Sie sind auf Seite 1von 4

Pflanzgetreide - Ährenbeet – Äugeln von Kartoffeln – Kartoffeln im

Reifenstapel

Hans E. Schumacher

Die Vermehrung und Züchtung von Getreide im Schulgarten

Der Hunger in der Welt sollte auch in den oberen Klassen der Waldorfschulen ein Thema sein.
Dabei müssen wir den Schülern bewusst machen, dass es mit natürlichen Methoden möglich
ist, in den so genannten Entwicklungsländern etwas gegen die Ernteausfälle und den Hunger zu
tun. Ein Beispiel hierfür ist das Pflanzgetreide. Gepflanztes Getreide entwickelt größere und
tiefer in die Erde reichende Wurzeln und kann daher noch wachsen, wenn normal gesätes
Getreide schon vertrocknet. Auch bringt es höhere Erträge, da aus einem Korn über 40 Halme
wachsen können. Wenn es nach der Ernte gedüngt wird, ist das Getreide sogar mehrjährig (3
und mehr Jahre) mit guten Erträgen am selben Standort, wodurch Neusaaten entfallen. Es
funktioniert sowohl mit Roggen, Weizen und Gerste. Und so wird es gemacht:

Gleich nach den Sommerferien, Ende August, Anfang September wird ein Korn in einen halb
mit Erde gefüllten Blumentopf gesät. Sobald sich das Keimblatt gut entwickelt hat, wird der
Topf mit Erde aufgefüllt, bis das halbe Keimblatt in der Erde ist. Nach etwa 14 Tagen kommen
nun mehrere Triebe aus der Erde. Sind diese groß genug, kann der Topf nochmals aufgefüllt
werden. Wenn nun weitere Triebe kommen, pflanzt man das Getreide in das vorbereitete Beet
im Garten. Reihenabstand ca. 50 cm, Abstand in der Reihe auch 50 cm. Die Pflanzen müssen
in Mulden gesetzt werden, damit sie je nach Wachstumsfortschritt bis zu 4-mal angehäufelt
werden können. Zu Umpflanzen sollte man „Wurzeltage wählen, um die Bestockung zu
fördern. Falls es nicht zu nass ist, kann zum letzten Anhäufeln auch Komposterde verwendet
werden. Eine besondere Düngung ist nach meinen Erfahrungen nicht erforderlich.
Da die Ähren in der Mitte zuerst Reifen, müssen diese mit der Schere auch zuerst geerntet
werden. Das Korn ist dann reif, wenn man es zwischen den Fingernägeln zerquetscht und kein
milchiger Saft mehr heraus kommt.
Wenn alle Ähren geerntet sind, schneidet man das Stroh ab und bedeckt die Hügel dünn mit
Komposterde. Es dauert dann nicht lange und die neuen Triebe kommen aus der Erde. Außer
leichten Hackarbeiten, um Unkräuter zu beseitigen und den Boden zu lüften, sowie einer
Düngung im Frühjahr mit verdünnter Jauche oder Brennnessel-Jauche sind bis zur nächsten
Ernte keine weiteren arbeiten erforderlich. Man sollte einmal eine Pflanze ausgraben, um den
Schülern zu zeigen, was für ein Wurzelballen diese Pflanze entwickelt hat. Die Idee stammt
nicht von mir. Man kann sie in den letzten drei „Chemischen Briefen“ von Justus Liebig
nachlesen.

Getreidezüchtung

Um den Schülern zu zeigen, dass man auch ohne Gentechnik Pflanzen verbessern kann, sollte
man mit ihnen ein „Ährenbeet“ anlegen. Dazu bereitet man ein Beet im Freiland vor und sät
die Körner einer Ähre, so wie man sie aus der Ähre nimmt der Reihe nach in das Beet. Abstand
ca. 3cm. Aussaat ab Anfang September bis Mitte Oktober möglich. Im Sommer sieht man
dann, dass sich die Pflanzen der Körner aus dem oberen Drittel der Ähre wesentlich besser
entwickelt haben, als die Pflanzen der Körner aus dem unteren Drittel der Ähre. Um Getreide
züchterisch zu verbessern, sollte man für Neusaaten nur die Körner aus dem oberen Drittel der
Ähren nehmen. Macht man dieses über mehrere Jahre, bekommt man ein gut an den Standort
angepasstes, robuste Getreide mit höheren Erträgen.
Besonders die Kollegen, welche das Problem haben, dass das Getreide der 3. Klassen nicht
standfest ist, sollten nur Getreide aus dem oberen Drittel der Ähren aussäen. Dabei müssen die
Körner aus den Spelzen gepult werden, aber mit Schülern ist das schnell gemacht. Die Mühe
der Auslese lohnt sich auf Dauer.

Eine Pflanze, die sich bei eigenem Saatgut schnell an den Standort anpasst ist der Lauch. Man
muss nur die 2 oder 3 besten Lauchpflanzen vor der Ernte herausnehmen und an einen sicheren
Ort pflanzen, wo sie zur Blüte kommen können, um Samen zu gewinnen. Lauchsaatgut aus
konventioneller Züchtung benötigt zu gutem Wachstum eine Stickstoffdüngung. Eine
Vergleichsaussaat von eigenem Saatgut mit Saatgut aus konventioneller Züchtung zeigt dieses
deutlich! Das eigene Saatgut hat sich an den Standort angepasst. Es bringt gute Erträge mit
einer relativ geringen Düngung mit Kompost.

Vermehrung der Kartoffel

Die Kartoffel ist in der konventionellen Züchtung und Vermehrung heute eine Problempflanze.
Um eine sichere Ernte zu bekommen, muss der normale Landwirt jedes Jahr neue
Saatkartoffeln kaufen. Bis vor etwa 40 Jahren hat noch fast jeder Bauer die Saatkartoffeln aus
der eigenen Ernte genommen.
Durch das so genannte „Äugeln“ lassen sich auch heute noch von Jahr zu Jahr bessere
Saatkartoffeln gewinnen. Betrachten wir uns eine große Kartoffel, so sehen wir, dass oben
viele Augen dich beieinander stehen. Nach unten, wo die Kartoffel angewachsen war, werden
die Augen immer weniger. Wenn wir nun das obere Viertel oder Drittel der Kartoffel mit den
vielen Augen abschneiden, die Schnittfläche in Holzasche tauchen (um Fäulnis zu verhindern)
und dann den Abschnitt pflanzen, so bekommen wir von dieser Kartoffelpflanze etwa 10
mittelgroße, gleichmäßige Kartoffeln, die Saatkartoffeln für das nächste Jahr. Also bei 10
Reihen eine Reihe Abschnitte pflanzen. Macht man dieses über mehrere Jahre, wird man
feststellen, dass die Kartoffeln immer besser werden. Die pflanzen sind länger grün und
weniger anfällig gegen Krankheiten. Auch steigen die Erträge. Man muss aber zum Äugeln
Kartoffel aus ökologischem Anbau (Demeter oder Bioland) nehmen.

Da es in der Landwirtschaft meistens an Mitarbeitern mangelt, kann hier eine sinnvolle


Zusammenarbeit zwischen Schule und Landwirt kommen, indem Schüler und Eltern zur
Pflanzzeit der Kartoffeln auf einem Hof, eventuell an einem Samstag das Äugeln übernehmen.

Kartoffeln im Reifenstapel

Kollegen mit einem kleinen Schulgarten können auf kleinem Raum Kartoffeln ziehen. Sie
legen einen alten PKW Reifen auf die Erde und pflanzen 3 Kartoffeln hinein. Wenn die
Pflanzen wachsen, wird der Reifen langsam mit Erde gefüllt. Dabei darf die Kartoffelpflanze
nie ganz in der Erde verschwinden. Wächst die Pflanze über den Reifen hinaus, wird ein
weiterer Reifen aufgelegt. So können bis zu 4 Reifen übereinander gestapelt werden, in denen
dann Kartoffeln wachsen. Wichtig ist, dass der Reifenstapel genügend bewässert wird, denn
durch die schwarzen Reifen wird die Erde im Stapel relativ warm und dadurch verdunstet
relativ viel Wasser. Allerdings wachsen durch die Wärme auch die Kartoffeln recht gut. Im
Herbst wird dann zur Ernte der Stapel einfach abgebaut.
Nun wünsche ich Ihnen viel Freude und Erfolg beim Ausprobieren der Anregungen. Ich würde
mich freuen, wenn Sie mir über Ihre Erfahrungen berichten.

Hans E. Schumacher

schumacher44387@aol.com

Saat-/Pflanzkartoffeln & Kartoffelsamen züchten, vermehren & lagern


Erhalten alter Kartoffelsorten bzw. Kartoffelklone über Pflanzkartoffeln:
Das Erhalten von Kartoffelklonen ist ganz einfach.
Man setzt die Kartoffeln ganz normal und zur Ernte wählt man mittelgroße,
gesunde(!) Knollen aus und lagert diese separat bei 5-10°C ein. Viel wärmer darf
es nicht sein, da die Kartoffeln dann austreiben, unter 0°C oder zugige kalte Luft
darf es nicht geben, da die Kartoffeln dann verfrieren.

Erzeugung neuer Kartoffelsorten bzw. Erhaltung stabiler Kartoffelsorten


über Saatgut:
Diese Methode ist deutlich aufwändiger, bietet aber interessante Vorteile.
Zum Einem sind aus Saatgut gezogene Pflanzkartoffeln frei von Viren und
anderen Krankheiten und daher gesünder als gekaufte Pflanzkartoffeln, zum
Anderem erhält man so eine eigene Gartensorte, die ideal auf die Klima- und
Bodenverhältnisse des Gartens angepasst ist. Nachteilig ist der deutlich höhere
Aufwand und die breite Streuung bei den Knollen aus Saatgut. Man erhält
sämtliche Farben, Knollenformen und Co., was aber auch seinen Reiz hat und die
Auslese um so interessanter macht.
Ich bin mir nicht sicher, ob es wirkliche reinerbige Kartoffelsorten gibt, daher ist
der Erhalt einer bereits existierenden Sorte über Saatgut eher unwahrscheinlich.
Die Samen gewinnt man aus den Beeren, die sich bei den Kartoffeln nach der
Blüte mitunter bilden. Man kann hier auch durch gezielte Kreuzung zweier Sorten
durch manuelle Bestäubung nachhelfen, wobei Kartoffeln primär Selbstbefruchter
sind (wie z.B. Tomaten).
Die Kartoffel ist in großem Maße heterozygot, was bedeutet, dass aus den Samen
einer Kartoffelbeere hunderte unterschiedliche Varianten von Kartoffeln
entstehen. Dies zeigt deutlich, dass die Kartoffel bislang nur oberflächlich
züchterisch bearbeitet wurde und der Fokus in der Vermehrung über Klone,
sprich Knollen liegt.
Im Buch "Die Kartoffel" (erschienen 1957) von H. Buhr und W. Neye heißt es,
dass für die Neuzüchtung einer zugelassenen Sorte bis zu 200 000 Sämlinge
notwendig seien.
Nun wird der Hobbyzüchter nicht vorhaben, eine Sorte zu schaffen, die auf jedem
Boden wächst den Deutschland bietet, wie es bei den Sortenzulassungen
verlangt wird. Auch sind die Ansprüche an die Knollengröße, -form und
"maschinelle Verarbeitbarkeit" andere. Daher dürfte diese Zahl beim
Hobbyzüchter deutlich niedriger liegen, was auch Fotos erfolgreicher
Kartoffelzüchtungen von Privatpersonen im Netz beweisen.

Kommen wir zurück zur Vorgehensweise der Saatgutgewinnung:


War die Bestäubung der Kartoffelblüte erfolgreich, so bildet sich eine
Kartoffelbeere.
Die Beere ist reif, wenn die Frucht weicher wird und bei leichtem Druck nachgibt.
Man kann die Beeren auch wie Tomaten nachreifen lassen. Achtung:
Kartoffelbeeren nicht in Reichweite von Kindern lagern und unbedarfte Personen
auf die hohe Giftigkeit der Beeren hinweisen.
kartoffelbeere.JPeG

Ist die Beere reif, ist es am Einfachsten die Beere mit einem scharfen Messer zu
halbieren und die Samen mit einer Messerspitze vorsichtig herauszulesen.
Je nach Reifegrad und Kartoffelsorte kann es nun noch notwendig sein, entweder
an den Samen haftendes Fruchtfleisch unter Zuhilfenahme eines Teesiebs oder
Ähnlichem unter fließendem Wasser zu entfernen oder die Samen in Wasser
einige Tage gären zu lassen und anschliessend mit eine mTeesieb unter
fliessendem Wasser zu reinigen und auf einer trockenen Oberfläche zu trocknen.
samengaerung.jpeg
Bei diesem Bild ist gut zu sehen, dass zu viele Fremdstoffe mit den Samen
vermischt sind. Gerade die großen Fruchtfleischstücke vergären leider nicht ohne
Weiteres und sollten möglichst vorher aussortiert werden.

Nach einigen Tagen Trocknung können die Samen luft- und lichtdicht kühl
eingelagert werden.

kartoffelsaemling-sarpomiraF2.jpeg
Kartoffelsämlinge aus eigener Vermehrung, ca. 4 Wochen nach Aussaat

Die Aussaat:
Die Samen auf sandiger, feuchter Anzuchterde in Töpfen Anfang März vorziehen
und nur leicht mit Substrat bedecken (Lichtkeimer!). Um eine gute Keimung zu
gewährleisten, ist es ratsam eine Frischhaltefolie über den Topf zu spannen. Dies
verhindert ein zu schnelles Abtrocknen der oberen Substratschicht und erhöht die
Luftfeuchtigkeit.
Die Keimung erfolgt ca. 14 Tage nach Aussaat. Die Pflanzen sind anfangs
überraschend klein und empfindlich.
Sobald sie eine ausreichende Größe erreicht haben und die Temperaturen es
zulassen, können wir sie auspflanzen. Ich empfehle die Auspflanzung nicht vor
Ende Mai vorzunehmen.
Im ersten Jahr werden die Kartoffeln noch nicht sonderlich groß (Golfballgröße in
etwa) und sind über den Winter einzulagern und im nächsten Jahr als
Pflanzkartoffeln anzuwenden.