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Fragenkatalog für die Vorlesungsprüfung aus

Strömungslehre und
Wärmeübertragung I
Max Wilfinger Robert Novak
Graz, am 16. Februar 2018

Diese Ausarbeitung ist aus diversen Fragenkatalogen, originalen


Prüfungsbeispielen und mit Hilfe des Vorlesungsskriptums des
Institutes für Strömungslehre und Wärmeübertragung an der
Technischen Universität Graz entstanden.
Viel Erfolg beim Lernen!

Version 4, SS 2018

Zur Prüfung ist lediglich eigenes Papier, Stifte und eine mathem. Formelsammlung erlaubt!
Die ”Materialien zu den Vorlesungen und Übungen” werden vom Institut zur Verfügung
gestellt!

Wir übernehmen keine Gewähr auf die Richtigkeit und Vollständigkeit des Fragenkataloges.
Sendet uns Fehler, Verbesserungen und neue Fragen. Diese werden wir umgehend einpflegen.
In Kapitel 11 haben wir ungelöste Mysterien ergänzt. Hierfür sind noch Lösungen gesucht.
Diese könnt ihr ebenfalls an unten angeführte Mailadresse senden.
robert.0207@hotmail.com

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Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis
1 Grundzüge der Beschreibung von Fluiden und Strömungen 12
1.1 Erläutern Sie den Unterschied zwischen einem Festkörper und einem Fluid
bei Einwirkung von Scherkräften. Was können Sie dabei speziell über die
Verformung aussagen? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12
1.2 Was ist die Aussage der Kontinuumshypothese? . . . . . . . . . . . . . . 13
1.3 Wie sind die Geschwindigkeitsvektoren in einem Strömungsfeld relativ zu
den Stromlinien orientiert? Wie lautet die DGL der Stromlinie? . . . . . 13
1.4 Wie ist in einem ebenen Strömungsfeld die Drehung definiert? Welchen
Wert hat sie in einer Couette-Strömung (Plattenabstand h, Geschwindig-
keit der bewegten Platte U )? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13
1.5 Erläutern Sie die folgende Begriffe: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14
1.6 Was ist eine Feldgröße und durch welche beiden Betrachtungsweise kann
diese dargestellt werden? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14
1.7 Wie lautet die mathematisch substantielle Ableitung einer physikalischen
Größe, die von 3 Raumkoordinaten und der Zeit abhängt? Notieren Sie
die Gleichung für diese Ableitung in kartesischen Koordinaten. . . . . . . 15
1.8 Erklären Sie anschaulich die Volumenkräfte auf das Kontinuum? . . . . . 15
1.9 Erläutern Sie die Impulsgleichung in Worten und deren Aussage? . . . . 16
1.10 Geben Sie an... . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16
1.11 Definieren Sie... . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17
1.12 Welche drei Arten von Kontrollvolumen können in der Strömungsmecha-
nik zur Herleitung der Grundgleichungen herangezogen werden? . . . . . 18
1.13 Geben Sie das Reynoldsche Transporttheorem an und interpretieren Sie
die einzelnen Terme in der Gleichung? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19
1.14 Erläutern Sie den Begriff der Drehung in einer Fluidbewegung. Wie kann
die Bewegung in einem quadratischen Fluidelement veranschaulicht wer-
den? Wie groß ist die Drehung bei Potentialströmung? . . . . . . . . . . 19
1.15 Erläutern Sie anschaulich die Deformation eines Fluidteilchens? . . . . . 20
∂v
1.16 Drehungsfreie ebene Strömungen erfüllen die Forderung ∂x − ∂u
∂y
= 0! . . 21

2 Grundgleichungen der Kontinuumsmechanik 22


2.1 Erläutern Sie mit Worten die Aussage der Energiegleichung und erläutern
Sie die darin vorkommenden Terme und Größen. Welche Energieformen
bilanziert die Gleichung? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22
2.2 Wie lautet die differentielle Form der Kontinuitätsgleichung in kartesi-
schen Koordinaten? Wie lautet physikalische Aussage dieser Gleichung? . 23
2.3 Erklären Sie den Gaußschen Integralsatz an dem Überführen einer inte-
gralen Größe in eine differentielle (Kontinuitätsgleichung)! . . . . . . . . 23
2.4 Herleitung der Kontinuitätsgleichung am bewegten Kontrollvolumen? . . 24
2.5 Erläutern Sie anschaulich die physikalischen Vorgänge des Transports von
Impuls in x-Richtung, die in der Impulsgleichung durch die Spannungs-
komponenten τxx , τxy und τxz wiedergegeben sind. . . . . . . . . . . . . . 24

Max Wilfinger, Robert Novak II TU Graz, 2018


Inhaltsverzeichnis

2.6 Kann in einem Strömungsfeld ∂p ∂t


= 0 sein, wenn dp dt
6 0 ist? Kann ∂p
= ∂t
6 0
=
dp
sein, wenn dt = 0 ist? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24

3 Hydro- und Aerostatik 25


3.1 Wie lautet die Grundgleichung der Hydro- und Aerostatik? . . . . . . . . 25
3.2 Leiten Sie aus der hydrostatischen Grundgleichung mit Symbolen wie
in der untenstehenden Skizze die Gleichung des statischen Druckes als
Funktion der Wassertiefe h ab. Leiten Sie die Gleichung für die hydrosta-
tisch bedingte Kraft F~ ab, die in Richtung des eingezeichneten Normalen-
Einheitsvektors auf die Wand mit der Fläche A wirkt. . . . . . . . . . . . 25
3.3 Die Impulsgleichung lautet vektoriell wie folgt. Leiten Sie hieraus die
Grundgleichung der Hydro- und Aerostatik ab. . . . . . . . . . . . . . . . 26
3.4 Geben Sie die Grundgleichung der Hydrostatik an und leiten Sie daraus
die Auftriebskraft eines ganz untergetauchten Körpers ab? . . . . . . . . 26
3.5 Bei Flüssigkeiten mit freien Oberflächen, die wie starre Körper in einem
Behälter mitrotieren, stellt sich die Form der freien Oberfläche derart ein,
dass ihre lokalen Höhen über dem Boden dem statischen Druck entspre-
chen. Das DGL-System zur Ermittlung der Druckverteilung lautet bei
rotierenden Behältnissen folgendermaßen: . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27
3.6 Wie ist die Druckverteilung in einem rotierenden Behälter? . . . . . . . . 28
3.7 Berechnen Sie aus der Gleichung den Luftdruck als Funktion der Höhe
über dem Boden für die folgende Atmosphäre. DIe Luft sei hierbei ein
ideales Gas. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30
3.8 Eine Kreisscheibe mit 125cm Durchmesser ist in Wasser eingetaucht, so
dass die Abstände von den Punkten auf ihrem Umfang vom Wasserspiegel
wie in der Skizze zwischen 60cm und 150cm variieren. . . . . . . . . . . . 31

4 Reibungsfreie inkompressible Strömungen 33


4.1 Die Potentialströmung um einen Kreiszylinder pweist auf der Zylinderkon-
tur den Geschwindigkeitsbetrag |~v | = U∞ · 2(1 − cos(2ϕ)) auf. Dabei
sind U∞ die Anströmgeschwindigkeit und ϕ der Polarwinkel gegen die po-
sitive x-Achse längs der auch die Anströmung orientiert ist. Wie groß ist
der Druckbeiwert cp auf der Zylinderkontur? . . . . . . . . . . . . . . . . 33
4.2 Die Differentialgleichung für eine Stromlinie lautet ~v ×d~x = 0. Die Strom-
funktion Ψ ist für ebene Strömungen definiert durch die Gleichungen
u = ∂Ψ∂y
und v = − ∂Ψ
∂x
. Welche Aussage folgt hieraus für das Verhalten der
Stromfunktion längs Stromlinien? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34
4.3 Welche beiden Differentialgleichungen beschreiben das Geschwindigkeits-
feld einer ebenen Potentialströmung? Zu welcher Differentialgleichung kön-
nen beide durch Einführung einer Stromfunktion zusammengefasst werden? 34
4.4 Gegeben sei das komplexe Geschwindigkeitspotential F (z) = F (x + iy) =
a n
n
z mit den reelen Größen a und n. Bestimmen Sie hieraus die Stromfunk-
tion und beschreiben Sie, wie man aus dieser Funktion die Stromlinien des
Strömungsfeldes ermitteln kann. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 35

Max Wilfinger, Robert Novak III TU Graz, 2018


Inhaltsverzeichnis

4.5 Physikalische Interpretation der Stromfunktion? . . . . . . . . . . . . . . 35


4.6 Wann ist das ebene stationäre Problem von Cauchy-Riemann gelöst? . . 36
4.7 Ein Körper mit zirkulationsbehafteter Strömung erfährt einen Auftrieb.
Wie lautet die Gleichung für den Auftrieb? Wie ist sie gerichtet? . . . . . 36
4.8 Was ist das d’Alembertsche Paradoxon? . . . . . . . . . . . . . . . . . . 37
4.9 Betrachten Sie die Potentialströmung um einen Kreiszylinder. Der Strö-
mung soll ein Potentialwirbel mit Zirkulation Γ überlagert sein, dessen
Zentrum mit dem des Kreiszylinders zusammen fällt. . . . . . . . . . . . 37
4.10 Erklären Sie die Umströmung eines Tragflügels beim Anfahren und bei
ausgebildeter Strömung in Worten und mit einer Skizze? . . . . . . . . . 38
4.11 Geben Sie das Potential von einem Potentialwirbel und einer Senkenströ-
mung an. Nehmen Sie dabei die Studienblätter zu Hilfe und berechnen
Sie das Potential und die Stromfunktion? . . . . . . . . . . . . . . . . . . 39
4.12 Wie ist die Zirkulation definiert? Wie lautet die Wirbeltransportgleichung? 40
4.13 Die Schwingung eines Fadens aus einer reibungsfreien Flüssigkeit in einem
U-Rohr wird durch die Differentialgleichung ẍL + 2gx = 0 beschrieben.
Dabei ist x die Auslenkung des Fadens aus der Ruhelage, L die gesamte
Länge des Flüssigkeitfadens in dem Rohr und g die Erdbeschleunigung. . 41
4.14 Geben Sie 2 Darstellungsarten der Impulsgleichung an? . . . . . . . . . . 42
4.15 Leiten Sie aus der gegebenen Energiegleichung die Bernoulli-Gleichung
her? Geben Sie anschließend die Lamesche Darstellung an? . . . . . . . . 42
4.16 Gegeben sei das komplexe Integral um eine geschlossene Kurve C. Wenden
Sie den Greenschen Satz an und erklären Sie mittels Cauchy-Riemannschen
Bedingungen die Wegabhängigkeit um den Ursprung? . . . . . . . . . . . 43
4.17 Geschwindigkeit eines stationären Ausflusses eines großen Behälters be-
rechnen? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 44
4.18 Bestimmen Sie den Wert der Zirkulation eines Potentialwirbels längs einer
Kreislinie um den Mittelpunkt des Wirbels. Das Geschwindigkeitspoten-
tial des Wirbels ist W (z) = −iB ln(z). Wie erklären Sie sich, dass dieser
Wert nicht 0 ist? Welchen Wert erhalten Sie, wenn der Integrationsweg
den Mittelpunkt des Wirbels nicht umschließt? . . . . . . . . . . . . . . . 45
4.19 Bestimmen Sie die Kräfte Fx und Fy für folgenden Stromteiler. Bekannt
sind Geschwindigkeit w1 , Flächen A1 , A2 , A3 sowie der Druck p0 und die
Winkel α und β? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 46
4.20 Notieren Sie die stationäre Bernoulli-Gleichung. Erläutern Sie für welchen
Strömungsvorgang sie gilt. Welche Linien verbinden 2 Punkte im Strö-
mungsfeld, zwischen denen die Bernoulli-Gleichung angewendet werden
kann? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 47

Max Wilfinger, Robert Novak IV TU Graz, 2018


Inhaltsverzeichnis

4.21 Wasser strömt aus einem sehr großen Reservoir, welches unter atmosphä-
rischem Druck steht, in einen geschlossenen Tank. Der Wassereintritt in
den Tank erfolgt oberhalb des Wasserspiegels im Tank. In dem Gasraum
im Tank herrscht zum Zeitpunkt ein Druck der um ∆p = 7 · 104 P a unter
dem Atmosphärendruck liegt. Der Wasserspiegel in dem Reservoir liegt
6 m über der Stelle des Wasseraustrittes. Bestimmen Sie unter Annahme
reibungsfreier Strömung die Geschwindigkeit, mit der das Wasser in den
Tank strömt? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 47
4.22 Ein Erfinder schlägt vor, Segelschiffe von Windverhältnissen unabhängig
zu machen, indem an Deck ein Ventilator angebracht wird, der die zum
Antrieb des Schiffes benötigte Luftströmung erzeugt. Erläutern Sie mit
Hilfe des Impulssatzes, ob dieser Vorschlag Aussicht auf eine technische
Umsetzung hat. Illustrieren Sie Ihre Darlegung durch eine Skizze? . . . . 47
4.23 Ein Wasserstrahl tritt mit der Geschwindigkeit w1 = 12m/s aus einer Dü-
se mit dem Durchmesser d1 = 25mm senkrecht nach oben aus. Bestimmen
Sie die Geschwindigkeit w2 und den Durchmesser d2 des Strahles in der
Ebene z = z2 , die sich 4, 5m über dem Düsenaustritt befindet. Hierzu
nehmen Sie an, dass die beiden Niveaus z1 , z2 reibungsfrei verlaufen und
dass im gesamten Strömungsfeld der gleiche statische Druck pA herrscht. 48
4.24 Die Umströmung eines Kreiszylinders mit Zirkulation ist durch die Größen
Γ = −4π m2 /s, U∞ = 1 m/s und R = 0, 5 m charakterisiert. Im Feld
dieser Strömung bildet sich ein Staupunkt,
√ dessen Abstand von Drehpunkt
R
des Potentialwirbels durch rST P
= 2 − 3 gegeben ist. . . . . . . . . . . . 49
4.25 Komplexe Potentialfunktion W (z), die durch Überlagerung einer Quell-
strömung mit einer Parallelströmung in x-Richtung entseht. Mittelpunkt
im Koordinatenursprung! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 49

5 Laminare Strömungen mit Reibung - die Navier-Stokesschen Gleichungen 51


5.1 Das Geschwindigkeitsprofil u(r) einer Hagen-Poiseuilleschen Rohrströmung
1 dp 2 2
kann in der Form u(r) = − 4µ dz
R (1 − Rr 2 ) angegeben werden. Dabei sind
µ die dynamische Viskosität des Strömungsmediums dp/dz das Druckge-
fälle, das die Strömung antreibt und R der Rohrradius. . . . . . . . . . . 51
5.2 Welchen Wert hat die Schubspannung τxy in einer ebenen Couette-Strömung
in der xy-Ebene, wenn eine der beiden Platten, welche das Strömungsfeld
begrenzen, mit der Geschwindigkeit U in x-Richtung bewegt wird und die
Platten in y-Richtung den Abstand h aufweisen? Das Fluid habe die dyna-
mische Viskosität µ. Ist die Schubspannung eine Funktion der Koordinate
x oder y? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 51
5.3 Gegeben ist die Kontinuitäts- und Impulsgleichung für ein Fluid in ei-
nem Rohr. Vereinfachen Sie die Gleichungen für eine ebene, stationär,
laminar, inkompressibel und rotationssymmetrisch entwickelte Strömung
ohne Massenkräfte? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 52

Max Wilfinger, Robert Novak V TU Graz, 2018


Inhaltsverzeichnis

5.4 Für welche Strömungen können die Navier-Stokes-Gleichungen exakt ge-


löst werden? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 52
5.5 Die x−Komponente der Impulsgleichung in kartesischen Koordinaten kann
in dimensionsbehafteter Form geschrieben werden. . . . . . . . . . . . . . 53
5.6 Eine Kugel mit dem Durchmesser D0 wird mit einer Geschwindigkeit von
U0 angeströmt. Wenn nun mit dem selben Fluid eine Kugel mit dem
Durchmesser D30 betrachtet wird, wie groß muss dabei die Geschwindigkeit
sein, um Rückschlüsse auf die erste Kugel zu ermöglichen? . . . . . . . . 54
5.7 Geben Sie die 3 Arten der Strömungsform an. Skizzieren Sie diese und
geben Sie die Geschwindigkeit für jeden dieser Fälle an? . . . . . . . . . . 55
5.8 Zur Bestimmung des Volumenstroms einer inkompressiblen Newtonschen-
Flüssigkeit, welche laminar und stationär durch ein gerades Rohr mit dem
Kreisquerschnitt Radius R fließt, soll mit einem räumlichen Messverfahren
die Geschwindigkeit der Flüssigkeit auf der Rohrachse r = 0 gemessen
werden. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 56
5.9 Betrachten Sie das stationäre, laminare, entwickelte Strömungsfeld einer
ebenen Druck-Schleppströmung zwischen zwei ebenen Platten für inkom-
pressibles Newtonsches Fluid (Viskosität µ, Dichte ρ). Dabei soll die un-
tere der beiden Platten ruhen und die obere mit der Geschwindigkeit U in
Richtung der x-Achse bewegt sein. Die Platten sind für das Strömungsme-
dium undurchlässig. Die x-Achse liegt in der Ebene der unteren Platte und
zeigt nach rechts, die y-Achse zeigt nach oben. Der Abstand der beiden
dp
Platten (in y-Richtung) sei h. Der Druckgradient dx habe einen negativen
Zahlenwert und sei bekannt. Massenkräfte werden vernachlässigt. . . . . 59
5.10 Die Kontinuitäts- und Navier-Stoke’schen Bewegungsgleichungen für ein
imkompressibles Newton’sches Fluid lauten in Zylinderkoordinaten: . . . 61
5.11 Skizzieren Sie das Geschwindigkeitsprofil für ein ebenes Gleitlager mit
Gleitschuh. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 64

6 Turbulente Strömung 65
6.1 Auf welcher grundlegenden Modellvorstellung zur Bewegung von Wirbeln
in turbulenten Strömungen basiert der Prandtlsche Mischungsansatz zur
Beschreibung turbulenter Strömungen? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 65
6.2 Für turbulente Rohrströmungen kann die (zeitlich) mittlere Geschwin-
1
digkeit u in Strömungsrichtung dimensionslos in der Form umaxu
= Ry n
als Funktion des Wandabstandes y beschrieben werden. Hierbei ist R der
Rohrradius und umax die größte im Rohrquerschnitt auftretende mittlere
Geschwindigkeit. Aus dieser Formulierung ergibt sich für das Verhältnis
aus der volumenstromäquivalenten mittleren Geschwindigkeit U und der
U 2n2
maximalen Geschwindigkeit umax die Beziehung umax = (n+1)(2n+1) .. . . . 65

Max Wilfinger, Robert Novak VI TU Graz, 2018


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6.3 Ermitteln Sie die Gleichung für den Verlustbeiwert ζD eines Diffusors für
inkompressibles Fluid als Funktion des Diffusorwirkungsgrades η und des
Verhältnisses A1 /A2 aus Ein- und Austrittsquerschnitt. Führen Sie dazu
die folgenden Schritte aus: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 66
6.4 Geben Sie drei charakteristische Eigenschaften der turbulenten Strömung
an! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 67
6.5 Erklären Sie das logarithmische Wandgesetz! . . . . . . . . . . . . . . . . 67
6.6 Die zeitlich gemittelte Impulsgleichung in x-Richtung kann für turbulente
Strömungen in folgender Form vorliegen! . . . . . . . . . . . . . . . . . . 67
6.7 Ein vollkommen raues Rohr (dimensionslose Rauigkeit kRs = 3 · 10−2 ) wird
von Wasser (ρ = 1000 kg/m3 und µ = 10−3 N s/m2 ) mit dem Volumen-
strom von 2 l/s durchströmt. Der Rohrinnendurchmesser (kreisförmiger
Querschnitt) sei 30mm. Die Rohrreibungszahl für vollkommen raue Roh-
re bei turbulenter Durchströmung ist gegeben durch die Gleichung von
Kármán mit √1λ = 1, 74 − 2 log kRs ! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 68
6.8 Nennen Sie ein Turbulenzmodell, dass die Funktion der mittleren Ge-
schwindigkeit beschreibt! Was sagt dieses Modell aus? . . . . . . . . . . . 69
6.9 Was ist die Wirbelviskosität? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70
6.10 Moody-Diagramm (Studienblätter) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 71
6.11 Ein dünnes Öl mit der Dichte ρ = 800kg/m3 und der dynamischen Vis-
kosität µ = 1, 865mP as wird durch eine gerade, horizontale Rohrleitung
mit d = 2R = 300mm Innendurchmesser mit 6, 3 km Länge gepumpt.
Die Rauigkeitshöhe der Rohrwandung sei innen ks = 1, 2mm. Der Volu-
menstrom des Öls durch das Rohr sei 220l/s. . . . . . . . . . . . . . . . . 71
6.12 In der wandnahen Zone ausgebildeter Turbulenz von turbulenten Rohr-
und Kanalströmungen wird die mittlere Strömungsgeschwindigkeit in Strö-
mungsrichtung parallel zur Wand durch das logarithmische Wandgesetz
u+ = κ1 ln y + + B beschrieben. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 72
6.13 Reynolds-Gleichungen für turbulente Strömungen! . . . . . . . . . . . . . 73

7 Grenzschichten 75
7.1 Die Impulsgleichungen in x- und y-Richtung lauten für eine ebene statio-
näre Strömung ohne Massenkräfte in kartesischen Koordinaten. . . . . . 75
7.2 Erläutern Sie anschaulich die physikalische Bedeutung der Verdrängungs-
dicke in der Grenzschichtströmung an einem umströmten Körper? . . . . 78
7.3 Gegeben ist die Blasius-Lösung! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 78
7.4 Betrachten Sie die Grenzschichtströmung in x-Richtung längs einer ebenen
Platte mit der Vorderkante bei x = 0! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 80
7.5 Unter welchen physikalischen Bedingungen kann eine Ablösung der Grenz-
schicht innerhalb einer Strömung auftreten? . . . . . . . . . . . . . . . . 81
7.6 Erläutern Sie den Aufbau einer wandnahen, turbulenten Strömung in
Wort und durch eine Skizze. Geben Sie ungefähr an, auf welche Berei-
che sich die dimensionslosen Schichten erstrecken! . . . . . . . . . . . . . 82

Max Wilfinger, Robert Novak VII TU Graz, 2018


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7.7 Erläutern Sie anschaulich die physikalische Bedeutung der Impulsverlust-


dicke in der Grenzschichtströmung an einem umströmten Körper! . . . . 82
7.8 Betrachten Sie die laminare Grenzschichtströmung längs einer ebenen
Platte deren Beschreibung durch √ die Blasiusfunktion f (η) bestimmt ist.
Die Stromfunktion lautet Ψ = νxU∞ f (η) . . . . . . . . . . . . . . . . . 82
7.9 Nennen Sie drei mögliche Bedingungen, die von einem Polynom zur Be-
schreibung eines Geschwindigkeitsprofils u(y) (oder u/U∞ (η) mit η = y/δ)
in einer Grenzschicht der Dicke δ erfüllt werden müssen, damit es sich zur
Verwendung mit dem Kármánschen Impulssatz eignet. . . . . . . . . . . 83
7.10 Der Kármánsche Impulssatz ist eine integrale Impulsbilanz für Grenz-
schichten. Er lautet: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 83
d
7.11 Gegeben sei der Kármánsche Impulssatz mit dx 2
(U∞ · δ · α) = ν·Uδ ∞ β! . . . 84
7.12 Erläutern Sie anschaulich die physikalische Bedeutung der Strömungs-
grenzschichtdicke an einem umströmten Körper. Welche Bedeutung hat
die Temperatur der Grenzschichtdicke? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 85
7.13 Eine ebene Platte werde von Luft stationär längs angeströmt. Die An-
strömgeschwindigkeit sei u = 10 m/s und die kinematische Zähigkeit der
Luft sei ν = 10−5 . Die Strömungsgrenzschicht, die stets längs der Platte
vorzufinden ist, wurde für laminare stationäre zweidimensionale
√ Strömung
von Blasius untersucht. Es hat die Stromfunktion Ψ = ν · x · U∞ · f (η)! 86
7.14 Die Skizze zeigt eine ebene Strömung längs einer einseitig benetzten Platte
bei Anströmung U∞ . Der Verlauf der an der Platte entstehenden Grenz-
schicht ist dabei qualitativ angegeben. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 87
7.15 Eine ebene Platte bewegt sich mit einer Geschwindigkeit 1, 5 m/s durch
ruhende Luft (ν = 1, 5 · 10−5 m2 /s, ρ = 1, 2 kg/m2 ), von der sie beidseitig
benetzt ist. Die Platte ist L = 1 m lang (in Bewegungsrichtung) und
B = 1 m breit (quer zur Bewegungsrichtung). Die Umströmung der Platte
soll als eben behandelt werden. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 89
7.16 In der Grenzschichtströmung in x-Richtung längs einer ebenen Platte mit
Vorderkante bei x = 0 sei das Profil der Geschwindigkeitskomponente u
in x-Richtung(bzw. des Verhältnisses u/U∞ ) innerhalb der Grenzschicht
durch das Polynom Uu∞ = g(η̃) = 2η̃−2η̃ 2 beschrieben. Hierbei ist η̃ = y/δ.
Mit Hilfe des Kármánschen Impulssatzes soll die Grenzschichtdicke δ als
Funktion der x-Koordinate längs der Platte bestimmt werden. Führen Sie
hierzu folgende Schritte aus: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 90

8 Grundzüge der Wärmeübertragung 92


8.1 Welche drei Arten von Wärmetransport gibt es? . . . . . . . . . . . . . . 92
8.2 Was versteht man unter Dissipation? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 93

Max Wilfinger, Robert Novak VIII TU Graz, 2018


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8.3 Die Dissipationsfunktion für inkompressible Newtonsche Medien ist Φµ =


h     i  2  2
2 ∂v 2 ∂w 2
2
2µ ∂u ∂x
+ ∂y
+ ∂z
+ ∂v
∂x
+ ∂u
∂y
+ ∂w
∂y
+ ∂v
∂z
+ ∂u
∂z
+ ∂w
∂x
+
 2
2 ∂u ∂v
3 ∂x
+ ∂y + ∂w
∂z
. Woran sehen Sie, dass diese Größe, die in der mecha-
h 2i      
d |~v | ~ ~ ~
nischen Energiegleichung ρ dt 2 = p ∇ · ~v − ∇ · p~v + ∇ · [τ · ~v ] −
   
~ v +ρ ~v · f~B auftritt, stets einen Verlust an mechanischer Energie
τ : ∇~
bedeutet? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 93

9 Wärmeleitung in Festkörpern und ruhenden Fluiden 94


∂T λ q̇Q
9.1 Die Wärmeleitungsgleichung in Temperaturform lautet ∂t = ρcp ∆T + ρcp . 94
9.2 Wie lautet die Fouriersche Wärmeleitungsgleichung und was sagt diese aus? 94
9.3 Zur Steigerung des über eine Wandoberfläche übertragene Wärmestromes
werden an der Oberfläche oft Kühlrippen angebracht. . . . . . . . . . . . 94
9.4 Wie ist der Gütegrad der Kühlrippen definiert? . . . . . . . . . . . . . . 95
9.5 Gegeben sei die Wärmeleitungsgleichung: . . . . . . . . . . . . . . . . . . 96
9.6 Ordnen Sie die Bi-Zahlen zu den 3 gegebenen Temperaturprofilen zu. Sind
diese Profile beim Aufheizen oder beim Abkühlen entstanden? . . . . . . 96
9.7 Instationäre Wärmeübertragungsprobleme, z.B. an Festkörpern, können
für so genannte punktförmige Systeme unter der Annahme behandelt wer-
den, dass die Temperatur der Festkörper räumlich konstant ist. . . . . . . 97
9.8 Definition der Wärmedurchgangszahl! Von welchen Größen hängt sie ab? 98
9.9 Betrachten Sie die Troposhäre der Erde als ein eindimensonales stati-
sches System mit Wärmeleitung, dass Sie mit kartesischen Koordinaten
beschreiben dürfen. Durch die Zustrahlung von Energie von der Sonne ha-
be die Luft am Erdboden eine Temperatur von T0 = 293 K. Dort herrscht
ferner der Druck p0 . Am Rand der Troposhäre, in einer Höhe von 16km
über dem Erdboden, herrsche die Temperatur TH = −70◦ C. Die spezifi-
sche Gaskonstante der Atmosphärenluft, die Sie als ideales Gas behandeln
sollen, hat den Wert R = 287 J/kgK. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 99
9.10 Die innere Oberfläche eines kreiszylinder Rohres mit den Abmessungen
wie in der Skizze angegeben werde durch ein geeignetes Verfahren auf der
Temperatur T1 gehalten. An der äußeren Oberfläche herrsche die Tempe-
ratur T2 . Die eindimensionale Wärmeleitungsgleichung lautet in Kugelko-
ordinaten: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 102
9.11 Die Energiegleichung kann in dimensionsbehafteter Form für eine sta-
tionäre zweidimensionale Strömung
 ohne innere  Wärmequelle folgender-
∂T ∂T ∂p ∂p
maßen geschrieben werden: ρcp u ∂x + v ∂y = u ∂x + v ∂y + Φµ + λ∆T .
Dabei habe das im vorliegenden hProblem
 zu beschreibende i Fluid folgende
2
 
2 2
  2
Dissipationsfunktion Φµ = 2µ ∂u∂x
+ ∂y∂v
+ ∂w∂z
+ ∂x ∂v
+ ∂u
∂y
+
 2 2 2 ∂u ∂v ∂w 2
 
∂w
∂y
+ ∂v
∂z
+ ∂u
∂z
+ ∂w
∂x
+ 3 ∂x + ∂y + ∂z . . . . . . . . . . . . . . . 103

Max Wilfinger, Robert Novak IX TU Graz, 2018


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9.12 Ist es für einen Pizzaboten günstiger, möglichst schnell zu fahren, damit
wenig Zeit vergeht oder möglichst langsam zu fahren, damit ein geringer
Wärmestrom übertragen wird, um die Pizza möglichst warm beim Kun-
den abzuliefern? Der Karton kann als ebene, an beiden Seiten benetzte
Platte in laminarer Grenzschichtströmung betrachtet werden. Er ist ein
punktförmiges System. T0 zur Zeit t = 0, ap , λp , Dicke= 2h, quadratische
Fläche L · L, Lufttemperatur TL , λ, ν, √
konstante Fahrgeschwindigkeit U∞ ,
Fahrstrecke B, a ist proportional zu ReL und Temperaturdifferenz ist
proportional zu e−F oBi . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 104
9.13 Eine ebene Platte der Dicke 2h = 20 mm und der Anfangstemperatur
220◦ C werde zur Zeit t = 0 in ein Ölbad der konstanten Temperatur
TF = 40◦ C eingebracht. Die Wärmeübergangszahl zwischen Öl und Platte
beträgt α = 40 W/m2 K. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 104
9.14 Der Gütegrad einer Kühlrippe wurde in der Vorlesung hergeleitet. Er ist
mλAQ Θ1 tanh(mL)
gegeben durch die Gleichung ηb = αAQ Θ1
, wobei die Rippen-
q
αU
kennzahl m = λA Q
(Umfang U und Flächeninhalt AQ des Rippenquer-
schnitts) und L die Länge der Rippe in Richtung der Wärmeleitung ist.
Vergleichen Sie zwei Rippenquerschnittsformen mit gleichem Flächenin-
halt des Querschnitts: einen Kreisquerschnitt mit dem Durchmesser D
und einen quadratischen Querschnitt. Die Rippen sollen gleich lang sein,
aus demselben Material bestehen und Wärme an die Umgebung mit der
gleichen Übertragungszahl α übertragen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . 106

10 Konvektiver Wärmeübergang 107


10.1 Temperaturfelder bei konvektiver Wärmeübertragung in dimensionsloser
Form sind im allgemeinen Funktionen Θ∗ = f (~x∗ , ∇ ~ ∗ p∗ , Re, P r, Gr, Ec)! . 107
10.2 Wie groß ist α in einer thermisch entwickelten Strömung? . . . . . . . . . 108
10.3 Leiten Sie die Nu-Zahl aus der Wärmestromdichte her und skizzieren Sie
das fluidseitige Temperaturprofil in Wandnähe. Geben Sie auch ihre phy-
sikalische Bedeutung an. Wie groß ist die Nu-Zahl bei Konvektion? Wovon
ist diese abhängig? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 108
10.4 Erläutern Sie mit Worten die Aussage der thermischen Energiegleichung
und geben Sie dabei die Bedeutung der einzelnen Terme an. Wandeln
Sie die Gleichung für den Fall reiner Wärmeleitung in Temperaturform
um. Hierzu sei die Enthalpie durch den Ansatz h = cp T zu beschreiben.
Bedenken Sie dabei, dass bei reiner Wärmeleitung offenbar ruhendes Fluid
vorliegt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 109
10.5 Skizzieren Sie den hydrodynamischen und den thermischen Anlauf. Was
∂ TW (x)−T (r,x)
folgt aus der Gleichung ∂x TW (x)−Tm (x)
= 0 für α? Was gilt für qW =konstant
E
und TW =konstant? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 110

Max Wilfinger, Robert Novak X TU Graz, 2018


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10.6 Die Nusselt-Zahl für


√ den lokalen Wärmeübergang an einer ebenen Platte
1
lautet N u = 0, 332 ReP r . Bestimmen Sie hieraus die über die Platten-
3

länge L gemittelte Wärmeübergangszahl ᾱ(x)? . . . . . . . . . . . . . . . 112


10.7 Wird das Verhältnis der Dicken der Temperaturgrenzschicht und der Strö-
mungsgrenzschicht mit kleiner werdender Pr-Zahl des Fluids größer oder
kleiner? Begründen Sie Ihre Antwort! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 112
10.8 Bei thermisch ausgebildeter Strömung durch ein Rohr kann im Fall, dass
die durch die Wand zugeführte Wärmestromdichte konstant ist, die mitt-
lere Fluidtemperatur als Funktion der Koordinate x in Strömungsrichtung
leicht angegeben werden. Notieren Sie die Gleichung und erklären Sie dar-
in vorkommende Größen! Welche Form hat die Gleichung für Tm (x), für
den Fall konstanter Wandtemperatur? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 113
10.9 Bei welcher Art konvektiver Strömung ist die Grashofzahl von Bedeu-
tung: bei freier oder bei erzwungener Konvektion? Das Verhältnis welcher
beiden Kräfte gibt die Grashofzahl an? In welcher Grundgleichung der
Kontinuumsmechanik tritt die Grashofzahl in Erscheinung? . . . . . . . . 113

11 Ungelöste Mysterien der Strömungslehre 114


11.1 Gegeben ist die Bewegungsgleichung. Erklären Sie die Terme. . . . . . . . 114
11.2 Die Grenzschicht längs der Oberfläche eines umströmten Körpers ist eine
Zone in der die Werte von physikalischen Größen vom Wert an der Wand
in den Wert in der Außenströmung übergehen. . . . . . . . . . . . . . . . 114
11.3 Wie lautet das Axiom, dass der Aussage der Kontinuitätsgleichung zu-
grunde liegt? Gibt es einen Beweis für seine Richtigkeit? . . . . . . . . . 114
11.4 Bestimmen Sie die Stromfunktion Ψ der Hagen-Poiseuilleschen Rohrströ-
mung nach dem folgenden Vorgehen: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 114
11.5 Über eine ebene Platte der Länge L in Anströmrichtung x und der Breite
B quer dazu (in z-Richtung) soll bei einseitig benetzender zweidimensio-
naler Anströmung mit der Geschwindigkeit U∞ Wärme übertragen wer-
den. Die Temperaturdifferenz (TW − T∞ ) liegt fest. Ist es zur Verdopplung
des Wärmestromes durch Vergrößerung der Platte bei sonst konstanten
Bedingungen im Hinblick auf den Aufwand an Plattenmaterial günstiger,
die Länge der Platte (in Anströmrichtung) oder ihre Breite quer zur An-
strömungrichtung zu vergrößern? Hierbei soll die Umströmung als laminar
vorausgesetzt werden. Begründen Sie Ihre Antwort. . . . . . . . . . . . . 114
11.6 Ein Massenpunkt bewegt sich mit der folgenden Geschwindigkeit durch
ein ebenes kartesisches Feld der skalaren Größe A(t, x, y). Wie groß ist die
substantielle Ableitung der Größe A, die der Massenpunkt sieht? . . . . . 114
11.7 Welcher physikalische Vorgang in Fluiden ist die Ursache dafür, dass es im
Tensor τji der bewegungsbedingten Spannungen jeweils drei Komponenten
mit gleichem i gibt (also z.B.: für i = x die Komponenten τxy , τyz und τzx )?115
11.8 Eine ebene stationäre Potentialströmung sei aus einer Quelle (WQ (z) =


ln az ) und einem Potentialwirbel (WP W (z) = −i 2π
Γ
ln az ) zusammengesetzt.115

Max Wilfinger, Robert Novak XI TU Graz, 2018


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11.9 Eine Flüssigkeit mit der dynamischen Viskosität µ = 18, 3 mP as und


der Dichte ρ = 1320 kg/m3 strömt durch ein horizontales Kreisrohr mit
Radius R = 4 cm. Ab welchem Wert des Druckgradienten dp/dz wird
die Strömung von laminarer auf turbulente Strömungsform umschlagen?
(Hilfestellung: Im laminaren Profil der Geschwindigkeitskomponente in
Achsenrichtung des Rohres, u(r), ist die größte Gesschwindigkeit gegeben
als umax = −(1/4µ)(dp/dz)R2 ) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 115
11.10Navier-Stokes-Gleichungen in Prandtlscher Grenzschichtform für ebene
Strömungen lauten: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 115
11.11Thermisch ausgebildete Rohrströmung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 115
11.12Durch einen Modellversuch soll der Strömungswiderstand eines grossen
Körpers ermittelt werden. Der Modellkörper hat nur 1/5 des Durchmes-
sers. Das Strömungsmedium ist das gleiche. . . . . . . . . . . . . . . . . 116
11.13Couette Strömung → Stromfunktion Ψ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 116
11.14Die Rohrreibungszahl λ wird in dem sogenannten Moody-Diagramm dar-
gestellt. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 116
11.15Die Potentialströmung um einen Kreiszylinder mit Zirkulation ist zu be-
trachten. Der Radius des Zylinders sei R. . . . . . . . . . . . . . . . . . . 116
2
11.16Prüfen Sie die Gleichung ∂u ∂t
= v ∂∂yu2 auf Korrektheit der Dimensionen.
Beschreiben Sie, welche Dimensionen die linke und die rechte Seite der
Gleichung haben. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 117
11.17Betrachten Sie die einsetzende laminare entwickelte Strömung zwischen
zwei senkrecht stehenden, unendlich großen ebenen Platten im Abstand
2H = 1, 5 cm, wie sie in der Vorlesung behandelt wurde. Die Strömung
ist instationär, das Fluid ist anfangs in Ruhe und lange Zeit nach Ein-
setzen der durch Gravitation getriebenden Bewegung konvergiert das Ge-
schwindigkeitsprofil gegen eine parabolische Form. Für diese Strömung sei
gegeben, dass die Geschwindigkeit in Kanalmitte nach der dimensionslo-
sen Zeit τ = vt/H 2 = 0, 94 genau 90% der nach sehr langer Zeit sich
einstellenden Endgeschwindigkeit erreicht hat. . . . . . . . . . . . . . . . 117
11.18Welche beiden Energien können zwischen der mechanischen und der ther-
mischen Energieform ausgetauscht werden? Welcher der beiden Austausch-
vorgänge ist reversibel, welcher irreversibel? Zur Beantwortung dieser Fra-
ge müssen Sie an Terme denken, die sowohl in thermischer, wie auch in
der mechanischen Energiegleichung vorkommen. . . . . . . . . . . . . . . 117
11.19. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 117
11.20Erläutern Sie die Rechnung, die für ein bestimmtes durchströmtes Rohr
konstanter Wandtemperatur zur Beschreibung eines übertragenen Wär-
mestroms durch die mittlere logarithmische Temperaturdifferenz zwischen
Eintritts- und Austrittszustand führt. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 117
11.21Notieren Sie die Gleichung des totalen Differentials. . . . . . . . . . . . . 117

Max Wilfinger, Robert Novak XII TU Graz, 2018


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11.22Bei Flüssigkeiten mit freier Oberfläche, die wie starre Körper in einem ro-
tierenden Behältnis mitrotieren, stellt sich die Form der Oberfläche derart
ein, dass ihre lokale Höhe über dem Biden des Behältnisses dem statischen
Druck in der Flüssigkeit entspricht. Das Differentialgleichungssystem zur
Ermittlung der Druckverteilung in der Flüssigkeit lautet bei rotations-
symmetrischen Behältnissen wie folgt. Hieraus ergibt sich die Form der
2 2
freien Oberfläche zu zF = h0 + ω2gr . Zeigen Sie, dass der Kraftvektor auf
der rechten Seite des obigen Gleichungssystems an jedem Punkt der freien
Flüssigkeitsoberfläche senkrecht auf der Oberfläche steht. . . . . . . . . . 118
11.23Betrachten Sie die Hagen-Poiseuillesche Rohrströmung durch ein Rohr
mit Durchmesser d = 2R. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 118
11.24Betrachten Sie die ebene lamniare Grenzschichtströmung an einer ebe-
nen
√ Platte. Für diese Strömung hat Blasius die Stromfunktion Ψ(x, y) =
U∞ vxf (η) hergeleitet, worin f (η) die Blasius-Funktion
p ist und die Ähn-
lichkeitskoordinate η durch die Beziehung η = y U∞ /vx definiert ist
(x-Achse in der Plattenebene in Strömungsrichtung). . . . . . . . . . . . 119
11.25Gegeben war ein Skizze mit den Maßen einer Couette-Strömung (mit U
und h und dem Koordinatensystem). Mit dem Wissen der Geschwindig-
keitsfunktion sollte die Stromfunktion für diese Strömung berechnet wer-
den. Was bedeutet dabei die Integrationskonstante die Sie durch die Be-
rechnung erhalten haben, wenn angegeben ist, dass die Stromfunktion im
Ursprung (bei x = 0 und y = 0) den Wert null hat? . . . . . . . . . . . . 119
11.26Betrachten Sie den konvektiven Wärmeübergang an ein Fluid, das durch
ein gerades Rohr gegebener Geometrie fließt. Das Fluid sei gegeben, und
es fließt mit einem bestimmten Massenstrom und einer bestimmten Ein-
trittstemperatur Tein in das Rohr ein. Am Ende des Rohres tritt es mit
einer erhöhten Temperatur Taus wieder aus. Wie verändert sich diese Aus-
trittstemperatur bei Erhöhung des Fluidmassenstromes (steigt oder sinkt
sie?), wenn die Wärme . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 119
11.27Das Geschwindigkeitsprofil
h der Hagen-Poiseuilleschen Rohrströmung lau-
dp R2
i
r 2
tet u(r) = − dz 4µ 1 − R . Wie groß ist die Wandschubspannung, die
bei dieser laminaren Strömung höchstens (also bei Re = U D/ν = 2300
auftreten kann? Bedenken Sie hierbei, dass die volumenstromäquivalente
dp R2
mittlere Geschwindigkeit U = − dz 8µ
ist. Der Rohrdurchmesser ist D = 2R.120

Max Wilfinger, Robert Novak XIII TU Graz, 2018


1 Grundzüge der Beschreibung von Fluiden und Strömungen

1 Grundzüge der Beschreibung von Fluiden und


Strömungen
1.1 Erläutern Sie den Unterschied zwischen einem Festkörper und einem Fluid
bei Einwirkung von Scherkräften. Was können Sie dabei speziell über die
Verformung aussagen?
Fluid
Materie, die sich unter Einfluss von Scherkräften unbegrenzt verformt. Der Be-
griff Fluid dient als Oberbegriff für Gase und Flüssigkeiten. Die zur Verformung
eines flüssigen Körpers notwendigen Scherkräfte gehen gegen null, wenn die Verfor-
mungsgeschwindigkeit gegen null geht. Die Kraft ist proportional zur Geschwindig-
keit mit der die Platte gezogen wird. Es besteht keine Relation zwischen Scherkraft
und Auslenkung.

U
τ =µ· = µ · γ̇
h
da
mit U =
dt

Festkörper
Bei einem Festkörper gehen die zu einer bestimmten Verformung notwendigen
Kräfte gegen null, wenn die Verformung gegen null geht.

a
τ =G· =G·γ
h

Max Wilfinger, Robert Novak 12 TU Graz, 2018


1 Grundzüge der Beschreibung von Fluiden und Strömungen

1.2 Was ist die Aussage der Kontinuumshypothese?


Sie ist ein mathematisches Modell für Körpereigenschaften.

Kontinuum
System aus Teilchen, jedes Teilchen ohne Ausdehnung, keine Zwischenräume zwi-
schen den Teilchen

Jedem Massenpunkt des Kontinuums können durch Grenzbildung (∆V → 0)...

• eine Dichte,

• ein Spannungsvektor aus Oberflächenkräften und

• ein Volumenkraftvektor

zugewiesen werden. Das bedeutet auch, dass jedem Massenpunkt ein Raumpunkt zuge-
ordnet werden kann.

1.3 Wie sind die Geschwindigkeitsvektoren in einem Strömungsfeld relativ zu den


Stromlinien orientiert? Wie lautet die DGL der Stromlinie?
Die Geschwindigkeitsvektoren sind tangential an die Stromlinien orientiert. Differential-
gleichung der Stromlinie:
~v × d~x = 0
   
u dx
mit ~v = v
  und d~x = dy 

w dz

1.4 Wie ist in einem ebenen Strömungsfeld die Drehung definiert? Welchen Wert
hat sie in einer Couette-Strömung (Plattenabstand h, Geschwindigkeit der
bewegten Platte U )?
Die Drehung in einem ebenen Strömungsfeld ist durch den Wirbelvektor definiert:

 
1~ 1 u
~ = ∇ × ~v = rot~v
w ~v =
2 2 v
Couette Strömung:
∂    
1~ 1 ∂x u 1 ∂v ∂u
~ = ∇ × ~v =
w ∂ × = −
2 2 ∂y v 2 ∂x ∂y

∂v
=0 

∂x
 1U
w=−
∂u U 2h
= 
∂y h

Max Wilfinger, Robert Novak 13 TU Graz, 2018


1 Grundzüge der Beschreibung von Fluiden und Strömungen

1.5 Erläutern Sie die folgende Begriffe:


a) stationäre Strömung
Die Strömung (Dichte, Geschwindigkeit, . . . ) ändert sich nicht mit der Zeit. Dabei
sind Bahnlinie und Stromlinie deckungsgleich.

=0
∂t
b) hydraulisch ausgebildete Strömung
Das Geschwindigkeitsprofil ändert sich in Strömungsrichtung nicht.

∂~v
=0
∂~x
c) thermisch ausgebildete Strömung
Das Temperaturprofil ändert sich in Strömungsrichtung nicht.
∂T
=0
∂~x
d) ebene Strömung
Die Strömung ist 2-Dimensional.

=0
∂z
e) Potentialströmung
Die Reynolds-Zahl ist sehr groß. Die Zähigkeitskräfte können gegenüber den Träg-
heitskräften vernachlässigt werden ⇒ reibungsfreie Strömung. Die Potentialströ-
mung ist unter den reibungsfreien Strömungen der drehungsfreie Sonderfall.
rot~v = 0 und div~v = 0

1.6 Was ist eine Feldgröße und durch welche beiden Betrachtungsweise kann
diese dargestellt werden?
Eine Feldgröße ist eine physikalische Größe und lässt sich als Funktion von Ort und
Zeit darstellen. Man kann sie mittels Lagrangescher oder Eulerscher Betrachtungsweise
darstellen.
Lagrangesche Betrachtungsweise
Darstellung der Feldgröße für einen Massenpunkt als Funktion der Zeit.

~ t)
ρ = ρ(ξ,
Eulersche Betrachtungsweise
Diese beschreibt die Änderung einer Feldgröße in einem festen Raumpunkt mit der
Zeit.

ρ = ρ(~x, t)

Max Wilfinger, Robert Novak 14 TU Graz, 2018


1 Grundzüge der Beschreibung von Fluiden und Strömungen

1.7 Wie lautet die mathematisch substantielle Ableitung einer physikalischen


Größe, die von 3 Raumkoordinaten und der Zeit abhängt? Notieren Sie die
Gleichung für diese Ableitung in kartesischen Koordinaten.
Aufgrund der Funktionsdarstellung
~ t) = ψ(ξ(~
ψ = ψ(ξ, ~ x, t), t) = ψ(~x, t)

ist ψ (. . . Physikalische Größe in einem Massenpunkt) implizit rein von der Zeit abhängig
und die Ableitung dψ dt
wird als substantielle Ableitung bezeichnet.
Durch Anwendung der Kettenregel auf ψ(~x, t) = ψ(x(t), y(t), z(t), t) folgt

dψ ∂ψ ∂ψ dx ∂ψ dy ∂ψ dz
= + + +
dt ∂t ∂x dt ∂y dt ∂z dt

da ~x die Teilchenbahn ist und somit ~x˙ = ~v , folgt


dψ ∂ψ ~ · ψ)
= + (~v · ∇
dt ∂t | {z }
∗∗∗
|{z} |{z}
∗ ∗∗

∗ = Veränderung von ψ im Massenpunkt bzw. längs der Teilchenbahn


∗∗ = zeitliche Veränderung der Größe ψ im gerade deckungsgleichen Raumpunkt
=
b lokale Ableitung
∗ ∗ ∗ = Veränderung von ψ im Massenpunkt aufgrund seiner Bewegung mit der
Geschwindigkeit ~v =
b konvektive Ableitung

1.8 Erklären Sie anschaulich die Volumenkräfte auf das Kontinuum?


Volumenkräfte
Auf den Körper kann aufgrund seiner räumlichen Ausdehnung eine Kraft wirken
(z.B. Gewichtskraft), die durch Kraftfelder im Raum entsteht. Allgemein gilt:

F~ B = m · f~B

Übertragung auf das Kontinuum


Dem Schnittvolumen ∆V kann eine Volumenkraft ∆F~ B zugeordnet werden. Wenn
∆V → 0 (bzw. ∆m → 0), dann ist auch ∆F~ B → 0 und der Grenzwert existiert:

∆F~ B
f~B = lim
∆m→0 ∆m

Jedem Massenpunkt kann ein Volumenkraftvektor zugeordnet werden (z.B. Erd-


beschleunigung)

Max Wilfinger, Robert Novak 15 TU Graz, 2018


1 Grundzüge der Beschreibung von Fluiden und Strömungen

1.9 Erläutern Sie die Impulsgleichung in Worten und deren Aussage?


Studienblätter ’Equation of motion’ integral form
Z Z Z Z Z Z Z

(ρ~v ) dV + ρ~v (~v · ~n) dO = −p~n dO+ τ~x nx dO+ τ~y ny dO+ τ~z nz dO+ ρf~B dV
∂t
V O O O O O V

Die zeitliche Änderung des Impulses eines Körpers ist die Summe der am Körper angrei-
fenden Oberflächen- und Volumenkräfte.
      X
Zeitliche Änderung des Impulses austretender eintretender
+ − = F~
im Inneren des Kontrollvolumens Impulsfluss Impulsfluss

1.10 Geben Sie an...


a) Definition Fluid
Ein Fluid hat charakteristische Eigenschaften die durch Wechselwirkungen zustan-
de kommen und mittels Kontinuumshypothese beschrieben werden.
• Ein Fluid ist ein Kontinuum
• Ein Fluid kann in Ruhe keine Schubspannungen aufnehmen
• Man unterscheidet zwischen
1. Flüssigkeiten (intermolekulare Wechselwirkungen)
2. Gasen (keine intermolekularen Wechselwirkungen)

b) Zähigkeit / Viskosität
Schubspannung kann nur so lange wirken, wie die Platte in Bewegung ist, da die
Schubspannung abhängig vom Geschwindigkeitsgradienten τ = µ ∂u ∂y
ist. Wenn die
Zähigkeit µ konstant ist, dann handelt es sich um ein Newtonsches-Fluid. Physi-
kalische Ursache für die Zähigkeit:
• Flüssigkeit: Wechselwirkungskräfte leisten der Verschiebung Widerstand. Je
wärmer die Flüssigkeit, desto stärker die Bewegung der Moleküle, welche hilft,
die Kräfte zu überwinden.

T ↑µ↓ bei Flüssigkeiten

• Gas: Die Moleküle bewegen sich regellos in alle Richtungen. Querbewegungen


lösen Schubspannungen aus. Mit steigender Temperatur steigt die Querbewe-
gung.
T ↑ µ ↑ bei Gasen

Max Wilfinger, Robert Novak 16 TU Graz, 2018


1 Grundzüge der Beschreibung von Fluiden und Strömungen

c) Grenzflächenspannung
Die intermolekularen Kräfte für die Teilchen im Inneren der Flüssigkeit sind im
Gleichgewicht. An der Oberfläche entsteht aber eine resultierende Kraft in die
Flüssigkeit hinein. Die Grenzflächenspannung muss experimentell bestimmt wer-
den und hängt von der Paarung der Materialien ab. Wenn die Grenzfläche A um
∆A vergrößert wird, müssen Teilchen an die Oberfläche gebracht werden → Zufuhr
potentieller Energie ∆E.

Man definiert  
∆E N
σ = lim
∆A→0 ∆A m

als Grenzflächenspannung. Die Dimension ist, Energie pro Fläche.

1.11 Definieren Sie...


a) Teilchenbahn (=Bahnlinie)
Bewegung eines Massenpunktes wird durch folgende Vektorgleichung beschrieben:
~ t)
~x = ~x(ξ,

Die Menge aller dieser Raumpunkte ist die Bahn des Massenpunktes mit der An-
fangsposition ξ~ (Teilchenbahn). Jedem Massenpunkt kann zu jedem Zeitpunkt ein
Geschwindigkeitsvektor zugeordnet werden.

~ t) := d~x
~v (ξ,
dt

b) Stromlinie
Stromlinien sind Kurven, deren Tangentialrichtungen mit den Richtungen der Ge-
schwindigkeitsvektoren gleich sind. Die Differentialgleichung der Stromlinie ist de-
finiert als
~v × d~x = 0

Max Wilfinger, Robert Novak 17 TU Graz, 2018


1 Grundzüge der Beschreibung von Fluiden und Strömungen

1.12 Welche drei Arten von Kontrollvolumen können in der Strömungsmechanik


zur Herleitung der Grundgleichungen herangezogen werden?
Axiome

• Masse kann weder erzeugt noch vernichtet werden


• Die zeitliche Änderung des Impulses (Masse × Geschwindigkeit) eines Körpers
ist gleich der Summe der am Körper angreifenden Kräfte
• Die zeitliche Änderung der inneren und kinetischen Energie eines Körpers ist
gleich der Leistung der am Körper wirkenden Kräfte
Axiome werden angewandt auf den Körper, herausgeschnitten aus dem Kontinuum
⇒ Kontrollvolumen.
Differentielles Kontrollvolumen
Quaderförmiger, raumfester Körper mit den Kantenlängen ∆x, ∆y, ∆z. Es gehen
∆x, ∆y, ∆z → 0 ⇒ Grenzübergang zu Massenpunkt.

Raumfestes, makroskopisches Kontrollvolumen


Raumfester Körper mit konstantem Volumen (V = konstant). Gestalt des Körpers
verändert sich nicht mit der Zeit, Das Kontrollvolumen ist ein offenes System in
das Massenpunkte aufgrund ihrer Bewegung ein- und austreten.

Bewegtes Kontrollvolumen
Ist ein geschlossenes System und besteht immer aus denselben Massenpunkten. Es
ist kein Massenfluss über die Systemgrenze des Kontrollvolumens möglich.

Max Wilfinger, Robert Novak 18 TU Graz, 2018


1 Grundzüge der Beschreibung von Fluiden und Strömungen

1.13 Geben Sie das Reynoldsche Transporttheorem an und interpretieren Sie die
einzelnen Terme in der Gleichung?
Z Z Z
d ∂ψ
ψ dV = dV + (ψ~v · ~n) dO
dt ∂t
V (t) V (t) O(t)
| {z } | {z } | {z }
∗ ∗∗ ∗∗∗

Z
∗ = Gesamtänderung von ψ dV über die Zeit (analog substantieller Ableitung)
Z
∗∗ = Änderung von ψ dV in dem raumfesten Volumen, welches aktuell von den

Massenpunkten über die Oberfläche aufgespannt wird (analog zur lokalen Ableitung)
Z
∗ ∗ ∗ = Änderung von ψ dV aufgrund der Bewegung der Massenpunkte über die

Oberfläche des momentan raumfesten Volumens (analog zur konvektiven Ableitung)

1.14 Erläutern Sie den Begriff der Drehung in einer Fluidbewegung. Wie kann die
Bewegung in einem quadratischen Fluidelement veranschaulicht werden?
Wie groß ist die Drehung bei Potentialströmung?
Die Verdrehung entsteht durch die Verformung des Fluidteilchens und wird als Mittel-
wert der Verdrehungen dγ1 und dγ2 definiert. Die Verdrehung ist entweder w 6= 0 oder
w = 0. Die Potentialströmung ist immer drehungsfrei!

Fall 1: w = 0
∂v ∂u
= 0, =0
∂x ∂y
Fall 2: w = 0
∂v ∂u
= , dγ1 = −dγ2
∂x ∂y
Fall 3: w 6= 0
∂v ∂u
dγ1 ≈ tan dγ1 ≈ dt, − dγ2 ≈ − tan dγ2 ≈ dt
∂x ∂y
 
1 1 ∂v ∂u 1
w = (γ˙1 + γ˙2 ) = − = rot~v
2 2 ∂x ∂y 2

Max Wilfinger, Robert Novak 19 TU Graz, 2018


1 Grundzüge der Beschreibung von Fluiden und Strömungen

1.15 Erläutern Sie anschaulich die Deformation eines Fluidteilchens?


Das Teilchen wird durch Geschwindigkeitsunterschiede in den Eckpunkten verformt. Da-

bei beträgt die Verformung des Punktes D in x-Richtung:

   
∂u ∂u ∂u ∂u
ddx = dx + u + dx + dy dt − udt − dx = dx + dy dt
∂x ∂y ∂x ∂y

sowie in y-Richtung:
   
∂v ∂v ∂v ∂v
ddy = dy + v + dx + dy dt − vdt − dy = dx + dy dt
∂x ∂y ∂x ∂y

Als Folge der Verformung entsteht ebenfalls eine Verdrehung, welche als Mittelwert der
Verdrehungen dγ1 und dγ2 definiert ist:
∂v
∂x
dxdt ∂v
dγ1 ≈ tan(dγ1 ) = ≈ · dt
dx + ∂u
∂x
dxdt ∂x
| {z }
klein
∂u
∂y
dydt ∂u
−dγ2 ≈ tan(dγ2 ) = − ∂v
≈ · dt
dy + ∂y dydt ∂y
| {z }
klein

Daraus folgt, dass sich eine Verformung als Überlagerung einer Verzerrung und Verdre-
hung beschreiben lässt.

Max Wilfinger, Robert Novak 20 TU Graz, 2018


1 Grundzüge der Beschreibung von Fluiden und Strömungen

∂v ∂u
1.16 Drehungsfreie ebene Strömungen erfüllen die Forderung ∂x
− ∂y
= 0!
a) Auf welche beiden Arten kann diese Forderung in einem ebenen Strömungsfeld
realisiert werden?

∂v ∂u
Fall 1: = =0
∂x ∂y
∂v ∂u
Fall 2: = 6 0
=
∂x ∂y

b) Skizzieren Sie je ein einfaches Strömungsfeld für beide Arten!

Max Wilfinger, Robert Novak 21 TU Graz, 2018


2 Grundgleichungen der Kontinuumsmechanik

2 Grundgleichungen der Kontinuumsmechanik


2.1 Erläutern Sie mit Worten die Aussage der Energiegleichung und erläutern Sie
die darin vorkommenden Terme und Größen. Welche Energieformen
bilanziert die Gleichung?
Studienblätter Teil 2 ’Equation of total energy’ integral form
Die zeitliche Änderung der gesamten Energie im Inneren des Kontrollvolumens:
~v 2
Z  

ρ e+ dV
∂t 2
V

= der Energiefluss über die Oberfläche des Kontrollvolumens:

~v 2
Z  
− ρ e+ (~v · ~n) dO
|{z} 2 | {z }
∗ O ∗∗

∗ . . .negatives Vorzeichen damit austretender Energiefluss eine Abnahme im Inneren bewirkt.


∗ ∗ . . .Anteil, der durch die Oberfläche des Kontrollvolumens tritt
+ Leistung der angreifenden Kräfte (Kraft · Geschwindigkeit):
Z Z Z
(ρ~v · f~B ) dV − (p~v · ~n) dO + (~v · ~τ ~n) dO
V O O

+ übertragene Wärmeleistung:
Z

|{z} (~q · ~n) dO
∗ O

∗ . . . zugeführter Wärmestrom zeigt dem Normalvektor entgegen


+ Wärmestrom aus inneren Wärmequellen:
Z
q̇Q dV
V

In Worten:
 
Energie-    
austretender eintretender
 änderung  + − =
Energiestrom Energiestrom
im Inneren
   
Leistung übertragene Wärme-
der äußeren +  leistung durch Leitung 
Kräfte und innere Wärmequellen

Max Wilfinger, Robert Novak 22 TU Graz, 2018


2 Grundgleichungen der Kontinuumsmechanik

2.2 Wie lautet die differentielle Form der Kontinuitätsgleichung in kartesischen


Koordinaten? Wie lautet physikalische Aussage dieser Gleichung?

∂ρ ~ · ρ~v ) = 0
+ (∇
∂t
oder:
∂ρ ∂ρu ∂ρv ∂ρw
+ + + =0
∂t ∂x ∂y ∂z
wenn ρ = konst . . . inkompressibel
∂ρu ∂ρv ∂ρw
+ + =0
∂x ∂y ∂z

Masse kann weder erzeugt noch vernichtet werden!


In Worten:
     
Zeitliche Änderung der Massen- Massen-
+ − =0
Masse des Kontrollvolumens abfluss zufluss

2.3 Erklären Sie den Gaußschen Integralsatz an dem Überführen einer integralen
Größe in eine differentielle (Kontinuitätsgleichung)!
Anwendung des Gaußschen Integralsatzes (A~ beliebiger Vektor)
Z Z
~
(A · ~n) dO = (∇ ~ · A)
~ dV
O V

auf die integrale Darstellung


Z Z
∂ρ
dV + (ρ~v · ~n) dO = 0
∂t
ZV ZO
∂ρ ~ · ρ~v ) dV = 0
dV + (∇
∂t
V V
Z  
∂ρ ~
+ (∇ · ρ~v ) dV = 0
∂t
V

Da das Integrationsgebiet beliebig ist, muss der Integrand identisch null sein, um die
Gleichung zu erfüllen:
∂ρ ~ · ρ~v ) = 0
+ (∇
∂t
⇒ Integrale und differentielle Darstellung der Kontinuitätsgleichung sind äquivalent,
und damit alle Darstellungen gleichwertig.

Max Wilfinger, Robert Novak 23 TU Graz, 2018


2 Grundgleichungen der Kontinuumsmechanik

2.4 Herleitung der Kontinuitätsgleichung am bewegten Kontrollvolumen?


Es gilt:
Z
d
ρ dV = 0
dt
V (t)

Anwendung des Reynoldschen Transporttheorems

Z Z Z
d ∂ρ
ρ dV = dV + (ρ~v · ~n) dO = 0
dt ∂t
V V O
Z Z
∂ρ
dV + (ρ~v · ~n) dO = 0
∂t
V O

Das Kontrollvolumen besteht immer aus denselben Massenpunkten (Masse des


Kontrollvolumens bleibt unverändert).

2.5 Erläutern Sie anschaulich die physikalischen Vorgänge des Transports von
Impuls in x-Richtung, die in der Impulsgleichung durch die
Spannungskomponenten τxx , τxy und τxz wiedergegeben sind.
τxx , τxy und τxz sind bewegungsindizierte Schubspannungen. Die durch den Druck ver-
ursachten Schwellspannungen
 sind hier bereits abgezogen.
∂τxx ∂τyx ∂τzx
Der Term ∂x + ∂y + ∂x entspricht dem Impuls der durch bewegungsindizierte
Wechselwirkungen zwischen den Molekülen nach folgenden Gesetz entsteht:

τ = µ · γ̇

µ . . . Zähigkeit
γ̇ . . . Verformungsgeschwindigkeit

∂p dp ∂p
2.6 Kann in einem Strömungsfeld ∂t
= 0 sein, wenn dt
6= 0 ist? Kann ∂t
6= 0 sein,
wenn dp
dt
= 0 ist?
dp ∂p ∂p dx ∂p dy ∂p dz
= + + +
dt ∂t ∂x dt ∂y dt ∂z dt
Wenn ∂p∂t
6= 0: konvektive Ableitungeen könnte gleich groß sein wie innere und negatives
Vorzeichen haben (Bsp.: ρ = 3t − x − y − z).
Wenn ∂p∂t
= 0: konvektive Ableitungen können trotzdem von null abweichen.

Max Wilfinger, Robert Novak 24 TU Graz, 2018


3 Hydro- und Aerostatik

3 Hydro- und Aerostatik


3.1 Wie lautet die Grundgleichung der Hydro- und Aerostatik?
Die Statik der Fluide wird durch einen Spezialfall der Impulsgleichungen beschrieben.
Die Geschwindigkeits- und Spannungsterme sind null, da diese nur in bewegten Fluiden
auftreten.
∂p
= ρfiB
∂xi
In der Hydrostatik ist ρ = konstant (inkompressibel)
In der Aerostatik ist ρ = variabel (kompressibel)
Die Grundgleichung bildet in der Hydrostatik die Grundlage für die Berechnung von
Kräften auf Behälterwände und dient in der Aerostatik zur Ermittlung der Druckvertei-
lung in der Atmosphäre mit der Höhe über dem Erdboden.

3.2 Leiten Sie aus der hydrostatischen Grundgleichung mit Symbolen wie in der
untenstehenden Skizze die Gleichung des statischen Druckes als Funktion der
Wassertiefe h ab. Leiten Sie die Gleichung für die hydrostatisch bedingte
Kraft F~ ab, die in Richtung des eingezeichneten Normalen-Einheitsvektors
auf die Wand mit der Fläche A wirkt.

p(h) = p0 + ρgh
h = y · cos α h einsetzen ergibt
p(y) = p0 + ρgy cos α

dF~ = (p(y) − p0 ) · ~ndA


= ρgy cos(α)~ndA
Z
~
F = ρg cos α~n ydA integriert über die Fläche
A

F~ = ρg~nys A cos α
Die Geometrie der Wandfläche ist durch die Schwerpunktkoordinate ys und die Wand-
fläche A vertreten.

Max Wilfinger, Robert Novak 25 TU Graz, 2018


3 Hydro- und Aerostatik

3.3 Die Impulsgleichung lautet vektoriell wie folgt. Leiten Sie hieraus die
Grundgleichung der Hydro- und Aerostatik ab.
Gegeben ist folgende Impulsgleichung, welche vereinfacht werden kann:
" #
∂ui ∂ui ∂p ∂τji
ρ  + uj =− +  + ρfiB
∂t ∂xj ∂xi ∂xj

Die Hydro- und Aerostatik bilden einen Spezialfall, hier sind die Geschwindigkeiten
identisch Null. Da ein Fluid nur in Bewegung Spannungen aufnehmen kann, entfällt
auch dieser Term. Übrig bleibt folgende Gleichung:
∂p
= ρfiB
∂xi

3.4 Geben Sie die Grundgleichung der Hydrostatik an und leiten Sie daraus die
Auftriebskraft eines ganz untergetauchten Körpers ab?
Die Grundgleichung der Hydro- und Aerostatik lautet:
∂p
= ρfiB
∂xi
Die resultierende Kraft auf einen untergetauchten Körper ist
Z
~
F = − p~n dO
O

~n . . . aus dem Körper heraus zeigender Normalvektor

Nach dem Gaußschen Integralsatz kann daraus ein Volumenintegral gemacht werden,
der Integrand wird der Gradient des Druckes:
Z Z Z
F = − p~ndO = − ∇pdV = − ρf~B dV = −ρ~g V
~ ~
O V V

Der Körper erfährt eine Auftriebskraft, welche dem Gewicht der verdrängten Flüssigkeit
entspricht.

Max Wilfinger, Robert Novak 26 TU Graz, 2018


3 Hydro- und Aerostatik

3.5 Bei Flüssigkeiten mit freien Oberflächen, die wie starre Körper in einem
Behälter mitrotieren, stellt sich die Form der freien Oberfläche derart ein,
dass ihre lokalen Höhen über dem Boden dem statischen Druck entsprechen.
Das DGL-System zur Ermittlung der Druckverteilung lautet bei rotierenden
Behältnissen folgendermaßen:
 ∂p   2 
∂r
ω r
∂p =ρ
∂z
−g
Hier zeige die z-Achse nach oben, entgegen ~g

a) Bestimmen Sie aus den Gleichungen zunächst die Verteilung des hydrostatischen
Druckes in der Flüssigkeit abhängig von r und z. Wie groß ist der Druck an der
Oberfläche? Die Integrationskonstanten sind nicht zu berechnen.
Folgende Gleichungen ergeben sich durch unbestimmte Integration:
ρ
p = ω 2 r 2 + C1
2
p = −ρgz + C2

ρ
p = ω 2 r2 − ρgz + C
2

b) Ermitteln Sie aus den Ergebnissen aus a) für die Lagekoordinate zF die freie
Oberfläche abhängig von r. Die Integrationskonstanten müssen Sie nicht bestim-
men.
An der Oberfläche herrscht überall der Druck p0 .

ρ
p(zF ) = p0 = ω 2 r2 − ρgz + C
2

ρ 2 2
2
ω r + C − p0
zF =
ρg

Max Wilfinger, Robert Novak 27 TU Graz, 2018


3 Hydro- und Aerostatik

c) Ermitteln Sie aus dem Ergebnis von b) für das skizzierte U-Rohr die Höhendif-
ferenz in den beiden Schenkeln, wenn ω = 2π/s.
Für r1 = 75mm und r2 = 325mm ergibt sich:
ρ
2
(2π)2
· 0, 0752 + C − p0
h1 =
ρg
ρ
(2π) · 0, 3252 + C − p0
2
und h2 = 2
ρg
mit ∆H = h2 − h1
2 2
ρ 4π

2 2
· 0, 325 − ρ 4π

2
· 0, 0752
folgt dann ∆H = 2 2
ρg

2

∆H = (0, 3252 − 0, 0752 )
g
3.6 Wie ist die Druckverteilung in einem rotierenden Behälter?

a) Ermitteln Sie die Form der Flüssigkeitsoberfläche


Ausgang ist die Grundgleichung der Hydrostatik ∇p ~ = ρf~B in Zylinderkoordina-
ten.

Dies ergibt bei Rotationssymmetrie


 
∂p  2 
 ∂r  ω r
  = ρ
  
 ∂p 
−g
∂z
Integration der beiden Gleichungen liefert

ρ
p = ω 2 r 2 + C1
2
p = −ρgz + C2

ρ
p = ω 2 r2 − ρgz + |{z}
C
2
C1 +C2

Max Wilfinger, Robert Novak 28 TU Graz, 2018


3 Hydro- und Aerostatik

Die Konstante C wird dadurch bestimmt, dass bei r = 0 an der Oberfläche z = h0


der Druck p0 vorliegen muss. Daraus folgt dann die Druckverteilung.

p(r = 0, z = h0 ) = p0 = −ρgh0 + C
⇒ C = p0 + ρgh0

ρ
p(r, z) = p0 + ω 2 r2 − ρg(z − h0 )
2
Weil an der gesamten freien Oberfläche der Druck p0 vorliegt, kann die Form zF der
freien Oberfläche ermittelt werden. Es handelt sich um ein Rotationsparaboloid.
ρ 2 2
p0 = 
p0 +  r ω −
ρg(zF − h0 )
 2
r2 ω 2
zF − h0 = für 0 ≤ r ≤ R
2g

b) An welcher radialen Position r = r∗ hat bei Rotation des Behälters die Flüs-
sigkeitsoberfläche für ein bestimmtes Flüssigkeitsvolumen im Behälter die gleiche
Höhe wie in dem Fall, dass der Behälter nicht rotiert?
ZR

Rh = zF dr
−R
ZR
r2 ω 2
= (h0 − ) dr
2g
−R
R
r3 ω 2
= h0 r −
6g −R
ω 2 R3
= 2h0 R − 2
6g

ω 2 R2
h∗ = 2h0 −
3g

ω 2 R2
 
∗ ∗ ρ 2 ∗2
p(r = r , z = h ) = p0 = p0 + ω r − ρg 2h0 − − h0
2 3g
ω 2 r∗ 2 ω 2 R2
= h0 g −
2 3
s  
∗ h0 g R2
r = 2 −
ω2 3

Max Wilfinger, Robert Novak 29 TU Graz, 2018


3 Hydro- und Aerostatik

3.7 Berechnen Sie aus der Gleichung den Luftdruck als Funktion der Höhe über
dem Boden für die folgende Atmosphäre. DIe Luft sei hierbei ein ideales Gas.
a) polytrope Atmosphäre
Vereinfachen der Grundgleichung für die Atmosphäre zu
dp
= −ρg
dz
1 dp
dz = − bei z = 0 ist p(z) = p0
g ρ(p)
Zp(z)
1 dp
z=−
g ρ(p)
po

Annahme über thermodynamischen Zustand der Atmosphäre:


p p0
n
= n = konstant
ρ ρ0
  n1
p
ρ = ρ(p) = ρ0 einsetzen in z ergibt dann
p0
p(z)
1 Z 1
p0n 1
−n p0n 1  1
1− n
1
1− n
z=− p dp = − p(z) − p 0
gρ0 gρ0 1 − n1
p0
  n−1 !
p0 n p(z) n
z= 1−
gρ0 n − 1 p0
|{z}
H0
 n
 n−1
z n−1
p(z) = 1− p0
H0 n

b) isotherme Atmosphäre
n = 1 ⇒vereinfachen der Grundgleichung für die Atmosphäre zu

z

p(z) = p0 e H0

c) isentrope Atmosphäre
n = κ ⇒vereinfachen der Grundgleichung für die Atmosphäre zu

 κ
 κ−1
z κ−1
p(z) = 1− p0
H0 κ

Max Wilfinger, Robert Novak 30 TU Graz, 2018


3 Hydro- und Aerostatik

3.8 Eine Kreisscheibe mit 125cm Durchmesser ist in Wasser eingetaucht, so dass
die Abstände von den Punkten auf ihrem Umfang vom Wasserspiegel wie in
der Skizze zwischen 60cm und 150cm variieren.

a) Geben Sie den hydrostatischen Druck im Wasser als Funktion der z-Koordinate
an, welche am Wasserspiegel gleich Null ist.

p(z) = p0 − ρgz

b) Berechnen Sie die Druckkraft, welche durch die Belastung mit dem hydrostati-
schen Druck auf die Oberseite der Scheibe ausgeübt wird.

p(y) = p0 + ρgy cos φ

dF~ = (p(y) − p0 )~n dA = ρgy cos φ~n dA


Z
~
F = ρg cos φ~n y dA
A

F~ = ρg~nys A cos φ

mit:
0, 06
ys = R +
sin φ
0, 09
sin φ =
0, 125
d2 · π 0, 1252 π
A= =
4 4

Max Wilfinger, Robert Novak 31 TU Graz, 2018


3 Hydro- und Aerostatik

c) Geben Sie die Gleichung für die z-Koordinate des Kraftangriffspunktes an und
berechnen Sie ihren Zahlenwert.
Is πR4
Hinweis: yD = ys + ys A
mit Is = 4

zD = yD sin φ
R4 π
 
= ys + sin φ
4ys A
R2 sin φ
= R sin φ + 0, 06 + 0,24
4R + sin φ

Max Wilfinger, Robert Novak 32 TU Graz, 2018


4 Reibungsfreie inkompressible Strömungen

4 Reibungsfreie inkompressible Strömungen


4.1 Die Potentialströmung um einen Kreiszylinder
p weist auf der Zylinderkontur
den Geschwindigkeitsbetrag |~v | = U∞ · 2(1 − cos(2ϕ)) auf. Dabei sind U∞ die
Anströmgeschwindigkeit und ϕ der Polarwinkel gegen die positive x-Achse
längs der auch die Anströmung orientiert ist. Wie groß ist der Druckbeiwert
cp auf der Zylinderkontur?
Lösung zu diesem Beispiel ist in den Studienblättern Teil 1 ab Seite 1 zu finden.

Fall 1: Umströmung ohne Zirkulation


aus der Bernoulli ||~v || = v:

v2 p U2 p∞
+ = ∞+
2 ρ 2 ρ
2
p − p∞ U v2
= ∞−
ρ 2 2
2
 2
U∞ − v 2

ρ 2 2 U∞
p − p∞ = (U∞ − v ) = ρ 2
2 2 U∞
2
p − p∞ U∞ − v2
2 = 2
= cp
ρ U∞
2
U∞
2 2
cp U ∞ = U∞ − v2
2 2 2
cp
U
∞ =∞ −
U ∞ (2 − 2 cos(2ϕ))
U

cp = 2 cos(2ϕ) − 1

Fall 2: Umströmung mit Zirkulation


Rechnung über Polarkoordinaten:

R2
 
iΓ z
W (z) = U∞ z+ − ln
z 2π R

Über die komplexe Potentialfunktion in Polarkoordinaten lässt sich die Stromfunk-


tion extrahieren und daraus weiter die Geschwindigkeitskomponenten.
Für den Druckbeiwert auf der Zylinderoberfläche gilt:

Γ2
 
2 2Γ 1
cp = 1 − 4 sin Φ − sin Φ + 2 2 2
πU∞ R 4π U∞ R

Die restlichen Kräfte in x- und y-Richtung berechnen sich laut Studienblatt Seite
3. Die Zirkulation bewirkt eine Auftriebskraft in y-Richtung.

Max Wilfinger, Robert Novak 33 TU Graz, 2018


4 Reibungsfreie inkompressible Strömungen

4.2 Die Differentialgleichung für eine Stromlinie lautet ~v × d~x = 0. Die


Stromfunktion Ψ ist für ebene Strömungen definiert durch die Gleichungen
u = ∂Ψ
∂y
und v = − ∂Ψ∂x
. Welche Aussage folgt hieraus für das Verhalten der
Stromfunktion längs Stromlinien?

   ∂Ψ   
u ∂y dx
~v = = ∂Ψ d~x =
v − dy
 ∂Ψ    ∂x
∂y dx ∂Ψ ∂Ψ
∂Ψ × = dy + dx = 0
− ∂x dy ∂y ∂x
⇒ dΨ = 0

Die totale Änderung von Ψ längs der Stromlinie ist null. Das heißt, dass längs einer
Stromlinie Ψ = konstant ist!

4.3 Welche beiden Differentialgleichungen beschreiben das Geschwindigkeitsfeld


einer ebenen Potentialströmung? Zu welcher Differentialgleichung können
beide durch Einführung einer Stromfunktion zusammengefasst werden?
Die beiden folgenden Differentialgleichungen beschreiben das Geschwindigkeitsfeld einer
ebenen Potentialströmung:
∂v ∂u
rot~v = 0 → − =0
∂x ∂y
∂u ∂v
div~v = 0 → + =0
∂x ∂y
Durch Einführen der Stromfunktion können die beiden DGL auf eine reduziert werden.

Ψ = Ψ(x, y)

Definiert man die Geschwindigkeit durch


∂Ψ ∂Ψ
=u = −v
∂y ∂x

∂ 2Ψ ∂ 2Ψ
dann folgt + = 0 ⇒ ∆Ψ = 0
∂x2 ∂y 2
∂ 2Ψ ∂ 2Ψ
− ≡0
∂x∂y ∂x∂y

Das bedeutet, dass die totale Änderung von Ψ längs der Stromlinie null ist. Ψ ist also
längs einer Stromlinie konstant.

Max Wilfinger, Robert Novak 34 TU Graz, 2018


4 Reibungsfreie inkompressible Strömungen

4.4 Gegeben sei das komplexe Geschwindigkeitspotential F (z) = F (x + iy) = na z n


mit den reelen Größen a und n. Bestimmen Sie hieraus die Stromfunktion
und beschreiben Sie, wie man aus dieser Funktion die Stromlinien des
Strömungsfeldes ermitteln kann.
Hinweise in Studienblätter Teil 1 ’Komplexes Potential, Potential- und Stromfunktion
für die elementaren Strömungstypen der ebenen Potentialströmung’
Zerlegung in Real- und Imaginärteil

z = reiϕ eiϕ = cos ϕ + i sin ϕ


a
W (z) = rn (cos(nϕ) + i sin(nϕ))
n
a n a
W (z) = r cos(nϕ) +i rn sin(nϕ)
|n {z } |n {z }
ϕ Ψ

ϕ . . . Geschwindigkeitspotential
Ψ . . . Stromfunktion
Um die Stromlinien zu erhalten, wird die Stromfunktion konstant gehalten. Die ϕ- und
die Ψ-Linien sind orthogonal aufeinander.
a n
r sin(nϕ) = konstant
n

4.5 Physikalische Interpretation der Stromfunktion?

~v × d~x = 0
   
u dx
× =0
v dy
udy − vdx = 0
∂Ψ ∂Ψ
dy + dx = 0
∂y ∂x
⇒ dΨ = 0

Die Änderung von Ψ längs der Stromlinie ist null und damit die Stromfunktion konstant.
Bildet man die Richtungsableitung dΨdn
senkrecht zur Stromlinie:

~n~v = 0
  
nx u
=0
ny v
nx u + ny v = 0
nx = −v
ny = u

Max Wilfinger, Robert Novak 35 TU Graz, 2018


4 Reibungsfreie inkompressible Strömungen

dΨ ~n
= gradΨ
dn ||~n||
 
∂Ψ ∂Ψ 1
= − v+ u √
∂x ∂y u2 + v 2
2
v +u 2 √
=√ = u2 + v 2 = ||~v ||
u2 + v 2
Die Richtungsableitung der Stromfunktion senkrecht zur Stromlinie ergibt den Betrag
der Geschwindigkeit.

4.6 Wann ist das ebene stationäre Problem von Cauchy-Riemann gelöst?
Das ebene stationäre Problem ist gelöst, wenn W (z) für eine Strömung gefunden ist,
also das Geschwindigkeitspotential ϕ(x, y) und die Stromfunktion Ψ(x, y) bekannt sind.
Beide erfüllen die Laplace-Gleichung

∆Ψ1 = 0 und ∆Ψ2 = 0


⇒ ∆ (Ψ1 + Ψ2 ) = 0
| {z }

∗ . . . neue Lösung durch Addition gewonnen (Superposition).

4.7 Ein Körper mit zirkulationsbehafteter Strömung erfährt einen Auftrieb. Wie
lautet die Gleichung für den Auftrieb? Wie ist sie gerichtet?
Studienblätter Teil 1 Seite 5 Die Gleichung für den Auftrieb lautet:

F = |~v |ρΓ

Die Zirkulation ist negativ, wenn sie im Uhrzeigersinn, also in mathematischer negativer
Richtung dreht. Ein in Uhrzeigersinn drehender Wirbel wird, also bei Anströmung von
links, eine Kraft in positiver y-Richtung erfahren.

Für obiges Beispiel gilt daher:


Fy = −ρU∞ Γ

Max Wilfinger, Robert Novak 36 TU Graz, 2018


4 Reibungsfreie inkompressible Strömungen

4.8 Was ist das d’Alembertsche Paradoxon?


Erläuterung: Studienblätter Teil 1 Seite 5
In Strömungsrichtung erfährt der Körper keinen Widerstand trotz Anströmung in dieser
Richtung. Dies ist unabhängig davon, wie der Körper geformt ist.
Bei vorhandensein einer Zirkulation kommt es zu einem Auftrieb des Körpers. Der Kraft-
vektor steht senkrecht auf die Anströmrichtung. Der Betrag F der Kraft auf die Kör-
perkontur ist gegeben durch die Beziehung

F = |~v |ρΓ

wobei |~v | der Betrag der Anströmgeschwindigkeit ist. Dies ist der Kutta-Joukowsky Auf-
triebssatz.

4.9 Betrachten Sie die Potentialströmung um einen Kreiszylinder. Der Strömung


soll ein Potentialwirbel mit Zirkulation Γ überlagert sein, dessen Zentrum mit
dem des Kreiszylinders zusammen fällt.
a) Wie viele Staupunkte kann die Strömung auf der Zylinderkontur haben?
Die Staupunkte sind dort, wo die Geschwindigkeit null ist. Bei Umströmung um
einen Kreiszylinder kommt es zu 2 Staupunkten.

b) Wovon hängt die Zahl der Staupunkte ab?


Von der Anzahl der Lösungen, für welche die Geschwindigkeit des Fluids bei Um-
strömung gleich null ist.
c) Skizzieren Sie die Strömungsfelder für die drei unter a) genannten Fälle und
schließen Sie dabei auch den Fall mit ein, dass die Zirkulation Γ = 0 ist.
Staupunktberechnung für die Umströmung eines Zylinders mit Γ = 0 und z = reiΦ

Max Wilfinger, Robert Novak 37 TU Graz, 2018


4 Reibungsfreie inkompressible Strömungen

R2


W (z) = U∞ z +
z
dW (z) R2
= U∞ − U∞ 2 (cos 2Φ − i sin 2Φ)
dz r
R2 R2
   
= U∞ − U∞ 2 cos 2Φ +i U∞ 2 sin 2Φ
r r
| {z } | {z }
u −v

s  4  2
√ R R
||~v || = u2 + v 2 = U∞ 1+ −2 cos 2Φ
r r

Lage der Staupunkte: ||~v || = 0 auf der Zylinderkontur r = R bei Φ = π, wo


cos 2Φ = 1.

4.10 Erklären Sie die Umströmung eines Tragflügels beim Anfahren und bei
ausgebildeter Strömung in Worten und mit einer Skizze?
1) Anfahrvorgang
Das Gebiet mit Reibungseinfluss hat sich noch nicht aufgebaut. Das Gedankenmo-
dell der vergrößerten Kontur ist nicht notwendig. Es stellt sich folgendes Stromli-
nienbild ein:

Wirbelfreie Umströmung eines Körpers ⇒ der Tragflügel erfährt vorerst keinen


Auftrieb. Zwei Staupunkte, Hinterkante wird umströmt. Da eine reale (=reibungs-
behaftete) Strömung die Hinterkante nicht stabil umströmen kann, ist das kein
stabiler Zustand.
Ergänzung: Die Zirkulation, welche in der Flugphase vorhanden ist, entsteht beim
Anfahrvorgang durch eine Zirkulation und gleichzeitig eine gleich große Gegenzir-
kulation ⇒ Anfahrwirbel. Der Anfahrwirbel bleibt zurück und verschwindet mit
der Zeit durch viskose Verluste.

Max Wilfinger, Robert Novak 38 TU Graz, 2018


4 Reibungsfreie inkompressible Strömungen

2) Flugphase
Der hintere Staupunkt wandert zum Flügelende ⇒ Veränderung der Lage der
Staupunkte gegenüber dem Anfahrzustand bedeutet aber, dass eine Zirkulation im
Strömungsfeld vorhanden sein muss ⇒ der Flügel erfährt einen Auftrieb. Erklärung
des Auftriebs durch
H das Gesetz von Kutta-Joukowsky oder durch die Zirkulation:
Eine Zirkulation ~v · d~s > 0 um den Tragflügel bedeutet, dass die Geschwindigkeit
auf der Oberseite (wo ~v · d~s > 0) größer ist als auf der Unterseite (~v · d~s < 0).
Damit herrscht nach Bernoulli oben ein geringerer Druck als unten.

4.11 Geben Sie das Potential von einem Potentialwirbel und einer
Senkenströmung an. Nehmen Sie dabei die Studienblätter zu Hilfe und
berechnen Sie das Potential und die Stromfunktion?
Studienblätter Teil 1 ’Komplexes Potential, Potential- und Stromfunktion für die elemen-
taren Strömungstypen der ebenen Potentialströmung’ (WICHTIG! Die Formeln müssen
nicht auswendig gelernt werden, da die Formeln und die dazugehörigen Schritte auf den
Studienblättern zu finden sind. Weiters ist es auch möglich, dass eine Dipol mit einer
Quelle oder Senke gefragt ist. Rechenschritte sind jedoch die gleichen.)
Γ z 
1) Potentialwirbel: W (z) = −i ln
2π a
Q̇  z
2) Senkenströmung: W (z) = − ln
2π a
Zu 1) Potentialwirbel:
Γ z  Γ
W (z) = −i ln B=
2π  a 2π
z
W (z) = −iB ln z = reiΦ
 ar  r
= −iB ln eiΦ = |{z} BΦ −i B ln
a | {z a }
ϕ(x,y)
Ψ(x,y)

Zu 2) Quell- oder Senkenströmung:


Q̇  z  Q̇
W (z) = − ln A=−
2π  a 2π
z iΦ
= A ln z = re
 ar  r
= A ln eiΦ = A ln + |{z}iAΦ
a | {z a} Ψ(x,y)
ϕ(x,y)

Max Wilfinger, Robert Novak 39 TU Graz, 2018


4 Reibungsfreie inkompressible Strömungen

Durch Anwendung von Superposition folgt somit:


z  z  Q̇ Γ
W (z) = A ln − iB ln A=− , B= , z = reiΦ
| {z a } | {z a } 2π 2π
Senkenströmung Potentialwirbel
r r
= A ln + iAΦ + BΦ − iB ln
 ar   ar 
= A ln + BΦ +i AΦ − B ln
| a{z } | {z a }
ϕ(x,y) Ψ(x,y)

4.12 Wie ist die Zirkulation definiert? Wie lautet die Wirbeltransportgleichung?
Zirkulation

Sei C eine ebene, geschlossene Kurve im Strömungsfeld, dann ist die Zirkulati-
on definiert als I
Γ = ~v d~s
C

Mit der Zirkulation kann eine wichtige Aussage über das Strömungsfeld gewonnen
werden. Es gilt nämlich der Stokessche Integralsatz
I Z
Γ = ~v d~s = rot~v dA ~
C A

⇒ In einem drehungsfreien Strömungsfeld ist die Zirkulation längs jeder geschlos-


senen Kurve = 0.

Wirbeltransportgleichung

Im Fall einer reibungsfreien Strömung bleibt eine einmal eingeführte Zirkulation


erhalten.
d d
(rot~v ) = 0 Γ=0
dt dt

Max Wilfinger, Robert Novak 40 TU Graz, 2018


4 Reibungsfreie inkompressible Strömungen

4.13 Die Schwingung eines Fadens aus einer reibungsfreien Flüssigkeit in einem
U-Rohr wird durch die Differentialgleichung ẍL + 2gx = 0 beschrieben.
Dabei ist x die Auslenkung des Fadens aus der Ruhelage, L die gesamte
Länge des Flüssigkeitfadens in dem Rohr und g die Erdbeschleunigung.

a) Lösen Sie die Differentialgleichung unter den Anfangsbedingungen, dass zuM


Zeitpunkt t = 0 die Anfangsauslenkung x(t = 0) = x0 und die Anfangsgeschwindig-
keit ẋ(t = 0) = ẋ0 sei.

ẍL + 2gx = 0
2g 2g
ẍ + x = 0 ω2 =
L L
ẍ + ω 2 x = 0

Ansatz: x = A cos(ωt) + B sin(ωt) x(t = 0) = x0 = A


ẋ = −Aω sin(ωt) + Bω cos(ωt) ẋ(t = 0) = ẋ0 = Bω
ẋ0
x(t) = x0 cos(ωt) + sin(ωt)
ω

b) Mit welcher Kreisfrequenz schwingt der Faden?


r
2g
ω=
L
c) Kann die Kreisfrequenz dadurch geändert werden, dass man die anfängliche
Auslenkung ändert?
Nein, da ω keine Funktion von x ist.

Max Wilfinger, Robert Novak 41 TU Graz, 2018


4 Reibungsfreie inkompressible Strömungen

4.14 Geben Sie 2 Darstellungsarten der Impulsgleichung an?


Euler-Gleichung
Studienblätter ’Equation of motion’ differential form
∂~v  ~  1~
+ ~v · ∇ ~v = − ∇p + f~B
∂t ρ

Lame’sche Form
∂~v ~ ~v 2
 
+∇ ~ × ~v ) = − 1 ∇p
− ~v × (∇ ~ + f~B
∂t 2 ρ

4.15 Leiten Sie aus der gegebenen Energiegleichung die Bernoulli-Gleichung her?
Geben Sie anschließend die Lamesche Darstellung an?
Gegeben ist die Formel:

~v 2 ~v 2
      
∂    
ρ e+ ~
+ ∇·ρ e+ ~v = ρ ~v · f~B − ∇p~
~ v
∂t 2 2

Im Fall einer reibungsfreien inkompressiblen Strömung kann die Bernoulli-Gleichung


auch aus der Energiegleichung gewonnen werden. Für ein inkompressibles, reibungsfreies
Fluid ist ohne Wärmezufuhr die innere Energie e konstant. Hieraus folgt die Form der
Energiegleichung:

∂ ~v 2 ~v 2
       
~ ~ B ~ p
+ ~v · ∇ = ~v · f − ~v · ∇
∂t 2 2 ρ

Mit
f~B = −∇Π
~ und Π = gz
folgt weiterhin   2 
∂~v ~ ~
v p
~v · + ~v · ∇ + +Π =0
∂t 2 ρ

Division durch den Betrag des Geschwindigkeitsvektors |~v | liefert die gleiche Beziehung,
deren Integration längs einer Stromlinie auf die Bernoulli-Gleichung geführt hat.

Max Wilfinger, Robert Novak 42 TU Graz, 2018


4 Reibungsfreie inkompressible Strömungen

4.16 Gegeben sei das komplexe Integral um eine geschlossene Kurve C. Wenden
Sie den Greenschen Satz an und erklären Sie mittels Cauchy-Riemannschen
Bedingungen die Wegabhängigkeit um den Ursprung?

Mit: W = ϕ(x, y) + iΨ(x, y) und mit z = x(t) + iy(t)

ist das komplexe Linienintegral definiert durch 4 reelle Linienintegrale


I I
W dz = (ϕ + iΨ)(dx + idy)
C C
I I I I
= ϕ dx + Ψ dy + i Ψ dx + i ϕ dy
C C C C

Damit W = ϕ + iΨ analytisch ist, müssen die Cauchy-Riemannschen Differentialglei-


chungen erfüllt sein:
∂ϕ ∂Ψ
u= =
∂x ∂y
∂ϕ ∂Ψ
v= =−
∂y ∂x
Mit Anwendung des Greenschen-Satzes auf die beiden reelen Integrale, welcher für ein
beliebiges Vektorfeld    
~ Bx ϕ
B= =
By −Ψ
 
dx
und eine geschlossene Kurve C mit d~x =
dy

lautet: I ZZ  
~ x= ∂By ∂Bx
Bd~ − dxdy
∂x ∂y
A

gilt in unserem Fall für das erste Integral


I ZZ  
∂ϕ ∂Ψ
(ϕΨ dxdy) = − + dxdy = 0
∂y ∂x
C A

Max Wilfinger, Robert Novak 43 TU Graz, 2018


4 Reibungsfreie inkompressible Strömungen

Wenn eine Funktion in einem Gebiet A überall die Cauchy-Riemannschen Bedingungen


erfüllt, so ist das geschlossene Linienintegral längs jeder Kurve in A = 0.
Geschlossenes Linienintegral = 0 bedeutet aber Wegunabhängigkeit, da zwei verschie-
dene Wege von einem Punkt A nach einem Punkt B immer eine geschlossene Kurve
ergeben.

I ZB ZA
W (z) dz = W dz + W dz = 0
|A {z } B
| {z }
Weg 1 Weg 2
ZB ZB ZB ZA
⇒ W dz = W dz , da =− ist
|A {z } |A {z } A B

Weg 1 Weg 2

4.17 Geschwindigkeit eines stationären Ausflusses eines großen Behälters


berechnen?
Berechnung anhand der Bernoulli-Gleichung:

w22 p0 w2 p0


+  +g ·
0 = 1 +  + gH
2 ρ 2 ρ
p
⇒ w2 = 2gH

Max Wilfinger, Robert Novak 44 TU Graz, 2018


4 Reibungsfreie inkompressible Strömungen

4.18 Bestimmen Sie den Wert der Zirkulation eines Potentialwirbels längs einer
Kreislinie um den Mittelpunkt des Wirbels. Das Geschwindigkeitspotential
des Wirbels ist W (z) = −iB ln(z). Wie erklären Sie sich, dass dieser Wert
nicht 0 ist? Welchen Wert erhalten Sie, wenn der Integrationsweg den
Mittelpunkt des Wirbels nicht umschließt?

dW iB
=− z = reiΦ
dz z
dW iB iB
= − iΦ = − e−iΦ
dz re r
dW iB
= − (cos(Φ) − i sin(Φ))
dz r
B iB
= − sin Φ − cos Φ = u − iv
r r

B B
u=− sin Φ v = cos Φ
r s  r
√ 2  2
2 2
B 2 B
||~v || = u + v = sin Φ + cos2 Φ
r r
B
||~v || =
r
Die Geschwindigkeit ist im Ursprung nicht definiert. Ursprung ist Singularität = Wir-
belmittelpunkt.
Alle Kurven um den Mittelpunkt liefern ein Zirkulation.
I Z
B
Γ= ~v d~s = r dΦ = B2π
r

|C {z }
Kreis um Ursprung
Γ
⇒B=

Zirkulation längs einer Kreislinie
I I
B
Γ= ~v d~s = r dΦ = 2Bπ
r 

Die Geschwindigkeit ist im Ursprung nicht definiert. Ursprung ist Singularität =


Wirbelmittelpunkt. Damit kann im Ursprung die Bedingung rot~v = ~0 (Wirbelfrei-
heit) nicht erfüllt werden. Für jede Fläche, die den Ursprung enthält, gilt
Z Z
rot~v~n dA 6= 0 ⇒ ~v d~s 6= 0
O

Max Wilfinger, Robert Novak 45 TU Graz, 2018


4 Reibungsfreie inkompressible Strömungen

Wenn der Integrationsweg den Mittelpunkt nicht umschließt

ZB ZC ZD ZA ΦZ1 +β ΦZ1 +β
B B
Γ= ~v d~s + ~v d~s + ~v d~s + ~v d~s = R dΦ − r dΦ
R r
A B C D Φ1 Φ1
| {z } | {z }
=0 =0

4.19 Bestimmen Sie die Kräfte Fx und Fy für folgenden Stromteiler. Bekannt
sind Geschwindigkeit w1 , Flächen A1 , A2 , A3 sowie der Druck p0 und die
Winkel α und β?
Grundgleichung aus Studienblätter Teil 2 ’Momentum equation for calculation of forces’
x-Richtung:

Z
ρu(~v~n) dO =
O
(−ρw2 cos α)w2 A2 + (ρw3 cos β)w3 A3 + (ρw1 )(−w1 )A1 + (p1 − p0 )A1 = Fx
y-Richtung:
Z
ρv(~v~n) dO = (ρw2 sin α)(w2 A2 ) + (−ρw3 sin β)(w3 A3 ) = Fy
O

Kontinuitätsgeichung:
w1 A1 = w2 A2 + w3 A3

Max Wilfinger, Robert Novak 46 TU Graz, 2018


4 Reibungsfreie inkompressible Strömungen

4.20 Notieren Sie die stationäre Bernoulli-Gleichung. Erläutern Sie für welchen
Strömungsvorgang sie gilt. Welche Linien verbinden 2 Punkte im
Strömungsfeld, zwischen denen die Bernoulli-Gleichung angewendet werden
kann?
Die Bernoulli-Gleichung gilt im Fall einer reibungsfreien und inkompressiblen Strömung.
Sie ist das Integral für ein reibungsfreies Fluid längs einer Stromlinie zwischen den
Punkten 1 und 2.
   
2 2
 ~v + p + Π  −  ~v + p + Π  = 0
2 ρ |{z} 2 ρ |{z}
gz2 gz1
2 1

4.21 Wasser strömt aus einem sehr großen Reservoir, welches unter
atmosphärischem Druck steht, in einen geschlossenen Tank. Der
Wassereintritt in den Tank erfolgt oberhalb des Wasserspiegels im Tank. In
dem Gasraum im Tank herrscht zum Zeitpunkt ein Druck der um
∆p = 7 · 104 P a unter dem Atmosphärendruck liegt. Der Wasserspiegel in
dem Reservoir liegt 6 m über der Stelle des Wasseraustrittes. Bestimmen
Sie unter Annahme reibungsfreier Strömung die Geschwindigkeit, mit der
das Wasser in den Tank strömt?

w2 w2
p0 + ρ 1 + ρgz = p1 + ρ 2 +  ρgz

2 2
kg
mit ρ = 1000 und p1 = p0 − ∆p
m
w22
p
 0 + ρgz = p
 0 − ∆p + ρ

s
 2
∆p m
w2 = 2gz + 2 = 16, 05
ρ s

4.22 Ein Erfinder schlägt vor, Segelschiffe von Windverhältnissen unabhängig zu


machen, indem an Deck ein Ventilator angebracht wird, der die zum
Antrieb des Schiffes benötigte Luftströmung erzeugt. Erläutern Sie mit
Hilfe des Impulssatzes, ob dieser Vorschlag Aussicht auf eine technische
Umsetzung hat. Illustrieren Sie Ihre Darlegung durch eine Skizze?

Kraft auf Segel: F1 = ρw2 A


Kraft von Ventilator: F2 = ρw2 A
Gleichgewicht am Schiff: mBoot aBoot = F1 − F2
mit F1 = F2 aBoot = 0

Max Wilfinger, Robert Novak 47 TU Graz, 2018


4 Reibungsfreie inkompressible Strömungen

4.23 Ein Wasserstrahl tritt mit der Geschwindigkeit w1 = 12m/s aus einer Düse
mit dem Durchmesser d1 = 25mm senkrecht nach oben aus. Bestimmen Sie
die Geschwindigkeit w2 und den Durchmesser d2 des Strahles in der Ebene
z = z2 , die sich 4, 5m über dem Düsenaustritt befindet. Hierzu nehmen Sie
an, dass die beiden Niveaus z1 , z2 reibungsfrei verlaufen und dass im
gesamten Strömungsfeld der gleiche statische Druck pA herrscht.

Die Bernoulli-Gleichung liefert:

w12 *0 w22
p
A +
ρ +
ρgh
0 = p +
A 
 ρ +
ρgz

2 q 2
w2 = w12 − 2gz

Mit der Kontinuitätsgleichung erhalten wir:

A1 w1 = A2 w2
d21
π d2π
w1 = 2 w2
4 s4 r
d21 w1 12
d2 = = 25
w2 w2

Max Wilfinger, Robert Novak 48 TU Graz, 2018


4 Reibungsfreie inkompressible Strömungen

4.24 Die Umströmung eines Kreiszylinders mit Zirkulation ist durch die Größen
Γ = −4π m2 /s, U∞ = 1 m/s und R = 0, 5 m charakterisiert. Im Feld dieser
Strömung bildet sich ein Staupunkt,
√ dessen Abstand von Drehpunkt des
R
Potentialwirbels durch rST P = 2 − 3 gegeben ist.
a) Weisen Sie nach, dass bei dieser Strömung Staupunkte auf der Oberfläche des
Kreiszylinders unmöglich sind!

Γ 1
vΨ = −2U∞ sin Ψ +
2π R
4π 1
= −2 sin Ψ −
2π 0, 5
= −2 sin Ψ − 4

Die Strompunkte auf der Zylinderoberfläche liegen dort, wo die Umfangskompo-


nente der Geschwindigkeit verschwindet.

vΨ (Ψ) = 0, für alle Werte von Ψ

b) Berechnen Sie den Winkel ΨST P , bei welchem der gegebene Staupunkt liegt.

4.25 Komplexe Potentialfunktion W (z), die durch Überlagerung einer


Quellströmung mit einer Parallelströmung in x-Richtung entseht.
Mittelpunkt im Koordinatenursprung!
a) Geben Sie die Stromfunktion an und erläutern Sie, wie hieraus die Gestalt der
Stromlinen berechnet werden kann!

Q̇  z 
W (z) = ln + U∞ z mit z = λeiϕ bzw. z = λ(cos ϕ + i sin ϕ)
2π c
 iϕ 
Q̇ λe
= ln + U∞ (λ(cos ϕ + i sin ϕ))
2π c
  
Q̇ λ
= ln + iϕ + U∞ λ(cos ϕ + i sin ϕ)
2π c
 
Q̇ λ Q̇
= ln + U∞ λ cos ϕ +i ϕ + U∞ λ sin ϕ
2π c 2π
| {z } | {z }
Φ ψ


ψ= ϕ + U∞ λ sin ϕ

Die Stromlinien erhält man, wenn man ϕ konstant hält.

Max Wilfinger, Robert Novak 49 TU Graz, 2018


4 Reibungsfreie inkompressible Strömungen

b) Wie viele Staupunkte gibt es und wo befinden sich diese?

dW Q̇ 1
= + U∞ mit: z = λ(cos ϕ + i sin ϕ)
dz 2π z
Q̇ cos ϕ − i sin ϕ
= + U∞
2π λ(cos ϕ + i sin ϕ)(cos ϕ − i sin ϕ)
Q̇ Q̇
= cos ϕ + U∞ +i sin ϕ
|2πλ {z } |2πλ{z }
u v


u= cos ϕ + U∞
2πλ

v= sin ϕ
2πλ

Überlegung: v = 0 bei 2πλ
sin ϕ = 0 → sin ϕ = 0 → ϕ = π oder 0.


mit v = 0 wird 0 = cos ϕ + U∞
2πλ

⇒ U∞ = − cos ϕ
2πλ
Q̇ cos ϕ
⇒λ=−
2πU∞
nur positives λ sinnvoll ⇒ cos ϕ muss negativ sein → ϕ = π. Daraus folgt, dass es
einen Staupunkt an der Stelle ϕ = π.

c) Wie breit ist der durch Überlagerung entstehende ebene Halbkörper in großem
x-Abstand vom Koordinatenursprung?

Max Wilfinger, Robert Novak 50 TU Graz, 2018


5 Laminare Strömungen mit Reibung - die Navier-Stokesschen Gleichungen

5 Laminare Strömungen mit Reibung - die


Navier-Stokesschen Gleichungen
5.1 Das Geschwindigkeitsprofil u(r) einer Hagen-Poiseuilleschen Rohrströmung
1 dp 2 2
kann in der Form u(r) = − 4µ dz
R (1 − Rr 2 ) angegeben werden. Dabei sind µ
die dynamische Viskosität des Strömungsmediums dp/dz das Druckgefälle,
das die Strömung antreibt und R der Rohrradius.
Wie groß ist die Wandschubspannung τW (r = R)?
Ein Fluid kann nur in Bewegung Schubspannung aufnehmen.
du(r) 1 dp 2 2 r 1 dp
= 2  R 2 = r
dr dz  R  2µ dz




du(r) 1 dp
τW = µ = µ r
dr 2
µ dz
r dp dp ∆p
τW = mit = und r = R
2 dz dz L
R ∆p
τW =
2 L
Wie können sie dieses Ergebnis auch ohne Kenntnis des Geschwindigkeitsprofils
erhalten?
Ohne Kenntnisse über das Geschwindigkeitsprofil, lässt sich die Wandschubspan-
nung mit einer Kräftebilanz bestimmen.

2 πR2
π RLτW = ∆p
R ∆p
τW =
2 L
5.2 Welchen Wert hat die Schubspannung τxy in einer ebenen Couette-Strömung
in der xy-Ebene, wenn eine der beiden Platten, welche das Strömungsfeld
begrenzen, mit der Geschwindigkeit U in x-Richtung bewegt wird und die
Platten in y-Richtung den Abstand h aufweisen? Das Fluid habe die
dynamische Viskosität µ. Ist die Schubspannung eine Funktion der
Koordinate x oder y?

y
u(y) = U
h
∂u
τxy =µ
∂y
U
τxy =µ
h
τxy ist weder von x oder y abhängig!

Max Wilfinger, Robert Novak 51 TU Graz, 2018


5 Laminare Strömungen mit Reibung - die Navier-Stokesschen Gleichungen

5.3 Gegeben ist die Kontinuitäts- und Impulsgleichung für ein Fluid in einem
Rohr. Vereinfachen Sie die Gleichungen für eine ebene, stationär, laminar,
inkompressibel und rotationssymmetrisch entwickelte Strömung ohne
Massenkräfte?
Laminare Strömung = Schichtenströmung, es treten keine Querbewegungen auf.
∂ ∂
Stationär, rotationssymetrisch ⇒ ∂t , ∂ϕ fallen heraus.
Inkompressibel: ρ = konstant.

Die Kontinuitätsgleichung in Zylinderkoordinaten vereinfacht sich zu:

∂ρ 1 ∂ 1 ∂  ∂  
 + (ρrur ) + (ρuϕ ) + (ρuz ) = 0 ⇒ ur = 0
∂t r ∂r r ∂ϕ
 ∂z


Impulsgleichung der r-Komponente vereinfacht sich zu:

u2ϕ
 
∂ur ∂ur uϕ ∂u r ∂ur ∂p
ρ  + ur  +  − + uz  = −
∂t ∂r r ∂ϕ r ∂z ∂r
 
1 ∂ 1 ∂τrϕ τϕϕ ∂τrz
+  (rτrr ) + − + +
ρgr
r ∂r r ∂ϕ r ∂z

Impulsgleichung der ϕ-Komponente vereinfacht sich zu:


 
∂uϕ ∂uϕ uϕ ∂u ϕ ur uϕ ∂uϕ 1 ∂p
ρ + ur +  + + uz =− 
∂t ∂r r ∂ϕ r ∂z r ∂ϕ
  
1 ∂ 1 ∂τϕϕ ∂τϕz
+ 2 (r2 τrϕ ) + + +ρgϕ
r ∂r r ∂ϕ ∂z

Bewegung nur in z-Richtung der Strömung, daher uϕ = 0.


a) Wie lauten die mathematischen Bedingungen mit denen die Gleichungen uz (r)
gelöst werden kann?
duz
Randbedingungen: uz (r = R) = 0; (r = 0) = 0
dr
b) Warum tritt in der DGL für die Geschwindigkeit (auch in der Lösung) die Dichte
des Fluids nicht auf?
Da das Fluid inkompressibel und zeitlich konstant ist, können keine Massenkräfte
auftreten.

5.4 Für welche Strömungen können die Navier-Stokes-Gleichungen exakt gelöst


werden?
Für laminare, ebene, entwickelte Strömungen haben die Navier-Stokes-Gleichungen eine
exakte Lösung. Da bei laminaren keine regellosen Querbewegungen auftreten und so die
Teilchen aus der oberen Schicht mit jenen aus der unteren Schicht koolidieren können.

Max Wilfinger, Robert Novak 52 TU Graz, 2018


5 Laminare Strömungen mit Reibung - die Navier-Stokesschen Gleichungen

5.5 Die x−Komponente der Impulsgleichung in kartesischen Koordinaten kann in


dimensionsbehafteter Form geschrieben werden.
 2
∂ u ∂ 2u ∂ 2u
  
∂u ∂u ∂u ∂u ∂p
ρ +u +v +w =− +µ + + + ρgxB
∂t ∂x ∂y ∂z ∂x ∂x2 ∂y 2 ∂z 2
a) Für welche Art von Fluiden gilt diese Art der Impulsgleichung?
Die Impulsgleichung gilt für ein inkompressibles Newtonsches-Fluid (ρ = konst.
/µ = konst.).

b) Erläutern Sie die physikalische Bedeutung der Terme?

 2
∂ u ∂ 2u ∂ 2u
  
∂u ∂u ∂u ∂u ∂p
ρ +u +v +w = − +µ 2
+ 2 + 2 + ρgxB
∂t ∂x ∂y ∂z ∂x ∂x ∂y ∂z |{z}
| {z } | {z } | {z } ∗∗∗∗
∗ ∗∗ ∗∗∗
∗ . . .Trägheitskräfte
∗ ∗ . . .Druckkräfte
∗ ∗ ∗ . . .Zähigkeitskräfte
∗ ∗ ∗ ∗ . . .Massenkräfte

c) Machen Sie die Gleichung dimensionslos. Nehmen Sie dabei den Fall der Um-
strömung eines überfluteten Körpers mit der charakteristischen Geschwindigkeit
U∞ und der charakteristischen Länge L an. Das strömende Fluid soll konstante
Stoffwerte haben.
Mit ∗ wird die dimensionslose Größe bezeichnet.
L ∗
~v = U~v ∗ , x = Lx∗ , t = t und p = ρU 2 p∗
U
Nach der Division von ρ mit der Gleichung aus b) erhalten wir mit µρ = ν und den
dimensionslosen Größen:
2
∂u∗ U∞ 2 ∗ ∗ ∗ ∗
 
U∞ ∗ ∂u ∗ ∂u ∗ ∂u 11  2 ∂p
 +  u + v + w + = − ρ U
∞ ∂x∗
L ∂t∗ L ∂x∗ ∂y ∗ ∂z ∗ ρL
 
 2 ∗
∂ 2 u∗ ∂ 2 u∗

ν ∂ u L
+ ∗ 2
+ ∗ 2
+ ∗ 2 + + 2 gxB
U∞ L2 ∂x ∂y ∂z U∞

∂u∗ ∗ ∗ ∗
∂p∗
 
∗ ∂u ∗ ∂u ∗ ∂u
+ u + v + w + = − +
∂t∗ ∂x∗ ∂y ∗ ∂z ∗ ∂x∗
 2 ∗
∂ 2 u∗ ∂ 2 u∗

ν ∂ u L
∗ 2
+ ∗ 2 + ∗ 2 + + 2 gxB
U∞ L ∂x ∂y ∂z U∞

Max Wilfinger, Robert Novak 53 TU Graz, 2018


5 Laminare Strömungen mit Reibung - die Navier-Stokesschen Gleichungen

d) Identifizieren Sie die dimensionslose Kennzahl vor dem Term mit den 2. Ablei-
tungen, die Sie durch die Prozedur in Aufgabe c) aus den Massenkräften erhalten
haben und nennen Sie ihre physikalische Bedeutung?
Vor dem Term mit den 2. Ableitungen steht U∞ν L = Re 1
. Re ist die Reynoldszahl
U∞ L
und ist als Re = ν definiert. Die Reynoldszahl dient zur Charakterisierung von
Strömungen (z.B. die Unterscheidung zwischen laminaren und turbulenten Strö-
Trägheitsterm
mungen). Die Re-Zahl kann als Verhältnis von Re = Zähigkeitsterm gedeutet werden.
Zwei Strömungsfelder können nur dann ähnlich sein, wenn sie die selbe Reynolds-
zahl haben.
e) Wie lautet die dimensionslose Gruppe, welche Sie nach der Prozedur in Auf-
gabenteil c) aus den Massenkräften erhalten haben und interpretieren Sie ihre
physikalische Aussage?
L 1
2
g=
U∞ Fr
F r . . . Froude-Zahl
Ist das Verhältnis von Trägheitskräften und Schwerekräften

5.6 Eine Kugel mit dem Durchmesser D0 wird mit einer Geschwindigkeit von U0
angeströmt. Wenn nun mit dem selben Fluid eine Kugel mit dem
Durchmesser D30 betrachtet wird, wie groß muss dabei die Geschwindigkeit
sein, um Rückschlüsse auf die erste Kugel zu ermöglichen?
Die Formel für die Reynoldszahl ist beim Moody-Diagramm zu finden. Zwei betrachtete

Strömungen sind ähnlich, wenn sie die selbe Reynoldszahl haben.

Re0 = Re1
D
U0
D0 U1 
3
0

=
ν ν
U1 = 3U0

Bei 3-mal kleinerem Durchmesser muss die Geschwindigkeit 3-mal so groß sein.

Max Wilfinger, Robert Novak 54 TU Graz, 2018


5 Laminare Strömungen mit Reibung - die Navier-Stokesschen Gleichungen

5.7 Geben Sie die 3 Arten der Strömungsform an. Skizzieren Sie diese und geben
Sie die Geschwindigkeit für jeden dieser Fälle an?
1) Schleppströmung (Couette-Strömung)
Die Geschwindigkeitsverteilung bei einer reinen Schleppströmung ohne Druckge-
dp
fälle ⇒ dx =0

U
u(y) = y
h
2) Druckgetriebene Kanalströmung (Poiseuille-Strömung)
Der Druckgradient ist negativ, sonst keine Strömung in x-Richtung. Das Geschwin-
digkeitsprofil ist parabolisch.

 
1  dp  h2 y  y 2
 
u(y) = − −
µ dx 2 h h

|{z}
<0

3) kombinierte Druck-Schlepp Strömung


Beim Fall der kombinierten Druck-Schlepp-Strömung haben wir folgendes Ge-
schwindigkeitsprofil der verschobenen Parabel.

U 1 dp 2
u(y) = y+ (y − hy)
h 2µ dx

Max Wilfinger, Robert Novak 55 TU Graz, 2018


5 Laminare Strömungen mit Reibung - die Navier-Stokesschen Gleichungen

5.8 Zur Bestimmung des Volumenstroms einer inkompressiblen


Newtonschen-Flüssigkeit, welche laminar und stationär durch ein gerades
Rohr mit dem Kreisquerschnitt Radius R fließt, soll mit einem räumlichen
Messverfahren die Geschwindigkeit der Flüssigkeit auf der Rohrachse r = 0
gemessen werden.
a) Skizzieren Sie die Rohrstömung!

b) Geben Sie den Zusammenhang zwischen der bei r = 0 herrschenden Geschwin-


digkeit und der volumenstromäquivalenten mittleren Geschwindigkeit im Strö-
mungsfeld an?
Die Kontinuitätsgleichung, sowie die Impulsgleichungen in r- und z-Richtung ver-
einfachen sich zu:
Studienblätter Teil 2 Seite 4 ’THE EQUATION OF CONTINUITY IN SEVERAL
COORDINATE SYSTEMS’ Cylindrical coordinates ρ andµ’

∂p 1 ∂ 1 ∂  ∂  
 + (ρrur ) + (ρuθ ) + (ρuz) = 0 ⇒ ur = 0
∂t r ∂r r ∂θ
 ∂z


Studienblätter Teil 2 Seite 5 ’THE EQUATION OF MOTION IN CYLINDRICAL


COORDINATES’ for a Newtonian fluid with constant ρ andµ’

1 ∂p µ ∂ 1 ∂ ∂ 2 ur
   
∂ur ∂ur 1 ∂p
ur + uz = − +  (rur ) + + gr ⇒ 0 =
 
 ∂r  ∂z ρ ∂r ρ  ∂r r ∂r
 ∂z 2 ρ ∂r
2
   
∂uz ∂uz 1 ∂p µ 1 ∂ ∂uz ∂ uz
ur + uz = − + r + + gz
 
 ∂r  ∂z ρ ∂z ρ r ∂r ∂r ∂z 2
  
1 ∂p µ 1 ∂ ∂uz
⇒0=− + r
ρ ∂z ρ r ∂r ∂r

Max Wilfinger, Robert Novak 56 TU Graz, 2018


5 Laminare Strömungen mit Reibung - die Navier-Stokesschen Gleichungen

  
1 dp µ 1 ∂ ∂uz
0=− + r
ρ dz 
 ρ r ∂r ∂r
 
1 dp 1 ∂ ∂uz
= r
µ dz r ∂r ∂r
2
∂uz 1 dp r
r = + C1
∂r µ dz 2
∂uz 1 dp r C1
= +
∂r µ dz 2 r
1 dp r2
u = uz (r) = + C1 ln r + C2
µ dz 4
Mit den Randbedingungen folgt:
du 1 dp C1
(r = 0) = 0 = r+ ⇒ C1 = 0
dr 2µ dz r
2
1 dp R
u(r = R) = 0 = + C2
µ dz 4
1 dp 2
C2 = − R
4µ dz

1 dp 2
r − R2

u(r) =
4µ dz

Studienblätter Teil 3 Seite 3 ’(2) Definition von ”mittleren Größen”’


Z
1
um = u(r) dA mit: dA = r dϕ dr
A
A
Z ZR
1 1 dp 2 2  1 dp
r3 − R2 r dr
 
um = 2 2 r − R 2πr dr =

R π dz 2µR2 dz


 0
1 dp R4 R4
 
= −
2µR2 dz 4 2
2
R dp Umax
um = − =
8µ dz 2

Max Wilfinger, Robert Novak 57 TU Graz, 2018


5 Laminare Strömungen mit Reibung - die Navier-Stokesschen Gleichungen

c) Durch einen Justierfehler wird nicht die Geschwindigkeit bei r = 0, sondern bei
r = 0, 15R gemessen. Wie groß ist dadurch der Fehler der Volumenstrommessung,
die auf diesem Messwert aufbaut?
u(r = 0) − u(r = 0, 15R)
F = · 100
u(r = 0)
1dp 1 dp
2
 2 2 


 0 − R
dz  + 4µ  − 0, 15 
 R
dz
R2
= 1dp
  · 100
 0 − R 2
4µ dz

−1 + 1 − 0, 152
= · 100
−1
= 0, 152 · 100 = 2, 25%

d) Geben Sie aufgrund des Ergebnisses aus b) Ihre Einschätzung ab, ob diese
Methode gegenüber der Dejustage des Messgerätes sehr empfindlich oder sehr
unempfindlich ist?
Die Methode ist eher unempfindlich, da bei einer Abweichung des Radius von 15%
laut Rechengang in b), eine Abweichung in der Volumenstrommessung von ca.
2% vorliegt. Im Vergleich zu einer turbulenten Strömung ist die Abweichung sehr
groß, da turbulente Strömungen aufgrund des völligeren Profils unempfindlicher
gegenüber Messfehlern sind.
e) An welcher radialen Position müsste gemessen werden, um mit der gemessenen
Geschwindigkeit die volumenstromäquivalente Geschwindigkeit zu erhalten?

Umax
u(r = rm ) =
2
2
1 dp 2 R dp
− R2 = − 2 

  rm
4µ dz dz
8
µ
2 R2
rm − R2 = −
2
2 R2
rm = R2 −
r 2
R 2
rm =
2

Max Wilfinger, Robert Novak 58 TU Graz, 2018


5 Laminare Strömungen mit Reibung - die Navier-Stokesschen Gleichungen

5.9 Betrachten Sie das stationäre, laminare, entwickelte Strömungsfeld einer


ebenen Druck-Schleppströmung zwischen zwei ebenen Platten für
inkompressibles Newtonsches Fluid (Viskosität µ, Dichte ρ). Dabei soll die
untere der beiden Platten ruhen und die obere mit der Geschwindigkeit U in
Richtung der x-Achse bewegt sein. Die Platten sind für das
Strömungsmedium undurchlässig. Die x-Achse liegt in der Ebene der unteren
Platte und zeigt nach rechts, die y-Achse zeigt nach oben. Der Abstand der
dp
beiden Platten (in y-Richtung) sei h. Der Druckgradient dx habe einen
negativen Zahlenwert und sei bekannt. Massenkräfte werden vernachlässigt.
a) Skizzieren Sie die beschriebene Anordnung und das Koordinatensystem.

b) Schreiben Sie die Kontinuitätsgleichung für diese Strömung an.


Studienblätter Teil 2 Seite 3 ’THE EQUATION OF CONTINUITY IN SEVERAL
COORDINATE SYSTEMS Rectangular coordinates (x, y, z)’

∂u ∂v
 + =0
∂x
 ∂y

c) Schreiben Sie die x- und y-Impulsgleichung für diese Strömung an!


Studienblätter Teil 2 Seite 4 ’THE EQUATION OF MOTION IN RECTANGU-
LAR COORDINATES for a Newtonian fluid with constant ρ and µ’
Impulsgleichung in x-Richtung

1 ∂p µ ∂ 2 u ∂ 2u
 
∂u ∂u ∂u
+ fxB
 
 +u + v = − +  +
2 2
∂t ∂x ∂y ρ ∂x ρ ∂x ∂y
Impulsgleichung in y-Richtung

1 ∂p µ ∂ 2 v ∂ 2 v
 
∂v ∂v ∂v
 +u + v = − +  + 
2 2
+ fyB
∂t
 ∂x ∂y ρ ∂y ρ ∂x ∂y


Max Wilfinger, Robert Novak 59 TU Graz, 2018


5 Laminare Strömungen mit Reibung - die Navier-Stokesschen Gleichungen

d) Berechnen Sie das Geschwindigkeitsprofil u(y) für diese Strömung durch Lösen
der Gleichungen, die Sie unter b) und c) angeschrieben haben.
∂v
Aus der Kontinuitätsgleichung ∂y = 0 folgt, dass v=konst. im ganzen Strömungs-
feld ist. Da die Platten undurchlässig sind, ist v überall 0.
1 ∂p
I: 0 = −
ρ ∂y
1 ∂p µ d2 u
II: 0 = − +
ρ ∂x ρ dy 2
d2 u 1 dp
aus II: 2 =
dy µ dx
du 1 dp
⇒ = y + C1
dy µ dx
1 dp y 2
⇒u= + C1 y + C2
µ dx 2

mit RB: u(y = 0) = 0 ⇒ C2 = 0


1 dp h2
u(y = h) = U ⇒ U = + C1 h
µ dx 2
U 1 dp h
C1 = −
h µ dx 2

U 1 dp 2
u(y) = y+ (y − hy)
h 2µ dx
Die Dichte des Fluids ist unbedeutend, da keine Beschleunigung und keine Mas-
senkräfte auftreten.
e) Ermitteln Sie die Gleichung für die Geschwindigkeit U , mit der Sie die obe-
re Platte bewegen müssen, damit die Schubspannung τxy an der Oberfläche der
unteren Platte verschwindet. Zeigt diese Geschwindigkeit nach links oder nach
rechts?
∂u
τxy (y = 0) = 0 = µ
∂y
 
U 1 dp
=µ + (2y − h)
h 2µ dx
U 1 dp
= − h
h 2µ dx
1 dp 2
U= h
2µ dx
Die Geschwindigkeit zeigt nach rechts (positive x-RIchtung), obwohl das Ergebnis
negativ ist, da der Druckgradient ebenfalls negativ ist.

Max Wilfinger, Robert Novak 60 TU Graz, 2018


5 Laminare Strömungen mit Reibung - die Navier-Stokesschen Gleichungen

f) Wie groß ist in diesem Fall der Volumenstrom des Fluids zwischen den beiden
Platten?

Zh
V̇ = b u(y) dy
0
Zh  
Uy 1 dp 2 
=b − y − hy dy
h 2µ dx
0
U h2 1 dp h3 h3
  
=b − −
2h 2µ dx 3 2
3
U hb h b dp
V̇ = +
2 2µ dx

5.10 Die Kontinuitäts- und Navier-Stoke’schen Bewegungsgleichungen für ein


imkompressibles Newton’sches Fluid lauten in Zylinderkoordinaten:
Kontinuitätsgleichung:
∂ρ 1 ∂ 1 ∂ ∂
+ (ρλuλ ) + (ρuφ ) + (ρuz ) = 0
∂t λ ∂λ λ ∂φ ∂z
λ-Impuls:

∂uλ uφ ∂uλ u2φ


 
∂uλ ∂uλ ∂p
ρ + uλ + − + uz =−
∂t ∂λ λ ∂φ λ ∂z ∂λ
2 2
   
∂ 1 ∂ 1 ∂ uλ 2 ∂uφ ∂ uλ
+µ (λuλ ) + 2 2
− 2 + + ρgλ
∂λ λ ∂λ λ ∂φ λ ∂φ ∂z 2

φ-Impuls:

 
∂uφ ∂uφ uφ ∂uφ uλ uφ ∂uφ 1 ∂p
ρ + uλ + + + uz =−
∂t ∂λ λ ∂φ λ ∂z λ ∂φ
1 ∂ 2 uφ 2 ∂uλ ∂ 2 uφ
   
∂ 1 ∂
+µ (λuφ ) + 2 + + + ρgφ
∂λ λ ∂λ λ ∂φ2 λ2 ∂φ ∂z 2

z-Impuls:

 
∂uz ∂uz uφ ∂uz ∂uz ∂p
ρ + uλ + + uz =−
∂t ∂λ λ ∂φ ∂z ∂z
2 2
   
1 ∂ ∂uz 1 ∂ uz ∂ uz
+µ λ + 2 + + ρgz
λ ∂λ ∂λ λ ∂φ2 ∂z 2

Max Wilfinger, Robert Novak 61 TU Graz, 2018


5 Laminare Strömungen mit Reibung - die Navier-Stokesschen Gleichungen

a) Vereinfachen Sie diese auf jene Form, die die oben skizzierte Strömung be-
schreibt!
∂ ∂ ∂
mit: = 0, = 0, = 0 und uφ 6= 0 vereinfachen sich die Gleichungen zu:
∂t ∂φ ∂z
Kontinuitätsgleichung:

∂ρ 1 ∂ 1 ∂  ∂  
 + (ρλuλ ) + (ρuφ ) + (ρuz ) = 0
∂t λ ∂λ λ ∂φ
 ∂z

1 ∂
(ρλuλ ) = 0
λ ∂λ
ρλuλ = C mit RB: uλ (λ = λi ) = 0
⇒ uλ = 0

λ-Impuls:

u2φ
 
∂uλ ∂u λ
 uφ ∂uλ ∂uλ ∂p
ρ + uλ +  − + uz =−
 
∂t  ∂λ λ ∂φ λ  ∂z ∂λ
" #
2 2
 
∂ 1 ∂   1 ∂ u
λ 2 ∂uφ + ∂ uλ + ρg

+µ  (λu λ ) + − λ
λ2∂φ2  λ2∂φ ∂z 2

∂λλ ∂λ 

u2φ ∂p
⇒ −ρ =−
λ ∂λ

Max Wilfinger, Robert Novak 62 TU Graz, 2018


5 Laminare Strömungen mit Reibung - die Navier-Stokesschen Gleichungen

φ-Impuls:

 
∂uφ ∂u
φ uφ ∂uφ uλ uφ ∂uφ 1 ∂p

ρ + uλ +   + + uz 
= −
∂t  ∂λ λ ∂φ λ  ∂z λ ∂φ
"  #
1 ∂ 2 u ∂ 2 uφ
 
∂ 1 ∂ 
φ 2 ∂u
λ
+µ (λuφ ) + 2 2 + 2 + +ρg
φ
∂λ λ ∂λ λ ∂φ λ ∂φ
 ∂z 2

  
∂ 1 ∂
⇒0=µ (λuφ )
∂λ λ ∂λ

z-Impuls:

 
∂uz ∂uz uφ ∂uz ∂uz ∂p
ρ  + uλ +  + uz =−
 
∂t  ∂λ λ ∂φ  ∂z ∂z
" #
2 2
 
1 ∂ ∂uz 1 ∂ uz ∂ uz
+µ λ + 2 2 + 2
+
ρgz
λ ∂λ ∂λ λ ∂φ ∂z

  
1 ∂ ∂uz
⇒0=µ λ
λ ∂λ ∂λ

b) Mathematische Bedingungen unter denen die DGL für die Umfangsgeschwin-


digkeit u(λ) gelöst werden kann!

1. u(λ = λ1 ) = w1 λ1
2. u(λ = λ2 ) = w2 λ2

c) Warum tritt in der DGL die Dichte des Fluides nicht auf?
Es tritt nur die DGL für p(λ) auf, da in den anderen Richtungen Trägheits- und
Massenkräfte vernachlässigt werden können.
d) Eine weitere DGL bleibt für das radiale Druckprofil übrig. Wodurch kommt diese
Druckverteilung zustande?
Durch unterschiedliche Geschwindigkeiten der Wände in φ-Richtung.

Max Wilfinger, Robert Novak 63 TU Graz, 2018


5 Laminare Strömungen mit Reibung - die Navier-Stokesschen Gleichungen

5.11 Skizzieren Sie das Geschwindigkeitsprofil für ein ebenes Gleitlager mit
Gleitschuh.
Das Bild kann 1:1 aus den Studienblättern, Teil 1, übernommen werden
Bei Strömungen in Lagern von Maschinen treten sehr kleine Reynoldszahlen auf. Diese
Strömungen sind laminar.
Es herrscht eine stationäre Strömung zwischen bewegter und feststehender Wand, wobei
die obere Wand geneigt ist. Damit ändert sich das Geschwindigkeitsprofil in x-Richtung
dauernd, also
∂u
6= 0
∂x

Max Wilfinger, Robert Novak 64 TU Graz, 2018


6 Turbulente Strömung

6 Turbulente Strömung
6.1 Auf welcher grundlegenden Modellvorstellung zur Bewegung von Wirbeln in
turbulenten Strömungen basiert der Prandtlsche Mischungsansatz zur
Beschreibung turbulenter Strömungen?
Dem Modell liegt die Annahme zugrunde, dass Bewegungen von Turbulenzballen die
Geschwindigkeitsschwankungen in Längs- und Querrichtung auslösen.

6.2 Für turbulente Rohrströmungen kann die (zeitlich) mittlere Geschwindigkeit


1
u in Strömungsrichtung dimensionslos in der Form umax u
= Ry n als Funktion
des Wandabstandes y beschrieben werden. Hierbei ist R der Rohrradius und
umax die größte im Rohrquerschnitt auftretende mittlere Geschwindigkeit.
Aus dieser Formulierung ergibt sich für das Verhältnis aus der
volumenstromäquivalenten mittleren Geschwindigkeit U und der maximalen
U 2n2
Geschwindigkeit umax die Beziehung umax = (n+1)(2n+1) .
a) Welchen Zahlenwert hat dieses Verhältnis für den häufig benutzten Wert 1/n =
1/7?
u 2 · 72 98
= = = 0, 816
umax (7 + 1)(2 · 7 + 1) 120
b) Was folgt aus diesem Wert für die Form des turbulenten Geschwindigkeitsprofils
im Vergleich zu laminaren Strömungen?
Turbulentes Profil ist völliger, als jenes der laminaren Strömung, Turbulenzbal-
len transportieren kinetische Energie zur Wand.

c) Welche Schwäche hat der 1/7-Potenzansatz hinsichtlich der Berechnung der


Wandschubspannung?
Für die Berechnung von τW muss der Druckverlust über die Bernoulli-Gleichung
bestimmt werden. Hierfür muss der Verlustbeiwert ζ experimentell bestimmt wer-
den.

Max Wilfinger, Robert Novak 65 TU Graz, 2018


6 Turbulente Strömung

6.3 Ermitteln Sie die Gleichung für den Verlustbeiwert ζD eines Diffusors für
inkompressibles Fluid als Funktion des Diffusorwirkungsgrades η und des
Verhältnisses A1 /A2 aus Ein- und Austrittsquerschnitt. Führen Sie dazu die
folgenden Schritte aus:

A1 u1 = A2 u2
A1
u2 = u1
A2
a) Drücken Sie den im idealen (verlustfreien) Fall auftretenden Druckunterschied
(p2 − p1 )ideal über den Diffusor mit Hilf der Bernoulli-Gleichung und der Kontinui-
tätsgleichung durch die Geschwindigkeit u1 am Eintritt, die Dichte des Fluids und
das Flächenverhältnis A1 /A2 aus.
ρ ρ
p1 + u21 = p2 + u22
2 "2   #
2
ρ A1
(p2 − p1 )ideal = u21 1 −
2 A2

b) Drücken Sie den real auftretenden Druckverlust (p2 − p1 )real mit Hilfe der erwei-
terten Bernoulligleichung aus, in der der gesuchte Verlustbeiwert ζD auftritt.

ρ ρ u2
p1 + u21 = p2 + u22 + ζD ρ 1
2 2 2
ρ 2 ρ 2 u2
(p2 − p1 )real = u1 − u2 − ζD ρ 1
2 " 2 2 #
 2
ρ A1
(p2 − p1 )real = u21 1 − − ζD
2 A2

(p2 −p1 )real


c) Der Diffusorwirkungsgrad ist definiert durch die Gleichung η = (p 2 −p1 )ideal
und
als bekannt anzusehen. Durch Formulierung des real auftretenden Druckverlust
(p2 − p1 )real in der erweiterten Bernoulligleichung durch den Druckunterschied (p2 −
p1 )ideal gemäß Aufgabenteil a) und den Wirkungsgrad η erhalten Sie die gesuchte
Gleichung für ζD als Funktion von η und A1 /A2 . Bestimmen Sie diese Gleichung
als Endergebnis Ihrer Rechnung.
"  2 # "  2 #
ρ 2 A1 ρ 2 A1
η u1 1 − = u1 1 − − ζD
2 A2 2 A2
A1 2 A1 2
ζD = 1 − η + η −
A2 A2

Max Wilfinger, Robert Novak 66 TU Graz, 2018


6 Turbulente Strömung

6.4 Geben Sie drei charakteristische Eigenschaften der turbulenten Strömung an!
• Turbulente Strömungen sind durch regellose Schwankungen der Geschwindigkeit
und des Druckes gekennzeichnet

• Flüssigkeit scheint mehr Zähigkeit zu besitzen. Anstieg des Widerstandes in Rohr-


leitungen

• Schwankungsbewegung hat Einfluss auf mittlere Bewegung

6.5 Erklären Sie das logarithmische Wandgesetz!


Studienblätter Teil 1 ’Formel 5.3-12’ Das logarithmische Wandgesetz beschreibt die Ge-
schwindigkeit u+ in Abhängigkeit vom Abstand y + von der Wand.
1
u+ = ln y + + B
κ
κ . . . Konstante aus Experimenten, etablierter Wert: κ = 0, 4
B . . . Integrationskonstante aus Experimenten, etablierter Wert: B = 5, 5
Das logarithmische Wandgesetz gilt nur für Strömungen die eindeutig turbulent sind
(hinreichend große Reynolds-Zahl) und eine ausreichende Entfernung zur Wand aufwei-
+
sen (y + > 26, aber yδ ≤ 0, 2).

6.6 Die zeitlich gemittelte Impulsgleichung in x-Richtung kann für turbulente


Strömungen in folgender Form vorliegen!
" #
∂u02 ∂u0 v 0 ∂u0 w0
 
∂u ∂v ∂w ∂p
ρ u +v +w =− + µ∆u − ρ + +
∂x ∂y ∂z ∂x ∂x ∂y ∂z

a) Welchen Namen tragen Gleichungen dieser Form für turbulente Strömungen?


RANS: Reynolds-Averaged Navier-Stokes Equations
In diesen Gleichungen treten neben den Unbekannten u, v, w und p auch die
Reynolds-Spannungen auf. Um diese Spannungen beschreiben zu können, braucht
man zusätzliche Gleichungen. Diese Gleichungen werden durch Turbulenzmodelle
(Schließungsproblem der Reynolds-Gleichungen) geliefert.
b) Nennen Sie ein Turbulenzmodell mit dem die drei Terme in der rechten Klammer
als Funktion der mittleren Geschwindigkeit beschrieben werden können!
Prandtlsche Mischungswegansatz, es wird benötigt um das Schließungsproblem
der Reynolds-Gleichungen zu behben.

Max Wilfinger, Robert Novak 67 TU Graz, 2018


6 Turbulente Strömung

6.7 Ein vollkommen raues Rohr (dimensionslose Rauigkeit kRs = 3 · 10−2 ) wird von
Wasser (ρ = 1000 kg/m3 und µ = 10−3 N s/m2 ) mit dem Volumenstrom von
2 l/s durchströmt. Der Rohrinnendurchmesser (kreisförmiger Querschnitt) sei
30mm. Die Rohrreibungszahl für vollkommen raue Rohre bei turbulenter
Durchströmung ist gegeben durch die Gleichung von Kármán mit
√1 = 1, 74 − 2 log ks !
λ R

a) Verifizieren Sie, dass die beschriebene Strömung turbulent ist!

uD µ V̇
Re = mit ν = und u =
ν ρ A
−3 −3
 3
V̇ Dρ 2 ·
10 ·  30· 10 · 10 · 4
  
→ Re = =
Aµ (30 · 10−3 )2 · π ·  −3
10


8
= · 105 > 104 > 2300 ⇒ turbulent

b) Was bedeutet die Angabe, dass das Rohr vollkommen rau sei?

• Alle Rauigkeiten ragen aus der laminaren Unterschicht heraus


• Rohrwiderstand ist vorwiegend Formwiderstand der Rauigkeitselemente
• Wandrauheit dominiert Strömungsverhalten, während die Viskosität unwe-
sentlich ist (unabhängig der Re-Zahl)
• Das Widerstandsgesetz ist quadratisch
ks · uτ
• > 26
R
c) Berechnen Sie den Druckverlust der obigen Strömung in einer 5m langen Lei-
tung!

ρ ρ u2
Bernoulli-Gleichung: p1 + u21 = p2 + u22 + ζρ 1
2 2 2
Kontinuitätsgleichung:  
 ρA2 u2 ⇒ u1 = u2
ρA1 u1 = 

u2
p1 − p2 = ∆p = ζρ
2
Im Fall von turbulenter Strömung ist der Verlustbeiwert für Rohre definiert als:
L
ζ=λ
D

Max Wilfinger, Robert Novak 68 TU Graz, 2018


6 Turbulente Strömung

L u2
∆p = λ ρ
D 2
!2 !2
1 Lρ V̇
∆p =
1, 74 − 2 log kRs D2 A
!2
1 2LρV̇ 2
∆p =
1, 74 − 2 log kRs D5 π

6.8 Nennen Sie ein Turbulenzmodell, dass die Funktion der mittleren
Geschwindigkeit beschreibt! Was sagt dieses Modell aus?
Prandtl’sche Michungswegansatz

Dem Modell liegt die Annahme zugrunde, dass Bewegungen von Turbulenzbal-
len die Geschwindigkeitsschwankungen in Längs- und Querrichtung auslösen. Es
besteht ein Zusammenhang zwischen Schwankungsbewegungen und der mittleren
Geschwindigkeit. Die Prandtl’sche Modellierung von τ 0 ist eine Verfeinerung des
groben Ansatzes von Boussinesq (τ 0 = ρε ∂u
∂y
).
Längsschwankungen
Ein Flüssigkeitsballen bewegt sich von der unteren Schicht nach y. Damit
gelangt ein langsamer Ballen in eine schnellere Schicht. Der entstandene Ge-
schwindigkeitsunterschied liefert einen Teil der Schwankungen in x-Richtung.
du
⇒ ∆u1 = l
dy
Analog wandert ein Flüssigkeitsballen von der schnelleren Schicht in die lang-
samere Schicht, welcher einen weiteren Teil der Schwankungsbewegung in
x-Richtung auslöst.
du
⇒ ∆u2 = l
dy
Nimmt man nun den zeitlichen Mittelwert des Betrages der Schwankung als
den arithmetischen Mittelwert von u1 und u2 an, so folgt
du
|u0 | = l
dy
Die Wegstrecke l nennt man den Mischungsweg.
Querbewegung
Die Querbewegung wird durch Schwankung in y-Richtung ausgelöst. Dabei
ergeben sich die beiden folgenden Fälle.
links: Schnellerer Ballen (von oben) liegt vor langsamerem Ballen ⇒ Ballen
bewegen sich auseinander ⇒ Lücke wird durch Querbewegung gefüllt.

Max Wilfinger, Robert Novak 69 TU Graz, 2018


6 Turbulente Strömung

rechts: Schnellerer Ballen (von oben) liegt hinter langsamerem Ballen ⇒


Kollision ⇒ Ballen weichen aus ⇒ Querbewegung.
In beiden Fällen wird die Querbewegung durch Schwankungen in x-Richtung aus-
gelöst. Man nimmt daher an, dass

|v 0 | ≈ |u0 |
du
⇒ |v 0 | = C1 l
dy
mit: u0 v 0 = −C2 |u0 ||v 0 |
 2
0 0 2 2 du
folgt: u v = − C2 C1 l
| {z } dy
:=l2

 2
0 2 du 2
du du
τxy = −ρu0 v 0 = ρl = ρl
dy dy dy

6.9 Was ist die Wirbelviskosität?



du
2
ε = l
dy
Wirbelviskosität =
b kinematische Zähigkeit

Die Wirbelviskosität entspricht einer kinematischen Zähigkeit und hängt von der mitt-
leren Geschwindigkeit u und dem Ort im Strömungsfeld ab.

Max Wilfinger, Robert Novak 70 TU Graz, 2018


6 Turbulente Strömung

6.10 Moody-Diagramm (Studienblätter)


a) Welche Kurve stellt das Blasiussche Widerstandsgesetz für Rohrströmungen
dar?
Kurve 2, da sich das Blasius Gesetz nur für Reynoldszahlen Re < 105 eignet.

b) Welche Kurve bezeichnet die laminare Rohrströmung?


Kurve 1, da eine laminare Strömung eine Reynoldszahl von Re < 2300 bedingt.
c) Warum gibt es für laminare Rohrströmungen nur eine Kurve für die Rohrrei-
bungszahl, während für turbulente Strömungen offenbar viele Kurven existieren?
Turbulente Strömungen kann man in unterschiedliche Schichten (turbulente In-
nenschicht und turbulente Außenschicht) unterteilen. Es kommt darauf an, ob die
Rauigkeiten aus der Unterschicht herausragen, zum Teil herausragen oder ganz
herausragen. Bei laminarer Strömung sind diese Rauigkeiten zur Gänze in der la-
minaren Unterschicht.

6.11 Ein dünnes Öl mit der Dichte ρ = 800kg/m3 und der dynamischen Viskosität
µ = 1, 865mP as wird durch eine gerade, horizontale Rohrleitung mit
d = 2R = 300mm Innendurchmesser mit 6, 3 km Länge gepumpt. Die
Rauigkeitshöhe der Rohrwandung sei innen ks = 1, 2mm. Der Volumenstrom
des Öls durch das Rohr sei 220l/s.
a) Ermitteln Sie die Rohreibungszahl durch Ablesung aus dem Moody-Diagramm!

ks 1, 2
= = 0, 004 = b 4 · 10−3
d 300
V̇ 0, 22 · 4
u= = = 3, 112m/s
A 0, 32 · π
µ 1, 865 · 10−3
ν= = = 2, 331 · 10−6
ρ 800
u·d 3, 112 · 0, 3
Re = = = 4 · 105
ν 2, 331 · 10−6
λ = 0, 0285

b) Vergleichen Sie den Wert aus a) mit dem, den Sie aus dem Widerstandsgesetz
nach Kármán √1λ = 1, 74−2 log kRs erhalten. Ist dieser Vergleich berechtigt? Begrün-
den Sie ihre Antwort mit der Lage des Zustandpunktes im Moody-Diagramm!
!2
1
λ= = 0, 028
1, 74 − 2 log kRs


Der Vergleich ist berechtigt, da das Prandtlsche Widerstandsgesetz ab Re > 105


gilt.

Max Wilfinger, Robert Novak 71 TU Graz, 2018


6 Turbulente Strömung

c) Wie groß ist der Druckverlust über die gegebene Rohrstrecke? Verwenden Sie
für ihre Rechnung den Wert von λ, den Sie aus dem Moody-Diagramm abgelesen
haben. Welche Antriebsleistung für die Pumpe wird benötigt, um den gegebenen
Volumenstrom durch das Rohr zu befördern? Der mechanische Wirkungsgrad der
Pumpe sei η = 0, 75.

A2 w2 ⇒ w1 = w2 = w
A1 w1 = 
Kontinuitätsgleichung: 
ρ ρ w2
Bernoulli-Gleichung: p0 + w2 = p1 + w2 + ζR ρ
2 2 2
w2
p0 − p1 = ∆p = ζR ρ
2
L w2
=λ ρ
D 2
6, 3 · 103 800 · 3, 1122
= 0, 0285
300 · 10−3 2
= 2318479, 8 P a = b 23, 185 bar

V̇ (p0 − p1 )
P =
η

= ∆p
η
0, 22 · 23, 185 · 105
=
0, 75

P = 680, 08kW

6.12 In der wandnahen Zone ausgebildeter Turbulenz von turbulenten Rohr- und
Kanalströmungen wird die mittlere Strömungsgeschwindigkeit in
Strömungsrichtung parallel zur Wand durch das logarithmische Wandgesetz
u+ = κ1 ln y + + B beschrieben.
a) Unter welcher Spezialisierung erhalten Sie dieses Ergebnis aus dem Integral
R+
y
+ +
u (y ) = √ 2 dy + ?
2 +2
0 1+ 1+4κ y

Wenn y + groß, dann 1  4κ2 y +2 → 1  2κy +


1
⇒ u+ = ln y + + B . . . logarithmisches Wandgesetz
κ
Das logarithmische Wandgesetz gilt nur für Strömungen die eindeutig turbulent
sind (hinreichend große Reynolds-Zahl) und eine ausreichende Entfernung zur
+
Wand aufweisen (y + > 26, aber yδ ≤ 0, 2).

Max Wilfinger, Robert Novak 72 TU Graz, 2018


6 Turbulente Strömung

b) Erläutern Sie die Größen im logarithmischen Wandgesetz.


u+ . . . Geschwindigkeitsverlauf der Strömung
y + . . . Entfernung von der Wand, Laufkoordinate
κ . . . Konstante, welche den linearen Zusammenhang (l+ = κy + ) zwischen Mi-
schungsweg und Abstand von der Wand beschreibt. Ihr Wert wird mittels Experi-
mente bestimmt.
B . . . Integrationskonstante aus Experimenten

c) Mit welchen Bezugsgrößen sind die mittlere Geschwindigkeit u und die Koordi-
nate y dimensionslos gemacht, damit u+ und y + erhalten werden? r
τW
Hierzu verwendet man die Schubspannungsgeschwindigkeit uτ := und für y
ρ
zusätzlich die kinematische Zähigkeit ν.
u
u+ =

yuτ
y+ =
ν

d) Welche Zahlenwerte haben die Konstanten κ und B ungefähr?


Die Werte von κ und B werden durch viele Experimente gestützt. Dabei haben
sich folgende Werte etabliert.

κ = 0, 4 und B = 5, 5

6.13 Reynolds-Gleichungen für turbulente Strömungen!


a) Beschreiben Sie den Ansatz!
Die turbulenten Schwankungen von Druck und Geschwindigkeit werden modelliert
als ein zeitlich konstatner Mittelwert, der von Schwankungen überlagert wird.
tZ
0 +T
1
u = u + u0 mit: lim u dt = u
T →∞ T
t0
tZ
0 +T
1
bzw.: lim u0 dt = u0 − 0
T →∞ T
t0

Dieser Ansatz wird dann in die Kontinuitäts- bzw. Impulsgelichungen eingesetzt.

Max Wilfinger, Robert Novak 73 TU Graz, 2018


6 Turbulente Strömung

b) Beschreiben Sie die mathematische Prozedur!


Kontinuitätsgleichung:
∂u ∂v ∂w
+ + =0
∂x ∂y ∂z
mit: u = u + u0 , v = v + v 0 und w = w + w0
∂u ∂u0 ∂v ∂v 0 ∂w ∂w0
⇒ + + + + + =0
∂x ∂x ∂y ∂y ∂z ∂z
Zeitliche Mittelung liefert:
∂u ∂v ∂w
+ + =0
∂x ∂y ∂z
Impulserhaltung in x-Richtung:
 
∂u ∂u ∂u ∂u ∂u ∂u ∂u 1 ∂p
+u +v +w +u + + =− + ν∆u
∂t ∂x ∂y ∂z ∂x ∂y ∂z f ∂x
| {z }
0
∂u ∂u 2  ∂u ∂u 1 ∂p
+ u + (uv) + (uw) = − + ν∆u
∂t ∂x ∂y ∂z f ∂x
∂u
Einsetzen der Zerlegung und zeitliche Mittelung liefert mit ∂t
= 0:

∂ 2 ∂ 02 ∂ 2 ∂ 0 0 ∂ ∂ 1 ∂p
u + u + v + u v + w2 + u0 w0 = − + ν∆u
∂x ∂x ∂y ∂y ∂z ∂z f ∂x
Aus differenzieren und auf andere Seite bringen liefert:
∂u ∂v ∂w 1 ∂p ∂ 2 ∂ 0 0 ∂
u +v +w =− + ν∆u − u0 − u v − u0 w 0
∂x ∂y ∂z f ∂x |{z} ∂x ∂y ∂z
| {z } | {z } ∗∗∗ | {z }
∗ ∗∗ ∗∗∗∗

c) Erläutern Sie die Terme!

∗ . . . Impulsfluss über die Oberfläche


∗∗ . . . Druckkräfte
∗ ∗ ∗ . . . Schubspannungen zufolge Fluidbewegung
∗ ∗ ∗∗ . . . Turbulente Schubspannungen

Max Wilfinger, Robert Novak 74 TU Graz, 2018


7 Grenzschichten

7 Grenzschichten
7.1 Die Impulsgleichungen in x- und y-Richtung lauten für eine ebene stationäre
Strömung ohne Massenkräfte in kartesischen Koordinaten.
1. laminare Strömung:
 2
∂ u ∂ 2u

∂u ∂u ∂u 1 ∂p
+u +v =− +ν +
∂t ∂x ∂y ρ ∂x ∂x2 ∂y 2
 2
∂ v ∂ 2v

∂u ∂v ∂v 1 ∂p
+u +v =− +ν +
∂t ∂x ∂y ρ ∂y ∂x2 ∂y 2

2. turbulente Strömung:
!
∂ 2u ∂ 2u ∂u0 2 ∂u0 v 0
 
∂u ∂u 1 ∂p
u +v =− +ν + − +
∂x ∂y ρ ∂x ∂x2 ∂y 2 ∂x ∂y
!
∂ 2v ∂ 2v 0 0 02
 
∂v ∂v 1 ∂p ∂u v ∂v
u +v =− +ν + − +
∂x ∂y ρ ∂y ∂x2 ∂y 2 ∂x ∂y

a) Erläutern Sie, durch welche Überlegungen aus diesen Gleichungen die Grenz-
schichtform erzeugt wird.
Für die Dicke der Grenzschicht soll gelten
δ
= ε << 1 L . . . charakteristische Länge (z.B.: Plattenlänge)
L
dimensionslos machen:
x y u v
mit: x∗ = ∼ O(1); y ∗ = ∼ O(ε); u∗ = ∼ O(1); v ∗ = ∼ O(ε);
L L U∞ U∞
∂u∗ ∂v ∗ ∗ p ∗ t · U∞ ∂ 2 u∗
∼ O(1); ∼ O(1); p = ; t = ; ∼ O(1)
∂x∗ ∂y ∗ 2
ρ · U∞ L ∂x∗2
∂ 2 u∗ 1
und ∼ O( )
∂y ∗2 ε2
Ist eine Strömung instationär, so ist der lokale Anteil der Beschleunigung gleich-
∂p∗
bedeutend wie der konvektive ⇒ ∼ O(1)
∂x∗
Gleichungen müssen auch für den Grenzschichtrand gelten. Dort haben wir aber
keinen Reibungseinfluss. Daher muss sich der Druckterm mit der Beschleunigung
∂u∗
die Waage halten ⇒ ∗ ∼ O(1)
∂t

Max Wilfinger, Robert Novak 75 TU Graz, 2018


7 Grenzschichten

x-Richtung:

∂u∗ U∞2
∂u∗ U∞2
∂u∗ U∞2
ρ ∂p∗
+  u∗ +  v∗ = −
∂t∗ L ∂x∗ L ∂y ∗ ρL ∂x∗
2
∂ 2 u∗ 2
∂ 2 u∗
  
U∞ U∞

+ν  + 
U∞ L2 ∂x∗2 U∞ L2 ∂y ∗2
 

∂u∗ ∗ ∂u

∗ ∂u

∂p∗  ∂ 2 u∗
1  ∂ 2 u∗ 
⇒ + u + v = − + + (1)

∂t∗ | {z ∂x∗} ∂y ∗ ∂x∗ Re |∂x ∗2 ∂y ∗2
 
|{z} 
| {z } | {z } {z } | {z }
∼O(1) ∼O(1) ∼O(1) ∼O(1) ∼O(1) ∼O(1/ε2 )

1 ∂ 2 u∗ 1 2 1 ∂ 2 u∗
da ∼ O(1) sein muss, folgt: ∼ O(ε ) und ∼ O(ε2 )
Re ∂y ∗2 Re Re ∂x∗2
y-Richtung:

∂v ∗ U∞
2
∗ ∂v
∗ 2
U∞ ∗ ∂v

U∞2
ρ ∂p∗
+  u +  v =−
∂t∗ L ∂x∗ L ∂y ∗ ρL ∂y ∗
2
∂ 2v∗ 2
∂ 2v∗
  
U∞ U∞

+ν  + 
U∞ L2 ∂x∗2 U∞ L2 ∂y ∗2
 

∂v ∗ ∗ ∂v

∗ ∂v

∂p∗ 1   ∂ 2v∗ ∂ 2v∗ 
⇒ + u + v = − + + (2)

∂t∗ | {z ∂x∗} ∂y ∗ ∂y ∗ |{z}
Re |∂x ∗2
{z } |∂y
∗2
 
|{z} 
| {z } {z }
∼O(ε) ∼O(ε) ∼O(ε) O(ε2 ) ∼O(ε) ∼O(1/ε)

∂p∗
⇒ kann maximal ∼ O(ε) werden. Damit ist der Druckgradient senkrecht
∂y ∗
zur Wand sehr klein → kann näherungsweise null gesetzt werden.

Aufgrund dieser Abschätzungen lauten damit die Prandtlschen Grenzschichtglei-


chungen:
∂u ∂v
+ =0
∂x ∂y
∂u ∂u ∂u 1 ∂p ∂ 2u
aus (1): +u +v =− +ν 2
∂t ∂x ∂y ρ ∂x ∂y
∂p
aus (2): =0
∂y

Max Wilfinger, Robert Novak 76 TU Graz, 2018


7 Grenzschichten

b) Welche beiden Definitionen für den Rand einer Grenzschicht die zur Formulie-
rung von Randbedingungen benutzt werden, kennen Sie?

1. Theoretische Randbedingung am Grenzschichtrand


Für y → ∞ ist u = U (x) → Geschwindigkeit der Außenströmung (Potential-
strömung)
2. Praktische Randbedingung am Grenzschichtrand
Der Grenzschichtrand y = δ liegt dort, wo u/U = 0, 99 ist → sehr nahe an
der Wand.
c) Erläutern Sie die Überlegung, daraus die turbulente Grenzschichtform zu erzeu-
gen!
Die Schichtströmung wird instabil → es treten Querbewegungen auf, welche tur-
bulente Spannungen in der Gleichung erzeugen.
δ
Für die Dicke der Grenzschicht soll gelten: ∼ O(ε)
L
dimensionslos machen:
x y u v
mit: x∗ = ∼ O(1); y ∗ = ∼ O(ε); u∗ = ∼ O(1); v ∗ = ∼ O(ε);
L L U∞ U∞
∂u∗ ∂v ∗ ∗ p 02 )∗ =
u02 0 v 0 )∗ =
u0 v 0
∼ O(1); ∼ O(1); p = ; (u und (u
∂x∗ ∂y ∗ ρU∞2 2
U∞ U∞ 2

x-Richtung
 

∂u∗ ∂u∗ ∂p∗ 1  ∂ 2 u∗ ∂ 2 u∗  ∂(u0 2 )∗ ∂(u0 v 0 )∗


⇒ u∗ ∗ + v ∗ ∗ = − ∗ +  ∗2 + − − (1)
 
∂x }
| {z ∂y ∂x Re |∂x ∂y ∗2  ∂x∗ ∂y ∗
| {z } | {z } |{z} {z } | {z }
∼O(1) ∼O(1) ∼O(1) ∼O(ε2 ) ∼O(1) ∼O(1/ε2 )

Die Schwankungsbewgungen können in x- und y-Richtung als statisch gleich-


wertig angesehen werden (isotrope Turbulenz) → beide Schubspannungen
((u02 )∗ und (u0 v 0 )∗ ) müssen die selbe Größe haben.

∂(u02 )∗ (u0 v 0 )∗
⇒ ∼ O(ε) und ∼ O(1)
∂x∗ ∂y ∗

Max Wilfinger, Robert Novak 77 TU Graz, 2018


7 Grenzschichten

y-Richtung
 
∗ ∗
∗ ∂v ∗ ∂v∂p∗ 1  ∂ 2v∗ ∂ 2v∗  ∂(u0 v 0 )∗ ∂(v 02 )∗
⇒u + v = − +  ∗2 + − − (2)
 

∂x } ∂y ∗ ∂y ∗ Re |∂x ∗2 ∗
| {z | {z } |{z} {z } |∂y
{z }
 | ∂x
{z } | ∂y {z }
∼O(ε) ∼O(ε) ∼O(ε2 ) ∼O(ε) ∼O(1/ε) ∼O(ε) ∼O(1)

∂(v 02 )∗ ∂p∗
Zur Kompensation von ∼ O(1) muss der Druckterm ∗ ∼ O(1) sein.
∂y ∂y

Somit lautet die Grenzschichtnäherung für die Reynoldsschen Gleichungen in zwei-


dimensionaler Strömung:
∂u ∂v
+ =0
∂x ∂y
∂u ∂u 1 ∂p ∂ 2 u ∂u0 v 0
aus (1): u +v =− +ν 2 −
∂x ∂y ρ ∂x ∂y ∂y
1 ∂p ∂v 02
aus (2): + =0
ρ ∂y ∂y

7.2 Erläutern Sie anschaulich die physikalische Bedeutung der Verdrängungsdicke


in der Grenzschichtströmung an einem umströmten Körper?
Der Bereich der Grenzschicht wirkt als Hindernis für die reibungsfreie Strömung. In-
folgedessen wird die Stromlinie außerhalb der Grenzschicht abgelenkt und zwar um die
Entfernung δ1 .

7.3 Gegeben ist die Blasius-Lösung!


r
0 u p y νx
f (η) = ; Ψ = νxU∞ f (η); η = ; δ(x) =
U∞ δ(x) U∞

Max Wilfinger, Robert Novak 78 TU Graz, 2018


7 Grenzschichten

a) Bestimmen Sie die Geschwindigkeit in y-Richtung!



Geschwindigkeitskomponente: v = −
dx
r  
1 νU∞ p
0 1η
v=− f (η) − νxU∞ f (η) −
2 x 2x
| {z }
∂η
∂x
r
1 νU∞ 0
= (f (η)η − f (η))
2 x

b) Wohin ist die Geschwindigkeit orientiert?

r
1 νU∞ 0
v= (f (η)η − f (η))
2 x | {z }
+

⇒ die Geschwindigkeit ist in positive y-Richtung, dementsprechend von der Platte


weg orientiert.

c) Berechnen Sie den Volumenstrom für η = 5!

Z
V̇ = b u(y) dy

r
dΨ p ∂η ∂η U∞
mit: u(y) = = νxU∞ f 0 (η) und =
dy ∂y ∂y νx
wird: u(y) = U∞ f 0 (η)
mit: dy = δ(x) dη

Z5 r Z5
νx
V̇ = b U∞ f 0 (η)δ(x) dη = b U∞ f 0 (η) dη =
U∞
0 0
p
= b νxU∞ (f (5) − f (0))
p
V̇ = b νxU∞ (f (5) − f (0))
| {z }
(Ψ(5)−Ψ(0))

Max Wilfinger, Robert Novak 79 TU Graz, 2018


7 Grenzschichten

7.4 Betrachten Sie die Grenzschichtströmung in x-Richtung längs einer ebenen


Platte mit der Vorderkante bei x = 0!
a) Skizzieren Sie das Geschwindigkeitsprofil in der Grenzschicht an der ebenen
Platte sowie den Verlauf der Dicke der Grenzschicht mit der Koordinate x in der
Strömungsrichtung!
In Wandnähe ändert sich die Geschwindigkeit von null bis ungefähr auf die An-
strömgeschwindigkeit U∞ in einem schmalen Bereich des Strömungsfeldes ⇒ großer
Geschwindigkeitsgradient.
δ(x) . . . Dicke der Grenzschicht in x-Richtung

b) Berechnen Sie die Wandschubspannung an der Platte. Verwenden Sie hierfür die
Tabelle (Studienblätter) der Blasiusfunktion f (η) und ihre Ableitungen, sowie
qdie
y
Information, dass die Koordinate η durch die Gleichungen η = δ(x) und δ(x) = Uν·x

definiert ist: r
∂u 00 dη U∞ 00
τW = µ = µU∞ f (0) = µU∞ f (0)
∂y y=0
dy νx
bei η = 0 (an der Wand) → f 00 (0) = 0, 332 (Studienblätter Teil 1 ’Funktion f (η)’)
r
U∞
τW = 0, 332µU∞
νx
Dieses Ergebnis ist singulär an der Vorderkante (x = 0)! Der gesamte Widerstand
ergibt sich mit folgender Gleichung:

ZL
W =b τW dx
x=0

Max Wilfinger, Robert Novak 80 TU Graz, 2018


7 Grenzschichten

7.5 Unter welchen physikalischen Bedingungen kann eine Ablösung der


Grenzschicht innerhalb einer Strömung auftreten?
∂p
• Strömung muss gegen einen Druckgradienten ∂x
> 0 laufen

• Ablösung ist durch den Bewegungsumkehr in der Grenzschicht möglich

• Das Strömungsprofil muss einen Wendepunkt aufweisen

An den Punkten 1 und 3 ist die Geschwindigkeit gleich null (Staupunkte). In diesen
Punkten ist der Druck maximal. Ein Teilchen, das sich entlang der Wand bewegt, strömt
von 1 → 2 mit dem Druckabfall, und von 2 → 3 gegen den Druckanstieg. Da aber die
Teilchen in der Grenzschicht weniger Energie besitzen als die Teilchen außerhalb der
Grenzschicht und gegen den gleichen Druckgradienten anlaufen, kommt es zur Bewe-
gungsumkehr in der Grenzschicht (Ablösen).

Geschwindigkeitsprofil beim Ablösen:

(1) . . . erlaubtes Profil


(2) . . . Profil kurz vor dem Ablösen. Ein Wendepunkt muss auftreten
(3) . . . Abgelöstes Profil, das abgelöste Profil muss einen Wendepunkt haben

Max Wilfinger, Robert Novak 81 TU Graz, 2018


7 Grenzschichten

7.6 Erläutern Sie den Aufbau einer wandnahen, turbulenten Strömung in Wort
und durch eine Skizze. Geben Sie ungefähr an, auf welche Bereiche sich die
dimensionslosen Schichten erstrecken!
I: laminare Unterschicht:
τl  τt , τ ≈ τl : laminar, viskoser Anteil der Schubspannung viel größer als turbu-
lenter Anteil. y + sehr klein → direkte Wandnähe. Erstreckt sich von 0 ≤ y + ≤ 5

II: turbulente Unterschicht:


τ = τl + τt : Schubspannungen von gleicher Größenordnung. Erstreckt sich von
5 ≤ y + ≤ 26

III: turbulente Außenschicht:


τt  τl , τ ≈ τt : turbulenter Anteil der Schubspannung viel größer als laminarer,
viskoser → hier gilt das logarithmische Wandgesetz. y + ist sehr groß (y + > 26)

overlap layer und buffer layer sind Übergangsschichten.

7.7 Erläutern Sie anschaulich die physikalische Bedeutung der Impulsverlustdicke


in der Grenzschichtströmung an einem umströmten Körper!
Impulsverlustdicke δ2 ist ein Maß für den durch die Wandhaftung hervorgerufenen Im-
pulsverlust.
Z∞   
u u
δ2 = 1− dy
U U
0

7.8 Betrachten Sie die laminare Grenzschichtströmung längs einer ebenen Platte
deren Beschreibung durch √die Blasiusfunktion f (η) bestimmt ist. Die
Stromfunktion lautet Ψ = νxU∞ f (η)
a) Welche Größe wird durch die abgeleitete Funktion f 0 (η) beschrieben?
Verhältnis der Geschwindigkeit in x-Richtung zur Anströmungsgeschwindigkeit
vom Geschwindigkeitsprofil an der Stelle η.
u
f 0 (η) =
U∞

Max Wilfinger, Robert Novak 82 TU Graz, 2018


7 Grenzschichten

b) Bestimmen Sie die Geschwindigkeit in der Grenzschichtströmung aus Ψ!



Geschwindigkeitskomponente: v = −
dx
r  
1 νU∞ p
0 1η
v=− f (η) − νxU∞ f (η) −
2 x 2x
| {z }
∂η
∂x
r
1 νU∞ 0
= (f (η)η − f (η))
2 x

c) Ist die Strömung der Grenzschicht von der Platte weg oder auf die Platte
orientiert? Begründen Sie mithilfe des Ergebnisses aus b)!
r
1 νU∞ 0
v= (f (η)η − f (η))
2 x | {z }
+

⇒ die Geschwindigkeit ist in positive y-Richtung, dementsprechend von der Platte


weg orientiert.

7.9 Nennen Sie drei mögliche Bedingungen, die von einem Polynom zur
Beschreibung eines Geschwindigkeitsprofils u(y) (oder u/U∞ (η) mit η = y/δ)
in einer Grenzschicht der Dicke δ erfüllt werden müssen, damit es sich zur
Verwendung mit dem Kármánschen Impulssatz eignet.
a) Begründen Sie, warum diese Bedingungen gebraucht werden.
Die Funktion g(η̃) wird oft durch einen Polynomansatz formuliert und soll die Ran-
bedingungen erfüllen.
Die Haftbedingung bei η̃ = 0 → g(0) = 0 und der Anschluss an die Außenströ-
mung bei η̃ = 1 → g(1) = 1 müssen erfüllt werden, wobei es noch weitere zu
erfüllende Randbedingungen gäbe.
Wenn die Funktion g bekannt ist und die Randbedingungen beinhaltet lassen sich
damit Werte für α und β zuordnen.

b) Was halten Sie von dem Vorschlag ∂u = 0 zu fordern? Begründen Sie Ihre

∂y
y=0
Einschätzung.
Direkt an der Wand ist die Geschwindigekti u = 0, sowie die Geschwindigkeitsän-
derung ∂u∂y
= 0. Bedingung ist gültig direkt an der Wand, verliert allerdings ihre
Gültigkeit sobald man Stellen von der Wand weg betrachtet.

7.10 Der Kármánsche Impulssatz ist eine integrale Impulsbilanz für


Grenzschichten. Er lautet:
d dU τW
(U 2 δ2 ) + δ1 U =
dx dx ρ

Max Wilfinger, Robert Novak 83 TU Graz, 2018


7 Grenzschichten

a) Erläutern Sie die in der Gleichung vorkommenden Größen, einschließlich der


Koordinate x.
x . . . Strömungsrichtung und Laufkoordinate
U . . . Geschwindigkeit in der ungestörten Strömung
δ1 . . . Verdrängungsdicke
δ2 . . . Impulsverlustdicke
τW . . . Wandschubspannung
ρ . . . Dichte
b) Notieren Sie die spezielle Form dieser Gleichung für die längs angeströmte ebene
Platte.

dU dU∞
= =0
dx dx
d 2
 τW
⇒ U∞ δ2 =
dx ρ

c) Leiten Sie hieraus die Gleichung für die Größe δ2 (x) der ebnenen Platte her,
indem Sie die Größe τW in der Gleichung mit Hilfe der Blasius-Funktion ermitteln.

d 2 ν·U∞
7.11 Gegeben sei der Kármánsche Impulssatz mit dx
(U∞ · δ · α) = δ
β!
a) Ermitteln Sie hieraus den Verlauf der Grenzschichtdicke!

d 2 νU∞
(U∞ δα) = β
dx δ
dδ νβ
δ =
dx U∞ α
2
δ β ν
= x+C
2 α U∞
RB: bei x = 0 ist δ = 0 ⇒ C = 0

r r
2β νx
⇒ δ=
α U∞

b) Wie lautet der ursprüngliche Kármánsche Impulssatz(Näherung)?


d 2 dU τW
(U∞ δ2 ) + δ1 U =
dx dx ρ
δ1 . . . Verdrängungsdicke
δ2 . . . Impulsverlustdicke

Max Wilfinger, Robert Novak 84 TU Graz, 2018


7 Grenzschichten

7.12 Erläutern Sie anschaulich die physikalische Bedeutung der


Strömungsgrenzschichtdicke an einem umströmten Körper. Welche
Bedeutung hat die Temperatur der Grenzschichtdicke?
In der Grenzschicht ändert sich das Geschwindigkeitsprofil von null auf die Anström-
geschwindigkeit. Durch hohe Geschwindigkeitsgradienten werden bei niedriger Zähigkeit
große Trägheitskräfte erreicht.
Das Verhältniszwischen
 der Temperatur der Grenzschicht und Strömungsgrenzschicht,
1
wird durch O √ beschrieben.
Pr
 
δt 1
=O √
δ Pr

Temperaturgrenzschicht
Die Temperatur ändert sich nur in einer dünnen Schicht, nahe der festen Wand.
Die Temperaturverteilung in der Nähe eines umströmten Körpers zeigt ein analo-
ges Verhalten wie die Geschwindigkeit in der Strömungsgrenzschicht.

δt . . . Dicke der thermischen Grenzschicht

Max Wilfinger, Robert Novak 85 TU Graz, 2018


7 Grenzschichten

7.13 Eine ebene Platte werde von Luft stationär längs angeströmt. Die
Anströmgeschwindigkeit sei u = 10 m/s und die kinematische Zähigkeit der
Luft sei ν = 10−5 . Die Strömungsgrenzschicht, die stets längs der Platte
vorzufinden ist, wurde für laminare stationäre zweidimensionale
√ Strömung
von Blasius untersucht. Es hat die Stromfunktion Ψ = ν · x · U∞ · f (η)!
a) Verifizieren Sie, dass an der Stelle x = 10 cm (Abstand von der Plattenvorder-
kante) noch laminare Strömung vorherrscht (Rekrit = 5 · 105 )!

uL 10 · 10−1
Re = = −5
= 105
ν 10
Re < Rekrit

Es herrscht laminare Strömung.


b) Bestimmen Sie den Volumenstrom der bei x = 10 cm in der Grenzschicht, d.h.
im Bereich 0 ≤ x ≤ 10 fließt, wenn die Platte b = 0, 5 m breit ist.
Z
V̇ = b u(y)dy

r
dΨ p ∂η ∂η U∞
mit: u(y) = = νxU∞ f 0 (η) und =
dy ∂y ∂y νx
wird: u(y) = U∞ f 0 (η)
mit: dy = δ(x) dη

in der Grenzschicht, also bis η = 1

Z1 r Z1
0 νx
V̇ = b U∞ f (η)δ(x) dη = b U∞ f 0 (η) dη =
U∞
0 0
p
= b νxU∞ (f (1) − f (0))
mit f (1) = 0, 16557 und f (0) = 0
p
= 0, 5 · 10 · 0, 1 · 10−5 · (0, 16557 − 0)

m3
V̇ = 2, 6 · 10−4
s

Max Wilfinger, Robert Novak 86 TU Graz, 2018


7 Grenzschichten

7.14 Die Skizze zeigt eine ebene Strömung längs einer einseitig benetzten Platte
bei Anströmung U∞ . Der Verlauf der an der Platte entstehenden
Grenzschicht ist dabei qualitativ angegeben.
a) Zeigen Sie durch eine Kontinuitätsbetrachtung am Kontrollvolumen, dass die
Verdrängungsdicke δ1 jenen Abstand bedeutet, um den eine reale Stromlinie infolge
der Reibungswirkung gegenüber dem Fall ohne Reibung abgedrängt wird!


U∞ AE = (BC − δ)U∞ + u(y) dy
0

u(y)
AE = BC − δ + dy
U∞
0
mit BB 0 = δ1 = BC − AE

u(y)
0 = BB 0 − δ + dy
U∞
0

u(y)
BB 0 = δ − dy
U∞
0

Zδ  
0
u(y)
BB = δ1 = 1− dy
U∞
0

Max Wilfinger, Robert Novak 87 TU Graz, 2018


7 Grenzschichten

b) Zeigen Sie durch Anwendung des Impulssatzes auf den skizzierten Kontrollraum,
dass die Impulsverlustdicke δ2 den Widerstand/Breiteneinheit der einseitig benet-
2
zen Platte bezogen auf den doppelten dynamischen Druck ρU∞ der Anströmung
entspricht!


W 2 2
u(y)2 dy

− = −ρU∞ AE + ρU∞ BC − δ + ρ
b
0

W 2 2 2
− = −ρU∞ AE + ρU∞ BC − ρU∞ δ+ρ u(y)2 dy
b
0

W 2 2
δ + ρ u(y)2 dy

− = ρU∞ BC − AE − ρU∞
b
0
 

W 2  u(y)2 
− = ρU∞ δ1 − δ + 2
dy
b U∞
0
 δ 
Z Zδ   Zδ 2
W 2  u(y) u(y)
= ρU∞ dy − 1− dy + 2
dy 
b U∞ U∞
0 0 0
 δ δ δ

Z  Z  Z Zδ 2
W 2 
  u(y) u(y)
= ρU∞ dy − dy + dy + dy 
b U∞ U∞2
 
0 0 0 0
Zδ  
W 2 u(y) u(y)
= ρU∞ 1− dy
b U∞ U∞
|0 {z }
δ2

W 2
= ρU∞ δ2
b

Max Wilfinger, Robert Novak 88 TU Graz, 2018


7 Grenzschichten

7.15 Eine ebene Platte bewegt sich mit einer Geschwindigkeit 1, 5 m/s durch
ruhende Luft (ν = 1, 5 · 10−5 m2 /s, ρ = 1, 2 kg/m2 ), von der sie beidseitig
benetzt ist. Die Platte ist L = 1 m lang (in Bewegungsrichtung) und
B = 1 m breit (quer zur Bewegungsrichtung). Die Umströmung der Platte
soll als eben behandelt werden.
a) Skizzieren Sie die Umströmung der Platte mit Profil der Grenzschichtdicke. Die
x-Koordinate soll dabei parallel zur Bewegungsrichtung verlaufen, die y-Koordinate
normal dazu!

b) Prüfen Sie, ob die Grenzschichtströmung an dieser Platte aufgrund ihrer Bewe-


gung durch die Luft laminar oder turbulent ist.

uL 1, 5 · 1
Re = = = 105
ν 1, 5 · 10−5
105 < 5 · 105
Re < Rekrit ⇒ laminare Strömung längs der gesamten Platte

c) Berechnen Sie die mechanische Leistung, die benötigt wird, um diesen Bewe-
gungszustand konstant zu halten.

ZL
W =b τW dx
0
r
∂u U∞ 00
mit: τW =µ = µU∞ f (0)
∂y y=0 νx
mit: f 00 (0) = 0, 332

Max Wilfinger, Robert Novak 89 TU Graz, 2018


7 Grenzschichten

ZL r
U∞
⇒ W = 0, 332b µU∞ dx
νx
0
r ZL
U∞ 1
= 0, 332bµU∞ x− 2 dx
νx
0

µ
mit: ν = ⇒ µ = νρ
ρ
U∞ √
r
⇒ W = 0, 664BνρU∞ L
νx
1, 5 √
r
−5
= 0, 664 · 1 · 1, 5 · 10 · 1, 2 · 1, 5 · 1
1, 5 · 10−5

⇒ Pmech = 2W U∞ = 2 · 0, 00567 · 1, 5

7.16 In der Grenzschichtströmung in x-Richtung längs einer ebenen Platte mit


Vorderkante bei x = 0 sei das Profil der Geschwindigkeitskomponente u in
x-Richtung(bzw. des Verhältnisses u/U∞ ) innerhalb der Grenzschicht durch
das Polynom Uu∞ = g(η̃) = 2η̃ − 2η̃ 2 beschrieben. Hierbei ist η̃ = y/δ. Mit
Hilfe des Kármánschen Impulssatzes soll die Grenzschichtdicke δ als
Funktion der x-Koordinate längs der Platte bestimmt werden. Führen Sie
hierzu folgende Schritte aus:
a) Der Kármánsche Impulssatz für die Strömung längs einer ebenen Platte lau-
R1 u  
dy

d
tet dx 2
(U∞ δ2 ) = τ W
ρ
, wobei δ 2 (x) = δ(x) U∞
1 − u
U∞ δ
und τW
ρ
= ν du
dy
=
y/δ=0 y=0

νU∞ 0
R1 u

u

dy
δ(x)
g (η̃ = 0) sind. Bestimmen Sie die Werte der Größen α = U∞
1− U∞ δ
y/δ=0
und β = g 0 (η̃ = 0).
bei Grenzschichtströmung auf ebener Platte gilt: U = U∞ = konst.

Z∞   Z1
d 2 τW u u
⇒ U δ2 = mit δ2 = 1− dy = δ g (1 − g) dη̃ = δα
dx ρ U∞ U∞
0
|0 {z }
α

τW du U∞ dg νU∞ 0
=ν =ν − g (η̃ = 0)
ρ dy y=0 δ dη̃ η̃=∞ δ

Max Wilfinger, Robert Novak 90 TU Graz, 2018


7 Grenzschichten

mit: g 0 (η̃ = 0) = β

Z1 Z1
α= g(1 − g) dη̃ = (2η̃ − 2η̃ 2 )(1 − 2η̃ − 2η̃ 2 ) dη̃
0 0
Z1
= (2η̃ − 4η̃ 2 − 4η̃ 3 − 2η̃ 2 + 4η̃ 3 + 4η̃ 4 ) dη̃
0
2η̃ 2 4η̃ 3 4η̃ 4 2η̃ 3 4η̃ 4 4η̃ 5
 
= − − − + +
2 3 4 3 4 5
1
4 2 4 1
= 1 − − 1 − + 1 + =−
3 3 5 y=0 5

β = g 0 (η̃ = 0) = 2 − 4η̃ = 2

b) Durch Einführung der Größen α und β nimmt der Kármánsche Impulssatz die
d 2
Form an. Ermitteln Sie hieraus den Verlauf der Grenzschichtdicke dx (U∞ δα) =
νU∞
δ
β.

d 2
 νU∞
U∞ δα = β
dx δ
2 dδ νU∞
U∞ α= β
dx δ
δ2 νβ
= x+C mit δ(x = 0) = 0 → C = 0
2 αU
r∞ r
2νβ 20ν
δ= x= − x
αU∞ U∞

Max Wilfinger, Robert Novak 91 TU Graz, 2018


8 Grundzüge der Wärmeübertragung

8 Grundzüge der Wärmeübertragung


8.1 Welche drei Arten von Wärmetransport gibt es?
1.) Wärmeleitung:
Bedeutet die Weitergabe von Energie von energiereichen Teilchen an energieärme-
re Teilchen infolge der Wechselwirkungen. Der Energietransfer erfolgt in Richtung
geringerer Temperatur. Die Wärmeleitung ist wichtig in Feststoffen und ruhenden
Fluiden.

2.) Konvektion:
Darunter versteht man den Transport von Wärme durch Fluidbewegung. Energie-
übertragung erfolgt durch Molekularbewegung und makroskopische Strömungsbe-
wegung. Die Konvektion kann noch weiter in freie und erzwungene Konvektion
unterteilt werden.

Max Wilfinger, Robert Novak 92 TU Graz, 2018


8 Grundzüge der Wärmeübertragung

3.) Wärmestrahlung:
Alle Körperoberflächen emittieren Energie in Form elektromagnetischer Wellen.
Haben zwei Oberflächen unterschiedliche Temperaturen, so entsteht ein Nettowär-
mestrom zu der Oberfläche mit der geringeren Temperatur, obwohl diese selbst
ebenfalls Strahlung aussendet. Dieser Wärmetransport durch Strahlung erfolgt
auch im Vakuum. Das bedeutet, dass zwischen den beiden Oberflächen kein Medi-
um als Träger vorhanden sein muss. Die Auswirkungen sind vorwiegend bei höheren
Temperaturen bedeutend.

8.2 Was versteht man unter Dissipation?


Dissipation ist der irreversible Verlust von mechanischer Energie durch Umwandlung in
thermische Energie.
~ v)
Dissipationsfunktion: Φµ = (τ : ∇~

8.3 Die Dissipationsfunktion


h    für  inkompressible
i  Newtonsche
2  Medien
2 ist
2 2 2 2
Φµ = 2µ ∂u ∂x
+ ∂y ∂v
+ ∂w ∂z
∂v
+ ∂x + ∂u ∂y
+ ∂w
∂y
+ ∂v
∂z
+ ∂u
∂z
+ ∂w
∂x
+
 2
2 ∂u ∂v
3 ∂x
+ ∂y + ∂w
∂z
. Woran sehen Sie, dass diese Größe, die in der
mechanischen
h 2i  Energiegleichung
        
d |~v | ~ · ~v − ∇ ~ · p~v + ∇ ~ v + ρ ~v · f~B auftritt,
~ · [τ · ~v ] − τ : ∇~
ρ dt 2 = p ∇
stets einen Verlust an mechanischer Energie bedeutet?
Die Dissipationsfunktion enthält nur quadratische Terme und ist stets positiv. Sie prä-
sentiert daher einen irreversiblen Verlust von mechanischer Energie durch Umwandlung
in thermische Energie.

Max Wilfinger, Robert Novak 93 TU Graz, 2018


9 Wärmeleitung in Festkörpern und ruhenden Fluiden

9 Wärmeleitung in Festkörpern und ruhenden Fluiden


∂T λ q̇Q
9.1 Die Wärmeleitungsgleichung in Temperaturform lautet ∂t
= ρcp
∆T + ρcp
.

a) Erläutern Sie die physikalische Bedeutung der Symbole in der Gleichung.


∂T
. . . Änderung der Temperatur mit der Zeit
∂t
λ . . . Wärmeleitfähigkeit [W/mK]
cp . . . spezifische Wärmekapazität [J/kgK]
ρ . . . Dichte [kg/m3 ]
q̇Q . . . spezifischer Wärmestrom pro Volumen [W/m3 ]
∆T . . . Laplace Operator auf Temperatur angewandt
b) Auf welche bekannte Gleichung reudziert sich diese Gleichung für den Fall sta-
tionärer Wärmeleitung ohne q̇Q ?

stationär keine innere Wärmequellen


∂T7
 λ q̇Q


 = ∆T + 
∂t ρcp ρc
 p
∂ 2T ∂ 2T ∂ 2T
∆T = + + =0
∂x2 ∂y 2 ∂z 2

9.2 Wie lautet die Fouriersche Wärmeleitungsgleichung und was sagt diese aus?
~
~q = −λ∇T
~q . . . Wärmestromdichte
λ . . . Wärmeleitfähigkeit
~ . . . lokaler Temperaturgradient
∇T

Die Fouriersche Wärmeleitungsgleichung sagt aus, dass die lokale Wärmestromdichte


~q [W/m2 ] proportional dem lokalen Temperaturgradienten ist. Die Proportionalitäts-
konstante ist dabei die Wärmeleitfähigkeit λ. Dieses Gesetz basiert ausdrücklich auf
Experimenten!

9.3 Zur Steigerung des über eine Wandoberfläche übertragene Wärmestromes


werden an der Oberfläche oft Kühlrippen angebracht.
a) Welcher Effekt führt zu der Vergrößerung des übertragenen Wärmestromes?
Die Wärmeübertragung durch Konvektion ist direkt proportional zu der wärme-
übertragenden Oberfläche ⇒ Vergrößerung der Oberfläche erhöht die Wärmeüber-
tragung/den Wärmeübergang.

Max Wilfinger, Robert Novak 94 TU Graz, 2018


9 Wärmeleitung in Festkörpern und ruhenden Fluiden

b) Wie ist die Rippenkennzahl definiert?


s
α U
m=
λ AQ
α . . . Wärmeübergangszahl
λ . . . Wärmeleitfähigkeit
U . . . Umfang der Rippe
AQ . . . Querschnittsfläche der Rippe

c) Wie lautet die eindimensionale Differentialgleichung für den Temperaturverlauf


in der Rippe?
d2 T
   
1 dAQ dT α 1 dAO
+ − (T − TF ) = 0
dx2 AQ dx dx λ AQ dx
Zur leichteren Lösung ist es zweckmäßig, eine Temperaturdifferenz Θ(x) = T (x) −
TF einzuführen, da die Fluidtemperatur konstant ist. Damit kann in der obigen
Gleichung die Temperatur T (x) in den ersten beiden Termen durch die Differenz
Θ(x) ersetzt werden, und es resultiert eine Differentialgleichung für diese Differenz.
Relativ einfach kann dieses Problem behandelt werden, wenn die Querschnittsflä-
che der Rippe konstant ist. Dafür erhalten wir die folgende Form:

d2 Θ α U d2 Θ
2
− Θ= 2
− m2 Θ = 0
dx λ AQ dx

9.4 Wie ist der Gütegrad der Kühlrippen definiert?


Der Rippengütegrad wird als Verhältnis der Wärmeströme durch den Rippenfuß mit

Rippe“ zu ohne Rippe“ definiert.

Q1 mλAQ Θ1 tanh(mL)
ηb = =
Q2 αAQ Θ1

Max Wilfinger, Robert Novak 95 TU Graz, 2018


9 Wärmeleitung in Festkörpern und ruhenden Fluiden

9.5 Gegeben sei die Wärmeleitungsgleichung:


dh ~ · ~q) + q˙Q
ρ = −(∇
dt
a) Erläutern Sie die physikalische Bedeutung der Symbole!
ρ . . . Dichte
dh
. . . Enthalpieänderung
dt
∇~ · ~q . . . Wärmestromdichtevektor mit ~q = −λ∇T
~
q˙Q . . . Innere Wärmequelle

b) Vereinfachen Sie für einen stationären Fall ohne innere Wärmequellen!

dh
 ~ · ~q) + q˙Q
ρ  = −(∇
 dt
0=∇~ · ~q

9.6 Ordnen Sie die Bi-Zahlen zu den 3 gegebenen Temperaturprofilen zu. Sind
diese Profile beim Aufheizen oder beim Abkühlen entstanden?

Bi  1 . . . Temperaturverteilung sehr gleichförmig


Bi ≈ 1 . . . großer Temperaturgradienten im Inneren
Bi  1 . . . Plattenoberfläche nimmt rasch die Umgebungstemperatur an

Die Profile sind beim Abkühlvorgang entstanden.

Max Wilfinger, Robert Novak 96 TU Graz, 2018


9 Wärmeleitung in Festkörpern und ruhenden Fluiden

9.7 Instationäre Wärmeübertragungsprobleme, z.B. an Festkörpern, können für


so genannte punktförmige Systeme unter der Annahme behandelt werden,
dass die Temperatur der Festkörper räumlich konstant ist.
a) Durch welche Bedingung für die Biot-Zahl ist das Vorliegen eines punktförmigen
Systems sichergestellt?
Für Biot-Zahlen Bi < 0, 1 beträgt der Fehler im inneren Temperaturprofil weniger
als 5%. ⇒ im inneren räumlich konstante Temperatur.
b) Die Entwicklung der Temperaturdifferenz Θ = T − TF in einer ebenen Platte
der Dicke 2h, die als punktförmiges System betrachtet wird, ist gegeben durch
die Gleichung Θ = ΘA e−F o·Bi . Dabei bedeutet F o die Fourier-Zahl, Bi die Biot-
Zahl und der Index A den Anfangszustand. Welchen Wert hat der Exponent der
e-Funktion, wenn die Temperaturdifferenz Θ auf den halben Wert des Anfangszu-
standes abgefallen ist?

Θ1 = ΘA e−F oBi

1
−F oBi
 Θ1
Θ2 = ΘA e 2
=
2
ΘA (e−F oBi )1 = 2ΘA (e−F oBi )2
(e−F oBi )1 = 2(e−F oBi )2
1
(e−F oBi )2 = (e−F oBi )1
2

c) Wie unterscheidet sich die unter b) angegebenen Exponentialfunktion für kreis-


zylindrische und kugelförmige Geometrie des punktförmigen Systems?

Platte mit Dicke 2h: Θ = ΘA e−F oBi


Zylinder mit Durchmesser 2R: Θ = ΘA e−2F oBi
Kugel mit Durchmesser 2R: Θ = ΘA e−3F oBi

Max Wilfinger, Robert Novak 97 TU Graz, 2018


9 Wärmeleitung in Festkörpern und ruhenden Fluiden

9.8 Definition der Wärmedurchgangszahl! Von welchen Größen hängt sie ab?

1
Wärmedurchgang an ebener Wand: Q = A(T1 − T2 )
1 δ 1
+ +
α1 λ α2
| {z }
k
 
1 W
Wärmedurchgangszahl an ebener Wand k = in
1 δ 1 m2 K
+ +
α1 λ α2

Q . . . Wärmestrom
A . . . Fläche
α . . . Wärmeübergangszahl in [W/m2 K]
δ . . . Wanddicke/Schichtdicke in [m]
λ . . . Wärmeleitfähigkeit in [W/mK]

δ
Bei mehrschichtigen Aufbauten ergibt sich zu
λ
n
X δi
λ
i=1 i

Diese angegebene Form gilt nur für ebene Wände. Bei gekrümmten Wänden (Rohr) ist
die Berechnung komplexer. Aber auch hier gilt, dass der Wärmestrom bei stationären
Verhältnissen durch jede Fläche gleich ist.

1
Wärmedurchgangszahl an der Außenseite eines Rohres ka =
1 Aa δ Aa 1
+ +
αi Ai λ Am αa

ra − ri
mit δ = ra − ri , Am = 2πLrm und rm =  .
ra
ln
ri

Max Wilfinger, Robert Novak 98 TU Graz, 2018


9 Wärmeleitung in Festkörpern und ruhenden Fluiden

9.9 Betrachten Sie die Troposhäre der Erde als ein eindimensonales statisches
System mit Wärmeleitung, dass Sie mit kartesischen Koordinaten
beschreiben dürfen. Durch die Zustrahlung von Energie von der Sonne habe
die Luft am Erdboden eine Temperatur von T0 = 293 K. Dort herrscht ferner
der Druck p0 . Am Rand der Troposhäre, in einer Höhe von 16km über dem
Erdboden, herrsche die Temperatur TH = −70◦ C. Die spezifische
Gaskonstante der Atmosphärenluft, die Sie als ideales Gas behandeln sollen,
hat den Wert R = 287 J/kgK.
a) Bestimmen Sie die Gleichung für das Temperaturprofil in dieser Troposhäre!

0 0
∂T7 q˙Q
 = a∆T + 
∂t ρc
 p
2
∆T = ∇ T = 0
d2 T
=0
dy 2
⇒ T (y) = C1 y + C2

mit RB: T (0) = T0 = 293K und T (16000) = T1 = 203, 15K folgt:

T0 (y = 0) = C1 · 0 + C2 ⇒ C2 = T0
T1 − T0
T1 (y = h) = C1 h + C2 ⇒ C1 =
h

T1 − T0
T (y) = y + T0
h
−89, 85
⇒ T (y) = y + 293
|16000
{z }
k

Max Wilfinger, Robert Novak 99 TU Graz, 2018


9 Wärmeleitung in Festkörpern und ruhenden Fluiden

b) Ermitteln Sie die Gleichung für das Druckprofil in der Troposphäre!

dp
= −ρg
dy
p
dp = −ρg dy mit p = ρRT (y) ⇒ ρ =
RT (y)
pg
dp = − dy
RT (y)
Zp Zy
dp g dy
=−
p R ky + 293
p0 0

du
Substitution: ky + 293 = u ⇒ k dy = du ⇒ dy =
k
Zp Zy
dp 9, 81 1 du
=
p |287
{z k} 0 u
p0
k2
 
p(y)
ln = k2 ln(u)
p0
 
p(y)
ln = k2 ln(ky + 293)|y0
p0
 
p(y)
ln = k2 ln(ky + 293) − ln(293)
p0
   
p(y) ky + 293
ln = k2 ln
p0 293
| {z }
k3 y+1
 
p(y)
ln = k2 ln(k3 y + 1)
p0
 
p(y)
ln = ln(k3 y + 1)k2
p0
p(y)
= (k3 y + 1)k2
p0
p(y) = p0 (k3 y + 1)k2

Max Wilfinger, Robert Novak 100 TU Graz, 2018


9 Wärmeleitung in Festkörpern und ruhenden Fluiden

c) Zeigen Sie mit den Ergebnissen aus Teil a) und b), dass sich für variierende
Höhe über dem Boden, Druck und Temperatur gemäß einer Polytrope ändern!

p1 p2
aus = RT1 und = RT2
ρ1 ρ2
ρ2 T1 p2
⇒ = (1.)
ρ1 T2 p1
 n   n1
p p1 p2 ρ2 p2 ρ2 p2
Polytrope: = = → = ⇒ = (2.)
ρ ρ1 ρ2 ρ1 p1 ρ1 p1
 1  1− n1
T2 p2 p2 n T2 p2
(1.) = (2.) → = ⇒ =
T1 p1 p1 T1 p1

 1− n1
203 0, 107 · 
p0
⇒ = | ln
293 p0

   
203 1
ln = 1− ln(0, 107)
293 n

1
n= ≈ 1, 2
ln( 203
293 )
1− ln(0,107)

Max Wilfinger, Robert Novak 101 TU Graz, 2018


9 Wärmeleitung in Festkörpern und ruhenden Fluiden

9.10 Die innere Oberfläche eines kreiszylinder Rohres mit den Abmessungen wie
in der Skizze angegeben werde durch ein geeignetes Verfahren auf der
Temperatur T1 gehalten. An der äußeren Oberfläche herrsche die
Temperatur T2 . Die eindimensionale Wärmeleitungsgleichung lautet in
Kugelkoordinaten:
0 0
7 a ∂2
∂T q˙Q
 = (rT ) +
∂t r ∂r2 ρc

 p

a) Bestimmen Sie das radiale, eindimensionale Temperaturprofil in der Kugelschale


für den Fall stationärer Wärmeleitung ohne Wärmequellen.

∂2
(rT ) = 0
∂r2
dT C1
=
dr r
T (r) = C1 ln(r) + C2
mit RB: T (r1 ) = T1 und T (r2 ) = T2 folgt:
T1 = C1 ln(r1 ) + C2 → C2 = T1 − C1 ln(r1 ) (1)
T2 = C1 ln(r2 ) + C2 (2)
T1 − T2 T1 − T2
(1) = (2) ⇒ C1 =   und C2 = T1 −   ln(r1 )
ln rr21 ln rr12
 
T1 − T2 r
T (r) = T1 +   ln
ln rr12 r1

b) Ermitteln Sie das Temperaturprofil in Abhängigkeit des Wärmestromes mit Hilfe


der Fourierschen Wäremleitungsgleichung!

dT T1 − T2
q = −λ = −λ   6= konstant
dr r ln r1r2
T1 − T2
Q = 2πrLq = −2π rLλ
  
r ln rr12
 
Q r
T (r) = T1 − ln
2πLλ r1

Max Wilfinger, Robert Novak 102 TU Graz, 2018


9 Wärmeleitung in Festkörpern und ruhenden Fluiden

9.11 Die Energiegleichung kann in dimensionsbehafteter Form für eine stationäre


zweidimensionale Strömung
 ohne innere Wärmequelle folgendermaßen
∂T ∂T ∂p ∂p
geschrieben werden: ρcp u ∂x + v ∂y = u ∂x + v ∂y + Φµ + λ∆T . Dabei habe
das im vorliegenden Problem h
zu beschreibende
   Fluid ifolgende
2
  2
∂v 2 ∂w 2
Dissipationsfunktion Φµ = 2µ ∂u ∂x
+ ∂y
+ ∂z
+ ∂v
∂x
+ ∂u
∂y
+
 2  2
∂w 2
+ ∂v + ∂u + ∂w + 32 ∂u ∂v ∂w

∂y ∂z ∂z ∂x ∂x
+ ∂y
+ ∂z

a) Erläutern Sie die physikalischen Bedeutungen der Terme!


 
∂T ∂T ∂p ∂p
ρcp u +v =u + v + Φµ + λ∆T
∂x ∂y ∂x ∂y |{z} | {z }
| {z } | {z } ∗∗∗ ∗∗∗∗
∗ ∗∗
∗ . . . beschreibt die Enthalpieänderung
∗ ∗ + ∗ ∗ ∗ . . . beschreiben die wechselseitige Umwandlung von thermische in me-
chanische Energie oder umgekehrt
∗ ∗ ∗ ∗ . . . Fouriersche Wärmeleitungsgleichung
b) Machen Sie die Gleichung für den Fall einer Umströmung des Körpers dimensi-
onslos. Hierzu führen Sie die Temperaturdifferenz Θ = T − T∞ und die Bezugstem-
peraturdifferenz Θ0 = TW − T∞ ein, wobei TW die Wandtemperatur ist. Verwenden
Sie L als Längenmaß, U∞ als Bezugsgeschwindigkeit und ρ∞ als Bezugsdichte.
u x v y Θ ∗ ρ p
setze: u∗ = , x∗ = , v ∗ = , y ∗ = , Θ∗ = ,ρ = und p∗ = 2
U∞ L U∞ L Θ0 ρ∞ ρ∞ U∞
∗ ∗ ∗ ∗
 2 ∗
2
∂ 2 Θ∗
    
∗ ∗ ∂Θ ∗ ∂Θ U∞ ∗ ∂p ∗ ∂p λ ∂ Θ
ρ u +v = u +v + +
∂x∗ ∂y ∗ cp Θ0 ∂x∗ ∂y ∗ ρ∞ U∞ cp L ∂x∗2 ∂y ∗2
| {z } | {z }
∗ ∗∗
µU∞
+ Φ∗µ
ρ cp Θ0 L
| ∞ {z }
∗∗∗
  ∗ 2
∂v ∗ 2
 
∗ ∂u
mit: Φµ = 2µ + ∗ + ...
∂x∗ ∂y

c) Identifizieren Sie die dimensionslosen Kennzahlen vor den Termen auf der rech-
ten Seite, die Sie durch diese Prozedur erhalten haben und erläutern Sie ihre
physikalische Bedeutung!
kinetische Energie
∗ . . . Ec-Zahl=
Enthalpiedifferenz über die wärmebeeinflusste Zone
1 Zähigkeitskräfte · Diffusivität für Enthalpie
∗ ∗ ... =
Re-Zahl · Pr-Zahl Trägheitskräfte · Diffusivität für Impuls
Ec-Zahl Zähigkeitskräfte · kinetische Energie
∗∗∗ . . . =
Re-Zahl Trägheitskräfte · Enthalpiediff. über die wärmebeeinflusste Zone

Max Wilfinger, Robert Novak 103 TU Graz, 2018


9 Wärmeleitung in Festkörpern und ruhenden Fluiden

9.12 Ist es für einen Pizzaboten günstiger, möglichst schnell zu fahren, damit
wenig Zeit vergeht oder möglichst langsam zu fahren, damit ein geringer
Wärmestrom übertragen wird, um die Pizza möglichst warm beim Kunden
abzuliefern? Der Karton kann als ebene, an beiden Seiten benetzte Platte
in laminarer Grenzschichtströmung betrachtet werden. Er ist ein
punktförmiges System. T0 zur Zeit t = 0, ap , λp , Dicke= 2h, quadratische
Fläche L · L, Lufttemperatur TL , λ, ν,
√ konstante Fahrgeschwindigkeit U∞ ,
Fahrstrecke B, a ist proportional zu ReL und Temperaturdifferenz ist
proportional zu e−F oBi .
Ebene Platte:
λ t αL tα
− −
2
Θ = Θ0 e−F oBi = Θ0 e cp ρ L λ = Θ0 e cp ρL
r
U∞ L
mit: α = k
ν
B
q z}|{ q
U∞ L L
cp ρk ν
t cp tU∞ ρk U∞ ν
− −
Θ = Θ0 e h = Θ0 e h
q
L
cp Bρk U∞ ν

= Θ0 e h
Θ sinkt weniger, je größer U∞ . ⇒ So schnell wie möglich fahren!

9.13 Eine ebene Platte der Dicke 2h = 20 mm und der Anfangstemperatur 220◦ C
werde zur Zeit t = 0 in ein Ölbad der konstanten Temperatur TF = 40◦ C
eingebracht. Die Wärmeübergangszahl zwischen Öl und Platte beträgt
α = 40 W/m2 K.
a) Verifizieren Sie, dass unter den vorliegenden Umständen die Platte als punkt-
förmiges System behandelt werden darf.
Unter Vorraussetzung kleiner Biot-Zahl (Bi < 0, 1), kann ein System als Punkt-
förmig angesehen werden.
αh 40 · 10−2
Bi = = < 0, 1
λ 240

b) Wie lange dauert es, bis der Temperaturunterschied zwischen Platte und Ölbad
auf die Hälfte seines anfänglichen Wertes gesunken ist?

Daten: Platte Wärmeleitfähigkeit λ = 240 W/mK


Dichte ρ = 2700 kg/m3
spez. Wärmekapazität cp = 900 J/kgK

Max Wilfinger, Robert Novak 104 TU Graz, 2018


9 Wärmeleitung in Festkörpern und ruhenden Fluiden

dT
−ρcp V = αA0 (T − TF )
dt
mit: Θ = T − TF
αA0 dT dΘ
dt = − =−
ρcp V T − TF Θ
αA0
t = − ln(Θ) + ln(C)
ρcp V
RB: bei t = 0 ⇒ Θ = ΘA = TA − TF
0 = − ln(ΘA ) + ln(C) ⇒ ΘA = C
αA0
t = − ln(Θ) + ln(ΘA )
ρcp V
   
Θ T − TF αA0
ln = ln =− t
ΘA TA − TF ρcp V

Θ T − TF −
αA0
t
= = e ρcp V
ΘA TA − TF

1
(TP l − TF ) = (TP lA − TF )
2
1 1
TP l = TF + (TP lA − TF ) = 313 + (493 − 313)
2 2
TP l = 403K

Θ 403 − 313 −
αA0
t
= = e ρcp V
ΘA 493 − 313
αA0
− ρc t
0, 5 = e pV

αA0
ln(0, 5) = − t
ρcp V
ln(0, 5)ρcp h
A0
t=−
αA0
ln(0, 5) · 2700 · 900 · 10−2
t=−
40

Max Wilfinger, Robert Novak 105 TU Graz, 2018


9 Wärmeleitung in Festkörpern und ruhenden Fluiden

9.14 Der Gütegrad einer Kühlrippe wurde in der Vorlesung hergeleitet. Er ist
mλAQ Θ1 tanh(mL)
gegeben durch die Gleichung ηb = αAQ Θ1
, wobei die Rippenkennzahl
q
αU
m = λA Q
(Umfang U und Flächeninhalt AQ des Rippenquerschnitts) und L
die Länge der Rippe in Richtung der Wärmeleitung ist. Vergleichen Sie zwei
Rippenquerschnittsformen mit gleichem Flächeninhalt des Querschnitts:
einen Kreisquerschnitt mit dem Durchmesser D und einen quadratischen
Querschnitt. Die Rippen sollen gleich lang sein, aus demselben Material
bestehen und Wärme an die Umgebung mit der gleichen Übertragungszahl
α übertragen.

AQ = AQ Quadrat = AQ Kreis

D2 π
a2 =
r4
D2 π
⇒a=
4

UKreis = Dπ
r
D2 π
UQuadrat = 4a = 4
4
a) Wie groß ist das Verhältnis U/AQ für die beiden Querschnitte, jeweils formuliert
mit dem Durchmesser D?
UKreis Dπ 4
= D2 π =
AQ 4
D
q
2
4 D4 π
r
UQuadrat 6 D2 π 8 1
= D2 π = 4 4π
= √
AQ 4
4D D π
4, 5

D
⇒ UQuadrat > UKreis

b) Welche der beiden Rippen hat den größeren Rippengütegrad? Begründen Sie
Ihre Antwort.
q q
α UQuadrat α UQuadrat
ηb Quadrat λ AQ
λAQ tanh λ AQ
L
= q q
ηb Kreis α UKreis
λAQ tanh αλ UKreis L
λ AQ AQ
q
α UQuadrat
UQuadrat tanh λ AQ
L
= q >1
UKreis tanh α UKreis L
λ AQ

Max Wilfinger, Robert Novak 106 TU Graz, 2018


10 Konvektiver Wärmeübergang

10 Konvektiver Wärmeübergang
10.1 Temperaturfelder bei konvektiver Wärmeübertragung in dimensionsloser
~ ∗ p∗ , Re, P r, Gr, Ec)!
Form sind im allgemeinen Funktionen Θ∗ = f (~x∗ , ∇
a) Erläutern Sie die dimensionslosen Kennzahlen, die in der Funktion auftreten.
U∞ L Trägheitskräfte
Reynolds-Zahl: Re = =
ν Zähigkeitskräfte
ν Diffusivität für Impuls
Prandtl-Zahl: Pr = =
a Diffusivität für Enthalpie
gx βL3 Θ0 Auftriebskräfte
Grashof-Zahl: Gr = 2
=
ν Zähigkeitskräfte
2
U∞ kinetische Energie
Eckert-Zahl: Ec = =
cp Θ0 Enthalpiedifferenz der wärmebeeinflussten Zone

b) Welche beiden Kennzahlen sind bei Vorgängen mit erzwungener Konvektion


meist vernachlässigbar klein?
Der Auftriebsterm ist bei erzwungener Konvektion vernachlässigbar, da die Strö-
mung mechanisch“ erzeugt wird ⇒ die Grashof-Zahl Gr.

c) Wie steht die Nusselt-Zahl mit dem Temperaturfeld Θ∗ in Zusammenhang?

∂Θ∗

αL
Nu = = − ∗
λ ∂y y∗ =0

d) Wie gehen Sie experimentell vor, um die globale, über die Oberfläche eines
Körpers gemittelte Nusselt-Zahl N u = f (Re, P r) zu ermitteln?
Laut Nusselt, kann sie als Potenzfunktion dargestellt werden, wobei die Konstante
sowie die Exponenten aus Experimenten zu bestimmen sind.

N u = CRem P rn

Max Wilfinger, Robert Novak 107 TU Graz, 2018


10 Konvektiver Wärmeübergang

10.2 Wie groß ist α in einer thermisch entwickelten Strömung?


α = konst. 6= f (x)
Dies gilt sowohl für TW = konstant , als auch für qW = konstant, allerdings nimmt die
Konstante in beiden Fällen verschiedene Werte an.

10.3 Leiten Sie die Nu-Zahl aus der Wärmestromdichte her und skizzieren Sie
das fluidseitige Temperaturprofil in Wandnähe. Geben Sie auch ihre
physikalische Bedeutung an. Wie groß ist die Nu-Zahl bei Konvektion?
Wovon ist diese abhängig?
q = α(TW − T∞ )
α ist eine Unbekannte die es ermöglicht q als Funktion der Temperaturdifferenz zu for-
mulieren.
q
α=
TW − T∞

Um α zu bestimmen muss der wandnahe Bereich genauer untersucht werden (y → 0).

An der Wand sind die Geschwindigkeiten sehr klein ~v = 0, d.h. Wärmeübergang ge-
schieht nur durch Leitung. Hier gilt das Fouriersche Gesetz.


∂T
q = −λ mit λ = λF luid
∂y y=0

∂T
∂y
y=0
α = −λ = Randbedingung!
TW − T∞

∂T
−λ
αL ∂y y=0
⇒ = = N u . . . Nußelt-Zahl
λ λ
(TW − T∞ )
L

Max Wilfinger, Robert Novak 108 TU Graz, 2018


10 Konvektiver Wärmeübergang

Nu =
b dimensionsloser Temperaturgradient der Wand

∂T
−λ
αL ∂y y=0 wirkliche Wärmestromdichte
Nu = = =
λ λ Wärmestromdichte bei reiner Leitung im ruhenden Fluid
(TW − T∞ )
L
Trotz verschwindender Fluidgeschwindigkeit direkt an der Wand wird der Wärmeüber-
gang vom Strömungszustand bestimmt. Für N u kann also erwartet werden
~ ∗ , Re, P r, Gr, Ec)
N u = f3 (x∗ , ∇p

beachte: N u 6= f (y ∗ ), da direkt an der Wand!

10.4 Erläutern Sie mit Worten die Aussage der thermischen Energiegleichung und
geben Sie dabei die Bedeutung der einzelnen Terme an. Wandeln Sie die
Gleichung für den Fall reiner Wärmeleitung in Temperaturform um. Hierzu
sei die Enthalpie durch den Ansatz h = cp T zu beschreiben. Bedenken Sie
dabei, dass bei reiner Wärmeleitung offenbar ruhendes Fluid vorliegt
dh dp ~ · ~q) + q˙Q
ρ = + (τ : ∇~v ) − (∇
dt dt | {z } | {z } |{z}
∗∗∗ ∗∗∗∗ ∗∗∗∗∗
|{z} |{z}
∗ ∗∗

∗ . . . zeitliche Änderung der Enthalpie


∗ ∗ · · · Leistung der Druckkräfte
∗ ∗ ∗ . . . Leistung der elastisch/viskosen Kräfte (Dissipation)
∗ ∗ ∗ ∗ . . . Energietransport durch Wärmeleitung
∗ ∗ ∗ ∗ ∗ . . . Leistung der inneren Wärmequellen

stationär
dh dp : Dissipation vernachlässigbar
~ · ~q) + q˙Q
∇~v ) − (∇

ρ =  + (τ: 
dt dt
mit dh = cp dT und ~q = −λ∇T ~
dT λ q̇Q
⇒ = ∆T +
dt ρcp ρcp

Max Wilfinger, Robert Novak 109 TU Graz, 2018


10 Konvektiver Wärmeübergang

10.5 Skizzieren Sie den hydrodynamischen und den thermischen Anlauf. Was
∂ TW (x)−T (r,x)
folgt aus der Gleichung ∂x TW (x)−Tm (x)
= 0 für α? Was gilt für
E
qW =konstant und TW =konstant?
Hydrodynamischer Anlauf
Ab x = xE bleibt das Geschwindigkeitsprofil unverändert, also ∂u/∂x = 0 und
v = 0, da hier die Grenzschichten zusammenwachsen.
Für die Länge des hydraulischen Anlaufes bei laminarer Strömung gilt (ohne Be-
weis)
x  um D
E
≈ 0, 056ReD mit ReD =
D laminar ν
Ebenfalls ohne Beweis sei für die Länge des Anlaufbereiches in turbulenter Strö-
mung als grober Anhalt angeführt
x  1 xE
E
≈ 0, 39ReD4 bzw. 10 ≤ ≤ 60
D turbulent D

Thermischer Anlauf
Für die thermische Anlauflänge im Fall laminarer Strömung gilt (ohne Beweis)
x  um D
E,th
≈ 0, 056ReD P r mit ReD =
D laminar ν

Ist die Wärmeleitzahl konstant, d.h. keine Funktion von x, dann ist auch die Wärme-
übergangszahl konstant:

α = konst. 6= f (x) für thermisch entwickelte Strömung

Max Wilfinger, Robert Novak 110 TU Graz, 2018


10 Konvektiver Wärmeübergang

Dies gilt sowohl für TW =konstant, als auch für qW =konstant, allerdings nimmt die
Konstante in beiden Fällen verschiedene Werte an. Im Anlaufbereich gilt dies nicht,
dort ist die Wärmeübergangszahl von x abhängig: α = α(x). In der Nähe von x = 0 ist
die Dicke der thermischen Grenzschicht δt gering und daher die Wärmeübergangszahl
hoch. Mit zunehmender Lauflänge im Rohr wird δt größer, und α nimmt ab bis zum
Erreichen des thermisch entwickelten Zustandes.

Wenn das dimensionslose Temperaturprofil keine Funktion von x ist, dann folgt daraus,
dass auch die Ableitung nach der radialen Koordinate keine Funktion von x sein kann.

∂T ∂T
qW = −λ =λ
∂y ∂r
oder qW = α(TW − Tm )
− qλW − α (TW − Tm )
⇒ = λ 6= f (x)
TW − Tm TW − Tm

Max Wilfinger, Robert Novak 111 TU Graz, 2018


10 Konvektiver Wärmeübergang

10.6 Die Nusselt-Zahl für


√ den 1lokalen Wärmeübergang an einer ebenen Platte
lautet N u = 0, 332 ReP r 3 . Bestimmen Sie hieraus die über die
Plattenlänge L gemittelte Wärmeübergangszahl ᾱ(x)?

αx
N ux =
λ r
λp 1 1 1 U∞ x
α(x) = 0, 332 Rex P r 3 = 0, 332λP r 3
x r x ν
1 U∞ − 1 1
α(x) = 0, 332λP r 3 x 2 = Kx− 2
| {z ν}
K
Zx Zx x
1 K − 12 K 1 1
α(x) = α(x) dx = x dx = 2 x = 2Kx− 2 = 2α(x)
2
x x x 0
0 0

10.7 Wird das Verhältnis der Dicken der Temperaturgrenzschicht und der
Strömungsgrenzschicht mit kleiner werdender Pr-Zahl des Fluids größer
oder kleiner? Begründen Sie Ihre Antwort!
Das Verhältnis von δδt wird bei kleinerer Prandtl Zahl größer. Eine Abschätzung der
beiden Grenzschichten ist bei erzwungener Konvektion möglich, da der Auftriebsterm in
der Impulsgleichung vernachlässigbar ist.
 
δ 1
=O √
L Re
1
aus der Energiegleichung folgt: = O(ε21 )
ReP r
 
δt 1
mit dem Ansatz = O(ε1 ) = O √
L ReP r
 
δt 1
⇒ =O √
δ Pr

Max Wilfinger, Robert Novak 112 TU Graz, 2018


10 Konvektiver Wärmeübergang

10.8 Bei thermisch ausgebildeter Strömung durch ein Rohr kann im Fall, dass die
durch die Wand zugeführte Wärmestromdichte konstant ist, die mittlere
Fluidtemperatur als Funktion der Koordinate x in Strömungsrichtung leicht
angegeben werden. Notieren Sie die Gleichung und erklären Sie darin
vorkommende Größen! Welche Form hat die Gleichung für Tm (x), für den
Fall konstanter Wandtemperatur?
Studienblätter Teil 3 Seite 6 ff

Fall 1: qW = konstant
qW Dπ
Tm (x) = Tm,ein + x mit: qW = α(x)(TW − Tm )
ṁcp
Tm (x) . . . mittlere Fluidtemperatur abhängig von x
Tm,ein . . . mittlere Fluidtemperatur beim Eintritt ins Rohr
qW . . . Wärmestromdichte
D . . . Rohrdurchmesser
ṁ . . . Massenstrom
cp . . . spezifische Wärmekapazität
Die mittlere Fluidtemperatur weist einen linearen Verlauf längs der Koordinate x
auf, und zwar gleichermaßen im Anlaufbereich wie auch im thermisch entwickelten
Bereich. Für den Anlaufbereich folgt zusätzlich aus qW = α(x)(TW − Tm ), dass
(TW − Tm ) mit x zunehmen muss, da α(x) abnimmt.

Fall 2: TW = konstant
 
∆Taus TW − Tm (x) Ux
= = exp − αx
∆Tein TW − Tm,ein ṁcp
Rx
αx . . . die im Rohr gemittelte Wärmeübergangszahl αx = x1 α(x) dx
0

Die Temperaturdifferenz TW − Tm (x) nimmt exponentiell mit der Koordinate x ab.

10.9 Bei welcher Art konvektiver Strömung ist die Grashofzahl von Bedeutung:
bei freier oder bei erzwungener Konvektion? Das Verhältnis welcher beiden
Kräfte gibt die Grashofzahl an? In welcher Grundgleichung der
Kontinuumsmechanik tritt die Grashofzahl in Erscheinung?
Die Grashofzahl ist bei freier Konvektion von Bedeutung, da die Strömung hier aufgrund
thermischen Auftriebes in Gang gesetzt wird.
gx βL3 Θ0 Auftriebskräfte
Grashof-Zahl: Gr = 2
=
ν Zähigkeitskräfte
Die Grashofzahl kommt in der Impulsgleichung vor.

Max Wilfinger, Robert Novak 113 TU Graz, 2018


11 Ungelöste Mysterien der Strömungslehre

11 Ungelöste Mysterien der Strömungslehre


11.1 Gegeben ist die Bewegungsgleichung. Erklären Sie die Terme.
11.2 Die Grenzschicht längs der Oberfläche eines umströmten Körpers ist eine
Zone in der die Werte von physikalischen Größen vom Wert an der Wand in
den Wert in der Außenströmung übergehen.
a) Für welche Größen können Grenzschichten vorliegen?

b) Welche Aussage folgt aus den Gleichungen in Grenzschichtform für die Abhän-
gigkeit des Druckes von der y-Koordinate?

11.3 Wie lautet das Axiom, dass der Aussage der Kontinuitätsgleichung
zugrunde liegt? Gibt es einen Beweis für seine Richtigkeit?
11.4 Bestimmen Sie die Stromfunktion Ψ der Hagen-Poiseuilleschen
Rohrströmung nach dem folgenden Vorgehen:
a) Weisen Sie nach, dass die beiden Definitionen für Geschwindigkeitskomponenten
∂Ψ ∂Ψ
in r- und in z-Richtung der Rohrströmung, ur = r∂z und uz = r∂r , richtig sind.
Welches Kriterium ist hierfür relevant?
b) Bestimmen Sie nun mit der Kenntnis der Geschwindigkeitsverteilung in der
Hagen-Poiseuillischen Rohrströmung die Stromfunktion durch Integration einer
der beiden obigen Definitionsgleichungen. Die Integrationskonstante sei bestimmt
durch die Forderung, dass der Wert der Stromfunktion auf der Rohrachse gleich
null sei.

11.5 Über eine ebene Platte der Länge L in Anströmrichtung x und der Breite B
quer dazu (in z-Richtung) soll bei einseitig benetzender zweidimensionaler
Anströmung mit der Geschwindigkeit U∞ Wärme übertragen werden. Die
Temperaturdifferenz (TW − T∞ ) liegt fest. Ist es zur Verdopplung des
Wärmestromes durch Vergrößerung der Platte bei sonst konstanten
Bedingungen im Hinblick auf den Aufwand an Plattenmaterial günstiger,
die Länge der Platte (in Anströmrichtung) oder ihre Breite quer zur
Anströmungrichtung zu vergrößern? Hierbei soll die Umströmung als
laminar vorausgesetzt werden. Begründen Sie Ihre Antwort.
11.6 Ein Massenpunkt bewegt sich mit der folgenden Geschwindigkeit durch ein
ebenes kartesisches Feld der skalaren Größe A(t, x, y). Wie groß ist die
substantielle Ableitung der Größe A, die der Massenpunkt sieht?
   
u c
= x
v cy

Max Wilfinger, Robert Novak 114 TU Graz, 2018


11 Ungelöste Mysterien der Strömungslehre

11.7 Welcher physikalische Vorgang in Fluiden ist die Ursache dafür, dass es im
Tensor τji der bewegungsbedingten Spannungen jeweils drei Komponenten
mit gleichem i gibt (also z.B.: für i = x die Komponenten τxy , τyz und τzx )?
11.8 Eine ebene stationäre Potentialströmung sei aus einer Quelle

(WQ (z) = 2π ln az ) und einem Potentialwirbel (WP W (z) = −i 2π
Γ
ln az )
zusammengesetzt.
a) Bestimmen Sie die Gestalt der Stromlinien (Gleichung für die Linien genügt)!

b) Bestimmen Sie die Geschwindigkeitsverteilung im Strömungsfeld (Gleichungen


für die beiden Komponenten u und v in x- und y-Richtung).

c) Welche Gestalt haben die Isotachen, also die Linien konstanter Geschwindigkeit
(Gleichung genügt).

11.9 Eine Flüssigkeit mit der dynamischen Viskosität µ = 18, 3 mP as und der
Dichte ρ = 1320 kg/m3 strömt durch ein horizontales Kreisrohr mit Radius
R = 4 cm. Ab welchem Wert des Druckgradienten dp/dz wird die Strömung
von laminarer auf turbulente Strömungsform umschlagen? (Hilfestellung: Im
laminaren Profil der Geschwindigkeitskomponente in Achsenrichtung des
Rohres, u(r), ist die größte Gesschwindigkeit gegeben als
umax = −(1/4µ)(dp/dz)R2 )
11.10 Navier-Stokes-Gleichungen in Prandtlscher Grenzschichtform für ebene
Strömungen lauten:
a) Welcher Term enfällt?

b) Auf welche Aussage reduziert sich die zugehörige y-Komponente der Impuls-
gleichung?

c) Wird die Kontinuitätsgleichung durch diese Betrachtung verändert?

11.11 Thermisch ausgebildete Rohrströmung


a) Welche zwei thermische Bedingungen werden unterschieden?

b) Welche Aussage kan man über die Wärmeübergangszehl λ für den Wärmeüber-
gang zwischen Rohrwand und Fluid in einer thermisch ausgebildeten Rohrströmung
machen?

Max Wilfinger, Robert Novak 115 TU Graz, 2018


11 Ungelöste Mysterien der Strömungslehre

11.12 Durch einen Modellversuch soll der Strömungswiderstand eines grossen


Körpers ermittelt werden. Der Modellkörper hat nur 1/5 des
Durchmessers. Das Strömungsmedium ist das gleiche.
Fw
cw = ρ 2 2
U L
2 ∞

a) Mit welcher Geschwindigkeit muss das Model angeströmt werden?

b) Wie lautet die Gleichung mit der die Widerstandskraft des Originalkörpers er-
rechnet werden kann?

11.13 Couette Strömung → Stromfunktion Ψ


∂Ψ
a) Nachweisen, dass u = ∂y
und v = − ∂Ψ
∂x
richtig sind. Welche Kriterien müssen
hierfür erfüllt sein?

b) Bestimme die Stromfunktion Ψ durch Integration einer Definition. Randbedin-


!
gung: Wert von Ψ bei y(0) = 0.

11.14 Die Rohrreibungszahl λ wird in dem sogenannten Moody-Diagramm


dargestellt.
a) Von welchen dimensionslosen Einflussgrößen hängt λ im allgemeinen Fall ab?

b) Auf welche Abhängigkeiten reduziert sich dies für den Fall der hydraulisch glat-
ten Wand, und der vollkommen rauhen Wand?

11.15 Die Potentialströmung um einen Kreiszylinder mit Zirkulation ist zu


betrachten. Der Radius des Zylinders sei R.
a) Entnehmen Sie die komplexe Potentialfunktion für diese zusammengesetzte
Strömung den Studienblättern.

b) Zerlegen Sie diese Gleichung in Real- und Imaginärteil (Geschwindigkeitskom-


ponenten in r- und φ-RIchtung).

c) Lage der Staupunkte auf der Zylinderoberfläche r = R (Gleichung in Form von


sin φ = . . . )

d) Unter welchen Bedingungen können auf der Oberfläche des Kreiszylinders keine
Staupunkte existieren?

Max Wilfinger, Robert Novak 116 TU Graz, 2018


11 Ungelöste Mysterien der Strömungslehre

2
11.16 Prüfen Sie die Gleichung ∂u
∂t
= v ∂∂yu2 auf Korrektheit der Dimensionen.
Beschreiben Sie, welche Dimensionen die linke und die rechte Seite der
Gleichung haben.
11.17 Betrachten Sie die einsetzende laminare entwickelte Strömung zwischen
zwei senkrecht stehenden, unendlich großen ebenen Platten im Abstand
2H = 1, 5 cm, wie sie in der Vorlesung behandelt wurde. Die Strömung ist
instationär, das Fluid ist anfangs in Ruhe und lange Zeit nach Einsetzen
der durch Gravitation getriebenden Bewegung konvergiert das
Geschwindigkeitsprofil gegen eine parabolische Form. Für diese Strömung
sei gegeben, dass die Geschwindigkeit in Kanalmitte nach der
dimensionslosen Zeit τ = vt/H 2 = 0, 94 genau 90% der nach sehr langer
Zeit sich einstellenden Endgeschwindigkeit erreicht hat.
a) Wie lange dauert es, bis dieser Zustand erreicht ist, wenn das strömende Fluid
im einen Fall ein Öl der dynamischen Zähigkeit µ = 300 mP as und der Dichte
ρ = 870 kg/m3 , und im anderen Fall Wasser ist (µ und ρ von Wasser wissen Sie
auswendig)?
b) Begründen Sie physikalisch, warum dieser Vorgang für Wasser so viel länger
dauert als für das Öl.

11.18 Welche beiden Energien können zwischen der mechanischen und der
thermischen Energieform ausgetauscht werden? Welcher der beiden
Austauschvorgänge ist reversibel, welcher irreversibel? Zur Beantwortung
dieser Frage müssen Sie an Terme denken, die sowohl in thermischer, wie
auch in der mechanischen Energiegleichung vorkommen.
11.19 .
a) Wie erklären Sie sich, dass bei Gasen mit steigender Temperatur die Wäreme-
leitung steigt?

b) Passt die Modellvorstellung zu der Tatsache, dass die dynamische Viskosität


von Gasen mit der Temperatur ebenfalls ansteigt? Begründung!

11.20 Erläutern Sie die Rechnung, die für ein bestimmtes durchströmtes Rohr
konstanter Wandtemperatur zur Beschreibung eines übertragenen
Wärmestroms durch die mittlere logarithmische Temperaturdifferenz
zwischen Eintritts- und Austrittszustand führt.
11.21 Notieren Sie die Gleichung des totalen Differentials.

Max Wilfinger, Robert Novak 117 TU Graz, 2018


11 Ungelöste Mysterien der Strömungslehre

11.22 Bei Flüssigkeiten mit freier Oberfläche, die wie starre Körper in einem
rotierenden Behältnis mitrotieren, stellt sich die Form der Oberfläche
derart ein, dass ihre lokale Höhe über dem Biden des Behältnisses dem
statischen Druck in der Flüssigkeit entspricht. Das
Differentialgleichungssystem zur Ermittlung der Druckverteilung in der
Flüssigkeit lautet bei rotationssymmetrischen Behältnissen wie folgt.
2 2
Hieraus ergibt sich die Form der freien Oberfläche zu zF = h0 + ω2gr .
Zeigen Sie, dass der Kraftvektor auf der rechten Seite des obigen
Gleichungssystems an jedem Punkt der freien Flüssigkeitsoberfläche
senkrecht auf der Oberfläche steht.
   2 
∂p/∂r ω r
 0  = ρ 0 
∂p/∂z −g

11.23 Betrachten Sie die Hagen-Poiseuillesche Rohrströmung durch ein Rohr mit
Durchmesser d = 2R.
a) Geben Sie an, welche Art Fluid zur Berechnung dieser stationären Strömung
vorausgesetzt wird.

b) Geben Sie an, welche geometrischen und hydrodynamischen Eigenschaften die


Strömung hat.

c) Notieren Sie die Kontinuitätsgleichung für die unter a) und b) spezifizierte


Strömung in Zylinderkoordinaten. Welche Aussage über die Radialgeschwindigkeit
vr erhalten Sie daraus?
d) Notieren Sie die zur Berechnung der Strömung allein relevante Komponente
der Impulsgleichung in Zylinderkoordinaten mit den Spezialisierungen aus a) unf b
und unter Berücksichtigung des Ergebnisses aus c).

e) Bestimmen Sie das Geschwindigkeitsprofil der Strömung.

f) Die volumenstromäquivalente mittlere Geschwindigkeit U der Strömung ist ge-


rade halb so groß wie die größte Geschwindigkeit im Rohrquerschnitt. Ermitteln
Sie mit dieser Information den Zusammenhang zwischen der Rohrreibungszahl λ
und der Reynoldszahl Re = U d/ν der Strömung eines Fluids mit der kinematischen
Viskosität ν durch ein Rohr des Durchmessers d.

Max Wilfinger, Robert Novak 118 TU Graz, 2018


11 Ungelöste Mysterien der Strömungslehre

11.24 Betrachten Sie die ebene lamniare Grenzschichtströmung an einer ebenen


Platte. Für
√ diese Strömung hat Blasius die Stromfunktion
Ψ(x, y) = U∞ vxf (η) hergeleitet, worin f (η) die Blasius-Funktion
p ist und
die Ähnlichkeitskoordinate η durch die Beziehung η = y U∞ /vx definiert
ist (x-Achse in der Plattenebene in Strömungsrichtung).
a) Welche Schrägstellung gegenüber der x-Achse ist im Strömungsfeld dieser
Grenzschichtströmung größer: die des Grenzschichtrandes δ(x) oder die des Ge-
schwindigkeitsvektors am Rand der Grenzschicht? Begründen Sie.
b) Berechnen Sie den Volumenstrom Fluid, der innerhalb der Grenzschicht längs
der Platte strömt. Nimmt dieser in x-Richtung zu oder ab?

c) Wie erklären Sie das Ergebnis von b) mit dem Ergebnis aus a)?

11.25 Gegeben war ein Skizze mit den Maßen einer Couette-Strömung (mit U
und h und dem Koordinatensystem). Mit dem Wissen der
Geschwindigkeitsfunktion sollte die Stromfunktion für diese Strömung
berechnet werden. Was bedeutet dabei die Integrationskonstante die Sie
durch die Berechnung erhalten haben, wenn angegeben ist, dass die
Stromfunktion im Ursprung (bei x = 0 und y = 0) den Wert null hat?
11.26 Betrachten Sie den konvektiven Wärmeübergang an ein Fluid, das durch
ein gerades Rohr gegebener Geometrie fließt. Das Fluid sei gegeben, und
es fließt mit einem bestimmten Massenstrom und einer bestimmten
Eintrittstemperatur Tein in das Rohr ein. Am Ende des Rohres tritt es mit
einer erhöhten Temperatur Taus wieder aus. Wie verändert sich diese
Austrittstemperatur bei Erhöhung des Fluidmassenstromes (steigt oder
sinkt sie?), wenn die Wärme
a) mit konstanter Wandwärmestromdichte und

b) mit konstanter Wandtemperatur TW des Rohres zugeführt wird? Für den Fall
konstanter TW sei die Wärmeübertragungszahl durch die Ditus-Boelter-Beziehung
bestimmt.

11.27 Das Geschwindigkeitsprofil


h der Hagen-Poiseuilleschen Rohrströmung lautet
dp R2
i
r 2
u(r) = − dz 4µ 1 − R . Wie groß ist die Wandschubspannung, die bei
dieser laminaren Strömung höchstens (also bei Re = U D/ν = 2300
auftreten kann? Bedenken Sie hierbei, dass die volumenstromäquivalente
dp R2
mittlere Geschwindigkeit U = − dz 8µ
ist. Der Rohrdurchmesser ist D = 2R.

Max Wilfinger, Robert Novak 119 TU Graz, 2018