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Vorlesung: Wortschatzerweiterungen 10. Veranstaltung:

GründeGründe fürfür EntlehnungenEntlehnungen

20.6. 2012

Christine Römer Institut für germanistische Sprachwissenschaft E-Mail: Christine.Roemer@uni-jena.de

http://www.personal.uni-jena.de/~xcr/v2/?Start

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Gliederung

1. Problemstellung 2. Gründe für Entlehnungen
1. Problemstellung
2. Gründe für
Entlehnungen

1. Problemstellung

2. Gründe für Entlehnungen

Literatur

Literatur

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Einstellungen zu Entlehnungen

 

1.

Problemstellung

 

Einstellungen zu Entlehnungen

Wolf Schneider: „Speak German! Warum Deutsch manchmal besser ist“
Wolf Schneider: „Speak German! Warum Deutsch manchmal besser
ist“

2.

Gründe für

Zum Ersten: Kein Wort ist deshalb schlecht, weil es aus ei- ner anderen Sprache stammt.
Zum Ersten: Kein Wort ist deshalb schlecht, weil es aus ei-
ner anderen Sprache stammt. Die Wörter Fenster, Balkon und
Schokolade haben wir aus Rom, Paris und Mexiko importiert,
und um nichts wären sie uns willkommener, wenn wir sie von
den alten Germanen geerbt hätten.
Zum Zweiten: Auch gut ist ein Wort nicht schon deshalb, weil
wir es aus dem Englischen übernommen haben. Dieser zweiten
Wahrheit aber bläst in Deutschland der Wind ins Gesicht.

Entlehnungen

Literatur

 

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1. Problemstellung Helmut Glück: „Deutsch als Wissenschaftssprache“ Einstellungen zu Entlehnungen ⊲ Wer das
1.
Problemstellung
Helmut Glück: „Deutsch als Wissenschaftssprache“
Einstellungen zu
Entlehnungen
Wer das Englische als einzig maßgebliche Wissenschaftssprache akzeptiert,
2.
Gründe für
verdammt die Forschungen in unserem Land zur Bedeutungslosigkeit.
Entlehnungen
Literatur
Der Vorzug einer weltumspannenden Wissenschaftssprache liegt darin, dass
die Sprachbarriere zwischen den Wissenschaftskulturen der einzelnen Nationen
wegfällt.
] Dieser Vorteil wird außerhalb der anglophonen Länder dadurch
erkauft, dass Wissenschaft in einer fremden Sprache betrieben werden muß.
] Wenn eine „community“ nur noch auf Englisch verkehrt, erleiden die
dadurch ausgeschlossenen Sprachen Einbußen.
(
http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/
Doc~E8C7B5FE7AA394DADAF37F2BC2FBCCA5E~ATpl~Ecommon~Scontent.html )
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Füllen von Benennungslücken

1. Problemstellung 2. Gründe für Entlehnungen ⊲ Füllen von Benennungslücken Kontakte der Völker
1. Problemstellung
2. Gründe für
Entlehnungen
⊲ Füllen von
Benennungslücken
Kontakte der Völker
"‘stärkere"’ Völker
beeinflussen
"‘schwächere"’
Modeerscheinungen
Image-Zuschreibung
Globalisierung
Literatur
Wenn die deutsche Sprache eine Erscheinung nicht benennen kann, so werden heute wie in der
Wenn die deutsche Sprache eine Erscheinung nicht benennen kann, so werden
heute wie in der Vergangenheit Lexeme aus anderen Sprachen zur Benennung
benutzt.
„Nach dem Skandal in Deutschland hat der US-Internetkonzern Google auch in Ausstralien Ärger wegen
„Nach dem Skandal in Deutschland hat der US-Internetkonzern Google
auch in Ausstralien Ärger wegen Datenschutzverletzungen durch seinen
Straßenfoto-Dienst Street View“.
(SZ 7.6. 2010 S. 20)
Internet ( Interconnected Networks ‘mit-/untereinander verbundene Netzwerke’) ging aus dem im Jahr 1969 entstandenen
Internet ( Interconnected Networks ‘mit-/untereinander verbundene
Netzwerke’) ging aus dem im Jahr 1969 entstandenen ARPANET her-
vor, einem Projekt der Advanced Research Project Agency (ARPA) des
US-Verteidigungsministeriums. Dt. Bezeichnung, wie Weltnetz, Zwi-
schennetz, setzten sich nicht durch; jedoch in der Alltagssprache das
Kurzwort Netz (Quelle http://de.wikipedia.org/wiki/Internet ).

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Kontakte der Völker

 

1. Problemstellung

2. Gründe für

Handelsbeziehungen führen zur Übernahme von Sachen

 

Entlehnungen

 

mit ihren Bezeichnungen. Aus dem Arabischen: Zucker, Alkohol,

oder slawischen Sprachraum Zobel, Zander,
oder slawischen Sprachraum Zobel, Zander,

Reiseschriftsteller. Fremdwörter werden zur Erzeugung von Lokalkolorits benutzt. Schon Ende des 17. Jh. waren Reisebeschreibungen Quellen für Entlehnungen aus dem Englischen. (P. von Polenz, Band II, S. 103).

Füllen von Benennungslücken Kontakte der ⊲ Völker "‘stärkere"’ Völker beeinflussen
Füllen von
Benennungslücken
Kontakte der
Völker
"‘stärkere"’ Völker
beeinflussen
"‘schwächere"’
Modeerscheinungen
Image-Zuschreibung
Globalisierung
Literatur

Übersetzungen von Schriftgut.

 
 

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„stärkere“ Völker beeinflussen „schwächere“

1. Problemstellung 2. Gründe für Entlehnungen Füllen von Benennungslücken Kontakte der Völker
1. Problemstellung
2. Gründe für
Entlehnungen
Füllen von
Benennungslücken
Kontakte der Völker
"‘stärkere"’ Völker
beeinflussen
"‘schwächere"’
Modeerscheinungen
Image-Zuschreibung
Globalisierung
Literatur
Politische, kulturelle, wissenschaftliche und andere Verände- rungen und Umbrüche führen zu Entlehnungen.
Politische, kulturelle, wissenschaftliche und andere Verände-
rungen und Umbrüche führen zu Entlehnungen.
So wurde um 1700 in Dtl. fast kein Englisch gespro- chen. Im 18. Jhd. Entlehnungen
So wurde um 1700 in Dtl. fast kein Englisch gespro-
chen. Im 18. Jhd. Entlehnungen von politischen Begrif-
fen, da Parlamentarismus in England früh ausgebildet:
Parlament, Debatte, Partei,
In den 40er/50ern nahm in der BRD der Einfluss des Englischen durch die „Besatzung“ massiv
In den 40er/50ern nahm in der BRD der Einfluss des
Englischen durch die „Besatzung“ massiv zu.

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Modeerscheinungen

1. Problemstellung 2. Gründe für Entlehnungen Füllen von Benennungslücken Kontakte der Völker
1. Problemstellung
2. Gründe für
Entlehnungen
Füllen von
Benennungslücken
Kontakte der Völker
"‘stärkere"’ Völker
beeinflussen
"‘schwächere"’
⊲ Modeerscheinungen
Image-Zuschreibung
Globalisierung
Literatur
Einzelne, „nacheifernswert“ erachtete Personen und Völker werden zu Vorbildern, was sich auch in Entlehnungen
Einzelne, „nacheifernswert“ erachtete Personen und Völker
werden zu Vorbildern, was sich auch in Entlehnungen nieder-
schlägt. Dies kann auch dazu führen, dass bereits etablier-
te synonyme deutsche Bezeichnungen verdrängt werden. Zur
Zeit des Barock waren dies französische heute sind es anglo-
amerikanische Fremdwörter.
Loser statt Verlierer, Highlight statt Höhepunkt, Joint venture bedeutet nichts weiter als Firmenzusam- menschluß,
Loser statt Verlierer, Highlight statt Höhepunkt, Joint
venture bedeutet nichts weiter als Firmenzusam-
menschluß, Equipment heißt nur Ausrüstung ,

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Image-Zuschreibung 1. Problemstellung 2. Gründe für Entlehnungen Füllen von Benennungslücken Kontakte der
Image-Zuschreibung
1. Problemstellung
2. Gründe für
Entlehnungen
Füllen von
Benennungslücken
Kontakte der Völker
"‘stärkere"’ Völker
beeinflussen
"‘schwächere"’
Je nach Herkunft schreiben wir Fremdwörtern ein bestimmtes
Image zu. Griechische und lateinische Fremdwörter erwecken
die Assoziation im Zuhörer, dass es sich beim Sprecher um eine
gebildete, belesene Person handelt.
Demoskopie, Dermatologie, Physiognomie,
Modeerscheinungen
Image-
Zuschreibung
Globalisierung
Literatur
Französisch ist die Sprache von Kunst, Mode und Küche, Pa-
ris das Sinnbild für Extravagantes und Chick. In der aktuellen
Standardsprache sind französische Begriffe meist in diesem Be-
reich anzutreffen.
Avantgarte, Can-Can, Chiffon, Dessous, á la carte, Croissant,
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Globalisierung 1. Problemstellung 2. Gründe für Entlehnungen Füllen von Benennungslücken Kontakte der Völker
Globalisierung
1. Problemstellung
2. Gründe für
Entlehnungen
Füllen von
Benennungslücken
Kontakte der Völker
"‘stärkere"’ Völker
beeinflussen
"‘schwächere"’
Vor allem die elektronischen Kommunikationssysteme haben
sich die verschiedenen Sprachgemeinschaften miteinander ver-
netzt, was zum Teil zu düsteren Prognosen führte. In „Spec-
trum der Wissenschaft“ (4/2001, S. 98) wurde vorausgesagt:
Modeerscheinungen
„Wir werden mit elektronischen Medien, vor allem dem Fernse-
hen, bombardiert. Dies sowie standardisierte Ausbildungspro-
Image-Zuschreibung
Globalisierung
Literatur
gramme und die flächendeckende Verfügbarkeit von Transport-
mitteln werden im Laufe des kommenden Jahrhunderts zwi-
schen 70 und 90 Prozent der Sprachen der Welt zerstören.“
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Literatur

1. Problemstellung 2. Gründe für Entlehnungen Literatur ⊲ Literatur
1. Problemstellung
2. Gründe für
Entlehnungen
Literatur
⊲ Literatur

[1] Helmut Glück: Deutsch als Wissenschaftssprache. In:

Glanzlichter der Wissenschaft – Ein Almanach (hrsg. vom Deutschen Hochschulverband). LUCIUS:

Saarwellingen 2008.

[2] Peter von Polenz: Deutsche Sprachgeschichte. Bd. I bis

III.

Walter de Gruyter: Berlin, New York.

[3] Wolf Schneider: Speak Germann . Rowohlt: Reinbek

2008 6 .

[4] Christine Römer / Brigitte Matzke: Der deutsche Wortschatz. Struktur, Regeln und Merkmale. narr:

Tübingen 2010.

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Römer / Brigitte Matzke: Der deutsche Wortschatz. Struktur, Regeln und Merkmale . narr: Tübingen 2010. 11