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Humanistische Psychologie–

Grundannahmen, Vertreter
und Therapieformen

LV 3.3. und 3.4.“Psychologische Erklärungsmodelle“ und


„Entwicklungspsychologie“
Dozentin: Anja Senzel
Referiert von: Juan Nieto, Ewa Paul und Ganeesha Roth
Präsentiert am 12.09.2019
Grundannahmen der
Humanistischen Psychologie
•  Die Bedeutung des Wortes ‚humanus‘ (lat.) ist menschenwürdig,
menschenfreundlich. Die Philosophie des Humanismus orientiert
sich an den Bedürfnissen und den Werten der Menschen.

•  Die Grundannahmen der humanistischen Ansätze haben


geisteswissenschaftliche Wurzeln u.a. in der Phänomenologie
(Husserl, Heidegger) und in der Existenzphilosophie (Sartre,
Kierkegaard).

•  Die Humanistische Psychologie basiert auf einem


ressourcenorientierten Menschenbild und schreibt dem Menschen
die Fähigkeit zu, durch seine eigene Kraft und sein Potential sein
Leben konstruktiv zu gestalten bzw. zu ändern. Der Mensch wird
als holistisch, d.h. in seiner bio-psycho-sozialen Ganzheit gesehen.
Vertreter der Humanistischen
Psychologie und Formen
der humanist. Psychotherapie
•  Zu den wichtigsten Vertretern der Humanistischen
Psychologie gehören: Charlotte Bühler (das Konzept der
Selbstverwirklichung als „Erfüllung“), Abraham Maslow
(die Bedürfnispyramide), Fritz Perls, Lore Perls und Paul
Goodmann (die Gründer der Gestalttherapie) und Carl
Rogers (das klientenzentrierte Gespräch).

•  Therapieformen nach Ansätzen der humanistischen


Psychologie sind u.a. die Gestalttherapie, die
klientenzentrierte Therapie und das Psychodrama.
Charlotte Bühler und ihr Konzept der
Selbstverwirklichung
als „Erfüllung“
Charlotte Bühler (1983-1974) konzipierte anhand
systematischer Beobachtung und mittels
Feldforschung Kleinkindertests, die zum Meilenstein
der Kinderpsychologie geworden sind.

In ihrer späteren Phase fand sie, auf der Suche nach dem Sinn des Lebens, vier
Grundtendenzen in allen menschlichen Bestrebungen: die Tendenz der
Bedürfnisbefriedigung, der Sexualität, die Tendenz der schöpferischen Expansion
sowie die Tendenz der Integration und Aufrechterhaltung der inneren Ordnung. Aus
ihrer Sicht müssten alle Tendenzen erfüllt werden. Bühler verstand Erfüllung als
Erleben von Glück und zugleich Schmerz.

Zusammen mit den Psychologen Abraham Maslow und Cars Rogers entwickelte sie in
der letzten Dekade ihres Lebens die Humanistische Psychologie. Bühlers Beitrag zur
Humanistischen Psychologie besteht darin, dass sie die gesamte Lebensspanne des
Menschen in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit rückt und die individuelle Ganzheit
der Menschen in ein gesellschaftliches Ganzes einbettet.
Die Bedürfnispyramide von
Abraham Maslow (1908-1970)
Gestalttherapie
• Die Gestalttherapie entwickelte sich seit den 30er Jahren des XX
Jh. als neue Therapiemethode in Auseinandersetzung mit den
psychoanalytischen Hypothesen S. Freunds. Ihre Gründer sind Fritz
und Lore Perls sowie Paul Goodmann. Der Ansatz beruht auf der
Annahme, dass der Mensch einzelne Gegenstände nicht als
‚Bruchstücke‘ wahrnimmt, sondern diese zu einem sinnvollen
Ganzen organisiert.

• Die Krankheit des Menschen wird als Störung der organischen


Selbstregulation eines Menschen gesehen. Der Therapeut tritt im
Gespräch mit dem Patienten nicht als Experte auf, sondern geht
mit ihm auf die gemeinsame Entdeckungsreise. Das Ziel des
Therapeuten ist es, dass der Patient seine innere Kräfte aktiviert
um selber versucht, Lösungen für seine Probleme zu finden.

• Im therapeutischen Prozess geht es um die ‚Vollendung der


Gestalt‘. Nicht abgeschlossene, vergangene Erlebnisse sollen im
Bezug auf ihre Bedeutung in der Gegenwart bearbeitet werden.
Die klientenzentrierte Therapie bei
Carl Rogers (1902-1987)

• Der Ansatz der klientenzentrierten/personenzentrierten Therapie stammt


von Carl Rogers, der sich in seinem Vortrag im Jahr 1940 von den
vorherrschenden psychotherapeutischen Auffassungen abgrenzte. In Rogers
Ansicht geht es in der Psychiatrie um die persönliche Entwicklung des
Klienten. Der Therapeut ist nicht der Experte, sondern Begleiter und
Förderer dieser Entwicklung.

• Entscheidend bei der Therapie ist die Grundhaltung der Authentizität, der
bedingungslosen Wertschätzung und der Empathie der Therapeuten. Der
Klient nimmt diese Haltung wahr.

• Nach Rogers entstehen psychische Störungen, wenn ursprüngliche Bedürfnisse


und Gefühle entweder nicht mehr oder verzehrt wahrgenommen werden
(Inkongruenz). Das Ziel der Therapie ist es, dass das Selbstkonzept des
Klienten reorganisiert wird, so dass seine Gefühle und Erfahrungen, die
vorher abgewehrt wurden, wieder assimiliert werden. Somit wird die
Aktualisierungstendenz der Klienten gestärkt, sich zur größtmöglichen
Entfaltung zu bringen.
Das Psychodrama als
Therapieform

• Entwickelt im Jahr 1925 von Jacob Levi Moreno, einen Pionier


der Gruppentherapie, als inszeniertes Rollenspiel.

• Im Psychodrama dient die spielerische Handlung zum


Bewusstwerden von Blockaden und Defiziten. Ähnlich wie in
einem kindlichen Rollenspiel, findet das Psychodrama in einer
‚Zwischenrealität‘ statt. Das ermöglicht einen
selbstheilenden Prozess, der durch das Katharsis-Erlebnis
hervorgerufen wird.

• Die Phasen eines Psychodramas sind: die Initialphase, die


Aktions- und Spielphase, sowie die Reflexionsphase.

Wie geht eigentlich Psychodrama?


Grenzen der humanistischen
Therapieformen

Die humanistischen Therapien basieren auf der holistischen


Betrachtungsweise der Persönlichkeit und haben die
Ressourcenstärkung und Wiederherstellung der gesunden
Selbstregulation der Menschen im Fokus. Alle Ansätze der
humanistischen Therapie verbindet ihr gemeinsames
Menschenbild. Der Mensch handelt bewusst und verantwortlich
und gestaltet aktiv die eigene Existenz in sozialen Bezügen.

An der humanistischen Therapien wird kritisiert, dass die


Herausarbeitung der Störungen und deren Ursachen (Ätiologie)
nicht zum Bestandteil der Therapien gehören. Im Fokus der
humanistischen Therapien steht das ‚Hier und Jetzt‘.
Quellen:
Krenz, A (Hrsg.): Psychologie für Erzieherinnen und Erzieher, Berlin-Düsseldorf-Mannheim 2007

Langfeldt, H., Nothdurft, W.: Psychologie. Studienbuch für soziale Berufe, München 2004

Petzold, H. (Hrsg.): Angewandtes Psychodrama in Therapie, Pädagogik, Theater und Wirtschaft, Paderborn 1972

Slunecko T., Sonneck G. (Hrsg.): Einführung in die Psychotherapie, Wien 1999

Quitmann, H.: Humanistische Psychologie, Göttingen 1991

Abraham Maslow, Die Bedürfnispyramide,


https://www.landsiedel-seminare.de/positive-psychologie/beduerfnispyramide.html, 05.09.2019

Thomas Masselink, Film : „Wie geht eigentlich Psychodrama?“, 05.09.2019


https://www.youtube.com/watch?v=BF3-wooUB74