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Der Förderverein “Mahn- und Gedenkstätte Walpersberg“ e.V.

, Sitz Kahla, informiert:

In diesem Artikel gehen wir auf die verschiedenen Lager ein, die um den Walpersberg
entstanden. Anhand des umfangreichen Informationsmaterials wird dieser in zwei Teilen
veröffentlicht.
Die Lager der „REIMAHG“
Nachdem die ersten Zwangsarbeiter, aus Italien kommend, im April 1944 in Kahla eintrafen,
musste man erst einmal improvisieren, um diese unterzubringen. Lager gab es noch nicht,
weshalb durch die Betriebsleitung der „REIMAHG“ alle im Umkreis befindlichen Säle und
Gaststätten beschlagnahmt wurden. Ein eigens vom Betrieb aufgestelltes „Quartieramt“
requirierte selbst Privatunterkünfte. Denn neben den vielen stetig eintreffenden
Zwangsarbeitern, mussten auch für die Deutschen Facharbeiter, dem Sicherheitspersonal,
den freiwilligen Fremdarbeitern sowie für die mehr als 100 involvierten Baufirmen
Unterkünfte gefunden werden.
Während der gesamten Bauphase der „REIMAHG“ hat man die Zwangsarbeiter immer
wieder von einem zum anderen Lager verlegt. Ab Dezember 1944 wird von der
Betriebsführung notgedrungen eine Umstrukturierung der Lager, nach Nationalitäten
umgesetzt. Bis Kriegsende 1945 gehörten insgesamt 28 Lager zum Werk „REIMAHG“.
Die erste Unterkunft für Zwangsarbeiter befand sich im „Volkshaus Rosengarten“ Kahla, das
auf Anweisung des Jenaer Kreisleiters Müller für die Aufnahme der italienischen
Zwangsarbeiter eingerichtet wurde. Der Rosengarten wurde bis zu seiner Beschlagnahme
von der Deutschen Arbeitsfront als Arbeitsdienstlager genutzt.
Lager Rosengarten, noch als Arbeitsdienstlager Kahla

Das Lager im „Rosengarten“ wurde bis Kriegsende genutzt.


Neben dem „Rosengarten“ existierten noch 2 weitere Lager in Kahla, das Lager „Thüringer
Hof“ und das Lager in der Hindenburgschule.
Der „Thüringer Hof“, in dem nur der Saal des Gasthofes genutzt wurde, unterstand der
Verwaltung vom Lager Rosengarten.
Kranke und Verletzte wurden im Krankenrevier im Lager Rosengarten gepflegt und versorgt.
Das Lagerpersonal im „Thüringer Hof“ bestand aus einem Lagerführer sowie ein oder zwei
Wachen bei einer Belegung von 200 bis 300 Personen. Von den Nationalitäten stellten die
Belgier und Franzosen die größte Anzahl. Ende Juli bis Mitte August 1944 verlegte man noch
die Insassen und die Wachmannschaft von Lager Jägersdorf, das aufgelöst wurde, in den
„Thüringer Hof“.
Die Arbeitskolonnen, die am Walpersberg eingesetzt wurden, begleitete bzw. führte
meistens ein Wachsoldat, oft wurden diese Kolonnen auch von einem der Zwangsarbeiter
geführt.
Aus heutiger Sicht ist dies etwas unverständlich. Aber Flucht war für sie keine Alternative.
Die Arbeitskolonnen der Zwangsarbeiter waren in einen straffen Tagesablaufplan
eingebunden, sie kannten weder das Land noch die Sprache, waren orientierungslos, meist
hungrig und zunehmend unterernährt und krank. Nicht alle der ansässigen Bevölkerung
schauten weg. Kontakte, Hilfe und Unterstützung war bei Strafe verboten und doch wurde
heimlich von vielen Einwohnern mit versteckten Kleidungsbündeln und eingepackten
Lebensmitteln geholfen. In der Versteckfindung war man sehr einfallsreich, selbst die
Mülltonnen an der Straße wurden als Versteck genutzt.
Das Lager im „Thüringer Hof“ wurde im Januar 1945 aufgelöst und alle Insassen nach Lager E
bei Eichenberg überführt.

Im nächsten Artikel werden wir über die Geschichte der um den Walpersberg befindlichen
Lager eingehen.
Wenn Sie Fragen oder Informationen zur Thematik „REIMAHG“ haben, können Sie uns über
unsere Webseite (www.walpersberg.de), per Email (info@walpersberg.de) oder per Telefon
036424/156 397 erreichen.