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Führung mit Hirn & Verstand

Der neurobiologische Rahmen für


menschliches Führungsverhalten

Prof. Dr. Thomas Christaller


Lebewesen sind konservativ ...
Alle Lebewesen versuchen,
ihre relevanten Umweltparameter möglichst
günstig zu gestalten
ihre Umwelt vorhersagbar zu machen
den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen
... und neugierig
Jedes Lebewesen exploriert seine Umwelt,
um Nahrung zu fnden
um einen Partner für den Nachwuchs zu fnden
um vielleicht doch in eine schönere Welt zu
kommen
No risk no gain
Bei Primaten sind die Jungen am neugierigsten ...
und die Alpha-Männchen am konservativsten
In jeder neuen Situation stellt sich die grundlegende
Frage:
Flee or Fight - Fliehe oder Kämpfe
Das menschliche Gehirn in dürren
Worten
Das Gehirn hat 1011 - 1013 Neurone
Jedes Neuron empfängt von 1.000 Neuronen und sendet
an 1.000 Neurone
Ein Neuron benötigt vier Zwischenschritte, um ein Signal
an ein beliebiges anderes Neuron zu schicken
Alle „Teile“ des Gehirns sind in beiden Richtungen eng
miteinander verbunden
Es gibt ca 1 Million Nervenfasern vom Auge in das Gehirn,
aber auch ca 1 Million Nervenfasern vom Gehirn in das
Auge
Biochemische und elektrische Informationsverarbeitung
Die schematische Organisation des
Gehirns

Es gibt unterschiedliche Sichtweisen auf das Gehirn: anatomische


Strukturen, Funktionen, evolutionäre Entwicklung
Die Architektur ist aber für alle Wirbeltiere gleich
Unterschiede bestehen in der Größe (wenige Gramm - Maus - bis zu
mehrere Kilogramm - 10 beim Pottwal, 1,3 beim Menschen)
Der Neokortex nimmt beim Menschen 90% der Gehirnmasse ein und
überwölbt alle anderen Strukturen
Der Neokortex ist am weitesten Weg vom sensomotorischen
Geschehen
Das Gehirn macht 3% des Körpergewichtes aus, verbraucht aber 17-
25 % der Energie
Verschaltungsmechanismen
Sinneseindrücke werden in Muskel- und Skelettbewegungen
umgesetzt
Das geschieht über eine Kette von Neuronen
Ein neuronales Signal kann die Übertragungsleistung einer
neuronalen Verbindung beeinfussen
Neurone bilden Rückkopplungen, d.h. der Output einer
neuronalen Aktivität wird Teil des Inputs für dieselben
Neurone
Neurone bilden oszillierende Gruppen, z.B. um den Schlaf-
Wachrhythmus fest zu legen
Im sensomotorischen Homunculus gibt es ein topologisches
Körperbild, z.B. die Hand wird durch mehr Neurone
repräsentiert als der Rücken
Wahrnehmungen werden in Feldern abgebildet
Wahrnehmungen werden nach ihrer Intensität abgebildet
Wissen und Denken
Drei verschiedene Formen von Wissen
explizites Wissen (sprachgebunden)
implizites Wissen (z.B. Intuition)
bildliches Wissen (z.B. Wahrnehmen)
Wir neigen zu Monokausalitis
Unsere Natur beschränkt unser Wissen
Was Hänschen nicht lernt ...
Wissen ist nicht immer mit Hilfe von Sprache
erklärbar
Akzeptierte Theorien oder Modelle über die Welt
Vorurteile
Verhalten und Lernen
Verhalten wird durch senso-motorische Kontroll-
programme gesteuert und geregelt (z.B. Begrüßen)
Verhalten kann mehr oder weniger genetisch
festgelegt sein
Ein Gehirn verändert sich, so lange sein Besitzer lebt
Ziel aller Veränderung ist die Verhinderung der
Verschlechterung der aktuellen Lebensumstände.
Das schließt Verbesserung nicht aus
One-Shot Learning (Prägungslernen)
Gewöhnungslernen
Psychomotorisches Lernen
Lernen durch Versuch und Irrtum
Erkenntnis ist die kurze Beschreibung von etwas
Langem
Sprache, Gedächtnis, Gedankenlesen
Wieso können wir Sprache verstehen?
Wir hören, was wir hören wollen
Warum sind Zeugenaussagen so unzuverlässig?
Wir haben kein dokumentarisches Gedächtnis
Weshalb glauben wir zu wissen, was der andere
denkt?
Wir können uns in einen anderen Menschen hinein
versetzen
Mitleid, Empathie
Vertrauen
Ausnutzen, Betrügen
Eine Entscheidung ist eine Entscheidung
Man kann sich nicht Nicht-Entscheiden
Jede Entscheidung trift eine Wahl unter Alternativen
Jede Handlung ist einmalig und lässt sich nicht
rückgängig machen
Multitasking fällt uns schwer
fokussierte und verteilte Aufmerksamkeit
Das Bewusstsein hat in dem kritischen Zeitfenster von
je 3 Sekunden nur genau einen Gedanken
Man kann nicht alles wissen und man kann bei
Entscheidungen nicht alles berücksichtigen
Eine Entscheidung muss nüchtern und beschwingt
getrofen werden
Die E-Pyramide des Entscheidens
(nach E. Pöppel)

Equilibrium - Exzellenz - Energie

Emergente Kreativität | Emotionale Einbettung

Leichter Informationszugang |
Anstrengungslose Verarbeitung | Efzient Handeln

Evolutionäres Erbe | Ethische Prinzipien |


Ökologische Verantwortung | Ökonomische Intelligenz
Forscher vs Manager

Wissenschaft Wirtschaft
Autor von Publikationen Gewinn
Kleine Teams Bis zum Konzern
Informelle Beziehungen Verträge
Öfentliche Budgets Umsatz
Drittmittel Aufträge
Karriere Karriere
Was bleibt
Auf eine andere Ebene des Fachwissens gelangen
Den archimedischen Punkt fnden wollen
Segeln statt Rudern
Führen heißt, sich selber kennen lernen
Literatur:
Ernst Pöppel. Zum Entscheiden geboren. Hirnforschung
für Manager. Hanser Verlag, 2008.
Carl Sinderman. Winning the Games Scientists Play:
Strategies for Enhancing Your Career in Science. Perseus
Books, 2001.
GEOkompakt Nr. 15. Wie wir denken. Das Gehirn: Intelligenz,
Gefühl, Bewusstsein. Mai 2008.