebäckerei, Weihnachtsbäckerei
Beilage G: 1. etwas einer Zeitung etwas, was einem Brief, einem Gesuch
usw. Beigelegtes. 2. Gemüse, usw. beigelegt wird (in D: Anlage)
­Kartoffeln usw. , die zu einer
Fleischspeise gereicht werden
berufen G: 1. in ein Amt einsetzen; Berufung einlegen: gegen ein Urteil
er wurde als Professor berufen. ­berufen
2. sich auf etwas beziehen:
sich auf einen Zeugen berufen
BH G: (der) Büstenhalter 1. (die) Bezirkshauptmannschaft.
2. (das) Bundesheer
Eierspeise D: hauptsächlich aus Eiern Speise aus in der Pfanne zerrührten
zubereitete Speise ­Eiern (in D: Rührei)
Exekution G: Hinrichtung Pfändung
Exekutive G: vollziehende Gewalt im Gesamtheit der Organe zur Ausübung
Staat der vollziehenden Gewalt, Polizei
Feuilleton D: Kulturteil einer Zeitung populärwissenschaftlicher oder unter-
haltender Beitrag in einer Zeitung
Galerie G: umlaufender Gang an Tunnel an einem Berghang mit Öffnun-
­einem Gebäude, Gemälde­ gen nach der Talseite
sammlung usw.
Gebrechen G: körperlicher Schaden Schaden an Installationen

31
Wortbedeutung

Stichwort bedeutet in Deutschland oder bedeutet in Österreich zusätzlich zu even-


gemeindeutsch: tuellen gemeindeutschen Bedeutungen:
Gegenstand G: 1. Körper, Ding. 2. Thema. Schulfach
3. Objekt von Handlungen
Hafen G: Anlegeplatz für Schiffe (veraltet) Topf
Havarie G: Unfall, Schaden an Flug- Unfall, Schaden an Kraftfahrzeugen
zeugen und Schiffen
heikel G: schwierig, gefährlich, wählerisch beim Essen
­delikat
Kabinett G: 1. Regierung. 2. kleinerer kleines Zimmer mit nur einem Fenster:
Museumsraum Kabinett zu vermieten
Karree G: Viereck, Geviert Rippenstück vom Schwein, Kalb oder
Lamm
Klampfe G: einfache Gitarre Bauklammer
Klub G: Vereinigung; ihre Räum- Parlamentsfraktion; Klubobmann,
lichkeiten Klubzwang
Koch G: Berufsbezeichnung (veraltend) Brei, Mus
Kohl Wirsing, Wirsingkohl Kraut
Krampen D: U-Haken zum Befestigen Spitzhacke
von Draht an Zäunen usw.
läuten G: läuten (Glocken) klingeln (Wohnungstür, Wecker usw.)
leeren G: 1. leer machen: das Glas ausgießen, schütten: das Wasser, den
leeren. 2. leer werden: der Saal Kübel ins Gras leeren
leerte sich
Lurch G: Amphibie Staubflocken
Mandatar D: jemand, der im Auftrag Abgeordneter: die gewählten
­eines anderen handelt, ­Mandatare
z. B. ein Rechtsanwalt
Masche G: 1. (ugs.) Vorgangsweise, Schleife: Haarmasche, Masche im
Trick. 2. Schlinge beim Schuhband
­Stricken oder Häkeln
Montur G (veraltend): Uniform Arbeitsanzug, Blaumann
Moos G: Pflanze, die in Sumpf bö- Sumpf, Moor
den, an Baumstämmen u. Ä.
in Form von Polstern wächst
Panier G (das; gehoben): Fahne, (die) Masse zum Panieren
­Banner, Feldzeichen

32
Wortbedeutung

Stichwort bedeutet in Deutschland oder bedeutet in Österreich zusätzlich zu even-


gemeindeutsch: tuellen gemeindeutschen Bedeutungen:
pannonisch geogr. Fachausdruck: altburgenländisch; pannonische Küche
­pannonische Tiefebene
Partie 1. Teil, Abschnitt. 2. Durch- für eine bestimmte Aufgabe zusam-
gang, Runde in einem Spiel. mengestellte Gruppe von Arbeitern
3. Gesangsrolle usw.
Pech G: 1. Rückstand bei der Erdöl- Harz
verarbeitung. 2. Missgeschick
Pfusch G: nachlässig und schlampig Schwarzarbeit (ugs.)
ausgeführte Arbeit
Plateau G: Hochfläche, Hochebene künstlich errichtete Fläche, z. B. an
­einem Aussichtspunkt
Polster G (das): Auflage, Polsterung (der) Kissen
auf Sitz- und Liegemöbeln
präpotent D (veraltet, selten): überheblich, frech, angeberisch
­übermächtig
Psyche G: Gesamtheit des mensch­ (veraltend) Frisiertoilette mit Spiegel
lichen Fühlens, Empfindens
u. Denkens
Realitäten G: Plural zu Realität: Immobilien
­Wirklichkeit, Tatsache
Rettung G: das Retten, Bewahren 1. Rettungsdienst: die Rettung anrufen.
2. Rettungswagen
richten mehrere gemeindt. Bedeu- 1. reparieren: die Uhr richten, die Wege
tungen sind gerichtet worden. 2. für einen
­bestimmten Zweck herrichten
Ried D: Riedgräser, Schilf; Nutzfläche in den Weinbergen (auch
­mooriges Gebiet Riede)
Rodel G (der): zum R­ odelsport (die) kleinerer Kinderschlitten
­geeigneter Schlitten
D (der, südwestd. , schweiz.):
Verzeichnis, Liste
Röster G: Gerät zum Rösten Mus oder Kompott aus Zwetschken,
Holunder oderMarillen
Schiefer G: eine Gesteinsart Holzsplitter
schlichten beilegen, vermitteln: einen stapeln: Brennholz schlichten
Streit schlichten

33
Wortbedeutung

Stichwort bedeutet in Deutschland oder bedeutet in Österreich zusätzlich zu even-


gemeindeutsch: tuellen gemeindeutschen Bedeutungen:
Schularbeit D: schriftliche Hausaufgabe schriftliche Prüfungsarbeit (dafür D:
(dafür in A: Hausübung) Klassenarbeit)
Schwamm G: 1. Lebewesen (auf dem Pilz: Schwammerl
Meeresgrund). 2. saugfähiges
Material zum Waschen und
Putzen usw.
schwätzen D (süddeutsch): sich unter­ während des Unterrichts heimlich und
halten; weitererzählen unerlaubterweise reden
schwemmen G: durch Wasser transportie- 1. (die Wäsche) spülen. 2. (Holz) flößen
ren: der Fluss schwemmt den
Sand ans Ufer
stieren G: starr blicken stöbern
Sturm G: heftiger Wind. in Gärung übergegangener Trauben-
2. schneller Angriff most
Sturz G: 1. das Fallen, Stürzen. kurz für Glassturz: Glasglocke
2. tragender Abschluss einer
Maueröffnung
Stutzen G: 1. Jagdgewehr mit kurzem Kniestrumpf
Lauf. 2. kurzes Rohrstück.
3. Strumpf, der die Wade
­bedeckt, nicht aber den Fuß
Turnus G: regelmäßiger Wechsel, 1. Schicht (im Arbeitsablauf).
festgelegte Wiederkehr 2. Praxisausbildung eines Jungarztes
unbedingt G: ohne Einschränkung: (juristisch) ohne Bewährungsfrist:
­unbedingter Gehorsam eine unbedingte Strafe
unterkommen G: eine Unterkunft, Stellung auf etwas, jemanden stoßen; begeg-
finden nen: so etwas ist mir noch nicht unter­
gekommen
Vatertag Himmelfahrtstag, an dem Ehrentag der Väter am 2. Junisonntag
sich die Männer ohne Frauen (analog zum Muttertag)
vergnügen
Verschleiß G: Abnützung durch langen (amtssprachlich) Vertrieb, Kleinverkauf
Gebrauch
Vorrang G: größere Bedeutung vor (Verkehr) das Recht, als Erster in die
­etwas anderem: dieses Projekt Kreuzung einzufahren (in D: Vorfahrt)
hat Vorrang
Vorwort G: Einleitung zu einem Buch Präposition (in D: Verhältniswort)

34
Wortfelder

Wortfelder Tazze hatte ursprünglich die Bedeutung


­»Tablett«. Daneben gibt es Tasse noch in
Bei Wörtern, die in Österreich eine andere der (seltener verwendeten) Bedeutung »Un-
Bedeutung haben als in Deutschland, muss terteller einer Kaffee-/Teeschale«. Für eine
man manchmal das gesamte Wortfeld be- ­größere Form von Kaffeegeschirr kennt das
trachten. Hierzu einige Beispiele: ­österreichische Deutsch das Wort Häferl,
­ursprünglich eine Verkleinerungsform von
Sack/Tasche/Tüte/Stanitzel/Sackerl Hafen »Kochgeschirr«. Tasse steht im öster-
Auffallend ist in diesem Wortfeld die geringe reichischen Deutsch aber auch für »Wanne«,
Begriffsdifferenzierung von Sack im öster­ so in der Zusammensetzung Brausetasse.
reichischen Deutsch. In Deutschland stehen Die semantischen Verschiebungen zeigt
dafür drei Wörter zur Verfügung: die folgende Übersicht. Die nebeneinander-
stehenden Wörter sind gleichbedeutende
Deutschland Österreich Entsprechungen:
Sack (Kartoffel-, Sack (Kartoffelsack,
Mehlsack) Mehlsack) Deutschland Österreich

Tasche (Mantel­ Sack (Mantelsack, Tasse Schale


tasche, Rock­ Hosen­sack), veraltend Tablett Tasse
tasche) Tasse Häferl, Haferl
Tüte (Papier­ Sack (Papiersack, (Dusch)wanne (Brause)tasse
tüte, eine Tüte Plastik­sack), häufig
­Kirschen) in der Verkleinerung
­Sackerl (ein Sackerl Haube/Mütze/Kappe
­Zuckerln, Jausen­sackerl, In Deutschland ist Mütze die allgemeine
Plastik­sackerl) ­Bezeichnung für eine überwiegend aus wei-
chem Material gefertigte Kopfbedeckung
Für Tüte im engeren Sinn steht in Ö­ sterreich mit oder ohne Schirm. Im österreichischen
noch das ältere Wort Stanitzel zur Verfügung. Sprachgebrauch gab es dafür ursprünglich
zwei Wörter mit unterschiedlicher Bedeu-
Schale/Tasse/Tablett/Häferl tung: Haube und Kappe. Haube bezeichnet
Die gemeindeutsche Grundbedeutung von eine eng an den Kopf passende Kopfbede-
Schale ist »flaches, oben weit offenes run- ckung, meist aus Wolle (in Zusammenset-
des oder ovales Gefäß«, z. B. zum Aufbewah- zungen z. B. Wollhaube, Pudelhaube, Ski­
ren von Früchten, kleineren Gegenständen, haube). Kappe bezeichnet eine steife Kopf-
von Milch für ein Tier u. Ä. Auf dem Umweg bedeckung mit Schild (Zusammensetzungen
über die Form mancher Teegefäße (weit und Sportkappe, Uniformkappe, Seemannskappe;
ohne Henkel) hat das Wort in Österreich eine daneben die häufig vorkommende Verkleine-
zusätzliche Bedeutung erhalten, nämlich die rung Kapperl). Haube steht gemeindeutsch
Bedeutung »Trinkgefäß für Tee und Kaffee« für »Motorhaube« und für »Kopfbedeckung
und ist so ein Synonym zum Wort Tasse. Das aus gefälteltem, oft gestärktem Material für
Wort Tasse ist aus Deutschland nach Öster- Frauen« (die Haube der Krankenschwestern
reich gekommen und hier auf ein gleichlau- oder die Trockenhaube beim Friseur).
tendes Wort Tasse aus Tazze gestoßen. Die- Aus den drei Arten von Kopfbedeckungen
ses aus dem Italienischen stammende Tasse/ ergibt sich daher folgende Verteilung:

35
Fachausdrücke der Politik und Verwaltung

aus Wolle gestrickt, weich, steif, mit Schirm aus Stoff, genäht,
eng anliegend ­locker, für Frauen
Österreich Haube Kappe Haube
Deutschland Mütze Mütze Haube

Dazu gibt es Synonyme als Zweitform: In Fachausdrücke der Politik


Deutschland kann Kappe statt Mütze ge- und Verwaltung
braucht werden, in Österreich Mütze statt
Haube. Es gibt Überlappungen, wo die Bedeu- Auch Begriffe aus der Politik unterscheiden
tungselemente von der Sache her nicht klar sich in den deutschsprachigen Staaten. Teils
getrennt sind, z. B. Pullmannkappe und Pull­ werden vergleichbare Funktionen anders be-
mannmütze, Pelzhaube und Pelzkappe, Pudel­ zeichnet, teils ergeben sich aufgrund des un-
haube und Pudelmütze. terschiedlichen politischen Systems andere
Bezeichnungen. Ein Bundeskanzler ist in
Hacke/Beil/Haue/Häunel/hacken/häuneln ­Österreich und Deutschland der Regierungs-
Hacke bedeutet in Österreich so viel wie Beil, chef auf Bundesebene, in der Schweiz da-
in Deutschland aber bezeichnet man da- gegen der Leiter des Sekretariats der Regie-
mit ein Gerät zur Bodenbearbeitung, wofür rung. Der Bundespräsident ist in allen drei
in Österreich – da das Wort Hacke schon se- Ländern das Staatsoberhaupt. Und trotzdem
mantisch besetzt ist – Haue eingesetzt wird. muss man unterscheiden: In Österreich und
Dazu gibt es für kleinere derartige Garten- Deutschland liegt der Unterschied in den je-
werkzeuge eine umgangssprachliche Verklei- weiligen verfassungsmäßigen Kompeten-
nerung Häunel oder in an die Aussprache ­ zen und in der Wahl (Volkswahl bzw. Wahl
angelehnter Schreibung Heindl. Das Verb durch das Parlament), in der Schweiz hat der
­hacken unterscheidet sich in der Bedeutung Bundespräsident eine ganz andere Funktion,
»mit dem Beil spalten« nicht in den beiden nämlich die eines Bundesrates (Ministers),
Sprachgebieten, dagegen wurde hacken im der turnusmäßig für ein Jahr die Repräsenta-
Sinne von »den Boden bearbeiten« in Öster- tion des Staates übernimmt.
reich entsprechend den Substantiven durch Die folgende Übersicht stellt einige politi­
häuneln oder heindln ersetzt. In Österreich sche Fachbegriffe einander gegenüber. (In
ungebräuchlich ist der Gebrauch von Ha­ der Schweiz gibt es wegen der föderalen
cke in der norddeutschen Bedeutung »Ferse« Struktur eine Vielfalt von Bezeichnungen in
oder »Schuhabsatz«. In der ostösterreichi- den diversen Kantonen, hier sind nur einige
schen Umgangssprache hat aber Hacke, meist wichtige angeführt.) Zu allen Funktions­
in der Form Hacken und mit verdumpftem a bezeichnungen gibt es natürlich auch weib­
gesprochen, die Bedeutung »Arbeit, Beschäf- liche Formen.
tigung«, z. B. in die Hacken gehen (zur Arbeit
gehen), hackenstad (»arbeitslos«), dazu die
Verbableitung hackeln (»arbeiten«), von dem
das Wort Hackler (»manuell Arbeitender«)
und das wegen der Pensionsreformen auch in
den politischen Diskurs eingegangene Wort
Hacklerregelung abgeleitet sind.

36
Fachausdrücke der Politik und Verwaltung

Volksvertretungen

Österreich Deutschland Schweiz


gesetzgebende Nationalrat Bundestag Nationalrat
­Volksvertretung
Versammlung Bundesrat Bundesrat Ständerat
der Bundesländer
bzw. Kantone
Gesamtheit Bundesversammlung Bundesversammlung Bundesversammlung
des Parlaments
Volksvertretung Landtag Landtag Kantonsrat
eines Bundeslandes
bzw. Kantons

Funktionsbezeichnungen

Österreich Deutschland Schweiz


Staatsoberhaupt Bundespräsident Bundespräsident Bundespräsident
Regierungschef Bundeskanzler Bundeskanzler
Ressortchef (Bundes)minister (Bundes)minister Bundesrat
Chef einer Landeshauptmann Ministerpräsident Landamman, Regie­
­Länder­regierung rungspräsident u. a.
Minister einer Landesrat, in Wien: Minister Regierungsrat u. a.
­Länderregierung Stadtrat
Chef einer Bürgermeister Oberbürgermeister, Gemeindepräsident,
­Stadt­regierung in Berlin: Regieren­ Stadtpräsident u. a.
der Bürgermeister
Ressortchef einer Stadtrat Bürgermeister, in Stadtrat, Gemeinde­
Stadtregierung Berlin, Bremen und rat u. a.
Hamburg: Senator

37
Wortbildung

Wortbildung ren (»ein Praktikum absolvieren«), psychiat­


rieren (»psychiatrisch untersuchen«), regres­
Hier geht es nicht um unterschiedliche sieren (»Regress einlegen«), editieren (neben:
­Wörter, sondern um Elemente, mit denen edieren), typisieren (»eine Typenbescheini-
Wörter abgeleitet oder Zusammensetzungen gung besorgen«), ressortieren (»einem Res-
gebildet werden. sort zugeordnet sein«).
Fugenzeichen: Vorwiegend nach Gaumen- Auch viele lateinische Endungen sind im
lauten (g, k, ch) steht in Österreich ein ­ österreichischen Deutsch erhalten, so z. B.
Fugen-s: Abbruchs- (z. B. Abbruchsbescheid), in Akquisitor (in Deutschland: Akquisiteur),
Fabriks- (Fabriksarbeiter), Gelenks- (Gelenks­ Austro-, Aviso (in Deutschland: Avis), Ferial-
entzündung), Gepäcks- (Gepäcksaufgabe), (in Deutschland: Ferien-), Gremial- (in
Gesangs- (Gesangsbuch), Zugs- (Zugsver­ Deutschland: Gremiums-), disziplinär (in
spätung; allerdings verwendet die ÖBB die Deutschland: dis­ziplinell, disziplinarisch);
s-lose Form). Wie im gesamten süddeut- italienische Endungen liegen in Kassa und
schen Raum heißt es Rindsbraten, Rinds­ Molo vor.
schnitzel gegenüber dem in Deutschland Umlaute: Gegenüber den in Deutschland
auch sonst geläufigen Rinderbraten. Ebenso gebräuchlichen Formen sind im österreichi-
Hunds- (Hundshütte, hundsmüde) gegen- schen Deutsch umgelautet z. B. -hältig, -grä­
über Hunde-/hunde-. Auch die Zusammen­ dig, -zöllig, -färbig, Kommissär, benützen;
setzungen mit Spital als Bestimmungswort nicht umgelautet dagegen ist Luster.
werden in Österreich mit -s gebildet (Spitals­ Die Ableitungen von Zahlen werden im
aufenthalt, Spitalsarzt). Ein Fugen-s statt öster­reichischen Deutsch mit der Nachsilbe
­Fugen‑e haben die Bestimmungswörter Auf­ -er gebildet: der Einser, Zweier, Fünfziger.
nahms-, Überfalls-, Übergabs-, Übernahms-. Adjektive, die in Deutschland auf -e enden,
Diese ­Formen sind aber veraltend. Völlig bleiben oft endungslos, z. B. blöd, fad.
­veraltet sind verlängerte Formen wie Fabri­
kantensgattin, Arztenswitwe.
Im Gegensatz dazu haben andere Wör-
ter wiederum kein Fugenzeichen: Abschreib­ Verkleinerung
posten, Absteigquartier, Einreichtermin, Ein­
steigstelle, Tagblatt, Tragtasche (gegenüber -erl
in Deutschland Abschreibe- usw.). Zusam- Wie im Bairischen gibt es im österreichi-
mensetzungen mit Advent werden im öster- schen Deutsch die Verkleinerungssilbe -erl,
reichischen Deutsch immer ohne -s gebildet die in Österreich aber verschiedene Funk­
(Adventkranz, in Deutschland dagegen Ad­ tionen haben kann:
ventskranz). Ähnlich Maschinschreiben (in ■■ In der Umgangssprache bezeichnet sie
Deutschland Maschineschreiben), Offertab­ eine Verkleinerung im eigentlichen Sinn,
gabe (Offertenabgabe), strapazfähig (strapa­ wobei der Stammvokal nicht umgelau-
zierfähig), Toilett(e)artikel (Toilettenartikel), tet wird, z. B. Tascherl (für Täschchen),
Schattseite (Schattenseite), Sonnseite (Son­ ­Sackerl, Wagerl, Schaferl; Hauserl (jünger:
nenseite), Nadelstreif (Nadelstreifen). Häuserl)
Bei Verben neigt das österreichische ■■ In der Umgangssprache ist sie ein Aus-
Deutsch zu Ableitungen auf -ieren, wo in druck der emotionalen Zuwendung,
Deutschland die Nachsilbe -en genügt oder z. B. Enkerl, Flascherl, Schifferl, Wamperl,
eine Ableitung ungewöhnlich ist: praktizie­ Achterl

38
Produktive Wortbestandteile

■■ In der Standardsprache findet sie sich in Adjektiv früh in zu früher Stunde, zu früh auf­
Wörtern, bei denen es nur die Form mit hören.
-erl gibt (die Nachsilbe drückt hier keine Die Fügung zu Abend essen kann in Öster-
Verkleinerung aus). Hierzu gehören z. B. reich auch zu einem Verb zusammengefasst
Zuckerl (»Bonbon«), Pickerl (»Aufkleber«, werden, daher gibt es hier die nur im Infini-
»Vignette«), Stockerl (»Hocker«), Körberl­ tiv und Partizip vorkommende Schreibung
geld (umgangssprachlich, »Zuverdienst«), Ich gehe abendessen, mittagessen, ich habe
Bummerl (umgangssprachlich, »Minus- abendgegessen, mittaggegessen.
punkt bei Kartenspielen«).

-l
Außerdem gibt es die Verkleinerung mit -l, Produktive Wortbestandteile
z. B. Kastl, Fassl, Dirndl, Standl, in Vorna-
men: Ferdl, Bartl, Hansl, Gustl, Resl. Auch Mit manchen Wörtern können die verschie-
hier gibt es Standardwörter, in denen -l keine densten Zusammensetzungen gebildet wer-
Verkleinerung ausdrückt, Gstanzl (vierzei- den. Sie nehmen dann in diesen Zusammen-
liges Scherzlied); das gilt besonders auch in setzungen eine ganz eigene Bedeutung an,
Küchenwörtern: Gröstl u. a. die nicht mehr ihrer ursprünglichen Bedeu-
tung gleichkommt. Im Folgenden hiefür ­
-le einige Beispiele aus dem österreichischen
In Vorarlberg gibt es die schwäbisch-aleman- Wortschatz.
nische Verkleinerungssilbe -le (z. B. Flädle,
Säckle), der die Schweizer Form -li (Flädli, -diener (Amtssprache):  »Dienstleistender,
Säckli) entspricht. Dienstpflichtiger«:
Grundwehrdiener, Präsenzdiener, Wehr­
diener, Wehrersatzdiener, Zivildiener
-geher:  »-gänger«:
Rechtschreibung Fußgeher, Kinogeher, Kirch(en)geher,
­Spaziergeher, Theatergeher, Tourengeher
Seit der Rechtschreibreform 1996/2006 be- -kaiser (salopp):  »mit souveräner Macht aus-
stehen zwischen Österreich, Deutschland gestatteter Politiker oder Funktionär«:
und der Schweiz keine wesentlichen Unter- Bezirkskaiser, Betriebskaiser, Dorfkaiser,
schiede in der Rechtschreibung. Vereinzelte Immobilienkaiser, Liftkaiser, Ortskaiser
erlaubte österreichische Schreibvarianten -schmäh:  »Trick; taktischer Kniff; originelle
sind: Szepter statt Zepter, Tunell neben Tun­ Wortmeldung«:
nel, Spass neben Spaß, Kücken statt Küken, Lavendelschmäh, Marketingschmäh,
Geschoß statt Geschoss, Gulyás als ungari- ­Ökoschmäh, Politschmäh
sche Form neben Gulasch. -tiger (umgangssprachlich):  »begeisterter
Andere Unterschiede ergeben sich aus Liebhaber von bestimmten Speisen, Sport-
­einer anderen Wortverwendung: Wenn früh arten u. Ä.«:
in Österreich so wie Morgen, Abend usw. Fleischtiger, Mehlspeistiger, Rindfleisch­
als Bezeichnung einer Tageszeit verwendet tiger; Balltiger, Pistentiger
wird, muss es folglich auch großgeschrieben -werber (Amtssprache):  »Bewerber«:
­werden: heute Früh (»am Morgen«), morgen Asylwerber, Aufnahmswerber, Bauwerber,
Früh. Davon zu unterscheiden ist aber das Beitrittswerber, Entgegnungswerber, Exeku­

39
Phraseologie

tionswerber, Prüfungswerber, Staatsbürger­ Redewendungen


schaftswerber, Subventionswerber im letzten Abdruck  »im letzten Augenblick«
-zuckerl:  »eine besondere Vergünstigung, anno Schnee  »vor langer Zeit«
ein Anreiz«: in Evidenz halten  »registrieren, auf dem
Lohnzuckerl, Preiszuckerl, Sozialzuckerl, Laufenden halten« (Amtssprache)
Steuerzuckerl, Wahlzuckerl in die Hacken gehen  »zur Arbeit gehen«
-station:  »gastronomische Einrichtung, ­(ostösterreichisch salopp)
­Restaurant«: zum Handkuss kommen  »draufzahlen«
Autobahnstation, [Back]hendlstation, sich über die Häuser hauen  »die Flucht
­Grillstation, Jausenstation, Raststation ­ergreifen« (ostösterreichisch salopp)
Pimperl- (umgangssprachlich, abwer- ums Haxl hauen  »übervorteilen« (umgangs-
tend):  »etwas Kleines, keine Anstrengung sprachlich)
Erforderndes«: etwas ist für den Hugo  »etwas ist umsonst«
Pimperlbahn, Pimperlzug, die Pimperl- (umgangssprachlich)
WM -Abfahrt in Karenz gehen  »einen Karenzurlaub bzw.
Zieh-:  »Pflege-«:  Mutterschaftsurlaub antreten«
Ziehmutter, Ziehsohn, Ziehtochter sich einen Karl machen  »sich einen Spaß
Wahl-:  »Adoptiv-, jemand, der in einer be- machen« (ostösterreichisch salopp)
stimmten Rolle gesehen wird«: auf zwei/vielen Kirtagen tanzen  »überall
Wahleltern, Wahlkind, Wahlkindschaft, ­dabei sein [wollen]«
Wahlmutter, Wahlvater, Wahloma, Wahl­ im Krankenstand [sein]  »krankgemeldet
onkel, Wahlopa, Wahltante, Wahlvetter sein«
Austro-:  »österreichisch«: in den Krankenstand gehen  »sich krank­
Austroslowenen, Austrokrimi, Austro­ melden«
popper, Austronotenbanker, Austro- die Krot fressen/schlucken müssen  »sich mit
chinese. In politischen Begriffen: etwas Unangenehmem abfinden m ­ üssen«
­Austro­faschismus, austrofaschistisch, (salopp)
­Austromarxismus, ­austromarxistisch, sich auf ein Packl [zusammen]hauen  »sich
­Austrokatholizismus, Austroslawismus verbünden, einen Pakt bilden« (salopp)
die Patschen anziehen/aufstellen/strecken/
beuteln  »sterben« (derb)
ein Schäuferl nachlegen  »einen Konflikt
Phraseologie ­eskalieren lassen; anheizen« (umgangs-
sprachlich)
Unter Phraseologie versteht man die Ge- [einen] Schmäh führen  »mit witzigen Be-
samtheit der typischen Wortverbindungen, merkungen unterhalten; Sprüche klopfen«
festen Fügungen, Wendungen und Redens­ (umgangssprachlich)
arten einer Sprache. Die österreichspezifi- jemanden am Schmäh halten  »zum Narren
schen Phraseologismen stammen entweder halten« (umgangssprachlich)
aus dem Amtsdeutsch, aus dem saloppen der Schmäh rennt  »es herrscht gute
(Stadt)dialekt oder sie entstehen dadurch, ­Stimmung, ein Gag jagt den andern«
dass in einer gemeindeutschen Redewen- (umgangssprachlich)
dung ein Wort ausgewechselt wird. Zu die- auf die Seife steigen  »ins Fettnäpfchen
sen Fällen einige charakteristische Beispiele: ­treten« (salopp)
in Verwendung stehen  »verwendet werden«

40
Aussprache

etwas haut jemanden vom Stockerl  »etwas Feste Attribuierungen


verblüfft völlig; etwas haut jemanden vom (Verbindungen von einem Substantiv und einem
Hocker« Attribut, die einen Gesamtbegriff bilden)
außer Streit stellen  »nicht in Zweifel ziehen« Aktion scharf  »polizeiliche Schwerpunkt-
sich ziehen wie ein Strudelteig  »sehr zäh kontrolle«
­vorangehen« (umgangssprachlich) die Grüne Mark  »Steiermark«
in Summe  »insgesamt« faschierte Laibchen  »Fleischlaibchen,
keinen Tau von etwas haben  »keine Ahnung ­Buletten, Frikadellen«
haben« elektronische Geldbörse  »Chipkarte für den
unter der Tuchent  »im Verborgenen, bargeldlosen Zahlungsverkehr«
­Geheimen« (umgangssprachlich) eine gemähte Wiese/gmahte Wiesen 
die Überfuhr verpassen/versäumen  »eine leicht zu bewältigende Sache«
»die Chancen vorbeigehen lassen« (umgangssprachlich)
[ jemandem] im Wort bleiben  »eine Verein- eine besoffene Geschichte  »ein nicht ernst zu
barung, Zusage einhalten« nehmendes Verhalten [da unter Trunken-
am Wort sein  »das Wort haben« heit entstanden]« (salopp)
ein hatscherter Vergleich  »ein hinkender
Redensarten Vergleich« (umgangssprachlich)
Damit kannst du dich [ab]brausen!  picksüßes Hölzl  »Piccoloklarinette«
»Das kommt nicht in Frage!« (salopp) paritätische Kommission  »paritätisch zu-
Da fährt die Eisenbahn drüber!  »Das steht sammengesetzte Kommission der Sozial-
unabänderlich fest!« (salopp) partner für Lohn- und Preisfragen«
Da gibt es nichts!  »Da kann man nichts wilde[r] Abgeordnete[r]  »keiner Partei
­dagegen sagen!« (umgangssprachlich) angehörende[r] Abgeordnete[r]«
Da schau her!  Ausdruck des Erstaunens,
in Deutschland: »Sieh einmal an!«
Das sagt der Hausverstand  »Das gibt einem
der gesunde Menschenverstand ein.« Aussprache
Ich bin ja kein Kopfschüssler!  »Ich bin ja
nicht blöd!« (salopp) Dass in den Dialekten und in der Umgangs-
Das macht das Kraut nicht fett!  »Das macht sprache die Aussprache ganz unterschiedlich
eine Sache auch nicht besser!« ist, ist selbstverständlich. Im Folgenden geht
Nix is(t) fix  »Es ist alles offen!« es aber um Unterschiede in der Standardlau-
No na [net]  »Das ist ja offensichtlich!« tung. Der Übersichtlichkeit halber wird ver-
(umgangssprachlich) sucht, die Unterschiede in Tabellenform dar-
Passt schon!  »Ist in Ordnung!« zustellen. Die Gegenüberstellung muss stark
Wir werden keinen Richter brauchen!  vereinfacht sein, da es auch in Deutschland
»Wir regeln das unter uns!« starke Abweichungen von der Standardaus-
[Na] servus!  Ausdruck der Überraschung sprache gibt. Außerdem ist die Gegenüber-
(umgangssprachlich) stellung insofern schwierig, als es in Öster-
Die Suppe ist zu dünn.  »Die Fakten sind reich keine Kodifikation der Standardlau-
nicht aus­reichend.« tung gibt. Die Zuordnung österreichisches
Den Wurstel kann keiner erschlagen!  »Wer Deutsch und deutsches Deutsch in der fol-
sich entsprechend dumm oder dreist auf- genden Tabelle ist daher sprachgeografisch
führt, ist unangreifbar.« und nicht staatlich zu verstehen.

41
Aussprache

Systemhafte Aussprachemerkmale

österreichisches Deutsch deutschländisches Deutsch


Weicher, einschleifender Stimmeinsatz, wodurch der Harter Stimmeinsatz in der deut-
von Deutschen als »weich« empfundene Klang der schen Normaussprache
öster­reichischen Varietät entsteht.
In bestimmten unbetonten Silben steht ein voller, In bestimmten unbetonten Silben
aber schwach betonter Vokal. In reden z. B. folgt dem steht eine gemurmelt gesprochene
stark betonten ein schwach betontes [e]. Diese Ab- Schwundstufe des e, der Schwa-
folge von betont und unbetont wird von Deutschen Laut. In reden z. B. folgt dem Voll-
oft als Singsang empfunden. vokal [e] ein Schwa-Laut [∑].
Bei den Verschlusslauten d/t, g/k, b/p ist der Unter- Bei d/t, g/k, b/p klarer Unter-
schied zwischen dem stimmlosen harten, scharfen schied zwischen dem stimmlosen
Laut (Fortis) und dem stimmhaften weichen Laut (Le- harten, scharfen Laut (Fortis) und
nis) weitgehend zugunsten eines stimmlosen weichen dem stimmhaften weichen Laut
Lautes aufgegeben. Der Unterschied zwischen öster- (Lenis)
reichischer und deutscher Aussprache liegt vor allem
in der stärkeren oder schwächeren Druckstärke.
Beim S-Laut wird nicht zwischen stimmhaft und Beim S-Laut (vor allem im Nord-
stimmlos unterschieden. Stimmhaftes s wird nur von deutschen) klare Unterscheidung
geschulten Sprechern verwendet. zwischen stimmlos und stimm-
haft
Die betonten Silben in Fremdwörtern auf -it, -ik, -atik, Meist Aussprache mit langem
-atisch werden mit kurzem Vokal gesprochen, z. B. ­Vokal
Granit, Politik, Thematik, thematisch.
Die Kurzvokale i, u und ü werden in geschlossener Aussprache mit offenem Vokal
Silbe geschlossen (oder wenigstens halbgeschlossen)
gesprochen: Wille, müssen, uns.
In der Lautfolge -er- erscheint das e in Österreich als Aussprache als abgeschwächtes a
geschlossenes e, z. B. in Mineral, operieren.
Der Umlaut ä wird im österreichischen Deutsch wie e Aussprache mit offenem e [∏]
gesprochen, es fehlt also der Laut [∏].
Vor Nasalen und Lauten, bei denen die Luft auf den Aussprache mit [-∑-], z. B. gehen
Seiten des Mundes entweicht (z. B. l, r), fallen Vokale [ge:∑n], kühlen [ky:l∑n]
in unbetonten Nebensilben weg, das betrifft vor ­allem
die Endsilben -en und -len, z. B. gehen [ge:n], kühlen
[ky:ln].
Nach Vokalen wird -r- – vor allem in Ostösterreich – Aussprache laut Norm [fa:r∑n,
vokalisiert, z. B. fahren [fo:ç n], verlieren [f∏±ç li:ç n], f∏çÏli:r∑n, √îlt], allerdings mit
in der Umgangssprache giltÌ das auch für -l-,Ìz. ÌB. in
Ì
deutlichen regionalen Unterschie-
Schuld [√u:i d]. den, wobei r und l oft wegfallen,
Ì allerdings nicht vokalisiert werden

42
Aussprache

österreichisches Deutsch deutschländisches Deutsch


Die für österreichische Ohren auffällige Rundung fehlt Im Norddeutschen übliche, wenn
im österreichischen Deutsch völlig. auch nicht standardsprachliche
Rundung von -ir- zu -ür-, z. B. in
wirken, Kirche
Die Adjektivendung -ig wird in Österreich [-ik] ge- Aussprache [-iç]
sprochen. Allerdings trifft das auch für weite Teile
Deutschlands zu, wie auch in Österreich teilweise
von ausgebildeten Sprechern oder im Gesang [-iç]
zu hören ist.

Charakteristische Einzelbeispiele oder Beispielgruppen

österreichisches Deutsch deutschländisches Deutsch


Wörter auf -on (Pension, Beton, Salon, Karton usw.) Aussprache -ong [-oΩ] oder
werden [-o:n] ausgesprochen. (Hinweis: die Ausspra- ­nasaliertes o [-õ:]
che mit -oΩ wird in Österreich emotional abgelehnt.)
Wörter mit dem Anlaut ch- werden mit k- gesprochen: Aussprache mit ch-
Chemie, Cheops, Cherusker, China, Chitin, Chinin, ­
Chirurg (jeweils mit allen Ableitungen und Zusam-
mensetzungen).
In französischen Fremdwörtern wird das -e am Wort­ Aussprache mit -e am Schluss
ende und im Wortinnern nicht ausgesprochen: Abon­
nement, Boulevard; Bronze, Brosche, Chance sowie alle
Wörter auf -age (Blamage usw.). Diese Aussprache gilt
aber in den Medien zunehmend als veraltend.
Einige Wörter werden mit kurzem Vokal gesprochen: Aussprache mit langem Vokal
Art, Arzt, Bart, Behörde, Erde, erst, Geburt, Husten,
Krebs, Montag, Schwert, Tratsch
Eine Gruppe von Wörtern hat langen Vokal: Aussprache mit kurzem Vokal
Bruch, Geruch, hin, rächen, Rebhuhn, Vorteil
Fremdwörter mit st- im Anlaut werden meist noch Aussprache mit scht- [√t…]
mit [st-] gesprochen, z. B. Stil, Standard.
Dagegen wird -st- und -sp- in manchen Wörtern auch Aussprache mit -s-
im Wortinnern mit -sch- [√] gesprochen, z. B. Kasperl.
Das Wort Chef unterscheidet sich sowohl durch die Aussprache [√∏f]
lange als auch geschlossene Aussprache des e: [√e:f]
Die Endung -ier wird in Portier, Brigadier deutsch aus- Französische Aussprache
gesprochen: [p∂r±ti:e] [por±ti e:]
Ì
Das Wort Forsythie wird mit i statt y gesprochen. Aussprache mit -ü- [y]

43
Betonung

Betonung Grammatik
Französische Fremdwörter (oder als solche Das grammatische System ist im österreichi-
empfundene) werden in Österreich auf der schen Deutsch im Prinzip dasselbe wie im
letzten Silbe betont, z. B. Sakko, Tabak, Tele­ gesamten Sprachraum. Es gibt nur punktu-
fon, Platin, Kaffee, in Deutschland meist auf elle Unterschiede.
der ersten Silbe.
Das Wort Mathematik wird wie Grammatik
Verben
auf dem a der vorletzten Silbe betont.
Erstbetonung gilt für viele Fremdwörter Verben, die eine Körperhaltung aus­drücken,
und Namen (Betonung in Deutschland da­ bilden das Perfekt mit sein (so auch ur-
gegen auf der letzten Silbe): Calvin, ­Kolleg, sprünglich süddeutsch und schweizerisch):
Labor, Leguan, Vatikan, Oblate, ebenso die Ich bin gestanden (im Mittel- und Norddeut-
Zusammensetzungen mit Anti-, Makro- schen ich habe gestanden). Zu diesen Verben
(­Antialkoholiker, Makrokosmos). Auch die gehören sitzen, liegen, stehen, kauern, hocken,
Vorsilbe un- wird betont: unbegreiflich, un­ schweben, knien, baumeln, lungern sowie
bekümmert usw. alle zusammengesetzten Verben, z. B. dalie­
In ungarischen Namen, z. B. Lehár, ­Horváth, gen, beistehen, vorliegen. Bei hängen und ste­
wird in Deutschland der Akzent, der ein hel- cken gilt das nur bei intransitivem Gebrauch:
les a kennzeichnet, irrtümlich als Betonungs- Ich bin am Seil gehangen, aber: Ich habe den
zeichen aufgefasst, in Österreich werden Mantel an den Haken gehängt; Ich bin im
diese Namen dem Ungarischen entspre­chend Schlamm gesteckt, aber: Ich habe das Kabel
erstbetont. Dagegen werden die norddeut- in die Steckdose gesteckt.
schen Namen auf -ow (z. B. Teltow, Krolow) in Einzelne Verben werden in der Umgangs-
Österreich irrtümlich meist [-of] ausgespro- sprache schwach gebeugt, im Standarddeut-
chen. schen dagegen stark: Ich bin gehängt, er hat
In mehrsilbige Wörtern neigt man in Öster- gehaut (gegenüber gehangen, gehauen).
reich zur Trennung des -ie und Betonung auf In der gesprochenen Sprache wird in
der drittletzten Silbe: Zeremoni-e, Kopi-e. Öster­reich hauptsächlich das Perfekt als ­
Ein Beispiel aus der Satzbetonung: Wenn Erzähltempus verwendet, in der geschrie­be­
sich in Verbindung mit einer Präposition nen Sprache ist wie in Deutschland das Prä-
steht, wird in Österreich sich betont (im teritum die Norm. (Das Tempussystem wird
Norddeutschen und in der Schweiz die Prä- ­allerdings heute schon im Deutschen sehr
position): etwas von sich geben, zu sich neh­ frei gehandhabt.)
men, bei sich haben. In der Umgangssprache wird die 2. und
3. Person Singular Präsens der starken Ver-
ben ohne Umlaut gebildet, z. B. du stoßt, du
fahrst, er tragt.
Es gibt vereinzelt Unterschiede in der
­ alenz der Verben: vergessen wird in der Be-
V
deutung »vergessen, etwas zu tun« mit auf
verbunden (Ich habe auf das Telefonat ver­
gessen »vergessen zu telefonieren«, aber: Ich
habe den Schirm vergessen »liegen lassen«).
In vielen Wendungen wird in Österreich eine

44
Grammatik

reflexive Verwendung bevorzugt, z. B. sich Prospekt:  der und das (in D der)
mit etwas spielen (»spielerisch bewältigen«), Puder:  das (in D der)
sich stellen auf (»kosten«). In formellen Tex- Puff:  das (in D der)
ten neigt man im Österreichischen zu Funk- Revers:  der und das (in D das)
tionsverben: zur Besetzung gelangen, in Ver­ Risotto:  das und der (in D der)
wendung nehmen, eine Aktion setzen. Sago:  der und das (in D der)
Sakko:  das (in D der und das)
Sandwich:  das (in D der und das)
Substantive
Schlamassel:  das (in D der und das)
Der Plural wird (wie im gesamten süddeut- Schneid:  die (in D der)
schen Raum) in vielen Fällen mit Umlaut ge- SMS :  das (in D die)
bildet: die Krägen, Kästen, Wägen, Pölster, Spachtel:  die (in D der)
Bögen. Abweichende Pluralbildung hat z. B. Spagat (»gespreizte Beine«): 
Risken (analog zu riskieren) neben Risiken. der (in D meist das)
Bluejean kann als Singular verwendet wer- Sugo:  der und das (in D der und die)
den, neben Bluejeans. Umgangssprachlich Triangel:  das (in D der und das)
werden Hirsch und Wirt schwach dekliniert Vokabel:  das und die (in D die)
(den Wirten, Hirschen). Zinnober:  das (in D der)

Unterschiede im Geschlecht der Substantive


Präpositionen
(die Beispielliste ist vereinfacht und geht auf
regionale Unterschiede in Deutschland nicht In vielen Fällen können Präpositionen an-
ein): ders verwendet werden als in Deutschland,
D = deutschländisches Deutsch oder es werden andere Präpositionen an ein
Abszess:  der und das (in D nur der) Verb oder Substantiv angeschlossen.
Aspik:  der und das (in D nur der)
Ausschank (»Schankraum«):  die (in D der) am: »auf dem« (nicht bei Feminina):
Biskuit:  das (in D der und das) am rechten Auge
Brösel:  das (norddeutsch der) am Boden
Bund:  der (in D das) am falschen Fuß erwischen
Coca-Cola, Cola:  das (in D die) am Gehaltszettel
Dress:  die und der (in D der) am Heuboden
E-Mail:  das, formell die (in D meist die) am Kalender
Fauteuil:  das und der (in D der) am Kerbholz
Flysch:  der (in D das) am Kopf
Gulasch:  das (in D das und der) am Land
Gummi:  der (norddeutsch das) am Laufenden
Imprimatur:  die [bei Betonung auf am Plakat
der letzten Silbe] und das (in D das) am Programm
Joghurt:  das und (ostösterreichisch) die am Prüfstand
(in D der) am Rücken
Kunde (»Käufer«):  die und der (in D der) am Strich
Labsal:  die (norddeutsch das) am Stuhl
Nominale:  das (in D die) am richtigen Weg
Passepartout:  das (in D der und das) am Zahnfleisch

45
Österreichisches Deutsch in den Wörterbüchern

Nicht korrekt ist am für »auf den/das« als zu: Angabe eines Zeitpunktes, besonders
Angabe einer Richtung: Ich lege das Buch am ­eines Festes:
Tisch. zu Weihnachten
zu Ostern
an: zu Pfingsten
an der Adresse wohnen zu Silvester
sich an etwas wagen zu Neujahr
zum Jahreswechsel
aus: »in« (Schulfach): zu Floriani
Schularbeiten aus Latein zu Josefi usw.

bei: »an, zum«, zum:


bei (an) der Kasse a) umgangssprachlich häufig vor Verben
beim (zum) Fenster hinausschauen statt eines Infinitivs:
beim (zum) Hals heraushängen nichts zum Essen haben
zum Hungern aufhören
über: »auf«: b) in Verbindung mit Abgeordneter zur
über Antrag ­Angabe der Volksvertretung:
über Auftrag Abgeordneter zum Bundesrat, Landtag
über Bitten
über Einladung
über Ersuchen
über Intervention Österreichisches Deutsch
über Vorschlag in den Wörterbüchern
über Wunsch
über Zureden In Wörterbüchern nimmt das österreichi-
über Zuweisung sche Deutsch ganz unterschiedlichen Raum
ein. Ausführliche Berücksichtigung findet es
um naturgemäß in
a) (gibt bei Verben den Grund an): Österreichisches Wörterbuch, 41. Auflage,
■■

um die Zeitung gehen Wien 2009 (öbv),


jemanden um Milch schicken außerdem in den Werken der Dudenredak-
b) (bei Preisangaben) »für«: tion, vor allem in
etwas um 10  kaufen Duden – Das große österreichische Schul-
■■

etwas um eine Million verkaufen wörterbuch. Mannheim 2008 (Dudenver-


um diesen Lohn arbeiten lag),
c) in Verbindung mit bestimmten Wörtern: Duden – Die deutsche Rechtschreibung,
■■

froh um (über) etwas sein 25. Auflage, Mannheim 2009 (Dudenver-


ansuchen um … lag),
Duden – Deutsches Universalwörterbuch,
■■

6. Auflage, Mannheim 2006 (Dudenverlag),


Duden – Das große Wörterbuch der deut-
■■

schen Sprache in 10 Bänden, 3. Auflage,


Mannheim 1999 (Dudenverlag),
Ebner, Jakob: Wie sagt man in Österreich?
■■

46
Ausgewählte Literatur zum österreichischen Deutsch

Wörterbuch des österreichischen Deutsch, die Normalform ist und daher die Formen
4., völlig überarbeitete Auflage, Mannheim aus Deutschland, seltener auch die aus der
2009 (Dudenverlag), Schweiz, markiert sind, was aber sparsam
weiters in: eingesetzt wird. In demselben Sinn sind in
■■Ammon/Bickel/Ebner u. a.: Varianten­ der Duden-Rechtschreibung die deutschlän-
wörterbuch des Deutschen. Die Standard- dischen Formen unmarkiert, die österreichi-
sprache in Österreich, der Schweiz und schen Formen aber markiert. Das »Große
Deutschland sowie in Liechtenstein, Lu- ­österreichische Schulwörterbuch« kenn-
xemburg, Ostbelgien und Südtirol. Berlin zeichnet sowohl die Austriazismen als auch
2004 (de Gruyter), die Deutschlandismen. Das »Variantenwör-
■■Fussy, Herbert: Wörterbuch der österrei- terbuch« und »Wie sagt man in Österreich?«
chischen Alltagssprache. Wien 2003 (öbv), sind von vornherein als Differenzwörterbü-
■■Sedlaczek, Robert: Österreichisches cher konzipiert und beschreiben nur die spe-
Deutsch. Wien 2005 (Ueberreuter). zifischen Wörter und Bedeutungen bzw. den
Daneben gibt es eine Reihe kleinerer Wörter- Unterschied zwischen den Ländern oder
bücher, von denen manche nur auf umgangs- Sprachlandschaften.
sprachliche Kuriositäten ausgerichtet.
Zu einigen Fachbereichen gibt es Spezial-
wörterbücher:
■■ Markhart, Heidemarie: Wörterbuch der Ausgewählte Literatur
österreichischen Rechts-, Wirtschafts- zum österreichischen Deutsch
und Verwaltungsterminologie. 2. Auflage,
Frankfurt/Main 2010 (Peter Lang), Ammon, Ulrich (1995): Die deutsche Spra-
■■ Pohl, Heinz Dieter: Die österreichische che in Deutschland, Österreich und der
­Küchensprache. Ein Lexikon der typisch Schweiz. Das Problem der nationalen
österreichischen kulinarischen Besonder- Varie­täten. Berlin/New York (de Gruyter).
heiten (mit sprachwissenschaftlichen Er- Domašnev, Anatolij Ivanović (1967): Očerk
läuterungen). Wien 2007 (Präsens Verlag), sorremennogo nemeckogo jazyka v Austrii
■■ Muhr, Rudolf: Österreichisches Ausspra- [Abriss der modernen deutschen Sprache
chewörterbuch. Österreichische Aus- in Österreich]. Moskva.
sprachedatenbank. Frankfurt/Main 2007 Ebner, Jakob (1988): Wörter und Wendungen
­(Peter Lang) des österreichischen Deutsch. In: Wiesin­
■■ Lazarescu, Ioan/Scheuringer, Hermann: ger, Peter (Hg.) (1988): Das österreichische
Limba germană din Austria. Un dict‚ ionar Deutsch (= Schriften zur deutschen Spra-
German-Român. Österreichisches che in Österreich 12). Wien/Köln/Graz
Deutsch. Ein deutsch-rumänisches Wör- (Böhlau) S. 99–187.
terbuch. Bukarest/Passau 2007 (Editura Ebner, Jakob (1995): Vom Beleg zum Wör-
Niculescu/Karl Strutz Verlag). terbuchartikel – Lexikographische Prob-
leme zum österreichischen Deutsch. In:
Je nach Sprachauffassung findet sich in den Österreichisches Deutsch. Hrsg.: Muhr/
Wörterbüchern eine unterschiedliche Art Schrodt/Wiesinger. Wien (hpt), S. 178–197.
der Darstellung. Im »Österreichischen Wör- Eichhoff, Jürgen (1977/1978/1993/1994):
terbuch« sind die Austriazismen nicht ge- Wortatlas der deutschen Umgangsspra-
kennzeichnet, da in dem österreichischen chen. 4 Bde. Bern/München usw. (Fran-
Normwörterbuch die österreichische Form cke/Saur).

47
Ausgewählte Literatur zum österreichischen Deutsch

Kretschmer, Paul (1969², [1918]): Wortgeogra- sprachigen Universitäten. Frankfurt/Main


phie der hochdeutschen Umgangssprache. (Peter Lang).
Göttingen (Vandenhoeck & Ruprecht). Retti, Gregor (1999): Austriazismen in Wör-
Luick, Karl [1904, 1932] (1996): Deutsche terbüchern. Zum Binnen- und Außenko-
Lautlehre. Mit besonderer Berücksichti- dex des Österreichischen Deutsch. phil.
gung der Sprechweise Wiens und der ös- Diss Innsbruck.
terreichischen Alpenländer. Leipzig/Wien Rizzo-Baur, Hildegard (1962): Die Besonder-
(Deuticke). heiten der deutschen Schriftsprache in
Markhardt, Heidemarie (2005): Das öster- ­Österreich und in Südtirol. (= Duden-Bei-
reichische Deutsch im Rahmen der EU. träge 5). Mannheim (Dudenverlag).
Frankfurt/Main (Peter Lang). Siebs (196919): Deutsche Aussprache. Reine
Muhr, Rudolf (2007): Österreichisches und gemäßigte Hochlautung mit Ausspra-
­Aussprachewörterbuch. Österreichische chewörterbuch. Hg. von de Boor, H. u. a.
Aussprachedatenbank. Frankfurt/Main Berlin (de Gruyter); de Boor, H./Dieks, P.
(Peter Lang). (Hg.) (1961): Österreichisches Beiblatt zu
Muhr, Rudolf (Hg.) (1993): Internationale Theodor Siebs »Deutsche Hochsprache –
­Arbeiten zum österreichischen Deutsch Bühnenaussprache«. Berlin (de Gruyter).
und seinen nachbarsprachlichen B ­ ezügen. Takahashi, Hideaki (1996): Die richtige Aus-
(= Materialien und Handbücher zum sprache des Deutschen in Deutschland,
­österreichischen Deutsch und zu Deutsch Österreich und der Schweiz – nach Maß-
als Fremdsprache 1). Wien (Hölder-Pich- gabe der kodifizierten Normen. (= Duis-
ler-Tempsky). burger Arbeiten zur Sprach- und Kultur-
Muhr, Rudolf/Schrodt, Richard/Wiesin­ wissenschaft 27). Frankfurt a. M. (Lang).
ger, Peter (Hg.) (1995): Österreichisches Valta, Zdeněk (1967): Die österreichischen
Deutsch. Linguistische, sozialpsychologi- Prägungen im Wortbestand der deutschen
sche und sprachpolitische Aspekte einer Gegenwartssprache. Masch., Prag.
nationalen Variante des Deutschen. Wien Wiesinger, Peter (Hg.) (1988): Das österreichi-
(Hölder-Pichler-Tempsky). sche Deutsch (= Schriften zur deutschen
Muhr, Rudolf/Schrodt, Richard (Hg.) (1997): Sprache in Österreich 12). Wien/Köln/
Österreichisches Deutsch und andere Graz (Böhlau).
natio­nale Varietäten plurizentrischer Wiesinger, Peter (2006): Das österreichische
­Sprachen in Europa: empirische Analysen. Deutsch in Gegenwart und Geschichte.
Wien (Hölder-Pichler-Tempsky). Münster/Wien (Austria: Forschung und
Muhr, Rudolf/Sellner, Manfred B. (Hg.) Wissenschaft – Literatur. 2).
(2006): Zehn Jahre Forschung zum Öster­
reichischen Deutsch: 1995–2005. Eine
­Bilanz. Frankfurt/Main (Peter Lang).
Nyhlén, Lars-Olof (1961): Die Sonderstel-
lung der deutschen Schriftsprache in
­Österreich. Eine Übersicht über ihre Ent-
wicklung und heutige Lage. Masch., Stock-
holm.
Ransmayr, Jutta (2007): Der Status des Ös-
terreichischen Deutsch an nicht-deutsch­

48
Brosch_Oesterr_Deutsch:D1.RZ_10.04.06 21.07.2008 17:09 Uhr Seite 1

Pickerl
Grammeln Vintschgerl
perlustrieren
Kren
außertourlich
strapazfähig

disziplinär schmafu
Alles Wissenswerte zum österrei-
chischen Deutsch im Überblick:
쮿 Entwicklung und Abgrenzung Österreichisches
쮿

쮿
Typische Merkmale
Entstehung von Austriazismen
Deutsch
쮿 Wortschatz, Aussprache /Betonung, Eine Einführung von Jakob Ebner
Grammatik

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