Sie sind auf Seite 1von 2

16.9.2019 Wie gefährlich sind Krähen? | GMX.

AT

Suchbegriff eingeben  

Wie gefährlich sind Krähen?


Eine Krähe fliegt einen Angriff auf einen Spaziergänger: Was wie aus einem Gruselfilm
klingt, passiert in Großstädten häufig. Aber warum ist das so, und wie gefährlich ist
das?

Es scheint beinahe wie eine Szene aus Alfred Hitchcocks Film "Die Vögel" zu sein: Eine
Krähe schießt aus dem Baum, fliegt im Sturzflug auf den Kopf des nichtsahnenden
Spaziergängers und pickt ihn mit dem Schnabel. Immer wieder liest man von solchen
Szenen, vor allem in deutschen Großstädten. In einer Berliner Straße in Kreuzberg
häufen sich offenbar die Angriffe auf Spaziergänger, Jogger und Radfahrer, aber auch in
Parks wurde das rabiate Verhalten der Vögel beobachtet.

Doch warum attackieren die Nebel- und Rabenkrähen oder Elstern Fußgänger?
Tatsächlich hat ihr Verhalten mit dem ihrer Artgenossen in Hitchcocks Gruselfilm gar
nichts zu tun. Denn es handelt sich nicht um Schwärme, die gemeinsam auf einen
Menschen losgehen. Lediglich einzelne Tiere können aggressiv werden, und das auch
nur, weil sie ihren Nachwuchs verteidigen wollen. Die scheinbar blitzartigen und
wahllosen Angriffe auf Fußgänger sind in Wirklichkeit ein Schutz vor einer möglichen
Gefahr.

Die Altvögel halten potenzielle Feinde fern


Meist handelt es sich dabei nur um Scheinangriffe - und zwar nicht nur auf Menschen,
sondern auch auf Hunde, Katzen oder Eichhörnchen, wie der Biologe Matthias Luy vom
Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV) erklärt. Das komme "hin und wieder zur
Brutzeit" vor. "Es passiert nur dann, wenn die Küken im Nest sind oder frisch
ausgeflogen. Die Jungvögel sind nach Verlassen des Nestes oft noch kaum flugfähig
und halten sich dann Tage lang am Boden und in Bodennähe auf. In dieser Zeit ist die
Gefahr für sie groß, von Hunden, Katzen oder Mardern gefressen zu werden." Die
Altvögel kümmerten sich dann darum, dass den Küken potenzielle Feinde nicht zu nahe
kommen. Menschen würden selten als solche betrachtet.

Tatsächlich kommen solche Angriffe "sehr selten" vor, wie Lars Lachmann, Referent für
Ornithologie und Vogelschutz beim Naturschutzbund Deutschland (Nabu) erklärt. Und
wenn, dann eben "nur, um ihr Nest oder ihre gerade flüggen Jungen zu verteidigen,
wenn Menschen zu nahe kommen." Auch der LBV-Biologe Matthias Luy sagt: "Es
handelt sich um sehr seltene Fälle. Die allermeisten Krähen sind gegenüber dem
Menschen sehr vorsichtig, wobei das Picken mit dem Schnabel einen Einzelfall
https://www.gmx.at/magazine/wissen/gefaehrlich-kraehen-30703214 1/2
16.9.2019 Wie gefährlich sind Krähen? | GMX.AT

darstellt." Die Hauptnistzeit der Krähen ist zwischen Mai und August, deshalb kann es
in dieser Zeit auch eher zu Angriffen kommen.
Suchbegriff eingeben  

Die richtige Reaktion auf eine wütende Krähe

Aber wie sollte man reagieren? Die wichtigste Faustregel: Geraten Sie nicht in Panik.
Nabu-Experte Lachmann sagt: "Die Attacken sind normalerweise Flugattacken gegen
den höchsten Punkt am Menschen, also den Scheitel." Deshalb helfe eine
Kopfbedeckung. "Ein erhobener Arm, ein Regenschirm oder Stock verlagern die Angriffe
dann jeweils darauf. Am besten zieht man sich einfach so schnell wie möglich aus der
Gefahrenzone zurück, also weg vom Nest oder Jungvogel."

Die Vögel wollen dem vermeintlichen Feind vor allem drohen, zu Verletzungen kommt
es dabei eher selten. Wenn überhaupt, dann sind nach Angaben des Nabu-Biologen
durch das Picken mit dem Schnabel "kleine Wunden" möglich. "Von übertragbaren
Krankheiten ist uns nichts bekannt", erklärt der LBV-Experte Luy. "Die normalen
Impfungen wie Tetanus sollten vorsichtshalber vorhanden sein, da die Möglichkeit
besteht, dass der Rabenvogel vorher an einem wilden Tier gefressen hat und sich Reste
am Schnabel befinden könnten. Ansonsten ist von Krähen nichts zu befürchten."

https://www.gmx.at/magazine/wissen/gefaehrlich-kraehen-30703214 2/2