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1 Sprachkontakte im Hanseraum Einführung. Sprachkontakt und Sprachkontaktsituation I Sr Sprachkontakte im Hanseraum
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Sprachkontakte im Hanseraum
Einführung.
Sprachkontakt und Sprachkontaktsituation I
Sr Sprachkontakte im Hanseraum
Dr. Sabina Tsapaeva
14.10.2018
2 Vorannahme I  Einsprachigkeit ist der natürliche, gottgewollte und/oder politisch legitime Zustand des Menschen
2
Vorannahme I
 Einsprachigkeit ist der natürliche, gottgewollte und/oder politisch legitime Zustand
des Menschen
 Zweisprachigkeit als „Sprachverwirrung“
Quelle:
Lüdi 1996: Mehrsprachigkeit. In: Goebl, Hans u.a. (Hgg.) 1996: Kontaktlinguistik. Ein
internationales Handbuch zeitgenössischer Forschung. 1. Halbband,
Berlin/Amsterdam/New York: Walter de Gruyter, 233-245.
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Dr. Sabina Tsapaeva
14.10.2018
3 Vorannahme I  Einsprachigkeit ist der natürliche, gottgewollte und/oder politisch legitime Zustand des Menschen
3
Vorannahme I
 Einsprachigkeit ist der natürliche, gottgewollte und/oder politisch legitime Zustand des
Menschen (nach Lüdi 1996)
- natürlich: Wie ist es mit Kindern in Mischehen oder Migrantenfamilien?
- gottgewollt: Turmbau zu Babel (Gen 11,1-9) und anschließende babylonische
Sprachverwirrung
- politisch legitim: Schweiz? Belgien? Niederlande? Russland? Indien?
 → Mehrsprachigkeit stellt den Normalfall dar, Einsprachigkeit ist eher eine Ausnahme
oder
ein Sonderfall*
* Es stellt sich die Frage, Sonderfall wovon?
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Dr. Sabina Tsapaeva
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4 Vorannahme II  Bei Sprachkontakt treten nicht Sprachen, sondern Sprecher in Kontakt Sr Sprachkontakte
4
Vorannahme II
 Bei Sprachkontakt treten nicht Sprachen, sondern Sprecher in Kontakt
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Dr. Sabina Tsapaeva
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5 Vorannahme III  Überall, wo es Sprachkontakt gibt, kommt es zu bestimmten Veränderungen auf
5
Vorannahme III
 Überall, wo es Sprachkontakt gibt, kommt es zu bestimmten Veränderungen auf der
einen oder auf beiden Seiten der betroffenen Sprachcodes
= Sprachkontakt führt zu Sprachwandel
- Sprachwandel = Sprachevolution
- Sprachevolution  Konflikt zwischen Konvergenz und Divergenz
- Sprachselektion > Integration > Etablierung
- Folge: Sprachkontaktphänomene auf einer oder mehreren Sprachebenen bis
Sprachverlust
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6 Sprachwandel  Bußmann 2008: Prozess der Veränderung von Sprachelementen und Sprachsystemen in der Zeit
6
Sprachwandel
 Bußmann 2008: Prozess der Veränderung von Sprachelementen und
Sprachsystemen in der Zeit auf allen sprachlichen Ebenen (von Phonetik bis
Pragmatik)
 Bsp:
- Lautwandel, Analogie und sprachextern motivierte phonetisch-phonologische
Veränderungen
- flexionsmorphologische Veränderungen und Veränderungen im Bereich der
Wortbildung, wie z.B. Ersatz flexivischer durch periphrastische Formen, Veränderung
von Kompositions- zu Derivationsregularitäten, Univerbierung
- Wort- und Satzgliedstellungsveränderungen
- Bedeutungswandel, Entlehnungen in der Semantik
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7 Sprachwandel  Sprachwandel nur auf einer Ebene (Bsp.: Lautverschiebung)  Sprachwandel auf mehreren Ebenen
7
Sprachwandel
 Sprachwandel nur auf einer Ebene (Bsp.: Lautverschiebung)
 Sprachwandel auf mehreren Ebenen (Bsp.: Umlaut)
 Sprachwandel kann sowohl nur einige Sprachsystembereiche betreffen, als auch
generelle Geltung aufweisen
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8 Ursachen des Sprachwandels  interne Bedingungen - Sprachökonomie - Innovation - Variation und Differenzierung
8
Ursachen des Sprachwandels
 interne Bedingungen
- Sprachökonomie
- Innovation
- Variation und Differenzierung
- sprachsystemische Einflüsse (Bsp.: Einflüsse des Flexionsparadigmas)
 externe Bedingungen
- Evolution
- Sprachkontakt
- sozio-ökonomischer Wandel
- politische Veränderungen
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9 Modelle des Sprachwandels  unsichtbare Hand - Keller 1994: Sprachwandel. Von der unsichtbaren Hand
9
Modelle des Sprachwandels
 unsichtbare Hand
- Keller 1994: Sprachwandel. Von der unsichtbaren Hand in der Sprache
(Mikroebene)
(Makroebene)
intentionale Handlungen
kausale Konsequenz
ökologische
unsichtbare Hand
Explanandum
Bedingungen
Phänomen der 3. Art:
unkoordiniertes Verhalten
von Individuen
quasi-Koordination
≠ Naturphänomen
≠ Artefakt
Quelle: Keller 1994, S. 125
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10 Modelle des Sprachwandels  Präferenzmodell / Natürlichkeitstheorie - Wurzel 1984: Flexionsmorphologie und
10
Modelle des Sprachwandels
 Präferenzmodell / Natürlichkeitstheorie
- Wurzel 1984: Flexionsmorphologie und Natürlichkeit. Ein Beitrag zur morphol.
Theoriebildung
- Neigung zur Regularisierung
- Markiertheitsabbau
 Funktionsmodell
- Köhler 1986: Zur linguistischen Synergetik. Struktur und Dynamik der Lexik
- Einfluss der Bedürfnisse der Sprecher / Hörer an die Sprache auf die Gestaltung der
Sprache
- mathem. Modellierung von Bedürfnissen im Bereich der linguistischen Synergetik
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11 Modelle des Sprachwandels  Grammatikalisierungsmodell - Lehmann 1995: Thoughts on Grammaticalization - 6
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Modelle des Sprachwandels
 Grammatikalisierungsmodell
- Lehmann 1995: Thoughts on Grammaticalization
- 6 Parameter zur Bestimmung des lexikalischen Status eines Zeichens
- Sprachwandel als gerichteter Prozess
- Lexem > Grammem
 soziolinguistisches Modell
- Labov 1972: Sociolinguistic patterns
- Prestigefrage
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12 Modelle des Sprachwandels  generatives Modell - Lightfoot 1999: The development of language. Acquisition,
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Modelle des Sprachwandels
 generatives Modell
- Lightfoot 1999: The development of language. Acquisition, change, and evolution
- Strukturierung und Vereinfachung der Sprache bei Eliminierung von
Sonderregelungen
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